Episode 227: Kids von Larry Clark – Der kontroverseste Teenagerfilm der 90er Jahre
Da war zum Beispiel Hamilton: Der kam aus einem zerrütteten Elternhaus und hatte schon früh Erfahrungen mit Drogen gesammelt, sowohl in seiner Familie als auch außerhalb. Da war zum Beispiel Justin, der seinen Vater nie kennengelernt hatte und praktisch auf der Straße lebte. Da waren Ryan und Jamel, Atabey und Julia. Alle bereits in ihrem jungen Alter von kaputten Lebenswegen gezeichnet. Teilweise verwahrlost, teilweise hoffnungslos, und dennoch voller Energie, die Teenager nunmal haben. Der Kitt, der sie zusammenhielt, war das Skaten im Washington Square Park… und Harold. Harold war der, der jeden kannte und den jeder mochte. Harold war der charismatische Typ, der so eine lose Clique zusammenhalten kann, und der Typ, der dich reinbringt. Wenn Harold dich mochte, wurdest du auch von den anderen akzeptiert. So wie zum Beispiel Harmony, ein jüdischer High School Absolvent, der Filmemacher werden wollte und immer ein bisschen zu privilegiert und abgehoben für die Straßen New Yorks schien. Aber Harold mochte ihn. Und so war er Teil des Zirkels.
Und dann war da plötzlich dieser alte Hippie, Larry, der anfing Fotos von den Kids zu schießen. Vietnamveteran wie man hörte, von der Kleidung und vom Auftreten wie die Teenager, aber halt 30 Jahre älter, ein Fotograf und irgendwie auch ein schräger Typ. Jemand der über 40 ist, Skateboard fährt, kifft und Teens zu sich nach Hause einlädt… irgendwie fishy. Aber Harold mochte ihn. Und als es hieß, Larry und Harmony wollen zusammen einen Film machen, waren alle dabei. Vor allem auch, weil Harold sagte: “Larry ist cool. Der macht uns alle berühmt!”. Und so entstand im Sommer 1994 der Film Kids. Und darum geht es:
Der jugendliche Telly hat nur eine Sache im Kopf: Sex. Am besten mit Jungfrauen, und so jung wie möglich. Wenn er nicht gerade dabei ist, seine neueste Eroberung ins Bett zu kriegen, hängt er mit seinem Kumpel Casper und diversen anderen Leuten in maroden Wohnungen oder im Washington Square Park rum. Das Leben der Teenager ist geprägt von Drogen, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Jeder findet seinen Weg mit der rauen Wirklichkeit im New York klarzukommen. Und bei Telly ist es vor allem der Sex. Dieser kann aber unliebsame Folgen haben. Jenny, eine frühere Eroberung Tellys, macht einen Test auf Geschlechtskrankheiten und erfährt, dass sie mit HIV infiziert ist. Da sie bisher nur mit Telly Sex hatte, ist auch sofort klar, woher die Infektion bekommt. Und so macht sie sich auf den Weg, diesen zu finden, während er wiederum – nichts von seiner Krankheit ahnend – versucht, die 13jährige Darcy ins Bett zu kriegen.
Kids, 1995, 24 Stunden in New York, gedreht teilweise mit Laien, direkt aus der Skaterszene des Washington Square Parks, teilweise mit hoffnungsvollen Nachwuchsdarstellern. Ein riesiger Indie-Hit und vielleicht der kontroverseste Film des Jahrzehnts: Ihm wurde alles vorgeworfen: Von konservativen Moralismus über Exploitation bis hin zu Kinderpornographie, ein Publikumshit, aber nie ein Kritikerdarling. Und ich habe jetzt die schwere Aufgabe, euch – und vor allem dich Johannes – davon zu überzeugen, warum sich dahinter dennoch ein wichtiger, wertvoller und auch sehenswerter Film verbirgt (vielleicht auch neben einem Film, der nicht so gelungen ist). Das wird ganz schön schwierig, oder?
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 227: Kids von Larry Clark – Der kontroverseste Teenagerfilm der 90er Jahre Publishing Date: 2025-05-07T08:04:17+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/05/07/episode-227-kids-von-larry-clark-der-kontroverseste-teenagerfilm-der-90er-jahre/
Florian Bayer: Ein 50-Jähriger sollte nicht sowas drehen, der sollte einschreiten, der sollte irgendwie versuchen, den Leuten zu helfen, whatever, Der hat irgendeine moralische Verantwortung. Und ja,
Johannes Franke: aber noch mehr als ein Dokumentarfilmer, weil er ja inszeniert.
Florian Bayer: Aber der Film schafft eine Authentizität, die unangenehm ist. Und deswegen lehnen, so Spießer wie Johannes, den Film auch ab, Weil sie mit dieser Authentizität nicht klarkommen. Da war zum Beispiel Hamilton. Der kam aus einem zerrütteten Elternhaus und hatte schon früh Erfahrungen mit Drogen gesammelt. Sowohl in seiner Familie als auch außerhalb. Da war zum Beispiel Justin, der seinen Vater nie kennengelernt hatte und praktisch auf der Straße lebte. Da waren Ryan und Jamel, Adabey und Julia. Alle bereits in ihrem jungen Alter von kaputten Lebenswegen gezeichnet. Teilweise verwahrlost, teilweise hoffnungslos und dennoch voller Energie, Die Teenager nun mal haben. Der Kid, der sie zusammenhielt, war das Skaten im Washington Square Park. Und Harold. Harold war der, der jeden kannte und den jeder mochte. Harold war der charismatische Typ, der so eine lose Clique zusammenhalten kann. Und der Typ, der dich reinbringt. Wenn Harold Dich mochte, wurdest du auch von den anderen akzeptiert. So wie zum Beispiel Harmony, ein jüdischer Highschool-Absolvent, der Filmemacher werden wollte und immer ein bisschen zu privilegiert und abgehoben für die Straßen New Yorks schien. Aber Harold mochte ihn. Und so war er Teil des Zirkels. Und dann war da plötzlich dieser alte Hippie Larry, der Anfing, Fotos von den Kids zu schießen. Vietnamveteran, wie man hörte. Von der Kleidung und vom Auftreten wie die Teenager, aber halt 30 Jahre älter. Ein Fotograf und irgendwie auch ein schräger Typ. Ich meine, jemand, der über 40 ist, Skateboard fährt, kifft und Teens zu sich nach Hause einlädt? Irgendwie fishy. Aber Harold mochte ihn. Und als es hieß, Larry und Harmony wollen zusammen einen Film machen, waren alle dabei. Vor allem auch, weil Harold sagte, Larry ist cool, der macht uns alle berühmt. Und so entstand im Sommer 1994 der Film Kids. Und darum geht es. Der Jugendliche Telly hat nur eine Sache im Kopf. Sex. Am besten mit Jungfrauen. Und am besten so jung wie möglich. Wenn er nicht gerade dabei ist, seine neueste Eroberung ins Bett zu kriegen, hängt er mit seinem Kumpel Casper und diversen anderen Leuten in Maroden Wohnungen oder im Washington Square Park rum. Das Leben der Teenager ist geprägt von Drogen, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Jeder findet seinen eigenen Weg, mit der rauen Wirklichkeit in New York klar zu kommen. Und bei Tally ist es vor allem der Sex. Dieser kann aber auch unliebsame Folgen haben. Jenny, Eine frühe Eroberung. Tallys, macht einen Test auf Geschlechtskrankheiten und erfährt, dass sie mit HIV infiziert ist. Da sie bisher nur mit Tally Sex hatte, ist auch sofort klar, woher die Infektion kommt. Und so macht sie sich auf den Weg, diesen zu finden. Während er wiederum, nichts von seiner Krankheit ahnend, versucht, die 13-jährige Darcy ins Bett zu kriegen. Kids, 1995. 24 Stunden in New York. Getreht teilweise mit Laien, direkt aus der Skater-Szene des Parks, teilweise mit hoffnungsvollen Nachwuchsdarstellern. Ein riesiger Indie-Hit und vielleicht der kontroverseste Film des Jahrzehnts. Ihm wurde alles vorgeworfen, von konservativen Moralismus über Exploitation bis hin zu Kinderpornografie. Ein Publikumshit, aber nie ein Kritiker. Darling. Und ich habe jetzt die schwere Aufgabe, euch und vor allem dich, Johannes, davon zu überzeugen, Warum sich dahinter dennoch ein wichtiger, wertvoller... Und auch sehenswerter Film verbergt. Vielleicht auch neben einem Film, der nicht so gelungen ist. Das wird ganz schön schwierig, oder?
Johannes Franke: Das wird extrem schwer, weil ich all das dem Film vorwerfen möchte.
Florian Bayer: Sehr gut, wunderbar. Fangen wir an, zu streiten.
Johannes Franke: Oh Gott. Herzlich willkommen, Ihr da draußen, nach diesem kleinen Pamphlet zum Film, den wir heute besprechen, ZUM Muss-Man-Sehnen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme an den Kopf werfen und sagen, Du musst den gucken, ob du willst oder nicht. Und ich wollte nicht.
Florian Bayer: Du wolltest es nicht. Du wolltest es schon vorher nicht? Oder du wolltest, während er lief,
Johannes Franke: Nach den ersten zwei
Florian Bayer: Sekunden wolltest du nicht. Ja, wir sehen in den ersten zwei Sekunden zwei Teenager beim heftigen Knutschen, halbnackt.
Johannes Franke: Und ich will nicht dabei sein. Ich will echt nicht dabei sein. Ich will sofort wieder abschalten und sagen, ja, macht Euren Scheiß, macht, macht, macht, Aber doch nur ohne mich. Ich bin da nicht dabei, Ich gehöre nicht dazu. Ja, Alter, das ist nicht meins.
Florian Bayer: Und du wirst und... Und da ist dieser Film ja wirklich aggressiv. Du wirst da voll reingedrückt. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Also, dieser Film ist extrem hitzig, extrem schwitzig und extrem nah. Und auf jeden Fall zu einem Punkt nah, wo sich jeder Erwachsene ab einem gewissen Punkt extrem unwohl fühlt.
Johannes Franke: Nicht ab einem gewissen Punkt, ab den ersten Sekunden.
Florian Bayer: Der gewisse Punkt ist in den ersten Sekunden.
Johannes Franke: Ja, also, du bist total fertig mit den Nerven schon da, weil du denkst, nein. Das ist eine private Sache, das ist zu echt, Das hat nichts mit mir zu tun. Und das sollen die möglichst unter sich ausmachen. Und das lässt den ganzen Film ja über mich nicht los, weil alles, was da passiert, im Grunde. Etwas ist aus einer Welt, die zugegebenermaßen sehr authentisch wirkend dargestellt ist, Aber eben durch diese Authentizität total an. Mir kratzt und sagt, warum ist der Film für mich da? Warum soll ich den überhaupt anmachen? Warum soll ich mir den anschauen?
Florian Bayer: Um vielleicht mal meine genesen, mit diesem Film reinzuwerfen. Ja. Ich habe den geguckt, zum ersten Mal geguckt, als ich 16 war. Ich habe den geguckt, als der tatsächlich frisch aus dem Kino in die Videotheken kam.
Johannes Franke: Dann bist du genau im richtigen Alter, und dann würde ich dir das auch zugestehen.
Florian Bayer: Und ich fand den total Krass, damals. Und ich weiß auch, Einige von meinen Freunden haben den geguckt. Ich habe den auch einigen Freunden gezeigt, weil ich wollte, dass andere den auch sehen, weil ich auch mit anderen Leuten drüber reden wollte. Ja. Und... Ich komme nicht aus einem zerrütteten Elternhaus. Ich bin das, was man privilegiert. Nichts mit den Kids gemein, die da auf der Straße leben. Aber ich kannte solche Zirkel. Und ich habe mich auch als 16-Jähriger in diesen Zirkeln bewegt. Und ganz viel davon, was in diesem Film passiert, hat sich extrem echt angefühlt. Ich habe den Film gesehen und habe gedacht, Oh krass, the shit is real. Und sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich meine, wir haben uns in den 90ern bewegt, wo Wir sind aufgewachsen mit Serien, in denen 30-Jährige... Im wahrsten Sinne des Wortes 30-jährige Teenager gespielt haben. Wir sind in der Zeit groß geworden, in der Ja Sowas wie Beverly Hills ein 90-210-Teenager-Leben darstellen sollte. Und das hat sich komplett falsch angefühlt. Jeder 15-Jährige hat das geguckt und hat gesagt, nein, das ist nicht mein Leben. Nicht nur, weil die in Beverly Hills leben, sondern auch einfach, weil die 20 Jahre älter sind, als ich. Und das hier war krass. Es gibt auch eine andere Art, Teenager-Leben zu erzählen, die sich authentisch anfühlt.
Johannes Franke: Ja, aber ausgerechnet beim Thema Sex, das zu machen, ist halt mindestens problematisch.
Florian Bayer: Absolut problematisch. Wir müssen auch über den problematischen Teil reden. Und um das vielleicht noch dazu zu sagen, der Sex-Teil war es nicht. Es war nicht, dass dieses, also. Ich kann mich nicht erinnern, dass bei uns in der Clique jemand war, der gesagt hat, er kriegt Jungfrauen rum. Ja, nein. Und es war auch nicht dieses Massenvögeln, wie das in dem Film dargestellt wird.
Johannes Franke: Gar nicht, gar nicht.
Florian Bayer: Aber der Sex-Part ist meiner Meinung nach auch der Schwächste Part davon. Total. Ich finde alles drumherum, Was stattfindet, wenn die Kids losziehen. Und dieses Rumhängen im Park, dieses Nicht-Wissen, was man macht. Und dann hat man irgendwie Scheiße im Kopf. Und dann kommt es zu Sowas wie Drogenkonsum und Gewalt. Und auch in dieser Altersspanne, Das habe ich halt auch erlebt,
Johannes Franke: ich weiß nicht,
Florian Bayer: wie viele Erfangene da waren, aber dass dann 13-Jährige mit 20-Jährigen abhängen, Das war real. Das hat in diesen Zirkeln genauso stattgefunden. Und auch diese Diversität, die man jetzt zuerst mal für komplett Albern halten könnte, sagen könnte, ach Quatsch, das war doch 90er Jahre, da gab es doch diese Klicken, Da gab es die Schwarzen und dann gab es die Weißen, und die hatten nichts miteinander zu tun. Das war auch so die Erfahrung, die ich gemacht habe, dass hier diverse Klicken waren und die zusammengehalten durch, was auch immer. Und dann aber auch so dieses zusammengehalten durch dieses, okay, was machen wir jetzt? Da hängen wir hier halt rum, machen wir das. Ach, komm, lass uns mal ein Bier Klauen gehen.
Johannes Franke: Und das finde ich, kommt mir dann wieder zu kurz in dem Film, weil ich nicht das Gefühl habe. rauszufinden, Warum auch immer, Was dieses, warum auch immer wir zusammenhalten, ist.
Florian Bayer: Und es ist ja auch diffus.
Johannes Franke: Es darf auch diffus sein, Aber so wie in diesem Film ist es mir zu wenig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also das fehlt mir. Ja,
Florian Bayer: den Bruch ist zurück. Übrigens Regisseur Harmony Kareen, Es gibt eine Letterman Show, wo er zu Gast ist. Du meinst den Drehbuchautor? Drehbuchautor, genau. Der später auch Regisseur wurde. Und da sitzt er dann und hat wirklich Stimmbruch. Also, er ist 19, aber er klingt wie ein 14-Jähriger, der gerade in den Stimmbruch kommt. Wollen wir das mal auseinanderdröseln? Also Ich glaube, zur Entstehung gibt es natürlich total viel zu sagen. Du hast den Film gesehen, der sich 30 Jahre später nicht mit den Darstellern von damals unterhält. Und der versucht, das aufzudröseln. Der auch seine eigene Agenda hat, die ich auch teilweise problematisch finde.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Aber der zum Beispiel diesen einen von den Jugendlichen, der im Park... Ein Tutorial gibt, wie man Joint-Treten quasi als Hauptakteur hat. Und der wird ganz viel interviewt. Und es wird geschaut, Wie die Lebensläufe von den Kids waren, die in dem Film mitgespielt haben. Und die Kids kamen, also, es war eine Mischung. Die Kids, die ganzen Statisten, kamen von der Straße. Und so. Der Maincast war bis auf eigentlich zwei Ausnahmen, dann doch eher mit professionellen Schauspielern oder hoffentlich jungen Schauspielern besetzt. Naja, Also Also... Leo Fitzpatrick ist so dazwischen irgendwie?
Johannes Franke: Ja, der ist irgendwie ein bisschen dazwischen. Aber es gibt ja nicht viel mehr. Justin Pearce kam aus der Gegend.
Florian Bayer: Justin Pearce war voll einer von den Straßenjungs.
Johannes Franke: War einer von den Straßenjungs. Aber Chloe Savignoli war eine, naja, die ist ja dann auch wirklich Schauspielerin geworden. Und Rosario Dawson auch. Aber Chloe war ja Anhängsel von unserem Drehbuchautor.
Florian Bayer: Genau, Die kannten sich aus den Clubs. Sie war eigentlich so ein Clubgirl und sie waren zusammen unterwegs. Sie waren beste Freunde. Sie waren wohl auch mal irgendwann danach nochmal zusammen. Sie hat auch danach in Filmen von ihm mitgespielt.
Johannes Franke: Ja, insofern lässt sich aber, finde ich, Diese Grenze nicht ziehen zwischen professionellen Schauspielern und Nicht-Schauspielern, sondern eher gehöre ich zu der ursprünglichen Klinge oder nicht. Und sie gehört irgendwie ein bisschen mit dazu. So halt.
Florian Bayer: So halt. Aber nicht so weg. Sie war nicht einer von den Skater-Kids, die im Park waren. Ja,
Johannes Franke: ist richtig. Aber man muss ja auch sagen, dass die das schon aus diesem... Umfeld besetzt haben. Ja, total. Sie haben Flyer verteilt an diesen Plätzen, wo die sich getroffen haben. Hier, Casting, Wir machen einen Film, Seid dabei.
Florian Bayer: Vor allem haben sie Harold gefragt. Harold, Der kommt in diesem Film auch vor, Der spielt auch den Harold. Er hat einfach den Namen, seine Rolle heißt so, wie er wirklich, hieß. Harold war. In einem Interview hat es einer von den anderen Darstellern so bezeichnet, Er hat gemeint, Harold war eigentlich der Bürgermeister. Das wäre der Typ im Park, der irgendwie, der die Leute wirklich zusammengehalten hat. Dem haben die Leute vertraut. Der hatte extrem, Ein extremes Elternhaus, mit Drogenvergangenheit. Und das war auch wohl jemand, der sich zumindest in einem gewissen Zeitabschnitt seines Lebens komplett von Drogen ferngehalten hat. Und sich sehr drüber aufgeregt hat, wenn die zu viel gekifft haben und zu viel andere Drogen genommen haben.
Johannes Franke: Ja, zu viel schlechtes Beispiel im Elternhaus.
Florian Bayer: Genau. Der hatte einfach diese Erfahrung gemacht und der war, als der Film gedreht wurde, 20. Der Hing im Park rum, Den kannten die Leute, der war so ein bisschen, naja, nicht der Chef der Clicker, Aber es war so einer, den die Leute mochten und dem die Leute vor allem vertraut haben, wahrscheinlich auch wegen seinem Alter. Der war 1989, war ja fürs Fresher Magazine. Fotografiert worden. Es gab schon mehrere Fotos von ihm. Und er war dadurch unter anderem auch so eine kleine Legende. In dem Park. Und dann um ihn herum hat sich halt diese Clique formiert und das waren Skater. In dem Film geht es gar nicht so viel um Skaten. Die Skaten relativ wenig.
Johannes Franke: Ja, aber das legt die ganze Zeit drunter. Also, so ist es nicht.
Florian Bayer: Und Justin Pierce, der den Casper spielt, der war damals 19. Der ist ja durch den Film vor allem berühmt geworden. Der war, der hat wohl viel auf der Straße gelebt. Der hatte kein richtiges Haus, wo er schlafen konnte. Der hatte extreme Probleme, weil er hat seinen Vater nicht kennengelernt. Seine Mutter war drogenabhängig. Sein Stiefvater hat ihn verprügelt. Und er hatte es echt schwer. Und die Straße war seine Heimat.
Johannes Franke: Viel von der Authentizität dieses Films kommt natürlich genau daher. Das aus diesen Leuten rauszulösen. Lass uns vielleicht noch ein bisschen... zurückschieben, Diese Doku Once We Were Kids. Da reinzuholen. Mich interessiert vor allem erstmal, wie Larry, also unser Regisseur, da reingekommen ist und überhaupt zu diesem Stoff gekommen ist, um dann zu sagen, wir machen das auf genau dieser Art und Weise, wie er es dann gemacht hat.
Florian Bayer: Wir machen jetzt das fast Larry Clark auf?
Johannes Franke: Ja, ich würde das fast früh aufmachen wollen, weil an ihm hängt echt viel.
Florian Bayer: 1943. geboren. Das heißt, er war, als der Film gedreht wurde,
Johannes Franke: 1949? 52?
Florian Bayer: 51.
Johannes Franke: Achso, nee, Er hat mit 48 angefangen, sich mit den Leuten anzufreunden und hat dann den Film drei Jahre später gemacht. Genau.
Florian Bayer: Also, er war über 50, als der Film gedreht wurde. Der war ein Vietnam-Veteran. Der hat nicht wirklich gekämpft, aber er war in Vietnam. Es gibt einen Interview-Podcast mit ihm, relativ jungen Datums, wo er so ein bisschen von seinen Erfahrungen in Vietnam erzählt. Und er hat quasi zur ersten Garde in Vietnam gehört. Er wurde halt eingezogen und hat dann vor allem auf den Straßen Hanois rumgehangen und versucht, an Drogen zu kommen. Und er war der, der seine Mitkompanions an Drogen gebracht hat, und er hat seine Erfahrungen mit Drogen. Vor allem, hat er dann 1971 in dem Buch Tulsa verarbeitet. Das war ein Fotograf. Er hat Bilder geschossen von Leuten, Die Drogen nehmen.
Johannes Franke: Hast du Dir die Fotos angeschaut?
Florian Bayer: Ich habe mir einige Fotos von ihm angeschaut. Tatsächlich kenne ich von ihm vor allem diese von 1983, das wirst du bestimmt. Auch problematisch finden. Da hat er nämlich ein Fotoband rausgebracht, der Teenage Lust Tief, wo er Jugendliche gedreht hat, Fotografiert hat, auch beim Drogenkonsum, aber auch teilweise halbnackt, teilweise so wie heute wahrscheinlich eine Indizierungsstelle drauf. Ja. Sagen wir, es ist nicht okay, Jugendliche so abzubilden.
Johannes Franke: Absolut. Also man sieht, Es gibt ein Foto, was mir jetzt gerade wieder in den Kopf kommt, wo einfach ein... Schwarzer junger Mann auf einem Stuhl sitzt und Hosenstall auf, Alles hängt raus. Also, wo man auch denkt, wie alt ist dieser Mensch, Ist das in Ordnung oder nicht oder was? Also, er hat da einen Fable für eine bestimmte Richtung, sagen wir so.
Florian Bayer: Und jetzt ist natürlich die Frage, woher kommt dieses Fable und was ist mit diesem Larry Clark? Glaubst du, dass dieser Larry Clark, glaubst du, dass er, pädophil ist? Ja, das falsche Wort, das sind ja Jugendliche, das sind nicht Kinder. Glaubst du, Er hat da aber Tendenzen in diese Richtung? Sprich, ER ist... Gibt es von, gibt es, ist er jemand, der sexuell angeturnt ist, wenn er nackte. Jugendliche sieht? Das ist ja die Frage, die dann auch irgendwie im Raum steht. Bei der Frage, was sind seine Motive, diesen Film zu machen und Jugendliche so abzubilden.
Johannes Franke: Ich glaube einfach, dass eine Chance, die höher ist als 60 Prozent, besteht. Okay,
Florian Bayer: also, wenn ich Larry Clark höre und auch wenn man ihn sieht. Ich habe das Gefühl, dass es vor allem jemand ist, der komplett in seiner Jugend hängen geblieben ist.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Der so ein bisschen so, wenn jemand in seiner Kindheit hängen, geblieben ist, wäre es so ein Peter Pan-Syndrom, aber irgendwie so ein bisschen mehr. Und das ist jemand, der Jugendlich Hip sein will. Total, ja. Und der auch irgendwie dadurch, Und ich glaube, das ist was tatsächlich. wertvolles. Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum die Kids da ihm vertraut haben. Der die Jugendliche auf eine andere Art versteht als der Durchschnittserwachsene.
Johannes Franke: Und du meinst nicht, es hat einfach auch damit zu tun, dass er... Drogen mit reingebracht hat und die alle gesagt haben, geil, Jetzt haben wir jemanden, der hat Geld und Drogen.
Florian Bayer: Die hatten doch alle Drogen. Es ist nicht so, dass irgendjemand durch Larry Clark angefangen hat, zu kiffen oder andere Drogen zu nehmen. Die waren alle voll.
Johannes Franke: Das nicht. Ich angefangen. Aber es ist so, dass die trotzdem von Tag zu Tag überlegt haben, was essen wir denn heute und was nehmen wir heute für Drogen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Wo kommt das her? Wie können wir das organisieren? Und da kommt es in Richtung Kriminalität, was wir ja auch wissen. Absolut. Also nicht alle, aber, dass da viele in kriminellen Kreisen gewesen sind. Eben deswegen. Und wenn dann jemand etwas mitbringt, wofür du dann nicht arbeiten musst, indem du irgendjemandem in ein Haus einsteigst, Ist das doch wunderbar.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Natürlich, weil Larry Clark war irgendwie willkommen, genauso wie Harmony Corrine. Wahrscheinlich willkommen war, Weil er im Gegensatz zu den anderen ein bisschen Geld hatte und er was besorgen konnte. Die Frage ist halt, ich finde, es ist tatsächlich nicht so einfach, moralisch zu bewerten. Ich finde, also, es gibt diesen einen Punkt, wo du sagst, das ist ein Teenager, Da hat die Hand eines Erwachsenen nichts zu suchen. Ja, ganz klar. Ich glaube aber, dass es durchaus einen Raum der Kunst gibt, der Authentizität abbilden kann, Gerade, wie wir sie sonst nicht erfahren. Wenn ein Teil davon ist, sich mit dem Sujet gemein zu machen, dann können wir sagen, der Künstler, der das gemacht hat, Das ist komplett verwerflich, dass der das gemacht hat, Aber es ist trotzdem richtig, dass diese Kunst existiert. Es ist wie, Pass auf, wenn jemand in, keine Ahnung, war. Das Thompson, der in Rockerkreisen recherchiert hat, so der Gonzo-Journalismus, Der mitgefahren ist mit den Rockern und mit ihren Verbrechen und mit ihren Drogendeals und Prostitution. Und so weiter. Dann kannst du sagen, ja, okay, du bist Teil eines Verbrechens hier. Du bist die ganze Zeit von der Kriminalität umgeben. Und du beförderst das vielleicht sogar noch, indem du es dokumentierst. Aber es ist trotzdem gut, dass es dieses Dokument gibt, dass es diese Dokumentation gibt.
Johannes Franke: Ja, bei den Rockern ist es eine andere Nummer, weil die nicht... Keine Jugendlichen sind. Ja. Es ist nicht dieses schutzbefohlenen Ding.
Florian Bayer: Aber die Jugendlichen waren so. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Larry Clark hat die nicht schlimmer gemacht. Die Jugendlichen haben Drogen genommen, Die haben gevögelt, DIE HABEN sich... Die haben geklaut, die haben sich keine Gedanken um ihre Zukunft gemacht. Es war nicht so, dass Larry Clark da irgendwas Neues reingebracht hätte.
Johannes Franke: Ja, aber. Weil jetzt geht es ja in Richtung Exploitation. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall müssen wir darüber reden.
Johannes Franke: Und jetzt geht es natürlich in die Richtung abbilden. ja, dann kannst du einen Dokumentarfilm drehen und nicht eingreifen. Ja. Oder du fiktionalisierst etwas. Gehst vielleicht noch, und das ist vielleicht ein Zugeständnis in Richtung Dokumentarfilm, Dass er sagt, okay, ich lasse den 18-Jährigen da drüben, der so aussieht, als gehört er dazu, vielleicht aber nur so aussieht und gar nicht wirklich. Dazu gehört, lass ihn das schreiben, damit das möglichst dokumentarisch aussieht. Aber er hat ja während der Dreharbeiten kaum Improvisation zugelassen. Es ging ihm also nicht darum, zu dokumentieren, sondern es ging ihm darum, zu inszenieren.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Um das vielleicht klarzustellen, viele, also offensichtlich, auch wenn das totaler Quatsch ist, haben gedacht, Das wäre ein Dokumentarfilm. Was, wenn du den Film siehst, merkst du, dass es kein Dokumentarfilm sein kann.
Johannes Franke: Aber es ist so authentisch.
Florian Bayer: Es fühlt sich so authentisch an.
Johannes Franke: Es fühlt sich wahnsinnig authentisch an und da kann ich verstehen, dass man dann irgendwie, wenn man vielleicht auch nicht der geübteste Zuschauer ist, denkt, okay, Das sieht aus wie ein Dokumentarfilm.
Florian Bayer: Und der Weg der Entstehung war wohl, Larry Clark geht zu Harmon und Karin und sagt, ich will einen Film drehen. Wo es um Teenager-Sex geht. Und ich will, dass es darum geht, dass jemand HIV hat mit ganz vielen Frauenvögeln. Und dass seine Ex ihn versucht, zu finden, schreibt mir jetzt ein Drehbuch. Also tatsächlich, wenn man sich anhört, wie das entstanden ist, Hat Harmony Karin das geschrieben.
Johannes Franke: Als Auftragsarbeit.
Florian Bayer: Als Auftragsarbeit. Und die Dialoge sind wirklich verdammt. authentisch. Ja. Die fühlen sich echt an. Vielleicht auch nochmal in die Richtung, Ich habe ihn als 15-Jähriger nicht auf Englisch gesehen, Ich hatte kein Wort verstanden, ich habe heute auch kaum ein Wort verstanden.
Johannes Franke: Ich habe auch echt Untertitel anmachen müssen. Übrigens, Floor, Nur ganz kurz, möchtest Du Tee, damit wir hier ganz gediegen darüber reden können?
Florian Bayer: Und ein Joint. Es ist verdammt gut deutsch synchronisiert worden. Okay. Es ist wirklich, also, die haben es in der deutschen Synchronisation geschafft, Diese Unmittelbarkeit und dieses Flapsige und diese Jugendliche sprache so zu schaffen, dass sie nicht zum Fremdschämen ist. Und jeder weiß, wie schwer das ist, weil in der Regel, Wenn wir schauen, Wenn Erwachsene Jugendliche schreiben, dann ist es zum Fremdschämen.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Und das ist in diesem Film halt überhaupt nicht, Wahrscheinlich auch, weil es ein Jugendlicher geschrieben hat. Hermione Corrine war gerade mal volljährig. Genau. Also Fiktion, Dokumentarfilm, Es gibt ganz viele Momente, die sich wie ein Dokumentarfilm anfühlen. Ja. Ich finde, das sind auch tatsächlich die stärksten Momente. Wie gesagt, ich finde, die stärksten Momente sind nicht, wenn Tally versucht. Die 13-Jährige zum Sex rumzukriegen, Sondern die starken Szenen sind, wenn Sie einfach nur im Park rumhängen und kiffen und nichts zu tun haben. Ja, könnte man das auch als Dokumentarfilm machen. Ich kann mir vorstellen, dass es für beide Filmmacher auch so ein bisschen so eine Schutzweste war, dass sie gesagt haben, das ist kein Dokumentarfilm. Es gibt ja diese Szenen von Cannes, wo sie interviewt werden und die ganze Zeit. ReporterInnen versuchen, so einen Gaccio-Moment zu kriegen und zu fragen, Das waren die Minderjährigen, die gespielt haben. Und Larry Clark ist irgendwann voll genervt und sagt, ey, es ist ein Film, Es ist eine Inszenierung. Und dann fragen sie, Wurden Drogen konsumiert? Und Harmony guckt zu Larry So zu einem Verschmitteln. Und Larry Clark sagt, nee. Und Harmonie sagt so, sollen wir das jetzt machen? Weil wir wissen mittlerweile, Da wurden die ganze Zeit Drogen konsumiert während des Films. Und er filmt auch die 13-Jährigen Kiffend. Und es werden danach, Es gibt diese Interviews mit Darstellern, Die sagen, ey, Wir waren die ganze Nacht da und wir haben einen Joint nach dem anderen geraucht. Wir waren so breit wie noch nie in unserem Leben. Und dann dieser Moment, wo da ein Kind auf dem Boden liegt und schläft, das war ich übrigens. Ich habe wirklich geschlafen, weil ich einfach Total K.O. War und nicht mehr wusste, wo vorne und hinten.
Johannes Franke: Und direkt daneben wurde die Vergewaltigungsszene gedreht.
Florian Bayer: Ja, ich stimme dir absolut zu. Es gibt dieses Exploitation-Moment. Es gibt diesen Moment, dass die Jugendlichen hier ausgenutzt werden. Es gibt diesen Moment, wo du sagst, oh, das ist eigentlich nicht richtig, was der da macht. Ein 49-Jähriger, ein 50-Jähriger sollte nicht sowas drehen. Der sollte einschreiten. Der sollte irgendwie versuchen, den Leuten zu helfen. Whatever. Der hat irgendeine moralische Verantwortung.
Johannes Franke: Aber noch mehr als ein Dokumentarfilmer, weil er ja inszeniert.
Florian Bayer: Noch mehr. Der hat noch mehr Verantwortung als ein Dokumentarfilmer, weil er inszeniert und weil er auch übertreibt. Also zum Beispiel, Wir haben diese Geschichte von dem Typen, der im Park verprügelt wird. Es gibt das Video zu dem Original. Ja,
Johannes Franke: stimmt.
Florian Bayer: Und es ist komplett anders gelaufen, nämlich irgendjemand von den Kids, ist dazwischen gegangen und hat gesagt, was stimmt nicht mit euch? Das ist ein Mensch, hört auf, den zu verprügeln. Krass, ne? Und im Film ist es halt so, dass der wirklich halb totgeschlagen wird, bis zu dem Punkt, wo dann Casper noch einmal mit dem Skateboard gegen seinen Kopf schlägt. Ja. Absolut. Ich bin ganz bei dir, dass diese Entstehung des Films und auch das Verhalten von Larry Clark höchst fragwürdig ist. moralisch. Und ich glaube trotzdem, dass es gut ist. ist, dass dieser Film existiert.
Johannes Franke: Das schieben wir weiter. Ich verstehe, wo du hin willst, aber lass uns das später auseinandernehmen.
Florian Bayer: Ich gehe mit deiner moralischen Bewertung, Ich gehe auch schon vorher mit, dass es natürlich komplett Fishy ist, wenn so ein fast 50-Jähriger im Park rumhängt, Skaterklamotten trägt, übt, Skateboard zu fahren. Und dann zu den Kids geht. Und sagt, Hey, yo, was geht ab, man, darf ich ein Foto von dir machen? Absolut.
Johannes Franke: Und dann Jahre später, in einer riesigen Ausstellung stehen. Leute, sehen sich auf Fotos und sagen, Moment, habe ich nicht mitbekommen, und ich kann mich nicht erinnern, dass ich gesagt hätte, jo, Kein Problem, fotografiere mich auf diese Art und Weise. Und der hat richtig viel Geld für diese Fotos bekommen. Und die Leute, die auf dem Foto waren, äh, äh, nix.
Florian Bayer: Aber du bist auch Fotograf.
Johannes Franke: Ich bin auch Fotograf.
Florian Bayer: Du fotografierst auch Straßenimpressionen von Menschen.
Johannes Franke: Aber ich fotografiere nicht eine einzelne Person. Immer wieder, indem ich mich bei denen einschleiche, in deren Gruppe bin, von denen irgendwie heimlich einen Haufen Fotos mache, wo jede Person auch rausgearbeitet ist. Es sind keine Gruppenbilder, wo jemand drauf ist auf einer Straße, wo du auf einer Straße langläufst. Und dann bist du halt zufälligerweise auf einem Foto mit drauf.
Florian Bayer: Aber du fotografierst auch Menschen, die du spannend findest, oder?
Johannes Franke: Ich fotografiere auch, Na, inzwischen nicht mehr.
Florian Bayer: Aber du hast es getan.
Johannes Franke: Das hat sich verändert, ein bisschen über die Zeit. Und ja, die Zeiten waren andere, und ich finde auch... dass, wenn man im öffentlichen Raum auf der Straße unterwegs ist, Dass das nochmal eine andere Nummer sein kann. Aber ich bin kein, ich hab kein abschließendes Urteil, was das betrifft. Weil das ein schwieriges Ding ist.
Florian Bayer: Ja, es ist ein schwieriges Ding, aber es gibt viele Fotografen, die das machen. Ja,
Johannes Franke: total. Und ich bin auch dankbar, dass es diese Fotos aus den 50ern gibt. Wenn ich an, Name, fällt mir nicht ein, scheiße, warum nicht, Vivian Meyer. Wenn ich an Vivian Meyer denke, was Sie für Fotos gemacht hat, von Straßenszenen Einfach nur. Ich bin so dankbar, dass es die gibt. Total. Aber das ist eine andere Nummer als das, was Larry Clark da gemacht hat, muss man sagen.
Florian Bayer: Findest du? Ja, natürlich. Die Positionen auch von einzelnen Menschen, Die findet man noch ganz oft in Straßenfotografien, auch, dass wirklich Menschen im Fokus stehen, einfach, weil du hast einen Hauptgrund.
Johannes Franke: Aber es ist ein öffentlicher Raum und was er gemacht hat, ist wesentlich weniger öffentlicher Raum. Das ist mit den Leuten in den Gruppen, bei denen zu Hause, beim Drogen nehmen, beim alles Mögliche machen.
Florian Bayer: Und Washington Square Park ist okay, aber zu Hause ist nicht okay. Also, das wäre dann ja quasi.
Johannes Franke: Ja, so ein bisschen. In die Richtung geht es ja. Und natürlich mit dem zusätzlichen Haken, dass man sich irgendwie drei Jahre lang in eine Gruppe einschleicht. Und dann irgendwie mit denen auf gut Kumpel dicke macht und danach erwartet, nie wieder zu sehen, Sagen wir so.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Quasi mit diesem berühmten Geldkoffer mit den Dollarnoten außen. Ja,
Florian Bayer: wobei dann sind wir, Da würde ich wieder zum einen ein bisschen Benefit of the Doubt geben. Das war einfach, das war sein Projekt zur damaligen Zeit, war abgeschlossen. Und zum zweiten sind wir dann ja doch wieder bei dem Film We were once Kids, Der genau dieses Narrativ bringt, dass die sie nur ausbeuten wollten und dann abgehauen sind. Und ich glaube, das ist übertrieben, Vor allem inklusive dem Narrativ, dass der Film Schuld daran ist, an dem Tod von unseren beiden Darstellern.
Johannes Franke: Ja, die Sache ist die, Das Ganze wird komplizierter dadurch, dass es eben Schutzbefohlene sind. Und dass man sich in einem Bereich befindet. Natürlich haben Schauspieler nicht immer die geilste Karriere. Egal aus welchem Milieu du kommst, du kannst mehr oder weniger gut damit umgehen, dass dich im einen Jahr 20 Leute anrufen und sagen, Oh ja, wäre geil, mit dir zu arbeiten. Und in den nächsten fünf Jahren ruft keine Sau mehr an. Das kenne ich ganz genauso. Und ich ziehe nicht die gleichen Konsequenzen wie teilweise Leute, die in diesem Film dabei waren. Das hat bei denen halt mit der Prägung zu tun. Und mit dem Social Background und der Verzweiflung, die sowieso in diesen Personen schon drin ist. Und ich einfach mit einem viel stabileren, privilegierten. Hintergrund Viel stärker damit umgehen kann. Also, es ist sozusagen nicht. Larry Clarks Schuld, Dass der Schauspielberuf so schwierig ist, wie er ist. Und dass Hoffnungen immer, wie man als Mensch mit Hoffnungen umgeht und mit Rückschlägen und Problemen. Und mit deinem Leben überhaupt mit Drogen und so weiter.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Trotzdem glaube ich, dass dadurch, dass es Schutzbefohlene sind und dass es Menschen sind, die in dem Moment auch... Kaum eine andere Wahl haben, als zu sagen, boah, der hat Geld, Ich hab kein Geld, ich muss da mitmachen. Dass das eine ganz andere Konnotation mitbringt, Als wenn du einfach nur ein Filmemacher bist, der eine Ausschreibung auslobt und sagt, komm, willst du in meinem Film mitspielen? Und dann wird's Halt danach keine große Karriere.
Florian Bayer: Absolut. Ja, vor allem, weil es leute, sind, die ja auch nicht nur das Geld, sondern auch diese Hoffnung, die mit Sowas einhergeht. Ja, total. Also vor allem Harold Hunter, der damals 20 war,
Johannes Franke: Der hat
Florian Bayer: wirklich davon ausgegangen, das macht uns berühmt. Der hat wirklich Hoffnung dran gesteckt. Und der hat. Neben Justin Pierce, war ja der, der am Ehesten dann noch versucht hat. Von diesen Straßenkids, der wirklich versucht hat, irgendwie anzudocken. Im Schauspielmilieu und dem unter anderem im Weg stand, dass er offensichtlich eine Art Lernbindung oder so hatte. Der hatte furchtbar Probleme, seine Texte dann zu lernen. Der war bei mehreren Auditions und ist ihm schwer gefallen. Und das ist einfach, dass es einfach was anderes war, als diese authentische Rolle zu spielen. Von dem Harold, der auf der Straße rumhängt und so redet, wie er immer redet, hin zu einem Darsteller. Harold Hunter ist im Alter von 31 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben, Weil zu viel Kokain 2006. Und der zweite tragische Fall ist Justin Pierce. Der hatte deutlich mehr Erfolg, auch in gewissem Maßen. Der hat danach noch was gedreht. Ihn gibt es unter anderem in Macomb in the Middle zu sehen. Justin Pierce war 19, als der Film gedreht wurde. Der war wirklich, der war obdachlos, quasi. Und der hat es aber geschafft. Der hat sich wirklich die Hoffnung gemacht, dass er Schauspieler werden kann. Ist nach L.A. gezogen, hat da geheiratet. Und seine Frau war schwanger. Und es sah eigentlich alles ganz gut aus. Und dann ist das Kind gestorben.
Johannes Franke: Dann gab es große Krise, Großes Backlash. Natürlich emotional, das muss furchtbar sein. Und dann hat das auch die Beziehung zerstört. Das und was auch immer noch dazu kommt bei sowas, Man weiß es ja auch nicht ganz genau.
Florian Bayer: Er hat sich umgebracht.
Johannes Franke: Er hat sich dann umgebracht, ja.
Florian Bayer: Und ich habe das Gefühl, also, ich finde es tatsächlich ein bisschen shady, dass der Film, die Dokumentation, Woman's Kids, versucht, diesen Filmdreh, Diese Erfahrung so ein bisschen darauf abzuladen oder damit in Verbindung zu bringen.
Johannes Franke: Ich komme damit klar, weil ich das Gefühl habe, dass wir dadurch, dass wir diesen einen Haupt... Protagonisten haben. Wie heißt der? Hamilton.
Florian Bayer: Das ist der, der den Scheunen tritt im Park. Eine ganz kleine Statistenrolle.
Johannes Franke: Wo ich wirklich beim Film gedacht habe, wow, der kann das einfach zu gut. Der kann das echt zu gut. Was aber auch bei den Filmen überhaupt ständig passiert, dass ich denke, wow, die machen das zu gut.
Florian Bayer: 13-Jährigen können das.
Johannes Franke: Ich will nicht wissen, dass Sie das alles können. Und ich will nicht wissen, warum die das alles können. Das sind keine normalen Schauspieler. Was sich den ganzen Film mitträgt, dieses Gefühl auch von, dieses unangenehme Gefühl von, Ich gucke da, Profis dabei zu, die nicht Profis sein sollten. darin, was Sie tun.
Florian Bayer: Ja, die es aber sind.
Johannes Franke: Die es aber wirklich sind. Jedenfalls ist der Dokumentarfilm vor allem dann interessant, Dadurch interessant, dass es diesen Hauptprotagonisten gibt. Und der Film macht das zwar auch sehr stark, Der hat eine eigene Agenda in der Richtung, Aber ich komme damit klar, weil ich... In das Erleben von dieser Figur reingehe. Also, Hamilton erlebt das so.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ob das wirklich genau so war oder nicht, ist eine andere Nummer. Aber das ist sein Erleben der ganzen Nummer und auch das Erleben derjenigen, die da zu Wort kommen. Und natürlich kann man das anders einsortieren. nochmal, Vor allem auch eben aus dem Blick des Branchenprofis, der weiß, okay, Manche Sachen sind aber auch nicht anders. Das ist relativ normal, dass Du halt eine Karriere Mal ein Jahr hast und ein anderes Jahr nicht. Und so. Und andere Aussagen eben auch einsortierst dann. Aber trotzdem komme ich in diese Erlebenswelt rein. Das muss ich nicht unbedingt alles. Larry Clark dann anlasten. Aber das ist trotzdem interessant. Ich fand den Film trotzdem sehr, Sehr interessant.
Florian Bayer: Ich fand den auch total interessant. Ich bin total froh, dass ich ihn gesehen habe. Auch einfach, weil es mich wirklich interessiert hat. Ich wusste nichts über die Entstehung von Kids, nur ich habe schon geahnt, dass, also. Ich wusste genau, Ich wusste, dass Justin Pierce Selbstmord begangen hat. Aber sonst war einfach nur so dieses Gefühl, Oh krass, Der hat sich damals so authentisch angefühlt. Und ich kann es mir total vorstellen, dass das hauptsächlich mit Leuten, allein schon, weil die so jung waren. Genau. Wenn du einen 14-Jährigen oder vielleicht sogar 13-Jährigen durchs Bild laufen, hast, der einen Joint raucht, Dann machst du das eigentlich nicht mit einem Schauspieler und sagst ihm, so Pass auf, Ich erkläre dir jetzt, wie du einen Joint rauchst. Sondern dann hast du wahrscheinlich einen, der das macht. Das waren für mich tatsächlich die unangenehmsten Szenen, diese wirklich jungen. Jugendlichen.
Johannes Franke: Und das war das einzige Improvisierte im Film.
Florian Bayer: Die sich fast noch wie Kinder anfühlen. Und die dann halb nackt, auch da rumlaufen und die dann wirklich Derbe am Quarzen sind und total. Und man sieht halt auch, dass sie Truff sind. Und dann reden sie mit den Älteren über Sex. Und das hat sich jetzt für mich. Als Erwachsener hat sich das komplett anders angefühlt als damals als Jugendlicher. Ja,
Johannes Franke: kann ich mir vorstellen.
Florian Bayer: Das ist die Realität. Das kenne ich, genau, das kenne ich. Und jetzt, als Erwachsener, habe ich gedacht, Oh shit, oh, fühlt sich das schrecklich an. Und auch in den Szenen davor, die ich als Jugendlicher anders rezipiert habe, Das ganze Sex-Ding fand ich damals schon unangenehm. Also auch als Jugendlicher habe ich gedacht, oh, da will ich nicht dabei sein. Und oh, das ist, was er mit der macht, ist krass. Aber das hat sich jetzt nochmal deutlich härter angefühlt, vor allem halt auch mit dem Wissen, selbst ein Kind zu haben und diese Verletzlichkeit zu sehen, Weil also, es ist halt auch wirklich, Es setzt einfach nochmal einen drauf, Dass dieser Tally der Protagonist ist, Dass der vor allem sich versucht, die Jungen und Unschuldigen zu greifen. Und dass der dann halt wirklich mit 13-jährigen Sex hat, wo du denkst, krass, Das ist dann wirklich so an der Grenze, wo du sagst, okay, ein 16-Jähriger, Es ist einfach was anderes, Es fühlt sich anders an, als wenn ein 16-Jähriger Sex hat, wie wenn ein 13-Jähriger Sex hat, das ist einfach, wo der Konservative mir rauskommt und ich sage, nee, eigentlich ist das doch nichts für dein Alter, Vielleicht wartest du noch ein, zwei Jahre, bis du damit anfängst.
Johannes Franke: Ja, da muss ja nicht der Konservative in dir rauskommen, sondern einfach derjenige, Der sagt, ja, Leute, Mach mal ganz ruhig, Da braucht man...
Florian Bayer: Aber 14-Jährige haben halt auch sowas wie ein sexuelles Lustempfinden und sowas wie sexuelle Lust.
Johannes Franke: Ist ja auch okay. Also habe ich auch nichts dagegen, aber... Ja, Vor allem durch die Brille des Films und auf die Art und Weise, wie das passiert und so. Und ich glaube dem Film, dass das tatsächlich auch in New York zu der Zeit in der Intensität existierte. Der Film heißt nur sehr verallgemeinert. Kids, und ich denke mir die ganze Zeit, ja, okay, Es gibt einen kleinen Teil von Leuten, die so aufwachsen und dieses Problem haben. Und man will sich natürlich auch mal eine Milieustudie in einem bestimmten Teil anschauen, aber heißt der dann Kids?
Florian Bayer: Ich weiß nicht. The Kids, The New York Kids, The Special Kids?
Johannes Franke: Ich weiß gar nicht.
Florian Bayer: Versuchen wir mal, hast du das Gefühl, dass, und das finde ich, Das spielt ja auch eine ganz wesentliche Rolle dabei, wie wir Larry Clark einordnen, hast du das Gefühl, dass er die Kids, also ich meine, Er zeigt sie beim Sex, Aber hast du das Gefühl, dass er Sie sexualisiert, im Sinne von, dass er sie für das Publikum, dass er ein Publikumsvoyeurismus anstößt, dass das Geil finden könnte? Nee,
Johannes Franke: es ist sehr sensationalistisch.
Florian Bayer: Also ein Pederast würde diesen Film gucken und würde sagen, geil.
Johannes Franke: Das kann ich mir vorstellen, aber da kann Larry Clark nichts dafür, weil Pederasten gucken alles Mögliche und deuten das für sich um. Das hat nichts damit zu tun. Das ist keine Argumentation. Ich finde,
Florian Bayer: das Sexting ist halt wirklich unangenehm, inszeniert. Also auch so, dass ich, mir fällt es schwer, mir vor, also, ich finde es nicht erotisch, weil es nicht mein, Nein, natürlich nicht.
Johannes Franke: Aber auch in dem Alter nicht.
Florian Bayer: Aber wenn ich Erwachsene sehen, würde, die das machen. Und in dieser Art der Inszenierung würde ich wahrscheinlich auch denken, das ist nicht erotisch, das ist irgendwie anders, inszeniert, Das ist beklemmend.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber es ist trotzdem, also, vielleicht müssen wir es auch differenzierter machen. noch. Also, es gibt ja diese Szenen, wo Tally sein Ding durchzieht und macht. Das ist das ekelhaftste überhaupt, was du sehen kannst. Das ist wirklich nicht sexualisiert, weil es geht zwar um Sex, aber... Du hast ja die Konnotation von, Ich will dich einfach nur rumbringen und das war's. Aber es gibt dann ja auch diese ganzen Party-Szenen Und hier knutschen noch ein Pärchen. Und dann greift eine ihr in den Schritt. Das sind so Szenen, wo man schon so ein bisschen das Gefühl hat, das ist schon eher sexualisiert und eher drin im Film für dieses sexuelle Ding. Weißt du, was ich meine? Die Vergewaltigung am Ende ist dann wieder nicht mehr so, Die ist dann auf andere Art und Weise, bescheuert, Die finde ich dann wieder schlimm, weil die mir, okay, müssen wir aufs Ende eingehen, machen wir das später, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Sag ruhig, jetzt, also, jetzt hast du es reingebracht, Wir reden über Sex, wir reden über die Vergewaltigung im Film und es ist einer Hand abzählbar, Wir haben den Sex von Tally am Anfang, Wir haben den Sex von Tally am Ende, Wir haben die Vergewaltigung von Jenny. Und dann haben wir dazwischen natürlich diese Szenen, wo Teenager in ihrer Lust gezeigt werden. Zum Beispiel, dass das einer, seine Freundin oder wie auch immer im Schritt streichelt. Oder wir haben das im Schwimmbad, wenn sie so sehr aufeinander losgehen. Sag aber erstmal was zum Ende, was zur Vergewaltigung.
Johannes Franke: Und ich finde, dass das Ende mir klar und deutlich macht, worum es dem Regisseur geht. Nämlich mehr um das tatsächliche Zeigen und das tatsächliche Sensationalistische, wie ich es formulieren würde, als als nur die Wirkung zu haben. Weil die Wirkung hast du in der ersten Sekunde. Dass er sich an sie ranmacht und er etwas versucht, und er hätte es in Schwarzbild machen können, Vielleicht noch ein, zwei Geräusche dazwischen. Und dann hättest du die gleiche oder eine bessere Wirkung gehabt.
Florian Bayer: Das glaube ich nicht. Ich glaube, diese Nähe ist wichtig, auch mit diesem Unwohlsein, was damit einhergeht.
Johannes Franke: Nein, ich bin fest davon, überzeugt, dass du das gleiche Gefühl oder ein noch wirkungsvolleres Gefühl gehabt hättest. ohne. Und ich glaube, dass das Zeigen, das wirklich draufhalten, nur nochmal hier, Ich kann das und ich zeige euch das jetzt alles, und ich will schockieren und ich will, ja. Also, ich fand es ekelhaft. Also als Zuschauer eines Films, ekelhaft.
Florian Bayer: Du fandest den Film ekelhaft.
Johannes Franke: Nicht den Film, sondern den Filmemacher.
Florian Bayer: Den Filmemacher. Ich hatte bei denen als Jugendlicher, und das hat sich jetzt auch wiederholt. Hatte ich bei den Sexszenen oder bei dieser großen Handlung, bei dieser großen Sexhandlung, die drumherum sich liest. Das Gefühl, dass der Film auch eine unglaublich konservative Note hat. Der passt, so ein Informersial gegen vorehelichen Sex oder kindlichen Sex.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Und so, und inklusive dem Boomer HIV. Und dann auch so mit dieser Konnotation, oh, jetzt hast du Casper auch geholt. So mit diesem Wissen, das man aus den 90ern hatte, dass einmal anfassen reicht,
Johannes Franke: um HIV zu kriegen.
Florian Bayer: Spoiler, Casper hat es wahrscheinlich nicht, weil es ist extrem unwahrscheinlich, bei vaginalem Geschlechtsverkehr Als Mann sich mit HIV zu infizieren. Und das, um das so als Großes zu sagen, ich habe so das Gefühl, Es verbergen sich in diesem Ding irgendwie so drei Filme. Wir haben diese Sexhandlung, Dieses große Narrativ drumherum und nicht ohne, Ich glaube, es ist kein Zufall, dass das ausgerechnet die Szenen sind mit den SchauspielerInnen, die dann später am ehesten noch mehr Erfolg hatten, Weil das am Ehesten das Drama ist und das ist auch das konservative Drama. Louis Sevigny spielt großartig. Ja, natürlich, das stimmt sehr gut und sie ist eine wirklich starke Schauspielerin. Rosario Dawson, So klein Ihre Rolle ist,
Johannes Franke: total überzeugend.
Florian Bayer: Sie hat an dem Tag, an dem Sie diesen Dreh hatten, wo Sie über Schwänzelutschen und so redet, hat sie zum ersten Mal einen Jungen geküsst. Sie war die Unschuldigste von allen. Und Chloe Sevigny hat das wohl schon ziemlich faustig in den Ohren. Die war so ein Clubgirl, die war wohl ordentlich dabei.
Johannes Franke: Aber die sind wahnsinnig, natürlich.
Florian Bayer: Natürlich, aber auch mehr Drama.
Johannes Franke: Es ist mehr dieses Drama.
Florian Bayer: Und das ist auf jeden Fall so ein Informercial, der diese konservative Note hat. Und dann haben wir rüberschwingend. Und das ist, glaube ich, was der Film dann in die allgemeine Handlung mit reinbringt, und was glaube ich nicht? Die Absicht von Larry Clark war, was ich aber total spannend finde, auch jetzt, so 30 Jahre später, das nochmal zu sehen, dass der Film wirklich... Spannender Kommentar ist zum Thema toxische Männlichkeit unter Jugendlichen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: aber das war auch schon drin,
Johannes Franke: oder? Das thematisch, also, dass er das schon auch mit reingeschrieben hat. Ja,
Florian Bayer: aber ich glaube, wir können es heute ein bisschen Allgemeiner noch fassen und noch mehr verstehen, wo das überall durchblickt. Egal, ob es jetzt ist, dass Sie die Schwulen Dumm anmachen im Park oder dass Sie so extrem übergriffig im Schwimmbad sind. Und Geil finden, wenn zwei Frauen sich küssen. Oder halt dieses aufdringliche Sexualverhalten, was wir dann ja bei der Party teilweise sehen, wo dieser eine Typ ist, der ja auch kurz davor ist, die Frau zu vergewaltigen, das Mädchen zu vergewaltigen, wenn er immer näher an sie ranrückt und sagt, Ich will alles für dich machen, ich will dir Hot Dogs kaufen. Und du denkst so,
Johannes Franke: das ist ekelhaft.
Florian Bayer: Und dann neben diesen beiden Filmen, also zum einen das große Drama, das fast so ein Infomercial ist. Gegen Sex von Jugendlichen. Ja. Haben wir halt den Dritten? Und das ist dieses authentische Bild von den Kids, die auf der Straße leben. Und wo einfach, wo wir wirklich einfach nur ihren Alltag sehen, wo nichts passiert. Und jedes Mal, wenn was passiert, hast du das Gefühl, Oh, jetzt kommt Filmhandlung rein. Das ist immer übertrieben. Aber wenn die einfach nur da rumsitzen und sagen, was machen wir denn jetzt? Ja, ja,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Ein bisschen Skateboard fahren, sich unterhalten und dann auch einfach irgendwas suchen, um ihrer Perspektivlosigkeit zu entgehen. Das ist meiner Meinung nach der stärkste Film. In diesem Dreier gespannt. Ich würde dir recht geben,
Johannes Franke: auf jeden Fall, weil das ist auch der Teil, der, Wenn du jetzt über deine Kindheit erzählt, hast, auch mir tatsächlich Was sagt. So dieses, okay, Es gab eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Alter, Das hat sich bei mir dann irgendwann aufgebrochen, weil ich nach Berlin gezogen bin und dann ganz andere Sachen zu tun hatte, weil ich auf der Artistenschule gegangen bin und wenn man auf eine Artistenschule geht, was eine Ganztagsschule ist, hat man ganz andere Probleme.
Florian Bayer: Du hast dann, schloss Einstein? Ja,
Johannes Franke: genau. That's the real shit.
Florian Bayer: Ja, so sind sie, die Jugendlichen.
Johannes Franke: Aber vorher, als ich noch in Leipzig gelebt habe und dieser Anfang von, gehe ich jetzt auf den Spielplatz zu den anderen Kids, die da nicht mehr wegen des Spielplatzes dort sind, weil andere, ne? So, oder wie? Und dann guckt man sich ein bisschen um. Und sieht natürlich in alle möglichen Abgründe, die man nicht geahnt hat, dass sie da sind. Ja. Und... Und dann habe ich auch das erahnt, Was in diesem Film, in dieser dritten Version des Films, die du jetzt reinwirfst, gesehen habe. Und auch interessant finde, um Sie sich nochmal anzuschauen. Aber ich muss sagen, dass die ekelhafte andere Filmversion so überstrahlt und mich so beschäftigt, den ganzen Film über. Ja. Dass es einfach schwer ist, den Rest irgendwie zu genießen. Oder sowas. Ja,
Florian Bayer: ja, verstehe ich total. Absolut. Weil es ja halt auch, weil es zum einen so ein Übertriebenes erzählen, ist. Ja. Ja, mit dieser, mit die... Also mit diesem Thema HIV, das da noch reingebracht wird. Ja.
Johannes Franke: Und du hast das so ein bisschen angedeutet, aber noch gar nicht so richtig. Also ja, du hast es gesagt, eigentlich, aber diese moralische Keule.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die ist mir so hart über den Schädel gezogen worden. Das stört mich echt.
Florian Bayer: Absolut, kann ich total gut nachvollziehen. Und ich finde auch, das Ding ist halt, es ist halt so gut gespielt. Das rettet sehr viel vom Film. Es ist gut inszeniert, Das rettet sehr viel davon. Aber ja, absolut, ich gehe mit, diese Sexhandlung. Er hätte eigentlich, also man hätte wirklich auf die verzichten können. Das ist nicht das, was den Film besonders stark macht. Er wird stark durch Chloé Sevigny. Er wird stark dadurch, dass dann dazwischen Halt immer wieder dieses Bild von toxischer Männlichkeit rauskommt. Ja,
Johannes Franke: ja genau.
Florian Bayer: Und es hat eine gewisse, atmosphärische Stärke, dass ich mich so unwohl fühle. Egal, ob es jetzt diese Szene ist, wenn Sie am Anfang knutschen. Oder ob es die Vergewaltigung ist. Es ist wirklich ein Unwohlsein. Und ja, das hat auch was, ja, da stimme ich dir ja sogar zu, Es hat was Sensationalistisches. Aber ich finde, dadurch, dass wir so reingeworfen werden, haut das Halt auch voll rein. Und es ist natürlich, es ist alles andere als subtil. Dieser Film ist nicht subtil. Aber es haut rein und es ist wirkungsvoll. Und ich fühle mich unwohl, und ich spüre diese Angst gegenüber dem, gegenüber dieser Animalität, die in Teenagern steckt. Das ist einfach stark. Und ich finde, das ist wichtig. Ich glaube, das macht der Film an der Stelle richtig. Das hat Larry Clark damals nicht richtig gemacht, dass er seine minderjährigen Darstellerinnen zu solchen Szenen gebracht hat. Aber der Film macht es richtig. Das, was der Film darstellt, hat die Wirkung, die es haben sollte.
Johannes Franke: Naja, Wenn ich mir den Rest des Films anschaue, wenn ich die ganze Sexualität rausnehme, die wir ja schon für unnötig halten, Dann kann ja Larry Clark gerne genau diese jungen Schauspieler dafür wählen und authentische Dialoge haben. super, das ist doch vollkommen in Ordnung. Mein Problem ist ja nur darin, dass er zurecht illegale Sachen mit denen macht, denen wirklich die Drogen zu geben, Sie wirklich da halbnackt. Und es gibt diese eine Szene, wo, wie heißt er nicht, Harold ist das glaube ich, der am Schwimmbad die Hose runterlässt. Und da sein Geräusch mit seinem Penis da macht.
Florian Bayer: Ihm war die Szene so unangenehm, ne? Er wollte das nicht machen.
Johannes Franke: Er wollte das nicht machen und dann wird er trotzdem bedrängt, das zu machen. Obwohl der ja gar nicht mal, der ist ja nicht mal im Film zu sehen. Nee. An der Stelle, Sondern es ist ja nur das Geräusch zu hören. Ja. Warum sollte er das Bitteschön am Set dann wirklich machen? Was soll das?
Florian Bayer: Ja, das finde ich auch total daneben. Dieses Hype, dass die Kids die ganze Zeit halbnackt rumlaufen, Da hatte ich auch so das Gefühl, oh, muss das sein, Larry? Aber dann wiederum habe ich Fotos aus der Zeit aus dem Park gesehen und das war offensichtlich einfach ein Ding, Die sind alle halbnackt, rumgelaufen. Die Jungs hatten die ganze Zeit keine Shirts an, Deswegen würde ich da auch da sagen, Benefit of the doubt. Und Larry Clark hat die Kids einfach so dargestellt, wie sie damals rumgelaufen sind.
Johannes Franke: Aber im sexualisierten Kontext zum Beispiel, hätte man dann, wenn man darauf verzichten würde, was wir ja schon gesagt haben, Sex ist ja unnötig in dem Film. Also hätte ja ein wunderbarer Film werden können, Er hätte auch so rau sein können. Es ist nur der Sex, es ist wirklich schlimm.
Florian Bayer: Ja, ich finde halt... Ich finde den Sex nicht komplett unnötig, weil der Sex Halt auch dieses Männlichkeitsbild zeigt.
Johannes Franke: Er darf ein Teil des Ganzen sein, Aber warum muss man 16-Jährige dazu bringen, solchen Scheiß zu machen? Vor der Kamera? Was soll denn das? Das traumatisiert doch mehr als alles andere. Und dann ist mir die Kunst egal, die dabei rauskommt. Wirklich, mach mal nicht. Nee, nicht machen.
Florian Bayer: Wie halt war Leo Fitzpatrick, war 16, als er es gedreht hat. Das erste Männchen, mit dem er schläft, war 17. Und... Also die Schauspielerin. Sie spielt ja eine 13-Jährige. Und die zweite, Darcy, die war 19. Also ich finde, weil das sind ja wirklich die harten Szenen, wo ich denke, Gott sei. Dank hat er da keine 14-Jährigen dafür genommen für die 6 Szenen. Also tatsächlich, Das entschärft für mich zumindest das Bild so ein bisschen.
Johannes Franke: Ich finde 17 noch zu jung, muss ich sagen. Also für das, was.
Florian Bayer: Es ist zu jung, weil es gegen das Gesetz verstößt.
Johannes Franke: Nicht deswegen, sondern weil. Das Gesetz hat den gleichen Grund, Warum das eben problematisch ist. Ja,
Florian Bayer: aber er ist halt so dicht dran. Ich bin so hinterhergerissen. Ich finde es halt wirklich diese Anfangsszene. Du sagst immer, wir kommen wieder zu dieser Anfangsszene zurück. Ich finde das Unangenehme, ich finde das irgendwie wichtig in diesem Moment auch, weil es mich konfrontiert. Weil es mich damit konfrontiert, wie Teenager sich verhalten und wie Teenager mit ihrer Sexualität umgehen. Und genau mit dem Gefühl, ich will das gar nicht wissen, ich will das gar nicht sehen, Aber jetzt werde ich gezwungen, mich damit auseinanderzusetzen. Und wenn Larry Clark, was kann in diesem Film, Dann ist es, dass er uns die ganze Zeit zwingt, uns damit auseinanderzusetzen, Was passiert bei Kids, Was wir eigentlich nicht wissen wollen.
Johannes Franke: Am Ende kommt es auf die Frage hinaus, Ist das Endergebnis das wert, die Kinder in diese Situation zu bringen?
Florian Bayer: Das sind keine Kinder, das sind Jugendliche. Es ist ein Unterschied, finde ich wichtig. Finde ich einen ganz wichtigen Unterschied.
Johannes Franke: Die drei Kinder, die da kiffen, ist, was anderes, oder?
Florian Bayer: Die sind 13, 14. Die sind auch keine Kinder mehr. Die sind irgendwo dazwischen, aber die sind nicht einfach nur Kinder. Ich finde, DAS ist...
Johannes Franke: Okay, Frage umformuliert. Es ist gleich die Frage. Ist das Endergebnis es wert, die Jugendlichen in diese Situation zu bringen?
Florian Bayer: Da die Jugendlichen davor schon in diesen Situationen waren, ja.
Johannes Franke: Und ich glaube, dass es durchaus einen Unterschied gibt zwischen. Ich bin als Jugendlicher Privat und selbst in dieser Situation. Und mache das. Ja. Und mir wird eine Inszenierung aufgestülpt, der ich folgen muss, wo mir dann gesagt wird, nee, nee, greif mal ordentlich zu hier zwischen den beiden.
Florian Bayer: Absolut. Das ist definitiv ein Unterschied. Und die Frage ist, ob dieser Unterschied es wert ist. Genau.
Johannes Franke: Und ich würde sagen, nein, definitiv nicht. Denn der Film sagt mir nicht so viel mehr über das Leben, als dass ich das nicht verschmerzen könnte. Ich könnte auch darauf verzichten, dass dieser Film existiert.
Florian Bayer: Ich würde sagen, absolut. Weil ich zum einen finde, dass dieses Mehr, das dadurch entsteht, dass Jugendliche nochmal was machen müssen, was sie sowieso machen. Und beobachtet von einem 50-Jährigen mit Kamera, Dass das auf jeden Fall ein mehr ist. Aber das ist was anderes, als dass ein 50-Jähriger Jugendliche zu etwas drängt, was Sie noch nie gemacht haben, wo Sie nichts...
Johannes Franke: Ja, das wäre natürlich noch eine schlimmere Nummer. Aber ich finde das trotzdem nicht... Es gibt so viele... Wir können den Film nochmal komplett durchgehen mit seinen einzelnen problematischen Szenen, aber... Ich glaube, da ist einfach zu viel, was sie, Also allein, den Typen da dann dazu zu bringen, da komplett blank zu ziehen, obwohl es nicht mal im Film ist.
Florian Bayer: Das finde ich auch tatsächlich daneben. Warum? Das ist tatsächlich total überflüssig, und das ist auch keine Szene, wo du irgendwie, das ist ja nicht mal eine Szene, wo du angenehm berührt, bist, weil es ist ja einfach nur eine Szene, die irgendwie witzig sein soll. Genau. Oder die einfach zeigen soll, wie er sich witzig verhält, wie er sich immer verhält. Ich betrachte es halt aus zwei Perspektiven. Tatsächlich der 16-Jährige, der das damals geguckt hat. Und als 16-Jähriger dachte, wow, ich habe noch nie was so Authentisches gesehen. Und dann ist es, Ich finde es tatsächlich mindblowing, dass es ein 50-Jähriger schafft, was so zu inszenieren, wo ein Jugendlicher drauf guckt und sagt, ja, das ist authentisch. Deswegen kaufe ich Larry Clark Total ab, dass er wirklich die Jugendlichen verstehen wollte. Und natürlich hängt damit zusammen, dass er ewig seiner Jugend hinterhergerannt ist und versucht hat, die zu halten. Auch heute noch in Interviews, wie ein 16-Jähriger klingt. Und das ist natürlich ein bisschen weird. Aber dass er das schafft, dadurch, Offensichtlich ist er erfolgreich da drin.
Johannes Franke: Das Ding ist, Das eine ist natürlich das, was wir jetzt durch die Recherche rausgefunden haben. Und das andere ist das, was ich während des Films gucke. Ich habe mich vorher überhaupt nicht damit beschäftigt, habe den Film geguckt, ohne irgendwas zu wissen. Und ich habe auch während des Films die ganze Zeit dieses ekelhafte Gefühl, Was sich in der Recherche nur bestätigt, hat. Es ist HALT nicht... Der Film ist ja transparent, damit, auf irgendeine seltsame Art und Weise. Der zeigt mir sofort, was für ein Mensch, das ist, also nicht. 100% was für ein Mensch, das ist, Aber auf welche Art und Weise dieser Film entstanden ist. Und ja, es gibt einen Mehrwert, irgendwie, aber der Mehrwert, Ich will den Film nicht gucken, nein, nein, nein. Wir wissen doch beide aus unserer Jugend, Was da... In welche Abgründe wir da geschaut haben. Die existieren, ja, okay, Und wenn ich das auf eine andere Art und Weise nochmal inszeniere, ist das gut, Aber ich muss nicht auch noch die Leute dafür. Exploitation betreiben. Ich muss nicht die Leute noch ausnutzen, dafür, das zu machen, sondern ich kann vielleicht auf eine völlig andere Art und Weise eine kleine Zwischenebene einschalten. Und ich habe trotzdem dieses Gefühl und habe trotzdem einen Eindruck von der Generation. Und wie die so drauf ist.
Florian Bayer: Ich habe diese Transparenz in dem Film nicht gespürt. Ich habe die weder als 16-Jähriger gespürt, noch jetzt als 40-Jähriger, Sondern ich habe einfach einen Film gesehen, der unglaublich nah dran ist, an der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen. Der natürlich in vielen Punkten, Wie gesagt, bei dem Sex, beim Thema Sex übertrieben ist und da auch so einen moralischen Konservatismus hat. Der aber in diesen Szenen, in denen er nah bei den Kids ist, der mich da einfach reinschleudert, der mich damit konfrontiert. Ich fühle mich die ganze Zeit unwohl in diesem Film, Aber ich fühle mich nicht unwohl, weil ich das Gefühl habe, das ist ein amoralischer... Background, Der Da ist, sondern einfach, Weil ich das Gefühl habe, ich werde hier genötigt, bei was teilzuhaben. Ja, wirklich teilzuhaben. Man ist ja wirklich mittendrin. Und ich kann mich dem nicht entziehen. Und das finde ich stark. Das ist für mich auch eine Aufgabe von Kunst, auch so die Komfortzone zu verlassen, auch Grenzen zu überschreiten.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir das auch nochmal betonen und ausarbeiten. Das ist tatsächlich, wenn ich mir so drüber nachdenke, Es sind die sexuellen Sachen. Und wenn wir nur auf die... Allein die Szenen, wo sie bei den Frauenärzten sind, die dann sagen, du hast nichts, alles in Ordnung, Deine Eskapaden haben dich glücklicherweise verschont. Und auf der anderen Seite die kalte Frau, die sehr professionell, wahrscheinlich richtig, Aber für uns im Film dann doch ein bisschen kalt rüberkommt. Und sagt, ja, du hast Aids, schönen Tag noch, geh nach Hause.
Florian Bayer: Hey, du wirst diesen Job nicht, haben.
Johannes Franke: Du willst nicht Jugendlichen. Mehrmals am Tag sagen,
Florian Bayer: dass sie sich mit HIV infiziert haben. Auf gar keinen Fall. Das ist wirklich hart.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: ja, ja. Das kannst du nicht richtig machen.
Johannes Franke: Nein. Aber diese Szenen, die sind ja stark. Ja. Und die sind super gespielt von allen Beteiligten. Also, Und auch, wie sie einfach nur in der Gegend rumlaufen. Und er angibt mit seinem Scheiß und so. Das funktioniert, das ist super, das ist auch authentisch, und das würde ich auch sehen wollen, das ist auch in Ordnung.
Florian Bayer: Und da hast du doch auch dieses Unwohlgefühl, oder? Ja,
Johannes Franke: das ist auch total.
Florian Bayer: Dann ist diese hektische Jazzmusik im Hintergrund, Sie laufen über die Straße, die Kamera wackelt und irgendwie so voll zwischen ihnen, Als wärst du eingequetscht. Ja, ja, ja. Also ich finde das Unangenehme, was ich da empfinde, ist gar nicht so viel anders, wie das Unangenehme, was ich empfinde, wenn ich sehe, okay, es ist schon ein bisschen anders. Es ist ein völlig anderes Unangenehme. Aber es ist aber auch... Es ist dieselbe Wirkung. Du fühlst dich reingerissen, ohne dass du das willst. Du willst nicht zwischen diesen beiden Typen rumlaufen, während sie über ihre Schwänze reden.
Johannes Franke: Aber dann haben wir es doch. Das ist doch in Ordnung. Dann hätte der den Film doch komplett machen können, ohne diese Form von unangenehm. Sondern eben die Form von unangenehm, dass wir uns eingequetscht fühlen zwischen zwei Jugendlichen, die ein Gespräch führen, was du nicht hören willst. Und das ist ein Film, Den kann man auch gucken und den kann man auch machen. Du weißt, was ich meine, Ihr wisst, was ich meine. Ja,
Florian Bayer: wir wissen alle, was wir meinen. Wie man diesen Film empfindet, steht und fällt wahrscheinlich mit der Frage, ob man dieses Unangenehme, was man empfindet, auf den Film münzt und sagt, dass dieser Film ist ekelhaft. Im Sinne von, die, die den Film gemacht haben, sind wahrscheinlich ekelhaft. Die, die sich das ausgedacht haben, sind ekelhaft. Und vor allem die, die hier so... Die hier versuchen, mich, da reinzuziehen, um mich auf irgendeine Bahn zu lenken, Das ist irgendwie ein ekelhaftes Verhalten. Das will ich nicht. Oder ob man sagt, ja, es fühlt sich voll unangenehm an, aber das, finde ich, ist die Aufgabe von Kunst, wie auch immer. Und ich versuche es, so wertneutral wie möglich zu formulieren, und es gelingt mir nicht so ganz. Das funktioniert nicht,
Johannes Franke: Floor. Jetzt müsste ich dir wieder einen PowerPoint-Vortrag halten, dass das Kunst das machen darf, aber, dass dieser Film nicht.
Florian Bayer: Ja, ja, ich weiß. Wir haben die Diskussion öfter. Also wir kommen ja auch oft zu dem Punkt, wo wir sagen, es gibt. Und und das ist dann wahrscheinlich auch einfach eine Form, wie man unterschiedlich sensibel auf bestimmte Sachen reagiert. Aber selbst das ist es ja auch nicht, weil es gibt natürlich auch, so Sachen, die ich sehe, wo ich sage, das finde ich auch nicht. cool. Das gibt mir keinen Mehrwert.
Johannes Franke: Oh, mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh Mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Selbstprobe.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, Was Ihr auch nutzt.
Johannes Franke: Abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, Was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an Eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Florian Bayer: Und wenn Ihr uns Feedback geben, wollt, Wir freuen uns total. Über jeden Kommentar an JOHANnes.MUSSMANNSEHEN.DE oder florian.mussmannsehen.de.
Johannes Franke: Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, Das soll schnell durchkommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch. Das interessante ist, dass die Mädchen, die er gefragt hat, Ob die dabei sein wollen, dass die erstmal reservierter waren.
Florian Bayer: Na, zumindest die, die in der Doku interviewt werden. Sind jetzt ja auch nicht alle.
Johannes Franke: Aber ich glaube, da war noch mehr. Ich glaube, in meiner Recherche war noch mehr. Ach, fuck, das habe ich nicht genau aufgeschrieben. Aber so das Grundgefühl, dass die Frauen sagen, ja, aber das Buch, das... Reduziert so sehr auf dieses Sex und auf diese Gewalt und Drogen. Wo ist denn die Gemeinschaft geblieben, die Wir haben?
Florian Bayer: Das finde ich tatsächlich auch. krass. Ich finde auch, es geht genau auf dem Weg, geht auch ein gutes Stück verloren, weil ich finde es gut, dass der Film so diese Misogynie und diese toxische Männlichkeit gerade in den Jugendkreisen vorkommt, darstellt, Aber die Leute, die in dieser Straßengänge waren, die quasi die Vorlage waren, haben gesagt, nein, ey. Wir haben zusammen mit den Jungs rumgehangen. Man sieht im Park auch ein paar Mädels, die mit ihnen rumhängen, aber halt nicht viele. Und die waren nicht so. Und dann gibt es diese eine wirklich rührende Geschichte von einer, die sagt, Naja. Und damals war ich mit meiner Freundin dann im Park unterwegs und da war so ein Komischer. Typ, der uns verfolgt hat. Und dann kam Justin, der den Casper spielt und hat den Psycho gespielt und hat mit seinem Skateboard. Gegen die Wand gehauen und laut geschrien, um den zu vertreiben. Und das war total cool und wir wussten, dass die da sind, für uns und auf uns aufpassen. Genau. Und wenn man hört, wie die Leute voneinander reden, wie das da war, auf der Straße rumzuhängen und so, hat dieser Sex auch gar nicht so eine große Rolle gespielt. Es war mehr eine Clique, die füreinander da war. Die haben mehr zusammengehalten. Es klingt fast so. herzerwärmend, wie erzählt, wird. Und dann hat er mal in der Wohnung geschlafen, in der Wohnung, weil er nicht nach Hause konnte, Weil er da verprügelt wird. Aber irgendjemand war halt da für ihn. Ja,
Johannes Franke: total. Und warum zeigt man das nicht? Das ist doch die viel spannendere Geschichte.
Florian Bayer: Finde ich auch schade. Und ich glaube, da hat das. Larry Clark übermannt, dass er wirklich einen Film drehen wollte. Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Und das ist ja auch das, was er in diesen Gesprächen verteidigt hat. Und ich bin absolut bei dir, wenn wir sagen, Wahrscheinlich wäre der Film ein besserer Film geworden, wenn er einfach mehr das auf der Straße dokumentiert hätte, meinetwegen inszeniert, aber nicht Diese Sex-Ads-Vergewaltigungshandlung übergestülpt hätte.
Johannes Franke: Also, ich verstehe ihn dramaturgisch, dass er sagt, okay, wir haben hier... Lass uns einen roten Faden einführen, indem Jenny da die ganze Zeit nach Tally sucht, damit sie ihn aufhalten, kann, ständig mit irgendwelchen Frauen zu schlafen, die dann unter Umständen AIDS bekommen. Ja, das ist eine Quest quasi, die man da einbaut. Weil man vielleicht als Filmemacher oder als Fotograf, der gerne einen Film machen will, ständig von irgendwelchen Leuten. Gesagt bekommt, ja, du musst aber einen roten Faden haben, du kannst nicht einfach irgendwelche Szenen filmen. Verstehe ich auch, aber ich finde, das macht den Film halt leider eher schlechter als besser gemacht.
Florian Bayer: Jenny gibt uns halt wirklich einen starken, emotionalen Halt, weil Jenny löst einfach Empathie aus, wenn Sie weinend im Taxi sitzt und wirklich komplett fertig ist. Und auch so Dieses Untergangsgefühl hat. Es gibt irgendwann diesen Moment, wo sie im Club ist. Und sagt, ich werde nicht sterben. Und es ist so pure Verzweiflung. Und wir sind in den 90ern, Eine HIV-Diagnose war damals was komplett anderes, als es heute ist. Das war einfach dein Fucking. Todesurteil. Das ist schon extrem stark. Und dass es diesen einen emotionalen Ankerpunkt gibt. In Jenny, finde ich schon wichtig.
Johannes Franke: Ja, das schon. Vor allem für mich, weil ich ja immer derjenige bin, der sagt, ich brauche eine Hauptfigur, Die Relatable ist.
Florian Bayer: Wir haben übrigens Harmony Corrine, kommt in dem Film auch vor. Ja,
Johannes Franke: ganz kurz.
Florian Bayer: Der Typ, der ihr die Drogen verkauft. Und genau so stelle ich mir ihn vor. Ich glaube, das, was er da spielt, ist nicht viel anders, von dem, wie er in der Realität ist. So, wie er Filme inszeniert und wie er das Drehbuch zu diesem Film geschrieben hat.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ich glaube, das war so ein kompletter Nerd, der voll auf Drogen war und total schräg. Und jeder hat gesagt, das war ein schräger Vogel. Der hat danach noch Filme gedreht. Gammo, Ich hatte mal überlegt, dir Gammo zu geben.
Johannes Franke: Echt? Also, ich höre nichts Gutes über diesen Film.
Florian Bayer: Ich finde, auch das ist ein sehenswerter Film. Und ja, Die Kritik ist mit Harmony Corrine und mit Larry Clark Hart ins Gericht gegangen. Gammo ist ein absolut faszinierender Film. Du würdest dich auch unwohl fühlen die ganze Zeit. Und du würdest es auch dem Filmemacher anlasten. Es werden sehr viele Katzen getötet. Im Laufe dieses Films. Und es ist eigentlich noch desolater und experimenteller als das hier. Weil es auch so den Realismusraum mehr verlässt. Interessanter Film, Schräger Film. Aber es ist auch ein spezieller Film.
Johannes Franke: Na gut.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, das ist der Punkt, wo es wirklich so ist. Das ist so ein. Let's-decree-to-disagree-Moment.
Johannes Franke: Ja, so ein bisschen, aber darauf habe ich mich schon eingestellt. Ja, vorgeschlagen hast du nicht ohne Grund. Und du Wusstest ja auch schon, dass wir heute vielleicht eher nicht einer Meinung sind.
Florian Bayer: Ich bin nicht davon ausgegangen, dass wir auf den Konsens kommen. Und ich bin auch davon ausgegangen, nicht, dass ich dich so vorhersehen kann. Ich habe mir schon gedacht, dass es die Punkte, die du angebracht hast, die ja auch berechtigt sind. Ich sehe das ja auch. Ich sage jetzt nicht, Deine Kritik ist komplett unberechtigt. Ich glaube halt trotzdem, dass der Film in seiner Intensität, in seiner Authentizität, Es ist falsch zu sagen, der rechtfertigt das, was Larry Clark damals gemacht hat, als er es gedreht hat. Aber ich bin froh, dass dieser Film existiert. Ich bin froh, dass ich diesen Film als 16-Jähriger gucken konnte und mich verstanden gefühlt habe. Von der Darstellung von Teenagern, wie ich es sonst nie hatte. Das Einzige, was mir als anderes Beispiel einfallen würde, wäre die Serie MY So-Called Life. Die nach einer Staffel abgesetzt wurde, wahrscheinlich, weil sie Teenager zu gut verstanden hat und sowas wie Homosexualität und Drogenkonsum bei Teenagern thematisiert hat. Das war zu viel für das amerikanische Fernsehen. Und ich, auch als 40-Jähriger, sage ich, ich bin froh, dass dieser Film existiert, weil er mich damit konfrontiert, wie Teenager-Dasein ist. Und jetzt, wo ich sehr weit davon entfernt bin, mich, das auch irgendwie nochmal durchleben lässt. Oder nicht nochmal durchleben lässt, auch generell durchleben, lässt. Auch mit der Perspektive, dass ich ein Kind habe, was auch irgendwann mal Teenager wird.
Johannes Franke: Ja, also funktioniert ja der Cautionary-Tale-Ansatz bei Dir ganz gut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Aber nochmal, das finde. Ich ist eigentlich eher der schwächste Moment des Films. Ich will das ja gar nicht als Cautionary-Tale sehen, sondern ich will es als Abbild der Realität, Was vielleicht auch gar nicht gewertet werden muss. Wenn Casper diesen Typen verprügelt, Natürlich werten wir das. Wenn Casper Jennifer gewaltigt, Natürlich werten wir das. Wenn Telly sagt, er will eine Jungfrau flachlegen und spult dann immer wieder sein gleiches Programm ab, wirklich mit exakt denselben Sätzen und gibt einen Scheiß auf sie, während er mit ihr Sex hat, Egal, ob sie sagt, nein, hör auf, oder es tut weh, Natürlich werten wir das. Aber wenn der eine Typ einen Joint dreht, dann werte ich das nicht. Und dann werte der Film das auch nicht, und das finde ich stark. Das stimmt, ja. Und wenn die 13, 14-Jährigen da liegen und den Joint rauchen, die ganz eindeutig zu jung sind, um zu kiffen. Dann wertet der Film das auch nicht. Und dann werte ich das auch nicht, sondern ich werde irgendwie damit reingepackt.
Johannes Franke: Das stimmt, das stimmt total. Der Film wertet das nicht. Also, fuck, wenn ich nicht schon beim Gucken das Gefühl hätte, okay, die sind da einfach auch wirklich breit. Ich krieg das nicht, ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie diese Szene überhaupt zustande kommen könnte, Wenn die nicht wirklich breit, Die haben zehn Joints geraucht. Ja, die haben zehn Fucking Joints. Fuck, Alter.
Florian Bayer: Die sind so jung. Es ist wirklich krass. Ja. Also, es ist davor schon, dass du hast halt diese 20-Jährigen, die da zusammen rumhängen. Und dann hüpft aber immer mal wieder, so ein 14-Jähriger durchs Bild. Und macht genau denselben Shit, den, die auch machen. Und dann hast du aber diese Party-Szenen Und dann hast du wirklich, die wirklich Blutjung da liegen und kiffen und halbnackt. Und so denkst du, wow, krass.
Johannes Franke: Vielleicht gibt es inszenatorisch noch ein paar Sachen, die auf die Haben-Seite kommen könnten. Ich finde, dass er das ganz gut macht, auch wenn er da sehr verliebt. Drin ist, in dieses Crosscutting zwischen Girls-and-Boys-Bantam und DIESES Hin-und-Her zwischen den Situationen bei der Frauenärztin, Auch zwischen den Hin-und-Her-Geschnitten und so. Dieses Crosscutting kriegt der Film sehr gut hin. Hast du irgendwas auf der Hamseite, inszenatorisch willst du irgendwas, sagen?
Florian Bayer: Die Taxi-Szene extrem stark. Josef Knopfelmacher, Ich hab mir extra den Schauspieler angegeben, weil ich das so spannend, fand. Wenn Jenny im Taxi sitzt und der Taxifahrer sagt, ey, du siehst aus, als ob es dir nicht gut geht. Gehen würde.
Johannes Franke: So knapp am Abrutschen zu sehr.
Florian Bayer: Genau und dann, erzählt sie, erinnert ihn an seine Freundin, damals. Mann, war die Geil und so. Und dann ist es aber, und dann wandelt es sich aber, Weil er erzählt, dann so, was seine Großmutter ihm beigebracht hat. Und so sachen wie dann, wenn du stotterst, dann rede nicht. Und wenn du Angst hast, dann geh in die Knie und schau mich an, ich bin so glücklich. Und du, es ist wirklich. Es ist dann schon wieder eine traurige Szene.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Vielleicht lehne ich mir so ein bisschen Larry Clark vor. Keine Ahnung. Ich finde den Schluss richtig stark, inszeniert. Also, wo er fast philosophisch wird. Der Morgen danach, nach dieser wilden Party. Dann sehen wir die Straße mit den Junkies und mit den Obdachlosen. Wir sehen ganz viel Perspektivlosigkeit von Erwachsenen. Und dann hören wir den Voice-Over von Telly, der sagt, When You Are young, Not Much matters. Wenn du etwas findest, worüber du dich interessierst, dann ist das alles, was Du hast. Dann bla bla bla, etwas über Muschis. Manchmal, wenn du jung bist, ist das, was du nur ins Gesicht bringen kannst, das ist es. Wenn du das von mir wegbringst, habe ich nichts. Aber dazwischen ist Halt dieses fast schon Philosophische, Dass er sagt, wenn du jung bist, gibt es nicht viel, was du hast. Und dann diese Kamera auf Casper, der da sitzt, Halt nackt, nachdem er Jenny vergewaltigt hat, und einfach nur sagt, Jesus Christ, What happened? Und ich finde, das ist...
Johannes Franke: Ich schüttel ganz doll mit dem Kopf, gerade. Dieser Satz, also der hat diese Aufstimme, Der spielt das nicht wahnsinnig gut. Oder sowas, es reicht mir aber auch aus. Weil die Aufstimme gut ist, an sich von dem Text her und so. Es ist in Ordnung. Aber warum zur Hölle muss dieser Typ dann nochmal sagen, what the fuck happened? Was ist das für ein Kommentar? Natürlich, ja, also, so drüber, wozu brauchst Du den denn jetzt noch? Das ist so so ein Kommentar aus der Regieloge.
Florian Bayer: Ich finde das ein ganz wesentlicher Punkt, der irgendwie dieses, das, was wir gesehen haben, auch abschließt.
Johannes Franke: Ja, das ist, aber da kommt
Florian Bayer: die Regie durch. War das nicht sogar improvisiert? Ich glaube, das war eine improvisierte Szene. Ich weiß es aber nicht mehr ganz sicher.
Johannes Franke: Ich glaube nicht.
Florian Bayer: Sie haben übrigens gefragt, Eine Frage war, wie kann es sein, Dass das Telly, dass die für den, der die ganzen Frauen rumkriegt, ausgerechnet so einen hässlichen genommen haben.
Johannes Franke: Der arme Schauspieler.
Florian Bayer: Der Kommentar von Larry Clark war dann, naja, Jemand, der gut aussieht, hätte es nicht nötig, die ganze Zeit den Jungen hinterher zu rennen. Tim vielleicht. Leo Fitzpatrick hat das gesagt. Der übrigens keine Schauspielkarriere gemacht hat, Aber der immer noch ein bisschen spielt. Der hat einen richtigen Job. Also, er ist nicht nur Schauspieler, sondern hat auch einen richtigen Job.
Johannes Franke: Oh nein, out.
Florian Bayer: Aber er spielt hin und wieder. Und der scheint ganz gut durchgekommen zu sein. Der war aber auch ein bisschen so ein Outsider, weil der kam aus New Jersey. Der war kein Teil von dieser New Yorker Skater Clique. Und der hat Zu denen gehört, die dann da so plötzlich drin saßen und wo die Leute sich gefragt haben, hä, Die gehören doch gar nicht zu uns.
Johannes Franke: Was macht der denn hier?
Florian Bayer: Und mit Justin Pierce, der den Casper spielt, ist er wohl am Set auch nicht gut klar gekommen. Weil Justin Pierce war wohl ziemlich unzuverlässig. hat. Texte nicht gut gelernt, kamen teilweise unter Drogeneinfluss ans Set. Und die sind wohl ein paar Mal einander geraten.
Johannes Franke: Er hat sich auch zwischendurch Handgelenk gebrochen. Oder sowas. Ja, und kam dann mit Text.
Florian Bayer: Ja, genau. Und aber Leo Fitzpatrick hat auch gesagt, dass er, Danach haben Sie sich ganz gut verstanden und hatten wohl ein bisschen mehr Kontakt. Und als die Dreharbeiten rum waren, hatten sie wohl eine andere Beziehung, Irgendwie waren sie auf einem anderen Level zusammen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Kids von der Straße haben Harmony Corrine vorgeworfen, dass er, Nachdem der Film gedreht war, mehr und mehr aus ihrem Leben verschwunden ist. Und irgendwann nur noch vorbeigegangen ist. Und Heil gesagt hat, und sie keines Blickes mehr gewürdigt hat.
Johannes Franke: In dem Alter ist das aber auch so, oder? Also, ich würde das jetzt nicht überbewerten, das ist halt, du hast deine Interessen, Überlegungen, wo will ich hin im Leben und liebe Leute, Es war ein nettes halbes Jahr mit euch, aber ich muss dann mal weiterziehen, ist ganz normal.
Florian Bayer: Ja, der Film wurde von... Miramax, Was mit zu seinem Ruf, dass er ein bisschen Shady ist, gehört, was aber sehr weit her, sehr an den Haaren herbeigezogen fühlt, von Harvey Weinstein wurde er gekauft. Und zwar Miramax von Harvey Weinstein, wurde 1993 von Disney gekauft. Und die haben, Das war natürlich klar, dass der Film unter Disney nicht stattfinden kann. Und die waren aber so überzeugt davon, dass sie deswegen dann einfach ihre eigene Produktionsfirma gegründet haben, Um diesen Film an Disney vorbeizumachen. Und es hat sich auch für sie ausgezahlt. Dieser Film hat einige Beteiligte. Nicht die auf der Straße, aber einige Beteiligte Sehr reich gemacht. Es war Larry Clarks. Großer Durchbruch mit 50 quasi. Der war davor als Fotograf schon erfolgreich. Der hat seine Bücher verkauft. Der hat auch wirklich gelebt von seiner Kunst. Aber Kids war nochmal ein Push, der danach ja auch noch weiter Filme gemacht. Und Harmon and Corinne ist auch an dem Thema Hängen geblieben. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber der hat dann 2013, 2014, hat der den Film gemacht, Spring Breakers.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der wohl auch so Teenage, Lust und Drogenkonsum 2012 thematisiert. Und der vor allem durch die Presse ging, weil er Selena Gomez in der Hauptrolle hatte, die quasi sich damit zum ersten Mal freigespielt hat von diesem Disney-Image. Guckst du Selena Gomez?
Johannes Franke: Ja, ja, SAG Mir was.
Florian Bayer: Justin Bieber. Justin Bieber und Selena Gomez. Traumpaar. Schlecht hin. Und dann sind sie beide komplett abgerutscht. Geht auf seine Weise. Dadurch hat der Film so einen kleinen Skandal ausgelöst, weil er halt diese nette Disney-Prinzessin in einer wirklich harten Drogen... Sexrolle zeigt. Ich weiß es nicht, ich habe den Film nicht gesehen. Okay.
Johannes Franke: Auf der haben Seite hat der Film Finde ich auch noch die Kameraführung, muss ich sagen.
Florian Bayer: Die ist sehr gut.
Johannes Franke: Die ist schon wirklich gut. Die bringt diesen authentischen und diesen dokumentarischen Ansatz natürlich. rüber. Natürliches Licht, Du hast eigentlich aber trotzdem nicht das Gefühl von einer gritty, Digicam schlechten Dokumentarfilmsache, Sondern du hast wirklich eine gute Kamera, die hat. Wir haben gute Ideen dafür.
Florian Bayer: Sehr innervierend, sehr hektisch, sehr unruhig. Nicht so eine Shaky Cam, wie man sie aus neueren Filmen kennt, sondern auf eine andere Art unruhig.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und vor allem beklemmend, weil immer nah dran an den Personen und oft auch so im Menschengewühl. Wir haben ja Szenen in Räumen, wo sehr viele Kids aufeinander rumhängen. Zwischen den Körpern versucht die Kamera, sich irgendwie zu orientieren. Und wir versuchen uns auch irgendwie zu orientieren und gehen dabei hoffnungslos verloren.
Johannes Franke: Ja, also, das kriegt er schon gut hin. Also natürlich Die Authentizität dieses ganzen Machwerks ist natürlich beeindruckend. Auf allen Ebenen. INSOFERN ja, klar, richtig. Aber na gut, mein Problem, damit erkennst du. Ja,
Florian Bayer: also, ich glaube, ich kann ganz viel bei deinem Problem mitgehen. Ich sehe es halt vor allem in dieser Sex-Overall-Story Und die wäre nicht notwendig gewesen. Ich finde, der Film hat halt darüber hinaus genug auf der Haben-Seite. Musik? Großartige Auswahl.
Johannes Franke: Gute Auswahl, ne? Also fand ich auch tatsächlich. Das hat auch sehr geholfen, da, so reinzugehen, durch die Musik.
Florian Bayer: Das ist halt auch so diese 90er Skater Musik mit augame Plosion am Anfang und dann noch, so Daniel Johnston. Und dieses Casper The Friendly Ghost, was wirklich Makaber ist. Was dann ja auch von Casper nachher nochmal gesungen wird.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Oh man, Justin Pierce spielt die so gut.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, die spielen alle sehr, sehr gut. Das ist schon wirklich toll.
Florian Bayer: Gerade vor allem Justin Pierce, DER WAR ja... Das war wirklich einer von den Street Kids, der eine Rolle, Der war nicht so, der war kein Gewalttäter, der war ein bisschen schräg drauf, Der hat viele Drogen genommen, Der hatte wirklich einen riesigen Sack an Ballast mitgeschleppt. Von zu Hause. Aber der hat hier eine Rolle gespielt, die nicht, er ist. Deswegen finde ich es so beeindruckend, dass er wirklich diese Rolle saugut, spielt.
Johannes Franke: Ja, es ist ja wirklich einer derjenigen, wo man wirklich sagt, das ist wahnsinnig traurig, dass der nicht weiter spielen konnte. Der hätte, glaube ich, wirklich Karriere machen können.
Florian Bayer: Der hätte es schaffen können, der hat es ja auch fast geschafft, und dann war einfach, Ich glaube, diese Kombination, ein Kind zu verlieren, ist natürlich total. krass, ein tolles Erlebnis und dann, wenn du sowieso schon so ein emotional gebrochener Mensch bist, Ja, vor allem Chloe Sevigny und Rosario Dawson sind die, wirklich als Schauspielerin danach. Die Namen kennt man, glaube ich, auch nicht nur aus dem Indie-Kino. Also gerade Rosaria Dawson hat ja bestimmt auch mal einen Marvel-Film mitgespielt. Ohne es zu wissen, müsste ich jetzt googeln. Irgendwie ist es irgendwie ein Superheldenfilm. Moment. Was haben wir denn hier? Men in Black 2, Sin City. Noch sind wir nicht bei den Superhelden. Alexander. Moment, du hast doch in einem Superheldenfilm mitgespielt. Komm schon. Percy Jackson, fast. Komm, irgendeinen Marvel-Film finde ich in deiner Liste. Nee, kein Marvel. Wirklich nicht. Boba Fett, Star Wars, Das reicht, das ist genug. Boba Fett, Also Star Wars, Star Wars oder Marvel.
Johannes Franke: Okay. Ja, also, der Rest hat sich nicht so richtig in den Bereich dann umgetan, aber muss ja auch wirklich nicht. Also manchmal wird so davon geredet, ja, der hat es nicht geschafft. Und dann man denkt sich, ja, der ist halt Arzt geworden.
Florian Bayer: Vielleicht hat er es mehr geschafft.
Johannes Franke: Vielleicht hat er es mehr geschafft als Alan. Also, ja. Also, es hat nichts damit zu tun, ob man jetzt in der Filmkarriere weiter vorankommt oder nicht. Der Typ, der in der Dokumentation auftaucht, Der sah so aus, als hätte er seinen Shit richtig gut zusammengekriegt. Also, der war für mich wahnsinnig gut zu sehen. Und auch total sympathisch.
Florian Bayer: Ja, fand ich auch.
Johannes Franke: Super sympathisch.
Florian Bayer: Hamilton Harris, Der 20 war, als das Ding gedreht wurde und der in der Dokumentation sehr oft betont, dass er sich ausgebeutet gefühlt hat.
Johannes Franke: Ja. Und das ist ein Gefühl. Also klar können wir jetzt sagen, okay, so sind Filmproduktionen und so und muss man sich mit arrangieren. Und das war nur ein Projekt von Larry Klage. Und das nächste kommt dann halt als nächstes. Aber was wir am Anfang hatten, das ist halt ein Gefühl dieser Truppe oder einiger aus dieser Truppe.
Florian Bayer: Nein, ich nehme das auch total. ernst. Also, das muss man auch ernst nehmen. Und vor allem das, was sie dann erzählen, dass sie hatten, dann diese Premierenfeier, wo sie nur intern geguckt haben. Ja, stimmt. Sie haben feiert und gejubelt, wenn jemand auf der Leinwand zu sehen war. Und danach wurden ihnen Checks ausgehändigt.
Johannes Franke: 1000
Florian Bayer: Dollar. Sie haben einmal unterschrieben, dass sie nichts weiter darüber hinaus wollen. Und für die war das geil. Also ich meine 1000 Dollar wahrscheinlich. Sie hatten niemals so viel in ihrem Leben besessen.
Johannes Franke: Und die haben auch keine Ahnung, wie viel man für Sowas bekommen kann oder nicht kann oder sollte oder nicht, sollte. Und man kann doch den Decent Job machen, als Produzent, zu sagen, okay, Wir machen hier Beteiligungsgagen, wenn der Film über einen bestimmten Punkt hinaus Geld verdient. Das ist total üblich in bestimmten Kreisen. Sogar Netflix hat damit angefangen. Beteiligungsgagen. Wenn der Film so und so viele Zuschauer erreicht und damit so und so viel Geld einspielt, dann kriegst du nochmal Geld. Was ist so Fucking? Schwer daran?
Florian Bayer: Disney ist schuld.
Johannes Franke: Disney ist schuld.
Florian Bayer: Johannes, Wie viel hast du mich während des Schauens verflucht, dass ich dir den Film gegeben habe? Ja,
Johannes Franke: jede Minute. Also jede Sekunde eigentlich. Ist das der Plan gewesen, Flor? Na toll.
Florian Bayer: Okay. Und du würdest auch nicht sagen, dass es ein sehenswerter Film ist, ne?
Johannes Franke: Ich glaube, dass der Film vielleicht auch Einfluss hatte in eine bestimmte Richtung, die vielleicht nötig gewesen ist. Das kann ich mir noch vorstellen. Ich kann mir noch vorstellen, dass die Darstellung von Jugend in eine Sackgasse geraten, ist, damals. Und dass man deswegen so ein bisschen einen Befreiungsschlag brauchte. Und sagte, Leute, guckt euch die Jugend an und habt nicht eure. Seltsame Hollywood-Brille da drauf mit der Sicht auf die Jugend.
Florian Bayer: Ein sehr brutaler Befreiungsschlag.
Johannes Franke: Ja, Also, ich glaube... Hätte man vielleicht nicht in der Intensivität gebraucht, Aber er hat es getan und er hat damit etwas gebrochen, Was vielleicht auch gebrochen, gehört. Insofern, ja, Verstehe ich.
Florian Bayer: Das ist so versöhnlich, Das heißt, wir müssen jetzt erstmal zusammen rumhängen.
Johannes Franke: Ja, dann lass uns doch in unsere Top 3 gehen. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Rumhängen.
Johannes Franke: Wir hängen rum zusammen, Plor.
Florian Bayer: Wir wollen Filme oder Szenen, wo es um Rumhängen geht, wo Menschen rumhängen. Du hängst gerne rum, ne?
Johannes Franke: Hänge ich gerne rum? Ja, ich hänge wahnsinnig gerne rum, aber ich tue es nie.
Florian Bayer: Ich bin voll der Rumhäng-Fan.
Johannes Franke: Ich würde wahnsinnig gerne mehr rumhängen, vor allem, weil das ja auch einer der wichtigen Dinge ist, um kreativ tätig zu sein. Und wenn man zu viel arbeitet oder wenn man zu viel seinen Hirn mit Aufgaben vollballert, dann hat das Hirn keine Zeit mehr, rumzuhängen. Rumzuschavenzeln und einfach auf Ideen zu kommen.
Florian Bayer: Du hast nie gekifft, oder?
Johannes Franke: Nee, hat mich nie interessiert, so richtig. Du hingegen recht viel in Phasen? Nee,
Florian Bayer: das ist zu viel gesagt, aber normal. Ich glaube, ich habe für einen 16- bis 25- oder nee, eher bis
Johannes Franke: 30-Jährigen, wollte gerade sagen,
Florian Bayer: habe ich gekifft, Wie viele Menschen kiffen. Also nicht besonders viel, nicht besonders wenig, irgendwas dazwischen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich überlege gerade, wann ich das letzte Mal gekifft habe. Und das ist jetzt tatsächlich schon ein paar Jahre her. Krass, oder?
Johannes Franke: Ist es?
Florian Bayer: Ich glaube zu Corona-Zeiten irgendwann mal noch. Und das ist ja auch schon drei Jahre her. Ja, also. Dieses Jahr habe ich noch nicht gekifft. Aber es muss ja nicht nur ums Kiffen gehen. Ich habe auch tatsächlich gar keinen Kifferfilm drin. Ich bin gar nicht der Kifferfilm-Fan. Und ich habe nur noch einen anderen Menschen, der am Ehesten in die Richtung Kifferfilm geht. Aber sag du mal, was du hast.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz drei Coffee and Cigarettes.
Florian Bayer: Ja, geil. Genau, so habe ich mir das vorgestellt.
Johannes Franke: Jim Jarmusch, oder? Ja. Da sitzen die Leute einfach nur, und es ist ein Episodenfilm. Das heißt, wir haben keine wirklich abgeschlossene, in sich. Stimmige Handlung über den ganzen Film, Sondern es gibt einzelne Vignetten von Leuten, Die Kaffee und Zigaretten vor sich haben in einem Café, einer Kneipe. Eher Kaffee, eher. Ja, es ist schon eher ein Café. Und die sich einfach unterhalten.
Florian Bayer: Und starbesetzt, ne?
Johannes Franke: Richtig starbesetzt. Es ist großartig. Und man kann schon teilweise, Man muss den Film auch durchhalten können. Man muss auch sagen können, okay, Ich lasse mich jetzt darauf ein, dass ich leuten. Nur dabei zuhöre, wie sie einfach reden. Und ein paar abgefahrene Figuren dabei sind, Die seltsame Sachen erzählen, sehr weirde Sachen erzählen und andere, wo man sagt, ja, können wir vorspulen zur nächsten Geschichte. Also, es ist halt so ein... Ja, Mix. Und ich würde den irgendwann mal gerne mit dir besprechen.
Florian Bayer: Oh ja, geil. Müssen wir auf jeden Fall machen. Wir hatten schon ein paar Jim Jarmusch Filme. Du bist ja wirklich ein. Jim Jarmusch Fan. Ja,
Johannes Franke: ich habe in der Liste einen weiteren Jim Jarmusch Film.
Florian Bayer: Sehr schön. Mein Platz 3, Auch so ein bisschen Jarmusch inspiriert wahrscheinlich. Einer der großen, tollen Filme von Krita Gerwig und Noah Baumbach, die wirklich viele tolle Filme zusammen gemacht haben. Francis H., Wo es um eine, sie ist noch nicht 30, aber sie ist schon deutlich über 20. Um eine junge Single-Frau geht, die als undateable gilt. Und sich selbst so bezeichnet und auch von ihrem besten Freund so bezeichnet wird. Und die Halt irgendwie so ein Leben in New York macht, zwischen Tanzausbildung und Rumhängen mit Freunden und Partys. Und irgendwie in den Tag hinein leben. Ganz großartiger Film, vor allem dieses Slacker-Thema. Irgendwie gekonnt in die 2010er gerettet. Ja. Und dann auch noch eine Frau als großes Lecker Protagonistin. Toll, Toller Film.
Johannes Franke: Habe ich noch nicht gesehen, keine Ahnung. Ich habe auf Platz 2, den haben wir besprochen, Stand By Me.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Das ist, also wirklich, Ich konnte mit der Beschreibung nie was anfangen, bis du ihn mir gegeben hast. Diese Beschreibung von vier Jungs machen sich auf den Weg, eine Leiche zu finden, die angeblich auf der Bahnstrecke irgendwo zu finden, ist. Und ich dachte so, hä? Das ist eine Verfilmung von einer Geschichte von Stephen King. Was mich noch mehr verwirrt hat. Weil ich dachte, ist das jetzt ein Horrorfilm oder was? Mit vier Jungs, die, hä? Und dann ist das auch noch so ein Teenage oder Kinder in Richtung Teenage, Coming-of-Age-Drama. Und das passte alles nicht zusammen in meinem Kopf, was du so an Beschreibung ausgehauen hast. Bis ich den Film gesehen habe, und ich fand ihn großartig. Ja, Schöner Film. Toller, Toller Film.
Florian Bayer: Total schön.
Johannes Franke: Ja. Und es ist wirklich so, Vier Jungs machen sich auf den Weg und... Die ganze Dynamik, zwischen denen wird irgendwie klar. Jeder bekommt so ein kleines bisschen Background. Und wer kommt aus welcher Familie und wie sind die gelagert? Und wie passen die zusammen? Das ist wirklich sehr schön.
Florian Bayer: Ja, Toller Film. Mein Platz 2. Rumhängen in Tokio, Wenn man kein japanisch kann. Lost in Translation von Sofia Coppola mit Scarlett Johansson und Bill Murray. Die jeder aus seinem Grund, da gestrandet sind, Mehr oder weniger. Ja. Und irgendwie eine Nacht drum bringen müssen und dann gemeinsam abhängen. Und zum Karaoke Singen gehen und zusammen saufen und sich zusammen unterhalten und vor allem einfach nur zusammen rumhängen. Und das ganze 100 Minuten lang, aber total schön und herzerwärmend, ziellos.
Johannes Franke: Vielleicht auch mal ein Film für uns.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: das sage ich so oft und dann stelle ich das nie auf meine Liste. Jetzt mache ich hier endlich meine Liste auf und schreibe das hier einfach mal rein. So, muss man sehen, Podcast. Koffee und Cigarettes kommt da rein. Und lost in Translation. Übrigens, wenn Ihr wollt, schickt uns gerne Filmvorschläge. Aber ich glaube, den Jingle habe ich schon eingespielt, dass Ihr uns gerne was schicken, könnt.
Florian Bayer: Meistens spielst du den vor der Top-Liste ein. Ja,
Johannes Franke: ja, ja. Irgendwann, Ich bin immer so bei 50 Minuten, Marc. Da haue ich das immer so.
Florian Bayer: Und wir sind jetzt bei 1. Oh, ich bin schon fast bei 90.
Johannes Franke: Bin ich dran mit meinem Platz? 1? Ja. Jim Jarmusch, Only Lovers left Alive.
Florian Bayer: Oh shit, ja.
Johannes Franke: Der ist so gut, wie sie rumhängen. Sie sind Vampire und Sie sind unsterblich. Und was will man mit dieser ganzen Zeit anfangen, außer rumzuhängen? Musik zu machen oder zu hören, und irgendwie diese kulturelle Entwicklung dieser Menschheit so ein bisschen zu genießen. Und darin zu baden. Mehr oder weniger.
Florian Bayer: Sie sind so stylisch in ihrem Rumhängen.
Johannes Franke: So gut, das ist unglaublich. Also wirklich. Ganz, ganz toll. Tom Hiddleston. Ja. Was mich jedes Mal irritiert, dass Tom Hiddleston in diesem Film ist. Mit, mit, Wie heißt sie? Es fällt mir, Warum kriege ich die Namen heute nicht? raus?
Florian Bayer: Ich verwechsel Sie immer.
Johannes Franke: Tilda Swinton.
Florian Bayer: Tilda Swinton.
Johannes Franke: Mit Tilda Swinton noch dazu. Also, es ist wirklich eine tolle Mischung. Vampirfilme und die hängen halt einfach ab. Und natürlich gibt es irgendwie eine Geschichte, aber der ganze Film fühlt sich an wie so ein Kiffen. rumhängen. Ja. Obwohl ich nie gekifft habe, habe ich ein Gefühl dafür, wie das ist durch diesen Film.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist der OG Indie-Slacker-Film von KEVIN Smith-Clerks. Eine wirklich low, low, Low Budget-Produktion in Schwarz-Weiß, wo jemand in einem Kiosk rumhängt und sich mit Freunden unterhält. Und es passiert nichts vieles. Es ist das erste Auftreten von Jay und Silent Bob. Und Kevin Smith sollte noch einige großartige Indie... Komödien machen in den 90ern. Ich glaube, von dem gebe ich dir auch mal irgendwann, was. Am Ehesten wahrscheinlich Dogma.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dogma ist auch so ein schöner Film.
Johannes Franke: Ist fast schon ein Klassiker geworden.
Florian Bayer: Ja, irgendwie schon. Und dann können wir uns ganz viel über Religion unterhalten. Aber Clerks ist auf jeden Fall auch absolut sehenswert und großartiger Film wirklich.
Johannes Franke: Okay. Habe ich nie gesehen, ne? Also tatsächlich auch noch etwas, was auf meiner Liste fehlt. Auch eine Richtung, die ich normalerweise alleine nicht gehe.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber wenn es nur darum geht, was ich mir alleine zu Hause angucken würde, 50er Jahre Noir-Filme und Slapstick-Filme von Charlie Chaplin und Buster Keaton.
Florian Bayer: Auf keinen Fall. Shady, 90er Jahre, Teenager-Dramen.
Johannes Franke: Und damit gehen wir zurück in unseren Film.
Florian Bayer: Das war unsere
Johannes Franke: Top 3. Ah, tja, Plor, An der Stelle sagt man normalerweise, danke, dass Du mir den Film gegeben hast. Ich bin mir nicht sicher, ob ich so dankbar bin.
Florian Bayer: Es ist so wichtig, und lass mich dieses Plädoyer ganz am Schluss. Noch halten, So wichtig, dass dieser Film existiert. Und ich weiß, die Kritik ist hart mit ihm ins Gericht gegangen. Zu Recht. Dem Film wurde viel vorgeworfen, was er nicht verdient hat. Larry Clark wurde einiges vorgeworfen, was er verdient hat. Aber der Film schafft eine Authentizität, die unangenehm ist und deswegen lehnen, so Spießer, wie Johannes den Film auch ab. Weil sie mit dieser Authentizität nicht klarkommen.
Johannes Franke: Soll ich einmal sagen, dass ich ganz stolz auf uns bin, dass wir den ganzen Film über mehrmals das Wort Authentizität gesagt haben. Und zwar ohne zu stolpern. Ja. Wirklich beeindruckend.
Florian Bayer: Und Intensität, das vielleicht auch noch. Es ist ein intensiver Film. Und ja, es ist unangenehm. Vor allem für uns Erwachsene. Ja. Als Teenager sieht man den Film mit anderen Augen. Ich finde, Es ist sowohl für einen Teenager als auch für einen Erwachsenen ein sehenswerter Film. Und falls uns Teenager hören, Es ist natürlich ein Teenagerfilm, der 30 Jahre alt ist. Das heißt, sagt uns auch. Schreibt uns gerne, wie ihr, ob Ihr euch damit irgendwie noch verbunden fühlt oder ob das so? Die Teenager aus den 90ern sind, die ja jetzt alle Boomer sind und ihr damit überhaupt nichts anfangen, könnt.
Johannes Franke: Ja, also. Vielleicht möchte ich das auch Teenagern ein bisschen mehr zugestehen, diesen Film zu gucken und zu mögen als mir in meinem Alter. Oder dir, Plor.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Vielleicht. Vielleicht hätte ich den Film gar nicht vorgeschlagen, wenn ich nicht als Teenager geguckt habe. Aber er hat mir jetzt als Erwachsener auch nochmal viel gegeben. Vor allem auch diese Auseinandersetzung mit dem Frauenbild in der damaligen jungen Generation, die Halt jetzt. Die erwachsene Generation ist. Und diese perspektivlosen Teenager vielleicht nicht, Aber dieses Frauenbild gibt es ja auch in den Etagen der Macht. Und der Unterschied ist dann gar nicht so groß. Zwischen dem Frauenbild. Von denen, die da auf der Straße rumhängen und denen, die eher privilegiert waren. Zumindest wenn man sich anschaut, Wer heute an den Schaltern der Macht sitzt und 15 Kinder hat. Nee, doch 15 sind es, ne? Ja,
Johannes Franke: dürften 15 sein. Waren es 14, 15? Irgendwas in der Richtung. Hat er sie durchnummeriert? Er hat doch so komische Namen. Ja,
Florian Bayer: irgendwann, hat er gesagt, okay, jetzt gebe ich nur noch schräge Namen. Es ist leider nicht so witzig, wie es klingt. Nee, aber wirklich, Das ist das Frauenbild, was die heute 40-Jährigen, 50-Jährigen haben. Und das sieht man auch teilweise. Ja,
Johannes Franke: traurig. Ja, gut. Ich danke dir, Plor, nicht, dass du mir den Film gegeben hast, Sondern dass ich jetzt die nächsten drei Wochen keinen Sex haben werde, weil das einfach zu viel war für mich in diesem Film.
Florian Bayer: Oh Mann, Mir leid.
Johannes Franke: Und ja, wünsche dir noch eine schöne Woche. Ich werde mich rächen mit irgendwas. Yay! Euch interessiert, Was wir nächste Woche besprechen, dann bleibt noch kurz dran. Wir spielen nochmal den Jingle ein und dann besprechen wir, was es nächste Woche gibt.
Florian Bayer: Bis dahin.
Johannes Franke: Bis dahin. Ciao. Ciao. Ich hab euch alle aufs Glatteis geführt. Wir machen gar keinen Film von mir, sondern wir machen einen...
Florian Bayer: Zuschauerwunsch! Yay! Beziehungsweise in dem Fall einen Zuschauerinnenwunsch.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Liebe Melanie?
Johannes Franke: Hehe, Endlich ist es soweit. Ich weiß, du hast immer mal wieder nachgefragt, wie ist es denn? Macht Ihr den jetzt? Und jetzt ist es endlich soweit. Wir machen Perfect Days von Wim Wenders, der viel zu viele gute Filme gemacht hat, die wir nicht besprochen haben. Warum haben wir noch keinen einzigen Wim Wenders besprochen, Plor?
Florian Bayer: Soll ich ehrlich sein?
Johannes Franke: Weil du ihn nicht so gut findest.
Florian Bayer: Ich bin nicht der größte Wim Wenders Fan. Also, er hat, Wim Wenders hat einige Meisterwerke gemacht. Ja. Und dazwischen sehr viele Filme, die ich eher als Tröge bezeichnen würde. Und deswegen bin ich voll gespannt, Wie der Film ist.
Johannes Franke: Ich habe nicht sehr viele Filme von Wim Wenders gesehen. Ich habe Pina gesehen, was ich sehr großartig fand.
Florian Bayer: Den habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Und, wirklich toller Film. Und ich habe Himmel über Berlin gesehen und den fand ich gut.
Florian Bayer: Der Himmel über Berlin war toll. Ja. Aber zum Beispiel Alice in den Städten, also ja. Okay. Die Angst des Turmanns beim Elfmeter fand Ich war komplett... Nicht so gut wie die Vorlage, wie der Text.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Bis ans Ende der Welt war toll. Buena Vista Social Club war einfach nur nichtssagend. Million Dollar Hotel War cool. Okay, ich scrolle gerade durch. Ich habe das nicht alles im Kopf, sondern ich scrolle gerade durch seine Filmografie und Stelle fest, dass ich auch sehr viel von ihm nicht gesehen habe. Und vor allem habe ich von ihm aus jüngerem Datum nichts gesehen. Das letzte, was ich von ihm gesehen habe, war... Ja, dann sind wir schon irgendwie in den 2000ern. Mal gucken. Ein bisschen ein doller Hotel. War wirklich sein 25 Jahre alter Film? Das letzte, was ich von ihm gesehen habe.
Johannes Franke: Oh oh.
Florian Bayer: Geil, Ich freue mich. Perfect Days. Ganz frisch. 2023. Yes.
Johannes Franke: Wir haben endlich mal wieder was Aktuelles.
Florian Bayer: Und ich, ja, schön. Also, liebe Melanie, Nächste Woche reden wir über deinen Film. Ja. Euch da draußen, schaut euch Perfect Days von Wim Wenders an, Damit ihr Mitreden oder Mitdenken, könnt. Wir fragen das dann alles nach der Episode ab.
Johannes Franke: Nehmt euch bitte auf, wie Ihr, während ihr unsere Episode hört, Kommentare reinwerft.
Florian Bayer: Es gibt so viele Reaction-Videos. Wir mal einen Reaction-Podcast machen. Funktioniert das irgendwie?
Johannes Franke: Sollen wir auf unseren eigenen Podcast reagieren?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: wir müssen es hier machen. Hier da draußen.
Florian Bayer: Macht einen Reaction-Podcast. Zum Muss-man-sehen-Podcast.
Johannes Franke: Okay. Sehr schön. Viel Spaß damit. Wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dann. Ciao. Ciao.
