Episode 153: Kevin – Allein zu Haus – Kindlich brutale Weihnachtsstimmung
Weiter geht es mit unseren Christmas Specials: Dieses Mal nehmen wir uns einen absoluten Klassiker unserer Kindheit – und wahrscheinlich auch der Kindheit vieler unserer Zuhörenden vor: Kevin – Allein zu Haus aus dem Jahr 1990.
Wir beleuchten kritisch, wie gut der Komödienklassiker in den letzten 30 Jahren gealtert ist. Wir reden über die ganzen Running Gags und Memes, die dieser Film in seiner langen Geschichte produziert hat. Wir beschäftigen uns mit Macaulay Culkin, dem schmalen Grat zwischen fantastischem Slapstick und absurder Grausamkeit, zwischen Weihnachtsfreude und Weihnachtskitsch, und beantworten wie immer die essentielle Frage: Wie gut funktioniert das Ganze hier als Weihnachtsfilm?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 153: Kevin – Allein zu Haus – Kindlich brutale Weihnachtsstimmung Publishing Date: 2023-12-06T13:24:12+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/12/06/episode-153-kevin-allein-zu-haus-kindlich-brutale-weihnachtsstimmung/
Johannes Franke: Und dann hat er die Gangster beauftragt, dass sie da hinkommen sollen, das Haus ausrauben und Kevin töten sollen.
Florian Bayer: Ist Peter McAllister ein Gangsterboss?
Johannes Franke: Ja, natürlich. Was sagst du? Ja, okay, Theorie-approved. Plur, ich habe Angst. Jingle Bells, Jingle Bells, Jingle Bells. Ich habe Angst vor dieser Episode, Plur. Es ist so viel.
Florian Bayer: Es ist so viel. Wir haben uns auch gerade beide in die Augen geschaut und ich habe Johannes gefragt, bist du auf irgendwas fokussiert?
Johannes Franke: Nein, auf nichts. Ich habe keinen Fokus.
Florian Bayer: Wir reden über einen Film, der, also zum einen gibt es unfassbar viele Produktionsnotizen, weil alle so Lavataschen sind, insbesondere Macaulay Culkin.
Johannes Franke: Und der Film ist so beloved, überall, auf der ganzen Welt, also der ganzen Welt, ihr wisst schon, westliches Zeug. Und es ist einfach, da ist so viel drüber geredet worden. Die ganzen Sachen, die der kleine Junge mit den Gangstern macht, die wurden einmal nachgestellt, um herauszufinden, wie schnell man sterben würde. So weit ist es gegangen, dass es alles jede Minute einmal auseinandergenommen wurde über die Jahre. Kevin Allein zu Hause ist mehr Meme als Film. Ja.
Florian Bayer: Und wir werden versuchen, heute dieses Meme auseinanderzunehmen und uns vielleicht auch ein bisschen zurückbesinnen an unsere Erfahrungen mit Kevin Allein zu Hause und versuchen irgendwie diesem Film gerecht zu werden und über diesen Film zu reden.
Johannes Franke: Und ich bin gespannt, wo uns das hinträgt. Ich möchte zum Einstieg ein Zitat vorlesen von der Washington Post damals. Die Washington Post hat den Film gesehen damals und hat folgendes geschrieben. Es ist nicht Miracle on 34th Street. Es ist nicht It's a Wonderful Life oder The Grinch Who Stole Christmas. All those scenes from all three are shown in Home Alone. This Holiday Contender from John Hughes is too crass, too loud and too violent to be added to Christmas viewing traditions. But it's funny and it will be a hit, at least this year. Ich find's super.
Florian Bayer: Ich möchte mein achtjähriges Ich zitieren, das den Film gesehen hat. Oh ja, bitte. Oh mein Gott, das ist der beste Film, den ich je gesehen habe. Und den du je sehen wirst. Das ist der Wahnsinn. Es geht einfach nicht besser.
Johannes Franke: Ich habe nach diesem Film gedacht, ich werde niemals Aftershave benutzen. Das scheint ja wirklich weh zu tun.
Florian Bayer: Was für ein Aftershave besitzt sein Vater? Er hat sich nicht davor rasiert. Er hat sich nicht mal rasiert. Sein Auto hat keine Schnitte oder so.
Johannes Franke: Was ist das für ein Aftershave? Das Ding ist, er sollte ja die Hand wieder runternehmen eigentlich. Eigentlich war es ja bloß so gedacht, dass er das da dran macht, Jan die Hände runternimmt und dann schreit. Und dann hat er die Hände aber dran gelassen, weil man als Kind irgendwie auch so koordiniert ist, man auch nicht. Und dann spielt man halt irgendwas und dann ist das das ikonische Bild geworden.
Florian Bayer: Ja, nicht nur das ikonische Bild, sondern vor allem das ikonische Geräusch, weil dieser Schrei, das hatte ich nicht mehr so in Erinnerung. Kevin schreit sehr viel in diesem Film. Ja, krass, ne? Es gibt sehr viele Scream-Scenes.
Johannes Franke: Apropos, woran man sich nicht erinnert. 80% des Films. Ich dachte, 90% des Films sind irgendwelche Traps für diese Gangster. Aber nein, das macht ja nur so 20% des Films aus. Ich hab's aufgeschrieben. 76. Minute, noch 25 Minuten übrig.
Florian Bayer: Der Film geht los. Krass! Und ich erinnere mich noch, als Kind war das natürlich das, was man sehen wollte und das, was einem versprochen wurde. Man will sehen, wie das kleine Kind die Gangster ärgert. Ja. Und das ist nicht mal ein Drittel des Films.
Johannes Franke: Das ist das ganze Vorgeplänkel. Was heißt Vorgeplänkel? Der Film. Es geht ja in dem Film um andere Sachen als einfach nur irgendwelchen Gangstern auf die Fresse zu hauen. Aber es ist wirklich der Kern der ganzen Geschichte für Kinder.
Florian Bayer: Es ist auch das, was im Trailer promotet wurde. Es war das, was man sehen wollte, wenn man ins Kino gegangen ist. Und es hieß auch für mein 8-, 9-jähriges Ich, sich so ein bisschen durchzuhangeln, bis die geilen Szenen kommen. Echt, ja? War das so? Es war so ein bisschen so. Ich kann mich erinnern, ich hab mich immer darauf gefreut. Und ich kann mir auch gut vorstellen, wir hatten das aus VHS. Ja. Ich weiß nicht, ich gehe davon aus, dass ich den Schluss öfter geguckt habe als den Anfang. Homolo. Ich hab mich gut entfohlen. Und 1990 Regie Chris Columbos Drehbuch John Hughes, der auch für die Produktion zuständig war. Unser Spezialist für großartige Hollywood-Komödien. Schon seit den 80ern. Wahnsinn. Und vor allem unser Teenager-Filmexperte, der unter anderem Breakfast Club und Ferris Macht Blau gedreht hat. Und Kevin An-Einzhaus gehört natürlich auch zu seinen großen Hits. 18 Millionen Dollar Budget, 476 Millionen Dollar Box Office.
Johannes Franke: Und Macaulay Culkin kann bis heute davon leben. Ja. Gut für ihn. Gut für ihn, absolut. Er hat so viel Scheiße durchgemacht.
Florian Bayer: Gut für ihn. Also, das ist tatsächlich schwierig, wenn man über diesen Film redet. Worüber will man reden? Will man über Macaulay Culkin reden? Das wäre eine eigene Episode. Das machen wir. Das machen wir auch. Wir reden über Macaulay Culkin. Die sind nämlich auch teilweise fantastisch. Es ist fantastisch auch. Will man über die Produktion reden und 10.000 Podcasts in den Culkin News oder Chris Columbus was dazu gesagt haben und das alles auseinandernehmen? I don't know. Will man über den Film reden? Will man ihn einer scharfen Kritik unterziehen? Will man ihn analysieren? Ich weiß es nicht. Und das wird ein Abenteuer, glaube ich.
Johannes Franke: Wir werden alles das machen, Flo. Alles durcheinander werfen.
Florian Bayer: Und zwar durcheinander gleichzeitig.
Johannes Franke: Kannst du glauben, dass dieser Junge jeden Tag aufsteht und brav duscht?
Florian Bayer: Das ist das Unrealistischste an dem ganzen Film. Warum macht er das? Und dieser Film hat sehr viele unrealistische Momente. Mein Kind ist sieben. Mein Kind ist ein Jahr jünger als Kevin. Nein. So sind achtjährige Kinder nicht.
Johannes Franke: Auf gar keinen Fall. Nicht in your most twisted fantasy, nein. Aber es gibt so viele tolle Szenen, egal wie unrealistisch sie sind. Ganz vorne, wie er einkaufen geht. Ich finde es so toll. Der Dialog mit der Kassiererin? Mit der Kassiererin. Ich bin ein achtjähriges Kind. Glauben Sie, dass ich hier alleine in der Gegend rumspaziere? Natürlich nicht. Er macht das so gut. Er spielt das so gut. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Wo sind deine Eltern? Papa ist im Auto. Wo sind deine Geschwister? Ich bin dein Einzelkind. Das ist so gut. Er ist wirklich schnell. Entschuldigung Leute, ganz kurz angeworfen. Normalerweise nehmen wir uns unglaublich viel Zeit einmal kurz die Handlung zusammenzufassen. Das brauchen wir, glaube ich, diesmal nicht zu machen. Ich habe das Gefühl, diesen Film kennt wirklich jeder.
Johannes Franke: Das Kind bleibt zu Hause und hat Spaß. Am Ende kommt die Mutter wieder. Bam. Aus. Vorbei. Dazwischen gibt es ein paar Gangster, die das Haus überfallen.
Florian Bayer: Reden wir nicht weiter drüber. Ja, gehen wir rein. Rollen wir kurz ein Gefühl dafür. Wie hast du den Film wahrgenommen diesmal?
Johannes Franke: Du hast ihn ja auch bestimmt schon öfter gesehen. Ich habe ihn sehr, sehr lange nicht gesehen. Ja. Wirklich sehr lange nicht gesehen. Weil ich auch Weihnachtsmuffel bin und dann eben diese ganzen Sachen keine Rolle spielen. Der Film wird halt größtenteils zu Weihnachten gezeigt und alles, was in Verbindung gebracht wird mit Weihnachten ist bei mir eher so, naja, vielleicht eher nicht. Und das heißt, das letzte Mal, dass ich diesen Film ernsthaft geguckt habe, ist wahrscheinlich 20 Jahre her. Das dürfte es bei mir auch gewesen sein ungefähr, ja. Und dann vielleicht nochmal davor irgendwie 10 Jahre her als Kind halt. Also vielleicht habe ich ihn wirklich nur zweimal oder dreimal gesehen. Ich glaube, ich habe den ziemlich oft gesehen als Kind.
Florian Bayer: Und dann ist es halt auch so ein Ding, es läuft immer im Fernsehen am Weihnachtsnachmittag.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist halt einfach so diese typische Situation, auch als Jugendlicher dann auch. Du bist zu Hause, du hast es noch ein bisschen bis Geschenke ausgepackt werden oder bis Gäste kommen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Du schaltest halt irgendwie doof den Fernseher an, zumindest in den 90ern hast du das noch gemacht. Und dann läuft irgendwas und dann ist die Chance relativ groß, dass Kevin allein zu Hause läuft. Natürlich. Und dann siehst du zumindest ein paar Szenen davon und dann wahrscheinlich selbst du weiter, bis es eben zu diesen letzten 25 Minuten kommt, weil dich das ganze Zeug drumherum nicht interessiert. Ich habe diesen Film, glaube ich, sehr oft gesehen. Ich hätte ihn mitsprechen können. Hat dich jetzt als Erwachsener der Rest des Films interessiert? Partiell? Partiell? Also ich hatte halt die ganze Zeit diese morbide Neugier. Wie ist das so, eine Leiche aus meiner Kindheit nochmal zu sehen? Das hat einfach eine Rolle gespielt. Das heißt, ich hatte ständig dieses Auseinandernehmen. Es sind mir viele Sachen aufgefallen, die ich deutlich nerviger finde, als beim letzten Mal, als ich ihn gesehen habe. Oh, okay. Unter anderem und ich, also ich finde Macaulay Culkin ist ein toller Typ. Ich finde ihn echt total cool. Ich habe wirklich, ich habe ein totales Herz für ihn. Es kommt ein Aber. Der ist kein guter Schauspieler. Also zumindest der achtjährige Macaulay Culkin ist kein guter Schauspieler. Muss er das sein? Muss ein achtjähriges Kind guter Schauspieler sein? Muss er nicht, aber er ist nicht nur kein guter Schauspieler, er ist auch furchtbar nervig. Und die Figur, die er spielt, ist auch furchtbar nervig. Aber sowas von. Aber bis zu dem Punkt, wo du keinen Bock hast, mit ihm mitzufiebern, weil er dir nur auf den Sack geht und du denkst, Junge, komm mal klar, komm mal runter.
Johannes Franke: Hör mal auf, die ganze Zeit so schreiend rumzurennen. Nein, nein, nein, nein, nein. Ich finde es großartig. Ich finde ihn ganz toll. Wirklich, er hat so einen Charme. Ich finde ihn wirklich toll. Du findest, er hat Charme? Natürlich. Volle Kanne. Wo? Du kennst dieses Meme, wo dieses Kind im Vordergrund steht und so in die Kamera grinst und im Mittlergrund brennt das Haus. Das ist Macaulay Culkin. Er grinst zu oft in die Kamera. Das nervt mich nämlich auch tierisch. Ich finde es super schön. Ich finde, dass am Ende, wenn die Gangster festgenommen werden, nachdem sie halb tot geprügelt wurden von ihm quasi. Ja. Und er dann so rausgrinst und winkt. Das fasst das alles so gut zusammen. Er ist nicht ein einziges bisschen beeindruckt davon, was diese eigentlich absolut traumatischen Erlebnisse mit ihm hätten machen müssen. Es ist so spurlos an ihm vorbeigegangen.
Florian Bayer: Ist es? Meme Nummer 1.
Johannes Franke: Jetzt go, okay.
Florian Bayer: Kevin wird zum Chigsaw-Killer. Das ist so geil. Wer so elaborierte Fallen baut, hat eine große Zukunft als psychopathischer Killer. Es ist toll. Wir sehen die Geburt des Chigsaw-Killers aus der Saw-Franchise. Und absolut, Kevin ist nämlich nicht nur ein Fallenbauer, er baut Fallen, die mein Kind auch bauen würde. Zum Beispiel, dass er den Weihnachtsschmuck unter das Fenster legt.
Johannes Franke: Das ist total super.
Florian Bayer: Übrigens mit diesem wunderschönen, er antizipiert, dass Marv seine Schuhe auszieht und dass ihm das weh tut, weil mit Schuhen tut es keinem weh. Egal, aber er baut ja Fallen, die einfach mörderisch sind.
Johannes Franke: Ja, unglaublich. Der will die beiden umbringen. Allein dieses Bügeleisen, was wirklich weit runterfällt und dann mit einer Wucht eigentlich aufschlagen würde, dass den Körper so dermaßen, also es gibt einen Mediziner, der da drauf geschaut hat, gesagt hatte, sofort ins Krankenhaus, sonst wird das nichts mit dem Überleben. Und du hast dann Brüche um Brüche und er kann froh sein, wenn er irgendwann wieder normal gucken kann. Ja. A fucking flamethrower. Das ist großartig, die Szene ist toll.
Florian Bayer: Electrocuting door. Ja. Es ist wirklich fies. Es ist wirklich mörderisch. Seine Ideen sind einfach mal, wenn wir in der Realität werden, sind wir ja Gott sei flamethrowerartig. Und es ist ja auch so, ich meine, das Ende seines Plans ist, dass er die Polizei ruft. Er könnte auch einfach gleich am Anfang die Polizei ruft. Aber nein, er will noch ein bisschen Spaß mit ihnen haben und sie foltern. Ich gehe voll mit. Meme, er ist der Chicksaw Killer, approved by me. Okay. Was ist der nächste Meme? Jetzt bin ich gespannt.
Johannes Franke: Also was gibt es noch für... Sind wir schon bei den Memes? Ja, nein, komm, wenn du schon angefangen hast.
Florian Bayer: Na dann, ein sehr bekanntes ist natürlich, Peter McAllister muss ein Gangsterboss sein. Ja.
Johannes Franke: Woher hat er das Geld und das Haus? Er kann sich dieses Haus nicht leisten. Es ist das Beste in der Straße und es ist das beste Haus, was ich je gesehen habe. Es ist das größte Haus. Es ist unglaublich. Ja, das stimmt. Es ist nicht das Beste, sondern das größte Haus.
Florian Bayer: Es ist ein riesiges Haus. Kein Wunder, dass da ein Kind verloren geht. Ja, natürlich. Und es ist wirklich krass und es ist luxuriös. Und ich meine, okay, der Onkel bezahlt für den Paris-Urlaub.
Johannes Franke: Und der Onkel hat einfach nur einen scheiß Job in Paris bekommen und feiert deswegen und lädt dann alle sieben Leute ein und bezahlt deren Flüge und alles. Was ist das für ein Job, den er da bekommen hat?
Florian Bayer: Also auch woher wissen die Gangster, die haben es die ganze Zeit auf dieses eine Haus abgesehen. Das sind ja Knastgeschichten. Der da, wisst ihr noch, der hat auch mal gesessen und jetzt hat er ein großes Haus
Johannes Franke: und eine große Familie. Aber da kommt das nächste Theorie rein. Bitte? Der Onkel, der hat dafür gesorgt, der sagt ja am Anfang des Films irgendwas Beleidigendes. Ich weiß nicht mehr genau, was er sagt zu ihm. Jerk. You are a jerk. Jerk ist echt hart. Ja. Und so ein Kind. Das sagt man so ein Kind nicht in einem Gottesfilm. Und der hat laut dieser Theorie das alles eingefädelt. Hat dafür gesorgt, dass der Baum umfällt und dass der Strom weggeht. Dass die deswegen zu spät aufstehen und dann zu spät zum Flughafen kommen und deswegen in dem ganzen Chaos untergeht, dass das Kind zu Hause bleibt. Und dann hat er die Gangster beauftragt, dass sie da hinkommen sollen, das Haus ausrauben und Kevin töten sollen. Ja. Okay. Kurz zu meiner Theorie zurück.
Florian Bayer: Ist Peter McAllister ein Gangsterboss? Ja, natürlich.
Johannes Franke: Was sagst du?
Florian Bayer: Ja. Okay. Theorie approved. Nächste Theorie. Ist der Onkel verantwortlich dafür? Nein. Nein? Oh. Ich finde die Idee gut. Aber ja. Bleiben wir dabei. Peter McAllister ist der Gangster und das ist ein Zufall. Auch wenn der Onkel auf jeden Fall ein böser Mensch ist.
Johannes Franke: Es gibt schon auch Probleme mit dem Gangster-Ding. Weil das Ding ist natürlich, eigentlich muss es eine Kombination. Jetzt widerspreche ich mir kurz. Es muss eine Kombination sein aus der Gangsterboss und der Onkel will den Jungen töten. Weil der Gangsterboss hätte sofort 20 Leute, die er anrufen kann und sagen kann, du guckst jetzt, ob du willst oder nicht, ob es meinem Kind gut geht oder nicht. Die sind alle im Urlaub. Die sind nicht alle im Urlaub. Und wenn die im Urlaub sind und der Gangsterboss sagt, du gehst zu mir nach Hause und guckst nach, dann kommt der aus im Urlaub zurück und guckt nach.
Florian Bayer: Okay. Nächste Theorie. Wo wir noch bei der Familie sind. Die Familie ist ein religiöser Kult. So viele Menschen in einem großen Haus. Übrigens, by the way, hast du am Anfang verstanden, wie viele Kinder die McAllister hat? Also wie viele Geschwister Kevin hat? Sechs? Fünf. Fünf. Ich hab's erst am, ich hab, man weiß es nicht, ich hab's erst verstanden, als ihr am Schluss dann reinkommt und nur noch die Familie McAllister da ist. Stimmt. Und dann sind's halt fünf. Und davor fragst du dich die ganze Zeit, okay, ich seh, dass hier viele Kinder rumlaufen und Kevin hat offensichtlich eine große Familie, aber wie viele Kinder sind seine Geschwister? Weil er redet mit allen, als ob sie seine Geschwister wären. Ja, ja, die sind so eine sehr enge Familie einfach, ne? Cousins und Consignen. Enge Familie, großes Haus, alle wuseln durcheinander.
Johannes Franke: Ja, okay. Religiöser Kult. Das würde ich nicht approven, muss ich sagen. Da bin ich zu sehr, weiß ich nicht, dafür fehlt mir zu viel Hinweis in Richtung Religion.
Florian Bayer: Naja, wir haben immerhin den Teufel in diesem Film. Kevins Mutter sagt, ich würde sogar mit dem Teufel einen Pakt abschließen, wenn ich zu meinem Sohn komme. Auftritt, Gas. John Candy in einem großartigen Cameo.
Johannes Franke: Der ist so nett. Ja, der Teufel kommt immer netter her. Aber er kommt genau in dem Moment, wo sie das sagt.
Florian Bayer: Es ist auch eine geile Theorie. Er sagt, ich nehme sie mit in meinem Wagen und dann fährt sie mit ihm und er labert sie noch ein bisschen zu. John Candy hat alles improvisiert.
Johannes Franke: Und John Candy hat das als Gefallen getan. Hat dafür weniger Geld bekommen, als der Typ, der den Pizzaboten gespielt hat. Und sein Tag war 23 Stunden lang sein Tretag.
Florian Bayer: Er hatte keine Zeit, ne? Sie mussten das alles zusammen komprimiert drehen, weil sie ihn halt nur dafür gebucht haben. Und dann haben sie einen extrem langen Tretag gemacht. Und John Candy hat unter anderem sich deswegen dazu bereit erklärt, weil er eben improvisieren konnte und weil er einfach Dialoge raushauen konnte. Und weil er Kevin kannte. Weil er Kevin kannte. Uncle Buck war, glaube ich, der Film davor. Genau, das war so der erste große Film, wo Macaulay Culkin als Comedy-Rolle entdeckt wurde. Und genau. Und er bringt sie mit dem Wagen nach Hause, nachdem sie gesagt hat, ich würde auch mit dem Teufel zusammenfahren. Und der Teufel fährt sie dann.
Johannes Franke: Er kommt nicht als Teufel rüber. Und es gibt auch keine Auflösung in Richtung, dass es der Teufel gewesen ist.
Florian Bayer: Es gibt tatsächlich eine Szene aus einem anderen Film von John Candy zusammen mit Steve Martin, ein Ticket für zwei, heißt der auf Deutsch, wo man John Candy kurz in einer Fantasie als Teufel erscheinen sieht. Ungefähr selber Zeitraum. Ich finde die Idee, dass dieser nette, sympathische, naive John Candy der Teufel ist, finde ich sehr schön, würde ich nehmen. Okay. Und da haben wir unsere Religion auch mit drin.
Johannes Franke: Es würde auch dafür sprechen, dass sie im Grunde zur gleichen Zeit ankommt wie der Rest der Familie, der geflogen ist.
Florian Bayer: Genau, sie hat ihre Seele für nichts verkauft. Sie hätte sie behalten können, aber jetzt ist sie für ewig verflucht. Und wo wir schon bei Religion und beim Teufel sind, kommen wir natürlich noch mehr zum Übernatürlichen. Wir haben unseren wundervollen Marley, den alten Mann. Hast du jetzt die Weihnachtstheorie? Also ich habe erstmal die Theorie, dass es Kevin aus der Zukunft ist. Ah, natürlich. Finde ich auch geil. Finde ich auch eine gute Idee. Ja, deswegen rettet er Kevin. Er weiß, dass Kevin genau in diesem Moment, in diesem Haus ist und Hilfe braucht, weil er sonst von Harry und Marv entweder getötet wird oder so traumatisiert wird, dass er zu diesem alten Mann wird, der eben nicht mit seiner Vergangenheit klarkommt und das irgendwie verarbeiten muss. Und mit seiner Familie nicht. Und mit seiner Familie nicht klarkommt. Was ja ein schweres Thema durch den ganzen Film ist, wie viel Liebe steckt in der Familie. Und bei Kevins Familie ist es nicht sonderlich viel.
Johannes Franke: Ja, naja. Das Ding ist, du hast einen bestimmten Pott an Liebe. Du hast so, sagen wir mal, du hast so einen großen Kochtopf Liebe und wenn da sechs Kinder dran hängen an diesem Topf, dann kriegt halt jeder nicht so viel ab, wie als wenn es nur ein Kind wäre.
Florian Bayer: Kevin kriegt nur Verachtung ab. Ich fand diese, ich habe das früher als Kind nicht so krass wahrgenommen. Ich komme auch aus relativ bütenden Verhältnissen. Also meine Eltern hatten sehr viel Liebe für uns alle. Und ich habe das als Kind gar nicht so wahrgenommen. Aber das ist verdammt dark, wie die mit ihm umgehen. Und zwar nicht nur, also der Vater ignoriert ihn komplett, der wechselt vielleicht zwei Sätze mit ihm. Aber auch die Mutter, die einfach überhaupt nicht auf seine Bedürfnisse eingeht, keinen Blick für ihn hat. Und alle anderen behandeln ihn wie den letzten Dreck.
Johannes Franke: Das macht natürlich das Setting sofort auf. Du brauchst für Kevin einen Grund zu sagen, ich will euch alle nicht mehr sehen. Ich will alleine leben als mit dieser Familie. Er hat ja auch vollkommen recht, diese Familie ist das Letzte. Absolut. Und damit kommen wir so ein bisschen zu dem, was ich am besten finde und was ich tatsächlich für sehr wahrscheinlich halte. Abgesehen von den ganzen lustigen Theorien. Ich glaube, dass die beiden Gangster und Marley von nebenan die drei Geister der Weihnacht sind. Oh yeah, Baby, gib's mir. Das finde ich total geil. Ja. Weil Kevin braucht eine Erinnerung daran, wie wichtig Familie ist und die Mutter braucht das auch. Also braucht eine Erinnerung daran, wie wichtig Kevin ist und dass sie ihn die ganze Zeit übersehen hat und dass man ihn nicht so behandeln darf. Und ich finde, dass die drei geschickt werden, um diese Familie wieder zu flicken, total schön und total wichtig.
Florian Bayer: Es gibt ja auch bei allem, was wir jetzt sagen, wie dysfunktional diese Familie ist, diese Schlussszene, wenn die Mutter reinkommt und Kevin sieht sie und guckt dann kurz ernst und wirklich ernst und diesen Blick kennt man von Kindern und dann sagt sie, oh Kevin, I'm so sorry. Und dann wird aus diesem Ernsten ein Lächeln und eine Befreiung und ein doch glücklich darüber sein, dass sie da ist und er lächelt und fällt ihr in die Arme. Die Szene hat mich wieder vollgekriegt. Sehr süß, ja, ja. Die ist echt schön und die, also ich habe jetzt gesagt, dass Macaulay Culkin so ein, nicht so ein guter Schauspieler ist, die Szene spielt er echt gut. Dieses, ich sehe sie, aber dieser Schmerz sitzt noch zu tief. Und es braucht diesen einen Moment dieser mütterlichen Bestätigung, dieses, tut mir leid, das ist scheiße gelaufen, aber ich liebe dich, mein Sohn. Und das war wirklich stark.
Johannes Franke: Wobei ich das an der Stelle so ein bisschen anders gesehen habe, weil er ja eigentlich die ganze Zeit denkt, dass er die Familie weggezaubert hat. Und dann ihr einen bösen Blick zuzuwerfen, wenn er sich die ganze Zeit als Verursacher sieht, finde ich ein bisschen, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ich weiß, also ich meine, das ist halt auch so ein Ding. Achtjährige sind nicht so abergläubig.
Johannes Franke: Weiß nicht, wenn er glaubt, dass er die Fähigkeit hat, die Familie wegzuzaubern, und das glaube ich ihm, dass er das glaubt.
Florian Bayer: Es liegt so nahe, weil er sich die ganze Zeit in der Handlung so verhält, ne? Ja, natürlich. Er will niemandem was sagen, er flieht vor der Polizei und er versucht es beim Weihnachtsmann
Johannes Franke: wieder einzulösen, was die süßeste Szene überhaupt ist. Ich weiß, wie das läuft. Ich weiß, du bist nicht der Weihnachtsmann, aber du arbeitest für ihn. Ich finde das so super süß.
Florian Bayer: Aber auch so ein achtjähriges Ding, ne? Dieser Kevin ist so eine ganz merkwürdige Mischung aus altklug und eigentlich viel zu dumm und naiv für dieses Alter. Also pass auf, mein siebenjähriges Kind würde es nicht hinkriegen, solche Fallen aufzubauen. Ja. Mein siebenjähriges Kind weiß, dass der Weihnachtsmann nicht existiert. Mein siebenjähriges Kind könnte mit ein bisschen überlegen seine Tasche selbst packen und würde nicht komplett daran verzweifeln. Also es ist einfach, es ist kein achtjähriges realistisches Kind, was dargestellt wird. Und es ist halt auch so eine widersprüchliche, widersprüchlich unrealistisch, weil es in einigen Dingen ist Kevin viel zu unselbstständig und in anderen Dingen ist er viel zu selbstständig.
Johannes Franke: Ja, ja, klar. Gerade beim Einkaufen, wie er dieses Gespräch führt, ist also wirklich völlig absurd, aber es ist so süß und so lustig.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Es ist natürlich total niedlich. Und es ist, ich habe das glaube ich schon mal gesagt, ich habe auch immer so einen Softspot für altkluge Kinder. Viele Menschen sind von altklugen Kindern in Filmen genervt. Ich bin es meistens nicht. Ich mag das, wenn Kinder sich wie zu alt verhalten. Bei Kevin nervt mich halt teilweise diese Mischung und vor allem, dass das dann mit so viel Lautstärke einhergeht. Dieses ständige, diese Drama-Queen, dieses ständige Schreien. Immer passiert irgendwie was, was ihn zum Schreien und Wegrennen bringt.
Johannes Franke: Ah, ich finde es so super, wie er vor dem Fernseher sitzt, das erste Mal das Eis in sich hineinfuttert und dann ruft, ich esse hier ganz viel Eis und gucke mir diese Filme an, die ich nicht gucken sollte. Am besten ihr kommt vorbei und stoppt mich. Es ist toll. Er macht das, er veräußert das alles so. Und vor allem, weil er es auch nicht selber glauben kann so richtig und weil er natürlich auch eigentlich die ganze Zeit mit diesem Deklamieren quasi Zaubersprüche ausspricht in der Hoffnung, dass sie wiederkommen. Ja, ja. Aber das ist viel zu tiefgründig dafür, für diesen Film. Aber ja, natürlich macht er das, ja.
Florian Bayer: Naja, das ist ja eigentlich noch die Phase, er ist sehr glücklich damit, dass sie weg sind. Wo wir ihn kurz davor durchs Hausrennen haben dann gesehen.
Johannes Franke: Ja, aber das ist so eine Oberfläche, aber das stimmt ja nicht. Du hast ja als Kind eigentlich erstmal auch, das ist sehr beunruhigend, wenn die nicht da sind.
Florian Bayer: Voll, aber das zeigt der Film ja so nicht. Er guckt raus und sagt, ich hab meine Familie weggezaubert. Party! Und wir haben wieder einen Zeitraffer. Oh ja. Ich mag übrigens den Anfang, die ersten 20 Minuten, wenn dieses Chaos im Haus ist und dann dieser Morgen, wo sie alle so panisch durcheinander laufen und es ist ein doppelter oder dreifacher Geschwindigkeit abgespielt, ist toll.
Johannes Franke: Er ist super. Er ist wirklich mit sich inszeniert. Ich find's ganz toll, dass der Drehbuchautor sich wirklich, wirklich Gedanken gemacht hat, wie er das Ganze konstruiert. Es war ihm ganz, ganz wichtig, dass wenn der Film läuft und Mütter sich den anschauen und sagen, also niemals würde ich mein Kind vergessen, dass alles im Drehbuch so stimmt, dass es passieren kann. Ja. Zum einen, dass das mit dem Strom ist, dass das weg ist, dass die eben in die Panik geraten. Zum anderen, dass sein Ticket im Müll landet, weil da Milch drüber verschüttet wird. Aus Versehen landet das Ticket von Kevin im Mülleimer, sodass sie später am Flughafen auch nicht feststellen können, hier ist ja ein Ticket zu viel. Ja. All solche Sachen. Das zählen, ganz wichtig. Das zählen von den Köpfen.
Florian Bayer: Ihnen ist wirklich wichtig, niemanden zu vergessen und sie haben extra offensichtlich eine von ihren Mädchen genommen und gesagt, du sorgst dafür, dass alle in diesen verdammten Bus steigen. Genau. Du guckst das und dann fragen sie auch nochmal nach.
Johannes Franke: Sie haben es auch nochmal im Kopf und sagen, hast du alle gezählt? Sie zählt alle Köpfe und natürlich ist der Nachbarsjunge dummerweise da und gibt einen Kopf mit und haut dann aber wieder ab. und trotzdem könnte man natürlich denken, ja, hier, Kevin ist nicht hier im Auto, aber es sind ja insgesamt 17 Leute, das heißt, sie sind zwischen den beiden Vans aufgeteilt und jeder von denen könnte denken, naja, Kevin ist halt bei den anderen drüben. Es ist großartig alles zusammengebaut. Es ist ein glaubwürdiges Szenario, dass wir vergessen unser jüngstes Kind. Es ist großartig. Weil ich glaube, dass die Versuchung sehr groß ist, wie das ganz viel gemacht wird am Set, dass du sagst, ja, also wer da jetzt drüber nachdenkt, der hat den Film nicht verstanden. Das wird ganz oft am Set gesagt, wenn es irgendwie um so Beschleunigung der Dreharbeiten geht. Hier, ach komm, das machen wir jetzt nicht so deutlich. Das ist jetzt egal. Wir müssen weiter vorankommen. Aber der hat wirklich über alles nachgedacht und hat es genau überlegt. Und dann in der Regie ist es tatsächlich auch umgesetzt worden. Und das finde ich wahnsinnig wichtig für diesen Intro.
Florian Bayer: Und es hat halt wirklich dieses Tempo, die ganze Eröffnungssequenz, wenn dieses Chaos im Haus ist, auch wenn wir zum ersten Mal unseren Hauptgangster sehen, Joe Pesci, der Harry spielt.
Johannes Franke: Ich habe nicht gedacht, dass der am Anfang gleich auftaucht, aber er ist ja von Anfang an in dem Film drin. Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Und er steht da und will mit irgendwem reden, der für das Haus verantwortlich ist. Und ständig kommen Leute vorbei, die sagen, ich wohne hier nicht, meine Eltern wohnen hier nicht. Es ist so großartig, so unglaubwürdig, aber es ist so großartig. Und das ist einfach, das hat ein tolles Tempo und es gibt einfach diese, es gibt wirklich diesen Einstieg mit den witzigen, dynamischen 20 Minuten, die, natürlich hast du dazwischen die ganze Zeit das toxische Verhalten, das ist eine zutiefst toxische Familie, aber du hast halt auch diesen ganzen Spaß von dem Chaos und alle versuchen irgendwie noch zu wuseln und fertig zu machen. Die packen echt an dem Abend? Die sind aber auch ein bisschen doof, oder? Dass sie da noch dann Zeug einpacken und Zeug zusammenpacken müssen und es ist so, am nächsten Morgen müssen sie früh raus und die Pizza ist unterwegs. Also ich bin ja bei sowas dann doch eher anal fixiert. Was bist du? Bei mir ist die Tasche am Tag, zwei Tage vorher gepackt eher. Achso, okay. Und ich finde das total schrecklich, abends noch, bevor es losgeht, noch Zeug zusammen zu packen und ich habe nicht fünf Kinder, auf die ich aufpassen muss parallel.
Johannes Franke: Ja, ja. Ja, das stimmt. Ja, genau um solche Sachen, wenn man morgens dann doch zu spät aufwacht, dass man eigentlich nur die Sachen greifen muss und los. Und das müssen sie ja in dem Fall auch, also sie haben es ja geschafft, dann wenigstens einen Abend zuvor alles zu packen.
Florian Bayer: Aber es wäre einfach, es ist einfach entspannt, du hast alles gepackt, du setzt dich abends nochmal hin, es ist deine Pizza, natürlich bestellst du was und gehst früh ins Bett.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und nicht so dieses, okay, wir packen hier noch den Koffer, müssen unser Kind noch irgendwie zur Seite stieben, dass das keine Beschäftigung hat. Ja. Ja, ich weiß nicht. Das ist eine Geige. Also die McAllister-Familie, die kommt nicht besonders gut rüber in diesem Film, auch nicht in diesen ersten 20 Minuten.
Johannes Franke: Nee, nee, das stimmt. Und was mich als Kind einfach am meisten beeindruckt hat, war so dieser Gedanke von, ich wünsche mir meine Familie weg. Und dann passiert das. Und dann stelle ich fest, wenn die weg ist, das ist viel schrecklicher, als wenn die da ist. Obwohl, auch wenn sie da ist, wenn ich mir das manchmal wünschen würde, dass meine Schwester, die mich die ganze Zeit nervt, Entschuldigung, dass die weg wäre, aber wenn sie weg wäre, wäre schlimmer. Aber das hat mir erst der Film beigebracht. Und das ist wirklich ein Turning Point für mich gewesen als Kind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich finde es total beeindruckend, dass der Film das konnte.
Florian Bayer: Ja. Dass man Geschwister, egal wie oft man sich dreitet, egal wie nervig man sich findet, zu schätzen weiß. Ich habe den Film. Ich habe zwei Geschwister. Ich habe den Film als Kind überhaupt nicht so gelesen. Echt? Ich habe den, der Film hatte keine, keine große emotionale Schwere für mich. Ich weiß noch, dass ich den Ofen echt gruselig fand. Ja. Den fand ich wirklich gruselig.
Johannes Franke: Ich auch, ja.
Florian Bayer: Und das war so, dass es auch hängen geblieben, das war wirklich, das war eine, ich war damals acht und das war eine der gruseligsten Szenen, die ich in meinem Leben gesehen habe zu dem Zeitpunkt.
Johannes Franke: Weißt du, was mir auffällt so ein bisschen? Hat ja viel mit Grafik zu tun, ob du es als Kind gruselig findest. Wenn es alles schön hell ist und da eigentlich nicht wirklich was passiert, ist alles in Ordnung. Jetzt auf dem Beamer wirkte der Ofen gar nicht so krass. Ja. Hat aber damit zu tun, dass mein Beamer fürs Zuhause und so weiter, der ist recht hell und es ist alles irgendwie ein bisschen ausgeglichen. Und wenn ich jetzt aber an den Fernseher denke, den wir zu Hause hatten. Ja. Viel zu hohe Kontraste, kleines Bild und dann ist so ein leuchtender, feuriger Ofen viel gruseliger.
Florian Bayer: Wo du auch keine Details erkennst und du weißt, dass da was Unheimliches ist. Das hat auf jeden Fall eine Schwere für mich. Ich fand die Geschichte mit dem alten Mann emotional und sehr schön als Kind. Die habe ich nicht in Erinnerung als Kind. Das ist glaube ich das, was mir als emotionales Zentrum am ersten Erinnerung geblieben ist. Und das mit der Familie hat mich gar nicht so tangiert und ich weiß gar nicht warum. Vielleicht, ja keine Ahnung, vielleicht hat mir der Bezug gefehlt. Vielleicht war das einfach zu unrealistisch, dieses Familienleben, weil das einfach anders war als unser Familienleben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich weiß noch, dass ich diese Geschichte um den alten Mann fand ich echt toll und habe da auch emotional sehr mitgefühlt. Der Mavi, der ist einfach eine coole Figur und ich finde es auch gut, also das war jetzt auch so, dass ich nochmal dachte, es ist gut, dass die reingewoben ist. Man hat als Kind Angst vor etwas und es gibt dann diese Gerüchte und man baut ein total falsches Bild auf und dann wird dieses Bild korrigiert und daraus entsteht irgendwie was Gutes. Und das ist schön erzählt auch, wie Kevin da quasi reift an der Begegnung mit diesem Marley und dann feststellt, dass das eigentlich einfach nur ein alter trauriger Mann ist und der seine Lebensgeschichten noch erzählt und er kann ihm sogar ein paar Tipps geben.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das finde ich total schön. Jetzt beim zweiten gucken halt, also beim, nicht beim zweiten, beim dritten, vierten, fünften, weiß ich nicht genau. Aber das ist wirklich eine tolle Ergänzung für den Film und ich glaube, das braucht es auch dringend. Ich erinnere mich bloß nicht daran, weil ich als Kind, das war mir nicht, also vielleicht noch, dass da so ein gruseliger Alter ist, vor dem der Junge Angst hat und ich dann für Kevin auch vor dem Angst habe und am Ende ist er irgendwie vielleicht nicht mehr so gruselig, aber mehr habe ich nicht in Erinnerung von ihm.
Florian Bayer: Wir haben ja letzte Woche über Kremlins gesprochen und haben dann auch den zweiten Teil reingenommen. Ich finde, wir müssen gar nicht groß Kevin allein in New York reinnehmen, weil ich habe den in Erinnerung, der ist fast ein 1 zu 1 Remake von dem ersten Teil. Irgendwie schon. Da gibt es auch so eine Figur, eine alte Lady im Park mit Vögeln, vor der Kevin Angst hat und es wird einfach ganz blöde genau dieselbe Geschichte erzählt, dass er sie dann später kennenlernt und dann feststellt, er muss keine Angst vor ihr haben und auch ganz viele andere Sachen, das ist genau dasselbe. Das ist wirklich wie ein Remake, das ist eine der merkwürdigsten Fortsetzungen überhaupt, weil sie die Formel vom ersten Teil nicht nur kopiert haben, sondern den Film wirklich nachgestellt haben, dann einfach in der Stadt und statt in dem Haus.
Johannes Franke: Und die haben sich beeilt, damit Kevin nicht zu, damit Macaulay Culkin nicht zu alt wird. Und der war auch ein Riesenerfolg, der zweite. Ja, ja, total.
Florian Bayer: Den habe ich auch im Kino gesehen und den habe ich damals auch gemocht als Kind. Den habe ich aber, da weiß ich noch, dass ich den irgendwann mal dann später auch als junger Jugendlicher oder so gesehen habe, festgestellt habe, der ist ja aber doof. Aber Donald Trump taucht drin auf. Donald Trump hat ein Cameo. Toll. Im Trump Tower, weil er da einfach reinspaziert, glaube ich. Ja, sie durften nur drehen, glaube ich, unter der Voraussetzung, dass er in dem Film auftauchen darf.
Johannes Franke: Nein, wirklich? Ich meine mich daran zu hören.
Florian Bayer: Sie sind im Trump Hotel und sie wollten da drehen und Trump hat gesagt, ja, aber dann will ich auch mal durchs Spiel laufen. Er sagt so einiges. Ja, das ist typisch Trump, oder? Zurück zum ersten Teil, der doch erfreulicher ist als der zweite. Macaulay Culkin, das war unser Stichwort, ne? Macaulay Culkin hat ein bewegendes Leben.
Johannes Franke: Wann wir über Macaulay Culkin reden? Oh, oh, oh, oh. Wir machen ein eigenes Lexikon vielleicht sogar dafür auf, oder? Bitte. Das muss man sehen. Lexikon. Macaulay Culkin war Kind von vielen Kindern. Sechs Kinder, glaube ich, gab es in seiner Familie. Sein Vater war Schauspieler oder zumindest hat er es versucht. Er wollte es sein. Hat auch ein paar Sachen gemacht, ein paar Produktionen gehabt. Es gibt die Geschichte davon, wie der Vater von Macaulay Culkin in einer Theaterproduktion voll in der Rolle drin war in der Premiere eines Theaterstücks und mit geschlossenen Augen rückwärts gelaufen ist, aber auf das Publikum zu und dann in der ersten Reihe gelandet ist und sich verletzt hat und die restlichen Vorstellungen nicht mitmachen konnte von diesem Theaterproduktion. Scheint die letzte Theaterproduktion gewesen zu sein, die dieser Mensch gemacht hat. Oh Gott. Und als dieser Mensch keine weite Karriere hatte und stattdessen Kinder, immer mehr Kinder in einer viel zu kleinen Wohnung, die hatten offenbar nur einen einzigen großen Raum in New York mit einer Wand zur Toilette. Der Rest war Wohnung Macaulay Culkin und seine fünf Geschwister und die beiden Eltern. Die wollten unbedingt in New York bleiben, um auch diese Karriere zu machen, die sie da gemacht haben. Nicht nur Macaulay.
Florian Bayer: Macaulay als die größte Karriere unter seinen Geschwistern, aber die haben praktisch alle gedreht. Die wurden alle zu Schauspielern. Manche etwas bekannter, andere etwas unbekannter. Aber Kieran Culkin habe ich so in Erinnerung als den kleinen, ich glaube, er ist der kleine Bruder für erst zwei Jahre jünger als Macaulay. Den habe ich damals schon in Filmen gesehen und gedacht, ah ja, das ist ja der kleine Bruder von Macaulay. Aber natürlich war Macaulay dann irgendwann der Star der Familie. Ja. Dank vor allem, also.
Johannes Franke: Kieran ist auch in diesem Film übrigens.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Als der Cousin der Kleine. Genau, der ins Bett pinkelt, wenn er zu viel Pepsi trinkt. Der ist sehr süß. Der macht das auch sehr, sehr, sehr gut. Auch wenn man ihn nicht viel sieht, aber ich fand ihn bemerkenswert. Und Kieran Culkin kennen wir jetzt aus Succession, was du nicht gesehen hast, Bloor anscheinend. Nee, habe ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Ich kenne ihn vor allem tatsächlich als Kinderstar auch. Und Macaulay hatte so mit, allein mit Onkel Buck, das war so ein bisschen sein Comedy-Durchbruch. Und daraufhin hat er dann 1990 die Rolle in Kevin Alleyne zu Hause gekriegt, die ihn über Nacht zum Star gemacht hat und mit extrem hohen Gagen und anschließend sehr großen Erfolgen mit unter anderem My Girl und der Fortsetzung Kevin Alleyne in New York. Und so tief in die 90er hin. Nein, Richie Rich. Den ich als Kind tatsächlich sehr mochte. Den mochte ich auch als Kind. Ja, der muss aber sehr schlecht sein. Das wäre mal spannend zu sehen, wie der gealtert ist. Gehört ja so zu seinen letzten Projekten, weil dann kam so diese Zeit, wo er keinen Bock
Johannes Franke: mehr hatte. Er wollte nicht mehr. Und das Ding ist, das große Problem ist, weswegen ich auch mit den Eltern angefangen habe, ist, dass die diese Kinder alle da reingeprügelt haben. Im wahrsten Sinne des Wortes, was seinen Vater betrifft. Ja. Der hatte zwar dann auch Spaß irgendwie an den Sachen, aber der hatte einfach kein Privatleben, der hatte keine Kindheit, der durfte einfach nichts anderes machen. Und der hat teilweise in drei Jahren, hat der glaube ich zehn Filme gedreht. Der war einfach nur Star und die haben das versucht, solange es ging zu melken. Ja, und die Eltern haben halt Geld davon eingesteckt. Natürlich darfst du als Manager, was der Vater dann war, 15 Prozent oder sowas hat er 15 Prozent abgezwackt. Was vollkommen in Ordnung ist, weil der muss ja auch irgendwie von irgendwas leben und wenn er keinen anderen Job hat und ihn ausführen muss, okay. Aber die haben ihn einfach so getriezt, dass der dieses Cash Cow ist. Und McCallie Culkin erzählt davon, wie er mit seinem Vater immer, immer wieder in irgendwelchen Trailern, an irgendwelchen Sets gesessen hat. Und die mochten einander einfach nicht. Der Vater mochte das Kind nicht und das Kind mochte den Vater nicht. Und die zwangsweise zusammengesperrt, weil er nun mal der Manager ist und das Geld einsackt. Das muss so schrecklich gewesen sein. McCallie Culkin ist irgendwann im Erwachsenenalter in den letzten Jahren um noch vermehrt vor Mikros gegangen, wenn möglich in Podcasts und Fernsehshows und so weiter und hat angefangen darüber zu reden und auch seine eigenen anderen Projekte nach vorne zu bringen.
Florian Bayer: McCallie Culkin hat eine ganz erstaunliche Karriere nach seiner Karriere hingelegt. Er hat es irgendwann vor ein paar Jahren, ist das passiert, ich würde sagen so vor nicht ganz zehn Jahren ist er plötzlich wieder öffentlich geworden in so einem geilen Indie-Umfeld. So als Hipster, der seinen eigenen Podcast macht, der diese Bunny Ears-Seite macht. Genau, ja. Dann hat er eine Band, die Pizza Underground, die Velvet Underground-Cover spielt mit Pizza-Bezug.
Johannes Franke: Ja, das muss total witzig sein. Ich habe noch nichts davon gesehen, aber es klingt total witzig.
Florian Bayer: Und uns dann unterwegs so in den YouTube-Kanälen tingelt er rum. Also er ist Gast da bei einigen größeren YouTubern. Und natürlich hilft ihm sein Fame dabei, aber irgendwie ist er vor allem so ein Hipster-Dude geworden, der sich wieder eingekriegt hat und er hatte wirklich Probleme. Also als Jugendlicher, seine Eltern haben sich dann getrennt und es gab irgendwie großen Krach ums Geld und so weiter und er ist halt wirklich eine Zeit lang ganz tief in den Drogensumpf gerauscht. Es gab Gerüchte darüber, dass er magersüchtig wäre. Aber reden wir mal darüber.
Johannes Franke: Ja, bitte. Das ist ein riesiges Tabloid-Problem. Er redet da sehr offen drüber. Er meint, die Presse hat das so dermaßen groß gemacht, dass das keinen Realitätsbezug mehr hatte. Aber er hat Drogen schon effektiv konsumiert. Er ist wegen Drogen festgenommen worden, weil er irgendwie Drogen besitzt, Marihuana-Zeug. Und er meinte immer wieder, Alter, ich hatte eine ganz normale Jugend. Wir haben halt Drogen genommen und wir haben gesoffen und wir haben Partys gemacht. Was soll das? Vielleicht mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger, aber es ist nicht out of proportions, wie man das so kennt. Vielleicht hat er mehr Drogen genommen als ich. Ich habe nämlich keine Drogen genommen, aber es ist nicht so, dass er dort ganz tief abgerutscht wäre.
Florian Bayer: Ja, aber er sah schon ziemlich, er sah es echt fertig aus eine Zeit lang. Ja, aber das sind diese Bilder vom Jugendlichen. Und ja, natürlich ist es ein Tabloid-Problem. Auf jeden Fall. Das waren natürlich die Bilder aus der Klatschpresse. Das waren die Paragazifotos. Aber ich erinnere mich an Bilder vom Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Macaulic Kalkin. Ja. Und du hast diese Bilder gesehen und gedacht, oh shit.
Johannes Franke: Ich glaube, das war eher die Scheidung und die Gerichts... Vielleicht. Also zumindest, wenn man ihm in seiner Schilderung glaubt. Ja.
Florian Bayer: Aber auf jeden Fall ist das, was er jetzt macht, ist cool. Also der hat auf jeden Fall, der hat irgendwie so eine zweite Karriere in so einem Indie-Bereich. Er hat Fame da auch. Er hat so, er hat seine Fans und er hat seine Projekte, die er macht, aber die alle so schön gelevelt. Und er hat natürlich riesiges Glück, dass er jetzt das Geld einfach hat, um so zu leben, wie er leben möchte. Aber er macht was Gutes draus. Er macht coole Sachen. Er hat Spaß dabei. Er ist mittlerweile verheiratet. Er war, glaube ich, mehrmals verheiratet. Hat mittlerweile auch Kinder gekriegt.
Johannes Franke: Er war mit 18 das erste Mal verheiratet. Hat da zwei Jahre lang seine Ehe gemacht. Und dann war das vorbei. Irgendwie hat nicht geklappt. Und dann war er mit Mila Kunis zusammen sieben Jahre. Und sie erzählt dann irgendwie, dass sie sich ziemlich arschig verhalten hat ihm gegenüber und reflektiert das Jahre später dann so, dass sie nicht sehr gut war in der Trennung und eine ziemlich hässliche Trennung draus gemacht hat, was ihn auch ziemlich mitgenommen hat. Seit er aber wieder verheiratet ist, scheint das alles sehr gut zu funktionieren. Stabil zu sein. Er hat ein Kind gekriegt.
Florian Bayer: Ja. Also ich habe ihn öfter mal gesehen, so in Gastrollen, tatsächlich so im YouTube-Kosmos bei Typen, bei Leuten, die ich gucke. Und da hat er halt auch einen sehr selbstironischen Umgang mit seiner Vergangenheit.
Johannes Franke: Ja, voll.
Florian Bayer: Redet da auch gerne drüber. Und man hat das Gefühl, er hat sich einfach gefangen. Und er kommt klar und er macht coole Sachen, er macht coole Projekte. Und immer wenn du über ein Projekt von ihm liest, denkst du, ah, das ist aber witzig. Ja. Das ist teilweise total schräg, aber es ist witzig.
Johannes Franke: Es ist halt keiner, der das Geld deswegen irgendwas machen muss. Genau. Deswegen macht er halt einfach das, den weirden Scheiß, auf den er Lust hat. Pizza Underground. Wie ich gedacht habe bei Harry Potter, wie heißt er? Daniel Radcliffe. Daniel Radcliffe. Als der mit Swiss Army Knife oder Swiss Army Man um die Ecke gekommen ist und ich gedacht habe, okay, der hat genau das Projekt rausgesucht, was am weitesten weg ist von allem, was er vorher gemacht hat.
Florian Bayer: Und er hat mehrere so schräge Sachen gefilmt und hat dabei offensichtlich auch Spaß. Und das ist natürlich cool und auch schön, dass es ihm gut geht. Wenn ich so retrospektiv an den Kinderstar Macaulay Culkin denke, habe ich das Gefühl, es ist sehr viel, der wurde auch einfach gebucht, weil er halt dann ein Star war und weil er auch einen gewissen Charme hatte, ja. Aber wenn du drüber nachdenkst, was sind so die großen KinderschauspielerInnen, die du kennst, so in der Filmgeschichte, da gehört er nicht dazu. Also die wirklich gut sind.
Johannes Franke: Kinder, die du siehst und denkst, wow, das Kind kann gut schauspielen. Aber er war derjenige, der am berühmtesten war. Der war wirklich, das kannst du dir nicht vorstellen, was für, also jetzt heutzutage zurückgeschaut, wenn du dich wirklich wieder reinversetzt in die Zeit, in die 90er, der war so ein Superstar. Definitiv, der war ein totaler Kinderstar. Es ist unglaublich, auch einfach, was für Geld der bekommen hat. Der Vater muss ein Pen in the Ass gewesen sein, Produzenten gegenüber, weil er sich überall reingemischt hat und hart verhandelt hat. Nein, der hat unfassbar hohe Gagen gekriegt, unvorstellbar für Kinder. Ja, ja. Und dann kommen wir zum nächsten Punkt, seine Freundschaft mit Michael Jackson.
Florian Bayer: Ja, auch ein ganz interessanter Punkt, weil er hat zu denen gehört, die Michael Jackson immer verteidigt haben. Ja. Und der gesagt hat, das ist einfach Bullshit. Wir haben schon ein paar Mal, glaube ich, über diese ganzen Michael-Jackson-Geschichten
Johannes Franke: geredet. Ja, das ist...
Florian Bayer: Und ich bin immer an dem Standpunkt, ich finde es so schwer einzuschätzen. Also Michael Jackson hat ohne jeden Zweifel psychische Probleme, Distanzprobleme, auch mit Kindern und ein merkwürdiges Verhalten dazu, wie er sich mit Kindern verhält. Aber zumindest die Punkte, die ich mitgekriegt habe, die so, wo es um sexuellen Missbrauch ging, harten, das sehe ich vor allem Fragezeichen dran. Also ich habe es aber, ich habe auch so wenig recherchiert, dass ich ganz vorsichtig bin, was dazu zu sagen. Voll. Weil ich nie viel recherchiert habe dazu.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Da waren wohl auch finanzielle Interessen von Opferfamilien und so weiter sehr stark im Vordergrund und ich kann es einfach nicht sagen. Ich finde es so... Es ist...
Johannes Franke: Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Bei allem glaubt immer den Opfern.
Johannes Franke: Ich kann es nicht einschätzen. Die Sache ist die, man kann McCulloch-Calkin voll glauben, wenn er sagt, da ist nie was passiert, Alter, lass mich in Ruhe. Der war der netteste Mensch, den ich kenne. Das war die beste Freundschaft, die ich je hatte. Der hat genau verstanden, was ich für ein Problem habe, nämlich genau das gleiche Problem wie Michael Jackson hatte als Kind. Michael Jackson hat als Kind von seinem Vater auch die Kindheit geraubt bekommen quasi. Der hat ihm auch mit seiner ganzen Familie, die ganzen Kinder, Jackson 5, die mussten 90% des Tages tanzen, üben und 10% schlafen. Die haben nichts anderes mehr gemacht, als tanzen, üben, singen, üben, auftreten und Geld reinbringen in die Familie. Und das ist die große Tragik von Michael Jackson genauso, wie auch von Janet Jackson und der ganzen Familie und eben das gleiche Problem, was auch McCulloch-Calkin hatte mit seiner Familie. Und deswegen war die Freundschaft auch so obvious und so ein Match, der irgendwie geholfen hat, beiden geholfen hat, glaube ich, damit umzugehen. Was trotzdem noch seltsam ist, weil Michael Jackson 33 war, als das Kind 8 war oder 9. Also es ist schon wirklich seltsam, aber es ist trotzdem... Also halt so eine Kinder-Erwachsenen-Freundschaft ist erstmal grundsätzlich, wirkt seltsam. Ja, aber ich kann das nicht, ich will das auch nicht beurteilen oder verurteilen. Und wenn McCulloch-Calkin sagt, ich bin da, der sagt ja, ich bin überall in diesem Haus einfach umgefallen und hab geschlafen. Ich hab nicht einfach in seinem Schlafzimmer geschlafen und wenn man sagt Schlafzimmer, muss man sich vorstellen, das sind zwei Stockwerke, sondern ich bin einfach überall in diesem Haus einfach umgefallen, hab geschlafen in voller Montur und bin nächsten Morgen wieder aufgewacht und bin wieder weiter rumgetobt mit ihm. Also es ist einfach, weißt du, dieses Level an Spaß hat er einfach da in den Ring geworfen. Also er hat gesagt, da ist einfach nichts passiert, sondern ich bin einfach überall umgefallen und das war's. Weißt du, wie diese Freundschaft entstanden ist? Michael Jackson hatte ihn gesehen bei Nutcrackers, das war ein Vernussknacker, ein Ballett, was er irgendwie, wo McCulloch-Calkin getanzt hat und hat ihn dann angeschrieben über die Familie.
Florian Bayer: Ich finde das ganz, also diese Vorstellung, also ich meine, es gibt ja so diesen Familienlayer einfach, ne? Also ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Kind eine Freundschaft mit einem 33-Jährigen hat, mit dem ich nicht befreundet bin. Also wie soll das, was soll da passieren, dass er allein im Haus von einem 33-Jährigen
Johannes Franke: ist? Aber wenn du dir die beiden anschaust, die Eltern von McCulloch-Calkin, dann ergibt das total Sinn. Ja, wahrscheinlich. Das ist die Milchkuh, die da drüben grast und wenn die mit Michael Jackson abhängen will, not our pain in the ass anymore. Oh Gott, das ist düster. Total. Absolut düster.
Florian Bayer: Kommen wir zurück zu Kevin allein zu Hause? Und sehen wir auch in der Art, wie die McAllister-Familie mit Kevin umgeht, ein bisschen vielleicht sowas von Vernachlässigung?
Johannes Franke: Ja, doch.
Florian Bayer: Durchaus. Auch wenn seine Mutter macht sich dann ja wirklich die ganze Zeit Vorwürfe. Ja, ja, ja. Wenn wir zu ihr switchen, sehen wir sie eigentlich nur sich Vorwürfe machen und wirklich darum kämpfen, dass sie irgendwie zu ihrem Sohn nach Hause kommt.
Johannes Franke: Aber bevor sie sich Sorgen macht, sitzt sie in der Premium-Klasse im Flugzeug und hat die anderen Kinder alle hinten im Couch irgendwo in der Holzklasse und überlegt, vielleicht sollten wir mal drüber gucken, wie es denen so geht. Und er so, ach was, lass mal. Die kriegen das schon hin. Auch wenn du fünf Kinder hast, also so ein Check und mal so ein Kurz-Und-Leute, alles gut? Nein. Auf keinen Fall. Warum? Das ist wirklich sehr schräg. Ja. Aber man muss sagen, das ist in Amerika eine andere Geschichte. Innerlandsflüge sind ja da, haben eine andere Tradition in Anführungsstrichen, haben einen anderen Stellenwert. Da wird viel mehr geflogen, weil das Land einfach so groß ist. Und da ist es offenbar tatsächlich so, dass viele Kinder einfach hinten in der Holzklasse gelassen werden, während die Eltern nach vorne gegangen sind. Was auch eigentlich ganz geil ist. Ja, für Kinder, dann denkt man sich, ja, Eltern sind da irgendwo, was soll's, ich hab hier Spaß. Ja. Aber die haben garantiert das ganze Flugzeug genervt. Kinder brauchen nicht viel Beinfreiheit, da gibt's auch keinen Grund zu upgraden. Ja, natürlich nicht. Oh Gott, ist das alles blöde. Okay, ja, jedenfalls, ja, sollte man am Ende die Eltern einmal festnehmen. Ja. Gleich mit den Gangstern mitnehmen. Er ist ja auch ein Gangster, er fragt ja auch gleich am Anfang, wenn er Joe Pesci sieht,
Florian Bayer: bin ich verhaftet, Officer? Ja, so krass, ne? Peter McAllister hat Dreck am Stecken. Und er weiß es. Das ist safe. Plur, möchtest du Tee haben?
Johannes Franke: Oh ja, sehr gerne. Ich hab die ganze Zeit vergessen, dir Tee anzubieten.
Florian Bayer: Nein, wir sind so im Rausch. Wir haben genau das gemacht, was wir vorher angekündigt haben. Wir springen zwischen den Memes und packen mal so einen Batzen 20 Minuten Macaulay Culkin mit rein. Und jetzt sind wir schon wieder bei den Memes gelandet und bei der Familie. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaub, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas. Beam, whatever, was ihr auch benutzt. Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer
Johannes Franke: euer Podcatcher anbietet. Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Wir haben noch kein Wort verloren über unseren Film, der mittendrin gezeigt wird, der extra für diesen Film gedreht wurde. Ich liebe ihn. Angels with Filthy Souls, der alle Klischees beinhaltet, die man von so einem guten, alten, dreckigen Gangsterfilm erwartet. Merry Christmas, you filthy animal. Der wirklich authentisch aussieht. Er sieht wirklich sehr, sehr gut aus. Ich habe das früher schon mal gelesen, deswegen wusste ich es schon, dass er inszeniert ist für diesen Film. Aber ich weiß es noch nicht so lange. Ich weiß es vielleicht seit zehn Jahren, dass dieses Ding nicht echt war.
Johannes Franke: Ich weiß das erst seit der Recherche. Ich bin wirklich beeindruckt gewesen. Das Tolle ist natürlich, dass man dann schreiben kann, was man möchte. Was soll dieser Mobboss im Fernsehen sagen, damit der Pizzabote erschreckt? Aber ich habe es ihm voll abgekauft, dass er das einfach irgendwo hergenommen hat und das dann verwurstet hat. Aber welches Soundsystem haben die, dass das so realistisch klickt für den Pizzaboten? Was für ein fucking Soundsystem. Ich will das haben.
Florian Bayer: Vor allem Anfang der 90er. Du kommst irgendwo zu einem Haus, du klopfst und du hörst diese... Du denkst doch, das ist ein Fernseher, der läuft. Natürlich. Naja, was soll's. Aber sie haben es wirklich gut gedreht. Es ist schwarz-weiß, auch richtige Beleuchtung, so schön mit Schatten und Licht. Sie haben sich wirklich Gedanken darüber gemacht, wie sieht so ein 30er, 40er Jahre Gangsterfilm aus? Was müssen wir machen, damit das realistisch wirkt? Und das Ganze, sie haben das an einem Tag gedreht. An einem Tag. Und wurde gedreht einen Tag, bevor die eigentlichen Dreharbeiten losgingen.
Johannes Franke: Ah, okay. Wenn wir schon beim Pizzaboten sind, das ist ja schon die Einläutung der ganzen Slapstick-Orgie, die da dann stattfindet mit den beiden, mit Joe Pesci und mit Daniel Stern. Wie gut ist die Slapstick gealtert? Wie krass ist diese Slapstick? Und denken wir dann darüber nach, ob die dann schon längst tot wären oder ist uns das egal? Ich fand das immer noch total funny.
Florian Bayer: Ich hatte richtig viel Spaß an den letzten 25 Minuten. Okay, sehr schön. Das ist wunderbar gealtert. Das ist einfach, das ist super gut inszeniert, das ist halt Tempo, Dynamik. Es gibt vielleicht ein oder zweimal ein bisschen zu viel Repetition da drin. Findest du? Wenn nochmal jemand ausrutscht. Achso, ja, das stimmt, das Ausrutschen. Aber ansonsten ist das einfach gut gealtert, hat ein gutes Tempo und auch eine gute Eskalation, weil es ist einfach, du hast wirklich krasse Sachen, die passieren und dann passieren nochmal krasse Sachen. Und dann sind sie nochmal überrascht und das ist zu dem Punkt, wo du halt wirklich denkst, oh krass, er bringt sie gleich hoch.
Johannes Franke: Weißt du, dass unter Stuntleuten dieses Fallen auf den Rücken, dieses wirklich hochspringen und dann auf den Rücken fallen, wird als Home Alone bezeichnet. Nein. Schön. Fantastisch. Wie krass ist das denn, oder? Dieser Film hat auch andere Sachen, andere Bereiche beeinflusst mit seinem Namen. Wenn du einen Film im Kino hast und dann ist so ein riesiger, übermächtiger Film, der gleichzeitig startet und alles andere platt macht. Da kann egal, wie gut der Film ist, der wird einfach platt gemacht von diesem übermächtigen, großen Ding. Und wenn das mit deinem Film passiert, dann wurdest du Home Alone. Du wurdest Home Alone.
Florian Bayer: Das Filmjahr 1990 war ein richtig krasses Filmjahr. Du hast neben Home Alone, der der zweiterfolgreichste Film des Jahres weltweit war, hast du Ghost Nachricht von Sam, Ready Woman, über den wir auch geredet haben, der auch ein riesiger krasser Erfolg war, der mit dem Wolf tanzt. Back to the Future 3. Oh mein Gott. Den Turtles-Film, den ersten. Und Home Alone ist halt auch vor allem deswegen besonders, weil es halt auch so ein Weihnachtsfilm war, ne? Also eigentlich ist ja diese, eigentlich ist ja so die klassische Blockbuster-Zeit so das Sommerkino. Ja. Und das war ein Film, der halt Ende November rausgekommen ist und dann wirklich im Dezember gelaufen ist und das Weihnachtsgeschäft gemacht hat für dieses Kino, ja. Ja, voll.
Johannes Franke: Krass, Mann. Auch, dass der so wahnsinnig erfolgreich sofort war. Unglaublich.
Florian Bayer: Und aber, wenn du den Trailer siehst und wenn ich mich auch zurückerinnere, wie ich das zum ersten Mal von diesem Film gehört habe, ich wollte den sehen. Natürlich. Das war alles, an dem Film hat geschrien, du willst den gucken, dass ich bin ein Familienfilm. Der übrigens FSK ab 12 ist. Ab 12? In Deutschland. Oh. Weil es so brutal ist? Ja, ich denke schon und weil, also es wird ja nicht wirklich geflucht. Ja, das ist so geil. Joe Peci musste sich sehr zurückhalten, beziehungsweise Joe Peci musste sehr viel crumblen und ihm wurde auch eine Alternative zum F-Wort vorgeschlagen, dass er ein paar Mal so benutzt hat.
Johannes Franke: Es ist so geil, weil man das, wenn man das weiß, dass Joe Peci eigentlich in seinem Wortschatz, jeder zweite Eintrag in seinem Wortschatzbuch ist fuck. Und wenn der das nicht darf und man den Film sieht, wie oft er rumkrummelt, damit er dieses blöde Wort nicht sagt.
Florian Bayer: Das ist so geil. Und er ist einfach mal ein überzeugender Gangster. Und er hat ja auch beim Set, hat er sich ziemlich weit fern gehalten von Macaulay Culkin.
Johannes Franke: Ja, damit Macaulay Culkin überhaupt nicht erst ihn so gut kennenlernt, dass er versteht, dass das kein böser Typ ist, sondern er wollte einfach wirklich, und ich weiß nicht, ob das geklappt hat, aber er wollte einfach sich so fernhalten, damit Macaulay Culkin möglichst dieses Bild des Gangsters von ihm hat.
Florian Bayer: Und er spielt, also Joe Peci hat in seiner Karriere sehr viele Gangster gespielt und ich finde ihn natürlich auch immer am besten als den Choleriker und den liefert er auch in diesem Film wieder. Und es ist toll.
Johannes Franke: Er ist einfach super. Er hat so genau, graduell, so weit aufgedreht, dass es Slapstick ist und dass es irgendwie so für Kinder geil ist, aber gar nicht so viel drüber.
Florian Bayer: Nee, dieser cholerische, fiese Gangster könnte durchaus auch im Ernstenfilm auftauchen, man muss halt ein bisschen Komik rausnehmen und dann funktioniert das schon. Er hat Macaulay Culkin wirklich gebissen und Macaulay Culkin hat gesagt, das hat wirklich wehgetan.
Johannes Franke: Ja, und er hat immer noch eine Narbe davon. In den Finger, es gibt diese Szene, wo er eben droht, in den Finger zu beißen, aber dann kommt der Nachbar und haut ihm eins auf den Deckel.
Florian Bayer: Ja. Im Gegensatz zu Joe Peci, Daniel Stern, natürlich der Comic Relief der beiden Gangster, der so als Trottel.
Johannes Franke: Ich hab ihn geliebt als Kind.
Florian Bayer: Wirklich, das ist so toll. Ich auch. Fand den witzig. Du magst es, Erwachsene zu sehen, die sich dümmer anstellen als fünfjährige Kinder, wenn du ein Kind bist.
Johannes Franke: Das ist so schön. Und er versucht, also die Renitenz von diesen beiden Gangstern ist einfach auch geil, weil die natürlich, obwohl die immer mehr auf die Fresse bekommen, das stachelt die einfach nur noch mehr an, da durchzugehen und weiterzugehen und das noch hinzukriegen und doch hinzukriegen. Ja. Und ich bin fast ein bisschen enttäuscht, wenn es vorbei ist. Wirklich, du hast gesagt, ein bisschen Repetition, ja, aber nur in dem Moment, wo sie wirklich immer wieder ausrutschen. Das ist ja ganz am Anfang. Ja. Und dann kommt es aber ins Rollen und eins jagt das andere und ich denke die ganze Zeit, ich will noch mehr, ich will noch mehr, ich will, dass Kevin einfach noch mehr Zeug macht. Ja. Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Manchmal ist es so, also zumindest diesmal, ich glaub, es war sogar zum ersten Mal, hat sich manchmal so mein Verstand eingeschaltet und sich gefragt so, ah, Mensch, Kevin hatte echt Glück, dass das alles so gelaufen ist, wie er das so geplant hat.
Johannes Franke: Ja, vor allem, also das mit den Schuhe ausziehen, hast du vorhin schon gesagt, dass der sich die Schuhe auszieht, hat Kevin schon sehr schlau antizipiert, was überhaupt nicht vorhersagbar war, aber wirklich überall, wo die so reingehen, wo das Fenster ist und in welcher Reihenfolge die was machen, da war schon irgendwie, ich weiß nicht, da hat er eine Eingebung gehabt, die nicht wahrscheinlich ist.
Florian Bayer: Und auch, dass sie teilweise dann so aufgeben, nachdem sie wirklich die Qual fast komplett durchgestanden haben und sich einen neuen Ort zum Leiden aussuchen, so, jetzt bist du so weit gekommen, ja, du wurdest verletzt, aber jetzt musst du nur noch zwei Schritte weitergehen und dann musst du nicht einmal ums Haus rum, um nochmal irgendwo in eine andere
Johannes Franke: Falle zu laufen. Ich frage mich, wenn Marley ihn dann rettet. Ja. Woher weiß Marley, dass der in diesem Nachbarhaus ist? Denk an das Meme. Er ist Kevin aus der Zukunft. Er ist Kevin aus der Zukunft.
Florian Bayer: Was hatte Kevin in diesem Nachbarhaus vor? Also er läuft durch den Keller, ich meine, er wollte auf die Polizei warten, aber hat er erwartet, dass die beiden ihm folgen, weil da sind ja keine Fallen mehr aufgebaut. Sie sagen dann ja, okay, lass uns was anderes machen und dann gehen sie oben rum und warten an der Kellertreppe auf ihn. Was war sein ursprünglicher Plan? Sollten sie ihm durch das Wasser folgen? Wusste er, dass das Wasser da ist? Weil als er da reingeht, wirkt er so, als ob er nicht vorbereitet wäre auf das Wasser
Johannes Franke: als nächstes kommt. Ich glaube einfach, dass das das Ende seiner Vorbereitung war und er dann gedacht hat, okay, jetzt renne ich halt einfach weg und hoffe, dass die mir nicht weiter folgen.
Florian Bayer: Wahrscheinlich hat er einfach damit gerechnet, dass sie tot sind, nachdem sie von diesem Seil runtergefallen sind, das ziemlich hoch war. Ja. Ich muss ja nicht an John Jones denken.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und nein, kein Kind könnte das so bauen mit diesem Fahrrad.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Nein. Fahrradgriff und dann an dem Seil entlang und wie viel Vorbereitungszeit. Er hat ja nicht viel Vorbereitungszeit. Es ist abends, er hört die Glocken und er sagt, oh, jetzt muss ich mich aber wirklich beeilen, weil in 20 Minuten kommen die Gangster.
Johannes Franke: Aber er hat das irgendwann vorher gemacht. Ich glaube daran, dass er vorher die ganzen Vorbereitungen gemacht hat und dann eigentlich nur noch in das vorbereitete Haus zurückgekommen ist.
Florian Bayer: Vielleicht. Es ist ja tatsächlich schön, wenn er dann auch sagt, das ist mein Haus und ich verteidige das jetzt.
Johannes Franke: Ja. Das ist sehr süß. Wirklich, das sind so Momente, ich weiß gar nicht, was du hast mit, der ist zu nervig oder der ist irgendwie zu, ich weiß gar nicht. Ich finde das so toll an so vielen Stellen, wo er genau den richtigen Gesichtsausdruck findet.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist mir zum ersten Mal wirklich sehr doll aufgefallen, dass Macaulay Culkin eben nicht den richtigen Gesichtsausdruck findet, weil sein Gesichtsausdruck ist entweder so ein erstarrter, ängstlicher, großer Blick oder so ein abgeklärter, cooler Blick oder eben dieses Aaaaaah. Es ist halt perfekt für diesen Film, weil es Comic ist.
Johannes Franke: Er macht wirklich Comic-Gesichter. Aber Max Bunny nervt mich nicht so. Max Bunny ist kein echtes Kind.
Florian Bayer: Naja. Was halten wir denn davon, dass das nur 25 Minuten sind? Findest du das cool? Ist das okay oder ist das eher so, das ist schon so ein Downer?
Johannes Franke: Nein, ich habe den Rest des Films auch gemocht. Also die Vorbereitung lohnt sich voll zu sehen, weil sie alles etablieren, was auch wirklich eingelöst wird. Und der Film ist so gut geschrieben und hat so viele gut durchdachte Momente und Bögen innerhalb dieses Films, dass ich das alles sehr mag. Ich finde es wirklich gut geschrieben. Hast du schon so ein bisschen Family Comedy ohne Comedy? Ohne Family? Ohne Family. Naja, Family ist ja nicht da. Und dann halt so... Was für ein krasser Typ ist dieser Vater übrigens, dass er die Mama alleine am Flughafen lässt. Alter, ja, ja. Wie krass ist das denn, Alter? Das passt zu diesem Mob-Boss-Mentality. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Oh Mann. Ja, sie gehen in das Hotel und sie haben einfach Spaß und sie ist die Einzige, die sich darum kümmert, zurück zu Kevin zu kommen. Aber andererseits haben sie ja recht, weil sie sparen sich den ganzen Stress, den sie hatte, so um Flugzeugtickets kämpfen und dann mit dem Teufel auf der Straße unterwegs sein und sie kommen ja nur zwei Minuten nachher zu Hause an. Aber für diese zwei Minuten hat es sich gelohnt, weil da konnte sie Kevin in den Arm nehmen. Sonst nimmt keiner Kevin in den Arm. Was macht Peter, als er reinkommt? Streichelt er immer über den Kopf? Ja, ja, genau. So dieses... Da bist du ja mein Sohn. Ja, toll. Das ist echt traurig.
Johannes Franke: Da ist Buzz eigentlich noch am coolsten und am nettesten. Und Buzz, finde ich, bringt die beste Begründung der ganzen Welt. Er wird gefragt, ob er sich denn keine Sorgen um ihn macht, dass ihm was passieren könnte und Buzz sagt, nee, so viel Glück habe ich nicht. Finde ich super. Das ist wirklich so eine große Bruderbegründung.
Florian Bayer: Das finde ich jetzt toll. Buzz ist auch irgendwie cool. Ja. Buzz ist schon witzig. So wirklich der nervige Prollbruder und der aber gleichzeitig eine Schatzgrube hat in seinem Zimmer, wo man Pornohefte findet und Luftgewehre und eine Spinne. So der wäre noch gar nicht gekommen. Und die Freundin. Und seine Freundin, die übrigens keine Freundin ist, sondern ein Junge.
Johannes Franke: Sie haben einen Jungen genommen und als Freundin ausstaffiert, weil der Regisseur gedacht hat, ich kann kein Mädchen so bloßstellen in diesem Foto.
Florian Bayer: Und der Junge, den sie genommen haben, war auch irgendein Verwandter von irgendwem. Von Buzz wahrscheinlich, weil der sieht so aus. Nee, vom Art Director. Vom Art Director? Dann Webster war er, der Sohn. Okay, na gut. Die Spinne, nochmal von vorne, die dann aufs Gesicht gesetzt wird von Daniel Stern, ist eine echte Vogelspinne. Vogelspinnen werden eingesetzt in Filmen und die werden davor aber entgiftet, bevor solche Szenen gedreht werden. Nicht diese Spinne.
Johannes Franke: Sie haben es vergessen.
Florian Bayer: Oder sie haben es nicht gemacht.
Johannes Franke: Nein, sie haben es nicht vergessen. Sie haben es einfach nicht gemacht. Das war auch nicht der Plan, dass das die echte Spinne sein soll auf seinem Gesicht. Das Problem war, dass die Spinne, die sie dafür gebaut haben, am Set dann abgewählt wurde, weil die einfach nicht gut genug aussah. Und dann hat der Regisseur gesagt, tut mir leid, diese Spielzeugspinne da können wir auf gar keinen Fall nehmen, die sieht echt schlecht aus. Und dann haben sie die echte Spinne genommen. Und dann hat Daniel Stern gesagt, aber wenn ich jetzt laut schreie, dann beißt die mich garantiert. Und dann haben die Tiertrainer gesagt, na, so gut ist das Gehör von Spinnen auch wieder nicht. Die Züge macht dir mal keine Sorgen.
Florian Bayer: Wird schon gut gehen. Wird schon gut gehen. Und alle stehen da so. Frage, wie giftig sind Vogelspinnen? Also was hätte es bedeutet, wenn sie ihn gebissen hätte? Sie hätten ein Gegengift gebraucht sofort, oder? Also, Vogelspinnen sind ja relativ groß und ihr Biss muss wohl auch wirklich, wirklich, wirklich schmerzhaft sein. Ja. Das Gift ist aber relativ harmlos. Oh. Es sei denn, man ist allergisch dagegen, was man natürlich nie weiß. Ah, ja, ja. Tatsächlich ist die Referenz eher ein Wespenstich als irgendwas von einem richtig krass giftigen Tier. Okay. Und dazu muss man aber auch sagen, Vogelspinne ist nicht gleich Vogelspinne. Also es gibt offensichtlich sehr viele verschiedene Subarten. Ja. Und je nachdem, wo man sich auffällt, ist ein Gift deutlich gefährlicher. Und man muss auch, ich glaube, es muss irgendwas gemacht werden, weil da auch irgendwie Zeug, Dreck mit reinkommt. Also man muss auf jeden Fall, wenn man von einer Vogelspinne gebissen wurde, geht man zum Arzt. Ja, gut.
Johannes Franke: Aber man stirbt nicht, wenn man von einer Vogelspinne gebissen wurde. Okay. Das beruhigt mich. Und Daniel Stern bestimmt auch. Dieser Film hatte ein Budget von 18 Millionen, was nicht viel ist. Ja. Für diese Zeit auch nicht. Der Average für diese Zeit war 30 Millionen, zumindest aus Hollywood. Ja. Und das irgendwie hinzukriegen mit 18 Millionen, es ist natürlich ein Kammerspiel mehr oder weniger, weil das wirklich das Haus, die Hauptspielstätte ist. Aber es ist schon, das ist schon nicht viel. Das Ding ist, Warner Brothers, die das ursprünglich in der Hand hatten, wollten nicht mehr geben als 10 Millionen. Ja. Und dann haben die gesagt, ja, das wird aber nichts, was machen wir denn jetzt? Und haben denen versucht, mehr rauszulocken. Und haben dann aber festgestellt, nee, wir müssen was anderes machen. Wir müssen irgendwie Kontakte herstellen. Und haben dann mit einem Typen von 20th Century Fox geredet. Ohne dass das Warner Brothers wusste. Und haben dann mit denen geredet und dann hat 20th Century Fox gesagt, na von ihr, uns kriegt er 16 Millionen. Am Ende sind es 18 geworden. Aber so kam das dann, dass das quasi übernommen wurde von 20th Century Fox. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Warner Brothers nach dem Erfolg des Films sich nicht in den Arsch gebissen hat.
Florian Bayer: Gut möglich, dass da auch Köpfe gerollt sind. Ja, das kann ich mir echt vorstellen. Lass uns mal herausfinden, wer ist nochmal dafür verantwortlich, dass das gerade die Konkurrenz gekriegt hat. Wem haben wir das zu verdanken, dass wir fast eine halbe Milliarde Dollar verloren haben gerade?
Johannes Franke: Der erfolgreichste Weihnachtsfilm überhaupt. Ja. Es ist unglaublich, wie viel Geld dieser Film gemacht hat über die Jahre.
Florian Bayer: Ein giesiger Hit auch dann natürlich perfekt so im Zeitraum 90er mit Verleih-Videotheken. Ja, ja, genau. Ein Film, der halt auch einfach viel geguckt wurde. Es gibt viele Menschen, wir auch, die den Film mehrmals geguckt haben.
Johannes Franke: Ja. Und dieser Film hat wahnsinnig viele weitere Filme nach sich gezogen, die alle furchtbar schlecht sein müssen. Der zweite geht noch, weil er ein Remake ist. Der zweite geht noch, genau.
Florian Bayer: Und dann gibt es ganz viele, aber die haben auch nichts mehr damit zu tun. Die haben nur noch den Namen von der Franchise. Also klar, Michael Kalkin war dann ja sowieso Jugendlicher. Genau. Und auch mit unterschiedlichen Kevins, beziehungsweise Kevins Cousin oder Kevins irgendwie verschollener Halbbruder. Und ich habe keinen von denen gesehen.
Johannes Franke: Es gab jetzt eine ganz, ganz neue Variante mit Ali Kemper, die ich vielleicht mal angucken möchte. Mit dem Jungen, der bei Jojo Rabbit mitgespielt hat, der den dickeren Jungen gespielt hat.
Florian Bayer: Ich glaube, ich muss kein Kevin, ich muss kein komisches B-Movie-Kevin-Fortsetzung in Wirklichkeit rip-off sehen. Ja. Ich bin zufrieden mit dem hier. Er ist nicht so gut gealtert, partiell. Aber ich bin zufrieden mit dem hier.
Johannes Franke: In welchen Teilen ist er nicht gut gealtert?
Florian Bayer: Nee, es ist eher so, dass ich gealtert bin. Nee, der Film hat einfach seine Schwächen, die ich nicht so wahrgenommen habe als Kind, die aber doch sehr da sind. Und das betrifft unter anderem das Pacing, dass er sich einfach ein bisschen viel Zeit nimmt, bevor er zu dem wirklichen Spaß kommt und dabei auch ein bisschen Filmmaterial produziert.
Johannes Franke: Aber wenn er weniger Zeit genommen hätte vorher und diesen Spaß-Teil wirklich ausgebaut hätte, wäre das dann nicht irgendwie doch noch zum Disney-Ride verkommen?
Florian Bayer: Ja, er muss zum Ersten, wäre es besser gewesen, wenn der Teil davor ein bisschen mehr Substanz hätte und sich nicht wie Filmmaterial angefühlt hat. Das fühlt sich, du sagst Disney-Ride, genau das ist es. Die 75 Minuten, bevor wir zum Disney-Ride kommen, fühlen sich halt ganz oft so an, als würdest du in einer Schlange stehen und warten. Das ist halt so oft. Nicht die ganze Zeit, es gibt schöne Momente, aber oft hast du das Gefühl, du stehst eigentlich nur in der Schlange und wartest drauf, dass der Ride anfängt.
Johannes Franke: Aber das Schöne ist, Disney schafft es in seinen, ich weiß nicht, ob du jemals in einem bei... Ich war nie im Disneyland. Du warst nie im Disneyland. Ich war in Disneyland, möchte ich nochmal nach vorne stellen und es war großartig. Und Disney schafft es, diese Schlangen, in denen man da steht, bevor es dann zu dem eigentlichen Ride kommt, sehr gut unterhaltsam zu gestalten. Aber es sind immer noch Schlangen, oder? Es sind immer noch Schlangen, aber du hast schon so ein bisschen Story. Okay, okay. Aber trotzdem, nein, ich finde nicht, dass der Film das so anfühlt.
Florian Bayer: Und man kann sowas auch inszenieren, ohne dass es... Also da muss man halt nochmal kreativ sein und nochmal Ideen finden. Aber zum Beispiel, stirb langsam. Komisches Gegenbeispiel. Auch ein Weihnachtsfilm. Ja, okay. Auch ein Film, in dem eine Home Invasion stattfindet. Auch ein Film, in dem sich einer gegen die Home Invasion wehrt, in dem er die Gangster ärgert. Der hat, keine Ahnung, 10 Minuten vorgeplänkelt, 15 Minuten. Und er schafft es, diese Geschichte, die nur in dem Haus spielt, mit dem Gangsterärgern so zu erzählen, dass du nie das Gefühl hast, du bist nur auf dem Disney Ride. Sondern du hast trotzdem irgendwie drumherum eine vernünftige Story und Struktur.
Johannes Franke: Das geht. Ich weiß nicht einfach nur... Welcher Film? Ich glaube, ich habe den nicht gesehen. Die Hard. Ja, genau. Die Hard habe ich nicht so richtig gesehen, weil ich immer gedacht habe, das ist nur so eine Actionkacke. Es ist ja auch eine Actionkacke, aber es ist eine kreative und abwechslungsfreiche Actionkacke.
Florian Bayer: Und dann ist das nur Disney Ride. Nein, nein, es ist kreative und abwechslungsreiche Actionkacke. Die Hard, die Story, obwohl sie die ganze Zeit in diesem Kampf einer gegen Gangster spielt, hat mehr Substanz als Hormone. Ja, müssen wir. Das Problem ist, ich weiß schon, was ich dir nächste Woche als Weihnachtsfilm geben werde. Das ist nicht Die Hard. Okay.
Johannes Franke: Ich bin mal gespannt. Das Haus hat eine Hundeklappe. Haben die einen Hund? Haben wir je einen Hund gesehen? Für die Vogelspinne. Es gibt einen Hund. Und das finde ich eben so geil, auch an diesem Drehbuch. Auch das wurde bedacht. Die haben die fucking Hundeklappe, die nur für die Slapstick da ist, begründet. Und zwar macht die Mutter am Anfang, wenn sie redet, am Telefon. Ja. Wenn Kevin kommt und sich aufs Bett wirft. Redet sie mit jemandem am Telefon und sagt, nee, wir nehmen den Hund nicht mit. Wir geben den in eine Care irgendwo, wo sich jemand drum kümmert. Die sagen kurz, dass es diesen Hund gibt. Und ich denke mir die ganze Zeit, wie diese Anfangsszene überhaupt so gut durchdacht ist, dass es klar ist, dass sie Kevin auch vergessen können, dass sie auch das mit dem Hund hinkriegen. Das ist wirklich beeindruckend. Obwohl eine fucking Hundeklappe nur dafür da ist, weil da irgendwas passieren muss. Und das zu begründen, mit so viel Detailverliebtheit da reinzugehen und zu sagen, nein, ich will, dass das gut konstruiert ist. Das finde ich so beeindruckend und so toll.
Florian Bayer: Bis zum heutigen Tag habe ich nicht einmal diese Zähne gesehen und gedacht, huch, die haben ja eine Hundeklappe. Haben die auch einen Hund?
Johannes Franke: Wirklich? Ich habe mir da nie Gedanken drüber gemacht. Ja, aber es gibt Leute, die machen sich da Gedanken drüber. Und ich finde es toll, dass der Drehbuch Otto denkt, naja, man macht sich da Gedanken drüber. Vielleicht, und wenn es nur einer von 100 oder 1000 ist. Weil wir wollen ja Millionen von Zuschauern und dann sind es schon 200 Leute, die sich Gedanken darüber machen.
Florian Bayer: Diese Liebe zum Detail ist auf jeden Fall was, was ich dem Film wirklich zugutehalten kann. Ja. Und der auch seinen Erfolg erklärt und seinen Erfolg auch irgendwie rechtfertigt.
Johannes Franke: Und natürlich muss in jedem Kinderfilm die Polizei völlig daneben sein. Natürlich.
Florian Bayer: Und das ist auch ein Moment, wo man denkt, okay, das ist ein bisschen zu viel, aber auch ein Moment in dieser Vorbereitung vom Ganzen, die Spaß macht, wenn sie mit der Polizei telefoniert und die ganze Zeit zwischen den Abteilungen hin und her geschickt wird. Und dann am Schluss fährt einer zum Haus und klingelt einmal so ein bisschen, ohne überhaupt zu wissen, warum er da ist. Und wenn keine Reaktion ist, ist alles gut.
Johannes Franke: Genau. Das Kind könnte tot da rumliegen. Ja. Oder so schwer verletzt, dass es Hilfe braucht, aber nicht reagieren kann aufs Klingeln. Aber ja, es scheint alles in Ordnung zu sein. Ich gehe mal wieder.
Florian Bayer: Und ich weiß nicht, wie es in Amerika ist, aber dieses achtjährige Kind allein zu Hause, das ist rechtlich ein richtiges Problem. Das darfst du nicht. Ich glaube, ich dürfte mein Kind immer nicht mal so für einen Einkauf oder so alleine zu Hause lassen. Oh, und tust du das? Ja, wir machen das natürlich. Das macht jeder. Oder es gibt Leute, die machen das auch nicht. Aber ich finde, dann kriegst du halt so Kinder, die überhaupt keine Selbstständigkeit haben. Aber ich glaube, es ist ziemlich drängend in Deutschland vom Gesetz wegen, wie lange du Aufsichtspflicht so machen musst, dass du das Kind nicht ohne Aufsichtspersonen allein lassen darfst. Ja. Und irgendwann haben wir uns das mal angeguckt, weil wir dann halt so, keine Ahnung, einkaufen gegangen sind, Sachen gemacht haben und dann war unser Kind auch mal eine Stunde alleine zu Hause oder eine halbe Stunde. Ja. Und soweit ich mich erinnere, war das schon so, okay, wir haben das Gesetz gebrochen.
Johannes Franke: Wow, okay, krass. Warum zur Hölle ist sie so schlecht darin, mit der Polizei zu reden? Warum kann die nicht die Dringlichkeit rüberbringen, die sie braucht? Weil sie panisch ist? Ja. Aber es ist schon ein bisschen seltsam. Ich finde es schon ein bisschen so. Also ich, statt ans Telefon zu gehen und zu sagen, ich bin in Paris, mein Kind ist in New York, weiß ich, keine Ahnung, irgendwo in Philadelphia, Chicago und allein. Wir kommen in den nächsten 72 Stunden nicht richtig nach Hause. Bitte guckt nach. Ja. Und kümmert euch drum. Ja. So was kann man doch machen. Sollte man eigentlich... Warum kann keiner Marley anrufen?
Florian Bayer: Der ist zu Hause. Aber keiner kennt Marley. Marley ist ja wirklich so die Spukgestalterung. Mit dem redet kein Mensch. Der wohnt direkt nebenan. Ja, aber trotzdem. Das ist doch wirklich der alte, gruselige Mann, der in der Straße wohnt und keiner redet mit ihm. Der macht... Ja, für die Kinder.
Johannes Franke: Nein, auch für die Erwachsenen. Na komm. Der macht überall Schneeschippen für alle Häuser. Ja. Die gute Seele des Viertels.
Florian Bayer: Glaubst du wirklich, dass irgendjemand von den Leuten, die da wohnen, den als gute Seele bezeichnet? Vor allem dieses Milieu. Ja. Diese Leute werden ja das Großbürgertum. Oh fuck, du hast mich.
Johannes Franke: Die Frage ist eher, wie kann Marley es sich leisten, da zu leben? Ja, okay. Das ist eine gute Frage. Ja. Ja, in dem er Kevin von damals ist. Da haben wir es. Da haben wir es. Okay. Wie hat Kevin es geschafft, das alles aufzuräumen? Am Ende blickt und blitzt das Haus. Unmöglich. Völlig unmöglich. Keine Chance. Ich habe das Bild davon, dass irgendjemand mal eine Schranktür aufmacht und alles rausfällt. Naja, offensichtlich im Basszimmer sieht es ja immer noch ziemlich schlimm aus.
Florian Bayer: Stimmt, ja. Das hat er nicht aufgeräumt. Und er hat ja auch den Weihnachtsbaum da aufgestellt und geschmückt.
Johannes Franke: Wie schafft er das als Achtjähriger? Das siehst du doch. Das wird im Film gezeigt. Stimmt, du hast recht. Er sägt diesen Baum da ab, baut sich das Ding da hin und schmückt das Teil.
Florian Bayer: Ja, aber kein Achtjähriger macht das. Nein, natürlich nicht. Der Film zeigt es und obwohl der Film es zeigt, sehe ich das am Schluss und frage mich, wie hat er das gemacht? Es ist so unglaubwürdig, dass ich vergessen habe, dass der Film mir das Unglaubwürdige versucht hat zu erklären. Ja. Wollen wir in unsere Top 3 rein?
Johannes Franke: Bitte. Okay. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Wir haben dieselbe Top 3 wie letzte Woche.
Johannes Franke: Was haben wir? Kleine Kinder hauen Erwachsenen auf die Fresse. Ja, kleine Monster war es letzte Woche. Ja, okay. Es ist irgendwie und ich habe auch irgendwie vielleicht was Gleiches. Ich auch.
Florian Bayer: Okay, shit. Mein Platz 3 im übertragenen und im wahrsten Sinne des Wortes South Park. Kleine Kinder, die sich wirklich daneben benehmen, die teilweise fies zu Erwachsenen sind in der Serienhandlung. Aber auch eine Serie mit kleinen Kindern als Protagonisten, die fies zu ihrem Publikum ist. Klassiker des schwarzen Humors, hat irgendwann auch an Qualität verloren, aber gerade so die ersten Staffeln sind immer noch sehenswert, wenn es um wirklich bösen, dreckigen, schwarzen, politisch nicht korrekten Humor Anfang der 2000er geht.
Johannes Franke: Auf meinem Platz 3 ist Peter Pan. Oh, ja. Und zwar, wenn die gegen die Piraten kämpfen und ich habe es geliebt als Kind. Meinst du Hook aus den 90ern mit Robin Williams? Ich bin mir nicht mehr sicher, was ich als Kind als Peter Pan verbucht habe. Das ist nämlich genau das, was ich in der Recherche auch überlegt hatte. Scheiße, war das die Disney-Zeichentrick-Version oder habe ich einfach nur Hook im Kopf? Aber ich fand dieses tickende Ding, wie stark ist das bei Hook und wie stark ist das bei dieses was? Dieses Krokodil.
Florian Bayer: Das ist vor dem Krokodil. Ich glaube, also das Krokodil, also Peter Pan von Disney ist ja eher eine klassische Peter Pan-Verfilmung, während Hook ja so quasi Neuinterpretation ist. Ich habe auch in Erinnerung, dass der Kampf bei Hook Kinder gegen Piraten sehr unterhaltsam war, weil sie da wirklich viele witzige Sachen machen mit so Practical Effects. Ich kam mich nicht wirklich an, ich war aber auch nie so ein großer Fan von dem Disney-Peter Pan, der gehört nicht zu meinen Favorites, was Disney-Zeichentrick-Filmen betrifft.
Johannes Franke: Ich habe so wenig Erinnerung. Ich erinnere mich bloß einfach nur, dass ich diesen Kampf mit den Piraten echt geil fand. Okay, gilt es herauszufinden. Ja genau, vielleicht finden wir das im Rahmen dieses Podcasts.
Florian Bayer: Vielleicht machen wir irgendwann mal so ein großes Peter Pan-Revival, weil es gab auch in den letzten Jahren nochmal einige Peter Pan-Filme und vielleicht gibt es da was zu entdecken. Ja, vielleicht. Ich kenne halt Hook und den Peter Pan von Disney und das war es, glaube ich. Und es gibt wohl auch düstere Varianten und jetzt jüngere Varianten, die vielleicht lohnenswert sind. Mal gucken. Okay. Mein Platz 2, ich habe ihn letzte Woche schon bei den kleinen Monstern genannt, Ein Kind zu töten. Ein wirklich merkwürdiger, bizarrer, sehr ruhiger Horrorfilm aus den 70er Jahren, 1976 aus Spanien, der eigentlich den Kampf gegen Kinder, die Erwachsene töten, als Parabel erzählt und dabei sehr düster ist und sehr schwer. Ja, den muss ich dir irgendwann mal geben.
Johannes Franke: Okay, bin gespannt. Mein Platz 2 ist The Addams Family. Ich liebe es einfach, wie sie bei diesem Thanksgiving da beim zweiten Film einfach allen auf die Fresse geben. Ja. So dermaßen, also sowohl mental, also sowohl verbal als auch körperlich, also so dermaßen auf die Fresse geben mit ihrer neuen Variante des Thanksgiving da.
Florian Bayer: Ja, großartig, Wednesday ist sowieso toll, Christina Ricci als Wednesday ist fantastisch. Wir haben eine Episode, in der wir über alles mögliche von der Addams Family reden, also nicht nur über die beiden 90er Filme, sondern auch über die neue Serie Wednesday und über die alte Sitcom. Hört da auf jeden Fall mal rein, war Johannes' Wunsch damals einmal so ein Addams Family Wrap-Up zu machen und der ist uns glaube ich auch ganz gut gelungen. Mein Platz 1, ich bin immer noch in den 70ern, ich bin immer noch im Jahr 1976, der Klassiker des bösen Kindes, das Omen von Richard Donner Horrorfilm, wo Satans Sohn bei einem amerikanischen Botschafter geboren wird und dann so böse Dinge plant und dabei natürlich auch einige Erwachsenen umbringt.
Johannes Franke: Okay. Ich habe auf Platz 1 und es wird keinen, der mich kennt, irgendwie überraschen, Darkwing Duck. Und zwar Gosling, die im Deutschen glaube ich Kiki heißt. Ja. Die Ziehtochter von Darkwing, die einfach allen auf die Fresse haut, egal ob gut oder böse irgendwann zwischendurch auch, weil er, also Darkwing Duck auch oft genug auf die Fresse bekommt von Kiki, einfach aus Versehen. Sie kämpft immer mal wieder mit an seiner Seite und gibt einfach allen auf die Fresse. Ich finde es großartig. Okay, ich bin tatsächlich nicht so drin im Darkwing Duck. Ja, große Schande über dich, große Schande.
Florian Bayer: Ich weiß, dass du diese Serie liebst und ich weiß auch, das, was ich von der Serie gesehen habe, fand ich auch cool. Ich habe keine Nostalgie dafür, aber ich glaube, die hast du auch nicht. Du hast das auch erst später geguckt.
Johannes Franke: Ich hätte es später erst geguckt. Ich habe Darkwing Duck vielleicht irgendwie als Kind so ein, zwei Episoden gesehen, aber richtig lieben gelernt habe ich sie echt erst später.
Florian Bayer: Das ist auch mein Stand, so als ein, zwei Episoden als Kind gesehen und dann als junger Erwachsener mitgekriegt, dass plötzlich alle Nerds in meinem Umfeld, auch du, gesagt haben, boah, Darkwing Duck ist so geil, das muss man komplett umbeldenken.
Johannes Franke: Die Serie ist der Wahnsinn. Also wirklich der Hammer. Und die neuen Ducktales hast du wahrscheinlich immer noch nicht gesehen. Nee, habe ich nicht gesehen. Das musst du einfach gucken, Plur. Ja, weiß ich, weiß ich. Ist irgendwo auf dem Peil. Ja, schöne Top 3. Ja, wundervoll. Dann wieder zurück in den Film. Haben wir noch etwas zu sagen oder? Ich glaube, es gibt ein Fazit zu verkünden. Uh, ein Fazit. Danke für dieses Stichwort. Ich habe da einen Jingle vorbereitet. Juhu.
Florian Bayer: Das Urteil. Gibt es nichts Schöneres, als zu Weihnachten einen Jingle zu kriegen? Johannes, ist das ein Weihnachtsfilm? Ist das hier ein Weihnachtsfilm? Was für eine blöde Frage.
Johannes Franke: Natürlich ist das ein Weihnachtsfilm. Natürlich ist es ein Weihnachtsfilm. Was ist hier los?
Florian Bayer: Was für Fragen werden gestellt? Das ist ja unsere wichtige Frage eigentlich für diese Episode. Nicht, wie gut ist der Film, sondern wie toll passt der zu Weihnachten?
Johannes Franke: Ich wette, wenn diese Episode läuft, ist dieser Film schon rauf und runter, 20 Mal in allen Sendern rauf und runter gelaufen. Glaube ich auch.
Florian Bayer: Und auch in 10 Podcasts, die um uns herum veröffentlicht, 10 Podcast-Episoden, die um uns herum veröffentlicht werden, besprochen worden. Es ist ein quintessential Weihnachtsfilm. Absolut. Wenn ich eine Liste machen würde, 10 Filme aus den 90ern, die man auf jeden Fall gesehen haben muss, wäre er nicht drin. What? What? Der war in deinen Top-10-90er-Jahre-Filmen?
Johannes Franke: Moment. Doch, eigentlich schon. Oh, na fuck. Ja doch, eigentlich schon. Eigentlich 10? 10 Filme? Ja doch. Auch in den Top 20 wäre er bei mir auch nicht.
Florian Bayer: Wow. Oh mein Gott. Völlig neue Welten machen sich hier auf. Aber dafür wäre er bei Weihnachten halt relativ weit oben.
Johannes Franke: Na gut.
Florian Bayer: Was wieder zeigt, wie großartig und kaputt dieses Fest zugleich ist.
Johannes Franke: Ja, Flo ist der große Weihnachtsfreund. Er wird mir nächstes Mal vielleicht auch noch eine ganz tolle weihnachtliche Geschichte geben. Ich bin sehr gespannt, wenn ihr wissen wollt.
Florian Bayer: Nächste Woche gibt es Weihnachtskitsch. Kitsch. Ja, wir hatten jetzt das komische, bizarre und so. Ja, ich meine, das hier ist ja auch schon ein bisschen kitschig gewesen. Nächste Woche gibt es richtigen Weihnachtskitsch. Nicht diesen 90er-Jahre-Pop-Bubblegum-Variante. Oh mein Gott. Richtigen Weihnachtskitsch. Richtig Sentimentalität.
Johannes Franke: Ah, ich habe ein bisschen Angst. Yes. Flo, du weißt, dass ich Weihnachten nicht mag eigentlich. Ich weiß. Und ich bin noch nicht richtig viel dazu gekommen, so richtig abzuhalten.
Florian Bayer: Ich schütte dich so voll und du wirst so abhaten. Danke, dass du mir den Film gegeben hast nochmal. Schön, dass ich ihn nochmal sehen konnte.
Johannes Franke: Sehr, sehr gerne. Tatsächlich eine der meiner lieben, liebsten Weihnachtsfilme, neben dem Grinch, den wir letztes Jahr besprochen haben.
Florian Bayer: Und ihr vielen lieben Home-Alone-Fans da draußen, vielen Dank für die ganzen Theorien und Memes. Die machen den Film tatsächlich nochmal besser. Wir haben ganz am Anfang gesagt, der ist mehr Meme als Film. Und das gibt ihm auch eine gewisse Größe. Diese ganzen Theorien, dass Mac Allister ein Gangsterboss ist und dass der Onkel böse ist. Dass die drei Geister der Weihnachter sind und dass die Mutter mit dem Teufel fährt. Das ist einfach schön. Okay.
Johannes Franke: Gut, dann kommt gut durch die nächste Woche. Und schaltet auch nächste Woche wieder ein. Wenn es wieder heißt, oh, das werden wir gleich gleich. Wir machen mal den Jingle und dann verrät mir Flo, was es nächste Woche gibt. Bis dann.
Florian Bayer: Wir haben gerade am Off-Record festgestellt, dass Johannes einen Film nicht gesehen hat, von dem ich hätte wetten können, dass er ihn kennt. Ja, das Problem ist, dass es ein Weihnachtsfilm ist.
Johannes Franke: Natürlich kenne ich den nicht. Was glaubst du denn? Aber er ist mit James Stewart. Ja, natürlich. Aber ich kann auch nicht alles von James Stewart gucken. Vor allem nicht die Sache, die mit Weihnachten zu tun hat.
Florian Bayer: Ich gebe dir für nächste Woche den Film Ist das Leben nicht schön. Und es ist, glaube ich, auch eher ein amerikanisches Ding. Ja. Ja, total. Aber er wird regelmäßig zitiert als einer der besten Filme aller Zeiten. Und er ist pure Weihnachtssentimentalität. Ich bin so gespannt drauf, wie du ihn findest. Das kann kein Awesome World sein. Das steht ja nicht. Wir werden es sehen. Ich habe ihn auch schon so lange nicht mehr gesehen. Es kann gut sein, dass ich sage, oh Gott, ist das ein Kitsch.
Johannes Franke: Wir werden es sehen. Ja, aber Weihnachten braucht ja Kitsch angeblich.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Das ist ja deine Meinung. Nächste Woche gibt es den vollen Weihnachtskitsch, das Vollverpaket. Ich möchte auch mit dir nächste Woche Weihnachtslieder singen. Ach du Scheiße.
Johannes Franke: Zum Einstieg.
Florian Bayer: Freut euch drauf.
Johannes Franke: Mhm. Bis dann. Bis dann. Ciao.
