Episode 245: The Red Shoes – Traum und Alptraum in Ballettschuhen
Heute ist wieder Shari in unserem Podcast zu Gast und hat auch einen ganz besonderen Film mitgebracht. The Red Shoes aus dem Jahr 1948 ist ein in beeindruckendem Technicolor aufgenommenes Ballettdrama über eine Tänzerin, die sich zwischen dem Tanz und der Liebe entscheiden muss. Was wie die Prämisse für ein klassisches Drama klingt, entwickelt im Laufe des Films jedoch einen ganz eigenen Sog. Platziert in atemberaubenden Kulissen, mit wunderschönen Kostümen, großen Tanzeinlagen und nicht zuletzt einem surrealen Touch, der Vorbild nicht nur für Tanz- sondern im speziellen auch für Horrorfilme der kommenden Jahrzehnte sein sollte: Sowohl Suspiria als auch Black Swan haben sich hier reichlich bedient. Und spätestens wenn man die alptraumhafte Ballettszene im Zentrum des Films sieht, weiß man auch warum. In dieser transzendiert die Bühne und das Stück im Film wird zu einer fantastischen wie grotesken Parabel auf das Innenleben der Protagonistin…
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 245: The Red Shoes – Traum und Alptraum in Ballettschuhen Publishing Date: 2025-09-10T08:49:22+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/09/10/episode-245-the-red-shoes-traum-und-alptraum-in-ballettschuhen/
Shari: Ich glaube, das ist einfach, Keiner möchte sehen, dass die da super konzentriert ist. Sondern man möchte gerne, dass Kunst so ist, wie diese Szene, es zeigt. Wollen wir halt nicht zu sehr, die Bluten Füße sehen und dass das alles wehtut, sondern wir wollen das sehen, dass sie in so einer Art Trance verfällt. Und dann In der Trance Hat man diese Träume oder sieht man sowas.
Johannes Franke: HERZLICH Willkommen, Flor, HIER Zurück in meiner Küche.
Florian Bayer: Herzlich Willkommen, Johannes.
Johannes Franke: Du hast deine roten Schuhe gar nicht an. Was ist los?
Florian Bayer: Nee, ich dachte, ich überlasse das unserem Gast.
Johannes Franke: Ja, wir haben heute einen Gast. Und zwar hat dieser Gast einen Film mitgebracht, den ihr angeklickt habt. Deswegen wisst ihr auch schon, Welchen Film. Und zwar die roten Schuhe. Und zwar mitgebracht hat ihn Shari.
Shari: Das bin ich. Hallo, das ist meine Stimme. Hallo,
Florian Bayer: Shari. Schön, dass Du da bist. Schön, dass du wieder da bist.
Shari: Ja, ich war vor ein, zwei, drei Jahren schon mal hier und habe... Bei den Anfängen des Podcasts, Ich weiß es gar nicht.
Florian Bayer: Episode 60 Und du hast damals Fick dich zu mir gesagt. Ich habe das noch sehr gut in Erinnerung.
Shari: Ja, fick dich. Das hat ein bisschen wehgetan.
Johannes Franke: Das trägt er seitdem mit sich. rum.
Florian Bayer: Weil ich Bang, Boom, Bang, nicht mal mochte.
Johannes Franke: Okay, zu Recht, Fick dich.
Shari: Ich werde versuchen, heute mich ein bisschen gewählter auszudrücken.
Johannes Franke: Ja, passend zum Film.
Shari: Passend zum Film.
Florian Bayer: Ja, definitiv passend. Ich finde, das ist auch so ein bisschen eine Redemption-Arc, nachdem du uns diese Ruhrpott-Klamotte gegeben hast.
Johannes Franke: Ja,
Shari: du bist so potentious. Ja,
Florian Bayer: voll.
Johannes Franke: Hört in die Folge Bang, Boom, Bang rein und kommt dann ins Kontrastprogramm wieder zurück. Hierher die Roten Schuhe. Und schaut euch die roten Schuhe an, verdammt nochmal. Ein Fucking Meisterwerk. Ich bin dir sehr dankbar, dass Du es vorgeschlagen hast, Shari. Und warum das ein Meisterwerk ist, Werden wir jetzt besprechen müssen. Möchtest Du uns kurz in den Film einführen, Shari? Du hast einen Text vorbereitet.
Shari: Ich habe einen Text vorbereitet, der vielleicht auch erklären wird, warum Johannes den so toll findet.
Johannes Franke: Oh, okay.
Shari: Im Amerikanischen gibt es die schöne Bezeichnung Theater Kids. Damit sind Leute gemeint, die in der Schulzeit weniger durch sportliche Leistung, gute Noten und generelle Popularität auffallen, Sondern die im Theaterkurs und in den Künsten aufblühen, wie die Lüneburger Heide im August. Diesen Leuten sagt man nach, im Laufe ihres Lebens eine gewisse... Theater-Kid-Energy auszustrahlen. Sie sind dramatischer als alle anderen, lauter, affektierter, emotionaler, Wenn man so will, etwas übersaturiert.
Johannes Franke: Warum guckst du mich so an?
Shari: Nachdem der Zweite Weltkrieg sämtliche Farbe aus Europa und der Welt gezogen hatte, erschien 1948 The Red Shoes, ein britischer Ballettfilm des Duos Michael Powell und Emmerich Pressburger. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Ballerina Victoria Page, die es schafft, dem Besitzer und Namensgeber des angesehenen Balletts Lermontov, Boris Lermontov, von sich zu überzeugen. Sie bekommt nicht nur die Hauptrolle im neuen Stück, Die Roten Schuhe, sondern findet im aufstrebenden Orchesterleiter Julian Cruster auch die Liebe. Für Lermontov kann und darf es jedoch nur eine Liebe im Leben geben. Kunst oder Cruster. Vicky muss sich entscheiden und tanzt derweil im schönsten Technicolor um ihr Leben. Von den leuchtenden Farben zu den kunstvollen Kulissen, den Tanzszenen und Boris Lermontov als Charakter im Gesamten, Selten wurden wir so schön von der Realität abgelenkt wie hier. Eine Ode an Kunst und Künstler, dramatischer, affektierter, emotionaler, übersaturierter als alles andere. Mit einer Frage, die sich nur Theater-Kids stellen würden. Also stelle ich Sie euch auch. Wer soll dein Herzblatt sein? Boris Lermontov und die Kunst oder Julian Cruster und die Liebe?
Johannes Franke: Oh, Flo.
Florian Bayer: Vielleicht die schwerste Frage des Films überhaupt, Aber ich habe eine klare Meinung dazu.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also als Postmoderner Feminist muss ich natürlich auf... Einfach auf Ihrer Seite sein, sprich Victorias Seite. Aber als das, was uns der Film erzählt und als das, was ich den Film sehe, bin ich voll. Und ganz auf Lermontovs Seite. Sie soll tanzen.
Johannes Franke: Sie soll Fucking tanzen. Aber wirklich, meine Güte. Shari, auf welcher Seite stehst du?
Shari: Bisschen wie bei Plore. Ich glaube, dass, wenn man auch diese beiden Richtungen als diese zwei Personen sieht, also Julian Cruster und Boris Lermontov, ist Lermontov Einfach auch... Also ist einfach so ein stärkerer Charakter und einfach so viel sympathischer und spannender. Und egal, wo er steht, da stehe ich auch.
Florian Bayer: Ich finde tatsächlich auch die Liebesgeschichte zwischen ihr und Julian ist das, was im Film am Schwächsten ist, was im Film am Schwächsten inszeniert ist. Und die größten emotionalen Stärken hat der Film Halt in den Momenten, in denen Sie tanzt, vor allem in diesem. Absolut krassen Mittelteil, wo der Film einfach mal diesen Bold Move macht. Und ein Ballett nicht als kurzen Zusammenschnitt zeigt, sondern sich einfach mal. 15 Minuten Zeit nimmt für die Premiere dieses Stückes, die Roten Schuhe.
Johannes Franke: Ja, ich glaube sogar 17 Minuten.
Florian Bayer: Ja, mehr als 15 Minuten.
Johannes Franke: Der eine wollte 20 Minuten haben. Und sie haben sich irgendwo geeinigt in der Mitte. Ja,
Shari: also, es gibt einfach mitten. In diesem Film gibt es eine Sequenz, die komplett rausfällt. Also es ist, glaube ich, eine halbwegs klassische Liebesgeschichte, und plötzlich wird es ein Kunstfilm. mittendrin.
Florian Bayer: Es ist so krass. Es hat mich komplett umgehauen.
Shari: Du kanntest ihn ja gar nicht.
Florian Bayer: Ich kannte ihn überhaupt nicht. Ich hab auch nicht damit gerechnet. Ich hab vorher nicht gelesen, was auf mich zukommt. Ich muss dich auch nachher fragen, ob du sauer bist, dass du einen Horrorfilm gekriegt hast. Ich hab es nicht erwartet, weil davor ist es Also, es ist einfach eine KünstlerInnen-Geschichte. Und dann hast du plötzlich diesen Mittelteil. Und dann löst sich die Bühne auf. Und wir werden noch mehr dazu sagen, stimmt. Und also, wenn mich jemand fragt, wenn mich jemand vor Wenn mich jetzt jemand fragt, was so. 15-Minuten-Blöcke, Die besten 15-Minuten-Blöcke der Filmgeschichte sind, Würd ich den, glaub ich, ganz weit oben platzieren. Das ist so eine krasse Szene. Ja, absolut. Das war auch jetzt in der Vorbereitung auf dem Podcast. Ich habe die Szene bestimmt. Fünfmal geguckt. Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Die ist unfassbar. geil. Das ist so eine krasse Szene und er setzt immer noch einen drauf. Und du bist einfach blown away am Schluss.
Shari: Ich glaube, sie funktioniert auch so gut, weil sie eben erst so spät kommt. Also, wenn es nur diese Szene gewesen wäre, wäre das Halt immer noch toll und beeindruckend. Aber ich glaube auch, weil sie so plötzlich erscheint und dann so ein bisschen die Sphäre des Realen verlässt. Oder so, hat Sie so einen krassen...
Johannes Franke: Ich habe gestern nochmal auf den Beamer gelegt und habe währenddessen recherchiert. Also den Ton ausgemacht und nur recherchiert und den Film nochmal laufen lassen, um mich so ein bisschen zu erinnern, Welche Szenen hier, wie, wo, was. Und ich irgendwann, sogar ohne Ton, Ich bin von meinem Handy weg und konnte nur noch zugucken. Das war der absolute Hammer. Selbst ohne diese gigantische Musik, muss man sagen, richtig krasse, tolle Musik. Selbst ohne das ist diese Sequenz... Unglaublich, und ich glaube wirklich ganz on Top auf meiner Liste von Filmen, die es schaffen, mir eine Begeisterung. Nochmal mit über 40 Jahren, wo ich, muss ich sagen, in diesem Podcast immer mal das Gefühl hatte, ach, Mit Anfang 20 war man so begeisterungsfähig und da hat man noch viel mehr in. So Filme sich reinbegeben und ist darin verschwunden und hat gesagt, boah, Das ist das Beste der ganzen Welt. Und das passiert doch mit 40 nicht mehr. Und bei diesem Film war ich wirklich blown, away und Hab gedacht, das ist jetzt mein absoluter Lieblingsfilm. Aller Zeiten und niemand kommt jemals daran. Wirklich, wirklich, wirklich krass, ganz ehrlich.
Shari: Ich fand allerdings auch schon, ich habe mir ja gestern auch kurz einmal stumm noch ein bisschen gesehen, Ich fand das auch schon am Anfang, so, Also man guckt einfach hin und allein, weil die Farben so toll sind. Und weil ich dann schon wusste, was passiert. Ich kann ja vielleicht auch ganz kurz erzählen, wie ich überhaupt auf diesen Film gekommen bin. Ja, total. Und zwar, Ich bin jetzt nicht aus dem Bereich Film oder so etwas, ich bin einfach nur ein Fan von Filmen. Und ich habe immer wieder gehört, dass dieser Film auftaucht in besten Listen. Und und dass Martin Scorsese den Mund nicht halten kann, was diesen Film angeht. Und er hält den quasi immer in die Kamera und sagt immer, das ist hier. Ich habe die roten Schuhe, weil wir zu Hause rumstehen und so weiter. Und ich habe einen Filmabend, den ich regelmäßig veranstalte, bei dem ich Leuten, Freunden, Filme zeige aus der frühen Hollywood-Zeit bis Mitte 60er. vielleicht. Und da war dieser Film in der Auswahl, weil ich ihn halt nie selber gucken wollte. Weil ganz ehrlich... Ihr da draußen, habt ihr euch jetzt freiwillig einen Ballettfilm angeguckt? Zu Hause auf dem Rechner, Das ist schon hart. Zwei Stunden, der ist auch nicht kurz. Das ist keine knackigen 90 Minuten. Da muss man schon Zeit für haben. Und das ist am besten mit Leuten. Und dann haben wir den auf diesem Filmabend geguckt. Und die Meinungen waren gespalten und ich war total verliebt.
Johannes Franke: Ja, ich bin ja in dem Abend, als wir das gezeigt haben. hier, bin ich zur Halbzeit gekommen. Und ich habe quasi so zwei Minuten vorher und dann diesen 17-Minuten-Teil mitbekommen. Und ich war total, What the fuck, Was ist hier los? Und dann sagt die eine in der Runde auch noch, naja, Bisher war er nicht so toll. Und ich so, What the fuck?
Florian Bayer: Na, das Krasse ist ja, Dass diese künstlerischen Sachen, diese surrealen Sachen, die kommen so ein bisschen durch die Hintertür. Du hast am Anfang das Gefühl, dass du so einen sehr klassischen Ballettfilm siehst, wo gar nicht Tanz so eine große Rolle spielt. Also, wo es natürlich die ganze Zeit darum geht, dass Tanz für viele Menschen ihr Leben ist oder ihre Religion. Aber, dass hier eine klassische Geschichte erzählt, wird von einer jungen Frau, die Halt tanzen will und die es halt in dieses Ballett schafft und die sich so nach oben kämpft. Und dann verlässt der Film diese KünstlerInnen-Film-Klischees und wandelt plötzlich auf ganz anderen Faden. Und dann hast du plötzlich, so Bilder dazwischen. Und es gab irgendwann diesen Moment, und zwar noch nicht schon vor dieser Krassen. 15-Minuten-Szene, wo du das Gefühl hattest, wow, was passiert da? Da wird ganz viel mit Bildern erzählt und da ist ganz viel Symbolik. drin. Und so einzelne Szenen, zum Beispiel, wenn Sie mit Julian auf dem Balkon steht. Und dann fährt er zu vorbei. Und ganz am Schluss denkt man, oh, das war Foreshadowing. Aber allein auch ohne dieses Wissen sieht man diese Szene und hat das Gefühl, da passiert mehr. Da kriegen die Bilder sowas Traumhaftes, Sowas Surreales. Dann steigt dieser Rauch auf, und du hast das Gefühl, die stehen eigentlich nicht mehr da, wo sind Sie in Monte Carlo, wo Sie gerade sind, sondern fast in so einem Vorjenseits. Der Film hat ganz viele von diesen merkwürdigen Momenten, und ich kann total verstehen, dass auch so Leute wie Dario Argento zum Beispiel gesagt haben, oh, Suspiria ist davon inspiriert, dass Leute wie Brian de Palma oder David Lynch Fans von diesem Film sind, weil der hat so viele versteckte, surreale, gruselige, ja, fast schon diabolische Momente, die ihn einfach zu so viel mehr machen als eine einfache Liebesgeschichte oder eine einfache Tanzgeschichte.
Johannes Franke: Ich finde voll, dass man sieht, dass sie einen Produktionsdesigner hatten. Heckroth.
Shari: Hein Heckroth, ja.
Johannes Franke: Der war Maler. Also, der war auch Bühnenbildner, aber der war vor allem Maler. Und der hatte eine ganz eigene, malerische und expressionistische Idee davon, wie das aussehen soll. Und es war auch nicht gewöhnlich, dass man hauptberufliche Maler anstellt, um Produktions.design für einen Film zu machen. Und das sieht man im Film voll an, finde ich. Also sowohl in der Gestaltung der Bilder, Hintergrundbilder, Weil ja auch viel gemalte Hintergründe sind. Und aber auch die ganzen Requisiten und Möbel und so, die da drin stehen.
Shari: Kostüme möchte ich auch noch mal erwähnen.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Lass uns mal kurz auf die Entstehung des Films kommen. Die Archers waren mir nie ein Begriff. Ich habe von Michael Powell und Emerick Pressburger zum ersten Mal gehört. Durch diesen Film.
Johannes Franke: Kleiner Vergleich mit den Daniels. Mal kurz reingebracht. Die Daniels, Die Everything, Everywhere, All at Once gemacht haben. Vom Gefühl her. So von der Anarchie her, die Sie diesem Film gegenüberbringen, habe ich so das Gefühl, das ist so eine Entsprechung zu heute.
Florian Bayer: Ja, vielleicht so ein bisschen, weil es auch so ein bisschen unklar ist, wie wer, was geschrieben hat und wer was inszeniert hat. Also offensichtlich hat Paul meistens Regie geführt, während Pressburger eher so Der Storywriter war. Aber auch das stimmt wohl nicht so. 100 Prozent, weil die sich die Skripte hin und her geschickt haben. Und die haben zusammen 19 Filme gemacht. Wann haben Sie angefangen? In den 30ern haben Sie schon angefangen. Und haben dann wirklich... Wirklich viele Filme zusammen gedreht.
Shari: Und auch oftmals sehr. Also, ich wollte noch ein, Zwei Gucken von ihnen, vor allem Black Narcissus und Colonel Blimp, habe ich nicht geschafft. Man muss ganz schön viel recherchieren hier für diesen Podcast. Man muss ja noch arbeiten und so. Also, es ist nicht möglich. Aber es sollen auch zwei sehr, sehr schöne Filme sein. Also, Sie sind vor allem wirklich ja auch für Ihre Bildgewalt so ein bisschen bekannt.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Und dann, nachdem ich diesen Film gesehen habe, denke ich, Ich muss auf jeden Fall mehr von diesen beiden Leuten gucken. Und was haben die sonst noch gemacht? Weil sie auch offensichtlich viel mit den gleichen Menschen zusammengearbeitet haben und ihr Leben lang Freunde geblieben sind, obwohl sie irgendwie so in den Filmen Mitte der 50er haben, sind dann aufgehört, zusammenzuarbeiten.
Johannes Franke: Der Film war ja ursprünglich auch von Produzent Alexander Korda mitgeschrieben. Vor allem eigentlich als Biopack für, also über Nijinsky gedacht. Der große, berühmte... Balletttänzer Nijinsky.
Shari: Kannst du nicht? Wir müssen natürlich auch noch sagen, dass Johannes, deswegen nenne ich, Deswegen passt die Theater-Kid-Energie sehr, besonders. Du hast ja durchaus auch einen Bezug zum Ballett.
Johannes Franke: Ja, ich war auf der Ballettschule und auf der Artistenschule und hab natürlich auch da viel aufgesaugt, was das betrifft. Also dieser Film sagt mir wahnsinnig viel in diesem Bereich. Ich weiß nicht, das werden wir mal abgleichen müssen. Mit dem, was Ihr so... Darin seht oder nicht seht, Aber ich sehe viel aus meiner eigenen Erfahrung, und natürlich kannte ich Nijinsky absolut.
Florian Bayer: Ich repräsentiere hier den absoluten Ballettlein und ich bin auch kein großer Ballettfan.
Shari: Ich war einmal in Schwansee und ich hab Black Swan gesehen.
Johannes Franke: Wie Fandest du Schwansee? Oh nein, Die Pause ist schon zu groß.
Shari: Ich dachte, mir würde es mehr geben. Ich wünschte mir, es würde mir mehr geben. Es war toll, aber ich wäre gerne noch spießiger, als ich eh schon bin. Und ich hätte gerne total das Erweckungserlebnis gehabt. Es war schön, aber es war nicht das Erweckungserlebnis, was ich dachte. Vielleicht brauche ich einfach eine Kamera, die mir sagt, wo ich hingucken muss und welche Größen das Ding alles haben muss.
Florian Bayer: Tausch Den Schwanensee durch den Nussknacker. Und dann hast du, dann bin ich auf derselben Ballettstufe wie Fahri offensichtlich.
Johannes Franke: Okay.
Shari: Umso erstaunlicher, dass uns beiden der Film auf irgendeine Art und Weise gefallen hat.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich hat es mich überrascht, dass mir der Film gefallen hat. Okay,
Johannes Franke: das ist ermutigend für euch. Da draußen, die ja nichts mit Ballett zu tun habt. Dieser Film kann euch trotzdem was sagen. Nein,
Florian Bayer: nein, Dieser Film ist, Also, wenn du kein Ballett magst, Suspiria kann dir auch gefallen, wenn du kein Ballett magst.
Johannes Franke: Ja, aber Suspiria hat so viel Scheiß. Ballett. Also das ist wirklich nix.
Florian Bayer: Ja, ja,
Johannes Franke: natürlich. Da finde ich ihn wirklich, Suspiria finde ich richtig. kacke.
Florian Bayer: Aber im Vergleich würde ich dann auch sogar eher Black Swan hinlegen. Ja,
Johannes Franke: vielleicht.
Florian Bayer: Der auch. Definitiv inspiriert ist von diesem Film, aber dann guckst du Black Swan und Siehst was, was, Entschuldigung, Aronofsky, Was er macht mit dem Tanz und wie er mit dem Tanz Emotionen inszeniert. Und dann legst du diesen Film daneben. Und das ist nicht nur eine andere Liga, das ist eine andere Sportart. Also, es ist einfach, das kann man gar nicht vergleichen von der Qualität. Das stimmt.
Shari: Black Swan hat Schauspieler, und wir haben hier ja vor allem Profis am Werk, also
Johannes Franke: Tanzprofis. Die haben ja tatsächlich nicht nach Schauspielern gesucht, Die Tanzen können, sondern Tänzern, die Schauspielen können.
Florian Bayer: Und Maura Shearer, die die Hauptrolle spielt, hat gesagt, das ist eigentlich gar nicht so, wie Ballett ist. Deswegen wollte sie das Ding gar nicht spielen, weil sie gesagt hat, Was die Leute hier als Tanz, als Ballettschule oder als Ballettcompany erzählen, Das deckt sich überhaupt nicht mit meinen Erfahrungen. Das ist kompletter Quatsch.
Johannes Franke: Naja, Also, ich muss sagen, was meine Erfahrungen damit sind, zum Berührungspunkt von der Ballettschule. Und so weiter, Ist das schon recht gut, was das hier im Film gezeigt wird. So ist es nicht. Aber Maura Shearer hat sich Ganz, ganz unglücklich mit ganz vielen Sachen in diesem Film gezeigt. Und ich vergöttere sie in diesem Film. Und für mich ist es so traurig, dass das nicht übereinander geht. Dass sie das so scheiße, fand. Und ich weine wirklich Tränen. dafür, dass sie nicht die beste Zeit ihres Lebens hatte. Der Film suggeriert das.
Shari: Ja, wahrscheinlich auch, weil es danach ja nicht so, also, das war ja eben ein Problem für sie, ob Sie es überhaupt machen sollte, und sie musste ja auch ziemlich überzeugt werden, Weil das natürlich für jemanden, der Profi, Wie nennt sich das, Ein Profiballeriner, sagt man Das ist, ein Ende bedeuten kann, wenn man einfach zu lange aus dieser Welt austritt. Und gerade auch Film galt jetzt damals in dem Bereich jetzt nicht Als eine Stufe nach oben, sagen wir mal, so.
Florian Bayer: Sie hat angeblich, sie hat jahrelang dagegen gekämpft, in diesem Film aufzutauchen. Und der Regisseur hat aber die ganze Zeit an ihr rumgebaggert, weil er gesagt hat, die Brauch, ich, genau, die will ich haben.
Johannes Franke: Und er hatte recht. Also, natürlich braucht er genau sie. Sie ist großartig. Sie hat gar nicht mehr so viel gedreht, danach, weil sie auch diese Erfahrung nicht so richtig geil fand. Aber ich hätte sie echt gerne mehr gesehen, noch in anderen Filmen. Also, sie hat mehr Filme gedreht, aber nicht so wahnsinnig viel mehr.
Shari: Sie ist ganz süß, muss man sagen. Also dafür, dass sie eigentlich keine Schauspielerin ist, Macht Sie das alles ganz gut. Die ist jetzt, glaube ich, nicht Meryl Streep oder so. Aber sie spielt so dieses junge, aufstrebende, hübsche Mädchen da ganz gut, Die Ballerina.
Florian Bayer: Ich finde, ihre stärksten Schauspielszenen sind halt, wenn sie durch Tanz spielt. Also, es gibt diese zwei sehr emotionalen Momente beim Tanzen. Nämlich zum einen, wenn Sie Ihre Schwansi-Aufführung hat und dann feststellt, dass der Lermontov im Publikum ist. Und diese Drehung und dieser verzweifelte... Blick, dieser ängstliche Blick, Oh Gott, jetzt sieht er mich. Und dann diese Desorientierung, Es ist ja wirklich, es ist ja ganz simpel. Also Die Kamera dreht sich, und dann wird ihr Blick eingefangen, Ihre Reaktion, Das ist schon ziemlich stark.
Johannes Franke: Ich finde auch, sie macht das sehr, sehr gut. Ich finde, es gibt noch eine andere Probenszene, wo sie wahnsinnig stark ist, Was aber überhaupt nicht emotional aufgeladen ist und man das gut weggucken könnte. Aber wie sie mit dem Typen streitet, mit dem sie ja dann zusammen ist, später, der in dieser Probe, wo er sagt, nein, du musst das mehr machen. Und hier besser und so. Das ist doch kein Kindertheater hier, Du musst das richtig machen. Und wie sie die Probe haben und streiten darüber, wie das sein muss und wie viel Energie man da reingeben muss. Und so richtig künstlerische Ambitionen aufeinandertreffen. Ich finde das wahnsinnig gut und sie macht das auch sehr, sehr gut, finde ich.
Florian Bayer: Die zweite Szene, die ich vor allem stark fand, war die in dieser großen 15-Minuten-Szene dann, wenn sie, Es gibt diesen einen Moment, wo sie mit Schweiß im Gesicht so total panisch guckt und ängstlich guckt. Und das ist auch einfach so eine ganz simple Mimik, Aber es trifft es halt voll.
Shari: Geht man eigentlich jetzt hier chronologisch durch den Film? Oder sagt jeder immer eine Sache, die einem geht?
Johannes Franke: Also, wir könnten da quasi chronologisch durchgehen. Wir sollten bloß nicht länger werden, Als der Film war. Natürlich. Obwohl wir das regelmäßig sind, Flo, oder?
Florian Bayer: Ja, wir sind öfter länger als der Film. Wir können ja mal versuchen, uns so ein bisschen an die Zwei Motive... Die quasi ihr Leben bestimmen und diesen vermeintlichen Zwiespalt erzeugen. Versuchen mal auf die einzugehen. Also wir haben zum einen die Liebesgeschichte und zum anderen die Tanzgeschichte, beziehungsweise die Liebe zum Tanzen. Da suggeriert uns ja der Film so irgendwie zumindest am Ende, dass sie da hin und her gerissen ist. Dass sie eigentlich beides will oder gar nichts davon will. Auf jeden Fall nicht hin und her. Gerissen werden zwischen diesen beiden Leuten, die irgendwie stellvertretend sind. Für diese Welten. Also einmal Julian als die Liebe und Lermontov, als der die Kunst und der Tanz.
Johannes Franke: Kommt dir damit klar, was haben wir ja vorhin schon besprochen, dass das mit der Liebe vielleicht nicht ganz so gut oder ausführlich behandelt wird, wie man das vielleicht hätte haben, wollen? Hätte man das mehr haben wollen? Kommt dir damit klar, dass das so ist? Oder ist das, weil der Film natscht dann vielleicht doch ein bisschen Arg sehr in die Richtung, Du musst die Kunst machen statt die Liebe?
Shari: Es ist ein künstlerischer Film, irgendwo. Ich glaube, das liegt auch ein bisschen an dem, Man sieht ja gar nicht so sehr, wie die sich annähern eigentlich. Und das ist ja plötzlich, so. Hoch Hubsala, Die sind jetzt zusammen. Und man sieht sehr viel, wie sie versucht, in dieses Ballett reinzukommen. Heißt also, wir sind eh viel mehr in dieser Kunstecke, mit ihr, im Ballett und Heifern damit. Und dann plötzlich ist dieser Typ, der als Student eingeführt wird, aber aussieht wie 45. Das muss man ja auch mal sagen. Er macht das alles ganz gut oder so, Aber es ist alles eine komische Besetzung. Da ist man dann ein bisschen...
Johannes Franke: Raus. Ja, total.
Florian Bayer: Ich hatte so das Gefühl, als die Liebe. Etabliert wird, Und zwar wird sie etabliert, weil andere drüber reden. Ja, ja. Da dachte ich, hab ich was verpasst? Moment, nochmal kurz zurückspulen. War da irgendwo eine Romantik? Nein, war sie nicht. Total. Und dann haben wir aber diese krasse Romantik-Szene, wo der Film wirklich so Double down auf die Liebe. Und sie liegt in seinen Armen und lässt es Ewigkeit werden und so. Es hat mich extrem genervt. Es hat mich in dem Moment auch extrem genervt, weil ich dachte, die Romanze hat da gar keinen Platz. Ich fand, es hat sich aufgelöst, weil nachher bietet der Film einem Total an, das wirklich feministisch zu lesen, dass diese Romanze in die absolute Vereinsamung führt. Wenn wir diese Zehnen einer Ehe haben, die ja nicht so sonderlich viel sind, dann sehen wir halt, Sie ist komplett verloren. Und zwar wirklich Krass verloren in diesem schwarzen Raum, wo diese zwei Ehebetten sind nebeneinander. Wir sind hier im Hayscote.
Johannes Franke: Aber das ist auch seine Fantasie, weil ich glaube, das ist eine Traumsequenz, die hat Boris.
Shari: Das kann auch sein.
Florian Bayer: Meinst du? Nein. Ich glaube, das ist auch Ihre Perspektive. Ich will daran glauben, dass Sie die roten Schuhe wirklich, dass Sie das vermisst, dass Sie Lermontov vermisst, dass Sie das Tanzen vermisst. Sie will das eigentlich. Das tut sie,
Shari: glaube ich, auch. Liest er nicht einen Brief von ihr? Oder was war? Und dann ist es so eine Mischung aus Inhalt des Briefes und das, was er sich vorstellt, glaube ich. Das ist dieser Moment. Weil es ist ja auch schon ein bisschen abstrakt. Und wie du sagst, Der Raum ist dunkel. Da steht irgendwie ein Kerzenlicht. Sehr theaterhaft. Sehr theaterhaft, genau.
Johannes Franke: Das ist die Welt, die berus kennt.
Florian Bayer: Ich glaube, wir schwanken. In diesem Moment von seiner Vorstellung von ihr zu ihr. Ich will das glauben.
Johannes Franke: Ja, das glaube ich. Nein, ich glaube nicht. Nein, nein,
Florian Bayer: nein. Es gibt so viele Momente, wo man Lermontov auch als diesen absoluten Tyrannen lesen kann. In dem Film. Er ist ja auch der totale Volldepp, dass er Cruster feuert, nachdem er von ihrer Romantik erfährt, weil er könnte es einfach so lassen. Ist doch perfekt.
Shari: Aber das ist ja sein Willen.
Johannes Franke: Über den reden wir noch. Über Boris müssen wir sehr ausführlich reden.
Florian Bayer: Wer jemand von euch glaubt, dass er in sie verliebt?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Nein,
Shari: nein.
Florian Bayer: Keiner glaubt. Ich glaube, Lermontov hat auch einfach, so tyrannisch. Er ist, ich glaube, er hat auch einfach Sie verstanden. Und zwar durch diese zwei Zitate von ihr. Zum einen, wenn er sie fragt, warum willst du tanzen? Und sie sagt, Warum möchtest du leben? Er sagt, ich weiß nicht, keine Ahnung, ich muss. Und sie sagt, das ist meine Antwort. Das ist nicht der Moment, wo er sie im Schwanz sieht. Das ist eigentlich der Moment, wo Sie ihn... Wo Sie ihn interessiert und wo er sie haben, will.
Johannes Franke: Aber ich will noch nicht über Boris reden, Leute. Ich will noch bei dieser Romanze bleiben. Für mich ist das nämlich völlig absurd, weil dieser Typ ja eigentlich selber Künstler ist. Ja. Und er genau weiß, wie man Kunst macht, was für eine Leidenschaft da drin steckt. Er hat mit Ballerinas zu tun. Er weiß ganz genau, wie dieser Kunstbetrieb ist und welches Leben man sich verschrieben hat. Und dann, aus dem Nichts aufzumachen, dass er das nicht will, dass sie das tut, finde ich total unglaubwürdig für den Film in dem Moment. Und... Das ist für die Zeit glaubwürdig, weil du auch niemandem erklären, musst, dass die Frau an den Herd gehört, Weil das damals so war. Ganz schrecklich, Aber es ist eine Assumption, die der Film macht, die mir heute nichts mehr, sagt. Und deswegen verstehe ich das nicht.
Florian Bayer: Aber es ist nicht nur, also, das ist doch vor allem der Schluss. dann, wenn er eifersüchtig auf Lermontov ist. Davor hat er doch nichts dagegen, dass sie weiter tanzt, wenn sie romantisch miteinander involviert sind.
Johannes Franke: Das ist das, was der Film aufmacht, schon vorher. Als Boris sie feuert, wird schon impliziert. Dass der Ehemann auch nicht will, dass sie weiter tanzt. Weil sie ja auch nicht weiter tanzt.
Florian Bayer: Sie tut es ja nicht. Ja, naja, das ist halt, Der Film erzählt auf jeden Fall, dass das das Schicksal der Ehe ist.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ich glaube aber, Diese Richtung schlägt es ja auch unter anderem ein, weil Lermontov Cruster feuert und sie dann mit Cruster mitgeht.
Johannes Franke: Trotzdem hätte sie tanzen können. Sie hätte ja total überall, Nach dem Erfolg, den sie auf der Bühne hatte, hätte jede Kompanie sie mit Kusshand genommen. Und so, wie sie tanzt ... Hätte jeder auch ohne diesen Erfolg sie genommen, weil sie wirklich Hammer ist.
Florian Bayer: Es ist so düster, wenn wir dann ein bisschen aus ihrem gemeinsamen Leben erfahren. Und dann Crusta, schreibt Opern und sagt, über Sie schießen Inspiration. Sind wir zur Muse? verband, degradiert.
Johannes Franke: Scheiße, Mann.
Florian Bayer: Keine Künstlerin mehr selbst, sondern die, die den Künstler inspiriert. Und das kann man durchaus feministisch lesen, wie der Film Das inszeniert.
Shari: Ja, kann man vor allem auch ein bisschen so lesen, ohne auf das Ende zu sehr einzugehen. Aber wir können ja hier spoilern. Natürlich,
Johannes Franke: absolut.
Shari: Dass er ihr ja am Ende auch ganz schön toxisch da so hinterherreißt und seine Premiere sausen lässt. sagt, Entweder das jetzt oder ich bin weg. Also, weiß ich nicht, was für ein toller Mann, das da ist.
Florian Bayer: Was für ein Psycho. Wobei er komplett anderer kontinent. Und er bricht alles ab, reist dahin, um fünf Minuten vor der Vorstellung reinzukommen. Und zu sagen, wenn du diese Schuhe anziehst, ist Schluss mit uns.
Johannes Franke: Es ist so absurd und das kommt für mich halt auch eben genau deswegen, weil er selber Künstler ist, Weil er genau weiß, was das ist. Und weil das auch so nicht hergeleitet wird. Kommt für mich das aus dem Nichts. Und das ist ein bisschen eine Schwäche des Films für mich.
Shari: Wir lernen halt auch einfach vorher, wie schon gesagt, kaum was über Julian. Wir lernen wenig nur, dass der eine Typ am Anfang seine Musik geklaut hat, dass er offenbar sehr talentiert ist. Ich möchte auch mal seinen Namen erwähnen. Marius Goring.
Johannes Franke: Ja, ja, wichtig. Sehr gut.
Shari: Und deswegen wissen wir gar nicht, wie er eigentlich so ist. Ja,
Johannes Franke: ja, richtig.
Shari: Warum sollte er nicht irgendwie so ein toxischer, besitzergreifender Typ sein?
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, was ganz wesentlich. Für Julian ist, dass er anderes Kunstverständnis hat als Lermontov und Page. Für ihn geht es um stolz und für ihn geht es um Ehre. Und deswegen ist das ja auch so, Deswegen ist er so gekränkt mit diesem Diebstahl, wie das inszeniert wird, Wie er sich dann auch beschwert mit dem Brief. Dahinter steckt irgendein anderes Kunstverständnis als das, was Lermontov und Page haben, glaube ich. Und ich glaube, das ist auch ein Grund, warum Lermontov ihn natürlich feuert, weil er er ist, nicht so in ihrer Welt. Er ist irgendwie anders. Seine Kunst, wie er zur Kunst steht, funktioniert irgendwie anders. Vielleicht mechanischer,
Johannes Franke: vielleicht wirtschaftlicher. Macht sich das fest? An dem, was Boris ganz, ganz toll sagt. Am Anfang, als er kommt und sagt, der hat von mir geklaut und sagt, es ist schlimmer, wenn man woanders klauen muss, als dass man beklaut wird. Was ich total spannend? finde.
Shari: Das ist ein schöner Satz, den habe ich mir auch aufgeschrieben. It's much more disheartening to have to steal than to be stolen from.
Johannes Franke: Krass, ne? Geiler Satz. Also ich meine, Wirtschaftlich ist es totaler Quatsch, weil ich natürlich, Mann. Ich hab das selber gemacht. Gib Mir mein Geld. Gib Mir mein Geld für mein Zeug.
Shari: Sonst können wir sagen, AI, übernimm, alles.
Johannes Franke: Genau, richtig. Aber als philosophischen Satz finde ich ihn geil.
Florian Bayer: Ja, und Lermontov sagt zu Cruster, I have a job for you. Er sagt zu ihm, ich hab hier diesen Job. Du musst jetzt das machen und du schreibst jetzt die Musik. Und es ist anders, als er mit Victoria umgeht. Und ich überlege gerade, ob ich es irgendwie gefasst kriege. Aber ich hab die ganze Zeit, diese Künstlergeschichten gesehen, dass Lermontov und... Und Victoria sind Getriebene von ihrer Kunst. Sie müssen tanzen. Sie müssen inszenieren. Krust da eher nicht.
Johannes Franke: Echt, ist das so? Weiß ich nicht genau.
Shari: Er freut sich schon über seine Aufgaben. Und dass er immer mehr Aufgaben, dass er das Stück auch schreiben darf oder so. Aber dass er das so als die große Leidenschaft, vielleicht ist es was wirtschaftliches oder so. Oder was Ehrenvolles.
Johannes Franke: Wir sehen doch ganz am Anfang, wie Sie da alle Reinstürmen in dieses Theater. Eine pure Euphorie. Ja. Ja, ein... Eine Wahnsinns-Euphorie, wo ich davor gesessen habe und gedacht habe, ist jemals ins Ballett jemand so dermaßen reingestürmt?
Shari: Junge Leute wollen, Die Jugendlichen rennen ins Ballett und können es gar nicht wissen.
Johannes Franke: Aber ich habe recherchiert, es gibt das. Es gab das tatsächlich 1903, glaube ich, oder 1913 oder so. Scheiße, Ich hätte es mir aufschreiben sollen. Es gab eine ganz große, so richtig ein Riot. Alle haben sich geprügelt. Im Zuschauerraum, weil es Leute gab, die dafür waren, was auf der Bühne passiert, und weil es Leute gab, die dagegen waren. Und das waren junge Leute. Die so richtig studentisch sich gegenseitig verprügelt haben. Wahnsinn!
Shari: Gut, DAS Kunst irgendwie, also 48, Was gab's denn da? Aber, dass Kunst irgendwie Leute anzieht und Musik oder so, Wir haben Franz Liszt oder so, der so Fangirls hatte, die sich da auch alle, also, das ist schon, Das macht schon in der Zeit vielleicht Sinn. Heute wirkt es vielleicht ein bisschen anachronistisch, dass die Teenager da über sich herfallen, um ins Ballett zu gehen.
Florian Bayer: Aber es sind ja die Musikstudenten, auch, ne?
Shari: Ja, trotzdem auch die,
Florian Bayer: ganz ehrlich. PALMA Mania,
Shari: Professor Palma heißt der,
Florian Bayer: der das geklaut hat. Und das Geile ist ja, es wird so ein Und bis in ganz kurz so. Dieser Konflikt erzählt zwischen den Musikstudenten, die nur da sind, weil ihr Professor die Musik geschrieben habt, und denen, die für die Irina Boronskaja, für die große Balletttänzerin Da sind. Und beide kennen jeweils das von dem anderen überhaupt nicht. Wer Irina nie gehört, Professor Palmer, Wer soll das sein?
Johannes Franke: Kurze Sidequest. Habt Ihr einen Unterschied bemerkt zwischen Irina vom Tanzstil und von Mara Shearer? Das darfst du mich nicht fragen.
Shari: Die eine hat rote Haare, die andere hat dunkle Haare. Das ist für mich ein Unterschied im Tanzstil. Mehr habe ich.
Johannes Franke: Weil jedes Mal, also. Wir haben ihn ja zweimal dann geguckt. Und ich habe ihn ja gestern nochmal ein drittes Mal in den Sturm geguckt. Und jedes Mal musste ich lachen. An der Stelle, an der die alte Tänzerin, namen, schon wieder vergessen. Irina. Irina wieder eingestellt wird und so viel Plumper tanzt als Maura Shearer. Und ich habe gelacht, und dann habe ich um mich geschaut, Keine Reaktion von den anderen, Niemand hat irgendwas bemerkt, irgendwas, habe ich den Gag nur falsch verstanden, Haben die anderen den Gag nicht verstanden.
Florian Bayer: Aber das soll's doch nicht sein, oder? Weil Ludmilla Czerina war eine Ballerina.
Shari: Ja,
Johannes Franke: aber leider ist sie so ... Also, ich glaube auch, dass sie es absichtlich gespielt hat. Sie hat absichtlich Plumper Was Sie mit Ihren Schultern macht, MIT den... Egal, okay, gut, okay, ich bin zu tief drin, offensichtlich.
Shari: Kannst doch mal jemanden überprüfen, ob das wirklich so ist. Muss man da eine Gegenüberstellung mal machen.
Johannes Franke: Vielleicht muss man, weiß ich nicht genau.
Shari: Oder ist das eine Suggestion bei dir?
Johannes Franke: Vielleicht, weiß ich nicht genau. Aber sie wird wirklich als Kontrast zu Maura Shearer inszeniert.
Florian Bayer: Aber sie ist doch auch die große Tänzerin. Sie ist auch die große Ballerina.
Shari: Mariah Carey ist das. Sie ist richtig mit ihren schönen Hütchen und so.
Florian Bayer: Sie wird von allen verehrt und Lermontov ist richtig gekränkt, als sie heiratet. Genau wie bei Victoria.
Shari: Wobei man muss sagen, ich glaube, die Szene passiert dann, nachdem sie wieder zurückgekommen ist, nicht wahr? Und dann kann es natürlich durchaus sein, wenn der Film das erzählen möchte, Dass die Liebe und die Ehe ihr sozusagen, das künstlerische Mojo geklaut haben.
Florian Bayer: Ja.
Shari: Also das kann dann vielleicht...
Johannes Franke: Ich sehe das in der Szene auf jeden Fall.
Shari: Künstlerische Auge sehen.
Florian Bayer: Wenn du sowas schon siehst. Hat Lermontov recht, Wenn er sieht, Als Victoria verliebt, ist in Julian, dass sie schlechter tanzt? Hat er recht? Weil es gibt ja diese eine Szene, wo er sie vom Balkon aus beobachtet und sagt, Sie tanzt echt nicht gut.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, das stimmt nicht.
Florian Bayer: Verdammt, Das wäre so schön,
Johannes Franke: wenn er recht hätte. Nein, nein, Er hat nicht recht.
Florian Bayer: Verdammt, Das hätte ich mir gewünscht.
Shari: Aber vielleicht hat er das Auge nochmal ein bisschen Schärfer eingestellt als du. Und deswegen sieht er die kleinsten Noms.
Florian Bayer: Ich würde auch behaupten, dieser Boris Lermontov hat mehr Ahnung von Valette als du, Johannes.
Johannes Franke: Definitiv, auf jeden Fall. Also, ja. Vielleicht habe ich da auch was reininterpretiert, Keine Ahnung, Aber das war so mein Gefühl beim Gucken.
Florian Bayer: Okay, du sagst, diese Ballettstunden, zu denen Maura Shearer gesagt hat, Die sind komplett unrealistisch. Du hältst dich für realistisch, wenn wir dieses Chaos haben und alle wuseln durcheinander. Und teilweise wissen die Tänzerinnen ja gar nicht, wo sie hin sollen. Maura kommt da an und sagt, Boris Lermontov hat mich persönlich angestellt, ich darf jetzt hier sein. Und dann weiß niemand, was er mit dir machen soll.
Johannes Franke: Okay, jetzt weiß ich, was sie meint. Natürlich würde sie jetzt nicht... Ziellos in der Gegend Rumrennen und jeden Ansprechen in diesem Chaos. Und es ist ja auch nur ein scheinbares Chaos, stimmt ja gar nicht.
Florian Bayer: Sie wissen alle, was sie zu tun haben, Aber es gibt so offensichtlich diese Jungen, diese Ersatzbrigade, die da irgendwo am Rand tanzen müssen.
Shari: Ich meine, das ist ihr erstes Mal auf so einer großen Bühne. Genau.
Johannes Franke: Richtig, ja. Aber sie würde schon, Sie weiß schon, wie auch die Hierarchie in so einem Theater ist und wie man dann anspricht. Und dass man nicht einfach so auf die Bühne watschelt. Und sagt, ich gehe von einem zum anderen und frage, wie es geht.
Florian Bayer: Du kennst deinen Platz, wenn du da reinkommst. Du weißt, du kannst den kleinen Laden nicht haben. Nein,
Johannes Franke: aber du gehst nicht einfach auf die Bühne.
Florian Bayer: Ah, okay, das ist böse. Und nicht pfeifen.
Shari: Man muss ja auch sagen, sie wird ja auch, Also. Sie wird jetzt auch nicht als kleines Mädchen vom Lande geschrieben oder inszeniert oder erzählt, Sondern zum ersten Mal sehen wir Sie mit Ihrer Nepo, Also. Sie kommt ja offenbar aus feinem Hause und wird zum ersten Mal gezeigt in diesem Theater, auch in diesem Ballett, mit Krönchen auf. Ja. Also Sie weiß, sie kennt schon so ein bisschen die Codes,
Johannes Franke: glaube ich.
Shari: Deswegen stimmt es schon, dass sie vielleicht nicht einfach so auf die Bühne rennen würde.
Johannes Franke: Richtig, ja.
Florian Bayer: Ja, und Ihre Tante, also ich meine, Sie profitiert ja schon ganz schön davon, dass ihre Tante sich für sie einsetzt und nochmal sagt.
Shari: Neppo Baby, Das ist auf jeden Fall der aktuelle Bezug.
Johannes Franke: Sag mal Leute, wollen wir tee trinken? Ich habe ja immer wieder Tee vorbereitet. Schari, Möchtest du Tee gerne haben? Ja bitte. Flo, Möchtest du Tee?
Florian Bayer: Sehr gerne.
Shari: Schwarzer Tee?
Johannes Franke: Schwarzer Tee haben wir jetzt.
Shari: Ohne, ohne, also, der Beutel ist schon raus, ne?
Johannes Franke: Der Beutel ist schon, ja. Der ist nicht seit 50 Minuten da.
Florian Bayer: Das ist aber auch schon passiert, ne? Wir haben den nicht lange ziehen lassen.
Shari: Deswegen redet ihr immer so schnell und aufgehetzt.
Johannes Franke: Es gibt auch Milch, wenn du möchtest und es gibt Zucker.
Shari: Zucker? Nee, kein Zucker.
Johannes Franke: Gib mir mal deine Tasse.
Florian Bayer: Dann reiche ich mal die Milch rüber.
Johannes Franke: Ihr hört uns live dabei zu, wie wir unsere Sachen sortieren hier. Okay. Ah, schön. Gib mir mal die Milch, bitte.
Florian Bayer: Bitteschön. Das ist so ein bisschen so ein Frühstücksritual. Auf dem Album Lauschgift der Fantastischen Vier gibt es einen... Zwischenstück, Das heißt Frühstück. Auf jeden Fall sitzen Sie auch zusammen. Hast du mal Tee, Smudo? Und dann, Achtung, Achtung, Es gibt eine wichtige Durchsage. Das Rödelheim-Hartreim-Projekt ist alleiniger Spitzenreiter der Deutschen Sprechgesangszene. Und dann lassen Sie alle ihr Besteck fallen und sagen,
Johannes Franke: Scheiße. Okay, ich glaube, ich schneide das raus hier.
Shari: Gangster-Rap 1998, oder?
Johannes Franke: Okay, Leute.
Florian Bayer: Wir waren bei der Ballett-Company. Sie haben tatsächlich eine Ballett-Company gegründet, quasi für den Film und haben ganz viele Tänzer da reingeholt, Tänzerinnen und Tänzer, die als Schauspieler.
Johannes Franke: Ich finde es so toll, wie viel Sie an Liebe da reinstecken und die wirklich tanzen lassen, gut tanzen lassen. Es gibt immer mal irgendwelche komischen Stimmen aus der Ballettszene, dass das gar nicht so passen würde. Oder sowas, Aber ich muss sagen, mein Eindruck davon ist sehr professionell, was die da machen, wie die Tanzen und so. Außer eben Irina. Aber egal.
Shari: Aber ich habe auch nur in der Recherche, was ich betrieben habe, gehört, dass das ein Film ist, der bei Leuten aus der Ballettszene sehr gut ankommt. Und die freuen sich überhaupt mal über diese Repräsentation.
Johannes Franke: Auch das. Und ich glaube, dass dieser Film davon verantwortlich ist, dass Generationen von kleinen Mädchen Ballettis werden wollten.
Shari: Denkst du, dass Generationen von kleinen Mädchen diesen Film gesehen haben?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese Horrorgeschichte? Hatte jemand dazu gesagt? Ballett zu?
Shari: Zwei Stunden lang irgendwie philosophisch?
Johannes Franke: Ich bin mir absolut sicher, weil auf der Ballettschule haben viele über diesen Film geredet.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Viele junge Menschen mit 17, 16 haben darüber geredet.
Shari: Aber wahrscheinlich, weil die mit vier Jahren von ihren Eltern in die Ballettschule gezwängt werden. Das ist das Einzige, was Sie kennen. Und dann gucken Sie halt diesen einen Film, den es dafür gibt.
Johannes Franke: Kann auch sein, ja. Tatsächlich.
Shari: Das wie alle Pferdemädchen Black Beauty kennen. Und man fragt sich, was war zuerst da?
Florian Bayer: Aber will man so einen filmkleinen Mädchen zeigen, dass Ballerina werden will? Also... Ich finde den ganz schön brutal, teilweise.
Johannes Franke: Das stimmt.
Shari: Aber kleine Mädchen sind ja, die können das vertragen. Die würden wahrscheinlich dann eher mit so anderen Sachen davon nichts anfangen können.
Johannes Franke: Habt Ihr eigentlich das Märchen gelesen? dazu?
Florian Bayer: Ja. Und das ist ein Fall von, Die Vorlage ist so viel schlechter als die Verfilmung.
Johannes Franke: Das ist die schlimmste Vorlage, die ich mir vorstellen kann. Nein,
Shari: die schlimmste Vorlage jetzt, aber hier den Hans-Christian Andersson So fertig machen. Ja,
Johannes Franke: Hans-Christian Andersson hat ganz tolle Sachen geschrieben, Aber das gehört nicht zu den tollen Sachen.
Florian Bayer: Vor allem das Problem ist, Andersson hat immer irgendwie so einen religiösen Kitsch mit drin.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und hier ist aber voll auf die Fresse.
Johannes Franke: Sowas von fuck, Alter.
Florian Bayer: Die roten Schuhe und die Betet ihre Psalmen nicht mehr. Und das Vaterunser vergisst sie auch noch wegen dieser Blöden Roten Schuhe.
Johannes Franke: Die Sie in der Kirche anhat.
Shari: Oh nein! Also sollen wir Kurz erzählen, Warum es in dem Original... Ja, gerne.
Johannes Franke: Erzähl du mal.
Shari: Oh Gott, ich hab mir nur so notizen dazu gemacht. Aber es ist auf jeden Fall ein Märchen. Von Hans Christian Andersson. Die Roten Schuhe. Und es heißt ja auch im Film, dass Sie dieses Märchen eben auf die Bühne bringen wollen. Das hat dann am Ende nicht mehr viel damit zu tun. Oh Gott, ich muss mal so. Armes Mädchen, Das ist meine Notiz, bekommt Lumpenschuhe von Alter Frau genäht. Mutter stirbt.
Florian Bayer: Das ist so Andersen. Mutter stirbt. Bei jedem zweiten Andersen-Märchen kannst du das dran schreiben. Sehr gut.
Shari: Andere Frau sieht Kind mit den Schuhen, nimmt sie auf und verbrennt die Roten Schuhe. Kind sieht Prinzessin mit Roten Schuhen. Also das sind so meine Notizen, deswegen weiß ich nicht, ob ich das nochmal... Aber auf jeden Fall, Dieses Kind fühlt sich immer wieder hingezogen zu diesen roten Schuhen. Und die Oma untersagt ihr das aber.
Johannes Franke: Ja, da sind Sie alle zu Recht. Du kannst nicht die ganze Zeit. Die roten Schuhe schrauben.
Florian Bayer: Sie haben alle Recht natürlich. Das Märchen erzählt uns, dass diese roten Schuhe wirklich eine teuflige Verführung sind. Weil sie vergisst, den Gottesdienst, Sie vergisst sich, um Zeug zu kümmern. Und dann irgendwann... Nehmen die roten Schuhe tatsächlich von ihr Besitz, und sie kann nicht mehr aufhören, zu tanzen.
Johannes Franke: Ja, dann werden sie abgehackt und tanzen alleine weiter. Und sie stirbt selig und ist endlich erlöst. Und zu Gott geht sie auf und wird glücklich, meine Güte.
Shari: Ich habe hier nur Schafrichter, schnitzt ihr Holzfüße als letzten...
Johannes Franke: Echt wirklich? Diese Version kenne ich nicht.
Shari: Achso, das ist auch nur meine letzte... Also sie kriegt Holzfüße, Ich weiß nicht, warum das hier steht. Nee,
Florian Bayer: Sie stirbt am Schluss, Moment. Dachtest du auch,
Johannes Franke: Sie stirbt am Schluss?
Shari: Ja, vielleicht schläft sie noch am Schluss. Ich habe einfach aufgehört, Notizen zu machen.
Florian Bayer: Am Schluss betet sie zu Gott um Hilfe. Und dann kommt wieder so ein Engel, der davor schon mal gekommen ist und sagt Jetzt wirst du erlöst und dann fliegt sie in den Himmel. Und die roten Schuhe spielen keine Rolle mehr. Und sie hat es geschafft. 1845.
Johannes Franke: Ich hab's gelesen und hab gedacht, der sagt mir nichts, sagt mir null.
Shari: Schrecklich. Also, das stimmt natürlich, Diese religiösen Motive und dieses Ganze sei nicht Eitel und Fang. Schön an zu beten und rot als sehr, sehr, vielleicht auch sexuell aufgeladene Farbe, junges Mädchen, bla bla, wenn man das denn so lesen möchte. Kann man. Schlampe, Hör auf, Dich für andere Sachen zu interessieren oder dich zu sehr für dich selber zu interessieren.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Lermontov findet aber die Coole Quintessenz in dieser Geschichte. Red shoes Get Never tired. Time rushes by, Life Rushes by.
Shari: Man muss dazu sagen, dass Lermontov in dieser Situation eine fallische Skulptur eines Schuhs umklammert.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Shari: Also eine sehr, sehr schöne Szene. Wie alle Szenen mit dem Großteil.
Florian Bayer: Als Psychoanalytiker findet man da so viel Tolles. Und jetzt müssen wir zu Lermontov kommen, Johannes.
Johannes Franke: Du wolltest es nicht. Reden wir über Lermontov. Wahnsinn,
Florian Bayer: Lermontov ist so eine Geile Figur. Ist er auch ein bisschen eine Art Mephisto?
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nein, ja natürlich. Ja, ich weiß, ja, natürlich, Kunst ist immer eine Verführung, die irgendwie auch was Teuflisches hat. Aber zu Recht, ja. Und deswegen finde ich auch, Lermontov hat die ganze Zeit recht irgendwie auf irgendeine Art und Weise. Natürlich ist er auch Eitel und egoistisch und so und zutiefst gekränkt an einer Stelle, wo man denkt, Leute, mach mal schön ruhig hier, lass die beiden noch machen. Aber... Ich kann voll nachvollziehen, was mit ihm ist und was er hat und was er mit der Kunst will. Und so. Obwohl ich muss sagen, ich sehe ihn im Film zu wenig Kunst machen.
Shari: Er ist auch kein Künstler, also er ist ein Förderer oder ein Verbinder.
Florian Bayer: Er ist ein Visionär.
Johannes Franke: Aber der Film sagt auch, dass er inszeniert und ich sehe ihn nie inszenieren. Sagt der Film das? Ja, Er spricht von sich als Künstler und er spricht von sich als derjenige, der inszeniert und der in ihr sieht, was auch immer er in ihr sieht. Was ich im Film natürlich auch in ihr sehe, aber die Leidenschaft, die er mit ihr teilt, wird nicht gezeigt in der Ausführung, sondern nur theoretisch. Das finde ich schade.
Shari: Also, ich sehe ihn da eher als der Verbinder, der die Leute, der Potenziale erkennt. vielleicht, der Dinge zusammenbringt.
Johannes Franke: Business Angel.
Shari: Business Angel, nein, naja, Das ist ein bisschen wenig. Aber der, naja, auf diese Art und weise eben die richtigen Leute an den richtigen Positionen besetzt, Ein Auge hat für... Gut, er wird einmal gezeigt, wie er da irgendwie die Kostüme auswählt und sagt, hier, da, ja. Er motiviert sie hinter der Bühne alle. Also, dass er so ein bisschen...
Johannes Franke: Sehr gut gemacht auch.
Shari: Ja, dass er dann in den richtigen Momenten schon weiß, die richtigen Worte zu sagen, um eben das Richtige und das, was er sieht, aus den Leuten rauszuholen.
Florian Bayer: Als er gefragt wird, Ob er diese Blöde vortanzen machen könnte, bei der Party und davon voll genervt ist, sagt er, ey, Für mich ist Ballett eine Religion. Und ihr pinkelt hier gerade in meinen Tempel rein. Ich glaube, er nimmt die Kunst. Deutlich ernster als jeder andere in diesem Film. Und ich finde, er ist durch und durch Künstler. Und er hat ja offensichtlich auch einen Blick für diese Talente und für diese Genies.
Johannes Franke: Und ein kleines Bisschen muss ich ihm sogar recht geben, dass man, wenn man Ballett macht, Er streckt sich nicht auf jede Kunst, Aber wenn man Ballett macht, dann eine Ablenkung in der Größenordnung einer Liebe und einer gemeinsamen Zukunftsplanung. Und so weiter. Das ist ein ein wahnsinniger Einschnitt, und das nimmt so viel Raum weg, dass Ballett, was du acht Stunden am Tag eigentlich trainieren müsstest, einfach so in der Form. Nicht mehr möglich ist.
Shari: Ich muss dazu sagen, ich liebe den Film und ich sehe das alles, Aber es ist auch eine Art von vielleicht konservatives Bild oder sowas. Und heutzutage die Leute mit ihrer Work-Life-Balance und so, also das, finde ich, ist das Check, das Augenwissen, so drin, von wegen, Entweder entscheidest du dich für das Eine oder das andere? Und es geht nicht beides. Und du musst leiden dafür. Und wenn du, If you can't stand the heat, get out of the kitchen, Das ist ja auch irgendwie ein sehr menschenfeindliches. Und nicht gerade ein Blick auf die Dinge, wie wir Sie heute vielleicht sehen, von wegen Mental Health und so ein Scheiß.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut.
Shari: Also, deswegen würde ich jetzt gar nicht sagen, alles richtig, genau so sehe ich das auch. Ich akzeptiere das für den Film, aber ich finde das auch durchaus vorteilhaft, WAS wir... Für Fortschritte gemacht haben in Bezug auf eben nicht das ganze Leben Opfern für irgendwie das Werk.
Johannes Franke: Nein, das sehe ich überhaupt nicht so. Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Ich gebe Lermontov nur im Kontext dieses Films recht.
Shari: Genau. Sondern außerhalb dieses Films wäre das nicht. Die FDP-Arbeitsmoral. Wirklich, oder?
Florian Bayer: 50 Stunden die Woche müssen es sein.
Johannes Franke: Nein, ich bin der alte Hase von der Ballettschule. Ich schlage die Kinder noch, wenn die nicht das Bein richtig heben. Das muss alles sein.
Shari: Deine Lehrer haben dich zu sehr indoktriniert, glaube ich. Und du denkst, das ist richtig, was die getan haben.
Johannes Franke: Hat es mir geschadet. Hat es mir geschadet,
Shari: genau.
Florian Bayer: Was ich wirklich geil an ihm finde, ist halt, Dass das da auch so mitschwingt, dass er diese Schmerzen des Kunstschaffungsprozesses so genießt. Und es gibt diese Momente, Wir haben so ein bisschen eine Montage, wo gezeigt wird, wie sie hinarbeiten auf die Premiere von den Roten Schuhen. Und da gibt es ja diese Momente, wo Victoria und Julian sich extrem streiten. Und er steht daneben und genießt das.
Johannes Franke: Ja, der genießt das so. Es ist geil. Ich liebe es so. Der Film ist halt so auch ein bisschen campy, was das ist. betrifft. Ich liebe ihn dafür, weil er so eine Leidenschaft darin hat. Und natürlich ist es falsch und so, also moralisch, jetzt sich darüber zu freuen, wie andere sich streiten. Also, vereinfacht, gesagt. Aber er ist so eine Geile Figur und ich bin während des Films, Während des Genusses des Films ist er Vorbild für mich für alles mögliche. Modischer Natur auch übrigens. Ich liebe, was er trägt.
Shari: Ich wollte auch gerade sagen, wir können vielleicht auch mal über diese, suggerierte Queerness dieses Charakters.
Florian Bayer: Der Schauspieler war schwul.
Johannes Franke: Ja, ja.
Shari: Schwule, Anton. Adolf. Adolf, Eigentlich hat sich dann Anton Wolbrück, ein Deutscher, der emigriert ist.
Florian Bayer: Adolf Wolbrück, Wegen seiner Homosexualität ist er aus Deutschland raus.
Shari: Und er war halt offenbar queer oder schwul, ich glaube, homosexuell war er. Und in diesem Film, Es schwingt ja am Anfang, finde ich, bei mir Schwange so ein bisschen mit, dieses, oh, ist das so eine Dreieckskiste, was es ja letztendlich auch ist, aber nicht auf diese Art und Weise, wie ich dachte. Dass das irgendwie, dass zwischen denen also Victoria und ihm noch irgendeine Form von Liebe romantischer Natur angedeutet wird. Gar nicht. Deswegen, Er ist quasi eine Art asexuelle, abgesehen von deiner Liebe zur Kunst, Figur. Und er hat tolle Klamotten an, und er hat diese tollen Sonnenbrillen. Es gibt so viele schöne Szenen, wo er einfach nur Sonnenbrillen aufsetzt und abnimmt. Wahnsinn. Er hat immer einen Auftritt, er ist ein absoluter Diva. Es gibt diese eine Szene, wo er an dem... An den Gleisen entlangläuft, die Fotografen knipsen, und er hat da seinen Hut auf und seine Sonnenbrille. Er ist ein absoluter Diva, er ist großartig. Und wenn er dann diesen Brief bekommt, glaube ich, dass Viktoria nicht mehr dabei ist, ich weiß es nicht mehr genau so, Dann schlägt er mit der Faust, so in seinen Spiegel. Er ist ein absoluter Campiness, ein absoluter Queerness. Ich musste teilweise an... Es gibt ja so diese Disney-Queer, so was wie Ursula und Scar. Ich musste ein bisschen daran so denken, dass er ein ganz, ganz toller Villain, wenn man so möchte, ist. Und dieses absolute Queerness besitzt. Ich möchte alle Kostüme haben. Sie sind alle übertrieben. Absolut. Also übertrieben. Wahnsinn. Ja. Ja,
Johannes Franke: ist großartig.
Shari: Guter Schauspiel. Macht auch bei Colonel Blimp von den Pressburger Powell aus dem Doom. Macht der auch mit. Oder spielt er. Ja. Und ja. Ich finde ihn auch ein bisschen hot. Ich sag's jetzt.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: ich finde ihn auch ein bisschen hot. Ich auch.
Johannes Franke: Ich auch. Wirklich. Und nicht nur, weil ich es eher sein will. Aber es ist wirklich großartig.
Florian Bayer: Es sind diese Geilen Wechsel auch. Er kann so von sehr elegant und distinguiert zu extrem, leidenschaftlich und tyrannisch wechseln, innerhalb von Sekunden und dann auch zum Supervillen werden oder zum komplett Einsamen Geschlagenen, wenn er in diesem riesigen Büro alleine ist und Victoria verloren hat. Und offensichtlich hat sie ihm extrem viel, bedeutet. Und dann haben wir dieses viel zu große Büro für ihn. Und er sitzt irgendwie wie so. Ein sehr alter Mensch, der alles bereut, was er je getan hat in seinem Leben. Das ist schon großartig, wie er so zwischen diesen Zuständen hin und her wechselt.
Johannes Franke: Übrigens, Inspiration, Einmal Kurz rausgegangen. Der Gründer des Ballets Rus, also der Ballett, russische Ballettgründer, Sergei Diagelev, Oder Ich habe das jetzt falsch ausgesprochen, der auch mindestens BI war und eben Nijinsky als, naja, so eine Affäre hatte. Und als Najinski dann sich abgewandt hat, beziehungsweise geheiratet hat, hat er ihn rausgeworfen.
Shari: Najinski war der andere große...
Johannes Franke: Der große Tänzer, genau. Also, es ist sozusagen eine Geschichte, die tatsächlich irgendwie sehr nah daran auch gebaut ist. Fand ich wahnsinnig spannend. 1913 hörte diese Liebesgeschichte auf, und dann hat er ihn rausgeworfen. Oh, mein Gott, Plur, Was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir?
Johannes Franke: OH, MEIN Gott, Ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo.
Florian Bayer: Nein, shit, Ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, Es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen, könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn Ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über bei-mir-coffee.com SLASH muss-man-sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro, geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen, wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular. Auch machen.
Johannes Franke: Oder Ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an Johannes.MUSSMANSEHEN.DE und florian.mussmansehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, Egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn Ihr uns so 5 Sterne oder herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah, super. Fehlt noch irgendwas?
Johannes Franke: Nee, ich glaube, wir haben alles, wa?
Florian Bayer: Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: ich habe das Gefühl, Wir sind so mit diesen Vorbereitungen zum Stück und so sind wir jetzt. In der 66. Minute gelandet. Das ist wirklich die Zahl des Teufels. Ich hab nochmal drauf geguckt. Ich hab's mir nicht ausgedacht. Es passt einfach so gut und wir haben diesen Mittelteil. Ach Gott. Diese 17-minütige Tanzszene, über die ich wirklich gerne reden will, weil... Ja,
Johannes Franke: lass uns das tun.
Florian Bayer: Das ist einfach Wahnsinn, was da passt. Und wie kondensiert und wie viel, also ich meine andere Filme, Die schaffen in drei Stunden nicht so viele Motive, so viele Bilder, so viele Ideen reinzubringen, wie dieser Film dann in diesen 15 Minuten abspielt. Und es wird halt wirklich krass, weil du rechnest einfach nicht damit, weil es fängt. Ja, relativ einfach an, dass sie, Ja, wir haben diesen Moment, wo Sie vom SPIEGEL tanzt und sich dann so ein bisschen auflöst, Aber Sie ist auf der Bühne. Und dann tanzt sie und tanzt sie Und plötzlich denkst du, Moment, so groß ist keine Bühne.
Johannes Franke: Und du denkst auch, Der SPIEGEL würde nicht tanzen. Alleine auf der Bühne. Das funktioniert ja so nicht.
Shari: Wir sind bei der Premiere des Stücks die Roten Schuhe. Und es ist ja bis dahin alles ziemlich straight. Wir haben Sie auch schon auf der Bühne Tanzen sehen, in diesem kleinen Theater. Und ich glaube, Er sagt auch noch mal, Tanze, einfach nur für dich oder irgendwie so etwas. Und dann plötzlich driftet es ab mit dieser Spiegelung, die plötzlich tanzt. Und du denkst dir, na gut, das akzeptiere ich mal. Hologrammeffekte. Und dann geht es komplett ins Absurde. Ja.
Florian Bayer: Und auch so, dass der zum Beispiel der Schuhmacher, der dann plötzlich für die Kamera auch spielt, Der irgendwie so gruselige Gesten in die Kamera macht. Und die Bühne löst sich auf und gewinnt plötzlich eine Dreidimensionalität. Und der Raum öffnet sich. Aber dieser Übergang ist so wahnsinnig. Weil du bist wirklich noch drin, du denkst wirklich, okay, ich gucke jetzt hier 5 Minuten Ballett, meinetwegen. Oder ich gucke 2 Minuten Ballett, tendenziell eher. Und du rechnest einfach nicht damit, dass das passiert, dass plötzlich ein Film im Film erzählt, wird, der natürlich alle Motive wieder aufgreift.
Johannes Franke: Der auch so wahnsinnig viel. Kameratechnik einführt, die vielleicht zu der Zeit noch nicht so, Also, das gab es alles in der Form. Nicht so lange, dass man solche Effekte machen konnte. Und dass man sich so kreativ da austobt und wirklich wahnsinnig. Viel Planungsarbeit da auch drin steckt. Nicht, dass du auf der Bühne feststellst, oh, das wäre jetzt schön, wenn das Bild jetzt so wäre, sondern es ist minutiös geplant. Die Musik ist vorher festgelegt, Die Choreografie dann da drauf gemacht. Bei Filmmusik ist es ja oft andersrum. Du hast, was gedreht und der Musiker macht, was drauf. In diesem Fall natürlich andersrum, weil sonst kannst du nicht dazu tanzen. Und das genau zu planen und so eine Vision, so eine konkrete Vision davon zu haben, von dem, Was ich da sehe. Ich bin massiv beeindruckt und ich kann es nicht beschreiben. Du hast ja auch ein bisschen gestruggelt, ne? Ja,
Florian Bayer: ich könnte einzelne Momente nennen. Wir haben auch so expressionistische Einflüsse. Wir haben diesen Tanz mit dem Schatten, wenn der Schatten hinter ihr Tanzen immer größer wird. Und wir sind plötzlich voll bei, so Nosferatu, Caligari-Ästhetik. Wir haben diese Momente, wo dann die... Figuren aus dem Film aufgegriffen werden, wo Sie plötzlich, Sie hat ja diesen Schuhmacher, diesen Mephistopheles, Und er verwandelt sich dann in Lermontov und dann wandelt er sich in Julien. Und dann löst sich die Bühne wirklich auf. Wir haben diese Zeichnungen im Hintergrund und die Wolken. Und dann fliegt sie und schwebt. Ich hab's wirklich so aufgeschrieben. Und dann passiert das und dann passiert das und dann passiert das. Und es ist einfach zu viel.
Shari: Sie tanzt mit einer Zeitung, die sich zu einer Person irgendwie wandelt. Du siehst auch einmal ganz kurz. Ich glaube, Recht, zum Ende hin. Siehst du die Bühne tatsächlich nochmal, dieses vordere Feld? Und dann siehst du das Publikum, das offenbar klatscht, siehst du Wellen. Ja, das Wasser. Also das Wasser irgendwie, Der Applaus ist dann das Rauschen der Wellen. Also, es ist sehr poetisch und expressionistisch auf eine Art.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: es ist so eine krasse Szene, ich kann gar nicht sagen, wie die mich... Umgehauen hat, weil ich hab einfach nicht damit gerechnet. Also Ich würd sogar sagen, der Film ist gar nicht 100% Straight bis zu dieser Szene, Sondern es gibt auch schon so surreale Momente, die irgendwie merkwürdig sind. So einzelne Szenen, wo du denkst, was passiert denn hier gerade? Aber du rechnest trotzdem nicht damit, dass du so einen Brocken da auf einmal hingeworfen, kriegst. In einem Film von 48! Ja,
Johannes Franke: wirklich. Und es war nicht so, dass alle einverstanden damit waren. Es gab ja nur genug Leute, die gesagt haben, das könnt ihr doch nicht, machen. Was macht Ihr denn hier? Und dieser Film ist ein Failure. Und war ja auch nicht sofort so erfolgreich. Er hat sich halt mit der Zeit entwickelt. In New York hat er dann einen riesigen Run gehabt. Aber es kommt ja aus Großbritannien. Und da war er erst mal noch nicht ganz so erfolgreich. Vor allem auch, weil die Leute eben nicht daran geglaubt haben und dem nicht den riesigen Release gegeben haben. Und das liegt maßgeblich auch an dieser Szene. Weil die gesagt haben, Kunstkacke hier. Und den Zuschauern, das nicht zugetraut haben. Und die haben es aber gefressen. dann.
Shari: Und das ist erstaunlich, weil das ist ja wirklich, naja, Kunstkacke, Sagen wir es mal so. Aber als ich das mit meinen Freunden hier geguckt habe, Also auch, wenn die den Rest des Films nicht mochten, Die Szene fanden sie großartig. Also, das ist wirklich eine ganz großartige Szene, und ich bin mir nicht sicher, ob ich Leuten, sagen soll, wenn ihr euch den Film nicht anguckt, guckt euch wenigstens diese Szene an. Oder ob man nicht vorher doch den Vorlauf braucht, um den Impact so richtig. Deswegen guckt euch nicht nur diese Szene an.
Florian Bayer: Ich glaube, du musst diesen Film von Anfang an gucken. Du darfst auf keinen Fall wissen, dass diese Szene kommt. Du musst von der Szene wirklich überrascht werden. Ich hoffe,
Shari: dass wir alles gesehen haben, diesen Film.
Johannes Franke: Ja, genau. Du willst noch mehr Tee.
Florian Bayer: Es ist halt auch wirklich, es ist einfach auch, Weil ich das mit Horror gesagt habe, Ich sag's gerne noch mal. Es ist, wo der Film irgendwie auch zum Horrorfilm wird. Weil plötzlich auch alles, ihre Träume und ihre Visionen, ihre Ängste auf der Bühne symbolisiert werden. Aber sie werden auch Bisschen zum Horrortrip.
Johannes Franke: Ja, total.
Shari: Total. Das Make-up, Aber auch diese extremen, Wir haben auch wieder so ein schönes Close-up von ihrem Gesicht, relativ am Anfang. Dann diese extremen Farben dazu, oder die sehr eindeutigen, Das sehr starke Rot, Die roten Schuhe, sticht ja schon alles sehr heraus. Trotzdem ist man immer auf einer Bühne. Du bist ja nicht irgendwo mal, hast das Gefühl, das wird inszeniert, als wärst Du draußen irgendwo. Es ist alles Stage. Aber halt traumhaft.
Johannes Franke: Flor, Erinnerst du dich daran, dass wir Singing in The Rain besprochen haben und dann gefragt haben, woher kommt diese seltsame eingepfropfte Tanzszene kurz vor Ende, die nichts mit dem Inhalt des Films zu tun hat, die ja auch großartig ist, toll, visuell und so und tanztechnisch, wahnsinnig gut. Hier nimmt das seinen Anfang, dass viele Filme in dieser Zeit angefangen haben, so eine riesige Tanzsequenz noch einzubauen, die irgendwie nochmal metaphorisch irgendwas umreißt. Ich finde auch in Singing In the Rain ist das zwar großartig, aber bei Weitem nicht so grandios wie hier. Aber ich bin froh darum, dass Gene Kelly diesen Film gesehen hat und gesagt hat, Liebe, Produzenten, ich hab hier was. Der ist wirklich da hingegangen und hat gesagt, nein, nein, Wir müssen das genau so machen wie hier. Und deswegen hat er in Singing in The Rain, Das ist auch in an American in Paris, ist genauso, Gibt's das auch. Weil dieser Film das vorgemacht hat, dass das geht. Und ich bin wahnsinnig dankbar dafür, auch für die ganzen... Derivate, die es vielleicht nicht so gut geschafft haben, aber trotzdem geil sind.
Shari: Das ist ja ein schöner Funfact, Dass Singing in The Rain. Quasi auf eine Art und Weise auf diesem Film oder ohne diesen Film nicht möglich gewesen wäre. In der Art.
Florian Bayer: Aber was sehen wir hier? Was eine Performerin dann spürt auf der Bühne? Ist das tatsächlich Ihre Wahrnehmung? Ist es eher so das Innere, was sie unterdrückt, hat? Weil ich meine, wenn wir jetzt davon ausgehen, Sie ist eine Balletttänzerin und sie ist extrem gut in dem, was sie tut. Wenn Sie auf der Bühne ist, ist Sie doch wahrscheinlich voll... Drin und denkt eher über ihre Schritte nach und versucht, das so gut wie möglich zu machen. Lässt sich nicht von ihren Visionen und Träumen und Ängsten gegenüber ihrem Lover und ihrem Regisseur ablenken.
Johannes Franke: Die denkt hoffentlich überhaupt, überhaupt gar nicht über irgendeinen Schritt nach. Den Schritt sollte sie möglichst im Körper haben und nicht drüber nachdenken. Und dann, wenn man das hat, wenn man in der Kunst so verschwindet, das kennst Du beim Schreiben, wenn du in einem Text so verschwindest, dass Du einfach nur noch, du hast lang genug vorher darüber nachgedacht. Du weißt, was passieren muss, du weißt, was aufschreiben muss, du schreibst das auf. Du bist drin in dem Ding. Oder? Oder nicht? Ich glaube,
Shari: beim Schreiben ist es immer anders. Aber ich verstehe diese Vision beim, Also, was man vielleicht auch dem Zuschauer zeigen will und was vielleicht auch so ein bisschen eine Romantisierung von Kunst ist. Ja,
Johannes Franke: natürlich.
Shari: Was Tanz bedeutet und dieses, oh, du lässt los und du zeigst deine Seele oder so etwas. Deswegen, ich weiß, du hast getanzt.
Florian Bayer: Ja, okay.
Johannes Franke: Das gab's nicht umsonst, Diese Höschen.
Shari: Diesen engen Höschen, die die DA sitzen.
Johannes Franke: Also, es ist wirklich etwas, wenn man in der Disco ist, kann man das ein bisschen nachvollziehen. Man macht doch einfach nur, man versucht sich irgendwie rein zu... Begeben und zu verschwinden in einem Gefühl, oder? Ja,
Florian Bayer: aber das ist ja was anderes.
Shari: Was du da in der Disco machst, das ist ja auch wieder...
Florian Bayer: Du tanzt dann ja nicht für ein Publikum. Und wenn du für ein Publikum tanzt, aber dann denkst du doch nicht über dein...
Shari: Aber sie tanzt in diesem Moment ja auch nicht für das Publikum.
Johannes Franke: Sie verschwindet voll in der Kunst. Sie verschwindet voll im Gefühl. Und auch in der Geschichte. Es ist ja auch nicht umsonst die Premiere von Die Roten Schuhe, weil das ja auch eine Geschichte ist. Und die Geschichte vertanzt sie, und in der Geschichte geht sie voll auf. Dass das auch Motive aus ihrer eigenen... Lebensrealität hat, ist ja dem Film der Dramaturgie des Films zu schulden, weil es ja eine Geschichte in der Geschichte der gleichen Geschichte ist. Also Ich meine, es ist ja die roten Schuhe.
Florian Bayer: Ich hab da jetzt so, ich muss da jetzt so ein kaltes, Steriles Kunstverständnis dagegen werfen und sagen, Kunst ist ja auch verdammt viel Arbeit. Kunst ist ja nicht einfach, nur aufgehen im Moment und so weiter.
Johannes Franke: Aber die Arbeit passiert ja vorher.
Shari: Ich glaube, das ist einfach, Keiner möchte sehen, dass die da super konzentriert ist. Oder man möchte gerne, dass Kunst so ist, wie diese Szene, es zeigt. Und da das ja ein Film ist, der uns ein bisschen... Für Eskapismus und Sowas Sorgen soll, Wollen wir halt nicht zu sehr die blutenden Füße sehen und dass das alles wehtut, sondern wir wollen das sehen, dass sie in so einer Art Trance verfällt. Und dann In der Trance Hat man diese Träume oder sieht man sowas.
Florian Bayer: Sie fällt ja irgendwann. Also irgendwann ist gar kein Tanz mehr, sondern sie fällt und schwebt dann vor diesem Wolkenhintergrund.
Johannes Franke: Also, natürlich muss ich dir ein bisschen Recht geben. Das ist jetzt eine Romantisierung. Klar, natürlich. Das ist nicht, dass man da jedes Mal einen Orgasmus auf der Bühne hat.
Florian Bayer: Aber hattest du Orgasmen auf der Bühne? Nein,
Johannes Franke: hatte ich nicht. Komm,
Shari: Schauspiel schon mal.
Florian Bayer: Dazu muss gesagt werden, dass Johannes Kindertheater macht. Und da soll das wirklich nicht passieren. Was soll das? Du hast damit angefangen zu sagen, du musst damit anfangen zu machen.
Shari: Warum machst du diesen
Johannes Franke: Scheiß? Okay, wir sind alle schön wieder runtergekommen. Wir haben uns jetzt draußen einmal geprügelt. Und jetzt können wir wieder ganz in Ruhe über den Film reden.
Florian Bayer: Es ist einer der besten Szenen der Filmgeschichte. Es ist krass, dass ich diese Szene jetzt erst kennengelernt habe. Aber es ist einfach eine der besten Szenen der Filmgeschichte.
Shari: So schön, dass man noch was entdecken kann, auch im hohen Alter.
Johannes Franke: Hohen Alter.
Shari: Warum kennt zu wenig Leute den Film? Also warum kennt Ihr den nicht?
Florian Bayer: Ich weiß es nicht. Ich mag die ganzen Regisseure, Die sagen, dass dieser Film ein Meisterwerk ist und sie inspiriert hat. Ich weiß nicht, warum ich noch nicht drüber gestolpert bin. Eigentlich müsste der auf irgendeiner Liste stehen, Weil Mir Brian de Palma oder Martin Scorsese gesagt haben, dass ich den Film gucken soll.
Shari: Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil er nicht Hollywood ist oder so, dass solche Listen oftmals vielleicht so ein bisschen Hollywood-Auge haben. Und ich meine, gut, Es gibt ja auch viele asiatische Filme, DIE Genau. Aber der ist ein bisschen beinahe vergessen. Und wenn du sagst Singing in the Rain, zum Beispiel, jeder, der sich ein bisschen für Filme interessiert, kennt Singing In the Rain. Ja,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Vielleicht hatte ich das sogar auf der Liste stehen, aber dann habe ich gelesen, Tanzfilm aus dem Jahr 1948. Und dann Ah! Und dann habe ich vielleicht Bilder davon gesehen, möglicherweise, Ich kann mich nicht erinnern. Und habe gedacht, oh, Das sieht aber ganz schön kitschig aus. Ich weiß nicht, ob ich das sehen will. Vielleicht ist das auch ein bisschen so, Martin Scorsese sagt ganz prätentiös, dass er so irgendeinen ollen, kitschigen. Tanzfilm mag. Und der hat gar nichts zu bieten.
Shari: Aber es ist auch schön, dass ihr mit diesem Podcast jetzt ein bisschen dafür sorgt, dass vielleicht ein, zwei Leute diesen Film gucken werden. Und dahin hieven werden, wo er hingehört.
Johannes Franke: Du sorgst ja dafür, weil du uns den Film gegeben hast. Wollen wir was über die Restauration sagen?
Florian Bayer: Ich glaube, wir haben noch 40 Minuten Film vor uns. Wir können auch tatsächlich durch dieses, also danach bist du sowieso erschlagen. Also nach dieser Ballettszene bin ich wirklich erschlagen. Ja. Und bin dann fast ein bisschen abgeturnt, wenn diese Liebesgeschichte reinkommt.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ich habe in meinen Notizen stehen, was? Woher? Fragezeichen, Fragezeichen, Fragezeichen. Und ich habe es Fett gedruckt und unterstrichen.
Shari: Ich glaube, danach geht sie, also nicht danach, die geht kurz davor los, glaube ich, diese Liebesgeschichte, oder? Wie ist das?
Florian Bayer: Ich sehe nichts von der Lebensgeschichte bis zu dem Punkt, wo Lermontov bei der Geburtstagsparty von Krischer ist. Übrigens ein ganz toller Charakter, Krischer ist großartig, Liebe Krischer. Und dann von der Romanze erfährt. Und dann haben wir einen Schnitt zu denen. Und sie sind schon voll drin und liegen in diesem Wagen.
Shari: Und wir denken uns, was soll das?
Johannes Franke: Also in dem Tanz in den 17 Minuten wird das ein bisschen angedeutet. In ein, zwei Visionen quasi von ihm, aber naja.
Florian Bayer: Ich werde dann aber auch wiederum versöhnt, damit, weil wir sind schon kurz darauf eingegangen, Diese Szene, wenn Sie in Ihrer Ehe gezeigt wird, feststellen. Und ich glaube, es ist nicht nur Lermontovs, Fantasie. Ich glaube, es ist auch sie. Sie würde sonst nicht zurückkommen.
Johannes Franke: Ja, sie würde auch nicht nicht tanzen. Also, sie ist ja offensichtlich tatsächlich in keiner anderen Kompanie untergekommen, was ich total absurd finde. Ich verstehe es nicht. Ich kriege es nicht in meinen Kopf rein. Sie ist einfach gezwungen.
Shari: Sie ist Ehefrau. Hausfrau. Oh,
Johannes Franke: furchtbar. Sie muss das wirklich aufnehmen. Warum? Oh, 40er, Ihr könnt mich immer am Tippel tuten.
Shari: Ein Ausdruck aus den 40ern, glaube ich. Genau.
Florian Bayer: Und das wiederum führt natürlich auch dazu, dass ich da nicht so hundertprozentig glücklich mit dem Ende bin. Also, ich finde es total geil, dass Sie dann diese roten Schuhe anzieht und dann, wie Manich getrieben, tanzt Richtung Tod und sich runterstürzt. Und so alles total großartig. Aber muss Sie dann da liegen und nochmal von Ihrem Laber in den Arm genommen werden? Und sagen, zieh die Schuhe aus.
Johannes Franke: Ja, vor allem die Schuhe ausziehen, das ist ja wichtig. Das wird uns ja auf der Bühne gezeigt, Also muss es hier auch passieren.
Florian Bayer: Ich will das nicht sehen. Ich finde, das ist doof,
Johannes Franke: weil das ist irgendwie so die Alternative gewesen, ihr die Füße abzuhacken.
Florian Bayer: Nein, aber dadurch...
Shari: Er springt und dann ist der Film vorbei. Also, ich kann es auch verstehen, dass das Ende ein bisschen schleift an Albernheit. Ja,
Florian Bayer: tut das.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich finde es viel geiler, dass sie dann die Schuhe auf der Bühne zeigen. Und ich finde es auch. geil, dass Lermontov nochmal aufzunehmen und davon nochmal wirklich verzweifelt, ist. Und wir hören in jedem einzelnen seiner Worte, wie ihn das fertig macht, dass sie gestorben ist.
Johannes Franke: Ja. Obwohl man da das Acting zu sehr durchsieht, vielleicht ein bisschen. Aber es ist trotzdem großartig.
Shari: Das ist sein Tod, auch ein bisschen. Und dann wird das nochmal gezeigt, Das Stück. Die spielen das Stück nochmal auf der Bühne, ohne sie. Das Parkleid.
Johannes Franke: So geil. Es ist super emotional, auch richtig gemacht.
Florian Bayer: Es ist ein richtig krasser Moment.
Shari: Und ein bisschen eine blutige Szene, wenn Sie eben getrieben von den Schuhen, Sie stürzt sich in den Tod, Die Schuhe stürzen Sie in den Tod. Das wird ja auch ein bisschen so inszeniert. Man weiß es nicht, wer da wen.
Johannes Franke: Habe der Meinung dazu? Stürzt Sie sich selbst in den Tod oder sind es die Schuhe? Haben wir einen magischen Realismus oder haben wir die Schuhe? Okay, du?
Shari: Es wird inszeniert, als wären es die Schuhe. Aber warum? Also, sie treibt die Schuhe, ja. Die Schuhe können Sie auch auf die Bühne jagen und sagen, Tanz weiter. Also, ich weiß nicht. Ganz ehrlich, ist mir auch egal.
Johannes Franke: Oh nein, das ist das... Das ist das Unglücklichste, was man im Film sagen kann. Ist mir egal.
Shari: Nein, einfach nur, weil ich akzeptiere den Film so, wie er ist. Und ich muss da jetzt nicht, oh, was ist denn, was wollte, Ist denn da wirklich passiert? Und was wollte denn, Was will denn der Regisseur? Was will er uns denn damit sagen? Das ist mir dann so, ja, es ist einfach so. Und die Schuhe laufen, die dann in den Tod.
Florian Bayer: Ich finde es wirklich doof, dass Sie sich die Schuhe ausziehen lässt. Ich finde, das ist so ein bisschen das Crust, das so den letzten Moment mit ihr kriegt. Ich finde, das passt nicht zu dem, was vorher erzählt, wurde.
Shari: Kriegt Krass den letzten Moment mit ihr? Oder wenn wir jetzt so tief gehen wollen, kriegt er nur den letzten Moment mit ihrer Hülle und den Wahren. Letzten Moment sehen wir auf der Bühne, wenn das Licht einsam tanzt.
Florian Bayer: Vielleicht das, Das ist auf jeden Fall eine wirklich krasse Szene nochmal mit diesem Licht.
Shari: Bisschen blutig, da hast du deinen Horror und ein bisschen dein Suspiria dabei.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Shari: Sind wir ganz schön schnell durch die letzten 40 Minuten gewesen.
Florian Bayer: Ganz ehrlich, ich bin so erschlagen nach dieser Ballettszene. Natürlich, also. Davor fand ich den Film auch schon sehr stark, Aber nach dieser Szene bin ich halt komplett gefesselt von diesem Film. Und es vergeht auch der Rest alles so ein bisschen wie im Traum.
Johannes Franke: Das stimmt. Das stimmt. Jetzt kommen aber die ganzen großen, tollen Szenen mit Lermontov. Allein die Blicke, also Sie hat ja gekündigt und so weiter. Dieses Ganze verbisterte und verbitterte. Und ich will das alles nicht, und ich bin eifersüchtig, aber nicht romantischer Natur, sondern einfach...
Shari: Künstlerischer Natur.
Johannes Franke: Künstlerischer Natur und enttäuscht. Und ich habe mir was anderes erwartet und so.
Shari: Und wir sehen davon ab, auch nochmal ein bisschen aus der Zeit, wie Züge damals aussahen. Es gibt sehr viele Szenen an Bahnhöfen in Zügen.
Johannes Franke: In Zugfall.
Shari: Es gibt viele Konfrontationen in so Kabinen. Ganz tolle Outfits auch von ihr, muss ich sagen. Ja, absolut. Und er hat tolle Sonnenbrillen auf, und sie konfrontieren sich immer mal wieder. Sie begegnen sich immer wieder. Tolle Ausstattung, tolle Szenen. Schöne Züge.
Johannes Franke: Total,
Shari: ja. Aber du hast recht, jetzt wird es eigentlich, Also am Anfang ist es ja beinahe so ein bisschen, Wo ist der Konflikt oder so? Das ist nicht unbedingt.
Johannes Franke: Das ist alles die Etablierung, ist doch in Ordnung.
Shari: Genau, Jetzt wird Lermontoff ein bisschen Böse und fängt dann an, Rumzuschachern. Irgendwie und zu sagen, ich weiß, du wirst zurückkommen.
Johannes Franke: Und setzt auch an, Böse Briefe zu schreiben, die er dann nicht richtig schreibt, weil sie dann dazwischen kommt mit ihrem Brief und so. Ich weiß nicht mehr ganz genau, welche Abfolge Das hat, aber ich fand es... Wahnsinnig gut von ihm gespielt und ich bin voll bei ihm.
Florian Bayer: Er muss einfach auch kein sympathischer Mensch sein. Also alle sagen, dass er ein Scheusal ist oder zumindest Irina sagt, Dieser Mann hat kein Herz und so weiter. Er braucht das alles auch nicht. Er ist ein Visionär, Ich glaube. Und wie gesagt, ich rede nicht von der realen Welt, ich rede von der Kunst, von dem Film. Wie das in dem Film romantisch dargestellt wird.
Johannes Franke: Und er hat ein Herz, natürlich hat er ein Herz. Ohne, genau, ohne Leidenschaft, also ohne Herz hättest du keine Leidenschaft. Und die Leidenschaft hat er für die Kunst. Er hat halt eine klare Entscheidung getroffen in seinem Leben. Kunst und kein Privatleben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Gibt's bei ihm nicht. Finde ich auch Vollkommen legit, wenn man das macht. Auch, muss ich auch sagen, im Reall Leben, wenn jemand das für sich entscheidet, Er darf's halt nicht für andere entscheiden, Aber wenn er das für sich entscheidet, Vollkommen in Ordnung.
Shari: Wer kann heute schon von der Kunst leben? Davon mal ab. Das sind dann auch alles Leute, die es sich leisten können. Was eine schöne Beobachtung ist, dass die meisten so Nepo-Babys oder so, wenn die sagen, okay, Ich muss mich nicht um Geld kümmern, was mach ich? Ich mach Kunst. Also, das ist das, wo der Mensch eigentlich so hintendiert. Wenn er nicht gezwungen wird durch andere Umstände, Der tendiert zur Kunst.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: es gibt diesen tollen Witz, dass Du Du darfst Frauen nicht nach Ihrem Alter, nach ihrem Gewicht fragen, Männer nach Ihrem Einkommen, Ich weiß nicht mehr so. Und du darfst Indie-Musiker nicht fragen, warum die Namen ihrer Eltern bei Wikipedia blau sind.
Johannes Franke: Geil! Oh, ist das hart.
Florian Bayer: Um vielleicht in 40 Minuten noch eine Sache hervorzuheben. Die man noch mal sehr radikal deuten könnte. Es gibt dann ja diese Montage, wo gezeigt wird, bevor es zum Bruch kommt, Was Sie für Lermontov spielt. Da ist dann ja auch der Nussknacker dabei. Und wo Sie wie so eine Puppe bewegt, wird. Und wo man so ein bisschen, wenn man es symbolisch deuten will, auch sagen könnte, ah, okay, Sie ist eigentlich nur das Werkzeug für Lermontov. Und sie ist quasi die, die komplett fremdbestimmt ist. Und deswegen ist es viel besser, wenn Sie Glück mit ihrem Julien findet und so weiter. Was ich überhaupt nicht sagen will. Nein,
Johannes Franke: nein, nein.
Florian Bayer: Könnte man, könnte man.
Johannes Franke: Es gibt diese ganz tolle kleine Szene. dazwischen, wie sie als doll da steht und immer rüber guckt, wenn er gerade nicht guckt. Und diese Szene ist so eine süße, Tolle Szene. Sehr klassisch, Dieses Motiv gab es im Ballett immer schon und ganz, ganz toll. Aber hier sehr schön umgesetzt, finde ich.
Shari: Ich wollte nur sagen, dass man einfach auch nichts von ihrem Leben als Ehefrau sieht. Also, wir sehen nichts von ihrer Liebe. Wir sehen nichts von ihrem Leben. Wir sehen nur dieses vielleicht Lermontov, vielleicht Ihr eigener Brief, Diese Szene. Aber wir sehen eigentlich, also, wir können gar nicht anders, als für die Kunst zu sein. Weil wir nichts mitbekommen, wie sie eine gute Zeit hat. Wir sehen nicht die Hochzeit. Also das ist alles ausgeklammert.
Florian Bayer: Es gibt ja auch diese ganz eindeutige Konfrontation von Nemontov mit ihr, wenn er sagt, nach der Premiere, Ich muss dich noch ein zweites Mal fragen, was möchtest du vom Leben? Und sie sagt einfach ganz klar, to dance. Also, es ist so eindeutig.
Johannes Franke: Natürlich. Dass der Film trotzdem natürlich dieses Teil aufmacht. Er macht es ja nicht umsonst, dass es diese Liebe gibt und so. Aber vielleicht ist das auch ein Hinweis des Films. Ich entwickle das überhaupt nicht aus, sondern ihr sollt euer eigenes Stand-in dafür haben. Was hindert mich daran, meine Kunst zu machen? Was in meinem Leben steht, denen im Weg? Und wie wichtig ist mir das? Und gerade heute, wenn du sagst, wer kann von seiner Kunst leben? Wir müssen alle Geld verdienen. Und Künstler, die es nicht geschafft haben, mit ihrer Kunst in den ersten paar Jahren schon auf ein Niveau zu kommen, dass sie das auch durchziehen können. Sobald du die ersten paar Jahre nicht geschafft hast, ist es wahnsinnig schwierig, aus einem Job, der dir dein Geld reinbringt, auszubrechen, um nur Kunst zu machen. Und das sind die Sachen, die mir was sagen, wenn ich einen Film gucke und überlege, was ist es denn, Was hindert mich daran, komplett in meine Kunst reinzugehen. Ich kann ganz eindeutig Geld verdienen, obwohl ich auch mit meiner Kunst Geld verdiene, aber auf eine Art und Weise, die mich trotzdem fesselt, weil ich nicht von einem Moment auf den anderen sagen kann, Ich schließe mich jetzt sechs Wochen ein und schreibe nur am Drehbuch. Das geht nicht. Was bin ich also bereit zu opfern?
Shari: Also stellt der Film vielleicht die falsche Frage, Nicht Kunst oder Liebe, sondern Kunst oder Geld.
Johannes Franke: Für unsere heutige Zeit.
Florian Bayer: Das Problem hat sie aber, glaube ich, nicht.
Shari: Nee, deswegen, Sie hat ja Ihr Krönchen auf am Anfang, Deswegen kann dieser Film überhaupt erst passieren. Aber wie viele tolle Künstler kennen wir nicht, weil sie nicht das Geld hatten, Kunst zu machen? Ein bisschen Virginia Woolf und so, A Room of One's Own. Wie viele tolle Autorinnen kennen wir nicht, weil sie nicht Autorin sein durften?
Johannes Franke: Ja, genau.
Shari: Traurig. So, noch was Fröhliches?
Florian Bayer: Ist dieser Film, also? Dieser Film hat seine fröhlichen und hedonistischen Momente, ne?
Johannes Franke: Naja, klar, aber nur in der Kunst.
Florian Bayer: In der Kunst. Aber, also, wenn ich Sie tanzen sehe, kaufe ich ihr Total ab, dass das das ist, was Sie vom Leben will. Weil sie, und ich weiß, es ist eine romantisierte Vorstellung davon, Ballett ist bestimmt total hart und so weiter, Aber wenn ich sie Ballett tanzen sehe auf der Bühne, scheint das, die absolute Befreiung zu sein. Ja. Also, alles, um Sie herum löst sich auf, und es kommen zwar Spuren des realen Lebens, da rein, Aber letzten Endes ist es ein totales Aufgehen, einfach in dieser Musik und in dieser Bewegung, und deswegen kommen wir wieder zu den Anfang zurück. Die kleinen Ballettmädchens,
Johannes Franke: die diesen Film gesehen haben und natürlich aus dieser romantischen Vorstellung heraus unbedingt Ballett tanzen wollen. Ich verstehe es total, ich gucke mir den Film an und denke mir, Ich will ein 10-jähriges Mädchen sein und Ballett lernen. wirklich, wirklich? Ich denke, das ist meine Alternative, die Welt, die ich mir im Kopf zusammenbastele mit über 40, Dass ich denke, ja, das wäre richtig geil.
Shari: Aber so viel sieht man ja auch nicht. Also, man sieht so ein bisschen, wie die da irgendwie einmal den Bein hochschwingen und wieder runter. Und dass sie einmal ein bisschen Kostümchen anhaben.
Johannes Franke: Vielleicht vergrößere ich das auch in meinem Kopf.
Florian Bayer: Darf ich mal als Konservat dieser Frage auf den Tisch hauen? Und sagen, wenn mein Kind Ballett tanzen wollen, würde, das jetzt neun ist, würde. Ich glaube, ich sagen, nein, weil ich einfach zu viele Horrorgeschichten kenne.
Johannes Franke: Uh, Affe, Gorilla. Nein, du kannst es.
Florian Bayer: Du musst dich von Schmerzen, von Leiden, Du machst deinen Körper kaputt.
Shari: Du musst dein Leben aufgeben. Und die Work-Life-Balance.
Florian Bayer: Du hast uns die ganze Zeit jetzt Sachen serviert, warum man das nicht machen sollte.
Johannes Franke: Wenn du das, was du liebst, machen darfst. Und wenn es nun mal Ballett ist, dann ist das mehr Wert als alles andere.
Shari: Aber sobald du etwas, was du liebst, beruflich machen möchtest, liebst du es nicht mehr, weil du es dann nur noch machen musst.
Johannes Franke: Das stimmt aber auch nicht. Das ist für manche Menschen, so, aber das bedeutet das nicht automatisch. Es gibt Menschen, bei denen das so ist. Die sind froh, dass sie es nur als Hobby machen, weil es als Beruf sie kaputt machen würde. Ist vollkommen okay. Aber es gibt so viele tolle Beispiele von Menschen, die einfach tanzen durften und dies durchgezogen haben. Und für dies Das Leben ist, was Sie immer wollten und jetzt haben.
Shari: Vielleicht müssen wir das auch einfach anders sehen, als man heute so alles sieht, was man irgendwie mag oder als Hobby betreibt. Und zwar, du musst alles, was du als Hobby hast, irgendwie dann zu Geld bringen. Oder nur so alles irgendwie... Professionalisieren oder so. Das ist ja bei vielen Dingen, so. Irgendwas macht so, ja, warum machst du es nicht? online? Mach doch TikTok da raus oder irgendwie so. Muss man sehen, Podcast jetzt auch bei TikTok.
Florian Bayer: Ouch.
Johannes Franke: Das war hart. Schön.
Shari: Soll man jetzt darüber reden? Über den Roten Elefanten im Raum?
Johannes Franke: Den RGB-Elefanten im Raum?
Florian Bayer: Ja, über den rot-grün.
Johannes Franke: Blauen Elefanten.
Florian Bayer: Okay, wir reden jetzt über Technikolor.
Johannes Franke: Lass uns in unsere Top 3 rübergehen.
Florian Bayer: Und dann machen wir den historischen Aufriss. Müssen wir den historischen Aufriss überhaupt machen?
Johannes Franke: Den machen wir 100%. Oh Gott. So richtig ausgeweilt.
Florian Bayer: Dann auf geht's. Jingle.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3 von Schari bekommen.
Shari: Ja, weil. Der Film sieht ja wunderschön aus und das erkennt man direkt an den ersten 30 Sekunden, weil es wird. Proudly Presented by Technicolor. Und Technicolor ist ein Verfahren, wie früher Filme Farbe bekommen haben, sage ich mal, sehr vereinfacht, gesagt. Und ihr hattet noch nicht, ihr habt noch nicht über Farben in Filmen geredet, glaube ich.
Johannes Franke: Also nicht in der Form. Bei Farbe auf der Welt der Amelie haben wir über Bold Choice geredet.
Florian Bayer: Wir hatten, glaube ich, schon Toplisten mit Farben, Aber wir hatten noch nicht so spezifisch auf Technicolor. Und ich hatte auch tatsächlich nicht so viel Ahnung von der Technik dahinter.
Johannes Franke: Hast du dich, informiert?
Florian Bayer: Ich habe mich ein bisschen informiert. Sehr geil. Aber ich weiß nicht, ob ich es dir gut erklären könnte. Ich finde, es ist echt schwer, gut zu erklären. Wir sind hier in der Spätphase von Technicolor. Wir sind Ende der 40er.
Johannes Franke: Das heißt, wir gehen noch einen Schritt zurück.
Florian Bayer: Zumindest von dem Original Technicolor. anfangen, wie sich Technicolor entwickelt hat und wie sich Farbe in Filmen entwickelt hat. Und Johannes freut sich schon total drauf loszulegen.
Shari: Ist das jetzt die Top 3 oder ist das jetzt? Was auch immer ihr sonst noch so für Rubriken habt?
Florian Bayer: Johannes klugscheißt jetzt. Jetzt kommt ein Jingle, der heißt Klugscheißen mit Johannes.
Shari: Aber wir gehen jetzt weiter rein.
Florian Bayer: Und Johannes erzählt jetzt, wie Technicolor entstanden ist.
Shari: Okay, gerne.
Florian Bayer: Klugscheißen mit Johannes.
Johannes Franke: Leute, Wie kommt die Farbe in den Film? Ganz am Anfang mit Georges Méliès, den ihr alle kennt, der die Reise zum Mond zum Beispiel gemacht hat. Hat man einfach mit, ganz Böse gesagt, mit Buntstiften auf dem Film rumgemalt und hat einfach ausgefüllt. Und das aber Bild für Bild. Es gab in Europa als Billiglohn-Kontinent für Amerika ganz viele Leute, die per Hand Film koloriert haben. Furchtbar aufwendig. Hat natürlich irgendwann keiner mehr gemacht, weil es zu teuer war. Und dann hat man angefangen, 1916, um genau zu sein. Die erste Technicolor-Sache ins Leben zu rufen. Das ist eine spezielle Kamera gewesen, die gleichzeitig zwei Bilder durch einen Roten und einen grünen Filter aufgenommen haben. Und dann haben spezielle Projektoren diese beiden Bilder zusammen passend auf eine Leinwand geworfen. Und das wurde wieder dieses Bild. Und es war natürlich begrenzt, weil es ist nur Rot und grün. Das ist noch nicht so wahnsinnig viel und sieht noch nicht so wahnsinnig farbig aus, weil um alle Farben irgendwie darstellen zu können, brauchst du... Drei Farben, Rot, Grün und Blau. Blau fehlt ja noch. Also, wenn Ihr Mal im Internet irgendwo The Gulf Between eingebt, 1917, Das wäre ein Film, den man sich angucken kann, um zu sehen, wie das so ausgesehen hat.
Florian Bayer: Vielleicht, um ganz kurz dazwischen klug zu scheißen. Es gab davor auch schon additive Verfahren. Eines der Berühmtesten war Cinema Color von George Albert Smith. Das war noch vorher, 1906 hat das angefangen. Auch additiv, AUCH Rot-Grün-Filter. Mhm. Aber deutlich hässlicher als Technicolor. Zurück zu dir.
Johannes Franke: Dann ging es weiter, 1922, Rasante Entwicklung. Da gab es dann das erste subtraktive Prozess. Also das erste Ding, wo man nicht einen Projektor zwei Bilder auf die Leinwand hat. Werfen lassen, die dann zusammen eine Farbe ergeben haben, sondern der subtraktive Prozess. Gott, was ist das wiederum? Also Farbe, Man startet mit weiß, also weißes Licht, das durch den Film durchscheint. Und dann subtrahieren die Filter auf den Filmstreifen bestimmte Lichtanteile. Das, was übrig bleibt, sehen wir als Farbe. Und da es mehrere Sachen übereinander sind, muss das nicht mit mehreren Projektoren gemacht werden, sondern durch einen Projektor, durch mehrere Schichten auf diesem Film. Allerdings 1922 gab es erst Grün- und Rot-Auszüge. Da gab es auch noch nicht viel mehr. Das wurde auf zwei sehr dünne Filmstreifen raufgeklebt. Und war noch nicht so richtig, richtig gut. Aber auch das kann man sich im Internet anschauen. Zum Beispiel der Schwarze Pirat von 1926 mit Douglas Fairbanks. Einfach mal eingeben, angucken. Und dann, ich geh mal schneller in die nächste Methode. rein, 1928, So wie mit dem anderen Verfahren Nummer 2, Aber anstatt die Filmstreifen zu kleben, wurde ein verbessertes Druckverfahren eingeführt. Die Transfer nennte man das. Und da war das Ergebnis einfach schärfer und haltbarer und besser. Und toller. Zum Beispiel eben in Silly Symphonies von Walt Disney, Flowers and Trees, 1932, Kann man sich alles anschauen.
Shari: Ich habe versucht, mich darüber zu informieren und bin dann eingeschlafen. Deswegen habe ich gedacht, irgendeiner von Euch wird das schon machen.
Johannes Franke: SCHNELL weiter, Nummer 4, 1932 sind wir inzwischen. Und da kommt jetzt endlich das große Dreifarbverfahren. Das ist Technikolor, wie wir es lieben. Die riesige Kamera hat drei separate Schwarz-Weiß-Filmstreifen gleichzeitig belichtet. Einen für Rot, einen für Grün, einen für Blau. Von diesen drei Negativen wurden Matrizen erstellt, Furchtbares Wort, mit den Komplementärfarben Cyan, Magenta und Gelb. Und das wurde dann per Die-Transfer-Verfahren auf einen finalen Filmstreifen gedruckt. Klingt furchtbar kompliziert, Wenn ich jetzt noch tiefer reingehe, dann haben wir keinen Hörer mehr. Also, Wir haben hier zum Beispiel die roten Schuhe oder Zauberer von Oz vom Winde verweht, Singing in The Rain, Diese ganzen Sachen.
Florian Bayer: Ich glaube, was ganz krass ist, was man dabei nicht vergessen darf, Das war technisch eine Meisterleistung. Es hieß aber auch, dass das Equipment extrem teuer war. Und Technicolor hat das Equipment zur Verfügung gestellt. Damit haben die natürlich ordentlich verdient, dass sie die Kameras zur Verfügung gestellt haben, die aber extrem groß waren und extrem laut und einen eigenen Kameramann brauchten, der das Ding operiert, hat. Und dann haben die gesagt, okay, Und wenn ihr das habt, dann bucht doch gleich das Gesamtpaket. Dann kriegt ihr noch einen Farbenberater für das Set, dann kriegt ihr noch einen Make-up-Berater für das Set. Die haben das voll dominiert. Wenn du einen Farbfilm gemacht hast, hast du technicolor gemacht. Und du musstest dann aber die gesamte Technik und noch einen ganzen Star für das Set, von denen buchen.
Johannes Franke: Und da gab es eben Natalie M. Kalmus, Das war die Ex-Frau des Technikolog-Gründers Herbert Kalmus. Und die kam ans Set und hat ihre Philosophie des Color Consciousness vorgestellt. Hat gesagt, ihr müsst ganz vorsichtig sein, mit den Farben, möglichst ganz gedämpft, grau, beige.
Shari: Buh!
Johannes Franke: Und dann so ein, Zwei Farben, Die irgendwie gezielte Farbakzente bringen.
Florian Bayer: Sieht man vor allem in den Technicolor-Filmen der 30er Jahre, Zum Beispiel in den Robin-Hood-Filmen und den ganzen Piratenfilmen, die da gedreht wurden. Bei Robin Hood war es grün. Da war Grün sehr. Präsent und alles andere ist so ein bisschen gedämpft. Und das spielt auch eine große Rolle bei diesem spezifischen Technicolor-Look, an dem man heute denkt, wenn man an diese Farbgebung denkt, Das sind vor allem Filme aus den 30ern und frühen 40ern. Und um das gleich dazu zu sagen, Wizard of Oz aus dem Jahr 1939 ist natürlich nicht der erste Technicolor-Farbfilm. Es gab davor schon was.
Johannes Franke: Und die von die roten Schuhe waren halt nicht so begeistert von der Philosophie von dieser Frau. Die war aber sehr wichtig. Für den Entstehungsprozess. Und die kamen mit ihrer ganzen Expertise und so. Und dann haben Sie sich irgendwie darüber hin weggesetzt und haben auch eine völlig andere Belichtung gehabt. Sie hat immer gesagt, ihr braucht, müsst einfach komplett Licht draufwerfen, Damit es keine komischen Farbverschiebungen in den dunkleren Bereichen gibt. Je weniger dunkle Bereiche, ihr habt, je weniger Schattenverläufe, Ihr habt, umso weniger Probleme habt ihr. Und dann sah das alles relativ hart. Nach Telenovela-Vergleich von heute aus. Also du hast überall Licht gehabt. Funny Face haben wir besprochen. Genau das Problem hatte Funny Face.
Florian Bayer: Funny Face ist nicht schön.
Johannes Franke: Funny Face ist nicht wahnsinnig schön, aber es ist halt technicolor und nach diesem Prinzip gebaut. Und hier hat unser Kameramann gesagt, nein, oder der Regisseure auch, haben gesagt, nein, wir machen das ordentlich. Caravaggio ist das große Vorbild. Die ganzen alten Meister, Wir wollen wunderschöne schatten und so. Und haben sich dagegen gesträubt und haben dann eben genau das gemacht, was sie machen wollten. Und das... Das Labor, was diese Filme bekommen hat, hat gesagt, das ist ja alles versaut, das geht ja gar nicht, das müssen wir nochmal drehen, das müssen wir nochmal machen, das können wir nicht retten. Und er hat gesagt, nee, das ist Absicht. Diese Regisseure haben auch vor die Kamera gehaucht, teilweise, um neblige Szenen zu machen, was auch, wenn dieses Labor gesagt hat, um Gottes Willen, das müssen wir nochmal drehen, das geht so nicht.
Florian Bayer: Das ist ganz witzig, weil diese Unzufriedenheit mit Technicolor wirft. Schon so einen Blick auf die Zukunft, weil... Wie gesagt, die roten Schuhe hat eher zu den späten Filmen davon gehört, nämlich ab den 50ern, hat Technicolor an Bedeutung verloren. Unter anderem auch, Weil das so Scheiß teuer war. Und weil sich die Studios dann nicht drauf einlassen wollen. Und weil es Konkurrenz gab. Nämlich die Nazis sind gekommen, Die alten Nazifarben von Aquacolor haben Eastmancolor gegründet, in den 50ern. Und das war einfach deutlich günstiger als das ganze Technicolor-Zeug. So viel günstiger, dass dann selbst Technicolor irgendwann in den 50ern als Firma dahin gewechselt hat, für die Aufnahmen, Eastman Color zu benutzen und nachträglich nochmal einen Technicolor-Prozess draufzuwerfen. Deswegen ganz wichtige Frage für unsere Top 3, die gleich kommt. Gilt nur, was mit Original-Technicolor-Kameras aufgenommen wurde?
Johannes Franke: Nein, wenn nicht, sei da.
Shari: Das ist alles Top 3, das ist doch hier alles ein Vibe.
Florian Bayer: Es geht um den Vibe, Das glaube ich nämlich auch. Wenn ich an Technicolor denke, denke ich gar nicht an. So ein klares Verfahren, sondern an so einen spezifischen Vibe von hauptsächlich natürlich. 30er, 40er, 50er Filmen.
Shari: Ja.
Florian Bayer: Aber auch danach. Ich habe auch was danach.
Shari: Ich habe schon ein bisschen geguckt, dass ich eben tatsächlich bei dem Technicolor bleibe. Aber ich habe auch einen kleinen Ausreißer, vielleicht.
Johannes Franke: Okay, schön. Ja, dann lass uns doch mal. Wer fängt denn an mit seinem dritten Platz?
Shari: Muss ich anfangen oder muss ich aufhören? Du musst aufhören.
Florian Bayer: Dir gebührt der erste Platz, der als Letztes genannt wird.
Shari: Also, Top 3 Technicolor-Filme, Schönheiten. Ich weiß nicht, wie ich es genannt habe.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ich fange mal mit einer Low-Hanging Fruit an und sage Fantasia ist mein Platz 3.
Johannes Franke: Fantasia, ja. Ja,
Florian Bayer: auch Zeichentrick, gerade Zeichentrick. Gerade Disney hat Technicolor groß gemacht und Snow White und alles, was Disney an Film in Farbe getreten hat, war technicolor und Technicolor, wäre niemals so gewachsen, wenn es nicht Good Old World Disney gegeben hätte.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Shari: Das ist vielleicht auch ein Grund, warum, also? Es hat alles so ein Nostalgiegefühl in Technicolor oder auch die alten Disney-Filme von den Farben und so. Wenn ihr das schön findet, dann ist das vielleicht auch daran, dass es eben andere Art und Weise der Farben waren,
Johannes Franke: ich würde dann, damit du als Letztes machen kannst, geben wir mal dann du, Plora, ich, Shari. Ich würde auf Platz 3 gerne die andere Low Hanging Fruit einfach Wizard of Oz packen, Weil. Damit wurde es berühmt. Die Farben sind grandios, auch alle Farben. Und ich finde es toll, ganz, ganz, ganz toll. Super, Super Film. Vor allem auch der Übergang einfach von Schwarz-Weiß-Sepia in Farbfilm. Das ist natürlich das berühmte Ding.
Shari: Ja.
Johannes Franke: Auch wenn es nicht das erste war, wie man oft denkt. Ja.
Shari: Gott, ich weiß nicht, ob das so gut ist, Wenn ich die dritte Person bin, weil dann könnt ihr zwei schon Filme wegnehmen. Oh nein. Mir ist natürlich aufgefallen, dass ich gar nicht so viele Technicolor-Filme gesehen habe. Also ein Paar und so, aber ich muss ja eine Top-3 erstellen. Da kann ich nur sagen, es sind drei Filme, die ich gesehen habe. Ja. Egal. Nummer drei ist direkt ein kleiner, Ausreißer. Und zwar gehe ich auf Early Technicolor Nummer zwei.
Florian Bayer: Oh.
Shari: Und sage da Seven Chances bei Buster Keaton. Der große Buster Keaton. Es gibt eigentlich Schwarz-Weiß sehr viel, aber es gibt diese... Erste Szene, Den ersten Prolog, der mit Early Technicolor gedreht wurde, Beziehungsweise Das ist das additive, Subtraktive irgendwas Verfahren. Und die erste Szene ist quasi in Farbe mit Early Technicolor, Eine kleine Szene, wo, wo er einfach am Gartenzaun mit seiner Geliebten steht und seinem kleinen Hund. Und es wird, erzählt, dass er halt sich nicht traut, ihr zu sagen, dass er sie liebt. Und er traut sich nicht im Winter, es zu sagen, er traut sich nicht im Frühjahr zu sagen. Es traut sich nicht im Sommer und auch nicht im Herbst. Und der Hund wird immer größer. Und die Farben spielen da, sozusagen so ein bisschen mit, um die Jahreszeit anzudeuten. Oh, wie schön. Und der restliche Film ist wieder schwarz-weiß. Ganz toll. Ich habe ein bisschen aufgeschrien, als ich gesehen habe, dass Buster Keaton Technicolor benutzt wird.
Johannes Franke: Warum habe ich den nicht gesehen?
Shari: Ich gucke Buster Keaton Ja immer, wenn du nicht, da bist.
Johannes Franke: Warum? Das ist so gemein.
Shari: Weil immer, wenn du da bist, muss ich irgendeinen Muss-man-sehen-Film mit dir gucken.
Florian Bayer: Das tut mir so leid.
Johannes Franke: Okay, Platz zwei.
Florian Bayer: Mein Platz zwei ist ein sehr krasser Ausreißer und ein später Ausreißer aus dem Jahr 1977, Suspiria. Natürlich nicht mit originaltechnikaler Ausrüstung gedreht, sondern mit wie viele, Wie quasi alle Filme damals, mit Eastman-Color auf Kodak, aber dann mit dem Streifenverfahren nachträglich gedruckt. Und vor allem, du hast gesagt, die Wipes. Und die Wipes sind das bei Suspiria. Ja. Suspiria fühlt sich total nach Technicolor an. Das stimmt. Das war eine der letzten verbliebenen Technicolor-Maschinen in Rom, die benutzt wurden, um das Ding nochmal in Farbe zu tauchen.
Johannes Franke: Wir haben über diesen Film geredet und auch über dieses Verfahren geredet in dem Film. Ich fand den Film zu vielen Teilen schrecklich.
Florian Bayer: Ja, weil du doof bist.
Johannes Franke: Weil Flo mir irgendwelchen Mist gibt. Aber ich gebe zu, dass dieser Film einiges hat, wo man sagt, okay, Das ist aber auch irgendwie cool oder irgendwie interessant oder wenigstens bold. Auf Platz zwei, Meine Liste ist relativ langweilig, Ich habe Singing in the Rain auf Platz zwei.
Florian Bayer: Auch ein sehr schöner Film.
Johannes Franke: Er ist wahnsinnig schön. Natürlich ist es auch einfach einer meiner Lieblingsfilme. Da geht es um den Übergang von Stummfilmen zu Tonfilmen und dass einige es nicht geschafft haben, da... Ordentlich Rüber zu wechseln, mit einer schrecklichen Stimme. Und diese Verschiebung zwischen Ton und Film, Was ja getrennt gezeigt wurde im Kino. Und wenn das mal eine halbe Sekunde off war, dann kam es zu lustigen. Szenen. Wundervoller Film. Aber eben auch die Farben sind richtig, richtig gut, finde ich. Einer der tollsten Beispiele für Technik,
Florian Bayer: auf jeden Fall.
Shari: Super schön. Mein Platz zwei ist Wizard of Oz. auch. Ach, wie schön. Ja, es ist einfach, Er ist so wichtig, er ist so groß. Ja. Hat diesen wunderschönen Übergang von Sepia, der ja auch, Das war ja gefakt und so.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Ganz toll.
Shari: Aber ich kann eine Top 3 nicht ohne Wizard of Oz nehmen. Und ich mag den Film auch einfach sehr.
Florian Bayer: Mein Platz 1, Auch ein Spätling und auch einer, der eigentlich auf Eastman gedreht wurde, aber in Technicolor geprintet, Vertigo von Alfred Hitchcock. Ein Film, der ganz toll mit Farben spielt und einige großartige, Auch so surreale Momente hat, in denen die Farben die Gefühle des Protagonisten ausdrücken. Und sieht toll aus. Und natürlich auch ganz viel psychoanalytische Deutung möglich. Und so weiter.
Shari: Es ist ja viel mit diesem Grünen Fenster oder dieses...
Florian Bayer: Und schwindel, und Grün, und Rot. Und alles dreht sich so ein bisschen. Und dann gibt es so sehr, sehr pointiert diese Spots auf Kleidungsstücke. Das Kleid von ihr, das rote Kleid von ihr spielt, glaube ich, Eine ziemlich große Rolle.
Shari: Gibt das eh, wenn Filme so eine schöne Farbästhetik oder... Also, das geht manchmal heute so verloren in der ganzen Grittiness und weil Filme alle so Stockduster sind. Und so. Ja. Das ist immer schön, wenn man so einen super ästhetischen Film sieht.
Florian Bayer: Das ist ein Problem, übrigens. Fun Facts. Eastman-Color ist nämlich eine schreckliche Farbe, weil die Filme aus den 70ern sehen. Alle so Scheiße aus, So verwaschen. Die sahen damals gar nicht unbedingt so aus. Aber Eastman-Color hat offensichtlich im Gegensatz zu Technicolor echt keine gute Haltbarkeit. Die Farben sind rausgegangen aus den Filmen. Mit dem Ergebnis, Dass sie dann ganz viel mit Technicolor auch nochmal bei Filmen aus den 60ern und 70ern nachgebessert haben. Und wenn wir heute viele Filme aus der Zeit sehen und denken, sieht noch so Krass nach Technicolor aus. Liegt es daran, dass die den Film einfach gerettet haben, was Eastman versaut hat.
Shari: Man muss allerdings auch sagen, dass Red Shoes wurde auch, Also wahrscheinlich haben wir alle eine restaurierte Version gesehen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Shari: Es gibt viel online, aber es wurde groß, wieder restauriert, vor ein paar Jahren.
Johannes Franke: Es gab eine tolle Gegenüberstellung. Also das findet Ihr bestimmt im Internet. Gegenüberstellung, Vorrestaurierung, Nachrestaurierung. Es sieht wahnsinnig gut aus. Und man fragt sich dann natürlich, ja, woher wissen die denn, wie der damals aussah? Jetzt hat er einmal Farbe ordentlich aufgedreht. Aber nein, es geht ja darum, dass man die Originale nimmt und bereinigt. Das Spannende daran ist, dadurch, dass es ja drei Spuren sind, also Three Strip color, Sind es drei Filme, die einzeln gereinigt werden müssen, Die dreimal das gleiche Bild haben in verschiedene Farbegebungen, damit es diese Farbgebung gibt, insgesamt. Und das ist wirklich sehr aufwendig. Vor allem dann nicht im gleichen Frame, unterschiedliche Sachen zu bereinigen und dann seltsame Verschiebungen zu erzeugen.
Shari: Es gibt in der Criterion Collection von diesem Film eine tolle Doku zur Restauration des Films.
Florian Bayer: Ted Turner, den man gar nicht unbedingt mögen muss. Der Typ von, Jetzt muss ich selbst überlegen, Turner und Warner.
Shari: Turner Classic Movie.
Florian Bayer: Der hat extrem viel Gutes gemacht für die Restaurierung von alten Filmen. Der hat nämlich in den 80ern angefangen. Die alten Filme zu kolorieren, die teilweise extrem verblasst sind, teilweise einfach nur noch scheiße aussahen. Viel Gutes gemacht in der Hinsicht.
Johannes Franke: Hast du deinen Platz 1 schon gehabt? Ja, das war Wirtigo. Mein Platz 1 ist... Vielleicht nehme ich dir was weg.
Shari: Oh nein, nein,
Johannes Franke: nein! Tu's nicht! Gentleman prefer Blondes.
Florian Bayer: Ja! Nein!
Johannes Franke: Tut mir leid!
Florian Bayer: Der war in Farbe.
Johannes Franke: Bloah! Hast du steine dabei?
Shari: Ein Film, der mir auch... Bei unserem großen Filmabend geguckt haben. Ja,
Johannes Franke: großartig. Ganz toll. Tolle Farben.
Shari: Genau, tolle Farben, tolle Kostüme, Das hilft. Zwei wunderschöne Schauspielerinnen. Aber ich möchte dir das gar nicht... Nein,
Johannes Franke: ich hab's ja dir weggenommen. Ach,
Shari: um Gottes willen, sehr widerlich. Also, 1953 ist er, glaube ich, nicht mehr. Und eigentlich beispielhaft für Filme aus dieser Zeit. Man hätte auch vielleicht einen anderen nehmen können. Oder so. Aber er ist wahnsinnig witzig. Ich dachte mir, es wäre irgendwie so ein beliebiger... Nein, man hätte doch keinen anderen Film nehmen können. Weil ich dachte nämlich, das wäre irgendein beliebiger Squaball. Marilyn Monroe sieht gut aus im Kleidfilm. Aber er ist unfassbar, witzig. Sie ist super charmant. Jane Russell ist super charmant. Die Farben sind Also gorgeous, würde man so sagen. Absolut. Es sieht ganz, ganz toll aus und ist total schön. Ich meine, eigentlich ist Platz. 1 The Red Shoes, aber...
Florian Bayer: The Red Shoes ist Platz 1.
Shari: Ja, muss man ganz ehrlich sagen. The Red Shoes ist wunderschön. Aber gentlemen Before Blondes ist so ein bisschen Cotton Candy. Schön. Möchtest du noch was dazu sagen? Nein,
Johannes Franke: überhaupt nicht. Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht. Vielen Dank. Vielen Dank für die tolle Top 3.
Florian Bayer: Ja, danke euch.
Shari: Ja, Danke für die vielen Erklärungen.
Johannes Franke: Du weißt, dass ich alle Rausschneide, eigentlich.
Shari: Leute wollen es wissen.
Johannes Franke: Jetzt kann ich sie nicht mehr rausschneiden. Ja, definitiv. Okay, gehen wir zurück in unseren Film.
Florian Bayer: Und kommen wir zu einem Fazit?
Johannes Franke: Jetzt schon? Ja. Ich habe noch drei Seiten Notizen.
Shari: Was musst du denn noch sagen?
Florian Bayer: Keine Ahnung. Lass es raus jetzt.
Johannes Franke: Lass es raus. Es ist ein großartiger Film. Mehr habe ich nicht zu sagen. Nein, ich habe in den Notizen jetzt natürlich keine Chance. Also, ihr müsst erst mal, Ich sortiere mal dabei. Sagt ihr immer was.
Florian Bayer: Das heißt, ich haue jetzt mein Fazit raus.
Johannes Franke: Scheiße, ja, Mach mal. Das Urteil.
Florian Bayer: Haben wir gerade schon festgestellt. Der schönste Technik-Color-Film, den ich je gesehen habe. Absolutes Meisterwerk. Und das Krasse ist ja eigentlich genau das, um das vielleicht noch kurz zu erwähnen. Wenn man sich so die Grundstruktur anschaut, ist es ja eigentlich total. trivial, So als Liebesgeschichte und Künstlergeschichte hin und Her gerissen zwischen Kunst und Liebe, Kunst und Leben. Aber was der Film dann damit macht, vor allem, aber nicht nur, Vor allem aber natürlich auch in dieser 15 Minuten zentralen Szene und wie er es schafft, so surreale, unheimliche Momente einzubauen und ständig irgendwie die Welt zu verlassen, in der er sich bewegt, für irgendwas anderes. Es ist ziemlicher Wahnsinn. Also, Shari, Echt vielen Dank, dass du das Ding mitgebracht hast. Ich bin so froh, dass ich den gesehen habe. Es war echt ein krasses Filmerlebnis, das ich nicht missen möchte.
Shari: Im Gegensatz zu Bang, Bung, Bang.
Florian Bayer: Ja.
Shari: Das zweitbeste Film.
Johannes Franke: Ich mach mal weiter, damit du das letzte Wort hast, Shari. Ich muss in die gleiche Kerbe gehen. Ich finde, dass der Mühelose Übergang, den dieser Film schafft, zwischen Surrealismus, Fantastik und diesem Realismus, den er ja eigentlich als Grundlage hat, so wahnsinnig beeindruckend. Weil er auch in Ecken geht, die man einfach nicht erwartet. Und er einen, so Mühelos, auch mitreißt und man da voll mit reingeht und aufgeht. Und ich mit meiner Ballettaffinität natürlich da auch volle Kanne, alles sehe, was ich nur sehen will im Leben. Ich kann den Film mir jede Woche anschauen und bin glücklich. Es ist wirklich wahnsinnig toll. Und eine absolute Liebeserklärung an die Kunst an sich. Natürlich auch an die... An den Schweiß, der da mitkommt und mit dem, was man aufgeben muss, dafür und so. Aber man sieht die Leidenschaft, und das wollen der Kunst gegenüber, die die Regisseure mitbringen. Also nicht nur das Thema des Films, sondern auch das Thema der Regisseure an sich mit diesem Film, mit der Entstehung dieses Films. Die unbedingte Wille, hier Kunst zu schaffen. Wahnsinnig, grandios.
Shari: Ja, ich habe kein Fazit geschrieben oder so, weil ich kann ja einfach mal sagen, was ich so fühle.
Johannes Franke: Es ist Vibes.
Shari: Man merkt, dass es ein Film von Künstlern ist, Tänzern. Und wir haben den Bühnenbauer, der auch viel vom Storyboard und Sowas übernommen hat. Es ist ein Film, dem ich nicht gedacht hätte, dass ich ihn so schön finde. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nochmal sowas sehe. Ich möchte gar nicht den Zuseher loben, aber eigentlich schon. Also, wie etwas so schön aussehen kann, Aber, wie man den auch so leicht gucken kann, wie ich finde, Auch wenn das ein langer Film ist, Eine klassische Geschichte, Aber wie sehr einen so ein Film nochmal in den Bann ziehen kann? Und ja, wie sehr man sich in so einen Film nochmal verlieben kann? Und wie sehr diese 15 Minuten, die da drin sind, einen nochmal bewegen können. Das war so großartig und sowas wird heute gar nicht mehr gemacht, was auch okay ist. Aber ich war ganz... Ich bin ganz begeistert von dem Film und den ganzen Einzelheiten da. drin. Und vielleicht müssen es nicht immer Schauspieler sein. Vielleicht reicht es, wenn es Tänzer sind. Also, ich kann gar nicht, super, wo muss ich nochmal, zu rahmen? Theater, Kid Energy. Also ich wette, Alle lästigen Leute, die ständig in Song ausbrechen, haben diesen Film gesehen und finden sich da wieder. Aber ich glaube, Auch für harte Schrauber lässt sich da irgendwas dran finden, weil ihr habt alle ein Herz.
Johannes Franke: Die schönsten letzten Worte.
Florian Bayer: Wunderschöne letzten Worte. Schari, Vielen Dank, Dass Du da warst und vor allem vielen Dank, dass du uns diesen Film gegeben hast.
Shari: Vielen Dank für eure Recherche. Und dass Ihr euch darauf einlasst. Und ja, für die Unterhaltung, die Ihr hier frei... Den Leuten jede Woche ins Haus.
Johannes Franke: Das ist ein Hinweis für unseren Spenden-Button, oder?
Shari: Also, man kann euch ja wenigstens mal einen Kaffee ausgeben, finde ich. Ich lade euch jetzt mal drauf ein.
Florian Bayer: Wenn ihr Wissen wollt, welches additive Filmverfahren Johannes nächste Woche beschreibt, dann bleibt noch kurz dran, Das erhört Ihr nach dem Jingle. Ansonsten euch wie immer vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Ja, vielen dank an euch da draußen. Auch, dass ihr so fleißig kommentiert und dass ihr dabei seid. Also nicht nur einfach zuschaut, sondern wirklich versucht, Teil der ganzen Sache zu sein. Was uns echt wahnsinnig freut. Also macht das weiterhin. Schickt Filmvorschläge und beschimpft uns auch mal dafür, dass Tarantino nicht mögen. Also nicht mögen, dass er nicht spielen kann. Will ich nie gesagt haben. Also, Ihr da draußen, bis zur nächsten Woche. Bleibt noch kurz dran, Dann erzählen wir euch, was es dann gibt. Und vielen Dank, Schari, dass du da warst. Danke, danke, danke.
Shari: Danke an euch.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Ciao. So, Plor, Ich hab da noch was für dich. Plor? Plor? Ah, fuck. Plor ist schon weg. Plor ist leider gegangen, ohne sich abzuholen, Was für eine Hausaufgabe? Er hat. Deswegen muss ich euch das jetzt so sagen und ihm schicke ich das einfach per SMS hier. Also folgendes. Ihr schaut euch bitte. Three Billboards outside Ebbing, Missouri an. Und zwar aus dem Jahre 2017 von... Martin McDonagh mit Francis McDormand. Großartiger Film. Ich finde, der ist großartig. Ich hoffe, Plur findet den auch großartig. Kann er mir bloß jetzt noch nicht sagen, ob er ihn schon kennt oder nicht. Ich ahne, er kennt ihn schon. Und ich glaube auch, dass er ihn ganz gut findet. Trotzdem, das soll ich nicht abhalten. Vor allem solltet ihr euch den Film anschauen und nächste Woche wieder einschalten. Dann reden wir über three Billboards outside Ebbing, Missouri. Bis dann. Tschüss.
