Episode 251: It Follows – Von zwei Podcastern, die auszogen, das Fürchten zu lernen…
Manche Filmhandlungen lassen sich extrem schnell zusammenfassen. So auch die von It Follows aus dem Jahr 2014: Die 19jährige Jay hat Sex mit Jay. Anschließend entführt er sie, um ihr zu zeigen, was sie sich damit eingehandelt hat. ES ist jetzt hinter ihr her. Es kann nur von ihr gesehen werden, es kann die Gestalt von allen möglichen Menschen annehmen, es bewegt sich unnachgiebig in Schrittgeschwindigkeit zu… und ES will sie töten. Die einzige Möglichkeit es loszuwerden, besteht darin, den Fluch durch Sex weiterzugeben.
Was folgt, sind 100 enervierende Minuten: Angst, Paranoia, permanente Flucht und schließlich der Kampf gegen diese abnorme Entität. It Follows bewegt sich dabei irgendwo zwischen Post Horror Metafilm und vagem Alptraum: Ohne klare zeitliche Verortung mit vielen Reminiszenzen ans 80er Slasher Kino, mit parabolischer Schärfe… vor allem aber mit einer sich nie ganz auflösenden Grundunsicherheit.
Johannes, hast du dich gefürchtet?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 251: It Follows – Von zwei Podcastern, die auszogen, das Fürchten zu lernen… Publishing Date: 2025-10-22T08:27:46+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/10/22/episode-251-it-follows-von-zwei-podcastern-die-auszogen-das-fuerchten-zu-lernen/
Florian Bayer: Wir sehen einfach einen leeren Highschool-Flur, der durchleuchtet wird.
Johannes Franke: Es gibt uns halt die Möglichkeit, die ganze Zeit zu suchen, wo das Monster ist. Genau. Das ist es.
Florian Bayer: Es ist ja für mich nichts anderes als ein großes Wes Waldo. Wenn es Folter gibt, gibt es Schmerz und Wunden. Körperliche Qual und all das lenkt den Geist vom seelischen Leiden ab, sodass man nur durch die Wunden gequält wird bis zum Moment des Todes. Doch die schrecklichste Qual liegt vielleicht nicht in den Wunden selbst, sondern in dem sicheren Wissen, dass innerhalb einer Stunde, innerhalb von zehn Minuten, innerhalb einer Minute, innerhalb einer halben Minute, jetzt in diesem Augenblick deine Seele deinen Körper verlassen wird und du kein Mensch mehr sein wirst und dass das gewiss ist. Das Schlimmste ist, dass es gewiss ist.
Johannes Franke: Flo, ich muss mal kurz auf Toilette. Ich schlafe gleich in die Hosen.
Florian Bayer: Und damit herzlich willkommen zu einer weiteren Episode des Muss-Man-Fürchten-Podcasts, wo wir versuchen, Johannes Angst zu machen mit Horrorfilmen.
Johannes Franke: Es ist Spooktober!
Florian Bayer: Yeah! Halloween-Monat! Immer noch Halloween-Monat. Wir haben gerade festgestellt, unsere... Vierte Halloween-Episode in diesem Jahr.
Johannes Franke: Ja, und wir haben ja fünf vor uns, weil dieser verdammte Monat leider fünf Möglichkeiten bietet und nicht nur vier.
Florian Bayer: Weil der Horror einfach nicht enden will.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und heute bewegen wir uns im aktuellen Horror-Kino. Auch gar nicht mehr so ganz aktuell, in den zehn Jahren. Ja. Aber zumindest in dem Kino des sogenannten Post-Horrors. Wovon der Film, über den wir sprechen werden, ein kleiner Vorreithauch ist, It Follows aus dem Jahr 2014.
Johannes Franke: Ich glaube, man könnte noch sagen, wir sind late to the party.
Florian Bayer: Wir sind late to the party, aber zumindest dieses Subgenre des Subgenres existiert ja immer noch und produziert immer noch jedes Jahr erstaunlich gute Filme. Und in den 2010ern hat Horror irgendwann angefangen, wieder relevant zu werden, nachdem wir uns durch sehr viele Saws und Hostels quälen mussten.
Johannes Franke: Aber was kommt dann als nächstes, frage ich mich gerade, wenn wir sagen, das existiert noch, das ist unser aktuelles Subgenre vom Subgenre?
Florian Bayer: Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe das Gefühl, es gibt auf jeden Fall wieder so einen Gothic-Horror-Revival.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Jetzt mit dem neuen Nosferatu.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Bei dem wir auch letzte Woche kurz gesprochen haben.
Johannes Franke: Und während wir hier reden, kommt auch Frankenstein raus und wir hatten leider noch keine Möglichkeit, da reinzugehen, weil noch ist er nicht im Kino, ganz knapp nicht. Ich wollte ihn gerne hier im Horror-Monat hineinquetschen. ging jetzt zeitlich leider nicht.
Florian Bayer: Vielleicht besprechen wir nächstes Jahr in so einer kleinen Retrospektive. Aber dieses Gothic Revival ist, glaube ich, auf jeden Fall ein Ding. Auch wieder so prachtvolle Kostüme, große Settings, große Themen über Leben und Tod.
Johannes Franke: Historisch, historisch akkurat dank Eggers.
Florian Bayer: Genau. Das ist vielleicht das Nächste. Und Eggers kommt ja auch irgendwie, Eggers kommt ja auch aus dieser Post-Horror-Ecke und hat sich aber auch so ein bisschen davon entfernt und auch ein bisschen weiterentwickelt, könnte man sagen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Heute reden wir über It Follows und darum geht es. Manche Filmhandlungen lassen sich extrem schnell zusammenfassen. Die 19-jährige Jay hat Sex mit Jeff. Ich muss den Satz nochmal lesen. Ich habe geschrieben, sie hat Sex mit Jay. Das ist kein Masturbationsfilm.
Johannes Franke: Warum eigentlich nicht? Schade.
Florian Bayer: Er nennt sich Jeff.
Johannes Franke: Das wäre doch die Lösung.
Florian Bayer: Nee, Hugh nennt er sich, als er sie kennenlernt. Ja,
Johannes Franke: Hugh.
Florian Bayer: Die 19-jährige Jay hat Sex mit Hugh. Anschließend entführt er sie, um ihr zu zeigen, was sie sich damit eingehandelt hat. Es ist jetzt hinter ihr her. Es kann nur von ihr gesehen werden. Es kann die Gestalt von allen möglichen Menschen annehmen. Es bewegt sich unnachgiebig, in Schrittgeschwindigkeit, immer auf sie zu. Und es will sie töten. Die einzige Möglichkeit, es loszuwerden, besteht darin, den Fluch durch Sex weiterzugeben. Was folgt, sind hundert innervierende Minuten. Angst, Paranoia, permanente Flucht und schließlich der Kampf gegen diese abnormale Entität. It Follows bewegt sich dabei irgendwo zwischen Posthorror, Metafilm und vagem Albtraum. Ohne klare zeitliche Verortung, mit vielen Reminiscenzen ans 80er Slasher-Kino, mit parabolischer Schärfe, vor allem aber mit einer sich nie ganz auflösenden Grundunsicherheit. Johannes, habe ich es endlich geschafft, einen Film zu finden, der dir ein bisschen Angst macht? Hast du dich gefürchtet?
Johannes Franke: Ich war in Bulgarien, in einem Hotelzimmer, alleine und habe diesen Film geguckt. Oh, was für ein großartiges Setup für diesen Film. Ist das gemein. Und die ganze Zeit habe ich dich verflucht. Ich kann mit Re-Animator klarkommen, weißt du, das ist lustig, es macht Spaß. Hier, was war der andere Film, den ich nicht lustig genug fand, den du aber so lustig fandest? Evil Dead 2. Der war furchtbar, ich konnte mich darauf beaufregen. Der hier war einfach gruselig und gut. Scheiße, Mann, warum? Ja,
Florian Bayer: ich habe das Gefühl, es ist sauschwer, einen Film zu finden, bei dem du dich gruselst. Ja,
Johannes Franke: tatsächlich, wirklich. Also vor allem, weil ich eine starke Abwehrreaktion habe, wenn es auch nur ein bisschen schlecht ist, weil ich dann sofort sage, nee, ist alles scheiße und so. Und der war einfach wirklich... durchgängig so, dass ich gedacht habe, ich will auch nicht aufstehen, um auf Toilette zu gehen. Ich will gar nichts mehr machen. Das war schon echt doof. Und ich war übrigens in Bulgarien, nur um dir das schnellstens noch zu sagen, sonst vergesse ich es nämlich wieder. Ich habe dir was mitgebracht. Oh ja, Bulgarien. Bulgarische Andenken. Weil wir immer die Tradition haben, dass wir uns etwas von einem Anreise- oder Abreiseort, nämlich Flughafen oder Bahnhof oder sowas. möglichst Trashiges kaufen. So richtig Trashiges habe ich nicht gefunden. Das ist ein tatsächlich relativ traditionell bemaltes und gefertiges Töpfchen mit Honig drin. Das ist viel zu hübsch für diese Challenge. Also komplett themaverfehlt, setzten sechs, aber geil. Vielen Dank. Gerne geschehen. Ja, it follows, it follows. Was macht diesen Film so unheimlich? Es knüpft an die Angst an, die wir alle haben. Also der Tod kommt unaufhaltsam. Und der wird einfach, du kommst da nicht von weg. Das ist halt so.
Florian Bayer: Und er kommt schleichend.
Johannes Franke: Und er kommt schleichend.
Florian Bayer: Und er könnte überall sein.
Johannes Franke: Ja, er kann überall sein. Also natürlich ist das vor allem deswegen gruselig. Man kann es auch ungruselig inszenieren. Man kann auch ungruselig einen Film darüber machen, dass der Tod nun mal kommen wird. Ganz schleichend. Aber der macht einfach in jeder Szene dieses Setup allein, dass du eine Person im Hintergrund siehst und jedes Mal die ganze... Zeit den Hintergrund abscannst nach Personen, die gefährlich sein könnten. Das ist so gut, das Konzept allein macht das schon, dass das so gut gemacht ist. Und dann hat er auch noch ganz viele Totalen. Also er hat sozusagen die Kamera auch noch so darauf ausgerichtet, dass du die ganze Zeit Hintergrund siehst, den du abscannen kannst. Und es ist wirklich gut gemacht.
Florian Bayer: Diese brutalen Totalen von, um mal den Regisseur und den Kameramann zu nennen. Regie ist David Robber mit Robert Mitchell, der hat auch das Drehbuch geschrieben und hatte auch die Idee zu dem Film. Und Kamera ist Mike Giolakis. Und sie, die beide haben wohl, als sie sich unterhalten haben, darüber, wie der Film aussehen soll, festgestellt, dass sie beide riesige Fans von Gregory Crutzen sind.
Johannes Franke: Ja, kennst du Gregory Crutzen?
Florian Bayer: Ich kannte ihn vorher nicht und ich habe mir dann Bilder von ihm angeschaut. Was für geile Bilder!
Johannes Franke: Ich bin total enttäuscht von dir. Du hast von mir ständig davon gehört. Ich habe dir Gregory Crutzen die ganze Zeit um die Fresse... Das gibt es ja wohl nicht. Das tut mir so leid. Ich bin echt nicht so der große Fotografie-Typ. Ich habe ein Buch hier liegen. Das könnte ich dir einmal links und rechts... Das gibt es ja nicht. Du hast jedes Recht dazu. Was für geile Fotos und was für klasse,
Florian Bayer: beklemmende Fotos, trotz der Weite, die sie darstellen.
Johannes Franke: Ja, richtig, richtig gut. Meistens so amerikanische Vororte, die eine Einsamkeit darstellen. Also mit einer Art und Weise, mit Lichtsetzung sehr gut gemacht und auch so ein bisschen surreal teilweise, weil er auch so Häuser unter Wasser setzt, um dann Leute darin floaten zu lassen und so. Er macht wirklich ganz, ganz tolle Bilder.
Florian Bayer: Es sind hyper inszenierte Fotos. Er platziert die Menschen auch fast wie Puppen in den Bildern, obwohl es Dinge sind, die Interaktionen teilweise zwischen Menschen zeigen, wegen sie extrem statisch. Also man hat kein Gefühl von einer Bewegung. davor oder danach. Man hat kein Gefühl von Zeit. Auch weil es so, auch was wir in diesem Film haben, weil es so was Zeitloses hat, weil du nie genau weißt, ist das jetzt in 50er Jahre vor Ort, ist das in 80er Jahre vor Ort?
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und dann hat es immer diesen leicht verstörenden Aspekt, weil die Menschen so ein bisschen verletzlich aussehen.
Johannes Franke: Ja, total. Wie sie teilweise vor Spiegeln stehen. Man sieht keine richtige Regung, aber man hat echt das Gefühl, die sind alle depressiv.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Durch Spiegel der Gesellschaft. ihr Umfeld, wenn da eine ganze Familie am Frühstückstisch sitzt. Keiner hat mit dem anderen zu tun. Und alle sind depressiv. Es ist wirklich sehr krass.
Florian Bayer: Radikale Isolation. Und das haben wir auch in dem Film. Also wir haben hier ganz viele Themen, die so aufgegriffen werden und die vor allem durch die Bildsprache vermittelt werden. Genau, sie haben es wirklich geschafft, die Essenz dieser Fotografien auf die Leinwand zu bringen. Wir haben diese totalen, diese Panoramaaufnahmen, wo du halt nach rechts guckst, nach links guckst und dann siehst du nochmal eine verschwommene Figur im Hintergrund. Und guckst genauer, ist es ein Passant, ist es irgendwie ein halbnackter, komischer Typ?
Johannes Franke: Ja, aber man muss sagen, durch die Umwandlung in einen Film passieren schon noch Sachen mit den Bildern, die Gregory Crewson so nicht abbildet. Also nicht, dass es ein Potenzial entfaltet, was Gregory Crewson nicht kann. Sondern es entfernt sich einfach von Gregory Crutzen ein bisschen. Sodass ich beim Gucken nicht sofort daran gedacht habe und erst in der Recherche drauf gestoßen bin. Und ich bin großer Gregory Crutzen Fan. Das heißt, wenn er wirklich so 100% drin gewesen wäre, hätte ich es wahrscheinlich bemerkt. Aber er hat sich schon auch ein bisschen davon entfernt.
Florian Bayer: Ich finde, was man halt merkt, ist auch so dieser Vereinsamungsaspekt.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Dieses Gefühl von Isolation, obwohl Menschen da sind.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und dieses Gefühl von traumhafter, eher albtraumhafter Zeitlosigkeit. Wir haben keine Ahnung, wo dieser Film verortet ist, in welcher Zeit. Sie sitzen die ganze Zeit vor den klassischen Röhrenfernseher und gucken wirklich alte Schwarz-Weiß-Filme. Aber dann hat Yara, eine von den Freundinnen von Jay, ein ganz merkwürdiges Device in der Hand, was in gar keine Zeit passt, aber halt doch am ehesten in die iPhone-iPad-Ära.
Johannes Franke: Ja, die so ein bisschen wie so eine Muschel aussieht. Und da drin kann man irgendwie, sie liest doch so jetzt jeder drin.
Florian Bayer: Es ist ein E-Reader, der wie eine Muschel aussieht und es wäre ohne Probleme technisch umsetzbar in unserer Zeit, so ein Device zu erschaffen, aber es gibt einfach nicht ein solches Device.
Johannes Franke: Sie haben es gebaut aus so einem Ding, aus den 60ern. Das ist ein Original 60er Schminkdingens gewesen und das haben sie umgebaut. Total süß.
Florian Bayer: Ja, dann haben wir Autos aus verschiedenen Zeiten. Wir haben alte 80er Autos, wir haben alte 50er Autos. Wäre dieses eine Device nicht, würde man grundsätzlich sagen, es fühlt sich irgendwie nach Vergangenheit an?
Johannes Franke: Ja, ja genau.
Florian Bayer: Aber dann haben wir natürlich auch noch die Kleidung, die zum Beispiel was sehr Zeitgenössisches hat.
Johannes Franke: Es ist sehr diffus und ich finde es total schön. Also es ist tatsächlich von vielen Leuten, wo ich jetzt nachgelesen habe, ein bisschen in andere Podcasts reingehört habe und so. Viele Leute halten das für einen Makel. Es gibt wirklich viele Leute, die sagen, das ist irgendwie doof, ich kann mich nicht richtig einsortieren und so. Und ich finde es so gut. Ich freue mich total darüber. Es sind auch Anachronismen und du hast das Gefühl, okay, das ist eine völlig unbestimmte Zeit.
Florian Bayer: Es macht einfach diesen diffusen Angstraum auf. Auch dass Menschen, also wir haben unsere ProtagonistInnen, die sich auch miteinander unterhalten, die interagieren oder so. Aber ansonsten findet sehr wenig Kontakt zu einer Außenwelt statt. Wir sehen keine Eltern. Die Eltern von diesen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen sind nicht präsent, obwohl sie über sie reden, obwohl sie irgendwie thematisiert werden. Wir sehen ganz oft Autoritätspersonen nur so im Anschnitt, ohne Gesichter zu sehen.
Johannes Franke: So Tom und Jerry mäßig.
Florian Bayer: Ja, so ein bisschen. Man hat so das Gefühl, die sind auf sich gestellt und sind in ihrer eigenen Welt. Und das sind ja auch wieder so Urängste, die getriggert werden, dass du alleingelassen bist.
Johannes Franke: Ja, du hast keinen Halt. Ich finde es auch total gut. Und auch das ist ein Kritikpunkt, der ganz oft kommt. Dass das unrealistisch sei, dass da keine Eltern sind. Und was ich noch viel geiler finde, es geht ja gar nicht nur um die Eltern, sondern selbst in den Szenen, wo ein Haufen Erwachsene sein müssten. Zum Beispiel im Krankenhaus.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Da sind ja kaum Krankenhausangestellte. Vielleicht mal im Hintergrund läuft mal jemand lang oder sowas. Aber die sind so alleingelassen, selbst in den Bereichen wie so einem Krankenhaus, die ganz offiziell sind, wo definitiv ein Haufen solcher Leute rumlaufen müssten. Und das ist ja eine bewusste Entscheidung und nicht irgendein Huch ist mir passiert oder sowas, sondern das ist eine klare Entscheidung und das finde ich total gut.
Florian Bayer: Ja, sie haben keinerlei Hilfe und was ganz spannend ist, das ist natürlich ein sehr großer Rückgriff auf das 80er Jahre Kino, dass die Kids... die alleingelassen sind von den Erwachsenen, irgendwann sagen, Dann lösen wir das selbst. Wir müssen das anpacken. Und hier machen sie es so, wie Kids das eigentlich machen würden. Nämlich mit einem total dämlichen Plan,
Johannes Franke: der sie fast umbringt. Also so richtig dämlich habe ich ihn gar nicht wahrgenommen beim Gucken. Vielleicht im Nachhinein, wenn man so drüber nachdenkt, denkt man, vielleicht hätte man auch noch eine andere Idee haben können, wenn man so länger drüber nachdenkt. Aber während des Guckens habe ich den nicht als so dämlich wahrgenommen. Aber der Regisseur selbst hat gesagt, es ist absichtlich der dümmste Plan, der ihm einfällt, weil es nun mal jugendliche Kinder oder so auf der Schwelle sind. Und das ist nun mal so. Es ist einfach so unbeholfen.
Florian Bayer: Also auch grundsätzlich, wie sie versuchen, die Probleme, die sich auftun, zu lösen, ist mir immer unbeholfen.
Johannes Franke: Ja, wie der eine in der Gegend rumschießt dann in diesem... Ja, am Ende. Ja, aber das passt voll. Es ist wirklich folgerichtig für die Figuren, finde ich.
Florian Bayer: Und dann ist tatsächlich die einzige Erwachsene, mit denen sie Kontakt haben, ist die Entität. Die kommt auch in Form von Jugendlichen vor oder von Kindern.
Johannes Franke: Aber kann man Erwachsene dazu sagen überhaupt?
Florian Bayer: Sie kommt am häufigsten in Form von Erwachsenen vor und ab einem gewissen Punkt auch offensichtlich in der Form von ihren Erwachsenenbezugspersonen. Sie erscheint ganz am Anfang als die Mutter von Hugh, beziehungsweise Jeff, wie wir später erfahren. Und das wissen wir in dem Moment noch nicht, aber so halt nackt. Dann wird sie irgendwann zu sehen sein als der Vater von Chey. Und sie wird in einem, es werden kaum Leute getötet in diesem Film. Aber der Mord an Craig geschieht durch die Entität, die als seine Mutter erscheint. Und in einer wirklich unangenehmen Szene ihn umbringt und anschließend vergewaltigt. Hör Ödipal seltsam. Das ist echt, oh. Wer sieht auch echt nicht. gut aus. Es wirkt so, als würde die Entität nicht nur ihn töten, sondern wirklich die Lebenskraft aus ihm rausziehen. Er ist dann so ganz blau angelaufen, liegt da auf dem Boden und sie ist richtig mahnig, animalisch, reibt sie sich auf ihm. Das ist eine wirklich hässliche Szene.
Johannes Franke: Wir sind richtig drin. Wir gehen jetzt richtig ins... Lass uns länger über... It reden. Also über dieses, also nicht fetter It, sondern...
Florian Bayer: Wie nennen wir es? Wenn wir es S nennen, klingt das so nach Stephen King. Ja, stimmt. Ich würde S vermeiden eigentlich, aber es ist S.
Johannes Franke: Ja, es kriegt vorlos keinen Namen. Es ist ein It, also It follows. Dann nehmen wir das doch. So, für wie animalisch oder für wie intelligent hältst du dieses It?
Florian Bayer: Sehr animalisch, was ich vor allem an den Tötungsszenen sehe, weil die Tötungen finden extrem brutal und... zerreißen statt. Wir sehen zwei Leichen. Wir sehen ganz am Anfang nicht den Mord, sondern wir sehen einfach nur, was macht mit dem ersten Opfer. Und zwar bricht sie auf ganz absurde, bizarre Art die Beine am Strand. Und dann sehen wir, wie It Crack tötet. Und zwar wirklich, also wie er tot auf dem Boden liegt und It sich immer noch an ihm reibt. Das heißt, es hat auf jeden Fall sowas krass animalisches. Es gibt eine gewisse Intelligenz bei diesem Wesen. Weil das Wesen versucht sich zu schützen, wenn es Gefahr wittert. Und trotzdem ist es natürlich so, dass dieses Wesen wirklich einfach nur durch einen Trieb gesteuert ist. Und das ist dieser Mordtrieb. Ich habe hier mein Opfer und ich muss dieses Opfer unbedingt töten. Und alles andere ist egal.
Johannes Franke: Ich finde es interessant, weil auch das wiederum und vielleicht werde ich das in der Folge zu oft sagen, aber ich höre so viele Kritikpunkte von außen, die ich überhaupt nicht verstehen kann. Die ich aber wahnsinnig spannend finde, interessant finde, weil du als Zuschauer vielleicht eine bestimmte Erwartung hast an den Horrorfilm und der ist ja tatsächlich auch bei der Kritik besser angekommen als beim Publikum. Ja,
Florian Bayer: es ist ein Kritiker-Darling, definitiv kein Publikums-Darling.
Johannes Franke: Muss man sagen und deswegen finde ich es auch besonders interessant, was sagen denn andere Leute, die den Film gesehen haben und vielleicht eben Erwartungen hatten daran, die nicht erfüllt wurden. Und unter anderem eben auch, dass die Entität, die wir da vor uns haben. nicht genug klare Eigenschaften bekommt. Oder eine Klärung darüber, was ist es denn genau und wie tötet es denn? Denn die beiden Morde sehen sehr unterschiedlich aus. Am Anfang dieses Gebrochene, wie sie da sitzt und tot. Also es ist wirklich sehr seltsam. Und es unterscheidet sich doch sehr massiv von dem, wie Greg stirbt dann.
Florian Bayer: Was ich total spannend finde und was eigentlich auch gegen Horrorfilm-Klischees geht und was eigentlich auch gefühlt dagegen sprechen sollte, dass es so unheimlich ist. Es ist. ganz eindeutig eine physische Präsenz, die sich mit dieser Schrittgeschwindigkeit als physische Präsenz in der Welt bewegt und dementsprechend eingeschränkt ist. In ganz vielen von diesen Filmen, gerade wenn es um so Horror geht, der irgendwie aus dem Unterbewussten greift, haben wir Entitäten, die nicht zu greifen sind, die was Geisterhaftes haben. Aber It ist so physisch da, dass andere Menschen es spüren können, wenn es nach ihnen schlägt. Man kann eine Decke drüber werfen und man sieht, wie es sich unter der Decke bewegt. Und vor allem sehen wir, es hat Und Hindernisse sind für es Hindernisse. Es bewegt sich einfach mal mit fucking Schrittgeschwindigkeit. Sprich, dieser Running Gag, man könnte sagen, ey, komm, steig in ein Flugzeug und dann guck mal, wie es über den Ozean kommt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Das ist ganz spannend, weil das ja eigentlich dieses Unheimliche, das Geisterhafte so ein bisschen wegnimmt.
Johannes Franke: Aber es ist halt steady, ne? Ja. Es wird nicht richtig, du kannst es nicht aufhalten in der Form, sondern es läuft halt unaufhaltsam drauf los. Und natürlich kannst du dich irgendwo einsperren, aber es wird dann... alle Möglichkeiten nutzen, die es hat, um da reinzukommen.
Florian Bayer: Und es hat ja teilweise dann auch übermenschliche Kräfte. Also wir sehen das zum Beispiel, wenn das Hall wegschlägt, dass es wirklich stark ist. Wir sehen es ein paar Mal Türen einschlagen, Fenster einschlagen und ähnliches. Das heißt, es gibt schon dieses Bedrohliche. Dieser langsame Horror, den kennt man tatsächlich vor allem aus klassischen Zombiefilmen. Und da macht es ganz viel die Masse aus. Da ist es vor allem gruselig, weil diese langsame Entität halt nicht eine einzelne Entität ist, sondern weil das 2000 Zombies sind. Egal wie langsam die sind, die können dich einkreisen, dann hast du keine Chance. Hier ist es halt nur eins. Das Innervierende ist, dass es diese Unsicherheit gibt, dass du diese ganz langen Phasen hast, wo es nicht präsent ist, aber du weißt, es könnte jederzeit... präsent sein. Das muss halt nur den Weg zurücklegen.
Johannes Franke: Ich finde, es passt total gut zu der Entwicklung, die Horrorfilme genommen haben. Wenn du Zombies damals in den 60ern, 60ern, wann war der erste Zombie-Film? Das war doch 1968. Das ist eine andere Zeit. Da hast du andere Art und Weise, sowas in Massen loszuschicken und dann irgendwie auch eine andere Botschaft drin. Und der Horrorfilm ist ja immer psychologischer geworden. Und das ist ja auch das, was jetzt der Horrorfilm von heute so ein bisschen ausmacht. Dieses psychologische Aufarbeiten und so dieses psychologische Horror dahinter. Und das passiert, glaube ich, wenn man diese Psychologie dahinter ernst nimmt. Du brauchst nicht mehr eine Horde von Zombies, sondern eine Person reicht völlig aus, um dich richtig fertig zu machen. Einfach psychologisch, weil du die ganze Zeit da sitzt und denkst, ach du Scheiße, bin ich weit genug weg davon? Kann ich jetzt auf diesem Auto schlafen oder nicht? Was mache ich? Wie mache ich das? Und es ist furchtbar.
Florian Bayer: Was ganz stark... beiträgt zu diesem Horror, sind die Erscheinungsformen von It. Und vor allem, dass es immer verletzlich erscheint, immer so ein bisschen krank, so ein bisschen ausgestoßen. Es sind Menschen, es sind grundsätzlich menschliche Wesen. Und oft ist es so, dass diese menschlichen Wesen in einer Form kommen, die sie nicht als gefährlich markieren würde. Das sind eine alte Frau in einem Nachthemd. Wir sehen oft es in Nachthemden. Oder in Unterwäsche oder halbnackt. Dann mit Verletzungen, die so ein bisschen unnatürlich aussehen, aber immer so ein Stück zerbrechlich, fast schon bemitleidenswert.
Johannes Franke: Eine Frau,
Florian Bayer: die sich eingenässt hat auch zum Beispiel.
Johannes Franke: Ja, also eingenässt ist fast ein bisschen untertrieben. Das ist meine nächste Frage, die ich einmal kurz loswerden möchte. Wie wird man Ghost P wieder los? Brauche ich so ein... Ghost Mob dafür? Es ist ja kein Ghost P.
Florian Bayer: Alles, was wir über es wissen, ist, es besteht aus Materie und diese Materie ist nicht zu sehen für andere Menschen, aber die Materie ist da. Die Materie hat Einfluss auf die Welt. Das heißt, man muss es einfach wegwischen.
Johannes Franke: Das heißt, man kann auch darauf ausrutschen.
Florian Bayer: Man kann auch darauf ausrutschen, würde ich sagen.
Johannes Franke: Na gut. Ja, weiter.
Florian Bayer: Genau, verletzlich. Es gibt so eine Ausnahme vielleicht und das ist dieser Riese, gespielt von Mike Lanier.
Johannes Franke: Der großartig ist. Krass ist er. Diese Stelle ist auch wirklich krass. Also einmal kurz wieder in den Film hineingesprungen. Diese Stelle. wo sie, sie sperrt sich immer wieder in das Zimmer ein und dann klopft da immer wieder jemand und ich frage mich die ganze Zeit, warum macht ihr diese Tür auf? Aber gut, okay, ist ein Horrorfilm, es muss irgendwie weitergehen. Macht diese Tür auf und dann steht halt wirklich die da, die gesagt hat, die ist es. Dann kommt die rein und dahinter taucht aus dem Nichts diese riesige Person auf. Und ich, ich, ich liege unter meinem Bett, weißt du, das ist wirklich krass, diese Stelle.
Florian Bayer: Das war die gruseligste Szene im Film, fand ich. Also der gruseligste Chumpscare, der Film hat tatsächlich wirklich klassische Chumpscare, inklusive einem, hä? Fake-Jumpscare, was ich überhaupt nicht mag.
Johannes Franke: Aber nicht so viele. Also oft deutet der so an, kommt natürlich dann nicht. Aber nicht so ganz klassische, schlimme Jumpscares, finde ich.
Florian Bayer: Nee, Jumpscares sind ja auch nicht. Ich bin kein großer Jumpscare-Fan, das sage ich ehrlich. Es ist halt so eine Schreckszene. Du denkst, alles ist okay und dann kommt plötzlich dieser Riese aus dem Hintergrund. Ein Basketballspieler übrigens. 2,31 Meter groß, leider 2018 gestorben. The World's Tallest Twins, er hat einen Zwillingsbruder. Und der hat so ausgehöhlte Augen. Ah,
Johannes Franke: es ist so...
Florian Bayer: Wird auch wieder so verletzlich, als ob irgendwas mit ihm nicht stimmen würde, aber auch tatsächlich so in dem Sinne von nicht stimmen, man sieht es und es ist einem unangenehm, aber auch einfach, weil man das Gefühl hat, diesem Menschen geht es nicht gut.
Johannes Franke: Hat man tatsächlich das Gefühl, dass da eine intelligente Physik hintersteckt, wann wie das Monster aussieht?
Florian Bayer: Glaube ich nicht, ich glaube, dass es ganz stark, ich glaube, die Physis des Monsters entsteht durch das Opfer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die ändert sich nicht so schnell. Sie ändert sich willkürlich, aber sie braucht ein bisschen. Weil wenn Jay zum ersten Mal das Monster sieht, hat es noch die Verkörperung von Jeffs Mutter. Die nackte Frau, wenn er sie festgebunden hat, die in diesem alten Industriegebäude dann auf sie losgeht.
Johannes Franke: Allerdings, wenn sie am Strand sind und in dieses Häuschen flüchten, ist sie sehr schnell von einer Figur in die nächste.
Florian Bayer: Da findet der Wandel sehr schnell statt. Das ist ganz spannend. Warum passiert das vielleicht? weil sie... weil es da dem Ziel sehr nah ist oder weil die Angst auch groß ist. Das ist ganz interessant. Es kommt zuerst als Yara aus dem Hintergrund und dann wird es zu diesem kleinen perversen Jungen, der ganz am Anfang mal so eine kleine Szene hat als Spanner, der Jay beobachtet, als sie im Pool liegt. Und dann verwandelt sie es sich in irgendein Mädchen. Meine Notizen sagen, dass irgendjemand behauptet, es wäre ihre Schwester, aber ich glaube, es ist es nicht. Es ist schwer zu erkennen. Ich habe auch öfter geschrieben, wer ist das Fragezeichen? Ja,
Johannes Franke: natürlich, total.
Florian Bayer: Vielleicht, weil es so nah ist, vielleicht, weil es wütend ist, es wurde auf es geschossen, es wurde gegen es gekämpft. Vielleicht macht das eine schnellere Verwandlung?
Johannes Franke: Vielleicht, ja. Was denkst du denn? Was will es?
Florian Bayer: Töten.
Johannes Franke: Ja. Ich habe noch keine richtige Theorie, aber jetzt gerade denke ich mir, wenn wir schon so verletzliche Figuren vor uns haben, so verletzliche Sachen. in der Darstellung sind und sie nicht intelligent genug ist, einfach nur in The Crowd reinzublenden, weil du siehst immer, okay, das ist es jetzt, weil die hat immer einen Blick drauf, sieht auf eine bestimmte Art und Weise aus, dass man denkt, die ist da nicht auf dem Campus, weil sie Studierende ist. Ja, ja. Weißt du, so in der Richtung. Und deswegen will ich dem nicht so viel Intelligenz geben, ehrlich gesagt, sondern eher Intuition.
Florian Bayer: Ja, Intuition ist es, glaube ich, ganz klar. Wir sind noch nicht beim Parabolischen. Ich glaube, S ist wirklich auch eifersüchtig. Also ich sage nicht, dass S ein Symbol für Eifersucht ist, sondern S ist eifersüchtig. Und deswegen auch dieser sexuelle Mord, dieser Sex zwischen den Teenagern, macht S irgendwie wütend. Das ist das, was S irgendwie versucht zu greifen. Und deswegen hat das Morden, was S tut, wir sehen nur einen Mord, aber ich kann mir vorstellen, dass der Mord am Strand beim ersten Opfer auch ähnlich ist. Deswegen hat... dieser Mord so was sexuelles, weil es versucht sich das zu greifen, was sie hatten. Und ich glaube, das ist der Antrieb, der dadurch wirkt, es auch so animalisch ist, versucht sich das zu nehmen, was davor sich die Teenager genommen haben.
Johannes Franke: Okay. Ist das ein Fortpflanzungstrieb einfach nur?
Florian Bayer: Es ist ja eine Art von Fortpflanzung, die hier stattfindet. Ich glaube überhaupt nicht, dass dieser Film eine Parabel auf Geschlechtskrankheiten ist. Dafür ist er einfach mal 40 Jahre zu spät.
Johannes Franke: Ja, kann er doch trotzdem sein Aber wenn man sich so anhört, was der Regisseur gesagt hat Dann kann man Seine eigene Meinung haben Auch parabolisch für Sexuellen Missbrauch und so weiter Aber der Film unterstützt das nur so Zu ein paar Prozent, dann kann man das da drin sehen Und in den nächsten Szenen sagt man sich Na, passt dann doch nicht
Florian Bayer: Es bleibt halt vage, ich glaube Dieses Sexuelle spielt natürlich eine wesentliche Rolle Das ist wie es übertragen wird Aber es hat auch so ein Unangenehmen sexuellen Antrieb. Auch gerade, weil die Erscheinungsformen von ihm immer auch diese halbnackten Erscheinungsformen sind. Es ist meistens nicht wirklich angezogen, sondern unter welchem Nachthemd oder komplett nackt.
Johannes Franke: Aber nur auf dem Dach. Auf Dächern. Auf Dächern ist es komplett nackt.
Florian Bayer: Auf Dächern stimmt. Und naja, und in dem Industriegebäude am Anfang, in dem leerstehenden Gebäude, als Mutter erscheint es auch komplett nackt. Und deswegen glaube ich, dass diese Nacktheit, dass das einfach auch zu dem Wesen gehört. Und auch diese Verletzlichkeit, die da drin steckt.
Johannes Franke: Kann man es tatsächlich töten?
Florian Bayer: Nein, ich glaube nicht. Es soll eine Fortsetzung gedreht werden. They follow.
Johannes Franke: Oh, ja.
Florian Bayer: An der wird aber schon etwas länger gearbeitet. 2023 wurde das angekündigt. Und zwar, David Robert Mitchell soll wieder Regie führen und das Drehbuch schreiben. Und Micah Monroe, die DJ spielt, soll auch wieder mitspielen.
Johannes Franke: Ach, schön.
Florian Bayer: Ich glaube nicht, dass man es töten kann. Und wir haben ja am Schluss so ein vages Ende, was nicht so 100% erklärt wird, was passiert. Wir sind uns ziemlich sicher, dass es im Pool nicht getötet wurde. Weil warum sollte es jetzt tot sein? Es wurde so oft auf es geschossen.
Johannes Franke: Ja, ja. Weiß man nicht. Wir wissen ja so wenig darüber, dass wir nicht wissen, an welcher Stelle jetzt tatsächlich Sachen zusammenkommen, die es töten. Wenn es im Wasser angeschossen wird, wer weiß, vielleicht ist das eine Physik, dass es die dazu führt. Weil wir sehen dann ja auch einen Haufen Blut da drin.
Florian Bayer: Sehen wir. Und es wirkt auch wieder, es ist ein Bild, das wir davor nicht hatten. Der Pool füllt sich geradezu mit dieser blutroten Wolke.
Johannes Franke: Insofern, es ist etwas, was wir noch nie gesehen haben. Das heißt, wir haben wieder... eine Sache, an der wir uns festhalten können und sagen können, ja, vielleicht ist es ja das. Also insofern, es ist natürlich toll und wichtig für den Film, dass wir so wenig wissen und dass wir jetzt so viel darüber reden und ich vielleicht derjenige mehr bin, als du, der vorantreibt, rauszufinden, was zur Hölle kann es töten? Zeigt ja, dass es irgendwas bei mir losgelöst hat, dass ich darüber nachdenken muss und dass der Film das nicht klärt, ist eine wahnsinnige Stärke davon. unheimlich wird es nur dadurch, dass ich eben so wenig weiß darüber.
Florian Bayer: Der Horror steckt ganz viel in dem Nicht-Aufgelösten. Auch darin, du hast, also meiner Meinung nach könnten sogar noch weniger Jumpscares sein. Die scheinen sie nicht gestört zu haben. Bei Horrorfilmen, und das war auch so eine Krankheit, bevor das mit dem Post-Horror angefangen hat, immer noch bis in unsere Zeit bei Horrorfilmen, dass sehr viel mit Jumpscares gearbeitet wird und Jumpscares lösen natürlich den Schrecken, die Angst auch. Diese Angst, die irgendwie so brodelt. Dadurch, dass dieser Film das so wenig hat, gibt es da auch so viele Momente, wo sich die Angst nicht auflöst und einfach diffus bestehen bleibt. Und das ist natürlich verbunden mit diesen langsamen Bewegungen von der Entität, verbunden damit, dass diese Erscheinungsformen so bizarr sind.
Johannes Franke: Dass sie nur vom Opfer zu sehen ist, das finde ich auch wesentlich wichtig.
Florian Bayer: Es schwelt dadurch die ganze Zeit. Du wirst einfach nicht erlöst, du kommst nicht raus, du weißt, es ist immer irgendwie präsent. Obwohl es gar nicht so oft präsent ist. Wir haben ja ganz viele Szenen, wo es gar nicht zu sehen ist, sondern wo die Teenager halt rumfahren und recherchieren und versuchen irgendwie herauszufinden,
Johannes Franke: wie man es los wird. Ich fand manchmal, dass die Figur ein bisschen zu schnell von einem Ort zum anderen gekommen ist. Also es spielt ja damit, dass man mit dem Auto wegfährt, um dann seine Ruhe zu haben eine Weile. Und manchmal hatte ich so das Gefühl, dass es ein bisschen Unkonsistenz ist, wie schnell ist das Teil wirklich von A nach B gekommen. Da ist so ein bisschen, ach na ja.
Florian Bayer: Aber ist das vielleicht Teil seines Wesens, dass es dann doch Loopholes kämpft?
Johannes Franke: Weiß ich nicht. Ach Gott, es macht noch eine Unsicherheit auf, die gemein ist.
Florian Bayer: Weil das Interessante ist ja, man könnte ja auch meinen, okay, solange ich in Bewegung bleibe und solange ich es sehe, ist es eigentlich gar nicht mehr so gruselig. Dann ist es halt einfach nur noch nervig. Immer wieder so ein Blick über die Schulter. Da ist es okay, es sind jetzt 100 Meter. ich muss jetzt ein bisschen Schrittgeschwindigkeit schnell ab, vielleicht springe ich mal auf ein Fahrrad, damit ich ein bisschen mehr Abstand habe, dass ich mal was essen kann.
Johannes Franke: Es gibt so eine Formel, die man sich ja zusammen schustern kann. Wie weit, wie schnell läuft dieses Teil, also wie weit muss ich weg, damit ich so und so lange Zeit habe. Das war so einer meiner ersten Gedanken überhaupt in dem Film, aber keiner hat angefangen zu rechnen und hat mich ein bisschen gestört. Übrigens, möchtest du Tee plorieren? Oh ja, sehr gerne. Ich habe natürlich wieder Tee vorbereitet.
Florian Bayer: Es bringt vielleicht auch ein... ein bisschen zu viel Realismus betreiben. Weiß ich nicht. Diese Inkonsistenz, die habe ich auch gemerkt, trägt natürlich dazu bei, dass man sich so paranoid fühlt, wenn man nicht genau weiß, ist jetzt wieder der Moment, wo es ankommen müsste so langsam.
Johannes Franke: Ja, ja. Aber man hat ja große Probleme oft, wenn Regisseure, die so Horrorfilme machen, gerade bei Horrorfilmen, habe ich das Gefühl, sich an ihre eigenen Gesetze nicht halten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es gibt ja genug Horrorfilme, wo du Gesetze festgelegt hast. bekommst, irgendjemand, ein Dozent an der Uni, erzählt, ja, hier, das ist das Monster sowieso, aus den Mythen sowieso. Und dann gibt es ganz viele Regeln, die aufgestellt werden, nur um dann innerhalb des Films plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Und dann denkt sich, ja, wenn du die Regel aufgestellt hast, warum, das war deine Idee, warum setzt du sie nicht um? So, und in diesem Film hat er sich halt eben den Regeln widersetzt. Er hat gesagt, nein, ich lege jetzt einfach keine Regeln fest. damit wir nichts haben, woran wir uns stoßen können.
Florian Bayer: Und auch konsequent. Nicht nur was es betrifft, sondern auch was das zeitliche Setup betrifft. Was die Jahreszeiten betrifft, darüber haben wir noch gar nicht geredet. Sie tragen auch komplett merkwürdig wechselnd Sachen, dass man das Gefühl hat, es vergeht ein Jahr innerhalb dieses Films, obwohl es nur ein paar Tage sind.
Johannes Franke: Hast du schon Zucker drin? Ich habe schon Zucker drin, danke.
Florian Bayer: Er macht es wirklich konsequent. Es gibt keine Regeln, an die man sich festhalten könnte. Es ist irgendwie da als Bedrohung. Und dann ist die Frage, gibt es Momente, wo er sagt, hier habe ich was konsistent aufgebaut. Weil wenn wir was haben, woran wir uns festhalten können, ist es ja diese Freundesgruppe, die offensichtlich immer eng zusammen ist. Jay hat eine großartige Beziehung zu ihrer Schwester. Ja,
Johannes Franke: ganz toll.
Florian Bayer: Und zu deren Freunden hauptsächlich. Das ist auch merkwürdig. Jay hat offensichtlich keine eigenen Freunde, sondern es sind die Freunde ihrer Schwester, die ihr helfen und ihr dann beistehen.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ich frage mich jetzt gerade, das habe ich vorher nicht gefragt, aber jetzt wollen wir darüber reden. Wenn der Film so viele Inkonsistenzen hat, was die zeitliche Verordnung betrifft, was Jahreszeiten betrifft, was Technik betrifft und so, sagt das was über die Welt aus, in der wir sind? Bedeutet das mehr als nur, ich will, dass ihr euch nicht festhalten könnt irgendwo dran als Filmemacher oder bedeutet das tatsächlich auch, dass das eine bestimmte Form von Welt ist, die vielleicht außerweltlich irreal ist? eine Vorhölle oder was auch immer.
Florian Bayer: Es fühlt sich, also es fühlt sich ja nie so richtig real an, wo wir uns bewegen. Ja. Es fühlt sich immer so ein bisschen traumhaft an. Wir haben auch diese, wir haben auch teilweise, die Kamera macht das auch mit, wir haben teilweise diese wirklich 360-Grad-Drehungen von Kameras, zum Beispiel, wenn sie in dieser Highschool sind, von Jeff und ihm hinterher forschen. Und dann ist einmal eine, einfach die Kamera macht einen 360er. Und zwar relativ langsam. Ja. Und der führt sie überhaupt. nichts. Er führt einmal von A zurück zu A und es passiert nichts in dieser Zeit. Wir sehen einfach einen leeren Highschool-Flur, der durchleuchtet wird.
Johannes Franke: Es gibt uns halt die Möglichkeit, die ganze Zeit zu suchen, wo das Monster ist.
Florian Bayer: Das ist es. Es ist ja für mich nichts anderes als ein großes Where's Waldo.
Johannes Franke: Ja, genau. Auch schön.
Florian Bayer: Da ist es. Ich sehe es. Da ist das Monster.
Johannes Franke: Da ist auch der Schal irgendwo.
Florian Bayer: Und es ist einfach... Ich sehe wenige Links zu unserer Welt, was halt auch daran liegt, dass die zweite Ebene neben dieser traumhaften Surya in so einer Hyper-Metatext-Ebene ist mit 80er-Jahre-Musik, die auch in Halloween laufen könnte.
Johannes Franke: Ja, absichtlich. Das ist ja sowieso schön. Er hat sich ja nicht an einen ordentlichen Filmkomponisten gewendet, sondern er hat gesagt, da gibt es diesen geilen Typen, der hat hier Games vertont.
Florian Bayer: Disaster-Peace.
Johannes Franke: Der Name schon. Rich Vreeland heißt er. Super. Der hat unheimlich wenig Zeit gehabt, das zu machen. Am Anfang, als sie ihn angerufen haben, hatte er noch recht viel Zeit. Dann hat Cannes angerufen, hat gesagt, wir wollen euch zeigen auf dem Festival. Und plötzlich hatte er nur noch drei Wochen Zeit. Oh, scheiße. Aber er hat es hervorragend gemacht. Er hat es toll gemacht. Wirklich toll.
Florian Bayer: Das Witzige ist ja, der Score, der da rauskommt, ist wirklich einfach mal diese 80er-Jahre-Horror-Musik, die auch so ein bisschen dated wirkt. Das ist nicht die Musik, die man erwartet, um Horror zu unterstützen, weil es einfach diese Synthi-Teppiche sind.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Aber es funktioniert.
Johannes Franke: Es funktioniert total gut.
Florian Bayer: Ja, und es bleibt halt einfach vage. Und das ist dann natürlich das, was die Kritik gerne macht, sich dann irgendwie daran festhalten zu sagen, okay, wir haben hier ein traumhaftes, surreales Szenario. Dann versuchen wir uns mal im Symbolismus für Fortgeschrittene und deuten jetzt, was geschieht hier.
Johannes Franke: Naja, also diese Allegorie auf sexuell übertragbare Krankheiten ist natürlich irgendwie naheliegend. Ich finde auch der Vergewaltigungsvergleich ist auch einigermaßen naheliegend. Aber alles davon ist nicht so inszeniert, dass es sich wirklich drauflegen lässt. Es ist kein wirklicher Match.
Florian Bayer: Nee, definitiv. Ich finde die sexuell übertragbaren Krankheiten... Finde ich tatsächlich am lamesten, auch einfach, weil ich das Gefühl habe, das haben wir schon erzählt. In den 80ern haben das Horrorfilme gerne gemacht und das war halt auch die Zeit dafür. Das war die Zeit der HIV-Panik, der Netzpanik.
Johannes Franke: Wobei der Film sich ja sowieso an die 80er anlehnt gerne. Also so ist ja nicht, es würde mich nicht wundern, wenn er das genommen hätte, weil es eben eine Anlehnung an die 80er ist. Ja,
Florian Bayer: zumindest so als Grundgefühl. Ich will da aber auch irgendwie mehr drin sehen und ich glaube, da steckt auch mehr drin, als dass es einfach nur eine Allegorie ist. Ich finde das mit dem sexuellen Missbrauch auf jeden Fall ein... Eine gute Idee, dass es mindestens damit spielt, dass es bei Teenagern so eine sexuelle Unsicherheit gibt, auch Älteren gegenüber. Und dass Ältere dann natürlich auch bedrohlich wirken darin und vor allem auch Eltern bedrohlich wirken. Das ist ja auch krass. Das sind ihre Eltern, die dann so halbnackt erscheinen und die als sexuelle Bedrohung sind. Obwohl vorher überhaupt nicht angedeutet wurde, dass da was passiert sein könnte oder so.
Johannes Franke: Ja, total. Ich finde auch die Isolierung, die dadurch stattfindet, dadurch, dass du eben diese, dass du bekommst, ist weitergegeben. Das ist übrigens auch, was das sexuelle Gewalt betrifft. Es werden viele, die sexuelle Gewalt erleben, geben sie weiter. Also auf eine Art und Weise. Wie eine ansteckende Krankheit, um das irgendwie loszuwerden oder um das irgendwie weiterzugeben, um das irgendwie zu verarbeiten und einzusortieren oder zu normalisieren, damit das nicht mehr so schlimm ist, was man erlebt hat, tut man das auch anderen an. Es gibt so einen Mechanismus, der sehr gut untersucht ist auch.
Florian Bayer: Viele Täter, Sexualstreftäter sind selbst irgendwann Opfer gewesen in ihrem Leben.
Johannes Franke: Also insofern, diese Allegorie funktioniert schon über weite Teile, für viele Aspekte dieses Films, aber eben nicht komplett.
Florian Bayer: Was meiner Meinung nach dagegen spricht, ist, dass der Sex, der gezeigt wird in dem Film, so was komplett unschuldig, romantisch, zärtliches hat. Ja,
Johannes Franke: es ist total süß und sweet.
Florian Bayer: Es ist kein nackter Sex? Sie haben immer Kleidung an, wenn sie Sex haben?
Johannes Franke: So krass, der ganze Film zeigt keine nackte Haut, wenn es um Sex zwischen den Jugendlichen oder so geht. Wenn es sexualisiert ist durch das Monster, ja, dann gibt es nackte Haut. Aber immer nur im negativen Kontext.
Florian Bayer: Und der Sex wird auch die ganze Zeit als was Angenehmes inszeniert. Selbst am Anfang den Sex, den sie mit Jeff hat im Auto. Du hast nicht das Gefühl, dass da irgendwas Unangenehmes ist, dass da irgendwas Animalisches ist, was Brutales. Es ist einfach schön.
Johannes Franke: Ein ganz normaler, schöner, guter Sex. Also fast ein bisschen romantisch gut. Es ist sehr brav. Ja, total.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich... Es ist auch ein bisschen unrealistischer Sex in dieser romantischen Stilisierung und vielleicht auch ein bisschen so eine Reminiscenz ans 80er Jahre Kino, wo man einfach, um sein vernünftiges Rating zu kriegen, halt die Leute angezogen gelassen hat und die Körper sich jetzt auch nicht so eng aneinander gerieben haben, wie sie es tun würden.
Johannes Franke: Wobei natürlich der Unterschied zu den 80er Jahre Kino ganz frappierend ist, weil ja, es stimmt, Sex ist... natürlich immer auch ein Punkt gewesen, warum das Monster auf dich losgeht. Final Girl ist immer diejenige, die am unschuldigsten war, die keinen Alkohol getrunken hatte, die keinen Sex hatte und so. Alle anderen mussten schon sterben. Und hier ist es halt schon anders. Es ist angelehnt daran, der Sex ist das Thema, aber es ist nicht so, dass dich... Dass die Hauptfigur keinen Sex hätte oder sowas oder nicht Alkohol trinkt oder irgendwie eine Unschuld vor sich her trägt oder sowas.
Florian Bayer: Es gibt dieses Unschuldsmotiv auf jeden Fall. Ich finde es in den Pool-Szenen ganz krass, wenn sie so im Wasser schwimmt und dann irgendwie so für sich ist und dem gegenüber dann das Bild von dem zerstörten Pool. Wo man denkt, krass, okay, da ist ein Stück Unschuld verloren gegangen. Und ich glaube, dass das auch ein Teil ist, der Parabel, dass wir hier so einen Verlust von Unschuld haben. Und zwar im viel weiteren Sinne als im sexuellen. Einfach dieses Teenager-Ängst. Das ist dieses Gefühl, du verlierst die Unschuld, du distanzierst dich von deinen Eltern. Du wirst mit denen konfrontiert, was in der Welt passiert. Und dazu gehören auch sehr angenehme hedonistische Sachen, aber halt auch sehr unangenehme Sachen. Und dass du plötzlich sowas wahrnimmst wie Schmerz und wie Leid. Ich glaube, es ist so das Gefühl von einem 12-Jährigen, der zum ersten Mal mit ein bisschen offenen Augen in Berlin unterwegs ist und feststellt, ah, das ist keiner, der... da auf der Straße liegt und müde ist, sondern der setzt sich gerade eine Spritze in den Arm. Das ist halt auch Teenager sein, dass du plötzlich wahrnimmst, die Welt ist komplizierter und die Welt ist auch düsterer, als ich vorher dachte. Und so erscheint es ja dann auch in diesen Personen, die halt irgendwie gekennzeichnet sind vom Leben.
Johannes Franke: Wobei es sicher nicht nur sozusagen, und deswegen denke ich auch nicht an ein intelligentes Wesen, sondern ein sehr intuitives Wesen. Zum Beispiel als es als dieser Junge, mit dem sie geschlafen hat, um es weiterzugeben, der es so gerne wollte am Anfang, also nicht der, Greg, in der Form von Greg zu ihm nach Hause geht. Ich habe nicht das Gefühl, dass es eine wirklich intellektuelle Entscheidung ist, diese Form anzunehmen, sondern es ist eine intuitive Entscheidung.
Florian Bayer: Es ist Greg in dem Moment. Das war nämlich eine Szene, wo ich ein Fragezeichen hingesetzt habe, wo ich nicht genau wusste, wer das ist. Du meinst, wenn er dann so ins Fenster einsteigt. Genau. Ist es Greg?
Johannes Franke: Nee, es ist nicht Greg, sondern es ist It.
Florian Bayer: Es ist in der Form von Greg, was total merkwürdig ist, weil es ist sonst sehen wir keine einzige Szene, wo es in der Form von seinem Opfer auftaucht.
Johannes Franke: In dem Fall der geringste Widerstand, weil niemand wird anzweifeln, dass er da rein muss in das Haus, weil es ist ja sein Haus.
Florian Bayer: Ja, aber niemand sieht es hier.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Außer Jay sieht es. Und Jay beobachtet ja auch tatsächlich, um Greg zu warnen. Ja, es sind auf jeden Fall Anzeichen von Intelligenz, die da bei ihm vorhanden sind.
Johannes Franke: Ja, bei S.
Florian Bayer: Nee, bei ihm ist es richtig. Das ist der Dativ von... Der Neutrums-Dativ. Möchte ich so eine Vorlesung halten.
Johannes Franke: Hast du eine PowerPoint vorbereitet.
Florian Bayer: Ja, und dann sind wir wieder dabei, dass es halt doch ein intelligentes Wesen ist. Ich glaube, S will sich irgendwie auch ein bisschen die... Es will die Menschen, will die Teenager vor allem, Teenager sind ja anscheinend das Opfer, damit konfrontieren, dass sie ein Stück Unschuld verloren haben und dass sie jetzt konfrontiert sind mit der Vergänglichkeit und das ist ja auch der Text, den Yara nachher am Ende vorliest, den ich am Anfang dieser Episode vorgelesen habe, dass sie damit konfrontiert sind, dass sie irgendwann sterben müssen. Und das ist eine wirklich harte Gewissheit für einen Menschen. Das stimmt. Und die kommt spät, die kommt nicht unbedingt in der Kindheit. Ja,
Johannes Franke: aber die kommt nicht mit 16 erst.
Florian Bayer: Sie kommt nicht erst mit 16, aber sie manifestiert sich dann stärker, dass du nicht... unsterblich bist oder vielleicht auch, dass du nicht unverletzlich bist. Und dann kannst du dich halt nur noch flüchten in diese alten Horrorfilme, die im schwarz-weiß-Fernsehen, im kriseligen schwarz-weiß-Fernsehen laufen. So Nostalgie, yay! Aber letzten Endes bist du damit konfrontiert, ja, auch du wirst irgendwann sterben.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass der Regisseur im Wesentlichen, er berichtet ja, dass er das wegen irgendwelcher Träume hatte. Er hat das geträumt und ist deswegen auf die Idee gekommen und hat das zusammengeklöppelt. Und diese Sex-Sache hat er dann später hinzugefügt. Dass das sein primärer Antrieb, diesen Film zu machen, nicht allegorisch gewesen ist. Also so gar nicht allegorisch, sondern wirklich einfach. Das ist das Gruseligste, was ich mir gerade vorstellen kann. Wenn jemand steady hinter mir herläuft und man es nicht aufhalten kann. Und es wird mich irgendwann töten, wenn ich nicht aufpasse.
Florian Bayer: Diese Suche nach dem Allegorischen ist ja auch der Versuch, den Horror ein bisschen abzudämpfen. Weil was scheißunheimliches zu machen, das ist ihm gelungen.
Johannes Franke: Ja. Total. Fuck, Alter. Warum gibst du mir sowas?
Florian Bayer: Weil du dich nie gruselst. Ich will Filme finden, bei denen du dich gruselst. Denn das ist doch der eigentliche Geist von Halloween. Dass man Angst hat bei Filmen, weil das sowas Kathartisches hat. Und ich grusel mich auch nicht so oft bei Horrorfilmen. Und ich bin immer enttäuscht, wenn ich mich nicht grusel und freue mich immer, wenn ich mich grusel. Und dieser Film hat mir echt eine Scheißangst gemacht. Der ist so ein bisschen hängen geblieben. Auch so, dass du dann abends, wenn du den guckst und dann allein in der Wohnung bist. Und dann nochmal einen Blick über die Schulter wirfst und nochmal so ein bisschen, so eine Unsicherheit, so eine Grundunsicherheit, die du irgendwie nicht so ganz los wirst.
Johannes Franke: Ach, Flo, wenn ich mich gruseln will, dann gucke ich nach Amerika.
Florian Bayer: Ja, da gibt es mehr als genug zum Gruseln.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, dass dieser Film tatsächlich ja das ein bisschen widerspiegelt von dem, wo wir sagen, das ist so Posthorror, das ist The Lighthouse und so weiter, auf eine ganz andere Art und Weise. Aber so dieses... Kunstfilm getarnt als Genre-Film. Ich will irgendwie was anderes noch erzählen als jetzt purer Horror oder so. Wobei wir, wenn wir jetzt gerade beim Allegorischen waren, eben feststellen, dass der Regisseur vielleicht nicht unbedingt den großen allegorischen Bogen schlagen wollte. Aber trotzdem ist er irgendwie mehr Kunstfilm, weil er viele Mittel des Kunstfilms hat, die normalerweise ein Blockbuster aus Hollywood nicht betreiben würde. Also das ist dann so dieses einfach... langsame, langsame Tempo, was der teilweise hat, wo jeder Produzent aus Hollywood sagen würde, drück mal ein bisschen auf YouTube, die Leute gehen aus dem Kino. Und die Ambiguität der einzelnen Motive, die da drin sind, da würde auch ein Produzent sagen, mach es mal ein bisschen eindeutiger, damit die Leute wissen, was sie denken sollen.
Florian Bayer: Es ist halt effektiv. Es ist halt in diesem Film wirklich effektiv. Natürlich ist es auch ein bisschen Kunstkacke, um das vielleicht gleich zu sagen. Wir haben hier einen Low-Budget-Film vor uns. Der hat eine 1,3 Millionen Dollar gekostet.
Johannes Franke: War es ein bisschen mehr vielleicht? Irgendwas bis 2 Millionen habe ich mal zwischendurch gelesen. Aber es ist schwer zu sagen, so ganz genau. Aber was ich ganz toll finde, ist, dass der gesagt hat, wir machen das mit der Finanzierung, bevor wir das mit der Besetzung machen. Das ist nämlich auch etwas, und ich weiß nicht, wie ihr euch da draußen mit sowas auskennt, aber in Hollywood und auch viel im Rest der Welt, in Deutschland ist es auch ganz oft inzwischen so, wird die Finanzierung gekoppelt an die Besetzung. Wenn du einen großen Star hast, dann findest du umso mehr Leute, die sagen, ja, ich gebe euch Geld. Das heißt, was du Schlaues machen solltest, ist einmal vorher festlegen, dass ich Matthias Schweighöfer anrufe und von ihm ein Letter of Intent bekomme. Dann schicke ich das an die Produzenten, die ich gerne habe und haben möchte. Und die sagen dann, ach, Matthias Schweighöfer ist dabei. Ja, dann kriegen wir bestimmt Geld zusammen. Weißt du, sowas. Und das hat dieser Typ absichtlich genau andersrum gemacht. Er hat es über ganz andere Sachen verkauft, indem er zum Beispiel die Bilder von Gregory Curzon als Motiv mitverkauft hat und gesagt hat, das ist mein Vorbild, da in die Richtung möchte ich. Und das Drehbuch natürlich auch schon geschrieben hatte größtenteils und gesagt hat, hier guckt mal, in die Richtung soll es gehen und so.
Florian Bayer: Und er hat sich das Geld dann wirklich auch für so einen Indie-Film sehr typisch zusammengesucht aus verschiedenen Quellen. Also wir haben hier mehrere Produktionsschmieden, die sich daran beteiligt haben, unter anderem Northern Light Productions und Animal Kinkton. und Two Flints. Es gibt ein Ask Me Anything von einem Produzenten, von Eric Romesro, der bei Northern Light gearbeitet hat. Und der auch sagt... Naja, es war ein Indie-Film, wir hatten ein Indie-Budget und es war nicht einfach, das teilweise zusammenzuhalten, das Geld. Und nach seiner Aussage war unter anderem die Pool-Szene, die Schwimmbad-Szene am Schluss, auch wirklich quasi so Last-Minute wurde die hinzugefügt.
Johannes Franke: Oh, krass.
Florian Bayer: Die hatten eigentlich andere Ideen noch für einen finalen Kampf. Also das war klar, es soll irgendwie eine Finalkonfrontation mit der Entität geben. Und dafür haben sie einfach das Geld nicht gekriegt. Das hat nicht gereicht.
Johannes Franke: Oh krass.
Florian Bayer: Das Geld wurde zusammengesucht. Wir haben eine schön lange Produzentenliste. Und das haben sie einfach nicht hingekriegt. Dann haben wir gesagt, okay, dann müssen wir halt das machen. Hier haben wir ein leeres Schwimmbad.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Da kriegen wir eine Drehgenehmigung. Kostet nicht so viel. Das können wir uns noch leisten. Das passt noch irgendwie ins Budget.
Johannes Franke: Einen Toaster können wir immer noch hinstellen. Genau. Aber ich finde tatsächlich das Ende recht effizient. Ich finde das ganz gut gemacht.
Florian Bayer: Ich finde nicht, dass dieser Film nach 1,5 Millionen oder meinetwegen auch 2 Millionen aussieht. Nein,
Johannes Franke: er sieht viel besser aus.
Florian Bayer: Das ist viel Beleuchtung, Kamera und Bilder haben einfach so einen glossy Look. Es sieht sehr edel aus. Also es sind natürlich düstere Bilder und es sind diese verlorenen Bilder und ganz im Sinne der Fotografien, von denen sie sich haben inspirieren lassen. Aber sie wirken sehr edel, sehr durchdacht und vor allem einfach verdammt gut beleuchtet.
Johannes Franke: Ja, ja, das ist wirklich gutes Licht. Ich habe so ein bisschen durch die Kamerasachen durchgelesen, die ich jetzt nicht alle aufzählen werde, weil das sind Kamera... Das wird euch alles nicht interessieren, das wird euch nichts sagen. Welche Kamera sie benutzt haben und so. Aber sie haben tatsächlich auf Sachen verzichten müssen, die ich wieder geil gefunden hätte. Auf bestimmten Linsen zu drehen, die noch ein kleines bisschen dreckiger aussehen, die vielleicht nicht ganz so glossy aussehen. Ich finde, dass die Bilder sehr gut durchdacht aussehen. Aber sie sind vielleicht ein bisschen zu glossy. Zu glossy, ja. Weil das ist dieses Digitale, was da einfach drin steckt. Und dann kannst du mit Linsen, die ein bisschen älter sind, die vielleicht so aus alten Sowjetbeständen sind, was ja ganz oft gemacht wird in solchen Filmen, die man sich noch irgendwo bestellt und organisiert und dann ein ganz bestimmtes Gefühl damit drin hat. Und diese Linsen sind halt jetzt, die sie benutzt haben, relativ charakterarm, muss man sagen.
Florian Bayer: Ja, sehe ich, ja.
Johannes Franke: Also da wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, aber das hätte viel mehr Geld gekostet. Und deswegen, naja, schade. Wobei man auch so Sowjetlinsen für wenig Geld bekommen kann. Aber darüber reden wir auch nicht.
Florian Bayer: Hast du dir vor kurzem Sowjetlinsen gekauft?
Johannes Franke: Nein, nein, nein. Aber ich denke die ganze Zeit darüber nach.
Florian Bayer: Manchmal ist das ja so, dass man irgendwie sowas im Kopf hat, so Gedanken. Dann sieht man es überall. Und ich wette mit dir, wenn ich heute Abend im Internet surfe und auf irgendeine Nachrichtenseite gehe und Werbung sehe, ist es Werbung für irgendwelche Börsen für alte Linsen. Ich habe viel zu oft diese Momente.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir?
Johannes Franke: Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo.
Florian Bayer: Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen... Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at muss man sehen.de und florian.at muss man sehen.de. Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever. Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa?
Florian Bayer: Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Zwei Sachen, um nochmal kurz in die Handlung reinzuspringen. Es gibt für mich zwei Hat-Sie- bzw. Hat-Er-Momente.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wird sie, hat sie, wird er, hat er. Und zwar einmal, wenn Jay, nachdem Craig getötet wurde, zum Strand geht. Und dann sieht sie so eine Gruppe von Party-Jungs auf dem Boot.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann geht sie ins Wasser. Und es wirkt ziemlich klar, die Intention, die sie hat. Das ist die erste Wirt, sie hat die Szene. Und dann gegen Ende, wenn Paul mit Jay Sex hatte, nachdem sie übrigens die Entität schon in dem Pool vernichtet haben, trotzdem haben sie noch mal Sex. Also es wirkt auch so ein bisschen, als ob es nicht vorbei ist. Sehen wir Paul, wie er an zwei Prostituierten auf der Straße vorbeifährt. Und sein Blick sagt auch ganz offensichtlich, das wäre ja eine Möglichkeit. Hat er, wird er? Was denkst du zu den beiden Szenen?
Johannes Franke: Beides ja.
Florian Bayer: Beides ja. Oh, ouch, haben sie so viel Blut an den Händen. Ja,
Johannes Franke: oh krass. Das ist düster. Ja, ich glaube aber, dass das, was du an Situationen hast, alles Mögliche an Blut an dir rausholt. Also da wirst du auch, der pure Überlebenswille, der Drang, der bringt dich einfach in eine Situation, dass du dann denkst, ja, gerade das mit den Prostituierten hat ja den Vorteil, dass du Menschen erwischst, die sehr viel Sex haben potenziell.
Florian Bayer: Dass du eine lange Kette erzeugst. Dass du eine lange Kette, ja. Genau, warum muss man immer so rumgieken bei sowas und dann überlegen, was man selbst machen würde, wenn man in der Situation wäre. Natürlich willst du eine lange Kette erzeugen. Ja, natürlich. Du gehst zu einer Berliner Sexparty. Ja,
Johannes Franke: genau das.
Florian Bayer: Du musst es so schaffen, dass du Sex mit jemandem hast, bei dem du weißt, dass er promiskuitiv ist, mit Menschen, die auch promiskuitiv sind. Genau. Um eine sehr lange Kette zu erzeugen. Und im besten Fall in einem Setup, wo du weißt, dass diese Menschen das Land verlassen werden. Sex mit Menschen haben, die in andere Länder reisen. Das heißt, das S ganz... ganz schön nervig rumreisen muss. Weil wenn es den Typen in Los Angeles umgebracht hat, wird es zwangsläufig nach Sydney müssen, nach Österreich und dann wieder nach Sydney, um die ganzen Sexpartner einzusammeln. Und das geht dir sehr viel Zeit.
Johannes Franke: Ich stell mir es gerade so vor. Google Maps aufmachen. Scheiße, wo muss ich denn lang?
Florian Bayer: Wer ist der Nächste in der Liste? Oh Leute, echt jetzt.
Johannes Franke: Könnt ihr nicht einmal die Beine zusammenlassen? Oh Gott. Wie lange ist es schon unterwegs?
Florian Bayer: Ewig.
Johannes Franke: Ewig, oder? Seit immer. Seit immer, okay. Na, wenn es aber seit immer unterwegs ist, dann hatte es viele Millionen Jahre lang nichts zu tun. Weil? Weil es viele Millionen Jahre lang keine Menschen gab.
Florian Bayer: Achso, ja, nee. Es ist mit den Menschen.
Johannes Franke: Mit den Menschen?
Florian Bayer: Ja, vielleicht mit dem Teenager-Sex. Mit dem vorehelichen Sex. Vielleicht ist das die Botschaft des Films.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wirklich, Leute, haltet die Beine zusammen. Vorehelicher Sex ist böse. Oh Gott, nein. Eine verweckte christliche Botschaft. Es gibt überhaupt keine christlichen Symbolen in diesem Film. Nee,
Johannes Franke: überhaupt nicht. Nicht überhaupt nicht.
Florian Bayer: Und sowieso grundsätzlich gar keine religiöse Symbolik. Wir haben das ja bei Horrorfilmen und gerade bei solchen Themen, die auch irgendwie die christliche Schuldfrage beinhalten, wird ja gerne mit christlichen Symbolen gearbeitet. Dieser Film ist, was das betrifft, extrem steril.
Johannes Franke: Ich finde auch, dass viele, viele Horrorfilme aus einer bestimmten Zeit oder bestimmten Richtung total konservativ sind und das ist der hier überhaupt nicht.
Florian Bayer: Es fühlt sich nicht so an, als würde er Sex verteufeln, obwohl ganz klar, der Link da ist Sexmonster.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Aber auf eine ganz andere Art und Weise und deswegen funktioniert das total gut. Ich bin ein bisschen beeindruckt, muss ich sagen, davon. Also auch wirklich zu sagen, wir verabschieden uns von einer bestimmten Richtung und ich bin jetzt einfach ein decent man und mache hier einen Film, der nicht einfach nur konservative Scheiße mit drunter liegen hat.
Florian Bayer: Und trotzdem sind die Tropes da, ne? Ja, genau. Also es ist jetzt nicht so, wo man sagen würde, oh, das ist ein Sex-Positive-Film, weil es sind halt schon diese Tropes da, die man aus dem konservativen Kino kennt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dennoch, warum?
Johannes Franke: Ja, man könnte schon Sex-Positive mit drin sehen ab und zu.
Florian Bayer: Weil der Sex so unschuldig ist?
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil der Sex zwar Verdammung ist, aber gleichzeitig auch der Weg da raus. Also es ist irgendwie so, ja, beide Seiten gleichermaßen demokratisch abgefrühstückt.
Florian Bayer: Ist der Sex mit Paul was anderes als der Sex mit Craig? Weil das eigentlich, weil sie gehören zusammen und sie ist ja seine große Liebe und er ist ja so der typisch, eigentlich auch wieder sehr typische Stereotyp, er ist der Friendzone-Typ und sie muss erkennen, dass er der Richtige für sie ist.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ja.
Florian Bayer: Ist das was anderes? Und am Schluss sind sie sogar ein Paar, sie halten Händchen. Haben sie es damit vernichtet oder kommt es im Hintergrund?
Johannes Franke: Nein, es kommt natürlich im Hintergrund, absolut. Die fern das doch nicht los. Du hast gesagt, es ist nicht tötbar.
Florian Bayer: Aber gibt es irgendwie einen Unterschied zwischen dem mit Paul und Craig oder ist es letzten Endes einfach Teenager, die Sex haben?
Johannes Franke: Ja, das ist was anderes. Das möchte ich schon. So romantisch bin ich schon noch. Dass ich sage, okay, die haben sich gefunden. Die waren ein bisschen awkward zwischendurch, aber das sind jugendliche Nummern. Und er hat auch wirklich einen seltsamen Unterton, wie der andere eben auch. So dieses, ja, schlaf mit mir, damit du das Monster an mich weitergibst. Was ist das denn?
Florian Bayer: Er wirkt auch immer ein bisschen komisch im Film. Er ist ja diese typische Figur, der sie anhimmelt und sie merkt es nicht. Aber er wirkt... Oft wird das benutzt, um uns sympathische Protagonisten zu zeigen und wir leiden mit ihnen mit und wollen, dass sie rauskommen aus der Friendzone, die ein ganz schreckliches Klischee ist.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und er wirkt wirklich awkward darin, weil er hat diesen starrenden Blick und dieses so, das ist so ein Moment, wo man sich ein bisschen unwohl fühlt und denkt, ach.
Johannes Franke: Aber ich weiß, ich war als Jugendlicher auch so unbeholfen. Jeder ist als Jugendlicher so. Und das war so blöde. Man will es nicht sein. Nein. Aber man ist das furchtbar. Naja.
Florian Bayer: Aber Craig ist schon schnucklig, ne? Was ist eigentlich mit diesem Craig? Der ist ja auch merkwürdig. Der ist ja kein Teil der Gruppe.
Johannes Franke: Ja, ich finde es auch ein bisschen seltsam. Der kommt ja auch erst dazu und dann ist er plötzlich wieder... Aber voll hilfsbereit,
Florian Bayer: ne? Also er kommt dazu und sagt so, okay, kommt, ich habe ein Auto, wir können rausfahren. Wir können fliehen.
Johannes Franke: Vielleicht hat er auch einfach schon länger ein Auge auf sie geworfen und deswegen sich so ein bisschen angeschlichen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ach, Jugendliche. Aber das ist auch so ein bisschen der Teil, wo ich... Wenn der größer gewesen wäre, hätte ich den Film nicht mehr gucken wollen, weil das auch so ein bisschen dieses Kids-Gefühl mit sich gebracht hat.
Florian Bayer: Aber das sind keine Jugendlichen. Das ist nämlich auch was, was wir aus dem 80er-Jahre-Kino kennen. Die Darsteller sind älter als die Rollen, die sie spielen. Und gleichzeitig sind die Figuren aber auch, verhalten sich älter, als sie eigentlich sein sollen. Man weiß auch überhaupt nicht, sind das Highschool- oder College-Kids, aber die sind ja eigentlich volljährig.
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht. Unterschiedlich. Ich finde, dass unsere Hauptfigur sich älter verhält, als sie ist. Das, aber der, der, ist es nicht Greg, wie heißt der andere? Paul. Paul. Das Paul. schon sehr jugendlich ist und sehr unbeholfen und auch mit den Ideen sehr, sehr jugendlich gezeichnet ist. Was ich eine Stärke finde von dem Film, dass das wirklich recht realistisch ist. Und auch der Schauspieler wirkt jetzt nicht so, als wenn er 32 wäre.
Florian Bayer: Nee, es wird nicht so richtig verortet. Also wir haben das Gefühl, sie ist eher in der Highschool als im College. Sie sitzt eher in der Klasse, also eher in der Schulklasse.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, die ihre Schwester ist eher ihre junge Schwester. Weil was dazu führt, dass ihr Freundeskreis dann ja auch eher der jüngere Freundeskreis ist. Der Darsteller von Craig Gilchrist war übrigens 22, als der Film gedreht wurde. Der hat sich gut gehalten. Und die Darstellerin von Jay Micah Monroe war auch 21, 20 Jahre. Genau, Veröffentlichung. Die war ein bisschen älter als er. Aber er war genau 20. 2021, als es gedreht wurde. Und ich finde, sie fühlen sich auch nicht an wie so jugendliche Teenager. Wir haben das heute ja im Kino darüber, haben wir auch schon öfter geredet. Was ich total toll finde, dass sie endlich wirkliche Teenager nehmen, um Teenager zu spielen. Absurderweise Seniasten haben jahrelang durchgehen lassen, dass 40-Jährige 15-Jährige spielen. Das hat jetzt irgendwann aufgehört. Schade eigentlich für mich. Und der Film macht es aber nicht. der Film. greift wirklich zurück in diese Trickkiste und sagt, okay, hier haben wir unsere 22-Jährige und die ist jetzt 17, lebt damit.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und du siehst, sie sieht nicht aus wie 17.
Johannes Franke: Was mir auch hilft, dabei denen zuzuschauen, wie sie so jugendlichen Sex haben, weil ich dann nicht wirklich Jugendlichen dabei zugucken muss. Also wir haben lange über Kids geredet, über den Film aus den, wann war das? 90er? 90er, Ende 90er. Ende 90er sogar.
Florian Bayer: 97 glaube ich. Ach,
Johannes Franke: schon wieder vergessen. Aber das war auch so awkward, weil die wirklich jugendlich waren und wirklich so jung, dass man sagte, oh nee, ich will denen nicht dabei zugucken, wie sie sowas machen.
Florian Bayer: Das war ein bisschen anders, auch weil es realistischer war. Hier ist der Sex so unrealistisch, nicht unrealistisch, aber auch so traumhaft abgehoben.
Johannes Franke: Aber sehr liebevoll.
Florian Bayer: Liebevoll, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Das finde ich ganz gut.
Florian Bayer: Und wir haben einmal Sex im Auto, einmal auf der Couch und einmal im Krankenhausbett, was wirklich so der unerotischste Ort ist, um Sex zu haben. Angeschlossen an Maschinen und daneben steht die Bettpfanne.
Johannes Franke: Und jederzeit kann eine Krankenschwester reinkommen. Aber es sind ja keine Erwachsenen da. Insofern, was soll's.
Florian Bayer: Was ist das mit den Erwachsenen? Was ist das mit den fehlenden Erwachsenen?
Johannes Franke: Ja, ich glaube, es ist einfach die Wahrnehmung der Gruppe. Also so allein auf sich allein gestellt zu sein. Keine Erwachsenen, die wirklich helfen, sondern die einfach nur... Wenn ein Erwachsener da wäre, dann würde der auch nur sagen, kommt selber klar.
Florian Bayer: Paul und Yara wirken ja so, als ob sie nicht mal ein Haus hätten, wo sie hin zurückkommen. Wir sehen sie ja wirklich nur in dem Setting, dass sie bei Jay und ihrer Schwester sind. Sehr, sehr merkwürdig das alles. Egal, wir haben eine Top 3.
Johannes Franke: Was, jetzt schon? Ich habe ja noch so viel. Okay, okay. Unsere Top 3. Wir haben eine Top 3. Die Top 3 mit dem Titel?
Florian Bayer: Paranoia. Nur weil du paranoid bist, heißt nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.
Johannes Franke: Das musstest du jetzt sagen.
Florian Bayer: Natürlich. Na gut.
Johannes Franke: Okay, ich habe tatsächlich diesmal nur drei Filme vor mir und muss mich gar nicht aussuchen, aber ich habe die rein vorgenommen. Ich habe, Moment mal, was mache ich denn? Ich muss als erstes, oder?
Florian Bayer: Ja, du musst als erstes.
Johannes Franke: Okay, ich habe als erstes, ah, ich sage dir, ich habe als erstes Memento. Der durch seine Krankheit, dass er nichts im Gehirn halten kann, sich aber irgendwelche Notizen hinterlässt, die für einen, der gerade vergessen hat, was gerade passiert ist, doch auch relativ kryptisch sind. Und er versucht dem irgendwie nachzukommen, was er da sich selbst an Notizen hinterlässt und was andere ihm erzählen, was gerade passiert ist. Da steckt natürlich ein Grundparanoia dahinter. Die ganze Zeit, dein Leben besteht nur aus was jetzt? Und wer ist hinter mir her? Oder bin ich das? Oder was ist hier los? Also es ist wirklich eine Grundspannung, die auch tatsächlich der Film sehr, sehr gut vermittelt, finde ich.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Ja, cool. Cooler Pick. Mein Platz 3 ist ein unterschätzter Fincher-Film, meiner Meinung nach, The Game aus dem Jahr 1997, in dem Michael Douglas das Opfer eines bösartigen Spiels wird und die ganze Zeit... durch die Stadt irrt und nicht weiß, ist das jetzt Teil des Spiels oder ist das echt? Und dementsprechend auch ziemliche Paranoia entwickelt. Ein wirklich netter, cooler, kleiner, gehässiger Genre-Film.
Johannes Franke: Über Mein Platz 2 haben wir geredet und zwar 23. Nichts ist, so wie es scheint, ein deutscher Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und wir haben ja relativ wenig deutsche Filme besprochen im Vergleich zu unseren 240 insgesamt. Oder 250. 250 Filme, meine Güte. Okay, und... 23 ist tatsächlich, wir haben nochmal nachgeschaut, wir waren tatsächlich beide relativ begeistert von dem Film.
Florian Bayer: Ich war erstaunlich begeistert davon. Ich hatte nicht erwartet, dass er so gut ist. Also ich kannte ihn schon, hatte ihn aber nicht so gut in Erinnerung. Und ja, war wirklich ein erstaunlich guter Film.
Johannes Franke: Es geht um Karl Koch, der tatsächlich existierte. Ein Hacker aus Mitte der Ende der 80er, wo wir dann ganz viele... biepende, seltsame, große, klobige Geräte vor uns haben, weil die irgendwie sich reinhacken in das Early Internet, was irgendwie noch sehr, sehr früh und sehr, sehr unausgereift ist. Macht sehr viel Spaß, diese, also überhaupt die visuellen Sachen zu sehen. Und der sich mit 19 anfängt, irgendwo reinzuhacken und dann ins Atomkraftwerk reinhackt und so und dann aber immer paranoider wird und immer mehr denkt, dass er verfolgt wird von irgendwelchen Leuten und dann absurden Kram macht. Das ist ein sehr, sehr guter Film geworden, finde ich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist eine tolle schauspielerische Leistung von August Diehl, muss man sagen. Du hattest ein bisschen was über den Roman Illuminatus zu sagen.
Florian Bayer: Einer der besten Romane des 20. Jahrhunderts.
Johannes Franke: Also wo wir auch bei Verschwörungstheorien sind und so weiter.
Florian Bayer: Illuminatus ist eigentlich, das ist ja das Witzige, dass das so als Vorlage für diesen Film wird und für die Verschwörungstheorien von Koch und anderen Leuten. Illuminatus ist eigentlich eine gewaltige Satire auf Verschwörungstheorien.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Die darf man nicht zu ernst nehmen, aber sie macht höllisch Spaß. Ein wirklich wirres Buch.
Johannes Franke: Absolut empfehlenswert von Hans-Christian Schmidt, der Film.
Florian Bayer: Mein Platz 2 aus dem Jahre 1975 von Sidney Pollack. Wenn wir bei Paranoia sind, müssen wir zumindest einen klassischen Agenten-Thriller drin haben. Die drei Tage des Kondor mit Robert Redford, der im September dieses Jahres gestorben ist, leider. Über einen CIA-Mitarbeiter, der so einen ganz langweiligen Bürojob eigentlich hat, wo er Sachen auswertet. Und dann werden aber alle seine Kollegen umgebracht und er flieht und weiß genau, was das Protokoll sagt. will das auch machen. Das Problem ist, irgendjemand versucht ihn dann auch noch zu töten und dann weiß er nicht, wohin.
Johannes Franke: Ist das ein Film, den wir besprechen müssten?
Florian Bayer: Den muss es dir definitiv mal geben. Das ist meiner Meinung nach einer der besten Agenten-Thriller, Verschwörung-Thriller überhaupt.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 1 The Lodger 1927 von Hitchcock.
Florian Bayer: Der Mieter!
Johannes Franke: Es war so großartig, Flor. Wir haben ihn besprochen, ne? Ja. Und ich hab ihn jetzt... Nochmal gesehen beim Filmabend, die Scharie hier, meine Freundin.
Florian Bayer: Gestern?
Johannes Franke: Ja, genau. Du warst nicht da. Ja,
Florian Bayer: ich musste auf mein Kind aufpassen, weil meine Frau Gebärdensprachkurs hatte.
Johannes Franke: Okay, du bist gerade so entschuldigt. Hast du denn so einen Entschuldigungstitel von deiner Freundin dabei mit Unterschrift und allem?
Florian Bayer: Lass ich mir geben.
Johannes Franke: Okay, gut. Also, wir haben ihn gesehen gestern nochmal und ich fand ihn wieder so großartig. Meine Güte, ich habe das Bedürfnis nochmal mit dir darüber zu reden. Der ist so gut. Hitchcocks. Quasi erster richtiger Hitchcock-Film. Er hat vorher so zwei Filme, glaube ich, gemacht, aber die verschweigt er immer möglichst. Und das ist so der erste Film, wo man sagt, okay, da hat Hitchcock seinen ersten Cameo, da hat Hitchcock seine ersten Sachen ausprobiert, die später richtig tragend für seine Filme geworden sind. Er hat richtig tolle Ideen und ist fast mein Liebling von Hitchcock gerade. Er ist ein großartiger Film. Super krass, richtig gut gemacht. Also The Lodger von 1927.
Florian Bayer: absolut sehenswert. Wir haben auch lange drüber gesprochen. Guckt euch den Film zuerst an. Man findet ihn auch online. Wegen seines Alters. Guckt ihn euch an und dann hört euch vielleicht auch unsere Episode dazu an, wenn ihr ein bisschen Hintergrundwissen dazu noch haben wollt.
Johannes Franke: Ich habe übrigens gar nicht gesagt, worum es geht. Nur damit ihr wisst, was ihr da eigentlich guckt. Es geht um einen Serienmörder, der in London umgeht. Im London Fog. Und dann gibt es einen Typen, der wo einzieht bei Leuten, die Zimmer zu vermieten haben und die Leute haben so langsam das Gefühl, oh, ist das vielleicht der Serienmörder, weil irgendwie verhält er sich verdächtig. Und so entwickelt sich halt. Hilarity ensues. Oder sowas.
Florian Bayer: Mein Platz 1 von Adrian Lyon aus dem Jahr 1990. Adrian Lyon, Regisseur, der eigentlich und teilweise auch zu Recht nicht unbedingt den besten Ruf hat, der aber mit Jacob's Ladder einen der coolsten Mysteryfilme aus... den frühen 90ern gemacht hat, in dem Tim Robbins einen Vietnam-Veteran spielt.
Johannes Franke: Ist Mystery nicht auch ein bisschen zu kurz gegriffen und schon eher Horror?
Florian Bayer: Es geht auf jeden Fall auch in die Horror-Richtung. Den muss ich dir auch irgendwann mal geben, aber offensichtlich hast du den auch schon mal gesehen.
Johannes Franke: Nein, ich habe nur darüber gelesen.
Florian Bayer: Ah, okay. Ein wirklich düsterer Film, Vietnam-Veteran, der irgendwie nicht klarkommt mit dem, was er im Krieg erlebt hat und von Albträumen geplagt wird und dann herausfindet, dass er mit seinen Mitsoldaten offensichtlich Teil eines Drogenexperimentes war und dass die Drogen nachwirken und der sich dann fragt, wird er jetzt Gejagt von der Regierung deswegen? Oder halluziniert er das nur? Und was ist Wirklichkeit? Und was ist Traum? Und alles verschwimmt miteinander. Großartiger Film.
Johannes Franke: Okay, cool. Ganz gute Top-3, ne? Ja,
Florian Bayer: haben wir. Ja.
Johannes Franke: Ich habe das Gefühl, manchmal, wir haben mit 200 Episoden, 250 Episoden hinter uns. Irgendwann geht einem natürlich auch ein bisschen das Material flöten, wenn man so denkt, was für eine Top 3 machen wir denn jetzt oder so. Und dann bin ich jedes Mal wieder überrascht und denke mir, wow, cool, sind wieder gute Filme bei rumgekommen und gute Ideen. Das war unsere
Florian Bayer: Top 3. So, du hast gesagt, du hast noch ganz viel.
Johannes Franke: Ich finde, dass wir einmal ganz kurz wenigstens auch noch ein bisschen Kritik äußern dürfen. Nein,
Florian Bayer: absolut.
Johannes Franke: Ich finde, was wir vorhin gesagt haben, dass der Regisseur sich an seine eigene Physik, die er aufbaut, wenigstens auch halten sollte. Und dieser Film hier wirklich sehr, sehr wenig Physik aufbaut und auch deswegen die Latte relativ niedrig ist, woran er sich halten muss. Aber er sagt zumindest am Anfang mal, wenn der Geist, in Anführungsstrichen, die Entität dich berührt. dann bist du tot und dann passiert das später und niemand ist tot.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist ein bisschen, also solche Sachen finde ich schwierig.
Florian Bayer: Mich nervt es grundsätzlich und das kommt viel zu oft in solchen Horrorfilmen vor, wenn es den Detektivplot in der Mitte gibt. Die, die gejagt werden, forchen einmal dem Horror hinterher.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist meistens überflüssig und meistens irgendwie auch so wirklich, erhalte Hinweis A, in dem Fall ist es ein Foto mit einer Highschool-Jacke, fahre zu Ort B, erhalte Hinweis C.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann sind sie bei ihm. um zu wissen, was die... Und das ist einfach... Meistens wirkt es reingeschustert. Oft wirkt es wie Filmmaterial in dem Film leider auch ein bisschen. Und der Jumpscare, wenn sie in seiner verlassenen Wohnung sind, die ganz geil aussieht, so mit den zugehangenen Fenstern, mit den Zeitungen und so, eigentlich ganz cool. Und mit diesem Glockenspiel, das er überall hingehängt hat, um sich warnen zu lassen. Gute Idee übrigens. Kudos, Craig. Offensichtlich kommt Jay nicht auf diese Idee.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Aber da gibt's... Ein Jumpscare, den dieser Film nicht verdient hat. Der Film ist zu gut für diesen Jumpscare. Und zwar steht sie im Bad und das ist so eine halbe Wand. Und dahinten macht sie den Medizinschrank auf und dann fällt die Wand runter und ihre Schwester steht dahinter. Und es ist so von der Qualität ganz knapp vor Katzenjumpscare. Katzenjumpscares sind die faulsten, billigsten Horroreffekte überhaupt. Wenn ich einen... Wenn ich einen Fake-Jumpscare mit einer Katze in einem Film sehe, verliert der automatisch zwei Punkte. Dieser Jumpscare ist nur knapp davor, aber ist auch nicht gut.
Johannes Franke: Okay, aber die Skala möchte ich jetzt wissen. Zwei Punkte von wie viel?
Florian Bayer: Von 150? Na toll. Von 10.
Johannes Franke: Von 10?
Florian Bayer: Das ist schon krass viel. Wenn du einen Fake-Jumpscare mit einer Katze in einem Horrorfilm hast, kannst du nicht mehr als acht Punkte kriegen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Period. Da bin ich konsequent.
Johannes Franke: Okay, gut, dann weiß ich ja, was ich in meine Filme einbaue, wenn ich mal sowas machen sollte. Ja, also ich habe jetzt auch gar nicht leider alle meine Kritikpunkte gefunden hier in meiner Liste. Ich habe gedacht, wenn ich jetzt hier durchscrolle, dann fällt mir das alles auf. Aber leider gibt es jetzt gar nicht mehr so viel. Vielleicht gibt es einfach gar nicht so viele Kritikpunkte für diesen Film. Es tut mir so wahnsinnig leid, aber ich finde den Film einfach sehr gut.
Florian Bayer: Ich kann nachvollziehen und das hat was mit der Erwartungshaltung zu tun. Und wenn... klassische Horrorfilmfans in diesen Film gehen und gelesen haben, das ist der Horrorfilm des Jahres. Und dann erwarten sie einen düsteren Film, der sehr viele Schreck- und Gruselmomente hat. Ich kann nachvollziehen, dass man ihn dann zu langatmig findet und zu viele Bilder, in denen nichts passiert. Die gibt es nämlich, klar. Und wenn man mit diesem sublimen Schrecken, der dann unter diesen Bildern liegt, nichts anfangen kann, dann langweilt man sich eher.
Johannes Franke: Ja. Ja, verstehe ich schon, aber man weiß doch inzwischen, dass sowas auch anders geht und dass das anders formuliert wird inzwischen. Also wir sind ja auch nicht mehr in den 80ern. Wir sind ja Gott sei Dank nicht mehr in den 80ern, auch wenn es da tolle Filme gab, aber wir wollen ja auch diese psychologischen Sachen sehen inzwischen.
Florian Bayer: Das Ding ist halt, wir kommen halt auch aus einer Zeit, wo so Filme wie Contouring zum Beispiel, das sind die Mainstream-Horror-Filme, die die Genre-Fans lieben. Contouring und also mehr Body-Horror, The Nun. Nee, nicht mehr so eine Fixierung. Mehr Schock. Mehr Schock. Und das sind die Filme, die mich nicht gruseln, weil es sind für mich zu viele Jumpscares drin. Wirklich, es ist das Jumpscare-Kino.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und Jumpscares, finde ich, werden ganz schnell lazy. Und die Filme, die in diesem Contouring-Umfeld entstanden sind und die teilweise ja wirklich groß erfolgreich waren, habe ich sowas wie Annabelle, sowas wie The Nun, sowas wie Insidious. Ja, da habe ich auch einige davon gesehen, die haben halt so eine sehr klare Formel. Und wenn man genau das erwartet, dann ist das ja auch cool. Man will quasi gegruselt werden, also es ist eine düstere, unheimliche Atmosphäre. Und dann nach zehn Minuten oder nach fünf Minuten kommt der erleichternde Buh. Und das kann dann ein Fake-Jumpscare sein oder halt ein echtes Monster. Das kommt meistens dann auch zuerst ein Fake-Jumpscare und dann das echte Monster. Und das ist so ein bisschen dieses Kirmes-Attraktion-Ding. Das ist so ein bisschen, wie du auch eine Komödie guckst. Du willst deine Pointen haben.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und genau, wir wissen, es gibt auch Komödien, die sauwitzig sind, ohne Pointen. zu haben. Das ist dann halt auch so, willst du deinen Leslie Nielsen mit drei Gags pro Minute?
Johannes Franke: Ja, also ich schon.
Florian Bayer: Das kann auch unterhaltsam sein. Also das kann ich verstehen. Wenn man das erwartet, dann wird man enttäuscht sein von diesem Film, weil das ist es einfach nicht. Und das ist, was Mainstream-Horror betrifft, ist das eigentlich das Rezept der letzten 20 Jahre gewesen. Wenn wir vom Post-Horror reden, reden wir von ein paar Überraschungserfolgen, wie dieser Film, der 20 Millionen eingespielt hat. Großer Überraschungserfolg, Mund-zu-Mund-Propaganda auch ganz viel.
Johannes Franke: Ja, der hat keinen großen Release am Anfang bekommen. Am Anfang war es so ein Limited Release, wo man sagt, naja, so ein paar ausgewählte Kinos. Und dann wurde der halt erfolgreich und dann gab es den großen Release.
Florian Bayer: Aber ansonsten reden wir von Filmen, die auch nicht so groß Erfolg waren. Wenn du guckst, was sind die populären Horrorfilme unserer Zeit, dann ist es nicht sowas wie The Lighthouse oder The Witch. oder Nosferatu-Remake, das habe ich ausgerechnet drei Eckersfilme genannt.
Johannes Franke: Ungeschickt. Aber du weißt, worauf ich hinaus will. Aber die da draußen nicht, Flo. Erzähl mir noch mehr.
Florian Bayer: Hereditary war, glaube ich, ziemlich erfolgreich und Get Out war auch sehr erfolgreich. Aber es ist halt eher Contouring und es ist halt eher Annabelle.
Johannes Franke: Na gut. Okay. Okay. No judgment, ihr da draußen. Wenn ihr eher Annabelle mögt, dann alles gut. Alles gut.
Florian Bayer: Annabelle habe ich nicht gesehen. Conjuring fand ich wirklich nicht gut. Ich sehe, was da Menschen drin sehen können. Es ist halt einfach, es ist ein bisschen mehr Geisterbahnspektakel und das ist, glaube ich, bei Filmen nicht so meins.
Johannes Franke: Ja. Na gut.
Florian Bayer: Aber no disrespect. Also, genau. Geschmäcker sind unterschiedlich.
Johannes Franke: Willst du noch ein Fazit hinten dran? Für den Film. Als positives Ende. Das Urteil.
Florian Bayer: Es ist ein großartiger Film. Er hat mir wirklich Angst gemacht, dass es nur wenigen Filmen in den letzten zehn Jahren gelungen. Der hat definitiv dazugehört und dafür weiß ich ihn sehr zu schätzen. Ich mag das Vage, das Parabolische, das sehr Offene und die ganze Atmosphäre.
Johannes Franke: Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass wir zu unkritisch mit dem Film umgehen jetzt die ganze Zeit. Ey, du hast angefangen damit, dass du die ganze Zeit Kritik von anderen aufgezählt hast. Wir haben die Kritik halt nicht. Und das finde ich so, ich bin mir selbst gegenüber misstrauisch, weil ich nicht genug Kritikpunkte gefunden habe. Weil es ist ein fucking Horrorfilm und ich mag keine Horrorfilme.
Florian Bayer: Du darfst den Film einfach mögen. Es ist Kunstkacke. Nein, das geht nicht. Wir sind doch gerade dazu gekommen, dass es ein Kritiker-Darling ist, dass viele die Nase rümpfen und sagen, der ist langweilig.
Johannes Franke: Aber so richtig Kunstkacke ist es ja dann auch nicht. Dafür guckt es sich zu leicht.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Es ist keine Kunstkacke. Es ist nicht so, dass das irgendwie so Gregory Crewson, du stellst nur die Kamera auf und die bleibt und bleibt und bleibt und du denkst dir irgendwann, schneid mal weg. Nein, das macht er ein gutes Pacing.
Florian Bayer: Aber offensichtlich so viel Kunstkacke, dass dann doch einige gesagt haben,
Johannes Franke: ich verstehe euch nicht.
Florian Bayer: Ich auch nicht. Aber die meisten, also tatsächlich die meisten Menschen, die ich kenne, mögen den Film.
Johannes Franke: Okay, das beruhigt mich ein bisschen. Na gut, okay, dann hatten wir einfach mal einen guten Film. Was soll's? Dafür ist der Podcast ja da.
Florian Bayer: Guckt euch... Bilder von
Johannes Franke: Gregory Crewson an.
Florian Bayer: Von Gregory Crewson an. Ja. Lest den Idioten von Dostoevsky.
Johannes Franke: Richtig. Ganz, ganz wichtig.
Florian Bayer: Und genießt weiter gute Horrorfilme. Wir haben noch einen. Wir haben noch einen in diesem Monat. Wir haben noch einen letzten Horrorfilm. Warum? Und just truly Johannes Franke ist noch einmal verantwortlich uns Horrorprogramm zu liefern.
Johannes Franke: Ja, ich versuch's. Ich überleg mir was, Flo. Okay. Dann bleibt ihr einfach noch mal dran und hört euch noch mal unseren Abschluss-Jingle an. Und dann werde ich euch verraten, was ich mir ausgedacht habe, was wir uns angucken.
Florian Bayer: Ansonsten vielen Dank, wie immer, fürs Zuhören. Es ist toll, dass ihr da seid.
Johannes Franke: Ja, es macht sehr viel Spaß mit euch. Bleibt dran. Kommentiert immer. Kommentiert fleißig.
Florian Bayer: Empfiehlt uns weiter.
Johannes Franke: Genau. All diesen Kram, ihr kennt das.
Florian Bayer: Bleibt uns gewogen.
Johannes Franke: Schickt uns Geld.
Florian Bayer: Wir sehen uns nächst... Wir hören uns nächste Woche und wartet noch kurz, damit ihr auch wisst, welchen Film ihr bis dahin gucken müsst.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao. Flo, ich will Frankenstein machen.
Florian Bayer: Geht nicht. Ich bin weg. Ich kann nicht mit dir ins Kino gehen. Tut mir leid, ich bin im Urlaub.
Johannes Franke: Flo! Flo! Ja, das haben wir schon festgestellt. Ich wollte nochmal lingeln. Ich wollte Frankenstein machen, aber wir kriegen das schon irgendwann unter. Aber Frankenstein müssen wir auf jeden Fall machen.
Florian Bayer: Wir können Frankenstein nicht machen. Also es ist ein offenes Geheimnis. Wir nehmen immer im Voraus auf. Das heißt, wir sind unserer Zeit weit voraus. Und eigentlich kommt Frankenstein jetzt ins Kino? Und zwar genau jetzt, diese Woche, glaube ich, wo ihr diese Episode hört. Und Johannes wollte eigentlich, dass wir zusammen ins Kino gehen und den Film sprechen, was total geil ist. Das haben wir viel zu selten gemacht. Ein paar Mal haben wir es geschafft und das war immer toll. Geht aber leider nicht, weil ich genau jetzt, wo ihr mich hört, im Urlaub bin. Ich existiere quasi gar nicht.
Johannes Franke: Kriege ich das in meinem Kopf sortiert? Nein, das geht doch gar nicht. Flo ist doch in dieser Küche.
Florian Bayer: Deswegen müssen wir einen anderen Film machen, den wir vorher aufnehmen. Jetzt spreche ich für das Vorjahr, in dem wir diesen Film aufnehmen werden. Und was für ein Film wird es sein?
Johannes Franke: Flo, immer wenn ich unsere Folgen schneide und deine Stimme höre, gehe ich irritiert in die Küche und gucke, ob du da sitzt.
Florian Bayer: Ja, damit habe ich gerechnet.
Johannes Franke: Also folgendes, wir machen jetzt einfach ersatzweise, weil ich das sowieso machen wollte und Flo mich jetzt zwingt, dass ich ihn dann jetzt mache als Ersatz, Flatliners. Flatliners aus dem Jahr 1990 von Joel Schumacher. Ein Film, der ganz, ganz früh in meiner Jugend irgendwann eine Rolle gespielt hat und ich ihn seitdem nicht mehr gesehen habe.
Florian Bayer: Ich habe ihn auch ewig nicht gesehen, aber ich weiß, er hat mir Angst gemacht damals.
Johannes Franke: Und ich weiß überhaupt nicht mehr, ob er irgendwas hat, irgendwas Gutes, weil oft genug sitze ich jetzt vor einem Film und denke mir,
Florian Bayer: oh mein Gott.
Johannes Franke: Was hast du da gesehen drin? Was war das? Warum?
Florian Bayer: Also ich weiß noch, als ich den gesehen habe als junger Jugendlicher oder altes Kind. hat er mich wirklich gegruselt. Und insofern hast du auf jeden Fall schon mal einen Halloween-Nerv getroffen.
Johannes Franke: Das ist doch schön. Okay, immerhin.
Florian Bayer: Nächste Woche ist unsere letzte Halloween-Woche und dann gibt es wieder normales Kino,
Johannes Franke: versprochen. Danke. Gott sei Dank. Okay, aber nächste Woche erstmal Fred Leiners. Bis dahin, schaut ihn euch an. Wir werden The Hell Out of It spoilern. Und habt Spaß damit. Tschüss dann. Ciao.
