Episode 249: Halloween-Publikumswunsch – Hatching
Die zwölfjährige Tinja lebt in einer echten Bilderbuchfamilie… zumindest wenn man den Influencer-Videos ihrer Mutter Glauben schenkt, in denen diese den vermeintlich harmonischen Familienalltag in Pastellfarben und kitschigen Zeitlupen inszeniert. Die schwierigen und düsteren Seiten ihres Lebens werden dabei unter den Teppich gekehrt: Tinjas Mutter war Eiskunstläuferin und verfolgt die Turnkarriere ihrer Tochter unnachgiebig und mit eiserner Hand. Tinjas jüngerer Bruder Matias erhält dabei kaum Beachtung von ihr. Tinjas Vater hat sich vom Familienleben weitestgehend zurückgezogen und die Mutter selbst flieht in die Affäre mit dem Handwerker Tero.
Eines Tages verirrt sich eine Krähe im Wohnzimmer der Familie. Tinjas Mutter fackelt nicht lange und bricht dem kleinen Vogel das Genick. Nachdem er entsorgt wurde, stellt Tinja fest, dass er noch nicht ganz tot war und in einem letzten Kraftakt ein Ei gelegt hat. Sie brütet das Ei heimlich in ihrem eigenen Bett aus. Es wächst bis auf Menschengröße und schließlich schlüpft aus ihm ein monströser humanoider Vogel, den Tinja Alli tauft.
Sie ahnt nicht, dass Alli einen gewissen Blutdurst mitbringt und zudem eine Metamorphose durchmacht, die ihn peu à peu zu einem Zwilling seiner Besitzerin werden lässt.
Hatching von Hanna Bergholm ist ein Coming of Age Gruselfilm mit einem guten Haufen Bodyhorror und einem garstigen Blick auf die Selbstinszenierung der modernen Familie.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 249: Halloween-Publikumswunsch – Hatching Publishing Date: 2025-10-08T08:00:21+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/10/08/episode-249-halloween-publikumswunsch-hatching/
Florian Bayer: Er könnte da noch mehr reingehen irgendwie. Echt jetzt?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese Zeitlupen, diese kitschige Musik und dann diese Familie, die viel zu brav wirkt und viel zu liebt. Und du weißt schon, okay, da lauert irgendwo das Böse, da lauert irgendwo das Düstere. Liebes Publikum, herzlich willkommen zum Musst-Man-Fürchten-Podcast, wo wir gemeinsam dem Horrorfilm-Banausen Johannes Horrorfilme zuwerfen. Heute freue ich mich sehr, dass Kai uns etwas geschickt hat, das Johannes hoffentlich das Fürchten lehrt. Und damit herzlich willkommen im Spooktacular-Monat, Halloween-Monat im gruseligen Oktober vom Muss-Man-Sehen-Podcast. Hallo Johannes. Flo, du weißt schon, wenn du flüsterst, drehe ich hier auf, damit das Mikro genug mitbekommt. Wenn du dann plötzlich laut wirst, habe ich keine Chance. Das gehört alles zum Konzept. Übersteuerung ist doch ein beliebtes Mittel, um ein paar Jumpscares zu erzeugen, oder?
Johannes Franke: Das ist auch das, was du mit mir im Oktober machst. Du übersteuerst meine Sinne total mit
Florian Bayer: Horror. Heute übersteuere aber nicht ich deine Sinne, sondern unser Zuhörer Kai, der sich via Instagram gemeldet hat.
Johannes Franke: Ja, Kai, Grüße gehen raus. Voll geil, vielen Dank für den wundervollen Tipp. Ich suche gerade mal noch deine Nachricht raus. Um sie hier einmal abzuspielen, ob du willst oder nicht. Nein, wir haben das abgesprochen. Du hast gesagt, wir dürfen das. Und jetzt kommt deine Nachricht, damit wir wissen, worum es geht. Hey ihr beiden, ich höre gerade einen Podcast und ihr beschwert euch, dass ihr zu viel aus Amerika habt. Und ich hatte einen Film, der mich wirklich stundenlang noch, nachdem ich den gesehen habe und auch ein paar Tage danach immer nochmal wieder beschäftigt hat. Der heißt Hedging. Der kommt aus Finnland. Schaut euch den mal an. Großartiger Film, sehr gut inszeniert, hat so eine zweite Ebene, ist ein bisschen Horror, aber es ist eigentlich ein Psychodrama. Großartig, wirklich.
Florian Bayer: Hatching aus dem Jahr 2022. Pahanhautoya, wie er im Original heißt. Im besten Finnisch. Im besten Deutsch, finde ich. Du kanntest ihn auch nicht, Johannes, ne?
Johannes Franke: Pahanhautoya?
Florian Bayer: Ja, genau. Du hast geübt. Johannes hat mir vorhin vorgeworfen, als wir ein bisschen Festaufnahme gemacht haben, dass ich den Titel geübt hätte. Habe ich nicht, aber ich glaube, Johannes hat geübt.
Johannes Franke: Ich habe ihn zwei, drei Mal vor mir hingemurmelt, um dann nicht peinlich berührt dasitzen zu müssen. Ja, Hype heißt im groben Übersetz der böse Brüter, was ziemlich mehr on the nose ist als Hatching.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Und ich weiß auch gar nicht, ob ich das so cool finde, dass es im Original so einen On-the-nose-Titel hat, weil Hedging ist sehr schön unverfänglich und man weiß auch nicht so genau, was auf einen zukommt. Und dementsprechend trifft der Film hin und wieder, aber am besten erzähle ich einfach mal kurz, worum es geht. Ihr Leute da draußen, die ja den Film noch nicht gesehen habt, jetzt ist die Gelegenheit nochmal auszuschalten. Wir werden nämlich gleich die Hölle aus diesem Film rausspoilern.
Johannes Franke: Jawohl.
Florian Bayer: Und wie immer, gerade bei einem solchen Film ist es vielleicht ganz sinnvoll, sich nicht die Spoiler anzutun, bevor man den Film gesehen hat. wenn ihr bleiben wollt. bleibt meinetwegen, ich bin ja nicht eure Mami. Mami? Die zwölfjährige Tinja lebt in einer echten Bilderbuchfamilie. Zumindest, wenn man den Influencer-Videos ihrer Mutter Glauben schenkt, in denen diese den vermeintlich harmonischen Familienalltag in Pastellfarben und kitschigen Zeitlupen inszeniert. Die schwierigen und düsteren Seiten ihres Lebens werden dabei unter den Teppich gekehrt. Tinias Mutter war Eiskunstläuferin und verfolgt die Turnkarriere ihrer Tochter unnachgiebig und mit eiserner Hand. Tinias jüngerer Bruder Matthias erhält dabei kaum Beachtung von ihr. Tinias Vater hat sich vom Familienleben weitestgehend zurückgezogen und die Mutter selbst flieht in die Affäre mit dem Handwerker Tero. Eines Tages verirrt sich eine Krähe im Wohnzimmer der Familie. Tinias Mutter fackelt nicht lange und bricht dem kleinen Vogel das Genick. Nachdem er entsorgt wurde, stellt Tinia fest, dass er noch nicht ganz tot war und in einem letzten Kraftakt ein Ei gelegt hat. Sie brüte das Ei heimlich in ihrem eigenen Bett aus. Es wächst bis auf Menschengröße. Und schließlich schlüpft aus ihm ein monströser, humanoider Vogel, den Tinja Ali tauft. Sie ahnt nicht, dass Ali einen gewissen Blutdurst mitbringt und zudem eine Metamorphose durchmacht, die ihn peu à peu zu einem Zwilling seiner Besitzerin werden lässt. Ja, das ist der Punkt, wo ich feststelle, dass ich jetzt eigentlich irgendeine Frage stellen müsste.
Johannes Franke: Flo hat keine Frage vorgestellt.
Florian Bayer: Ich habe keine Frage. Ich habe offensichtlich den Halbsatz abgebrochen. Hedging von Hannah Bergholm ist ein Coming-of-Age-Gruselfilm mit einem guten Haufen Body-Horror. und einem garstigen Blick auf die Selbstinszenierung der modernen Familie. Punkt. Kein Fragezeichen. Johannes, wie fandst du den Film?
Johannes Franke: Oh nein, was ist das für eine Frage? Die müssen wir auch ganz am Ende erst beantworten. Und wir robben uns da langsam ran.
Florian Bayer: Bevor wir zu unserem Fazit kommen, ja.
Johannes Franke: Also ich muss sagen, ja, okay. So, okay, also es war halt ein guter Film, also das klingt ein bisschen fieser, als es vielleicht ist, aber ich habe mal einen Kurzfilm gemacht mit einem Kollegen, der hat dann, während ich die ganze Zeit geschwitzt habe und gesagt habe, um Gottes Willen, schaffen wir das alles und wird das so, wie wir es wollen und so, hat er immer wieder zu mir gesagt, ganz beruhigend, weißt du, es wird ein Film, es wird ein Film werden und das hat mich auch erstaunlicherweise beruhigt. Und auch diesem Film würde ich sagen, ja, es ist doch ein Film geworden.
Florian Bayer: Okay, ich glaube, wir müssen den Horrorfilm-Banausen Johannes in die Realität zurückholen. Ich fand den Film sehr gut. Ich fand es vor allem gut, er fällt so ein bisschen in eine Kategorie von Horrorfilmen, die in den letzten zehn Jahren vielleicht aufgekommen sind. Und er hat mich an einige Filme erinnert aus der Zeit. Oft die Kombination Body-Horror mit Coming-of-Age-Themen. Und oft natürlich, was dann auch naheliegt, der Horror ist eine Widerspiegelung der inneren Dämonen und so weiter. Und oft mit ProtagonistInnen, oft stehen junge Frauen oder sogar Mädchen im Mittelpunkt und auch sehr oft von Frauen inszeniert. Und wir haben hier ja auch eine Regisseurin. Der Film ist tatsächlich sogar der teuerste filmliche Film, der je von einer Regisseurin gedreht wurde.
Johannes Franke: Von einer Frau gedreht. Es gab sehr viele andere. Es gibt mindestens 18 Plätze vor ihm, die teurer waren, aber alle von Männern.
Florian Bayer: Die Filmwelt ist eine Macho-Welt. Um ein paar Namen in den Raum zu werfen. Und die könnt ihr euch alle merken, wenn euch dieser Film gefallen hat, sind die auch sehenswert. Blue My Mind zum Beispiel aus dem Jahr 2017, wo ein Teenager eine Metamorphose durchmacht. Raw aus dem Jahr 2016, wo eine Vegetarierin eine Metamorphose zur Kannibale durchmacht. Beide von Regisseurinnen gedreht. Ebenfalls von der Regisseurin Tiger Stripes aus dem Jahr 2023. Ein mal leisiger Film, wo ein junges Mädchen sich in einen Tiger verwandelt quasi. Und es gibt noch ein paar mehr Beispiele. Und ich glaube... Wenn man so ein bisschen in den Mainstream schaut, fällt wahrscheinlich am ehesten Black Swan auch so in die Ecke.
Johannes Franke: Ja, ja, ich musste an Black Swan denken.
Florian Bayer: Ich fand, dieser Film hat einiges gemacht, was ihn besser macht als diese Filme.
Johannes Franke: Oh, okay, jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Und zwar vor allem, dass er diese wirklich garstige Mischung hat. Zum einen das sehr... sehr draufgehauene Satirische. Wenn es um die Familienkonstellation geht, wo er ja wirklich irgendwie einfach so einen garstigen Humor hat und wirklich satirisch überspitzt ist bis zum Findest du?
Johannes Franke: Absolut. Findest du? Ich habe als erstes aufgeschrieben, ach, eine Prise mehr Humor wäre doch eigentlich ganz nett.
Florian Bayer: Nein, der ist doch saugroh. Nein, der könnte noch mal
Johannes Franke: Natürlich hat er seine komischen Momente und so und er hat auch seine satirischen Momente. Aber irgendwie finde ich ihn zu brav, muss ich sagen. Ich finde ihn echt eine Spur zu brav. Er könnte viel schwarzhumoriger sein.
Florian Bayer: Wirklich? Immer wenn die Familie zu sehen ist. Immer wenn gezeigt wird, wie die Familie sich selbst inszeniert. Insbesondere die Mutter. Fand ich das saukomisch. Also um noch eine Referenz reinzuwerfen. So die Satiren von François Rousson. Nicht das, wo man laut drüber lacht. Aber das, wo man die ganze Zeit so diesen merkwürdigen Cringe-Moment hat. Und denkt, oh, es ist alles so kaputt. Oh mein Gott, Hilfe. Ja, ja,
Johannes Franke: ja. Weißt du, was das eigentliche Problem ist? Worauf... alle meine Probleme zurückzuführen sind und worauf wir jetzt immer eine Schablone legen können, wenn ich einen Kritikpunkt habe und du es geil findest. Ich finde alles zu vorhersehbar klar. Beziehungsweise nicht jeder Turn ist in diesem Film vorhersehbar, aber alles bleibt auf einer Ebene, wo ich denke, ja, das ist die Ebene und die verlässt er nicht mehr. Das ist mein Fahrgleis und darauf bin ich jetzt. Und ich kann nach 5 Minuten, nach 10 Minuten, nach 15 Minuten kann ich denken, okay, Es kommt leider nichts mehr anderes. Das ist diese Idee.
Florian Bayer: Würde ich sogar partiell zustimmen, weil gerade die Metaphern auf Teenager-Ängst, die wir hier drin haben. Total, absolut. Es ist so, du guckst drauf, du siehst das Bild und denkst, ah, wir haben hier natürlich eine Parabel auf Bulimie, auf übertriebene Erwartungshaltung der Eltern, auf elterlichen Narzissmus und so weiter. Und du siehst es und du siehst die Widerspiegelung in diesem Monster und in der Beziehung zwischen Tinja und dem Monster und siehst, okay, es ist sehr eindeutig, die Bildsprache von diesem... Ich fand sie sehr beeindruckend, die Bildsprache von dem Film. Ich fand, die Bilder waren auch für einen finnischen Film, der ja auch, obwohl er teuer war, trotzdem noch ein relativ niedriges Bild wäre, fand ich die Bilder wirklich sehr gut.
Johannes Franke: Also bis auf 2, 3 vielleicht, wo ich auch denke, naja, nicht ganz, aber tatsächlich insgesamt, nach dem, was er sich vorgenommen hat, nämlich diese Influencer-Scheiße einmal schön vorzukehren, hat das Bild gewaltig gut gemacht.
Florian Bayer: Ja, aber es gibt nichts, wo man sagt, oh, das ist jetzt ein bisschen subtiler oder ein bisschen komplizierter um die Ecke gedacht, sondern die Symbole sind sehr eindeutig. Es ist natürlich ein total symbolistischer Film. Es ist voll die Parabel und du hast irgendwie alles mit drin, was es so an Teenager-Problemen geben kann, vor allem wenn das Elternhaus halt irgendwie kaputt ist, dysfunktional ist. Und es werden dann halt verschiedene Symbole reingeworfen, aber es ist immer eindeutig. Du siehst und denkst, okay, das ist die erste Periode. Okay, hier haben wir die Bulimie. Okay, hier haben wir das Dissoziative und so weiter. Das ist irgendwie alles da.
Johannes Franke: Und man hat immer das Gefühl, die sitzen am Schreibtisch, schreiben das Ding und haben ein tolles Vorhaben, absolut. Weil der Film natürlich auch ein Thema hat, was ich nur unterstützen kann, wo ich sage, okay, ja geil, dass das endlich passieren kann, dass wir diese Themen und dass wir wirklich eine weibliche Figur haben, die in die Pubertät hinüber geht und so und dieses Thema groß ausgeschlachtet. Das gibt es noch nicht so häufig und es gibt auch noch nicht so lange, dass das überhaupt möglich ist, weil vorher hätten alle gesagt, ach mach doch einen Jungen. Das hat der Drehbuchautor übrigens am Anfang auch gesagt. Aber das finde ich ganz toll, dass es überhaupt existiert, dieses Thema. Aber... Es ist die erste Idee. Jedes Mal, wenn ich eine Idee im Film sehe, denke ich, das ist die erste Idee, die sie gehabt haben. Sie haben nicht drei, vier Mal nochmal eine Ecke nachgedacht.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt die Momente, wo es darüber hinausgeht. Und das ist vor allem in der Figurenkonstellation, in der Art, wie die Figuren erzählt werden. Und vielleicht müssen wir gleich wieder sprechen. So krass satirisch das dargestellt ist, wie diese heile Welt vorgegaukelt wird und wie die Mutter diese extremen Erwartungshaltungen an ihre Tochter hat, finden sich im Film nachher doch Nuancen, wo man merkt, ja, ich verstehe. Ich verstehe die Mutter. Ich merke, man merkt, sie trägt ihr eigenes Trauma mit. Das wird von Generation zu Generation weitergegeben. Insbesondere dadurch, dass halt auch in dieser Beziehung von Tinja und Ali erzählt wird, dass sie das halt auch weitergibt. Dass diese kaputte Mutter-Tochter-Beziehung, die wir hier haben, nochmal zu einer kaputten Mutter-Tochter-Beziehung in dieser Konstellation ein kleines Mädchen-Monster wird. Und wo wir einfach sehen, wie so was Traumatisches von Generation zu Generation weitergegeben wird und wie diese... wie diese Probleme sich quasi multiplizieren und immer mehr und mehr werden dadurch.
Johannes Franke: Aber es ist keine weitere Schleife. Es ist nur wiederum das Thema, generational trauma weitergegeben. Das ist ein gutes Thema, so ist es nicht, aber es ist halt so sehr geradeaus erzählt.
Florian Bayer: Springen wir mal kurz einen Schritt zurück dazu, wie dieser Film entstanden ist.
Johannes Franke: Möchtest du Tee Plor? Ich möchte dich einmal unterbrechen und dir Tee anbieten. Oh ja, sehr gerne.
Florian Bayer: Ich werde gleich wieder eine halbe Stunde warten, bevor wir anfangen mit Tee. Oh, danke dir. Dieser Film ist so entstanden, wie so viele Filme entstehen, nämlich beim Speed-Dating. Die Finnische Filmstiftung macht offensichtlich Veranstaltungen, wo sie DrehbuchautorInnen und RegisseurInnen zusammenbringen. Und zwar wirklich Speed-Dating. Die sitzen dann da. Ich weiß nicht, wer sitzt und wer von einem zum nächsten wandert. Aber die sitzen da und unterhalten sich. Und dann wird halt geguckt, wo klickt's. Wahrscheinlich pitchen die AutorInnen ihre Texte. Und die RegisseurInnen sagen, ah geil, das könnte ich mir gut vorstellen, das zu machen.
Johannes Franke: Ich hab sowas auch schon mal gemacht, ne?
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ja doch, als Schauspieler halt. Ja. Eine andere Nummer mit Castern, also mit Leuten, die Filme besetzen. Und ich dann unter mehreren Schauspielern, die Caster saßen an Tischen und dann sind wir als Schauspieler von einem Tisch zum nächsten und haben dann einfach immer nur fünf Minuten uns einfach nur unterhalten. Und dann ging es nicht unbedingt darum, was ist mein Lebensziel als Schauspieler, sondern wer bin ich eigentlich, wer bist du denn eigentlich? Und dann... Findet man sympathisch sich oder so oder nicht? Oder erinnert man sich irgendwann später aneinander oder nicht?
Florian Bayer: Geklickt hat es bei diesem Speed Dating bei Hanna Bergholm, unsere Regisseurin, und Ilja Rauzi, dem Drehbuchautor. Hanna Bergholm, die vorher nur Kurzfilme gedreht hat. und im selben Jahr, wie dieser Film entstanden ist, noch Helsinki Crimes, offensichtlich eine etwas größere Krimiserie in Finnland, von der ich noch nie gehört habe, aber ich bin auch echt kein Krimi-Fan und vor allem kein TV-Krimi-Fan. Und zwischen denen hat es geklickt und Hannah Bergholm, wie gesagt, mit ihren Kurzfilmen wie Puppetmaster und Gorilla, da sieht man schon ein bisschen, in welche Richtung es geht. Aber ich möchte die Titel von den Werken von Ilja Rauts, die kurz hervorheben. Ohne es gesehen zu haben, sind das, meine ich, die geilsten Filmtitel ever. Er hat einen Kurzfilm gedreht, 2018. Helsinki Mansplaining Massaker. Und ich bin verliebt in diesen Mann.
Johannes Franke: Ach, sehr gut.
Florian Bayer: Gefällt mir. Und drei Jahre später, 2021, Night of the Living Dicks.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: 2015, ein Feature-Film-Länge-Dokumentarfilm, Spandex Sapiens, wo es offensichtlich um transsexuelle Wrestler geht. Ich muss diese Dinger noch gucken, allein wegen des Titels. Allein wegen der Titel will man diese Dinger einfach gucken. Und ich bin allein wegen dieser Titel bin ich komplett verliebt in diesen Autoren.
Johannes Franke: Aber du erinnerst dich daran, dass wir mal zwei Filme besprochen haben, nur nach Titel ausgesucht.
Florian Bayer: Vollkommen schiefgegangen.
Johannes Franke: Das ist schiefgegangen. Don't Worry, We Will Think of a Title war ein geiler Titel, aber der Film,
Florian Bayer: komplette Katastrophe. Brief Interviews with... Hedius Man. Den fand ich noch ganz okay. Du warst auch nicht so begeistert.
Johannes Franke: Aber richtig gut war der auch nicht.
Florian Bayer: Genau, die beiden haben sich getroffen beim Speed-Dating, haben sich unterhalten und haben festgestellt, oh, wir ticken ähnlich. Geil, wir wollen was zusammen machen. Schön. Rautzi hat seine Idee gepitcht, nämlich von einem Jungen, der ein böses Doppelgängerei ausbrütet. Beziehungsweise ein Doppelgängerei ausbrütet das, was wir jetzt auch im Film haben. Und Bergholm hat gesagt, geht das auch in weiblich? Ja, eine super Entscheidung und ein super Gedanke auch zu sagen,
Johannes Franke: komm, lass uns mal Geschichten erzählen, die nicht erzählt werden jeden Tag. Und der hat sich auch bereitwillig darauf eingelassen, oder? Es gab ja jetzt keine großen Widerstände. Nö,
Florian Bayer: es war auch klar, er ist der Drehbuchautor, aber sie haben beide an der Idee gebrütet. Sie haben wahrscheinlich gebrütet. Sie haben wahrscheinlich gebrütet. Auch viel diskutiert über einzelne Sachen, aber Rauzi war schon unser Autor. Und Hannah Bergholm, die auch schon durch die Kurzfilme und durch die Serien schon so ein bisschen Erfahrung hatte, die übrigens auch relativ alt ist, die gesagt hat, es ist echt schwer in Finnland einen Job zu kriegen, wenn du eine Frau bist als Regisseurin.
Johannes Franke: Nicht nur in Finnland, so.
Florian Bayer: Überall natürlich. Die hat es jetzt halt vor allem aus ihrer Perspektive berichtet, dass es echt sau schwer ist an Geld zu kommen und so. Die hat die Gelder eingetrieben. Die hat tatsächlich Investoren gefunden, die gesagt haben, ja, wir investieren in das Konzept, das ist cool.
Johannes Franke: Aber das ist krass, so vier Millionen reinzuschaffeln, das ist wirklich wahnsinnig schwer.
Florian Bayer: Ja, krass.
Johannes Franke: Und Finnland ist ja noch kleiner als jetzt Deutschland.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wild Bunch hat das hier in Deutschland rausgebracht. Wild Bunch ist ja ein Berliner Label, die machen ja auch tolle Sachen, also gute Sachen bringen die raus. Aber ich weiß nicht, ob die im Entstehungsprozess schon Geld reingeworfen haben. Ich glaube ja nicht, die haben ja einfach nur den Film genommen und hier verliehen. denke ich mal.
Florian Bayer: Ja, nee, nee, genau. Die waren wirklich vor allem Verleih. Ganz interessant, dass die Geldgeber dann wiederum gesagt haben, mach das Ding in Englisch, damit es auf dem internationalen Markt funktioniert, was auch total nachvollziehbar ist. Aber Bergholm hat sich dagegen gesträubt. Die hat gesagt, nee, Finnisch ist geil. Und wenn man den Film sieht, dann versteht man auch, was sie meinte.
Johannes Franke: Absolut, absolut. Ich will das nicht anders. Ich will das auf Finnisch, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Vor allem, weil Finnisch... Sie selbst sagt, es ist wie so eine märchenhafte Sprache und das passt einfach gut zu so einem fantastischen Setup. Und für uns als Menschen, die kein Wort Finnisch können, ist es natürlich umso schöner, wenn wir das dann hören, kein Wort verstehen. Aber Finnisch hat wirklich diesen melodischen Klang, diesen gezogenen Klang und diese Wörter, die zu viele Vokale drin haben. Du guckst einmal auf ein Wort und sagst, okay, da... Könnte man auch zwei Vokale rausstreichen, die dadurch aber einen sehr harmonischen Klang haben. Und das passt zu diesem Setup, vor allem zu diesen pastellenden, kitschigen Bildern, in die wir eingeführt werden.
Johannes Franke: Also das Setdesign, ich muss sagen, ich bin ein bisschen torn, weil wenn wir jetzt gerade dabei sind, die haben ja das so gebaut, dass das sehr pastellig und sehr so, es schreit, wir wollen eine Instagram-Familie sein, die irgendwie nach Perfektion aussieht. und Und das Set sieht aber auch in Ihrem Zimmer und in anderen Gegenden so sehr nach Set auch aus, dass Sie da Sachen hingestellt haben, dass das einerseits zum Konzept passt, aber andererseits mich doch auch ein bisschen rausreißt, weil ich das Gefühl habe, die lebt da nicht wirklich.
Florian Bayer: Ich finde das an der Gestaltung Ihrer Wohnung und dass Sie es anders machen können, sieht man später, wenn wir die Wohnung von Reto sehen. Du wolltest mir widersprechen, wir haben eine Retuswohnung, die blankes Chaos ist, die einfach bewohnt ist. Und dann haben wir aber davor, das was wir erleben, ist die Wohnung dieser Familie, das Haus dieser Familie, wo wirklich alles Pastell ist. Und alles wie im Museum aufgebaut ist, wo das Gefühl, hier lebt kein Mensch, hier drehen Menschen Homevideos. Und so fühlt sich auch das gesamte Familienleben an, was uns am Anfang gezeigt wird in diesen Videos. Es ist eine einzige Inszenierung.
Johannes Franke: Er ist auch so drüber. Er ist voll drüber. Es könnte aber noch drüberer sein, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Der könnte noch eine Schippe draufpacken.
Johannes Franke: Ich will nicht in Klischees abdriften zu sehr, aber das macht der Film ja schon auch ein bisschen. Es ist nicht so, dass er sich gänzlich gegen die Klischees entscheidet.
Florian Bayer: Nein, absolut.
Johannes Franke: Aber er könnte da noch mehr reingehen irgendwie.
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Echt jetzt? Ja.
Johannes Franke: Diese Zeitlupen, diese kitschige Musik.
Florian Bayer: Diese Familie, die viel zu brav wirkt und viel zu lieb. Und du weißt schon, okay, da lauert irgendwo das Böse, da lauert irgendwo das Wüste.
Johannes Franke: Natürlich, das Erste, was du denkst. Aber es ist halt so, das ist das Erste, was du denkst. Also du weißt das als Zuschauer sofort. Du siehst dieses Video und weißt sofort, was Sache ist. Du weißt auch sofort, was der Film will. Du weißt,
Florian Bayer: da ist das Böse. Natürlich. Vor allem spätestens dann, wenn die Mutter dem Vogel den Kopf bricht. Und so eiskalt, wirft den weg. Was für eine böse Szene, oder? Wir haben dieses Chaos im Haus und Tinja fängt den Vogel und hat ihn schön in die Decke eingewickelt. Und ich meine, wenn die Mutter schon fragt, gib ihm ja. Ich weiß, was du meinst. Wir ahnen es. Es ist klar, dieser Vogel wird sterben. Die Mutter wird diesen Vogel töten. Was ich weniger ahne ist dann, dass es diesen Moment gibt, wo Tinja den Vogel von seinem Leid erlöst, nachts im Wald.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Und draufhaut. Und das passiert, was leider... in der Realität viel zu oft passiert, dass man ein Tier von seinem Leid erlösen will. Also mir passiert das jetzt nicht. Mir ist das vor zwei Tagen noch nicht passiert. Achso,
Johannes Franke: ich dachte, du redest jetzt von jede Woche zweimal.
Florian Bayer: Es ist nicht so einfach, ein Tier von seinem Leid zu erlösen. Vor allem, wenn du ein zwölfjähriges Mädchen bist und sie haut dann mehrmals drauf und sie stellt fest, sie muss noch härter draufhauen, um das Tier zu töten. Und sie haut die Krähe mit. Zehn Schläge sind es am Schluss wahrscheinlich einfach zu matsch, damit die endlich tot ist und endlich von ihrem Leid erlöst ist. Gott, Gott, traumatisch. Wenn ich das als Kind erlebt hätte, um Gottes willen. Ah, was für ein krasser Moment. Und natürlich Trauma, ja. Haben wir das erste große Thema des Films, es geht ganz viel um Kindheitstraumata und es geht ganz viel darum, dass diese Ohnmacht der frühkindlichen oder kindlichen Traumaerfahrung, dass die halt irgendwie, dass die irgendwo ist und irgendwo gärt und irgendwo wächst.
Johannes Franke: Und natürlich irgendwo raus muss.
Florian Bayer: Irgendwo raus muss. Ja. Wir haben dieses Setup von der Familie. Wie fandest du denn die Darstellerin?
Johannes Franke: Also, wir hangeln uns langsam vor, bis wir dann am Ende bei dem Mädchen sind, oder?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich würde vielleicht als erstes tatsächlich den kleinen Jungen nehmen, der ja auch nur ein Stand-In ist für... das verzogene Brad überhaupt.
Florian Bayer: Also der halt die ganze Zeit sagt, und ich? Was ist mit meiner Aufmerksamkeit? Ich finde den so traurig, weil es ist so klar, dass der Fokus der Eltern, weil der Vater macht halt einfach, was die Mutter sagt, der Fokus der Mutter vor allem komplett auf Tynia ist und dieser Junge ist einfach nur ein Statist in ihrem Spiel.
Johannes Franke: Ja, und auch ein Statist in diesem Film. Also es ist natürlich auch, man muss dazu sagen, der Film, finde ich, ist ja sehr viel aus ihrer Perspektive, also das Mädchen. Ja, das heißt, Und alle Figuren, die eine Statistenrolle in ihrem Leben spielen, spielen auch im Film eine Statistenrolle. Natürlich. Und auch für diese Familie spielt dieser Junge natürlich eine Statistenrolle. Aber für die Statistenrolle, die er spielt, ist es natürlich, ja,
Florian Bayer: die Sätze, die er sagt,
Johannes Franke: sind auf den Punkt. Aber er hat sonst nicht viel. Er kriegt ja keinen Charakter groß.
Florian Bayer: Matthias kriegt einen großartigen Moment, finde ich. Und zwar, wenn die Mutter von ihrer ersten Nacht oder, keine Ahnung, von der ersten Nacht, von der wir wissen, von Reto nach Hause kommt. Und Matthias fällt ihr so in die Arme und klammert ihren Rock und sagt, Mama, wie schön, dass du da bist, wie schön, dass du da bist. Und sie ist total genervt davon. Sie hat keine Kamera dabei, um das festzuhalten. Deswegen bringt das überhaupt nichts. Und dieser Moment, wo man sieht, dass er Liebe braucht, dass er einfach Zuneigung braucht.
Johannes Franke: Natürlich, ja.
Florian Bayer: Und ich finde, das ist wirklich eine schmerzhafte Szene, weil er sich so krass an sie klammert und so sehr nach ihrer Zuneigung sucht. Und sie ist nur so, das reicht, das reicht. Hör auf, es ist genug, weg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Fand ich eine harte Szene und ich finde, das ist... Er kriegt diese eine Szene und das finde ich gut. Und klar, sonst macht er halt nicht viel. Es ist halt ein kleiner Junge. Er ist der kleine Bruder, ist der kleine nervige Bruder.
Johannes Franke: Aber auch hier muss ich schon wieder sagen, ich finde, da hätte der Film intensiver sein können.
Florian Bayer: Ich finde, das ist genau die richtige Portion, weil es gibt noch ein paar mehr Momenten, wo man sagt, ja, da könnte man das auch noch ein bisschen härter machen. Aber ich finde es gut, dass die Mutter eine gewisse Nuancen behält. Aber dazu kommen wir gleich.
Johannes Franke: Jetzt ist nochmal eine andere Nummer. Da hast du absolut recht. Bei der Mutter, da kommen wir gleich zu. Genau. Ja. Der junge Schauspieler, ja, ist okay. Ist jetzt nicht der beste Schauspieler, aber braucht man auch an der Stelle nicht.
Florian Bayer: Moment, einmal kurz den Namen sagen. Finisht. Oh nein. Ewa Olila. Okay. Spielt in Matthias. Dann haben wir den Vater von Jani Wolanen gespielt. Ja. Okay, jetzt wird es erstmal, als erstes tatsächlich interessant.
Johannes Franke: Der ist zwar nicht da, aber natürlich absichtlicherweise nicht da. Ja. Der hat sehr viele Szenen, in denen er in der Tapete verschwinden will.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich finde es total süß. Kennst du diese Bilder, wo Leute sich mit dem gleichen Shirt, mit dem gleichen Muster vor der Tapete fotografieren?
Florian Bayer: Du hast so viele Wes Anderson Filme gesehen.
Johannes Franke: Aber genau das ist es doch, oder?
Florian Bayer: Absolut. Was ich an seiner Figur ganz interessant finde, da können wir ganz kurz drauf kommen, weil das ist eine Frage, die man bei solchen Setups immer stellen kann, steckt in seiner Figur eine gewisse Misogynie. Weil er ist der Pantoffelheld und diese Dysfunktionalität der Familie. jetzt sehr stark auf das narzisstische Verhalten der Mutter geführt. Und seine Rolle ist vor allem, er ist der schwache Pantoffelheld und deswegen widerspricht er seiner Frau nicht und deswegen kämpft er nicht gegen seine Frau. Und es ist so ein bisschen, könnte man das Narrativ da drauf hopfen, wenn die Männer ein bisschen stärker wären, ein bisschen selbstbewusster und sich nicht so unterbuttern lassen würden von ihren Frauen, Postfeminismus und so weiter, wäre die Welt nicht ein bisschen gerechter, weil die Frauen dann nicht so schlimm narzisstisch und traumatisierend sein können für die armen Kinder.
Johannes Franke: Ja, völliger Quatsch. Nee. Um Gottes Willen. Nein, oh Gott, ich fühle mich schmutzig, Flo, was machst du da?
Florian Bayer: Aber wir kennen dieses toxische Männlichkeitsbild, dass über Männer gelacht wird und gelästert wird, weil sie bei ihren Frauen unterm Pantoffel stehen. Und das ist ja, er ist ja voll der Pantoffelheld. Naja. Das ist das Musterbeispiel davon, ne?
Johannes Franke: Also ich könnte dem auch noch eine dritte Ebene geben. Ich habe das Gefühl, dass die von Anfang an eine Vereinbarung hatten als Pärchen. Nämlich, dass sie eben dieses Instagram-Pärchen sind. und eigentlich sich finden für dieses Instagram-Ding. und dass er seine eigene Welt durchaus gerne aufmacht. Dass es nicht einfach nur sich über sich ergehen lassen ist, sondern guck mal, ich habe meine Gitarre, ich bin froh.
Florian Bayer: Das ist ja eher so eine Flucht. Er sitzt da mit den Kopfhörern und hat seine Gitarre versunken.
Johannes Franke: Das wissen wir nicht.
Florian Bayer: Wissen wir nicht.
Johannes Franke: Und deswegen würde ich die Chance auf diese dritte Ebene durchaus offen lassen. Auch wenn der Film den nicht genauer anschaut und so, aber die Möglichkeit besteht, weil ich schon das Gefühl habe, dass wir in einen Moment in diesen Film hineingehen, in deren Geschichte hineingehen, wo... den beiden irgendwie klar ist, dass sie da einen Deal haben. Er macht seins und sie macht ihr. Absolut.
Florian Bayer: Er weiß ja von ihrer Affäre. Ja, genau. Wir erfahren das ja ziemlich schnell, dass ihm klar ist, was da passiert. Und es wird im Film natürlich so ein bisschen so geframed, dass das, was sie macht, da moralisch verwerflich ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Andererseits, wenn wir uns natürlich an... Also sie macht auch einiges Moralisches, Verwerfliches im Zuge dieser Affäre. Aber wenn wir uns im Film dieses Setup anschauen, ohne dass es ausgesprochen wird, könnte man sagen, die leben einfach eine offene Beziehung. Er ist damit einverstanden, dass sie ihre Affäre hat. Dass er offensichtlich niemals eine Affäre haben würde, weil er halt einfach so eingekapselt ist, ist nochmal eine andere Geschichte. Aber grundsätzlich scheint es eine Funktionalität darin zu geben.
Johannes Franke: Aber es scheint ungesund zu sein, weil sonst würde er mehr tun. Ja. Sonst hätte er mehr Action oder mehr eigene Agenda oder eigenes, du machst deins, ich mache meins, guck mal hier, das ist meins. Außer die Gitarren.
Florian Bayer: Ja. Was natürlich krass ist auch, dass er für die Kinder nicht wirklich präsent ist. Dass sich das ganze Leben der Kinder auch um die Mutter herum dreht.
Johannes Franke: Insofern kann ich mir auch vorstellen, dass das Teil der ganzen Deal-Nummer geworden ist mit der Zeit oder ob das am Anfang so war, keine Ahnung. Deswegen ist er für mich ja auch so ein, er ist ja nicht nur Pantoffelheld, sondern durch seine Inaktivität ja auch irgendwie...
Florian Bayer: Fast schon wieder aktiver Bösewicht der Geschichte. Der schlichten Tiefen Mittäter, wenn wir sehen, was die Mutter mit ihrer Tochter macht. Ja,
Johannes Franke: natürlich. Und wie man im richtigen Moment... sagen kann, ich bin dann mal wieder an meinen Kopfhörern, tschüss.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Weißt du, das ist schon krass.
Florian Bayer: Das ist ziemlich hart. Sich komplett aus der Verantwortung rausziehen. Genau. Und auch, er scheint ja kein dummer Mensch zu sein. Er muss doch sehen, dass da Dinge schief laufen und sich da nicht schützen, vor seine Kinder zu stellen. Man hat so das Gefühl, die Mutter könnte den Kindern vor seinen Augen die Kehle aufschlitzen und er würde lächelnd da sitzen und sagen, Schatz, du weißt schon, was am besten ist. Genau. Ja.
Johannes Franke: Ist das glaubwürdig? Also ist seine Art und Weise der Abwesenheit zumindest im letzten Drittel des Films glaubwürdig?
Florian Bayer: Ja, es gibt solche Väter.
Johannes Franke: Ist das so?
Florian Bayer: Es gibt solche Väter. Es ist Satire, es ist übertrieben, es ist überspitzt, aber das gibt es. Und das haben wir glaube ich auch in diesen bürgerlichen Kreisen, in unseren bürgerlichen Kreisen, in unserem Alter. Wir sind Vateralter. Leute unserer Generation. Hat man das gar nicht so selten, wo einfach die Frau... nach wie vor den Haushalt schmeißt, das meiste der Care-Arbeit macht und die Väter nicht wissen, was ihre Kinder am nächsten Tag in der Schule haben, was sie mitnehmen müssen. Und wo die Väter dann auch sagen, solange ich so wenig weiß, muss ich mich nicht so weit einbringen. Und ja, ich gebe dann die Möglichkeit auf, an der Erziehung aktiv mitzuwirken. Aber die Mutter entscheidet.
Johannes Franke: Das ist die eine Perspektive. Klar, das ist die eine Ebene, in der wir sagen, okay, das ist ein Vater, der sich aus allem rauszieht. Aber eigentlich gibt es ja noch diese andere Ebene, die eigentlich mitlaufen sollte, nämlich dass das eine perfekte Familie sein soll. Und er ist ja kaum da, wenn sie jetzt den Livestream macht da mit dem Turnen und dieses Ganze. Irgendwie findet er nicht so richtig statt. Und ja, das soll was sagen, aber innerhalb des Gefüges, was der Film aufmacht, ist er dann doch so wenig da, dass das nicht mehr aufgeht, das eigentliche Konzept.
Florian Bayer: Aber das ist ja der Gegensatz zwischen dem, was in den Videos ist und dem, was in der Realität ist. Weil in den Videos ist er ständig präsent. Und für die wichtigen Sachen. Wie kann er denn da präsent sein, wenn er nicht da ist? Na, weil sie drehen jetzt ein Video und dann holen sie ihn kurz zwei Minuten ab aus seinem Arbeitszimmer, damit er mit ihnen auf der Couch sitzt und lacht und danach ist es wieder vorbei.
Johannes Franke: Ja, was für ein krasses Bild, ne?
Florian Bayer: Und zu den Veranstaltungen von Tynia muss er ja auch gehen. Wenn sie das große Turnen hat, dann ist er auch dabei.
Johannes Franke: Aber warum machen die das nicht? Warum zeigen sie nicht im Film, das wäre doch geil, oder? Warum, nimm doch eine Szene dann. Das meine ich mit, geh noch tiefer rein, mach noch mehr, geh noch einen Schritt, mach noch eine Schippe drauf.
Florian Bayer: Dass sie wirklich genau den Gegensatz zeigen. Der ist irgendwo in seinem Kämmerlein, die beschließen, dass sie ein Video drehen, holen ihn für zwei Minuten und dann schließen sie ihn wieder ein. Aber das sehen wir doch. Wir sehen es halt verkleidet in dieses kittige Video, aber sie überfallen ihn. Sie laufen lachend zu ihm. Sie holen ihn mit sich und dann ist es vorbei und dann jagt er noch den Vogel mit und dann ist er wieder komplett raus. Und wir haben immer wieder diese Szenen, wo wir sehen, wie er versucht, irgendwie mit seinen Kindern, nee, wo er es nicht versucht, wo es die Chance gibt, dass er mit seinen Kindern interagieren könnte.
Johannes Franke: Aber es nicht macht.
Florian Bayer: Aber er schafft es nicht. Es gibt überhaupt keine Kommunikationsebene zwischen ihm und Tinja.
Johannes Franke: Ich finde, die eindrucksvollste Szene ist eigentlich, wenn er reinguckt in das Zimmer und glaubt, dass sie ihre Tage haben. Und dann wirklich draufguckt und sagt, oh, tschüss.
Florian Bayer: Ja, genau das. So richtig. Nicht mein Ding. Damit habe ich nichts zu tun.
Johannes Franke: Meine Güte, das ist wirklich hart. Da wirklich gar nicht drauf einzugehen und zu sagen, jo, ihr macht das schon. Und wir sehen auch nicht, wie er irgendwie zur Mutter oder sowas geht und sagt, lass uns mal darüber reden oder sowas. Sondern wirklich sich wieder zurückzieht in sein eigenes Dingens. Und ja, das ist schon echt hart. Okay. Ja.
Florian Bayer: Kommen wir zu unserer Mutter. Gespielt von Sophia.
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt, wie das aussieht. Und los. Heikele. Heikele, sehr schön. Also was ich toll finde an ihr ist, dass sie wirklich komplett den Horror nicht mitspielt, sondern ihre eigene Welt ist. Sie ist komplett in ihrer eigenen Welt. Sie bügelt über alles drüber weg, was irgendwie für uns dramaturgisch als Horrorfilm darstellen könnte. Sondern sie sagt einfach, ja, guck mal, hier ist doch alles schön, da ist doch alles schön. Und dann geht sie wieder, also sobald die Kamera an ist und wenn sie wieder aus ist, dann hat sie auch ihre eigene Welt, die halt anders aussieht. Aber nichts, hat nichts mit dem Rest des Films zu tun. Finde ich sehr gut. Ich finde es ganz geil, dass man sieht,
Florian Bayer: dass es immer so diese Momente gibt, wo man sieht, sie will eigentlich das Richtige machen. Sie versagt dabei vollkommen. Sie macht immer das Falsche. Aber sie will, dass ihre Tochter erfolgreich ist und sie ist, glaube ich, fest davon überzeugt, dass ihre Tochter auch beim Turnen erfolgreich sein will. Und sie sieht, glaube ich, auch wirklich nicht, wie sie sie fertig macht mit dem Druck, den sie auf sie ausübt.
Johannes Franke: Wobei ich bei dem Turnen zum Beispiel hatte ich den Eindruck, dass sie dann doch ab und zu mal unsicher war, was sie jetzt machen soll. Und zwar auch aus dem richtigen Motiv heraus. Was ist jetzt das Richtige? Wie kriege ich die Situation gelöst? Natürlich schafft sie es nicht so, aber im Spiel, und da war ich dankbar für, dass sie dann gespielt hat, als Schauspielerin einfach entschieden hat, nee, ich will erst mal das Richtige machen. Auch wenn es nicht klappt.
Florian Bayer: Wir haben diese merkwürdigen Momente von Versuch der Empathie. Zum Beispiel, wenn Tinja bei ihr steht und sagt, ich mache das falsch mit dem Turnen, guck mal da im Video, da sieht man, dass ich die Hände so komisch halte. Und ihre Form der Empathie ist zu sagen, wir schneiden es so. Dass man es nicht mehr sieht. Wir können das alles an der Seite ein bisschen abschneiden. Und das ist total lieb gemeint und das ist natürlich komplett falsch. Meine Güte.
Johannes Franke: Nicht etwa, komm, ist doch nicht so schlimm. Mach dir keine Sorgen, du bist nicht perfekt und du musst es nicht sein. Nein, so einen Satz muss man nicht sagen. Nein, man sagt, das war ein Riesenfehler, aber den können wir irgendwie nach draußen hin glatt bügeln.
Florian Bayer: Scheiße. Wir haben diesen geilen Moment, wo wir merken, es gibt wirklich ein Mutter-Tochter-Bonding und sie merkt nicht, dass ihre Tochter da eigentlich nur mitspielt, weil sie irgendwie die Liebe von ihrer Mutter will. Das ist richtig hart. Wenn sie zusammen diese Videos gucken und man merkt so, Tinja hängt sich so an sie und dann gucken sie zusammen fröhlich dieses Video und man merkt einfach, Tinja macht das mit, weil sie merkt, dass ihrer Mutter das wichtig ist und die Mutter denkt tatsächlich, das ist ein schöner Tochter-Mutter-Moment. Noch krasser, wenn sie Tinja von der fucking Affäre erzählt. Das ist richtig hart. Und wirklich, der Mensch, der ihr am wichtigsten ist, ist offensichtlich Tinja. Weil das ist der Mensch, dem sie sagt, hey, ich bin verliebt. Aber vielleicht, wenn du eine Affäre hast mit einem Handwerker und deine Tochter Angst hat, dass die ganze Familie zusammenbricht, solltest du ihr nicht fröhlich erzählen, dass du verliebt bist in einen anderen Mann.
Johannes Franke: Vor allem solltest du nicht fröhlich erzählen, dass es das erste Mal ist,
Florian Bayer: dass du jemanden liebst. Vor allem nicht deiner Tochter, die du lieben solltest. Ja. What the fuck? Und das ist so krass, weil wir merken in diesem Moment, zum einen merken wir, dass wirklich Tinja die wichtigste Person in ihrem Leben ist. Sie ist so fokussiert auf Tinja. Wirklich, Tinja ist der Mensch, der ihr am meisten bedeutet. Tinja bedeutet ihr auch mehr als ihre komische Affäre, ihr Reto. Sie liebt Tinja auf ihre Weise.
Johannes Franke: Sie kriegt es aber nicht hin, das zu kommunizieren oder so, ne?
Florian Bayer: Sie kriegt es überhaupt nicht hin, zu kommunizieren. Und sie verhält sich dabei natürlich total falsch. Es ist der Mensch, der ihr am meisten bedeutet. Aber das heißt nicht, dass du sie behandeln musst, als wäre das deine 30-jährige beste Freundin, der du erzählst, ey, ich bin verliebt, ich hab eine Affäre, ist das nicht toll? Weil deine Tochter wird denken, shit, was ist mit Papa, was ist mit unserer Familie?
Johannes Franke: Ich glaube, der Fehler ist tatsächlich etwas, was häufiger vorkommt, als wir so annehmen wollen. Menschen, die, also vor allem Elternteile, die ihre Kinder ab einem bestimmten Alter als Kumpels begreifen, die sie einfach nicht sind. Das ist immer noch ein... Ein Elternteil-Kind-Verhältnis, das kann man nicht einfach so auflösen und sagen, du bist jetzt mein langjähriger Kumpel.
Florian Bayer: Mein Partner ein Crime, das ist ja vor allem das Problem. Ja,
Johannes Franke: ja, ja, genau. Geheimnisträger zu sein als Kind ist so hart, oder? Ich weiß nicht, ob du das als Kind mal warst, aber das ist so, oh, fuck, Alter.
Florian Bayer: Aber das finde ich wirklich übel auch, ja, die sich in die Ecke drängen. Ich bin ein Vater, der dazu neigt, auch ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Sohn zu haben. Und ich glaube, ich bin auch jemand, der versucht, einem Kind auf Augenhöhe zu begegnen.
Johannes Franke: Ich glaube,
Florian Bayer: man kann das auch schaffen, ohne dass man einem Kind die Sorgen der Erwachsenenwelt mitgibt und ohne dass man einem Kind dieses Unmachtsgefühl gibt, dass es dem ausgeliefert ist, was die Eltern und Erwachsenen machen.
Johannes Franke: Das muss man halt sehr differenziert machen. Du musst es halt nicht aus Impuls machen, sondern du musst dir halt gut überlegen, wie du es machst und was du machst. Und du musst ein psychologisches Gespür dafür haben.
Florian Bayer: Das ist ein extrem schmaler Grad definitiv und die Mutter hier macht das. Das ist halt die ganze Zeit falsch. Und selbst wenn sie es teilweise aus edlen Motiven macht, wir kriegen auch ihre düsteren, kalten Seiten zu sehen, auch ihrer Tochter gegenüber, wenn sie wirklich so erbarmungslos mit der übt. Und wir sehen, Tinja hat schon Schwielen an den Händen. Und die Mutter sagt trotzdem noch mal, noch mal, weiter, weiter.
Johannes Franke: Es ist ja nicht ganz ungewöhnlich. Ich war auf der Artistenschule, ich kenne das. Du hast dann schon Wunden hier und da, weil du was so oft, so oft, so oft machst. Und du machst das weiter. Du machst das einfach weiter. Du musst dann bestimmte Taktiken anwenden, damit die Wunden nicht so schlimm werden, dass du dann länger ausfällst. Aber das ist nicht, das kennt man so.
Florian Bayer: Krass ist, dass wir hier das Gefühl haben, die Tochter lebt den Traum der Mutter. Natürlich. Wir erfahren, dass die Mutter Eiskunstläuferin war.
Johannes Franke: Und dann musste sie aufhören und konnte es nicht weitermachen. Ich finde ganz gut, dass der Film dann nicht zu sehr drauf geht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also wir kriegen das implizit mit, aber es... ist nur so in zwei, drei Sätzen irgendwo mal erzählt und dann taucht es irgendwo nochmal so ein bisschen auf. Aber es ist jetzt nicht so, dass es ein großes Gespräch darüber gibt, dass sie ihren Traum aufgeben musste und jetzt die Tochter und so. Also das gibt es Gott sei Dank nicht.
Florian Bayer: Aber das wird uns schon ganz eindeutig erzählen. Die Geschichte ist auch ganz viel die Geschichte dieser Mutter, die ihren fehlenden Erfolg dadurch kompensiert, dass sie den Erfolg der Tochter extrem pusht und sie dabei extrem unter Druck setzt. Aber auch sie kriegt nachher noch ihren Heldenmoment. Und ich glaube, da kommen wir noch, wenn wir zum Monster-Horror kommen, denn es handelt sich immer noch um einen Horrorfilm. Es ist ein Horrorfilm, es ist ein Genre-Film, ohne jeden Zweifel. Sie kriegt ihren Heldenmoment und das finde ich tatsächlich wieder sehr witzig, dass sie das zumindest zeitweise dann gegen Ende so inszenieren, dass Mutter und Tochter vereint gemeinsam auf die Jagd gehen und sagen, ey, wir haben hier dieses Monster im Haus und wir machen das jetzt kalt. Und sie sagen natürlich zu ihren beiden Männern, die nichts auf die Reihe kriegen, ihr versteckt euch. Die sehen so geil aus, weil die beiden natürlich, die sehen sich so wahnsinnig ähnlich.
Johannes Franke: Dieses Casting ist so geil. Die beiden Männer nebeneinander, also der Junge und der Mann nebeneinander, was sie anhaben zusammen ist geil. Wie die vor der Tapete stehen ist geil.
Florian Bayer: Es ist großartig, wie die so richtig schluffimäßig so völlig ahnungslos, was machen wir jetzt? Geht mal wieder ins Zimmer. Und dann haben wir wirklich diesen Mutter-Tochter-Moment zum ersten Mal, wo er ehrlich wirkt, nämlich als sie das Monster gesehen haben. Die Mutter stellt fest, da ist dieses Monster und das Monster rennt weg in der Wohnung irgendwo rum und Tinja und ihre Mutter umarmen sich in dem Moment. Die Mutter umarmt ihre Tochter, als sie gesehen hat, als sie verstanden hat, dass da diese Monstrosität ist. Immer noch die falschen Gründe und so weiter, aber wir haben hier einen ehrlichen Mutter-Tochter-Moment und sie sagen, okay, und jetzt gehen wir gemeinsam auf die Jagd und killen dieses Monster und es ist wirklich so ein Moment, wo es einfach es ist halt total böse, weil sie ist ja schuld daran, dass dieses Monster entstanden ist. Aber wir haben diesen Chakramoment und wir haben kurz dieses Mutter-Tochter. Wenn sie sich vorgenommen haben, was zu machen, dann machen die das jetzt auch gemeinsam.
Johannes Franke: Weißt du, das ist aber natürlich implizit das falsche Ding. Die Mutter denkt natürlich sofort, ja, wenn ich jetzt das Monster töte, ist alles wieder genauso wie vorher.
Florian Bayer: Natürlich, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und das ist so Es ist natürlich ein toller Erkenntnismoment für den Zuschauer zu sehen, aha, okay, die Taktik der Mutter ist natürlich folgerichtig, einfach alles killen, was neu kommt, damit das wieder das alte wird. Das funktioniert natürlich nicht.
Florian Bayer: Auch die Taktik von Tinja. Natürlich,
Johannes Franke: ja. Tinja. Tinja. Wie findest du die Schauspielerin? Ich find sie richtig gut. Ich find sie auch richtig gut.
Florian Bayer: Ich war richtig begeistert von ihrem Spiel und das ist krass. Bergholm hat gesagt, sie haben wirklich, wirklich, wirklich viele Kinder gecastet. Ja,
Johannes Franke: über 1500.
Florian Bayer: Sie haben lange und große Castings gemacht. Ja. Und die Darstellerin von Tinja, Siri Solalina, Entschuldigung, nochmal. Ja, ich versuch, ich will's einmal richtig sagen. Siri
Johannes Franke: Solalina. Im Finnischen werden die... Buchstaben, wenn sie zweimal hintereinander kommen, tatsächlich auch zweimal gesprochen.
Florian Bayer: Ich hab's versucht. Ciri. Solalina. Sie heißt nicht wie ein Apple-Produkt, sondern sie hat zwei Is in der Mitte. Ciri. Sie hat keine Schauspielerfahrung.
Johannes Franke: Sie hat gar keine Schauspielerfahrung. Null. Aber das Tolle ist, und das kommt dem Film so gut, so sehr zugute, sie ist Synchronschwimmerin. Ja. Also keine Turnerin, ne? Aber sie hat so eine gute Körperlichkeit. Ich bin so begeistert davon. Das macht sie wirklich sehr gut und setzt sie sehr gut ein.
Florian Bayer: Und sie macht in diesem Sie macht sehr viel mit ihrem Körper in diesem Film. Und sie hat eine riesige Herausforderung, weil, Spoiler, wir haben euch gewarnt, sie spielt natürlich zwei Rollen, weil das Monster wird auch irgendwann von ihr gespielt. Und ich finde, sie schafft es in jedem Moment, diese unterschiedlichen Persönlichkeiten, die natürlich auch krass sind. Wir haben liebe Tinja, das gute Kind, und wir haben das böse Monstrum, das da im Hintergrund entstanden ist. Sie schafft es, die jederzeit glaubwürdig zu spielen. Nicht nur, dass man sie einfach auseinanderhalten kann, sondern dass man im Monster auch den Schmerz sieht und dass man in Tinja auch das Monster sieht.
Johannes Franke: Und es ist nicht so, dass ich von Anfang an, wenn das Monster von ihr gespielt wird, sofort sage, ah, das ist ja jetzt die Schauspielerin. Sondern die haben es geschafft, den Übergang, also vom Vogel zur Schauspielerin, so gut zu machen, dass ich zwischendurch denke, wer ist das denn? Und die sieht ja so ein bisschen so aus, aber ist die das? und so. Dass man so langsam reinkommt. Ich fand das sehr gut gemacht, muss ich sagen. Aber über das Monster reden wir auch.
Florian Bayer: Wir müssen über das Monster reden. Wir müssen einfach über den Horror reden, zu dem wir kommen.
Johannes Franke: Erstmal über Tinja noch, weil Tinja ist wirklich, die Schauspielerin ist toll. Ich finde, die macht das sehr, sehr gut. Und ich habe ab und zu mal, so nur ein kleines bisschen Grain of Salt, ab und zu mal das Gefühl, dass sie in der Szene ist und nicht genau weiß, was sie spielen soll. Aber das ist sehr selten. Und das ist bei Kindern öfter so in Filmen. Weil Kinder oft nicht alles... 100% durchdenken können, weil das Drehbuch ist erstmal überfordernd und in dem Alter hast du nicht den Überblick und dann weißt du auch nicht in jeder Situation genau, was du spielen sollst. Und deswegen war ich nicht ganz sicher, dass das immer so 100% funktioniert. Aber es passt auch ein bisschen zu ihr, weil die Situation sowieso überfordernd ist für sie.
Florian Bayer: Ich wollte gerade sagen, es ist ja eigentlich auch, aber das meinst du wahrscheinlich nicht, die Figur Tinja, die nicht weiß, was sie tun soll. Das ist was anderes. Das ist das Hauptcharaktermerkmal von Tinja, dass sie in Situationen ist, denen sie ausgeliefert ist und dass sie nicht weiß, wie sie sich verhalten soll. und sie hat sich... irgendwelche Strategien angeeignet, um zu funktionieren, aber wir sehen die ganze Zeit diese Überforderung und diese Ohnmacht und diesen Versuch, irgendwie Standards zu erfüllen, egal ob sie jetzt mit Mädchen in ihrem Alter kommuniziert, wo sie irgendwie versucht, dazuzugehören, oder ob sie die nette Tochter gibt, oder ob sie die Leistungssportlerin gibt. Sie versucht immer, diesen Standards zu entsprechen, aber sie wird immer so, als wüsste sie nicht genau, was sie machen soll, um das zu schaffen.
Johannes Franke: Also insofern ist das auch vielleicht Also vielleicht kann es auch sein, dass ich den Blick dann nicht so, dass ich nicht allzu gutmütig auf sie raufgucke, weil ich als Schauspieler dann zu viel drin rumpule und eigentlich stimmt es gar nicht. Und vielleicht weiß sie auch ganz genau, was sie spielt in jeder Szene und es ist halt so oft dieses, ich weiß nicht, was ich machen soll. Aber ich hatte manchmal das Gefühl, dass es ein bisschen auch an der Schauspielerin hängt. Aber eine ganz, ganz kleine, kleine Marke.
Florian Bayer: Oh mein Gott, Plur. Was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit. Ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben. Gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen... Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at muss man sehen.de und florian.at muss man sehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah super, fehlt noch irgendwas? Ne, ich glaube wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Florian Bayer: Yes. Wir kommen zum Body Horror. Und zur großen Metapher, die sich über den ganzen Film legt. Dieses Ei. Tinja findet dieses Ei. Sie brütet das Ei bei sich im Nest mit ihren Tränen, im wahrsten Sinne des Wortes, mit den Schmerzen an ihren Händen. Das Ei wird menschengroß und es schlüpft dieser Vogel raus. Und im Laufe des Films, während Tinja sich um den Vogel kümmert, verändert er sich und wird menschlicher und menschlicher bis zu dem Punkt, wo er Tinias böser Zwilling ist. Eigentlich ganz traditionell. Wir haben hier das Monster aus dem Inneren. Wir haben deine böse Zwillingsschwester. Wie fandst du denn... Gehen wir mal kurz auf die verschiedenen Formen ein, die dieses Wesen hat. Wir beginnen ja eigentlich mit diesem Vogelmonstrum. Und auch mit Tricktechnik. Hier haben wir nämlich ganz klassische Special Effects. Hier haben wir ganz klassisches Monster-Design. Gustav Högen war dafür verantwortlich. Der eine erstaunlich große Filmografie hat. Und ich frage mich, wie ist er hier gelandet? Also, ich sage dir genau, wie er da gelandet ist.
Johannes Franke: Die Regisseurin hat einfach ganz stumpf gegoogelt, der beste Animatronics-Designer der Welt. Enter. Und dann hat Google diesen Namen ausgespuckt.
Florian Bayer: Gustav Högen, der unter anderem mehrere Doctor Who-Folgen gemacht hat. Johannes war sehr glücklich, als er das gelesen hat, bestimmt. Star Wars. Star Wars.
Johannes Franke: Jurassic Park. World.
Florian Bayer: Jurassic World. Prometheus. Clash of the Titans.
Johannes Franke: Also er hat schon viel gemacht. Er hat tolle Sachen und große Sachen gemacht. Und er hat auch Preise gewonnen und alles mögliche. Und Ich kann mir vorstellen, dass man sich freut, nach Finnland eingeladen zu werden. Wenn ich, gut, ich bin kein preisgekrönter Designer, aber wenn ich nach Finnland eingeladen werde, ich freue mich. Warum denn nicht? Und dann ist der Film ein schöner kleiner Film im Gegensatz zu Jurassic World. Aber bei kleineren Filmen hat man, um ehrlich zu sein, auch viel mehr kleinere Möglichkeiten, sich einzubringen und zu sagen, ich bin nicht abhängig von dem, dem, dem, dem und dem Produzenten. Und die wollen das, das, das und das. Und die wollen alle mitreden. Sondern ich kann mal wirklich das machen, was ich gerne möchte.
Florian Bayer: Ich bin sehr glücklich über diese Animatronics. Ich bin sehr glücklich, dass wir keinen CGI-Furz haben. Das würde schief gehen.
Johannes Franke: Ich bin zwar sofort wieder in den 80ern bei Jim Henson. Auf jeden Fall, total. Ich muss sofort an Labyrinth denken und so.
Florian Bayer: Vor allem, weil man merkt, sie benutzen dieselben Strategien, die auch damals benutzt wurden. Sie halten sehr viel im Dunkeln.
Johannes Franke: Ja, und auch richtig so. Es gibt nur so ein paar Momente, wo es im Hellen ist. Aber selbst da funktioniert das ganz gut. Ich muss mich aber dran gewöhnen, muss ich sagen.
Florian Bayer: Es ist halt ein monströser Vogel, der humanoid ist, aber der einen Schnabel hat, der einen Vogelkopf hat und der sich vogelhaft bewegt. Ich finde, es ist eine geile Figur, weil es einfach, also sie hat ja irgendwann dieses übergroße Ei. Und dann fragst du dich natürlich, was kommt da raus? Und frankly, ich habe damit gerechnet, dass gleich sowas rauskommt, wie ihre böse Zwillingsschwester. Wenn ich dann den Vogel sehe, denke ich, ah, okay, wir haben hier tatsächlich ein ganz klassisches kleines Filmmonster. Und ah, okay, wir gehen... diese Route. Wir zeigen hier ein ambivalentes Monster, nämlich ein Monster, das tierische, animalische Instinkte hat, aber gleichzeitig auch beschützt werden will und vor allem Tinja von Anfang an als seine Mutter wahrnimmt.
Johannes Franke: Was ich auch sehr, sehr gut finde und dem Film sehr zugute halten möchte, ist, dass Tinja tatsächlich von Anfang an zwar irgendwie angeekelt ist davon, aber es trotzdem sofort als Mutter annimmt und sagt, okay, wir müssen uns jetzt darum kümmern. Das ist jetzt da und das ist meins und es gehört zu mir und das ist jetzt das, was wie die Lage ist. So sieht jetzt mein Leben aus. Ich kümmere mich jetzt darum. Und das finde ich sehr, sehr gut. Und es passt ja auch zum Thema.
Florian Bayer: Ja, absolut. Es ist natürlich, was wir hier ganz stark auch Thema haben, ist halt auch, wieso Traumata von Generation zu Generation weitergegeben werden. Und wir merken im Laufe des Films, wie Tynja Verhalten von ihrer Mutter adaptiert im Verhalten zu Ali. Dass sie quasi, dass sie ähnlich mit ihm redet, ihn ähnlich erzieht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wobei sie zu Beginn, wenn er wirklich noch dieser krasse, hässliche Vogel ist, dann ja wirklich liebevoll mit ihm umgeht. Sie badet ihn. Ja, ja, ja. Sie zieht ihm diese Scherbe raus. Ja. Sie kotzt für ihn. Ja. Den Hundekopf gebracht hat. Womit wir die Anorexie hätten. Ja. Es ist schon auch echt ein bisschen hart, weil man dann natürlich sofort sieht, also dieses sich übergeben und dem Vogel geben,
Johannes Franke: das ist natürlich zum einen aus dem Tierreich entlehnt, aber zum anderen, es geht natürlich um Bulimie und so. Absolut. Es ist schon echt hart.
Florian Bayer: Ja. Hast du dich geekelt? Weil das sind ja wirklich die ekligen Szenen dann auch, wenn er so dieses Vogelmonstrum ist und wenn sie dann kotzt und dann haben wir den Vogel, der die Kotze aufwischt, dann haben wir den enthaupteten Hund in ihrem Bett liegen, den er gebracht hat. Ich glaube,
Johannes Franke: du hast mich langsam so ein bisschen stumpf gemacht.
Florian Bayer: Ich komme damit ein bisschen besser klar als vor zwei Jahren oder so. Deine Katzen waren auch Freigänger, oder? Die sind auch rausgegangen teilweise.
Johannes Franke: Meine letzten nicht, aber davor hatte ich ein, zwei Freigänger.
Florian Bayer: Haben die dir mal Geschenke gebracht? Ja. So in der Form auch, weil ich kenne das von, meine Eltern haben eine Katze und die bringt halt gerne Vögel und lässt dann halt auch die Köpfe der Vögel draußen liegen, weil sie die nicht so spannend finden. Das heißt, da hat man auch diesen Body-Horror-Moment, das gehört dazu, wenn man ein Haustier hat, ne?
Johannes Franke: Du weißt aber auch, dass das bei Katzen vor allem ist, dass die nicht irgendwie ein Geschenk machen oder sowas, sondern die sind der Meinung, dass du einfach der schlechteste Jäger aller Zeiten bist. Ja,
Florian Bayer: das tue ich auch. Und deswegen denken die, Alter, komm, hier. Ich leg's dir mal hin, schaust dir an, so geht das. Kannst du bitte nachmachen? Und Ali bringt den Hund ja vor allem auch, weil sie eigentlich davon ausgeht, dass Tinja den jetzt isst und sich dann übergibt, damit er sie den Hund zu fressen kriegen kann. Aber der Film legt doch nahe, dass der Vogel alle recht, die Tinja irgendwie schwierig findet, oder? Ja. Der Hund hat sie vorher gebissen. Also muss er sterben. Ja, definitiv. Ali ist natürlich der innere Dämon von Tinja. Und Ali greift ganz gezielt zum einen den Hund an, der sie gebissen hat. Zum zweiten ihre größte Konkurrentin beim Turnen. Zum dritten das Kind von Reto, heißt er, glaube ich. Das quasi von Tero. Oh Gott, Konsonanten vertauscht man auch so gerne im Finnischen. Das Kind von Tero, das natürlich eine Bedrohung ist für ihren Status als Lieblingskind ihrer Mutter. Und Matthias, ihren Bruder, der Gefahr läuft, ihr Geheimnis aufzudecken. Das sind die, die Ali angreift und das hat schon ein ganz ziemlich eindeutiges Schema, dass er sich dazu verpflichtet fühlt, für Tynia auf die Jagd zu gehen.
Johannes Franke: Ja, genau. Es ist ja auch natürlich die folgerichtige Nummer, wenn es um eine Metapher geht. Also es ist ja ihr innerer Dämon, also klar macht er das.
Florian Bayer: Aber ich finde, das funktioniert erstaunlich gut, vor allem weil diese Mutation von Ali, von Vogel-Menschen-Hybriden zum ganzen Menschen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wird in guten Abstufungen erzählt.
Johannes Franke: Total gut, ja. Also ich finde das Design, wir sind wieder bei Gustav Högen, der ist einfach, der macht das sehr, sehr gut. Ich finde diese Zwischenstufe, wo so die Zähne noch an den Seiten zu sehen sind, total ekelhaft, aber sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Die Haare, es kommen ja zuerst die Haare. Das finde ich so krass, wenn du dann siehst, oh shit, der kriegt gerade Menschenhaare und dann ist eigentlich schon klar, okay, es geht in welche Richtung. Übrigens um noch einen zweiten großen Namen zu nennen, wichtigen Namen. Conor Sullivan, der... Auch schon für Oscars nominiert war, war für die Maske verantwortlich.
Johannes Franke: War auch sehr gut gemacht, ja.
Florian Bayer: Und Connor O'Sullivan hat
Johannes Franke: Dark Knight, Game of Thrones. Genau. Ja, ja, solche Sachen. Also auch zweifach Oscar mal nominiert.
Florian Bayer: Und wir haben den, der Übergang funktioniert auch gut, weil es wirklich so ein bisschen nahtlos ist, wie es von dieser Animatronic übergeht zum Monster, das dann von der Darstellerin von Tenia gespielt wird.
Johannes Franke: Die Puppe wurde übrigens von einem Team gemacht, ne? Also fünf Puppenspieler. Mit Stäben. Also teilweise, je nachdem, welche Version davon. Und Hülken hat dann noch die Mimikperfantsteuerung gemacht.
Florian Bayer: Man findet ganz spannende Bilder dazu, wie online. Bergholm selbst hat auf ihrem Instagram-Profil einige Bilder geteilt von den Dreharbeiten. Sie ist auch ganz stolz. Sie hat ganz viel berichtet. Ja,
Johannes Franke: kann ich mir vorstellen. Es ist ja auch, haben wir es gesagt, es ist ein Debütfilm? Haben wir gesagt, glaube ich. Debüt langen Film. Also er hat vorher Kurzfilm gemacht und auch diese TV-Sache da gemacht. Aber ich weiß nicht, in welcher Reihenfolge die TV-Sache zu diesem Film steht. weil das im selben Jahr irgendwie... Ich weiß es nicht ganz genau. Aber es ist für einen ersten großen Film, es ist wirklich erstaunlich gut, muss man wirklich sagen. Also es ist wirklich toll dann dafür.
Florian Bayer: Ja, auch für eine finnische Indie-Produktion. Es sind wirklich gute Effekte, es ist gute Maske. Und es ist so verführerisch in unserer Zeit, wo man sehr viel mit CGI machen kann, wo man auch nicht so ein großes Budget braucht, das dann am Computer zu machen. Und dann sieht es halt oft leider doch crappy aus, weil die Beleuchtung nicht so 100% stimmt, weil es nicht so perfekt ins Geschehen eingebunden ist. Es macht schon viel aus, dass sie hier auf Practical Effects zurückgegriffen haben. Total.
Johannes Franke: Aber bist du sofort damit klargekommen, weil um den Bogen nochmal zu schlagen, ich hab bestimmt 10 Minuten gebraucht, um das Monster wirklich so anzunehmen. Weil man das nicht mehr so kennt und weil Jim Hansen natürlich in den 80ern eine andere Welt aufmacht,
Florian Bayer: als ich das heute habe.
Johannes Franke: Die 80er sind ein bisschen trashig und so ein bisschen einfach... Die Assoziation ist eine andere und deswegen ist der Film vielleicht auch ein bisschen, braucht sich da ein bisschen.
Florian Bayer: Was mir geholfen hat, ist, dass ich solche Filme aus dem Low-Budget-Bereich und auch gerade so aus dem europäischen Kino in den letzten Jahren auch öfter gesehen habe. Und verschnichen der Qualität, das ist es halt auch. Filme, die gut sind, auch die so ein bisschen mit Animatronics und mit Special Effects eher so aus den 80ern arbeiten, die aber nicht ganz diese Qualität haben. Deswegen habe ich ihn eher als einen Also herausstechend gut wahrgenommen im Vergleich zu denen.
Johannes Franke: Ich finde es auch wahnsinnig gut, aber ich brauchte halt mich daran zu gewöhnen. Und dann liebe ich es halt total. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass es keine CGI ist. Obwohl ich zwischendurch gedacht habe, die Animatronics, also dass es eine Mischung ist. So beim Angucken denkt man sich, ja, die Mimik ist schon sehr gut. Wenn sie da was gemacht... Ja,
Florian Bayer: ein bisschen mit dem Computer auch nachgeholfen.
Johannes Franke: Echt? Ich glaube nicht. Ich glaube, also ich habe es nicht gefunden, dass das passiert ist.
Florian Bayer: Man sieht halt bei den Fotos von den Dreharbeiten, sieht man halt sehr viel Grün so hin und... Also, da... Auf jeden Fall muss da noch in der Post ein bisschen was gemacht worden sein. Aber tatsächlich, die starken Momente sind das, wo man auch sieht, dass es wirklich practical ist, wenn man die Maske sieht zum Beispiel. Wenn Großartige ziehen, dass Ali irgendwann der Schnabel abfällt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir natürlich das Gesicht von einer entstellten Tinja. Und so aufgerissen. Und dann, und das ist überhaupt nicht dein Feld. Dann haben wir den wirklich klassischen Body-Horror. Genau, ja. Es ist nicht meins. Uncanny. Wir haben das menschliche Monster, der Monster. tröse Mensch, der irgendwie so dazwischen ist. Ja.
Johannes Franke: Ist nicht meins. Natürlich ist es nicht meins, aber ich komme damit klar, weil der Rest des Films mich natürlich irgendwie trägt. Ja. Wenn der Film nur daraus bestehen würde, dann hätte ich nichts davon. Aber ja, der Rest der Geschichte trägt es ja.
Florian Bayer: Und ich finde es ganz cool, dass wir in diesem Monster-Setup, das wir dann haben, dann werden diese zwei ... großen Geschichten eigentlich erzählt. Und zwar zum einen das mit dem Turnen, dass sie sich halt auf das Turnen vorbereitet, da ihre Konkurrentin hat, die sie eigentlich mag, aber die als Konkurrentin halt irgendwann aus dem Weg geräumt werden muss. Und wir wissen schon, Ali wird nichts Gutes mit ihr machen. Und dann die zweite Geschichte, dass sie Tero kennenlernt, den Lover von ihrer Mutter.
Johannes Franke: Und es ist so hart, oder? Also aus ihrer Perspektive da hinzukommen. Die Mutter zieht sie noch mit in dieses Haus hinein und sagt so, wir machen jetzt hier Wochenende mit dem Kind. Oh, das ist das niedlichste Kind aller Zeiten.
Florian Bayer: Das ist das tollste Baby der Welt und wir werden es ganz doll lieb haben. Und das ist übrigens meine neue Familie und die alte ist da hinten und die vergessen wir jetzt einfach. Was zur Hölle. Und ich finde es so toll, dass sie es nicht Tero als tumpen Lover inszenieren, dass sie Tero nicht als Toy nehmen, sondern dass Tero... Vielleicht die einzige Figur in dem Film ist, die man wirklich mag.
Johannes Franke: Ja, aber es ist auch wichtig. Wir brauchen die Figur, da wäre ich glaube ich böse für den Film gewesen, wenn es nicht eine Figur gegeben hätte, die irgendwie einen Gegenentwurf macht, wo man einmal sieht, weil die Tonlehrerin kann es auch nicht sein, obwohl die sich bemüht, aber er, der einmal sagt zu ihr, es war wurscht, ob du das jetzt geschafft hast oder nicht. Wieso ist denn das jetzt wichtig?
Florian Bayer: Und guck mal, was ich hier für ein crappy Rat mache. Was soll das denn? Und du denkst so, endlich ein vernünftiger Erwachsener. Genau. Es ist cool und gleichzeitig denkt man, wie ist Tero zu dieser Mutter gekommen? Wie ist diese Affäre entstanden? Wie kann da Anziehung sein? Ich meine, er muss doch merken, was für ein Miststück sie ist. Hast du gerade ein Miststück gesagt? Ja, echt mal.
Johannes Franke: Ja, ach, wo die Liebe hinfällt. Ins Drehbuch. Ich weiß, man braucht es halt dafür. Und ich finde es aber vollkommen okay.
Florian Bayer: Es sorgt für einige wirklich schöne Szenen. Ich finde diesen Kontrast zwischen Teros Haus, das so komplett chaotisch ist.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Und dieser gelackten, inszenierten Realität, die sie zu Hause haben. Das ist großartig. Sie kommt da rein. Und ich denke, endlich eine vernünftige Wohnung. So sieht es bei mir zu Hause auch eher aus. Wo überall Zeug steht und Kisten und teilweise Kram, wo ich nicht weiß, wohin damit. Bei mir sieht es eher aus wie bei ihr. Nein, aber du hast Stil. Das ist der Unterschied. Achso, okay. Aber tatsächlich, Johannes hat Ahnung von Inneneinrichtungen. Aber Johannes hat Stil, deswegen sieht es bei Johannes nicht nach Pastel aus, sondern eher so nach Bohemian 20er.
Johannes Franke: Aber sie scheint ja auch ein Bedürfnis danach zu haben. Sonst wäre sie nicht mit ihm zusammen. Und sonst würde sie auch nicht zu ihm gehen.
Florian Bayer: Ja, das finde ich ganz spannend, dass sie tatsächlich, man merkt, die Mutter will auch irgendwie raus aus dieser Hyper-Realität, die sie sich da erschaffen hat.
Johannes Franke: Ich glaube, sie kommt da einfach nicht mehr raus. Sie hat einmal damit angefangen, das ist jetzt ihre Persona. Und da wieder rauszukommen aus diesem Selbstbild, das ist wahnsinnig schwer.
Florian Bayer: Sie schafft es ja auch nicht bei Tero. Sie bleibt ja trotzdem irgendwie diese Figur. Und dann dreht sie beim Frühstück und Tero, so, Alter,
Johannes Franke: musst du alles filmen?
Florian Bayer: Aber er sagt das noch sehr ruhig, muss man sagen. Ist nicht so, wahrscheinlich sind die wirklich erst sehr kurz zusammen, sonst wäre er schon längst ausgerastet. Naja, er ist ja sowieso voll Zen, ne? Wir haben dann ja diesen Moment, wo er über Ali stolpert und Ali hat den Schnabel verloren. Ali sieht immer noch ein bisschen restlich aus, aber schon wirklich wie Tinja. Und er denkt auch, es wäre Tinja und er sieht halt Ali kotzend im Nebenraum und Ali stürmt so kürzend. Und Marsch. quetscht ihm noch die Hand ein und Tynia ist komplett fertig, als sie das mitkriegt und geht zu ihm und sagt, jetzt willst du mich loswerden, oder? Und er sagt, nein, nein, du bist jetzt gerade, warst ein bisschen schwierig, aber wir kriegen das irgendwie hin.
Johannes Franke: Und ich finde es tatsächlich schön, weil das ja der Tynia einmal einen Glimps gibt, einmal eine Aussicht auf eine Welt, die völlig anders ist als ihre. Genauso wie eben der Moment, wo er sein crappy Rad dreht, damit sie mal sieht, was realistischer ist. Und so. Und mit ihm eben den Blick zu haben für eine Welt, wie es sein könnte und was für Optionen es gibt. Und ich finde es ganz gut geschrieben, dass sie dann tatsächlich auch sagt, hä? Ich weiß gar nicht, was du meinst. Weil sie nicht versteht, weil es kommt in ihrer Welt ja nicht vor.
Florian Bayer: Nein, sie kennt das nicht. Diese Art von Empathie, ja. Es ist absolut undenkbar.
Johannes Franke: Das finde ich ganz gut geschrieben, weil sie auch nicht einfach nur verständnislos ist, sondern auch Auch so ein Mittelding zwischen, ich weiß nicht genau, was du meinst, aber irgendwie sehne ich mich nach dem, was da gerade sich zeigt an Optionen.
Florian Bayer: Und dann ist aber die wirkliche Bedrohung da. Tynia hat diesen Dämonen jetzt an der Backe und der Dämon überfällt ihre Kontrahentin und verstümmelt sie wirklich brutal. Übrigens gut inszenierte Szene, in der man relativ wenig sieht, viel mit Schatten gespielt.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: klassische Horror-Szenen natürlich über die dunkle Straße nervös umblicken, da ist doch irgendwas, da verfolgt mich doch irgendwas.
Johannes Franke: Ich hab ein, zwei Besprechungen mir angeschaut und es sind Amis gewesen. Und die Amis haben sofort sich auf diese Szene gestürzt und gesagt, die läuft einfach alleine im Dunkeln die Straße entlang. Ich weiß ja nicht, was sie in Finnland macht, aber in Amerika ist das völlig klar, dass das niemand machen würde. Und ich so, ja, es ist halt Amerika, nicht wahr? Sie ist in Zwölf!
Florian Bayer: Natürlich läuft sie da die Straße runter. Leute, ey, Amerikaner. Und krass, und wirklich, sie sagen so, das ist total unnatürlich, was sie da macht. Das würde niemals so stattfinden in der Realität. Und natürlich würde das empfinden, dass man auch nicht das wahrnimmt, dass das möglich ist,
Johannes Franke: dass man einfach eine Straße runter geht.
Florian Bayer: Das ist echt übel. Das ist echt traurig. Na gut, Amerika, amerikanische Vorstädte. Da werden überall hingefahren.
Johannes Franke: Krass, ne?
Florian Bayer: Und hier haben wir ja noch sogar... sehr stark an dieser amerikanischen Vorstadtkultur orientiert.
Johannes Franke: Die Art,
Florian Bayer: wie sie leben und die Art, wie sie sich inszenieren.
Johannes Franke: Sie haben auch nach einer finnischen Vorstadtidylle gesucht, wo jedes Haus gleich aussieht. Ich weiß gar nicht, wie realistisch das für Finnland ist. Es gibt so Teile, wo das so ist. Ja, aber so richtig amerikanisch ist es ja auch nicht.
Florian Bayer: Aber ich finde, es ist tatsächlich es hat ein bisschen es hat was überregional ist, was wir hier sehen. Weil wir haben also diese Art, wie sie in dieser Vorstadt leben, die kann man sich gut in Amerika vorstellen. Und auch in Deutschland. Also es gibt ja auch in Deutschland diese Vor-Ost-Siedlungen, wo die Menschen so leben. Naja, auf jeden Fall, wir haben hier in dieser Umgebung perfekt passenden Horror-Szenen. Von dem lautlosen Killer, der sich anschleicht, der dann brutal wird. Es gibt ein bisschen Splatter, es gibt ein bisschen Gore, aber es hält sich in Grenzen, weil sehr vieles im Dunkeln bleibt, sehr vieles nicht aus... nicht gezeigt wird. Die Gewalt wird gar nicht viel gezeigt. Wir sehen die Folgen der Gewalt, aber die Gewalt selbst sehen wir nicht und die Gory-Effekte sind dann am ehesten die Bilder von ihrem Gesicht, wie dieser Ali irgendwie zwischen Mensch und Monster da rumläuft.
Johannes Franke: In der Phase des Films bin ich übrigens sehr dankbar über die klare Metapher, die mir die ganze Zeit klar ist, weil ich dann auf den Gedanken komme, dass auch die weibliche Aggression so selten Thema in Filmen ist. Weibliche Aggression, ganz normale Kinder werden älter, gehen in die Pubertät. Aggression spielt absolut eine Rolle. Aber die wird sowas von tot erzogen, weil Mädchen sowas nicht haben dürfen oder sowas. Und dass das hier Thema ist, finde ich total wichtig und total schön.
Florian Bayer: Das krasse ist ja, man könnte fast sagen, die Mutter ist ein Role Model, weil sie hat diese Aggression. Also sie hat das, was es braucht, um im Leben erfolgreich zu sein. Was Mädchen abtrainiert wird, was Männer oft zu viel haben. Sie hat das total. Sie ist durchsetzungsfähig. Sie lässt sich nichts sagen. Sie macht, was sie machen möchte. Sie lebt einfach ihr Leben, was gut ist. Was nur nicht cool ist, wenn du deine Kinder komplett traumatisierst damit. Und wir sehen Tinja als einen Menschen, der das auch gerne hätte. Aber Tinja ist halt komplett unter der Fuchtel ihrer Mutter, voll unsicher. Und dann ist das Monster halt die radikale Variante davon.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Und auch diese Ungelenkheit, sorry, dass ich da nochmal dazwischen gehe. Auch diese Ungelenkheit des Monsters in dieser Phase des Films. Dieses, was passiert hier mit meinem Körper? Das sich fremd spüren in seinem eigenen Körper und so. Und was ist das hier? Viel zu lange Arme und alles viel zu... Und dünn und nicht schön. Man fühlt sich nicht schön.
Florian Bayer: Voll Teenager.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Lass mich doch in Ruhe, Attitüde. Wenn Ali frisst, will sie nicht gestört werden. Kein Wunder, dass sie Tero fast die Hand bricht dabei. Ja, und es ist halt wirklich klar, wir sind voll in dieser Teenage-Ängst-Welt. Und wir haben die ganzen Teenager-Metaphern. Und das Coole ist halt, wie dann gezeigt wird, wie Tynia damit umgeht. Tynia liebt diese Seite von sich offensichtlich. Sie kümmert sich ja wirklich herzlich um dieses Monstrum.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und gleichzeitig will sie es erziehen. Sie will das machen, was ihre Mutter auch mit ihr gemacht hat.
Johannes Franke: Klar.
Florian Bayer: Und dann haben wir ja diese, wenn sie das Monster bestraft, weil sie sagt, weil das Monster ihre Freundin angefallen hat zum Beispiel und sie bestraft, indem sie sich selbst Ohrfeigen gibt. Und dieses ganz klassische schwarze Pädagogikding, sie benutzt hier ein ganz traditionelles Erziehungsmittel, das wir eigentlich überwunden haben sollten, das aber immer noch viel zu oft angewendet wird, die Ohrfeigen. Und wir merken, sie hat einfach Erziehungsstrategie, strategieren ihre Mutteradaptive.
Johannes Franke: Ja, was gibt es denn sonst, wenn sie nichts anderes kennengelernt hat?
Florian Bayer: Es ist ganz spannend, wie hier halt auch dieses Erwachsenwerden auch erzählt wird als Caring, als sich um ein anderes Wesen kümmern und dabei eben halt nur auf den Werkzeugkasten zurückgreifen zu können, den man kennt.
Johannes Franke: Ja, allerdings muss ich jetzt wieder einmal den Buhmann spielen und sagen, dass ich finde, dass alles, was wir hier haben, was wir jetzt besprochen haben, auf das gleiche... Gleis geht. Also es ist nicht so, dass wir eine große, diverse Botschaftsvielfalt haben oder sowas. Es geht alles auf die gleiche Kappe. Und irgendwie denke ich dann beim Baby zum Beispiel, okay, es ist jetzt eine Schleife zu viel fast. Weil ich dann denke, ja, ich habe die Botschaft verstanden, jetzt kommt mir noch ein Beispiel mit dem Baby und das ist nochmal etwas, was draufhaut. Es geht alles in die gleiche Kerbe und irgendwann ist die Kerbe so ausgenuddelt, dass ich denke, ja, okay, ich habe es verstanden.
Florian Bayer: Es ist ein schlanker Film, grundsätzlich, Weil er halt sagt, das... das ist mein Thema und das ziehe ich jetzt durch. Aber du hast recht, dass es natürlich dadurch Gefahr läuft, eine gewisse Redundanz zu entwickeln. Und er sagt, ja, mein Thema ist, was passiert mit dir, wenn du Teenager wirst? Und was passiert, wenn du aus diesem kaputten Elternhaus Teenager wirst? Und dann ist es ein bisschen schematisch. Dann hast du halt deine Tabelle. Die Eifersucht über einen Kontrahenten. Genau. Die Eifersucht wegen eines neuen Kindes. Die Essstörung, die Periode und so weiter. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: und Dann läuft es Gefahr, dass man das Gefühl hat, okay,
Johannes Franke: man könnte hier eine Tabelle hinlegen und das ist toll für die Schule, für den Unterricht.
Florian Bayer: Man kann hier an diesem Film sehr gut so ein Schaubild machen, wie funktioniert eine Parabel. Frage ein, was in dem Film passiert. Und was bedeutet das? Frage ein, was es bedeutet als Symbol. Und da hat er relativ wenige Überraschungen. Man sieht das und man kann das auch deuten. Ich finde, es wird sehr viel getragen dadurch, dass das die Darstellerin von Tinja so überzeugend ist.
Johannes Franke: Die ist wirklich sehr gut, ja.
Florian Bayer: Dass er halt so schlank ist. Es wird sich an keinem dieser Bilder zu lange aufgehalten. Und dadurch ist er vollgepfropft mit Bildern. Du kannst zehn Symbole aufzählen, die er drin hat. Und keines wird jetzt besonders groß auserzählt. Die Periode ist halt dieser eine Moment. Und wir haben dieses Blutbild. Und das war es schon. Aber dadurch fühlt er sich gefüllt an.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und das finde ich gut. Und ich finde es, ja, es ist diese eine Richtung. Und es ist sehr straight ahead. Mhm. Aber dafür läuft es auch wirklich genau in die richtige Richtung.
Johannes Franke: Ja, ich meine, es gibt genug Filme, die wirklich einmal auf eine Schiene gesetzt werden und dann fährt der Zug.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und es gibt auch sehr gute Beispiele und es gibt halt wesentlich schlechtere Beispiele als diesen Film. Es muss nicht per se bedeuten, dass der Film schlecht wird, nur weil er nur einen Gleis bedient. Aber irgendwie weiß ich nicht. Ich denke am Ende halt so, ja, okay. Habe ich verstanden. Habe ich aber auch schon nach der ersten halben Stunde verstanden.
Florian Bayer: Man hat es relativ schnell verstanden und dann ist die Frage, macht man diese Fahrt trotzdem mit?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und natürlich bin ich als Horror-Fan, sehe ich auch einfach die klassischen Horror-Momente, die Horror-Drops halt nicht. Ich bin halt kein Horror-Fan und mir ist dann, okay, gut, die hat jetzt ein zerschossenes Gesicht, gut, will ich nicht sehen. Ist mir egal. Und um es vielleicht nochmal dazu zu sagen, es ist wirklich gut in dem Genre, dass wir in den letzten Jahren immer öfter auch so dezidiert weibliche Perspektive hatten. Ja, natürlich. Auch in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, das ist gut.
Florian Bayer: Das fehlt dem Genre. Das Horrorgenre ist ein sehr maskulines Genre und da ist in den letzten Jahren extrem viel passiert und zwar nicht nur die, wir erzählen von Frauen, aber das wird eigentlich aus der Perspektive von Männern erzählt, sondern wirklich eine Frau erzählt aus der Perspektive einer Frau oder eines Mädchens und eröffnet dadurch auch einfach Perspektiven, die wir so vorher noch nicht hatten. Natürlich ist das geschlechtsübergreifend sowas wie Bulimie kommt auch bei Jungs vor in der Pubertät, Unsicherheiten und... Angst, alles falsch zu machen und so weiter. Das kommt alles auch bei Jungs vor, aber es ist natürlich spannend, das so sehr klar aus einer weiblichen Perspektive und mit einer weiblichen Protagonistin zu sehen.
Johannes Franke: Sind wir denn schon so weit, dass wir in unsere Top 3 rübergehen?
Florian Bayer: Lass uns mal kurz noch über das... Pass auf, wir reden nach der Top 3 über das Ende des Films. Dann haben wir nämlich einen schönen Block zwischen Top 3 und unser Fazit. Jetzt wirst du richtig dramaturgisch. Dschingel.
Johannes Franke: Unsere Top
Florian Bayer: 3. So, wir haben eine Top 3. Und zwar die Top 3 zwischen Mensch und Tier.
Johannes Franke: Aber wie interpretieren wir das?
Florian Bayer: Natürlich, habe ich so offen gelassen, dass ich meine Monster-Horrorfilme bringen kann. Und du komplett andere Sachen, wo die Beziehung zwischen Flipper und seinem Jungen gezeigt wird. Ich habe Flipper jetzt nicht mit reingenommen. Gott sei Dank.
Johannes Franke: Aber ich habe kurz drüber nachgedacht.
Florian Bayer: Ich habe drei Horrorfilme. Ja. Und drei Horrorfilme, die sich damit befassen, wie Mensch und Tier eng beieinander sind. Und Menschen auch manchmal Tiere sind. Und auch, ja vor allem Body-Horror. Mensch, Tierhybriden.
Johannes Franke: Okay, ich fange mal an, würde ich sagen. Ich habe Black Swan als Nummer drei, weil das natürlich klar der Film ist, der genau in diese Richtung geht und genau dieses Gefühl von ich gehe in einem anderen Wesen auf und das Animalische in mir bahnt sich durch.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: das ist sehr gut. Also Aronofsky geht es mit Natalie Portman, die Ballerina ist und so von Ehrgeiz getrieben ist und auch von Konkurrenzkampf. dass sie vollkommen aufgeht in diesem Versuch, Schwanensee ordentlich durchzuziehen.
Florian Bayer: Und cool, dass die animalische Seite ja nicht dieses einfach nur Wilde ist, sondern das Elegante vor allem.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Dass die animalische Seite ihr die künstlerische Kraft gibt.
Johannes Franke: Aber auch die brutale Seite von Ballett, muss man sagen. Ja, meine Güte.
Florian Bayer: Okay, ja. Mein Platz 3, Lamp, aus dem Jahr 2021. Ein isländischer Film, wo ein Paar, das in der kompletten Einöde lebt, ein Kind kriegt. beziehungsweise sie kriegen nicht das Kind, sondern ein Lamm von ihnen kriegt. Ein Kind, das einen Lammkopf hat und einen Menschenkörper. Und sie ziehen dieses Kind dann groß und wir wissen ganz lange nicht, was das jetzt ist und in welche Richtung das gehen wird. Und es wird ein wirklicher Mensch-Tier-Hybrid erzählt. Nicht als Monster, sondern einfach als Kind, das auch versucht irgendwie klarzukommen in dieser Welt, wo es weder zu dem Tierischen noch zum Menschlichen gehört. Ein sehr ruhiger Film, ein sehr langsam erzählter Film, ein sehr isländischer Film. Absolut sehenswert. Okay.
Johannes Franke: Ich habe nicht das Dschungelbuch mit drin, was ja im Grunde das gleiche, also da bin ich jetzt drauf gekommen, weil du das erzählt hast,
Florian Bayer: so zwischen Mensch und
Johannes Franke: Tier-Hybrid. Wäre ein guter Platz gewesen vielleicht, aber ich habe Nell drin.
Florian Bayer: Oh ja, sehr cool.
Johannes Franke: Und ich weiß nicht mehr ganz genau, ob ich das heute eine gute Konnotation finde, weil der ist von 1994 und der hat vielleicht... irgendwie auch eine Sicht auf so Menschen, die nicht in typischer westlicher Zivilisation aufwachsen und mit Sprache anders umgehen und so. Vielleicht auch einen Blick drauf gehabt, der sehr zivilisatorisch ist.
Florian Bayer: Ja, mit Sicherheit. Jodie Foster, also auf jeden Fall Hauptdarstellerin, auch Regisseurin?
Johannes Franke: Ich bin mir nicht ganz sicher. Ich hatte es noch nicht neulich gedacht, dass sie auch noch Regisseurin dabei war, aber ich bin mir nicht mehr so sicher. Ich glaube nämlich dann doch nicht.
Florian Bayer: Das müssen wir doch einmal kurz nachschauen.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir den einfach mal gucken zusammen, Plor.
Florian Bayer: Michael Epp... Das hat ihn gedreht. Sie hat produziert noch zusätzlich.
Johannes Franke: Ah, verstehe.
Florian Bayer: Ja, wäre auf jeden Fall interessant, den nochmal zu sehen.
Johannes Franke: Also ich fand Nell einfach, also sie als Nell, Jodie Foster, so Jodie Foster ist sowieso großartig, ne? Eine der wahnsinnig tollsten Schauspieler und Regisseurinnen und Produzentinnen dieser Welt. Macht sie sehr, sehr gut. Einfach ein Mensch, abgeschieden, ohne Zivilisation im klassischen Sinne. Und ohne Sprache im klassischen Sinne. Und die versuchen sich mit ihr zu einigen, wie sie es machen wollen, weil sie irgendwie da ran müssen. Und weil sie natürlich Interesse daran haben, sie in die Zivilisation zu holen. Würde mich sehr interessieren. Sollten wir vielleicht einfach mal gucken. Ich versuche die ganze Zeit nebenher das auf unsere Liste zu schreiben. Moment hier, wo ist denn die Liste? Hier.
Florian Bayer: Schreib du mal auf die Liste und ich bring meinen Platz zwei. 80er Jahre, wir sind wieder in den 80ern. 1980, Altered States. beziehungsweise der Höllentrip, wie er im Deutschen hieß, von Ken Russell. Ein Horrorfilm, in dem ein Mensch experimentiert mit so einer Art riesigem Tank und Drogen und sich dann in eine Art Homo erectus whatever verwandelt. Einfach was Urzeitmenschliches, was die animalische Seite des Menschen hervorkehrt. Und der dann unterwegs ist, so ein bisschen Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Nicht so viktorianisch, sondern mehr Science-Fiction angehaucht. Ein wirklich krasser Film, ein total interessanter Film, der dieses Thema des Animalischen, das im Menschen schlummert, auf eine interessante Weise erzählt.
Johannes Franke: Ich hätte noch eine andere Sache, nämlich nicht diese Hybrid-Interpretation des Themas, sondern einfach zwischen Mensch und Tier, die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Was passiert zwischen Mensch und Tier? Und ich habe Drachen-Selman leicht gemacht.
Florian Bayer: Oh, ich liebe diesen Film.
Johannes Franke: Das ist super, oder?
Florian Bayer: Ja, das ist ein so schöner Film.
Johannes Franke: Und dann haben sie irgendwie eine, in Anführungsstrichen, Live-Action-Version davon gemacht, die habe ich nicht gesehen. Die okay ist.
Florian Bayer: Ja? Die kann man sich angucken. Sie sind den Weg gegangen, DreamWorks, nicht Pixar, DreamWorks ist den Weg gegangen, dass sie fast eins zu eins erzählt haben. Okay. Es ist wenig abgeändert und natürlich sind diese mehr nach Live-Action aussehenden Flugsequenzen nochmal ein gutes Stück beeindruckender, als die in dem Animationsfilm waren. Okay. Einfach, weil es sich echter anfühlt. Wobei die Flugsequenzen im Animationsfilm auch extrem stark waren. Einer der wenigen Filme, bei dem ich es bereue, ihn nicht im Kino in 3D gesehen zu haben. Er war nämlich in dieser Hochzeit des 3D-Kinos. Stimmt, ja. Und da sieht man den Szenen an, dass sie dafür produziert wurden. Achterbahn.
Johannes Franke: Ich glaube, ich habe den tatsächlich auch gesehen in 3D im Kino.
Florian Bayer: Ach, cool.
Johannes Franke: Ja, ja, ich glaube, mich zu erinnern. Fand ich gut. Also ich mochte den Film wirklich sehr, sehr, sehr gerne.
Florian Bayer: Sehr guter Film. Ja, auf jeden Fall. Gehört zu den stärksten 3D-Animationsfilmen aus der Zeit. Mein Platz 1. Ja. Wir sind nochmal bei Mensch wird Monster.
Johannes Franke: Mensch wird Monster.
Florian Bayer: Die Fliege. Von David Cronenberg aus dem Jahre 1986. Ein Remake von einem 50er Jahre Horrorfilm, der so lala ist. Aber David Cronenberg packt halt einmal seinen ganzen Body Horror drauf und dann haben wir Jeff Goldblum, der sich während... der Laufzeit des Films langsam in eine Fliege verwandelt.
Johannes Franke: Das ist der Film, den ich eben immer vermieden habe und nie geschaut habe. Ich bin mir nicht sicher, ob du mir den nicht irgendwann gibst und dann muss ich ihn gucken, aber das wird richtig hart, glaube ich.
Florian Bayer: Irgendwann gebe ich dir auf jeden Fall mal einen Cronenberg-Film. Cronenberg ist ja der Meister des Body-Horrors. Egal, was ich dir gebe, es wird hart. Er ist nicht mein liebster Cronenberg-Film. Der hat noch andere wirklich großartige Sachen gemacht. Okay.
Johannes Franke: Und welche das sind, erfahrt ihr in den nächsten 200 Folgen der 20. Podcast.
Florian Bayer: Wir brauchen noch einen Platz 1 von dir. Ich habe einen Platz 1 gehabt. Ach, Drachenzimmel leicht gemacht, ich dachte, das wäre auch ein Menschen. Platz 1. Toller Platz 1.
Johannes Franke: Das war tatsächlich Platz 1.
Florian Bayer: Wunderschöner Platz 1.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja, cool, danke. Coole Liste.
Johannes Franke: Na dann, gehen wir doch wieder zurück in unseren Film und reden nochmal über das Ende von Hedging. Ja. Das war unsere Top 3. Was passiert am Schluss?
Florian Bayer: Was passiert? Mutter und Tochter jagen gemeinsam das Monster. Und?
Johannes Franke: Und Mutter denkt, wenn ich jetzt das alles umbringe, was jetzt neu ist, dann wird alles wieder so wie vorher. Das ist für mich tatsächlich, muss ich sagen, die überraschendste und schönste Erkenntnis dieses Films. Dass Mütter einfach verzweifelt versuchen, ihr Kind wieder dorthin zurückzudrängeln, wo es einfach nicht mehr hingehört. Es ist einfach so. Pech gehabt. Mama kommt klar damit.
Florian Bayer: Und was passiert? Natürlich tötet sie dabei Tinia, nicht Ali. Und Ali wiederum hat... die Metamorphose komplett durchgemacht und sieht jetzt aus wie Tinja. Nur ein bisschen kälter und ein bisschen böser.
Johannes Franke: Und der letzte Blick ist ja großartig, oder? Es ist einfach nur ihr Blick. Sie guckt einfach nur böse und alles ist genauso, wie es sein muss. Ich finde das Ende tatsächlich ganz gut, muss ich sagen.
Florian Bayer: Es ist einfach konsequent. Es ist das passiert, was passieren musste. Und jetzt ist die Frage, wie die Familie mit dieser neuen Tinja umgeht. Und eigentlich muss sie sie akzeptieren.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Das ist unsere neue Tinja. Das ist die Veränderung, die passiert ist. Die lässt sich nicht zurückmachen. Ali ist ein neues Kind. Kommt damit klar, die Pastellmama. Und ob die noch turnen geht, ich weiß ja nicht. Ey, sie kann sich gut bewegen. Das stimmt. Ja, coole Szene und meiner Meinung nach die beste Schauspielleistung von unserer jungen Darstellerin in dem Film, wenn sie als eiskalte, neue Tinja ihre Mutter anschaut und der Blick ganz eindeutig sagt, ja, that's it, das ist die neue Realität. Mother! Ja genau, das Mutter hören wir noch am Schluss, ne? Ja. Aber bedeutet dieses Mother, dass sie eine Warnung ausspricht und sagt,
Johannes Franke: Mutter, jetzt bist du dran? Im Sinne von, wir werden jetzt schöne Jahre miteinander erleben, wo ich dich richtig die Hölle heiß machen werde? Oder bedeutet das ein liebevolleres? Ich übernehme jetzt schön alle generational traumas und werde mich schön einfügen jetzt hier.
Florian Bayer: Sowohl das eine als auch das andere.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: fuck. Ich wette mit ihr aus Ali wird eine ganz, ganz großartige Mutter werden, wenn sie mal ihre eigenen Kinder hat. Das Urteil Du hast ja schon anklingen lassen, dann komm mal zu deinem Urteil.
Johannes Franke: Ja, das Urteil ist relativ klar und deutlich gutes Thema. An sich auch das Thema gut umgesetzt, aber mir ein bisschen zu wenig leider. Und deswegen sitze ich am Ende da und zucke ein kleines bisschen mit den Alpen und denke, ja, es ist halt ein Film geworden. Ja.
Florian Bayer: Ich fand, es war ein wirklich starker Film. Es war ein Film, der, ich mag die Perspektive, ich mag die Art, wie Satire und Monster zusammenwirken und ich mag auch die Magenschläge, die er einem verteilt, wenn er sich einfach damit beschäftigt, wie Eltern ihre Kinder komplett kaputt machen können.
Johannes Franke: Ja, das gehört auch natürlich zu den Filmen, wo man sehr viel darüber reden kann und wenn man sich die Zeit nimmt und auch mit Leuten zusammen den Film guckt und dann danach noch lange sitzt und über die Figuren redet. Da kommt der große Mehrwert natürlich trotzdem durch, weil die Themen einfach gut sind.
Florian Bayer: Das ist es auch. Und daneben einfach ist es geil, wirklich guten Horror aus Skandinavien zu sehen.
Johannes Franke: Das stimmt natürlich, ja. Man freut sich auch über jeden Film, der nicht aus Hollywood mit 200 Millionen Budget geschissen kommt, sondern naja, so ein 4-Millionen-Budget ist halt wirklich nicht viel. Und gerade in Finnland, Finnland ist sehr viel teurer als hier in Deutschland. Hier 4 Millionen zu haben, ist eine andere Nummer als dort 4 Millionen zu haben.
Florian Bayer: Also ich packe ihn auf jeden Fall auf den Stapel. großartige Post-Horror-Filme, weibliche Perspektive, Coming of Age, Monster-Body-Horror. Ist der so groß, der Stapel?
Johannes Franke: Du hast ihn vorhin schon genannt, so ein bisschen.
Florian Bayer: Na, der Stapel besteht aus mindestens fünf, bestimmt auch zehn Filmen. Und da hat er seinen Platz verdient. Und ich würde sogar behaupten, da liegt er weiter oben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Kai! Kai, vielen Dank! Vielen Dank, dass du uns diesen Film vorgeworfen hast. Wir freuen uns,
Johannes Franke: wenn alle anderen da draußen sich ein Beispiel nehmen, uns auch einfach Sprachnachrichten oder was auch schicken. Wenn ihr Sprachnachrichten schickt, müsst ihr damit rechnen, dass wir einspielen. Aber wir freuen uns über jede Idee, die wir bekommen. Wir haben eine Liste von, weiß ich nicht, 24 Filmen sind es,
Florian Bayer: glaube ich,
Johannes Franke: die noch abgearbeitet werden müssen. Aber kommt alles auf die Liste und wir versuchen das natürlich zu kuratieren. Das heißt, wenn ihr einen Film vorschlagt, kurz nach Weihnachten, der aber ein Weihnachtsfilm ist, dann kann es sein, dass es ein bisschen dauert, bis da dran kommt.
Florian Bayer: Ansonsten kommen wir nächste Woche zu meinem Lieblingstag im Spooktober. Ach du Scheiße. Nämlich Johannes muss einen Horrorfilm vorschlagen. Und wenn ihr wissen wollt, welchen Horrorfilm Johannes mir vorschlägt, womit er mich so richtig das Fürchten lehren will, dann müsst ihr noch kurz dranbleiben. Das erfahrt ihr nämlich nach dem Outro. Und dann wisst ihr auch, welchen Film ihr gucken müsst, weil wir werden auch nächste Woche wieder die Hölle aus dem Film rausspoilern, den wir besprechen.
Johannes Franke: Du weißt schon, dass ich einfach den blöden Cop-Out gehen werde, dass ich dir einen... horrormäßig schlechten Film geben werden.
Florian Bayer: Und der Horror besteht darin, dass wir den Film gucken müssen. Ich weiß, du kannst viel mehr. Und ich freue mich sehr auf deine... Ich bin gespannt. Deinen Gruselfilm. Okay. Leute,
Johannes Franke: wie immer, vielen Dank fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid. Ja, es macht richtig Spaß mit euch. Es ist schön. Vor allem mit Feedback und allem. Und hört euch den ganzen Backkatalog durch. Ich kriege immer mal wieder Nachrichten.
Florian Bayer: Ich habe jetzt alle Filme durch... geguckt. Also ich habe jetzt alle Folgen zu allen Filmen, die ich schon kenne. Hier mein Wunsch. Ihr müsst ja natürlich eigentlich die Filme gucken, die wir euch vorlegen, damit ihr dann die Folge hören könnt. Ihr sollt nicht die Folgen hören zu den Filmen, die ihr schon kennt. Ihr sollt gucken, welche Filme ihr noch nicht kennt. Die Filme gucken und dann die Folgen hören.
Johannes Franke: Ganz genau. Das ist der Auftrag.
Florian Bayer: Bis nächste Woche.
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: So, Plur. So. Ich hab mir ein kleines bisschen mehr Mühe gegeben, als ich jetzt angeteasert habe. Natürlich hab ich mir einen Film rausgesucht, aber er muss natürlich zu mir passen. Und da ich kein Horrorfilm-Fan bin, sondern eher Filmgeschichte 20er, 30er, 40er-Fan bin, geb ich dir natürlich den Ursprung allen Grauens. Und zwar Nosferatu. Ach,
Florian Bayer: großartig! Wir sind in der Stummfilmzeit!
Johannes Franke: Wir sind 1922.
Florian Bayer: Oh, Wahnsinn! Einer der ältesten Filme, die wir bisher besprochen haben.
Johannes Franke: Genau. Und einer der Filme, der genau 100 Jahre, naja, 102 Jahre später von Eggers noch einmal neu verfilmt wurde. Den ich noch nicht gesehen habe. Ich möchte dich bitten, auch den zu gucken, damit wir ein kleines bisschen... darüber reden können, was da funktioniert und was nicht funktioniert und was davon übrig bleibt und was nicht übrig bleibt.
Florian Bayer: Robert Eggers, den ich wirklich liebe, wir haben über The Witch gesprochen. Ja, ganz toll. Leuchtturm, hatten wir den Leuchtturm, The Lighthouse.
Johannes Franke: Haben wir noch nicht besprochen, aber wir mögen den beides, ja.
Florian Bayer: Wir haben uns drüber unterhalten. Waren wir zusammen im Kino in dem Film? Nee. Aber wir waren zeitgleich im Kino und haben uns danach irgendwie drüber unterhalten. Ja,
Johannes Franke: ich glaube, sowas in der Richtung. Ja,
Florian Bayer: genau. Und das Verratu will ich auf jeden Fall, also das Original kenne ich natürlich, aber das Remake will ich auf jeden Fall sehen und dann mache ich das einfach und gucke den auch noch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und vielleicht auch noch was sonst da draußen rum ist. Es gibt ja ein Remake aus den 70ern von Deiner Herz. Stimmt, ja.
Johannes Franke: Ja, ja, ich weiß nicht, ob ich dazu komme, das noch zu gucken. Aber vielleicht schaffst du es noch. Mal gucken.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich gibt es noch tausend andere Remakes. Aber wenn dann, also Nosferatu nicht. Nicht Dracula. Es hat nämlich nichts mit Dracula zu tun. Es ist Nosferatu. Natürlich. Ein ganz eigener Vampir.
Johannes Franke: Geil, ich freue mich drauf. Ja,
Florian Bayer: endlich wieder ein Klassiker. Also Klassiker haben wir immer. Aber endlich mal wieder so ein richtig alter, stumpfer Klassiker. Richtig, genau.
Johannes Franke: Und wir reden tatsächlich vor allem eben über den. Also über den 1922er. Dann vielleicht im Vergleich mit den anderen. Aber vor allem ist mir wichtig, dass wir wirklich über das Original reden und was das soll und wo das herkommt und wie geil das noch ist nach über 100 Jahren.
Florian Bayer: Ja, krass, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Guckt euch den Film an. Findet man bestimmt einfach online.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Es gibt auf YouTube Versionen davon und es gibt überall Versionen davon.
Florian Bayer: Und schaltet nächste Woche ein. Bis dahin.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao.
