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Kategorie: Amerikanisches Kino

Episode 301: The Lighthouse – Halloween und Seemannsgarn

Ephraim Winslows Traum ist es, genug Geld zu verdienen, um sich eine kleine Hütte mit ein bisschen Land leisten zu können, und sich dort in Ruhe zurückzuziehen. In den 1890ern bedeutet das für einen einfachen Arbeiter, von einem potenziell gefährlichen Knochenjob zum nächsten zu ziehen.

Bei seiner Arbeit im Leuchtturm wird er von einer erbarmungslosen Natur und seinem hartgesottenen Kollegen Thomas schikaniert, aber er zieht es stoisch durch, soll es doch nach nur vier Wochen schon zu Ende sein. Doch ein Jahrhundertsturm verhindert seine schwer ersehnte Abfahrt und so beginnt ein Abstieg in die dunkelsten Ecken der Psyche beider Männer.

Als herauskommt dass Ephraims Vorgänger dem Wahnsinn verfallen gestorben ist, ahnen wir warum: Die Einsamkeit, die harte Arbeit, der unweigerliche Streit und der Aberglaube an übermächtige mystische Kreaturen macht den Männern zu schaffen. Eine Meerjungfrau liegt wie eine Sirene verführerisch auf den Klippen, Möwen scheinen reinkarnierte Seemänner zu sein und das Licht des Leuchtturms einen Sog zu haben der die beiden in erbitterten und tödlichen Konkurrenzkampf stürzt.

Ein Film, der von Seemannsgarn, von Mythen und Legenden lebt und toxische Männlichkeit als Vorhölle erzählt. Frei nach Sartre “Die Hölle sind die Anderen”.

Plor, was glaubst du welches Schicksal würden wir erleiden, 4 Wochen in einem Leuchtturm ohne Internet gefangen?

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Episode 299: The Room and the Disaster Artist (Tommy Wiseau Double Feature)

Tommy Wiseau ist ein Phänomen: Ein hagerer muskulöser Kerl, irgendwo zwischen Pirat und Vampir, mit langen schwarzen Haaren, die er sich regelmäßig färbt, einem nicht zu überhörenden osteuropäischen Akzent und einem ebenso exaltierten wie exzentrischen Auftreten. Der Nachwuchsschauspieler Greg Sestero lernt diesen schrägen Vogel Ende der 90er in einem Schauspielseminar kennen und es entwickelt sich eine ungewöhnliche und auch leicht toxische Freundschaft. Wiseau macht ein Geheimnis aus seinem Privatleben: Seinem Alter, seiner Herkunft, und vor allem daraus, wie er zu seinem unfassbaren Vermögen gekommen ist. Er ist besitzergreifend, egomanisch, hat kein Gespür für soziale Normen und die Grenzen anderer. Aber er kann auch großzügig, motivierend und charismatisch sein. Er vermietet Greg seine Wohnung in L.A. zu einem Spottpreis, pusht ihn in seinem Vorhaben, in Hollywood Fuß zu fassen, unterstützt ihn sowohl mental als auch finanziell.

Und schließlich engagiert Tommy Greg für seinen Debütfilm: Ein großes Projekt mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar. Wiseau ist Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller… und keine dieser Rollen beherrscht er auch nur Ansatzweise. Die Dreharbeiten werden zum puren Chaos, der Film der 2003 daraus entsteht – The Room – erarbeitet sich über die Jahre den Ruf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein.

In The Room geht es um den erfolgreichen Bankier Johnny – gespielt von Wiseau -, der in eine Krise gerät, als seine Verlobte Lisa ihn mit seinem besten Freund Mark – gespielt von Sestero – betrügt. In Sideplots sehen wir einen 15jähriger Waisenknaben (gespielt von einem fast 30jährigen Schauspieler), ein Footballspiel in schicken Anzügen, einen aggressiven Drogendealer, viele Rosen, noch mehr Stockfotos von Löffeln, Chicken Tscheep Tscheep Tscheep.. Und das alles umschreibt nicht mal ansatzweise, was so phänomenal an diesem Machwerk ist.

Zehn Jahre später wird Greg Sestero seine Freundschaft zu To,,my Wiseau und seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten in dem Roman “The Disaster Artist- My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made” verarbeiten. Und die Gang um Seth Rogen wird eben jenen Roman 2017 als The Disaster Artist verfilmen.

Zwei Filme besprechen wir also heute: Einen der mutmaßlich schlechtesten Filme aller Zeiten: The Room aus dem Jahr 2003, eine krude Mischung aus Erotikdrama, Thriller und What the Fuck. Und den Buddy Movie The Disaster Artist aus dem Jahr 2017, eine warmherzige Komödie über die Entstehung von The Room und die Beziehung seiner beiden wichtigsten Akteure.

Johannes, wir wissen beide: “So bad, it’s good!” ist ne Sache, die existiert. Und deswegen finde ich diese Einstiegsfrage durchaus berechtigt: Bei welchem von den beiden Filmen hast du dich besser unterhalten gefühlt?

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Episode 298: Project Hail Mary – Buddy Comedy in Space

Was macht man wenn man als Wissenschaftler eine wilde Theorie zu den Bausteinen des Lebens hat, die von der allgemeinen Wissenschaftswelt für unhaltbar gehalten wird? Ganz klar – man wird Grundschullehrer. Und Ryland Grace ist gerne Grundschullehrer, bis ihn ein Spezialkommando abholt, um ihn zu seiner unhaltbaren Theorie zu befragen. Er soll helfen, die Welt zu retten, die von sogenannten Astrophagen bedroht wird. Einem Organismus, der nach und nach die Sonne abdunkelt, weil er sich von ihrer Energie ernährt. Zumindest grob gesagt.

Als er in einem Raumschiff aufwacht, weiß er davon erst einmal nichts. Sein Kopf muss sich erstmal vom Bullshit-Coma erholen und erinnert sich erst nach und nach daran, wie er dort gelandet ist. Zu allem Überfluss sind seine Raumschiff-Buddys gestorben und er irrt alleine im Weltall umher. Weit weg von zu Hause. Bis er von einem Alien, das auch weit weg von zu Hause ist, eine Botschaft erhält, der Start einer interspezifischen Freundschaft.

Überraschend wissenschaftlich nachvollziehbar lernen sie die Sprachen des anderen zu verstehen und machen sich gemeinsam auf eine Mission. Die Erde und den Heimatplaneten von Rocky zu retten.

Ein Buddy-Movie-Science-Fiction Streifen mit Betonung auf Science – aber echter Science?

Plor, du als Astronomie-Profi.. wie würdest hier du die Fakten von Fiktion trennen?

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Episode 296: Swiss Army Man – Incels, Fart Jokes and the Meaning of Life

Hank ist gestrandet, er ist am Ende, er kann nicht mehr. Auf seiner einsamen Insel, die aussieht, als wäre sie von einem 4-Jährigen erdacht, beschließt er, sich umzubringen. Aber halt, da ist doch was! Was liegt denn da am Strand? Ein Mensch? Ach shit, der Typ ist tot. Eine angespülte Leiche. Der kann ihm nicht weiterhelfen. Oder etwa doch?
Die Leiche hat Blähungen, irgendwo müssen die Zersetzungsgase im Körper ja hin. Der Furz, der dann kommt, ist so massiv, dass Hank das Potential endlich sieht: er schiebt die Leiche ins Wasser, setzt sich darauf und nutzt die entweichenden Gase als Bootsantrieb. Uuund schon sind wir im Bereich des Fantastischen und das nutzt der Film schamlos aus. Nicht nur Furzt die Leiche, wann immer es nützlich ist, sie kann auch Trinkwasser speien, als Rasierapparat herhalten, Dinge in hohem Tempo aus seinem Mund schießen, den Weg mit seinem Peniskompass weisen und mit der Zeit… wieder reden. Da kommt wieder Leben in den Körper und wir sehen dabei zu, wie sich eine Freundschaft zwischen Hank und der Leiche Manny entwickelt. Da Manny sein Gedächtnis verloren hat, muss Hank ihm erklären, was das Leben so lebenswert macht. Gemeinsam suchen sie den Weg nach Hause, zurück in die Zivilisation, die, wie sich herausstellt, nur um die Ecke, eine Böschung entfernt auf sie wartet.

Ein massiv absurder, weirder Roadmovie, voller Jokes unter der Gürtellinie, aber auch viel Liebe für das Leben. Es geht um Scham, Außenseiterdasein und gesellschaftliche Normen.

Die Regisseure, die Daniels, haben den Film damals folgendermaßen verkauft: “Wir wollen einen Film machen, in dem der erste Furz dich zum Lachen bringt und der letzte zum weinen.” – Plor, hat das bei dir funktioniert?

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Episode 294: There will be Blood – Kapitalismus, Religion, Gier

Im Mittelpunkt von There will be Blood steht der unabhängige Unternehmer Daniel Plainview, der im frühen 20. Jahrhundert in den USA umherreist, um nach Öl zu bohren. Von einem gewissen Paul Sunday erhält er den Tipp, dass es in Kalifornien in einem kleinen Städtchen namens Little Boston noch ein riesiges, nicht erschlossenes Erdölgebiet gibt. Zusammen mit seinem Sohn H.W. gelingt es Daniel relativ schnell, den dort ansässigen Farmern ihre Grundstücke abzukaufen und Bohrtürme zu errichten. Sein ambitionierter Plan: Eine Pipeline, die direkt von den Türmen zum pazifischen Ozean führt, um unabhängig von Rockefellers Standard Oil und deren horrenden Transportpreisen zu sein.

Aber er stößt auch auf Widerstände: Pauls Zwillingsbruder, der evangelikale Pastor Eli Sunday, will ein Stück des Kuchens abhaben, sowohl monetär als auch spirituell. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich ein Zweikampf um Land, Seelen und die Deutungshoheit über Sinn und Zweck des amerikanischen Traums. Als schließlich HW bei einem Unfall seine Hörfähigkeit verliert und Daniels unbekannter Halbbruder Henry auftaucht, spitzt sich die Lage zu, und der prophetische Filmtitel findet seine Erfüllung: Es wird Blut fließen.

There will be Blood, Baby! Paul Thomas Anderson, der große Visionär und Sezierer des amerikanischen Traums, 2007 mit seinem wohl mainstreamtauglichsten Film: Ein opulenter Abgesang auf den Kapitalismus und die Religion im Amerika des 20. und vielleicht auch 21. Jahrhunderts. Und im Gegensatz zu Andersons vorherigen großen Filmen kein Ensemblestück, sondern ein Blick in die düstere Seele eines einzelnen leidenschaftlichen Menschens.

Johannes, was denkst du? Wie viel Daniel Plainview steckt in dir? Steckt in jedem von uns?

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Episode 291: Little Miss Sunshine und der amerikanische Traum

Die siebenjährige Olive hat eine Obsession für Schönheitswettbewerbe. Vor dem Fernseher ahmt sie die weinenden Gewinnerinnen nach und arbeitet selbst hart an einer Choreographie, die ihr bei Wettbewerben die Trophäe sichern soll. Ihr Opa Edwin hat sich des Kindes angenommen und verbringt viel Zeit damit, mit ihr im Keller zu üben und zu choreografieren. Dann kommt der unverhoffte Anruf: Olive kann als Zweitplazierte nachrücken, weil die Gewinnerin mit Diätpillen betrogen hat. Damit ist sie berechtigt, am bundesweiten Wettbewerb in JWD teilzunehmen. Da die Familie sich keinen Flug leisten kann, fahren sie mit ihrem klapprigen VW-Bus los, um auf einem Roadtrip allerlei Scheiße mitzunehmen: die Kupplung gibt den Geist auf, was bedeutet dass alle anschieben und aufspringen müssen, der Buchdeal des Vaters platzt, der Sohn entdeckt seine Farbenblindheit und muss seinen Traum als Jetpilot begraben – und der Großvater der Familie stirbt an Drogenmissbrauch. Von all dem will sich die Familie nicht abhalten lassen. Sie wollen Olive unbedingt den Wunsch erfüllen und schaffen es gerade so, sich in den Wettbewerb einzuschreiben.

Die Bühnenperformances der Kinder allerdings schlagen bei den Familienmitgliedern Alarm. Viel zu professionalisiert, viel zu perfektioniert und aufgehübscht ist die Welt der Kinderschönheitswettbewerbe. Olive ist keinem der bis zur Traumatisierung hochgezüchteten Kinder gewachsen. Olive will trotzdem auf die Bühne, und nun zeigt sich das Erbe des Großvaters: der Tanz des Mädchens gleicht der Stripshow eines billigen Sex-Schuppens. Das Publikum ist entsetzt, die Familie völlig überrascht. Aber in einem Akt der Solidarität kommen Vater, Mutter, Bruder und suizidaler Freund der Familie auf die Bühne und tanzen mit. Ein gemeinschaftlicher Mittelfinger an die toxische Professionalität der Wettbewerbsmaschinerie.

Zwar ist der Schönheitswettbewerb der Aufhänger, aber eigentlich sehen wir einer vermeintlich dysfunktionalen Familie dabei zu, wie sie zusammenwachsen und als Individuen zueinander finden.

Plor, ich habe unter massiven Schmerzen recherchiert, wie Schönheitswettbewerbe für Kinder und auch Erwachsene in Amerika und auch anderen Teilen der Welt aussehen. Bist du bereit, den amerikanischen Traum rituell auf dem Schlachtfeld der Beauty Pageants zu töten und deren Reste an die Proust und Nietzsche Fans dieser Welt zu verfüttern?

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Episode 290: Wolfen (Publikumswunsch)

New York, Anfang der 80er Jahre. Die Stadt ist im letzten Jahrzehnt gerade so der drohenden Insolvenz entkommen. Die Rettung lag – zumindest wenn es nach dem Neoliberalismus geht – in Revitalisierung und Redevelopment. Konkret: Vermeintlich heruntergekommene Stadtviertel werden abgerissen um neuen schicken Bauten Platz zu machen. Einer der prominentesten Investoren dabei ist der Immobilienmagnat Christopher Van der Veer. Als dieser eines Nachts zusammen mit seiner Frau und seinem Bodyguard ermordet wird, scheint die Sache ziemlich klar: Irgendwelche linksradikalen Terroristen müssen dafür verantwortlich sein.

Der ehemalige Ermittler Dewey Wilson wird daraufhin von der NYPD zurückgeholt, gemeinsam mit der Psychologin Rebecca Neff soll er den Fall aufklären. Schnell jedoch entdeckt Wilson, dass es wohl keine linken Terroristen sind, die für die Morde verantwortlich sind: Die Leichen wurden regelrecht zerrissen, es gibt keine Spuren irgendwelcher Waffeneinwirkung, stattdessen finden sich Wolfshaare am Tatort. Wilsons Ermittlungen führen zu einem alten indigenen Kult, in dessen Zentrum der Wolf eine große Rolle spielt: Zum Morden dressierte Tiere? Gestaltwandler? Werwölfe? Was wir hier vor uns haben, ist nicht sicher. Sicher ist nur, dass es alles andere als Menschlich ist. Und das Morden geht weiter.

Wolfen aus dem Jahr 1981, ein Horrorthriller aus einer Zeit, in der das Genre gerade einen kleinen Werwolf-Craze erlebte. Aber Obacht: Michael Wadleighs Vision ist weit weg vom europäischen Werwolfsmythos. Stattdessen vermischt er indigene Mythologie mit einem zynischen Blick auf die New Yorker Stadtentwicklung und einer ebenso ökologischen wie sozialdarwinistischen Botschaft. Und ob die Wölfe wirklich die Bösen sind, wird dann auch eher ambivalent beantwortet.

Johannes, was macht dir mehr Angst: Wölfe in der Wildnis oder Kapitalismus im urbanen Raum?

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Episode 288: Falsches Spiel mit Roger Rabbit –

Roger Rabbit – der gezeichnete Star eine Cartoon-Serie – scheint in letzter Zeit bei den Dreharbeiten nicht mehr allzu konzentriert zu sein. Seine Frau, glaubt er, betrügt ihn. Spielt Patty Cake mit dem Chef der Produktionsfirma. Was gleichzeitig ein Euphemismus für Sex – und ein unschuldiges Abklatschspiel ist.
Als eben jener Chef der Firma tot aufgefunden wird, ist der eifersüchtige Ehemann Roger Rabbit der erste Verdächtige. Er beauftragt Eddie Valiant – einen alkoholabhängigen abgehalfterten Detektiven – um zu beweisen, dass er unschuldig ist. Eigentlich kann Eddie Toons nicht ausstehen, aber er hat ein Herz und hilft Roger Rabbit den eigentlichen Killer zu finden und entdeckt dabei auch den Toon, der seinen Bruder umgebracht hat.

Gleichermaßen Neo-Noir Thriller und Slapstickkomödie mit vielen liebevollen Anspielungen an Filme und Zeichentrick, die man sich so vorstellen kann, in einer Welt in der Cartoon-Figuren und reale Menschen so mühelos miteinander interagieren, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Zumindest wenn man sich vom Lachkrampf erholt hat.
Der Film ist mitnichten für Kinder gemacht, auch wenn man darauf geachtet hat, dass Kinder keinen Schaden nehmen. Aber die meisten Gags dürfte man nur als Erwachsener verstehen. Plor, hast du den Film als Kind gesehen, als er rauskam? Oder hast du den Film deinem Kind gezeigt? Ich brauche Insight, wie Kinder darauf reagieren.

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Episode 286: The Sound of Music – Dichtung und Wahrheit der Trapp-Familie. Oder: Warum in US-Musicals irgendwann immer Nazis auftauchen…

So sehr sich Maria auch bemüht, eine gute Nonne wird sie nie werden. Das bemerkt auch die Mutter Oberin und schickt die ADHSlerin zur Familie von Trapp, die eine neue Gouvernante für ihre sieben Kinder sucht. Marias loses Mundwerk bringt ihr Ärger, aber auch Anerkennung ein. Sie sorgt dafür, dass die Kinder ein Jahr nach dem Tod der Mutter endlich wieder Spaß haben, und übergeht damit mehr als nur einmal das strenge Regiment des Vaters.

Dieser lässt sich sein Herz nach und nach erweichen, vor allem weil Maria auch die Musik wieder ins Haus bringt. Musik, die, wie es zu jedem ordentlichen Musical gehört, zu keinem Zeitpunkt weiter als fünf Minuten entfernt zu sein scheint. Der Hausherr löst seine eigentliche Verlobung auf, um sich ganz Maria zu widmen; und auch die Kinder lieben sie über alles. Sie werden von einem Freund der Familie überredet, ihre Musikalität auf der Bühne auszuleben und alles scheint ein Happy End in Salzburg zu nehmen, das man schon auf 700 km aus Berlin hat kommen sehen.

Aber nein! Nein! Der Film nimmt hier eine düstere Wendung, um Tiefe zu erlangen!

Während im ersten Teil die Romanze zwischen Maria und dem Hausherrn beleuchtet wird, schlägt in der letzten halben Stunde die Nationalsozialistische Realität der end- 30er n aller Härte zu und die von Trapps beschließen über die Berge zu fliehen um nicht in die Hände der Nazis zu geraten.

Einige der berühmtesten Songs der Filmgeschichte kommen aus diesem Musical. Unter anderem ein Song der den Kindern Musiktheorie auf niedrigschwelligste Weise beibringt. Do Re Mi. Plor du hattest eine Anleitung zum singen. Kannst du s jetzt? Willst du uns diesen Song einmal zum besten geben?

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Episode 285: Die Reise ins Labyrinth – David Bowie und Jennifer Connelly spielen mit Puppen

Die Teenagerin Sarah ist genervt. Genervt von der Uhrzeit, zu der sie zu Hause sein muss, genervt von ihrer strengen Stiefmutter, und vor allem genervt von ihrem Stiefbruder Toby, dem lauten, quengeligen Windelträger, für den sie Babysitter spielen muss, weil ihre Eltern ausgehen. Also macht sie das, was man als 16 Jährige halt so macht, wenn ein Baby einem den Abend vermiest: Sie beschwört vor ihrem Spiegel den Goblin König, er möge doch bitte kommen und Klein Toby mit sich nehmen. Dumm nur, dass ihr Wunsch erfüllt wird: Der Goblin König Jareth taucht mit seiner Gefolgschaft tatsächlich auf und entführt kurzerhand den nervigen Babybruder. Die reumütige Sarah will Toby um jeden Preis zurückhaben und Jareth gibt er auch ihre Möglichkeit: Wenn sie es schafft innerhalb von 13 Stunden sein Labyrinth zu durchqueren, darf sie ihren Bruder wieder in die Arme schließen. Sarah gewinnt in dem Zwerg Hoggle, dem Trollriesen Ludo und dem Fox Terrier Sir Didymus Mitstreiter und macht sich auf den beschwerlichen Weg durch verwirrende Gänge, mit Händen gefüllte Höhlen, Stinkesümpfe und die Kobolstadt, während Jareth in seinem Schloss mit Toby und den Kobolden eine wilde Party feiert.

Die Reise ins Labyrinth aus dem Jahr 1986, der zweite große Jim Henson Fantasyfilm nach The Dark Crystal. Da dieser reine Puppenfilm ein großer Flop war, beschloss Henson für den Audience Appeal auch ein paar Menschen in dem Szenario zu platzieren, namentlich die Nachwuchsdarstellerin Jennifer Connelly und den Rockstar David Bowie… ihr wisst schon, Bowie in seiner 80s Form, die für alle Fans des Chamäleons zu seiner besten Schaffensphase zählt (Denn wer braucht schon eine Glamrock-Oper wie Ziggy Stardust oder eine Protopunk-Orgie wie Diamond Dogs, wenn er den süßen Synthpop von Tonight und Never let me down haben kann… aber ich schweife ab).

Johannes, ich weiß, du hast einen Bruder, der deutlich jünger ist als du. Hast du ihm auch als Teenager den Goblin King auf den Hals gehetzt und bist dann dreizehn Stunden durch ein Labyrinth geirrt, um am Ende auf Escher-Treppen gegen David Bowie zu kämpfen?

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