Episode 272: Enter the Void von Gaspar Noé – Spirituelle Pornografie
Enter the Void aus dem Jahr 2010 vom französischen Filmemacher Gaspar Noé wird konsequent aus der Ich-Perspektive seines Protagonisten Oscar erzählt… nur, dieser Oscar stirbt bereits nach den ersten 25 Filmminuten. Wie also diese radikale POV beibehalten?
Frei nach dem Motto “Beim Sterben siehst du dein ganzes Leben an deinem inneren Auge vorbeirasen” erlebt Oscar noch einmal seine Geschichte, die ihn zu diesem Ende geführt hat: Wie er und seine jüngere Schwester Linda eine glückliche Kindheit erleben. Wie ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall sterben. Wie sich die innig verbundenen Geschwister ewige Treue schwören und dann doch voneinander getrennt werden.
Oscar lebt schließlich als junger Erwachsener in Tokio und holt Linda zu sich. Während Sie in einem Stripclub arbeitet, versucht er sich als Drogendealer über Wasser zu halten. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu, als Oscar von einem seiner Kontakte an die Polizei verraten wird. Zugedröhnt mit DMT begeht er einen fatalen Fehler und wird auf der Toilette einer heruntergekommenen Bar erschossen. Der Kreis zum Beginn schließt sich…
…Nur in diesem Moment sind gerade mal die ersten 85 Minuten von diesem fast dreistündigen Ungetüm von einem Film vorbei. Was folgt, ist ein Mäandern von Oscars Seele durch Raum und Zeit. Weil er versprochen hat, Linda nie zu verlassen, schwebt er als Geist über den Neonlichtern Tokios: Eindrücke von den Ereignissen nach seinem Tod mischen sich mit Erinnerungen, mit Farben, mit abstrakten Strukturen. Er betritt die Wahrnehmung anderer Menschen und verlässt sie wieder. Wir sehen die brutale Realität, alptraumhafte Visionen, Träume, Hoffnungen, Ängste. Ideen des tibetischen Totenbuches, Drogentrips, flackernde Lichter, Sex und Gewalt, bis wir schließlich durch die POV einer Vagina der Zeugung von neuem Leben beiwohnen dürfen (wenn ihr wisst, was das visuell bedeutet, dann wisst ihr es)… vielleicht die Wiedergeburt Oscars, vielleicht aber auch nur die letzten Eindrücke eines Sterbenden auf einem schlechten Trip.
Enter the Void, hinein in die Leere: Spiritualität, Rausch, das Mäandern einer rastlosen Seele, Padmasambhava, Bach, Haeckel, Anger und vor allem flackernde Neonlichter und Motion Sickness. Ein gefühlt endloses Wabern durch Raum und Zeit… Film als Trip, Film als spiritueller Porno… Uff.
Johannes, wenn ich dir so etwas gebe, kann – wie schon in der Vergangenheit – die erste Frage eigentlich nur so lauten: Wie erschöpft hast du dich nach diesem Film gefühlt?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 272: Enter the Void von Gaspar Noé – Spirituelle Pornografie Publishing Date: 2026-03-18T08:02:14+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/03/18/episode-272-enter-the-void-von-gaspar-noe-spirituelle-pornografie/
Johannes Franke: Ich fand ihn gut. Nein, du fandst ihn nicht gut. Das kann nicht sein.
Florian Bayer: Ich wollte dich leiden lassen. Du kannst diesen Film nicht gut finden. Warum, warum? Rück,
Johannes Franke: Stopp, Auszeit, Auszeit.
Florian Bayer: Ja. die diesen Podcast schon etwas länger hört, wisst vielleicht, dass ich auch eine leicht sadistische Ader habe. Aha. Und dass ich manchmal diese sadistische Ader auslebe, indem ich Johannes Filme gebe, bei denen ich weiß, dass sie eine Herausforderung für ihn sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir reden heute über Enter the Void von Gaspar Noé aus dem Jahre 2009 und ich bin so gespannt. Ich weiß gar nicht, was du meinst, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Und ich bin so gespannt darauf, wie Johannes darauf reagieren wird. Natürlich eine Empfehlung von mir.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und vielleicht eine kleine Triggerwarnung am Anfang in diesem Film. Ist es gar nicht so krass. Natürlich spielt Gewalt auch eine Rolle. Aber vor allem, wenn ihr Probleme habt mit flackerndem Licht und zu Epilepsie neigt, dann ist dieser Film absolut nichts für euch.
Johannes Franke: Nein, aber vielleicht wisst ihr das auch. Wenn ihr Epilepsie habt, dann hat euch bestimmt jeder Zweite schon gesagt, dann guckt euch diesen Film nicht an.
Florian Bayer: So viele Menschen kennen diesen Film nicht. Der war ja ein gigantischer Flop. Ja, gut okay. Gaspar Noé hatte seine Erfolge.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Enter the Void, der meiner Meinung nach sein bester Film ist, gehört nicht zu den großen Erfolgen, die er hatte. Und trotzdem ein Film, über den viel diskutiert und gestritten wurde. Und ein Film, der natürlich auch angelegt ist als provokanter Film. Ich sage am besten einfach mal, worum es geht und dann gucken wir, was wir damit machen. Enter the Void aus dem Jahr 2009 vom französischen Filmmacher Gaspar Noé wird konsequent aus der Ich-Perspektive seines Protagonisten Oscar erzählt. Nur, dieser Oscar stirbt. bereits nach den ersten 25 Filmminuten. Wir also diese radikale POV beibehalten. Frei nach dem Motto, beim Sterben siehst du dein ganzes Leben an deinem inneren Auge vorbeirasen, erlebt Oskar noch einmal seine Geschichte, die ihn zu diesem Ende geführt hat. Wie er und seine jüngere Schwester Linda eine glückliche Kindheit erleben, wie ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall sterben, wie sich die innig verbundenen Geschwister ewige Treue schwören und dann doch voneinander getrennt werden. Oskar lebt schließlich als junger Erwachsener in Tokio und hier. holt Linda zu sich. Während sie in einem Stripclub arbeitet, versucht er sich als Drogendealer über Wasser zu halten. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu, als Oskar von einem seiner Kontakte an die Polizei verraten wird. Zugetrönt mit DMT begeht er einen fatalen Fehler und wird auf der Toilette einer heruntergekommenen Bar erschossen. Der Kreis zum Beginn schließt sich. Nur in diesem Moment sind gerade mal die ersten 85 Minuten von diesem fast dreistündigen Ungetüm von einem Film vorbei.
Johannes Franke: Jawoll
Florian Bayer: Was folgt, ist ein Meandern von Oscars Seele durch Raum und Zeit. Weil er versprochen hat, Linda nie zu verlassen, schwebt er als Geist über den Neonlichtern Tokios. Eindrücke von den Ereignissen nach seinem Tod mischen sich mit Erinnerungen, mit Farben, mit abstrakten Strukturen. Er betritt die Wahrnehmung anderer Menschen und verlässt sie wieder. Wir sehen die brutale Realität, albtraumhafte Visionen, Träume, Hoffnungen, Ängste, Ideen des tibetischen Totenbuches, Drogentrips, flackernde Lichter, Sex und Gewalt. Bis wir schließlich durch die POV einer Vagina der Zeugung von neuem Leben beiwohnen dürfen. Wenn ihr wisst, was das visuell bedeutet, dann wisst ihr es. Vielleicht die Wiedergeburt Oscars, vielleicht aber auch nur die letzten Eindrücke eines Sterbenden auf einem schlechten Trip. Enter the Void, hinein in die Leere. Spiritualität, Rausch, das Meandern einer rastlosen Seele. Padma Sambhava, Bach, Heckel, Enger und vor allem flackernde Neonlichter und Motion Sickness. Ein gefühlt endloses Wabern durch Raum und Zeit. Film als Trip. Film als spiritueller Porno. Uff. Uff. Johannes. Wenn ich dir so etwas gebe, kann, wie schon in der Vergangenheit, die erste Frage eigentlich nur so lauten. Wie erschöpft hast du dich nach diesem Film gefühlt? Ich hab mir so meine Zigarette gebraucht. Und du brauchst nicht machen.
Johannes Franke: Nein, ehrlich. So viel Sex. Meine Güte.
Florian Bayer: Nein, ehrlich, wie war es? Also, sagen wir mal, du hast die 160-Minuten-Variante gesehen.
Johannes Franke: Ich hab... Ich habe eine sehr, sehr lange Variante gesehen.
Florian Bayer: Es gibt nur lange Varianten. Aber 161 ist die längste und ich glaube auch die Standardvariante.
Johannes Franke: Ich glaube, die habe ich gesehen. Ja, ja.
Florian Bayer: Die 161 Minuten sind vorbei.
Johannes Franke: Ja. Was ist dein erstes? Deine erste Bewegung, körperlich, mental? Ich habe im Bett gelegen dabei, weil ich nicht auf meinem großen Beamer gucken konnte leider, weil ich gerade woanders war und auf meinem Laptop gucken musste. Was ich sehr bedauert habe, weil die Bilder eigentlich dafür geeignet sind, sie auf dem großen Bildschirm zu gucken.
Florian Bayer: Kopfhörer?
Johannes Franke: Kopfhörer hatte ich. Auf jeden Fall cool. Das war wichtig.
Florian Bayer: Untertitel?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Gott sei Dank. Ich habe den Film nämlich angefangen mit Untertiteln.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann gedacht, oh Gott, die Untertitel machen ganz viel schlecht an diesem Film. Und machen ganz viel kaputt. Also gerade am Anfang, wenn wir diesen inneren Monolog haben von ihm, der so ein bisschen mumbling ist. Und wenn du dann die Untertitel liest, dann wird das so konkret. Und dann wirkt es so voll wie so ein Erklärer. Sehr gut, du hast in einem guten Setup geguckt. Kopfhörer und ohne Untertitel finde ich cool. Das heißt vielleicht die einfachere Frage, wie hast du dich nach den ersten zwei Minuten, also nach den Credits gefühlt?
Johannes Franke: Ach Gott, ja die Credits. Aber die Credits, ich muss sagen, also sagen ja alle immer, dass die Credits... eine der Besten sind und so und dass sie auf den Film so gut vorbereiten. Und ich denke, nein, eigentlich gar nicht. Ich finde gut die Credits, aber sie bereiten mich gar nicht auf den Film vor, sondern der Film ist ja viel entspannter als... Entspannt? Ja, natürlich. Das ist so viel mehr anderen, das ist doch so viel mehr einer Meditation gleicht als einem Epilepsie-Anfall, dass ich das eigentlich nicht darin sehe.
Florian Bayer: Die Credits hat Gaspar nur eher so gemacht, weil die gesagt haben, ey, der Film ist schon so lang, du kannst jetzt nicht noch... zehn Minuten Credits da dran schneiden oder auch nur fünf Minuten. Und dann hat er gesagt, okay, dann hauen wir einmal auf die Fresse und machen die schnell und laut und beats. Ich habe den Film im Kino gesehen und ich bin so glücklich, dass ich diesen Film im Kino gesehen habe. In einem kleinen Berliner Kino, aber trotzdem große Leinwand. Und ich erinnere mich, es gab in diesem Film zweimal ein erleichtertes Auflachen. Das erste war nach den Credits. Das war wirklich, beziehungsweise die Credits sind ja so zweigeteilt. Das ist ja zuerst dieses wirklich einfach nur Flaggern, wo du schon denkst, okay, hoffentlich hat jetzt keiner einen epileptischen Anfall. Und dann kurze Pause, da wurde so ein bisschen gelacht. Und dann schlägt es voll auf die Fresse und du hast diese Beats und alles ganz schnell. Und danach wurde nochmal gelacht. Und das zweite Mal, als erleichtert aufgelacht wurde, ist natürlich die Vaginazene, die sehr spät kommt, wo man das Gefühl hat, okay. Man weiß nicht genau, ob es wegen unfreiwilliger Komik war, die in diesem Moment auch ein bisschen da ist, oder ob es einfach so ein bisschen Coping war, weil die Leute so fertig waren mit den Nerven, dass sie froh waren, dass sie irgendwas hatten, wo sie sagen können, guck dir das mal an. Jetzt sehen wir den Penis direkt auf uns zukommen.
Johannes Franke: Ich habe so mit den Augen gerollt in dem Moment. Ach Gott, warum das jetzt auch noch?
Florian Bayer: Es ist eine nicht subtile Szene in einem Film, der auch nicht besonders subtil ist. Ich finde es total interessant, dass du gesagt hast, du fandest das entspannt, das war wahr. Ja,
Johannes Franke: ich finde es auch total beeindruckend, dass ich das so gedacht habe, weil ich gedacht habe, da ist so viel Stressiges dran. Vor allem das mit dem Unfall von den Eltern, dass man nicht dreimal mit voller Wucht reinkommt.
Florian Bayer: Und zwar wirklich als Jumpscare, ne?
Johannes Franke: Genau, als Jumpscare, wo ich gedacht habe, fuck, Alter, tu mir das nicht an. Ich liege hier und du hast mir einen Haufen Drogen versprochen und jetzt machst du sowas. Und ich habe keine Drogenerfahrung. Ich kann nicht sagen, wie das ist und so. Und deswegen hat er mir auch sehr viel... so mehr anderen gegeben, wo ich gedacht habe, okay, jetzt ist ja fast schon so ein entspanntes Kiffen oder sowas. Aber dann immer wieder geht es rein in irgendwie diese scheiß Erinnerungen und in wirklich schlimme Sachen. Aber dadurch, dass er immer wieder zurückgeht in diese Perspektive von oben, drüber gehen, von dort nach dort nach dort. Und alles, was du siehst, ist so weit entfernt. Ja. Also auch diese stressigen Gespräche zwischen Leuten, die sich anstreuen. Du bist trotzdem so weit entfernt. dass du fast gar nicht anders kannst, als einigermaßen entspannt zu sein. Und das finde ich so interessant in der Rezeption und auch zu gucken, wie das andere wahrgenommen haben. Ich war echt viel, viel mehr entspannt, als ich sein hätte sollen. Krass.
Florian Bayer: Also ich liebe diesen Film. Ich bin komplett zermürbt danach. Ich habe den jetzt wieder geguckt und nochmal gedacht, wow, der Film ist eine Wucht und es sind wirklich viele krasse Ideen drin. Aber ich bin richtig erschafft. Ich mache diesen Film aus und ich merke auch, ich neige zu Motion Sickness. Also ich bin jemand, der nicht Karussell gut fahren kann und ich kann auch nicht lange Strecken mit dem Auto fahren, mir wird sehr schnell schlecht und ich merke nach diesem Film zum einen die Motion Sickness reinkicken, weil es gibt ja sehr viele Schwindelszenen, auch teilweise, wo du wirklich desorientiert bist, wo sich die Kamera dreht und du erstmal rausfinden musst, wo oben und wo unten ist und dann zum zweiten gibt es natürlich diese Fahrten, wo du einfach hin und her gerissen wirst, das heißt, ich merke diese Motion Sickness. Und dann natürlich aber auch dieses Zermürbende von der Handlung, weil die arbeitet ja unglaublich viel mit Repetitionen. Es gibt wirklich so viele Momente, wo du minutenlang einfach nur flackerndes Licht hast, wo du nur diese Fraktale hast und diese Strukturen. Und dann irgendwann da auch sitzen und denkst, oh, wann hört das endlich auf? Wann passiert wieder irgendwas, was mich rausreißt? Und das in dieser Kombination ist so ein Cocktail, dass ich danach echt richtig erschöpft bin, richtig K.O.
Johannes Franke: War ich tatsächlich nicht unbedingt. Also ja, okay, K.O. und ein bisschen zermürbt, aber gar nicht, wirklich gar nicht so dolle, wie ich gedacht hätte. Hat aber vielleicht auch wirklich damit zu tun, dass ich ihn eben auf dem Laptop gesehen habe. Auf dem kleinen Bildschirm. Und es tut mir echt leid für diesen Film, weil es gibt andere Filme, da ist das okay, aber bei dem... Film ist es wirklich ein bisschen traurig. Und die Motion Sickness hätte ich gerne mitgenommen, aber ich habe sie nicht wahrgenommen, weil einfach der Bildschirm zu klein war.
Florian Bayer: Hattest du den Laptop auf dem Schoß?
Johannes Franke: Mehr oder weniger, also direkt vor mir tatsächlich. Also ich war sehr nah dran und habe gedacht, ich gleich das vielleicht ein bisschen nach oben, indem ich einfach reinkrieche.
Florian Bayer: Das ist ja durchaus was macht, also wenn du einen Laptop nach vor dir hast, ist überhaupt nicht gut für die Augen.
Johannes Franke: Nee, nee, überhaupt nicht. Aber ja, hat geholfen trotzdem in den Film reinzukommen und ich bin tatsächlich sehr schnell, sehr tief in diesem Film drin. muss man sagen. Wenn du da ganz am Anfang, nachdem das ganze Stroboskopzeug fertig ist und du die Ego-Perspektive hast, du wirst allein durch die Perspektive so tief in den Film hineingezogen. Ich fand's total bemerkenswert gut.
Florian Bayer: Krass. Also ich finde vor allem am Anfang ist es vor allem Schwindel, was ja wirklich die radikale Ego-Perspektive ist von ihm. Also wir sehen durch seine Augen und dann haben wir ja auch so viel inneren Monolog, viel Gemambel und so. Als ich damals, als ich da reingegangen bin, wusste ich nicht, worauf ich mich einlasse. Ich wusste nur, es ist Gaspar Noé, geil. und ich wusste nichts sonst. Und dann war es so nach 25 Minuten Ego-Perspektive, wo du denkst, boah, der Film wird jetzt die ganze Zeit aus der Perspektive erzählt, das schaffe ich nicht, ich muss irgendwann kotzen. Dann dieser Schock, dass er erschossen wird.
Johannes Franke: Der ist hart,
Florian Bayer: der ist wirklich hart. Du siehst dann ja auch aus der Ego-Perspektive, wie er durch den Bauch erschossen wird und dann, du guckst nicht auf die Uhr, du guckst auf die innere Uhr und denkst so, was jetzt? Der ist gerade gestorben. Und zwar ziemlich eindeutig, du siehst ihn da liegen und du weißt, da kann nichts mehr kommen. Und dann dieser Moment, ah, diesen Weg geht ihr. Jetzt geht die Seele hoch und jetzt passiert irgendwas anderes. Krass, wie wollt ihr das zwei Stunden durchziehen, weil der Film geht dann noch zwei Stunden. Fand ich erstmal voll heftig und hat mich sehr glücklich gemacht in diesem Moment.
Johannes Franke: Ich möchte für dieses Gespräch vorweg schicken, damit wir alle auf dem gleichen Blatt Papier sind. Ich bin sauer auf dich. Warum? Weil ich dir diesen Film gegeben habe? Weil du mir den Film nicht als erstes gegeben hast.
Florian Bayer: Nein, von Gaspar Noé. Du fandst ihn gut.
Johannes Franke: Ich fand ihn gut. Nein,
Florian Bayer: du fandst ihn nicht gut. Das kann nicht sein. Ich wollte dich leiden lassen. Du kannst diesen Film nicht gut finden.
Johannes Franke: Warum, warum?
Florian Bayer: Rück, rück, rück. Stopp, stopp, stopp, stopp. Auszeit, Auszeit.
Johannes Franke: Warum hast du mir Climax als erstes gegeben? Das shitty ist die schlimmste, idiotischste Stück Machwerk, was ich je gesehen habe. Und Gaspar Noé hat sowas... Krasses geliefert wie das hier. Ich wollte mich schonen. Also mich interessiert natürlich der Film nach den ersten anderthalb Stunden nicht annähernd so doll wie den ersten anderthalb Stunden, weil er einfach zu viel wiederholt und wiederholt und wiederholt. Und ich natürlich irgendwann denke, ja, ach komm, okay. Aber da ist so viel Interessantes dran an diesem Film. Wahnsinn.
Florian Bayer: Okay. Damit hätte ich natürlich nicht gerechnet. Du schaffst es immer wieder, mich zu überraschen. Das freut mich, aber ich bin trotzdem auch sauer auf dich. Warum zur Hölle? Okay, du sagst, nach den ersten anderthalb Stunden fängt es an, so ein bisschen zu repetitiv zu werden.
Johannes Franke: Weil ich das Gefühl habe, okay, hier ist ein Ende eigentlich. Nach anderthalb Stunden ist so ein Ende da. Und dann fängt er nochmal an. Und ich denke mir, ja, habe ich doch eigentlich alles schon gesehen. Und ja, irgendwie in anderen Zusammenhängen und auf eine andere Art und Weise und so. Aber du wiederholst und wiederholst. Und es ist so repetitiv. Und ich verstehe, dass es vielleicht auch ein Konzept ist oder sowas. Aber ich weiß nicht, ob das ein gutes Konzept ist.
Florian Bayer: Naja, ich finde, er kriegt ja ein bisschen Struktur dadurch, dass wir wirklich, also zwei Filme ist ein bisschen zu viel gesagt, aber wir haben so einen großen Block, und zwar die ersten anderthalb Stunden seiner Erinnerung. Und die ist ja auch konsequent dann aus dieser Overshow erzählt. Also wir sehen seinen Kopf die ganze Zeit. Übrigens ganz geil, Gaspar Noé hat ja, ihm war es wirklich wichtig, die Hauptdarstellerin zu casten. Die, die Linda spielt, also seine Schwester. Pasta la huerta. und seinen Hauptdarsteller Nathaniel Brown. Den hat er eigentlich nur gecastet, weil er so ähnlich aussieht wie Pastelaweta und hat gemeint, naja, ich will keinen großen Schauspieler nehmen, weil dieser Typ ist nur von hinten zu sehen oder gar nicht.
Johannes Franke: Und für den Schauspieler war das tatsächlich im Grunde eine Art Filmschule. Wie verschmelze ich mit mit dem Kameramann, der mich die ganze Zeit hin und her schiebt und sagt, wo muss ich denn sitzen, damit das Bild gut aussieht? Und mehr hatte er ja eigentlich nicht. Außer so ein paar kleine Sachen, die tatsächlich auch sehr spannend sind mit dem Spiegel.
Florian Bayer: Nathaniel Brown war tatsächlich mehr Regisseur als Schauspieler und war da aufstrebender Regisseur. Und diese ganzen Sorgen, die Gaspar Noé hatte, dass jeder Schauspieler das total kacke findet, dass er nicht zu sehen ist, war überflüssig.
Johannes Franke: Ja, er hat sich einfach gefreut.
Florian Bayer: Und dann haben wir diesen riesigen Block. Wir haben seinen Kopf. Und zwar immer im Bild und dann diesen Wechsel zwischen Kindheit, Erwachsenen und wir. Es ist ja tatsächlich, es ist straightforward in diesen Momenten. Wir kriegen die Geschichte so erzählt, dass wir danach sagen können, ja, wir haben verstanden, was in seinem Leben passiert ist. Wo er herkommt, wie seine Beziehung zu seiner Schwester ist, wobei das krass mit einem Fragezeichen ausgestattet.
Johannes Franke: Weird, die Beziehung.
Florian Bayer: Die ist unglaublich sexuell dafür, dass es eine Geschwisterbeziehung ist. Wie die teilweise aneinander rumknappern, dann so im Erwachsenenalter. Und du verstehst, dass da so eine extreme Nähe ist, weil sie ja offensichtlich sehr früh extrem aufeinander angewiesen sind.
Johannes Franke: Ja. Ich glaube, um das psychologisch zu verstehen und ich das auch interessant finde, dass Gaspar Noy das tatsächlich schafft so ein bisschen. Wenn die Eltern in dem Alter weg sind, muss man füreinander Mama und Papa werden.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Quasi. Ich muss auf dich aufpassen und du musst auf mich aufpassen. Obwohl der größere Bruder im Grunde die größere Last wahrscheinlich hat in dem Fall. Ja. Und das auch nochmal ganz... klar macht, warum er sagt, und wenn ich sterben sollte, ich komme wieder. Einfach, weil er einfach die Verantwortung fühlt. Aber die sind füreinander Eltern. Und dann ist der Schritt füreinander auch Lebenspartner zu sein nicht so groß.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Und dadurch erklärt sich das vielleicht ein bisschen, dieses sehr weird sexuelle Verhältnis, was die miteinander haben.
Florian Bayer: Na, der Film setzt sich ja schon sehr drauf. Es gibt ja auch die Momente, wo er tatsächlich, später wenn seine Seele durch den Raum meandert, gibt es ja Momente, wo er tatsächlich die Perspektive von Menschen einnimmt, die Sex mit seiner Schwester haben. Also es gibt einfach den Moment, wo er Sex mit seiner Schwester in einem anderen Körper hat. Und dann am Schluss wird ja zumindest eine Möglichkeit nahegelegt, dass er wiedergeboren wird als das Kind seiner Schwester. Also da gibt es auch schon so eine krasse körperliche Verbindung. Und die fühlt sich wirklich komisch an.
Johannes Franke: Sehr.
Florian Bayer: Ich finde sie gar nicht unglaubwürdig.
Johannes Franke: Nee, nicht unbedingt.
Florian Bayer: Ich finde es auch ganz spannend, weil er in seinem Selbstverständnis der ist, der auf seine Schwester aufpassen muss, der sie nach Tokio holt, um sich um sie zu kümmern und so weiter. Aber sie ist dann ja auch die, die irgendwie so ein bisschen den Laden zusammenhält. Sie ist extrem emotional an ihm gebunden, aber sie ist die, die ihm sagt, ey, du bist ein Junkie, du musst irgendwie dein Leben in den Griff kriegen. Sie verdient auch ihre eigene Kohle.
Johannes Franke: Mit Sex?
Florian Bayer: Stripperin. Übrigens auch ganz spannend, ihre Beziehung zu Mario. Die dann später nochmal erläutert wird, die nicht so klischeehaft ist, wie man meinen könnte. Wenn man sagt, so die Stripperin, die eine Beziehung mit dem Sexclubbesitzer hat, das ist ja voll toxisch und das ist voll kaputt. Und ich finde, wie sie Derzeit wird... Spannend, ambivalent, weil dieser Mario nie zum Bösewicht gemacht wird.
Johannes Franke: Nö, nee, gar nicht. Also er ist vielleicht ein bisschen aufbrausend dann, wenn unsere Hauptfigur durch diesen Club geht und sagt, Alter, du fasst meine Schwester nicht an.
Florian Bayer: Naja, vor allem, wenn diese Hauptfigur Drogen verkauft an seine Stripperin.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: Also der Oskar ist ja nicht unbedingt ein Sympathieträger.
Johannes Franke: Nein, nicht unbedingt, nee. Aber man hat schon Mitgefühl mit ihm, weil er einfach die, also zum einen, weil er die Hauptfigur ist. weil wir in seinen Schuhen stecken, literally. Und weil er einem echt einfach leid tut, so wie er im Spiegel dann aussieht, so wie er versucht, sich da durchzuwurschteln und irgendwie einen Fuß in die Tür zu kriegen, um auch mehr zu machen, als nur Drogendealer zu sein. Und vielleicht, man merkt das, man spürt das einfach durch. Und ich finde es total gut gemacht. Also ich bin voll auf seinem Trip quasi. Es gibt halt diese krassen Momente,
Florian Bayer: wo er echt einfach nur der... fiesling ist, wenn er diese eine Frau im Club anfixt und sie fragt, ob sie Drogenerfahrung hat und sie meint so, nee, aber ich mag Alkohol. Und er so, komm, nächste Schritt hier, die enthielt.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Mit dem Halluzinogene Drogen, das ist ja fast das gleiche. Und ja, dann, ich meine, er fixt seine Schwester ja auch an. Das stimmt, ja. Er gibt ihr auch Drogen, was total krass ist. Er holt sie nach Tokio, um auf sie aufzupassen und er führt sie ja in diese Welt ein. Sie hat diesen Job ja eigentlich wegen ihm, weil sie durch ihn in dieses Tokioer Nachtleben abtaucht.
Johannes Franke: Was auch ein krasses Ding ist, weil Tokio nun wirklich berühmtermaßen die Stadt ist, die sobald auch nur irgendwas mit Drogen ist, richtig hart reagiert. Also die Gesetzeslage ist da wirklich massiv krass. Und da hat Drogendealer zu sein, das ist eine Nummer.
Florian Bayer: Es wird ja auch wirklich erzählt, die ganze Zeit diese Paranoia, eifrig zu werden. Also im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern gibt es in Japan keine Todesstrafe für Drogenhandel. Also Indonesien und Thailand sind glaube ich nochmal eine Nummer härter, weil da werden wirklich Leute hingerichtet wegen... Drogenhandel, auch Ausländer. Ich finde es spannend, wie sie Tokio erzählen, weil er ist jetzt wirklich so im abgefucktesten Teil Tokio. Er erlebt ja nicht die Stadt, sondern er erlebt ja wirklich nur dieses Viertel, in dem er lebt. Und dann ist er voll der radikale Außenseiter. Er ist ein Ausländer, er ist ein Drogendealer, er kann kein Japanisch, wahrscheinlich.
Johannes Franke: Also ein bisschen was wird er schon können, wenn er da ein bisschen gewesen ist und bisher überlebt hat.
Florian Bayer: Und er ist irgendwie so auch so wirklich Lost in Japan. So ein Fremdkörper, der versucht irgendwie über die Runden zu kommen und der auch ganz viel Kontakt mit anderen Ausländern hat.
Johannes Franke: Wo man sich auch fragt, warum ist er da überhaupt? Wahrscheinlich irgendwie so ein Kindheitswunsch, den man sich versucht zu erfüllen oder sowas.
Florian Bayer: Es wird nicht so richtig erzählt. Also er hängt ja sehr an diesem Alex. Das ist übrigens die Figur, die mir am meisten leid tut, weil der nachher so abgefuckt auf der Straße lebt und wirklich komplett am Ende ist. Und er hält sich irgendwie an den und dann hat er das Gefühl, mit dem nach Japan gekommen. Ich überlege gerade, ob ich irgendwo verpasst habe, wo das erzählt wird, weil es passiert so viel an Erzählungen und auch so viel gemummelten Zeug auch,
Johannes Franke: muss man sagen. Du hast, wenn du Untertitel anhast, dann weiß ich nicht genau. Hast du das Gefühl, dass es dann übererklärt wird?
Florian Bayer: Ich habe es dir ausgemacht. Ich habe nach den ersten fünf Minuten, als seine inneren Monologe als Untertitel gezeigt wurden, gab es den Moment, wo ich dachte, das geht nicht. gar nicht. Das fühlt sich so schlimm an, weil er sitzt dann da und sagt, hier ist my sister. What does she know? I'm not a junkie. Und du hast so... Und das ist okay, wie es im Film gemacht wird. Es ist halt so ein gemumbelter, wirklich so ein Gedankenstrom. Aber sobald das als Sätze dasteht, mit Punkt, wirst du wahnsinnig.
Johannes Franke: Möchtest du Tee plor? Oh ja, sehr gerne.
Florian Bayer: Hast du ein bisschen Diamtine, die du reinmixen kannst? Natürlich.
Johannes Franke: Und los geht's.
Florian Bayer: Es ist interessant, weil es ist eigentlich, also zumindest seine Biografie wird so straightforward erzählt und trotzdem gibt es immer dieses Konfusionsmoment, weil sich immer wieder so Szenen aus seinem Erwachsenenleben mit dem Kindheitserleben mischen, weil das auch teilweise sehr schnell geht. Wir haben dieses, wie sie in der Badewanne zusammensitzen als kleine Kinder, dann Schnitt zum auf der Couch sitzen, wo du erstmal verstehen musst, was passiert da gerade.
Johannes Franke: Wobei du so ein bisschen unterschlägst, was für Schnitte das sind. Es geht ja... nicht nur um einfach einen Schnitt, sondern der hat so wahnsinnig viele Matching Shots. Ja,
Florian Bayer: total.
Johannes Franke: So wahnsinnig viel, wo du das Gefühl hast, bin ich noch in der gleichen Szene, weil die Requisiten irgendwie genau gleich sind, aber plötzlich ist er erwachsen und solche Sachen. Ich finde, da hat er tatsächlich eine der Konzepte dieses Films, die wirklich sehr gut umgesetzt sind. Dass man immer wieder wie so durch Assoziationsketten Ich habe 80% des Bildes erinnert mich an was, was genau gleich war und dann springe ich da rüber. Ich finde es total gut.
Florian Bayer: Ja, das haben wir ja viel, so diesen Rekurs auf frühere Erlebnisse und das finde ich wirklich krass, dass dieser Film ein Gefühl dafür hat, wie das Innere des Menschen funktioniert. Auch, also ich meine, wir haben hier einen sehr kaputten Menschen, einen Menschen, der sehr viel erlebt hat und so, aber dieses Assoziative und dieses Schwanken zwischen Vergangenheit und Gegenwart und auch dieses Vergangenheit nicht loslassen können und dann erinnerst du dich halt immer wieder an diesen einen Moment und dann ist dieser Moment, wo deine Eltern Sex haben und du hast sie überrascht, total präsent.
Johannes Franke: Ja, ja klar.
Florian Bayer: Und dann verbindest du den auch mit anderen sexuellen Momenten. Das finde ich auch schon ziemlich spannend. Also technisch, ich finde den Film technisch gesehen total krass einfach, weil wenn du dir überlegst, der ist aus dem Jahr 2009 und die haben überall CGI drauf geklatscht.
Johannes Franke: Ja, ich, also das ist wirklich was, wo ich gedacht habe. Meine Fresse, was muss da an Planung drin gesteckt haben und an Zeug, dass die das irgendwie hingekriegt haben? Ist Tokio überhaupt, geht das so mit Drones und so weiter? Und dann habe ich gelesen, dass das größtenteils CGI ist und war total überrascht. Also es gibt ein paar Bilder, wo man sagt, okay, das ist eindeutig CGI, aber das sieht danach aus, weil ich das Gefühl habe, okay, das ist jetzt eine Entscheidung, eine bewusste. weil er einfach als Toter in der Gegend rum, so ein Videogamey fast, in der Gegend rum schwebt. Aber das ist so natürlich zusammengeklöppelt und so gut ineinandergewoben. Ich bin total beeindruckt davon, muss ich sagen. Egal wie repetitiv am Ende ich dann denke, ja, okay, jetzt verliert es seine Kraft, aber auch wirklich. Aber die ersten anderthalb Stunden, wo es das erste Mal alles auftaucht, finde ich es wahnsinnig beeindruckend.
Florian Bayer: Es kommt ihm halt voll entgegen, dass das alles so ein bisschen surreal ist und stilisiert. Also er kann da auch damit spielen, mit diesen Kamerafahrten. Ich bin eigentlich auch davon ausgegangen, dass da irgendwo, genau, es war auch so mein Gedanke, so hey Moment, Drohnen, das kann ja eigentlich nicht sein, dass es nicht die Zeiten der Kameradrohnen rumgeflogen sind. Und das Krasse ist, es gibt ja auch dieses Modell, also im Film dieses Modell, dass sie dann auch durchfliegen und öfter guckst du zu denen und denkst, bin ich jetzt über der Stadt oder über Modell? Und dann bist du überrascht, dass es die Stadt ist oder das Modell ist. Und offensichtlich ist alles Modell, weil es gibt einfach nicht diese Flüge über die Stadt.
Johannes Franke: Genau. Tokio war, also um den Dreh einmal aufzumachen, die waren nicht offen für sowas. Das war sehr restriktiv, was man da machen durfte und so. Schon allein der Dreh mit ganz normal laufenden Kameras neben irgendwelchen Schauspielern. Der eine Weg, wie er von zu Hause rüber ins Void rüber geht, das ist Guerilla. Die durften gar nicht so in der Form drehen.
Florian Bayer: Das Ding ist, dass... Problem war nicht nur die Regierung, sondern das Problem war die Yakuza. Die Yakuza?
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Wenn du in so einem Stadtteil bist und die waren halt eher in diesen isolierten Stadtteilen, weil natürlich sind sie nicht durch das Zentrum Tokios, sondern sie haben da gedreht, wo Oskar leben soll, dann sind das Gebiete, wo die sehr mächtig sind, zumindest in dieser Zeit noch. Krass. Das heißt, wir haben irgendwann mal Bei irgendeinem japanischen Film haben wir über die Yakuza geredet. Die sind ja nicht nur Kriminelle, sondern die haben sich ja auch als Wohlfahrt verstanden, als Verein, als jemand, der sich um die Nachbarschaft kümmert.
Johannes Franke: Das war ein Mensch,
Florian Bayer: mit dem man reden konnte. Und die haben mit denen geredet und die haben mit denen Vereinbarungen getroffen, wo sie drehen dürfen und was sie machen dürfen. Und Gaspar Noé und allen anderen, die an der Produktion dieses Films beteiligt waren, Spoiler, es sind sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viele. Gaspar Noé hat von überall Geld genommen. Haben alle gesagt... Ihnen ist ganz wichtig nochmal zu betonen, dieser Film wurde nicht mit Unterstützung von kriminellen Organisationen gemacht, was daran liegt, dass die sehr viel Kontakt mit kriminellen Organisationen hatten während des Drehs. Einfach weil sie sagen mussten, okay, dürfen wir in der Straße, dann können wir da hier durch. Und wahrscheinlich, nicht wie man es sich vorstellt, dass sie da mit Gewehren standen und gesagt haben, ja, hier lang und hier lang und hier lang. Sondern, dass sie das Ganze offiziell gemacht haben, wie sie es mit einer Regierung machen würden und sich Drehgenehmigungen eingeholt haben.
Johannes Franke: Krass, ne? Von so einer Vereinigung, so Mafia-Leute, wo du hin musst, um... Um einmal dich zu verbeugen und zu sagen, bitte, bitte, bitte, erschießt uns nicht.
Florian Bayer: Die aber wahrscheinlich total nett waren. Das sind halt einfach auch Geschäftsleute. Also natürlich ist das brutal, die Welt des organisierten Verbrechens. Aber das sind ja auch Geschäftsleute. Die wollen ja auch nicht irgendwie irgendwelche arme Franzosen erschießen, die da vorbeikommen. Sind froh, wenn sie ein bisschen mitkassieren können vielleicht. Angeblich gar nicht. Aber zumindest, wenn sie die Hand drüber haben und wenn sie sagen können, wie das läuft, wenn sie die Ansagen machen.
Johannes Franke: Naja, auf der anderen Seite eben aber trotzdem noch die Regierung, die sagt, ihr macht einen Film über Drogen. Was ist das denn? Also das ist schon, das war nicht die Zeit dafür. Ja,
Florian Bayer: vor allem lassen sie Japan echt nicht gut aussehen in diesem Film. Also zum einen ist es einfach mal Sodom und Gomorra, Drogenhölle, Clubs und so. Dann ist die Polizei anscheinend sehr schießfreudig und erschießt jemanden durch eine geschlossene Tür in den Bauch.
Johannes Franke: Also das ist... der Wahnsinn nicht so wahnsinnig begeistert von.
Florian Bayer: Kann ich auch total gut verstehen. Wir haben letzte Woche über Roman Holiday geredet, der ein absoluter Werbefilm für Rom war. Dieser Film ist kein Werbefilm für Tokio.
Johannes Franke: Aber es ist auch ein Reisefilm im Grunde.
Florian Bayer: Im Grunde ist es der Reisefilm einer Seele. Das Geile ist, ich will unbedingt mal nach Tokio. Ich habe eine große Sehnsucht nach Tokio. Ich finde es eine total faszinierende Stadt. Ich will nicht in das Tokio,
Johannes Franke: das in diesem Film dargestellt wird. Sie haben auch gesagt, dass sie den Dreh gar nicht mit irgendwelchen externen Lichtern groß ausleuchten mussten, weil die Stadt von sich aus so viele Neonlichter hat, dass alles hell genug war für die Kameras. Ich weiß nicht, wer von euch mit Kameras zu tun hatte. Die ganz modernen, die kriegen das hin nachts, aber eigentlich 2009 war das nicht so einfach so möglich, nachts zu drehen, ohne dass du richtig grisselige Bilder hast.
Florian Bayer: Und es sind ja teilweise auch echt krass dunkle Bilder. Du hast so diese Lichtakzente gesetzt. Also gerade sowohl, wenn wir in seiner Perspektive unterwegs sind in der Stadt, als auch wenn wir als Vogel, als Engel, was auch immer über die Stadt fliegen, ist es oft Desorientierung. Du hast viel Dunkelheit, du hast so ein paar Lichtakzente gesetzt. Aber es gibt viel diese Momente, wo du dich irgendwie im Raum orientieren musst. Und dann auch, wenn du in diesen Bars bist, in diesen Clubs und siehst, es ist dunkel und da ist ein Körper beleuchtet, der gerade tanzt. Und du musst erst mal verstehen, tanzt da jetzt jemand auf einer Tanzfläche mit anderen oder ist das eine Striptease-Tänzerin, die ihre Show abzieht? Ich habe sehr viel Desorientierung in diesem Film und auch sehr viel diesen Versuch, irgendwas zu greifen und zu sagen, ah, hier bin ich. Und in dem Moment, in dem ich es gegriffen habe, fliegt die Kamera auch schon wieder in das flackernde Licht und es flackert mich einfach nur an. Oder in den nächsten Kopf hinein. Oder in die Schusswunde.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Oder in den toten Embryo. Dieser Film fliegt in so viele Dinge rein, wo du nicht reinfliegen willst.
Johannes Franke: Und dann kommt noch dazu, dass sie nicht etwa, also sie hatten ein Drehbuch, das war auch sehr fett. 100 Seiten. Aber das war nicht Dialog groß. Also die Dialoge sind größtenteils on the spot improvisiert von den Leuten, die auch ja nicht unbedingt alle Schauspieler waren in der Form. Also der Alex gerade, der am Anfang das mit dem Totenbuch erzählt, der das mit dem Totenbuch musste er auswendig lernen, das war ein Text, der war wichtig, aber das ganze Gespräch dahin und so, das ist improvisiert. Und ich muss sagen, von der ersten Minute an denke ich, wow, was für natürliche Gesprächsfetzen das sind, wie gut die aber auch sind. Und das rauszukriegen aus so einer Improvisation ist schon nicht leicht. Da musst du schon irgendwie sehr klar wissen, wo soll die Szene hin. Was hat jeder Schauspieler für eine Figur? Und das mit Leuten zu machen, die keine Schauspieler sind, ich habe hohes, also wirklich Respekt davor.
Florian Bayer: Gastmann, ich kann nicht gut Englisch. Er hat den Film in Englisch gemacht, weil er gesagt hat, er will keine Untertitel ablenken, um das nochmal zu verstärken, diesen Eindruck, dass man sich wirklich auf das Bild konzentrieren kann. Das heißt, er hat auch immer mal wieder dieses Feedback gebraucht, ob das, was gerade gesprochen wurde, gut war. Und dann haben wir ja auch von den Schauspielern zum Beispiel Ja. Der, der den Alex spielt, Cyril Roy, der spricht ja auch mit Akzent dann noch. Das ist ja auch kein Amerikaner, sondern, das ist eine gute Frage. Ich glaube, er ist Franzose, aber ich weiß es nicht ganz sicher. Auf jeden Fall. Den finde ich krass.
Johannes Franke: Den finde ich auch total gut, muss ich sagen.
Florian Bayer: Weil er auch der ist, der neben Linda so das stärkste Emotionale irgendwie spielen kann und am meisten irgendwie auch so Leid spielt und gleichzeitig Empathie hervorruft. Also Victor zum Beispiel leidet ja auch sehr viel, aber das ist halt auch so der kleine Teenager-Verräter, den man irgendwie mit dem man nicht so viel mitleidet vielleicht. Und Alex, wenn er dann nachher so auf der Straße ist und wirklich abgefuckt und so kurz vorm Sterben.
Johannes Franke: Aber da muss man sagen, da macht der Film natürlich den Und... den Move, den er sowieso machen muss, aber hier kommt er ihm auch zugute, dass er weit genug weg ist. Wir sehen nicht Alex in der Nahaufnahme, wie er verzweifelt ist, weil das kann schnell schief gehen bei einem Schauspieler, der kein Schauspieler ist. Aber er macht das genau richtig in der Art und Weise, wie er redet, in der Art und Weise, wie sein Körper sich verhält dazu. Ich finde, der Schauspieler oder Laiendarsteller oder was auch immer, ich weiß gar nicht, ob der danach noch was gemacht hat, Der macht das für diesen Film absolut perfekt. Ich bin ganz beeindruckt davon, dass das geht. Weil ich bin sonst, muss ich sagen, nicht der größte Fan von Improfilmen. Das ist gerade mit Laiendarstellern.
Florian Bayer: Aber Erich ist ja, das Swap war das ein anderer Film, den er gemacht hat im Jahr 2010, Japan, keine Ahnung. Es sind viel diese Vogelperspektiven und die drehen sich so von oben herab und es dauert auch sehr lange, bis die Kamera in die Szene reingefahren ist. Und die Szene beginnt schon, bevor wir da sind. Das heißt, wir werden meistens direkt in das Geschehen reingeworfen und sehen dann halt, wie zwei Menschen sich streiten und anschreien. Und es dauert auch immer einen Moment, bis man versteht, ah, das ist Linda, die gerade da jemanden anschreit. Ja,
Johannes Franke: genau, genau.
Florian Bayer: Ah, der Typ ist jetzt da, weil es dunkel ist, weil es von oben kommt und weil die Kamera sich auch manchmal wirklich dreht und neigt und wir halt verloren sind.
Johannes Franke: Und nicht immer den blästen Blick auf alles haben. Ich finde, dass das zur Desorientierung natürlich beiträgt, aber auch tatsächlich zur Lebendigkeit und zur Dreidimensionalität der Welt, in der wir uns da bewegen. Wir haben das Gefühl, die leben wirklich alle ihr Leben und wir gucken immer nur so ein Stückchen rein. Und das ist wirklich gut.
Florian Bayer: Und es ist wirklich dieses Seelending. Die Seele fliegt irgendwie umher und kann sich nicht an einem Ort halten und kriegt den Ort auch nicht so wirklich gefasst. Es ist diese Verlorenheit im Raum, diese Verlorenheit in der Zeit und immer wieder dieser Versuch, irgendwas zu kriegen. Ich... Ich habe auch das Gefühl, dass es am Ende am gewissen Moment sehr repetitiv wird. Es ist immer so ein Greifen nach der Erlösung. Und es gibt so viele Momente in diesem Film, wo du sagst, jetzt könnte er enden. Und dann dreht er sich nochmal und dreht sich nochmal um sich selbst. Und natürlich denkst du das auch als Zuschauer. Ja, erlöse mich endlich. Und erlöse auch Oskar endlich. Ist Teil des Konzepts, aber ist natürlich mordsanstrengend. Also auch gerade diese Strukturen. Na, du siehst ihn. zweimal fährt die Kamera auf seine Leiche runter und du denkst jedes Mal, jetzt ist es vorbei und dann fährt sie wieder hoch. Und dann fährt sie in Licht rein und dann siehst du erstmal irgendwas Abstraktes, Pulsierendes,
Johannes Franke: Leuchtendes. Also es hilft natürlich auch, das Konzept ist ja so, dass wir als Zuschauer in seinen Zustand kommen sollen und dann müssen wir das vielleicht auch unbedingt diese 160 Minuten lang durchziehen oder 160 Minuten lang sein Martyrium irgendwie miterleben. Aber wir sind auch wahnsinnig geschafft und ich denke mir zwischendurch schon auch noch, gucke ich jetzt zum dritten Mal, wie lange der Film noch dauert? Ich weiß es nicht genau. Sollte ich das, sollte ich das nicht? Gehe ich mal zwischendurch auf Toilette, um mich zu erholen? Ich weiß es nicht. Weil wir gerade bei der Kamera waren, ich würde gerne das einmal sortieren, weil es ja durchaus unterschiedliche Bildqualitäten hat. Das eine ist die physische POV, wo er noch lebt. Was ich da geil finde, ist dieses... atmen, was wir die ganze Zeit, seine Gedanken, die wir hören, seine Hände, die wir sehen. Sehr gutes Acting von den Händen, muss ich sagen. Das Augenblinzeln und das Blinzeln. Es ist so krass Und das Blinzeln, da habe ich sofort gedacht, geil, der Cutter hat sich gefreut, weil er kann sofort, wenn schwarz ist, kann er in eine andere Version der Szene wechseln, weil die haben das natürlich nicht nur einmal gedreht, sondern fünfmal gedreht und dann war das Ende von der einen Szene besser und von dem anderen Take war irgendwie der Anfang besser. Und er kann es ganz problemlos zusammen cutten. Ohne, dass wir das Gefühl haben, dass hier sinnlos hin und her geschnitten wird. Das ist großartig.
Florian Bayer: Technische Vereinfachung,
Johannes Franke: die total logisch ist. Bei der man sich gleichzeitig fragt, warum machen das andere Filme nicht die POV erzählen?
Florian Bayer: Weil es ist so naheliegend und es trägt bei zur Atmosphäre.
Johannes Franke: Total. Und es gibt so einen Rhythmus. Auch wenn es nicht so auf den Punkt Rhythmus im Sinne von, ich kann jetzt hier 50 Beats per Minute ransetzen oder wie viel das ist. Und dann kommt immer verlässlich das Blinzeln. Sondern man hat so einen hypnotischen Rhythmus, der dadurch entsteht, der irgendwie spannend ist. Mir wird tatsächlich ein bisschen schlecht, gerade in dieser Anfangsszene. Wenn er dann mit Alex so rumgeht um dieses Gebäude,
Florian Bayer: wenn sie die Treppen runtergehen und Alex vom tibetischen Totenbuch erzählt. Und ich versuche irgendwie dem Gespräch von Alex zu folgen, weil man merkt ja schon, der Film drückt ja auch so ein bisschen drauf, dass in diesem Moment, dass das jetzt wichtig ist und dass das irgendwie auch eine Relevanz hat für die weitere Handlung. Und gleichzeitig gehen sie halt die ganze Zeit diese Kreise. Und dann schlägt voll meine Motion Sickness zu. Und wenn sie da unten sind, dann über die Straße und schwanken.
Johannes Franke: Er ist ja auch voll auf dem Trip.
Florian Bayer: Das heißt, er schwankt ein bisschen, er guckt sich nervös um.
Johannes Franke: Mir wird wirklich schlecht dabei. Ja, ich habe einen so kleinen Bildschirm, sonst würde mir wahrscheinlich auch schlecht werden. Die zweite Kamera- bzw. bildgebende Sache ist eben dieser Drogenrausch, der mit diesen Mustern ist. Da finde ich es wahnsinnig spannend, dann im Nachhinein zu lesen, dass eben Gaspar Noé aus eigenen Erfahrungen gesagt hat, wie es aussehen soll.
Florian Bayer: Er hat halluzinogene Drogen und tatsächlich DMT in seiner Jugend benutzt. Und wusste, also hatte einfach ein Gespür dafür. Und ich habe selbst keine Erfahrung mit DMT. Und ich habe auch selbst keine Erfahrung mit halluzinogenen Drogen. Viele Leute haben offensichtlich gesagt, ja, das ist es. Und zwar vor allem diese Pseudohalluzinationen. Du weißt... Diese visuellen Halluzinationen sind nicht echt. Du läufst nicht Gefahr, also wenn du stabil bist, läufst du nicht Gefahr, dass du diese Halluzinationen verfällst und sagst, oh mein Gott, ich werde von einem Monster verfolgt. Aber du siehst sie trotzdem. Sie sind so stark, dass du diese Eindrücke nicht los wirst. Ernst Haeckel war unter anderem Inspiration für Gaspar Noé. Ernst Haeckel war ein Zoologe aus Deutschland, der später etwas zu sehr Richtung Nationalsozialismus tendiert hat. Der hat so sehr viele Zeichnungen gemacht von Kreativitäten. und vor allem von Untersee-Lebewesen. Er war eigentlich ein Darwinist. Er hatte auch Tendenzen zum Sozial-Darwinismus. Und von ihm gibt es sehr viele Zeichnungen, die halt auch so diese Strukturen sind. Wenn man diese Zeichnungen sieht und dann sieht man die Bilder aus dem Film, wo alles so ein bisschen pulsiert und wabert, ja, das ist es. Es ist bunt und es sind so Ornamente und es wirkt irgendwie lebendig ein bisschen.
Johannes Franke: Ja, ja, total.
Florian Bayer: Und es lässt sich nicht so ganz greifen.
Johannes Franke: Es hat was... biologisches irgendwie, finde ich. Und das fand ich total spannend. Ein bisschen am Ekel kratzt das dann bei mir, weil ich so vor so biologischen Strukturen ein bisschen, ich hab da so ein Ding vermisst, so ein bisschen so.
Florian Bayer: Dafür fand ich sie nicht biologisch genug, um da Ekel zu empfinden. Was ich tatsächlich hatte, und das ist einfach ein Teil dieses Films, die man nicht leugnen kann, es gibt einfach den Moment, wo du sagst, jetzt reicht's. Ja. Jetzt hast du das Ding 30 Sekunden zu lange gemacht. Und gar nicht... Gar nicht die Wiederholung. Ich finde es cool, dass das immer wieder kommt als Motiv, diese Bilder. Aber sie werden teilweise so lange gehalten, dass du merkst, wie du ungeduldig wirst. Wie du wegfadest auch so ein bisschen.
Johannes Franke: Aber am Anfang ist das noch nicht so tatsächlich. Ich kriege das sogar bei den, wenn die erste Halluzination gezeigt wird, die ist ja wahnsinnig lang. Ja. Die ist ja wirklich wahnsinnig lang. Aber da bin ich noch voll drin. Da komme ich mit klar. Erst nach den anderthalb Stunden denke ich, ja, jetzt kommt die Ungeduld durch. Und dann bin ich auch wirklich genervt teilweise.
Florian Bayer: Mir geht es genau andersrum.
Johannes Franke: Oh, okay. Am Anfang denke ich so,
Florian Bayer: bei der ersten denke ich so, oh, dauert die jetzt lange, es muss doch jetzt weitergehen, erzähl mir wieder was, bitte. Schinde keine Zeit. Ich habe das Gefühl, es schindet einfach nur Zeit.
Johannes Franke: Nein, du musst doch da reinkommen in das, was er hat, weil du versinkst ja in dem Ding. Und dann musst du irgendwann aufhören, Gedanken an den Film zu haben. Du musst irgendwann genau dort gelandet sein, wo diese Muster sind. Das passiert bei mir, glaube ich, erst so, wenn das zweite oder dritte Muster gezeigt wird. Aha, okay.
Florian Bayer: Und es gibt den Moment, wo ich... Wo ich das annehmen kann und sagen kann, ah, das ist das Konzept von diesem Film und hey, Moment, das kenne ich doch auch aus der Musik. Also gerade so Prog-Rock-Alben wird ja oft vorgeworfen, dass sie so Zeit schinden, in dem sie zwischen Songs nochmal so Meander-Zeug haben, wo einfach nur Geräusche gespielt werden. Und du denkst so, ja, okay, toll, was du da mit deiner Gitarre machst, aber kann ich wieder einen Song hören? Oder The Bridge oder wenigstens eine Komposition, aber nicht so zehn Minuten gejammtes Gewaber. Und dann sage ich, ah, okay, es gehört zum Konzept, es ist zu viel, absolut. Kann man nicht wegreden, aber es gehört irgendwie dazu und deswegen nehme ich das an für die Gesamt-Vibes.
Johannes Franke: Okay, und das finde ich total spannend. Und dann hätten wir die dritte bildgebende Sache, wie er eben, was wir vorhin ganz viel besprochen haben, eben in der Gegend rumschwebt als Toter, als Geist. Genau. Auch total spannend, finde ich. Und da ist das Blinzeln dann halt weg. Genau, das Blinzeln ist weg. Und das ist ein schöner kleiner Fact, den man nicht so 100% sofort merkt, aber dann irgendwann denkt, ah ja, okay, da war doch was. Und das ist schon schön. Total, ist gut gemacht. Das ist eine andere Daseinsform. Was ich spannend finde, es ist ja... Dieses auch, wie man sich vielleicht so eine ruhelose Seele vorstellt.
Florian Bayer: Er bleibt ja nicht nur in diesem Schweben. Also das ist das hauptvisuelle Stilmittel. Aber er schwebt ja wirklich in Personen rein. Und dann haben wir zum Beispiel diese POV, wie er seine Schwester vögelt. Oder dann haben wir eine POV von ihm, wie er im Albtraum seiner Schwester ist. Ein Traum, der zehn Minuten lang geht. Und wo er aus POV sich als Zombie sieht. Und er sieht gar nicht aus wie ein Zombie. Er guckt dann irgendwann in den Spiegel, sieht aus wie vorher. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Aber die ganze Zeit ertragen muss, wie seine Schwester sagt, das ist nicht mein Bruder, das ist ein Monster, schafft dieses Ding da weg.
Johannes Franke: Ach Gott, was eine sehr, sehr seltsame Sache ist. Weil ich auch nicht sofort verstehe, dass es in ihrem Albtraum ist. Nein,
Florian Bayer: das versteht man nicht bis zum Ende. Bis sie dann nachher zu Mario sagt, ich habe schon wieder geträumt, dass mein Bruder noch am Leben wäre, weiß man nicht, was da los ist. Und fragt sich tatsächlich, Moment, geht der Film jetzt einen ganz anderen Weg und wo willst du hin filmen?
Johannes Franke: Übrigens, weil du den Spiegel jetzt auch nochmal angesprochen hast, ist ja geil, ne? Also guckst du in den Spiegel und denkst dir, Moment mal, müsste die Kamera nicht zu sehen sein? Ja, genau. Solltest du nicht was in der Hand haben. Aber du hast auch nachgelesen, wie es geht, ne? Ich hab dir sofort... Nee, hab ich nicht. Hast du nicht? Nee, ich hab dir sofort gewusst, weil ich natürlich solche Szenen kenne, aber es ist super geil gemacht.
Florian Bayer: Erzählst uns gleich, aber lass mich ganz kurz eine Sache vorweg schicken. Ich hasse solche Szenen. Warum? Weil das so forciert wirkt auf mich, dass sie einen Protagonisten... Wenn eine Szene aus einer POV erzählt wird, dass sie jemanden in den Spiegel schauen lassen, hab ich das Gefühl, sie machen das nur, um mir zu zeigen, wie er aussieht, damit ich mich ein bisschen mehr reinfühlen kann. Nervt mich total, mag ich nicht. Und jetzt erzähl, warum das technisch so genial ist, weil das ist es.
Johannes Franke: Also es wirkt technisch total genial, aber es ist ja eigentlich eine Frage des Setbaus, weil du hast ja gar keinen Spiegel da, sondern du hast jemanden, der eine Kamera auf dem Kopf hat, seine Hände synchronisiert mit dem Typen, der vor der Kamera steht, der nämlich hinter einem Ausschnitt der Wand steht, wo eigentlich der Spiegel sein soll. Und dann sehen wir seine Hände, wie die verschiedene Sachen machen und die sind synchronisiert mit dem Typen, der da hinter der Wand steht. Und dann halt, der Raum ist zweimal aufgebaut. Einmal in Spiegel verkehrt, hinter der Wand mit dem Loch und eben dort, wo der Kameramann steht. Das ist so großartig, so ein einfacher, magischer Trick. Total. Und es ist so effizient in dem Moment, weil ich auch tatsächlich alles kaufe. Also es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, irgendwie stimmt das synchronmäßig nicht oder sowas. Sondern es ist wirklich sehr, sehr, sehr gut choreografiert. Und selbst wenn mal was nicht 100 Prozent übereinstimmt. Du hast diese Atmosphäre sowieso drunter liegen, dass es alles so ein Drogenrausch ist. Da ist so eine Asynchronität eher gut für dieses Problem, weil du das Gefühl hast, irgendwas stimmt nicht, es ist wieder durcheinander. Oder du bist desorientiert dadurch.
Florian Bayer: Zur verzögerten Wahrnehmung. Ja, ja,
Johannes Franke: genau. Ich glaube,
Florian Bayer: mich hat diese Szene am Anfang, hat sie mich voll gestört, weil ich dachte, ihr wollt mir doch nur zeigen, wie der Protagonist aussieht, damit ich mich mehr in den Reihen versetzen kann. Muss nicht sein. Zeigt mir eine POV ohne. Oh, es gibt ein Musikvideo von Prodigy. so eine Elektropunkband aus den 90ern. Nennt man es Elektropunk, Industrial, Rock, Punk. Techno-Gute-Band. Und die haben ein Musikvideo gedreht, der Smack My Bitch Up heißt. Smack My Bitch Up. So Musik haben die gemacht. Aus der Ego-Perspektive wird im Musikvideo erzählt, wie jemand durch Nachtclubs zieht, sich besäuft, kotzt, in eine Stripper geht, Stripperin. unangenehm anfasst, rausgeschmissen wird, sich vor der Bar prügelt mit dem Türsteher und so weiter. Die letzten 10 Sekunden sind, wie diese Person nach Hause torkeln, in den Spiegel guckt und es ist eine Frau. Großartig Da funktioniert es. Ganz fantastisch. Ach schön. Tolles Video, wurde damals nicht vor 11 Uhr abends oder so gezeigt, weil es wirklich ein abgefucktes Video ist. Da funktioniert es. Da finde ich es total geil. Aber wenn es nur so benutzt wird, gefühlt dafür, dass ich einmal kurz gleich am Anfang einen Blick auf den Protagonisten werfe. Nee. Nee, will ich nicht.
Johannes Franke: Okay. Mich hat es nicht gestellt. Ich habe nicht darüber nachgedacht. Aber ich verstehe das Problem, ja. Okay.
Florian Bayer: Genau, wir haben dieses Schweben und wir haben dieses Durchkörperschweben. Und ich meine, wir haben dann sehr grafische Szenen. Und wir haben Momente. Und das ist bei diesem Film oft so. Wie gesagt, ich habe schon gesagt, dass ich eine Liebe, mein Gott, ich habe ihn dir gegeben und dachte, du hasst ihn. Jetzt muss ich ihn fertig machen und kritisieren für Sachen. Es gibt immer Momente, wo es zwischen unangenehm berührt ist, aber auch teilweise unangenehm. unfreiwillig komisch. Und zwar immer, wenn der Film grafisch wird, habe ich das Gefühl, dass ich hin und her gerissen werde.
Johannes Franke: Und wenn es sexuell wird?
Florian Bayer: Ich wollte als erstes nicht das Sexuelle sagen, sondern die Kamerafahrt auf den abgetriebenen Fötus.
Johannes Franke: Ach ja. Ja, da habe ich auch mit den Augen gerollt. Ich habe gedacht, ach warum, das muss dann, hä?
Florian Bayer: Also auch, weil der Fötus von der Größe so aussieht, als ob er nicht so einen Körper haben dürfte. Und da habe ich das Gefühl, es ist einfach nur Schockvalue, ihn menschlich aussehen zu lassen. Aber in der frühen Phase der Schwangerschaft, in der Linda offensichtlich ist, als sie abtreiben lässt, sieht der Fötus, glaube ich, nicht so aus.
Johannes Franke: Also ich habe irgendwo gelesen, dass es wirklich irgendwie nachempfunden ist oder genauer geschaut ist. Aber ich habe das Gefühl, er ist zu groß für das, was es ist. Oder er ist irgendwie... Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl,
Florian Bayer: es ist so, wie sich Abtreibungsgegner, wie sich Pro-Life-Aktivisten vorstellen, wie ein Fötus aussieht, nachdem er abgetrieben wurde.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ach, egal. Ich will auch eigentlich gar nicht drüber nachdenken, wie das aussehen würde, wenn es eine Abtreibung ist, weil es ist ja noch ekelhafter.
Florian Bayer: Gaspar Noé wurde übrigens am Misogynier vorgeworfen. Bin ich nicht sehr. Hast du die irgendwie gesehen? Nee,
Johannes Franke: habe ich jetzt auch nirgends so in der Form gesehen. Weil der Film sowieso auf allen Ebenen abgefuckt ist. Insofern gibt es da keine... Weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Egal, aber der Film ist tatsächlich gar nicht... Ich finde, der Film ist auch nicht misanthropisch. Ich finde, der Film zeigt Menschen, die wirklich schlimme Sachen erleben, aber der Film hasst die Menschen nicht derzeit. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Naja, auf jeden Fall hatte ich bei dieser Szene das Gefühl, immer wenn ich diese Szene sehe, ich habe diesen Film jetzt, glaube ich, zum dritten Mal gesehen, weiß ich nicht, ob ich mich unangenehm berührt fühle, weil es einfach eine eklige, unangenehme Szene ist, eine schmerzhafte Szene, oder ob ich sie ein bisschen unfreiwillig komisch finde, weil es halt so sehr... bewusst drastisch für Shock Value ist.
Johannes Franke: Also ich hätte es nicht gebraucht. Ich glaube, dass es irgendwie verargumentierbar ist, dass er es macht, weil die Seele sucht ja offensichtlich nach einem Ort, wo sie reinschlüpfen kann, um wieder geboren zu werden. Und dann ist das, dann erklärt sich auch der ganze Sex. Der Film ist so wahnsinnig sexuell, dass ich auch so echt mit den Augen rolle und zwischendurch denke, ja okay.
Florian Bayer: Pornografisch sexuell vor allem. Ja,
Johannes Franke: genau. Und obwohl ja, können wir nochmal drüber reden, wie viel das Pornografie dann am Ende ist, weil eine Pornografie ja auch eine Absicht hat. Lass uns gleich drüber reden, aber das ist gleich das nächste Thema. Fakt, wo war ich jetzt? Fötus,
Florian Bayer: runterfahren, Kamera.
Johannes Franke: Also es ergibt Sinn sozusagen, dass er da rein zoomt, weil er denkt, okay, das ist, das wäre jetzt eine gute Gelegenheit gewesen, aber ich habe ja schon gesehen, dass eine Abtreibung stattfindet. Warum geht er dann da jetzt noch drauf? Also klar sucht er vielleicht nach einem Zugang, aber das ist doch jetzt auch nicht mehr nötig.
Florian Bayer: Genau. Finde ich auch. Und ich finde, es ist auch wieder so eine Szene, wo man denkt, jetzt könnte der Film enden, weil jetzt hat die Wiedergeburt nicht geklappt. Und dann ist wieder dieser Moment, wo die Kamera hochgeht und du denkst, okay, du bist immer noch nicht erlöst, es geht weiter. Sex. Dieser Film steckt voller Sex und ich habe pornografisch gesagt, weil es teilweise unsimulierte Sexszenen sind.
Johannes Franke: Teilweise unsimulierte Sexszenen, aber tatsächlich teilweise, aber ganz genau auseinandernehmen konnte ich es nicht. Ich habe versucht es auseinander zu kriegen und das irgendwie zu recherchieren, aber es ist nicht genau. aufgeschrieben, wer wo wann tatsächlich Sex hatte und wo nicht. Und was er auch zusammengebastelt hat, dass so Schauspieler, die eigentlich keinen Sex vor der Kamera haben, dann zusammengeschnitten werden mit Szenen, die das implizieren, dass sie Sex hatten oder dass man tatsächlich auch Bilder in der Mitte teilt, um den einen Teil zu zeigen und den anderen gleichzeitig, aber dass tatsächlich nicht die gleichen Personen sind. Solche Sachen. Aber ich weiß nicht genau, an welcher Stelle was wie ist. Man neigt dazu, in der Rezeption zu sagen, dass es überall Äh... unsimulierter Sex. Stimmt so in der Form nicht. Aber bei vielem sieht es so aus. Aber bei vielen sieht es so aus und ich habe auch das Gefühl, okay, ich kann anerkennen, was das macht, weil ich viel mehr das Gefühl habe, hier Sex vor mir zu sehen, als bei 90% der Hollywood-Produktionen. Ja,
Florian Bayer: das sowieso. Ich finde es ganz spannend, dass es zum einen sich sehr echt anfühlt, also nicht simuliert und zum anderen wird trotzdem das Grafische insofern komplex. fast komplett ausgespart, indem alles leuchtet. Ja, genau.
Johannes Franke: Man sieht eigentlich nichts. Wenn man lüstern und gucken will, dann hast du eigentlich keine Chance.
Florian Bayer: Sehr viele Clowing Genitals. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Und ich finde es visuell total interessant, weil es ist natürlich zum einen dieses Thema die Befruchtung, zum anderen dieses Orgastische, was damit irgendwie symbolisiert wird. Es ist keine Szene, die einen irgendwie erotisiert, wo man angeregt ist, aber es ist auch keine hässliche Szene.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Es gibt natürlich diese Konfusion, weil die Seele durch dieses Love Hotel fliegt, wo hauptsächlich die Sexszenen drin sind und nicht weiß, was sie machen soll, bis sie dann schließlich irgendwann im Körper von Alex landet, der Linda vögelt. Dadurch gibt es so einen gewissen Konfusionsmoment, aber die Menschen, es ist keine sexuelle Gewalt, die da gezeigt wird, sondern die Menschen, die gezeigt werden, sind irgendwie glücklich. Ausnahme vielleicht Victor, der irgendwie wirkt, als ob er einfach nur verarbeiten müsste und deswegen. den schnellen Sex in dem Fahrstuhl sucht. Ich finde es faszinierend. Ich würde diese Szene auch tatsächlich verteidigen, auch wenn sie wirklich lange ist und wenn wir sehr viele Menschen sehen, die Sex haben, ohne dass es uns interessieren sollte, weil wir diese Menschen nicht kennen.
Johannes Franke: Also das Love Hotel meinst du? Ja, ich weiß nicht, ich bin da schon so zermürft von der Repetition, dass ich eigentlich nur noch dann in dem Moment, wo wir dann ja auch die Innenperspektive der Frau haben, Ja. Lass uns gleich zu dir kommen. Lass uns noch kurz außen bleiben. Aber die Verbindung ist da, weil ich auch da schon anfange, mit den Augen zu rollen. Ah ja, du rollst mit den Augen. Okay. Ja, kann ich mir alles geben oder sowas. Ergibt irgendwie Sinn. Aber du bist den ganzen Film über schon so sexuell. Und das jetzt da nochmal auf elf drehen zu wollen, obwohl du schon auf zwölf warst. Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ich fand die Szene ganz spannend, so als Darstellung von Sex als Schmerzbetäubung. Nämlich das ist das, was Linda macht. Ja,
Johannes Franke: okay.
Florian Bayer: Und Linda sagt ja auch irgendwann während des Films, dass sie mit Mario eigentlich nur zusammen ist, weil der gut im Bett ist und dass sie eigentlich lieber, dass sie vielleicht doch hätte besser mit Alex zusammenkommen sollen.
Johannes Franke: Oder mit ihrem Bruder.
Florian Bayer: Also der Plot ist ja offensichtlich, dass Oskar wollte, dass sie mit Alex zusammenkommt, weil Alex sein bester Freund ist, aber sie fand Alex doof, weil das ein Junkie ist. Aber eigentlich mochte sie auch Alex und dann treffen sie sich und haben in diesem Hotel Sex und es wird so ein bisschen der Wunsch von Oskar damit auch erfüllt. Und da ist natürlich Schmerzbetäubung von Linda, weil wir sehen Linda in diesem Film sehr viel leiden, sehr viel schreien, sehr viel weinen. Aber dann auch sowas, ich finde diese Szene im Fahrstuhl richtig krass. Das ist ja eigentlich der einzige Moment, wo ich mit Victor irgendwie so ein Mitgefühl habe. Da haben wir ja Victor in so einem Dreier, wie er einem einen Blowjob gibt und er hat die ganze Zeit voll diesen traurigen Blick dabei. Und während wir andere Leute in dem sehen, die irgendwie zumindest erregt wirken, wirkt er einfach nur, als ob er irgendwie betäuben würde. Deswegen finde ich, es gibt Es gibt eine Dynamik in dieser Szene, die mehr ist als, ich mach hier Porno. Nochmal, zehn Minuten lang.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube, oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit,
Florian Bayer: ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.mussmansehen.de und florian.mussmansehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement,
Florian Bayer: egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas?
Florian Bayer: Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes.
Florian Bayer: Und dann gibt es die zweite Szene, in der im Kinos gelacht wurde. Und das ist auch wirklich eine absurde Szene, wenn wir diese POV der Vagina haben und den Penis wie er eintrinkt und erakuliert.
Johannes Franke: What do you think? Ja, es ist tatsächlich Augenrollen, aber es ist tatsächlich auch nicht so, dass ich sage, der Film verliert oder gewinnt dadurch sonderlich. Ich bin inzwischen so durch diesen Film an so Sachen herangeführt worden, dass ich denke, okay, mach halt.
Florian Bayer: Es ist so eine merkwürdige Szene,
Johannes Franke: weil es ist ja auch gar nicht, weil ich glaube, sie wurde auch.
Florian Bayer: Sie wurde gewählt aus ästhetischen Gründen und aus ästhetischen Shock-Value-Gründen, weil es macht ja eigentlich keinen Sinn, nach der Bewegung, nach diesem Flug, den Oscar gemacht hat. Es passieren viele Sachen, die nicht 100% Sinn ergeben in diesem Film. Aber da macht es noch weniger Sinn. Ich glaube, es wurde einfach nur gewählt, weil Gaspar nur gedacht hat, geil. Und wenn ich das so filme und dann den Penis so auf, dann habe ich den Geburtskanal und dann habe ich den Penis, der reinbringt und dann noch das Ejakulat. Und dann können wir mit dem Sperma losfliegen und das Ei befruchten.
Johannes Franke: Das sind aber tatsächlich die wenigen Sachen, wo ich Gaspar Noyes ursprüngliche Vision anzweifle. Weil die ursprüngliche Vision für mich total stark ist. So diese Perspektive des Geistes, des Toten, der Versuch der Wiedergeburt oder die Verbindung mit den Drogen und was ist jetzt eigentlich was. Und auch so viele neue Methoden, was zu erzählen zu finden. Dass er wirklich ein suchender Filmemacher ist, der wirklich was will. Und in dem Moment denke ich, du willst ja nicht wirklich was, du willst nur schocken. Das ist alles.
Florian Bayer: Ich glaube, das Schocken, also auf jeden Fall, das gehört da glaube ich dazu. Er ist ein suchender Filmmacher. Und was ich unglaublich stark und sympathisch an diesem Film finde, das Suchen erlaubt sich auch zu scheitern und auch Irrtümer zu machen. Ja,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Weil dieser Film hat natürlich seine Holprigkeiten. Dieser Film hat seine Längen und dieser Film hat seine Stolpereien. Und der Film hat viele Momente, wo du denkst, ah, es könnte auch unfreiwillig komisch sein.
Johannes Franke: Ja, ich möchte als prominentes Beispiel für Scheitern einmal das tibetanische Totenbuch holen. Tibetisches Totenbuch, bitte. Tibetisches Totenbuch. Ja, bitte. Meine Fresse. Ja, ich finde die Idee an sich okay. Aber warum musst du eine Figur einführen, die den ganzen Film einmal erklärt? Und es ist nicht so, dass ich im Nachhinein gedacht habe, ach, der hat das erzählt, sondern mit den ersten paar Sätzen denke ich, fuck, erzähl mir doch nicht den Film schon vorher, ich will den Film genießen. Er macht den Chris Nolan. Was soll denn das? Gasper Noé macht den Chris Nolan, das ist exakt das Gleiche, das ist für Arthouse-Kino das, was bei Inception am Anfang ist, wo sie erzählen, wie Traumebenen funktionieren. Er macht genau das Gleiche. Zeig's mir doch einfach. Ich verstehe das schon. Ich brauch das nicht. Und vor allem ist die Szene ja auch so wahnsinnig lang dann. Und man denkt sich so, der ist die ganze Zeit nur, die laufen da die Treppe runter. Und ja, vielleicht ist Motion Sickness noch ein Ding, was bei dir dann reinkickt. Was dir vielleicht hilft, die Szene noch, da noch was anderes drin zu sehen, als nur diese fucking Erklärung, was jetzt kommen wird an Filmen. Und ich denke, scheiße, Alter, ich will den Film genießen.
Florian Bayer: Ich glaube, Gaspar Noé hasst sein Publikum gar nicht so sehr wie manchmal... manchmal nachgesagt wird. Und ich glaube, es ist sein Moment, wo er sagt, okay, die Leute haben jetzt gleich zweieinhalb Stunden wirklich die Hölle vor sich. Lass mich versuchen, sie so weit einzuführen, dass sie zumindest verstehen, warum ich die Hölle so erzähle. Muss man nicht verteidigen. Ich finde, es ist auch nicht unbedingt die beste Entscheidung. Ich mag halt Alex sehr gerne.
Johannes Franke: Alex ist total gut, ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Aber ja, es ist ein Moment, wo einfach der Ex erklärbar rauskommt. Und es ist eigentlich eine Szene, dafür, dass dieser Film so wirklich so mächtig ist, kommt er in dem Moment ein bisschen dumm rüber. Und vielleicht auch so, als ob er sein Publikum für ein bisschen dumm hält.
Johannes Franke: Ja, genau das. Also ich fühle mich jedenfalls ein bisschen verarscht, dass ich denke, ja, so doof bin ich jetzt auch nicht, dass ich das nicht mir dann denken kann oder damit irgendwie klarkommen kann. Was ich trotzdem interessant finde, ist die eigentliche Struktur, die dahinter steckt. Offensichtlich hat er sich an diesem Buch ja orientiert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Insofern, ja. Und ich habe auch ein bisschen was dazu aufgeschrieben.
Florian Bayer: Das Bardo des Sterbens,
Johannes Franke: das Bardo des Damata. Und das Bardo des Werdens. Und das durchläuft dieser Film ziemlich eindeutig. Genau, das sind die drei Buchteile quasi. Also am Anfang der Moment des Todes. Es gibt ein weißes, gleißendes Licht, nach dem man laut diesem Buch, also man soll ja dann, wenn es um Buddhismus und sowas geht, so genau tief bin ich nicht drin, aber es soll ja, im Grunde sollst du ja raus aus dem Höllenkreislauf des Lebens, dass du immer wieder geboren wirst. Das heißt, das wird dir am Anfang angeboten mit dem gleißenden Licht. Und wenn du zu doof bist dazu, da rein zu gehen, dann bist du dazu verdammt, weiter in die nächste Wiedergeburt hinein zu stolpern. Oder wie Alex sagen würde, wenn du das Leben zu sehr liebst. Ja, oder wenn du deine Schwester zu sehr liebst.
Florian Bayer: Oder wenn du deine Schwester zu sehr liebst.
Johannes Franke: Ja, und das Zweite, also das eine, das Sterben, dann das Zweite, dass man so Visionen hat. Im Buch wird das auch viel mehr noch mit Monstern und so weiter, alles mögliche, was dir dann entgegengeworfen wird.
Florian Bayer: Man erlebt... gibt nicht nur seine eigene Entwicklung, sondern die Entwicklung des gesamten Universums. Ich finde übrigens, als nicht-spiritueller Mensch finde ich das Ding unlesbar. Ich habe es ein bisschen versucht. Ich habe ganz ein paar Aufschritte. Und das Schlimme ist, wenn man das Buch recherchiert, stößt man halt auf unglaublich viele spirituelle Websites.
Johannes Franke: Und sorry, ich weiß, es gibt viele Buddhisten da draußen,
Florian Bayer: die macht, was ihr cool findet und so weiter.
Johannes Franke: Das ist echt überhaupt nicht mein Ding. Ich verstehe es auch total. Jaja, also natürlich hat man so seine Phase mit 16, wo man denkt, oh, wie geil. Oder ist das, was ich mich gefragt habe, ist das meine Phase oder ist das eine Phase eines Alters mit 16, 17, wo man sagt, ja, Buddhismus ist das Ding? Oder war es tatsächlich einfach nur in den Anfang der 2000er eine Phase der Menschheit, wo einfach alle auf Buddhismus wieder aufgesprungen sind? Es gab auf jeden Fall so wieder so einen New Age Trend. Und ich glaube, es ist auch gemein, das als Phase von Jugendlichen abzutun, weil es gibt ja Menschen, die auch mit 40 Buddhismus für sich entdecken und damit voll glücklich werden. Ich meine bloß, dass das eine Phase ist, in der man das besonders enthusiastisch angeht.
Florian Bayer: Ja, ich glaube schon so ein bisschen. Das ist auch so die Zeit, wenn ich darüber nachdenke, das ist die Zeit, in der ich dann Hesse gelesen habe, weil Hesse war ja auch so, komm, lass uns den Buddhismus nach Europa bringen. Und dann gibt es ja auch diese New Age Stuff, diese Mischung von westlicher und östlicher Religion und Spiritualität. Ja, vielleicht ist es auch einfach das Gefühl, was Neues zu finden. Vielleicht sitzen die Leute in Tibet da mit 16, 17 und sagen, geil, erzähl mir mehr von diesem Monotheismus. Alter, Jesus? Echt jetzt? Der konnte über Wasser gehen und Wasser in den Welt verhandeln? Was mache ich denn mit diesem Buddha da?
Johannes Franke: Übrigens,
Florian Bayer: nette Story, ein Priester fliegt ins Weltall und trifft da auf eine Alienrasse. Also er fliegt natürlich als Kolonialist dahin und er redet mit den Aliens und sagt so, Kennt ihr, habt ihr schon mal von diesem Jesus gehört? Und die Aliens sagen, na klar, cooler Dude, kommt zweimal im Jahr vorbei, wir machen eine Riesenparty, haben voll Spaß. Und der Priester ist so total irritiert und sagt so, hä, bei uns war der nur einmal, was ist denn da los? Und sie meint, naja, jedes Mal, wenn er kommt, schenken wir ihm ganz viel Schokolade, laden ihn ein, weil er einfach so ein cooler Dude ist. Was habt ihr denn mit ihm gemacht, als er da war?
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: okay, okay. Spannend, echt nicht meine Welt. War aber, mir geht es genau wie dir, mit 16, 17 fand ich das auch faszinierend und habe auch so ein bisschen Zeug gelesen und möchte nicht unbedingt daran erinnert werden.
Johannes Franke: Naja,
Florian Bayer: es gibt ja diese Geschichte von Gaspar Noé liebt es mit seinem Publikum zu ficken. Gaspar Noé wird gefragt, was, also dieser Film, der handelt ja vom typetischen Totenbuch und davon, wie die Seele sich versucht zu erlösen und so weiter und er sagt, Quatsch. Bullshit. Es geht um jemanden, der einen schlechten Trip hat, weil er DMT eingeworfen hat, der gerade mit seinem Freund darüber gequatscht hat und deswegen beim Tod, beim Sterben diese Vision hat.
Johannes Franke: Dann sind wir jetzt bei Interpretationen.
Florian Bayer: Ich glaube ihm kein Wort. Er verarscht uns.
Johannes Franke: Aber er ist auch kein besonders gläubiger Mensch, soweit man das verstehen kann. Also er ist ja Atheist eigentlich. Aber trotzdem kann man sich ja damit beschäftigen. Also es ist ja nicht so, dass man Atheist ist und dann... Darf man sich nicht mit religiösen oder mit solchen Themen beschäftigen und analysieren und schauen, was steckt denn da drin. Und insofern finde ich die total gut. Vielleicht kommt mir der Film auch deswegen ein bisschen entgegen, weil der einfach von einem Atheist gemacht wurde, der trotzdem das Thema interessant findet. Und da steigt er halt auf meine Schiene auf.
Florian Bayer: Dafür, dass Gaspar Noé so ein Atheist ist, finde ich, ist es ein radikal-spiritueller Film. Und es ist wirklich ein Film, der sich um den Gedanken dreht, wie können wir außerkörperliche Erfahrungen... für mich umsetzen. Und ich habe sowas noch nie gesehen, so in der Form.
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Deswegen bin ich auch so fasziniert davon und kann auch damit leben, dass ich die letzte Stunde halt keine so gute Zeit habe, weil einfach so viele spannende neue Arten zu erzählen drin stecken, die mich einfach sehr interessiert haben. Ich finde es ganz witzig, dass du sagst, die letzte Stunde ist dir dann zu viel, weil ich,
Florian Bayer: bei mir gibt es so einen Moment, also ich brauche ein bisschen, um in diesen Film reinzukommen und ich finde die letzte Stunde am besten.
Johannes Franke: Das ist geil, weil ich finde, ich habe überhaupt gar keine Zeit reinzukommen. Ich brauche überhaupt nichts. Ich bin sofort dabei und denke, ja, okay, finde ich spannend. Ach, Gott sei Dank, wir sind doch uneins. Und dann die letzte Stunde denke ich halt, ja, okay und ach, und dann sucht er halt nach seiner Entry in die Welt wieder hinein. Das hätte er mir auch in 10 Minuten erzählen können. Ich finde halt dieses Albtraumhafte dazwischen so geil. Er fliegt dann ja auch zum Beispiel irgendwann wieder zu Alex,
Florian Bayer: der in diesem abgefuckten Haus sitzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und I want to live an die Wand schreibt. und der dann mit ihm redet und sagt, sie haben dich gefoltert, oder? Versuch doch mal deine Asche zu finden, vielleicht findest du dann eine Erlösung. Und dann fliegt er zu dieser Asche und Linda kippt die Asche gerade weg. Linda, wir haben noch gar nicht über Linda geredet. Stimmt. Wie finden wir Linda und wie finden wir die Hauptdarstellerin, die ja wirklich das, wenn es jemanden gibt, schauspieltechnisch, dann ist sie das Arzt des Films, Pasta la Huerta.
Johannes Franke: Ja. Ich finde, sie macht das ziemlich gut. Sie macht das wirklich ziemlich gut. Ich weiß gar nicht, sie ist Schauspielerin, oder? Sie ist wirklich Schauspielerin.
Florian Bayer: Sie ist eigentlich so die Schauspielerin in diesem Film.
Johannes Franke: Das merkt man schon auch, dass sie tatsächlich auch was kann. Und sie macht das tatsächlich sehr gut. Ich weiß nicht, wie viel man an ihr rumbaggern musste, um diese ganzen Sex-Szenen irgendwie aus ihr rauszuholen. Ich kann es nicht beurteilen.
Florian Bayer: Keine Ahnung.
Johannes Franke: Ich finde,
Florian Bayer: sie hat eine spannende Mischung aus diesem krass kindlich Unschuldigen. Also gerade wenn sie von Oskar dann nach... Japan geholt wird. Und dann so an ihm rumknabbert und an ihm rumhängt wie so ein kleines Kind fast schon. Und dann dieses aber sehr abgebrühte und sehr klar merkwürdig fokussierte auf einmal.
Johannes Franke: Wenn sie sagt, sie muss den Laden schmeißen mehr oder weniger.
Florian Bayer: Ich finde ihren Leidensweg interessant, weil sie hat ja wirklich krasse Ausbrüche, wenn sie zum Beispiel Victor anschreit, dass er sich umbringen soll. Das ist auch eine heftige Szene, wenn wirklich diese komplette Verzweiflung umkommt. Und wir haben so ein paar Momente, wie sie einfach nur zusammenbricht und in Embryo-Haltung heulend auf dem Bett liegt, finde ich saustark. Und ich finde ihre Beziehung zu Mario interessant, weil es halt nicht dieses typische der Gangster, der sie unterdrückt und unter der Fuchtel hat ist, sondern weil sie haben tatsächlich eine liebende Beziehung. Ganz merkwürdig. Und Mario hält zu ihr, selbst nachdem sie eigentlich, nachdem sie abgetrieben hat und er hat sich sogar noch gewünscht, mit ihr ein Kind zu kriegen. Und ist bei ihr und tröstet sie und das ist total schräg, weil es ist ja komplett anders als die Wahrnehmung, die Ja. Die Oscar von Mario hat, der die ganze Zeit dachte, da ist der Pimp, der meiner Schwester ans Höschen will und der keine Gefühle hat. Und das ist er überhaupt nicht. Finde ich eine super Entscheidung von dem Film.
Johannes Franke: Ja, das Klischee erstmal aufzumachen, um es dann zu brechen.
Florian Bayer: Ja, klar.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ich finde es... Schönheit in diesem Film. Die Momente, die am ehesten Erlösung sind, wenn dann Bach gespielt wird. Bach ist Lindas Thema. Wir sehen Linda, Oscar, wie er Linda beobachtet und dann wird Bach dieses R gespielt, was jeder kennt, was jeder schon mal gehört hat und es kommt mehrmals vor und ich finde es seltsamerweise nicht kitschig, obwohl es so Potenzial hat, kitschig zu sein. Das stimmt,
Johannes Franke: ja, ja, aber der Film arbeitet sehr, ganz sehr dagegen durch diese Entfernung, die er oft hat und so. Also ich, ja. Obwohl er durch seine Großstadtdichter und so durchaus auch eine romantische Komponente mitbringt. Es gibt ja so Szenen wie,
Florian Bayer: also es gibt diese Momente, wenn Oskar und Linda zusammen sind, die sind einfach schön, die sind romantisch. Da ist er auch irgendwie, also nicht nah dran, aber er hat zumindest so, er hat diesen Blick sehr drauf. Es gibt so Szenen wie, wir hatten über... über Johanna von Orléans, über die Passion der Jungfrau von Orléans geredet und uns drüber lustig gemacht, warum es so eine lange Breastfeeding-Szene gibt. Auch in diesem Film gibt es eine lange Breastfeeding-Szene, die auch so was Schönes hat. Und dann wird sogar gesagt, pst, Oscar, in diesem Moment.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ganz so an einer Peripherie irgendwo.
Johannes Franke: Ich finde überhaupt die ganzen Rückblicke, das ist kameratechnisch total gut gemacht, aber auch das Sounddesign ist ja der Hammer. Wie sie die Erinnerung und mit welchem, mit was für einer Lokalisierung der Stimmen erarbeitet und so. Es ist wirklich wahnsinnig gut und dabei gab es gar keinen richtigen Typen, der sich nur um Musik gekümmert hat, sondern es gab jemanden, der quasi als Director dasteht, aber der nur gesagt hat, hier hast du meine Sammlung von Geräuschen, Drones und allem möglichen Zeug, verwende es, wie dir dünkt. Thomas Bangalte, der dafft. Daftpunk ist. Also 50% Daftpunk. Und der gesagt hat,
Florian Bayer: du Gasper,
Johannes Franke: ich hab keine Zeit.
Florian Bayer: Ich mach da grad einen anderen Film, nämlich Tron. Ein Film, der Geld bringt. Und wo ich auch was verdiene. Aber pass auf hier. Und dann hat er ihm halt einfach so, in meiner Vorstellung hat er ihm eine ZIP-Datei geschickt, wo 10, nee, sagen wir mal 123 MP3s waren, die all den Titel hatten. Entwurf 1, Entwurf 2, Entwurf 3 und so weiter. Und Gasper hat gesagt,
Johannes Franke: geil,
Florian Bayer: ich mix das mal so.
Johannes Franke: Und ich finde, das hat er verdammt gut gemacht. Ich bin wirklich beeindruckt, weil er ja als Regisseur da reingeht und nicht als Musiker oder als ich weiß nicht, was für eine Erfahrung er sonst noch mit so Geräuschen hat, aber er hat ein richtig gutes Gespür dafür. Es sind halt auch die Geräusche, die reinhauen.
Florian Bayer: Wir haben schon erwähnt, diese Jumpscares. Ich finde, eine der krassesten Szenen dieses Films ist der letzte Jumpscare zu dem Tod der Eltern, wenn sie im Taxi sitzt mit Alex und dann sagt, pass auf und schreit und das kommt da rein. Und dann sind wir wieder schockiert, aber dann haben wir ja vor allem den Moment, wo wir das Kind Linda heulen hören. Die Kamera schwebt drüber, es ist noch unscharf und dann erkennen wir irgendwann, ach du Scheiße, die beiden Kinder sitzen angeschnallt im Auto, das umgestürzt ist und ihre toten Eltern liegen vor ihnen und sie sind da ewig gefangen.
Johannes Franke: Und das krasse ist ja, dass diese Eltern so gut hingerichtet sind, also so fies aussehen, so schlimm zugerichtet sind. Dass man da echt Albträume von bekommen kann. Und das als Kinder, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen, wie man das überwinden soll. So brutal.
Florian Bayer: Das ist wirklich eine Szene, wo du denkst, what the fuck. Die saßen da, die waren da gefesselt, das hat sie einfach traumatisiert.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Und das ist vor der Love Hotel Szene. Vor diesem ewig meandernden, ich fliege jetzt durch Sex, ist diese krasse Leitszene.
Johannes Franke: Wobei die natürlich zum dritten Mal auftaucht und wir schon wissen, dass die mit den Eltern zusammen da in dem Auto saßen.
Florian Bayer: Ja, aber diese Länge. Diese Größe von diesem Moment. Das stimmt. Zumindest ich verstehe die erste in dieser Szene, dass es wirklich so krass war und so reingehauen hat.
Johannes Franke: Eine Sache möchte ich noch vorne bringen, weil ich der Kameramann von uns beiden bin und natürlich solche Sachen besonders sehe. Dieser Vertigo-Effekt, den der Film immer wieder drin hat, der aber spannenderweise vor allem so gebaut ist, dass er auf einer Fischei-Perspektive endet. Also gehst auf etwas zu. Der Vertigo-Effekt komprimiert ja Hintergrund und Vordergrund. Nur um kurz den Vertigo-Effekt zu erklären, beziehungsweise könnt ihr auch einfach bei YouTube einmal Vertigo-Effekt eingeben. Der kommt von Hitchcock, von dem Film Vertigo. hast du einen Kameramann, der auf Schienen eine Kamera nach vorne schiebt und gleichzeitig aber mit dem Objektiv rauszoomt, sodass der Vordergrund, die Person, die zum Beispiel im Vordergrund ist, dass die an der gleichen Stelle bleibt. Aber dass sich dadurch, dass ein Objektiv eine andere Brennweite entwickelt, weil du rauszoomst, der Hintergrund völlig anders sich verhält plötzlich. Und du hast das physikalische Phänomen der Komprimierung und plötzlich sieht der Hintergrund ganz anders aus, während der Vordergrund annähernd gleich bleibt. Das ist ein super seltsamer Effekt, der wirklich während des Drehs und nicht am Computer entsteht.
Florian Bayer: Total verstörend, wenn man den sieht.
Johannes Franke: Und hier macht er das so weit, dass er eigentlich bis ins Fischei, also bis ins Fischei. zu einer extremen Weitaufnahme kommt. Also dass du auch wirklich verzerrte Enden hast, weil du so nah dran an etwas bist und das so groß im Bild drin ist. Und das macht er hier. Und er geht jedes Mal, wenn es einen Vertigo-Effekt gibt und den gibt es recht häufig, geht er am Ende in ein Fischei. Und dieses Konzept finde ich total bemerkenswert gut. Ich hoffe, ihr konntet euch irgendwas darunter vorstellen.
Florian Bayer: Es ist so schwierig, bei einem nicht visuellen Medium wie Podcasts sowas zu erklären. Achtet mal nochmal drauf auf die Kamerafahrten und auf die Zooms rein und Fahrten raus. Und vor allem, wenn sich Umgebungen mit Personen im Vordergrund irgendwie merkwürdig verhalten, als ob sich eine Wand bewegen würde, was eigentlich gar nicht sein kann. Dann ist es die Kamera. Ich habe vorhin das Wort Schönheit gesagt. Vielleicht einfach mal so als Frage, wie viel Schönheit und wie viel Schmerz steckt. in diesem Film. Wie optimistisch, wie pessimistisch ist er?
Johannes Franke: Der ist sehr buddhistisch wertfrei. Das ist halt so. Das Leben hat jetzt diese Wendung genommen und es ist viel Schmerz dabei natürlich, aber gewertet wird das alles nicht.
Florian Bayer: Finde ich gut. Also mein Gedanke wäre gewesen, tatsächlich gar nicht so weit weg davon. Es gibt sehr viel Schmerz, es gibt sehr viel Leid, aber es gibt auch sehr viel Schönheit. Und Oskar hält halt auch am Leben fest, weil er es schön findet. Und wenn ich dann so Szenen sehe, wie wenn er Linda gerade nach Tokio geholt hat und dann sind sie in diesem in diesem Laden mit den Lampen und Linda spielt so an den Lichtern, nicht Lampen, mit den Kristallen und Linda spielt so dran herum und alles leuchtet und alles funkelt, das ist auch einfach ein Moment purer Schönheit. Natürlich sehen wir kurz darauf wieder den Flashback zum Tod der Eltern.
Johannes Franke: Aber es gibt diese harmonischen und diese schönen Momente. Es ist nicht alles Leid darin. Naja, der versucht das Richtige nämlich uns erstmal hochzuholen, um uns richtig runterziehen zu können. Also wenn du die ganze Zeit nur unten bleibst, Bringt's ja auch nichts. Also musst du schon auch schönere Momente, gute Momente, tolle Momente finden, die irgendwie das lebenswerte Leben auch zeigen. Sonst hast du ja nichts davon, wenn du tief nach unten in den Autounfall oder sowas hineingehst.
Florian Bayer: Er zieht uns sehr viel und sehr oft runter. Es gibt ja auch einen, genau, es gibt einen Flug unter Tokio. Also die meiste Zeit ist die Kamera so über,
Johannes Franke: aber es gibt so einmal, wenn das ganze Bild kippt und dann,
Florian Bayer: ich weiß es nicht 100 Prozent, weil alles so desorientierend ist, Aber ich glaube, dann fährt die Kamera nicht nach oben. oben, um nochmal über die Dächer zu gehen, was sie sehr oft tut, sondern nach unten, um durch Kanäle oder sowas zu gehen. Ich weiß es nicht mehr.
Johannes Franke: Sorry, aber das ist dann die Repetition, die einfach reinkickt und ich dann das eine mit dem anderen, ich kann es nicht mehr auseinanderhalten.
Florian Bayer: Man könnte mal einen Supercut davon machen, wie lang ist das überhaupt? Ich habe es nicht gezählt. Wie viele Minuten von diesem Film werden benutzt für Kamerafahrten, die einfach nur über Objekte sind? 80 Prozent. Viel. Sehr viel.
Johannes Franke: Sehr viel. Gaspar Noé hatte diese Idee schon als Jugendlicher. Ja. Und er hat mit 23 Lady in the Lake gesehen. Lady in the Lake ist von 1947 und hat auch da schon so eine Ego-Perspektive. Ein Film-Noir-Film, offensichtlich ein Thriller.
Florian Bayer: Ich muss mir den irgendwann mal noch angucken.
Johannes Franke: Definitiv. Also man hört immer wieder Lady in the Lake, wenn es um irgendwelche Noir-Filme geht. Insofern sollte man sich den vielleicht mal anschauen.
Florian Bayer: Er war auf Pilzen, als er den gesehen hat. Ja,
Johannes Franke: toll.
Florian Bayer: Daher kam die Idee. Wahrscheinlich ist er einfach weggefadet und hat gesagt, oh geil, so machen wir das.
Johannes Franke: Und das Problem ist, dass dieser Film, so wie er ihn geschrieben hat, auch wenn die Dialoge gar nicht richtig festgelegt und so und viel improvisiert ist, dieser Film war klar, dass der wahnsinnig teuer wird. Ja. Zumindest für so einen normalen Filmemacher aus Europa. Ja. Und da hat er eben dieses Ding erstmal auf Eis gelegt und hat gesagt, okay, ich dreh erstmal Irreversibel. Ja. Den er mit einem Bankraub verglichen hat. Genau. Er hat gesagt, okay, ich mache jetzt einen Banküberfall, um das Geld zu haben, um den anderen Film zu drehen. Und der Banküberfall war halt dieser Film einfach. Irreversibel war ein riesiger Hit. Ein totaler Überraschungsfall. Irreversibel ist ein krass kontroverser Film.
Florian Bayer: Irreversibel ist ein sehr guter Film.
Johannes Franke: Ich habe ihn nicht gesehen. Ich habe keine Ahnung. Geht der eher in Richtung Climax? Ich ahne es, ja.
Florian Bayer: Nee, ganz anders. Nicht so wie Climax. Irreversibel ist... Caspar, nur eh ist Film, wo dieses Schock-Value am ehesten stärker mit einer Geschichte verknüpft ist. Irreversibel ist ein Rape-Revenge-Movie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wird aber von hinten nach vorne erzählt. Also Memento. Wie Memento.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und zwar endet es, es beginnt damit, dass der Ehemann die Vergewaltigung seiner Freundin recht, indem er den vermeintlichen Vergewaltiger umbringt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und im Zentrum des Films steht dann die Vergewaltigung, die eine F... unfassbar lange Szene ist, 10 Minuten. Wirklich schmerzhafte Szene. Und es endet dann mit dem harmonischen Leben der beiden vor der Vergewaltigung. Und das, was das mit dir macht, emotional, ist total krass, weil du siehst, die letzte Hälfte des Films siehst du einfach nur Alltag und Glück einer jungen Ehe. Und du weißt aber genau, was passieren wird. Das ist die ganze Zeit im Hinterkopf. Ein Film, der wirklich krass ist, der sich wirklich schmerzhaft anfühlt. Aber auch ein toller Film und ein wirklich großer Erfolg, mit dem kein Mensch gerechnet hätte. Aber Gaspar Neu gemacht hat, wirklich gemacht hat, gell? Geld zu nehmen.
Johannes Franke: Er hat anscheinend auch da schon, wenn du das vielleicht bestätigen kannst, diese rotierenden Kameras und lange Plansequenzen und sowas ist da schon drin.
Florian Bayer: Wie gesagt, es sind immer so 10-Minuten-Sequenzen oder 15-Minuten-Sequenzen und dann geht es eins zurück und er leitet die meistens dann damit ein, dass die Kamera übers Geschehen schwebt. Ganz am Anfang haben wir einen Flug durch so einen Sexclub und die Rächer sind da unterwegs um den Ja. um ihr Opfer zu finden. Ein wirklich brutaler Film, aber auch ein guter Film. Aber Triggerwarnung, da wird sehr viel sexuelle Gewalt gezeigt. Einfach auch sehr lang und sehr realistisch.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ganz interessant, kurze Zeit hing die Produktionsgesellschaft von Tom Tück war mit drin.
Johannes Franke: Oh
Florian Bayer: X-Filme, Creative Pool, die waren durchaus nicht abgeneigt, das Ding zu drehen, haben dann aber gesagt, das ist zu teuer. Und dann hat... er sich das zusammengesucht.
Johannes Franke: Wild Bunch hat ganz viel dazu gegeben.
Florian Bayer: Fidelity Films, genau, Fidelity Films war die Produktion, Wild Bunch war drin, Kanal, Studio Kanal, hat irgendwie mit drin gehangen. Es war echt eine teure Produktion dafür, dass es ein französischer Film ist. Was hat das Ding nachher gekostet? Das ist eine sehr traurige Geschichte.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Das Ding hat 12 Millionen gekostet.
Johannes Franke: Ach Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Das Ding hat 1,5 Millionen eingespielt.
Johannes Franke: Kommen wir schon dazu. In Cannes ist er ja gelaufen. Cannes, das große Filmfestival und war irgendwie katastrophal, aber auch legendär. Also es gab davon eine, man nennt es Rough Cut. Es gab eine unfertige Fassung, die 163 Minuten lang war, noch keine Credits hatte. Die Tonmischung war auch noch roh. er hat es einfach nicht rechtzeitig fertig bekommen, aber das Festival wollte den Film halt zeigen, weil er irgendwie akzeptiert wurde. Und dann, naja gut, dann schicken wir das hin, was jetzt gerade der Stand der Dinge ist. Oh, fuck. Und dann haben ein Teil des Publikums den Saal einfach verlassen und haben geboot oder was auch immer. Aber andere haben durchaus gesehen, was da passiert, ein visionäres Ding gesehen. Und das heißt, er hat schon durchaus auch Zuspruch bekommen, aber es gab halt auch viel, viel, viel Kritik. Irgendwo gab es Standing Ovations. War das in Cannes? Das weiß ich nicht.
Florian Bayer: Es gab viele Buhel-Leute, die rausgegangen sind, so einen Scheiß wollen wir ja nicht gucken. Aber es gab auch ein Festival so vor Release, wo er Standing Ovations gekriegt hat.
Johannes Franke: Geil. Das ist natürlich schön.
Florian Bayer: Und die Kritik war aber sehr gespalten über diesen Film. Und wie gesagt, das Publikum ist einfach ausgeblieben. Es war auch gar nicht so einfach, diesen Film zu sehen in den 2010ern. Als ich den geguckt habe, war es so, ah, neuer Gasper Noé-Film will ich sehen. Und dann finden wir mal ein Kino, wo er läuft. Gott sei Dank leben wir in Berlin, da findet man ein Kino.
Johannes Franke: Ja, aber es ist krass, weil er natürlich auch gedacht hat, ja okay, dass die jetzt da rausgehen und so. Das bestätigt jetzt so ein bisschen meine Vision auch, weil ich ja auch kontrovers sein will und auch irgendwie was will. Und wenn er da drin geblieben wäre und es alles widerspruchslos wäre, dann hätte ich ja auch fast schon gescheitert.
Florian Bayer: So ein bisschen. Aber er hat auch irgendwie recht. Es ist ein Film, aus dem Leute rausgehen. Und es ist auch ein Film, wo man sagen kann, wenn da nach einer halben Stunde jemand rausgeht, man kann es ihm nicht übel nehmen. Weil nach einer halben Stunde oder sagen wir mal meinetwegen auch nach einer Dreiviertelstunde, es kann diesen Moment geben, wo man sagt, nee, das ist nicht der Film für mich, das halte ich einfach nicht auf, das ist mir zu viel Gewaber, das sind mir zu viele Längen, zu viel prätentiöses Bildrauschen. Ich habe darauf keinen Bock und den Shock Value, darauf kann ich auch verzichten.
Johannes Franke: Ja gut.
Florian Bayer: Also ich finde, es ist ein Film, wo man es nicht übel nehmen kann, wenn jemand rausgeht und es ist ein Film, der natürlich produziert wurde, auch irgendwie mit dem Gedanken, dass Leute rausgehen. Und jeder erfüllt seine Rolle. Die, die schockiert sind, erfüllen ihre Rolle. Der, der den Film macht, erfüllt seine Rolle. Es ist einfach so ein Film.
Johannes Franke: Aber es ist halt leider eine Geldverbrennmaschine gewesen.
Florian Bayer: Eine absolute Geldverbrennmaschine.
Johannes Franke: Schade. Ist das, was wir da sehen, also wenn wir jetzt schon gesagt haben, es ist relativ wertfrei, als Happy End zu sehen? Weil im buddhistischen Sinne ist es kein Happy End, weil er ist nicht aus dem Cycle rausgekommen. Er ist wieder in der Wiedergeburt. und Noch dazu bei seiner eigenen Schwester, die in diesem Sumpf eigentlich ist von Tokio. Das heißt, er wird wieder in den Sumpf hineingeboren. Es gibt also keine Entwicklung, sondern er ist wieder dort, wo er eigentlich nicht hätte sein sollen.
Florian Bayer: Ich, um die Simpsons zu zitieren, das ist ein Ende. Es ist kein Happy End und es ist kein schlechtes Ende. Es ist halt einfach irgendwie ein Ende. Ich glaube, das Happy End ist, dass dieser Film produziert wurde und dass dieser Film so aussieht als Indie-Film mit dem Thema und mit diesem krassen Schock schockt Rockszenen und so weiter. Und so gut aussieht. Dass dieser Film so gut aussieht. Und dass dieser Film wirkt wie eine wirkliche Big-Budget-Produktion, die sich nicht vor Hollywood-CGI aus der Zeit verstecken muss.
Johannes Franke: Ja, absolut. Das stimmt.
Florian Bayer: Das ist das Happy End. Ansonsten ist es halt einfach, ich bin so froh, dass es diesen Film gibt. Es ist einfach, es ist auch so abgedroschen, wenn man das sagt, aber es ist wirklich was anderes. Es gibt keinen Film, der so ist. Und es gibt noch mehr Filme, zu denen man sagen kann, dass sie sind wie alle anderen Filme und zu denen das auch passt. Es ist einer von denen. Es ist einer von den Filmen, die man gesehen hat und denkt, wow, sowas habe ich noch nicht gesehen. Und ich finde, das ist auch so ein bisschen an der... Wenn man sich die Frage stellt, ob man diesen Film mag, es ist auch einfach. Also ich glaube, man muss zumindest einmal anerkennt nicken und sagen, ja, es ist wirklich was anderes. Und es ist wirklich kreativ und original.
Johannes Franke: Ja, total. Auch in seiner Konsequenz und so, auch wenn halt zwischendurch, wo man so sagt, okay, das macht jetzt nicht so richtig sind, wenn er schon diese Perspektive einnimmt, warum ist er dann dort und so. Aber das ist, ja, vollkommen okay, geschenkt.
Florian Bayer: Hätte es die Vagina Piovi gebraucht, Gasper, ich frage dich. Hätte es die Vagina Piovi wirklich gebraucht?
Johannes Franke: Er musste schockieren. Er musste. Er konnte nicht anders. Naja, gut.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, dass in diesem Moment wirklich im Kino wirklich gelacht wurde. Ja, krass. Und es ist nicht aus Hilflosigkeit, sondern die Leute waren erschöpft von dem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das war irgendwie sowas. Haha, guck mal, er ist auch nur ein Sterblicher. In dem Moment verliert Gaspar Noé und der Frill verlieren so ein bisschen ihre Würde, ihre dämonische Übergröße, weil es so eine alberne Szene ist. Weil man da den 16-jährigen Teenager sieht, der sich in sich reinkichert und sagt, jetzt sieht man,
Johannes Franke: wie der Penis reinkommt.
Florian Bayer: Ich habe nicht geguckt, wie das gedreht wurde.
Johannes Franke: Es ist nicht gedreht. Es ist alles CGI. Es ist komplett CGI.
Florian Bayer: Ich hätte ihm nämlich beides zugetraut, sowohl CGI als auch, dass er einen echten Penis und dass er gesagt hat, pass auf, Wir haben hier ein Sexspielzeug, wo du deinen Penis reinstecken kannst. Ich mache ans andere Ende die Kamera und ich möchte den Moment des Ejakulierens. Das hätte ich ihm auch zugetraut.
Johannes Franke: Also ich glaube, er hätte auch nie so ein gutes Bild dafür bekommen. Also so wie er es jetzt hat, so sieht das nicht aus. Das stimmt einfach nicht. Das ist... Nein. Meine Stille ist Nachdenken, liebes Publikum. Er hat die ganze Zeit genickt und gesagt, ja,
Florian Bayer: Nein, nein,
Johannes Franke: ich überlege gerade. Also ich weiß nicht,
Florian Bayer: so im Kanal, ja, aber Penis... den Penis hat er doch realistisch getroffen. Ich habe ihn für einen echten Penis gehalten. Ich habe es zumindest für mitgehalten, dass es ein echter Penis ist.
Johannes Franke: Und die Ejakulation auch?
Florian Bayer: Da macht sie einfach nur und man sieht nichts mehr. Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Aber ich weiß irgendwie, keine Ahnung. Es war insgesamt seltsam komisch.
Florian Bayer: Lass uns das nochmal genauer anschauen. Die nächsten fünf Minuten gucken wir uns diese Szene an und reden über Details.
Johannes Franke: Das kannst du so vergessen. Ich werde nicht mit dir, neben dir sitzen und gucken, wie ein Penis in eine Vagina eintritt.
Florian Bayer: Ein 10 Sekunden Shot und es ist der Shot, den man am ehesten nicht mehr vergisst aus diesem Film.
Johannes Franke: Das ist so traurig, weil das den Film eigentlich so überholt und man dann denkt, nein, nein,
Florian Bayer: ich will doch den Rest des Films im Kopf haben und nicht diese Szene. Und das ist auch nicht das, was Gaspar damit wollte. Nein,
Johannes Franke: natürlich nicht. Also insofern hat er sich vielleicht nicht unbedingt einen Gefallen damit getan, was soll's. Aber gut, er ist auch nur ein Sterblicher. Ich finde es interessant, dass dieser Film für mich am Anfang nicht, aber dann irgendwann zu einem Stummfilm wird. Ja. Ich finde es total bemerkenswert, weil mir das gar nicht so richtig aufgefallen ist. Aber im Nachhinein dachte ich so, ja, da gibt es Leute, die irgendwie was brabbeln oder irgendwie jemand, der sich aufregt oder irgendjemand, der in Tränen aufgelöst was sagt. Aber was er sagt, ist eigentlich egal. Das ist nicht so wichtig.
Florian Bayer: Die Story ist auch, wenn man die Geschichte anversichtet, ist die ja auch relativ banal. Es ist jetzt nicht so, dass hier eine tiefgreifende Geschichte erzählt wird. Klar, so ein bisschen Psychologie, ein bisschen Freud haben wir mit drin.
Johannes Franke: Aber das ist jetzt nicht alles groß intellektuell. Ja. Und dann sind es vor allem Eindrücke. Ja. Apropos Eindrücke. Ja. Wollen wir mal zu unserer Top 3. Top 3. Motion Signals. Ja, neigst du zu Motion Signals? Brrr. Eigentlich nicht unbedingt. In diesem Film halt vor allem nicht, weil ich es halt auf einem kleinen Bildschirm gesehen habe. Und die dürfen mich gerne steinigen dafür. Es ist in Ordnung. Wie ist es denn mit VR-Brillen? Machen die dich fertig? Nö, eigentlich nicht. Oh, okay. Ich komme klar.
Florian Bayer: VR-Brillen sind für mich hart. Ah, verstehe. Das ist wirklich, also es ist besser, also es ist auch so ein technisches Ding, aber es ist noch nicht 100% so, dass ich das richtig machen kann.
Johannes Franke: Deswegen bin ich auch tatsächlich mit der Top 3 ein kleines bisschen... Schwierigkeiten gehabt. Weil natürlich gibt es Sachen, die man findet, wenn man im Internet ein bisschen recherchiert, um so ein bisschen auf Ideen zu kommen. Es ist ja oft so, dass wir so eine Top 3 haben, wo man dann sagt, bevor ich jetzt irgendwie 10 Stunden lang in meinem eigenen Gehirn Windungen rumpule, gebe ich es einmal bei Google ein und dann kriege ich so leichte Ansätze, wo ich nachgucken kann, wo ich merke, ah, das war sowas, das war sowas. Und bei Motion Sickness habe ich das gemacht und auch so ein bisschen was gefunden und habe dann gedacht, aber hat Hat mich das wirklich irgendwie so... Und dann habe ich gedacht, es gibt ja auch Filme, wo nicht der Zuschauer in Motion Sickness ist, sondern die Leute im Film.
Florian Bayer: Oh, ich befürchte, du hast einen Platz, den ich auch habe. Einen Film, den ich auch habe. Das habe ich nämlich auch drin.
Johannes Franke: Okay, gucken wir mal. Vielleicht.
Florian Bayer: Du musst loslegen.
Johannes Franke: Ich fange an und zwar mit... North by Northwest, da gibt es eine Szene, wo er so betrunken quasi an der Klippe mit dem Auto langfährt und man wirklich so, auch denkt, wow, die Hitchcock macht hier richtig was, was gar nicht so, wo man gar nicht mit gerechnet hat in dem Moment. Weil das auch vor Vertigo war? Nee, stimmt nicht, Vertigo war ein Jahr vorher. Aber trotzdem ein wahnsinnig spannendes Ding.
Florian Bayer: Bei dem haben wir auch geredet, ne? Das war der unsichtbare Dritte.
Johannes Franke: Der unsichtbare Dritte. Richtig guter Film. Sehr komödiantischer Film, überraschenderweise. Aber diese Szene ist wirklich, da kriegt man als Zuschauer Motion Sickness, aber vor allem, weil der betrunkene Autofahrer eben diese Sickness hat.
Florian Bayer: Geil. Sehr cool.
Johannes Franke: Das ist sehr gut gemacht, finde ich.
Florian Bayer: Mein dritter Platz ist auch so ein bisschen Dishonorable Mention, weil es eigentlich nicht so ein guter Film ist.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Aber der Film, bei dem ja am meisten Motion Sickness bisher in meiner Filmschau-Karriere verursacht wurde.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Cloverfield, aus dem Jahr 2008 von J.J. Abrams produziert. Der Lost-Macher. Deswegen musste ich den Film damals unbedingt sehen, Welch. weil Lost gerade irgendwie so fertig war. Und Cloverfield ist ein Found-Footage-Film, wo New York, glaube ich, von einem Monster angegriffen wird. Von einem Godzilla-Verschnitt aus dem All. Und wir folgen einem Typen mit Home-Kamera, der unterwegs ist und versucht, sich zu retten und mit seinen Freunden zu fliehen aus der Stadt, die halt von dem Alien angegriffen wird. Mann, also sowieso ist es bei Found Footage ja sowieso oft so, dass die Kamera sehr viel wackelt. Aber der Typ hat keine ruhige Hand. Und es ist wirklich, also der Film hat sehr viel Übelkeit bei mir ausgelöst. Aber ich habe mich tapfer durchgekämpft und es ist nicht mal so ein besonderer Film.
Johannes Franke: Okay. Ich habe auf Platz 2 Triangle of Sadness, um mal eine ganz andere Richtung zu machen. Ja, den haben wir auch besprochen. Es hat nichts mit Kameraperspektive zu tun oder sonst irgendwas, sondern es geht eigentlich einfach nur darum, dass allen Leuten auf diesem Schiff... wahnsinnig schlecht wird. Und wir so viel Kotze sehen, wie wir sonst in keinem Film sehen.
Florian Bayer: Das ist eine schlimme Szene. Das ist richtig,
Johannes Franke: richtig schlimm. Aber ich finde den Film trotzdem gut, weil ich sonst mit solchen Szenen nicht unbedingt was anfangen kann. Aber der Film macht das sehr, sehr gut. Er begründet das sehr gut. Der Film sagt einem, warum er das jetzt macht und warum wir das jetzt mit durchmachen müssen, damit wir dann, dass das auch irgendwie zufriedenstellend ist am Ende. Fand ich tatsächlich einen sehr guten Film. Haben wir auch drüber gesprochen, genau. Was für ein böser, kässiger Film das war. Ja. Den hast du mir gegeben, ne? Ja. Und es war wirklich derb und richtig hart. Ich hoffe, ich nehme dir deinen Platz 1 nicht weg. Ich habe auf Platz 2 die roten Schuhe. Oh, habe ich nicht. Ach Gott, gar nicht. Die roten Schuhe haben wir besprochen,
Florian Bayer: wir hatten einen Gast und zwar hat Shari den reingebracht. Ja. Und der Film hat mich total umgehauen, insbesondere die Ballettszene in der Mitte des Films, wo unsere Protagonistin, die Balletttänzerin ist, einfach in diesem Stück auftritt. Und dann wird es aber nicht in zwei Minuten abgehandelt, sondern dann werden 15 Minuten Ballett gezeigt. Und es hört einfach nicht auf und vor allem löst sich die Bühne irgendwann auf. Und wir sehen sie tanzen durch ihre Ängste, durch ihre Träume, durch ihre Wünsche und Hoffnungen. Und es gibt sehr viele schwindelerregende Szenen in diesem Moment, wo die Kamera mit ihr mittanzt und man als Zuschauer auch einfach die Orientierung verliert.
Johannes Franke: Ja, das ist total eine krasse Szene. Die habe ich tatsächlich gar nicht dran gedacht, aber du hast absolut recht. Eine der besten. vielleicht für dieses Thema auch.
Florian Bayer: The Red Shoes aus dem Jahre 1948. Großartiger Film.
Johannes Franke: Wirklich, wirklich großartiger Film. Auch gerade wegen dieser Sequenz, selbst wenn ihr keine Tanzfilme mögt oder sowas, das ist einfach, das ist nicht auf den Tanz abgestellt, sondern das ist einfach künstlerisch so genial gemacht. Okay, und ich hab auf Platz 1, ja, was sonst? Ich hab einen zweiten Hitchcock noch mit drin. Der eigentliche, ursprüngliche, der das Ganze macht, Vertigo. Ah,
Florian Bayer: natürlich.
Johannes Franke: Von Alfred Hitchcock, der einmal zeigt, wie jemand so einen Höhenschwindel hat. Der geht da den Turm hoch und dann sehen wir, wie er runterguckt, diese ganze ellenlange Treppensache. Und dann hat Hitchcock natürlich den Effekt nicht erfunden, obwohl er das für sich in Anspruch nimmt, sondern sein Kameramann hat das mehr oder weniger erfunden. Und es war auch nicht der erste Film, in dem das eingesetzt wurde. Genau, und auch nicht ganz der erste Film. Aber es ist nach diesem Film benannt, weil alle auch für sich in Anspruch nehmen, dass sie es da erfunden haben. Was ich vorhin erklärt habe, dass einfach der Vordergrund bleibt gleich, aber der Hintergrund verändert sich physikalisch. Und das illustriert natürlich ideal und richtig gut den Höhenschwindel, den unsere Figur, unsere Hauptfigur hat in dem Moment.
Florian Bayer: Sehr coole Nummer eins.
Johannes Franke: Richtig gut.
Florian Bayer: Habe ich gar nicht dran gedacht. Aber es ist auch tatsächlich ein Schwindelgefühl für das Publikum in dem Moment.
Johannes Franke: Auch genau, sowohl für das Publikum als auch für den Typen, was ja so genial daran ist, dass man den Zuschauer darin versetzt, dass der es wirklich auch selber nachempfinden kann.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist Es ist schwer ein Gott zu sein aus dem Jahr 2013 von Alexey German. Ein russischer Science-Fiction-Film, wo es um eine Weltraummission zu einem fremden Planeten geht, auf dem Menschen leben, die aber noch im Mittelalter sind, so kulturell. Und die Astronauten... die da landen, um diese Menschen zu untersuchen, versuchen sich halt unter das Volk zu mischen und nicht aufzufallen. Dieser Film ist nicht so. Dieser Film ist nicht das, was ich gerade erzählt habe von der Story, sondern das ist einfach mal drei Stunden lang ein Warten durch den Schlamm und durch verstörende Schwarz-Weiß-Bilder, Menschen, die debil in die Kamera grinsen, sehr viel Dreck und irgendwann gebe ich dir den, aber noch nicht heute.
Johannes Franke: Ja, bitte nicht heute. Du hast mir gerade erst diesen hier gegeben, insofern. Ja, tolle Top 3. Ja, tolle Top 3. Das war unsere Top 3. Ein Tag voller positiver Überraschungen, wenn wir jetzt vor allem zum Fazit kommen. Wir kommen zum Fazit zu Enter the Void. Das Urteil. Und ich bin immer noch stolz auf diesen Jingle. Zu Recht. Okay, ich fang mal an, weil das ist ja dein Film und du darfst am Ende nochmal vomiten, was du so Tolles an diesem Film siehst. Nein, also Enter the Void macht wahnsinnig viele... tolle neue Ideen auf, wie man was erzählen kann und aus welchen Perspektiven man erzählen kann, wie man mit Kamera spielen kann und wie das Ganze mit CGI in deren Möglichkeiten überhaupt so perfekt zusammengebracht wird, dass ich nicht drüber nachdenken muss. Und das mit CGI von 2009, meine Fresse. Also es ist wirklich richtig, richtig gut gemacht. Und dann kommt die Länge dazu. Ja. Und die reißt halt mit dem Arsch dann bei mir alles wieder ein und wenn ich aber so ein, zwei Tage vergehen hab lassen, das in meinem Kopf rumort hat, dann spür ich die Länge ja gar nicht mehr. Dann hab ich nur noch das im Kopf, was da alles für krasses, tolles, kreatives, spannendes passiert ist und dann lohnt sich der Film total. Also ihr müsst da vielleicht einfach mal einmal durch und so und man denkt sich oft dann, ach scheiße, warum guck ich das überhaupt noch? Aber eigentlich ist es total gut.
Florian Bayer: Es ist ein anstrengender Film. Also da kommt man nicht drum herum. Es ist wirklich ein anstrengender Film und Braucht man auch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Das ist wirklich zermürbend. Und auch wenn ich diesen Film sehr mag, fühle ich mich sehr müde danach. Und auch wenn ich diesen Film sehr mag, gibt es Szenen, wo ich denke, komm zu Potte, ach du prätentiöses Arschloch. Echt. Es wäre auch die Hälfte der Zeit gegangen, um auf irgendein flackerndes Neonlicht zu starren.
Johannes Franke: Aber ich habe Lust, ihn nochmal zu gucken.
Florian Bayer: Es ist ein Film, der, ich fand ihn tatsächlich beim zweiten und auch beim dritten Mal, hat er mich nochmal mehr mitgerissen als beim ersten Mal. Vielleicht, weil ich auch schon wusste, was auf mich zukommt. Ich finde, das ist wirklich ein... unglaublich starker Film. Wahrscheinlich der beste von Gaspar Noé. Ja,
Johannes Franke: dann kann ich nicht noch einen gucken von Gaspar Noé. Das war es dann jetzt auch.
Florian Bayer: Ich glaube, ich kann dir Irreversibel auch nicht antun. Okay, gut. Und es ist wirklich ein radikaler und konsequenter Film. Und nochmal, es ist, er macht was anders und er macht was besonders visuell und erzählerisch. Und deswegen verzeihe ich ihm auch ganz viel von seinen Stolpereien und von dem, was nicht so gelungen ist, weil es einfach wirklich ein einmaliges Erlebnis ist.
Johannes Franke: Ja, geil.
Florian Bayer: Muss man sehen.
Johannes Franke: Schön, ja, ich finde auch, muss man sehen. Auf jeden Fall alleine wegen der ganzen tollen, kreativen, neuen Ideen.
Florian Bayer: Das macht mich echt fertig. Ich wollte dich fertig machen und jetzt hast du mich fertig gemacht. Du hast gewonnen. Ich gebe auf. Yes. Okay, und jetzt kenne ich die Geschehen. So ein Scheißfilm. Alles ist blöd. Nächste Woche muss man sehen, Podcast. Ja, was nächste Woche muss man sehen, Podcast?
Johannes Franke: Tja. Wir hören uns den Jingle nochmal an und dann sagen wir euch, was es noch gibt, weil wir müssen erstmal auf dem Balkon verschwinden und diskutieren, was wir dann nächste Woche machen.
Florian Bayer: Ansonsten wie immer, vielen Dank fürs Zuhören. Wir hören uns nächste Woche. Bis dahin.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao. So, Plor, wir haben noch was. Und zwar werden wir nächste Woche... einen Film von mir reinholen. Und zwar auch wieder ein Film, wo ich sage, lange her, dass ich ihn gesehen habe. Ich fand ihn damals total krass und ein bisschen verstörend und irgendwie weiß ich nicht so genau, wie ich ihn heute finde. Deswegen gucken wir nächste Woche The King of Comedy. Juhu, ist das easy Aus den Jahren 1982 von Martin Scorsese. Und ich bin sehr gespannt, wie ich ihn finde. New Hollywood nach New Hollywood,
Florian Bayer: ich weiß es auch nicht mehr, ich habe ihn auch schon lange nicht mehr gesehen. Ich habe ihn immer so als Comedy-Variante von Taxi Driver in Erinnerung gehabt.
Johannes Franke: Ist das gemein,
Florian Bayer: die Comedy-Variante. Okay, gut, ja,
Johannes Franke: es ist auch mit Robert De Niro, das stimmt. Also insofern, ja, vielleicht ist es einfach die Comedy-Version von Taxi Driver. Werden wir sehen. Schaut euch den Film an und dann hört nächste Woche rein. Bis dann. Bis dann, ciao.
