Episode 258 – Frau Holle (DEFA, 1963)
Okay, ernsthaft. Wer braucht eine Zusammenfassung von Frau Holle? Jeder kennt das Märchen.
Aber, na gut. In drei Sätzen:
Zwei Schwestern leben bei ihrer Mutter, eine faul und eine fleißig. Die fleißige springt aus… Gründen… in den Brunnen und wird reich, weil sie Frau Holle im Haushalt hilft. Die Faule wird mit Pech übergossen, weil sie keine Lust auf die Sklaventreiberin Frau Holle hat.
The End.
Je nachdem wo man die Kommata setzt, ist das vielleicht sogar nur ein Satz.
Man schaut den Film auch nicht, weil man wissen will, WAS passiert, sondern WIE es passiert.
Wie die Schauspieler drauf sind, wie herzerwärmend märchenhaft das ganze inszeniert ist und ob die DDR das ganze zu einem Sozialismus Bullshit Bingo gemacht hat.
Also Plor, aus welchen Gründen schaust du dir ausgerechnet diese Verfilmung unter tausenden dieses Märchens an?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 258 – Frau Holle (DEFA, 1963) Publishing Date: 2025-12-10T08:24:19+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/12/10/episode-258-frau-holle-defa-1963/
Florian Bayer: Wie diese Pechmarie, vor allem die Pechmarie, gespielt ist, für mich als erwachsener Zuschauer teilweise echt schwer zu ertragen.
Johannes Franke: Ich glaube, ich bin das Zielpublikum.
Florian Bayer: Ich liebe es. Liebes Publikum.
Johannes Franke: Jetzt fängt es schon wieder an.
Florian Bayer: Passend zur besinnlichen Weihnachtszeit reden wir heute über eine märchenhafte Figur, deren Atem töten kann. Was? Die mit einer Schar von Kinderzombies unterwegs ist und dir den Bauch aufschlitzt oder deinen Hof verbrennt, wenn du gesündigt hast. Ach ja, sie ist möglicherweise mit Knecht Ruprecht oder der toten Göttin Hilferwand. Und damit herzlich willkommen zu Muss-man-sehen-Podcast in der Weihnachtszeit, wo wir über Märchenfilme und fantastische Filme und alles was hier rein passt reden. Und natürlich mit der gezernten Version von Frau Holle. Wir reden über Frau Holle und wir werden mit Sicherheit auch zu Frau Persch zu sprechen kommen, an der Frau Holle orientiert ist. Oder Holda. Und wir reden über den in Deutschland wahrscheinlich bekanntesten Frau-Holle-Film.
Johannes Franke: Ist das der bekannteste? Wirklich?
Florian Bayer: Ich denke ja. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, ich kenne einen anderen. Ich kenne aus meiner Kindheit einen anderen, weil ich ja Wessi bin. Wir reden über den DEFA-Film aus dem Jahr 1963. und ich kenne, kannte er den Film aus dem Jahr 1961.
Johannes Franke: Ja, der im Westen entstanden ist, ne? Mit Frau Segebrecht oder so? Ist das der? Oder ist der später dann mit Frau Segebrecht? Ich weiß es nicht genau, weil Segebrecht ist ja auch erst später hochgekommen. Verdammte Scheiße,
Florian Bayer: ich hab mich recherchiert. Ein Film mit einer sehr jungen Frau, die gespielt wird von Lucy Englisch.
Johannes Franke: Achso, okay, dann ist es völlig andere. Weil ich hatte zwischendurch Bilder gesehen mit ihr und dachte, ach okay, dann ist das wohl das da. Aber dann war ich zu eilig mit meinem Vorteil.
Florian Bayer: Wir werden auf jeden Fall auch noch auf andere Frau Holle-Verfilmungen kurz zu sprechen kommen. Aber wir wollen uns vor allem um die guten alten DEFA-Märchen, in diesem Fall um das gute alte DDR-Märchen Frau Holle kümmern, das auch einer der kürzeren Filme ist mit schlanken 56 Minuten.
Johannes Franke: Ich bin richtig gefreut, weil ich gedacht habe, endlich mal kein fünfstündiges Epos von Floor.
Florian Bayer: Und dieser Film wurde uns vorgeschlagen aus der Ferne, per Mail, von einer Person, die sich aus der Ferne nennt, die ganz viele Wünsche genannt hat. Und herausgestochen ist in diesem Fall Frau Holler aus dem Jahr 1962, weil es einfach in die Weihnachtszeit passt und wir die Weihnachtszeit füllen wollen mit schönen, fantastischen Filmen.
Johannes Franke: Vielen Dank für den Vorschlag. Es ist großartig. Wir freuen uns immer, wenn wir Vorschläge bekommen. Insofern nehmt das als Anlass, uns gerne Vorschläge zu schicken. Dieses Mal hatten wir gesagt, bitte für Weihnachten mal ein paar Sachen schicken. Und ihr könnt aber auch das ganze Jahr über gerne Stirb langsam schicken oder sowas. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall. Den besprechen wir nächstes Jahr in Weihnachten. Dieses Jahr bleibt es schön beschaulich und fantastisch und märchenhaft. Johannes, worum geht das?
Johannes Franke: Ich kann euch ja mal kurz, ich habe einen Text vorbereitet und dann können wir reden. Okay, ernsthaft. Wer braucht eine Zusammenfassung von Frau... Holle. Jeder kennt das Märchen. Na gut, in drei Sätzen. Zwei Schwestern leben bei ihrer Mutter, eine faul und eine fleißig. Die Fleißige springt aus Gründen in den Brunnen und wird reich, weil sie Frau Holle im Haushalt hilft. Die Faule wird mit Pech übergossen, weil sie keine Lust hat auf die Sklaventreiberin Frau Holle. The End. Je nachdem, wo man die Kommata setzt, kann das vielleicht sogar Einsatz werden. Man guckt den Film auch nicht, weil man wissen will, was passiert, sondern wie es passiert. Wie die Schauspieler drauf sind, wie herzerwärmend märchenhaft das Ganze inszeniert ist und ob die DDR das Ganze zu einem Sozialismus-Bullshit-Bingo gemacht hat. Also Plor, aus welchen Gründen schaust du dir ausgerechnet diese Verfilmung unter Tausenden dieses Märchens an?
Florian Bayer: Das ist eine sehr gute Frage, weil sie vorgeschlagen wurde.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, legit, okay.
Florian Bayer: Aber ja, natürlich ist es ein D-Famärschen und D-Famärschen passen irgendwie in die Weihnachtszeit. Deswegen ist es auch irgendwie diese Variante des Märchens, die man in der Weihnachtszeit gucken will. Die Frage ist... Finde ich dann mehr darin. Ja. Also erstmal, es ist extrem nah an der Vorlage. Es ist abgesehen von den Bauernburschen, Holzfällerburschen, die durchs Bild hüpfen mit den Kindern zusammen, ist nichts dazu gedichtet, sondern entspricht wirklich exakt dem, was die Gebrüder Grimm geschrieben haben.
Johannes Franke: Ja, bloß, dass man schon auch in der Inszenierung trotzdem eine Konnotation setzen kann, sagen wir mal so.
Florian Bayer: Ja. Und dann schweife ich sehr schnell ab zum Stil und denke so, okay, was nehme ich stilistisch raus und finde das erstmal voll interessant, was dieser Film macht. Nämlich radikalen Minimalismus bis hin zum Gefühl, man sitzt vor einer Bühne und sehr viel diese Papp-Ästhetik und auch diese Papp- und Knet-Ästhetik. Weil wir haben ja wirklich Räume, die einfach nur einen einfarbigen Hintergrund haben. schwarz zum Beispiel das Haus. In den Innenräumen, genau. Dann weiß später bei den Innenräumen bei Frau Holle. Und ansonsten haben wir einen blauen Himmel und das ist alles. Und dann haben wir extrem spartanische Ausstattung. Wir haben so ein Objekt, das den Raum definiert. Wir haben eine Tür und wir haben ein Regal und ein Bett. Das sind drei Objekte. Und wir haben einen Ofen da stehen. Und der Ofen sieht aus, als wäre er geknetet worden. Und das ist cool. Das ist erstmal total interessant, dass diese Bilderbuch-Ästhetik, dass die ziemlich konsequent durchgezogen wird bis zu dem Punkt, dass wir Pappen Pappbäume sehen, die total süß aussehen.
Johannes Franke: Oder auch wenn da Schnee drauf liegt, total schön aussehen.
Florian Bayer: Ja, oder ein Pappschmetterling, der auf einer Pappblume sitzt. Und es ist einfach konsequent durchgezogen und es hat einen konsistenten Stil, der interessant ist.
Johannes Franke: Ja, ich finde auch. Und der macht auch für die Zeit tatsächlich genau das, was die damals machen wollten, nämlich dieses Moderne. Das ist heute nicht modern. Aber die haben tatsächlich versucht, das visuell zu modernisieren. Und dann sind sie vielleicht ein bisschen zu sehr in diesem Minimalismus gelandet, weil das irgendwie modern war oder sowas. Auch theatermodern und nicht nur filmmodern, sondern eben auch theatermodern. Und deswegen fühlt sich das die ganze Zeit auch so wie eine richtige, schöne Kindertheatervorstellung an. Und das finde ich spannend, dass das irgendwie so konsequent umgesetzt wurde.
Florian Bayer: Und das ist das Zweite, du hast kindermodern gesagt. Wir betreten hier, glaube ich, so ein bisschen Neuland, weil über alle Filme, die wir bisher gesprochen haben, wir haben auch über Kinderfilme gesprochen. Aber trotzdem hatten diese Filme alle sowas, was ein erwachsenes Publikum irgendwie anzielt. Und wir betreten insofern Neuland, dass wir hier wirklich einen Film für Kinder besprechen und bewerten müssen. Und wo wir absolut nicht das Zielpublikum sind. Und ein Film, der auch ganz viele Tropes hat, die so zum Kindertheater gehören, zum Beispiel das Overacting. und wo es sehr viele Momente gibt, wo ich denke, ja, ich sehe, dass das für Kinder gemacht ist, dass das auf Kinder wirken soll und wo ich gleichzeitig denke, wie diese Pechmarie, vor allem die Pechmarie, gespielt ist. Das ist für mich als erwachsener Zuschauer teilweise echt schwer zu ertragen. Ich glaube, ich bin das Zielpublikum. Ich liebe es. Wollen wir gleich über die Pechmarie reden? Wenn wir zur Schauspielleistung was sagen, müssen wir über die Pechmarie reden, weil Pechmarie spielt voll für Kinder.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Die hat die Regieanweisung bekommen. Suche dir alle Emotionen, die du irgendwo in deiner Kindheit hattest, mal zusammen und dreh die auf elf. Mach da wirklich 130 Prozent draus, dass man volle Kanne dieses Kindliche hat, was man als Kind auch nachvollziehen kann. Ich weiß nicht, ob sie es wirklich wollten, dass Kinder das so sehr nachvollziehen können, weil die Moral ist ja durchaus gegen die Pechmarie. Aber das, was der Film geschafft hat, ist... dass ich wahnsinnig viel über die Pechmarie lache, mich wahnsinnig freue und immer wieder sage, ich fühle es so. Ich kann so nachvollziehen,
Florian Bayer: was diese Frau hat. Katharina Lindh spielt die Pechmarie.
Johannes Franke: Ja, sie macht das ganz toll.
Florian Bayer: Und ich finde es nachher toll. Ich finde es am Anfang echt schwierig, wenn sie dieses Trotzige und Heulende, und es ist so gespielt, kannst du so comichaft gähnen wie sie. Nein. Kannst du nicht, also halt die Fresse. Es ist das beste Gän in der Welt. Aber dieser Wechsel von der Faulheit zu dem Trotz. Und dann mache ich gar nichts. Und dann mache ich gar nichts. Und dann. Dieser Wechsel vom Trotz zum Heulen. Und dieses Heulen, was überhaupt nicht echt wirkt. Was komplett gespielt ist für Kinder. Es ist für mich als Erwachsener echt ein bisschen too much.
Johannes Franke: Es ist noch nicht mal nur für Kinder gespielt, sondern es ist dieses Kinderding. Wenn Kinder heulen. Dann gibt es einen großen Prozentsatz, wo das Heulen nicht ursächlich aus irgendwie einem Schmerz und einem Impuls ist, sondern aus ich weiß mir nicht anders zu helfen, als jetzt laut zu werden und zu schreien und zu weinen. Und dann ist das oft bei Kindern sehr theatral. Und das macht sie. Und das finde ich super.
Florian Bayer: Es ist halt... Voll merkwürdig, wenn man das Ganze von einer 26-jährigen Schauspielerin geliefert sieht. Und man weiß auch nicht genau, wie alt soll die Figur denn sein eigentlich, weil die so wahnsinnig kindlich sechsjährig ist. Und das ist so krass. Und es ist so anstrengend am Anfang in ihrer Interaktion mit der Mutter, wie sie rumtrotzt und wie sie jammert und heult. Und es ist einfach, es ist nicht das Alter, sie spielt nicht das Alter, was sie hat. Und das ist total verstörend. Das ist wirklich anstrengend.
Johannes Franke: Ich finde es super geil. Ich liebe alles daran. Wirklich ganz, ganz toll. Vor allem, weil man sieht, dass sie eine schauspielischere Qualität hat eigentlich. Ja, sie kann mehr.
Florian Bayer: Sie kann was anderes.
Johannes Franke: Sie kann das auch tragen und sie kann das spielen. Und ich finde es großartig, weil das nicht von oben herabgespielt ist, wie Kindertheater vielleicht sonst manchmal ist. Wo man sagt, okay, heute war ich echt mit meinem Kind irgendwo in einem ganz schlechten Kindertheater. Das Kind hat es gelebt, okay. Aber ich fand es so von oben herab und so. Und Kinder merken das vielleicht nicht ganz so. Oder die spüren das nur so unterschwellig mit. Und dann können sie nicht äußern, dass es irgendwie blöde war oder sowas. Also sie zumindest spielt das aus der Augenhöhe dieses Kindes heraus. Sie hat alles aus ihr rausgeholt, was noch Kind ist. Und ich finde es ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Das ist ganz spannend, weil das ist das typische Alter, was... in der Regel in Verfilmung von Frau Holle, die Mädchen haben, die Goldmarie und die Pechmarie. Nämlich, wir haben hier Mitte-20-Jährige, die das spielen. Und ich habe eine Version gesehen, wo es Kinder spielen. Und dann denkt man erstmal so, oha. Und dann guckt man nochmal aufs Märchen und denkt, ja, ganz viel, was da so drin ist. Antropes sind natürlich Kinderfiguren. Und es passt vielleicht dann auch vom Gefühl her ein bisschen besser. Und es ist halt so irritierend, wenn das, weißt du, wenn wir, wenn wir, sie ist fast 30. Und sie verhält sich wie eine Dreijährige, nicht mal wie eine Achtjährige oder eine Siebenjährige, sondern wirklich wie eine Dreijährige, die ihre Gefühle halt auch einsetzt, um die Mutter zu erpressen. Ja, voll. Und auch die Goldmarie, auch mit ihrer extrem devoten Art.
Johannes Franke: Ja, aber die ist dann schon eher 8, 9 oder sowas vom Alter her, die ist keine 3.
Florian Bayer: Nee, aber auch so eine, die ganz höflich ist und alles macht, was ihr gesagt wird und nur auf den nächsten Befehl wartet. Das ist auch ein kindliches Verhalten, das ist der Gegenentwurf. die gibt es halt auch, die Kinder, wo man sagt, ey, sei mal ein bisschen rebellischer, bitte. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Und das ist halt einfach irritierend, weil sich das so durchzieht, dass diese beiden Figuren, dass wir hier mittelsahnsicherige Frauen haben, die auch offensichtlich irgendwie romantisches Interesse haben, das wird zumindest so ein bisschen angedeutet, dass es da Romanz geben könnte. Ja, ganz ein bisschen, ja. Dass die dann so krass aufkindlich gebürstet sind. Ja, ja, ja. Willst du Tee, Flo? Ja, bitte.
Johannes Franke: Bevor wir irgendwas anderes machen, erstmal Tee. Und dann erkläre ich dir, warum das so geil ist. Warum das genial ist.
Florian Bayer: Und vor allem musst du mir erklären, warum dann trotzdem auch wirkliche Kinder durch das Geschehen laufen. Weil es gibt die Kinder.
Johannes Franke: Ja, es sind ja auch tatsächlich die Figuren, die da gespielt werden, sind keine Kinder. Ich glaube, die sollen tatsächlich erwachsene Menschen sein. Sehr junge erwachsene Menschen, aber eben keine Kinder. Weil das eben auch, was du sagst, dieses leicht Romantische was anschlägt. Deswegen ist es nicht irregulierend, dass da Kinder rumrennen. Aber Pechmarie. Ich finde es super geil, weil die auch eben tatsächlich nicht passiv-aggressiv ist. Also sie ist in ihrer Trotzhaltung und so, so wahnsinnig aktiv. Und nicht nur aktiv-passiv-faul, sondern... aktiv und produktiv. Ja, und das finde ich so geil. Weil sie wirklich sich so hart sträubt dagegen. Und alles genau das Gegenteil.
Florian Bayer: Es gibt diesen Moment, wo Pechmarie den Film für mich tatsächlich ein bisschen rettet. Ich brauche sehr lange, um mit der Figur warm zu werden. Aber dann spätestens, wenn sie Frau Holle ist. Und dann haben wir die Spiegelung von dem, was Goldmarie da gemacht hat. Bei Goldmarie hatten wir dieses Guten Morgen, Guten Morgen, der Kinderchor singt aufgewacht. Und sie steht auf. putzt sich und macht sich fertig und man hat das Gefühl, gleich kommen die Vöglein und helfen ihr mit den Haaren und so. Und es ist alles schön und sie ist richtig freudig in den Tag. Und dann haben wir das gleiche Lied nochmal bei der Pechmarie. Und dann ist es fast so, als ob der Film sich selbst dekonstruieren würde. Weil dann singt dieser Kinderchor aufgewacht, aufgewacht und man hat das Gefühl, Pechmarie schaut, wo ist das Kind, das das gerade singt, damit ich es erwürgen kann.
Johannes Franke: Ja, geil.
Florian Bayer: Und liegt im Bett und hat überhaupt keinen Bock und ist voll genervt von diesem Kinderchor.
Johannes Franke: Und ich verstehe sie so gut.
Florian Bayer: Und das Lied läuft einfach weiter und sie macht nichts, außer sich im Bett zu räkeln und die ganze Zeit mit ihrem Blick zu sagen, ich hab keinen Bock auf den Scheißhört aufzusingen. Und das ist ein geiler Moment, auf jeden Fall. Ja, total. Kommt halt sehr spät im Film.
Johannes Franke: Ja, kommt sehr spät im Film. Und man muss sagen, dass natürlich diese Haltung, die wir jetzt dazu entwickeln, dass das vielleicht nicht unbedingt... die gewünschte Zuschauerhaltung ist. Vor allem nicht die der Kinder, aber auch nicht so richtig der Erwachsenen, weil die Zeit eine ganz andere war. Aber über die Zeit, ich würde wahnsinnig gerne über die Zeit reden, in der das Ding entstanden ist und warum das so aussieht, wie es aussieht. Also nicht nur visuell. Aber ich finde Pechmarie jedenfalls, ich würde sie jederzeit verteidigen in jeder Spielentscheidung, die sie getroffen hat.
Florian Bayer: Die Moral ist nur universell. Die Moral ist ja keine aus den 1960ern in dem Film, sondern das ist dieselbe Moral wie in den Märchen. Das ist die Moral aus dem frühen 19. Jahrhundert. Gleichzeitig sind die Deutschen ein sehr konservatives Volk. Das heißt, Moralvorstellungen aus dem Jahr 1812, als das Märchen geschrieben wurde, können sich auch bis 1963 und bis heute halten.
Johannes Franke: Und das tun sie auch.
Florian Bayer: Es gibt natürlich Moralvorstellungen, die hier präsentiert werden, denen ich auch vollkommen zustimme, weil... Pech, Marie ist eine Bitch. Also ganz generell. Es geht gar nicht darum, ich finde, da steckt auch ganz viel Moral drin, über die man kritisch reden kann, nämlich die Frau, die die Hausarbeit macht. Das ist die ganze Zeit die Hausarbeit, die hier so klopifiziert wird. Und die Goldmarie als nette, gute Jungfrau macht alles, was halt so typisch zum Haushalt dazugehört. Betten schütteln, Tauben füttern, Ofen sauber machen, kochen und so weiter. Das ist nervig, aber natürlich wird auch erzählt, dass sie zuvorkommend ist. Frau Holle hilft, dass sie beim Essen wartet, bis Frau Holle auch was hat. Dass sie guckt, dass sie einfach so ein bisschen Aufmerksamkeit hat für die Bedürfnisse von anderen. Und als jemand, der einen neunjährigen Sohn hat, Entschuldigung, dass ich das jetzt nochmal reinbringe, aber kann ich das sehr gut nachvollziehen, weil das finde ich auch so, ist mir auch wichtig, einfach, weil Kinder sind fucking Egoisten. Kinder sind die egoistischsten Menschen, die man sich vorstellen kann und das gehört einfach mal mit zur Erziehung, ihnen irgendwann diesen Egoismus auszuprobieren. treiben und wenn man ihn rausprügeln muss.
Johannes Franke: Was zur Hölle? Wo bist du gerade gelandet?
Florian Bayer: Und das Gefühl habe ich halt manchmal. Und deswegen kann ich das so gut nachvollziehen. So einfache Gesten, dass man das einfach zu schätzen weiß, dass ich nicht so ein kleines Wuselding an der Tür an einem vorbeidrängel, die man gerade aufgemacht hat, sondern kurz wartet. Sowas wie die Tür auffällt, einfach ein bisschen höflich ist, ein bisschen zuvorkommend ist. Und es muss gar nicht so die klassische Knickehöflichkeit sein, sondern einfach Dieses Gefühl geben, ich habe eine Aufmerksamkeit für deine Bedürfnisse und denke nicht nur an mich. Und insofern kann ich der Moral, die in diesem Film steckt, was ja auch ganz viel vermittelt wird, zustimmen. Natürlich erwarte ich von einem Menschen, dass er ein bisschen Aufmerksamkeit hat für die Bedürfnisse von anderen.
Johannes Franke: Das ist richtig, aber das ist ja nur, ich glaube, um das mal einzusortieren, von 30% oder 40% des Films, der Moral des Films, gehen auf diese kleinen Aufmerksamkeiten. Der Rest geht volle Kanne auf Produktivität. Aktualität, Fleiß und alles das. Und da denke ich dann, ach, ich weiß nicht. Nein, da möchte ich der Pechmarie gerne eher folgen. Also nicht, weil ich nicht fleißig bin. Ich bin tatsächlich sehr, sehr intrinsisch produktiv oder kreativ produktiv, wie auch immer die Kombination daraus heißt. Aber so dieses Gefühl von, nee, ich will auch... einfach mal in der Gegend rumliegen können und sagen können, nee, ich pflege heute meine Langeweile. Ja, vollkommen in Ordnung.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und das finde ich, könnte dieser Film irgendwie feiern, will er natürlich nicht, weil die DDR einfach so war, wie sie war und wie die Zeiten so waren, wie sie waren. Aber ich als Zuschauer Ich feiere total, was mit der Pechparie ist.
Florian Bayer: Das Interessante ist ja, dass bei Frau Holle der Fleiß, der gepredigt wird, immer der Fleiß ist, der von der Obrigkeit vorausgesetzt wird. Frau Holle ist die... die dieses Setup aufgebaut hat mit den doofen Tauben, mit dem Bett, das jeden Tag geschüttelt werden muss. Ja. Ich schüttle nicht jeden Tag mein Bett.
Johannes Franke: Nein. Es gibt einfach einen klaren Aufgabenkatalog, den sie da aufstellt. Und das ist halt auch DDR. Es gibt nicht dieses Augenhöhe-Prinzip. Wir treffen uns hier. Wir stellen fest, ach, wir könnten vielleicht miteinander was machen. Sondern Frau Heuler hat einfach einen klaren Aufgabenplan. Ich bin die Mutter des Hauses und du musst jetzt machen, was ich dir sage. Ja. Und das hat nichts mit Augenhöhe zu tun. Nein,
Florian Bayer: überhaupt nicht. Ich organisiere den Haushalt, ich habe hier einen Aufgabenkatalog, das musst du machen.
Johannes Franke: Und das ist Mütterchenstaat in diesem Fall.
Florian Bayer: Und das Krasse ist ja nochmal, um zurückzuspringen, das ist ein Märchen aus dem Jahr 1812 und die Ideologie, die in diesem Märchen steckt, kam der DDR sehr gelegen. Weil es sind dieselben Werte, die vermittelt werden. Es geht um Fleiß, es geht um Produktivität. Was ich ganz spannend finde, die DDR hat ja für sich sehr oft den Anspruch genommen, ein progressives Geschlechtsbild zu haben. der Fleiß, der hier gelehrt wird, ist ja so ganz eindeutig, hier werden Mädchen auf ihren Haushalts Haushaltsführungsunterricht vorbereitet, wo sie lernen, wie man strickt, wie man kocht, wie man backt und so weiter und die DDR, man hätte von der DDR erwarten können, dass sie die Aufgaben, die hier gemacht werden, dass sie die anders gestaltet, dass sie sagt, wenn wir schon einen Film produzieren, als DEFA, ist ja die DEFA nicht die DDR, und wenn wir mit der Zeit gehen wollen, dann machen wir es ein bisschen feministischer und ein bisschen weniger so diese klassischen bürgerlichen Arbeiten. Weil es geht um die Frau, die zu Hause bleibt und die diese Aufgaben macht. Und das ist eigentlich nicht unbedingt DEFA DDR Linie, sondern das ist schon wiederum eher so, das ist halt das traditionelle Bürgertum. Ja,
Johannes Franke: aber wir sind im Jahre 1963. Die DDR hat sich auch weiterentwickelt, was das betrifft. Das hat ein bisschen gedauert. Auch der Feminismus der DDR musste sich entwickeln. Und es geht ja in dem Film nicht nur um Produktivität, sondern generell auch um... Nützlichkeit. Nützlichkeit des Einzelnen für die Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft ist ja das, was das Märchen nicht drin hatte. Sehr wahr, ja. Und das fügt die DDR hinzu. Und da wird es dann sozialistisch. Da wird es dann interessant.
Florian Bayer: Dass die Betten geschüttelt werden, damit es schneit, wissen wir auch aus dem Märchen. Aber dass wir dann unten sehen, wie die Bauern sagen, ey scheiße, wir kriegen unseren dummen Wagen gerade nicht vorwärts, weil nicht genug Schnee liegt. Und die Kinder sagen, oh nee, jetzt können wir schon wieder nicht Schlitten fahren, weil kein Schnee liegt. Genau. Du hast...
Johannes Franke: Hast einen Nutzen für die Gemeinschaft und der ist wichtig. Und das ist der ganze Boden und Nährboden, auf dem das Märchen dann basiert. Weil dafür ist es da, dafür sollst du es machen. Und Faulheit ist in diesem Fall ja keine persönliche Schwäche dann, sondern es ist ein antisoziales Verhalten. Ja, was die DDR halt auf allen Ebenen, nicht nur in diesem Märchen, sondern tatsächlich wahnsinnig stark gelehrt und ihren Bürgern versucht hat einzuprügeln. Antisoziales Verhalten ist das Schlimmste, was du machen kannst im Leben. Wenn du dem Kollektiv schadest, dann hast du deine Daseinsberechtigung verwirkt. Ja. So, in die Richtung geht das. Und das finde ich spannend. Und es ist natürlich auch irgendwie sozioökonomisch irgendwie nachvollziehbar, weil 1963 nun auch ein Jahr war, das mit Herausforderungen, um mal zwei Jahre zurückzugehen, 1961 war ja der Mauerbau.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das hat... So massiven, vorher gab es so diese massiven Abwanderungen in andere Länder von wichtigen Arbeitskräften, von so auch qualifizierten Leuten, die in der DDR nicht bleiben wollten. Vielleicht auch zu Recht, wie sich später herausstellen sollte. Und dann haben sie ihre Leute halt eingesperrt. Mauerbau 1961. Und dann haben sie dadurch, dass aber schon so viele Leute weg waren, so einen starken ökonomischen Druck gehabt, dass das irgendwie wieder hochkommt, dass der Staat wieder produktiv für seine... Bürger genug Produktionsmittel, genug Essen für alle und so weiter und genug Arbeit für alle irgendwie hochkommt. Und da war eben wichtig, dass weniger Leute trotzdem die gleiche Masse an Arbeit schaffen, damit das wieder aufgebaut wird. Und deswegen war diese Doktrin einfach auch irgendwie, naja, notwendig will ich nicht sagen, weil das würde das legitimieren. Aber es war schon irgendwie logisch, der Schritt zu sagen, wir üben Druck aus auf unsere Bürger, dass sie möglichst produktiv sein müssen.
Florian Bayer: Es ist total nachvollziehbar, dass dieser Gedanke da irgendwie herrschte. Und der wurde auch knallhart durchgesetzt. Also man darf das nicht unterschätzen, dass die DEFA halt auch ein Propagandabehikel war. Die DEFA unterstand dem Kulturministerium. Die DEFA hat Filme für den Aufbau des Sozialismus gemacht.
Johannes Franke: Und da gab es eine Frau, Margot Beichler, die war so ein bisschen die Schnittstelle. Die wird als Dramaturgin einmal erwähnt, aber die ist irgendwie auch dafür verantwortlich, dass das DDR-konform funktioniert alles.
Florian Bayer: Das hat sich irgendwie in diesen Film eingeschrieben und wie bei vielen Märschen halt auch auf einer subtilen Ebene. Das heißt, es ist ein Film, den gucken Kinder und die haben nicht das Gefühl, dass sie Propagandastück sehen. Aber den guckten auch Erwachsene und haben nicht unbedingt das Gefühl, dass sie ein Propagandastück sehen, weil halt auch diese klassischen Top-Boy aus dem Gebrüder Grimm-Märschen einfach vorhanden sind. Ja,
Johannes Franke: man muss nicht unbedingt erkennen, dass jetzt die Jungs den Sozialstaat darstellen und hinzugefügt wurden oder sowas, sondern die sind halt einfach da.
Florian Bayer: Und sie haben so einen schönen sächsischen Akzent. Ja, vor allem wenn sie das Pferd Lotte antreiben. und du denkst dir, ja, ich bin voll in der sächsischen Märchenlandschaft gelandet.
Johannes Franke: Ich bin in Lanzig geboren.
Florian Bayer: Und dann kommen sie an und sagen, so.
Johannes Franke: Super.
Florian Bayer: Und sonst haben sie das gar nicht so krass. Aber in diesen zwei,
Johannes Franke: drei Momenten denkst du, shit, Sachsen. Es ist vielleicht dieser eine Typ. Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich glaube, der hat sonst nicht viel gesagt. Aber eben diese Schlagworte, besonders sächsisch. Sie heißen Matthias, Hannes und Klaus. Kannst du dir was Sächsischeres vorstellen? Oh Gott. Sie kriegen wirklich alle drei Namen. Ja, ja, ja. Alle drei, sechs Namen, die es gibt.
Florian Bayer: Naja.
Johannes Franke: Aber ich kann jetzt einfach so weitermachen. Oh nein, bitte tust nicht.
Florian Bayer: Na gut. Denn eben nicht. Und zu diesem, jetzt sehr weit gesponnen, das ist natürlich kein brechisches Theater, was wir hier haben.
Johannes Franke: Nein, aber es geht schon ein bisschen. Ich erinnere mich an Brecht, wenn ich das sehe.
Florian Bayer: Es gibt diesen Minimalismus, es gibt diesen Gedanken dahinter auch. wir versuchen nicht zu verstecken, dass es sich hier um ein Stück handelt. Dann bist du bei einem klassischen Lehrstück.
Johannes Franke: Total, absolut. Genau das ist das.
Florian Bayer: Und es gibt diesen einen Effekt, wenn Goldmarie und nachher auch Pechmarie in den Boden fallen und dann so ein bisschen schweben. Und es gibt einmal so eine Blende, mit der gearbeitet wird, wenn Goldmarie beobachtet, wie die Kinder unten spielen und sich nach Hause sehen. Aber ansonsten ist es wirklich konsequent minimalistisch gehalten.
Johannes Franke: Ja, total. Ich finde es auch schön gemacht. Also, sobald ich mich... in diese Welt hineinbegebe und sage, okay, so funktioniert das also, komme ich da voll klar. Ich mag das. Ich finde das schön. Also ich muss das jetzt nicht immer haben, aber so als eine Variante komme ich damit voll klar. Finde ich total schön.
Florian Bayer: Ich finde, es fällt einem nicht schwer reinzukommen, weil es halt so von Anfang an klar macht. Ich meine, es startet ja mit diesem Pappbuch, das geöffnet wird. Wir haben ja sogar zwei Pappbilder. Und wir befinden uns jetzt einfach mal in einer Welt, die gebastelt ist. Ja,
Johannes Franke: so ein Diorama.
Florian Bayer: Ja, und ich finde es cool. Ich finde, es hat auch... weil es einfach so eine Fokussierung ermöglicht. Es ermöglicht so eine krasse, radikale Fokussierung, weil du nichts hast, was dich ablenkt im Bild. Du hast immer das Objekt, auf dem gerade der Fokus liegt und die Person, die irgendwie mit diesem Objekt interagiert. Und das war es schon. Da gibt es nicht viele große Spielereien, da gibt es keine Tricks, da gibt es keine große Immersion, sondern you get what you give. Oder so. What you see is what you get. What you see is what you get, genau. So ein bisschen Erzgebirge-Look habe ich auch so das Gefühl. Erzgebirge, das ist schon zu viel. Es ist einfach Studio. Es ist ein blaues Studio.
Johannes Franke: Es gibt ja diese erzgebirgischen Schnitzarbeiten. Ah,
Florian Bayer: ja.
Johannes Franke: Und da ist so ein bisschen, habe ich das Gefühl, eine kleine Anlehnung. Ja.
Florian Bayer: Und dann aber teilweise auch so dieses Knete, habe ich vorhin gesagt. Ja. So dieses einfache Tonding und es wirkt alles so ein bisschen handgemacht und auch nicht so 100% gerade. Also vor allem, wenn wir von den größeren Objekten sprechen. Wenn wir von dem Ofen reden, dann ist es auf jeden Fall viel so Handcraft. Ja, total. Und die Bäume zum Beispiel, die aus Pappen sind, die sind schon geil.
Johannes Franke: Ja, die sind schon toll.
Florian Bayer: Sieht super aus.
Johannes Franke: Und dazwischen dann dieser Hahn, der echte.
Florian Bayer: Der echte Hahn?
Johannes Franke: Wo du dann denkst, ah okay, das könnte auch ein Papphahn sein, aber eigentlich der echte Hahn ist schon auch irgendwie geil.
Florian Bayer: Ja, es ist total irritierend, wenn teilweise so echte Dinge reinkommen, auch zum Beispiel die Spule. einfach mal, dann hast du so eine richtige Holzspule da stehen und denkst, huch, wo sind wir jetzt? Und es gibt ja ein paar Tiere, ne? Du denkst zwischendurch irgendwann mal so Oh, ein Reh! Was so random in die Gegend gesetzt ist.
Johannes Franke: Ja, Pferde, Katze.
Florian Bayer: Die Katze kriegt eine tolle Szene mit Pechmarie, wenn Pechmarie die Katze streichelt und dann, wach, zur Seite schubst. Ein super Moment, finde ich. Auch da wieder, wo der Film sich so ein bisschen dekonstruiert, weil man hat kurz das Gefühl, ah, die Pechmarie streichelt, die Katze ist ja süß. Und dann schubst sie sie wirklich brutal vom Hocker runter. Ein sehr niedlicher Moment. Ja genau, aber echt ist relativ wenig in dem Film. Die Tiere sind echt, die Menschen sind echt. Naja, also das Spiel von Pechmarie ist jetzt nicht sonderlich echt.
Johannes Franke: Ich habe gemerkt, dass ich mit dem DDR-Ding noch gar nicht richtig vorbei war und würde da gerne noch ganz kurz dahinter herwerfen, weil wir noch die Entstehung von dem Ding vielleicht noch ein, zwei Sachen zu sagen. Es war das erklärte Ziel. Die Schaffung eines werketreuen und zugleich modernen Inszenierungsstils. Da sind wir jetzt bei den Kulissen und so. Aber sie haben auch als Teil des Konzepts gründliche psychologische Studien angestellt. Mit dem Ziel, die Erlebnisse der Protagonistinnen mit Kinderaugen zu sehen und zu schildern. Ich weiß nicht genau, was für psychologische Studien das gewesen sind. Aber es sind keine, vom Gefühl her, es sind keine tiefenpsychologischen. Sachen gewesen.
Florian Bayer: Nein, definitiv nicht.
Johannes Franke: Sondern eher Verhaltenspsychologie, um Kinder im richtigen Moment die richtigen Sachen zu sagen, um Verhalten zu triggern und so. Und ich finde es interessant, weil es gibt diese Formulierung irgendwo. Ich weiß nicht genau, wo das war, aber DDR hat das Ding verkauft. Mit der Begründung, gründliche psychologische Studien angestellt zu haben. Und dann Verhaltensstudien draus zu machen, das schaut echt ein bisschen fies.
Florian Bayer: Das wirkt so dick aufgetragen.
Johannes Franke: Das ist so hart.
Florian Bayer: Gottfried Kolditz hat das Ding inszeniert. Gottfried Kolditz ist ganz interessant, weil der wirklich so ein Tausendsasser war und der hat alles möglich gemacht. Das war nicht sein erstes Märchen, der hat auch schon Schneewittchen 1961 getreten. Ja,
Johannes Franke: großer TV-Mitarbeiter, sehr erfahren. Die meisten von denen waren erfahrene TV-Mitarbeiter.
Florian Bayer: Der hat interessante Sachen gemacht. Ich habe leider den Film nicht gesehen, aber ich habe Bilder davon gesehen. Der junge Engländer 1958 war einer seiner ersten Filme für das Stacheltier. Und es basiert auf einer Wilhelm-Hauf-Geschichte und es ist einfach mal in expressionistischen Kulissen. Du guckst das Ding an. Also es sieht eher nach Komödie aus, aber die Bilder sind so, sie bewegen sich in einer Stadt, die einfach aussieht, als ob sie aus dem Kabinett des Dr. Caligari sein könnte.
Johannes Franke: Geil, okay.
Florian Bayer: Wie gesagt, Kolditz hatte mit Frau Holle einen großen Erfolg, weil der Film einfach wirklich gut ankam. Er hat auch anderes probiert, er hat Signale, ein Weltraumabenteuer 1970 gedreht. Und zwar war das der Versuch, ein östliches 2001 Odyssee im Weltraum zu erzählen. Krass. Er hat sogar eine Auszeichnung in Paris gekriegt dafür. und wenn man sich durch seine Filmografie wühlt, wie gesagt, von den Filmen habe ich nichts gesehen, klingt es total spannend, wie jemand, der wirklich im Rahmen dieser DEFA, in der er gearbeitet hat, so experimentell, wie es möglich war, Zeug umgesetzt hat und dabei wirklich auch interessante Ideen verfolgt hat und auch einiges ausprobieren durfte.
Johannes Franke: Muss man sich vielleicht tatsächlich mal anschauen, um mal so ein bisschen was rauszukramen auch aus der Zeit. Und natürlich bewegt man sich in einem Rahmen, das sagst du so, in diesem DEFA-Rahmen, der ja durchaus eng ist, wenn die DEFA so sehr staatlich, als staatliches Organ schon begriffen wird. Dann musst du dich an Sachen halten. In diesem Rahmen was zu schaffen, ist dann schon auch ein Kunststück.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Na ja, klar, du hast die Vorgabe, ey, wir machen hier ein Märchen, du weißt, wie es ist, wir haben es bei den letzten drei Märchen auch so gemacht, das Ding dient der Erziehung. Wir drehen diesen Film, um den Kindern zu zeigen, wie sie ein nützlicher Teil der Gesellschaft werden.
Johannes Franke: Und ich kann mir vorstellen... dass der subversive Akt dieses Regisseurs in diesem Film eben die Pechmarie ist. Weil die so wahnsinnig relatable ist.
Florian Bayer: Vielleicht, weil es der Pechmarie natürlich ab einem gewissen Punkt am meisten Spaß macht zuzuschauen, weil sie einfach so drüber ist. Wenn wir mal ehrlich sind, natürlich steckt diese Ideologie drin, aber der Rest ist halt wirklich so plain Frau Holle. Es ist einfach mal das Märchen.
Johannes Franke: Und die Goldmarie ist die langweiligste Person der Welt, oder? Natürlich.
Florian Bayer: Natürlich. Die ist auch bis zu so... einem Punkt submissive, dass du sagst, bitte, bitte, du musst dich auflehnen, so kann doch kein Leben aussehen. Weil sie zu allem Ja und Am sagt, sie wird ja von der Stiefmutter, wird sie ja die ganze Zeit rumkommandiert und sie lehnt sich überhaupt nicht dagegen auf. Zu den anderen Verfilmungen, da gibt es nämlich auch andere Erzählungen und die wahrscheinlich auch nicht viel weiter weg sind vom Originalstoff.
Johannes Franke: Das ist eine Frage der Konnotation.
Florian Bayer: Aber die, genau, die Marie anders spielen lassen und das haben wir ja auch in anderen Märchen und Und Disney macht das zum Beispiel auch eher, dass es einen Widerstand gibt. Dass die Protagonistin, die rumgescheucht wird von den Antagonisten, zeigt, dass sie das nicht geil findet. Diese Marine schluckt das nicht nur alles, sondern scheint sich sogar drin wohlzufühlen. Marie, wo bleibt das Holz? Ich sollte doch noch, ich muss doch noch fertig kehren, aber dann komme ich. Es ist gar kein Widerstreben.
Johannes Franke: Es ist nicht so wie Cinderella, die da sitzt und ihr Schicksal betrauert.
Florian Bayer: Wir haben letztes Jahr über drei... Also für Aschenbrödel. Aschenbrödel kommt in diesem Film auch kämpferisch, auch rebellisch rüber.
Johannes Franke: Ja, sehr. Also es ist fast feministisch, was da in dem Film passiert.
Florian Bayer: Diese Goldmarie hat nichts davon. Die Goldmarie macht alles, was ihr gesagt wird.
Johannes Franke: Ja, das tut echt weh.
Florian Bayer: Und ich kann mich schon nicht mehr an ihr Gesicht erinnern. Sie sagen auch, das ist sehr schrecklich, weil das gehört tatsächlich zum Märschen dazu, dass sie sagen, die eine ist schön. Und die andere ist hässlich und dann siehst du die beiden und denkst in dem Moment, die sind beide schön. Was ist das denn? Ihr wollt mir doch jetzt nicht ernsthaft verkaufen, dass die junge Frau, die da im Bett liegt, hässlich ist. Also bitte. Ihr seht schwarze, verwilderte Haare. Oh, das ist so ein schreckliches Drogue. Die blonde Jungfrau, die blonde Liebe und die schwarzhaarige Böse. Das ist wirklich schlimm. Da können wir auch nochmal über Rassismus reden, der in Bildsprache steckt. Nein. Oh Gott,
Johannes Franke: Ja, also ich bin voll bei der Pechmarie und die Goldmarie habe ich sofort wieder vergessen. Und ich will auch in dem Moment, wo sie in den Brunnen fällt und rüber zur Frau Hölle geht, will ich, dass dieser Teil möglichst bald vorbei ist, um zu sehen, was die Pechmarie draus macht.
Florian Bayer: Es passiert ja auch nichts in diesem Teil. Nein. Sie macht einfach ihre Arbeit. Wir haben einfach eine Montage, wie sie putzt, wie sie kocht, wie sie zusammen essen, wie sie nochmal putzt. Wir haben das Putzen in der Montage zweimal, weil wir dazwischen einmal eine Essensszene brauchen.
Johannes Franke: Übrigens, fällt mir jetzt gerade ein, bevor ich es vergesse. Sie kommt da an und dann gibt es diesen Ofen und die Brote schreien und dann der Baum und die Äpfel schreien. Das sind allesamt Kinderstimmen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Hat Frau Holle einen Haufen Kinder, die nicht gespurt haben, in Äpfel und Brote verwandelt?
Florian Bayer: Zwei Kommentare zu der Szene. Erstens, diese Brote sehen so scheiß lecker aus.
Johannes Franke: Ja, wirklich. Fuck, ich will Brot essen.
Florian Bayer: Ich sehe das und denke, man, habe ich Lust, so ein Brot zu essen. Und es sind echte Brote, ne?
Johannes Franke: Und ich will es mit so einem Messer abmachen, wie so ein Pirat.
Florian Bayer: Und dann ein Stück Butter drauf und Gorgonzola-Käse.
Johannes Franke: Körper hin.
Florian Bayer: Jetzt müssen wir über Frau Holle reden. Das ist mein zweiter Gedanke. Nämlich Frau Holle mit den Kindern. Frau Holle in dem Märchen von den Gebrüdern Grimm nicht.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Aber eine Sagengestalt, auf die Frau Holle zurückgeht, nämlich die Perchter oder die Frau Percht, hat sehr viel mit Kindern zu tun. Und das wird in der Verfilmung genauso wie im Märchen von den Gebrüdern Grimm kaum erwähnt. Bei der Perchter wird gesagt, sie ist unter anderem die Hüterin der Ungeborenen und der ungetauften Kinder. Deswegen habe ich gesagt, das ist die, die mit Zombie-Kindern unterwegs ist. Die wird nämlich unter anderem in klassischen Sagen dargestellt als eine arme, begleitete Frau, die einen Haufen Kinder bei sich hat und das sind alles die Kinder, die gestorben sind, bevor sie getauft wurden und sie kümmert sich um die Zombie-Kinder. Super,
Johannes Franke: toll. Also wenn wir jetzt in die Historie gehen, ist natürlich auch total interessant, weil Frau Holle oder eben Holda oder andere Göttinnen aus alten Zeiten. Das gibt es schon sehr lange und irgendwie diese Verbindung dieser ganzen kleinen Elemente wie der Brunnen, die Wasserstelle, wo früher gesagt wurde, da in der Wasserstelle stehen immer die drei Seherinnen, die Zukunft und alles wissen und der Brunnen als Ort, wo man sich immer versammelt hat und vor allem aber auch die Leute versammelt haben, die in der dienenden Position waren, weil sie halt das Wasser geholt haben. Und dann ist das ein Ort, an dem man eine bessere Zukunft sich erträumt zusammen, wo man zusammensteht. ein bisschen quatschen kann. Und ich finde es eine interessante Motive, die da einfach drinstecken, die weiterverarbeitet wurden. Also nicht nur die Frau Holle selbst, die aber auch interessanterweise eben schon im 12. Jahrhundert oder schon im Jahr 1000 als gewalttätige Hexe durch die Wolken tobte, um zu erklären, was mit den Wetterproblemen so passiert und so, der man auch Kinder geopfert hat. Und es wurden Kinder in Brunnen gefunden, die tot waren, die offensichtlich dort als Opfergabe einer Hexe, also einer Göttin oder Hexe, je nachdem nach Kreis, geopfert wurden. Und das finde ich total krass.
Florian Bayer: Um das gleich dazu zu sagen, alles was wir erzählen, genießt es bitte mit einer ganz kleinen Prise Salz, weil unter Mythologen und HistorikerInnen wird sehr viel darüber diskutiert, welche Figur für Frau Holle wohl möglich die Vorlage sein könnte. Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Und wenn man sich anschaut, welche in Frage kommen, stößt man, wie bei vielen, klassischen Sagenfiguren auf sehr viel Grausamkeit. Die toten Kinder. Wir haben eine Frau Holle, die, wenn wir nochmal zur Perchda springen, die dir den Bauch aufschlitzt und dir Albträume bringt, wenn du nicht spurtest. Die als arme Frau verkleidet zu einem Hof kommt und sagt, könnte ich bitte ein bisschen was zu essen haben? Und der Bauer sagt, verpiss dich. Und dann zündet sie den Hof an und alle sterben. Toll. Wir haben sehr viele düstere, grausame Geschichten, wenn wir uns an diesen klassischen . an diesen klassischen Figuren orientieren, die eben keine Heiligen sind, sondern irgendwie so heidnische Spukgeschöpfe, die halt auch oft herangezogen werden und herangezogen wurden, um Kindern Angst zu machen. Egal, ob sie jetzt Holda oder Hel, Hel ist ja die Totengöttin, aus dem germanischen Glauben oder eben auch Perchter heißen. Es sind wirklich düstere und brutale Figuren und düstere und brutale Geschichten und das ist das, worüber viele streiten. Um die Krims ist ja so ein eigenes Märchen entstanden. Es gibt dieses... Bild von den Krims, die umherziehen, mit alten Menschen reden und von diesen die klassischen Geschichten hören, die man sich am Lagerfeuer oder in der Kinderstube erzählt. Es ist natürlich sehr viel Bullshit dabei. Die haben zum einen vor allem viel gelesen. Sie haben unglaublich viel aus Frankreich importiert.
Johannes Franke: Sie haben wahnsinnig viel recherchiert. Also wirklich viel, viel Arbeit. Über alles mögliche durchgelesen.
Florian Bayer: Genau. Aber vor allem haben sie halt auch viel importiert und dann drumherum diesen eigenen Mythos gesponnen. Und dann hat uns dieses alte Fräulein diese interessante Geschichte erzählt, die seit Jahrhunderten weitergegeben wird. Deswegen muss man vorsichtig sein, woher was kommt. Bei Frau Holle weiß man zumindest, dass die Geschichte der Krimschen Erzählung nach von Dorothea Wilde erzählt wurde, dass sie zu denen gehört. Und die gehörte mit zu den großen Quellen. Zumindest von den Krim genannt. Wie gesagt, die größte Quelle von den Krims. ist wahrscheinlich eigentlich französische Nationalliteratur. Aber ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster legen. Ich bin kein Experte für Märchen, um Stammbäume von Märchen nachzuvollziehen. Die Tochter von denen hat einen von den Krims geheiratet 1825. Und 1812 haben sie das Ding aufgeschrieben und es gehört zu den Märchen, die sich wenig verändert haben. Im ersten Buch gab es noch nicht die blutige Spule und der Hahn war noch nicht dabei und die Mutter ist noch keine Stiefmutter. Aber ansonsten ist das dann bis zur finalen Auflage relativ gleich geblieben. Und das ist, du hast es am Anfang in deinem Text gesagt, das ist eines der bekanntesten Märchen und es gibt wenige Märchen von den Gebrüdern Grimm, die ich aus dem Kopf nacherzählen könnte, weil ich Denkt meistens, ah, da habe ich doch was vergessen. Da fehlt noch was und so. Aber das könnte ich nachher erzählen, weil halt wirklich relativ wenig passiert.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Es ist einfach so sehr unterkomplex, muss man sagen. Also, naja, gut. Und es ist das einzige Märchen aus der Zeit, wo keine Männer vorkommen. In dieser Verfilmung dann schon. Aber es gibt einfach keine Männer. Das ist alles unter Frauen da abgehandelt. Ja,
Florian Bayer: krass, ne?
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Und das ist auch selten. Total,
Johannes Franke: ja. Mir würde jetzt kein Märchen einfallen, wo nur Frauen stattfinden.
Florian Bayer: Es gibt keinen Prinzen, der irgendwie noch geholt werden muss. Und hier haben sie die Männer eingebaut. Und die Männer hier sind ja auch eigentlich ziemlich nutzlos. Bis auf den letzten Moment, wo sich einer zwischen Pech-Marie und Gold-Marie wirft. Als sie sagt, dir ist Schuld. Und ansonsten sind die Männer relativ nutzlos. Nur, dass einer irgendwie als Love-Interest für Gold-Marie halten könnte. Ja,
Johannes Franke: so ein bisschen, genau.
Florian Bayer: Und der andere Pech-Marie echt nervig auf den Sack geht, wo ich sage, ey, Alter, verpiss dich. Ich finde sie ziemlich lächerlich, aber auch in der durchsichtigen Absicht,
Johannes Franke: die als Sozialismus quasi der profitiert von der Gemeinschaft und so weiter darstellen soll. Deswegen bin ich so ein bisschen, ja,
Florian Bayer: viel schräger finde ich dann am Schluss, dass da plötzlich das Blasorchester in dem Haus von denen ist.
Johannes Franke: Ja, die hat doch, die hat extra die Kapelle bestellt mit Pechmarie, wenn sie nach Hause kommt, mit all dem Gold, was sie verdienen wird, dass sie dann gefeiert werden.
Florian Bayer: Was macht sie eigentlich? Wovon lebt sie?
Johannes Franke: Die Mutter? Die Familie? Die lebt davon, dass Goldmarie das Ganze die Wolle spinnt und so? Ah,
Florian Bayer: verdienen die damit so viel? Das scheint mir offenbar. Sie haben ja auch einige Kleider, die sie anprobieren können für den Ball.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Womit Pechmarie natürlich auch wieder unzufrieden ist. Ich finde Pechmarie so geil. Ich finde die so gut. Jetzt so eine tolle... Spielfreude auch da drin. Also mein Herz und vor allem mein Mitleid gewinnt Pechmarie am Schluss, wo ich denke, ist das vielleicht ein bisschen zu hart als Bestrafung? Sie muss für den Rest ihres Lebens mit Pech rumlaufen. Das habe ich auch gedacht. Das ist schon echt hart. Das ist wirklich grausam, weil das zum Beispiel, also die Krims haben eine Tendenz, die Antagonisten am Schluss wirklich hart zu bestrafen. Die böse Stiefmutter bei Schneewittchen fällt mir mal als erstes ein, die muss in... glühenden Schuhen tanzen. Aber die böse Stiefmutter hat versucht, ihre Tochter umzubringen. Hier ist das einzige Vergehen Faulheit im jungen Jahren. Und dafür soll sie ihr Leben lang mit Pech überzogen sein? Ja, weil sonst bist du kein nützliches Mitglied dieser Gesellschaft. Und damit jeder sieht, dass du in einem Moment mal nicht das gemacht hast, was alle anderen von dir wollten, muss das auf ewig auf deinem Körper ablesbar sein. Das ist wirklich brutal. Und dann aber auch gleichzeitig, die Goldmarie kann ihr Kleid nicht mehr ausziehen. Weil wir haben doch diese Szene, wo die Pechmarie an dem Kleid fummelt und die hat nichts davon.
Johannes Franke: Die muss das tragen und das war's. Die hat nicht mal einen wirklichen Wert davon, sondern das ist halt jetzt ihre Kleidung.
Florian Bayer: Ja, vor allem wird da drunter doch irgendwann alles entzünden und faulen und stinken. Und das ist ein Albtraum.
Johannes Franke: Ich glaube, Frau Holle ist nicht so schlau, wie sie uns erzählt wird.
Florian Bayer: Ja, Marie wird als reich bezeichnet, aber sie hat nur goldenen Haaren hängen und ein Kleid und das kann man nicht abmachen. Sie hat überhaupt nichts gewonnen. Sie hat nichts davon, nein. Wie ist denn unsere Frau Holle hier? Wir haben noch überhaupt nicht über diese Frau Holle geredet. Frau Holle. Unsere alte Frau.
Johannes Franke: Sie soll, also die Schauspielerin ist eine altehrwürdige Schauspielerin, viel Theater gemacht, für die DEFA gearbeitet und die wurde sehr gemocht damals. Also die Matilde Danegger. Ja,
Florian Bayer: eigentlich Mathilde Deutsch. eigentlich eine Österreicherin.
Johannes Franke: Und die sollte die gütige Großmutter sein. Also wenn du sie anschaust vom Gesicht her, als Schauspielerin, dann weißt du auch, okay, dafür ist sie besetzt, die gütige Großmutter zu sein. Was sie allerdings dann ist, ist für mich echt so unter dem Deckmantel der Güte eine Fuchtel, die ich nicht haben will. Die wirklich, wo ich aber auch die DDR einfach drin sehe.
Florian Bayer: Das ist einfach ganz deutlich. Ich finde, es passt ganz gut, dass ihre Kluft so ein bisschen wie Nonnenkluft aussieht. Sie hat auch die Haare komplett verdeckt. Und wirklich so ein Schleier.
Johannes Franke: Möchtest du eigentlich noch Tee, Plor? Ich habe hier schon ausgetrunken. Du hast noch, okay.
Florian Bayer: Und da sehe ich zum Beispiel gar nicht so die DDR drin. aber auch würde ich... dir zustimmen, so eine nach außen hin nette, autoritäre Frau, wo man aber merkt, wenn du nicht spurtest, dann wirst du für immer ihren Missmut auf dich ziehen und das geht sehr schnell.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die wird dich sehr schnell verachten und sie sagt ganz eindeutig, was ich brauche, um jemanden zu mögen, ist das, das, das und das. Und wenn das nicht geleistet wird, wenn das nicht geliefert wird, dann ist aber Schluss.
Johannes Franke: Und sie schaut dich schon mal vorweg an. Und vorvorurteilt, bevor sie sie kennenlernt, indem sie einsortiert, was sie da sieht aus der Ferne, dass sie die Brote nicht rausholt und dass sie den Baum nicht schüttelt. Vielleicht hätte Pechmarie auch richtig gute Gründe dafür, dass sie das nicht tut, aber sie fragt nicht nach.
Florian Bayer: Nein, jetzt kommen wir zu einer inhaltlichen Frage. Ist der Baum und der Ofen, ist das was, was sie gezaubert hat? Weil das entsteht ja plötzlich aus dem Nichts. Sie kommen nicht einfach so vorbei, sondern das hat Frau Holle gezaubert als erste zwei Tests.
Johannes Franke: Genau. Aber damit das passiert, müssen die Figuren einmal an einem Ort stehen bleiben, damit es dahin gezaubert werden kann.
Florian Bayer: Ich finde es auch tatsächlich ziemlich lame und denke, könnte man sie nicht einfach hinlaufen lassen, das Ding da stehen lassen? Muss das so eingeblendet werden? Braucht ihr diesen Effekt jetzt wirklich? Ich weiß es nicht. War der notwendig?
Johannes Franke: Ich finde ihn an vielen Stellen ganz gut eigentlich sogar gemacht als Effekt, weil die tatsächlich gut stehen geblieben sind und man den Schnitt nicht so schlimm dolle sieht. Aber man sieht ihn immer so ein bisschen. Und ich weiß nicht, es gibt so eine Stelle, wo sie da hinläuft gerade und da passiert der Schnitt. Das fand ich ganz gut.
Florian Bayer: Ich fand es okay von der Technik. Ich finde es eher von der ästhetischen Entscheidung, finde ich. Ja,
Johannes Franke: vor allem inhaltlich. Warum sollte sie, wenn sie sich wegdreht und losgehen will, nochmal stehen bleiben, abwarten, dass das Ding verschwindet und dann weitergehen?
Florian Bayer: Außerdem sind das Äpfel, die sehr schnell vom Baum fallen. Das ist wirklich so. Sie schubst einmal dagegen und dann kommen diese Äpfel alle runtergeplumpst.
Johannes Franke: Ja, du kannst auch von einer Frau nicht erwarten, dass sie richtig Einsatz zeigt. Das geht doch nicht.
Florian Bayer: Auch beim Bettenkrieg macht sie das aber.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ja, und die DDR war auch nicht so. Die hat auch von ihren Frauen ganz schön viel körperliche Arbeit auch verlangt.
Florian Bayer: Okay,
Johannes Franke: oi oi oi. Ja, es ist schon, ich finde, dass es in der Konnotation, in der Art der Inszenierung doch sehr, sehr stark in der DDR verhaftet ist. Aber ansonsten ist es halt sehr nah am Märchen dran.
Florian Bayer: Das ist einfach mal Frau Holle.
Johannes Franke: Und das ist halt Frau Holle, ja.
Florian Bayer: Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege,
Johannes Franke: wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns. Ja,
Florian Bayer: wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Slash, muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at mussmanssehen.de und florian.at mussmanssehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns... so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas?
Florian Bayer: Ne, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zu uns in die Episode.
Johannes Franke: Yes.
Florian Bayer: Ganz ehrlich, die Geständnis, liebes Publikum, ich hatte ein bisschen Bammel vor dieser Episode, weil ich das Gefühl hatte, inhaltlich gibt es diesen Punkt, wo ich sage, naja, es ist halt Frau Holle und stelle dann fest, dass die Episode gerade mal 45 Minuten dauert. Ich glaube, wir sind an diesem Punkt. Wollen wir ganz kurz was zu anderen Frau Holle Filmen gucken? Achso,
Johannes Franke: das können wir natürlich machen, wenn du noch was vorbereitet hast, damit wir nicht unter einer Stunde hier rausgehen.
Florian Bayer: Es gibt offensichtlich zwei Frau Holle Stummfilme, die ich nicht gefunden habe, die möglicherweise auch verschollen sind. Ich habe auch keine weiteren Informationen gefunden. Sie haben Einträge bei Wikipedia und wenn man dann anfängt danach zu recherchieren, findet man nichts. Und JetGPT sagt, nee, ich habe von diesen Filmen noch nie gehört. Und Google sagt, nö, aber guck doch mal hier hin. Ich fange mal hinten an. Ich fange mal bei dem Frau Holle Film an, den ich kannte. Und den habe ich auch eigentlich erwartet, deswegen war ich irritiert, als ich das gesehen habe. Und zwar aus dem Jahr 1961 von Peter Podel. Ein deutscher Film. Ein bundesrepublikanischer Film. Ein Heimatsfilm. Sehr viel Heimatfilm-Ästhetik.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und erstaunlicherweise haben sie dann aber im Himmel, in dem Marie landet, bevor sie bei Frau Holle ist, sieht es wiederum sehr ähnlich aus wie in diesem Film. Zwei Jahre vorher. Also man könnte, wenn man böse wäre, könnte man sagen, die DDR, die DEFA hat auf diesen Film, auf den 61er Bundesrepublik-Film geguckt und gesagt, ah, die Ästhetik wollen wir für alles.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Mir ist dieser Film, dieser Frau-Holle-Film aus dem Jahr 1961 vor allem in Erinnerung geblieben, weil es unglaublich viele... Mechanikspielereien gab. Und zwar so in dem Sinne von das Haus von Frau Holle ist wie so eine riesige Kuckucksuhr und ganz viel bewegt sich und wir haben so einen mechanischen Wetterhahn und wir haben so Zeug, was sich bewegt und es ist alles so für die 60er, für so eine 60er Science-Fiction- Utopie aufbereitet, wo es diese, wie heißen diese, Ruben, Ruben Goldstein?
Johannes Franke: Weiß nicht, genau, keine Ahnung.
Florian Bayer: Rube Goldberg-Maschinen. Wo alles aus Rube Goldberg-Maschinen besteht, die halt dafür sorgen, dass Ja. der Schnee runterfällt. Und auch auf jeden Fall erwähnenswert, dieser Film hat deutlich jüngere Schauspielerinnen. As in, das sind Kinder. Und das ist cool. Das ist der einzige Film, der das hat, dass es wirklich Kinder sind. Ich will nicht sagen, dass der Film besser ist als dieser Film hier. Es ist letzten Endes auch nur Frau Holle. Und das werde ich so fast jedem von diesen Filmen sagen. Es ist einfach mal fucking Frau Holle. Man weiß, was man kriegt. Aber es ist spannend, dass hier Kinder... die Kinderrollen spielen. Und zwar, keine Ahnung, die Schauspielerinnen waren glaube ich so zwölf oder so und spielen halt wie üblich, vor allem in den 60ern, nochmal deutlich jüngere. Aber ich bring nochmal zurück. Es gibt eine 44er-Variante, in die ich kurz reingeschaut habe, die erst 1948 gezeigt wurde, mit einer Metahandlung, in der der Opa die Geschichte seinen Enkeln erzählt. Und da fand ich ganz spannend, dass die blonde Marie tatsächlich kämpferischer gegenüber dem Unrecht war, was ihr von ihrer Mutter geschieht. Und auffällig, und ich glaube, das ist so ein Nazi-Ding, die Pechmarie war auf echt hässlich geschminkt. Sie haben ihr eine wirklich komische Nase gegeben und die Zähne geschminkt. Und ich bin nicht näher reingetaucht. Ich habe es nicht ganz geguckt. Das gilt für alle Filme, über die ich jetzt rede. Deswegen kann ich dazu gar nicht so viel sagen. Es wirkte auf mich so ein bisschen, als ob das so ein Nazi-Ding wäre. Wir machen die hässlich und so sieht unsere Pechmarie aus. So im Sinne von jüdisch.
Johannes Franke: Ja, ja, okay. Chris?
Florian Bayer: Es gibt einen 54er-Film. Den habe ich nach zwei Minuten ausgemacht, weil mir das Dauergequatsch voll auf die Nerven gegangen ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ah, nein, den habe ich nicht ausgemacht. Nee, ich habe da noch weiter reingeskippt. Der ist extrem bunt, Aquacolor. Das ist wirklich so ein klassischer... Wir haben vor einigen Episoden drüber geredet, über die Technicolor-Filme. Ach so,
Johannes Franke: über die roten Schuhe und so.
Florian Bayer: Als wir über die roten Schuhe geredet haben, waren wir bei Technicolor und der hat sehr diese Ästhetik.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ganz interessant, das ist einer der Filme, der thematisiert, dass Frau Holle sich um die Kinder kümmert. Ich habe so ein bisschen drin rumgeskippt und es gibt offensichtlich... In der Mitte des Films ein Kindergericht, wo diese ganzen Kinder, die bei Frau Holle leben, zwei Kinder, die was geklaut haben, verurteilen, weil sie was geklaut haben. Fand ich ganz spannend. Den könnte man sich vielleicht merken, nochmal reinzugucken, ob das was Sehenswertes ist. Weil einfach, weil diese Kinderkomponente mit drin ist, die ja für das klassische, für die klassische Persterlegende so wichtig ist. Und dann, das finde ich interessant, weil du über Ideologie reden wolltest. Aus dem Jahr 1963 gibt es von Karl Schröder einen TV-Puppentrickfilm, der acht Minuten dauert.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: mit einem TV-Host, Erzähler, der sagt, und jetzt machen wir mal Frau Holle das Märchen. Und dann wird so ein Augsburger Puppenkistending aufgeführt, wo die zwei Mädchen zu einer LPG gehen, aus der nicht arbeitenden Bevölkerung.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die gehen dann da rein und der von der LPG sagt, na klar, ich habe einen Job für euch und lässt sie arbeiten. Und die eine ist faul und die andere ist fleißig. Und dann geht am Schluss, geht die Goldmarie zum Tor und hält die Hand auf und dann wird ihr Geld reingelegt und sie geht glücklich von dann. Dann geht die Pechmarie zum Tor, hält die Hand auf und dann wird ihr Geld reingelegt und sie geht glücklich von dann. Dann kommt unser Host, unser Erzähler ins Bild und sagt, was ist denn hier los? Das passt doch überhaupt nicht. Und dann sagt die Figur aus dem Stück, die bezahlt hat, die LPG-Figur, Belohnung von Fleißigen und Bestrafung von Faulen. Das gibt es doch nur im Märchen.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Frau Holle, unsere LPG-Mitarbeiterin, sagt, sowas gibt es doch nur im Märchen und ich habe hier alles laut Tarif bezahlt. Ende. Krass. Ein DEFA-Film aus dem Jahr 1963, ganz klar für ein erwachsenes Publikum. Wow. Lief offensichtlich im DDR-Fernsehen. So viel zum Thema Ideologie. Interessant. Kurz erwähnt sei noch, habe ich auch nicht gesehen, es gibt aus dem Jahr 1985 einen Film, der überhaupt nichts mehr mit dem klassischen Mythos zu tun hat. Und zwar einen Film als Co-Produktion aus Deutschland, Österreich und der damals noch tschechische, slowakischen Republik. in der Frau Holles böse Schwester, der tot ist, bei einem Lawinenunglück eine ganze Familie stirbt, vom Tod getötet und das Kind Jakob von Frau Holle gerettet wird und bei Frau Holle dann lebt. Du liest dir die Inhaltsbeschreibung durch und denkst, what the fuck? Du machst den Film an und denkst, wow, das sieht ganz schön düster aus. Und vermerkst ihn dir als Obskurität, die du irgendwann mal gucken willst. Das habe ich hiermit getan. Frau Holle aus dem Jahr 1985. Sieht interessant aus. Ich habe es nicht gesehen. Von Jurac Jakubisko. So rum. Frau Holle. Krass. Hat nichts mehr mit dem Original zu tun.
Johannes Franke: Ja, ich meine also diese ganzen Horrorfilme B... B10-Movies. Ich kann mir vorstellen, dass da jederzeit irgendeine Horror- Variante von Frau Holle mal rauskommt. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall. Und zwar tatsächlich war so ein bisschen Terry Gilliam schuld. Mit seinen Gebrüdern Grimm, die er gedreht hat Anfang der 2000er. Und so war er in der Auftragsarbeit, weil irgendwann wollte ja niemand mehr Terry Gilliam filmen. Weil er als der galt, der dein Geld verschleudert. Und dann hat er halt Auftragsarbeiten gemacht. Dazu gehören der Bruder Grimm mit Matt Damon und...
Johannes Franke: Oh, ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Ich weiß es auch nicht mehr. Und das war so eine düstere Erzählung rund um die Gebrüderkrim. Und dann haben plötzlich alle gedacht, wir müssen jetzt düstere Märchenfilme machen. Und dann kam sowas wie Hänseln und Gretel Hexenjäger und sowas raus. Schrecklich. Super seltsam. Aber warum nicht? Man kann es ja mal probieren. Hast du noch mehr gesehen? Sehr vieles gibt. Und zwar es gibt ein Frau Holler Anime. Es gibt eine ganze Anime-Reihe mit klassischen Märchen. So 30 Minuten. Findet man auf YouTube. Keine gute Animation. Aus dem Jahr 1987.
Johannes Franke: Schade. Hast du irgendwas davon mit deinem Sohn geguckt?
Florian Bayer: Nee. Ich glaube, mein Sohn lässt sich nicht mehr für traditionelle Märchen begeistern. Der ist einfach abgefahren.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Zu spät. Er kennt Frau Holle. Er kennt die Märchen. Aber ich glaube, es ist einfach vorbei. Es ist jetzt neun.
Johannes Franke: Ja gut, okay.
Florian Bayer: Und ich kann ihn, ich wüsste auch nicht, wie ich ihn motivieren könnte für diese Art der Erzählung oder für diese Art von Film.
Johannes Franke: Du musst alle paar Frames irgendwie so wie jemand getötet wird oder sowas einbauen.
Florian Bayer: Er würde sich freuen und fände das voll witzig, wenn ich ihm erzählen würde, worauf die Frau Holle Figur basiert. So eine Geschichte von den Kindern im Brunnen und von dem aufgeschnittenen Bauch und von den Zombie-Kindern, die mit rumlaufen. Das fände er witzig. Aber ja, das wäre es auch schon.
Johannes Franke: Verdammt. Ja gut, okay, okay, okay. Das kommt dann irgendwann in unserem Alter wieder. Die schönen alten Märchen.
Florian Bayer: Und das vielleicht auch nochmal, wie ich mich so durch diese Filme geskippt habe und die wirklich dreckig geguckt habe, wie man es nicht machen sollte als Filmrezensent. Habe ich jedes Mal gedacht. Ja, ist Frau Holle. Bis auf diesen 85er Film, den ich bewusst dann nicht weiter geguckt habe, weil ich dachte, okay, das ist nicht Frau Holle. Und das ist leider halt auch das, was ich bei diesem Film empfinde. Bei all dem Interessanten, was so die ästhetischen Spielereien betrifft. Und vielleicht auch dem Witz, der in dem Overacting der Pechmarie besteht. Wie gesagt, ich fand es vor allem nervig und dann am Schluss ein bisschen witzig. Und auch bei dem Gedanken über ideologische Beeinflussung von Kindern und so. Am Schluss ist es halt doch einfach Frau Holle.
Johannes Franke: Also es sind genau diese beiden Aspekte, die du jetzt sagst, die mich tatsächlich interessieren. Beim Gucken, wo ich echt gedacht habe, ja interessant. Plus die visuelle Ebene, wie sie es gemacht haben. Aber eben das eine, diese Pop-Up-Book-Ästhetik, Diorama-Ästhetik, fand ich wirklich, hat mich auch lange gehalten. Da konnte ich mich lange mit aufhalten, auch wenn auf der erzählerischen Ebene nicht so spannend war gerade. dann tatsächlich die Pechmarie. Mich wahnsinnig gefreut über jedes Mal, wenn sie auf der Bildfläche erschienen ist. Und man muss sagen, um mal den Bogen kurz zu spannen, Kinder der DDR, der polytechnischen irgendwas, waren sie mal in Pankow, haben eine Schule besucht und gefragt, wie fandet ihr es denn? Abend bevor haben sie es schon mal gesehen und haben es am nächsten Tag denen nochmal gezeigt und gefragt, wie fandet ihr es denn? Und die hatten wahnsinnig viel Sympathie für die Pechmarie.
Florian Bayer: Das ist gut.
Johannes Franke: und das ist ziemlich geil, weil das nicht das erklärte Ziel der DDR war. Und das fand ich sehr, es gibt einen Zeitungsartikel, den findet man auch online und das ist sehr süß, weil die dann natürlich irgendwie,
Florian Bayer: das heißt, das sind bei der DEFA dann Köpfe gerollt wahrscheinlich.
Johannes Franke: Vielleicht, vielleicht, aber sie erkennen sich in der Pechmarie wieder und finden, fanden auch die Strafe, wie du und wie ich auch, mit dem Pech übertrieben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die haben gedacht, nee, nee, also. Ja, die ist faul, okay, aber das ist nicht schön. Das macht man nicht. Die soll was Besseres bekommen.
Florian Bayer: Das Faule nervt mich bei der Pechmarie nicht, sondern vor allem dieses Trotzige. Wenn Frau Holle sie fragt, willst du hierbleiben? Und sie sagt, deswegen bin ich doch hergekommen. Und wenn sie zu ihrer Mutter sagt, ich will, ich will, ich will.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Das nervt tierisch. Die Faulheit total geschenkt, die finde ich sympathisch. Aber sie hat halt so viele wirklich nervige Eigenschaften daneben.
Johannes Franke: Ja, muss sie ja auch. Ich meine, sonst wäre sie wirklich keine Pech, Marie.
Florian Bayer: Ja. Sie muss das ja haben. Nein, sie sollte einfach nur faul sein und am Schluss zur Seite springen, wenn das Pech kommt. Der einzige Moment, wo sie ein bisschen aktiver ist und das reicht.
Johannes Franke: Tja. Naja.
Florian Bayer: Was ich mich frage,
Johannes Franke: was ist die Motivation von Frau Holle überhaupt? Aber das ist vielleicht, da muss man durch irgendwelche Mythologien nochmal durchgehen und gucken, was da eigentlich los ist bei ihr.
Florian Bayer: Frau Holle will es schneien lassen und will, dass es ihren Kindern gut geht, die wir in diesem Film nicht sehen. Und wir sollten nicht... fragen, wo sie gefangen gehalten werden. Ja,
Johannes Franke: im Ofen zum Beispiel. Ja. Ich finde noch eine Sache, die mich visuell ein bisschen abgeholt hat, die ich wirklich interessant fand. Es gibt diesen einen Blick auf das Wasser im Brunnen. Ja. Und quasi Kamera im Brunnen, man hat so einen Hall auf dem Audio, weil man aus dem Brunnen schaut, aber über die Spiegelung des Wassers auf die Mutter und Pechmarie. Sag es! Sag es. It's a Tarantino-Shot. Ja, okay. It's a Tarantino-Shot. Aber großartig, oder? Ja,
Florian Bayer: überraschend vor allem.
Johannes Franke: Und vor allem überraschend, weil du das dem Film erstmal nicht zugetraut hättest, sowas zu machen.
Florian Bayer: Der Film hat überhaupt keine Kameraspielereien. Nein. Aber zwei Brunnen-Szenen. Ja, toll. Einmal wie die Goldmarie reinguckt, einmal wie die Pechmarie reinguckt. So, hoppla. Ja, das ist eine gute Idee. Wer auch immer darauf gekommen ist, gut gemacht.
Johannes Franke: Sehr, sehr schön. Über die Lieder haben wir nicht gesprochen. Aber ich finde dieses Aufgewacht... Das ist so ganz konkret. So, Händewaschen geht folgendermaßen. Pass auf.
Florian Bayer: Ich hasse Kinderchöre.
Johannes Franke: Ja, Kinderchöre sind furchtbar. Das geht gar nicht. Warum?
Florian Bayer: Also zu den Songs. Ich hasse Kinderchöre. Ja. Ich finde den Song, den Goldmarie am Brunnen singt. Den klassischen Prinzessin-Ich-Will-Song. Als ich klein war, wollte ich eine Henne haben.
Johannes Franke: Och. Und dann wiederholt sie mit allen möglichen Tieren. Es ist nervig. Dieses Kind sollte keinem Tier einen Namen geben. Was für einen Namen die da gibt. Und dann sollte die auch nicht irgendwelche Tiere sich wünschen, um Gottes Willen.
Florian Bayer: Finde ich furchtbar nervig, der Song. Aufgewacht hatten wir schon. Und dann haben wir diesen Frau-Holle-Song. Und es ist wieder ein Kinderchor. Ich will das nicht hören. Das beste Stück in diesem Film ist die Blaskapelle. Und das hat einiges zu heißen. Weil es ist einfach mal eine nervige deutsche Blaskapelle.
Johannes Franke: Naja. Ich bin voll angesteckt von der Romantisierung von Arbeit. Ich will arbeiten. Ich will richtig arbeiten. Ich will richtig zu lang. Das ist meine Ost-Vergangenheit, Leute. Ihr wisst Bescheid. Es gibt ja sehr viele Ost-Künstler, die sehr viel Romantik in Arbeit gesehen haben. Wenn man sich so andere, auch russische oder eben Sowjetunion-Autoren aus der Zeit anschaut und früher.
Florian Bayer: Und es gibt eine gewisse Romantik, die in Arbeit steckt und auch die in Fleiß steckt. Absolut, absolut. Das kann man auch erzählen, das ist interessant. ist und nuanciert, ohne dass es nur wie ideologische Glorifizierung wirkt. Ja, dieser Film nicht, aber es könnte gehen. Also wenn ich die Wahl hätte zwischen dem und unserem Aschenbrödel, das wir letztes Jahr geguckt haben, würde ich jederzeit das Aschenbrödel vorziehen.
Johannes Franke: Ja, das auf jeden Fall.
Florian Bayer: Einfach weil viel mehr Fleisch dran ist.
Johannes Franke: Und viel mehr Herz und viel mehr Liebe für ihre Figuren und so. Und dreidimensionalere Figuren und so. Auf jeden Fall. Aber ich fand es tatsächlich interessant, auch die visuelle Komponente und diese Idee dahinter zu sehen, was sie dann noch hatten. Es war halt keine Herz-Idee, bis auf bei der Pechmarie, weil die sehr viel Sympathie mitträgt. Aber gut, ich kann jetzt noch dreimal über Pechmarie reden oder ich lasse es einfach und wir gehen zu unserer Top 3 hinüber. Wie wär's denn damit?
Florian Bayer: Nein! Yay! Unsere, ähm... Top 3. Ideologisch auf Linie. Das war dein Wunsch. Ja, ideologisch auf Linie. Du kannst es interpretieren, wie du möchtest. Nochmal vielleicht ganz kurz zu dem Film. Ja, er passt der DDR in den ideologischen Kram. Und ja, sie haben da auch ein bisschen was gemacht. Aber er war auch einfach ideologisch auf Linie, weil die Krims schon, was Arbeitsmoral betrifft, ideologisch auf Linie waren. Und was das betrifft, Karl Marx, nee, Karl Marx ist der Falsche, unser guter guter, nehmen wir doch einfach Walter Ulbricht und Konrad Adenauer sich nicht viel nehmen. Und Ford wahrscheinlich auch sagen würde, ja so sieht Fleiß aus, das ist gut. Da unterscheiden sich Kapitalismus und Kommunismus nicht. Letzten Endes erwartet die Obrigkeit Fleiß von ihren Untertanen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Mein Platz 3, Top Gun. Ist auch ein bisschen Guilty Pleasure und ist natürlich ein einziger Werbeclip für die Air Force. Mit wunderschönen Körpern von coolen Männern, die zusammen rackern und gegen die bösen Iraner kämpfen. Es ist einfach ein krass guter 80er Jahre Actionfilm, der voll mit US Air Force Propaganda ist. Ich hätte gerne auf Platz 3
Johannes Franke: Goodbye Lenin. Weil er es versucht. Weil er versucht der Mutter zu verkaufen, dass das alles noch existiert. Der Film ist nicht ideologisch auf Linie,
Florian Bayer: sondern der Typ.
Johannes Franke: Der Typ ist auf Linie, beziehungsweise er versucht es zu verkaufen als auf Linie. Und das finde ich total charmant und süß. Das ist wahrscheinlich einer der besten DDR-Nostalgie-Filme. Glaube ich auch.
Florian Bayer: Mit Daniel Brühl in einer wirklich guten Rolle.
Johannes Franke: In einer wirklich guten Rolle. Müsste man sich vielleicht nochmal anschauen. Ist auch ewig her, dass ich den gesehen habe. Aber es geht darum, dass ich glaube seine Mutter lange, lange im Koma lag und die DDR ist inzwischen untergegangen, aber glaubt, dass sie das nicht verkraften würde und baut die DDR um ihr. Krankenbett drumherum wieder auf und versucht irgendwie ihr dann nach und nach schonend die Geschichte zu erzählen,
Florian Bayer: wie es zum Fall der ganzen Sache kommt. Es ist sehr, sehr süß. Schön. Ich habe tatsächlich drei Filme, die ideologisch auf Linie sind. Mein Platz zwei ist Hero aus dem Jahr 2002. Ein chinesischer Wuxia-Film, der eigentlich so eine klassische Rache-Geschichte erzählt, mit jemandem, der auszieht und einfach mal sich an einem fiesen Despoten rächen will. Und du guckst diesen Film, das ist ein toller Wuxia-Film. Also wir haben über Tiger and Dragon geredet. Der ist ähnlich mit großartigen Kampf-Szenen, Schwerelosigkeit, Kampf, der mehr als Tanz inszeniert ist. Du bist... komplett weggehauen ästhetisch und denkst so, Wahnsinn, was für ein Film. Und dann am Schluss haben wir den Helden vor dem König stehen und der König sagt, du hast Unrecht. Das Individuum spielt keine Rolle, sondern die Gemeinschaft zählt. Und der Held sagt, ja, stimmt, König, du hast Recht und stirbt. Und am Schluss steht, haben wir dann noch irgendwie einen Text oder so, auf jeden Fall wird uns am Schluss erzählt und dieser König, dieser Despot, hat ganz China vereint und alle sind glücklich. Und du denkst so, Alter, Habe ich gerade einen faschistischen Film gesehen? Und zitterst am ganzen Körper, weil du diesen Film wirklich gut fandst?
Johannes Franke: Oh, fuck.
Florian Bayer: Und die Schlussmoral haut so in den Magen, weil du sowas niemals erwarten würdest.
Johannes Franke: Oh, krass.
Florian Bayer: Ja, heftiger Tobak, harter Tobak, großartiger Film.
Johannes Franke: Ja. Ich habe einen Film auch dabei, auf Platz 2, der tatsächlich selber so, wo man das Gefühl hat, der ist sehr auf Linie, aber ein bisschen versteckt vielleicht. Catch Me If You Can. Weil dieser Film... Sehr amerikanisch dieses Hochstapler-Ding, was da passiert, der sich irgendwie als Pilot und Zeug und dann irgendwie verfolgt wird, ausgibt. Und das sehr amerikanisch als Unternehmergeist romantisiert. Und das finde ich sehr spannend. Ich mag den Film. Aber wenn man sich das mal genauer durch den Kopf gehen lässt, ist das eine sehr unternehmerisch-amerikanische, kapitalistische Sache. Diese Romantisierung in diese Richtung. Und wir wollen, dass er es schafft und so. Aber er ist halt Hochstapler. Ich meine, obwohl diese Hochstapler-Fantasien es ja in jeder Gegend dieser Welt irgendwie gibt und auch als Verfilmung und so. Aber hier fand ich es sehr bestechend, weil das irgendwie so dieses quasi Unternehmertum draußen wurde und man sich denkt, hä, was?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du bist ein fucking Hochstapler.
Florian Bayer: Das war's.
Johannes Franke: Aber ja.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Keine Best-of-ideologische Filme ohne Sergei Eisenstein. Ja,
Johannes Franke: ich habe auch kurz überlegt, den hier reinzunehmen. Aber dann habe ich ihn einfach zu lange, ist es her, dass ich ihn gesehen habe und nicht mehr sagen kann, wie gut ich ihn eigentlich fand. Ich weiß es schon nicht mehr.
Florian Bayer: Es ist bei mir auch schon lange her und es ist natürlich ein Stummfilm aus dem Jahr 1925. Und man sieht ihn auch immer so ein bisschen mit, oh, das war aber einflussreich und so weiter.
Johannes Franke: Das ist so ein Film, den man historisch sieht. Ich habe damals, glaube ich, gegähnt einigermaßen.
Florian Bayer: Das kann ich, ja, das glaube ich dir sofort. Ich habe bestimmt auch gegähnt. Er hat wirklich starke Bilder. und er hat wirklich einen guten Rhythmus. Natürlich, also für das Jahr 1925 hat er einen atemberaubenden Rhythmus.
Johannes Franke: Ja gut, okay.
Florian Bayer: Aber man kann ihn auch heute noch gucken und feststellen, dass der Film einen sehr guten Rhythmus hat und sehr gut diese Revolutionsereignisse erzählt und auch das Tragische, was dahinter steckt. Weil ich meine, es ist ein Film, der ganz eindeutig ein Propagandafilm ist, der als Propagandafilm geplant ist und als Propagandafilm ausgeführt ist. Aber er erzählt ein Scheitern. Er erzählt eine Tragödie, er erzählt, wie die Menschen sterben. Toller Film.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 1
Florian Bayer: Barbie. Auf welcher ideologischen Linie ist Barbie?
Johannes Franke: Von Barbie halt.
Florian Bayer: Von Mattel.
Johannes Franke: Man muss schon sagen, dass man den Film ab und zu anschaut und denkt, wow, okay, das dürfen die sagen. Das ist schon beeindruckend, dass das geht. Aber ganz am Ende, wenn man die Rechnung am Ende zu Ende führt und unter den Strich guckt, dann ist das... Voll auf Linie von Mattel. Ja,
Florian Bayer: es ist ein Werbeclip. Und es ist ein verdammt guter Werbeclip. Es ist einer der besten Filme aus dem Jahr 2024.
Johannes Franke: Vor allem, weil er sich einfach tatsächlich neben dieser Auflinie auch andere Themen gönnt, die der Marke Barbie nicht schaden, sondern sie öffnet. Und dieser Feminismus, der da irgendwie immer latent drinstecken kann, beziehungsweise den man da drin sehen kann und der auch irgendwie ein bisschen, wir haben darüber geredet. historisch drin ist, den nochmal aufzubrechen und zu sagen, ja und vielleicht auch eine neue Generation, die ein bisschen feministischer angehaucht ist, dafür zu begeistern. Aber wir haben lange drüber geredet. Hört euch wirklich diese Episode an, weil die ich glaube eine unserer besten Gespräche, die wir hatten, weil wir auch nicht unbedingt der gleichen Meinung sind, immer 100%. Neben Plor Things, wo wir auch nicht der gleichen Meinung sind.
Florian Bayer: Und Barbie und Plor Things sind sehr stark auch Schwestern im Geiste.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und ich finde, also Barbie war großartig, aber ich habe so das Gefühl, Purr Finks wich noch mal mit Barbie in den Boden. Da waren wir unterschiedlicher Meinung, ich weiß. Und irgendwie, sie wollten ganz viel erreichen bei Barbie und sind einfach daran gescheitert, dass es ein Mattel-Film war und Purr Finks hat dann gesagt, Moment, ich mache das besser. Und hat eine Frankenstein-Version davon gemacht und die funktioniert. Na gut, hört es euch am besten an, wie wir darüber diskutieren und streiten. Aber Barbie mochten wir beide.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Damit raus aus unserer Top 3 und zurück in den Film.
Johannes Franke: Frau Holle.
Florian Bayer: Und zu unserem Fazit.
Johannes Franke: Ja, ich glaube, wir können ins Fazit übergehen. Ich muss sagen, ich habe ihn tatsächlich sehr gerne gesehen, eben wegen dieser Elemente. Pech Marie, weil sie das wahnsinnig toll spielt. Dann die Grafik, also die ganzen Pop-Up-Book-Ästhetik. Und das Dritte fällt mir nicht mehr ein. Verdammt. Es gab aber sehr viele gute Gründe für den Film. Plor widerspricht mir. Fünf Worte. Ja. Es ist halt Frau Holler. Es war okay.
Florian Bayer: Es war wirklich okay. Ich hatte Spaß. Ich war ein bisschen genervt. Ich war mehrmals ein bisschen genervt. Aber ich hatte auch Spaß. Und die Optik war hübsch. Und es war alles süß. Und Kinderchor nervt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Lieder nerven.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die Pechmarie nervt am Anfang ganz viel. Die Goldmarie nervt ganz viel. Es gibt sehr viel, was an diesem Film nervt.
Johannes Franke: Aber es war okay. Na gut, ich habe natürlich eine Ostalgie, wie man damit sagt.
Florian Bayer: Aber trotzdem nochmal aus der Ferne, vielen Dank für diesen Vorschlag.
Johannes Franke: Ja, wir haben uns sehr gefreut, dass wir diesen Vorschlag endlich mal in der Weihnachtszeit umsetzen konnten, weil der war auch schon eine Weile in der Liste.
Florian Bayer: Der ist schon ziemlich lange in der Liste. Nächste Woche versprochen kommt ein Film, der noch nicht so lange in der Liste ist und vor allem ein Film, der auch wieder ein Publikumswunsch, aber der vor allem deutlich mehr, noch deutlich konkreter zu Weihnachten passt. Wenn ihr wissen wollt, was für ein Film das ist, bleibt kurz dran und wartet bis nach dem Jingle. Ansonsten, Johannes, vielen Dank für das tolle Gespräch.
Johannes Franke: Vielen Dank, Flo. Es macht immer wieder Spaß und ich freue mich jetzt schon auf nächste Woche. Ihr da draußen, es ist immer wieder toll mit euch. Ich freue mich wahnsinnig, dass ihr tatsächlich auf Social Media und so weiter mit uns interagiert und uns Kommentare schickt und freudige Nachrichten von, oh, ich habe jetzt diese Folge gehört und hier habe ich noch einen Gedanken dazu. Mich interessieren diese Gedanken tatsächlich sehr. Ich finde es sehr interessant, was ihr noch in Filmen seht, wo wir völlig drüber gebügelt haben und gesagt haben, ja, also das ist die einzig wahre Interpretation. Und dann kommt eine Nachricht und sagt, ja, das habt ihr völlig falsch gesehen. Finde ich super, finde ich total interessant. Macht das weiter gerne.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, ja. Beteiligt euch, soweit ihr das könnt.
Johannes Franke: Ansonsten genießt die Weihnachtszeit.
Florian Bayer: Lasst euch eine besinnliche, beschauliche Stimmung bringen.
Johannes Franke: Wenn ihr uns ein Weihnachtsgeschenk machen wollt, es gibt einen Spendenbutton auf der Webseite. Ansonsten lasst es euch gut gehen.
Florian Bayer: Lebt euer bestes Leben. Wir hören uns nächste Woche. Bis dahin. Bis dahin. Ciao.
Johannes Franke: Also, was haben wir denn dann fürs nächste Mal?
Florian Bayer: Silke hat sich gewünscht, Charles Dickens, der Mann, der Weihnachten erfand, aus dem Jahr 2017. Wir haben vor zwei Jahren, vor drei Jahren, glaube ich, eher über Scrooge-Filme geredet.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau. Das war, glaube ich, unser erstes Weihnachten, oder?
Florian Bayer: Vielleicht sogar unser erstes Weihnachten, dann ist es schon länger her. Wir haben wirklich, wir haben uns... unglaublich viele Christmas Carol Verfilmungen angeguckt aus den verschiedensten Zeiten. Das war eine extrem überambitionierte, monströse Episode.
Johannes Franke: Ja, sehr, sehr lange Episode, aber lohnt sich volle Kanne, weil wir wirklich so richtig Vergleiche ziehen zwischen den einzelnen Verfilmungen.
Florian Bayer: Wir haben einmal wirklich einen Abriss gemacht von der ersten Scrooge Verfilmung bis zu den aktuellsten und den hatten wir damals nicht auf dem Schirm, obwohl es den damals auch schon gab. Charles Dickens, der Mann, der Weihnachten erfand, ist offensichtlich eine Mischung aus Biopic, das erzählt, wie Charles Dickens. sich die Scrooge-Geschichte ausdenkt. Und irgendwie ist Fantasy oder Inhalt aus dem Buch Christmas Carol mit Scrooge da reingewoben, weil, sehe ich jetzt gerade, Christopher Plummer spielt mit. Der spielt den Scrooge. Ah, krass. Ich bin sehr gespannt, wie dieser Film zwischen Realität und Fiktion hin- und herspringt. Ich habe ihn noch nicht gesehen, du auch nicht, ne? Nee,
Johannes Franke: ich habe ihn noch nicht gesehen, keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt drauf. Und vielen Dank, Silke, für den Vorschlag.
Johannes Franke: Ja, nehmt das als Anlass, schickt uns gerne weitere Vorschläge. Auch das Jahr über, es muss nicht unbedingt für Weihnachten sein. Wir freuen uns aber erstmal auf Silkes Vorschlag nächste Woche.
Florian Bayer: Charles Dickens, der Mann, der Weihnachten erfand aus dem Jahr 2017.
Johannes Franke: Schaltet ein. Bis dann. Bis dann. Ciao.

Und ich Dödel dachte zuerst, ob ich den film „Aus der Ferne via Mail“ schon mal gehört hätte, bevor der Groschen fiel! Danke dafür.
Für mich ein großartiger Märchenfilm, dessen Antagonistin mich durch die Kita- und Schulzeit, Pubertät bis heute begleitet hat. Katharina Linds Pechmarie ist eine grandiose Darstellung von kindlichem Trotz, Gier und alldem, was einem die Erwachsenenwelt auszutreiben versucht und was man heutzutage in keinem Film mehr so sieht (ob das schade ist oder nicht ist wohl eine andere Frage).
Danke für den wunderbaren Vorschlag! Ich habe ein neues Role-Model dazu gewonnen^^ Die Pech-Marie ist einfach Ikonisch! *Johannes