Episode 254 – Coffee and Cigarettes von Jim Jarmusch – Trivialitäten im Supercut
Coffee and cigarettes. Alles, was man für ein gesundes Frühstück braucht. Jim Jarmusch nutzt Kaffee und Zigaretten, um Menschen in Kontakt zu bringen, oder in manchen Fällen nicht in Kontakt zu bringen, obwohl sie zusammen sitzen.
Wir bekommen in elf kurzen Episoden Ausschnitte aus Gesprächen präsentiert, die nicht nur die titelgebenden Requisiten, sondern auch eine gewisse Awkwardness, Absurdität und Kommunikationsprobleme gemeinsam haben. Fast alle halten sich an Kaffee und Zigaretten fest, um die Lücken zu füllen, die zwischen den Worten und den Menschen klaffen.
Im Gegensatz zu Hitchcock, der Film als Zusammenschnitt der spannenden Teile des Lebens begreift, sind Jim Jarmuschs Gespräche hier ein supercut der Belanglosigkeiten, Banalitäten und Absurditäten.
Keine Action, kein großes Drama, keine laugh out loud Comedy, kein Horror, kein Thriller, keine Doku… Plor… what the hell is this movie?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 254 – Coffee and Cigarettes von Jim Jarmusch – Trivialitäten im Supercut Publishing Date: 2025-11-12T08:05:18+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/11/12/episode-254-coffee-and-cigarettes-von-jim-jarmusch-trivialitaeten-im-supercut/
Johannes Franke: Man kann sich halt nicht darauf verlassen, dass man zwei berühmte Personen in einen Raum sperrt und dann schon was Interessantes passieren wird. Genau. Das ist halt nicht so.
Florian Bayer: Es sei denn, man dreht Episode 9.
Johannes Franke: Hallo und herzlich willkommen, ihr da draußen. Ich hoffe, ihr habt Kaffee und Zigaretten dabei. Die brauchen wir heute. Es gibt wieder eine neue Episode des Muss-man-sehen-Podcast.
Florian Bayer: Hallo Johannes.
Johannes Franke: Hallo Bror.
Florian Bayer: Schön, hier zu sein. Wir haben lange nicht mehr aufgenommen, ne?
Johannes Franke: Wir haben viel zu lange nicht aufgenommen. Ich hab dich vermisst. Wir haben zwei Wochen oder drei Wochen? Drei Wochen.
Florian Bayer: Drei Wochen sogar. Urlaubs- und krankheitsbedingt.
Johannes Franke: Ja, furchtbar. Aber für euch, ihr kriegt das alles gar nicht mit, weil wir es schlau sind, euch voraus, Episoden zu produzieren, sodass ihr überhaupt... gar keine Lücke dazwischen habt und wenn wir euch das nicht erzählt hätten, fuck, warum haben wir es erzählt?
Florian Bayer: Ihr hättet es gar nicht mitgekriegt, aber ihr kriegt es jetzt sogar noch ein bisschen mehr mit, weil ich habe, wie es bei uns Tradition ist, Geschenke mitgebracht aus dem Urlaub.
Johannes Franke: Nein, wirklich? Oh, wie schön.
Florian Bayer: Und zwar einmal das klassische Souvenir. Oh mein Gott. Und zwar, wenn man irgendwo im Mittelmeerraum ist, dann sind es einfach mal Geckos. Deswegen habe ich Johannes einen kleinen kitschigen Holzgecko mitgebracht, den ich gar nicht so kitschig finde.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Den musst du dir irgendwo ganz prominent hinhängen.
Johannes Franke: Ja. So am Nagel hängen, ja? Genau so, perfekt. Sehr schön.
Florian Bayer: Und dann aber noch viel besser. Ich habe was aus dem Flugzeug gerettet. Ich habe ja manchmal eine gewisse Objektophilie. Ich weiß nicht genau. Ich habe keine romantischen und sexuellen Avancen gegenüber Objekten, aber manchmal habe ich Mitleid mit Objekten. Und ich hatte unglaublich Mitleid mit dieser Spucktüte, die im Flugzeug war. Deswegen, lies bitte vor.
Johannes Franke: Eine Kotztüte von Eurowings, auf der steht ich wäre auch lieber eine Popcorn-Tüte geworden.
Florian Bayer: Ich musste sie retten und ich finde, wir sollten ihren Wunsch erfüllen und in einer der nächsten Episoden uns Popcorn machen und in dieser Tüte essen. Sehr geil.
Johannes Franke: Ich habe eine Popcorn-Maschine. Ich weiß. Geil. Der Gecko ist aber auch großartig. Wo warst du denn genau, damit du das einsortieren kannst?
Florian Bayer: Ich war auf Ibiza.
Johannes Franke: Du warst auf Ibiza?
Florian Bayer: Die 90er Jahre haben angerufen, sie wollen ihren Urlaub zurückhaben. Ja,
Johannes Franke: und ihren Gecko.
Florian Bayer: Und wir haben das volle... Also ich liebe es tatsächlich. Ich liebe es, im Herbst nochmal so in den Süden zu reisen und irgendwie noch einmal Sonne zu tanken, bevor der deprimierende Berliner Wind anfängt.
Johannes Franke: Sehr gut, ja.
Florian Bayer: Und dieses Jahr haben wir das wirklich radikal durchgezogen. Ach, wie geil ist das denn? Und hatten ein All-Inclusive-Hotel.
Johannes Franke: Nein! Da musst du mir was empfehlen. Ich hatte nämlich im Dezember da was Ähnliches auch vor, Gran Canaria oder sowas. Ah, geil,
Florian Bayer: okay. Und tatsächlich haben wir uns... beide geschämt für diese Urlaubswahl, weil es echt so Wo machst du Urlaub? Ebiza, im All-Inclusive-Club-Hotel. Wir haben am letzten Tag mit einem Animateur und einer Gruppe betrunkener Briten Tischtennis gespielt und Fußballtennis. Es war großartig.
Johannes Franke: Ja, dann, man muss sich ja auch in die Schuhe von Leuten begeben, wo man sonst immer versnobbt sagt. Ach, ihr macht All-Inclusive-Urlaub, wir gehen wandern.
Florian Bayer: Das Schlimme ist, ich genieße das komplett unironisch. Ihr Scheiße, ne? Ich stehe total auf diese Hotelanlagen, wo man am Pool liegen kann, einen Cocktail schlürfen, ab und zu ins Wasser springt und sich ansonsten die Sonne auf die Haut brennen lässt.
Johannes Franke: Ich habe das noch nie gemacht und deswegen habe ich vor, das im Dezember vielleicht doch nochmal nachzuholen in meinem Leben.
Florian Bayer: Good for you.
Johannes Franke: Mal gucken.
Florian Bayer: Aber damit kommen wir zu einem, was da natürlich im Urlaub auch stattgefunden hat, zu dem Thema Kaffee und zu dem Thema Zigaretten.
Johannes Franke: Du bist großer Raucher, Plor.
Florian Bayer: Ich bin großer Raucher und großer Kaffeetrinker und du bist beides nicht. Und trotzdem hast du diesen Film vorgeschlagen.
Johannes Franke: Ja, ich habe plötzlich diese Romantisierung in diesem Film entdeckt und festgestellt, ich muss rauchen. Ich muss rauchen und Kaffee trinken. Meinen Magen wird es mir nicht danken, aber das ist ganz wichtig. Es scheint ein Ritual zu sein, was Leute zusammenbringt.
Florian Bayer: Coffee and Cigarettes aus dem Jahr 2003 von Jim Jarmusch, den wir schon öfter im Podcast hatten, sowohl mit seinen Episodenfilmen als auch mit seinen... Langwerken, die eine durchgehende Geschichte erzählen.
Johannes Franke: Only Lovers Left Alive zum Beispiel.
Florian Bayer: Genau, Only Lovers Left Alive hatten wir und Deadman als seine großen Langfilme und wir hatten als einen Episodenfilm Night on Earth, wo sie im Taxi über die Erde fahren. Und ich bin sehr gespannt auf deinen Take, was du mehr magst, ob du mehr die Charm- und Episodenfilme oder mehr die Langfilme magst. Also du hast den Film vorgeschlagen, du musst eigentlich gespannt sein.
Johannes Franke: Ich bin total gespannt, was ich gleich erzählen werde, weil ich habe ja einen Text, der soll erzählen, was in dem Film passiert. Aber es ist ein bisschen schwierig, aber das findet ihr gleich raus, warum. Coffee and Cigarettes. Alles, was man für ein gesundes Frühstück braucht. Jim Jarmusch nutzt Kaffee und Zigaretten, um Menschen in Kontakt zu bringen. Oder in manchen Fällen nicht in Kontakt zu bringen, obwohl sie zusammensitzen. Wir bekommen in elf kurzen Episoden Ausschnitte aus Gesprächen präsentiert. die nicht nur die titelgebenden Requisiten, sondern auch eine gewisse Awkwardness, Absurdität und Kommunikationsprobleme gemeinsam haben. Fast alle halten sich an Kaffee und Zigaretten fest, um die Lücken zu füllen, die zwischen den Worten und den Menschen klaffen. Im Gegensatz zu Hitchcock, der Filme als Zusammenschnitt der spannenden Teile des Lebens begreift, sind Jim Jarmusch's Gespräche hier ein Supercut der Belanglosigkeiten, Banalitäten und Absurditäten. Kein Action, kein großes Drama, kein Love Out Loud. Comedy-Funny-Dings kein Horror. Kein Thriller, keine Doku. Floor, what the hell is this movie? Gute Frage.
Florian Bayer: Ein Episodenfilm?
Johannes Franke: Ja, aber das ist doch kein Genre, hör mal.
Florian Bayer: Wir haben verschiedene Genres hier drin. Wir haben definitiv ganz eindeutig Komödienstücke.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Hauptsächlich sogar.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben aber auch noch ein bisschen anderes. Wir haben irgendwie so sehr viel Metakino, ne? Promis, die sich selbst spielen. Promis, die sich mit ihrem Ruhm auseinandersetzen. Mit dem, was sie erreicht haben. Wir haben... ein, zwei kleine Tragödien.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben mindestens einen Familienfilm.
Johannes Franke: Wir haben einen Familienfilm? Ja, naja, naja, naja.
Florian Bayer: Also wir haben tatsächlich, wir haben verschiedene Chancen und das macht es auch so schwer, diesen Film zu greifen, weil er das, was er am Anfang entwickelt, wo man denkt, ah, da geht's hin, nämlich Comedy, so kleine Comedy-Bits, nicht konsequent durchzieht, sondern naja, so rumschlingert ein bisschen. Und vielleicht macht es tatsächlich in dem Fall Sinn, dass wir uns so Wort. Episode für Episode greift?
Johannes Franke: Ich würde auch sagen, wir gehen da Episode für Episode durch, aber vorher sollten wir wenigstens einmal darüber reden, welche Gemeinsamkeiten diese Episoden haben, damit wir nicht jedes Mal sagen müssen, übrigens Schachbrettmuster. Sondern einfach, es ist, es gibt verbindende Elemente, wie zum Beispiel dieses Schachbrettmuster, das in verschiedener Form wieder auftaucht. Ob es die Tischdecke ist, ob es der Boden ist, ob das Was denn noch eigentlich? Keine Ahnung. Irgendwelche Servietten? Nee, ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Es ist meistens ziemliches Chaos auf dem Tisch. Ja, ja, ja. Und Jamush hat das auch gesagt. Es war ihm ganz wichtig, immer den Tisch mit dem Kaffee und den Zigaretten und dem Aschenbecher, der natürlich dazugehört, wenn du keine Sau bist, von oben zu filmen, um diese Szenen irgendwie zu etablieren. Und er fand das sehr angenehm, weil er meint, er ist jemand, dem sehr wichtig ist, wie eine Szene konstruiert ist. Und wenn man sich andere Filme von Jamush ansieht, merkt, merkt man das sehr schnell. Es ist ein amerikanischer Indie-Regisseur, der 90er ist. So ein bisschen dieses Robert Altman und auch Wes Anderson-Ding. Ich will ein schönes Framing haben. Ich will einen schönen Rahmen für meine Szene.
Johannes Franke: Eine gewisse überraschende Formalität für einen Menschen, der sich sonst an den Charakteren festhält.
Florian Bayer: Genau, auf jeden Fall. Es ist so ein Ding, diese Ästhetik im banalen, im trivialen Interagieren von Menschen zu finden. Und gleichzeitig vielleicht auch in der Kunst dieses Triviale hervorzuholen und zu erklären oder auch zu rechtfertigen, warum das trotzdem Kunst sein kann. Und haben wir es dann schon mit dem, was diese Episoden gemeinsam haben, weil die sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden?
Johannes Franke: Ja, ich finde nicht, dass die Gemeinsamkeit, also er hat starke Gemeinsamkeiten in den Figuren. Das hat aber vielleicht nicht unbedingt was mit einem erklärten Ziel des Films oder des Filmemachers zu tun, sondern er scheint sich dafür sehr zu interessieren. Nämlich missglückter Kommunikation. Kommunikation, die auf Ebenen stattfindet, auf Hochstatus, Tiefstatus basiert. Solche Sachen. Neid und so ein bisschen Kampf. Wer ist hier der Berühmtere? Solche Sachen.
Florian Bayer: Aber auch das ist ja nicht konsequent. Es gibt in diesem Film Gespräche, die extrem feindselig sind. Oder wo eine Partie zumindest extrem feindselig ist.
Johannes Franke: Es gibt Gespräche,
Florian Bayer: wo Menschen sich sehr auf Augenhöhe begegnen. Und wo es auch wirklich einfach so ein freundschaftliches... anwenden, gibt es vielleicht weniger. Es gibt sehr viele Konflikte,
Johannes Franke: muss man sagen.
Florian Bayer: Aber es ist jetzt nicht so konsequent, dass die Kommunikation immer komplett missglückt oder komplett daneben ist oder komplett weird ist. Es schlingert schon so ein bisschen.
Johannes Franke: Ja, aber man hat schon das Gefühl, dass das Dominante doch die missglückte Kommunikation oder die absurde Kommunikation oder die nicht besonders dramaturgisch wertvolle Kommunikation ist.
Florian Bayer: Definitiv. Es hat nämlich sehr oft in dieser Kommunikation so eine Alltäglichkeit.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Jamush hat gesagt, eigentlich wurde alles geschrieben. Und dann ist es aber so, dass es komplett unterschiedlich war, wie sehr die Episoden vom Skript abgewischt sind. Es gibt einige, die sich extrem ans Skript gehalten haben, unter anderem die mit Cate Blanchett. Was auch total Sinn macht, wenn man diese Episode sieht. Weil es gibt einfach technische Hürden, die es schwer machen, die zu improvisieren.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und es gibt andere, die sind extrem vom Drehbuch abgewichen, zum Beispiel die erste mit Roberto Bernini. Und das war so alles dazwischen fast komplett improvisiert und Skript eins zu eins wiedergegeben.
Johannes Franke: Naja, jedenfalls habe ich das Gefühl, dass die Gemeinsamkeit des gescheiterten Gespräches irgendwie recht stark ist. Vielleicht nicht in jedem Teil. Die Leute, die sich gegenseitig erzählen, wie schlecht Rauchen ist und dabei rauchen. Die beiden älteren Italo-Amerikaner, die finde ich viel freundschaftlicher. Auf jeden Fall. Aber da kommen wir gleich zu.
Florian Bayer: Das ist ja auch ganz interessant, weil da haben wir ja auch alles von zwei Menschen begegnen sich zum ersten Mal, zwei Fremde unterhalten sich miteinander, bis hin zu zwei Menschen, die offensichtlich schon ihr ganzes Leben zusammensitzen und Kaffee trinken und Zigaretten rauchen.
Johannes Franke: Ja, und Ehestreit haben.
Florian Bayer: Und Ehestreit haben, ja.
Johannes Franke: Ja, ansonsten, ja. Gibt es, glaube ich, tatsächlich nicht so wahnsinnig viele Gemeinsamkeiten, die man noch rausstellen müsste.
Florian Bayer: Ich finde, es sind halt vor allem die Unterschiede, die wir irgendwie sehen werden. Die Filme stammen aus verschiedenen Zeiten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist eine bunte, wilde Mischung aus Promis, die teilweise Rollen spielen, die teilweise sich selbst spielen, die teilweise sich selbst und andere Rollen spielen. Dann wiederum wirklich Menschen, die quasi aus dem Alltag. genommen scheinen. Und wir haben auch, obwohl Kaffee und Zigaretten natürlich irgendwie so schreit danach, dass jetzt die Leute in den Kaffee haben, wir sehr unterschiedliche Setups. Wir haben jetzt nicht eigentlich immer diese typische Kaffeeansicht, sondern auch Räume, die das schon fast transzendieren, was man als Kaffee bezeichnen würde.
Johannes Franke: Um das mal ganz kurz einzusortieren, was die ganze Zeit aus unterschiedlichen Zeiten, ja, die Filme sind aus unterschiedlichen Zeiten. Das Ding ist über 17 Jahre hinweg entstanden. Also 1986 mit dem ersten Kurzfilm Und dann 2003 mit recht vielen zusätzlichen Kurzfilmen, die dann das Ganze abgerundet haben. Und wir können ja dann immer so ein bisschen einsortieren, wo das dann, wann das stattgefunden hat.
Florian Bayer: Aber bevor wir mit den Episoden starten, starten wir mit... dem Song, der am meisten aufgenommen wurde in der Geschichte des Rock'n'Roll, nämlich Louie Louie von Richard Berry aus dem Jahr 1959. Offensichtlich einer der am meisten gecoverten Songs, den es in zahllosen Varianten gibt, hier im Original. Wir hören es später nochmal in einer Iggy-Pop-Version, in einer Punk-Version. Und dieser Song begleitet den Vorspann und dann steigen wir ein mit der ersten Episode.
Johannes Franke: Erste Episode bringt mich total raus schon. Ich weiß schon jetzt nicht, was ich eigentlich damit anfangen soll. Roberto Benigni sitzt zusammen mit Steven Wright und riffen da und scheinen nur zu improvisieren und sich überhaupt nicht zu verstehen. Und ich verstehe auch nicht viel, muss ich sagen. Wirklich, ich verstehe echt nicht viel. Und ich sehe mir das Setting an und denke mir, das ist doch lange bevor Jim Jarmusch irgendwas gewesen ist, oder? Sonst hätte der doch mehr Geld für ein ordentliches Set gehabt. Und was macht Benini da, wenn der noch als Anfänger da ist? Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht einsortieren. Weil es wirklich nach ganz, ganz schlimmen Studenten-Dasein aussieht, als Filmemacher.
Florian Bayer: Und es ist auch tatsächlich, es ist Jim Jarmusch, der noch nicht viel ist. Er hat seinen ersten großen Film gedreht, nämlich Stranger Than Paradise 1984 für 100.000 US-Dollar. Er ist noch ein junger Nachwuchsregisseur und er dreht... gerade seinen zweiten großen Film, mit dem er auch berühmt werden sollte, Down by Law, wo Roberto Benigni mitspielt und auch Tom Waits und wo diese lange Geschichte beginnt von Jim Jarmusch hat irgendwie alle in seiner Tasche und alle machen mit, wenn er Bock hat, was zu machen. Ich für meinen Teil möchte es auf Italienisch sagen. Non supporto Roberto Benigni. Ich kann Roberto Benigni nicht aushalten. Und es geht mir leider auch mit dieser Episode so. Ich ertrage diesen Mann leider nicht.
Johannes Franke: Leider ist es auch so comichaft, wie er da seine Hand schüttelt, weil er den Espresso nicht richtig und so. Er ist so nervös und er ist so comically nervös und das soll natürlich auch irgendwie die Comedy ausmachen von der Szene, weil die beiden gegeneinander geschnitten sind. Roberto Bellini, der total aufgeregt ist und Steven Wright, der total stoisch und sehr Deadpan reagiert. Also es ist natürlich soll das die Comedy ausmachen, aber irgendwie. Wenigstens kleinen roten Faden, damit ich irgendwo festhalten kann und damit ich dann auch lachen kann.
Florian Bayer: Das Problem ist, der rote Faden ist ja der Witz. Dass er einen Zahnarzttermin hat, keinen Bock hinzugehen. Und dafür darf Roberto Benigno für ihn gehen und freut sich total drüber. Und er muss Gott sei Dank nicht gehen.
Johannes Franke: Die Pointe finde ich gut, aber die kann nach einer Minute kommen und dann kann die Episode wieder vorbei sein. Ich finde die Pointe süß. Das ist eine Pointe,
Florian Bayer: die mein neunjähriger Sohn witzig fände, glaube ich.
Johannes Franke: Na und, da bin ich dein neunjähriger Sohn. Was soll's.
Florian Bayer: Das ist halt der rote Faden und ich fand es leider nicht witzig. Ich finde,
Johannes Franke: dass es tatsächlich die schwächste Episode des Films ist. Das Ding ist, es dauert ja eine ganze Weile. Also es ist jetzt nicht nach einer Minute vorbei. Es ist jetzt kein anderthalb Stunden Film, der Teil. Aber es ist so, dass ich wirklich am Anfang so ganz begeistert, weil ich ja mich erinnert habe, wie toll ich den Film fand. Da sitze mit so einem Grinsen. Und denke, jetzt kommt es, jetzt kommt es, jetzt kommt es. Und dann friert das Grinsen so langsam ein, weil ich denke, wann kommt es denn, wann kommt es denn, wann kommt es denn? Und irgendwie, ich finde diesen einen, die Punchline irgendwie nett, aber das ganze Ding funktioniert für mich so schlecht leider. Es ist so traurig,
Florian Bayer: weil es ist halt das Erste und es ist das Älteste. Und vielleicht hätte er es nicht als Erstes nehmen sollen. Vielleicht hätte Jamush nicht chronologisch vorgehen sollen. Das macht er nämlich in dem Film weiter. Also es kommen die alten Filme, kommen jetzt weiter. Wir robben uns jetzt langsam so in die 90er rein. Es ist vielleicht nicht das Beste, um den Film zu eröffnen. Nee,
Johannes Franke: nee, nee. Gut, dass du das auch so siehst. Nee, schade eigentlich, dass du das auch so siehst, weil sonst hätten wir jetzt noch eine andere Perspektive haben können. Das Ding war eigentlich für Saturday Night Live geschrieben und gedreht. Die haben ja das nicht aus dem blauen Dunst gemacht, sondern es war für Saturday Night Live und die Idee war halt da. Und dieses kleine Ding sollte dann halt fürs Fernsehen produziert werden. Und wurde auch ausgestrahlt wohl und ich weiß nicht genau, wie es aufgenommen wurde damals.
Florian Bayer: Und ich hätte jetzt behauptet, es ist vielleicht ein bisschen zu bizarr und zu wenig pointenorientiert für Saturday Night Live.
Johannes Franke: Hast du Saturday Night Live gesehen?
Florian Bayer: Ja, ich bin tatsächlich kein großer SNL-Fan.
Johannes Franke: Aber warum, ist die Frage. Ich nämlich auch nicht so richtig. Ich habe das Gefühl, die sind nämlich so ein bisschen auch in der Zeit in dieser Richtung unterwegs gewesen. Es ist gar nicht so abwegig für diese Sendung.
Florian Bayer: Das ist gut möglich, aber die 80er, das ist die Zeit, wir sind irgendwie noch so in der Plus Brothers Zeit, ne?
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Was waren die großen Bits in den 80ern bei der Saturday Night Live? Es war noch nicht Wayne's World.
Johannes Franke: Ja, okay. Ach, es ist schwer einzusortieren. Aber auf jeden Fall habe ich mich auch gefragt, was das Saturday Night Live Publikum dazu gesagt hat, weil es ist ja ein wirres Ergebnis.
Florian Bayer: Wobei es natürlich auch die Andy Kaufman Zeit und Andy Kaufman hat auch sehr wirre und sehr schräge Sachen gemacht. Oh,
Johannes Franke: das stimmt, das stimmt. Wir haben lange über Andy Kaufman geredet. Hört euch die Episode an, es ist großartig. Und schaut euch Andy Kaufman an, der hat tolle Sachen gemacht. Naja, ich möchte meine Meinung zu diesem Teil auch mit einem italienischen Zitat machen, aber ich kann kein Italienisch, also sage ich einfach wie Bernini, I understand nothing. Sehr gut, ja.
Florian Bayer: So. Es wird Gott sei Dank besser. Wir kommen zur zweiten Episode. Twins aus dem Jahre 1989 mit Joali und Sinkeli, die hier Zwillinge spielen. Und Steve Buschimi, der nicht sich selbst spielt, sondern eine Bedienung, der sie ziemlich nervt.
Johannes Franke: Wie sprichst du den aus? Steve Buschimi, Steve Buschimi, Buschetta? Ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich glaube es ist Buschimi, aber ich bin mir nicht sicher und ich spreche es jedes Mal anders aus.
Johannes Franke: Steve! Wir haben doch, als wir über Fargo geredet haben, da haben wir doch mal kurz recherchiert, wie der sich ausspricht.
Florian Bayer: Und wir haben es vergessen.
Johannes Franke: Und wir haben es wieder vergessen.
Florian Bayer: Wie so viele Menschen davor.
Johannes Franke: Das ist das Einzige, was ich noch weiß. Und das ist er auch in dieser Szene, oder? Absolut, absolut. Was sagst du zu der Szene, bevor Steve reinkommt und nachdem er reinkommt? Die haben ja eine eigene Szene, bevor er kommt tatsächlich am Laufen. Holt die dich da raus aus diesem ersten Eindruck von Benigni und Wright, dass die da so, wo man denkt, ist das ein guter Film?
Florian Bayer: Ich kann mich nicht mehr wirklich erinnern. Ich habe nämlich das Gefühl, die Szene beginnt eigentlich, wenn Steve Buscemi, Buscemi, wie auch immer, reinkommt. Und wenn wir für die 80er ein wirklich interessantes Gespräch haben über Cultural Appropriation.
Johannes Franke: Ja, natürlich ist die Haltung, die Steve dabei hat. Ein bisschen seltsam, denn wir wissen ja alle, dass Elvis von Aliens entführt wurde. Seine Theorie ist völliger Quatsch.
Florian Bayer: Aber er ist der Deppe dieser Szenen. Jeder weiß, dass er Bullshit redet und dass die beiden, die wir hier haben, die übrigens die Brüder von Spike Lee sind, den Film machen, den wir später nochmal kurz erwähnt kriegen, die diskutieren, die kommen, also Steve Buscemi spielt einen großen Elvis-Fan und er erzählt ihnen zum einen seine Verschwörungstheorie, dass Elvis einen Zwillingsbruder hat und irgendwann ausgetauscht wurde. Was wiederum sie dazu bringt, darüber zu diskutieren, dass Elvis Presley einfach mal den Schwarzen die Musik weggenommen hat und gesagt hat, das wäre seine Musik und dass er ein fucking Rassist war und gleichzeitig voll profitiert hat von viel besseren Clues Musikern, die es vor ihm gab. Woraufhin Steve dann wiederum sagt, ja, ja, aber das war sein blöder Zwillingsbruder, das war nicht er.
Johannes Franke: Das ist ein interessantes Gespräch und ich habe auch nochmal geguckt, inwiefern Elvis wirklich als Rassist durchgehen kann oder nicht. In Worten kaum. Also es gibt so einen Satz, der ihm zugeschrieben wird, der allerdings tatsächlich nicht von ihm war. Dieses, was auch in diesem Film kommt, dass der Schwarze nur dazu da ist, seine Schuhe schön glänzend zu machen. Aber das ist wohl überhaupt völliger Bullshit, das stimmt so nicht. Aber Elvis hat sehr willfährig davon profitiert, dass er schwarzen Leuten die Musik weggenommen hat.
Florian Bayer: Er hat halt diese Plus-Rhythmen gespielt, die damals einfach die... Ich kenne mich zu wenig aus mit Musik, aber es gibt so gewisse Mechaniken in der Musik und gerade im Blues, die immer wiederholt werden. Und es waren einfach Songs von anderen. Und er hat die ein bisschen variiert und hat daraus das gemacht, was wir heute Rock'n'Roll nennen. Und er hat da bestimmt auch eine gewisse Pionierleistung gebracht.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Aber vor allem halt auch mit seiner Persönlichkeit. Gar nicht so sehr mit dem Musikalischen, sondern mit der Art, wie er aufgetreten ist, wie er seine Hüften geschwungen hat. Wie so quasi der erste große Rockstar war, der Groupies zum Kreischen gebracht hat und ähnliches.
Johannes Franke: Wobei man auch sagen muss, dass Künstler sich immer gegenseitig inspiriert haben und Sachen weggenommen haben und so weiter. Das Problem hier ist halt, dass es durchaus den Begriff der Cultural Appropriation ja nicht umsonst gibt. Und das ist mit so ganz einfacher Inspiration, damit kann man es nun auch nicht abtun. Und deswegen ist es ein schwieriges Thema, was wir sicherlich nicht erschöpfend behandeln werden hier.
Florian Bayer: Das ist wirklich ein schwieriges Thema, weil du hast einfach den weißen Künstler, der mit der Musik der Schwarzen berühmt wird, weil er weiß ist. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Und sie wurden halt einfach... anders rezipiert, weil sie Schwarze sind. Vor allem im Amerika der 50er Jahre. Und das ist natürlich irgendwie, das hat irgendwas Problematisches. Das hat auch was, womit man sich auseinandersetzen muss. Und es ist eigentlich eher was, was man in der Auseinandersetzung der 2000er, 2010er oder vielleicht sogar erst 2020er Jahre kennt. Und ich finde es spannend, diese Auseinandersetzung hier in meinem End-80er-Jahre-Film zu sehen.
Johannes Franke: Ich glaube, das hat was damit zu tun, dass er hier durch das Konzept, was er fährt, Jim Jarmusch hier fährt, nämlich tatsächlich einfach nur belanglose Gespräche, beziehungsweise so Gespräche, die auf den ersten Blick einfach nur so hingemurmelt sind, nimmt und die sozusagen keinen offiziellen Charakter haben. Ich weiß nicht, also fast so einen dokumentarischen Ansatz haben. Ja,
Florian Bayer: definitiv.
Johannes Franke: Und da muss man vielleicht auch nicht so sehr die Themenauswahl oder dieses, ist das ein heikles Thema? Fragezeichen oder nicht, sondern es wird halt hingemurmelt und dadurch macht es weniger dann wirbelt es weniger Staub auf und deswegen kann man sich das vielleicht eher leisten. So vom Gefühl her. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich glaube ja. Es ist einfach, es ist ja keine große Diskursanalyse, die stattfindet, sondern es ist einfach mal, es ist einfach ein Bit aus dem Alltag. Und natürlich ist das was, womit sich Menschen auseinandersetzen und worüber Menschen diskutieren. Ich finde es eine sehr schöne Episode. Ich hatte sehr viel Freude damit und ich fand es sehr spannend, wie dieses relativ banale Gespräch, sie machen ja auch keine große Diskursanalyse aus. Ich meine, ey, sie diskutieren die ganze Zeit drüber, ob... ob der eine die Kleider von der anderen trägt und wer hier wen kopiert und wer wessen Style nachgemacht hat und so. Für mich funktioniert es erstaunlich gut. Und dass dann plötzlich in dieses Ding diese große Diskussion kommt, dieses große Thema amerikanische Rockmusik und was ist da eigentlich passiert in den 50er Jahren, super.
Johannes Franke: Ich muss sagen, dass mich das Gespräch von den beiden Zwillingen am Anfang noch ein bisschen ziellos zurückgelassen hat, bis Steve reinkam und eben sein Ding durchgezogen hat. Was ich auch die Grundlage dessen ganz... einfach nett fand. Er als Kellner, der da sagt, ach, ich setze mich mal zu euch, ist sowieso nicht genug los. Versteckt mich mal so ein bisschen, damit der Chef mich nicht sieht. Das ist schon süß. Auf jeden Fall, das ist putzig. Möchtest du übrigens Tee plorieren?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne. Kein Kaffee?
Johannes Franke: Kein Kaffee.
Florian Bayer: Wir müssen eigentlich Kaffee trinken und rauchen. Und auch mit dem Kaffee so anstoßen, wie sie das in dem Film machen. Übrigens auch ganz interessant, das merkt man in dieser Szene spätestens dann, dass das Kaffee trinken hier gar nicht so als Genussmoment inszeniert wird, sondern so als sehr hektischer, sehr wilder Moment. Wir haben ganz oft Leute, die mit Kaffeetassen anstoßen und es schwappt halb über, die Becher werden zur Seite gestellt und es schwappt was über, Zigaretten werden auf den Tisch gegriffen und es ist alles so ein bisschen chaotisch und alles so ein bisschen... schmuddelig. Es ist nicht so dieses, oh, ich schätze diesen Kaffee am Morgen.
Johannes Franke: Ja, ja, kein Connoisseur.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Ja, ja, sondern eher so eine Notwendigkeit und auch so dieses Suchtmoment, was ja auch immer mal mit durchkommt. Ja, absolut.
Florian Bayer: Und das ist was, was ja tatsächlich auch, was sich ziemlich konsequent durchzieht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wollen wir zur Episode Nummer drei springen?
Johannes Franke: Ja, dann lass uns doch weiter springen.
Florian Bayer: Und wir springen nach 1993 zu der wahrscheinlich berühmtesten Episode des Films.
Johannes Franke: Somewhere in California.
Florian Bayer: Mit Iggy Pop und Tom Waits.
Johannes Franke: ganze Zeit drauf gewartet. Wirklich, ich habe eigentlich diesen Film angemacht in der Hoffnung, endlich Iggy Pop und Sean Waits zu sehen. Es ist wirklich, ich finde ihn sehr faszinierend, diesen Teil.
Florian Bayer: Darf ich was Hetzerisches sagen?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Dann tue ich es nicht.
Johannes Franke: Ruhe. Ja, okay, dann los. Du platzt ja gleich.
Florian Bayer: Wenn sich dieser Moment erschöpft hat, dass man denkt, oh geil, Iggy fucking Pop, Tom fucking Waits.
Johannes Franke: Ja, dann
Florian Bayer: Dann wird diese Episode eher zu den Schwächeren des Films. Nein,
Johannes Franke: nein, Flo, nein, sag's nicht. Du darfst das nicht sagen.
Florian Bayer: Es tut mir so leid und es ist halt absolut geil. Ich meine, du hast hier Tom Waits und du hast Iggy Pop, die sich treffen. Du hast ein Gespräch zwischen den beiden, wo einer total freundlich ist und unsicher und der andere absolut feindselig und wirklich mean.
Johannes Franke: Und passiv aggressiv.
Florian Bayer: Und es klingt wie ein Traumsetup, aber, und diese Episode geht ungefähr 10 Minuten, gehört eher zu den längeren. Nach 5 Minuten hast du das Gefühl, okay, das ist jetzt erzählt, was erzählt werden musste. Und es passiert nicht mehr so viel.
Johannes Franke: Weißt du, das Krasse ist, das kann man über jede Episode leider sagen, in diesem Film. Und deswegen gehört er für mich immer noch zu den Besten dieses ganzen Films.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt 2-3 Episoden in diesem Film, die absolute Meisterwerke sind.
Johannes Franke: Ja, vielleicht möchte ich auch eine kleine Ausnahme machen, aber das sage ich dir dann, wenn wir dazu kommen.
Florian Bayer: So Episoden, wo du das Gefühl hast, da ist kein Fett zu viel dran. Und es gibt definitiv welche, wo zu viel Fett dran ist und die gehört eher zu denen, wo am meisten zu viel Fett dran ist. Nein,
Johannes Franke: nein, nein, das nicht, das nicht, das nicht, das nicht. Also ich muss sagen, für mich trägt noch nicht mal Tom Waits, wobei ich dem am meisten zugetraut habe, für mich trägt Iggy Pop, obwohl ich gar nicht weiß, ob der so ein guter Schauspieler ist, aber der hat so einen seltsamen Charme. Weil er auch gar nicht so ist, wie man sich das vorstellt, wie Iggy Pop ist. Also wirklich völlig anders. Und ich liebe seine unbeholfene Unsicherheit. Was passiert hier gerade? Ich dachte, wir treffen uns hier und haben einfach eine gute Zeit. Was ist jetzt los? Und er ist so unsicher. Und bin ich jetzt der Berühmtere oder nicht? Weil ich ja Songs nicht drin habe in dieser Jukebox oder was. Ich finde dieses... Diese Art und Weise, wie er so drauf ist und ich gucke ihm einfach wahnsinnig gerne zu, Iggy Pop. Gar nicht so sehr Tom Waits, obwohl ich der größere Tom Waits Fan bin.
Florian Bayer: Ja, es gibt eine sehr lustige Anekdote zur Entstehung dieser Episode. Tom Waits war gebucht dafür und er hatte davor einen Dreh zum Musikvideo und hatte sehr viele Pressetermine. Und er war echt nicht gut drauf, als er ans Set kam. Und Jim Jarmusch hat ihm das Skript geschickt und hat... hat das dann zusammen mit Iggy Pop mit ihm gelesen. Tom Waits liest das
Johannes Franke: Skript. Hast du das Zitat da?
Florian Bayer: Knallt es auf den Tisch. Möchtest du es zitieren?
Johannes Franke: Well, you know, you said this was going to be funny, Jim. Maybe you better just circle the jokes cause I don't see them. Er hat recht. Ja, natürlich hat er recht. Aber das Ding ist, die haben ja auch einiges dann noch geändert. Und dann hat er,
Florian Bayer: und dann sagt Shamosh, dann hat er den armen Iggy angeguckt und hat gesagt, Iggy. was denkst du?
Johannes Franke: Oh nein, der Arme. Scheiße.
Florian Bayer: Und Iggy hat gesagt, und das ist nicht total geil, also, ich geh jetzt erstmal einen Kaffee trinken und ihr beide, ihr klärt das unter euch.
Johannes Franke: Ja, genau. Sehr gut.
Florian Bayer: Und, ähm... Die Stimmung von Tom Waits hat sich nicht gebessert während des Drehs, aber das ist so ein bisschen das Happy End von der Geschichte. Jim Jarmusch sagt, wenn er in guter Stimmung gewesen wäre, wäre die Szene bestimmt nicht so geil geworden, wie sie geworden ist.
Johannes Franke: Ja, aber das ist auch so ein bisschen Confirmation Bias. Also man versucht dann, sich das besser zu reden auch und so. Und es hat ja funktioniert, also ist das besser gewesen, als wenn es anders gewesen wäre. Aber vielleicht wäre es anders auch cool gewesen. Ich weiß es nicht genau. Aber die Szene ist ja schon so angelegt, dass... Obwohl, weiß ich nicht genau. Der Text ist auf der reinen Textebene angelegt, dass Tom Waits so grummelig drauf ist. Ist das so? Ich weiß nicht. Er hat dazu erfunden, das mit dem Arzt, glaube ich.
Florian Bayer: Was total geil ist, das mit dem Arzt ist nochmal eine ganz andere Geschichte, wie das entstanden ist. Es ist aber voll witzig. Es ist sehr improvisiert. Er sagt irgendwie so, Entschuldigung, dass ich zu spät bin. Ich war noch beim Unfall und ich musste noch das machen und das machen. Und ihr poppt dann so, Alter, du bist Arzt? Moment,
Johannes Franke: du bist ein millionenschwerer Rockstar und gleichzeitig als Arzt tätig. What the fuck? Und ich gleich gegoogelt, weil ich gedacht habe, war der vielleicht mal Arzt? Hatte das irgendwas irgendwann mal angefangen? Hatte das deswegen reingebracht? Nein, Tom Waits hatte keine Arztloswillen oder sonst irgendwas. Ganz witzig ist, dass diese Geschichte, die Tom Waits sich da wirklich ausdenkt,
Florian Bayer: die er komplett improvisiert und Iggy aufticht, dass DJ Amos wiederum für eine spätere Episode, nämlich für die zehnte Delirium inspiriert hat, wo er angefangen hat, die aus dem Wutan-Clan zu Medizinspezialisten zu machen. Das finde ich tatsächlich witzig, auch weil es wirklich so was ist, was einen komplett irgendwie rausbringen kann, weil man nicht weiß, wie viel Ironie steckt da drin, wie ernst ist das gemeint. Nicht nur für den armen Iggy Pop, sondern auch für uns als Publikum. Absolut. Weil wir wissen ja, okay, das ist ein Bit und wir wissen, das ist ein fiktiver Moment, der hier gezeigt wird. Gleichzeitig spielen die beiden sich selbst.
Johannes Franke: Du hast gegoogelt. Ja, ja, welche fiktive Version davon spielen sie jetzt? Dass Cate Blanchett auch eine fiktive Version oder zwei fiktive Versionen ihrer Persona spielt. Jeder berühmte Mensch, der irgendwann mal vor der Kamera mit seinem eigenen Namen steht, spielt eigentlich eine fiktive Version seiner selbst. Und wie viel man da an Zeug reinpackt, ist ja dann jedem selbst überlassen oder dem Regisseur oder sowas. Und meistens packt man da irgendwelchen Mist mit rein, um Spaß zu haben. Und dann kann man, entweder ist die Figur also wirklich Arzt, die Figur Tom Waits, oder die Figur Tom Waits erzählt. Iggy Pop irgendwelchen Scheiß. Und es wird nicht aufgeklärt.
Florian Bayer: Und was denkst du?
Johannes Franke: Ich glaube, er erzählt ihm Scheiß.
Florian Bayer: Er erzählt ihm Scheiß. Er ist so feindselig und so passiv-aggressiv. Das ganze Ding scheint darauf zu basieren, dass Tom Iggy irgendwie aus der Fassung bringen will. Auch dieses Rauchen. Iggy sagt, ich habe aufgehört zu rauchen. Tom sagt, ich auch. Und zündet sich gleich eine Zigarette an und sagt, weil ich aufgehört habe, kann ich eine rauchen.
Johannes Franke: Lass uns feiern.
Florian Bayer: Und das ist wirklich mies. Also als Raucher kann ich sagen, es gibt wirklich nichts Ätzenderes, als jemandem, der stolz drauf ist, aufgehört zu haben,
Johannes Franke: eine Zigarette anzubieten.
Florian Bayer: Wie gemein.
Johannes Franke: Ja, ist richtig fies. Ja, ja, total.
Florian Bayer: Und natürlich wissen wir, Tom Waits hat, also die Figur Tom Waits, die er hier spielt, hat nicht mit dem Rauchen aufgehört, sondern das ist einfach sein Ding,
Johannes Franke: um Iggy weiter zu quälen und leiden zu lassen. Und Tom Waits ist auch so eine Bitch die ganze Zeit. So richtig, richtig fucking Bitch, wo man sagt, meine Güte, Wie kann... wieso, lass ihn doch einfach. Warum reagierst du denn so? Warum musst du denn Sachen falsch verstehen absichtlich?
Florian Bayer: Er nimmt alles persönlich. Iggy Pop sagt, ey, das ist ein geiler Drummer, hör dir den mal an. Und Tom Waits Reaktion darauf ist, findest du unseren Drummer scheiße? Findest du, dass ich einen neuen Drummer brauche? Findest du, meine Drums klingen doof?
Johannes Franke: Es ist so hart. Und ich finde aber eben toll, wie Iggy Pop reagiert. Dieses Spiel in seinem Gesicht, so dieses, wieso ziehe ich das jetzt ein? Was mache ich jetzt damit? Ist das jetzt ernst gemeint? Können wir nur normal weiterreden? Oder was mache ich jetzt?
Florian Bayer: Ich kann es so gut nachvollziehen. Ich bin ein extrem konfliktscheuer Mensch. Und ich weiß, das ist meine Art, auch mit Konfliktsituationen umzugehen. Er lächelt das so ein bisschen weg. Und er versucht wieder das Gespräch anzukurbeln. Er merkt, da ist irgendwie so ein awkward silence. Und irgendwann will er auch einfach nur noch da raus. Und er leidet sich aber durch, ohne zu parieren. Ohne auch... ohne sich auf den Streit einzulassen, der hier offensichtlich forciert werden soll. Und das finde ich tatsächlich sehr süß. Und wenn du sagst, Iggy Pop fandst du vor allem geil? Ja, das spielt er echt gut.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese Hilflosigkeit.
Johannes Franke: Also ich weiß nicht, ob er wirklich guter Schauspieler ist. Also ich sehe ein paar Spieleentscheidungen bei ihm, wo ich denke, okay, das hat er nicht wirklich gespürt oder sowas. Aber ich finde, dass er das als Nicht-Schauspieler extrem gut macht. Also dass auch wirklich das rüberkommt, was darüber kommen soll. Und dass ich ihn wahnsinnig faszinierend finde und ihm wahnsinnig gerne zuschaue dabei.
Florian Bayer: Ja, und Tom Waits ist natürlich auch cool als Bitch. Und dann setzt halt der Moment ein, wo ich denke, okay, und jetzt ist dieses Ding erzählt, aber es geht noch fünf Minuten.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Und das ist fünf Minuten awkward und fünf Minuten kurze Dialoge werden getauscht, schweigen.
Johannes Franke: Aber ich bin gespannt, welche Episoden du dann am Ende raushebst, die nicht alle fünf Minuten zu lang sind. Weil echt, die meisten sind's, muss ich mal sagen.
Florian Bayer: Die meisten dauern ja nur fünf Minuten. Ja,
Johannes Franke: gefühlte fünf Minuten.
Florian Bayer: Das sind halt einfach mal zehn Minuten. Und das ist eine Ansage, die ist doppelt so lang wie die Episode davor und doppelt so lang wie die Episode danach. Das macht schon was aus. Ja,
Johannes Franke: das sind ja auch die Stars, die muss man ein bisschen ausquetschen. Ja. Es ist ja auch so, dass er immer noch nicht, glaube ich, im Kopf hat, das wirklich als Film zu veröffentlichen. Jim Jarmusch hat den zweiten Teil, den wir gerade besprochen haben, mit den Twins, den hat er ja auch nur als Memphis-Version gedreht. Also es war ja gar nicht so, dass er das zusammenpacken wollte mit der ersten Episode. Und das hier jetzt, vielleicht dämmert es ihm langsam so ein bisschen. Könnte ich mir vorstellen, aber eigentlich ist auch das noch nicht so ein, wir machen da jetzt einen kompletten Film draus. Ja,
Florian Bayer: das ist ein eigenständiger Kurzfilm, der auf dem Cannes Festival gelaufen ist, 1993. Und er hat einen Preis gewonnen.
Johannes Franke: Ja, wundervoll. Und das sagt dann Jim Jarmusch, nachdem er diesen Preis gewonnen hat, okay, da scheint was drin zu sein. Also mache ich halt irgendwie dann doch irgendwann weiter. Aber es dauert noch ein bisschen, bis es weitergeht. Es ist ja dann, das nächste ist ja erst dann 2003, ne? Genau. Der restliche... Der restliche Film wird 2003 gedreht.
Florian Bayer: Genau, jetzt kommen wir zu den aktuellen, die das quasi dieses Set vervollständigen. Und wir haben diese drei alten Filme. Und dann kommen jetzt noch acht neue Filme, die eigentlich für den Film gedreht wurden, um das irgendwie zu kompletieren und daraus einen richtigen Anthology-Film zu machen. Those Things Kill Ya mit Joseph Regano und Vinnie Vela als zwei alte Mafia-Bosse. Ja,
Johannes Franke: also sie spielen halt das, was sie auch sonst gespielt haben. Ja. Bei Dingens. Bei Martin Scorsese. Martin Scorsese, genau.
Florian Bayer: Sie spielen einfach mal zwei alte Typen in einem italienischen Café und es wird nie erwähnt, aber es ist so offensichtlich, dass sie irgendwie im Bereich organisiertes Verbrechen sein sollen.
Johannes Franke: Vor allem der eine hat die Stimme, als wäre er der Raucher.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: dabei ist es der andere. Es ist so krass.
Florian Bayer: Und es geht vor allem darum, dass Joseph Winnie überzeugen will, dass der mit dem Rauchen aufhören soll. und dann kommt irgendwann Winnie's Sohn, der überhaupt nichts sagt und der einfach nur Geld will. Es kriegt und geht und dann irgendwann zurückkommt und ihnen Nüssen anbietet und die Alten streiten sich halt die ganze Zeit währenddessen.
Johannes Franke: Ich finde, dass die Atmosphäre total toll ist.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: das hat so dieses ich weiß gar nicht, ob Martin Scorsese damit ein kleines bisschen an Punkten verliert, weil diese beiden Schauspieler die Stimmung, die ich bei Martin Scorsese immer sehe, instantly herstellen.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Ich finde, dass die das sofort herstellen, obwohl Jim Jarmusch der Regisseur ist, sitzen sie da, als wären sie in einem Martin Scorsese-Film. Das ist super krass und das mit den Belanglosigkeiten, die sie sagen. Aber das machen sie bei Martin Scorsese teilweise auch.
Florian Bayer: Es ist halt auch dieses Café, das irgendwie so schreit, ich bin irgendwie in Little Italy.
Johannes Franke: Ja, total, total.
Florian Bayer: Und das ist auch wirklich, das sieht einfach aus wie ein Set von irgendeinem Mafia-Film oder so. Und sie sind halt auch so angezogen, der eine in dieser Joggingjacke, der andere in der Lederjacke. Das wirkt irgendwie so ein bisschen so, wie die 90er halt irgendwann angefangen haben, Mafia-Leute darzustellen. Und zwar nicht als diese coolen, schicken Typen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Nicht der Pate, sondern halt so relativ casual angezogen, was der Realität deutlich näher kommt. Das finde ich auch geil von der Atmosphäre. Ich finde, die Episode verliert sich halt so ein bisschen auch wiederum im, wo willst du eigentlich hin?
Johannes Franke: Ja natürlich und da sind die wieder in die fünf Minuten, die zu viel drin sind, weil du das Setup einmal hast, die machen einmal hin und her, zweimal hin und her, dreimal hin und her, du solltest aufhören zu rauchen, ach und was machst du da, du trinkst Kaffee, ach nee, das ist doch in Ordnung, also so dieses Thema von dieser kleinen Heuchelei, die in so einem gut gemeinten Ratschlag drin steckt, so dieses du solltest aufhören zu rauchen, weil es eine schlechte Angewohnheit ist und trinkt dabei Kaffee. Das krasse ist,
Florian Bayer: dass die Kaffee... Das geht keine fünf Minuten, das Ding. Aber es hat trotzdem das Gefühl,
Johannes Franke: es ist trotzdem fünf Minuten zu lang.
Florian Bayer: Finde ich auch, weil es irgendwie so ein bisschen verloren ist. Und ich finde, bei anderen Episoden ist es nicht so. Ich werde jetzt versuchen zu greifen und ich glaube, es wird auch, vielleicht wird es eine Überraschung geben, welche Episoden ich dann tatsächlich spannend finde, weil das sind auch Episoden, wo du das Gefühl hast, die laufen so komplett ins Leere.
Johannes Franke: Ich möchte im Nachhinein noch eine Regel aufstellen.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: nachdem wir schon in der vierten, dritten Episode sind. Ich glaube, was mir gerade einfällt, was ich mich gefragt habe, ist, wir haben ja verschiedene Filme einfach. Und was zieht mich in den jeweiligen Teil rein? Weil er hat ja A, nicht viel Zeit, überhaupt was zu etablieren. Das heißt, er bleibt auch auf einer Oberfläche schon von der Zeit her. Und womit schafft er es, mich reinzuholen? Und wenn du sagst, der Erste ist nicht so geil, gibt es da nichts, was dich reinzieht?
Florian Bayer: Nee, das ist halt auch ein Problem beim Ersten im Gegensatz zu den anderen, die ein Stück Realismus in sich haben, einfach weil es realistisch Gesprächs sind, die die Menschen führen. Also natürlich gibt es da diese absurden Momente, aber trotzdem ist es so. Ich kann mir vorstellen, dass ich mit jemandem im Café sitze und über Elvis Presley diskutiere. Und ich kann mir vorstellen, dass ich mit jemandem im Café sitze und genervt davon bin, dass diese Person sagt, ich würde zu viel rauchen. Das Setup, dass ich im Café sitze und jemandem meinen Zahnarzttermin gebe, klingt zwar sehr verlockend, aber hat nichts mit der Realität gemein. Und da sticht diese Episode vielleicht zusammen noch mit der Episode von Cate Blanchett so ein bisschen raus, weil sie halt so ein hyperfiktives Szenario ist. Die anderen... Szenarien sind immer so, zumindest so ein Stück an der Realität irgendwie dran.
Johannes Franke: Aber das ist ja nicht das Einzige, was einen reinzieht. Du hast ja auch bei Fabelhafter Welt der Amelie ist der Magical Realism so groß, dass du natürlich auch an der Realität stark vorbei bist und trotzdem magst du den Film sehr.
Florian Bayer: Aber bei Fabelhafter Welt der Amelie ist es dann halt zum Beispiel das Emotionale und der Humor, was diese Episode beides überhaupt nicht hat.
Johannes Franke: Und keine Dramaturgie.
Florian Bayer: Und keine Dramaturgie. Und keine roten Fahnen. Und eine schlechte Pointe.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Na gut, okay. Aber interessant.
Florian Bayer: Ich kann dir sagen, was mich bei Twins reinzieht. Nämlich dieser Dialog, der mich doch sehr einfach an klassische linke Diskussionen in Kneipen erinnert, die ganz interessant sind. Und ich kann dir auch sagen, was mich an Iggy Pop und Tom Waits reinzieht. Das ist nämlich dieses, mit jemandem konfrontiert zu sein, der unglaublich passiv-aggressiv ist und gleichzeitig die ganze Zeit versucht zu provozieren. Und du hast das Gefühl, diese Person will mit dir streiten. und will dich dazu bringen, dass du ausrastest. Du hast aber gar keinen Bock da drauf.
Johannes Franke: Ja, dieses Machtspielchen ein kleines bisschen auch. Und das, was er später nochmal hat, dann dieses Prominenten-Status-Ding, was da auch ein bisschen mit drin hängt.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, das ist ganz spannend. Es gibt einige Episoden, die sich damit auseinandersetzen, mit Prominenten, die sich mit ihrer Rolle als Promis auseinandersetzen. Und ich bin ja ein großer Fan von Metafiktion. Deswegen, obwohl ich selbst kein Promi bin und auch kein... Schauspieler bin, kann ich das teilweise sehr gut nachvollziehen, wie diese Menschen sich dann mit ihrer eigenen Rolle in der Welt auseinandersetzen und ich finde das einfach interessant.
Johannes Franke: Aber das zieht mich halt auch rein. Bis jetzt muss ich dir halbwegs recht geben. Also bei Bernini bin ich tatsächlich kaum reingezogen, weil ich nur verwirrt bin, was die jetzt eigentlich, wer hat welche Energie, was soll das, wer, wie, gegen wen und warum. Ich bin einfach nur überfordert und kriege keinen Faden gefasst. Also mich zieht es nicht rein. Bei den Twins zieht mich dann Buscemi rein, muss ich sagen. Das Gespräch vorher nervt mich ein kleines bisschen, weil es zu viel Gebicker hin und her ist und ich auch nicht so richtig weiß, wer ist jetzt wofür und was soll das eigentlich. Es sind halt Geschwister einfach und so eine Geschwister, ja, ach naja. Aber Buscemi macht dann irgendwie so einen roten Faden auf, an dem ich mich endlich festhalten kann. Ja. Und das finde ich toll. Tom Waits und Iggy Pop ist einfach diese Dynamik zwischen den beiden, die mich reinzieht.
Florian Bayer: Es ist, weil es zwei coole Typen sind.
Johannes Franke: Gib's zu. Es sind zwei coole Rockstars. Ja, das zieht mich rein. Und warum ich bleibe, ist wegen Iggy Pop.
Florian Bayer: Okay, verstehe. Ja, macht Sinn. Klingt für mich plausibel.
Johannes Franke: Und bei Those Things Will Kill Ya, was zieht dich da rein? Zieht dich da was rein? Weil mich zieht's tatsächlich auch rein. Aber ich bleib dann nicht so gerne lange da.
Florian Bayer: Es ist zu abstrakt. Es ist einfach dieses krass, dieses artifizielle Szenario, mit dem Kind, das nicht redet und die Hand auffällt, um Geld zu kriegen. und Dieses Mafia-Setup, das aber keine Mafia-Geschichte erzählt. Ich habe ja gesagt, es könnte eigentlich das sein, dass er genervt davon ist, dass sein Freund zu ihm sagt, du rauchst zu viel. Das reicht in der Szene leider nicht. Die lässt mich auch ziemlich kalt.
Johannes Franke: Okay. Mich ziehen die Figuren allesamt rein. Also, weil der Junge charmant ist und weil die beiden Typen eine interessante eheähnliche Dynamik haben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: So dieses altes Ehepaar sagt sich zum 20.000. Mal, ach hör doch auf zu rauchen, ach hör doch auf zu saufen. Solche Sachen. Das finde ich irgendwie interessant, aber ich bleibe da nicht lange dran, leider.
Florian Bayer: Ich finde, es kommt halt später in dem Film, kommt es nochmal viel besser. Dieses alte Ehepaar, diese zwei alten Typen, die eine sehr merkwürdige Beziehung haben zwischen Freundschaft und Feindschaft.
Johannes Franke: Und da kommt das große Problem des Films für mich zum Tragen, da wir es schon hatten, wird es dann schwieriger.
Florian Bayer: Ah, tatsächlich haben wir dann meine Lieblingsepisode oder eine meiner Lieblingsepisoden.
Johannes Franke: Okay, wollen wir weitergehen?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: okay. René René. Eine Frau, die alleine sitzt und einfach keinen Gesprächspartner hat mit ihrem Kaffee. Was ich total schön finde, weil man natürlich dann irgendwann mal den Gedanken hat, ja okay, jetzt haben wir einen Haufen Gespräche bei Kaffee und Zigaretten. Es gibt ja auch Leute, die gerne alleine da sitzen und genau in dem Moment kommt halt René, sitzt alleine da mit Kaffee und Zigaretten als Flucht mehr oder weniger. So als Rückzugsort für sich allein, was ich total schön finde.
Florian Bayer: Sie spielt sich selbst, sie ist eine Produzentin. Und sie war auch als Schauspielerin tätig. Sie ist 2020 gestorben. Es gibt auch einen ganz süßen Nachruf auf sie auf Instagram. Sie spielt hier sich selbst und sie recherchiert eventuell für einen Film. Auf jeden Fall liest sie ein
Johannes Franke: Waffenmagazin. Meine Fresse, das ist so passiv-aggressiv. Der Typ, der dir die ganze Zeit Kaffee bringen will, das ist ja der Plot der Story, dass der Typ, der Kellner im Grunde die ganze Zeit... da steht und sagt, wolltest du noch Kaffee? Wollen Sie noch Kaffee? Hier ist noch was. Sie sitzen da so alleine, ich muss immer wieder kommen und immer wieder fragen, ob sie noch was wollen. Und sie die ganze Zeit sagt, nein, bitte lassen Sie mich einfach allein. Ich finde es total faszinierend.
Florian Bayer: Ich bin so unentschlossen,
Johannes Franke: wie ich diese Episode finde, weil sie hat natürlich auch dieses
Florian Bayer: Awkward-ige, noch mehr Awkward, weil jemand gezwungen wird, ein Gespräch ohne das Gespräch zu wollen und weil sie auch irgendwie genervt ist, unter anderem davon, dass er einfach ihr Kaffee nachschenkt, obwohl sie die perfekte Mischung hatte aus Kaffee und Milch und das kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Das würde mich auch nerven. Und weil sie einfach, sie sitzt da und sie will lesen. Und dieser Typ, er flirtet nicht mehr mit ihr, sondern er scheint wirklich einfach nur ein guter Kellner sein zu wollen und ihre Wünsche erfüllen zu wollen. Aber eigentlich ist ihr Wunsch ja, dass sie allein sein will. Ich finde, es ist eine spannende Dynamik in dieser Episode.
Johannes Franke: Ich lese da schon so ein bisschen rein, dass er versucht, Courage zusammenzukriegen, sie anzusprechen und mit ihr ein bisschen mehr zu sprechen, als nur willst du noch Kaffee?
Florian Bayer: Vielleicht.
Johannes Franke: Aber er macht das halt nicht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich finde, dass das Timing ein bisschen off ist. Ich finde, das stimmt nicht so richtig.
Florian Bayer: Es ist alles ein bisschen off in dieser Szene. Es ist eine ganz merkwürdige Dynamik, weil es relativ slow erzählt ist. Ich finde, diese grundsätzliche Situation dass er als Mann sie so nervt, als Frau, die einfach allein sein will. Und dann liest sie dieses Waffenmagazin. Also keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen ist, ihr dieses Waffenmagazin in die Hand zu drücken.
Johannes Franke: Aber das ist natürlich total geil. Ich finde auch die grundsätzliche Idee, zu sagen, okay, lass uns mal gucken, wie das so ist. Wer kann denn Frauen einfach so alleine in einem Café sitzen lassen? Und wenn Männer allein im Café sitzen, ist das überhaupt gar kein Problem. Aber wenn Frauen allein im Café sitzen, dann muss man sie ansprechen. Oder sie kann ja nicht allein. Das geht ja nicht. Also so ein bisschen dieses Gefühl, was in den 80ern noch viel stärker war als heute. Heute ist das vielleicht gar nicht mehr so. Aber wir kennen das noch irgendwie.
Florian Bayer: Ich glaube, also du hast gesagt, das ist so ein bisschen off. Ich glaube, es ist fast so die surrealste Szene.
Johannes Franke: Leicht, ja.
Florian Bayer: Mit diesem harten realistischen Kern, nämlich eine Frau, die allein sitzt und angelabert wird. und dann offensichtlich kann man es unterschiedlich interpretieren. Du glaubst, er will sie anflirten. Ich glaube tatsächlich, er will einfach nett zu ihr sein, aber es ist trotzdem übergriffig.
Johannes Franke: Ja, ja, total.
Florian Bayer: Und dann ist es aber ganz, es wirkt alles so traumwandlerisch, weil es so merkwürdig wenig passiert und so viele krasse Zwischenräume gibt. Und dann ein, zwei Gags vielleicht, wenn sie die Tasse zuhält, wenn er wieder an den Tisch kommt. Das finde ich großartig. Da muss ich wirklich laut auflachen. Ich weiß nicht, ob sie zu den richtig guten, guten Szenen gehört, aber für mich gehört sie zu den faszinierendsten Episoden in dieser Awkwardness.
Johannes Franke: Ja. Ich finde, man hätte da noch einen Choreografen ranholen sollen. Also so einer, fast schon ein Tanzchoreografen, um da richtig eine Tanzchoreografie aus den beiden rauszuholen. Wann er kommt, wie er kommt und wie er an sie ranschleicht und so. Ich finde das, vom Timing her ist das off und stimmt nicht ganz und deswegen... transportiert sich nochmal eine andere ungewollte Awkwardness bei mir.
Florian Bayer: Ah. Ja, du siehst, ich schwanke. Für dich scheint die Episode nicht zu funktionieren.
Johannes Franke: Nicht so richtig, nein. Ich finde den Grundgedanken gut und ich hätte gerne mehr in der Szene gesehen, aber es ist nicht da.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Verstehe ich. Und ich schwanke die ganze Zeit zwischen, oh, die Szene funktioniert und ist großartig und das ist eine wirklich geile Episode in diesem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und, ach nee, das ist doch ein bisschen irgendwie daneben und nicht so richtig getroffen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: keine Ahnung.
Johannes Franke: Aber ich kann andocken an dieses Gefühl von, ich will endlich mal bitte allein sein und einfach nur meinen Kaffee trinken.
Florian Bayer: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit!
Florian Bayer: Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne ein Abo. Gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder so was.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes.mussmannsehen.de oder florian.mussmannsehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Episode Nummer 6. Episode 6, no problem. Darf ich auch... schwierig. Da finde ich das Timing auch off. Es tut mir wahnsinnig leid, aber das ist auch fünf Minuten zu lang und es stimmt nicht.
Florian Bayer: Du rennst offene Türe ein. Gehört für mich neben Strange to Meet You, also neben der Benigni-Episode, zu den schwächsten Episoden des Films auch, weil die Episode offensichtlich versucht, irgendeinen Konflikt zu etablieren und den Konflikt aber nicht richtig gegriffen kriegt. Und dadurch bleibt der Konflikt so leer im Raum hängen, so hilflos ein bisschen.
Johannes Franke: Und am Ende würfelt er nochmal und wir können dann denken, ja, okay, hat irgendwas mit dem Würfel zu tun und so. Und wenn man ganz viel reininterpretieren will, dann sagt er, er hat ein Spielsuchtproblem und will eigentlich darüber reden. Aber eigentlich ist es... Nein.
Florian Bayer: Niemand, der Spielsucht hat, sitzt da mit den Würfeln und würfelt ein paar Mal.
Johannes Franke: Aber so als irgendein Hinweis muss es ja sein. Irgendwas wollte doch Jim Jarmusch da jetzt. Ja, was wollte er? Aber was wollte er? Ach, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich finde dieses Grundgefühl von... Vielleicht du hast wirklich kein Problem und jemand sitzt bei dir und versucht das Problem zu finden und nachzuhaken mit Fragen. Ist extrem nervig und extrem stressig, wenn du sagst, ey, ist alles okay?
Johannes Franke: Nein, ich sehe doch, da ist etwas. Aber das wäre dann anders gespielt. Weil hier eindeutig der Typ hat ein Problem. Das ist doch wirklich deutlich dann, oder? Irgendwann. Ja, irgendwie schon. Also irgendwas ist aber... Ja, ich weiß es nicht. Vielleicht auch nicht. Das Problem ist, dass sie beide so steif sind, was total merkwürdig ist.
Florian Bayer: Weil Alex Descas und Isaac de Bancolle sind zwei großartige Schauspieler. Das sind richtig gute Schauspieler. Die haben in Lars von Trier Filmen mitgespielt, Isaac de Bancolle in Black Panther und 24 in einem James-Bond-Film. Und Alex Descas hat auch in Filmen von Claire Denis mitgespielt. Das sind zwei richtig gute Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, die haben auch eine lange Geschichte mit Jarmusch. Die kennen sich auch schon lange und so.
Florian Bayer: Und die sind ja so steif. Und ich verstehe nicht, warum.
Johannes Franke: Ich weiß auch nicht. Also es ist halt eine Frage der Inszenierung und der, was will man mit der Szene. Und dann haben die vielleicht einen wahnsinnigen Hintergrund sich geschaffen, was die sich ausgedacht haben, welche Beziehung die zueinander haben. Aber das alles eben nur unausgesprochen im Kopf gehabt, während sie es gespielt haben. Und der Zuschauer hat keine Ahnung. Die wissen nicht, was da drin ist in dem Kopf. Und dann haben sie halt sich zu sehr darauf verlassen, dass sich schon das transportieren wird. Aber es tut es halt nicht.
Florian Bayer: Ihre eigenen Ambitionen gestolpert ein bisschen bei dieser Episode?
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich. Ach, schade.
Florian Bayer: Naja, naja, naja, naja. Es folgt die wahrscheinlich ambitionierteste Episode des Films?
Johannes Franke: Ja. Also Ambitionen und auch rein technisch gesehen sehr, sehr gut funktionierende
Florian Bayer: Episode. Wahrscheinlich The Lowest Hanging Fruit, wenn du nach der besten Episode suchst.
Johannes Franke: Aber ich... Ich muss sagen, nein. Ich muss sagen, es tut mir wahnsinnig leid jetzt.
Florian Bayer: Oh, jetzt kommt's.
Johannes Franke: Ich liebe Cate Blanchett.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber sie haut echt zu sehr auf die Kacke, was die dunkle Version von ihr betrifft.
Florian Bayer: Johannes Mann! Nein. Also Custance gehört für mich, ist nicht die beste Episode. Es gibt noch eine, die mir besser gefällt. Aber sie ist für mich ganz klar in den Top 3 dieses Films. Ich finde Cate Blanchett sowohl als sich selbst, als auch ihr böser Cousin, großartig. Und das Setup, dass hier ein innerer Monolog stattfindet von einer sehr prominenten Schauspielerin mit ihrer abgefuckten Seite.
Johannes Franke: Ich liebe alles daran. Die Idee finde ich total gut. Ich finde bloß, dass... Sie haben es an zwei verschiedenen Tagen gedreht, damit sie ordentlich reinkommen kann in die Figuren und so. Und haben auch tatsächlich nicht klassisch ein Splitscreen, einfach eine gerade Linie nach unten links und rechts geteilt, sondern sie haben so eine Kurve gefunden, damit die eine Figur mit ins andere, in die andere Hälfte rein kann und so. Und das ist ziemlich gut gemacht. Und Kate Benchard hat sich die Hölle vorbereitet wahrscheinlich und so. Aber ich finde, sie macht da... eine Runde zu viel bei der Tlungtun-Figur. Ich finde die andere, ihre Version von sich selbst, was ja auch nicht stimmt, also das ist ja Blödsinn. Sie ist ja genau in der Mitte vielleicht irgendwo, keine Ahnung. Und da sind ja sowieso viele fiktive Sachen noch mit da reingemischt. Aber die berühmte Version ihrer selbst, finde ich extrem gut gemacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die finde ich so gut, so spot on. Das habe ich auch noch nie von ihr sonst gesehen, in dieser Form. Diese Art von von Ich weiß gar nicht, wie ich es beschreiben soll, wie sie drauf ist. Man guckt dann immer auf die dunkle Seite und sagt, die ist abgefuckt und so weiter. Und dann geht die andere ein bisschen unter. Aber die ist so perfide eigentlich auch, die berühmte. So wertend? Ja, so wertend. Ich finde das so krass. Und ich finde, sie macht das wahnsinnig gut. Aber die dunkle Version ist ein bisschen, ich weiß nicht, vielleicht ist sie auch einfach nur nicht layered genug, sondern einfach nur abgefuckt. Und das reicht halt nicht vielleicht.
Florian Bayer: Also ich finde sie total cool und ich finde sie ist halt auch so, ich finde sie ist Layered genug. Es gibt ganz viele Momente in dieser Episode, wo ich einfach mal auf der Seite von, wie heißt sie, Shelley bin.
Johannes Franke: Ja total, natürlich gibt es das ganz viel.
Florian Bayer: Die Cousine von Cate Blanchett, die halt echt genervt davon ist, dass sie miterleben muss, wie Cate Blanchett die ganze Zeit wegen ihres Promi-Status anders behandelt wird und wie sie auch Menschen anders behandelt.
Johannes Franke: Ja klar, aber nur weil ich auf ihrer Seite bin, heißt das nicht, dass sie Layered spielt.
Florian Bayer: Ich versuche zu erklären, was ich an dieser Figur finde. Du sagst gespielt. Cate Blanchett ist viel zu gut, als dass sie einfach nur so übertrieben spielt. Sie spielt natürlich diese Rolle, diese Cousine, die in Konfrontation mit ihrer Promi-Cousine, die sich viel zu wenig um sie kümmert, viel zu wenig mit ihr redet, spielt sie das Ganze, sie spielt die Figur, die das nochmal übertreibt. Die quasi auch die Abgefuckte spielt, die wahrscheinlich im Alltag viel weniger abgefuckt ist, aber auch so ein bisschen Show abzieht, wenn sie mit ihrer Promi-Cousine konfrontiert ist.
Johannes Franke: Dann hätte sie, nachdem die Promi-Cousine gegangen ist, nochmal eine andere Version zeigen müssen.
Florian Bayer: Macht sie das nicht, wenn sie da sitzt und dann so ein bisschen genervt davon ist, wenn der Concierge sagt, ey, hier ist Rauchen übrigens nicht erlaubt?
Johannes Franke: Siehst du da eine andere Figur als vorher? Das ist doch genau das Gleiche. Sie ist doch genauso abgefuckt wie vorher auch die ganze Zeit im Gespräch.
Florian Bayer: Vielleicht nicht eine andere Figur, aber zumindest eine, die ein bisschen weniger drauf ist. Wir sehen sie ja, sie hat nicht einen lockeren Spruch für den Concierge auflager, sondern sie sieht das, dass der Concierge-Teil sagt, du darfst hier nicht rauchen und sie steckt das Feuerzeug weg und steckt die Zigarette weg. Also sie hält sich dran. Allein das vielleicht schon. Und sie wirkt ein bisschen frustriert und diese Art, wie sie verletzt wirkt, dass Kate Blanchett ihr dieses teure Parfum schenkt, was gleichzeitig offensichtlich einfach nur Geschenke sind, mit denen sie nichts anfangen kann. Und ihr was schenkt, was viel zu teuer ist. Und gleichzeitig ihr was schenkt, was ihr was vollkommen egal ist, also diese Mischung. Und wenn sie dann so verletzt darauf reagiert, weil das irgendwie zeigt, wie wenig ihre Cousine für sie übrig hat, finde ich auch, da sieht man eine gewisse Emotionalität in dieser Figur.
Johannes Franke: Was ich noch finde, ist, dass das Dialogbuch sehr chaotisch ist in dieser Szene. Ja,
Florian Bayer: definitiv.
Johannes Franke: Das muss man schon sagen. Die kommen nicht sehr geradlinig an ihre Punkte. Normale Gespräche im Alltag sind auch nicht geradlinig. Das stimmt voll. Also es ist wahrscheinlich realistisch, aber es hilft mir nicht. Also ich freue mich schon ein bisschen über Dramaturgie in Gesprächen. So ganz naturalistisch, vor allem den ganzen Film über. Irgendwann denkt man so, ja, gib mir ein bisschen Dramaturgie bitte hier und da. Kommt auch später noch, aber hier noch nicht. Und da bin ich so ein bisschen so, ach, irgendwann.
Florian Bayer: Was mich hier reinzieht. Neben dem Aspekt, dass ich Metafiktionalität total geil finde, ist einfach, dass es was ist, wo ich mich auch wieder finde und zwar nicht mein Promi-Ich und mein Abgefucktes Ich, aber ich glaube jeder hat das. Jeder hat ja so Seiten in sich, die, keine Ahnung, ein bisschen wilder sind, ein bisschen abgefuckter sind, als man im Alltag ist. Und diese Zwiegespräche. Führt man ja auch irgendwie, man hat ja irgendwie diese Seiten in sich und die sich auch manchmal zu Wort melden und die manchmal auch so von oben drauf gucken und sagen, merkst du eigentlich, wie du gerade dich verhältst?
Johannes Franke: Sollte ich deine Freundin mal anrufen und fragen, wie du zu Hause drauf bist?
Florian Bayer: Genau, es ist einfach da manchmal und es ist toll, das auch manchmal rauszulassen, aber meistens bleibt es ja im Inneren. Meistens ist es genau das, was wir hier sehen, nämlich eigentlich ein Gespräch im Inneren. Wo man das mit sich aushadert und da im besten Fall als ein bisschen bessere Version von sich selbst da rauskommt. Und hier bleibt es unaufgelöst, weil die Abgefuckte zurückgelassen wird am Schluss.
Johannes Franke: Würdest du dich über so Goodiebags-Inhalte freuen? Wenn die ein bisschen mehr mit dir zu tun hätten als jetzt Parfüm, weil du vielleicht kein Parfüm trägst.
Florian Bayer: Natürlich. Auf jeden Fall. Ich bin doch eine Konsumpitch. Ich gehe auf sowas. Dann weiß ich ja, was ich dir schenke. Kriegst du so oft so Scheiße hinterhergeworfen?
Johannes Franke: Nicht so oft, nein. Aber ich war neulich auf dem Schauspielpreis vom Bundesverband Schauspiel, die machen ihren eigenen Schauspielpreis und da gibt es natürlich auch Goodiebags. Ich darf es gar nicht laut sagen, ich habe zwei mitgenommen. Was war drin? Da waren Augentropfen von irgendeiner Firma drin, da war Kosmetik drin, da sind ein Haufen doch durchaus teure Sachen, die aber natürlich darauf abzielen. dass derjenige, der es bekommt und die hoffen, dass sie die bekannten Schauspieler erwischen, die dann sagen, oh guck mal, das war gut, das kaufe ich mir jetzt auch, weil ich es mir leisten kann und halte es vielleicht hier und da mal in die Kamera oder sowas und spreche Empfehlungen aus und so. Da sind sie bei mir natürlich an verlorener Stelle. Ich kann jetzt im Podcast sagen, dass ich diese Augentropfen irgendwie gut finde oder sowas. Du kannst dich mal die Marke nennen. Ich habe keine Ahnung, ich weiß es nicht. In den letzten Jahren war es... Und jetzt piepe ich das natürlich am Ende nachher auch noch. Egal. Okay, dann weiß ich ja Bescheid. Du kannst also mit Goodiebag-Inhalten was anfangen. Sehr schön. Ich frage mich, warum treffen die sich überhaupt? Ja gut, das ist ein Gespräch in ihrem Kopf eigentlich. Insofern braucht es keine Ausrede, warum sie sich treffen. Aber so ein kleines bisschen frage ich mich das während des Gesprächs. Wenn die sowieso nicht miteinander können und was miteinander zu tun haben, warum treffen die sich überhaupt?
Florian Bayer: Verwandtschaftliches Verpflichtungsgefühl? Ja,
Johannes Franke: weiß ich nicht. Also gerade die abgefuckte Version von ihr, die hätte doch längst den Finger gezeigt und gesagt, ich gehe. Ich glaube, die findet es witzig,
Florian Bayer: zumindest am Anfang, die Idee nochmal Cate Blanchett zu treffen. Und Cate Blanchett fühlt sich dann irgendwie dazu genötigt. Ich glaube, das ist die Dynamik am Anfang und am Ende tut es aber Shelley, nennen ihre Namen, tut es Shelley auch irgendwie leid und es ist irgendwie doof gelaufen und sie merkt es selbst und sie fühlt sich auch irgendwie scheiße und auch irgendwie herablassend behandelt. Zu Recht auch ein bisschen.
Johannes Franke: Ja, natürlich, klar. Ich finde auch das, was da angesprochen wird, dieses man bekommt dann was for free, wenn man es sich auch eigentlich leisten könnte, finde ich auch ein gutes Thema. Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Und es ist ja auch ein sehr wahres Thema.
Johannes Franke: Wie sind so die Dynamiken bei so bekannten Persönlichkeiten und wie unnötig und wie scheiße ist das eigentlich?
Florian Bayer: Also eigentlich ist es ein großer Cate Blanchett-Zählenskript, die sich einfach mal mit ihrer Status auseinandersetzt.
Johannes Franke: Sie hat auch eigene Dialogteilen hinzugefügt. Also es ist sozusagen tatsächlich... nicht einfach nur umgesetzt vom Drehbuch her, sondern sie hat sich tatsächlich damit auch auseinandergesetzt und das ihre eigenen Sachen mit reingebracht.
Florian Bayer: Also für mich eine der besten Episoden.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nummer 8. Wir haben wieder Prominente. Nämlich, die damals noch gar nicht so prominent waren.
Johannes Franke: The White Stripes. Die waren schon relativ obwohl, obwohl, ja okay, als sie gedreht haben. 2003 waren sie ja schon ziemlich,
Florian Bayer: also Seven Nation Army kam 2003 raus. Als sie es gedreht haben, war das Ding noch nicht draußen.
Johannes Franke: Ja, okay, okay. Das heißt, Jim Jarmusch hatte mehr oder weniger hellseherische Fähigkeiten, oder was?
Florian Bayer: Der war einfach mit ihnen befreundet und sie waren halt einfach Indie-Rocker aus... Ich glaube nicht, dass Jim Jarmusch groß darauf geachtet hat, dass die mal berühmt werden.
Johannes Franke: Naja, er hat einen Haufen Leute, die sehr berühmt sind. Und der Film ist voll davon. Und man fragt sich schon, warum der Film voll von Berühmtheiten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also muss man schon sagen. Also da würde ich dem jetzt auch schon unterstellen, dass er da ein bisschen darauf geachtet hat, dass die ja bekannt sind.
Florian Bayer: Ja, ja, wahrscheinlich schon. Aber ich weiß nicht, ob... Also ich glaube, Jack und Meg White... waren damals über den Indie-Circus noch nicht groß bekannt. Also als er es gedreht hat. Und dann hat natürlich so Coincidence das Seven Nation Army. Magst du The Right Stripes?
Johannes Franke: Ja, na klar, wer denn nicht?
Florian Bayer: Es gibt schon viele,
Johannes Franke: die die nicht mögen.
Florian Bayer: Ich glaube, Seven Nation Army ist einfach mal einer der besten Pop-Songs, die in dem Zeitraum geschrieben wurden. Das sitzt einfach alles, du hörst den einmal und hast ihn direkt im Ohr und wirst nie wieder los.
Johannes Franke: Ja, der ist total gut.
Florian Bayer: Und ich bin überhaupt... Kein Fan von diesem Garage Rock Revival, das ja damals so groß war. The Hives, The White Stripes und immer The Wines und...
Johannes Franke: The irgendwas.
Florian Bayer: Genau, The irgendwas. Ich bin eigentlich nicht so ein großer Fan von der Musik, aber The White Stripes gehören für mich zu den Besten davon. Ja,
Johannes Franke: die haben das gut gemacht. Doch, doch. Die hatten auch irgendwie es raus, so einen sympathischen Mythos zu basteln.
Florian Bayer: Ich war voll der Mark damals. Ich dachte, die sind wirklich Geschwister. Ich habe das nie hinterfragt.
Johannes Franke: Ich auch nicht. Gar nicht.
Florian Bayer: Weil warum sollte man das auch machen?
Johannes Franke: Natürlich, warum soll das? Und die hatten so viel Spaß damit. Und dann stellte sich irgendwann raus, die sind ja gar nicht verwandt. Die sind ja einfach nur verheiratet gewesen.
Florian Bayer: Das ist so awkward. Warum tut man so etwas? Ich verstehe es auch nicht. Und alles drauf. Also offensichtlich sind viele drauf reingefallen.
Johannes Franke: Ja, na klar. Aber kurz, um das einzusortieren, die haben nicht als aktives Liebespaar gesagt, wir sind jetzt Geschwister. Das wäre noch seltsamer. Sondern die waren dann schon auseinander, als sie dann angefangen haben zu sagen, wir sind Geschwister.
Florian Bayer: Ah. Ich glaube, zumindest das, was ich recherchiert habe. Ich meine mich zu erinnern, dass dann irgendwie, oh, die sind Geschwister. Oh, ist da irgendwas komisch, inzestieus dran? Weil es gibt doch ein Bild von ihnen, wie sie knutschen oder so. Aber kann auch sein, dass ich das gerade komplett aus Erinnerungen zusammensetze, die Fake-Erinnerungen sind.
Johannes Franke: Keine Ahnung, aber so habe ich es verstanden. Aber vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, weil das ist ja auch ein einziges Chaos, muss man sagen. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und es sind sehr viele Legenden und sehr viele Sachen, die man nicht glauben darf. Also insofern, aber die beiden hatten Spaß mit ihren Legendenbildungen. Insofern, ich gönne ihnen alles.
Florian Bayer: Und sie haben doch Spaß in dieser Szene. Also so wie die White Stripes halt Spaß haben. Ja,
Johannes Franke: ach ich weiß nicht. Das Problem ist so ein kleines bisschen, dass sie gar nicht spielen kann. Also wirklich nicht spielen kann. Sie hat die Aufgabe in der Gegend rum zu wabern und irgendwie Unruhe reinzubringen. Also eigentlich hätte sie es nicht. Das würde sehr davon profitieren, wenn sie mal einmal stillhalten würde. Stimmt, sie ist sehr zappelig. Ja, und einen Satz gerade aussagen würde und nicht gewabert sagen würde. Also ich weiß nicht. Er kann es ganz gut, glaube ich, so. Also zumindest für Nicht-Schauspieler kriegt er es ganz gut hin.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber ich weiß auch gar nicht so richtig, was diese Szene eigentlich soll. Er hat da dieses Tesla-Coil-Ding in einem Café stehen. Warum hat er das mitgebracht? Warum steht das da? Diese Szene ergibt keinen Sinn. Nein, die ganze Szene ergibt keinen Sinn. Aber ich gucke ihnen am Anfang gerne zu, bis ich denke, jetzt halt mal still und sie schütteln will. und Bis ich dann denke, ja, jetzt sind wieder die fünf Minuten angebrochen, die zu viel sind.
Florian Bayer: Ich finde es total geil, dass es diesen Moment gibt, wo sie sagt, oder es liegt daran. Und es ist exakt das, was es ist. Also sie hat wirklich plötzlich voll die technische Ahnung, obwohl sie davor wie so nur ein Zuschauer wirkte.
Johannes Franke: Genau. Und es ist aber auch so aus dem Nichts, dass ich denke, ah, das ist jetzt irgendwie so ein seltsames, aufgefropftes Mittel.
Florian Bayer: Ja, ist es. Ich finde es ganz witzig, dass Zinke Lee, den wir in der 80er Episode schon mal gesehen haben, wiederkommt. Hier nur ganz kurz als Kellner. der erschrocken ist, als sie dieses Ding anwerfen. Aber ich muss dazu sagen, und da stimme ich dir auch zu, es ist ähnlich wie Somewhere in California, eine Episode, die davon lebt, dass es einfach cool ist, zwei Promis zu sehen. Dass es cool ist, die White Stripes hier zu sehen, die hier sitzen. die an einem Tesla-Coil rumspielen.
Johannes Franke: Und das ist dann halt eine Minute lang cool, die zu sehen, weil man sich denkt, hihi, guck mal, guck mal. Und vielleicht sogar noch weiß, dass die eben noch nicht ganz so bekannt waren zu der Zeit. Und dann ist das nochmal cooler oder sowas. Aber das hat man sich dann ja auch irgendwann, irgendwann erschöpft sich das.
Florian Bayer: Und das ist halt, und das ist dasselbe Phänomen wie in Samoa in Kalifornien. Und meiner Meinung nach auch ein bisschen das ähnliche Phänomen in Delirium, dass dieses... Also Promis sind da und man findet es irgendwie cool, dass die Promis da sind. Aber wenn man das Gefühl hat, diese ganze Episode ist eigentlich nur darum... auch darum aufgebaut, dass es hier diese prominente Person gibt. Es ist ein bisschen wenig.
Johannes Franke: Man kann sich halt nicht darauf verlassen, dass man zwei berühmte Personen in einen Raum sperrt und dann schon was Interessantes passieren wird. Genau. Das ist halt nicht so.
Florian Bayer: Es sei denn, man dreht Episode 9. Kassens.
Johannes Franke: Ja, also, aber das ist dann, da hast du dann halt wirklich eine tolle Idee, ein Drehbuch,
Florian Bayer: das tatsächlich eine Dramaturgie hat und zwei Schauspieler, die einfach fucking gut sind. Ich sehe deinen begeisterten Augen schon an, dass du das offensichtlich auch für eine der besten Episoden des Films hältst. Eine der zwei besten. Okay. Ich glaube, sie ist meine Liebste. Ich finde sie richtig toll. Alfred Molina und Steve Coogan, die in diesem merkwürdigen Fabrikcafé sitzen. Und Alfred Molina will Steve... überzeugen, dass sie beiden Cousins sind, weil er darüber geforscht hat. Und es ist ganz lange nicht so ganz klar, was er eigentlich von Steve will. Steve ist auf jeden Fall voll genervt davon und will eigentlich nur seine Ruhe haben und hat gar keinen Bock auf Alfred. Und es wird langsam irgendwann klar, er will eigentlich nur geliebt werden. Und es ist so süß. Es gibt nämlich wirklich dann dieses Satz Please, just acknowledge this and just love me. Das ist das, was er will. Das ist alles. Mehr will er gar nicht.
Johannes Franke: Als er diesen Satz zeigt, denke ich, okay. jetzt verstehe ich Steve Coogan ein bisschen mehr, weil das ist schon ein bisschen übergriffig. Du hast ihn das erste Mal kennengelernt und sagst, please love me.
Florian Bayer: Es ist so süß, weil Alfred Molina ist halt wirklich ein guter Schauspieler. Ja, sehr. Er spielt hier wirklich eine einsame Seele,
Johannes Franke: der man zu jedem Moment abkauft.
Florian Bayer: Er will nur akzeptiert werden. Er will vielleicht nicht mal geliebt werden, sondern er will einfach wahrgenommen werden. Das reicht ihm ja schon.
Johannes Franke: Und ich frage mich, in welchem Universum war Steve Coogan jemals wirklich so viel größer als Molina. Nein! Die waren doch einfach beide immer tolle Schauspieler, aber jetzt nicht die großen Hollywood-Leute, sondern eben aus Großbritannien, oder? Ja, es sind einfach beides große Schauspieler und ich hätte jetzt auch gesagt,
Florian Bayer: ist Steve Coogan irgendwie größer als Alfred Molina? Nein, eigentlich nicht.
Johannes Franke: Er ist erfunden für das Ding, oder?
Florian Bayer: Glaube ich auch. Und es kriegt dann ja auch diese Pointe, dass nämlich Alfred Molina einen Einruf kriegt von Spike Nicht Spike Lee, sondern Spike Jones. Und dann wendet sich das Blatt und plötzlich haben wir eine komplett umgedrehte Dynamik. Und Stiefel jetzt mit ihm bekannt sein und dann sagt Alfred, ne Arsch lecken.
Johannes Franke: Recht hat er. Und ich finde, das ist zwar insgesamt eine recht verkürzte und vielleicht auch ein bisschen eine unterkomplexe Idee. Ja, natürlich. Aber was willst du auch in fünf Minuten machen? Es ist vollkommen in Ordnung. Für diese fünf Minuten habe ich wirklich, wirklich Spaß damit. Bisschen länger, ne? Es ist die längste Episode. Sie geht über 10 Minuten. Super.
Florian Bayer: Sie geht 15 Minuten. Das ist wirklich die längste mit Abstand.
Johannes Franke: Ich komme damit auch total klar mit der Länge. Ich liebe jede Minute daran. Also ich finde es total gut. Vor allem eben einfach, weil die das so gut spielen. Es ist wirklich ein bisschen unterkomplex, aber das, was sie daraus machen, die Schauspieler, wie die das hinkriegen, diese Dynamik zu bauen und dass du auch wirklich an den Lippen hängst von beiden.
Florian Bayer: Es ist wirklich toll.
Johannes Franke: Die machen das einfach grandios.
Florian Bayer: Es ist großartig. Es war übrigens Alfred Molinas Idee, dass er eigentlich nur von ihm geliebt werden mochte. Jim Jarmusch hat gesagt, sie haben drüber geredet über das Skript und Jim Jarmusch hat die ganze Zeit nach dem gesucht, was Alfred Molina will. Warum er das tut. Warum er diese Recherche hat aus den Stammbäumen und sagt, hey, guck mal, wir sind Cousins. Und dann hat Alfred wohl irgendwann gesagt, ey, lass uns doch einfach machen, dass ich von ihm gemocht werden möchte. Oder glaubst du, das ist ein bisschen zu viel? Ja. Ich glaube, das ist ganz geil. Und dann hat Ciamos gesagt, ja, okay, machen wir so. Und ganz interessant, Ciamos retrospektiv dann, ich glaube, dieser kleine Moment ist das Herz des gesamten Films. Für mich ist dieser kleine Moment, eigentlich drehen sich alle Geschichten um diesen einen kleinen Moment, nämlich, dass Menschen gemocht werden möchten. Das stimmt natürlich nicht, aber es ist sehr süß als Gedanke.
Johannes Franke: Nein, aber wenn man sich die Episoden so anschaut, das Ding ist, das ist natürlich eine simple Botschaft. und eigentlich... Sind wir ehrlich, 90% der Filme, die auf diesem Planeten gemacht wurden, drehen sich darum, dass Menschen geliebt werden möchten.
Florian Bayer: Was ja auch ein Grundbedürfnis ist. Das ist unser Ding als Menschen.
Johannes Franke: Überlebensstrategie geliebt werden. Ich finde, dass hier noch andere Themen einfach drinstecken, die wirklich auch interessant sind. Eben dieses, was wir hatten, dieses Promi-Status. Wer hat den größeren Promi-Status? Wie absurd diese Promi-Status-Geschichte überhaupt ist. Wie doof die auch ist und dass man die auch überhaupt nicht festmachen kann in irgendwas. Und Steve Coogan macht die ja auch an nichts fest, außer seinem Ego. Am Anfang. Und stellt dann irgendwann fest, oh scheiße, habe ich falsch eingeschätzt. Eigentlich möchte ich gerne mit Spike Jonze was machen. Und dass auch dieses Showgeschäft oft so, dass Beziehungen im Showgeschäft oft so transactional sind. Dass ich gebe dir hier was, du gibst mir da was. Dass dieses Netzwerken, was man immer so ein bisschen übervermenschlicht, ja eigentlich was sehr Transaktionales hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das finde ich sehr interessant an der Episode.
Florian Bayer: Woran ich denken musste jetzt gerade, ich als Nicht-Schauspieler, der auch mal auf Bühnen gestanden hat, habe ich von Johannes tatsächlich hin und wieder auch mal so Schauspiel-Tipps gekriegt und Ideen. Und eine Sache, die hängen geblieben ist, weil du die ganze Zeit von Status redest, du hast mir mal gesagt, dass ganz viel Comedy daraus entsteht, dass zwei Menschen versuchen, einen Status zu halten und versuchen, den Hochstatus zu halten und dann beieinander kläschen. Oder zwei Menschen versuchen, den Tiefstatus zu halten und kläschen einander. In diesem Film, in allen Episoden, auch in dieser haben wir ja das genaue Gegenteil, dass wir einen haben, der so radikal diesen Tiefstatus spielt und einer, der radikal diesen Hochstatus spielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und trotzdem wird es sau witzig.
Johannes Franke: Ja, in dieser Szene schon, aber auch, weil der Kampf nach oben zu kommen bei Merlina sehr stark ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Der versucht ja aus dem Tiefstatus rauszukommen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er kommt ja dann auch da raus und das ist ja das Lustige daran, dass der Wechsel stattfindet. Tatsächlich. Und. Ich muss sagen, innerhalb des Films nervt es mich ein kleines bisschen, dass dieses Hochtiefstatus so in jeder Geschichte so durchgezogen wird.
Florian Bayer: Und es ist meistens auch klar zu verorten. Also bei Samoy in Kalifornien hast du ganz klar Tom Waits Hochstatus, Hip-Hop-Tiefstatus. Total.
Johannes Franke: Selbst wenn Cate Blanchett mit sich selbst redet, die düstere Version von ihr versucht, nach oben sich zu kämpfen. Aber, ne, also... Und das sieht man auch oft an Bewegungsmustern. Deswegen hat Kate Ranshaw ja auch entschieden, dass sie als die berühmte Version ihrer selbst kaum Bewegung hat, weil sie die Ruhe verbreitet, weil sie den Hochstatus hat. Sie hat es nicht nötig, groß rumzuzappeln. Und die andere Version von ihr bewegt sich wahnsinnig viel. Die windet sich ja fast schon auf ihrem Sofa da. und das ist in den anderen Episoden auch so ein bisschen so. Tom Waits bewegt sich ja auch ganz ganz wenig. bei Iggy Pop, da ist auch nicht wahnsinnig viel Bewegung, aber man hat schon das Gefühl, dass da mehr passiert.
Florian Bayer: Ja, bei Iggy Pop ist vor allem so dieses Lächeln, das Verzweifelte und dieser Blick hin und her und so. Immer diese Suche nach Hilfe.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: Cussens ist in dem Sinne ja auch ganz viel eine Spiegelung von der Samurai in California Episode, weil es auch wieder um zwei Promis geht, die unterschiedlichen Status haben, aber meiner Meinung nach... die, wo es viel besser funktioniert. Und nicht nur, weil es zwei Schauspieler sind, die besser spielen können, als Tom Waits und E.B. Bob.
Johannes Franke: Doch auch, doch auch sehr stark.
Florian Bayer: Aber nicht nur.
Johannes Franke: Nicht nur.
Florian Bayer: Sondern auch, weil das Skript einfach besser ist und weil es tatsächlich Konflikt gibt. Und weil es auch ein, ganz banal, eine Motivation gibt. Es gibt einen Wunsch, der hier erfüllt werden soll.
Johannes Franke: Es ist dramaturgisch einfach sinnvoller.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil du von, weil beide Figuren ein Ziel haben in der Szene und man nicht groß raten Der ist das, der ist das und dann wird man da gut durchgeleitet durch die Szene. Bei Tom Waits hat man so das Gefühl, man weiß nicht, wo geht es hin, was ist das Ziel, was soll das überhaupt.
Florian Bayer: Episode Nummer 10, Delirium, mit Jeeza und Reza vom Wu-Tang Clan.
Johannes Franke: Da verlässt er seine Spuren einer dramaturgischen Aufarbeitung wieder komplett.
Florian Bayer: Moment langsam, magst du den Wu-Tang Clan? Wenn ich dich schon White White Stripes gefragt habe?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Verdammt! Ich bin völlig ahnungslos, was das überhaupt mir geben kann oder soll. Vielleicht gibt es mir was, aber ich ahne schon, dass es einfach nicht meine Musik ist.
Florian Bayer: Ich habe vor zehn Jahren, keine Ahnung, irgendwann habe ich angefangen, Hip-Hop sehr zu schätzen zu lernen und habe dann auch angefangen, Hip-Hop aus der früheren Zeit nachzuholen und vor allem Hip-Hop der 90er Jahre. den ich damals als ignoranters Rock... Teenie, ignoranter Rock-Teenie verpasst habe. Enter the Wu-Tang 36 Chambers aus dem Jahr 1993 ist eines der besten Hip-Hop-Alben aus der Zeit. Und diese ganze Art, wie der Wu-Tang-Clan sich inszeniert hat und wie er Musik gemacht hat, das ist schon wirklich verdammt guter Hip-Hop. Und gehört mit zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Die trinken keinen Kaffee und sie rauchen nicht.
Johannes Franke: Es gibt Tee und sie sind Alternativmediziner offensichtlich. Also der eine zumindest. Was ich sehr süß finde, muss ich sagen. Es ist total witzig, weil das Image natürlich so ein ganz anderes ist und man nicht so denkt, dass die so über ihre Gesundheit nachdenken. Jim Jarmusch sagt,
Florian Bayer: es gibt diese Verbindung zu der Doktor-Szene. Dass Tom Waits sagt, ich bin ein Doktor. Und zwar tatsächlich... Es ist so, dass er das, wie sie sich hier verhalten, aus seinem wahren Leben kennt. Also er ist mit Reza befreundet. Und Reza ist offensichtlich jemand, den man anruft als Freund, wenn man medizinische Ratschläge will. Er sagt, irgendwie hat sich das so entwickelt, weil Reza immer wusste, was man nehmen muss, was nicht vom Arzt verschrieben wird, was man nicht in der Apotheke kriegt. Und irgendwann habe ich angefangen, ihn anzurufen und zu sagen, Ey Reza, ich bin krank, was mache ich? Was kannst du mir empfehlen?
Johannes Franke: Geil, okay.
Florian Bayer: Das spielen sie hier natürlich voll drüber,
Johannes Franke: indem sie ihn als den absolut allwissenden alternativmedizinischen Arzt präsentieren. Ich finde es sehr lustig und sehr süß. Ich gucke denen gerne zu, bis Bill Murray reinkommt. Und ich muss sagen, ich mag Bill Murray total, aber irgendwie ist er ein Störfaktor in dieser Szene. Was ist denn da los? Ich finde, diese Szene ist fast so eine Parodie auf das,
Florian Bayer: was davor passiert ist. Wir hatten das Szenario, ein Promi-Spiel. spielt einen Kellner. Wir hatten das Szenario, ein Promi spielt sich selbst. Und hier haben wir das Szenario, ein Promi spielt einen Kellner, wird damit konfrontiert, dass er doch eigentlich ein Promi ist und sagt, ey, lass das lieber unter uns.
Johannes Franke: Ja, ich finde das super seltsam.
Florian Bayer: Ich finde es total geil. Es ist so eine Hyper-Supra-Fiktionalität, Metafiktionalität, keine Ahnung, was es ist. Weil es ist einfach mal, wir brechen die vierte Wand durch und Fahren dann nochmal mit der Dampfwalz drüber.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Ich find's sau witzig.
Johannes Franke: Ich find's hier allerdings auch so chaotisch, dass ich nicht so richtig weiß, wo sind wir denn jetzt? Was soll denn das jetzt? Also ich kann auch den Witz an sich nicht genießen, was du jetzt erzählst. Ja. Diese Hyperfiktionalität. Ich find's, ich weiß nicht. Und Bill Murray zeigt hier keinen Sinn für Timing oder sowas. Also er ist einfach nur, er brabbelt vor sich hin und ich weiß nicht. Die haben ihn angerufen und gefragt, willst du für einen halben Tag vorbeikommen? Und er hat gesagt, ja, warum nicht? Und kommt dann halt einen halben Tag vorbei und macht genau das. Ja, warum nicht? Es gibt doch Fotobombing, wenn man sich so ins Bild reinwirft und plötzlich zu sehen ist, wenn jemand anderes ein Selfie macht.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: so ist das.
Florian Bayer: Diese Szene wirkt, als hätte Bill Murray ein Filmbombing gemacht. Als hätte der sich schnell eine Waitress-Uniform angezogen, wäre er da hingerannt und vor die Kamera gesprungen. die haben halt irgendwie drauf reagiert und am Schluss hat Sharmouk gesagt, ja mein Gott, dann lassen wir das halt so. Das ist eh nicht mehr zu retten. Ich finde es dadurch grandios und ich stimme mit allem überein, was du sagst. Es ist total chaotisch, es macht keinen Sinn. Bill Murray bringt eine unglaubliche Unruhe da rein, weil er auch Kaffee in sich reinkippt aus der Kanne und raucht und hustet und die ganze Zeit nervig am Rand steht und irgendwas macht und es wirkt einfach es wirkt, als hätte er diesen Film gesprengt und diese eine Episode gesprengt in diesem Moment und Und das finde ich irgendwie sympathisch, weil es halt den Film so komplett aufbricht.
Johannes Franke: Ja, und es macht auch wieder die Meta-Ebene auf, das Berühmte, was du sagst. Und dann Anonymität, wie kann man Anonymität wahren, obwohl alle sehen, dass du Bill Murray bist. Genau,
Florian Bayer: sagt es niemandem. Moment mal, wenn nicht jemand sieht,
Johannes Franke: weiß er, dass du es bist. und ich frage mich auf der Hälfte schon, wie oft willst du
Florian Bayer: Bill Murray sagen? Warum musst du die ganze Zeit fucking Bill Murray sagen? Das Geile ist ja, es wird nicht mal eine Geschichte geliefert. Man könnte sich jetzt überlegen, er reitet sich vor auf eine Rolle oder sowas, aber es wird überhaupt nicht erzählt. Er ist einfach da, er ist Kellner, er ist Bill Murray, er will nicht, dass jemand erfährt, dass er da ist und wir müssen damit irgendwie leben und ich glaube, es gibt auch keine Hintergrundgeschichte. Wie gesagt, er hat sich einfach in diesen Film reingeschmuggelt. Genau. Er bereitet sich hier nicht auf eine Rolle vor. Er ist nicht inkognito. Er muss nicht Geld nebenbei verdienen, weil er zu wenig Geld hat. Nein, nein, nein. Er ist einfach in diesem Film drin. In diesem Moment ist der Film sich absolut gewahr, dass wir einen Film vor uns haben. Und ja, ich finde es cool.
Johannes Franke: Aber so von der Einsortierung her, wir haben wirklich vergessen, die ganze Zeit zu sagen, was zieht uns rein? Hält dich Bill Murray fest?
Florian Bayer: Nein. Was mich in diese Szene reinzieht, ist einfach das Chaos.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also ich finde es natürlich geil, Wu-Tang Clan zu sehen.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und ich finde es witzig, dass sie keinen Kaffee trinken, sondern Tee. Und ich finde die Szene ist, die ist so ein kleiner Störfaktor in diesem Film. Weil wie gesagt, das ist die einzige Szene, in der die beiden, die sich treffen, keinen Kaffee trinken und keine Zigarette rauchen. Es ist eigentlich fast so, als würde diese Szene da reinbrechen, wie eine Satire auf das, was davor passiert ist. Und Jim Jarmusch sagt damit, naja, ich nehme das alles ja auch nicht so ernst. Ja. Du musst die auch nicht.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise sagt er damit, dass es vielleicht auch nicht Kaffee und Zigaretten sind, sondern dass es halt jegliche Form von... gemeinsamen Genuss von irgendwas ist.
Florian Bayer: Es geht um mehr.
Johannes Franke: Es geht um mehr. Naja, gehen wir mal zu mehr. Es gibt noch ein Kapitel, Kapitel 11. Champagne.
Florian Bayer: Ja, und was auch immer du jetzt sagst, ich werde sauer auf dich sein. Es ist, glaube ich, meine liebste Episode. Ja?
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Aber du hast doch vorhin gesagt, sie funktioniert nicht, weil sie... Was? Weil es wie eine Wiederholung ist von dem, was am Anfang war, die beiden alten.
Johannes Franke: Ne, da bezog ich mich auf was anderes.
Florian Bayer: Ah, okay.
Johannes Franke: Ich finde, das gehört zu den beiden besten Episoden. Das eine ist Cousins? Und das andere ist diese letzte Episode. Sie ist großartig, sie ist ganz toll.
Florian Bayer: Danke. Mehr brauchen wir gar nicht zu sagen.
Johannes Franke: Gut, schön, dass ihr wieder dabei wart. Bis nächste Woche.
Florian Bayer: Wir haben zwei alte Leute, die zusammensitzen, die offensichtlich schon sehr lange und sehr oft zusammensitzen. Zwei alte Nostalgiker, die Gustav Mahler hören und sich erinnern.
Johannes Franke: Wir wissen auch nicht, wo die da sind, oder? Es ist so ein bisschen Satres Vorhölle oder so.
Florian Bayer: Es ist so ein Vorjenseits. Ich glaube, es ist quasi ein Hospiz. Es ist auch das Hospiz für diesen Film, weil der Film danach vorbei ist. Sie liegen nicht auf dem Sterbebett, aber sie sitzen im Sterbecafé.
Johannes Franke: Ja, irgendwie sowas.
Florian Bayer: Und es ist so schön und so traurig zugleich. Vor allem, wenn sie über das Lied reden und dann hören sie es kurz im Hintergrund und dann geht es wieder aus.
Johannes Franke: Dass dieses Lied da einfach kommt plötzlich. Dass dieses... Magical Realism, was wir vorhin schon hatten bei Fabel auf der Welt der Amelie, dass dieser Film sonst nie gemacht hat bisher. Aber obwohl, Bill Murray ist so ein bisschen Magical Realism, dass der plötzlich da auftaucht wie so ein Geist. Aber ich finde das total geil, dass die dann einfach diese Musik plötzlich hören, einmal so lauschen und dann sind sie wieder in der Szene drin. Ich finde es total toll. Das macht total eine gute Stimmung. Und auch wie die beiden das machen, sind ja auch nicht unbedingt die krassen Schauspieler, oder? Das sind doch Der eine ist doch ein Dichter und der andere ist der Schauspieler von, achso ja, Taylor Matt ist der von Andy Warhol der Typ.
Florian Bayer: William Rice ist auch Schauspieler. Taylor Mead, Matt, ist genau einer von Andy Warhols Leuten.
Johannes Franke: Genau. Und ein großer Star bei Andy Warhol war.
Florian Bayer: Ja, er hat auch unglaublich viel gedreht, aber halt auch so sehr viel, so dieses, diese. Filme, wo man nicht weiß, ob es Trash oder Kunst ist. Ich sage Kunst, Johannes sagt Trash. Die Andy Warhol in den 60ern und vor allem in den 60ern gedreht hat. Und es sind in diesem Film einfach zwei alte Leute, die nostalgisch sind. Der eine denkt ans New York in den 20ern, der andere ans New York in den 70ern oder so. Und sie leben einfach nur noch in ihrer Nostalgie. Paris in den 20ern und New York in den 70ern. Josephine Baker, Moulin Rouge. Und dann stoßen sie an
Johannes Franke: Der Titel von dem Gustav Mahler Lied ist halt auch so passend. Ich bin der Welt abhanden gekommen. Und es ist so ein toller Satz für diese Szene einfach nur. Zwei alte Männer, die sehr weltentrückt da sitzen und irgendwie in einer Erinnerung, die vielleicht auch nichts mit der Realität zu tun hat, hängen.
Florian Bayer: Und stirbt der eine in diesem Moment?
Johannes Franke: Kann absolut sein. Mich würde es nicht wundern, wenn... Ich bin froh, dass er es nicht ausdekliniert, aber... Aber er wacht da einfach nicht wieder richtig auf. Und man kann das Gefühl haben, dass der Nächste dann innerhalb der nächsten 10 Minuten auch wegdämmert.
Florian Bayer: Es ist so ein Warten auf den Tod auch ein bisschen. Und es ist auch sehr traurig, aber es hat auch eine Schönheit in dieser Menakologie.
Johannes Franke: Die scheinen ja auch beruhigt damit zu sein. Also es ist nicht so, dass die kämpfen und sagen, ich wollte aber noch so viel vom Leben. Sondern dass die sagen, man hat das Gefühl, dass die so reich an Leben was sie mit sich gebracht haben, dass sie dann jetzt einfach auch erschöpft sind und da sitzen und sagen, ja, das war das. Schön. Ach,
Florian Bayer: wunderschön.
Johannes Franke: Ich finde den ganz tollen Abschluss für diesen Film. Absolut passend. Ich hätte den Film,
Florian Bayer: wenn ich den geschnitten hätte, ich hätte die komplett anders sortiert, die Episoden, aber diese Episode gehört an den Schluss.
Johannes Franke: Absolut, absolut, ja.
Florian Bayer: Und genau, um das vielleicht nochmal zu sagen, meine Top 3 Episoden wären Kassens? Ohne Fragezeichen. Champagne.
Johannes Franke: Cousins und Champagne auf jeden Fall. Tja, was ist mein dritter dann? Du mochtest Samuel in Kalifornien. Ja, ich mochte Samuel in Kalifornien. Ja, dann nehmen wir das. Okay. Danke, dass du mir sagst, was ich denke.
Florian Bayer: Irgendjemand muss es ja machen.
Johannes Franke: Das ist der Grund, warum du den Podcast angefangen hast. Damit du mir endlich sagen kannst, was ich zu denken habe. Okay. Ja, ganz toller Abschluss dafür. Ich habe, nur wenn wir gerade bei der Episode noch sind, weil die Figuren eben aus dieser New York-Avantgarde-Szene so ein bisschen rausgenommen sind. Ich habe das Gefühl, dass dieser Film ganz drunterliegend die ganze Zeit hat, dass Jim Jarmusch einmal sagt, ich bin so tief in der Kunstszene drin, dass ich jeden Scheiß machen kann, weil die alle... alle mitmachen und immer alle Spaß haben und alle irgendwie in so einer Kunstform hängen, wo man einfach andocken will. Ich will da auch andocken. Wenn Jim Jarmusch sagt, ich mache einen abgefuckten Film und der wird keinen Sinn ergeben, sage ich sofort, ja natürlich, komm. Ich mache alles. Ich laufe mit dir auch nackt durchs Bild, wenn du möchtest. Einfach weil ich das Gefühl habe, dieses Lebensgefühl, was er irgendwie in sich trägt Und die Leute, die er da zusammenschart, ist vielleicht ein bisschen auch ein... Name-Dropping so. Auch etwas, was ich vielleicht ein bisschen seltsam finde, dass das so ein Name-Dropping ist, aber auf eine Art und Weise, dass man so das Gefühl hat, okay, die sind aber auch natürlicherweise in einer Mischpoke. Es wirkt nicht so aggressiv wie so Cameos,
Florian Bayer: die einfach nur den Film aufwerten sollen, sondern es wirkt sehr natürlich und sehr ehrlich und authentisch, wie diese Promis, die ja wirklich aus den unterschiedlichsten Genres und Gattungen kommen, zusammenarbeiten beziehungsweise in einzelnen Episoden in diesem Gesamtwerk auftreten. Wollen wir kurz in die Top 3 gehen und dann bin ich ganz interessiert noch an deinem Take, was du von Jamush mehr magst. Seine Langfilme oder seine Episodenfilme? Clickbaity wieder. Ja genau, das erfahrt ihr nämlich erst nach der Top 3.
Johannes Franke: Wo wir jetzt rein... Unsere Top 3 Vielen Okay, wir haben eine Top 3 mit dem Titel
Florian Bayer: Nicht-Schauspieler in Filmen. Ja, was wolltest du denn eigentlich? Wolltest du Promis, also zum Beispiel MusikerInnen oder so, die kleine Gastrollen oder Cameos haben?
Johannes Franke: Ich wollte jedenfalls nicht die Leute, wo man dann sagt, ja und das ist seine erste große Rolle gewesen, da war er noch nicht Schauspieler und dann ist er explodiert. Langweilig.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Sondern irgendwelche Leute, die vielleicht auch was ganz anderes gewesen sind und dann angefangen haben, da mal zu spielen oder da mal zu spielen, aber vielleicht auch nicht die große Schauspielkarriere gemacht haben. Ich war so unsicher, dass ich zwei Listen gemacht habe. Was?
Florian Bayer: Ich habe einmal eine Liste gemacht mit Leuten, aber eigentlich nur aus der Musik, die keine Filmkarriere damit gestartet haben, sondern einfach mal in einem Film mitgespielt haben. Und dann habe ich noch drei gemacht mit, naja, was halt so, ihr seid keine Schauspieler, was macht ihr hier? Aber es funktioniert.
Johannes Franke: Okay. Ich habe eine Liste mit Schauspielern, die keine Schauspieler sind. Also mit Leuten, vor allem Musiker auch, ja.
Florian Bayer: Okay, dann lass uns doch diese Musikerliste machen und ich haue am Schluss einfach nur ganz schnell die Filme raus mit den Nicht-Schauspielern, die gar nichts sind.
Johannes Franke: Wer muss anfangen? Du musst anfangen. Ich muss anfangen.
Florian Bayer: Platz 3. Alanis Morissette in Dogma. Sie spielt Gott. Ach, wie geil. Stimmt. Von Kevin Smith.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Ende der 90er Jahre und es ist einfach großartig. Sie hat halt diesen kurzen Cameo und wenn jemand in dieser Zeit in einem Film von Kevin Smith Gott spielt, Dann kann es nur Alanis Morissette sein.
Johannes Franke: Ganz toll. Ich habe auf Platz 3 Andre the Giant. In Die Braut des Prinzen. Der war ja eigentlich einfach nur eine Wrestler-Legende. Und eigentlich müsstest du den in deiner Liste haben, weil du so Wrestling-Fan bist.
Florian Bayer: Ich habe keinen Wrestler in meiner Liste. Was schade ist.
Johannes Franke: Aber die Wrestler sind keine guten Schauspieler in der Regel. Ich weiß gar nicht, ob er jetzt ein guter Schauspieler war, aber er hat das Gute gemacht. Also in dem Film Die Braut des Prinzen. Ganz toll. Er spielt den großen, riesigen und er war ja auch riesig, den Riesen Petzig. Ich find's ganz toll.
Florian Bayer: Ja, toller Film. Wir reden auch im Podcast drüber. Schaut euch den Film an. Hört euch die Episode dazu an.
Johannes Franke: Platz 2.
Florian Bayer: I would do anything for love.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Meatloaf in Fight Club.
Johannes Franke: Erstaunlich gut. Erstaunlich gut. Ja, wirklich. Sie haben auch einiges mit ihm gemacht. Um ihn da... Er hat Prüste. Ja genau Und Meatloaf hat auch in
Florian Bayer: Spice World mitgespielt, da hat er einen Busfahrer gespielt. Stimmt,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Geil. Aber ich glaube, es zählt trotzdem, weil er ist eigentlich kein Schauspieler. Er macht den Fight Club, hat ja eine größere Rolle und kommt total überzeugend drüber.
Johannes Franke: Total. Ich frage mich immer, was motiviert Leute, Leute zu nehmen, die keine Schauspieler sind? Ist das nur, du bist berühmt als Musiker, also kannst du meinen Film auswerten, egal ob du gut spielst oder nicht? Ich glaube, teilweise ist es so. Freundschaft?
Florian Bayer: Freundschaften vielleicht? Freundschaften auch. Also ich denke mal, Alanis Morissette in Dogma ist einfach, das ist witzig, dass wir diesen großen Rockstar jetzt haben, die hat damals einfach auch die Charts mitgeprägt. Und Meatloaf in Fight Club ist glaube ich auch so ein bisschen eine Verbeugung. Ich meine, Meatloaf war damals ja nicht auf dem Zenit seiner Karriere. Das war glaube ich einfach eine Verbeugung vor diesem Mann und vielleicht auch ein Gedanke, ja, der kann es.
Johannes Franke: Ich habe Platz 2 Lady Gaga. Lady Gaga in A Star Is Born, die hat auch ein paar andere Sachen gemacht. Ja.
Florian Bayer: Ist schon so auf der Kippe, oder?
Johannes Franke: Es ist auf der Kippe, aber ich muss dazu sagen, weswegen es in die eine Richtung kippt, in die richtige Richtung kippt, ist, dass sie in allen anderen Sachen nicht so richtig gut ist. Okay. Gutes Argument. Aber in A Star Is Born ist sie richtig gut. Ja. Ich bin ganz beeindruckt und dachte, hä? Wo kommt das denn plötzlich her? Weil sie in den anderen Sachen halt auch nicht so die... Ich weiß nicht, in American Horror Story fand ich sie nicht so richtig gut.
Florian Bayer: Sie hat nie in American Horror Story gespielt.
Johannes Franke: Weiß ich schon nicht mehr. Ich weiß es schon nicht mehr. Ich hab ein komisches Haus im Kopf, aber die sind immer irgendwo in einem komischen Haus.
Florian Bayer: Das gab es sehr viel in dieser Serie. Mein Platz 1. Aretha Franklin in The Loose Brothers.
Johannes Franke: Oh, stimmt. Der ist ja natürlich... Geil.
Florian Bayer: Freedom, freedom, freedom.
Johannes Franke: Ja, sehr gut. Fantastische Szene. Ich hab auf Platz 1 Björk. Dancer in the Dead. Ja,
Florian Bayer: absolut verdient.
Johannes Franke: Ja, und ich wundere mich, dass du nicht auf Platz 1 Björk bist. Sie ist vielleicht zu gut für diese Liste. Man guckt diesen Film und denkt, ah,
Florian Bayer: sie schafft ihre Schauspielkarriere.
Johannes Franke: Ja, aber es tut sie ja nicht. Tut's nicht.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Weil sie keine Lust mehr hat, irgendwelche Regisseure zu ertragen. Ja. Das ist so gemein, weil von ihr hätte man bestimmt noch mehr.
Florian Bayer: Lars von Trier hat sie kaputt gemacht.
Johannes Franke: Lars von Trier hat sie eindeutig kaputt gemacht. Wir haben über diesen Film geredet, lange. und haben viel Mitleid für Björk übrig.
Florian Bayer: Mann, das ist echt hart, aber es ist eine wirklich große Schauspielleistung. Was für ein tolles Musical.
Johannes Franke: Das hat sich wirklich gut gemacht.
Florian Bayer: Um noch kurz meine Top 3 runterzurattern. Climax von Gaspar Noé. Den findest du nicht so geil. Da spielen hauptsächlich TänzerInnen mit.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Kids von Larry Clark.
Johannes Franke: Haben wir auch drüber geredet.
Florian Bayer: Wo er einfach mal Jugendliche von der Straße weggekastet hat, die in ihrem ersten Film zu sehen waren und ziemlich übers Ohr gehauen wurden. Und Fahrraddiebe. Der italienische Neorealismus, der sehr gerne einfach mal Menschen aus dem Alltag nimmt und sagt, ihr spielt jetzt und ihr spielt einfach das, was ihr sonst lebt und das funktioniert erstaunlich gut.
Johannes Franke: Das ist vor allem bei Faradiebe, muss ich sagen. Das Konzept hattest du mir vorher erzählt und ich habe auch das Wort italienischer Neorealismus. Das klingt schon so, als ob ich das überhaupt nicht mögen kann. Und dieser Film Faradiebe ist wirklich wahnsinnig gut. Das guckt euch die Episode an. Das ist relativ früh. Ja, es ist schon länger her,
Florian Bayer: dass wir darüber reden. Da haben wir,
Johannes Franke: glaube ich, noch unter 100 oder sowas. Ist das irgendwo. Auf unsere zweistelligen Episoden.
Florian Bayer: Hört euch unseren Back-Katalog an. Ich meine, wir sind mittlerweile 254. Es gibt sehr viel zu hören und sehr viel zu gucken. In dem muss man sehen.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Okay, kommen wir also zurück in unseren Film. Und Johannes, zu Jim Jarmusch nochmal. Ja. Was magst du mehr? Seine Episodenfilme oder seine längeren abendfüllenden Spielfilme? Natürlich seine Labenspielfilme. Die Episodenfilme sind leider insgesamt, also ich finde Night on Earth, wir haben es ja besprochen, ich fand ihn tatsächlich zu großen Teilen ziemlich cool, aber er hat immer wieder daneben gegriffen und das ist so schwer und wenn er eine richtig gute Idee hat und dann die durchzieht, ist er einfach besser.
Florian Bayer: Es ist halt einfach, Jim Jarmusch Episodenfilme sind immer Hit or Miss, jede einzelne Episode und auch hier in diesem Film sind drei Episoden, wo ich sagen würde, das sind Meisterwerke, die sind fantastisch. Aber es sind halt auch mindestens drei Episoden, wo ich sage, die haben mich komplett kalt gelassen.
Johannes Franke: Ja, ja. Und das Problem bei mir ist auch noch, dass ich so self-conscious bin beim Gucken, dass ich denke, ey, ich fand diese Episode richtig gut, aber fand ich die nur gut, weil davor so viel Durststrecke war? Oh, das ist hart. Bin ich einfach nur froh, dass ich irgendwas habe, woran ich mich festhalten kann? Ist Steve Coogan wirklich so gut mit Marlena zusammen? Oder ist das einfach nur, weil ich verzweifelt genug war? Ich weiß es nicht. Aber das letzte Teil, der letzte Teil, vollkommen losgelöst von allen Dingen. Die vierte Episode ist einfach großartig.
Florian Bayer: Richtig, richtig, richtig meisterhaft gut. Ich würde sagen, ja. Also dieser Film ist sehenswert. Und man muss sich teilweise durch Episoden quälen, die langweilig sind, die keinen roten Faden haben. Aber es gibt genug Episoden und ich würde sagen, mindestens die Hälfte, wenn nicht sogar mehr, sind Zub. überdurchschnittlich und einige richtig stark, dass man die etwas lahmeren Dinge verkraften kann oder zumindest sehen kann und sagen kann, ah, das ist ein ganz interessantes Experiment, das kann ich so nehmen. Und bei mir kristallisieren sich so drei heraus und das ist Those Things Kill You, No Problem und Strange to Meet You, die für mich gar nicht funktionieren. Aber das sind dann nur drei von elf, das ist ein Viertel. Mit einem Viertel Schwäche komme ich klar.
Johannes Franke: Okay. Ja, man hat ja immer wieder neu gewürfelt. Man kann ja immer wieder was Neues bekommen. Und dann stört es nicht ganz so, wenn man eine Episode guckt und sich denkt, I don't care for this, weil du weißt, in zwei Minuten ist es vorbei. Ich habe eine neue Chance mit der nächsten Episode. Aber ich tatsächlich, ich muss sagen, ich finde genau drei davon wirklich so sehenswert, dass ich den Film dafür wieder gucken würde. Und den Rest denke ich so, muss ich nicht nochmal sehen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen schade. Und das Problem ist auch ein kleines bisschen, dass ich das Gefühl habe, dass dieser Film ganz vielen Filmstudenten eine Erlaubnis gegeben hat, sich einfach nur in irgendeine Fabriketage zurückzuziehen, ohne Aufwand zu betreiben, das als Café wirklich auszustatten und einfach zwei Stühle hinzustellen und einfach improvisieren zu lassen. weil dieser Film dir sagt ja die beiden haben das doch auch improvisiert und der Film ist erfolgreich gewesen und ich denke mir naja der Film ist vielleicht vor allem erfolgreich gewesen weil die anderen Filme von Jim Jarmusch erfolgreich waren. Mit etwas Pech ist das wirklich so. Ja,
Florian Bayer: da ist leider ein bisschen was dran, auf jeden Fall. Also sind wir auch ein bisschen sauer auf Jim Jarmusch, weil er eine ganze Reihe von Independent-Regisseuren versaut hat.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Vielleicht wären die auch von alleine versaut gewesen, weil man immer, wenn man jung ist, denkt, ach, ich krieg das auf einer Arschbacke abgesitzen. gesessen, aber naja.
Florian Bayer: Also es gibt einfach mal diese Indie-Regisseure, die eigentlich nur für die Drogen und Chicks dabei sind, oder? Ja, ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Und das sind die, die Jim Jarmusch kopieren. Die wahren Künstler, wie wir.
Johannes Franke: Shit.
Florian Bayer: Aber Johannes, trotzdem vielen Dank, dass du ihn mir gegeben hast. Es war schön,
Johannes Franke: ihn wieder zu sehen. Ich bin froh, dass ich ihn nochmal geguckt habe und nochmal einsortiert habe, weil in meinem Kopf hat er halt rent-free einfach gelebt und gesagt, ich war toll. Und jetzt weiß ich wieder, okay, ja, ein Teil davon. Man braucht das ja auch. Never meet your heroes, sagt man eigentlich. Ja. Ja, Pech gehabt.
Florian Bayer: Nächste Woche.
Johannes Franke: Nächste Woche.
Florian Bayer: Gibt es keinen Film von mir, sondern ein Publikumswunsch.
Johannes Franke: Yes. Wir müssen ja mal eine Liste abarbeiten.
Florian Bayer: Genau, und wir machen das auch sehr radikal jetzt im November gar nicht so doll. Aber im kommenden Dezember, wir haben nämlich ein Weihnachtsprogramm zusammengestellt, was nur aus Publikumswünschen besteht. Das heißt, wenn euch irgendein Film, den wir in unserer Weihnachtsliste drin haben, nicht gefällt, wir sind nicht verantwortlich. Die über Schuld schön abschieben. Sehr deutsch, sehr deutsch. Bin ich verantwortlich? Nein. Davor gibt es aber noch einen ganz klassischen Publikumswunsch, der nichts mit Weihnachten zu tun hat und auch nichts mit Halloween. Das haben wir auch hinter uns. Wenn ihr wissen wollt, was das für ein Film ist, bleibt noch kurz dran. Ansonsten, wie immer. Vielen Dank fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid.
Johannes Franke: Ja, wir freuen uns immer über jeden Kommentar, den ihr auf Social Media hinterlasst. Jeder Hasskommentar zählt, weil wir euren Lieblingsfilm nicht mögen oder sowas. Aber die meisten, 90 Prozent der Kommentare sind sehr, sehr lieb und ich freue mich sehr darüber. Aber das Internet ist ein Arschloch insofern. Gibt es auch das immer mal wieder. Seid nicht wie das Internet, seid kein Arschloch. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: So, wie angekündigt, es kommt ein Publikumswunsch. Und zwar von Spotify. Also nicht von Spotify selbst, sondern via Spotify. Nein,
Johannes Franke: Spotify hat sich das gewünscht. Ich lebe in einer Welt, in der ich glaube, dass Spotify... Genau weiß, wer es mir sind und sich was wünschen möchte.
Florian Bayer: Und ich weiß nicht, wie man es ausspricht. Es ist ein kleingeschriebener, zusammengeschriebener Name. Elise Daktivieren. Keine Ahnung, ob das der echte Name ist.
Johannes Franke: Sagen wir Elise.
Florian Bayer: Hat sich mehrere Filme gewünscht. Vor allem japanische Filme. Und zwar unter anderem Ohio von Yasushiro Ozu.
Johannes Franke: Oh, gut gemacht, Floor. Krass.
Florian Bayer: Und das ist total cool, weil also... Tatsächlich hat sich einer unserer Stammhörer, Hadi Nasrallah, auch schon Yasushiro Oso Filme gewünscht. Und das ist so ein bisschen auf meinem, wie sagt man, Pile of Shame. Ich habe von dem nämlich noch gar nichts gesehen, obwohl ich das japanische Kino sehr schätze. Und ich weiß, er wird immer genannt bei den profiliertesten japanischen Regisseuren, die man unbedingt gesehen haben muss. Und genau, wir steigen einfach mal ein mit Ohio 1959. Ich glaube, einer von seinen zugänglicheren Filmen. Aber ich kann, wie gesagt, nicht viel dazu sagen. Ich auch überhaupt nicht. Ich bin total gespannt, in sein filmisches Universum einzutauchen.
Johannes Franke: Ja, ich bin total dankbar über solche Filmvorschläge, weil man dann so richtig weiß, okay, ich habe keine Ahnung davon und ich werde in einen Haufen Fettnäpfchen treten, aber ich werde auch in eine Welt hineingehen, die ich vorher nicht kannte. Und dafür bin ich wahnsinnig dankbar.
Florian Bayer: Absolut. Also guckt euch Ohio aus dem Jahr 1959 an. Nächste Woche reden wir drüber. Spoilern wir immer die Hölle aus dem Film. Und bis dahin. Lasst es euch gut gehen.
Johannes Franke: Lasst es euch gut gehen. Schöne Woche euch. Bis dahin. Ciao.
