Episode 16: Leg dich nicht mit dem Zohan an, 16 Uhr 50 ab Paddington
A very special Episode… Wir haben Fanpost gekriegt und haben hier unsere erste Episode mit von einer Zuhörerin gewünschten Filmbesprechungen vor uns. Melanie aus München erinnerte uns an die großartige Miss Marple, gespielt von Margaret Rutherford. Und so schauen wir uns deren ersten Auftritt in 16 Uhr 50 ab Paddington aus dem Jahr 1961 an. Für das Kontrastprogramm sorgt Adam Sandler in der anarchischen, geschmacklosen Komödie You Don’t Mess with the Zohan aus dem Jahr 2008.
Die dazu passenden Toplisten werfen dieses Mal einen Blick auf die coolsten Senioren der Filmgeschichte und die besten Frisuren, die bisher im Kino zu sehen waren. Wollt ihr auch, dass wir uns mit euren Fimempfehlungen herumschlagen (und dabei wie in diesem Fall dem Wahnsinn ziemlich nahe kommen)? Dann schickt sie uns über florian@mussmansehen.de oder johannes@mussmansehen.de.
Leg dich nicht mit dem Zohan an [Dennis Dugan]
(USA 2008)
Adam Sandler ist ein Phänomen. Obwohl er bei den Filmen seiner Produktionsfirma Happy Madison nie selbst Regie geführt hat, besitzen sie dank ihm doch gewisse Trademarks, die sie einzigartig machen in der amerikanischen Komödienlandschaft. Man kann es nicht anders sagen, die Filme um den Comedian und Schauspieler bilden ein eigenes Genre: Adam Sandler Filme, würde ich sie nennen, einfach weil mir nichts besser einfällt, was vermutlich auch daran liegt, dass ab dem Genuss einer bestimmten Menge von Sandler-Filmen einfach zu viele Gehirnzellen abgestorben sind, um sich über Kategorien und Klassifikationen Gedanken zu machen.
Adam Sandler Filme sind chaotische, infantile, bizarre und vor allem geschmacklose Komödien. Im Zentrum stehen exzentrische Figuren, sprachliche Verballhornungen und jede Menge vulgärer Humor ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten. Love it or leave it! In You Don’t Mess with the Zohan aus dem Jahr 2008 spielt Sandler einen übermenschlichen israelischen Geheimagenten, der im Nahen Osten reihenhaft palästinensische Terroristen aufs Kreuz legt. Aber der von allen geliebte und gefürchtete Superheld träumt von einem anderen Leben. Er möchte Friseur sein, und so faket er kurzerhand seinen eigenen Tod und setzt sich nach New York ab. Unter dem Namen Scrappy Coco versucht er dort Anschluss an die Haarstylistenszene zu finden, auch wenn sich dies durch seine anachronistische Unbedarftheit und seine unstillbare Libido als ganz schön schwere Aufgabe entpuppt.
Also dann, let’s drink some Fizzy Bubblech, lets get silky smooth, und Disco Disco Disco. Was denkst du über Zohan, Johannes? Love it or leave it?
16 Uhr 50 ab Paddington [George Pollock]
(USA 1961)
Jeder liebt Miss Marple. Ich glaube, ich kenne niemanden, der oder die nicht wenigstens einigenommen ist vom Charme der alten Dame, völlig unabhängig vom Kriminalfall, der erzählt wird.
Der Film „Murder She said“ im deutschen „16:50 ab Paddington“ – so auch der Titel der Buchvorlage -, ist 1961 in lebendigem Schwarz Weiß erschienen. Die alte Dame Miss Marple wird, im Zug sitzend, zufällig Zeugin eines in einem überholenden Zug stattfindenden Mordes. Allerdings glaubt ihr niemand, da sich keine Spur eines Verbrechens oder eines Opfers finden lässt. Auf eigene Faust geht Miss Marple der Sache auf den Grund. Auf Wiki wird der Film als Murder-Comedy gelistet, aber so laugh out loud funny ist er nicht. Das könnte daran liegen, dass der Humor eigentlich nicht im Drehbuch steht, sondern vor allem durch die wunderbare Margaret Rutherford seinen Weg in den in den Film findet.
Und nun zurück zu dir Plor, auf einer Skala von 10 bis 10, wie vergnüglich war diese Zeitreise für dich?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 16: Leg dich nicht mit dem Zohan an, 16 Uhr 50 ab Paddington Publishing Date: 2021-04-21T08:51:42+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/04/21/episode-16-leg-dich-nicht-mit-dem-zohan-an-16-uhr-50-ab-paddington/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau.
Florian Bayer: Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv. Das wird lustig.
Johannes Franke: Guten Morgen, Plor. Guten Tag, Johannes.
Florian Bayer: Ja, wie geht's dir? Ich bin noch nicht ausgeschlafen. Ich muss erst so reinkommen, es ist noch, es ist schon zu spät am Tag. Wir haben sehr unterschiedliche Tagesabläufe, glaube ich.
Johannes Franke: Oh Gott. Ich arbeite immer bis nachts zwei um drei und dann bin ich sehr lange, brauche ich sehr lange, um in den nächsten Tag zu kommen. Wann bist du aufgestanden heute Morgen? Ein bisschen früher, aber dadurch bin ich eben auch so wahnsinnig müde die ganze Zeit. Ich hatte heute schon Frühstück mit einer Freundin und dann haben wir uns unterhalten und ein paar Sachen besprochen.
Florian Bayer: Ah, schön.
Johannes Franke: Ja. Du hast aber schon seit sechs Uhr morgens gearbeitet oder so?
Florian Bayer: Um sieben bin ich aufgestanden ungefähr und dann habe ich mich mit meinem Kind gestritten. Dann habe ich angefangen zu arbeiten und habe ich noch ein bisschen mehr mit meinem Kind gestritten.
Johannes Franke: Okay. Ja, hast du Spaß? Ja, total. Homeschooling oder wie nennt sich das? Nein, Homeoffice. Ja, Homeoffice mit Homeschooling, Homekita-ing. Okay. Ja, herzlich willkommen beim Muss man sehen Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme vorschlagen. Und über unsere Probleme reden. Und über unsere Probleme reden. Unsere Tagesabläufe. So, jetzt stehen wir von dem Sofa wieder auf. Ich will auch, ich bin dran.
Florian Bayer: Ja, und heute auch mit einer ganz besonderen Folge.
Johannes Franke: Eine ganz besondere Folge und wir haben uns sehr gefreut. Und so wurde nämlich geschrieben von Melly aus München, die uns von ihren Lieblingsfilmen erzählt hat und uns gerne Sachen aufs Auge drücken wollte.
Florian Bayer: Ja, das ist ihr gelungen. Sie hat uns zwei Sachen aufs Auge gedrückt. Also zumindest eine wäre bestimmt nicht in unserer Filmliste aufgetaucht, weil wir das beide nicht kannten.
Johannes Franke: Definitiv nicht. Aber darüber können wir gleich streiten. Auf jeden Fall. Mit welchem Film wollen wir denn anfangen? Du hattest eine Idee vorhin. Ja, ich finde, wir sollten Schnick-Schnack-Schnuck machen.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass Podcasts kein visuelles Medium sind. Das heißt, niemand wird hier mitfiebern können. Doch, doch, doch, doch. Ohne Brunnen. Ohne, natürlich. Wer Schnick-Schnack-Schnuck mit Brunnen spielt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Okay.
Johannes Franke: Bei drei, okay? Okay, Moment, Moment. Ich muss mich kurz vorbereiten. Du hast vorhin noch gegoogelt, wie man am besten gewinnt bei Schnick-Schnack-Schnuck, oder?
Florian Bayer: Und ich habe die besten Tipps von Dr. Florian Ilgen. Das hast du gerade ausgedacht. Nein, der hat das Buch geschrieben, die Macht der Intuition. Und leider kann ich nicht das fantastische Titelbild dieses Buches zeigen. Was, was, ähm, ich komme rum. Ja, schaust dir an. Also, wenn es jemanden gibt, dem ich vertraue, dann ist es dieser Mann auf diesem Buchcover. Bitte googelt es. Oh mein Gott. Mal schauen, was machen wir? Best of free oder ein... Ja, best of free. Best of free ist gut. Dann kann ich nämlich die Strategien, die ich gerade gelesen habe, ausprobieren. Okay, los geht's. Ich muss immer kurz ein bisschen nachdenken. Schnick-Schnack-Schnuck. Okay, ich habe die erste Runde verloren. Papier gegen Schere. Okay. Also, Florian Ilgen, Namensvetter, enttäuscht mich nicht. Runde Nummer zwei, 1-0 für Johannes. Schnick-Schnack-Schnuck.
Johannes Franke: Unentschieden.
Florian Bayer: Schnick-Schnack-Schnuck. Ich habe gewonnen. Florian Ilgen ist nicht zu gebraucht. Was schreibt der denn? Na, er schreibt, man soll, wenn man, äh, wenn man verloren hat, soll man das wählen, was das besiegt, was der Gegner beim ersten Mal gemacht hat, weil Leute gerne dabei bleiben, bei dem, was sie gewonnen haben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Männer wählen am Anfang am häufigsten Stein, deswegen habe ich mit Papier angefangen. Und ich habe mich darauf verlassen. Du hast dich auf meine Männlichkeit verlassen. Dass wenigstens einer von diesen beiden Tricks funktioniert, hat er aber nicht. Nein. Und deswegen starten wir mit Miss Marple. Aber ganz kurz, bevor wir starten. Zwei Filme hat uns Melanie aus München vorgeschlagen. Und Melanie, vielen Dank für diese Vorschläge. Dir ist diese Episode gewidmet. Wir haben einmal Leg dich nicht mit Zoan an. Don't mess with the Zoan. Mhm. Aus dem Jahr 2008. Vier? Nee, acht. Vier? Acht. Acht? Echt? Moment, ich muss kurz nachschauen.
Johannes Franke: Oh. Schlecht vorbereitet sind wir. Ganz schlecht vorbereitet. Vor allem haben wir die Filme einmal aufgeteilt, dass du für Leg dich nicht mit Zoan an zuständig bist und ich für Miss Marple. Weil auch Miss Marple einfach meinem Filmgeschmack, glaube ich, näher kommt als deinem.
Florian Bayer: Also Miss Marple, finde ich, ist was, wo ich mir hätte vorstellen können, dass du es irgendwann mal wählst. Mhm. Aber ich bin tatsächlich Miss Marple-Fan. Okay. Um so viel schon mal zu spoilern. Leg dich nicht mit Zoan an, ist aus dem Jahr 2008 und den kannten wir beide nicht. Und Miss Marple, da haben wir den ersten Film mit Margaret Rutherford, Murder she said, beziehungsweise 16.50 Uhr ab Paddington.
Johannes Franke: Ja, was eine große Verwirrung bei mir ausgelöst hat, weil ich das gesucht hatte unter dem Titel 16.50 Uhr ab Paddington, aber From Paddington auf Englisch. Und damit nur auf die Serie gekommen bin. Es gibt eine Serie, wo sie die, weiß ich nicht, acht oder neun Miss Marple-Verfilmungen einfach als Serie gemacht haben. Und dann eben einfach auch mit anderen Schauspielern und nichts geht über Margaret Rutherford, oder? Definitiv. Ja. Okay.
Florian Bayer: Das sind auch tatsächlich die einzigen Miss Marple-Filme, die ich kenne. Also ich kann gar nicht viel zu den anderen sagen, aber ich glaube, ich hätte auch enorm Probleme, mich an eine andere Miss Marple zu gewöhnen. Deswegen schauen wir den Klassiker aus dem Jahr 1961 und wegen Florian Ilgner, dem es wirklich nicht gelungen ist, vernünftige Tipps für Schnick-Schnack-Schnuck zu geben, legen wir mit dem Miss Marple-Film los.
Johannes Franke: Okay, dann würde ich mal eine Einführung geben und dann geht's los. So. Erstmal meinen Text hier. So, so. Murder, she said. Jeder liebt Miss Marple. Ich glaube, ich kenne niemanden, der oder die nicht mindestens vom Charme der alten Dame eingenommen ist, völlig unabhängig vom Kriminalfall, der erzählt wird. Der Film Murder, she said, im deutschen 1650er Paddington, so auch der Titel der Buchvorlage, ist 1961 im lebendigen Schwarz und Weiß erschienen. Die alte Miss Marple wird, im Zug sitzend, zufällig Zeugin eines in einem überholenden Zug stattfindenden Mordes. Allerdings glaubt ihr niemand, da sich keine Spur des Mordes finden lässt. Auf eigene Faust geht Miss Marple der Sache auf den Grund. Auf Wiki wird der Film als Murder-Comedy gelistet, aber so Love-Out-Loud-Funny ist er nicht. Natürlich, was darin liegen könnte, dass der Humor eigentlich nicht im Drehbuch steht, sondern vor allem durch die wunderbare Margaret Rutherford seinen Weg in den Film findet. Und nun zurück zu dir, Plur. Auf einer Skala von 10 bis 10, wie vergnüglich fandest du die Zeitreise? Definitiv eine 11.
Florian Bayer: Nein, ich mag diesen Film total. Ich habe, als Kind habe ich die alle geguckt, die Miss Marple-Filme. Es sind gar nicht so viele tatsächlich, die Klassiker mit Margaret Rutherford, ich glaube vier sind es insgesamt. Und ich habe die alle noch so ein bisschen in Erinnerung gehabt. Also ich wusste, dass es so bestimmte Plot-Points gibt. Ich wusste tatsächlich nicht mehr, wer der Killer ist. Und deswegen wäre meine erste Frage an dich, um das gleich zurückzuspielen. Wusstest du noch, wer der Killer ist? Und falls nicht, hast du es geahnt während des Films?
Johannes Franke: Das Problem ist, ich wusste ja irgendwann mal, wusste ich das ja, wer der Killer ist. Ich wusste es nicht mehr, als ich es geguckt habe. Habe aber dann irgendwann schon sehr früh beim ersten Gespräch zwischen dem Arzt und der Tochter des Hauses, habe ich gedacht, der war es. Spoiler-Warnung, der Arzt war es. Und irgendwie, die werfen einander den ersten Blick zu und man denkt, da ist doch was. Und dann denkt man, naja, wenn sie das jetzt als Geheimnis uns erstmal noch vorenthalten, dann war es sicherlich, der Arzt es. Ich wusste es nicht mehr und habe tatsächlich die Tochter am stärksten im Verdacht gehabt.
Florian Bayer: Oh. Evelyn Eckenforb. Kannst du bitte kurz North Cossethorn Hall sagen? Die Eckenforb stehen im Mittelpunkt. Das sind sehr viele Namen, die mich mit meiner TH-Schwäche latent überfordern. Genau, ich habe sie verdächtigt, weil, naja, es ist immer schön, wenn es einer aus den Reihen der adeligen Familie ist. Ja. Aber wie es bei diesen Filmen so ist, ist es dann doch meistens eher jemand, der so ein bisschen am Rande steht. Es gibt eine Reihe von Verdächtigen. Mhm. Und jeder hat ein gutes Motiv. Ja. Das ist auch in diesem Film der Fall. Und jeder könnte es gewesen sein. Und die Filme sind eigentlich so aufgebaut. Und das ist auch irgendwie schön. Sie laden natürlich zum Rätseln ein, aber es besteht keine Chance für das Publikum draufzukommen, wer der Mörder gewesen sein könnte. Weil es gibt einfach keine klaren Hinweise. Vielleicht aus Angst zu spoilern, vielleicht auch einfach, weil es Spaß macht, das Publikum ein bisschen zu foppen und auf falsche Fährten zu lenken. Aber man kann eigentlich nicht drauf kommen. Es gibt hier kein, das ist kein detektivisches Rätsel, bei dem man die Lösung ahnen kann, wenn man aufmerksam genug ist. Sondern man muss sich einfach mitreißen lassen und bei den Ermittlungen dabei sein. Und selbst in dem Moment, wenn dann Miss Marple sagt, so, jetzt weiß ich ganz sicher, wer der Mörder ist.
Johannes Franke: Selbst dann denkst du dir, hä, was ist passiert? Woher will sie das jetzt wissen? Der Anlass. Aber ist sehr schön, ja. Was mir sehr frappierend wieder aufgefallen ist bei der Recherche, ist, dass die Autorin, wie bei Mary Poppins auch schon, mit der Darstellerin nicht so zufrieden war.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist so traurig. Warum ist das immer so?
Florian Bayer: Was Sinn macht, wenn man sich anschaut, wie Miss Marple in den Romanen war. Ja, sehr viel ernster, oder? Ein kultivierter vor allem. Oh. Aufgewachsen und zerbrechlich wirkend. Oh. Und offensichtlich auch keineswegs das, was in dem Film mehrmals erwähnt wird, dass Miss Marple eine alte Jungfer ist. Ich glaube, sie benutzen das Wort. Moment, wie ist das Wort, was sie benutzen? Spinster. Eine alte Jungfer ist eine Spinster. Und sie bezeichnet sich selbst als Spinster und wird zumindest auch von dem einen Typen, von dem Familienoberhaupt, als solche bezeichnet, der eigentlich in sie verliebt ist. Das ist so süß. Ich finde es wirklich schön. Eine tolle Liebesgeschichte. Eine sehr einseitige Liebesgeschichte. Ja. Aber in dem Film, genau, Margaret Rutherford ist diese alte Jungfer. Und das war die original Miss Marple offensichtlich auch nicht, sondern das war durchaus eine Lebefrau, die zwar nie verheiratet war, aber zumindest mehrere Liebschaften hatte. Und ich finde, also diese Miss Marple ist für mich Miss Marple. Ich habe die Bücher nicht gelesen.
Johannes Franke: Ja, ich auch nicht. Obwohl, das stimmt nicht. Ich habe als Kind zwei, drei Miss Marple-Bücher gelesen. Aber ich habe, glaube ich, damals den Unterschied jetzt nicht so als Kind groß wahrgenommen für mich. Also man liest dann so drüber weg und liest dann so die Geschichte an sich, aber man liest nicht so sehr in Charakteren so, habe ich das Gefühl, als Kind.
Florian Bayer: Ja, das glaube ich auch. Ich denke, wenn ich die Bücher geschrieben hätte und hätte so eine Figur entworfen und die wäre dann so auf die Leinwand gebracht worden, wäre ich auch erst mal irritiert gewesen, dass meine Schöpfung so umgedeutet wurde. Ich finde, sie ist perfekt umgedeutet. Ich habe mit dieser Miss Marple, glaube ich, viel mehr Spaß, als mit der, die es im Buch gibt.
Johannes Franke: Ja, wobei man das natürlich nicht schwer sagen kann. Du weißt nicht, wie es gewesen wäre. Du hast auch die Serie nicht gesehen, genauso wenig wie ich. Genau. Das heißt, wir wissen eigentlich gar nicht, ob es nicht vielleicht auch gut gewesen wäre. Keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich glaube, ich bin mit dieser Miss Marple so hart sozialisiert, dass es unglaublich schwer wäre, mich von einer anderen zu überzeugen. Das ist so dieses auch Star Wars Phänomen, also es gibt ja diese Fankreise, die wirklich erbost sind, wenn sie das Gefühl haben, dass die Figuren, die sie liebgewonnen haben, umgedichtet werden oder andere Charakterzüge kriegen, als sie gewohnt sind. Und ich kann mir vorstellen, ich bin so stark sozialisiert mit Margaret Rutherford als Miss Marple, dass es mir einfach schwer fallen würde, eine andere zu akzeptieren. Ja. Deswegen habe ich auch überhaupt kein Interesse, andere Agatha Christie-Verfilmungen zu sehen, weil ich da nicht unvoreingenommen rangehen könnte. Und ich wäre wahrscheinlich sogar ungerecht gegenüber diesen Filmen oder Serien. Wahrscheinlich.
Johannes Franke: Wahrscheinlich. Und ich habe auch, ich habe ja unfreiwilligerweise in die Serie kurz reingeschaut, weil ich den Fehler gemacht habe, 450 from Paddington einzugeben und dann irgendwo zu landen, wo ich, ne, und auch Geld ausgegeben habe. Oh nein, du hast für die Serie Geld ausgegeben noch. Und ich glaube, dann muss ich es schon noch irgendwann gucken, aber ich habe es natürlich dann schnell ausgemacht, weil ich gedacht habe, nee, irgendwie, obwohl der Vergleich spannend wäre.
Florian Bayer: Definitiv, das wäre mit Sicherheit interessant. Die Serie ist relativ jung, oder?
Johannes Franke: Die sah auch alt aus. Das kann ich dir aber gerade nicht genau sagen. Das müsste man mal eröffnet googeln. Ich habe schon, ähm, kann das. Du kannst, äh, ja, den Zucker bitte beruhigt wegstellen. Wir haben uns zwischendurch Tee eingegossen, wer das gerne mitbekommen hat.
Florian Bayer: Flor, wo bist du? Wir sind noch dabei, uns zu sortieren. So, Miss Marple. Heute sind wir ein bisschen chaotisch. Wir sind heute total chaotisch. Dieser Film liegt ja sehr nah an der Romanveröffentlichung. Das Buch wurde 1957 veröffentlicht und die Verfilmung ist von 1961. Das heißt, es ist wirklich direkt vier Jahre, ist so eine Zeitspanne, so eine Standardzeitspanne für Bücher, die verfilmt werden.
Johannes Franke: Oder sogar Harry Potter noch ein bisschen weiter weg, oder? Ja, Harry Potter dürfte ungefähr auch so gewesen sein. Weiß ich nicht genau. Also, nicht nach dem ersten Buch von Harry Potter, weil das erste Buch hat eine Weile gelegen, bevor es wirklich so bekannt wurde, dass es in der Verfilmung gedacht wurde.
Florian Bayer: Da waren bei Harry Potter schon alle Bücher draußen, als der erste Film gemacht wurde. Ich würde überhaupt nicht sagen, nee.
Johannes Franke: Nee, nee. Da lagen die ersten vier, drei oder vier? Vier. Die ersten vier oder fünf lagen vor. Ja. Naja. Ja, Miss Marple. Miss Marple. Die wunderbare Miss Marple. Und ich glaube, ich weiß nicht, geht's dir auch so, dass es wirklich das Gefühl hat, dass sie im Grunde den Humor mitbringt? Es gibt ein paar inszenierungstechnische Sachen, aber eigentlich ist doch sie diejenige, die mit den Blicken und mit ihrem ... Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Sie ist natürlich die, die den Film total dominiert. Ja. Ja. Aber gerade der hat ja durchaus auch amüsante Nebencharaktere. Wahrscheinlich am nervigsten von allen Alexander, der kleine Junge der Familie, der irgendwie so eine Art Mischung aus Introduction Boy ist, um einmal alle vorzustellen. Und dann mit Detektiv für Miss Marple kurzfristig. Und dann aber vor allem auch einfach nur Nervensäge, die Spaß daran hat, alle in den Wahnsinn zu treiben.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob es dich dolle genervt hat, aber ich fand ihn wirklich sehr amüsant. Natürlich hat er so einen Feindbildcharakter. Du guckst ihn dir an und denkst dir, oh Gott, wenn es nicht hoch unmoralisch wäre, würde ich ihn einmal zuschlagen wollen. Und dieses Gesicht, das hat so ein very punchable face, weißt du.
Florian Bayer: Es hat so eine Mischung aus altklug und frech, die irgendwie merkwürdig ist.
Johannes Franke: Aber irgendwie, finde ich, passt er super in diesen Film rein. Und übrigens wurde er synchronisiert. Ich habe während des Films die ganze Zeit gedacht, irgendwas stimmt nicht. Irgendwas stimmt da nicht. Und dann habe ich gegoogelt und dann stellte sich heraus, dass der Typ im Stimmbruch war in der Zeit und das einfach nicht zu gebrauchen war. Und dann haben sie ihn synchronisieren lassen von Martin Stevens. Der hat dann im Das Dorf der Verdammten hat er mitgespielt und im Schloss des Schreckens. Okay. Und naja, dann hat er halt ein Stimmbruch gehabt, der Originaler. Und dann musste er halt irgendwie synchronisiert werden. Das ist aber auch hart. Das ist bitter. Der arme Schauspieler. Und er hat auch nicht viel gemacht, der Schauspieler danach noch. Ah. Der war gut. Hat Spaß gemacht. Vielleicht war er enttäuscht, dass er... Er war zwar etwas nervig, aber er war auch lustig. Ja. Ich finde schon, dass er das wirklich gut gemacht hat. Aber natürlich, die Hälfte davon ist weg, weil die Stimme anders ist. Und deswegen weiß man nicht, wie sein Original-Delivery gewesen wäre.
Florian Bayer: Ähm, ich finde den, den ich schon erwähnt habe, den Lufach, das Familienoberhaupt, finde ich super witzig.
Johannes Franke: Einfach als dieser krummelige, strenge Hausherr. Toller Schauspieler. Ich kenne ihn auch aus anderen Sachen, aber ich weiß nicht mehr genau, woher. Ich wollte das nochmal googeln, aber das habe ich jetzt nicht geschafft.
Florian Bayer: James Robertson Justice, der Journalist und Bürgerkriegskämpfer war, im Spanischen Bürgerkrieg. Mhm. Ja. Und dann eine große, tatsächlich eine relativ große Filmografie hat. Ähm, die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kissen. Mhm, mhm, mhm, mhm. Und. Okay. Verschiedene Dinge. Also jetzt nichts, was mir direkt ins Auge springen würde. So alles dabei von Bibelverfilmungen über Robin Hood und Christopher Kolumbus bis hin zu Hell is Empty aus dem Jahr 1967. Ein tschechoslowakischer Kriminalfilm.
Johannes Franke: Okay. Keine Ahnung. Okay. Aber ich, er kommt mir sehr bekannt vor und ich glaube, ich habe ihn ein paar Mal in Filmen gesehen, wo ich ihn wirklich toll fand.
Florian Bayer: Er ist auch einfach so dieser Typ, krummeliger, dicker Mann mit Bart, der die ganze Zeit am rummeckern ist, der immer so ein bisschen drüber ist und Spaß daran hat, andere Leute zu erniedrigen, vor allem seine Familie. Und das Tolle ist halt, wie sie dann auf ihn trifft. Genau. Er clasht voll gegen Miss Marple und sie es ihm einfach mal überlegen.
Johannes Franke: Aber so was von, es gibt diesen tollen ersten Dialog. There's one thing I cannot tolerate and that is impertinence, sagt er. Ihre Antwort, well, we should get on admirably, neither can I. Ja, sie hat halt irgendwie immer ein gutes Comeback drauf und ich glaube, da hätte man sich fast noch mehr drauf setzen können.
Florian Bayer: Und er braucht das natürlich auch, seinen Charakter, weil er verliebt sich das genau deswegen in sie, weil sie die einzige ist, die ihm Konter gibt. Und alle anderen ducken sich so vor ihm weg, dem Hausherrn mit eisener Faust. Vielleicht sollten wir ganz kurz sagen, wie Miss Marple überhaupt da hinkommt. Wie gesagt, sie beobachtet diesen Mord im Zug.
Johannes Franke: Genau, es gibt einen Zug, in dem ein Mord passiert. Miss Marple fährt dran vorbei. Im Original übrigens ist es nicht Miss Marple, die das sieht, sondern eine Freundin von Miss Marple. Das haben die jetzt so für den Film zusammengekürzt. Und auch Miss Marple selbst geht dann eigentlich nicht im Original selber in das Haus, sondern schickt auch, da ist auch jemand anders dann. Also ich weiß nicht mehr genau wer, ich glaube auch diese Freundin, die wird dann eingeschleust. Aber in diesem Film, es macht auch Sinn, das dramaturgisch so zusammen zu verdichten, dass man das irgendwie im Film gut macht, dass sie dann selber dahin geht.
Florian Bayer: Bei ihren Recherchen findet Miss Marple heraus, dass die Leiche wohl aus dem Zug geworfen wurde. Und zwar direkt vor einem großen Grundstück einer gut situierten Familie. Und ihre Idee ist, der Mörder muss irgendwie die Leiche auf das Grundstück geschafft haben. Der ist irgendwie Teil der Familie oder bei der Familie hängt der Enkel mit drin. Und deswegen bewirbt sie sich als Hausmädchen bei der Familie, um sich um den Vater zu kümmern, aber vor allem auch um sich um das Haus zu kümmern und alles sauber zu machen und so weiter. Also die klassischen Arbeiten.
Johannes Franke: Was auch ihr die Tochter des Hauses erstmal nicht zutraut, weil sie halt als alte Dame kommt und sie sagt, sind sie sicher, dass sie diese Stelle wollen? Es geht darum, wirklich alles hier in Schuss zu halten. Nicht nur irgendwie Auge drauf, sondern wirklich anpacken.
Florian Bayer: Und natürlich werden wir dann sehr schnell mit einem illustren Kreis von Verdächtigen konfrontiert. Auch der Lufa, wobei eigentlich ziemlich früh schon klar ist, dass der es eher nicht ist.
Johannes Franke: Lufa ist der Hausherr, genau. Aber der Gärtner. Hast du je einen so düster inszenierten Gärtner gesehen, Plur?
Florian Bayer: Den fand ich sau witzig. Es hat so viel Spaß gemacht. Jedes Mal, wenn der um die Ecke kam und dunkel geguckt hat. Einfach nur geguckt. Wie wir von Reinhard May auch wissen, man denkt immer, der Mörder wäre der Gärtner, aber der Mörder ist nie der Gärtner. Es gibt immer einen düster guckenden Gärtner, der am Schluss dann doch nicht der Mörder ist. Aber der wird hier natürlich als Hauptverdächtiger neben den Familienmitgliedern präsentiert oder als möglicher Mitwisser.
Johannes Franke: Beziehungsweise wissen wir überhaupt nichts über ihn. Er redet nie, also bis auf, dass er ab und zu mal einen bösen Satz sagt. Er hasst Miss Marple.
Florian Bayer: Und er will nicht, dass sie auf dem Gelände rumschleicht und Sachen untersucht.
Johannes Franke: Aber es ist irgendwie deswegen schon disqualifiziert als Verdächtiger, weil wir überhaupt gar nichts über ihn erfahren. Also insofern, ich habe ihn nur eben als nicht näher definierten Trope da irgendwie rumlaufen sehen.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, er wurde schon reingepackt, um einen Verdächtigen zu haben für Mittäterschaft oder Mitwisserschaft. Und einfach jemanden, der ein bisschen was Bedrohliches transportiert. Und der Film ist halt schon wirklich alt. Ich meine, der ist 60 Jahre alt. Damals hat man das vielleicht auch als bedrohlich wahrgenommen. Aber ich fand, seine Auftritte waren einfach nur so Comedy-Goal. Ja, genau. Und dann gibt es die Kinder der Familie. Die Emma, die Tochter und die drei Söhne, Cedric, Harold und Albert. Wovon eigentlich nur Cedric ein richtiges Profil kriegt. Das ist nämlich so der Kobold der Familie, der von Anfang an sagt, hey, einer von uns ist der Mörder. Und der immer so ein bisschen ... Der einfach Spaß dabei. Ja, verschmitzt ist. Und der auch seine älteren Brüder foppt, zu dem der Vater sagt, he never has a point.
Johannes Franke: Ja, die anderen bekommen auch so wenig Profil, dass man eigentlich auch die disqualifizieren will als Zuschauer.
Florian Bayer: Ja, der Cedric soll, glaube ich, auch einer der Hauptverdächtigen sein. Ja, ja. Weil er ist auch wirklich klug. Er ist der Einzige, der wirklich intelligente und gewitzte Sachen sagt. Und der auch immer so eine gewisse Feindseligkeit hat. Auch gegenüber Miss Marple und gegenüber seinen Brüdern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die anderen beiden Brüder sind eher so Statisten. Also es gibt diesen Harold, der so ein bisschen ernst ist und verschlossen. Aber es taugt alles nicht für gutes verdächtigen Material.
Johannes Franke: Nee, es geht im Grunde auch darum, Stichworte zu geben. Für sie zum Beispiel, also die Tochter. Oder für den Neffen manchmal auch.
Florian Bayer: Brian Eastley ist übrigens der Vater von dem Neffen, in die Familie eingeheiratet. Ah ja, stimmt. Alexander lebt bei seinem Vater, dessen Frau gestorben ist. Und die eigentlich die zweite Tochter war von Lufa. Und dann gibt es noch als letzten Verdächtigen den Dr. Quimper. Und wer aufgepasst hat, hat mitgekriegt, dass das der Mörder ist, weil wir es schon zwei oder dreimal gesagt haben.
Johannes Franke: Der aber auch sehr, sehr leger in die Geschichte eingebaut wird, was ich sehr gut gemacht finde. Also deswegen kommt man auch wirklich nicht so schnell auf ihn. Weil man denkt, ja, das ist halt, der muss halt notwendigerweise da jetzt rumlaufen, um die Geschichte des toten, todkranken Typen zu erzählen.
Florian Bayer: Wobei sie zumindest schon so früh in die Richtung stupsen, dass der Dr. Quimper eine Affäre mit Emma hat.
Johannes Franke: Und die sie auch heiraten will. Aber ist das so früh? Also es gibt einmal eben diesen Blick, wo ich dann sofort weiß, okay, irgendwas ist da. Aber sie erzählen es mir dann doch relativ lange nicht. Also ich glaube, sie wollen es dann auch relativ bald vergessen. Sie wollen erst mal, dass Miss Marple auf dem Grundstück rumläuft. Was ich übrigens sehr schön finde. Die Art und Weise, wie sie da über das Grundstück starkst. Und mit ihrem, ich finde, was für eine geile Idee ist das denn, Golfschläger mitzubringen und den Ball irgendwo in der Gegend rumzuschmeißen, damit sie überall hin kann, ohne zu verdächtig zu wirken. Sie ist so eine tolle Ermittlerin.
Florian Bayer: Super. Einfach mit dieser rupigen Art. Ja. Und gleichzeitig so, I don't give a shit. Wenn irgendjemand was zu ihr sagt. Und ja, sie ist einfach wie Melanie schon in der Mail geschrieben hat, Miss Marple ist einfach mal eine starke Frauenrolle. Sie braucht keinen Mann. Genau. Sie braucht keine Unterstützung. Sie weiß genau, was sie will. Und sie wird die ganze Zeit über in dem Film von Männern nicht ernst genommen. Ja. Und sie zieht trotzdem einfach so ihr Programm durch gegen alle Widerstände. Und ist damit auch erfolgreich. Das beruht ja auch auf Gegenseitigkeit. Sie nimmt ja auch die Männer nicht ernst. Vollkommen zu Recht.
Johannes Franke: Die haben natürlich entweder Killer oder Idioten. Wo wir gerade bei den Männern sind. Und was ist das mit diesem Typen, den sie eingebaut haben? Das ist, es ist ihren Assistenten. Ja, ihren Assistenten. Ich liebe ihn. Ich liebe ihn so sehr. Weißt du, welche Geschichte dahinter steckt? Ähm, nee. Der ist ja nicht in dem Buch. Der ist nicht im Buch. Der gehört nicht dazu. Das ist der Mann von der Schauspielerin. Von Margaret Rutherford. Den haben sie einfach mit reingeschrieben. Der wollte da einfach im Film mit dabei sein. Oh, wie fantastisch.
Florian Bayer: Aber er passt so gut da rein. Ja. Er ist, weil sie hat ganz klar das Ruder in der Hand. Und sie nötigt ihn mehr oder weniger da mit zu ermitteln. Und er ist auch die ganze Zeit ängstlich und sagt, oh, Miss Marple, sollen wir das wirklich tun? Ja, machen wir das lieber nicht. Aber er ist so ein toller Gegenpol zu ihr.
Johannes Franke: Und ich dachte erst, okay, das sind jetzt Sherlock und Watson. Nein.
Florian Bayer: Aber nein, nein, nein, er ist kein Watson. Nein, überhaupt nicht. Er ist einfach nur einer, der so ein bisschen hinterher stolpert und er mal die Tür aufhält.
Johannes Franke: Ja, und wahrscheinlich eben derjenige, den sie anteasert, als da ist jemand anderes. Definitiv. Der Vater der Familie, der Großvater, beziehungsweise das Oberhaupt des Hauses, gibt ihr dann am Ende dieses, also es ist ja kein Heiratsantrag, ne? Das ist ja ein Heiratsbefehl quasi, den er da ausspricht. Hier, komm, und jetzt heiraten wir? Und sie sagt, ich würde gerne ablehnen. Und er sagt, wer würde sie denn nehmen? Und dann sagt sie, ja, zum Beispiel sie. Und deutet halt an, dass sie eigentlich jemanden anders hat. Und ich nehme an, dass es um diesen Typen geht. Also mein Gedanke war, Johannes,
Florian Bayer: die schnacken doch miteinander, oder? So. Sie inszeniert sich zwar als alte Jungfer, aber wenn sie fertig sind mit dem Kriminalfall, dann wird gefeiert.
Johannes Franke: Hast du wirklich das Wort schnacken benutzt?
Florian Bayer: Ja, ich glaube, bei den beiden passt das Wort schnacken. Also zumindest bei Mr. Stringer, wie der Assistent heißt, der immer so vorsichtig ist. Ja. Mal schauen und hier und da und nicht zu viel.
Johannes Franke: Und ich stelle mir den Sex nicht sehr, nein, also ich glaube, er ist eher so einer, der dann ... Haben wir jetzt einen Sex-Podcast, Flor? Ja.
Florian Bayer: Was denkt ihr? Haben Mr. Stringer und Miss Marple Sex? Und wie sieht dieser Sex aus? Schreibt es uns. Melli, haben wir denn in der Kindheit gerade zerstört? Aber ich finde ihn toll. Ich finde, der gehört auch irgendwie rein in diesen Film als Gegenpol zu Miss Marple. Ja, absolut. Und er macht sie auch stärker. Es ist tatsächlich eine Männerrolle, die einer Frau zur Seite gestellt wird, die sie nicht schwächer macht, was viel zu oft vorkommt, sondern die sie eher stärker erscheinen lässt. Ja, das ist total cool. Weil er zeigt so oft, wie sie alles im Griff hat und wie sie alles unter Kontrolle hat. Auch ganz am Anfang, wenn sie in die Buchhandlung geht zu ihm und fragt. Und er hat dieses Buch für sie zurückgelegt und davor ist eine andere Kundin, die unbedingt dieses Buch haben will. Und er sagt, nee, tut mir leid, ist leider nicht da. Und dann kommt sie und dann sagt sie, Miss Marple, ich habe das Buch für sie.
Johannes Franke: Das ist wirklich sehr schön. Und vor allem, weil sie das Buch dann ablehnt. Weil sie sagt, naja, ich weiß ja schon, wie es ausgeht. Und die Frau kommt dann, woher wollen sie denn wissen, wie es ausgeht? Ach, und dann erklärt sie gleich, ja, das und das und das und das. Und der Autor schreibt deswegen das und das am liebsten. Spoiler. Und vermisst ihr das Buch total und sie lässt es liegen.
Florian Bayer: Die Kriminalgeschichte geht dafür fast so ein bisschen unter. Also auch gerade diese falsche Fährte, die gelegt wird. Sie findet dann tatsächlich etwas und sie findet dann die Leiche von dieser Frau, die ermordet wurde. Und mithilfe des Arztes, verdächtig, wird diese Frau als französische Frau identifiziert, weil sie französische Kleidung trägt. Und dann wird so ein Subplot aufgeworfen, dass es eine Frau gab, die Martine heißt, die einen Brief geschrieben hat, in dem sie gesagt hat, dass ihr das Erbe eigentlich zusteht der Familie. Und damit sind plötzlich alle in der Familie verdächtig. Weil natürlich, wie es immer so ist in diesen Filmen oder in diesen Geschichten, haben es alle auf das Erbe des Familienoberhaupts abgesehen. Und alle kämen als Täter in Frage. Es ist übrigens ein Wunder, dass dieser Lufer den Film überlebt. Eigentlich stirbt irgendwann das Familienoberhaupt. Und dann haben wir das Problem, aha, Moment, da ist doch ein Erbe.
Johannes Franke: Aber in diesem Film geht das nicht, weil es sind schon drei Leute gestorben. Und in allen diesen Miss Marple-Filmen sterben immer genau drei Leute.
Florian Bayer: Es gibt diese tollen Zahlen zu Miss Marple in der Romanreihe. Die lebt ja in so einem kleinen Dorf eigentlich. Und in einem Zeitraum von 40 Jahren finden in diesem Dorf 16 Mord. Ja, vielleicht sollte sie sich mal fragen, wo Ranzeli. Ja, genau. Also ich würde nicht in einem Dorf mit einer solchen Hobby-Dettektiven leben wollen. Es ist sehr gefährlich.
Johannes Franke: Aber es ist tatsächlich so, es sind immer drei Morde. Und im Film wird auch einmal tatsächlich das ironisch angesprochen. Murder always comes in threes, glaube ich, sagt jemand. Ich weiß nicht mehr, wer das war, aber es sagt irgendjemand. Und das ist ganz geil, weil die das einfach durchziehen, die ganzen Miss Marple-Filme über, wenn ich das richtig recherchiert habe.
Florian Bayer: Es war ja tatsächlich der erste Miss Marple-Film, aber keineswegs der erste Miss Marple-Roman, sondern eher so gar ... Der erste Miss Marple-Roman ist aus dem Jahr 1930. Ah, so früh. Und es gibt noch diese ganzen Kurzgeschichten auch über Miss Marple. Ja. Und 16.50 Uhr ab Pettington ist von 1957. 1957, das ist eher so mittlere Schaffensperiode, weil der letzte Roman ist aus dem Jahr 1976. Und ich glaube, das ist auch das Jahr, in dem Akata Christi dann gestorben ist. Genau, 1976, im Jahr ihres Todes, hat sie ihren letzten Roman geschrieben.
Johannes Franke: Krass. Echt bis zum letzten noch geschrieben. Ja. Geil. Ja, das muss ... Daran erkennt man dann die Leute, die wirklich leidenschaftlich sagen, nee, ich sterbe mit dem Stift in der Hand. Ja, genau. Achso, krass. Ja, bewundernswert.
Florian Bayer: Agatha Christi hat sowieso irgendwie eine spannende Lebensgeschichte. Es gab diese eine Episode im Leben von Agatha Christi, wo sie einfach verschwunden ist plötzlich. What? Genau. Und zwar ... Also sie war schon eine angesehene Autorin zu der Zeit. In den 20er-Jahren geschah das. Und zwar war das 1926, als ihr Mann ihr gestanden hat, dass sie ... Dass er eine Affäre hat. Und dann gab's wohl mehrere Streitereien. Und nach einem heftigen Streit ist Agatha Christi aus dem Haus. Und einige Zeit später wurde ihr Auto verlassen an einem See gefunden. Und dann wurde auch groß nach ihr gesucht, mit Foto und Vermisstenanzeigen und allem. Und sogar die New York Times hat darüber berichtet, Arthur Conan Doyle hat sich an der Suchaktion beteiligt. What? Und zehn Tage später wurde Agatha Christi dann gefunden in einem Hotel in Harrogate, wo sie unter dem Namen der Geliebten des Mannes angecheckt hatte. Nein, nein, wie geil. Und es gab tatsächlich so einen kleinen Skandal danach, weil dann stand die Frage im Raum, wer bezahlt jetzt die Suchaktion? Damit hat sich sogar das britische Parlament beschäftigt. Okay. Und die Familie hat dann gesagt, okay, die hatte einfach einen Gedächtnisverlust. Das war ihre Geschichte. Die hatte einfach einen kompletten Blackout und hat zehn Tage ihr Gedächtnis fast komplett verloren und war deswegen in diesem Hotel abgestiegen. Mhm. Und Agatha Christi selbst hat sich nie dazu geäußert. Hat nie gesagt, was sie genau gemacht hat in ihrer Zeit. Aber sie hat ihren Mann danach verlassen. Kurze Zeit später, 1928, hat sie sich von ihrem Mann Archibald Christi geschieden. Und es gibt offensichtlich sogar eine Verfilmung dieser Geschehnisse, das Geheimnis der Agatha Christi aus dem Jahr 1979. Drei Jahre nach ihrem Tod. Krass, ist das cool, Mann. Ja. Spannende Frau auf jeden Fall. Spannende Geschichte und offensichtlich auch medial für einigen Wirbel gesorgt hat. Mhm. Toll.
Johannes Franke: Ich hab rausgefunden, wer das sagt. Things always go in threes, sagt jemand. Und zwar Mrs. Kidder. Ist das die ... Ah, ich glaub, das ist einfach die Haushälterin, die zusätzliche, oder? Ah, das kann sein, ja. Ja. Also, es gibt diese eine Szene, wo sie aus der Küche nachts noch nach Hause muss und dann den einen Mord entdeckt.
Florian Bayer: Genau, es kommt dann auch tatsächlich Schlag auf Schlag. Die beiden anderen Morde passieren ja ziemlich schnell aufeinanderfolgend. Zum einen wird der eine Sohn, ich glaub, einer von den beiden Söhnen wird vergiftet. Und daran sieht man, wie austauschbar die beiden sind. Herod oder Allbert. Einer von beiden wird vergiftet und der andere ist dann auf dem Weg mit seinem Gewehr und das sieht so aus wie Selbstmord. Oder soll so aussehen wie Selbstmord. Jeder weiß, dass es kein Selbstmord war. Ja, ganz schlecht gefakter Selbstmord. Und das ist tatsächlich schon fast gegen Ende des Films. Eigentlich beide Morde sind so ... Da ist der Film schon eine Stunde gelaufen, es sind irgendwie noch so 20 Minuten übrig und dann werden diese Morde auch noch so reingeschoben. Und man hat so das Gefühl, okay, sie wollen den verdächtigen Kreis jetzt ein bisschen verengen. Und dann müssen zwei Morde bei möglichen Verdächtigen, aber nicht so richtig Verdächtigen stattfinden. Und dann bringen sie halt die beiden plassen Brüder um, an denen eigentlich keiner so richtig Interesse hat.
Johannes Franke: Aber es ist schön, weil sich das dann verdichtet und ich find auch die Beziehung zwischen Miss Marple und der Polizei ganz nice. Oh, auf jeden Fall. Ja.
Florian Bayer: Das ist so eine schöne ... Der Kommissar ist immer genervt, wenn er Miss Marple sieht. Und das weiß ich noch, ist so eine Konstante aus diesen Filmen. Kommissar kennt sie dann natürlich irgendwann. Und jedes Mal, wenn er sie sieht, oh nein, ich muss sie wieder ihre Nase da reinstecken.
Johannes Franke: Aber er ist am Ende des Films schon auch dankbar und besorgt um sie. Und das find ich sehr schön, weil er irgendwie dann doch sich ... Also er ist einmal bei ihr im Haus und es ist irgendwie alles schon sehr verdichtet und es könnte sein, dass der nächste Mord passiert. Und er ... Naja, er hat zu tun. Er geht raus und sagt den Polizei, die Arbeit der Polizei ist nie getan. Sagt sie zu ihm, weil er geht wieder. Und er sagt zurück, die Arbeit einer Frau auch nicht. Und dreht sich dann aber, bevor er wirklich weggeht, nochmal um und fragt, sind sie sicher, dass sie hierbleiben wollen? Sind sie sicher, dass das alles in Ordnung ist für sie? Weil er sich einfach Sorgen macht. Und das ist irgendwie ein schönes Gespräch zwischen den beiden und eine schöne Beziehung zwischen den beiden irgendwie.
Florian Bayer: Es ist ja auch eine Konstante in diesem Miss Marple-Film, dass sie immer den Mörder enttarnt und dann den Mörder konfrontiert und die Polizei sich irgendwo versteckt im Hintergrund. Und im letzten Moment einkriegt.
Johannes Franke: Genau, und auch wirklich knapp. Aber sowas von knapp, gerade in diesem jetzt. Ja, mit der Arsen-Spritze. Oh mein Gott. Jesus Christ.
Florian Bayer: Und sie sitzt da so seelenruhig da und wartet, bis es passiert. Ja. Und Dr. Quimper ist auch so, er will sie dann mit dem Arsen vergiften, nachdem sie gesagt hat, ich weiß, dass du der Mörder bist. Und dann kommt die Polizei raus. Und dann ist Dr. Quimper auf einmal sehr höflich. Ja. Und sehr distinguiert und sagt, ja, sie haben das gut gemacht. Sie sind eine sehr intelligente Frau. Es wird nichts mehr gesagt, dass er sie gerade umbringen wollte mit einer fucking Arsen-Spritze.
Johannes Franke: Und er ist auch überhaupt nicht wütend oder sowas. Er ist einfach well played. Well played. Okay, dann gehe ich jetzt halt ins Gefängnis. Alles in Ordnung. Die Geschichte ist jetzt vorbei. Aber es ist wirklich schön, diesem ganzen Treiben zuzusehen, weil sie da so schön sich durchmanövriert mit ihrem Charme einfach. Mit ihrem sehr ruppigen, robusten Charme. Ja. Ich finde es toll.
Florian Bayer: Tatsächlich gönnen sie ja auch ein, zwei Momente der Angst. Also zum einen hat sie diese Ohnmacht, nachdem er sie fast umgebracht hätte. Aber das ist schön, das ist so schön hintendran gestellt. Und vor allem auch offscreen, ne? Ja, genau. Die Polizisten führen ihn ab. Und dann sagt der Inspektor Kredak, der sie, der ja irgendwie so, sie hat auch Sorgen, was sie gemacht hat. Oh, Miss Marple, sie sind wirklich eine tapfere Frau. Und dann kommt der Kameraschwenk oder Schnitt zu ihr und sie liegt ohnmächtig im Sesse. Und dann in der Nacht, in der das Gewitter tobt, in der der zweite von den beiden Brüdern umgebracht wird, dann wandelt sie halt auch durchs Haus und ist da jemand. Und es sind Blitze zu hören und irgendeine Gestalt bewegt sich im Hintergrund. Und sie hat einfach auch mal Angst. Ja, kann ihre Fassade fallen lassen
Johannes Franke: und auch einfach mal ängstlich sein. Das ist cool, ja. Und ich dachte natürlich sofort, also völlig overused jetzt. Natürlich ist Gewitter draußen und natürlich geht der Strom dann irgendwann nicht mehr. Und natürlich willst du in einem auch noch Schwarz-Weiß-Film möglichst viele Schatten gegen das Licht stellen. Und dann kommt auch noch jemand die Treppe runter und du siehst ganz lange nur die Beine, die Füße. Und dann siehst du irgendwann, wer es ist. Und es ist so, weißt du, diese ganz typischen Einstellungen.
Florian Bayer: Spannung ist nicht unbedingt die Stärke des Films. Aber das braucht er auch gar nicht. Überhaupt nicht. Der Humor und das Sympathische, das Herzliche, das ist einfach das Wichtige daran. Genau. Was macht eigentlich einen guten Murder-Mystery-Film aus? Weil Miss Marple ist für mich immer so ein bisschen die Blaupause der guten Murder-Mystery-Geschichten. Einfach, weil ich kein, nicht so ein großer Sherlock-Coms-Fan bin. Ich kenne auch, von Paul Rowe kenne ich ehrlich gesagt auch nur den Mord im Orient-Express. Aber der ist auch sehr gut. Ja, definitiv. Aber wenn ich mich entscheiden müsste zwischen Miss Marple und Herkulé, würde ich mich immer für Miss Marple entscheiden. Okay. Weil ich sie einfach cooler finde. Und ich habe auch einfach von diesen klassischen Filmen, diese vier Stück, habe ich halt alle vier gesehen und habe ich alle vier genossen. Und das waren wahrscheinlich die ersten Murder-Mystery-Geschichten, die ich gesehen habe. Ja. Was macht denn dieses Genre aus? Weil ich habe nochmal geguckt, wir machen ja immer unsere Top-3-Listen. Und wir hatten überlegt, ob wir eine Murder-Mystery-Liste machen. Und ich habe auch ein bisschen geguckt dafür und dann festgestellt, es gibt gar nicht so viele gute Murder-Mystery-Filme. Hm. Also es gibt die Sherlock Holmes-Verfilmung natürlich und die Poirot-Verfilmung und die Miss Marple-Verfilmung. Und ansonsten gibt es mal hier und da in jedem Jahrzehnt so ein kleiner Film. Knives Out zum Beispiel jetzt für die 2010er.
Johannes Franke: Also Knives Out ist ganz klar nach vorne zu stellen. Für einen größeren Zeitraum als jetzt die letzten zehn Jahre, sondern wirklich, wirklich, wirklich toller Film,
Florian Bayer: der unfassbar viel Spaß gemacht hat. Ich hatte das Gefühl beim Recherchieren, dass in dieses Genre, was man Murder-Mystery-Movies nennen könnte, oft von vielen Leuten ganz viel gepackt wird, was für mich gar nicht reingehört. Weil für mich ist das Setup so ganz klar, es gibt einen klaren Kreis von Verdächtigen. Jeder hat ein Motiv. Jeder wird auch irgendwie mal so ein bisschen verdächtig inszeniert. Es gibt einen klugen Ermittler oder eine kluge Ermittlerin. Und es gibt immer ein bisschen spitzbübigen Humor, obwohl es um Mord geht. Natürlich geht es immer um Mord. Und der Kreis der Verdächtigen wird verengt, muss aber gar nicht sein. Aber das ist für mich das Wesentliche. Also ich würde zum Beispiel solche klassischen Serienkiller-Filme wie Das Schweigen der Lämmer oder Sieben, würde ich da auf keinen Fall rein... Ist kein Murder-Mystery.
Johannes Franke: Kein Murder-Mystery, ne? Ähm, das Ding ist, ich glaube, die Leute lieben Murder-Mystery so sehr, dass wir jetzt das alles verlagert haben auf CSI Miami und CSI New York und CSI hinter dem Hose-Muckel. Hast du mal CSI geguckt? Ja. Und hat dir das gefallen? Es gab Episoden, die ich tatsächlich ganz gut fand. Also tatsächlich nicht schlecht, weil die sich teilweise spannende Figuren gönnen. Besser als in Deutschland. In Deutschland gibt's nicht so diese quirky Figuren. Das ist ein Tatort-Murder-Mystery, ja, oder? Tatort ist Murder-Mystery, ganz viel, ja.
Florian Bayer: Weil irgendwie finde ich ... Für mich ist Murder-Mystery das Genre so eng gekoppelt an dieses Setup, was man von Miss Marple oder Sherlock Holmes kennt.
Johannes Franke: Das heißt, es ist auch irgendwie so ein bisschen ein klaustrophobisches Element auch. Also, dass du sagst, du hast ein abgestecktes Haus oder einen abgesteckten Rahmen, dass du sagst ...
Florian Bayer: Eine lustre Gesellschaft eher aus dem Großbürgertum, sodass der Zuschauer oder die Zuschauerin denken kann, ah ja, die haben auch Dreck am Stecken. Beim Tatort sind es ja meistens auch so soziale Problemfelder, die angefasst werden. Und das ist alles für mich nicht Murder-Mystery. Für mich muss das ... Es geht eher so um die Dekadenz des Bürgertums, das so belangweilt voneinander ist, dass es irgendwann anfängt, aus nichtigen Gründen sich gegenseitig umzubringen. Okay. Cocktail für eine Leiche? Ja, aber es kann Murder-Mystery, weil wir wissen, wer der Mörder ist. Ist richtig. Eigentlich ist das Spiel Cluedo. Das ist Murder-Mystery, weißt du? Du hast so Karten an Verdächtigen und dann wird halt so nach und nach aussortiert, wer könnte es gewesen sein. Und der, der am Anfang am verdächtigsten wirkt, ist es natürlich nicht. Ja. Aber wahrscheinlich ist meine Genredefinition so eng gefasst, dass fast gar nichts reinfällt. Also, außer Miss Marple, Poirot, Knives Out und Sherlock Holmes, fällt mir da tatsächlich nicht viel ein. Und wenn ich dann so Listen durchgucke, wo über Murder-Mystery geredet wird, dann ist so was drin wie Scream. Ja, oh nee. Oder ist der Zodiac-Killer? Und ich denke, nee. Wooframed Roger Rabbit hat auch was davon. Die klassischen Detektivfilme vielleicht noch.
Johannes Franke: Die gehen auch noch in die Richtung. Okay.
Florian Bayer: Also, so die ganzen Norr-Filme. Prick, über Prick haben wir letzte Woche geredet. Ja, ist mir auch sofort eingefallen. Das ist auch Murder-Mystery. Das würde ich noch akzeptieren. Aber irgendwie müssen die Verdächtigen alle aus so dekadenten Oberschichtenkreisen kommen. Murder-Mystery spielt nicht in der Gosse. Okay.
Johannes Franke: Also, also, rich people bashing. Ja, so ein bisschen. Okay, aber wenn wir schon dabei sind, welche Bestenliste haben wir denn am Ende?
Florian Bayer: Ja, wir haben eine Bestenliste und zwar Top 3 Senioren und damit, Johannes, Intro. Intro.
Johannes Franke: Sensoren. Sensoren. Senioren. Top 3 Senioren in Filmen.
Florian Bayer: Und ich habe mich tatsächlich ein bisschen schwer getan damit. Du hast es vorgeschlagen. Ich habe es vorgeschlagen und dann festgestellt, okay, ja, ich musste doch ein bisschen suchen, bis ich was gefunden habe, wo ich gedacht habe, ja, das sind coole Seniorenrollen, die ich wirklich, wirklich mag und wirklich spannend und sympathisch finde und interessant.
Johannes Franke: Ich muss mich mal entschuldigen, vorhin war das auch schon so meine Spülmaschine. Ich habe meine Spülmaschine zu spät angemacht heute, sodass sie immer noch rödelt und man sie im Hintergrund hören könnte, theoretisch. Ich hoffe, dass das dem Genuss keinen Abbruch tut.
Florian Bayer: Ich muss anfangen, weil im Smarple haben wir dir so ein bisschen zugeschwungen. Ja, genau. Fang du mal bitte an. Liste ist mir schwer gefallen. Diesmal gibt es keine Honorable Mentions von meiner Seite, sondern ich steige gleich mit der Top 3 ein. Du hast nicht mehr als drei gefunden überhaupt, oder was? Ich habe drei gute gefunden und ich hatte bei keinem der Filme, die ich sonst noch so im Auge hatte, das Gefühl, dass ich unbedingt jetzt noch eine Honorable Mention draus machen muss.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Mein Platz 3 ist Miss Daisy aus Miss Daisy und ihr Chauffeur, beziehungsweise Driving Miss Daisy. Eine alte Dame, gespielt von Jessica Tandy, die einen Chauffeur zur Seite gestellt bekommt, obwohl sie das überhaupt nicht will. Und dieser Chauffeur wird gespielt von Morgan Freeman. Und das Ganze spielt in den USA der 50er Jahre, Ende 40er, Anfang 50er und sie ist Jüdin und er ist schwarz und deswegen müssen beide irgendwie mit Vorurteilen, werden beide mit Vorurteilen konfrontiert und mit gesellschaftlichen Missständen und obwohl sie ihn am Anfang total nervig findet, raufen sie sich zusammen und sie ist einfach so eine wunderbar würdevolle alte Dame, die sich nichts vorschreiben lassen will. Und ja, der von Morgan Freeman gespielte Hulk ist einfach eine tolle Ergänzung zu ihr und dann wird aus diesen beiden wird ein ungewöhnliches, freundschaftliches Paar. Toll. Ja, toller Film. Wunderbar. Aus den 80ern, 1989. Okay.
Johannes Franke: Bei mir, ich musste jetzt gerade nochmal kurz Wiki aufmachen, weil ich dir gar nicht mehr genau sagen kann, worum es geht. Ich weiß nur noch, dass ich damals, als der rauskam und 2002 im Kino gesessen habe, eine der wenigen deutschen Filme in dieser Richtung, die ich tatsächlich wirklich toll fand und zwar Schulze Gets the Blues mit Horst Krause als Schulze, der in den Vorruhestand geschickt wird und sich um seine demenzkranke Mutter hin und wieder im Pflegeheim kümmert und irgendwie kommt er natürlich gar nicht damit klar mit diesem Vorruhestand. und eines Nachts hört er im Radio zufällig Musik aus Lusiane, so eine bestimmte Musik, dessen Genre mir gerade nicht einfallen will und irgendwie fährt er dahin, glaube ich. Einfach aus, er muss irgendwas noch machen, er muss es nochmal erleben irgendwie. Und so dieses Gefühl, dieses Lebensgefühl, ich muss nochmal raus. Sehr cool. Das war sehr schön. Ich kann es dir leider nicht mehr genau wiedergeben alles, aber es war wirklich, wirklich, wirklich toll.
Florian Bayer: 2003, toll, also ja, gerade zum ersten Mal der Film, aber der klingt, als ob ich ihn mir mal anschauen sollte.
Johannes Franke: Er sucht halt nach dieser Musik, die er da hört und versucht das irgendwie, da das Leben wieder zu finden im Grunde. Cool.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Ja. Ein Film aus dem Jahr 1999 und ein Film, der sehr ungewöhnlich ist für seinen Regisseur und zwar von David Lynch, das Trade Story, wo ein 73-jähriger Rentner seinen Bruder besuchen will, der einen Schlaganfall hatte. Und um ihn besuchen zu können, fährt er mit seinem Rasenmäher einmal quer durch die USA. Er ist entsprechend langsam unterwegs. Und das ist auch einfach das Motto dieses Films. Dieser Film ist langsam, er zeigt eine langsame Reise, er zeigt einen langsamen Mann, der aber ein klares Ziel hat. Und hat trotz dieser Langsamkeit so eine gewisse Aufbruchsstimmung und einen totalen Optimismus. Und wer, wenn er David Lynch her Zahnschmerzen bekommt, dem sei gesagt, das ist wirklich ein ungewöhnlicher David-Lynch-Film ohne komischen Surrealismus, ohne bizarre Kreaturen, ohne das Spiel mit dem Medium. Einfach wirklich eine straightforward erzählte Geschichte, wie der Name schon sagt, in der es um einen alten Mann geht, der sich auf eine lange Reise begibt und dabei mit verschiedenen Menschen in Kontakt kommt. Wunderschön, nostalgisch, melancholisch, toller Film. Schön, cool.
Johannes Franke: Natürlich, wenn man jetzt bei Senioren im Film ist, dann hat man irgendwie tendenziell immer die gleichen Geschichten. Weißt du, dann hast du ältere Menschen, die gerade vielleicht gerade in Rente gehen, die nochmal was erleben wollen, die nochmal irgendwie, weißt du, mir fällt ein Film ein, den ich nicht gesehen habe und deswegen nicht auf die Liste kommen kann, aber den ich mir total großartig vorstelle, The Lady in the Van, wo eine Frau, eine alte Frau von einem Bewohner eines Hauses, einen Van zur Verfügung gestellt bekommt, aber nur, weil sie sich so sehr aufdrängelt und er sagt, na gut, du kannst da eine Nacht drin, geht nach einer wahren Begebenheit und sie bleibt da Ewigkeiten, Jahre in diesem Van, wohnt sie dann einfach vor seiner Haustür. Cool. Das klingt wirklich gut. Er wird nicht mehr und kann einfach, er wird sie nicht mehr los. Ja. Und ich finde, der Film klingt so großartig, aber ich habe ihn noch nicht gesehen. Wie heißt der? The Lady in the Van. Lady in the Van, okay. Empfehlung für uns beide. Offensichtlich. Ja. Ganz, ganz, ganz spannend klingt das irgendwie und ich habe es immer noch nicht geschafft. Ähm, dann mein Platz zwei wäre dann, ich hatte ihn schon in der Liste, ich habe ihn schon ein paar Mal in der Liste gehabt, Liebe. Ja, toller Film, über den habe ich auch nachgedacht. Also, der ist einfach, wenn es um Senioren und um Altwerden und so geht, kommst du an dem Film nicht vorbei. Starker Film, ja.
Florian Bayer: Hatte ich auch kurz, da stehen dann, ich glaube, es war vor allem die Entscheidung, dass der schon so oft auf den Listen nicht genommen habe. Ja, genau. Aber natürlich, ähm, definitiv ein Film, der genannt werden sollte, einer der besten Filme von, von Haneke. Ein fantastischer Film, extrem bewegend, traurig. Ja. Mein Platz eins ist ein Liebesfilm-Slash-Erotik-Film aus Deutschland von Andreas Tresen. Uh. Aus dem Jahr 2008, Wolke 9. Aha. Wo eine, ähm, Seniorin Inge, kurz vor dem 70. Lebensjahr, eine Affäre anfängt. Und, ähm, ein Film, der Tabuthemen anpackt, weil er einfach mal Sex im Alter thematisiert, und zwar auch visuell. Er zeigt einfach den Sex zwischen alten Menschen. Ja. Und zwar in all seiner Natürlichkeit und auch in all seiner Schönheit. Cool. Und er setzt sich auch mit dem Thema Liebe im Alter auseinander auf eine sehr angenehme, natürliche, realistische Art und Weise. Bei der immer die, ähm, die ruhigen kleinen Momente so gefeiert werden. Das ist ja so Andreas Tresen-typisch, dass wenig passiert gefühlt. Aber dass so in diesen kleinen Momenten total schöne Dinge passieren, total aufregende Dinge. Ja. Und das macht er in diesem Film auch viel. Das ist ein Andreas-Tresen-Film. Also wenn man einen Tresen nicht mag, wenn einem Tresen zu langatmig ist oder ein bisschen zu steif, dann ... Dann hat man Schwierigkeiten. Dann hat man auch mit diesem Film Schwierigkeiten. Aber es ist ein total aufregender Film und einfach auch ein mutiger Film, weil er sich wirklich traut, so was wie Sexualität im Alter zu thematisieren, was man wirklich nicht viel sieht. Von wann ist der? Äh, relativ jung.
Johannes Franke: 2008. Ah, okay. Ja. Ich hab mich ja gerade gefragt, ob Andreas Tresen den jetzt, wo er älter ist, gedreht hat oder auch den früher gedreht hat. Weißt du denn, ob das damals Thema war für ihn oder ob das einfach jetzt kommt, weil er so alt wird. Ja, irgendwie sowas dazwischen. Bei Mein Platz 1 ist, und da wird, das kann nicht ganz anderes sein, Harold und Mord.
Florian Bayer: Stimmt, Mord, ja.
Johannes Franke: Es ist ein so großartiger Film. Es ist einfach nicht zu übertreffen, was Senioren im Film betrifft. Wirklich. Und was für ein toller Liebesfilm. Ein so ein toller Liebesfilm. Ähm, und ich hab nur auch eine besondere Beziehung zu diesem Stoff, weil ich das gespielt habe für 52 Vorstellungen in Aachen am Theater. Du hast den Harold gespielt. Ich hab den Harold gespielt, ja. Cool. Und es war einfach auch eine tolle Inszenierung für mich als, als, als damals noch relativ junger Schauspieler, nicht so jung, wie die Figur eigentlich ist, aber, ähm, ich hab auch lange, ich hab vorher kein, kein Theater so, so lang gespielt. Also 52 Vorstellungen hintereinander. Wir haben kaum Pausen gehabt zwischendurch, wir haben mal einen Tag oder zwei Tage mal irgendwann zwischendurch off gehabt, aber, ähm, zweieinhalb Stunden durch alle Emotionen durchgehend am Abend. Mit dieser ganz wunderbaren Schauspielkollegin. Das war großartig. Ach, wie schön. Und die war halt wirklich auch alt. Ja. Und das war wundervoll.
Florian Bayer: Ach, toll.
Johannes Franke: Ja, schöner Film, den könnten wir uns eigentlich auch mal vornehmen, mal zu gucken, mal drüber zu reden. Lady in the Van und, und, äh, Haroldson Maud. Das werden so auch zwei Filme, die tatsächlich mal irgendwie cool wären. Ja, ähm, lohnt sich auf jeden Fall. Wer den noch nicht gesehen hat, macht das. Liebe auf eine ganz andere Art und Weise nochmal gesehen und ganz anders erzählt und ganz anders empfunden. Seit ich das gespielt habe, habe ich auch ein völlig anderes Gefühl für so, äh, ähm, Harold und Maud. Altersunterschiede in Liebe und was das bedeutet und was es nicht bedeutet. Also, weil Harold und Maud, ähm, das zwar erzählt, dass das eigentlich altersübergreifend funktioniert, so eine Liebe, aber die Probleme nicht verschweigt. Ja. Und das finde ich toll, da wirklich zu sagen, naja, es geht schon, guckt euch das an, es funktioniert und es ist wunderschön, aber es gibt halt auch so seine Problemseiten, wie es aber auch in jeder Beziehung Problemseiten gibt. Also, ähm, was soll's.
Florian Bayer: Ja. Harold und Maud fand ich mal so beeindruckend, diese, wie sie es geschafft haben, diese Hippie-Romantik aus dem Hippie-Kontext zu reißen. Ja. Und in ein ganz anderes Szenario zu packen, aber trotzdem deren Kern, deren lebensbejahenden Kern. Ja. Ähm, drin zu lassen.
Johannes Franke: Ah, schön.
Florian Bayer: Und dann mit diesen, mit diesen beiden Charakteren, ähm, Harold, der ja wirklich schräg ist mit seiner, mit seiner, ähm, Todessehnsucht, mit seiner Lebensmüdigkeit und dann der komplette Gegenentwurf Maud, die einfach alles aus dem Leben rausziehen will.
Johannes Franke: Ja. Ja. Toller Film. Das finde ich schön. Wunderschön. Okay, das war unsere Liste. Outro. Ähm, wollen wir noch ein bisschen zurück in den Film gehen? Haben wir noch irgendwas, was wir uns, ähm, an den Kopf werfen wollen gegenseitig? Hm. Irgendwelche schönen Highlights, die du in diesem Film siehst, die dir wichtig sind.
Florian Bayer: Das Zusammenspiel von Miss Marple und Mr. Stringer. Anna Eckenforb, das Zusammenspiel von Miss Marple und dem Polizisten. Ja. Immer alle Personen, die mit Miss Marple interagieren und ein bisschen mehr Charakter haben. Ja. Sind einfach, leben einfach auch in dieser Interaktion mit ihr.
Johannes Franke: Und man hat das Gefühl, dass der, dass die, äh, Filmemacher einfach sehr viel Liebe dafür übrig hatten. Ja. Für das, was sie da tun.
Florian Bayer: Auch für den Charakter von Miss Marple, der sie viel stärker gegeben haben. Ja. Und tolle Dialoge. Ja. Permanent. Wenn sie sich mit anderen duelliert, sind es einfach klasse. Also, auch so Screwball-Dialoge gerade mit dem Lufa hat. Das ist wirklich klassische Screwball-Comedy, wenn sie sich so gegenseitig anfahren. Ja. Und am Schluss ist es schön, dass sie dann halt auch das, das Heiratsangebot, was kein Angebot ist, sondern quasi ein Heiratsbefehl von Lufa ablehnt und gemeinsam mit Mr. Stringer in den Sonnenuntergang reitet. In einem Auto, an das Alexander nochmal ein Just Married Plakat angebracht hat. Was ich wirklich sehr, sehr süß finde. Und dann kommt diese tolle Musik. Dazu können wir noch ein Wort sagen. Es ist so eine tolle, ikonische Melodie. Und, ähm, ich hab wieder die ganze Woche eigentlich schon einen Urwurm davon, nachdem ich den Film einmal gesehen habe. Ja. Fantastisches.
Johannes Franke: Du hattest mich gefragt, ob ich das vielleicht auf Ukulele spielen könnte, jetzt für den Podcast. Aber das ist leider, leider zu komplex. Es ist auch eher so ein Streicherlied. Ja. Man merkt, also die Instrumentierung macht viel aus. Ja. Ich hatte mir ein, zwei Sachen im Internet angehört, wo andere Leute das auf Gitarre oder auf Ukulele mal probiert haben. Aber es ist fast nicht wiederzuerkennen dadurch. Krass. Ja. Naja. Bisschen schade. The Working Title, der eigentliche Titel des Films sollte eigentlich werden, Meet Miss Marple. Hätte auch funktioniert. Hätte super funktioniert.
Florian Bayer: Ich mag tatsächlich den deutschen Titel lieber als den englischen Originaltitel. Ich finde Murder, She Zed so ein bisschen öde im Vergleich zu 1650 ab Paddington.
Johannes Franke: Ja, ähm, ich, naja, sie wollten sich abheben, glaube ich, vom Originalbuch, weil sie ja auch ein bisschen was geändert haben. Ich dachte, das Buch heißt auch mal der She Zed im Original. Ich dachte, das heißt 1650 ab Paddington. Mh, mal schauen. Weil in der Serie heißt das auch so. In der Serie heißt diese Folge tatsächlich 1650 ab Paddington.
Florian Bayer: Beziehungsweise diese 450 from Paddington. Ja. Weil die Briten und Amerikaner nicht mit unserem genialen Zeitsystem klarkommen.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, im Originalbuch heißt dieses Haus, wo sie hingeht, eigentlich Rutherford Hall. Und die Schauspieler heißt aber Rutherford Hall. Und deswegen haben sie es dann umbenannt in Eckenthorpe. Ja. Aber Hauptsache nerviges TH drin.
Florian Bayer: Ja, genau. Ah, Joan Hickson, die die Miss Kidder gespielt hat in diesem Film. Mhm. Hat 1987 in der BBC-Version, das ist wahrscheinlich die, die du gesehen hast, die Miss Marple gespielt. Ach so. Ja.
Johannes Franke: Oh, wow. Ja, dann muss ich sie doch nochmal sehen. Weil das war das, was ich angefangen hatte, tatsächlich, die BBC-Version.
Florian Bayer: Und wenn ich mir jetzt gerade so ein Bild anschaue, scheint die auch eher die Miss Marple des Buches zu treffen. Ah, verstehe. Ja. Aber wie gesagt, ich bin zu sehr, zu sehr Rutherford sozialisiert. Ich würde mal reinschauen vielleicht. Ich glaube nicht, dass ich der Serie eine Chance geben kann, so hart es ist. Oh. So leid es mir tut. Ja.
Johannes Franke: Ja, also ich glaube, man könnte jetzt noch in Kleinigkeiten rumstochern, aber alles in allem ein ganz wundervoller Film, ein bisschen naiv in der einen oder anderen Ausgestaltung. Ja. Aber, aber wirklich wahnsinnig charmant und schön. Ja.
Florian Bayer: Selbstironisch, ganz wichtig, er ist naiv, aber er weiß es auch und er bringt immer dieses Augenzwinkern mit. Ja. Und er schafft es, Mord als leichtes Thema zu erzählen und man nimmt es ihm auch nicht übel. Ja. Murder, she said. 1650er Pettington, schaut ihn euch an. Toller Film, einfach ein Klassiker, das Murder Mystery, einer meiner liebsten Detektivfilme, würde ich sogar sagen. Wenn ich, wenn ich so nachdenke, wie gesagt, ich bin nicht der größte Detektivfilm-Fan, doch die Miss Marple-Filme werden, werden ganz oben in der Liste, wenn es um ganz klassische Murder Mystery Puzzle geht.
Johannes Franke: Schön, das freut mich. Vielen Dank, Melli, dass du uns das vorgeschlagen hast. Ja, danke, Melanie. Ja. Und dann werden wir jetzt eine Pause machen.
Florian Bayer: Und dann geht es weiter mit Adam Sandler. Andere Genre, anderer Schauspieler, anderes Prinzip von Film. Völlig andere Besprechungen. Bis gleich. So, läuft wieder. Ja. Welcome back. Das Tolle ist ja, dass wir uns vorher wirklich überhaupt nicht, bevor wir aufnehmen, darüber unterhalten, wie wir die Filme fanden. Und dass Johannes jetzt auch keine Ahnung hat, was ich zu diesem Film sagen werde. Und ich auch keine Ahnung, was Johannes sagen wird.
Johannes Franke: Und das Ding ist, wir können nicht davon ausgegangen gehen, dass der jeweils andere den vielleicht mag, weil er ihn vorgeschlagen hat. Sondern diesmal kommt der Film halt wirklich ganz von außen, von Melli. Und ich wusste vorher nicht genau, ob Melli uns ärgern will.
Florian Bayer: Ich auch nicht. Ich glaube aber, es wird in diesem Gespräch Überraschungen geben. Oh.
Johannes Franke: Jetzt bin ich gespannt. Ich muss ganz kurz dazu sagen, damit alle, ich brauche ganz viel Mitleid von außen. Meine Notizen wurden von Google Mail geschluckt. Das heißt, ich habe jetzt, ich werde jetzt frei improvisieren.
Florian Bayer: Kannst du nachher im Podcast, wenn du das zusammenschneidest, so ein Stock Audio von Mitleid zur Audience einspielen? Aber ich finde dieses Ohr noch schöner, wenn wir uns vorstellen, wir haben eine riesige Crowd und alle machen gleichzeitig Ohr wie in einer Sitcom. Okay, bei einer Late-Night-Show. Gut. Ja. Leg dich nicht mit Zohan an. Don't mess with the Zohan. Adam Sandler ist ein Phänomen. Obwohl er bei den Filmen seiner Produktionsfirma Happy Madison nie selbst Regie geführt hat, besitzen sie dank ihm doch gewisse Trademarks, die sie einzigartig machen in der amerikanischen Komödienlandschaft. Man kann es nicht anders sagen. Die Filme um den Komedien und Schauspieler bilden ein eigenes Genre. Adam-Sandler-Filme würde ich sie nennen, einfach weil mir nichts Besseres einfällt. Was vermutlich auch daran liegt, dass ab dem Genuss einer bestimmten Menge von Adam-Sandler-Filmen einfach zu viele Gehirnzellen abgestorben sind, um sich über Kategorien und Klassifikationen Gedanken zu machen. Adam-Sandler-Filme sind chaotische, infantile, bizarre und vor allem geschmacklose Komödien. Im Zentrum stehen exzentrische Figuren, sprachliche Verballhornungen und jede Menge vulgärer Humor ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten. Love it or leave it. In You Don't Mess With Sohan, with the Sohan, ganz wichtig der Artikel, aus dem Jahr 2008 spielt Sandler einen übermenschlichen israelischen Geheimagenten, der im Nahen Osten reihenhaft palästinensische Terroristen aufs Kreuz legt. Aber der von allen geliebte und gefürchtete Superheld träumt von einem anderen Leben. Er möchte Friseur sein. Und so faked er kurzerhand seinen eigenen Tod und setzt sich nach New York ab. Unter dem Namen Scrappy Coco, ja, wirklich, versucht er dort Anschluss an die Haar-Stylisten-Szene zu finden. Auch wenn sich dies durch seine anachronistische Unbedarftheit und seine unstillbare Libido als ganz schön schwere Aufgabe entpumpt. Also dann. Let's drink some fizzy Bubblech. Let's get silky smooth. Und vor allem Disco, Disco, Disco. Was denkst du über Sohan Johannes? Love it or leave it? Leave it.
Johannes Franke: Eindeutige Antwort, leave it. Ich hab nach 10 Minuten gedacht, ich ruf Melli an und sag, komm, wir machen was anderes. Es geht, oh nein, wirklich. Hast du schon andere Adam Sandler Filme gesehen? Ich hatte dann gedacht, die Antwort kommt gleich. Ich hatte gedacht, vielleicht sollten wir eine Top 50 schlechtesten Adam Sandler Filme machen. Und ich weiß nicht, ob der ganz vorne stehen würde, aber er ist einfach, ich, oh nein, nein, nein. Einfach zu viel, also ich kann ab und zu damit leben, dass jemand die Hose runterlässt und irgendeinen blöden Witz damit macht. Aber bitte nicht alle drei Minuten. Und dann auch noch immer der gleiche Gag mit meiner, ich kann meinen, meinen, meinen...
Florian Bayer: You don't are silky smooth. You have to be silky smooth to enjoy the Sohan. Silky smooth.
Johannes Franke: Willst du mit mir jetzt in den Hinterraum verschwinden?
Florian Bayer: Let's get silky smooth. Do you feel it? Bitte schneid mir vorher die Haare. In diesem Film gibt es sehr viele Szenen, in denen der Protagonist einfach nur seinen Penis an Menschen reibt. Also er hat eine Hose dabei an. Und sein Penis ist auch offensichtlich nicht ganz so groß, aber dafür ist der Busch besonders beeindruckend.
Johannes Franke: Warum? Was ist was? Okay, jetzt spannend. Wir lachen gerade wesentlich mehr, als ich beim Kucken gedacht habe. Ich habe beim Kucken wirklich nicht ein einziges Mal laut aufgelacht. Nicht ein einziges Mal. Ich war wirklich die ganze Zeit so, ah, nee, genervt davon. Die Hälfte davon, nee. Wie viele Adam Sandler Filme hast du schon gesehen, um nochmal auf die Frage zurückzukommen? Ich weiß nicht, ich habe Punch Drunk Love gesehen. Der zählt nicht. Genau, wollte gerade sagen, was ja nicht der Film ist, der zählt, sondern das sind ja diese ganzen anderen Sachen. Und ich glaube, ich habe ein, zwei gesehen, aber ich kenne Adam Sandler vor allem aus Interviews und wo alle immer ganz begeistert sind von ihm. Und ich kann es nicht nachvollziehen. Ich finde ihn privat irgendwie cool. Muss ich auch dazu sagen. Aber ich kann mit dem Film echt nichts anfangen. Okay, wie kannst du, jetzt klären wir das mal ganz kurz. Auf welcher Ebene reden wir jetzt gerade? Wo bist du bei diesem ganzen Game?
Florian Bayer: Du bist unentschieden. Adam Sandler hinterlässt mich immer sprachlos. Also, ich muss dazu sagen, ich habe viel zu viele Filme von ihm gesehen. Und, okay, was für Filme hast du von ihm gesehen? Das möchte ich jetzt wissen. Also, ich habe von ihm Billy Madison gesehen, den ich als Teenager wirklich lustig fand. Und ich glaube, der Film hat auch so einen kleinen Platz immer in meinem Herzen. Aber es ist ein Adam Sandler Film. Es ist total, also ich würde sagen, Billy Madison ist der beste Adam Sandler Film. Also zumindest, was meinen streitbaren Geschmack betrifft. Tabby Gilmore habe ich gesehen. Ich habe diesen schrecklichen Little Nicky gesehen, der mit so einer der schlimmsten Komödien war überhaupt. Den habe ich auch nicht, also genau, jetzt fängt es nämlich an. Jetzt sind wir in den 2000ern und da habe ich, die Filme habe ich alle nicht fertig geguckt. Also, Little Nicky habe ich partiell gesehen. Waterboy weiß ich, dass ich da mal reingesappt habe. Ich habe zu viele Szenen aus Jack und Chill gesehen, was wahrscheinlich das Schrecklichste ist, was mir je in meinem Leben widerfahren ist. Jack ist ein sehr privilegiertes Leben. Aber Adam Sandler ist voll geschmacklos. Adam Sandler haut voll auf die Kacke und es ist wirklich dumm. Und es ist auch in diesem Film, es ist ein dummer Humor. Es ist technisch, es ist einfach nur Trash. Ich habe zwischendurch einfach mal die Kamera gegoogelt, weil ich wissen wollte, was benutzt der für eine Kamera, um diese Bilder zu machen. Und habe dann schockiert festgestellt, dass die Kamera, die in dem Film benutzt wird, die Genesis von Panavision eigentlich eine High-End-Digitale Kamera ist, die viel benutzt wurde in der damaligen Zeit. Mittlerweile nicht mehr, aber die Anfang der 2000er benutzt wurde und auch wirklich bei größeren Filmprojekten ansehnliche Bilder gezaubert hat. Und ich verstehe nicht, wie man so mit eigentlich einer guten digitalen Kamera so ein mieses Bild hinkriegt.
Johannes Franke: Das hat was mit Colorgrading zu tun, wie man das gerne möchte. Du willst ja für Casablanca ein anderes Grading haben als für einen Comedy-Film, ist klar.
Florian Bayer: Ja, aber es ist so, also teilweise, ich bin wirklich kein Bildfetischist. Und es gibt einfach mal Bildfetischisten, die sich überrauschen, aufregen und die schwarzen Töne sind nicht cool getroffen und so. Aber bei diesem Film fand ich das Bild so kacke, dass ich wirklich nochmal gegoogelt habe, was für eine Kamera haben die benutzt, mit welchem Equipment haben die gearbeitet.
Johannes Franke: Und dann ... Also du kannst auf jeden Fall davon ausgehen, dass Adam Sandler Filme ausreichend Budget haben, um mindestens eine wirklich High-End-Kamera zu haben.
Florian Bayer: Ja, sie hat eine gute Kamera. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und das Bild ist einfach kacke. Das Bild ist halt einfach ...
Florian Bayer: Es rauscht an komischen Stellen, die Farbräume sind echt schlecht. Und zwar so, wie gesagt, so, dass es mir als nicht Technik-Fetischisten störend auffällt, dass ich google, welche Kamera wurde benutzt, was ist da mit dem Bild los. Teilweise wirken die Bewegungen ... Ich weiß nicht, was sie da gemacht haben, ob sie da irgendwie so Frames reingepackt haben, weil die Bewegungen wirken teilweise wirklich unnatürlich. In ein, zwei Action-Szenen, wo du das Gefühl hast, dass du merkst, dieses ... Das hat man teilweise in der Anfangszeit des digitalen Kinos. Diese Bewegungen, die irgendwie zu flüssig wirken. Wo man das Gefühl hat, sie haben Zwischenbilder berechnet oder so. Sie wirken ... Weißt du, was ich meine? Meinst du in beschleunigten Szenen? In beschleunigten Szenen, Action-Szenen. Und die Bilder wirkten so, als ob sie Zwischenbilder berechnet hätten. Das, was passiert beim Fernseher, wenn man sagt, let's make it silky smooth. Weil Fernseher haben ja diese True-Motion-Fähigkeiten manchmal. Und dann sieht das Bild einfach aus wie gute Zeiten, schlechte Zeiten, wo Zwischenbilder berechnet werden. Und das sieht dann unnatürlich aus, weil du merkst einfach, dass das digital komponiert ist und nicht das ist, was da wirklich passiert ist. Davon gab's einiges.
Johannes Franke: Also Katastrophe. Also ich geh mal davon aus, nur um das mal kurz zu erklären. Ich hab vorhin das Wort Color Grading benutzt. Mal kurz fürs Erklären für die Leute, die es nicht wissen. Ähm, Filme werden auf einer Kamera, wenn du sie live am Set aufnimmst, sind die Bilder erst mal sehr flach und grau. Da gibt's keine Kontraste drin. Die Farben sehen nicht aus, wie sie aussehen sollen. Und dann kann man mit diesem Bild, dadurch, dass es erst mal so flach aufgenommen wird, ohne große Kontraste und Farben, äh, sind die Informationen alle drin. Und kannst die dann entsprechend, wie du das im Nachhinein möchtest, äh, verändern. Das heißt, du haust dann die Kontraste rein, wie du willst. Äh, du haust dann die Farben rein, wie du willst. Und wenn du das alles aber vorher schon so festlegst und schon aufnimmst mit Farben und Kontrasten, kannst du es nicht mehr so gut ändern im Nachhinein. Deswegen wird das so gemacht. Ähm, und dann hat jeder Film dem Genre entsprechend eine andere, äh, Farbkomposition. Du gibst einem Horrorfilm meistens eher einen blauen Stich, dass du blaue, blauere Schatten hast und so, weil das alles ein bisschen düster und ein bisschen kühler wirkt dann. Und du hast bei romantischen Filmen meistens dann eher so ein sehr gelbes bis rotes Licht, was irgendwie die ganzen Bilder durchflutet. Das passiert aber alles im Nachhinein. Bei West Ednardson-Filmen ein Herbstbraun. Ja, genau. Das konsequent draufgeknatscht wird. Ja, genau. Äh, so fast schon Sepia. Ja. Und, ähm, das macht dann halt irgendwie den, das, das Gefühl des Films irgendwie auch aus. Und in diesem Film, es ist eine Komödie. Es ist halt wirklich so ein, so ein Eimer mit der Faust rein. Das ist schlecht. Und das ist, es ist nicht gut.
Florian Bayer: Es gibt genug Komödien aus der Zeit, die ein gutes Colorgrading haben und die ein gutes, die einen angenehmen, angenehmen Farbton haben, der, der einfach die, die Dramaturgie trifft. Und dieser Film wirkt so tatsächlich, als ob teilweise Kamera, Colorgrading und Schnitt nicht genau wussten, was sie machen sollten. Ich kann's mir nur vorstellen, dass daran liegt, weil Adam Sandler die ganze Zeit seinen Penis an sie gerieben hat, während sie, während sie gearbeitet haben. Aber ich, ähm, ich stottere die ganze Zeit mit diesem Aber rum. Ich muss dieses Aber rauskriegen. Okay, das ist wirklich schwer. Das ist dieses Aber. Aber bei all diesen Geschmacklosigkeiten, bei all dieser Träschigkeit, haben Sandler-Filme irgendwie so eine Art von herzhafter Naivität. Sie haben was, sie haben in ihrem Dilettantismus irgendwas, was sie besonders macht. Und man kann Adam Sandler viel vorwerfen. Aber seine Filme haben einen eigenen Ton und eine eigene Note. Und diese Note sagt auch, fuck it, ich kümmere mich nicht darum, was andere denken. Ich ziehe das jetzt einfach konsequent durch. Und offensichtlich finden das viele Leute geil. Weil Adam Sandler-Filme verkaufen sich.
Johannes Franke: Also, ich glaube, Adam Sandler ist einfach ein Romantiker. Ja, sehr gut. Da bin ich voll bei dir. Und ich glaube, das ist das, was sich in den Filmen niederschlägt als konsumierbarer, konsumierbarer, ja, als kleiner Haken hinter der Brutalität des Humors, der dann wieder nach oben, das Ganze wieder nach oben zieht, in so ein Stückchen. Aber diese Romantik hat halt so ganz seltsame Auswüchse. Das ist halt so, oh mein Gott, was ist los mit dir? Warum musst du eine Friseurin dahin, Friseurin, wie heißen die? Friseurin dahin stellen, die dann, die offensichtlich gar kein Problem damit hat, dass er die alten Damen da im Hinterzimmer noch vögelt. Und dass sie das irgendwie, dass sie sich auch in ihn verliebt hat irgendwie.
Florian Bayer: Es gibt eine Zehn-Minuten-Montage in diesem Film, in dem Sandler alten Damen die Haare schneidet und sie danach vernascht im Hinterzimmer.
Johannes Franke: Meine Güte. Das kann man in einer halben Minute erzählen. Aber nein, der Film muss auch jeden Gag wirklich ausmelken bis ins Letzte. Ich mag das ja. Ich mag ja auch, wenn man Gags wirklich reitet, bis sie tot sind und dann noch ein bisschen. Aber nicht auf diese Art irgendwie. Das ist nicht meins.
Florian Bayer: Das Traurige ist ja, Adam Sandler, ja, ich würde voll mitgehen. Er ist ein Romantiker. Aber Adam Sandler, weder er als Person, noch die Rollen, die er spielt, taugen zum Traurigen Clown. Ja. Und es gab die Traurigen Clowns in den 90ern. Zum Beispiel Ben Stiller, der kann das. Der hat auch geschmacklose Filme gemacht oder in geschmacklosen Filmen mitgespielt. Aber der hat als Trauriger Clown funktioniert, weil er einfach von seiner Physiognomie, von seinem Auftreten das mitbrachte. Und Adam Sandler spielt aber immer diese Typen, die bersten von Selbstvertrauen. Und die auch wirklich komplett drüber sind und einfach nur Nervensägen sind. Also ich meine, dieser Sohan ist auch keine Identifikationsfigur, weil er einfach mal ein Superheld ist, der Kugeln mit den Zähnen fängt.
Johannes Franke: Dieser Anfang ist da wirklich absurd. Ich weiß überhaupt nicht, wo ich mich festhalten soll. Natürlich kann ein Film mich in die Hand nehmen und sagen, komm, wir rennen jetzt los und dann ziehen wir dich durch die Stadt und rennen da einfach durch alle möglichen Actionsszenen. Aber ich brauche wenigstens irgendeine Hand, die mir gegeben wird, wo ich mich festhalten kann. Aber das gibt's einfach in dem Film nicht. Du bist halt reingeworfen.
Florian Bayer: Ja, total. Und du kriegst diese Person da hingeknallt und dann heißt es erst mal, jetzt musst du damit klarkommen, dass diese Person die nächsten 112 Minuten komplett präsent sein wird, diesen Film dominieren wird, die ganze Zeit quatschen wird, die ganze Zeit handeln wird.
Johannes Franke: Und ich kenne sein Vokabular nach den ersten 10 Minuten schon. Und ich weiß, das wird sich nicht ändern, das wird sich nicht bessern und es wird auch nichts Neues dazukommen.
Florian Bayer: Ich liebe Hummus. Und ich komme nicht aus Israel, ich liebe Hummus. Wenn ich aus Israel kommen würde, ich wäre so offended von diesen Klischees, die da entfaltet werden. Also Adam Sandlers Bild über Israel ist, dass sie die ganze Zeit Hummus fressen. Das ist so lazy. Weil natürlich, wenn du an Israel denkst, denkst du an Hummus und an Nahostkonflikt. Das ist so, wenn du nicht weiterdenken willst. Ja, und das sind die beiden Sachen, die wir nutzen. Und das war's. Das ist so faul, wie er das dann bis zum Exzess treibt. Und immer wieder, dieser Film steckt voller Hummuswitze. Das ist das Israel-Trademark in diesem Film, dass sie halt Hummus statt Kaffee trinken. Und dass sie mit Hummuskanonen aufeinander schießen. Und mit Hummus Feuer löschen.
Johannes Franke: Es ist, äh, äh, es gab diese eine Szene über den Nahostkonflikt, die ich gut fand. Was war das?
Florian Bayer: Ey, er löst den Nahostkonflikt, ne? Er sorgt am Schluss für Frieden zwischen Israel und Palästina. Zumindest in New York, in dieser tollen Mall, die er dann eröffnet. Wo die israelischen und die palästinensischen Geschäfte nebeneinander sind und sich alle vertragen.
Johannes Franke: Ähm, ähm, was, was, was war denn das? Ich weiß es nicht mehr. Es gab eine Stelle, wo ich gedacht habe, ja, jetzt könnte er Satire werden, die ich interessant finde. Aber er biegt wieder ab. Hey, ja, also politisch würde ich diesem Film nichts geben.
Florian Bayer: Danke. Gut, sehr gut. Also es ist auch, es ist noch nicht mal so, dass es irgendwie ein bösartig ideologisch verblendeter Blick wäre, sondern es ist einfach nur der dummste, der dümmste, naivste Blick auf den Nahostkonflikt, den man sich vorstellen kann. Mit den, äh, palästinensischen Terroristen, die dann gejagt werden von einem israelischen Superhelden. Und, aber, ja, und der Superheld will eigentlich Friseur werden. Und, äh, natürlich machen alle Witze drüber. Wie nennen sie es? Fagala? Dass er, ähm, schwul sein könnte, weil er gerne Friseur werden will. Und es ist tatsächlich dieses, er spielt mit dem Männlichkeitsideal. Ja, er macht das irgendwie. Er, er spielt irgendwie mit, mit der Vorstellung von Männlichkeit. Aber dann macht er aus seinem Charakter so eine ganz merkwürdige, anachronistische Testosteronbombe. Dieser Typ liest auch konsequent ein Friseurmagazin aus den 80ern. Und das sind die Frisuren, die er, die er deswegen schneidet. Und das ist auch die Art, wie er agiert. Er ist wie aus der Zeit gefallen. Er ist einfach so ein 80er Relikt.
Johannes Franke: Und, und wundert sich sehr über das Update dieser Zeitschrift, die ihm dann irgendwann geschenkt wird.
Florian Bayer: Genau, wo sind die guten Farben?
Johannes Franke: Ja, wo sind die ganzen guten Frisuren hin? Alles lame.
Florian Bayer: Und er hat auch, er hat dann seinen eigenen Sprachschatz, ne? Seinen eigenen Wortschatz. Und er redet konsequent so, wie sich ein Naivling vorstellt, wie in Israel geredet wird. Halt irgendwie so eine Mischung aus, ich kann's nicht mal beschreiben, was das sein soll. Das ist irgendwie so hebräischer Street-Slang, den es nicht gibt.
Johannes Franke: Den es nicht gibt, den überhaupt nicht. Also, ich kenn mich auch nicht aus. Aber ich kann mir das nicht vorstellen, was da passiert im Film.
Florian Bayer: Ich hab mich nicht getraut, in die deutsche Version reinzugucken. Hast du das gemacht?
Johannes Franke: Nee, hab ich nicht gemacht.
Florian Bayer: Offensichtlich, also, dass so Adam-Sandler-Filme stellen Synchronisationsstudios vor große Herausforderungen, natürlich. Ja. Weil er so viel mit der Sprache spielt. Also, spielen, spielen ist so, klingt so intelligent. Er spielt nicht intelligent mit der Sprache. Aber er macht viel mit der Sprache. Er häckselt sie einmal durch. Genau. Okay. Und im Deutschen versuchen sie das auch immer. Die deutschen Synchronisationen von Adam-Sandler-Filmen sind, glaub ich, noch mal so ein eigenes kleines Wunder. Okay. Weil sie ihm dann halt einfach mal so Kanak-Sprach-Slang geben oder so was. Ich weiß nicht mehr, in welchem Film die das gemacht haben. In einem oder zwei Filmen machen sie das, wo man sieht, sie versuchen irgendwie so ein Pendant zu finden zu diesem fahrgestückelten Englisch, was er benutzt. Und dann versuchen sie halt, das aus der deutschen Sprache irgendwie zu entnehmen. Und in diesem Film lassen sie ihn offensichtlich so ein bisschen jüdisch sprechen. Okay. Aber wie gesagt, ich hab's mir nicht angeguckt. Ich hab mich nicht getraut, weil es war auch so, es waren genug Gehirnzellen geschmolzen. Ich wollte jetzt nicht noch die Ideen des deutschen Synchronisationsstudios, das für Adam-Sandler-Filme verantwortlich ist, mit reinwerfen.
Johannes Franke: Es ist halt, also ich weiß nicht, ob man dann als Synchronisationsstudio einfach aufgibt oder versucht, als Scheiße noch Gold zu machen. Weißt du? Also entweder du bekommst es dann und guckst es an und denkst dir, äh, da kriegen wir nichts mehr draus gemacht. Es ist scheißegal, wir machen jetzt irgendwas. Oder du hast wirklich den Ehrgeiz und versuchst dann noch irgendwas reinzuinterpretieren, was da nicht da ist.
Florian Bayer: Ich glaub, die deutschen Synchronisationsstudios oder die deutschen Synchronisationen von Adam-Sandler-Filmen, die machen vielleicht irgendwie so ein bisschen beides. Weil ich mein, das ist totaler Trash. Ich kenn tatsächlich, das ist der erste Film von Adam-Sandler, den ich im Original geguckt habe. Und die sind halt wirklich schlecht, die Synchronisationen. Aber die packen natürlich noch einen drauf auf den Trash-Faktor. Und die Sprache von Adam-Sandler-Filmen ist irgendwie eine schlechte Sprache. Die lebt davon, dass es eine infantile und dumme Sprache ist. Ja. Und das passt dann halt irgendwie, dass die deutschen Synchros genau dasselbe machen. Und sie können es eigentlich nicht kaputt machen, weil es sowieso schon im Ansatz kaputt ist.
Johannes Franke: Mir ist mir eingefallen, welche Stelle ich gut fand. Also gut ist zu viel gesagt. Aber im Vergleich, ne? Du hast sofort, du läufst irgendwie schon seit einer Stunde durch diesen Film und dann hast du plötzlich eine Szene, wo du denkst, ah, guter Ansatz. Jetzt erzähl mal. Wo die Nachbarn, die verfeindeten Nachbarn sich gegenseitig beschuldigen. Hier, du hast meinen Laden angemalt und so. Und dann finden sie das gemeinsame Gesprächsthema. Die Frauen der Präsidenten, wie die so... Hillary. Ja. Das fand ich im Ansatz tatsächlich witzig, weil das irgendwie so ein... Weiß ich nicht, das hatte eine schöne Fallhöhe.
Florian Bayer: Da fand ich es eher witzig, wenn sie sich darüber unterhalten, dass sie gehasst werden und dann sagen die Israelis, dann sagen die Palästinenser, die Amerikaner hassen uns und dann sagen die Israelis, ja, uns hassen sie auch und wisst ihr auch warum, weil sie uns von euch halten.
Johannes Franke: Ja, genau, weil wir aussehen wie ihr. Ja. Ja. Also es gibt immer mal so einen Satz, der mal dazwischenkommt, wo ich denke, okay, da steckt ein bisschen Wahrheit drin. Aber das ist so selten. Es ist so selten. Und ich hab mich, als Mariah Carey auf diesem fucking Balkon stand oder was auch immer das war, ich weiß es nicht mehr, dachte ich, ich glaub, fall vom Glauben ab, was soll das?
Florian Bayer: Sie haben so viele große Namen.
Johannes Franke: Warum haben sie sie gekriegt?
Florian Bayer: Wie kann das denn sein? Sie haben eine Szene mit Kevin James und John McEnroe, wo sie sich darüber unterhalten, dass John McEnroe gehasst wurde während seiner Profi-Zeit als Tennisspieler. Sie haben Michael Buffer, let's get ready to rumble, als Hauptbösewicht. Und das, was sie ihm als Charaktermerkmal mitgeben, ist auch, dass er genau wie Michael Buffer redet. Michael Buffer ist der große Box-Kommentator, der irgendwie in den 90ern. jeden zweiten Kampf angesagt hat. Und den ich vor allem kenne als Anmoderator von The Gentleman, Henry Maske. Also, wer in den 90ern groß geworden ist, hat eventuell viel Boxen im Fernsehen geguckt, weil das war ja mal eine Zeit lang mit Henry Maske und Axel Schulz auch in Deutschland sehr, sehr populär als Sport. Und Michael Buffer hat so gefühlt jeden zweiten Profi-Kampf anmoderiert. Ich hab kein Gesicht im Kopf gehabt, aber die Stimme sofort, natürlich, klar. Und der spielt hier den Bösewichten. Und irgendwie ist das eine tolle Idee, ihn als Bösewicht zu besitzen. Und dann machen sie wieder so lazy. Einfach nur, sein Trademark ist halt einfach mal, dass er die ganze Zeit immer so Ansprachen macht und sagt, let's get ready. Wie das halt so ein Ringsprecher macht.
Johannes Franke: Ja, bisschen lame.
Florian Bayer: Aber das Ding, ich glaub, das Ding bei Adam-Sandler-Filmen ist, dass sie es schaffen, in den ersten fünf Minuten bei mir genug Gehirnzellen abzutöten, dass ich den Rest des Films in so einer Art Delirium auf eine schräge Art und Weise genießen kann. Und ich bin total genervt davon, ne? Ich hab auch danach Kopfschmerzen. Es gibt so einen Adam-Sandler-Kater, den ich dann habe. Aber irgendwas ist an Adam-Sandler sympathisch. Und ich glaub, es ist wirklich einmal diese I-don't-give-a-fuck-Attitüde. Und zum Zweiten, dass sein schwarzer Humor bei weitem nicht so bösartig ist wie bei vielen anderen Filmen. Dieses Ding, edgy-Humor. Das ist so ein Trend, der in den 90ern aufgekommen ist. Wir haben letzte Woche über Slapstick-Comedien, neue Slapstick-Comedien-Geredungen gesagt, dass die alle kacke sind. Weil die halt alle so edgy versuchen, edgy zu sein. Und mit Kaka und Pipi um sich werfen und Penisse an der Kamera vorbeischlängeln und so weiter. Das macht er auch alles. Aber bei ihm hat das irgendwie sowas Nettes, Naives. Er ist nicht so gehässig, er ist nicht so böse, sondern irgendwie, er hasst nicht die Welt, er hasst nur sein Publikum. Nein, er liebt sein Publikum. Er hasst nicht die Welt, er hasst auch nicht sein Publikum. Er hasst einfach das Medium.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Nein, er hat, glaube ich, wirklich gar keinen Hass dafür übrig. Ich glaube bloß, dass er die Welt trollen will. Und das war's. Ich glaube, er liebt die Welt zu sehr.
Florian Bayer: Ich glaube, er hat zu viel Liebe in sich. Und er kann diese Liebe nicht vernünftig äußern. Und deswegen äußert er sie in diesen merkwürdigen, bizarren Filmen.
Johannes Franke: Können wir bitte den Duden anschreiben, dass sie Sandler-Kater mit aufnehmen sollen? Es ist wirklich merkwürdig.
Florian Bayer: Es gibt so viele schlechte, geschmacklose Komödien in den letzten 30 Jahren. Ich mag die alle nicht. Diese Farelli-Brüder gehen noch einigermaßen, aber dann diese ganzen Scary-Movie-Klone. Und immer, wenn du merkst, so Filmmacher sagen, ey, ich scheiße auf politische Korrektheit und ich mach so richtig derben Humor, um zu zeigen, dass man über alles lachen darf, dann weißt du schon, das wird ein schlechter Film und er wird nicht lustig. Und Adam Sandler ist auch so. Also dieser Film, während leicht getriggert ist durch potenziellen Rassismus, Sexismus, Rape-Culture, whatever, wird in diesem Film ständig getriggert sein, weil dieser Film ist voll davon. Aber Sandler schafft es irgendwie dabei noch so eine, ich weiß es nicht, ich kann es wirklich nicht sagen, so eine Herzlichkeit, irgendwie so eine merkwürdige Naivität. Und die macht seine Filme bei aller Geschmacklosigkeit irgendwie angenehmer zu konsumieren als andere Komödien, die versuchen edgy zu sein. Ja, das stimmt schon. Der Film ist nicht gut, ne? Aber irgendwie tut es mir nicht leid, den Film gesehen zu haben.
Johannes Franke: Oh, ich weiß nicht, ich weiß nicht. Ich hab schon irgendwie das Gefühl gehabt, ich weiß, nach zehn Minuten, wie gesagt, wollte ich ausmachen, dann hab ich gedacht, ich muss weitergucken, weil wir haben es versprochen. Und dann, und dieses Gefühl hatte ich alle, alle 20 Minuten oder so wieder, weißt du, wieder gedacht, nee, eigentlich jetzt musst du echt abschalten.
Florian Bayer: Es gibt wahrscheinlich so wie diese, diese, diese, diese Seven Steps of Grief, gibt wahrscheinlich so eine Seven Steps of Adam Sandler Jokes. Zum Beispiel, also typisch finde ich, ist diese Hacky-Sack-Szene mit der Katze. Oh mein Gott. Die erste Reaktion ist, what the fuck? Denn die zweite Reaktion ist, ach so. Und die dritte Reaktion ist dann, Moment, das ist hilarious. Nein, bis zur dritten Stufe bin ich nicht gekommen. Sie spielen einfach mal im Wohnzimmer, während sie sich unterhalten, während sie Pläne spielen, Hacky-Sack mit einer Katze.
Johannes Franke: Was hat dieser Film mit Katzen? Was soll das? Das ist nicht nur der Hacky-Sack, dieses Hacky-Sack-Szene. Sie haben das öfter mal, dass die Katzen einfach in der Gegend rumschmeißen oder sie anpinkeln oder ihnen, weiß ich nicht. Es gibt so viele Sachen mit Katzen, das tut mir so leid.
Florian Bayer: Oder dann diese Szene, wenn der Bösewicht, das Phantom, übrigens gespielt von John Turturro, der ein toller Schauspieler ist, sich vorbereitet auf den finalen Kampf gegen Adam Sandler, gegen Sohan. Weil er irgendwann feststellt, oh, Sohan ist in New York. So ein paar befreundete palästinensische Terroristen sagen ihm das dann halt. Und dann kommt er nach New York, um sich mit ihm anzulegen. Und dann bereitet er sich darauf vor. Und dann gibt es eine Rocky-Montage, inklusive Rocky-Musik. Erste Reaktion, oh nee. Zweite Reaktion, oh man, das ist lame. Dritte Reaktion, hört endlich auf mit dieser Szene. Vierte Reaktion, diese Szene geht viel zu lange. Fünfte Szene, ah, jetzt hab ich's. Okay, cool, mach weiter.
Johannes Franke: Ja, wenn man den Gag lang genug durchzieht. Aber weißt du, irgendwie hat dieser Film einfach dann das Stockholm-Syndrom einmal getriggert. Total, absolut.
Florian Bayer: Adam Sandler-Filme lösen bei mir ein Stockholm-Syndrom aus. Auf jeden Fall. Und ich kann mich dann ab einem gewissen Punkt nicht dagegen wehren. Und ich weiß, dass es ist, ich kann's nicht sagen. Und so ging's mir mit Happy Gilmore. Und so ging's mir mit Billy Madison. Und so ging's mir auch mit diesem Film. Und deswegen würde ich sagen, das sind die drei besten Adam Sandler-Movies aller Zeiten. Und die sind alle drei nicht besonders gut.
Johannes Franke: Es gibt noch eine Szene, wo ich auch noch ein bisschen gedacht habe, jetzt könnten sie da was wirklich draus machen. Wo sie diese Hotline anrufen. Und die Hotline, die Ansage ist, tut mir leid, wir sind gerade nicht im Service, weil die Friedensverhandlungen gerade herrschen. Und sobald die Friedensverhandlungen wieder abgebrochen sind, sind wir wieder für sie da.
Florian Bayer: Und dann auch, wenn diese drei Terroristen so ganz sneaky Zeug für eine Bombe kaufen, dann gehen sie in diese Apotheke und sagen, ey, wir brauchen das und das.
Johannes Franke: Wenn Filme nur darauf basieren, dass Leute dumm sind. Was will ich mir den Film angucken?
Florian Bayer: Übrigens, es gibt einen ganz tollen Film mit Terroristen. Und ich weiß gerade nicht mehr, wie der heißt. Ich glaube, irgendwas mit Laien. The Lion Sleeps Tonight. Moment. Four Lions aus dem Jahr 2010 über vier, ich weiß nicht, ob es palästinensische Terroristen, aber es sind auf jeden Fall Dschihadisten in London, die einen Attentat planen. Auch ein total geschmackloser Film. Toller Film. Kann ich nur empfehlen. Also, wenn man besseren Filmen sehen will zum Thema, was motiviert Terroristen und wie funktionieren Terroristen aus dem Nahen Osten, sollte man sich diesen Film anschauen. Okay. Wenn wir gerade bei allgemeinen Filmen sind, können wir eigentlich auch unsere Top 3 einbauen. Ja, das sind unsere Top 3 auch im Bauen. Was hatten wir? Ah ja, genau. Dieser Film ist so random. Deswegen wollte ich auch eine random Top 3. Top 3! Top 3!
Johannes Franke: Frisuren! Frisuren im Film. Was hast du dir dabei gedacht? Was soll denn das?
Florian Bayer: Ich war noch, und immer noch, Gehirnzellen und Adam Sandler. Und ich dachte, okay, es ist einfach, dieser Film ist so random. Ich hätte auch drei Szenen, in denen Katzen gequält werden, nehmen können. Hatten wir jetzt die zweite große Katzenquäl-Szene? Weil wir hatten doch 1900 vor kurzem, wo diese Katze von den Faschisten gequält wird. Oh ja. Fuck, man. Adam Sandler macht das sympathischer als die italienischen Faschisten. Ja, Hacky-Sack ist schöner. Ja. Adam Sandler quält Katzen nicht so schlimm wie italienische Faschisten.
Johannes Franke: Ja, das liegt aber vielleicht auch daran, dass man ganz, ganz, ganz eindeutig sieht, dass diese Katze animiert da reingebaut wurde. Und das ist, die ist so schlecht da drin.
Florian Bayer: Aber sie haben auch Spaß damit, ne? Sie spielen das echt ganz gut. Und der eine kann es nicht so gut, dieser Michael, bei dem er wohnt.
Johannes Franke: Und dann feiern sie ihn voll, wenn das einmal hinkriegt. Oh Mann. Okay, Top drei Frisuren in der Filmgeschichte. Ich hab sogar vier. Du hast vier? Ich hab sehr viele aufgeschrieben. Du hast sehr viele? Weil ich immer, weil ich gedacht habe, wow, es gibt wirklich ikonische Frisuren. Ja, definitiv. Ich war völlig überrascht. Ich hab erst gedacht, das ist eine total bescheuerte Liste. Aber eigentlich? Das sind ein paar gute Sachen. Ich fang du mal an. Meine Liste ist so kommentiert.
Florian Bayer: Ach so, nee, ich muss anfangen.
Johannes Franke: Ich hab sehr viele Honorable Mentions und ich verteile die Plätze eigentlich nur danach, welche meinen Filmgeschmack am nächsten, am besten treffen. Aber ich, ganz, ganz ikonisch ist halt John Travolta's Frisur in Grease. Also, weißt du, solche Sachen. Ja. Oder bei Pretty Woman, Julia Roberts.
Florian Bayer: Locken.
Johannes Franke: Diese Locken, dieser Lockenkopf, das ist halt wirklich, das ist ein ikonischer Moment der Filmgeschichte eigentlich.
Florian Bayer: Ich weiß noch, als ich Pretty Woman zum ersten Mal gesehen habe, da war ich eigentlich viel zu jung für diesen Film. Ah. Und ich hatte so dieses Plakat im Kopf und hab ein paar Bilder gesehen. Und dann war ich voll enttäuscht, als sie am Anfang auftauchten, dann hat sie so eine blonde Perücke auf. So eine komische Bob-Perücke halt als Prostituierte auf der Straße. Und ich dachte nur, nein, ich hab ein Plakat mit einer Lockenpracht gesehen. Und was ist das jetzt?
Johannes Franke: Tja. Bedürgen. Ja, sie nimmt sie ja recht schnell ab.
Florian Bayer: Ich hab eine Honorable Mention und das ist einfach mal, das sind die doppelten Bands von Prinzessin Leia aus Star Wars. Die hab ich in meiner Liste.
Johannes Franke: Tut mir leid. Man nur. Ist wenigstens auf der Nummer drei? Nein, die sind, die sind immer weiter oben. Oh, tut mir leid. Dann fliegt er jetzt raus. Okay. Und ich hab ja genug. Ich hab ja noch sehr viele. Bring it, bring it. Wie ich so ansagen würde. Okay, auf Platz drei bei mir, Trommelwirbel. Morticia Adams. Oh, ja, toll. Eigentlich die ganze Adams-Family, aber Morticia Adams. Ganz, ganz toll. Das ist so eine ganze Generation. Also entweder war es eben Morticia Adams, je nachdem, wer alt man war. Oder wer die Identifikationsfigur war. Oder Wednesday Adams. Auch eine Frisur, die einfach sehr ikonisch wurde.
Florian Bayer: Mein Platz drei ist auch aus der Adams-Family und komplett andere Ecke. Fetter it. Der einfach nur aus Haaren besteht. Schön. Sehr schön.
Johannes Franke: Und die Beatles-Frisur ins Extreme treibt. Toll. Ja, genau. Also ich glaube, dass die Adams-Family einfach insgesamt bei ganz vielen Ebenen sehr ikonisch wurde.
Florian Bayer: Und du magst auch den 90er-Film, oder? Ja. Ja, gut. Weil ich habe kurz überlegt, ob du von der klassischen Serie redest. Weil davon habe ich tatsächlich nicht viel geguckt. Und ich habe ein bisschen was davon gesehen und fand es auch ganz cool. Ich fand bei der klassischen Serie die Monsters immer besser. Es gab ja dieses große Duell Monsters gegen Adams-Family. Stimmt, ja. Und die beiden Serien wurden, soweit ich weiß, parallel produziert. Und wenn, dann ist es sogar so, dass die Adams-Family das plagiiert hat. Aber ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, es war einfach nur Zufall. Und einfach zwei unterschiedliche TV-Sender kamen zur gleichen Zeit auf die gleiche Idee. Hm. Aber ich mochte immer eher die Monsters als Serie. Und bei Adams-Family reicht meine Nostalgie eher nur bis zum Film. Der aber ganz toll ist mit Roy Lulia als Gomez und Angelica Houston als Morticia. Und die großartige, von der hat man schon lange nichts mehr gehört. Wednesday Adams wird gespielt von ...
Johannes Franke: Oh Gott, mir fällt der Name gerade nicht ein.
Florian Bayer: Aber eine ganz tolle Schauspielerin. Auch nachher, nachdem sie als Kind gespielt hat, viel, viel, viel, viel, viel, viel ...
Johannes Franke: Ganz viel. Macht auch noch ganz viel. Also, soweit ich das weiß. Macht sie immer noch? Ja, ich glaube schon.
Florian Bayer: Ah, ich ...
Johannes Franke: Nicht?
Florian Bayer: Nee, kann gut sein. Du bist der Researcher? Ja, ich bin der Researcher. Und ich ... Christina Ritchie. Ja, genau. Die in den beiden Adams-Family-Filmen die Wednesday gespielt hat. Und danach in unzähligen Filmen großartige Sachen gespielt hat.
Johannes Franke: Die auch immer dieses Kind-Image so wahnsinnig lange mit sich rumgeschleppt hat. Ich weiß nicht, ob das inzwischen noch so ist. Aber sie hat wahnsinnig viele Rollen, wo sie so Kindfrau ist.
Florian Bayer: Sie spielt bis heute, du hast vollkommen recht. Und sie hat sich so ein bisschen freigeschlagen. Also, Black Snake Moan wäre der Film, dem ja ist es einfällt, wo sie wirklich so komplett atypisch hart und dreckig. Und kaputt gespielt hat. Ja. Aber Adams-Family auf jeden Fall. Wenn's um Frisuren geht, Adams-Family definitiv.
Johannes Franke: Okay. Das heißt, unsere beiden dritten Plätze waren bei der Adams-Family. Mein zweiter Platz, bevor ich den sage, möchte ich noch eine Anerogenmenschen untertrenge. Eraserhead. Den hast du ... Das ist deine Rache.
Florian Bayer: Das sagst du nur, um dich zu rächen, weil ich Prinzessin Leia habe.
Johannes Franke: Das heißt, du hast den in der Liste.
Florian Bayer: Eraserhead ist mein Platz eins.
Johannes Franke: Nein, wirklich?
Florian Bayer: Ich liebe diese Frisur. Und diese Frisur passt perfekt zu diesem Film. David Lynch. David Lynch. Eraserhead.
Johannes Franke: Oh. Nein, also ich finde aber, dass der nur zur Honorable Mention reicht. Also ...
Florian Bayer: Ich finde, diese Frisur passt so perfekt zu diesem hilflosen, verlorenen Protagonisten, der einfach in ein Albtraum-Szenario geworfen wurde. Eraserhead, richtig die Bibel von David Lynch 1977. Und er muss sich um ein entstelltes Baby kümmern und hat dann krasse Albträume und sieht die ganze Zeit einfach mal abgefuckt aus, weil er seine riesige Tolle hat. Und aus Locken, die wild nach oben stehen.
Johannes Franke: Ja, wo ich an Doc denken muss, an Zirken in die Zukunft, der verrückte ... Emmett Brown. Ja, Emmett Brown. Nein, dann würde ich meinen Platz zwei einmal ... Ah, jetzt bin ich mir jeder nicht ganz sicher, ob ich das ... Platz zwei ist geteilt. Okay. Zwischen Cruella de Vil. Ja. Die schwarz-weiß Frisur hat. Und Mila Jojo Jovovich in The Fifth Element.
Florian Bayer: Ah, die hat so ...
Johannes Franke: Die hat rote Haare, so leicht Dread-artig, aber ... Oh, ja. Ganz, ganz ... Sofort wiedererkennbare Frisur. Coole Frisur, ja. Ja. Ziemlich cool.
Florian Bayer: Mein Platz zwei ist ... Der Goblin King aus Labyrinth, David Bowie. Oh, wie großartig. Was für eine geile Frisur. Sie hat einfach ... Alles, was es für eine geile Frisur in den 80ern braucht. Fokuhila mit Spiky und Strähnig und wild durcheinander. Und dann passt perfekt zu dieser Magierfigur. Dass ich da nicht drauf gekommen bin.
Johannes Franke: Ich, der ich David Bowie so verehre. Das ist unglaublich. Krass. Okay, das ist dein Platz zwei gewesen. Okay, mein Platz eins ... Ich mache in dem Minimopel ... Frühstück bei Tiffany. Ja. Weil das einfach ... Das ist modisch, einfach ikonisch geworden, wie sie da ... Es gibt so dieses eine Bild, wo sie vor diesem Schaufenster steht, was auch immer ganz viel Plakate benutzt wird und so. Und da hat sie diese Frisur. Diese Hochsteckfrisur. Diese Hochsteckfrisur, die wirklich toll aussieht. Und die wirklich sie so in ihrer ganzen ikonografischen Gänze ... Ja.
Florian Bayer: Let's get silky smooth.
Johannes Franke: Ich kriege diesen komischen Akzent, den er da hat, leider nicht hin. Ja, ich versuch's gar nicht jetzt. Ja, das heißt, wir sind, weil du deinen Platz eins schon verraten hast, Eraserhead, sind wir wieder zurück im Film.
Florian Bayer: Ja, wir müssen wieder über Adam Sandler reden, tut mir leid. Oh Gott, nein. Ich überleg grad, ich glaub, ich hab die wirklich witzigsten Szenen, die ich wirklich witzig fand, hab ich schon genannt. Und es ist immer dasselbe Konzept, wie gesagt, erst so what the fuck, dann so ... Also auch wirklich Verblüffung und Irritation. Und dann irgendwie arrangier ich mich damit und kann dann mit diesem Witz leben. Und dann plötzlich wird er gut. Also, ich fand das Hacky-Sack-Spiel mit der Katze, ganz ehrlich, ich fand das voll witzig. Vielleicht die witzigste Szene der Filmgeschichte. Moment, Flora. Willst du dich prügeln? Auch diese POV von dem Taxifahrer, als er ihn wiedererkennt und wir sehen, wie er die Ziege des Bauern klaut. Ja. Großartig, also so cinematografisch. Ich hab ja schon viel jetzt über die Kamera gelästert, aber da haben wir diese tolle POV und wir sind drin im Geschehen. Wir spüren auch den Verlust der Ziege. Und wir leiden mit diesem Bauern und verstehen plötzlich all seinen Schmerz und seinen Hass. Wir können nichts davon ernst nehmen, Flora. Nichts. Nichts. Auch ganz toll. Sohan als Kinderfriseur. Großartig. Er weiß, wie man mit Kindern angeht.
Johannes Franke: Okay, okay, okay, das muss ich zugeben. Das war echt ganz nice. Weil man auch den Gag gar nicht so kommen sieht, wie man hätte kommen sehen können. Weil er es schafft, bis kurz bevor es aus dem Ruder läuft, noch tatsächlich gut zu sein. Er geht an dieses Kind ran und sagt ganz kindgerecht, total schön, du, das wäre jetzt nicht so schön, wenn du dich so viel bewegst, weil die Frau muss ja auch ihre Arbeit machen und es wäre doch toll, wenn du jetzt, weil sonst wird deine Schlagader getroffen und du wirst immer jämmerlich verbluten und all das Blut wird hier im Raum rumspritzen oder sowas in der Art. Es ist, ja.
Florian Bayer: Und natürlich müssen wir immer dran denken, im tiefsten Herzen ist dieser Film eine Liebesgeschichte zwischen einem israelischen Heimagenten und einer palästinensischen Friseurin, die zudem noch die Schwester des Erzfeindes, des höchsten Terroristen überhaupt ist. Und eine Liebe, die trotz aller Umwidrigkeiten funktioniert. Und am Schluss gibt es die Versöhnung. Und am Schluss hat Adam Sandler einfach mal das Rezept raus, wie wir Frieden im Nahen Osten besorgen. Wir brauchen einfach einen anderen Gegner. Und das ist in diesem Fall der Michael Buffer, der fiese Kapitalist, der die ganzen Israelis und Palästinenser aus ihren Lokalen vertreiben will.
Johannes Franke: Also es ist ja schon so, dass man, wenn man im Film drinsteckt dann und einfach sich dem Stockholm-Syndrom ergibt, dass man dann diese Romantik tatsächlich irgendwie mitspürt, die er da versucht zu verbreiten. Mit der Friseuse, die irgendwie, die, ich weiß nicht, die mir natürlich die ganze Zeit viel zu wenig Widerspruch leistet und sagt, what the fuck, kannst du mal bitte aufhören mit dem Scheiß?
Florian Bayer: Jetzt hör endlich auf deinen Penis an meinen Gästen zu reiben.
Johannes Franke: Also es ist, also man muss ja nicht nur sagen, bitte hör auf damit, sondern eigentlich müsste man sagen, Kollegin, kannst du bitte die Polizei rufen und diesen Typen abholen lassen. Der gehört bitte lebenslang hinter Gittern. Und dann verliebt sie sich auch noch in ihn. What the fuck? Weil sie, weil er vor ihr steht und ihr sagt, mein Pipi funktioniert nicht mehr. Ja, aber sein Pipi funktioniert ja nicht mehr, weil er sich in sie verliebt hat.
Florian Bayer: Ja, und das ist das größte Kompliment, was man dieser Frau machen kann. Er kann seine alten, seine alten Kundinnen nicht mehr beglücken, weil er sich verliebt hat. Und sein Penis hat sich ausgesucht, das ist die einzig wahre. Das ist die große Liebe. Und ab sofort fügelst du nur noch sie. Genau, und er hat das, ja, der hat das, ja, ja. Das ist ganz toll. Wenn man tiefer reingeht, dann wird es eine unglaublich schöne Botschaft. Immer dümmer. Ja, genau. Übrigens, die erste Fassung des Drehbuchs wurde 2000 geschrieben. Ja. Und aufgrund der Anschläge vom 1. September 2001 wurde das Projekt dann mehrere Jahre zurückgestellt. Halten wir das mal Adam Sandler zugute, dass er das gemacht hat. Ich weiß nicht, ob es Adam Sandler war. Also, er hat das nicht produziert und er hat es auch nicht geschrieben. Doch, doch, doch. Das ist Adam Sandler Produktion. Das ist ein Happy Madison Film und das ist durch und durch Adam Sandler. Der hat das nicht geschrieben, der hat nicht Regie geführt, aber offensichtlich klatscht man auf so einen Film Adam Sandler drauf und dann wird es ein Adam Sandler Film. Okay. Das ist auch vom Humor und von der Art, wie von dieser Mischung aus Naivität und bemüht, political uncorrect und irgendwie dreist und edgy und derb und so ist es genau wie seine anderen Komödien. Also, es ist, ich weiß nicht genau, wie das funktioniert da, wenn Happy Madison was produziert, aber offensichtlich sagen sie dann, sagt Adam Sandler dann, weil Happy Madison ist einfach Adam Sandler, wir machen jetzt einen neuen Film, ich brauche irgendeinen Regisseur, der geschmacklose Filme macht. Ah, Dennis Dugan. Die haben schon ganz viel mit einem zusammengearbeitet. Genau. Mit dir habe ich doch schon ganz viel gearbeitet. Hey, du warst dreimal für die Goldene Himbeere nominiert. Ich auch. Lass uns zusammenarbeiten.
Johannes Franke: Das ist doch ein Qualitätsmerkmal,
Florian Bayer: der Mann. Dennis Dugan, ich mag seinen Debütfilm tatsächlich, so ein Satansbraten, das auch ein furchtbar schlechter Film ist eigentlich. Aber das war auch mit Adam Sandler, Nein, nein, nein, nein. Nicht? War das nicht der? Nein, so ein Satansbraten ist mit John Ritter als Vater und mit so einem kleinen, rothaarigen Kind, das wirklich böse ist und irgendwie so eine Mischung aus das Omen und der Komödie. Ich bin mir sicher, dass ich ihn gesehen habe. Aber ich glaube wirklich, jeder, der in den 90ern groß geworden ist, hat ihn irgendwann mal auf RTL abends gesehen. Genau das könnte es sein, ja. Das ist so Kevin allein so aus auf Steroiden. Ah ja, ja, ja. Und ja, es ist einfach so ein Sandler, oh Gott, Klick war schlimm. Das ist so ein Film, den ich nach fünf Minuten, glaube ich, ausgemacht habe und auch nur so zwischendrin reingesappt habe. Ja, eigentlich habe ich zwei Filme von Adam Sandler neben dem jetzt komplett geguckt, als ich jünger war. Und jetzt habe ich drei gesehen, jetzt kann ich noch mal sagen, ja, ich glaube, es gibt eine spezifische Adam Sandler Mixtur und sobald du Adam Sandler auf so einen Film draufklatscht, der von seiner Produktionsfirma ist, dann wird es irgendwie in so ein Sandwich genommen, dieser Film und wird zerquetscht zwischen den Ansprüchen von Happy Medicine Productions und Adam Sandler und herauskommt halt so ein Film. Weil Adam Sandler kann auch anders, ne? Es gibt zwei richtig gute Filme von ihm. Punch Drunk Love schon gesagt, genau, ja. Der von Paul Thomas Anderson ist. Ja, der war gut. Und auch ein super Film, Funny People aus dem Jahr 2009, der lief aber in Deutschland und hat einen komplett anderen Titel. Deswegen muss ich einmal kurz googeln, damit deutsche Zuschauer, den Zuhörer den Film auch finden. In Funny People spielt Adam Sandler einen alten Comedian, der ein Jahr nach Sohan wurde der Film gemacht, der herausfindet, dass er an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Wie das Leben so spielt, ist der deutsche Titel. Kein geiler Titel. Und Seth Rogen spielt eine Art Assistenten von ihm in diesem Film. Und das ist ein ... Und diese ganze Rogen-Klicke spielt auch mit. Also Jonah Hill ist auch dabei. Und das ist ein ... Der hat gar nicht so gut abgeschnitten bei der Kritik, aber es ist ein wirklich überraschend guter Film. Und Adam Sandler ist kein guter Schauspieler, auch in den Filmen, die gut sind mit ihm. Finde ich jetzt nicht, dass man sagen kann, wow, was dieser Film aus ihm herausholt. Bei Punch Drunk Love
Johannes Franke: fand ich tatsächlich, war ich ein bisschen beeindruckt, muss ich sagen. Ja, ich ... Aber vielleicht auch wegen des Kontextes. Weil man erwartet von ihm nichts und dann ist man plötzlich so in so was Ernstem.
Florian Bayer: Aber was bei Sohan tatsächlich überraschend ist, er ist nicht so cholerisch. Normalerweise ist Sandler in seinen Filmen immer viel cholerischer und hat so komische Wutausbrüche. Deswegen wurde in Punch Drunk Love dann ja auch seinen Charakter so auf cholerisch geschrieben, weil das einfach aus seinen Komödien bekannt ist. Dass er einfach plötzlich so Anfälle hat und rumschreit und irgendwas kaputt haut, ohne er sich dienen konnte. Das ist in Sohan nicht so interessant. Vielleicht haben wir ja Sohan auch falsch eingeschätzt. Vielleicht ist es ein 180-Grad-Schwenk weg von dem typischen Sandler hin zu einem einfach nur noch entspannt dummen und nicht mehr cholerisch dummen.
Johannes Franke: Ja, das ist eine komplette 180-Grad-Drehung von dumm zu dumm. Ja, so. Jetzt eine ganz kurze Schelte an Melli. Melli, warum? Bitte nicht. Warum? Warum hast du mir das angetan? Plur scheint ja einigermaßen begeistert gewesen zu sein. Aber ich? Nein, nein. Wenn der Kater vorbei und das Stockholm-Syndrom
Florian Bayer: überwunden ist, werde ich fluchen für das, was ich gerade gesagt habe, um Adam Sandler hier zu verteidigen.
Johannes Franke: Okay. Hast du noch irgendwas, was du hervorheben möchtest bei diesem Film? Oder war es das im Grunde schon?
Florian Bayer: Nee, ich glaube, das war es. Das war wie immer bei Sandler irgendwie schmerzhaft, irgendwie ein merkwürdiges Erlebnis und ein wirklich kein guter Film. Also technisch, inhaltlich, dramaturgisch.
Johannes Franke: Ja, es gibt irgendwie...
Florian Bayer: Kein guter Film, wirklich trash, aber irgendwie auf eine merkwürdige Art und Weise an manchen Punkten sau unterhaltsam. Und das meine ich jetzt wirklich ganz ohne Ironie. Ich musste lachen. Ich musste an mehreren Stellen lachen. Und dazu gehört auch diese Szene, wenn sie mit der Katze Hacky-Sack spielen. Keine Ahnung warum. Ich meine, sie spielen einfach mal mit einer Katze Hacky-Sack. Das war großartig.
Johannes Franke: Ich glaube, das ist mir während des Films auch aufgefallen. Es gibt immer mal wieder Gags, wie vielleicht das mit der Katze auch. Das mit der Katze kann ich nicht beurteilen, weil ich da schon so weit weg war, dass es mich nicht mehr erreicht hat. Aber isoliert, in einem anderen Kontext, wären manche Sachen wirklich auch zum Lachen gewesen. Aber ich hab's nicht mehr... Also mein Lachimpuls war schon so runtergerutscht runtergerutscht in meinen Magen, in meinen Darm, das ja nicht mehr hochkam. So.
Florian Bayer: Meine kontroverse Meinung. Du bist ein absoluter Filmsnob und würdest du in einem Mel Brooks-Film mit einer Katze Hacky-Sack gespielt werden,
Johannes Franke: würdest du dich kaputt lachen. Aber genau das meine ich gerade. Ja. Weil ich glaube, genau solche Momente könnten witzig sein. Wenn der Rest distinguiert klappt.
Florian Bayer: Der Rahmen ist einfach zu krass. Und es ist... Es ist wirklich... Adam Sandler... Es ist, wenn man Adam Sandler-Filme mag, dann wird man diesen Film auch mögen. Und ich glaube auch tatsächlich, dass er zu den besseren Adam Sandler-Filmen gehört. Ist das etwas Trauriges? Nein, ich hatte bei diesem Film nicht so krass das Bedürfnis, ihn auszuschalten, wie bei Click oder Little... Oh, Little Nicky. Oh, Jack and Chill. In der Doppelrolle Adam Sandler als Jack und seine Schwester Chill. Nein. Und Al Pacino spielt sich selbst, der sich in Chill verliebt. Warum zur Hölle haben die Al Pacino bekommen? Der kriegt immer diese Leute. Was ist da los? Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Was ich am Anfang von der Review gesagt habe, ich weiß es einfach nicht. Ihr erlebt mich sprachlos, was ich in einem Podcast nicht sein sollte. Adam Sandler. Love it or leave it.
Johannes Franke: Was ihr nicht wisst, wir haben zwei Stunden schweigend vorher da gesessen. Danke, dass du das zusammengeschnitten hast.
Florian Bayer: Ich hoffe, du schneidest auch meinen Tränenausbruch raus. Ich weiß noch nicht.
Johannes Franke: Vielleicht. Kommt drauf an, was du zu bieten hast. Bitte lernen, Haare zu schneiden.
Florian Bayer: Ich schneide raus und schneide auch raus, wie du die Küche kurz und klein geschlagen hast. Einfach in einem komischen Wutanfall, weil ich wieder die Heckesektion erwähnt habe.
Johannes Franke: Ja, ich werde sie wieder aufbauen müssen. Aber das erst nächste Woche. Ja. Okay. Ja, Plor, liebe Zuschauer, bleibt noch dran, wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche kommt. Und bis dahin bedanke ich mich bei dir, Plor, dass du es geschafft hast, durch diesen Film durchzukommen. Ich danke mir, dass ich es geschafft habe, durch diesen Film durchzukommen. Ich danke Melli, dass sie uns diese Filme aufgedrückt hat und möchte jeden Zuschauer dazu, zu Hörer dazu anhalten, uns zu schreiben.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Und uns Filmempfehlungen zu geben und uns auch gerne zu quälen. Dann ist das halt mal so eine Folge.
Florian Bayer: Wir lassen uns offensichtlich gerne quälen. Wir haben beide eine marzuchistische Ader, das hat sich heute gezeigt. Ja. Danke, Melanie, dass du uns die Möglichkeit gegeben hast, die auszuleben. Danke für die Filmvorschläge und vielen Dank, Johannes, für die Episode. Vielen Dank, Plor. Bis zum nächsten Mal. Ciao. Ciao.
Johannes Franke: Plor, wir haben es schon wieder nicht eigentlich eingebaut. Was hast du denn? Du hast doch fürs nächste Mal bestimmt schon wieder was für mich.
Florian Bayer: Natürlich, wie immer. Schon während der Episode denke ich eigentlich drüber nach, was ich das nächste Mal machen will. Und zwar dieses Mal, weil wir hatten ja jetzt wirklich den ältesten Film mit Dick und Doof. Das war 1940.
Johannes Franke: Hatten wir nichts, was schon früher war? Hatten wir schon was Früheres? War nicht von Chaplin der Film Stückchen früher? Nee, wir hatten von Chaplin ja Monsieur Verdun. Ja, stimmt. Monsieur Verdun war ja irgendwie in den 40ern.
Florian Bayer: Ich will richtig weit zurückreisen.
Johannes Franke: Okay, ich bin gespannt.
Florian Bayer: In die Frühzeit des Films. Also das ist ein bisschen viel gesagt, aber in ein... 1889. Nicht ganz so früh Zeit, aber Stummfilmzeit. Okay. Und zwar einen Prototypen, einen Genre-Prototypen in vielerlei Hinsicht. Hexan aus dem Jahr 1922. Einer der ersten Filme, der Fiktionales mit Dokumentarischem gemischt hat und gerne als Urvater dieser Kombination gesehen wird.
Johannes Franke: Also wenn es um Fiktionales und Dokumentarisches Vermischen geht, denke ich an die ganzen Wochenschauen, die sie in Kinos früher hatten.
Florian Bayer: Stimmt, das auch. Aber der ist da ein bisschen anders. Toller Film, spannender Film. Ich bin sehr gespannt darauf, was du darüber zu sagen hast.
Johannes Franke: Okay, okay. Ich bin sehr gespannt. Ich frage mich, warum ich ihn nicht kenne. Hexan, Hex, Hexan.
Florian Bayer: War tatsächlich lange Zeit eher nicht ein Film, ist dann aber in den letzten Jahrzehnten noch mal so, hat so einen kleinen Popularitätsschub erlebt und gehört mittlerweile, zählt er glaube ich so ziemlich zu den Klassikern des Stummfilms. Okay. Des frühen Horror-Kinos und des frühen dokumentarischen Kinos.
Johannes Franke: Okay, ich bin gespannt. Ich bin gespannt.
Florian Bayer: So, Johannes.
Johannes Franke: Ja, ich richte aber dein Mikro noch mal so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, ich merke auch, ich muss gerade die ganze Zeit mich immer weiter nach unten neigen. Kurz bevor wir es angemacht haben, da habe ich gesagt, wow, das Mikro sitzt gerade perfekt auf meiner Höhe. Ja, aber dann. Und jetzt stellen wir fest, dass es was dagegen hat. Ja, wir hatten interessante Ausfall bei dir.
Johannes Franke: Ja, wir haben noch mal überlegt und geredet und ich habe dann angefangen zu sagen, wir haben noch gar keinen Hitchcock. Ja, stimmt. Hitchcock, es gehört doch zu den wichtigen, großen, also das ist schon, wenn wer Hitchcock nicht in der Liste hat, der hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Definitiv. Und dann haben wir uns eine Liste von Hitchcock-Filmen angeguckt und geguckt, welche Hitchcock-Filme kennen wir noch nicht. Ich mache die gerade mal auf hier. Es gibt ein paar, was ich ganz toll fand, ein paar Silent-Films, die ich auch alle nicht gesehen habe von ihm. Dann die, die sind bestimmt zehn Stück hier.
Florian Bayer: Ich habe beim Blick über die Liste festgestellt, mein Hitchcock-Wissen fängt irgendwann Mitte der 50er Jahre an und ich habe davor ziemlich konsequent nichts gesehen.
Johannes Franke: Das ist voll doof. Ja, und deswegen sollten wir vielleicht einfach ein bisschen früher anfangen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Mit den 40ern vielleicht hier. Guck mal. Und dann sind wir halt vorhin auf Mr. und Mrs. Smith gestoßen. Genau. Weil wir wissen, davon gibt es ein Remake aus dem Jahr 2000 mit Ben Affleck. Nee, nicht mit Ben Affleck. Ah, schlimmer.
Florian Bayer: Ah, nee, Brad Pitt, ne?
Johannes Franke: Brad Pitt und Angelina Jolie. Die sind zwei Agenten, die in einer Beziehung leben und Ehe irgendwie. Du hast den auch nicht gesehen, ne?
Florian Bayer: Ich habe ihn nicht gesehen. Wir haben da drauf geguckt und gesagt, ah, der Titel kommt uns bekannt vor. Das war, glaube ich, ein ziemlicher Kassenschlager, das Remake. Der hat viel, ja, ich glaube, ja. Und ich kann mich auch vor allem an Poster und Trailer erinnern und die ballern aufeinander. Ja.
Johannes Franke: Das ist irgendwie so. Das sind zwei Agenten, die einander irgendwie, also das weiß ich zumindest, ne? Das sind zwei Agenten, die voneinander nicht wissen und die dann den Auftrag bekommen, den wir als anderen umzubringen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und das ist voll Hitchcock.
Florian Bayer: Und das passt ja irgendwie zu Hitchcock. Das ist voll gut. Also, wir haben das Remake nicht gesehen, aber das Original kann nur besser sein.
Johannes Franke: Mal gucken, mal gucken. Ich bin total gespannt. Ja, ich auch. Also, ich habe ihn noch nicht gesehen. Du hast ihn auch noch nicht gesehen. Das wird eine Erstsichtung für uns beide. Bin gespannt. Spannend, ja. Cool. Okay. Ja, dann freue ich mich auf nächste Woche. Ich freue mich auch. Sehr schön. Bis zum nächsten Mal. Ciao. Ciao.
