Episode 273: The King of Comedy – Cringe Comedy Gold
Rupert Pupkin pflegt eine Obsession mit Late Night Host Jerry Langford. Er ist sein Lebensinhalt, seine Inspirationsquelle, sein Grund zu leben. Rupert will so sein wie Jerry: Berühmt, lustig und der Mittelpunkt allen Seins.
Er träumt davon als gefeierter Comedian Gast in Jerrys Show zu sein. Und als Jerry, in real life, seltsamerweise nicht sein bester Freund sein will und ihm nicht sofort einen Gastauftritt verschafft, beschließt er Jerry zu entführen, um den ihm zustehenden Platz im Promi Olymp zu erpressen. Die Produzenten der Show willigen zähneknirschend ein und Rupert bekommt, was er will. Er darf auftreten, bekommt seine fünf Minuten Ruhm und danach ein paar Jährchen Gefängnis.
Ein Film voller unangenehmer Momente, in denen Rupert soziale Normen und Realitäten ignorieren darf. So viele Momente der Fremdscham. Ein Genre der Komik, bei der nicht jeder befreit auflachen kann. Vielen Zuschauern tut diese Art des schwarzen Humors zu sehr weh, als dass sie es lustig finden könnten.
Plor, wie gehst du damit um?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 273: The King of Comedy – Cringe Comedy Gold Publishing Date: 2026-03-25T10:51:59+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/03/25/episode-273-the-king-of-comedy-cringe-comedy-gold/
Johannes Franke: Main-Character-Syndrom. Was man in seinem Leben erlebt, als Narrativ zu begreifen, dass anderen erzählt werden muss, was anderen aufbereitet werden muss.
Florian Bayer: Das ist so krass. Und das macht er ja hier auch. Und das finde ich wahnsinnig irre. Es hat so ein Einstiegstor für Narzissmus und Egomanie.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: So, wo sind wir? Bei der Unendlichkeit. Also, die kleinste Unendlichkeit ist Aleph 0. Das ist die Größe der natürlichen Zahlen. Und eine größere Unendlichkeit ist die Unendlichkeit der reellen Zahlen. Möchtest du etwas über Cantors geniales Diagonalargument lernen?
Johannes Franke: Leute, Plur ist gerade in einer parasozialen Beziehung mit ChatGBT und fragt alles mögliche ChatGBT und kommt da nicht mehr raus. Plur Du bist in meiner Küche und wir reden über einen Film. Wie wär's damit? Damn,
Florian Bayer: parasoziale Beziehungen sind nichts Schlechtes. Aber passt auf, dass sie nicht euren Alltag diktieren.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und damit herzlich willkommen bei Muss man sehen Podcast,
Johannes Franke: wo wir uns gegenseitig Filme vorschlagen und ich diese Woche gesagt habe, komm, lass uns doch einmal Scorsese nochmal anschauen, wie er den Joker, den wir 2019 bekommen haben, eigentlich ursprünglich gemeint hat.
Florian Bayer: Ja, absolut. Wir haben hier den Original Joker. Die Urform und sogar mit einem Schauspieler, der auch im Joker wieder auftauchen wird, nämlich Robert De Niro.
Johannes Franke: Die haben sich versucht, verzweifelt irgendwie legit zu machen, indem sie Geld gegen den Schauspieler geworfen haben.
Florian Bayer: Du hast Joker gesehen, oder?
Johannes Franke: Ich habe Joker gesehen, ja auch extra nochmal.
Florian Bayer: Deiner Meinung nach erfolgreich? Haben sie es geschafft, sich legit zu machen?
Johannes Franke: Wir reden da später nochmal drüber.
Florian Bayer: Sehr schön. Das war der Clickbait für heute. Aber jetzt kommen wir erstmal zu King of Comedy aus dem Jahre 1982 von Martin Scorsese und Johannes. Da du den 5 Uhr geschlagen hast, hast du bestimmt was dazu zu erzählen.
Johannes Franke: Robert Pumpkin. nein, Puppkin, pflegt eine Obsession mit Late-Night-Host Jerry Langford. Er ist sein Lebensinhalt, seine Inspirationsquelle, sein Grund zu leben. Rupert will so sein wie Jerry. Berühmt, lustig und der Mittelpunkt allen Seins. Er träumt davon, als gefeierter Comedian Gast in Jerrys Show zu sein. Und als Jerry in Real Life seltsamerweise nicht sein bester Freund sein will und ihm nicht sofort einen Gastauftritt verschafft, Und? beschließt er, Jerry zu entführen, um den ihm zustehenden Platz im Promi-Olymp zu erpressen. Die Produzenten der Show willigen zähneknirschend ein und Rupert bekommt, was er will. Er darf auftreten, bekommt seine fünf Minuten Ruhm und danach ein paar Jährchen Gefängnis. Ein Film voller unangenehmer Momente, in denen Rupert soziale Normen und Realitäten ignorieren darf. So viele Momente der Fremdscham. Ein Genre, der Komik bei der nicht jeder befreit auflachen kann. Vielen Zuschauern tut diese Art des schwarzen Humors zu sehr weh, als dass sie es lustig finden könnten. Flor, wie gehst du damit um?
Florian Bayer: Ich leide. Aber ich leide auch irgendwie gerne. Auf hohem Niveau. Ja, also ich habe auf jeden Fall so einen Masochismus, der dazu führt, dass ich Fremdscham filme und Serien. gerne gucke.
Johannes Franke: Ich weiß von dir, dass du mit, wie heißt er, The Office und mit dem Deutschen und mit dem Amerikanischen und mit dem Englischen, dass du die durchaus mochtest.
Florian Bayer: Ich mochte The Office, ich mochte Stromberg und das ist beides wirklich brutal Fremdscham. Absolut. Und ich finde beides ist auch in den schlimmsten Momenten nochmal eine echte Nummer härter als dieser Film.
Johannes Franke: Ja, wirklich, eine ganze Nummer härter als das hier.
Florian Bayer: Aber dieser Film hat auch diese Momente und auch... diese Situation, wo ich denke, bitte lass es aufhören. Und danach denke ich, ach, das war ja eigentlich ganz witzig.
Johannes Franke: Man fühlt sich so ein bisschen gefangen genommen davon und so und will da eigentlich raus aus der Situation. Und am Ende denkt man sich, wie so ein Arztbesuch. Ja, scheiße, aber am Ende ist man doch ganz froh, dass es passiert ist. Genau. Man hat es gebraucht.
Florian Bayer: Es ist ganz spannend, weil dieser Film ist ja, ich finde, was so Fremdschamlevel betrifft, Und auch was so ein New Hollywood Level betrifft, um das gleich mit reinzunehmen, weil der wird ja gerne und auch meiner Meinung nach vollkommen zu Recht mit Taxi Driver verglichen. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Ist ja seichter. Also es ist kein seichter Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich finde auch ganz viel davon ist gut und richtig, dass er das so macht. Aber er ist nicht so brutal. Die Fremdscham ist nicht so brutal.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auch die... Art des Leidens ist nicht so brutal oder hat nicht so eine Gravitas. Wir haben ja Taxi Driver auch gesehen und auch darüber gesprochen.
Johannes Franke: Aber es ist schon eine Weile her und jetzt neige ich gerade dazu, dir so ein bisschen zu widersprechen, weil ich den schon wirklich sehr brutal finde hier. Ich muss sagen, ich sitze echt, echt viel da und mir tut viel weh. Und ich habe Spaß daran, aber es ist schon auch, er hat da eine Unausweichlichkeit da drin, dass da... du musst da durch und das ist schon wirklich hart. Ja,
Florian Bayer: ich finde, er hat parallel dazu immer was sehr Leichtfüßiges und das ist teilweise schwer zu greifen, weil es ja wirklich bitterböser Humor ist und wirklich schlimme Situationen sind und schwierige Situationen sind, in die sich unsere Protagonisten bringen. Und doch bleibt immer so ein Moment der Leichtfüßigkeit und ich glaube, das hat zwei Gründe. Das ist zum einen der Charme von Robert Pupkin, der irgendwie da ist auf eine schräge Art und Weise, So. so unbeholfen dieser Mensch in sozialen Situationen ist, so hat er doch einen gewissen Charme.
Johannes Franke: Ist es nicht nur einfach Mitleid?
Florian Bayer: Nein, es ist nicht nur Mitleid. Er hat meiner Meinung nach eine gewisse Art, sich in Situationen zu bringen, die ihm tatsächlich helfen und ihn tatsächlich weiterbringen könnten. Ja, wenn er es nutzen würde. Ich finde, er kommt schon immer ziemlich weit und dann ist das Problem, dass er aber zu weit geht. Ja, ja, total. Und dann zum zweiten, neben dem Charme von unserem Protagonisten, ist es der Anticharm von unserer Protagonistin, von Mascha, die so seine Komplizin ist, die so comichaft überdreht ist, so übertrieben, dass es halt auch, dass dieses realistische Identifizieren fehlt, um das wirklich unangenehm zu machen.
Johannes Franke: Bei ihr stimmt, ja. Ich muss sagen, und das ist vielleicht eine Frage des idiotischen Schauspielers, der hier sitzt, dass sich diese Fantasiewelten, in die er hineinspringt, so dieses im Extremfall der Lehrer, der dann sagt, und wir haben uns alle geirrt und wir müssen uns unbedingt bei dir entschuldigen.
Florian Bayer: Was für ein trauriger Moment, weil da wird natürlich voll deutlich, was für ein Schmerz er in sich trägt. Ja,
Johannes Franke: volle Kanne. Oder eben der Talkshow-Host, der sagt, nein, du bist ja genial, es ist ja unglaublich, du könntest ja gar nicht genial sein, wenn du es selbst versuchen würdest. Dieses Gespräch, dieses innere... Gespräch kennt man von sich in Ansätzen als Schauspieler. Ich weiß nicht, ob du das kennst, aber als Schauspieler oder als jemand, der irgendwie in der Öffentlichkeit versucht, Fuß zu fassen, kennt man dieses innere Gespräch. Natürlich völlig anders, als er das macht, weil er das ernst nimmt und für sich als stärkere Wahrheit sogar annimmt als die eigentliche Wahrheit. Aber so diesen Anflug von, dass man mal nachts, wenn man zu lange wach ist. da sitzt und Gespräche improvisiert mit Harald Schmidt, der einem sagt, schön, dass du hier bist, du hast ja mit deinem tollen Film so im Essensunternehmen erzählt, wie toll man ist. Irgendwie kennt man das.
Florian Bayer: Natürlich, also das war jetzt schon sehr konkret mit deiner Harald-Schmidt-Vorstellung. Ich hoffe, du machst das heute nicht mehr.
Johannes Franke: Nein, als Kind hatte ich das aber echt. Also Harald Schmidt, ganz konkret Harald Schmidt.
Florian Bayer: Ich habe einen tiefen Hang zum Eskapismus. Und ich habe auch einen Hang zum Fantastischen, zu Fantastereien und so. Deswegen kenne ich das auch, so dieses Durchspielen. Und natürlich also Eskapismus wirklich im wahrsten Sinne des Wortes auch als Fluchtbewegung.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Die da mit drin steckt. Und bei ihm gibt es ja auch ganz oft die Momente, wo man merkt, es gibt, und das finde ich wirklich spannend an seiner Figur, er hat in ganz vielen Momenten eine Verwurzelung in der Realität und weiß eigentlich, wo er steht und wo er nicht steht. und dann gibt es diese Momente, wo es halt durchspricht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, total.
Florian Bayer: Aber wenn wir das vergleichen mit anderen Figuren, es gibt ja immer mal wieder Figuren, die so inszeniert werden, dass sie halt so Wahnvorstellungen haben und sich in dieser parasozialen Beziehung flüchten und komplett den Bezug zur Realität verlieren. Bei ihm wirkt es realistischer vielleicht, weil es immer noch so ein bisschen dieses geerdete Moment hat. Weil er hat ein Ziel und er arbeitet da ja auch drauf hin. Er gibt sein Tape ab, er nimmt sein Tape auf. Sein Tape ist, glaube ich, komplett delusional. Also wir wissen nicht, was er in dem Tape macht, aber es hat sehr viel Anbiederung in sich und es ist sehr viel so, okay, jetzt stellen wir uns die Show vor, jetzt stellen wir uns vor, wie ich das mache. Also es ist mehr seine Fantasie als das, was er eigentlich liefern soll. Aber er gibt das Tape ab. Er redet mit der Sekretärin, er sagt, Jerry soll ihn zurückrufen. Das heißt, auch wenn er dabei penetrant ist, hat das so was Realistisches von einem penetranten Typen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der aber trotzdem, der irgendwie was macht, was... Was richtig ist, ey, er schafft es, dass die Produzenten seinen Tape auf dem Tisch liegen haben.
Johannes Franke: Absolut, aber er geht ja den entscheidenden Schritt dann nicht, ne?
Florian Bayer: Beziehungsweise den entscheidenden Schritt zu weit.
Johannes Franke: Naja, gut, okay, aber völlig falsche Richtung.
Florian Bayer: Falsche Richtung, ach, du meinst, er geht den Schritt nicht, dass er in kleinen Clubs auftritt zum Beispiel. Genau,
Johannes Franke: also sie ist ja großartig. Diese Chefin, die seinen Tape bekommt, ist so wahnsinnig professionell und so gut auf den Punkt. Das ist ja wirklich toll, weil sie das Tape nimmt, sagt, okay. Cool, da steckt viel drin. Geh einfach und gib ihm den besten Rat, den man geben kann. Geh einfach tatsächlich auf die Bühne, spiel das ein bisschen ein, entwickle ein besseres Timing. Da sind gute Gags drin, wirf die anderen Sachen, die nicht funktionieren, raus und dann kommst du wieder.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann schicken wir jemanden und der guckt dich an und dann ist gut.
Florian Bayer: Genau, tritt auf kleinen Bühnen auf. Was der beste Ratschlag für ihn ist. Absolut. Weil er ist nicht unbegabt.
Johannes Franke: Er ist nicht der absolut schlechteste. Nein,
Florian Bayer: er ist sehr generisch.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Aber er macht Comedy. Er macht Comedy, generischen Comedy, wie es in dieser Zeit funktioniert und wie es nichts komplett daneben ist.
Johannes Franke: Wie wir ehrlich sind, auch heute sehr viel existiert.
Florian Bayer: Und auch heute sehr viel existiert.
Johannes Franke: Muss man sagen. Aber lass uns über den Stand-Up, den er am Ende tatsächlich macht, auch wirklich erst am Ende reden. Ja. Weil es wirklich spannend ist, die Genese dahinter, wie das dazu kommt. Und Scott Sisi ja sehr, sehr gut. das vermeidet bis ganz,
Florian Bayer: ganz nach hinten. Ich finde, die größte Überraschung vom Film ist, dass wir dann tatsächlich volle fünf Minuten von ihm Stand-Up-Comedy kriegen. Weil die ganze Zeit über setzt der Film immer an, wo wir was von ihm sehen können und lässt diese Delivery weg. Es gibt einfach keine Witze. Er macht kein Comedy-Programm, sondern wenn er sich in seine Fantasiewelten flüchtet, dann ist es so, sind es die emotionalen Sachen. Leute, die ihm sagen, wie gut er ist. Oder er, der in der Show auftritt, er, der verheiratet wird. Aber es kommt nie zu dem Moment, wo er sein Talent zeigt.
Johannes Franke: Beziehungsweise nicht ganz, weil er ja in der Talkshow mit Liza Minnelli sitzt. Beziehungsweise das ist ein Deleted-Scene. Aber er sitzt ja auch zwischen Leuten und geht denen immer mal wieder zwischen und sagt irgendeinen Gag oder sowas. Ja. Es gibt ja so ein, zwei Stellen.
Florian Bayer: Aber sehr sporadisch. Sehr sporadisch, ja. Und im Mittelpunkt steht dann doch immer eher so seine emotionale Involviertheit in dieses Showbiz.
Johannes Franke: Das Ganze hat ein Vorbild. Das ich total spannend finde. Die Genese dieses Drehbuchs ist total krass. Zimmerman ist unser Typ. Zimmerman hat dieses Buch geschrieben, ohne dass er richtig krasser Drehbuchautor wäre. Also er hat das sozusagen aus einer anderen Position heraus gemacht.
Florian Bayer: Der war eigentlich Filmkritiker beim Newsweek Magazine.
Johannes Franke: Und deswegen müssen wir Kritiker unbedingt auch Drehbucher schreiben.
Florian Bayer: Aber er hat für die Sesamstraße geschrieben.
Johannes Franke: Ah ja, okay.
Florian Bayer: Und er war inspiriert von einer Reportage, die er gesehen hat.
Johannes Franke: Ja, also zwei Sachen sind die großen Inspirationen. Das eine ist eine Talkshow, die David Siskind Show. Und das andere ist ein Artikel im Esquire Magazine gewesen.
Florian Bayer: Ja. Ah, und David Siskind hat über diese
Johannes Franke: Autogrammjäger gesprochen in seiner Show. Also es gab eine Diskussionsrunde und ein Teilnehmer dieser Diskussionsrunde hat dann ganz beiläufig irgendwie über Barbers Dry Sand geredet. Und hat gesagt, Barbara ist schwer in der Zusammenarbeit. Und es war überhaupt nicht so richtig klar, was der für eine Verbindung zu Barbara Streisand hat. Und im Nachhinein hat sich dann halt Zimmerman so ein bisschen informiert und rausgefunden, dass dieser Typ nie mit Barbara Streisand zusammengearbeitet hat. Der hat überhaupt nichts mit ihr zu tun gehabt. Der war einfach nur ein Fan und wollte von ihr Autogramme. Und es gab wohl irgendwo mal eine Situation, wo Barbara Streisand ihn so ein bisschen abgewiesen hat. Und gesagt hat, jetzt nicht. Und der hatte gar keine Beziehung zu ihr und sagt dann aber in einer Talkshow voller Inbrunst, Barbara ist aber schwer in der Zusammenarbeit.
Florian Bayer: Diese Autogrammjäger-Szene, wir sehen das ja vor allem am Anfang vom Film, werden die gezeigt, das ist wirklich schräg. Also es ist was, wo ich keinen Bezug zu habe, was ich nicht verstehe, weil weißt du, ob Autogramme... irgendwann mal tatsächlich einen materiellen Wert haben. Sprich, wenn du ein Autogramm von Elvis Presley aus dem Jahr 1950 hast, dann kriegst du dafür bestimmt ein bisschen Geld. Aber reden wir hier von dreistelligen Summen? Von vierstelligen?
Johannes Franke: Ja, also wenn du jetzt über Elvis Presley redest, vielleicht schon. Also kann ich mir schon vorstellen. Oder eben so signierte Bücher von J.K. Rowling, bevor die angefangen hat, irre zu werden.
Florian Bayer: Das ist nämlich ganz spannend, weil es gibt ja diese Leute, aber ich habe das Gefühl, das ist eher ein ideelles Hobby. Es geht nicht darum, weil das sind Sammler.
Johannes Franke: Natürlich, klar.
Florian Bayer: Aber bei den meisten Sammlern gibt es ja doch immer noch so, korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber dieser Wertsteigerungsgedanke spielt bei Sammlern, egal ob Briefmarken oder Münzen oder so, doch eine Rolle, hätte ich gedacht.
Johannes Franke: Also soweit ich das... beurteilen kann mit meinem geringen Wissen darüber und meinem Kontakt mit Leuten, die sowas sammeln. Das ist ein ideeller Wert, der irgendwie auch damit zusammenhängt, dass man sich untereinander vielleicht dann zeigen kann, guck mal, den habe ich schon getroffen, den habe ich schon getroffen und dann zeigst du deine Unterschriften. Heutzutage, wenn du angesprochen wirst als berühmte Person, dann musst du ja keine Unterschrift mehr leisten, sondern musst du dastehen und ein Foto machen lassen. Aber darum geht es. du kannst ja das Foto auch nicht wirklich verkaufen, sondern es geht ja darum, dass du das Foto hast und dass du sagen kannst, guck mal, neben wem ich hier stehe. Wie geil ist das denn? Ist es ein Statusding? Es ist ein Statusding, aber auch in dem seltsamen Bereich, in dieser seltsamen Blase von Autogrammejägern. Also du kannst ja kaum Leute so richtig beeindrucken. Das sieht man in der Szene mit Rita. Die sitzen da im Restaurant und er versucht sie zu beeindrucken mit seinem Buch voller Autogramme und sie ist halt so, okay, ja... Gut,
Florian Bayer: und jetzt? Genauso würde ich auch reagieren. Ich finde es tatsächlich süß in dieser Szene, dass er zu jedem Autogramm eine kleine Geschichte hat. Und zwar nicht nur die auf ihn Bezug nimmt, sondern er kann zu den Leuten was sagen. Er sagt, warum er diese Leute interessant findet oder was spannend an diesen Leuten ist.
Johannes Franke: Immerhin, immerhin. Das heißt, es dient nicht nur zum Selbstzweck oder so, sondern es hat dann auch vielleicht ein bisschen was mit den Leuten zu tun. Wobei man bei manchen Leuten wirklich den Eindruck hat und das bei ihm im Laufe des Films doch ein bisschen stärker wird manchmal, dass es nicht um die Person geht. Bei Jerry geht es irgendwie nicht wirklich um die Person, sondern es geht um das, was er darstellt.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich. Das Ding ist natürlich auch, Rupert ist ja kein klassischer Autogrammjäger. Er hat mit diesen Leuten Kontakt, weil er genauso wie die immer vor dem Studio steht, wenn die Show aufgezeichnet wird. Aber seine Art... Zu interagieren mit den Stars ist eine andere als die von den Autogrammjägern.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil er ja ein anderes Ziel hat. Er hat ja nicht das große Ziel, also er hat natürlich sein Autogrammbuch, aber das große Ziel ist ja, dass er selbst Jerry sein will. Das ist cringe,
Florian Bayer: dass er sich selbst in dem Autogrammbuch verewigt hat. Das ist so krass.
Johannes Franke: Oh mein fucking Gott. Und dann reißt er das raus und gibt dir das und sagt, das wird sehr viel Geld wert sein.
Florian Bayer: Oh, wie schrecklich.
Johannes Franke: Und wie er das spielt, ist wirklich hervorragend, oder? Ja. Also gerade diese Stelle. Das ist wirklich so ein absolutes Highlight, finde ich. Schauspielerisch, wie er das macht, richtig gut.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und die zweite Inspiration neben den Autogrammjägern war ein Johnny Carson Fan. Ein Johnny Carson Stalker.
Johannes Franke: Genau, ja. Das war ein Artikel im Esquire Magazine. Da ging es darum, dass dieser Johnny Carson Fan wirklich jede Episode gesehen hat von der Show und dann auch einzeln ein Tagebuch dokumentiert hat, wie das so lief. Und auch auf eine seltsame Art und Weise so dieses Gefühl von, wir kennen uns, Johnny Carson, Johnny und ich. Und Johnny muss auch was abliefern und so. Und dann steht da in dem Tagebuch zum Beispiel, Johnny hat mich heute Abend enttäuscht. Auf eine Art und Weise, wo man denkt, der ist doch nicht für dich da, was ist denn los?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie krass.
Florian Bayer: Und Johnny Carson war ja auch im Gespräch für die Rolle.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Für die Rolle des Jerry. Und Johnny Carson hat gesagt, nee, lass mal.
Johannes Franke: Ja. Vielleicht, weil es auch zu creepy ist. Also wenn man sowas selbst erlebt hat, wie Jerry Lewis ja auch der ist ja gespielt hat, dann ist das schon, glaube ich, eine harte Nummer, das dann zu übernehmen und dann aufzumachen.
Florian Bayer: Wollen wir das große Buch Parasoziale Beziehungen aufmachen? Weil wir es ja schon am Anfang erwähnt haben. Ja,
Johannes Franke: weil das, was wir hier erleben,
Florian Bayer: sowohl bei Rupert als auch bei
Johannes Franke: Mascha. Wollen wir übrigens einen Tee trinken dazu? Oh ja, sehr gerne. Wenn wir das Buch schon aufmachen und daraus wie Märchenonkel lesen, dann... Trinken wir auch Tee dazu.
Florian Bayer: Das geht ja beides in die Richtung parasoziale Beziehung. Und vor allem parasoziale Beziehung, die komplett schief geht. Weil ich glaube, das ist ganz wichtig, der Begriff wird ja gerade in unserer Zeit mit den ganzen Influencern und so so gerne oft benutzt. Parasoziale Beziehungen sind in unserer Mediengesellschaft was ganz Normales. Jeder Mensch hat parasoziale Beziehungen. Heck, ihr, die diesen Podcast hört, habt eine parasoziale Beziehung zu uns und wir haben eine parasoziale Beziehung zu euch. Es ist einfach was Normales. Wenn du irgendeinen Comedian geil findest und den regelmäßig guckst, wenn du irgendeine Show regelmäßig guckst, wenn du irgendeinem Influencer folgst, whatever, dann hast du eine parasoziale Beziehung zu dieser Person.
Johannes Franke: Die Frage ist halt nach der Ausgestaltung. Eine parasoziale Beziehung wird problematisch, sobald du das Gefühl hast, der gehört jetzt zu meinem Leben und eigentlich, wenn ich ihn auf der Straße anspreche, dann muss der doch wissen, wer ich bin. Und wir müssen doch zusammen Kaffee trinken gehen und der muss doch in Joker. Ausgerechnet in diesem Film wird das in einem Satz ganz gut auf den Punkt gebracht. Die Mutter vom Joker sagt irgendwann, ich gucke ihn doch jeden Abend seine Show an. The least he could do is call us. Wie krass ist das denn? Aber das ist parasoziale Beziehung. Ja,
Florian Bayer: absolut. Parasoziale Beziehungen sind halt grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, dass sie ein Ungleichgewicht haben. Du hast einfach den Mensch, der liefert und den Mensch, der empfängt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es gibt... Es gibt dann auch tatsächlich Verschiebungen. Also gerade in unserer Zeit ist ja auch so, keine Ahnung, durch Twitch zum Beispiel und Live-Chats und so, dass parasoziale Beziehungen, das Ungleichgewicht sich ein bisschen auflöst, ein bisschen weniger wird, einfach weil man mehr interagieren kann, mehr Einfluss hat auf die Content-Creator. Aber trotzdem bleibt es ein Ungleichgewicht in dieser Beziehung. Das heißt, du bist der Empfänger und der andere ist der, der liefert und der andere weiß im krassesten Fall oder in den meisten Fällen nicht mal, dass du existierst.
Johannes Franke: In den meisten Fällen nicht, ja, das ist halt so. Weswegen das Entiteln, was Rupert hat.
Florian Bayer: so absurd ist.
Johannes Franke: Weil er ja gar nicht, Jerry, wahrscheinlich vorher noch nicht ein einziges Mal von ihm gehört hat.
Florian Bayer: Genau. Und das ist vor allem halt auch ein quantitatives Ungleichgewicht, weil er ist für dich der eine, zu dem du eine Beziehung hast, aber du bist einer von Hunderten, Tausenden oder in dem Fall Millionen, die zu ihm eine Beziehung haben. Das heißt, er kann ja gar nicht jedem Einzelnen diese Aufmerksamkeit widmen, wie du sie ihm widmen kannst. Weil es auf der anderen Seite halt einfach diese Masse gibt. Diese anonyme Masse.
Johannes Franke: Aber das ist ein Thema, was ganz, ganz seltsam und... unangenehm ist.
Florian Bayer: Und auch hier,
Johannes Franke: Scorsese hat ja das Thema erst angefangen, weil ihm das Thema so sehr durch sein Leben dann entgegengesprungen ist. Er hat es ja vorher 1974, glaube ich, hatte ihm das De Niro mal vorgelegt, das Drehbuch. Und da hat Scorsese gesagt, hat nichts mit mir zu tun, was soll das? Brauche ich nicht das Thema. Und ein paar Jahre später, Ende der 80er, hat er dann gesagt, ich habe ja so viel Erfolg und seltsame Sachen mit Taxi Driver und so weiter erlebt. Irgendwie sagt mir das Drehbuch doch was und hat dann halt angefangen damit. Das Thema ist einfach insgesamt wahnsinnig seltsam und schwierig.
Florian Bayer: Es ist ein schwieriges Thema. Ich glaube, man muss einfach unterscheiden zwischen einer Art von gesunder parasozialer Beziehung. Weil wie gesagt, die haben wir alle irgendwie. Und dann halt dieser ungesunden parasozialen Beziehung, die wir in diesem Fall hier haben. Und die ungesunde parasoziale Beziehung geht halt irgendwie mit Realitätsverlust einher und diesem Entitlement. diesem Gefühl, dass der andere dir mehr schuldet als das, was er liefert. Dass er dir tatsächlich auch einen persönlichen Kontakt schuldet oder dass du sehr leicht mit dieser Person in persönlichen Kontakt kommst. Und Rupert ist, finde ich, am Anfang noch auf der Kippe. Also es ist extrem penetrant, wie er Jerry am Anfang anspricht. Wie er bei ihm im Wagen sitzt und wie er versucht, ihn von Tape zu überzeugen. Aber es hat noch so einen Moment dieser Selbstreflexion. Er weiß, wo er steht in diesem Gespräch und er weiß, wo Jerry steht. Und dann gibt es aber halt irgendwann diesen Knick drin, wo du merkst, jetzt geht das Ganze wirklich einher mit Ansätzen von einer Schizophrenie. Also auf jeden Fall mit Wahnvorstellungen. Weil es gibt ja den Punkt, wo er glaubt, dass er wirklich eingeladen wurde in dieses Wochenendhaus. Und er ist ja wirklich überrascht, dass Jerry so reagiert, wie er reagiert.
Johannes Franke: Ich finde es wahnsinnig schwer einzusortieren. Wie viel... Wie viel weiß Rupert wirklich? Wie viel reflektiert er? Wie viel ist ihm eigentlich irgendwo auf einem Level klar? Und wie viel ignoriert er bewusst oder wie viel ignoriert er unbewusst? Ich finde es wahnsinnig schwer, weil der Film einem da auch nicht so präsentiert, irgendwie einem auch nicht erklärt, wie viel das jetzt ist und wie viel nicht. Insofern muss man da selber seine Idee davon entwickeln. Und ich habe das Gefühl, dass er tatsächlich irgendwo unten drunter das immer weiß.
Florian Bayer: Ja. Ich finde, das ist eine große Stärke von dem Film, dass diese Motivation, dass das alles so ein bisschen nebulös bleibt. Und dann, wenn er sich dann am Schluss den Auftritt im Fernsehen erpresst, dann ist das ja sehr zielgerichtet. Dann hat das ja nichts mehr mit Wahnvorstellungen zu tun, sondern er hat ein ganz klares Ziel.
Johannes Franke: Der weiß genau, wo der Hase langläuft. Der weiß, was er machen muss.
Florian Bayer: Genau. Da ist ja nichts mehr von komischen Illusionen oder so drin, sondern er weiß genau, er weiß, dass er hier ein Verbrechen begeht.
Johannes Franke: Ja, klar.
Florian Bayer: Und er weiß, dass er das durchziehen muss und er weiß auch, wie lange er es durchziehen muss, dass er wirklich im Fernsehen zu sehen ist. Er denkt so weit voraus, dass er ahnt, dass die sagen könnten, sie zeichnen es auf, zeigen es aber nicht und sagt deswegen, nein, nein, ich gebe euch den... Ich gebe euch die Geisel erst, wenn ich gesehen habe, dass das Ding wirklich im Fernsehen gelaufen ist.
Johannes Franke: Ja, sehr schlau von Ihnen. Ja, und sehr reflektiert. Es geht also sozusagen nicht nur um die affektive, schnelle Befriedigung dieses Bedürfnisses, sondern tatsächlich scheint es ja zu einem sehr geplantes, intellektuelles Ding zu sein.
Florian Bayer: Ja, und trotzdem gibt es davor, hier gibt es ja Sachen, wo man echt merkt, dieser Mensch lebt halt wirklich in so einer krassen Fantasiewelt. Und diese Fantasiewelt, die ist auf dem Level, die wird auch nicht extremer, Aber die führt halt dazu, dass er extremere Sachen macht.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Ich sitze wirklich die ganze Zeit sehr fasziniert davor, muss ich sagen. Also ich sitze mit offenem Mund da und muss fast schon grinsen, weil ich das so wahnsinnig gut inszeniert und wahnsinnig mundgerecht mir da gereicht, sodass ich nicht überfordert bin erstmal, sondern dass es nach und nach da so reingeht in dieses tiefe Loch, in diese Welt von Rupert, dass ich wirklich wahnsinnig fasziniert davor sitze. Und das habe ich selten bei Filmen.
Florian Bayer: Es ist eine super interessante Figur und auch eine Figur, die Ambivalenzen hat. Sie ist nicht eindimensional der totale Loser. Sie ist nicht eindimensional der gruselige Psycho. Und sie ist auch nicht eindimensional die Witzfigur, sondern sie hat wirklich verschiedene Ebenen und Facetten. Robert De Niro hat sich auf diese Rolle vorbereitet, indem er selbst zum Stalker wurde. Und zwar hat er die verrückten Leute, die ihm aufgelauert haben, denen hat er aufgelauert. Er ist zu dem Autogrammjäger gegangen, der stand, Robert, Robert, Robert, ein Autogramm, ein Autogramm. Und dann hat er gesagt, du Typ, dessen Namen ich nicht kenne, ich brauche dein Gehirn, ich brauche Informationen von dir. Und ich lade dich zum Essen ein, hat er gesagt. Und dann reden wir mal ordentlich. Robert De Niro hat durchaus was Einschüchterndes. Wir wissen, wie Robert De Niro aussieht. Das ist jetzt kein muskelbepackter Typ oder so. Aber wenn Robert De Niro sagt, ich möchte mit dir reden. Dann würde das bei mir gewisse Ängste auslösen. Also vor allem, nachdem ich ihn in Taxi Driver gesehen habe. Aber auch grundsätzlich, der hat einen gewissen rauen Charme.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Er hat die Leute zum Essen eingeladen und hat gesagt, ja.
Johannes Franke: Erzähl mal.
Florian Bayer: Was machst du da? Was geht in deinem Kopf vor? Lass mich dein Gehirn ansaugen.
Johannes Franke: Und ich weiß nicht genau, wie das Gespräch abgelaufen sein soll, weil die Leute ja unter Umständen jetzt nicht unbedingt das Bedürfnis haben, zu einer Karikatur ihrer selbst beizutragen.
Florian Bayer: Es ist so awkward. Stell dir das mal vor, dass der Typ... der kommt dann auf dich zu und sagt, okay, du bist total verrückt, ich bereite mich auf die Rolle eines Verrückten vor.
Johannes Franke: Hilf mir,
Florian Bayer: deine Verrücktheit zu verstehen. Was für eine hässliche Konfrontation. Also in dem Moment würde ich auch so sagen, kannst du mich nicht einfach anschreien, dass ich dich in Ruhe lassen soll?
Johannes Franke: Wir haben ja lieber in dem Moment, das stimmt.
Florian Bayer: Robert De Niro, unser Liebster-Method-Actor.
Johannes Franke: Der hat eine ganze Menge Scheiße. Also wenn wir da jetzt schon sind, dann lass uns doch mal ganz kurz darüber reden, was er so für diese Rolle gemacht hat. Method Acting bedeutet, um das kurz zu erklären nochmal, im Extremfall, dass man das, was man, also zu Method gehört viel mehr, nur um das vorweg zu schicken. Method hat ganz viele tolle und wichtige Methoden und Ideen, aber das, was immer zur Lächerlichkeit beiträgt, ist halt, dass Leute, dass Schauspieler sagen, okay, ich muss das, was die Figur erlebt, selber erleben. Das heißt, ich muss das auch so durchdringen, dass ich, wenn es ein... Wenn es ein Fleischer ist, dann muss ich halt drei Monate lang in der Fleischerei arbeiten, um den Geruch einzuatmen und um zu verstehen, was da dahinter steckt und alles mögliche. Ich verstehe das auch bis zu einem gewissen Grad, aber es gibt Method-Actor, die das so gemacht haben, dass sie anderen Leuten damit ganz schön auf den Sack gegangen sind und ganz schön auch geschadet haben teilweise. Ich denke nur an, wie heißt der, der den Joker gespielt hat und später mit den Veneers? Jared Leto war das, der diesen Joker gespielt hat, der dann Leuten einfach mal per Post... Scheiße geschickt hat, weil er gedacht hat, das gehört jetzt zur Rolle dazu.
Florian Bayer: Oh Gott, wie schrecklich.
Johannes Franke: Also nur eine von vielen Sachen, die da, also das ist echt übel. Jedenfalls hat Robert De Niro den Autoren Zimmerman sowas von gestalkt und hat gesagt, komm, erzähl mir alles über die Figur und ich werde dich jetzt als Vorbild nehmen für diese Rolle. Und hat wirklich von dem so Manierismen, so auf der Stelle leichtes Wippen und so hat er übernommen. Hat so ein paar Speech Patterns übernommen, ein paar Gestiken. Vom Autoren einfach. Hat gesagt, wenn du das geschrieben hast, bist du doch die Figur.
Florian Bayer: Der gar nicht der Wahnsinnige ist, der über die Wahnsinnigen geschrieben hat.
Johannes Franke: Und der einfach dann wirklich wochenlang Rede und Antwort stehen musste. Und ihm dann irgendwann einen erschöpften Brief geschrieben hat. Und geschrieben hat, ich hab nichts mehr. Das ist es. Das ist alles, was ich über Rupert weiß.
Florian Bayer: Scheiße, du weißt mittlerweile viel mehr als ich über ihn. Und ich hab ihn erfunden. Also zu sagen, Alter, jetzt geh mir nicht mehr auf den Sack, ich kann nicht mehr. Er hat Jerry Lewis, der den Showmaster spielt, mit dem wollte er nichts zu tun haben. Er hat gesagt, Jerry Lewis hat ihn zum Essen eingeladen, hat gesagt, hey, komm, lass uns einen netten Abend zusammen verbringen. Rodney Rod gesagt, nein, nein, nein, ich bin der hier, der dir ein Messer an den Hals hält. Ich bin der, der bereit ist, dich zu töten, um eine Chance im Fernsehen zu haben. Du gehst nicht mit mir Abendessen, mein Lieber. Ja, und das ist typisch Method, das muss alles im realen Leben irgendwie Abbildung finden. Und das Schlimme ist, De Niro und Scorsese waren der Meinung, dass Jerry Lewis auch ein bisschen Method-Acting vertragen könnte. Und haben gesagt, okay, Jerry Lewis' Rolle in diesem Film ist am gewissen Punkt, er muss sauer sein, weil er ist wirklich genervt, er muss wirklich wütend sein. Und offensichtlich haben sie so ein bisschen mit Antisemitismus rum experimentiert, um diesen Menschen sauer zu machen.
Johannes Franke: Ich meine,
Florian Bayer: die Szene ist großartig,
Johannes Franke: aber die wäre bestimmt auch großartig geworden, wenn... wenn er nicht mit antisemitischen Beschimpfungen auf Jerry Lewis losgegangen wäre. Als die Kamera gerade auf Jerry Lewis war, man dreht ja sowas so, dass man sagt, okay, man macht die eine Seite des Dialogs und dann die andere Seite des Dialogs. Erst Robert De Niro und dann Jerry Lewis. Und als Robert De Niro hinter der Kamera gestanden hat und nicht mehr im Bild war und sozusagen sein Part des Dialogs keine Rolle mehr gespielt hat, hat er einfach antisemitische Beschimpfungen losgeschossen, damit Jerry Lewis möglichst sauer wird. Wie bescheuert ist das denn? Und Jerry Lewis kannte das nicht. Der hat vorher nie mit einem Method Actor gearbeitet.
Florian Bayer: Jerry Lewis war ein Comedy-Darsteller, der zudem seine große Schauspielzeit schon eine Zeit hinter sich hatte in diesem Jahr. Er fand es trotzdem okay. Also er fand es schrecklich, aber er fand die Dreharbeiten grundsätzlich okay. Er hat gesagt, das hat Spaß gemacht.
Johannes Franke: Aber wäre schon auch genervt. Er war schon von Robert De Niro ein bisschen genervt. Und er hat natürlich verstanden, was das alles soll, aber er hat auch gesagt, ja komm. hätte jetzt auch nicht sein müssen.
Florian Bayer: Wir haben über Jerry Lewis schon ein bisschen gesprochen, als wir einen seiner Jerry-Louis-Dyn-Martin-Filme gemacht haben,
Johannes Franke: nämlich Scare Stiff.
Florian Bayer: Der war in der Zeit, als dieser Film kam, hat er nichts Großes mehr gedreht. Also seine letzte große Rolle war, glaube ich, der Verrückte Professor 1963. Und er hat 1972, davon wusste ich nichts. Und ich will da irgendwie, das gehört so zu Lost Media Knowledge, ich würde ihn gerne sehen. Jerry Lewis hat 1972 einen Holocaust-Film gedreht, der klingt so ein bisschen wie die Blaupause von Das Leben ist schön. Krass. Und zwar ein Clown, der im KZ seine Mitinsassen zum Lachen bringt. Und halt so eine Mischung aus Tragödie und Komödie, wie das Leben ist schön, wo der Vater versucht, seinem Sohn vorzuspielen, dass das KZ ein großer Spielplatz ist und so weiter. Und dann gibt es natürlich trotzdem die Realität, die zuschlägt, wir lachen, wir weinen und so weiter. Und Jerry Lewis hat das Ding gedreht und hat den Film gehasst. Man hat gesagt, dieses Ding ist absoluter... Schund. Und das ist ein Rumtrampeln auf den Opfer des Holocaust. Dieser Film kommt mir nicht ins Kino und hat in den Giftschrank gesteckt. Während andere Leute, die an dem Film mitgearbeitet haben, gesagt haben, nein, Alter, das Ding war ein Meisterwerk. Das war ein großartiger Film, der hat perfekt die Mischung aus Comedy und Tragedy getroffen. Der hat genau das gemacht, was man machen kann, muss angesichts des Schreckens. Ja.
Johannes Franke: Ich hatte auch davon gehört und ich habe nur gehört, dass es schrecklich sein muss.
Florian Bayer: Es haben einige Leute wohl gesagt, die daran beteiligt waren, dass das wirklich gut war. Das Ding ist im Gefängnisschrank verschwunden. Niemand hat diesen Film gesehen. Und genau, das war sein letztes großes Lebenszeichen 1972, was Filme betrifft, bevor er dann 1982, also gut zehn Jahre später, in King of Comedy mitgespielt hat. Genau, Jerry Lewis, unser Nicht-Method-Actor, unser Comedian in einer Art Cameo-slash-wichtige Nebenrolle.
Johannes Franke: Aber man muss ja sagen, er macht ja Method Acting aus der Natur der Sache heraus. Er hat ja all das, was da im Film zu sehen ist, quasi selber erlebt. Und er hat sogar Szenen selber beigesteuert, die er selbst erlebt hat, wo er gesagt hat, okay, das kann jetzt einfach in diesem Film eins zu eins abgebildet werden, weil es genau das ist.
Florian Bayer: Sein Vorschlag war, dass er stirbt am Schluss, dass Luke halt immer schießt.
Johannes Franke: Aber Skosy hat gesagt, nee, das ist eine Katharsis, die wir dem Zuschauer nicht geben wollen. Die Szene, wo er auf der Straße langläuft und diese Frau am Telefon ist, das war eine Szene, die Jerry Lewis tatsächlich selbst erlebt hat. Die Frau, die am Telefon ist, ihn erkennt, sagt, hier, mein Cousin am Telefon oder sowas, hier, sag ihm mal ein paar Sachen. Und Jerry Lewis so, sorry, ich habe gerade keine Zeit. Und sie so, I only help you get cancer. Und beschimpft ihn. Oh, fuck, Alter. Und das war wirklich so eine traumatische Sache, die Jerry Lewis wirklich selbst erlebt hat. Und der auch selber diese Szene dann inszeniert hat. Also Scorsese dann gesagt hat, komm, du weißt, wie das abgelaufen ist. Mach du das mal. Und Jerry Lewis wirklich auch mit einem Timing, was er ja auch über die Jahre gelernt hat, genau festgelegt hat, was wie wann gemacht werden muss, damit das wirklich wirkt. Und es ist unglaublich.
Florian Bayer: Das Geile ist ja, dass Jerry Lewis war ein Clown. Und Jerry Lewis hält sich mit Klaunerien in diesem Film komplett zurück. Es gibt nur zwei oder eine
Johannes Franke: Situation, wo ich merke, okay, da kommt er raus. Das eine, wo er den wirkt. Ja, das stimmt. Und schüttelt.
Florian Bayer: Ja, das ist eine Traumvorstellung gesehen.
Johannes Franke: Aber es ist ziemlich typisch für Jerry Lewis.
Florian Bayer: Ja, es ist eine merkwürdige Slapstick-Szene, weil sie fast so ein bisschen deplatziert wirkt.
Johannes Franke: Und das andere ist, Jerry Lewis' Gang ist immer erkennbar.
Florian Bayer: Wirklich?
Johannes Franke: Aus jeder Perspektive sieht man sofort, ah, das ist Jerry Lewis, wie er da geht. Nein.
Florian Bayer: Total. Das Gefühl hatte ich überhaupt nicht.
Johannes Franke: Und wie er läuft, wie er schneller rennt und so, das ist immer Jerry Lewis.
Florian Bayer: Ich fand's geil, wie grumpy er die ganze Zeit in diesem Film ist. Er ist unglaublich gut.
Johannes Franke: Er ist, also ganz ehrlich, ich hätte nie damit gerechnet, dass Jerry Lewis so eine geile, richtig gute, grumpy und so, er ist ja zwischen überfordert und völlig am Ende, weil er das wahrscheinlich über die Jahre erleben musste, irgendwelche Stalker, die irgendwelchen Scheiß machen. Ja. Und jetzt wirklich so das Ganze auf die Spitze getrieben wird von Rupert. Er spielt das so gut.
Florian Bayer: Ja. Das ist unglaublich. Er bringt so eine krasse, trockene Ernsthaftigkeit rein, die man ihm, wenn man Jerry Lewis kennt, wie er gespielt hat mit Dean Martin zusammen und dann auch später Solo, die man ihm nicht zutraut.
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Aber ich glaube, er ist einfach durch all die Jahre der Erfahrung im Showbiz, er hat ja dann auch selber eine Late-Night-Talk-Show gehabt und so, er hat einfach Erfahrung darin. Und er weiß, wie das ist, von Fans dann die ganze Zeit angesprochen zu werden. Er war auch der Meinung, weil die Figur eigentlich einen anderen Namen hatte, die hieß eigentlich Robert, glaube ich. Und dann haben sie die Figur umbenannt in Jerry, weil er gesagt hat, weil wir da draußen drehen und weil New York nun mal mich kennt, müssen wir mich unbedingt Jerry nennen, damit wenn jemand von außen einfach ruft, hey Jerry, wir weiter drehen können. Und das nicht irgendwie komisch rüberkommt.
Florian Bayer: Macht absolut Sinn.
Johannes Franke: Macht absolut Sinn. Weil auch die Szene zum Beispiel, wo sie am Telefon ist und ihn da beschimpft. Ja. Da wusste keiner von denen, den wir auf der Straße sehen, dass da gedreht wird. Die waren alle,
Florian Bayer: das waren keine Statisten. Großartig.
Johannes Franke: Das waren alles New Yorker.
Florian Bayer: Ich finde es total wichtig, dass er nicht zum Clown wird, sondern dass er diese Ernsthaftigkeit in die Rolle bringt. Total. Wir haben ja immer noch eine Komödie vor uns. Dieser Film ist kein Sozialdrama, dieser Film ist kein Psychosriller, dieser Film ist eine Komödie. Von Anfang bis Ende. Eine sehr schwarze Komödie, aber es ist eine Komödie. Es ist schon auch ein Sozialdrama fast. Du hast das Wort Fremdscham am Anfang benutzt. Ich finde, das ist so der wesentliche Punkt. Und das macht das Soziale und das Drama aus. Aber es ist für mich im Kern, bleibt es auch eine Komödie die ganze Zeit. Durch diese Leichtfüßigkeit. Und ich finde es gut, dass Jerry Lewis, der große Clown, der große Comedian, dass der ist, der so einen Ruhepol einfach durch diese Ernsthaftigkeit und durch dieses Grummelige mit reinbringt. Und durch dieses Professionelle. Er ist ja auch einer der Extrem... professionell mit diesen Störungen umgeht. Also so genervt er davon ist von diesen Fans, die ihn belagern, er geht damit ziemlich professionell um.
Johannes Franke: Jerry Lewis soll als Mensch in dem Alter vor allem dann auch recht schwierig gewesen sein. Also so Didi Hallervorden-mäßig. Didi Hallervorden hat auch so ein bisschen den Groove-Fact, dass er nicht der höflichste ist im Umgang, sagen wir so. Und Jerry Lewis soll da auch schwierig gewesen sein. Sieht man das in dem Film? Hast du den Eindruck, dass diese Figur auch so ein bisschen, die Das... die professionelle Distanz so weit treibt,
Florian Bayer: dass er unhöflich wird? Ja, aber ich finde, jeder Mensch hat ein Recht darauf, also wenn wir von Prominenz reden, jeder Mensch hat ein Recht darauf, mit Prominenz zu umzugehen, wie er möchte. Es gibt introvertierte Menschen, es gibt extrovertierte Menschen, es gibt Menschen, die überhaupt kein Problem mit sehr vielen sozialen Kontakten haben. Es gibt Leute, denen das unglaublich schwerfällt. Und ich finde, man kann es keinem Prominenten vorwerfen, wenn er extrem distanziert ist. Und das ist dieser Jerry, den er hier spielt. Dieser Jerry Langford ist extrem distanziert. Und es gibt... bestimmte Momente, wo man denkt, ja, es gibt Prominente, die damit irgendwie cooler umgehen und die da auch offener sind gegenüber ihren Fans. Aber keiner von diesen Fans hat ein Recht darauf, das zu kriegen.
Johannes Franke: Ja, natürlich nicht. Klar. Ich habe das Gefühl, dass Jerry Lewis auch fast so eine tiefe Melancholie mit sich rumträgt.
Florian Bayer: Also der Jerry Langford meinst du jetzt?
Johannes Franke: Jerry Langford, ja. Weil der einfach über die Jahre so niedergeknüppelt von Fans ist und von diesem Show-Business und allem. Ich will es nicht nur auf die Fans schieben. Aber das ist ja das Thema des Films. Aber vom Showbusiness allgemein und von dieser Art und Weise, wie mit Promis umgegangen wird in dieser Gesellschaft, das ist ja einfach echt eine seltsame, fast schon depressive oder zumindest melancholische Stimmung mit sich rumtreten.
Florian Bayer: Wir sehen hier vor allem einen radikal einsamen Menschen. Wir wissen nicht, ob er diese Einsamkeit selbst gewählt hat, aber in den Momenten, in denen wir ihn privat intim sehen, ist er allein. Wir haben diese eine krasse Szene relativ früh am Anfang, wo er in seinem Penthouse ist. Da haben wir auch so ein sehr breites Bild und wir überblicken dieses Penthouse und da ist nichts außer er. Und das Telefon, der Anruf von Mascha, vom verbreiteten Fan, ist die einzige soziale Interaktion, die er in diesem Moment hat. Wenn wir in seinem Wochenendhaus sehen, haben wir das Gefühl, er hat eine enge Bindung zu seinem Butler. Also auch wirklich fast schon in die Richtung freundschaftlich. Und wir haben das Gefühl, das liegt daran, weil das die einzige soziale Beziehung ist, die er in diesem Kontext hat. Jerry Langford ist ein einsamer Mensch. Und vielleicht auch... Weil er es so will. Er ist immer allein unterwegs.
Johannes Franke: Übrigens war nicht nur Johnny Carson derjenige, der noch mitgefragt wurde, sondern es kamen auch in Frage Frank Sinatra, natürlich, wie sonst, Sammy Davis Jr., natürlich,
Florian Bayer: Orson Welles, what the fuck.
Johannes Franke: Sie haben überlegt, ob sie Orson Welles nehmen. Oder Dick Cavett, was auch so ein Late Night.
Florian Bayer: Der mir gar nichts sagt. Johnny Carson hätte ich mir in dieser Rolle auch sehr gut vorstellen können. So wie sie gespielt ist. Also wenn ich mir jetzt optisch Johnny Carson in diesem Szenario vorstelle,
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: hätte meiner Meinung nach gut gepasst. Jetzt habe ich gerade den alten Johnny Carson vor Augen, aber das war ja Anfang der 80er, da war der ja auch noch gar nicht so alt. Ich habe kurz überlegt, ob er ein bisschen zu alt für die Rolle sein könnte.
Johannes Franke: War der damals so? Also für mich war Johnny Carson immer alt.
Florian Bayer: Johnny Carson war immer alt. Hand aufs Herz, Johnny Carson war von immer alt. Warst du ja ein toller Typ. Magst du eigentlich diese, bist du Fan von amerikanischen Late-Night-Formaten?
Johannes Franke: Ja, an sich schon. Ich mag das tatsächlich sehr gerne. Also diese Mischung einfach zu haben zwischen einem Gast haben. einen Talk zu haben und dann aber auch den Tag Revue passieren zu lassen mit Gags, die gerade eben erst geschrieben wurden, wo man so das Gefühl hat, ja, manche Punkte funktionieren, manche funktionieren nicht so. Man sieht Leuten live dabei zu, wie sie versuchen, da durchzukommen. Ich finde das total schön.
Florian Bayer: Und hast du einen Liebling? Oh, schwere Frage jetzt. Einmal durch die Late-Night-Geschichte. Also Johnny Carson wäre es zum Beispiel bei mir nicht, aber ich habe von Johnny Carson auch nicht so viel gesehen.
Johannes Franke: Genau, also die Alten, muss ich sagen, da kenne ich nicht genug. Und Jay Leno kann man ja eine Tonne kloppen, offenbar. Und Stephen Colbert habe ich immer sehr gemocht. Das ist jetzt eine sehr moderne Referenz, der ja seine Show jetzt quasi abgeben muss wegen der ganzen Scheiße mit Trump und so. Also der Rotschopf, der große... Wie heißt der?
Florian Bayer: Conan?
Johannes Franke: Ja, Conan O'Brien ist natürlich eine ganz eigene, krasse Nummer.
Florian Bayer: Ich finde Conan O'Brien ist der witzigste von allen. Bei Conan O'Brien muss ich am meisten lachen.
Johannes Franke: Conan O'Brien ist vor allem in den Einspielern witzig.
Florian Bayer: Nicht nur. Ich finde Conan O'Brien ist... unglaublich, unglaublich schnell und unglaublich smart, wenn es um Dialoge geht und wenn es darum geht, ist einfach schlagfertig und ich finde, Conan O'Brien ist der schlagfertigste auch.
Johannes Franke: Ich glaube, mein Liebling, wenn ich jetzt darüber nachdenke, ist Craig Ferguson. Craig Ferguson, der hatte Jeff, ein Skelett, ein Skelett dastehend, das dann irgendwie ferngesteuert wurde und mit einer Stimme versehen wurde. Craig Ferguson hatte in Amerika die Late Show oder die Late Late Show?
Florian Bayer: Den habe ich überhaupt nicht geguckt von Greg Ferguson. Ich musste jetzt wirklich einmal kurz googeln, um das Gesicht zu sehen. Und das Gesicht kenne ich.
Johannes Franke: Und der ist aus Schottland ursprünglich. Deswegen auch einen ganz eigenen Charme. Und ich finde ihn ganz großartig, weil der auch wahnsinnig schnell ist und weil der sehr anarchisch ist.
Florian Bayer: Klingt der noch schottisch im Fernsehen? Ja. Okay, krass. Also Conor O'Brien mag ich total. Ich finde Jimmy Kimmel. Ach, ja. Ist mir zu brav. Aber Jimmy Kimmel, ich finde, was du bei den Einspielern gesagt hast, Jimmy Kimmel hat manchmal so größenwahnsinnige Aktionen, die ich sehr amüsant finde. Also ich finde, der bringt so einen Größenwahn mit rein, der manchmal ganz geil ist. So dieses ganze... Diese ganzen Matt Damon Lore. Das war einfach so eine riesige Geschichte, die sie ja wirklich über Jahre lang inszeniert haben, dieser Feud. Und bis zu dem Moment, wo dann Matt Damon seine Show gekapert hat. Das fand ich einfach, dass es so was Größenwahnsinniges ist, so eine Geschichte so lange zu erzählen. Das macht sonst keiner so.
Johannes Franke: Auf eine ganz eigene Art und Weise habe ich eine ganze Weile Ellen DeGeneres geguckt.
Florian Bayer: Die war mir immer zu nett. Und offensichtlich ist sie das nicht. Wie man mittlerweile weiß. Aber die war mir immer zu nett.
Johannes Franke: In der Show, ja. Das stimmt vielleicht, ja. Aber ich irgendwie fand ich das so herzerwärmend, wie sie teilweise das so, aber auch sehr inszeniert natürlich, die Leute da hingestellt hat, in denen irgendwie versucht hat, was Gutes zu tun. Und daraus dann eben Aufmerksamkeitskapital zu schlagen.
Florian Bayer: Ich finde halt, ein guter Late-Night-Haus braucht so eine gewisse Edginess. Und Ellen hatte die nicht. Kimmel hat die nicht und wie heißt der andere Jimmy? Fallon hat die erst recht nicht. Und das ist mir dann ein bisschen zu lasch. Ich verstehe schon.
Johannes Franke: Aber bei Ellen DeGeneres mochte ich die als Person dann. Nachdem so ein bisschen rausgekommen ist,
Florian Bayer: wie die das da behandelt, war ich so ein bisschen abgeturnt. Aber na gut.
Johannes Franke: Okay, wir haben einen ganz weiten Abschweifer gemacht. Aber ich habe Jerry Lewis. eigene Talkshow nie so richtig gesehen. Ich auch nicht. Ich weiß gar nicht, was der so gemacht hat sonst so. Ich habe dafür dann einen Extended Cut von seinen Monologen in diesem Film gesehen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es gibt ja diese Deleted Scenes und da ist er mit ganz viel Stand-Up vor Publikum auf Videokameras, also wirklich Fernsehkameras aufgezeichnet und was der da abliefert, zeigt total, dass der das absolute Vollprofi ist.
Florian Bayer: Weißt du, ob er sein eigenes Programm benutzt hat oder hat er ein eigenes für Cherry Langford gekriegt?
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung.
Florian Bayer: Das ist ja ganz spannend zu wissen.
Johannes Franke: Aber das, was er da macht, wie er das macht, vom Timing her, wie er mit dem Publikum umgeht, man merkt, was für eine wahnsinnige Professionalität dahinter steckt bei ihm.
Florian Bayer: Ah, schön. Total krass. Cool.
Johannes Franke: Also aber auch in der Rolle natürlich von Jerry Langford, muss man dazu sagen. Es ist jetzt nicht Jerry Lewis 1 zu 1, aber ja, es ist Wahnsinn.
Florian Bayer: Wir sehen von Jerry Langford auch keine Comedy, ne? Nicht so viel. Wir wissen nicht, was für ein guter Comedian er ist. Wir kriegen halt... kriegen halt durch die Reaktion der Fans wieder gespiegelt, dass er offensichtlich ein großer Star ist, dass alle ihn anhimmeln. Das heißt, er muss was drauf haben oder zumindest die Massen begeistern können. Aber wir wissen nicht, ob wir ihn witzig finden würden.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Wir sehen von Rupert deutlich mehr Comedy als von Jerry.
Johannes Franke: Ja, aber erst am Ende.
Florian Bayer: Ja. Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns. Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über bei-mir-coffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Da könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.mussmansehen.de und florian.mussmansehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement,
Florian Bayer: egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf... Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah super, fehlt noch irgendwas? Ne, ich glaube wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes
Johannes Franke: Masha. Lass uns Masha besprechen noch. Die ist, ah, was für eine großartige Schauspielerin, oder? Sarah Bernhard.
Florian Bayer: Absolut. Ist ja unglaublich, die absolute Revelation für diesen Film, finde ich. Wie kann es sein, dass die... In diesem Film, der sich um Comedy dreht, wo Comedians miteinander betteln, dass die witzigste Figur ganz eindeutig die Nicht-Comedian ist, die auch sagt, ich will damit gar nichts zu tun haben, ich will den nur flachlegen. Das Ding ist, die Schauspielerin ist ja Comedian. Ja, und sie ist sauwitzig.
Johannes Franke: Sie ist wirklich toll. Also wirklich, wirklich großartig. Und sie ist dafür besetzt worden, weil sie so wahnsinnig gut improvisieren kann. Ja. Und das hat sie in diesem Film volle Kanne ausgenutzt. Und zwar bis zu einem Grad. Wo Jerry Lewis auch echt da gesessen hat und gesagt hat, ich kann nicht mehr, Leute. Lasst mich doch bitte einfach in Ruhe. Das ist ja Psychoterror, was die hier mit mir macht.
Florian Bayer: Sie ist so großartig. Dieser Wahn. Und dann aber, sie spielt das ja überzeichnend. Ja, natürlich. Sie hat schon irgendwie was Bedrohliches an sich, einfach durch die Situation. Aber sie ist halt auch immer so absurd albern. Und das muss man erstmal hinkriegen, dieses Verführerische so zu spielen, dass es null Erotik hat. Stimmt. Es zieht sich echt alles zusammen, oder?
Johannes Franke: Wenn sie da irgendwie auf seinem Schoß sitzt und ihm... Oh, fuck. Und sein Gesicht dazu ist so großartig. Es ist fantastisch. Er spielt das so gut.
Florian Bayer: Und es ist großartig. Also sie hat ja auch verschiedene Momente. Sie hat diese ganze Verführungsgeschichte, wenn sie ihn entführt haben und wenn sie dann halbnackt vor ihm rumtanzt und ihm Küsse zuwirft. Ganz großartig. Sie hat diese krassen... Verzweiflungsmomente davor und dann hat sie diese krassen Streitmomente, wo sie auch Rupert P. sagt und wo sie wirklich genau weiß, welche Nadeln sie wohin pieksen muss, dass dieser Typ austickt.
Johannes Franke: Es ist wirklich toll. Also sie hat wirklich eine unglaubliche Präsenz, finde ich. Und diese Art der Impro, die sie da betreibt, gibt dem Ganzen so eine Unmittelbarkeit und so eine Unberechenbarkeit. Du weißt nicht, was als nächstes passiert. Du weißt nicht, wo die landet am Ende. I wanna have fun. I wanna be black. What?
Florian Bayer: Aus dem Nichts heraus. Wie krass ist das denn, Leute? Was passiert da? So fantastisch. Und sie ist wirklich gruselig auch in diesem Moment. Stahl. Tatsächlich, sie ist der komischste Charakter. Aber gleichzeitig ist sie der Charakter, bei dem man auch am ehesten denkt, da könnte die Komik aufhören.
Johannes Franke: Ja, da könnte auch ein Mord passieren tatsächlich.
Florian Bayer: Ja, ich meine, wir haben hier ja auch fast eine Vergewaltigung, was hier stattfindet und worauf das hinarbeitet. Das ist ja auch gar nicht so lustig eigentlich. Nein,
Johannes Franke: absolut nicht. Also... Der Witz der ganzen Sache, und das finde ich, macht der Film aber auch einigermaßen gut, beziehungsweise sie schafft es in der Szene irgendwie gut, das so zu spielen, dass der Witz nicht die anstehende Vergewaltigung ist, sondern der Witz ist ihre absolute Abgedrehtheit und die Art und Weise, wie sie drauf ist und dann immer der Schnitt auf sein Gesicht. Perfekt getroffen. Ich käme überhaupt nicht auf die Idee, das so zu spielen. Wie Jerry Lewis da guckt, ist ja wirklich total krass. Vielleicht hat er auch einfach nur losgelassen und ist ganz privat in dem Moment. Einfach nur fassungslos und einfach nur genervt. Warum bin ich da reingesagt? Meine Güte. Genervt. Er wirkt vor allem genervt. Vor allem genervt, ja. Aber auch so dieses Wohlwissen, dass das sehr bedrohlich ist jetzt gerade. Also es ist nicht die Art von genervt wie von einer Fliege oder von einer Mücke oder sowas, die dich gleich stechen wird, sondern wirklich trotzdem große Gefahr drin.
Florian Bayer: Und das Schlimmste, was sie dann tut, sie steckt ihn in einen fluffigen roten Pulli. What?
Johannes Franke: Was hat dieser Moment mit irgendwas zu tun? Ich finde, dass ihre Unberechenbarkeit dadurch natürlich nochmal unterstützt wird, weil sie dann plötzlich anfängt zu sagen, guck mal, das sieht doch gut aus, das musst du doch tragen, das ist doch perfekt dafür.
Florian Bayer: Naja, vor allem wird klar, wie ihre parasoziale Beziehung zu Jerry ist. Die ist nämlich ganz anders als die von Rupert. Völlig anders, ja, ja. Sie betrachtet ihn wirklich als ihr Püppchen, ne?
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Sie kleidet ihn ein, sie fesselt ihn, sie gibt... gibt ihm Essen und dann geht's zur Sache. Und er hat einfach hörig zu sein.
Johannes Franke: Aber ich glaube, dass sie wirklich das sehr gut als Stand-In für die Gesellschaft, wie sie mit Promis umgeht, steht in der Übertreibung natürlich, weil das so ein Entitlement bringt. Der Promi ist das Eigentum der Öffentlichkeit. Und ich kann mit dem machen, was ich will, weil der ist ja allgemein gut. So, fair game für alle. Und das finde ich eine krasse Haltung, die da drin steckt. die größtenteils von der Presse erstmal so bei mir im Kopf stattfindet, wo ich denke, wow, okay, was Presse so mit Leuten, mit berühmten Leuten gemacht hat, wie selbstverständlich die alles Mögliche an Details von Menschen veröffentlichen und denen irgendwelchen Scheiß andichten und so. Aber eben auch dann von solchen Fans, die dann sagen, ja, das Mindeste, was du tun kannst, dafür, dass ich dich den ganzen Abend anschaue, ist, mich anzurufen.
Florian Bayer: Ja. Krass. Ja. Auf jeden Fall. Ich glaube, es ist auf eine andere Art nochmal eine Nummer härter geworden, weil was wir heute haben an Prominenz, gerade so in dem, was das Fernsehen abgelöst hat, nämlich Twitch und YouTube, ist deutlich näher am Publikum als das, was damals an Prominenz da war. Die Influencer sind irgendwie näher und sind greifbarer und müssen glaube ich deswegen auch teilweise... deutlich mehr ertragen. Und machen aber halt auch mehr. Es gibt mehr Interaktion. Es sind mehr Promis zum anfassen, als die damaligen Promis.
Johannes Franke: Es ist wahrscheinlich so, dass dieses Kapital, was man daraus schlägt, als Influencer, dieses, ich gebe was von mir preis und ich überlege sehr wohl, was genau ich preisgebe, damit ich Maximum an Interaktionen bekomme, Leute kommentiert, Leute sagt uns Meinung und wir kommen ins Gespräch und so. Das ist ja auch, das ist einfach ein Kapital, was da existiert und was man dann nutzt. Und wenn man das so nutzt, dann geht man halt auch die Gefahr ein, dass die Leute das sehr viel, dass die Grenze viel, viel weiter dehnen als früher. Und auch viel mehr das Gefühl haben, ja, ich habe ja wirklich mit dir eine Beziehung, weil ich habe es kommentiert. Du hast vielleicht auch kommentiert, damit das Engagement nach oben geht und so. Und dann ist dieses Missverständnis. fast schon kein Missverständnis mehr, sondern ein Kalkül und das funktioniert dann schon gar nicht mehr richtig. Also das ist wirklich eine perverse, seltsame Situation gerade. Wenn man auf der anderen Seite, wenn ich immer sage, wenn wir am Ende unseres Podcasts sind, bitte schreibt uns gerne und schreibt uns eure Meinung zum Film und zu dem, was wir hier sagen und was wir vielleicht vergessen haben zu sagen und so. Das ist ja ein echtes Interesse von mir, bedeutet aber auch, dass ich diese Grenze aufweiche.
Florian Bayer: Ja, genau. Bäh. Ist ein Teil von heutiger medialer Arbeit, dass man so Grenzen aufweicht und dass es mehr Interaktion gibt. Aber das birgt natürlich zum einen das Risiko, dass sich die Grenze zu krass aufweicht. Und zum zweiten, was glaube ich ein riesiges Thema auch ist in unserer Zeit, ist diese unfreiwillige Prominenz. Also egal, ob wir jetzt sowas einwerfen wie Rebecca Black oder Drachenlord. Das sind ja Geschichten von unfreiwilliger Prominenz. unfassbar tragisch sind. Menschen, die online irgendwie tätig sind und online was machen, aber die zum einen nicht darauf abzielen, ein Millionenpublikum zu erreichen. Zum zweiten, überhaupt nicht in der Lage sind, mit diesem Millionenpublikum umzugehen dadurch. Und zum dritten, deren Millionenpublikum vor allem zu ihnen gezogen wird, weil es aus Hassliebe oder aus reinem Hass. Und das ist halt so ein Nebenphänomen und mit denen wird aber genauso umgegangen, wie mit den Prominenten, die bewusst in die Prominenz gehen und bewusst das aufweichen und bewusst die Öffentlichkeit und die Nähe suchen. Und wie wir an diesem Drachenlord-Ding sehen, ist das halt unfassbar brutal, was dann passiert. Ja, krass.
Johannes Franke: Das sind schwierige Themen. Wenn wir an damals denken, damals gab es ja nun auch große, schlimme Auswirkungen. Ich finde, wir müssen nur an John Lennon denken,
Florian Bayer: der erschossen wurde von einer Arschkrampe,
Johannes Franke: die gedacht hat, dass sie dadurch berühmt wird. Deswegen nenne ich sie jetzt auch einfach nur Arschkrampe und nicht mit dem Namen.
Florian Bayer: Ich weiß den Namen noch tatsächlich nicht. Ich habe den komplett verdrängt.
Johannes Franke: Ja, sehr gut, sehr gut. Das können Ganze bleiben. Dann gibt es noch eine Arschkrampe, die Ronald Reagan erschießen wollte, weil sie Jodie Foster beeindrucken wollte. Was in Zusammenhang mit Taxi Driver steht, was auch von Scorsese war. Was so weird ist. Ja, und das ist eben auch was, was tatsächlich Scorsese direkt betrifft.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und was ihm auch unangenehm war in Arbeit an diesem Film. Weil er selbst miterlebt hat, was für krasse Blüten das treiben kann. Also es gab einfach einen Typen, der Jodie Foster in Taxi Driver gesehen hat und sie irgendwie erreichen wollte, irgendwie beeindrucken wollte, sagen wollte, hu, ich bin auch da, lass uns irgendwie was starten, indem er Ronald Reagan versucht hat umzubringen. Es ist so kaputt. Vor allem, wenn jemand Taxi Driver gesehen hat, sollte er dann nicht ein, zwei Sachen daraus mitnehmen, die sagen, nein, tu das nicht. Total krass. Das war 1981, das heißt ein Jahr vor diesem Film. Dann gab es noch eben die Arschkrampe, die John Lennon erschossen hat. Dann gab es David Letterman hat tatsächlich auch einen Stalker gehabt, die eine Frau, deren Namen ich jetzt auch hier zwar habe, aber nicht sagen werde. Auch große Probleme, die auch eingebrochen ist bei ihm und so. Ganz schlimm, Rebecca Schäfer wurde ermordet 1989. Schauspielerin, weil irgendein Fan gedacht hat, das mache ich jetzt. Die Liste könnte jetzt noch weitergehen. Es gibt schlimme Sachen, die da draußen passieren, weil Leute diese Grenze nicht verstehen.
Florian Bayer: Und weil sie Wut haben, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Art, diese Grenze aufzuweichen, nicht akzeptiert wird auf der Gegenseite. Dieser Film ist eine Komödie. Vergessen wir das nicht.
Johannes Franke: Ich lache auch so wahnsinnig viel tatsächlich.
Florian Bayer: Eine der witzigsten Szenen, wenn sie Jerry festgebunden haben und dann halten sie ihm diese Q-Cards hin. Damit er am Telefon sagen kann, was die Forderung seiner Entführer ist. Und dann ist es natürlich, ist Rupert offensichtlich nicht der Beste darin, Q-Cards zu schreiben und hinzuhalten. Aber es ist so geil, weil das kennt er aus dem Fernsehen. Er weiß,
Johannes Franke: wie Q-Cards funktionieren. Und deswegen nutzt er Q-Cards, weil er auch weiß, Jerry Lewis, also Jerry Jerry Langford weiß, was damit anzufangen und weiß, wie man Cue-Cards abliest. Bloß weiß er nicht, wie man sie schreibt. Und macht das dann und hält die dahin. Die sind durcheinander, mal falsch rum, mal richtig rum und man könnte fast daraus ein SNL-Skid machen,
Florian Bayer: das irgendwie so halblustig ist. Aber Skosy, sie schafft es, das richtig, richtig gut zu machen.
Johannes Franke: Das Maß hinzukriegen von ernsthaft ich meine.
Florian Bayer: Und es ist so gut.
Johannes Franke: Es bleibt realistisch,
Florian Bayer: dass eine Cue-Card verkehrt rum ist, absolut, und dass eine Cue-Card anders verkehrt rum ist. Und das reicht schon. Es ist so perfekt getimt, dass es einfach funktioniert. Und auch, dass die Umbrüche der Sätze an der völlig falschen Stelle sind. Dass er nicht weiß, wie es geht, wie es weitergeht. Also richtig, richtig krass. Aber so gut gemacht. Was für ein großartiger Running Gag, natürlich auch tragikomisch, dass sich niemand den Namen von Rupert merken kann und sein Name tausendmal in verschiedensten Formen falsch ausgesprochen wird. Pumpkin, Pupkin, Pippkin. Es gibt ganz tolle, schöne... Ich musste wirklich laut lachen, als er Rita sein Autogrammbuch zeigt und dann seine Unterschrift und wir als Publikum wissen schon, dass es sein Autogramm ist und sie sagt, looks like retard. Also es ist wirklich böse, aber es ist so witzig in dem Moment, weil er so stolz darauf ist, dass da sein Name steht. Ein Wort, das wir nicht mehr hören wollen übrigens. Seine Traumvorstellungen sind unfassbar schrecklich, also vor allem diese Hochzeitsszene.
Johannes Franke: Lass uns auf diese Traumvorstellungen eingehen, ist ja Wahnsinn.
Florian Bayer: Aber halt auch sau witzig, ne? Ja, und vor allem, was ich ganz toll finde, ist,
Johannes Franke: dass Scorsese nicht sagt, und übrigens jetzt kommt ein Traum.
Florian Bayer: Nein,
Johannes Franke: sondern du musst es selbst rausfinden als Zuschauer. Und das sorgt auch dafür, dass wir gen Ende auch nicht mehr ganz so sicher sind,
Florian Bayer: was ist es jetzt eigentlich. Und es ist ganz toll vorbereitet dadurch. Ähnlich wie bei Taxi Driver. Der Film hat sehr viele Ähnlichkeiten mit Taxi Driver. Und diese Vermischung von Wahnvorstellung und Realität bis hin zu dem Punkt, dass sich eine Wahnvorstellung einschleicht, die gleichzeitig was Realistisches in sich trägt. Ich komme gleich dazu. Wir können es ja mal durchgehen. Die erste Fantasie, die er hat, ist, wie er mit... Wie er mit Jerry zusammen einen trinken geht, ganz ziemlich am Anfang, wo seine Mutter die ganze Zeit reinschreit und sagt, mit wem redest du da? Und die sitzen im Restaurant eigentlich, oder? Ja.
Johannes Franke: Und Jerry versucht ihn zu überzeugen, ich bin nur drei Monate weg, du musst das Ding übernehmen, du bist so gut. Und das ist das, wo ich am Anfang gesagt habe, das ist das Gespräch, was ich als Kind halt einfach wirklich oder als Jugendlicher mit mir selbst geführt habe. Wo ich gedacht habe, ja, das wäre jetzt geil, wenn mir der und der und das... Und sagt, nein, komm...
Florian Bayer: Du bist so gut, mach das doch mal hier. Vertritt mich mal und dann übernehme ich das Ding. Es ist so süß, wie er sich erhöht in dieser Fantasy. Und wie er Cherry so ein bisschen klein macht. Dann ist dieser Typ, der eine Karikatur von ihm zeichnet. Dann kommt natürlich die, die ein Autogramm von ihm will, nicht von Cherry. Nein, natürlich nicht. Ach, es ist so toll. Es sind so viele schöne kleine Dinge. Und das steigert sich natürlich mit der Zeit. Das Zweite ist, und da ist so eine Kombination aus Traum und Realität, wenn er die Show spielt, wo er zu Gast ist, mit Liza Minali zusammen bei Jerry. Und dann reinkommt, dann hat er ja wirklich diese Pappe aufsteller und redet mit ihnen und lacht über den Witz, den Jerry erzählt hat. Und das ist schon so ein Moment, wo wir merken, in welche Richtung so ein bisschen diese Fantasien gehen. Nämlich zum einen, dass er eine persönliche Beziehung zu Jerry hat. Und gleichzeitig aber, dass er der Überlegene ist. In seinen Fantasien ist er der mit dem höheren Status.
Johannes Franke: Also er will Jerry nicht als Freund eigentlich, sondern er will ihn als Untergebenen.
Florian Bayer: Als Bewunderer.
Johannes Franke: Als Bewunderer. Er will in Jerrys Position sein und dass Jerry quasi in seiner Position ist.
Florian Bayer: Ja, irgendwie schon.
Johannes Franke: Und es ist wirklich hart zwischendurch, weil man auch ein bisschen durchspürt, was bei ihm so psychisch Schluss ist. Das sind so die Momente, wo man das merkt.
Florian Bayer: Kommen wir gleich bei der Hochzeit dazu. Ja, genau. Dann haben wir als drittes, er soll das Band aufnehmen. Kayfie, die Assistentin von Chariot, hat gesagt, mach uns doch mal ein Band. Und er steht dann da und macht diese Tape-Aufnahmen. Das ist wirklich unglaublich unangenehm, wie er dann sagt, und jetzt stell dir vor, wir sind in unserer Show, jetzt kommt die Musik, jetzt kommt das, jetzt kommt die Ankündigung. Und dann trägt er vor und dann haben wir ihn plötzlich vor dieser großen Publikumstapete stehen. Die ist krass. Das ist ja auch irgendwie eine Vision. Sein Raum ist ja nicht so, dass das ein langer Gang ist, der auf eine Publikumstapete hinweist. So eine merkwürdige Mischung. Also es ist total surreal in diesem Moment.
Johannes Franke: Ich finde es ein ganz tolles Bild.
Florian Bayer: Großartig.
Johannes Franke: Vor allem auch das Audio drüber ist so gut, weil ja Scorsese uns das verspricht und dann nicht einhält, dass wir jetzt hören, was für Gags hat er denn. Und wir hören nur so gemumbelt und so das und das und das Publikum laut und lachen und toll. Aber wir hören keinen einzigen richtigen Gag. Und nicht, dass wir das Gefühl haben, die sind nicht da, sondern wir bekommen sie einfach nicht zu hören.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich denke die ganze Zeit, scheiße,
Florian Bayer: hat er jetzt Gags oder hat er keine? Wir müssen uns selbst überlegen.
Johannes Franke: Ich weiß es einfach nicht in dem Moment.
Florian Bayer: Es ist gut, dass es so lange hinausgezögert wird, was er kann und ob er gut ist. Dass es darum irgendwie nicht wirklich geht. Wir haben den nächsten großen Traum. wie er in Sherrys Büro ist, nachdem er das Tape abgegeben hat und Sherry ihm sagt, wie gut er ist und dass er gerne in seinen Kopf würde und ihn schüttelt. Das ist so geil. Es ist so geil, weil er auch sagt, du kannst ja gar nicht nicht gut sein, selbst wenn du wolltest. Du musst,
Johannes Franke: du bist ja so ein Genie. Und das ist so wahnsinnig übertreibend. Und was mir nicht aufgefallen ist, aber Sherry, mit der ich das geguckt habe, dass dieses Büro, wo er da arbeitet, das sieht so aus, wie sich Robert das vorstellt.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Robert kennt nur diesen Vorraum von diesem Gebäude. Und entsprechend stellt er sich das Büro vor.
Florian Bayer: Aber sobald die wirklich drin sind, sind das hier so blöde Kästen. Ganz schlechte, unattraktive Büros. Es ist großartig. Ja, fantastisch. Stimmt. Und dann der größte Traum. Er ist zu Gast bei Jerry und er wird live. vor Publikum mit Rita, auf die er ein Auge geworfen hat, verheiratet. Von seinem ehemaligen Direktor, der jetzt Priester ist, sich noch einmal im Namen von allen bei ihm entschuldigt für das, was sie ihm angetan haben. Und der noch einmal sagt, nein, wir hatten Unrecht, du bist grandios. Ich muss so laut lachen, als er das sagt. Es ist so traurig. Ich finde es tatsächlich traurig vor allem. Natürlich ist es traurig, aber der Film hat so gut drauf zugearbeitet,
Johannes Franke: dass dieser Satz so ab... abgefeuert, genau im richtigen Moment, genau auf die richtige Art und Weise, so eine Lachsalve bei mir hervorruft, weil ich denke, natürlich, natürlich ist es das. Er muss auch noch, dass alle sich entschuldigen und sagen, wir hatten alle Unrecht.
Florian Bayer: Das ist so schmerzhaft. Ich finde es wirklich hart. Und ich frage mich, was hatte dieser arme Mensch für eine Kindheit und für eine Jugend?
Johannes Franke: Das wird er uns in seinem Stand-Up ein bisschen einblickigen.
Florian Bayer: Ja, wir kommen dazu. Das ist tatsächlich die letzte große Fantasie. und was dann kommt, ist dieses harte Clashen von Fantasie zur Realität, wenn er nämlich bei Jerrys Haus ankommt und sie da tatsächlich reinkommen, weil sie den Butler einfach überfallen. Übrigens so ein Moment, was ich meine mit Rupert hat irgendwie einen Charme, eine merkwürdige Art von Charme. Er schafft es, da reinzukommen. Der Butler ist überfordert von seiner Art.
Johannes Franke: Er schafft es vor allem Rita davon zu überzeugen, dass das eine gute Idee ist, das zu machen. Die wirklich glaubt, okay, wenn der mich jetzt dazu einlädt, dann wird das ja irgendwie legit sein und dann werden wir jetzt also Jerry kennenlernen.
Florian Bayer: Und dann aber, wenn Jerry auftaucht, zeigt sich halt auch seine absolute Unfähigkeit, mit Signalen umzugehen. Egal, ob sie indirekt sind oder direkt. Jerry könnte in diesem Moment in sein Gesicht schreien, du bist hier nicht erwünscht, er würde es nicht verstehen.
Johannes Franke: Ich weiß immer noch nicht so genau, wie viel er aktiv wegdrücken muss und wie viel einfach sein Hirn so mühelos wegignoriert. Weil er muss ja irgendwie reagieren auf bestimmte Sachen. Und er muss ja auch reagieren auf So did Hitler. Von Jerry. So ein krasser Satz. Und irgendwie muss er ja dann auch sagen, Freundschaft ist a two-way street. Welche Freundschaft? Welche Freundschaft? Und irgendwie muss er ja darauf kommen. Irgendwas muss sein Hirn ja gemacht haben, um das irgendwie herzustellen. Und ich weiß nicht, wie bewusst ihm oder wie unbewusst das alles ist bei ihm. Es ist so schwer zu sagen.
Florian Bayer: Es bleibt unklar. Es ist halt der Moment, wo man erst das Gefühl hat, da ist definitiv ein Wahn, der nochmal eine Nummer größer geht, der wirklich zu radikalem Selbstbelügen führt.
Johannes Franke: Total, absolut. Aber es ist ein bewusstes Lügen, es ist wirklich ein Schritt, weil ich habe oft das Gefühl, in dem Moment, wo so ein Bruch stattfindet zwischen Realität und seiner Welt, ist immer so eine kleine Pause. Ich habe das Gefühl, dass Robert De Niro tatsächlich das spielt, dass er immer so einen kleinen Moment spielt, in dem sein Hirn... das alles zurecht drückt wieder.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich total gut. Er macht das total gut, finde ich.
Florian Bayer: Ja. Ich habe das Gefühl, es ist immer so ein kurz, wirklich so ein Schritt vor der Erkenntnis.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Aber die Erkenntnis bleibt aus. Weil ich meine, er muss doch wissen, womit rechnet er, was passiert, wenn er in diesem Haus ist? Denkt er wirklich, Jerry kommt und sagt, ah, hi, da bist du ja, Rupert, jetzt können wir über dein Band reden? Ist es das, was er erwartet? Weil es scheint so, als würde er das erwarten. Ja, total, natürlich, klar. Sonst würde er es ja nicht machen. Es gibt so einen Moment des Unwohlseins, wenn ein Cheater anfängt, im Haus rumzulaufen, sagt er ja zu ihr so, ah, ich weiß nicht, ob wir das machen können. Ja, ja, genau, stimmt. Ob wir das machen sollten. Ja. Da gibt es so einen Moment des Unwohlseins. Merkt er da, dass er sich selbst in die Scheiße befördert hat? Dass er jetzt in der Bredouille steckt?
Johannes Franke: Tja, keine Ahnung. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Weil als Cherry dann kommt, ist er ja wieder so, ah, hey Cherry, na, wie geht's? Genau.
Johannes Franke: Vielleicht auch ihr gegenüber und so und allen Leuten gegenüber, da heile Welt zu spielen. Vielleicht ist es auch das, dass das sein To-Go-Mechanismus ist, solche Situationen zu glätten, indem man einfach so tut, als wäre es richtig, als wäre die Situation vollkommen normal.
Florian Bayer: Es bleibt schwierig. Es ist eine große Stärke von diesem Film, dass Rupert nicht radikal durchgezogen wird, sondern dass er sich Ambivalenzen behält und dass wir immer so ein bisschen im Unklaren sind, wie viel von ihm. Wie viel von seinem Verhalten ist Wahn? Wie viel ist durchkalkuliert? Wie viel ist Lüge gegenüber anderen? Wie viel ist Selbstbelügen? Es ist schon gut.
Johannes Franke: Ich finde, dass er diese penetrante Höflichkeit so wahnsinnig gut auch nutzt, um die Situation zu entschärfen. Um auch zum Beispiel, wenn er da sitzt und dieses Band versucht loszuwerden und versucht dann Jerry zu kriegen und so. Er bleibt ja wahnsinnig lange sehr, sehr, sehr höflich und penetrant höflich. Und da fällt es einem wahnsinnig schwer zu sagen, alter Arschloch, raus hier. Da sagt man dann eher mal, ja, dann setz da halt hin oder so.
Florian Bayer: Sie sind ja auch wirklich, also als er zum ersten Mal von der Security aus dem Bürogebäude rausgebracht wird, macht die das ja auch höflich. Die reden ja auch, die reden ganz nett mit ihm. ist zwar ein Kasten, aber der bringt ihn ja ohne Gewalt raus und redet dabei mit ihm und sagt ihm noch was zum Thema Firmenpolitik.
Johannes Franke: Wobei das eine ganz normale Deeskalationstaktik ist von der Security.
Florian Bayer: Also ja, spannend.
Johannes Franke: Warum will er das überhaupt? Was hat Rupert davon? Also warum will er diese Position erreichen? Was führt ihn überhaupt dazu, daraus seine Salvation zu generieren? Also sein Gefühl von jetzt ist mein Leben perfekt oder was ist das?
Florian Bayer: Das sind doch schon so klassische Aufsteiger-Fantasien einfach. Also er will etwas bedeuten. Er will jemand sein. Ja.
Johannes Franke: Ich glaube, ich würde noch weiter gehen, dass seine ganze Existenz im Grunde erst stattfindet, wenn er von Millionen von Leuten bestätigt wird.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Ja, genau. Er identifiziert sich ja nicht mit Jerry, ne? Also wir haben ja schon eng festgestellt, dass er seinen Platz zwar einnehmen will, aber dass er trotzdem er ist und seine Persönlichkeit soll den Platz einnehmen. Und er hat sich auch, ich meine, er ist King of Comedy. Er hat sich quasi ein Alter-Ego ausgedacht. Ja, ja, es ist einfach, also... offensichtlich hat er ja ein scheiß Leben und er hat immer noch ein ziemlich einsames, trauriges Leben und er versucht da irgendwie rauszukommen und er macht ja auch tatsächlich was dafür. Ich meine, er traut sich Rita anzuflirten und er schafft es auch, sie zum Date einzuladen. Also er ist nicht so komplett durch, sondern er hat irgendwie, er hat die Möglichkeit, das was er sich wünscht. Also er hat vielleicht nicht die Möglichkeit, vor einem Millionenpublikum zu stehen irgendwann, weil das ist was, da muss man extrem Glück haben. Aber eigentlich hat er alles in der Tasche. um mehr zu erreichen. Und er macht ja sogar richtige Sachen. Er schafft es, Rita zu einem Date einzuladen. Er hat ein Date mit Rita. Was ist ihre Motivation?
Johannes Franke: Wenigstens Rita nochmal. Auch wenn Rita jetzt nicht die...
Florian Bayer: Sie ist so eine uninteressante Schieberin. Ja,
Johannes Franke: aber warum macht sie das?
Florian Bayer: Vielleicht findet sie ihn wirklich süß. Vielleicht findet sie ihn einfach wirklich süß.
Johannes Franke: Also so ein bisschen denke ich das auch. Ich glaube, der größte Teil ist dann Neugier.
Florian Bayer: Vielleicht das auch, ja.
Johannes Franke: rauszufinden, was ist das hier? Was ist das für ein Mensch? Was ist das für ein Leben, das ich hier führen könnte? Wo führt das alles hin? Die einfach ein relativ furchtloser Mensch ist und sagt, ja,
Florian Bayer: ich lasse mir das mal erzählen vom Leben, was hier abläuft. Er schafft es, ein Date mit ihr zu haben. Er schafft es, ein Band abzugeben. Er könnte ohne Probleme in zahllosen kleinen Comedy-Clubs in New York auftreten. Er lebt in fucking New York.
Johannes Franke: Genau. Also er hätte ja jede Möglichkeit, diese Chancen zu ergreifen und sich langsam hochzuarbeiten. Aber seine Delusion besteht ja darin zu sagen, ich muss es nicht erarbeiten, sondern ich bin qua Geburt das Genie, das sofort anerkannt werden muss.
Florian Bayer: Und das ist so traurig, weil er hätte das nicht nötig. Er hat offensichtlich die Scheiße erlebt, er hatte eine Scheißkinder, eine Scheißjugend und so weiter. Aber da, wo er jetzt steht, sein Leben ist nicht so komplett fucked up.
Johannes Franke: Allerdings wissen wir nicht viel von seinem weiteren Leben. Wir sehen die Mutter gar nicht, wir hören sie nur. Wir könnten sogar mit etwas Mindbendy Sachen davon ausgehen, dass die Mutter gar nicht existiert mehr. Oh Gott, so ein Psycho-Ding? Ja, ja,
Florian Bayer: genau.
Johannes Franke: Also hat er nicht irgendwann auch gesagt, sie ist seit acht Jahren tot? Da gab es doch auch eine Szene.
Florian Bayer: In seiner Show. Bei seinem Stand-Up sagt er das. Ah, ja,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Dass sie tot ist. Stimmt, weird.
Johannes Franke: Also ja, genau. Es gibt so ein paar weirde Sachen.
Florian Bayer: Sein Leben ist vielleicht einsam. Aber was nicht so fucked up ist, er hat Talent. Er hat einen gewissen Charme. Er kann mit Menschen reden. Er kann mit Menschen interagieren. Sonst würde er Rita nicht dazu kriegen, mit ihm auszugehen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Das stimmt. Es ist zwar immer creepy irgendwie, aber das der Film sich entscheidet zu sagen, nein, er kriegt das so nicht hin, weil er den entscheidenden Schritt eigentlich nicht tut. Was will das sagen? Was will uns das über das größere mediale Ereignis sagen? Also was bedeutet das philosophisch für die Gesellschaft, in der wir leben? Ist das ein größeres Bild, was da entworfen wird? Ich finde es schon interessant. überhaupt. jemanden hinzustellen und zu sagen, der hat dieses Entitlement und sagt, wenn die Welt so aussieht, dann will ich jetzt auch meine fünf Minuten rum, wie das Andy Warhol schon gesagt hat.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob das so eine große Parabel aufs Showbiz und auf die Menschheit ist. Ich weiß nicht, ob ich dem Ding so viel Schwere geben würde oder ob es das überhaupt braucht. Weil Rupert ist ja schon ein sehr schräger Vogel und Rupert ist jetzt vielleicht auch zu speziell und vor allem zu nuanciert, um als universelles Bild oder als Prototyp des Comedy-Zuschauers oder des TV-Zuschauers, des Fans zu taugen.
Johannes Franke: Ich finde, dafür ist er zu nuanciert. Ich würde vielleicht noch ein weiteres Puzzlestück dazu geben und dann können wir vielleicht nochmal kurz darüber reden. Nämlich sein eigentliches Stand-up, was er dann tatsächlich hat.
Florian Bayer: Kommen wir mal zu seiner Comedy-Show. Der Film hält sich die ganze Zeit zurück und eigentlich hat man irgendwann das Gefühl, nein, wir werden von diesem Mann keine Comedy mehr sehen. Nein, wir werden nie erfahren, wie er ist.
Johannes Franke: Beziehungsweise eigentlich habe ich schon unterschwellig immer das Gefühl, dass es der schlechteste Comedian sein wird, den ich je gesehen habe.
Florian Bayer: Wir haben das Gefühl, wenn was kommt, dann kann es nur schrecklich sein. Und dann ist er in dieser Bar, also nachdem Jerry entführt wurde, nachdem er aufgetreten ist, macht den Fernseher an, sagt zu Rita, hey, guck mal. Und dann wird die Show übertragen und er tritt auf. Und bevor wir sagen, wie er inhaltlich ist, das Publikum mag ihn. Das Publikum ist nicht total begeistert von ihm. Es ist keine Massenbegeisterung, aber es gibt Lacher. Es gibt mehrere Lacher und es gibt einzelne laute und große Lacher. Es ist das, was man erwartet von einem Comedy-Auftritt auf einer offenen Bühne, wo jemand gut ankommt.
Johannes Franke: Wo wir allerdings nur die Ausstrahlung sehen, wo die ganzen Lacher eingespielt sein könnten, theoretisch.
Florian Bayer: Könnten sie sein, glaube ich aber nicht.
Johannes Franke: Glaube ich auch nicht, aber nur das mal als Option.
Florian Bayer: Er macht sein Programm und sein Programm ist sehr, sehr... typisch und sehr generisch, nämlich er erzählt aus seinem Leben und macht Witze darüber, wie kacke er es hatte und wie schwer seine Kindheit war und so weiter.
Johannes Franke: Das allererste, was man als Comedian in New York machen soll, der erste Rat, den man bekommt, erzähl von dem, was du weißt und was du so erlebt hast. Das ist ein guter Startpunkt und von dort aus kannst du dich entwickeln.
Florian Bayer: Wandle deinen Schmerz in Humor um.
Johannes Franke: Genau, macht er. Das heißt, er hat die Physik hinter der ganzen Sache, hinter Comedy und so weiter durchaus verstanden. Ich bin noch nicht so weit, das als Talent zu bezeichnen. Ich würde zumindest sagen, dass er sich damit auseinandergesetzt hat und die Physik von Comedy verstanden hat, einigermaßen. Und die Gags sind Setup-Punchline. Also es ist eine klare Comedy-Richtung.
Florian Bayer: Und er hat das Timing. Er hat das Timing, dass es nicht awkward drüber geht,
Johannes Franke: sondern es ist das Timing sein schon auch. Und die Gags könnten auch ein bisschen besser sein.
Florian Bayer: Ich finde das Timing wirkt halt ein bisschen zu sehr einstudiert vielleicht. Also es ist so Setup, Punchline, Setup Punchline und dann beim dritten Mal denkst du dir, okay, wir haben es verstanden. Genau. Du baust jetzt wieder auf, gleich sollten wir lachen.
Johannes Franke: Aber es ist grundsolide. Genau. Es ist grundsolide. Und ich finde es so genial, dass der Film dieses Grundsolide macht. Wenn das eine Katastrophe wäre, dann würde der Film in eine Richtung abdriften, die ich nicht so richtig gut finde. Ja. Wenn er richtig, richtig Also beide Fälle, richtig gut und richtig schlecht sind, beide doof. Wenn er richtig gut wäre, dann würde das bedeuten, ja, der Zweck heiligt die Mittel.
Florian Bayer: Er hatte recht.
Johannes Franke: Er hatte recht und so und dann darf er das auch. Das würde das Ganze ein bisschen komisch machen. Aber dass das so absolut, so exquisit mittelmäßig ist. Das ist es, das trifft es. Exquisit mittelmäßig. Grundsolide. Es ist so geil. Und ich habe nicht damit gerechnet. Ich wusste nicht, dass das kommt. Ich wusste das nicht mehr. Ich hatte ihn ja schon gesehen und habe das aber völlig vergessen und war so beeindruckt und begeistert davon. Und die haben das ja auch vorher alles einstudiert und so. Und Robert De Niro hat das auch eingespielt in Comedy-Clubs anscheinend, um genau diese Mittelmäßigkeit genau auf den Punkt zu kriegen. was einfach nur sagt, zum einen, es reicht fürs Fernsehen. Ja, offensichtlich. Was ein kleiner Hieb aufs Fernsehen ist. Die Leute haben gelacht. Die Bekanntheit, die er brauchte, die er haben wollte für den Moment, hat er damit erreicht. Und für diesen Traum, Comedian zu sein, reicht die reine Physik von Zetterpanschlein aus. Und das Fernsehen braucht nicht mehr. Das ist die Kritik, die ich da drin sehe.
Florian Bayer: Die würde ich auf jeden Fall mitnehmen. Ich bin halt auch echt nicht der größte Comedy-Fan. Also Comedians, die ich lustig finde, kann ich an einem Finger abzählen. Hazel Booker.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und dann hört es auf. Hast du nur einen Finger? Nein, ich habe nur eine Comedian, die ich lustig finde. Ganz ehrlich. Wenn du mich fragst, welcher Comedian ist lustig, heute, also früher gab es vielleicht noch ein, zwei. Meinst du deutsche vor allem oder meinst du insgesamt? Deutsche.
Johannes Franke: Deutsche, okay.
Florian Bayer: Okay, amerikanische. John Mulaney? Sagt dir nichts. Ja, du kennst dich halt nicht aus. Ich kenne mich nicht aus. Ich finde, er ist dann ehrlich witzig, aber das ist ja auch nicht so...
Johannes Franke: Das ist was anderes. Ah,
Florian Bayer: doch. Ah, Moment. Okay. Wie heißt der? Okay, ich mag... tatsächlich die, die so ein bisschen... Also, Moment. Es gibt ein paar, die ich witzig finde. Also, okay, stimmt. Ich ziehe das wieder zurück. Ich habe gerade sehr deutsch gedacht. Wen ich witzig finde, ist Jimmy Carr.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich mag böse Menschen. Es tut mir schrecklich leid, ich mag böse Menschen.
Johannes Franke: Jimmy Carr hat wirklich auf jeden Fall...
Florian Bayer: Und wenn ich Jimmy Carr auf der Bühne sehe... Aber ich gucke halt auch keine ganzen Comedy... Genau, das ist das Problem. Ich gucke keine einstündige Comedy-Programm. Da kannst du mich... Er schießt mich lieber, bevor ich ein einstündiges Comedy-Programm gucke. Ich gucke 5-Minuten-Clips. Ich finde Steve Hofstetter gut. Ich finde Jimmy Carr gut. Ich finde die gut, die sassy sind, die böse sind und die mit dem Publikum interagieren. Genau, das ist nämlich auch so ein Ding. Wenn ich von Jimmy Carr seine Bits sehe... Dann bin ich nach fünf Minuten total gelangweilt. Aber wenn ich Jimmy Carr sehe, wie er einen Heckler fertig macht und einer Frau erzählt, dass sie sich hätte besser abtreiben lassen, dann muss ich lachen. Das genau. Nein, ich ziehe es doch nicht zurück. Ich finde Comedy langweilig, weil die Comedy-Acts von den Comedians, die ich geil finde, finde ich auch langweilig. Ich würde mir Jimmy Carr niemals eine Stunde angucken. Ich würde mir Steve Hofstetter niemals eine Stunde angucken. Schrecklich. Aber fünf Minuten Clips, wo sie mit dem Publikum interagieren, sind witzig. Okay.
Johannes Franke: Ja, ich muss auch sagen, dass ich so anderthalb Stunden Programme von Comedians, vor allem wenn sie einen ganz bestimmten Stick haben und auch eine ganz bestimmte Richtung gehen und wirklich nur reden, ich bettel dann nach Prop Comedy zwischendurch, damit sie wenigstens mal einen Gummihammer in die Hand nehmen und damit weiß ich nicht, keine Ahnung. Noch schlimmer. Ich will irgendwas anderes noch haben, als Aussagequatsche. Aber ich muss sagen, dass ich durchaus ein paar Sachen ganz gut finde und auch damit, ja. Ich einfach mag. Habe ich jetzt den Namen nicht im Kopf, aber egal.
Florian Bayer: Und dann auch wieder, genau, die Late-Night-Comedians. Die haben ja, also typisch Late-Night ist ja so ein 10-Minuten-Stand-Up. Schrecklich Ich kann mir das nicht antun. Echt, ja? So sehr ich Conan mag, so witzig ich Jimmy Kimmel manchmal finde. Oder David Letterman. Ich finde ihre Stand-Ups echt nicht gut. Die skippe ich. Ich will gucken, wie sie mit den Promis, die zu Gast haben, sich unterhalten.
Johannes Franke: Naja, ich meine, natürlich ist es immer interessanter, wenn du eine Interaktion siehst. Also für Menschen, andere Menschen anzuschauen, wie sie alleine für sich reden, ist per se schon wahrscheinlich uninteressanter, als wenn zwei Menschen sich miteinander unterhalten und zwei Haltungen aufeinandertreffen. Natürlich ist das irgendwie spannender.
Florian Bayer: Ich finde, es ist ein absolut solides Comedy-Programm. Ich finde es total cool, dass sie das so solide gemacht haben. Also ich glaube, wir sind da ziemlich einer Meinung. Ja, ja, ja. Klingt für mich jetzt sehr danach raus. Ich finde es sau witzig, dass das nochmal ein bisschen wiedergespiegelt wird, wie sein Comedy-Programm war, wenn der Kopf sagt, oh mein Gott, das war total unwitzig. Und das sogar noch relativ witzig sagt, der Kopf hat auch irgendwie noch, mir fällt es nicht mehr in eine lustige Punchline zu seinen Gags.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und ich finde es sehr cool, was danach folgt, weil ich finde, das ist auch folgerichtig. Und deswegen, wenn du jetzt kommst mit, das ist alles nur ein Traum und eine Fantasie, dann erwirge ich dich. Um das gleich zu sagen, dass er nämlich diesen Ruhm für fünf Minuten hat und dass natürlich durch diese Geschichte, die wirklich weird ist, die Öffentlichkeit absolut nachvollziehbarerweise ein Interesse an ihm hat. Und dass er ein Buch schreibt und dass er danach im Fernsehen auftritt, ich finde es total realistisch und total plausibel.
Johannes Franke: Ich finde es auch total realistisch, aber so wie er das inszeniert am Ende, den Ansager, der... der fünfmal zu viel sagt, beste Comedian der Welt, hier, King of Comedy Group, applaudiert, applaudiert, habt Spaß, applaudiert, applaudiert. Also der übertreibt ja wirklich wahnsinnig. Da driftet es für mich wieder ab. Aber ich finde, dass er das so gut macht, dass er, und vielleicht ist das jetzt auch gerade nur eine Ausflucht, dass er gleichzeitig zwei Enden zeigt, die beide absolut gleichberechtigt wahr und nicht wahr sind. Weil das absolut realistisch ist, weil es genau das ist, was passieren würde, aber die Fantasie von ihm ist nochmal stärker betont. Vielleicht.
Florian Bayer: Es wird ja gebrochen dadurch, dass dann nochmal gesagt wird, dass er immer noch denkt, dass Jerry sein Mentor und Freund ist. Was ich geil finde, und das wird ja auch so ein bisschen offensichtlich kritisch in dieser medialen Berichterstattung gesagt, weil jeder weiß, dass es nicht so ist. Und ich finde auch, dieser Announcer am Schluss hat für mich auch so was Sarkastisches, dass das auch einfach so ist, das ist jetzt sein Ding. Dass er der Beste ist, dass er der Größte ist, so wird er angekündigt. Und das einfach Teil des Bits ist. Es ist ähnlich wie bei Taxi Driver. Ich hasse diese Taxi Driver Interpretation, dass das am Schluss eine Fantasie des Sterbenden ist. Ja, ja,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Weil ich finde, dass der wirklich bösartige Kommentar darauf, wie Gesellschaft funktioniert, im Fall Taxi Driver, oder wie das Showbiz funktioniert, im Fall von diesem Film,
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Das ist so viel besser, wenn es halt nicht in seinem Kopf stattfindet, sondern wenn uns gezeigt wird, ja, das ist die Realität. Und das ist die Realität.
Johannes Franke: Ja, natürlich, absolut.
Florian Bayer: Menschen sind besessen von Charles Manson. Das ist einfach nur ein fucking Killer mit einem Hakenkreuz auf der Stirn und trotzdem sind Menschen besessen von ihm.
Johannes Franke: Ja, ich finde, dass der Film das aber nicht entkräftet dadurch. Das ist der einzige Film, wo ich denke, okay, er geht jetzt in diese Fantasiewelt rein, aber er macht das so auf eine Art und Weise, dass es diese Kritik nicht schmälert, die es mit sich trägt.
Florian Bayer: Ich finde, das ist ein wichtiger Teil von der Kritik. Also dieser Gedanke, dass das nur eine Fantasievorstellung ist, macht einiges an den satirischen Spitzen gegen Showbiz, gegen mediale Wahrnehmung und so weiter kaputt.
Johannes Franke: Ich möchte einmal, Ende kann man so oder so sehen, ich möchte einmal, weil wir eingestiegen sind, vor allem mit der Fanseite, mal rübergehen auf die andere Seite, nämlich von Rupert Pupkin. Pipkin. Pipin. Nämlich dieses Main-Character-Syndrom. Natürlich gibt es einmal diese parasoziale Beziehung von Fans an berühmte Figuren, aber er hat ja vor allem dieses Main-Character-Ding, was durch Social Media und so weiter jetzt eine große Sache geworden ist, was früher den Begriff glaube ich gar nicht gehabt so richtig. Aber dieses Gefühl, sich als absoluten Mittelpunkt eines fast schon fiktionalisierten Lebens, seiner eigenen Narration des Lebens zu sehen. Was einen positiven Effekt haben kann als Empowerment. Zu sagen, ich als Individuum bin in meinem Leben wichtig. Ich muss nicht nur für andere leben, sondern ich kann eigene Bedürfnisse haben und so. Und ich darf mich als Mittelpunkt meines Lebens betrachten, was vollkommen legit okay ist. Aber die Übertreibung dessen, alles, was man in seinem Leben erlebt, als Narrativ zu begreifen, dass anderen erzählt werden muss, was anderen aufbereitet werden muss. Das ist so krass. und das macht er ja hier auch. Und das finde ich wahnsinnig irre.
Florian Bayer: Es hat so ein Einstiegstor für Narzissmus und Egomanie. Total. Und wenn ich mir angucke, dieser Rupert wird ein schrecklicher Prominenter sein. Der wird so viel schlimmer sein, als Jerry jemals war. Um vielleicht noch eine Parallele zu ziehen, auch ein Film, über den wir gesprochen haben, All About Eve, aus dem Jahre 1950. Die bitterböseste... Die Pointe, die der Film nicht erzählt, aber die man sich denken kann, wäre natürlich, dass Rupert jetzt plötzlich auch diese wahnsinnigen Fans hat, die ihm folgen und die seinen Platz einnehmen wollen. Das ist ja so ein bisschen die Pointe bei All About Eve, dass diese Eve, die sich quasi im Showbiz, im Theater nach oben geschlichen hat, indem sie eine ältere Schauspielerin ausgenutzt hat, um dann ihren Platz einzunehmen, die wird am Schluss von einer jüngeren... Genau so im Hintergang. Also diese Geschichte wiederholt sich. Und das kann man sich hier vorstellen, dass das hier auch passieren kann. Als so kleine zusätzliche Pointe, die der Film nicht mehr erzählt.
Johannes Franke: Noch so ein kleiner Aspekt, der da vielleicht auch noch mit reinspielt. Er weigert sich ja, diese ganzen Sachen wirklich zu lernen, indem er auf die Bühne geht und das nach und nach entwickelt. Das heißt, das, was vielleicht auch heute hin und wieder mal zu sehen ist in der Öffentlichkeit, dieses Failing Upward. Also ich lerne nicht erstmal jahrelang eine Grundlage für etwas und gehe dann damit in die Öffentlichkeit, sondern ich gehe gleich mit dem ersten Schritt in die Öffentlichkeit und lerne und gehe mit der Öffentlichkeit zusammen durch meine Entwicklung durch. Was irgendwie ein legit Geschäftsmodell geworden sein scheint.
Florian Bayer: Was ich total faszinierend finde. Und es gibt einige Content Creators, ich bin ja durchaus auf YouTube gerne unterwegs, es gibt einige Content Creators, bei denen ich das auch miterlebt habe. Und es gibt nichts Schöneres, als den Kommentar zu schreiben,
Johannes Franke: ey, du bist echt besser geworden.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: und ich finde das wahnsinnig faszinierend und interessant. Und das kann man zynisch auf der einen Seite sehen, dass man sagt, naja, keiner braucht mehr irgendeine Form von Kompetenz, sondern geht einfach raus und ist instant berühmt, wenn das irgendwie schafft, Aufmerksamkeit zu erringen. Aber auf der anderen Seite, wir haben im Podcast auch angefangen und waren nicht die Besten.
Florian Bayer: Muss man vielleicht sagen. Ich habe uns jetzt noch nicht einmal zugehört in den ersten Episoden, aber ich glaube, wir sind vielleicht, ich möchte hoffen, dass wir gewachsen sind. Das glaube ich auch und hoffe ich auch. Es ist auch aus dem anderen Medienbereich bei Spielen, das ist ja auch ganz krass. Mittlerweile werden ja bei Steam, also bei dieser großen Spielbibliothek für den IPC, werden ganz oft ja auch so Betas veröffentlicht, die Spiele wirklich im Entwicklungsstadium. Und wo gesagt wird, ja bitte, Entwicklungsstadium kostet nichts oder kostet nicht viel. Die berichtet uns die Bugs, die ihr findet und sagt uns, was wir verbessern können. Und dann wird stetig an dem Spiel gearbeitet. Nach einem Jahr sagen die Leute dann, boah, ey, das ist jetzt ein richtig gutes Spiel. Und es ist jetzt erst ein richtiges Spiel und es funktioniert erst jetzt richtig. Aber es ist cool, dass wir so daran teilgenommen haben. Ich finde das eine total spannende Entwicklung. Und ich finde es schön, dass unsere Medienwirklichkeit, im Gegensatz zur Medienwirklichkeit der frühen 80er Jahre, bietet diese Möglichkeit. Anfang der 80er gab es diese Möglichkeit nicht. Das ist richtig. Bei den Spielen fällt mir allerdings ein, dass dann große Firmen das nutzen, indem sie ein Spiel für viel Geld schon verkaufen. Ja, im Indie-Bereich ist es cool. Das ist halt das Ding. Genau, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und dann wird ein Spiel verkauft, wo dann gesagt wird, naja, aber wartet mal die ganzen Updates ab und so. Wir bringen das irgendwie voreilig raus, um das Geld schon mal abzugreifen, um dann so nach und nach das Spiel spielbar zu machen. Das ist natürlich wieder scheiße.
Florian Bayer: Klar, es hat auf jeden Fall seine Schattenseiten. gibt es ohne jeden Zweifel. Ich finde es halt total cool, weil wir leben einfach in einer Zeit, in der es um einiges leichter ist, eine Öffentlichkeit mit Inhalten zu erreichen, als das in den 80ern der Fall war. Und das ist gut so. Ich finde das einfach, das hat negative Seiten, aber das ist erstmal gut so, weil es ein Stück das Monopol, das die Industrie in Anführungszeichen hatte, aushebelt. Ihm hätte das, also Rupert hätte das vielleicht geholfen heute.
Johannes Franke: Ja. Der hätte sich einfach auf YouTube verdingen können und wahrscheinlich wäre er erfolgreich gewesen damit.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Vielleicht hätten sich auch sehr viele Leute über ihn lustig gemacht, aber ich glaube nicht, dafür ist er zu gut.
Johannes Franke: Ja, dafür ist er zu mittelmäßig. Zu mittelmäßig,
Florian Bayer: ja.
Johannes Franke: Eine grundsolide Sex von Szenen. Ja, und dann ein bisschen Aufmerksamkeitsökonomie, indem er irgendwelche bösen Kommentare schreibt, weil er nicht genug Millionen Views bekommt. So einer, der so...
Florian Bayer: so Cringe-Videos aufnimmt, wo er sagt, ey, und jetzt habe ich ein Beef mit dir, großem Komedien. Und der große Komedien ignoriert das komplett. Und in seinem nächsten Video sagt dann Rupert, der hat nicht darauf reagiert, der hat Angst vor mir. Genau sowas. Ach, geil. Ja, ich kann mir das wirklich vorstellen. Wäre natürlich heute eine andere Geschichte, aber es wäre auch eine interessante Geschichte wahrscheinlich. Absolut. Ich glaube, wir können rüberspringen in unsere Top-Liste. Ja, oh Gott, wir haben ja auch noch eine Top-3. Meine Fresse. Wir haben wieder viel zu lange gemacht. Ja, wir haben zu lange gemacht. Wir müssen jetzt schnell in die Top 3 schicken.
Johannes Franke: 3. Unsere Top 3. Und zwar Schauspieler oder andereweitig Prominente, die eine Version ihrer selbst in einem Film spielen. Schöne Idee. Ja.
Florian Bayer: Hatten wir noch nicht.
Johannes Franke: Hatten wir so in der Form. Ich hoffe ich nicht.
Florian Bayer: Vielleicht hatten wir mal. Cameos von Schauspielern als sie selbst oder so. Aber ich finde, das ist nochmal was anderes hier. Ist immer eine andere Nummer, ja. Auch wenn ich auf Platz 1 was habe, was dann so ein bisschen bricht. Oh nein, Plornich brechen. Also, mein Platz 3 ist Notting Hill. Julia Roberts spielt eine Schauspielerin. Hugh Grant, einen einfachen Typen aus England, der sich in diese Schauspielerin verliebt. Und dann haben sie halt einfach eine Beziehung, die entsteht mit Dating und so weiter. Und es hat einen sehr leichten Ton. Und natürlich gleichzeitig ist es Teil des Gags, dass sie eine echt berühmte Hollywood-Schauspielerin ist. Aber es ist wirklich süß erzählt. Es ist wirklich ein sweeter Film. Und ich habe ja wirklich einen Softspot für Liebeskomödien aus den 90ern mit Hugh Grant in der Hauptrolle.
Johannes Franke: Ja, Hugh Grant ist einfach großartig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ach, so ein Sweetie.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 3 Coffee & Cigarettes.
Florian Bayer: Oh. Ja,
Johannes Franke: alle. Weil sie sich alle selbst spielen. Iggy Pop oder Tom Waits oder wie heißt der? Alfred Molina, der vielleicht die beste Episode in diesem Film. Cate Blanchett. Cate Blanchett, ganz großartig. Die Versionen ihrer selbst spielen. Cate Blanchett sogar zwei Versionen ihrer selbst. Und ja, ganz tolle Ideen da drin stecken. Wir haben auch diesen Film besprochen und wir sind nicht mit jeder Vignette, die da auftaucht, das ist ja ein Vignettenfilm, das sind ja mehrere kleine Geschichten, Coffee and Cigarettes von Jim Jarmusch. Sehr, sehr schöne Ideen dabei, aber auch halt Ideen, wo man dann sagt, ja, okay, kannst du zur nächsten Geschichte übergehen, das interessiert mich jetzt nicht so.
Florian Bayer: Cool. Mein Platz 2, The Wrestler aus dem Jahre 2008 von Darren Aronofsky. In der Hauptrolle Mickey Rourke, der einen alten, abgehalfterten Wrestler, beziehungsweise Ex-Wrestler spielt. Mickey Rourke war nie Wrestler. Aber Mickey Rourke war ein großer Action-Darsteller in den 80ern und hatte dann einen ziemlichen Niedergang in den 90ern mit Drogen- und Alkoholproblemen. Und war einfach irgendwann komplett abgefuckt. Und er spielt in diesem Film im Grunde genommen das. Er spielt seinen aktuellen Stand und der auch so ein bisschen traurig ist. Jemand, der halt einfach einen Grip verloren hat, weil er nicht mit der Zeit gegangen ist, weil er irgendwie ein Relikt aus der Vergangenheit ist. Ein großartiger Film. Wirklich deprimierendes Drama. Vielleicht gebe ich ihn dir auch irgendwann mal. Wir hatten auch keinen Darren Aronofsky-Film, oder?
Johannes Franke: Kann sein. Oh, okay. Vielleicht müssen wir den nachholen. Ich habe auf Platz 2 Limelight. Charlie Chaplin. Wo er den alternden, vergessenen Clown spielt, der das Publikum irgendwie verloren hat. Und er ist ja schon auch ein bisschen älter, Charlie Chaplin. Die Stummfilm-Zeit ist vorbei. Und seine große Zeit als Stummfilmstar eben auch. Und jetzt spielt er halt jemanden, der von einer jüngeren Frau, einer jüngeren Balletttänzerin, wieder für einen letzten großen Auftritt ins Leben geholt wird.
Florian Bayer: Den Film musst du mir irgendwann geben. Den habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Haben wir den noch nicht besprochen?
Florian Bayer: Nein, wir haben ihn noch nicht besprochen. Wie krass ist das denn? Wir haben sehr viel von Charlie Chaplins Altwerk besprochen,
Johannes Franke: weil du offensichtlich auf sein Altwerk abfährst. Ja, ich mag die ganzen späteren Filme von ihm sehr, sehr gerne. Wir können auch mal die Kurzfilme gucken. Da gucken wir uns drei Kurzfilme an und dann sprechen wir darüber. Aber ich finde die ganz, ganz toll. LimeLight 1952, also schon wirklich ein späterer Film.
Florian Bayer: Wir haben es über du besprochen und The King in New York und dazwischen ist LimeLight.
Johannes Franke: Ja, und der große Diktator haben wir auch besprochen.
Florian Bayer: Wir haben eigentlich fast alle seine letzten Filme besprochen. Ups. Okay. Mein Platz 1 ist ein bisschen gecheatet, weil er spielt sich wirklich selbst, aber eine sehr merkwürdige Version von sich selbst, weil Menschen in seinem Kopf leben. Ah, Being John Malkovich.
Johannes Franke: Ja, ja, okay. Ich habe John Malkovich auch aufgeschrieben, aber nicht in die Liste mehr rein aufgenommen. Weil auf Platz 1 bei mir, oder willst du was über Being John Malkovich sagen?
Florian Bayer: Sehr schräger Film von Trebuch Kaufmann, Regie Jones aus dem Jahre... Lass mich nichts Falsches sagen. Ich glaube, es ist auch Ende 90er. Nee, doch, 1999. Surreale Komödie. Absolut sehenswert. Guckt ihn euch an.
Johannes Franke: Ich hätte auf Platz 1 Sunset Boulevard.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Gloria Swanson, die selber an einem Punkt war, wo die Ältere, die vielleicht nicht mehr so die tollen Rollen bekommt und die auch aus dem Alten, Alten... Hollywood aus der Stummfilm-Ära und so kommt und dann eben so ein bisschen diesen Wahn hat, dass sie noch die große, beliebte Schauspielerin ist. Und eigentlich in diesem Film beziehe ich mich gar nicht so richtig auf Gloria Swanson, sondern auf Buster Keaton und auf Cecil B. DeMille, die irgendwann mal in einer kleinen Szene auch als vergessene Stummfilm-Stars mit ihr zusammen Poker spielen. spielen. Was so einen ganz tollen Tisch, eine tolle Runde an vergessenen Stars ergibt. Und die spielen sich natürlich irgendwie selbst dann in dem Moment. Gerade Buster Keaton und Cecil B. DeMille, die einfach da sitzen und so als Stand-In für diese ganzen vergessene alte Zeit stehen. Und Sunset Boulevard ist so ein toller Film. Wir haben auch Ideen besprochen in der früheren Zeit. Ich glaube,
Florian Bayer: ich war sehr kritisch ihm gegenüber.
Johannes Franke: Echt? Ja? Das weiß ich gar nicht mehr.
Florian Bayer: Ich habe gesagt, ich erkenne Sehr viel Großartigkeit da drin. Aber ich habe es den Citizen Kane Effekt genannt, was blöd ist, weil Citizen Kane hat diesen Effekt nicht bei mir. Ein Film, zu dem alle sagen, dass er ein Meisterwerk ist. Ich sehe ihn und sage, ja, ich erkenne, dass das irgendwie ein Meisterwerk ist, aber mich bricht der Film nicht so doll an. Krass.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir den nochmal besprechen.
Florian Bayer: Nein. Wir fangen nicht an, Filme zweimal zu besprechen und vor allem nicht mit Sunset Boulevard. Großartiger Film. Hört nicht auf Plur.
Johannes Franke: Und hört euch die Episode an und schreibt uns dann Gaslighting-mäßig. Nein, Plur war total begeistert.
Florian Bayer: Ich höre mir nachher die Episode nochmal an.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott. Ja, coole Liste. Ja, vielen Dank. Danke. Dann gehen wir zurück in den Film.
Florian Bayer: Zurück. Das war unsere haben wir noch große Sachen aufzuarbeiten von diesem Film? Eigentlich nicht viel, oder? Doch, es gibt noch ein ganz großer Elephant in the Room. Stimmt,
Johannes Franke: der Joker.
Florian Bayer: Den auch noch, aber vorher ganz kurz dazu kommen wir, das ist die Überleitung. Budget 19 Millionen Dollar, Boxoffice 2,5 Millionen Dollar. Dieser Film war ein riesiger Misserfolg. Ein so großer Misserfolg, dass Martin Scorsese ein Trauma davon getragen hat. Martin Scorsese galt plötzlich als Kassengift. Wie kann das denn sein? Er hat das sofort wieder eingeholt.
Johannes Franke: Es hat nie wirklich jemand geglaubt, dass er ein Kassengift ist.
Florian Bayer: Für einen kurzen Moment. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: War es so, ist New Hollywood vorbei und ist dieser alte Mann vorbei? Es gab vor allem, er war noch gar kein alter Mann. Das war ja das Ding. Ja,
Florian Bayer: das ist noch viel schlimmer.
Johannes Franke: Es gab zu Silvester eine Einsortierung der Filme des Jahres und Scorsese sitzt vorm Fernseher und sagt, ja, meiner war ja auch dabei, mal gucken. Und dann große Ankündigung, Flop des Jahres, King of Comedy. Oh, ist das hart.
Florian Bayer: Er war geliebt von der Kritik? Absolut zu Recht. Ja,
Johannes Franke: natürlich zu Recht, aber das Publikum hatte kein Interesse. Ich verstehe es aber auch nicht so richtig.
Florian Bayer: Vielleicht hat es was damit zu tun, dass damals eben mit John Lennon und so weiter das ein bisschen zu real war alles. Ja, ich glaube auch eine Komödie von einem alten... nicht von einem alten, aber von einem regisseur des New Hollywood. In einer Zeit, in der die Komödien der Zeit eher Teenager-Komödien waren. In der die Filmlandschaft irgendwie weitergezogen schien. New Hollywood war ja auch irgendwie so ein bisschen vorbei. Ich glaube, das war einfach der falsche Film zur falschen Zeit.
Johannes Franke: Jetzt habe ich dich irritiert, indem ich dir den Tee nochmal hingehalten habe. Wir sind kurz vor Ende und ich bitte dir nochmal Tee an.
Florian Bayer: Ja, ist aber voll gut, weil ein bisschen Tee kann ich noch gebrauchen. Okay, Second Elephant in the Room. The Joker. Ich weiß nicht, wie du Joker fandest. Du weißt nicht, wie ich Joker fand. Ich kann mich nicht erinnern. Wir haben Joker im Podcast nicht besprochen. Wir haben über Joker... Haben wir uns jemals über Joker unterhalten?
Johannes Franke: Ich glaube nicht.
Florian Bayer: Ich rate, wie du Joker fandst. Ich glaube, du fandst ihn zu übertrieben.
Johannes Franke: Zu übertrieben.
Florian Bayer: Zu übertrieben in seinem düsteren Pathos. Ich glaube, dir war das zu artifiziell und zu prätentiös und zu aufgesetzt. War es dir zu düster und prätentiös und aufgesetzt? Teilweise ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich fand ihn insgesamt gut.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich fand, es war halt so, von der ganzen Machart ein sehr konservativer Film, einfach weil sie gesagt hat, wir machen New Hollywood nochmal. Das, was Scorsese in den 70ern und 80ern gemacht hat, warum machen wir das nicht nochmal? Ich fand aber einige... Einiges am Symbolismus darin fand ich richtig gut. Und zwar als, ich verstehe nicht, teilweise ist ja die Rechten fanden den teilweise so geil, die sonst immer so drüber schimpfen, dass das Kino so woke geworden ist. Und das habe ich nie verstanden, weil ich das Gefühl habe, es stecken so viele Kommentare zum Thema toxische Männlichkeit. Ja,
Johannes Franke: das ist total.
Florian Bayer: Und er hat ein Buch, das er mit sich rumträgt, das quasi Twitter ist. Ich fand, da steckte ganz viel drin, was so auch Satire darauf ist und komm da darauf ist. Ich fand den gut, aber gut tatsächlich, einfach irgendwie gut.
Johannes Franke: Also ich habe den Film gesehen nochmal jetzt im Zuge dessen, hat vorher eben King of Comedy gesehen und jetzt nochmal Joker und war entsetzt über die so eins zu eins krassen Parallelen, weil ich gedacht habe, das ist zu wenig Eigenleistung.
Florian Bayer: Es fühlt sich teilweise wie Plagiat an, vor allem als ob jemand im King of Comedy einen Taxi Driver genommen hätte und einmal durchgeschüttelt hätte im Mixer und gesagt hätte, das ist der neue Film und das ist halt so ein Gewulst, so ein Monster. Töte mich Entschuldigung, ich wollte dich nicht unterbrechen. Warum haben wir keinen Videopodcast? Du warst schockiert, dass er ein Plagiat ist.
Johannes Franke: Ja, also darüber war ich total schockiert und dann bin ich so langsam drüber weggekommen und hab... habe dann gedacht, ja, wenn man ihn losgelöst davon sieht, dann kann man darin eigene Sachen sehen, die ich irgendwie gut finde oder die ich interessant finde oder so. Aber eigentlich habe ich das Gefühl, komm, Leute, lasst uns einfach King of Comedy nochmal machen, aber diesmal erklären wir alles.
Florian Bayer: Ja, würde ich mitgehen. Und das finde ich so,
Johannes Franke: was?
Florian Bayer: Warum? Ja, vor allem ist es too much. Also King of Comedy, ich finde, eine große Stärke von King of Comedy ist halt, dass Jerry nicht am Schluss stirbt. Eine große Stärke von King of Comedy ist, dass Rupert seinen Auftritt nicht komplett verbockt. Ja. Und das macht Joker alles anders. Ja. Und was ich eine total gute Sache finde von King of Comedy,
Johannes Franke: beim Joker begegnen ihm ganz, ganz viele Leute, die ihm Scheiße behandeln und wir irgendwie verstehen, wie er die Kette zusammensetzt. Wir wissen trotzdem, dass er ein Psychopath ist irgendwie auf eine Art und Weise, aber er hat genug Scheiße erlebt, dass wir das irgendwie zusammensetzen. Ja. In King of Comedy sind alle viel zu nett zu ihm, was ich wahnsinnig spannend finde.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Diese Diskrepanz macht für mich viel mehr Spannung auf als dieses beim Joker.
Florian Bayer: Ich bin voll bei dir. Das ist eine schrecklich harmonische Folge, in der wir viel zu viel übereinstimmen. Dann sag nochmal kurz, wenn wir bei Joker sind, da gibt es einen zweiten Elefanten-Room. Hast du Joker 2 gesehen?
Johannes Franke: Nein, habe ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Guck dir mal Joker 2 an. Einer der meistgehassten Fortsetzungen, einer der meistgehassten Filme der letzten Jahre. Ich finde, es ist eine der genialsten filmischen Trollereien, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.
Johannes Franke: Aber absichtlich getrollt oder siehst du das nur da drin?
Florian Bayer: Das weiß ich nicht. Das ist mir aber auch egal. Weil es ist wirklich so, der Regisseur hat drauf geguckt und hat gesagt, okay, ich weiß, wer das Zielpublikum von Joker 1 war. Ich weiß, wem Joker 1 gefallen hat. Nämlich genau diese Dudes.
Johannes Franke: Ja. Okay.
Florian Bayer: Lass mich mal gucken, was die überhaupt nicht mögen würden. Musical. Ich finde, es ist, ich finde, dieser Film, es ist kein Meisterwerk. Ja, ja, ja. Und es ist wirklich ein holpriger, stolpernder Film. Ich finde es genial, die Fortsetzung so zu machen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und zu dieser Genialität gehört natürlich auch der Metatext, dass alle gesagt haben, was hast du unserem Joker angetan? Okay.
Johannes Franke: Ja, krass. Aber da muss man auch sein Geld hassen, oder? Wenn man das dann macht.
Florian Bayer: Ja. Auf jeden Fall. Also der Film war auch nicht erfolgreich, oder? Nee, nee, es ist eine Trollerei gegen sich, gegen das Publikum, gegen das Studio, gegen alles. Und ich finde es super. Vor allem, weil Filmfans und vor allem so konservative Filmfans sind so schrecklich dünnhäutig heutzutage. Diese Aufregung über Star Wars, über den zweiten Teil aus der Sequel-Trilogie, da haben sich ja auch alle drüber aufgeregt, was Rian Johnson damit gemacht hat. Ich fand das großartig. Der hat sich das getraut, was sich damals auch Star Wars Empire Strikes Back getraut hat. Und die Fans haben es alle gehasst. Ich habe das Gefühl, die Filmnerds sind alle viel dünnhäutiger und viel konservativer geworden. Und vor allem direkt so diese Aufregung dann. Oh, das ist so schlecht. Du machst den ersten Film schlechter für mich und so weiter.
Johannes Franke: Und du hast das auch einmal gesagt. Du hast einmal gesagt, ich weiß nicht mehr bei welchem Film das war, dass das deine Kindheit kaputt gemacht hat. Ja,
Florian Bayer: da habe ich es zu Recht gesagt. Und Joker... Joker 2 ist halt so ein riesiges Fuck you gegen diese Leute und das fand ich grandios.
Johannes Franke: Nur noch kurz die Haben-Seite von Joker zu Ende. Ich finde das interessant, dass Gotham als dysfunktionale Stadt erzählt wird, die sich nicht um ihre Menschen kümmert. Ja. Also die das wirklich sehr, sehr gut erzählt in sich. Was ich aber schwierig finde, ist tatsächlich, weil das ein bisschen abgedroschen und seltsam wirkt, ist dieses Lachen vom Joker als Disposition zu erzählen, also als psychische Krankheit zu erzählen.
Florian Bayer: Hat mich nicht so gestört.
Johannes Franke: Fand ich interessant. Das Erzählen an sich vielleicht ist gar nicht so schlimm, aber dadurch, dass sie so sehr ausschlachten, fand ich es ein bisschen zu viel. Und dann hat es zu viel Gimmick-Effekt irgendwann. Das war so mein Ding damit.
Florian Bayer: Was ich ganz spannend fand, war, Die meisten Filme vom Joker erzählen die Genese des Jokers so, dass er ein Kind Batmans ist. Also weil Batman, wie zum Beispiel in Batman 1990 diesen Verbrecher tatsächlich in den Topf geworfen hat und er dadurch entstellt wurde. Oder eben wie bei The Dark Knight, dass Batman halt so der ultimative Retter ist und dann muss es das ultimative chaotische Böse geben, was ihm nebendran gestellt wird, was die Welt einfach brennen sehen will. Also dass irgendwie Batman immer verantwortlich dafür ist, dass es den Joker gibt. Und in diesem Film wird es ja so ein bisschen umgedreht. Es wird erzählt, dass Joker verantwortlich ist, dass es Batman gibt. Weil es gibt ja diese Geschichte der Waynes, die kurz angedeutet wird und es gibt sogar den Kontakt zwischen dem Joker und dem jungen Bruce Wayne. Und wir erleben auch, wie seine Eltern getötet werden. Und das fand ich ganz spannend, dass hier der Bösewicht zuerst da ist und wir dann sogar noch in einer Welt sind, in der es keinen Helden gibt, sondern wirklich nur den Bösewicht. Und dass es zumindest diese Vorahnung gibt, von hier ist die Entstehung des Superhelden vielleicht angesetzt. Ja.
Johannes Franke: Das ist vielleicht ein guter Punkt, der mir ein bisschen nicht so in mir gereift ist, weil ich mich die ganze Zeit gefragt habe, was will der Film eigentlich erzählen? Was hat der Film mehr zu erzählen, außer die Abbildung der Ereignisse nach und nach? Und das ist halt so ein bisschen, wo ich auch denke, ein bisschen dünn dann am Ende.
Florian Bayer: Er spielt halt auch in den 80ern, der Film ist in den 80ern angesiedelt. Das ist also wirklich so fast schon bewusst, als wolle er nichts Neues erzählen.
Johannes Franke: Schade. Das Einzige, was ich wirklich richtig toll fand an Szene, war tatsächlich der Höhepunkt in der Talkshow selbst. Da finde ich, Röhrkin Phoenix hat richtig gut das Ganze gespielt. Ich fand das mit De Niro hier dann sehr, sehr gut zusammengebracht. Und die Show an sich, also diese Talkshow-Szene, die war wirklich mit viel Spannung und sehr, sehr gut von den Schauspielern erzählt. Da habe ich mich wirklich gefreut.
Florian Bayer: Ich fand, der Film hatte einige grandiose Zähne. Also ich fand, der war audiovisuell und dramaturgisch. Ich hatte da einige super Momente. Dieser meme-gewordene Tanz auf der Treppe. Ich finde den fantastisch. Stimmt, der ist auch ganz gut. Was Joaquin Phoenix mit seinem Körper macht, teilweise diese Mischung aus Unbeholfenheit und dann kommt irgendwann so ein Stück Eleganz dazu. Ich finde das grandios gespielt.
Johannes Franke: Ich finde,
Florian Bayer: der ist wirklich gut in dieser Rolle. Ich stehe einfach auf dieses räudige New York aus den
Johannes Franke: 80ern.
Florian Bayer: Dass das inszeniert wird. Und ich, also... Und visuell fand ich, gab es da echt einige tolle Momente, die ich abgefeiert habe. Es ist ein guter Film meiner Meinung nach. Es ist ein absolut sehenswerter Film.
Johannes Franke: Na, dann findest du vielleicht ein bisschen besser als ich. Bin nicht ganz so... Also ich war in okay, aber irgendwie... Vielleicht aber auch eben, und das ist vielleicht ein Fehler,
Florian Bayer: ihn zu sehr mit King of Comedy zu vergleichen.
Johannes Franke: Und das macht er halt einfach auch selber. Und das ist halt so sein eigenes Problem.
Florian Bayer: Gegen King of Comedy verliert er halt einfach. Das ist halt so, ja. Dieser Film ist weder ein King of... Comedy, noch ein Taxi Driver und Todd Phillips, der den Film gemacht hat, ist halt einfach mal kein Martin Scorsese, sondern der Regisseur von Hangover.
Johannes Franke: Ja. Aber ist auch okay. Es ist ja Entertainment. Es ist ja auch in Ordnung. Man muss ja nicht immer einen Taxi Driver machen.
Florian Bayer: Hast du Hangover gesehen?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Ja. Gut. Lass uns nicht weiter drüber reden. Dieser Film hat in diesem Podcast nichts verloren.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Wollen wir uns ansonsten mal ein bisschen mit Fazits beschäftigen? Ja, bitte. Weil viel mehr haben wir jetzt. Ja, Fazit. Ich finde den Film grandios, weil ich die ganze Zeit mit offenem Mund da sitze und dieser Entwicklung zuschaue. Ich finde, er hat inszenatorisch einfach so wahnsinnig viel drauf. Und das ist so die erste Komödie von Scorsese, wenn man das so sehen mag. Und auch wenn der Film teilweise so böse ist, dass man schon nicht mehr lachen kann vielleicht, obwohl ich sehr viel gelacht habe. Aber ich verstehe auch, wenn man dann sitzt und sagt, oh Gott, das ist mir zu schmerzhaft. Aber ich habe fast gar nicht damit gerechnet, dass sowas von Scorsese so kommt. Und das in dieser Phase seines Lebens. Und er war ja auch selber nicht so richtig zufrieden im Nachhinein damit, das zu machen. Und war auch währenddessen, er hatte auch eine Lungenentzündung währenddessen und er fühlte sich sowieso sehr schlecht während der Dreharbeiten. Also das ganze Thema haben wir noch gar nicht so richtig gehabt. Müssen wir jetzt auch nicht auseinandernehmen. Aber ich finde den Film grandios und ich würde ihn absolut jedem empfehlen. Und ich würde absolut sagen, es ist ein Muss-man-sehen-Film.
Florian Bayer: Fantastischer Film. Absolut ein Muss-man-sehen-Film. Ich habe gerade nochmal geguckt, was Rezeption betrifft. Nein, nein, Scorsese war schon ein bisschen länger Kassengift. Wie ein wilder Stier, sein großer Klassiker mit De Niro, ist auch gefloppt.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Rating Bull?
Florian Bayer: Ja, der ist gefloppt. Und New York, New York auch, den er da vorgetreten hat. New York, New York habe ich nicht gesehen. Scorsese hatte tatsächlich ein schwieriges Phaseende. das 70er, Anfang der 80er.
Johannes Franke: Aber das sind ja jetzt alles Klassiker, ne?
Florian Bayer: Absolut zu Recht. Außer New York, New York, da weiß ich es nicht genau. Es ist ein grandioser Film. Es ist ein absolut muss man sehen Film. Scorsese kann Comedy. Ja. Surprise, surprise. Ich weiß gar nicht, also ich bin ja großer Scorsese-Fan. Es gibt definitiv Scorsese-Filme, die ich besser finde. Aber was heißt das schon? Also es ist ein fantastischer Film. Es war total schön, ihn nochmal zu sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich liebe vor allem daran, auch wenn ich Texte... besseren Film finde, liebe ich es, dass dieser Film so leichtfüßig daherkommt und ähnliche Themen wie Taxi Driver hat, aber in seiner Leichtfüßigkeit auch so ein bisschen nuancierter wirkt. Dieser Rupert ist einfach eine andere Art von Villain und gleichzeitig Protagonist als unser Protagonist in Taxi Driver und das weiß ich sehr zu schätzen. Und Scorsese ist wirklich einer, der gerne auf Pathos sitzt. Scorsese hat in seiner Karriere sehr große, sehr pathetische Filme gemacht und es ist geil, ihn mal zu sehen. dass er diesen Pathos ein bisschen zurückschraubt und was anderes macht.
Johannes Franke: Ja, total spannend. Ja, und ich möchte mit einem kleinen Zitat enden.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Better king for a knight than schmuck for life. Finde ich ein super Ding. Großartig. Dafür kann man auch mal jemanden entführen. Alles in Ordnung, kein Problem. Danke, dass du mir diesen Film gegeben hast. Danke dir, Floor, dass du ihn geschaut hast. Ich bin wahnsinnig gespannt, was es als nächstes gibt. Ihr da draußen, ganz im Sinne dieser Folge, schreibt uns doch, wie es euch gefällt. verändert. Schreibt Kommentare fleißig auf Social Media. Folgt uns bitte nicht. Folgt uns nicht in Real Life. Folgt uns nur auf Social Media. Genau. Und tretet in Kommunikation. Lasst uns ein kleines parasoziales Ding auch machen hier. Wir tanzen ein bisschen im digitalen Raum miteinander. Wie wär's?
Florian Bayer: Und wenn ihr hier im Podcast auftreten wollt, müsst ihr nicht Johannes entführen.
Johannes Franke: Genau. Ihr müsst einfach nur eine Mail schreiben und darauf warten, dass wir antworten. Sorry, nein. Ach, ich weiß es doch auch nicht. Es ist wirklich eine seltsame Sache. Aber ich freue mich, dass wir das alles irgendwie hinkriegen. Wir haben ja auch eine gute Community, muss ich sagen.
Florian Bayer: Wir haben eine fantastische Community. Wir freuen uns über jeden Kommentar von euch. Wir freuen uns über jede Mail von euch. Auch wenn wir nicht auf alles antworten, das wäre einfach zu viel.
Johannes Franke: Das kriegen wir auch nicht immer ganz hin, aber ich versuche es. Ich bin ja auch immer...
Florian Bayer: Ich bin so eine Schlampe da drüben. Johannes ist besser als ich.
Johannes Franke: Ja. Aber fleißig Vorschläge schicken gerne, auch wenn die Liste immer länger wird und wir Schwierigkeiten haben werden, das alles irgendwie hinzukriegen. Aber schreibt uns gerne weiterhin
Florian Bayer: Filmvorschläge. Wir haben ja überlegt, wir haben ja bald die 300. Episode. Stimmt. Wir haben überlegt, dass wir in dieser 300. Episode vielleicht mal so eine Q&A machen. Das heißt, wenn ihr gerade Fragen habt oder so, schmeißt ihr uns gerne zu als Mail oder als Kommentar. und dann gehen wir in der... Vielleicht machen wir das einfach mal, dass wir in der dreihundertsten Episode auf all die Mails eingehen, die wir nicht beantworten konnten. Dass wir kurz was zu den Filmwünschen sagen, kurz was zu der Kritik, die kommt, kurz was zu allem, was wir hier so kriegen, weil es ist wirklich schön und wir freuen uns in dieser parasozialen Beziehung mit euch zu sein.
Johannes Franke: Denn was ist besser als eine Episode, wo man sich mal so richtig schön rechtfertigt?
Florian Bayer: Genau. Es wird unsere große Rechtfertigungs-Episode.
Johannes Franke: In diesem Sinne,
Florian Bayer: lasst es euch gut gehen. Wir hören uns nächste Woche. Bis dahin. Bis dahin. Ciao. Das war jetzt wirklich ein langes Hin und Her.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt.
Florian Bayer: Und am Schluss habe ich gesagt, jetzt überrasche ich dich.
Johannes Franke: Toll. Erzähl.
Florian Bayer: Wenn du mir keine Musicals mehr gibst, dann gebe ich dir Musicals.
Johannes Franke: Ich gebe dir gerne Musicals. Was ist denn los?
Florian Bayer: Lass uns mal über Hair reden. Vor allem, weil ich überhaupt nicht weiß, wie du den findest. Und weil das irgendwie, glaube ich, nicht so auf deiner Musical-Liste irgendwie weit oben steht. Lass uns über Hippies reden.
Johannes Franke: Hair Spray? Hair? Nein, Hair.
Florian Bayer: Einfach nur Hair. Aus dem Jahre 1979. Der Hippie-Film schlechthin. Das Hippie-Musical schlechthin. Let the sun shine.
Johannes Franke: Let the sun shine. Von Milos Forman?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Oh mein Gott Okay, 1979. Ein Anti-War-Comedy-Drama.
Florian Bayer: Es ist ein Musical über Hippies, lange nachdem die Hippie-Zeit vorbei war. Basierend auf einem 68er-Broadway-Stück. Und es gehört auch eigentlich eher nach 68 als nach 79. Umso spannender, was dieser Film gemacht hat.
Johannes Franke: Und du guckst ihn jetzt mit mir, weil du den tatsächlich gut fandest?
Florian Bayer: Ich liebe diesen Film. Echt? Das ist eines meiner Lieblings-Musicals.
Johannes Franke: Ach so?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich bin kein Musical-Fan.
Johannes Franke: Ja, das irritiert mich ein bisschen. Aber gut, okay. Ja, dann gucken wir Her. Meine Fresse.
Florian Bayer: Guckt euch Her an, damit ihr nächste Woche nicht mitreden könnt. Wir haben über parasoziale Beziehungen geredet. Ihr müsst uns einfach nur zuhören. Guckt euch Her an, weil wir werden wie immer die Hölle aus dem Film rausspoilern.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und love, peace and rock'n'roll. Sehr schön. Vielen Dank. Dann bis nächste Woche. Bis dann. Ciao. Ciao.
