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Kategorie: Amerikanisches Kino

Episode 288: Falsches Spiel mit Roger Rabbit –

Roger Rabbit – der gezeichnete Star eine Cartoon-Serie – scheint in letzter Zeit bei den Dreharbeiten nicht mehr allzu konzentriert zu sein. Seine Frau, glaubt er, betrügt ihn. Spielt Patty Cake mit dem Chef der Produktionsfirma. Was gleichzeitig ein Euphemismus für Sex – und ein unschuldiges Abklatschspiel ist.
Als eben jener Chef der Firma tot aufgefunden wird, ist der eifersüchtige Ehemann Roger Rabbit der erste Verdächtige. Er beauftragt Eddie Valiant – einen alkoholabhängigen abgehalfterten Detektiven – um zu beweisen, dass er unschuldig ist. Eigentlich kann Eddie Toons nicht ausstehen, aber er hat ein Herz und hilft Roger Rabbit den eigentlichen Killer zu finden und entdeckt dabei auch den Toon, der seinen Bruder umgebracht hat.

Gleichermaßen Neo-Noir Thriller und Slapstickkomödie mit vielen liebevollen Anspielungen an Filme und Zeichentrick, die man sich so vorstellen kann, in einer Welt in der Cartoon-Figuren und reale Menschen so mühelos miteinander interagieren, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Zumindest wenn man sich vom Lachkrampf erholt hat.
Der Film ist mitnichten für Kinder gemacht, auch wenn man darauf geachtet hat, dass Kinder keinen Schaden nehmen. Aber die meisten Gags dürfte man nur als Erwachsener verstehen. Plor, hast du den Film als Kind gesehen, als er rauskam? Oder hast du den Film deinem Kind gezeigt? Ich brauche Insight, wie Kinder darauf reagieren.

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Episode 286: The Sound of Music – Dichtung und Wahrheit der Trapp-Familie. Oder: Warum in US-Musicals irgendwann immer Nazis auftauchen…

So sehr sich Maria auch bemüht, eine gute Nonne wird sie nie werden. Das bemerkt auch die Mutter Oberin und schickt die ADHSlerin zur Familie von Trapp, die eine neue Gouvernante für ihre sieben Kinder sucht. Marias loses Mundwerk bringt ihr Ärger, aber auch Anerkennung ein. Sie sorgt dafür, dass die Kinder ein Jahr nach dem Tod der Mutter endlich wieder Spaß haben, und übergeht damit mehr als nur einmal das strenge Regiment des Vaters.

Dieser lässt sich sein Herz nach und nach erweichen, vor allem weil Maria auch die Musik wieder ins Haus bringt. Musik, die, wie es zu jedem ordentlichen Musical gehört, zu keinem Zeitpunkt weiter als fünf Minuten entfernt zu sein scheint. Der Hausherr löst seine eigentliche Verlobung auf, um sich ganz Maria zu widmen; und auch die Kinder lieben sie über alles. Sie werden von einem Freund der Familie überredet, ihre Musikalität auf der Bühne auszuleben und alles scheint ein Happy End in Salzburg zu nehmen, das man schon auf 700 km aus Berlin hat kommen sehen.

Aber nein! Nein! Der Film nimmt hier eine düstere Wendung, um Tiefe zu erlangen!

Während im ersten Teil die Romanze zwischen Maria und dem Hausherrn beleuchtet wird, schlägt in der letzten halben Stunde die Nationalsozialistische Realität der end- 30er n aller Härte zu und die von Trapps beschließen über die Berge zu fliehen um nicht in die Hände der Nazis zu geraten.

Einige der berühmtesten Songs der Filmgeschichte kommen aus diesem Musical. Unter anderem ein Song der den Kindern Musiktheorie auf niedrigschwelligste Weise beibringt. Do Re Mi. Plor du hattest eine Anleitung zum singen. Kannst du s jetzt? Willst du uns diesen Song einmal zum besten geben?

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Episode 285: Die Reise ins Labyrinth – David Bowie und Jennifer Connelly spielen mit Puppen

Die Teenagerin Sarah ist genervt. Genervt von der Uhrzeit, zu der sie zu Hause sein muss, genervt von ihrer strengen Stiefmutter, und vor allem genervt von ihrem Stiefbruder Toby, dem lauten, quengeligen Windelträger, für den sie Babysitter spielen muss, weil ihre Eltern ausgehen. Also macht sie das, was man als 16 Jährige halt so macht, wenn ein Baby einem den Abend vermiest: Sie beschwört vor ihrem Spiegel den Goblin König, er möge doch bitte kommen und Klein Toby mit sich nehmen. Dumm nur, dass ihr Wunsch erfüllt wird: Der Goblin König Jareth taucht mit seiner Gefolgschaft tatsächlich auf und entführt kurzerhand den nervigen Babybruder. Die reumütige Sarah will Toby um jeden Preis zurückhaben und Jareth gibt er auch ihre Möglichkeit: Wenn sie es schafft innerhalb von 13 Stunden sein Labyrinth zu durchqueren, darf sie ihren Bruder wieder in die Arme schließen. Sarah gewinnt in dem Zwerg Hoggle, dem Trollriesen Ludo und dem Fox Terrier Sir Didymus Mitstreiter und macht sich auf den beschwerlichen Weg durch verwirrende Gänge, mit Händen gefüllte Höhlen, Stinkesümpfe und die Kobolstadt, während Jareth in seinem Schloss mit Toby und den Kobolden eine wilde Party feiert.

Die Reise ins Labyrinth aus dem Jahr 1986, der zweite große Jim Henson Fantasyfilm nach The Dark Crystal. Da dieser reine Puppenfilm ein großer Flop war, beschloss Henson für den Audience Appeal auch ein paar Menschen in dem Szenario zu platzieren, namentlich die Nachwuchsdarstellerin Jennifer Connelly und den Rockstar David Bowie… ihr wisst schon, Bowie in seiner 80s Form, die für alle Fans des Chamäleons zu seiner besten Schaffensphase zählt (Denn wer braucht schon eine Glamrock-Oper wie Ziggy Stardust oder eine Protopunk-Orgie wie Diamond Dogs, wenn er den süßen Synthpop von Tonight und Never let me down haben kann… aber ich schweife ab).

Johannes, ich weiß, du hast einen Bruder, der deutlich jünger ist als du. Hast du ihm auch als Teenager den Goblin King auf den Hals gehetzt und bist dann dreizehn Stunden durch ein Labyrinth geirrt, um am Ende auf Escher-Treppen gegen David Bowie zu kämpfen?

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Episode 283: Ein Königreich für ein Lama – Anarchie in Disneyland

Kusco – Der Herrscher eines alten Inka-Reiches findet sich in ein Lama verwandelt im Schlamm eines verregneten Waldes wieder. Wie konnte es DAZU kommen?

Er beteuert unschuldig zu sein und keine Fliege etwas zu leide tun zu können, aber wir merken schnell: dieser spätpubertierende Diktator ist das schlimmste was je einem Land passieren könnte: Ein Idiot, der nicht mal versteht, was er tut, als er seine Pläne offenbart, ein komplettes Dorf auszurotten um ein Disneyland dorthin zu bauen. Japp. Ein Disneyland als Evil-Plan in einem… Disneyfilm.

Also braucht es die faltige Yzma und den treudoofen Kronk, die ihn in ein Lama verwandeln, und dann den einfachen Lama-Hirte Patcha, der ihm zeigt, was es bedeutet, eine echte Verbindung zu einem anderen Lebewesen zu haben, um ihm das Leben zu retten und schließlich zurück in einen Menschen zu verwandeln. Diesmal einen mit echten Gefühlen, die über sein eigenes Ego hinausgehen.

The Emporer’s New Groove lebt vom Tempo und seinen überdrehten Figuren und markiert eine Abkehr vom „König der Löwen“-Drama hin zu einer Komödie mit einer Gagdichte, die es sicherlich vorher so nie gab und die auch später wieder seltener wurde. Für die Zuschauer im Jahr 2000 sicherlich ein bis zu Unkenntlichkeit verändertes Disney, was nicht sofort zum Erfolg geführt hat.

Plor, konntest und kannst du mit dieser 180 Grad-Wendung von Disney etwas anfangen?

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Episode 282: Masters of the Universe (1987) – He-Man, vom Actionspielzeug zum Dolph Lundgren

Achja, He-Man… euch Jungspunden sagt das vielleicht jetzt ziemlich wenig, aber für mich als Kind der 80er Jahre war das damals das Actionspielzeug schlechthin. Und so ist es auch nur zu logisch, dass sich Mattell irgendwann dachte: “Och, daraus können wir auch eigentlich nen Film machen.” Nur problematisch, wenn man relativ wenig Budget zur Verfügung stellt und sich mit der chaotischsten Produktionsbuzze in ganz Hollywood einlässt.

Die verlegen, um Geld zu sparen, das Geschehen kurzerhand vom fantastischen Planeten Eternia in das USA ihrer Zeit. Genau dort landen die Heroen He-Man, Teela und Duncan nämlich gemeinsam mit dem Schlüsselmeister Gwyldor, nachdem der böse Skeletor Schloss Grayskull eingenommen hat und die Zauberin in seiner Gefangenschaft hält. Um das Böse zu besiegen und Eternia zu retten brauchen unsere Helden einen kosmischen Schlüssel, der allerdings den Teenagern Julie und Kevin in die Hände fällt. Und das Böse ruht natürlich auch nicht. Skeletor weiß mittlerweile, wo sich seine Feinde und der Schlüssel befinden und schickt seine eigene Monsterschar los, um den Planeten Erde ordentlich aufzuwühlen.

Masters of the Universe aus dem Jahr 1987, eine Fish out of Water Geschichte, die relativ wenig mit der ursprünglichen Spielzeug- oder Zeichentrickserie gemein hat. Entsprechend negativ fielen die Kritiken damals wie heute aus. Und wisst ihr was? Ich versuche, euch und Johannes heute davon zu überzeugen, warum die alle Unrecht haben.

Aber first things first. Johannes hattest du als Kind der 80er Jahre aus dem Osten irgendwelche Anknüpfungspunkte an He-Man oder andere Actionfiguren?

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Episode 281: The Sixth Sense – The One Time M. Night Shyamalan Got Everything Right

Der Kinderpsychologe Malcolm Crowe bekommt eines Tages Besuch von einem ehemaligen Patienten, der völlig am Ende zu sein scheint. Er wirft ihm vor ihm nicht ausreichend geholfen zu haben, aber es bleibt ein kurzer Besuch, denn zwei Schüsse werden abgefeuert. Das Drama kocht kurz hoch… und schon müssen wir die Szenerie wieder verlassen. Wir springen in die Zukunft, wo der Kinderpsychologe auf einen jungen neuen Patienten wartet. Er hofft, mit diesem mehr Erfolg zu haben.

Das Kind redet wie ein Erwachsener, scheint Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen zu haben und sieht tote Menschen. Diese toten Menschen wissen nicht dass sie tot sind. Was sie nicht davon abhält, gruselig zu sein und das Kind gehörig zu traumatisieren. Der Kinderpsychologe braucht so seine Zeit dem Kind zu glauben, und wirft mit unglaubwürdigen Diagnosen um sich, bis er sich dem übernatürlichen ergibt und dem Kind das einzige rät was er halt als Psychologe zu tun weiß: „Hör dir die Sorgen der Geister an, seien sie noch so gruselig. Nur dann kannst du damit klarkommen.“

Und tatsächlich. Calvin und Hobbes gehen zu der Beerdigung eines verstorbenen Mädchens, das dem Kind verraten hatte, dass ihre Todesursache das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ihrer Mutter war. Dort klären sie ohne viel Brimborium den Fall und hauen wieder ab. So wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Das Kind muss sein bestes Leben leben. Und der Kinderpsychologe endlich verstehen (Achtung Spoiler!) dass er die ganze Zeit tot war und seiner Frau Lebewohl sagen muss. Was für ein Mic Drop am Ende. Uff.

So. Plor, ich habe ein paar fragen an dich. Aber das wichtigste als erstes: du als anglophiler Phonetikspezialist wirst jetzt ein für alle mal klären… wie spricht man diesen Titel aus??

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Episode 278: Amadeus – Oder: Die Ermordung des Wolfgang Mozart durch den Bösewicht Antonio Salieri

Bei einem Film der Amadeus heißt, würde man davon ausgehen, dass man sich einen dreistündigen Wikipedia-Artikel zum Leben von Wolfgang Amadeus Mozart anschauen muss. Dass es sich aber viel mehr um eine von Fakten unbeirrte psychologische Betrachtung von Mozarts Kontrahenten Antonio Salieri handelt, überrascht und ist der eigentlich Geniestreich. Salieri schließt als Jugendlicher einen Pakt mit Gott, dass er sein Talent diesem in den Dienst stellt, so lange er ihn zum großen Musiker macht. Dieser Pakt endet, als Salieri dem Wunderkind Wolfgang Amadeus begegnet und feststellen muss, dass diesem alles zufällt, was er sich so schwer erarbeiten musste.

Er schwört Gott ab und beschließt diese liederliche Kreatur – wie er den großen Komponisten nennt – zur Strecke zu bringen. Wir sehen also Mozarts Leben durch die Brille des neidischen und rachsüchtigen Antonio… der nicht so ganz dem historischen Komponisten Antonio Salieri entspricht, dafür aber einer der größten Schurken der Filmgeschichte ist.

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Episode 277: The Life of Chuck – Stephen King minus Horror plus Gefühl

Am Anfang des Films steht Kapitel 3: Die Welt geht unter. Und zwar so richtig: Das Internet fällt aus, Kalifornien wird vom Meer verschluckt, in Deutschland gibt es Vulkanausbrüche und irgendwann beginnt auch der Himmel sich nach und nach aufzulösen. Und dann sind da plötzlich über all diese Werbeanzeigen für den Buchhalter und seine Verabschiedung in den Ruhestand: “Charles Krantz – 39 großartige Jahre, Danke Chuck”. Sie tauchen auf Billboards auf, im Radio und im Fernsehen. In diesen schrägen Zeiten beschließt der High School Lehrer Marty seine Ex-Frau Felicia zu besuchen, um zum Ende der Welt bei ihr zu sein.

Kapitel 2: Chuck tanzt. Und zwar so richtig. Ohne zu wissen wieso, bleibt der Buchhalter auf einer Strandpromenade stehen, wo die Straßenmusikerin Taylor Drums spielt. Und er beginnt zu tanzen, zuerst allein, schließlich mit der jungen Janice, die gerade von ihrem Freund verlassen wurde. Kapitel 1: Chuck ist ein Kind und das Schicksal schlägt hart zu. Und zwar so richtig: Seine Eltern sterben beide bei einem Verkehrsunfall, und Chuck muss fortan bei seinen Großeltern leben. Aber er kommt gut klar mit den beiden alten Leuten: Von seinem Großvater lernt er alles über Mathematik und Buchhaltung. Und von seiner Großmutter erhält er erstklassige Lektionen im Tanzen und wird zum besten Tänzer seiner Schule. Aber es gibt ein Mysterium in dem Haus, in dem sie zusammen leben: Das Dachgeschoss in der viktorianischen Copula: Irgendetwas gibt es dort, was er auf keinen Fall sehen soll.

The Life of Chuck aus dem Jahr 2024: Drei Episoden, die sich um die Frage drehen: Wer ist dieser Chuck? In der ersten Episode ist er ein Mysterium, ein Rätsel. In der zweiten eine wundervolle Skurrilität. Und in der Dritten endlich ein Mensch. Ein komischer Film, vor allem weil er so simpel ist: Das vermeintlich große Mysterium am Anfang wird schon im ersten Drittel aufgelöst. Unbeholfen wird gegen Ende noch ein zweites Mysterium eingeführt. Aber daneben haben wir hier vor allem Feel Good Kino vor uns, und dann auch noch ausgerechnet auf einer Kurzgeschichte von Stephen King basierend.

Ich weiß doch auch nicht warum, aber irgendwie hat mich dieser Film berührt: Trotz seiner Naivität, seiner Sentimentalität, seinem kompletten Verzicht auf Zynismus. Vielleicht auch gerade deswegen… und doch schwanke ich. Ist das vielleicht zu viel… Kitsch?

Johannes, hilf mir!

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Episode 276: The Big Lebowski – Talkin‘ about the Dude

„Der Dude“ Lebowski hat keine Lust mehr auf die Proteste seiner Jugend in den 60ern und all den Shit. Er will einfach nur baden und bowlen. Ganz in Ruhe. Dass ihm da zwei Kleinkriminelle auf den Teppich pissen, ist zwar scheiße, aber auch davon hätte er sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wenn nicht Walter, sein Bowling Kumpel, ihn rein gequatscht hätte, der Sache auf den Grund zu gehen.

Da liegt nämlich eine Verwechslung vor. Die Teppich-Pisser waren eigentlich hinter einem anderen Lebowski hinter her. Einem Millionär. Der wiederum weigert sich den Teppich zu ersetzen, hat aber einen Auftrag für den Dude:
Er soll das Lösegeld einer Erpresserbande übergeben, um seine Frau nach einem Kidnapping wieder zu bekommen. Also die Frau vom Big Lebowski, nicht die vom Dude Lebowski.

Nach und nach erhärtet sich der Verdacht, dass sie Frau nichts von der Entführung weiß. Und auch nichts von einem abgeschnitten Zeh, der die Skrupellosigkeit der Entführer unterstreichen soll. Wie sich herausstellt, ist der Millionär pleite und will das Geld für sich. Seine Frau chillt einfach nur mit Freunden in Palm Springs.

Die tatsächlich existierenden Erpresser sind nur auf den Zug aufgesprungen, um Geld aus der Sache zu schlagen.
Ein Krimi ohne Krimi zu sein, ein Ermittler, der keiner sein will, ein Lehrstück ohne Lehre. Oder Plor?

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Episode 274: Hair (1979) – Love, Peace and two very different Opinions

New York, 1967. Peak Hippie! Im Januar hat ein großes Human Be-In San Francisco zum Zentrum des Hippietum gemacht, das Time Magazine veröffentlicht einen großen Leitartikel, der sich mit der Hippie-Kultur auseinandersetzt und Woodstock lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Und dann sind da diese beiden Broadway-Schauspieler, die ein Musical über die Bewegung machen. Hair popularisiert als vielleicht erstes großes Rock-Musical die Hippies, sorgt für so manchen kleineren und größeren Skandal und füllt die Hallen der Musiktheater. Ein ebenso überraschender wie folgerichtiger Erfolg.

Hollywood 1979. Der Vietnamkrieg ist vorbei, die Mansons haben Amerika schockiert, und die Hippiekultur hat lange Platz gemacht für Disco, Punk und Metal. Und dann ist da dieser tschechische Regisseur, Milos Forman, der das Musical Hair zehn Jahre nach dem Hippieboom von der Bühne auf die Leinwand holt. Die Songs behält er bei, aber der ursprünglich sehr losen, episodischen Handlung des Konzeptmusicals verpasst er eine dramaturgische Generalüberholung:

In seinem Film geht es um das amerikanische Landei Claude, der, bevor er eingezogen wird, ein paar Tage in New York verbringt. Dort trifft er auf die Hippie-Clique des charismatischen Berger und verliebt sich obendrein in Sheila, eine junge Frau aus besserem Haus. Die Hippies helfen ihm, die Aufmerksamkeit der Angebeteten auf sich zu ziehen und gemeinsam erleben sie eine Zeit von Sex, Drugs, Rock & Roll, Peace und Love. Bis die Realität – und das amerikanische Militär – Claude zurückfordern. Doch einen letzten Moment der Freiheit darf er vor seinem Trip nach Vietnam noch genießen, wenn Berger mit ihm kurz die Rollen tauscht und seiner statt im Militärlager spalier steht. Dumm nur, dass es genau in diesem Moment in den Krieg geht. Der unbeholfene Hippie muss nach Vietnam und am Schluss bleibt von ihm nur ein weißer Grabstein auf dem Soldatenfriedhof, wie es in dieser Zeit viel zu viele gab.

Ich habe Hair als junger Mann sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand gesehen. Und obwohl ich nie ein Hippie war, haben mich beide Versionen damals sehr bewegt, selbst über 20 Jahre nach der Peak-Hippie-Zeit. Johannes, hast oder hattest du irgendwann mal in deinem Leben einen Bezug zur Hippiekultur?

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