Episode 17: Häxan, Mr. & Mrs. Smith
Auf zu unserer siebzehnte Episode. Dieses Mal reisen wir weit zurück in die Vergangenheit: Der Stummfilm Häxan aus dem Jahr 1922 gilt als ein Wegbereiter des semidokumentarischen Kinos, zwischen Fakten und Fiktionen. Daneben ist er auch noch Düstermärchen, Fantasyfilm und Pamphlet für den Säkularismus. Der zweite Film, mit dem wir uns auseinandersetzen ist ein Frühwerk des amerikanischen Hitchcock-Films. In Mr. & Mrs. Smith wendet sich der Meister des Suspense allerdings von seinem Haus- und Hof-Genre ab und legt eine astreine Screwball Comedy aufs Parkett. Ob er damit Erfolg hat, erörtern wir in unserer ausgiebigen Diskussion über das Genre und die Markenzeichen von Alfred Hitchcock.
Zusätzlich gibt es natürlich wieder unsere Toplisten. Wir nennen unsere Lieblingsfilme, die sich zwischen Dokumentation und Fiktion, zwischen Realität und Fantasie bewegen. Und wir schauen nochmal bei den besten Remakes vorbei, die je produziert wurden.
Häxan [Benjamin Christensen]
(Schweden 1922)
Mit Häxan aus dem Jahr 1922 haben wir einen Stummfilmklassiker vor uns der genretechnisch alles andere als leicht einzuordnen ist. Regisseur Benjamin Christensen plante wohl ursprünglich so etwas wie einen Aufklärungsfilm, der unterlegt mit historischen Fakten einen Bogen von der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit zur modernen Psychoanalyse schlägt. Herausgekommen ist eine gewagte Mischung aus Essayfilm, ernstgemeinter Dokumentation, die zum Großteil aus gespielten, fiktionalen Szenen besteht, Horrorprototyp und expressionistischem Fantasyreigen.
Häxan erzählt in sieben Kapiteln vom archaischen Aberglauben an Hölle und Teufel, von der Gefangennahme, der Folterung und Hinrichtung vermeintlicher Hexen durch die Inquisition. Er erzählt von Wahn und Aberglaube, präsentiert Folterwerkzeuge, referiert dabei immer auf sich selbst und will gegen Ende gar psychologisches, säkulares Manifest sein. Lange Zeit galt er als obskure Randerscheinung der Stummfilmzeit, bis er schließlich gegen Ende der 60er Jahre neu entdeckt wurde. Mittlerweile zählt er zu den großen Klassikern der Ära, als Kreuzung aus Fakten und Fiktionen, aus Realem und Fantastischen, Tragik und Metaphysik.
Johannes, ist Häxan vor allem ein Zeugnis einer vergangenen Filmepoche oder konnte dich der Film, fast 100 Jahre nach seiner Premiere, immer noch fesseln?
Mr. & Mrs. Smith [Alfred Hitchcock]
(USA 1941)

Alfred Hitchcock macht eine Screwball Komödie! Was für eine Aufregung. Der britische Meister des Suspense in amerikanischem Klamauk. Das muss man sehen…
Ein Pärchen erfährt nach 3 Jahren, dass ihre Ehe nicht rechtskräftig geschlossen wurde und der Ehemann zögert ein klein bisschen zu lang, seiner unerwartet Ex-Frau einen Heiratsantrag zu machen, was sie ihm nicht zu verzeihen bereit ist. Dann sehen wir ihm 90 Minuten dabei zu, wie er versucht seine Frau zurückzuerobern.
Naja. Hmm… Die Story klingt vielleicht etwas dünn, aber HITCHKOCK – der schafft es doch sicher uns das ganze spannend zu verkaufen, oder?
Der Haken an der Sache: Damals war Hitchcock noch nicht DER Meister des Suspense und kam das erste mal nach Amerika und hat diese Auftragsarbeit angenommen, um sich zu beweisen. Plor, was meinst du? Hat er sich bewiesen?
Shownotes:
-> Die Häxan-Version, die wir geschaut haben, auf Youtube
–> Die amerikanische Exploitationvariante von 1968: Witchcraft through the Ages auf Youtube
–> Mr. and Mrs. Smith auf Dailymotion
–> In Search for a flat Earth auf Youtube
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 17: Häxan, Mr. & Mrs. Smith Publishing Date: 2021-04-28T16:03:40+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/04/28/episode-17-haexan-mr-mrs-smith/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv. Das wird lustig. Willkommen zurück, Flo, in meiner Küche.
Florian Bayer: Ja, herzlich willkommen zur Episode. Ich glaube, wir sollten aufhören, um anzunehmen. Ich verliere auch immer so ein bisschen den Überblick, aber wir sind schon relativ weit. Wir sind schon fast bei der 20. Episode. Wahnsinn.
Johannes Franke: Ach, großartig, ne? Ich freue mich jedes Mal über diese Aufzeichnung.
Florian Bayer: Und auch heute werden wir wieder über Filme reden. Und zwar einen Film, den Johannes vorgeschlagen hat und einen Film, den ich vorgeschlagen habe.
Johannes Franke: Und wir hoffen, dass er den Horizont des jeweils anderen erweitert. Normalerweise nehmen wir so Filme, die wir selber kennen und lieben und dem anderen anempfehlen möchten. Diesmal habe ich allerdings einen dabei, den wir beide noch nicht gesehen haben. Ja, der so ein kleines bisschen seltsam wurde. Aber dazu später. Wir haben beschlossen, dass wir mit dem anderen Film anfangen.
Florian Bayer: Genau, wir fangen mit Hexern an. Hexern aus dem Jahr 1922. Der Film von Johannes ist Mr. und Mrs. Smith.
Johannes Franke: Aus dem Jahre 1941 von Hitchcock. Alfred Hitchcock, nicht das Remake. Das Original. Du bist gemein, Flo.
Florian Bayer: Entschuldigung. Aber wir legen gleich los und wir haben beide den Film gesehen und ich werde eine kurze Einführung geben und dann werden wir mal schauen. Ja. Mit Hexern aus dem Jahr 1922 haben wir einen Stummfilmklassiker vor uns, der genretechnisch alles andere als leicht einzuordnen ist. Regisseur Benjamin Christensen plante wohl ursprünglich so etwas wie einen Aufklärungsfilm. Der unterlegt mit historischen Fakten einen Bogen von der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit zur modernen Psychoanalyse schlägt. Herausgekommen ist eine gewagte Mischung aus Essayfilmen, ernst gemeinter Dokumentationen, die zum Großteil aus gespielten, fiktionalen Szenen besteht, Horrorprototyp und expressionistischem Fantasyreigen. Hexern erzählt in sieben Kapiteln vom ascharischen Aberglauben an Hölle und Teufel. Von der Gefangennahme, der Folterung und Hinrichtung vermeintlicher Hexen durch die Inquisition. Er erzählt von Wahn und Aberglaube, präsentiert Folterwerkzeuge, referiert dabei immer auf sich selbst und will gegen Ende gar psychologisches, säkulares Manifest sein. Lange Zeit galt er als obskure Randerscheinung der Stummfilmzeit, bis er schließlich gegen Ende der 60er Jahre neu entdeckt wurde. Mittlerweile zählt er zu den großen Klassikern der Ära. Als Kreuzung aus Fakten und Fiktionen. Aus Realem und Fantastischen, Tragik und Metaphysik. Johannes, ist Hexern vor allem ein Zeugnis einer vergangenen Filmepoche? Oder konnte dich der Film fast 100 Jahre nach seiner Premiere immer noch fesseln?
Johannes Franke: Da fragst du den Falschen. Natürlich fesselt mich dieser Film. Also ich bin einfach, ich bin halt einfach in dieser Zeit auch ein bisschen gefangen. Wer auch immer mich kennt, weiß, dass die 20er Jahre und ein Stückchen davor, ein Stückchen danach voll mein Steckenpferd ist. Und dieser Film mit seiner Technik, mit seiner Erzählweise, mit seinen Themen, hat mich voll erwischt. Ich war den Satz davor und dachte, warum zur Hölle kannte ich den noch nicht? Das freut mich total.
Florian Bayer: Jetzt ist er ja kein Zeitporträt der 20er Jahre, sondern total spannend. Ein Blick der 20er Jahre auf die Hexenverfolgung. Total großartig.
Johannes Franke: Und auch mit dem Wissen der damaligen Zeit, auch mit den Flors der damaligen Zeit. Ja, mit den Flors der damaligen Zeit fand ich besonders spannend, weil am Ende dann fangen die an, über Hysterie zu reden. Und das ist so, oh, wie geil. Das ist so ein völlig anderer Blick auf die ganze Sache, wie wir sie heute haben. Aber irgendwie so ein, weiß ich nicht. Er versucht da so versöhnlich in seine Moderne zu kommen. Ja, das ist so cool.
Florian Bayer: Das ist auch toll, dass er diese Psychoanalyse als Analogie setzt zum Teufelsglauben und zum Höllenglauben. Und dann sagt er sogar, ja, früher haben die Frauen einen Teufel am Bett gesehen. Heute sehen sie einen bekannten Doktor. Und referiert dabei natürlich auf Freud. Und dann bringt er sogar, indem er diese Bilder zeigt von den Ärzten, die dann eine hysterische Frau behandeln und sie zum Beispiel unter eine lauwarme Dusche stellen, was ihr überhaupt nicht gefällt, bringt er sie sogar so in Verbindung mit der Inquisition und sagt, nun ja, heute wird das Ganze so gemacht. Und auch ganz klar mit der Stoßrichtung, heute ist das natürlich besser.
Johannes Franke: So krass. Aber, aber Plor, lass uns mal, dieser Film bietet das an, in Kapiteln durchzugehen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Der Film ist nämlich selbst in Kapitel gegliedert und zwar ziemlich streng.
Johannes Franke: Ziemlich streng und klar. Sieben Kapitel. Genau. Lass uns nochmal in den ersten reingehen. Ich fand nämlich den ersten schon wirklich, hat mich sofort in den Bann gezogen. Und ich wusste aber nicht, ob mich das so anderthalb Stunden, wie lange ist der Film, eine Stunde und 47 Minuten, glaube ich, war es oder sowas. Ich weiß es nicht. Ich habe überlegt, ob er das jetzt die ganze Zeit durchzieht. Er macht nämlich diesen wirklich sehr wissenschaftlichen Exkurs in die Vergangenheit. Er gibt Bilder, Abbildungen von früher, so sah das aus, so sah das aus. Und schafft es sogar, was ich ihm fast gar nicht zugetraut hätte, die Banalität, die manchmal solche Zeichnungen und manchmal so, es gibt so eine kleine Animation, so von Figuren, die so auf so einer Bühne hängen. Und das könnte sehr banal wirken, aber er wirft da Rauch rein, sodass das alles sehr mystisch wirkt. Und irgendwie, finde ich, sind da alle Techniken drin, die man sich so überlegen kann, um sowas wirklich spannend zu gestalten, obwohl es eine Geschichtsvorlesung ist im Grunde.
Florian Bayer: Ja, und es ist tatsächlich, also der Regisseur, Herr Christensen, ist auch sehr präsent die ganze Zeit über, sehr geschwätzig, mit sehr vielen Texttafeln. Und das erste Kapitel, was immerhin gut fast eine Viertelstunde dauert, ist auch konsequent diese Bilder, teilweise animiert, teilweise sind es Dioramen. Ganz oft sind es auch wirklich klassische Gemälde, die er genommen hat, vor allem aus dem Mittelalter. Und er unterlegt die mit Texten und wir sehen ein Bild, wie du schon sagst, so teilweise eine sehr expressionistische Gestaltung mit düsterem Licht-Schatten-Spiel, mit leichten Bewegungen. Und er erzählt dann, und er erzählt davon, dass die Vorstellung von Hölle und Teufel eben sehr alt ist. Und er präsentiert uns, wie die Welt früher aussah, wie sich die Menschen die Welt früher vorgestellt haben mit diesen Sphären. Was auch sehr schön ist, eine tolle Darstellung.
Johannes Franke: Und er redet viel davon, dass er bestimmte Sachen, Zeitzeugnisse gefunden hätte. Und er baut dadurch, dass er von sich erzählt, als Erzähler der Geschichte, baut er irgendwie eine Verbindung zum Zuschauer auf, die ich total cool finde. Irgendwie habe ich das nicht erwartet, so in der Form. Gab es das damals so in der Form?
Florian Bayer: Nee, es ist wirklich krass, weil wenn wir uns heute Infotainment anschauen, das, was man auf YouTube sieht, was 100-Sekunden-Physik zum Beispiel macht, es ist auch nicht viel anders. Du hast einen Erzähler und du hast animierte Bilder. Ja. Und genau das macht er. Und auch mit diesem selbstreferenziellen Duktus. Er referiert immer auf sich selbst, er redet von sich in der ersten Person. Ja. Und das wird nachher im Laufe des Films nochmal krasser und er baut tatsächlich eine Verbindung zum Zuschauer auf. Ganz toll. Es ist auch dieses Aufklärungsgefühl. Ihr lernt jetzt was. Ich bringe euch jetzt was bei. Ich erzähle euch was über eine vergangene Zeit und ihr werdet euch da rein fühlen können. Und ihr werdet mit mir auf diese Reise gehen und werdet auch sehen, wie ich mich da rein gefühlt habe. Das ist auch ganz toll, dass er auch seine eigenen Erfahrungen ständig mit einfließen lässt, wie er darauf reagiert hat und was er dabei gelernt hat. Fantastisch.
Johannes Franke: Fantastisch. Vor allem, weil man nie ein Gesicht von ihm hat und man hat keine Stimme von ihm. Es ist wirklich nur Text. Und irgendwie baut man eine Verbindung zu dem auf. Und das ist schon beeindruckend irgendwie.
Florian Bayer: Es scheint auch immer so ein bisschen seine Persönlichkeit durch. Wir haben das hier mit jemandem zu tun, der ein bisschen wissenschaftlich vorgeht, aber der auch sehr verspielt ist und auch gerade dann später, in späteren Episoden immer so ein bisschen einen spitzbübigen Humor durchscheinen lässt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau. Das wird viel genutzt in humorvolleren Filmen von heute, zum Beispiel bei Lemony Snicket. Da gibt es diesen Erzähler, der eine klare Haltung mitbringt, der dann irgendwie zwar eine Geschichte versucht, würdevoll zu erzählen, ihm aber immer mal wieder die Erzählung entgleitet und er dann irgendwie eine ganz eigene Meinung darüber, was da passiert, beimischt. Und das hat dieser Film im Ansatz auch. Und das finde ich irgendwie cool.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Also, ich hatte das, ich habe den nicht zum ersten Mal gesehen. Ich hatte das gar nicht mehr so stark in Erinnerung, dass er natürlich auch ein ganz starkes, säkularistisches Manifest ist. Es geht natürlich darum, dass der Regisseur sich kritisch mit Aberglauben auseinandersetzt. Ja. Aberglaubenssystem, das gesagt wurde, hey, und unsere abendländische Tradition, auf die wir so stolz sind, die ist gar nichts so Besonderes. Das ist eine Konstante in der Geschichte der Menschheit. Es gab immer Aberglaube, es gab immer das Böse, es gab immer sowas wie eine Hölle.
Johannes Franke: Und das macht aber ein Bild von der Zeit auf, von den 20ern auf, die man gar nicht so sehr hat. Man hat so das Gefühl von den 20ern, da ist noch sehr viel so Aberglaube und sehr viel so, naja, ein Wissensstand, über dem wir uns gerne erheben mit unseren jetzigen Erkenntnissen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es dort auch die Zeit von Einstein ist, die Zeit von sehr, sehr klugen Leuten freut, der zwar auch überholt ist irgendwie, aber der doch sehr nach vorne gegangen ist und sehr eine große Revolution losgetreten hat. Das ist irgendwie, ist das cool, das zu sehen, dass das irgendwie, dass Leute sich so Gedanken und dann über diesen Film auch noch das so wunderbar nach außen getragen haben und vermittelt haben.
Florian Bayer: Eine ganz wichtige Ära für den Übergang von der religiösen Zeit zur säkularen Zeit. Das hat ja nicht so, wie es manchmal gerne dargestellt wird, so mit einem Schwung Aufklärung, zack und jetzt stellen wir alles in Frage stattgefunden, sondern es gab seit der Aufklärung, seit dem Mittelalter gab es immer ein Nebeneinander von Kirchenkritik und Kirchenverteidigung, von säkularen Bewegungen und religiösen Bewegungen und auch Throwbacks. Und die Zwanziger waren da total wichtig, weil da auch ganz viele wissenschaftliche Fundamente gesetzt wurden, gerade in der Philosophie auch und in der Psychologie natürlich genau, Freud ganz wichtig, weil der sich auch ganz stark, wenn auch indirekt, damit auseinandergesetzt hat, was bedeutet Glauben, was bedeutet Wahn. Und Christensen ist natürlich total freudianig geprägt, das merkt man von Anfang bis Ende.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und es ist halt aber trotzdem so, dass die Zwanziger die absolute Hochzeit von okkultem Zeug waren, ne? Also er bläst da ja in ein Horn, was wahrscheinlich ihm sowieso Probleme bereitet. Also ich meine, wenn so viel, also das war die Blütezeit dessen, dass irgendwelche Wahrsager irgendwelche Seancen veranstaltet haben, irgendwelche Sachen gemacht haben, von totaler Mumpitz waren, die total krass, dieses Cold Reading und dieses Hot Reading, was es so gibt, Cold Reading im Sinne von, dass man versucht, aus dem Menschen, der vor einem sitzt, so ein bisschen was rauszulesen, durch geschicktes Fragen und Hot Reading im Sinne von, ich habe vorher ganz viel recherchiert und er erzählt ihm dann, als ob ich es gerade aus seinen Augen lesen würde. Und es ist so spannend, was das betrifft, diese Zeit und dann eben diesen Gegenpol von diesem Film, das finde ich wahnsinnig cool.
Florian Bayer: Er referiert ja auch tatsächlich auf sie. Es gibt Szenen in dem Film später, wenn er auf unsere moderne, auf seine moderne Zeit kommt, wo er dann auch eine Kartenleserin zeigt und auch nochmal vergleicht, so ja und Aberglaube gibt es immer noch und Aberglaube ist immer noch ein großes Problem. Und wie du sagst, es war eine Blütezeit davon, wahrscheinlich auch, weil das Christentum langsam verdrängt worden war und weil die Menschen auch nach neuen Religionen gesucht haben.
Johannes Franke: Ja, die Lücke zu füllen.
Florian Bayer: Ja, diese Bewegung hat ganz viel damit zu tun, dass die Leute sich, es gibt diesen, in der Kulturwissenschaft gibt es diesen Begriff der transzendentalen Obdachlosigkeit. Nietzsche hat gesagt, wir haben Gott getötet und jetzt suchen die Menschen verzweifelt nach einem neuen Zuhause. Nach einem neuen Glaubenssystem. Und deswegen ist das natürlich auch die Zeit der politischen Ideologien, die auch sowas geboten haben.
Johannes Franke: Naja, die Nazis sind da so ganz klar drauf gesprungen.
Florian Bayer: Spirituelle Heimat finden. Krass. Übrigens, Christensen hat tatsächlich zur Premiere des Films ein Theaterprogramm, einen Spielzettel dem Publikum ausgehändigt. Mit einer ausführlichen Bibliografie, einem Quellenverzeichnis über seine Forschung. Also er hat tatsächlich, es ging ihm wirklich um das Aufklärerische. Es ging ihm wirklich darum zu sagen, ich erziehe euch. Und das ist ein bisschen die Tragik dieses Films, dass er damals schon und dann später noch mehr ganz stark als Horrorfilm rezipiert wurde. Weil er natürlich diese fantastischen Szenen hat, die später kommen. Ja, okay. Schon am Anfang auch diese unheimlichen Bilder. Und er wurde von vielen Leuten als Horrorfilm rezipiert. Obwohl er eigentlich ein Aufklärungsfilm sein wollte.
Johannes Franke: Okay. Nein, also ich habe ihn schon auch als ganz deutlicher als Aufklärungsfilm gesehen. Aber eben das, was heute als Scripted Reality vielleicht durchgehen würde, wo RTL 2 dann runterschreiben muss, diese Szene ist nachgestellt. Und dann irgendwie diese ganzen, ich weiß nicht, wie er sich das halt vorstellt, einmal inszeniert wird und dazu aber die Fakten geliefert.
Florian Bayer: Ja, und mit der Inszenierung beginnt es dann auch tatsächlich im zweiten Kapitel, in dem er sagt, so, jetzt haben wir diese Bilder gesehen und jetzt zeige ich euch mal, wie die Vorstellung tatsächlich aussah, indem ich das für mich umsetze. Und dann besucht er eine Hexenküche, so wie sie tatsächlich auch existiert hat. Ja. Und zeigt eine Hexe, die einen Liebestrank braut und den einer jungen Frau gibt, die einen Mönch damit verführen will. Warum ausgerichtet einen Mönch? Das ist schon echt hart. Das ist gemein.
Johannes Franke: Ich hab die ganze Zeit gedacht, oh nö, der Arme.
Florian Bayer: Ich glaube, die Mönche von damals waren keine Oll-Schulz-Lämmer. Okay. Und er wird ja auch so präsentiert als dieser dicke Lebemann, der da sitzt und sie vollstopft und sie mischt ihm dann heimlich diesen Liebestrank rein und gibt ihm ihn. Und dann kriegt die Hörde los.
Johannes Franke: Beim ersten Mal funktioniert es noch nicht. Stimmt, beim ersten Mal funktioniert es noch nicht. Also zumindest nicht ausreichend. Und dann geht sie noch mal hin und will noch mal. Aber es ist schön, es ist irgendwie auch gut inszeniert. Man will da auch irgendwie zugucken. Man will nicht nur die Infos, sondern will, naja, wahrscheinlich liegt es genau daran, dass die Leute dann angefangen haben, das als fiktionales, als Horrorfilm zu rezipieren.
Florian Bayer: Wobei diese Szene das ja noch gar nicht so krass hergibt, weil es zeigt einfach auch so ein bisschen heidnische Brauchtümer. Und diese Hexe wird auch im Gegensatz zu späteren Bildern, wie sich die Menschen die Hexen vorgestellt haben, nicht unbedingt negativ konnotiert, sondern sie ist halt einfach eine alte Kräuterhexe, die ihre Küche da unter der Erde hat. Und sie weiß, das ist illegal. Und sie hat natürlich auch Angst vor der Verfolgung. Aber das, was sie macht, ist im Prinzip was Harmloses. Sie hat halt irgendwelche Brunten, die irgendwelche Bedürfnisse haben und die erfüllt sie vermeintlich, indem sie ihnen irgendwelche Tränke zusammenmischt.
Johannes Franke: Beziehungsweise hilft ihnen vielleicht nicht nur vermeintlich, sondern die, die dann später als Hexen verbrannt wurden, hatten ja eine wichtige Funktion in der Gesellschaft. Also die mussten ja, die kannten sich ja nur aus mit Kräutern und allem drum und dran. Und dann war das schon auch wichtig für Heilprozesse und solche Sachen.
Florian Bayer: Wobei, und das erzählt der Film natürlich dann auch später, in den späteren Kapiteln, dass viele, die als Hexen verbrannt wurden, wirklich gar nichts mit diesem Gewerbe zu tun hatten, sondern einfach nur alte Frauen waren. Oder junge Frauen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder eben das Pech hatten, dass ein religiöser Mensch ihnen verfallen war. Und sie natürlich die Schuldigen sein mussten, weil ein Priester verfällt nicht einfach einer Frau. Sie muss ihn mit einem Liebeszauber belegt haben. Aber was in diesem zweiten Kapitel auch passiert ist, dass er dann diesen Übergang macht vom realen zum fiktionalen. Und zwar wirklich ein fast fließender Übergang, in dem wir dann erzählten, ja, und dann gab es diese Hexenküchen und dann gab es die Vorstellung vom Teufel. Und der Teufel, der nachts Frauenheim gesucht hat und eine ganz großartige Stop-Motion-Sequenz dann, wenn man sieht, wie so eine Teufelsfigur durch eine Tür durchbricht. So ein kleiner Dämon.
Johannes Franke: So eine Puppe, so eine Puppetry-Animation einmal. Die ist wirklich toll. Ich habe mich sehr gefreut darüber.
Florian Bayer: Das ist super gemacht von den Bildern. Er spielt übrigens selbst auch den Teufel, der dann... Er spielt den selbst? Er spielt den Teufel und er spielt Jesus. Wie geil. Ja, das würde ich mir auch nicht nehmen lassen, dann beides zu spielen. Und er hat auch sichtlich Spaß daran. Es ist eine tolle Maske. Man sieht den Teufel vorm Bett stehen, halbnackt mit den Teufelshörnern. Er hat ein bisschen zu viel Spaß daran.
Johannes Franke: Also wirklich, ich habe gedacht, okay, wird das jetzt eine Comedy-Variante oder was wird das? Weil der ist schon irgendwie am Anfang, ist es schon wirklich ein bisschen arg slapstick. Overacting.
Florian Bayer: Auch wie er die Zunge rausstreckt. Immer diese Zungenspülen, die sexuell vulgäre, was er damit zu vermitteln versucht.
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht. Irgendwie, es hat eine Weile gebraucht, bis ich wieder ins ernsthafte Fach gewechselt habe im Kopf.
Florian Bayer: Das war irgendwie komisch. Ich war einfach zu sehr in diese Bilder verliebt, weil ich mag einfach, wenn du einen Film in diesem monochromen Schwarz-Weiß mit so einem Blaustich hast und dann hast du diese Vignette so drumherum, dass es so ein bisschen dunkel ist alles. Das packt mich direkt. Da kann das noch so albern sein, die Darstellung des Teufels. Ich fühle mich davon automatisch angezogen. Und das gelingt auch diesen Szenen, auch wenn sie overacted sind. Auch natürlich dieses klassische Stummfilm-Acting. Nicht nur von ihm, sondern auch von den Darstellerinnen, die dann auftauchen.
Johannes Franke: Obwohl, da muss ich sagen, das war erstaunlich realistisch vom Spiel an manchen Stellen. Muss ich schon sagen. Ich fand, es war nicht allzu typisch Stummfilm-Acting.
Florian Bayer: Gerade wenn wir in den vermeintlich dokumentarischen Szenen sind, wo dann gezeigt wird, wie die Frauen gefoltert werden.
Johannes Franke: Das war nämlich ziemlich krass. Genau. Das fand ich auch. Wo wir auch bei Effekten sind, bei dieser Animation von dem Teufel, die war natürlich wieder da durch das, die Tür bricht, war ziemlich cool. Und auch die Scherenschnitt-Elemente, die sie zwischendurch, also ich weiß nicht, ob es wirklich Scherenschnitt-Technik war, aber es hat diesen Anschein und es sieht toll aus und es ist eine ganz tolle Ästhetik. Also er hat wirklich tief in die Wunderkiste gegriffen und hat wirklich gute Sachen rausgeholt. Ja, viel aufgefahren, was Tricktechnik betrifft.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, was mit dazu beiträgt, dass der Film auch als Horrorfilm rezipiert wurde, weil er fällt natürlich in die Zeit des expressionistischen Horrorfilms, vor allem Made in Germany. Es ist tatsächlich die Zeit von Caligari und dem Golem und Nosferatu. Und dadurch, dass er so eine tolle Tricktechnik hat und dann wirklich diese visuell beeindruckenden, fantastischen Bilder, ist natürlich klar, dass viele Leute sich das anschauen und sich an diese expressionistischen Filme erinnern, fühlen. Er wurde auch so oft expressionistisch genannt, der Film hat gar nicht so viele expressionistische Stilmittel. Nein, finde ich nicht. Er ist eigentlich zu dokumentarisch dafür und seine Sätze sind zu klar, präzise, zu historisch korrekt.
Johannes Franke: Ja. Also ich muss mal sagen, gegen Nosferatu ist der schon auch gruselig. Also weil Nosferatu kann ich nicht ernst nehmen. Weißt du, was ich meine? Also Nosferatu hat man damals natürlich ein bisschen ernster genommen als ich, das heute tue in der Rezeption. Aber wenn selbst ich sozusagen in meiner Perspektive von heute auf Nosferatu mehr mit dem Comedy-Auge gucke als auf diesen Film, dann verstehe ich natürlich dann schon auch, dass sie es eher als Horrorfilm gesehen haben.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich schwierig, Filme aus der damaligen Zeit gruselig zu finden. Weil durch Stummfilm, Schwarz-Weiß nicht unbedingt, aber vor allem durch die Stummfilm-Technik gibt es einfach eine gewisse Distanz zu diesen Filmen. Und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mich bei einem von diesen klassischen Horrorfilmen aus der damaligen Zeit wirklich gegruselt hätte, obwohl ich die alle liebe. Aber die haben auch eine düstere Atmosphäre, die haben auch eine unheimliche Atmosphäre. Aber es ist jetzt nicht so, dass es mich angreift, dass ich sagen würde, okay, davon kriege ich jetzt Albträume. Oder das macht mir wirklich Angst. Dafür ist es einfach auch zu weit weg. Obwohl Nosferatu hat ja wirklich unheimliche Szenen. Also alles, was Murnau mit Licht und Schatten macht und wenn sich der Schatten von dem Fürsten bewegt und wir sehen nur den Schatten und wir sehen, wie der Arm greift, dann ist es auch nicht albern, aber es ist halt auch nicht wirklich unheimlich, weil einfach die Immersion fehlt.
Johannes Franke: Ja, und Nosferatu funktioniert vor allem deswegen für mich nicht, weil das mit den Fingernägeln, wenn er den Sarg da in der Gegend rumträgt, diese ganzen komischen, weiß ich nicht, dass die wirklich ins Slapstick abgleiten und diese Day-for-Night-Sachen, wo er am hellelichten Tag dreht und dann im Nachhinein versucht zu tun, als wäre es Nacht gewesen, was überhaupt nicht funktioniert für den Zuschauer heute. Ich weiß nicht. Naja, aber ich mag eigentlich nichts gegen den Film. Ich liebe diesen Film, aber der ist halt einfach, naja, eher witzig.
Florian Bayer: Wo wir zum Thema Immersion kommen, das ist tatsächlich, das beginnt nämlich dann ab dem dritten Kapitel, die eigentliche Filmhandlung. Und die fand ich dieses Mal unfassbar immersiv, allerdings nicht aus dem Horror-Aspekt, sondern von dem melodramatischen, tragischen Aspekt. Weil es wirklich krass ist, wie gezeigt wird, also das dritte bis das sechste Kapitel, die beschäftigen sich mit der Verfolgung einer vermeintlichen Hexe und dann auch mehreren vermeintlichen Hexen und zeigen, wie diese gefangen genommen werden von der Inquisition, verdächtigt werden und verhört werden und auch gefoltert werden. Und das macht der Film unglaublich gut und hat mich emotional total gepackt, weil er es schafft, das ohne Exploitation zu machen. Er setzt sich nicht drauf auf die Gewalt, er zeigt nicht krasse körperliche Gewalt, sondern er zeigt einfach, wie diese Frauen leiden unter der Folter und unter den Verhören.
Johannes Franke: Na, die Stärke des Films liegt ja darin, dass er eben nicht zu fiktional wird, sondern wirklich das als dokumentarisches Element verkauft. Und wenn du einer Sache zuschaust, von der du ausgehen kannst, dass sie wirklich passiert ist, dann hast du automatisch mehr Mitleid. Du bist ja auch nicht wie wir heute von so vielen fiktionalen Filmen, wo in der Gegend rumgeballert wird, so abgestumpft und denkst dir, naja, der fliegt da jetzt drei Meter gegen den Baum und steht danach auf und sagt, dich bringe ich um und rennt wieder drauf los. Nee, das ist halt, dann hat man eine andere Position dazu und kommt aus einer anderen Ecke als Zuschauer.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Und deswegen tut einem das auch so wahnsinnig leid.
Florian Bayer: Es gibt diese, es ist eigentlich eine ganz einfache Geschichte, die dann erzählt wird in diesen drei Kapiteln. Es geht eben um die alte Weberin, Maria, die verdächtigt wird, einen Drucker krank gemacht zu haben. Und zuerst wird sie von, die Frau informiert dann, die Frau von dem Drucker informiert die Inquisition und sagt, oh, diese alte Dame macht mir irgendwie Angst. Und dann wird sie gefangen genommen und dann wird sie verhört. Und ich habe mit der wirklich mitgelitten. Das ist wirklich krass, wenn man sieht, wie sie dann da liegt beim Inquisitionsgericht, bei den Verhören, bei den Inquisitionsverhören und gefoltert wird. Und die Kamera fahrt lange auf ihrem Gesicht und zeigt einfach, wie sie leidet, wie sie unter der Befragung leidet und wie sie dann auch unter der anschließenden Folter leidet. Das war wirklich einfach mal eindrucksvoll tragischer Stoff.
Johannes Franke: Na, vor allem finde ich auch wahnsinnig spannend hergeleitet. Das glaube ich dem Film irgendwie, obwohl es für mich aus der Perspektive jetzt natürlich total absurd mir vorkommt. Aber da ist jemand gestorben und die Frau sagt in ihrer Trauer, das kann gar nicht sein. Wie sollte denn gestorben sein jetzt so plötzlich? Das geht doch nicht. Da muss doch irgendjemand seine Finger im Spiel gehabt haben. Was eine nachvollziehbare Trauerhandlung im Grunde ist. Definitiv. Und dann wird aber völlig bescheuert gesagt, ja, wenn du das sagst, dann muss doch irgendjemand. Und dann geht sie halt aus dem Raum raus und die alte Frau kommt gerade in diesem Moment, wo sie gerade der Erkenntnis anheimgefallen ist, dass das ja eine Hexe gewesen sein muss. Die Frau oder diesen Mann, wer ist gestorben?
Florian Bayer: Ihr Mann ist krank. Sie fragt dann ja auch noch jemanden und sagt so, hey, wie kann ich die Hexe erkennen? Und dann sagt er, du wirst die Hexe erkennen, wenn du sie siehst, sie wird bald kommen. Und dann kommt diese alte Weberin rein und sagt, hey, ich habe kein Geld, könnte ich vielleicht was zu essen haben.
Johannes Franke: Furchtbar. Also es ist gut hergeleitet einfach, finde ich. Und dann haben sie noch irgendwie so ein bescheuertes Bleigießen, mit dem sie feststellen, dass es eine Hexe gewesen sein muss. Weil dieser Typ in einer Kelle mit Blei über diesen Körper einmal drüber geht, das Ganze ins Wasser gießt. Und dann haben sie so einen Silvestermoment. Ich habe gewartet, dass noch Böller losgehen. Konfetti. Und dann ziehen sie da so diesen Bleiklumpen in einer bestimmten Form raus und lesen daraus, ja, es war eine Hexe. Und das ist völlig abwegig für uns, aber damals tatsächlich, das war so. Das wurde so gemacht.
Florian Bayer: Oh mein Gott. Das wird wirklich beeindruckend gezeigt, wie mächtig dieser Aberglauben war und vor allem wie verheerend, wie schnell du auf der Abschussliste landen konntest. Weil diese Maria, diese Weberin, die macht eben nichts. Die sitzt dann da und isst. Und sie isst halt, wie eine alte Frau ist, die nicht mehr viele Zähne hat. Und dann guckt die junge Frau zu und ist immer mehr angeekelt und immer mehr ängstlich und denkt sich dann irgendwann, das muss die Hexe sein, die hat was Böses in sich. Und ruft dann das Inquisitionsgericht und das reicht schon. Und so geht dann alles seinen Gang. Und am Ende ist die halbe Familie der Hexerei angeklagt, weil es natürlich nicht bei der Alten stehen bleibt.
Johannes Franke: Ja, die Alte macht dann halt den Schachzug zu sagen, ja, ich hab gesehen, ich gestehe, ich habe gesehen, wie. Und dann zieht sie noch andere Sachen, Leute mit rein, die halt sie in diese Lage gebracht haben.
Florian Bayer: Genau. Und auch total nachvollziehbar.
Johannes Franke: Völlig, völlig.
Florian Bayer: Sie ist wütend, sie ist außer sich, sie ist total verzweifelt und dann nennt sie halt Namen und dann nennt sie natürlich die alte Magde aus dem Haus. Und nennt die Frau des Druckers, die Anna. Und dann haben wir wieder diesen krassen Übergang vom Dokumentarischen. Das ist jetzt, sind wir im vierten Kapitel, zum Fantastischen. Sie gesteht und dann kommen wir zu diesen Hexensabbatbildern, die wirklich krass sind. Und die dann auch wirklich, das nachgespielte Dokumentarische wird dann erstmal komplett gebrochen zugunsten dieser albtraumhaften Bilder. Wo wir sehen, wie die Hexen zum Sabbat fliegen und wie Babys gekocht werden, was auch ziemlich brutal ist. Ja, krass. Und dann haben wir auch noch ein bisschen Plasphemie drin, wie man sieht, wie sie alle den Hintern des Teufels küssen. Unter anderem eine der Szenen, die Christensen ganz schön Ärger beschert hat. Also in seinem Heimatland Dänemark war es vor allem so, dass es Entrüstung gab wegen der Gewaltdarstellung. Also das gekochte Baby zum Beispiel, das war einfach eine krasse Szene. Das war auch, er zeigt halt, da zeigt er eben doch ziemlich explizite Sachen in diesen fantastischen Momenten. In Frankreich hat die Kirche gegen den Film protestiert. Ich weiß nicht genau warum, ich kann aber mir nur denken, dass es vor allem um Plasphemie ging. Es gibt ja auch nachher diese Szenen, wo die Nonnen wahnsinnig werden und dann auch den Hintern des Teufels küssen.
Johannes Franke: Ja, und die Kirche damals vielleicht auch nicht so große Lust darauf hatte, sich damit auseinandersetzen zu müssen, was wir in der Hexenverbrennung und so weiter gemacht haben.
Florian Bayer: Ja, das kam natürlich noch dazu, aber das war der eigentliche Grund und der Vorwand war dann eben, das ist Blasphemie, was da geschieht. Wie kann der nur solche Bilder zeigen von dem Teufel? Wie kann der nur zeigen, wie Nonnen wahnsinnig werden? Und in Deutschland wurde der Film 1924 nach der Premiere verboten. Oh. War dann eine Zeit lang wirklich einfach mal im Giftschrank.
Johannes Franke: Ui. Ja, ich finde also diese ganzen, die Hexen, wie sie da langfliegen und so, der greift ja dann wieder in die Trickkiste mit tollen Bildern und manchmal habe ich an Hieronymus Bosch denken müssen. Ja. An so manchen Bildern, die wirklich irgendwie, ich weiß nicht, ob das so sein Vorbild war, aber er hat es irgendwie hingekriegt, diesen Bogen zu spannen.
Florian Bayer: Er ist total eklektisch, was das betrifft. Also er greift genau ganz tief zurück so in die Kunst der Barockzeit, in die mittelalterliche Kunst. Er nimmt auch ein bisschen was. Er hat schon durchaus auch diese expressionistischen Dinge drin. So ein bisschen abstrakteren Wahnsinn. Und er mischt das alles zu so einem krassen Cocktail aus verschiedenen Bildern.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die ja visuell auch wirklich einen Bogen spannen von der Teufels- und Hexendarstellung der Barockzeit oder des Mittelalters bis hin zum modernen Horror. Ja. Und ja, es ist eine wilde Mischung, aber es ist auch eine sehr runde Mischung und es funktioniert. Und diese Bilder sind einfach krass und beeindruckend. Und das sind auch Bilder, bei denen der Film einfach mal eskapistisch ist, wo es einfach nur darum geht, wirklich Fantastisches zu zeigen, nachdem wir diesem Drama beigewohnt haben. Und dann geht es in den fünften Teil. Und dann sind wir wieder zurück auf der dokumentarischen, beziehungsweise, wie du gesagt hast, finde ich ein schöner Vergleich, Scripted Reality. Ja. Weil genau das ist es nämlich. Ja.
Johannes Franke: Ja, es ist cool. Irgendwie, ich finde es so spannend. Und ich glaube, jeder, der heutzutage Scripted Reality macht, sollte diesen Film einmal gesehen haben, um ein bisschen auf den Boden der eigentlichen Wurzeln dieser ganzen Sache zurückzukommen. Das Großartige ist ja, wie transparent er mit dem Scripted Reality umgeht.
Florian Bayer: Er redet ja von seinen Schauspielern zwischendurch. Ja, das ist voll gut. Und sagt auch, diese Maria, die die Alte gespielt hat, die als Erste als Hexe verhaftet wird, zu der kommt er noch mal zu sprechen im späteren Teil und sagt, und ich habe mit dieser Schauspielerin geredet und sie hat zu mir gesagt, der Teufel ist real, ich habe ihn einst an meinem Bett sitzen sehen. Und dann gibt es ja auch diese eine Szene, die auch ein bisschen später kommt, wo er dann erzählt, ja, und eine von den Schauspielerinnen, die wollte dann auch mal die Folterinstrumente ausprobieren. Mit den Daumenschrauben. Er ist da total transparent. Also ich meine, es ist klar, es sind Szenen aus dem Mittelalter. Wir wissen, dass das Scripted ist und die Zuschauer von damals wussten es auch. Aber es ist schön, wie selbstreferenziell er damit umgeht und immer sagt, hey, wir sehen hier Szenen und das ist nachgestellt. Und wir sehen, hier wird gespielt, wie das damals ausgesehen haben könnte oder wie es damals ausgesehen hat. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht. Ich darf euch das Ganze jetzt im Spielfilmformat präsentieren, weil Aufnahmen gibt es nicht.
Johannes Franke: Aber es ist voll geil, dass ich, das ist ja die große Gefahr bei sowas, dass ich da nicht rausgerissen werde. Ich bleibe in der Story. Ich habe Mitleid mit allen, obwohl ich genau weiß und immer wieder daran erinnert werde, es sind Schauspieler und das ist nicht echt und das ist alles nur gescriptet und einmal nachgespielt. Und ich werde da nicht zu sehr rausgerissen. Das ist eine Leistung.
Florian Bayer: Klappt wahrscheinlich auch, weil die Geschichte letzten Endes sehr einfach ist, die erzählt wird, weil es wirklich ein enger Handlungsrahmen ist und natürlich, weil die Schauspieler, vor allem die Schauspielerinnen,
Johannes Franke: großartige Arbeit machen. Ja, wirklich gut. Und da geht es wieder zurück auf, die machen nicht zu sehr diesen Stummfilm-Klamauk, sondern die sind wirklich ernsthaft dabei und ich kaufe denen ganz viel genau so ab, eins zu eins. Das ist voll gut.
Florian Bayer: Ja, kein krasses Overacting, sondern wirklich der Versuch, sich in die Rollen und in die Zeit hinein zu versetzen. Auch sowohl von Inszenierung als auch von Acting.
Johannes Franke: Ja. Und dann werden so Foltermethoden nochmal gezeigt und dann irgendwie so die Methoden von Hexen. Wie war das? Mit jedem Knoten wird eine Schwangerschaft verhindert? Ja, genau. Wo man wirklich so ganz absurde, ich weiß nicht, wieso stellt man sich im Mittelalter so? Also selbst, given the fact, dass es Mittelalter ist und keiner wusste irgendwas. Aber wie kannst du davon ausgehen, dass jemand einen Knoten in den Seil macht und damit eine Schwangerschaft verhindert? Was soll das?
Florian Bayer: Es gibt so viele abergläubige Rituale, die so absurd sind. Und ich meine, wir glauben doch auch heute, dass wir uns Wasser über den Kopf, also wir nicht, aber viele Christen glauben doch heute auch, dass sie sich ein bisschen Wasser über den Kopf kippen und damit von ihren Sünden gereinigt sind. Es ist jetzt auch nicht absurder, ne? Also der Glaube lebt einfach auch von diesen Ritualen, die für, die aus einer gewissen rationalen Perspektive schwer nachzuvollziehen sind.
Johannes Franke: Ja. Ah, ich weiß nicht. Aber das macht der Film dann auch echt gut, dass man da irgendwie in so eine, weiß ich nicht, Wut ist zu viel gesagt, aber in so eine, so ein, ah.
Florian Bayer: Ja, schon auch gut. Also gerade dieses fünfte Kapitel, wenn dann gesagt wird, okay, und es geht weiter und jede Hexe beschuldigt zehn weitere und es ist nicht aufzuhalten. Und dann wird eben die Markt festgenommen und die Frau, die Chefin der Markt, versucht es zu verhindern. Damit hat sie eine Hexe verteidigt. Das heißt, sie ist automatisch auch eine Hexe. Genau. Und die Tochter der Familie, die hat verzweifelt einen Mönch angesprochen, einen von der Inquisition wegen ihres kranken Vaters und der fand sie dann attraktiv, geiselt sich selbst, weil er ihr verfallen ist und sagt dann, okay, das muss eine Hexe gewesen sein, die mich verführt hat. Klar, weil ich bin ja eigentlich kein Mann der Laster. Dann haben wir die Nächste, die festgenommen wird und das ist wirklich, plötzlich haben wir durch dieses eine Ereignis haben wir einen ganzen Haufen Frauen, die festgenommen werden, die gefoltert werden und denen nach und nach Geständnisse erpresst werden.
Johannes Franke: Ja. Und dann kommt auch dieser, was war das noch mit dieser Nonne, die in dem Kloster dann einmal, Hysterie.
Florian Bayer: Ja, genau, das mit dem Kloster, dass wir dann später, wenn er den Wahn vom Mittelalter auf den Wahn unserer Zeit überträgt, dann zeigt er ein ganzes Kloster, dass Amok läuft. Was für eine krasse Szene. Ja. Wenn diese Nonnen alle durchdrehen. Ja. Und dann, oh nein, sie sind vom Teufel besessen. Und, äh, unfassbar, was für eine Szene. Das ist dann wirklich Bosch, was für ein apokalyptischer Reign, wenn du einen Haufen Nonnen siehst, die sich aufeinander stürzen und die Angst vor dem Teufel und Angst voreinander haben. Und aufeinander losgehen.
Johannes Franke: Krasse Szene. Krasse Szene. Und das, und ich hab gedacht, äh, da kann man jetzt dolle auf die Kacke hauen und das irgendwie so richtig schlimm, ähm, ähm, übertreiben, ähm, auch in der, in der Entwicklung. Aber es hat er gar nicht gemacht. Sie, sie läuft ja gar nicht richtig amok. Sondern sie, sie nimmt sich nur ihr Messer, setzt sich da hin, ist irgendwie verzweifelt, guckt, starrt vor sich hin. Und das reicht schon. Das reicht auch vollkommen in der Erzählung. Er braucht nicht irgendwie, dass die dann noch irgendwie Leute angreift, sondern es ist einfach nur die, naja, so eine Entwicklung einer, einer massenhysterischen, massenhysterie.
Florian Bayer: Ja, das ist genau die massenhysterie, die wahrscheinlich für die Nonnen auch so eine Art Bestätigung ihres Glaubens ist. Weil wenn der Teufel real ist, dann muss natürlich auch Gott real sein. Und das ist fast so eine, auch so eine rituelle Show. Und dann sehen wir natürlich wieder den Teufel, der die Nonnen wahnsinnig macht, wie er wieder da steht und seine Zunge rausstreckt. Wir sehen die Szene, wie eine Hostie geschändet wird. Und das ist dann auch der Moment, wo man kurz auch mit diesem tollen Effekt Jesus so halbtransparent über dem Bild sieht, der leidet, der dann von Christensen gespielt wird, der auch schon den Teufel gespielt hat. Was vielleicht auch einfach eine nette, kleine, subtile Anspielung war. Ja, ja, ja. Der Glaube an den Teufel und der Glaube an Jesus, hey, wäre auch nie dieselbe Person eigentlich? Ja.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Und dann gibt's, dazwischen gibt's noch diese großartige Szene, die wirklich so, nochmal dieses Selbstreferentielle betont, wenn er sagt, ah ja, und übrigens, eine von meinen Schauspielern hatte Interesse an den Daumenschrauben. Und dann wird gezeigt, wie der Schauspielerin die Daumenschrauben angelegt werden und sie sitzt da und lacht und die Daumenschrauben werden angelegt. Und da kommt diese krasse, diese krasse Texttafel, wo er sagt, ja, und dann habe ich alle Geständnisse aus ihr rausgekriegt. Sie hat mir die absurdesten Sachen gestanden.
Johannes Franke: Ich möchte Ihnen gar nicht weitererzählen, was ich aus dieser Frau innerhalb der ersten Minute rausgebracht habe. Das ist so krass. Irgendwie sowas, sagt er.
Florian Bayer: Es ist so geil. Es hat irgendwie sowas Böses und sowas Schelmisches. Sowas Schelmisches, ja. Mich sehr gefreut über diesen Moment. Und es ist schön, weil sie das wirklich, weil er wirklich diese, er hat keine großen Szenen von ihr, wie sie leidet, sondern er zeigt sie halt, wie sie lacht, während das angezogen wird und dann ein paar Mal so ein bisschen schreit, aber nicht besonders viel. Und dann kommt halt einfach diese Texttafel und wir werden mit unseren Vorstellungen alleine gelassen.
Johannes Franke: Er will halt in dieser Phase des Films einmal wirklich erzählen, guck mal hier, das sind diese ganzen Folterinstrumente, die sehen so aus und die haben diese Funktion. Und jeder, jeder Mensch würde, um diese Schmerzen loszuwerden, alles gestehen. Ja. Und das ist halt wirklich so. Das ist furchtbar. Und ich finde es ganz toll, dass dieser Film das so darauf hingeleitet hat und dass man das dann auch annehmen kann an der Stelle und dass man das so, dass er das so gut irgendwie zusammenwirft. Ich fand tatsächlich, das war so der erste Moment,
Florian Bayer: wo der Film so ein bisschen exploitativ wurde. Also ich benutze so oft das Wort Exploitation, um das nochmal kurz zu sagen, das Spiel mit Gewalt zu einer gewissen Befriedigung des Publikums, das was eigentlich Tarantino ganz viel macht, wo man sieht, wie jemandem in den Kopf geschossen wird oder wie jemand einen Arm abgeschlagen bekommt, und man denkt so, yeah, geil, Blut, Gewalt, und weiß selbst nicht so genau warum. Und ich finde, wenn er die Folterwerkzeuge präsentiert, und dann sieht man auch teilweise, in diesen Szenen sieht man dann auch nur Körperteile, wie sie so ein bisschen in diese Folterwerkzeuge reingepackt werden. Und da hat er so ein bisschen diese Spur davon, so ein bisschen zu viel kindliche Begeisterung für die ausgeklügelte Mechanik, um Menschen zu quälen. Und ich gehe davon aus, dass das gar nicht beabsichtigt war.
Johannes Franke: Ja, ja, nee.
Florian Bayer: Aber mit der richtigen Musik könnte man das so deuten. Apropos Musik. Apropos Musik. Ich habe dir sehr bewusst gesagt, ich habe dir eine spezielle Version gegeben. Ach so, okay. Hast du die Version geguckt? Ich habe die geguckt, die du mir geschickt hast, ja. Das ist tatsächlich die Version, die ich musikalisch am stärksten finde.
Johannes Franke: Die ist total stark, Musik. Und ich habe gleich am Anfang gedacht, du brauchst in der Zeit, in den 20ern, brauchst du ein gutes Musiksheet. Das gab es ja, dass sie den Kinos gegeben haben, hier so, das müsstet euer Orchester dann spielen. Aber das ist halt auch nicht in jedem Kino so zu haben. In vielen Kinos stand ein Klavier, und das war es. Und das ist dann schwierig.
Florian Bayer: Diese Musik hat relativ wenig mit dem Originalscore zu tun, tatsächlich.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Diese Musik ist, also zumindest, wenn ich den YouTube-Kommentaren vertraue, das ist die einzige Quelle, die ich habe in dem Fall, ist offensichtlich vom Matty Bay Ensemble und wurde live gespielt bei einem Stumpfilm-Festival in San Francisco im Castro Movie Theater. Bei Hexern ist es total, es gibt eine total spannende Geschichte eigentlich über die Musik von Hexern. Der hatte unzählige verschiedene Live-Scores während seiner Aufführung, wie viele andere Stumpfilme. Also, es ist eigentlich immer so, wenn wir heutige Stumpfilme sehen, es gibt einfach verschiedene Interpretationen von verschiedenen Musikerinnen über die Jahre, die auch wirklich andere Atmosphäre vermittelt haben. Der Originalscore von Christensen, der ist verloren gegangen. Oh, schade. Christensen hat tatsächlich was vorgelegt, was auch so eine Mischung war aus verschiedenen klassischen Stücken, inspiriert von Händel und Bach, glaube ich, teilweise. Es wird vermutet, dass die Kopenhagen-Premiere, die da gespielt wurde, dem am nächsten kommt, was Christensen eigentlich vorhatte.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es gibt auch von dieser ursprünglichen Musik, die wahrscheinlich dem am nächsten kommt, gibt es Versionen. Ja. Deutlich weniger tragisch, deutlich weniger unheimlich.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und mehr, etwas flacher empfinde, als etwas flacher empfinde ich sie. Ich habe das Gefühl, das, was wir gesehen haben, dieses Matty-Bayern-Ensemble, ist emotional stärker und mitreißender, setzt in den Horrormomenten mehr auf den Horror, setzt in den tragischen Momenten mehr auf die Tragik. Okay. Und die Originalmusik, die fließt so ein bisschen mehr und hat nicht ganz so krasse Höhen und Tiefen, Höhepunkte und Tiefpunkte. Es gibt eine wirklich spannende Version von dem Film, der dazu geführt hat, dass der in den 60er Jahren in Amerika neu entdeckt wurde. Und zwar wurde der Film in einer geschnittenen Variante, die nur 77 Minuten lang war, bei der auf den Schluss verzichtet wurde, auf dieses psychologische, größtenteils auf diese psychologischen Erklärungen. Okay. 1968 veröffentlicht, unter dem Titel Witchcraft Through the Ages. Unter dem Titel ist er in Amerika auch immer noch am bekanntesten. Und diese Version hatte einen Jazz-Score von Daniel Humer oder Humer, weiß nicht, wie man den ausspricht. Und hatte eine Erzählerstimme von William S. Burrow, dem berühmten Beatnik-Autoren. Okay, krass. Und wenn man sich diese Version anguckt, ist es nochmal ein komplett anderer Effekt. Der Film wirkt ganz anders und deutlich, deutlich mehr Exploitation, deutlich psychedelischer, deutlich mehr in die Horrorrichtung. Und zwar, der hat nur eine andere Musik, der wurde nicht umgeschnitten. Es wurde was weggelassen, aber es wurde nicht viel neu arrangiert oder so. Aber einfach durch die andere Musik und durch diese Erzählerstimme wirkte halt mehr nach 60er Jahre Horror. Und das ist tatsächlich die Exploitation-Variante. Und die kann man sich auch angucken. Es ist total spannend. Also, wenn ihr den Film mögt, ich werde auf jeden Fall die Version, die wir geschaut haben, weil das ist meine liebste Version davon, werde ich nochmal in die Show Notes.
Johannes Franke: Und auf der Webseite verlinken.
Florian Bayer: Und auf der Webseite verlinken. Es gibt aber auch andere Versionen und es lohnt sich auch, in die andere Versionen reinzuschauen. Und dieses Witchcraft Through the Ages kann ich nur empfehlen als komplett anderen Blick auf diesen Film, der deutlich mehr den Horror- und Psychedelic- und Fantasy-Aspekt betont. Okay. Einfach durch Musik und eben durch diese trockene Erzählerstimme. Krass, Mann.
Johannes Franke: Ja, das ist ein wahnsinnig spannendes Experiment. Weil du wirklich, wenn du wirklich nur die Musik änderst und das Ende vielleicht wegfälligst und dann eben eine Aufstimme hast und das so anders ist, ist beeindruckend.
Florian Bayer: Ja. Also gerade mit Stummfilmen kann man halt auch viel machen. Und ich finde, bei vielen Stummfilmen ist es so, dass meine liebsten Varianten nicht die Originalvarianten sind, nicht der Originalscore ist, weil es einfach so viele Variationsmöglichkeiten gibt und man damit auch ganz neue Ideen aus dem Film rauskitzeln kann. Fast schon wie ein Remake. Es gibt zum Beispiel von Caligari gibt es so eine tolle Variante. Ich gucke gerade von einer ganz berühmten Jazzband, aber ich weiß nicht mehr genau, welche Jazzband. Es gibt das Kabinett des Dr. Caligari auch aus der Zeit ungefähr, Horrorfilm Deutschland und Originalscore ist total toll. Und dann gibt es aber diesen Jazzcore aus den 70ern, glaube ich, oder sogar aus den 80ern. Und der ist einfach total geil. Und du siehst diesen Jazzcore und denkst, wow, der passt viel besser auf den Film.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Der macht mit dem Film nochmal was ganz anderes und gibt dir nochmal eine ganz andere Atmosphäre. Also ich meine, spannend an der Ära auch an Stummfilmen, dass man sie halt durch Musik neu interpretieren kann. Also ich meine,
Johannes Franke: man kann natürlich auch mal das Experiment machen, sich Chaplin-Filme anzumachen, die Musik, also den Ton auszustellen und sehr traurige Musik dazu laufen zu lassen. Gucken, was passiert, wenn man sich diese Chaplin-Comedy-Sachen mit trauriger Musik anguckt. Ich glaube, es ist ziemlich geil. Ich denke auch. Das ist eine ganz tragische Komponente.
Florian Bayer: Also man kann da auch wirklich damit spielen und es wurde ja auch damit gespielt, das ist toller auch an Stummfilmen, dass sie durchaus verschiedene Interpretationen erfahren, einfach dadurch, dass die Musik gewechselt wird. Und oft ist es ja auch so, dass wir gar nicht wissen, wie die Originalmusik war, weil das einfach verloren gegangen ist. Weil damals wurde halt auch viel live gespielt und dann gab es diese Sheets und dann, wenn die Sheets weg sind, dann haben die Kinos eben angefangen, ihr eigenes Ding zu machen und dann hat irgendwann die Filmgesellschaft gesagt, so jetzt müssen wir uns nochmal einen Score draufpacken, dann geht es nochmal ins Studio und DVD-Release, okay, wir nehmen einfach den.
Johannes Franke: Genau. Es gab, also diese Sheets haben sich ja auch nicht alle Filme geleistet, dass sie ganz am Anfang, du bist da irgendwie, es gab dann irgendwie ambitionierte Regisseure, die gesagt haben, oh Gott, das geht doch nicht, man kann doch keinen, keinen Typ am Klavier für mich improvisieren. Aber das war das, was oft gemacht wurde, was auch gang und gäbe war. bei kleinen Comedys von 10 Minuten hast du einfach jemanden ans Klavier gesetzt und der hat es irgendwie mit Übung geschafft zu erahnen, was jetzt passiert und dann an der richtigen Stelle zu machen und an der richtigen Stelle So das Standard-Repertoire, so ein bisschen generisch. Ja, genau. Und immer wenn die amerikanische Flagge drin war, einmal
Florian Bayer: Aber es lohnt sich übrigens auch, wenn dieser verfluchte Lockdown endlich vorbei ist, ins Kino zu gehen und klassische Stummfilme mit Live-Orchestrierung
Johannes Franke: oder auch meinetwegen
Florian Bayer: nur Live-Klavier zu sehen. Lohnt sich. Das ist toll. Ich finde, es ist immer wieder ein Erlebnis. Ich habe ja in Potsdam studiert und da ist ja das Filmmuseum und die haben regelmäßig Filmvorführungen gemacht mit Live-Musikuntermalung. Das war einfach toll. Das ist nochmal ein ganz anderes
Johannes Franke: Stummfilmerlebnis. Gibt es auch in Berlin. Ich weiß nicht genau, wie das in anderen Regionen in Deutschland ist, aber in Berlin gibt es eine ganze Tradition davon und du kannst immer wieder bei sowas erleben. Wollen wir dann mal unsere Top 3 anschließen, bevor wir ins Ende reingehen? Genau, sehr gut. Top 3. Top 3. Einmal Jingle bitte und Top 3 Fakten und Fiktion. Crazy, crazy. Fakten und Fictions. Wie meinst du das? Fakten und Fiction ist ja nun, das sagt noch nicht viel darüber aus, wie die Liste aussehen soll.
Florian Bayer: Es ist auch tatsächlich, ich habe es bewusst offen gehalten, weil es gibt in der gesamten Filmgeschichte so viele Variationen von wie Fakten und Fiktionen in Filmen miteinander und gegeneinander arbeiten. Von so etwas wie Hexern, was irgendwie eine Art Essay-Film ist, der Scripted Reality-Typ, bis hin zu Filmen, die sich als Dokumentation tarnen, aber in Wirklichkeit fiktiv sind. Ja. Also das klassische Mockumentary-Ding. Mockumentary, ja. Biss hin zu Filmen, die fiktiv sind, aber unglaublich nah an der Realität, einfach weil sie zum Beispiel Gesprächsprotokolle eins zu eins umsetzen. Genau. Biopics. Biss hin zu Filmen, die sich als Dokumentarfilm tarnen, aber in Wirklichkeit fiktiv sind. Wir hatten jetzt, Anfang 2021, hatten wir einen großen Fall. Ich weiß nicht, ob du das mitgekriegt hast. Es gab einen Dokumentarfilm über die Sexarbeiter. Genau, über Sexarbeiterinnen an der Grenze, wo sich dann nachher herausgestellt hat, dass die Sexarbeiterinnen, die gezeigt wurden, in Wirklichkeit Schauspielerinnen waren. Lovemobil hieß der Film und der wurde für den Grimpreis ausgezeichnet. Der wurde hochgelobt. Also es wurde wirklich viel über den Film geredet, weil der ein total intimes Porträt war. Und ich habe ihn nicht gesehen und ich habe auch erst von dem Film erfahren, als dann der Skandal rauskam. Es war von NDR in Auftrag gegebene Dokumentation. Und ja genau, hochgelobt, weil so authentisch und weil so intim. Und dann kam raus, die Hauptprotagonistinnen, das waren keine Sexarbeiterinnen, das waren Schauspielerinnen. Und die Regisseurin hat auch nichts, hat das einfach nicht verlauten lassen und hat das ganz klar so dargestellt, als wären das authentische Prostituierte.
Johannes Franke: Sie hat sich ja damit verteidigt, dass sie sagt, dass sie das so gut recherchiert hat und so, dass das wirklich alles einfach nur einmal zwar durch Schauspielerinnen dargestellt wurde, aber eigentlich sehr realistisch. Das musst du transparent machen. Das muss man transparent machen. Natürlich muss man.
Florian Bayer: Das ist keine Ausrede. Und ich verstehe auch nicht, dass sie, also eigentlich hätte sie einmal zu Kreuze kriechen müssen und sagen müssen, ich habe hier Scheiße gebaut. Gerade das Ding von Relotius, diese große Spiegel-Relotius-Affäre, wo er eine Reportage geschrieben hat über Hinterwäldler, die an der Grenze von Mexiko stehen und auf Einwanderer ballern. Und dann hat sich ja nachher auch herausgestellt, dass das komplett erfunden war, dass er nie da war. Das ist noch nicht so lange her und das ist, dass sowas untergräbt, komplett Vertrauen in das Genre, egal ob Reportage oder Dokumentarfilm, das kannst du nicht machen. Ja. Und ich finde es schon schwierig, wenn Dokumentarfilmer zu viel inszenieren und es ist natürlich auch ein schwieriges Genre und alles, was wir dokumentarisch sehen,
Johannes Franke: hat einen gewissen inszenatorischen Charakter. Immer. Du willst das, allein, wenn du die Kamera aufstellst und einen Bildausschnitt wählst, schon bist du im Bereich Inszenierung.
Florian Bayer: Und manche treiben es eben so weit und im schlimmsten Fall, gerade wenn es um politische Themen geht oder gesellschaftsrelevante Themen, kann das auch einen unglaublichen Backlash verursachen, weil diese ganze Relotius-Geschichte hat natürlich dafür gesorgt, dass die Rechter gejubelt hatten, gesagt, guckt euch die linke Lügenpresse an, wie die über uns Rechten schreibt.
Johannes Franke: Die denkt sich das aus. Ja, das kann nur schaden und das ist halt echt scheiße.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Naja, ähm, ich ja. So einen Fall habe ich hier nicht drin. So einen Fall hast du da nicht drin. Okay, ich bin gespannt. Du musst loslegen. Ich muss anfangen, ich muss anfangen. Ich würde gerne als erstes gleich unser Konzept sprengen.
Florian Bayer: Das will ich auch, das will ich auch.
Johannes Franke: Es ist wieder eine Serie drin, aber die sind so kurz die Episoden, dass man sie hintereinander schauen kann und am Ende hat man so, weiß ich nicht, 90 Minuten oder zwei Stunden höchstens. Also es ist eigentlich auch als Film guckbar.
Florian Bayer: Okay, ist das ein Honorable Mentions oder schon Platz drei?
Johannes Franke: Das ist schon Platz drei. Es gibt bei mir keine Honorable Mentions, weil ich nicht genug gefunden habe. Und zwar Staged. Staged ist mit David Tennant und Michael Sheen, wie sie im Lockdown vor Webcams sitzen und als fiktionalisierte Versionen ihrer selbst, als die Schauspieler, gerade ein Theaterstück proben wollten, aber durch den Lockdown ging es nicht mehr. Und der Regisseur versucht das irgendwie, versucht einen Vorsprung zu finden, dass sie dann, wenn der Lockdown dann vorbei ist, so schnell wie möglich wieder auf die Bühne können und als erstes das Theater wieder öffnen können und da spielen. Und der eine Schauspieler stellt dann irgendwann fest, er war nicht die erste Wahl für die Rolle. Oh nein, schrecklich. Oh mein Gott, da gibt es große Dramen. Und das Bickering zwischen den beiden Figuren ist einfach großartig. Staged von der BBC. Es gibt zwei Staffeln inzwischen und es ist einfach nur großartig. Findet man im Web? Findet man bei der BBC auf der Webseite.
Florian Bayer: Also mit Hürden verbunden,
Johannes Franke: aber klingt total sehenswert. Es ist unglaublich sehenswert. Vor allem, weil die beiden Schauspieler das einfach ganz, ganz großartig machen. Und absolut selbstreferenziell und total, man weiß nicht mehr, was Realität ist und was Fiktion ist.
Florian Bayer: Bei der BBC mit VPN kostenlos?
Johannes Franke: Mit VPN kannst du kostenlos rein, ja. Okay.
Florian Bayer: Also dann, Leute, VPN ist nicht teuer. Sorgt euch einen Account, schaut euch das an. Klingt gut. Ich hab's noch nicht gesehen, aber ich weiß, ich sollte es mal schauen.
Johannes Franke: Es ist wirklich toll. Ja, cool.
Florian Bayer: Und ich hab einige Honorable Mentions. Ich hab zwei Kategorien, was Honorable Mentions betrifft. Zum einen dieses Spiel mit Realität und Fiktion, das so weit geht, dass man überhaupt nicht mehr weiß, was Sarkasmus, was inszeniert und was real ist. Wer das ganz toll gemacht hat, aber der fällt eigentlich komplett raus, weil der halt vor allem von seinen Auftritten gelebt hat, war Andy Kaufman.
Johannes Franke: Ah, ja.
Florian Bayer: Mit diesem Spiel, so, ich wrestle jetzt gegen Frauen und ich hab hier eine Fehle mit einem Wrestler am Laufen und in der Talkshow prügeln wir uns. Und dann kommt halt raus, dass das natürlich alles gestaged war. Und er hat das in der Zeit gemacht, als die Leute noch ein bisschen naiver waren und wir noch nicht geblickt haben, wie viel davon inszeniert ist. Ja. Nicht aus dem Comedy-Bereich Christoph Schlingensief. Ich wollte gerade Schlingensief sagen. Ich wusste, dass das kommt. Oh, Mann. Hat das ganz oft gemacht. Und also ganz toll war der Container 2000, wo er gesagt hat, wir haben hier Asylbewerber eingesperrt und sie dürfen jetzt wie bei Big Brother rausgewählt werden und der gewinnt, der bekommt Asyl in Österreich. Oh, Wahnsinn. Noch besser fand ich Talk 2000, eine Talkshow, von der man auch viele Episoden auf YouTube sehen kann und wo er das sehr ausgereizt hat mit dem inszenierten Stress und Streit mit den Gästen, die er hatte. Zum Beispiel unter anderem mit Harald Schmidt oder auch mit dem Publikum, wo wirklich bis zu dem Punkt, wo man nicht mehr wusste, wo hört jetzt die Inszenierung auf und wo fängt das Reale an. Es gibt dann so einen ganz krassen Moment, wo er auf einem im Publikum losgeht und der Typ im Publikum sagt, das ist doch alles fake, das machst du doch nicht echt, pass mal auf, das ist echt und gibt ihm eine schallende Ohrfeige und du sitzt wirklich, es hat nichts mit Unbedarftheit zu tun, du sitzt wirklich als Zuschauer da und denkst, okay, was davon ist jetzt staged, was ist echt. Krass, Mann. Ja, weil du siehst auch die Überraschung von allen Beteiligten in diesen Momenten, ganz oft auch von Schlingensief selbst und das läuft einfach so oft aus dem Ruder.
Johannes Franke: Krass, Mann, ne?
Florian Bayer: Aber gibt's da Hinweise darauf, was jetzt wirklich echt ist oder was nicht?
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Und ich finde auch zu dem Charme davon gehört, dass man's nicht zu 100% weiß. Dieses Magenkrummeln, dieses Unsicherheitsgefühl, das ist eigentlich ganz gut und das ist gerade gut, weil das ist natürlich, Talk 2000 ist Anfang der 90er, aus einer Zeit, in der die Talkshows groß waren. Also so Hans Meiser und Ilona Christen. Ilona Christen sind Christen? Ich weiß es nicht. Ich glaube Christen. Und in der Zeit hat man halt auch oft das Zeug gesehen und hat gesagt, boah, die haben die Leute teilweise gecastet und die sind, das ist teilweise gescriptet oder wie viel ist davon gescriptet? Man war sich dann auch immer so unsicher und das war eigentlich eine schreckliche TV-Zeit, was das betrifft, die dann nur noch schlimmer wurde, als sie angefangen haben mit den Gerichtssendungen und mit dem scripted Reality, das tatsächlich von vielen für Reality-TV gehalten wurde. Und es ist eigentlich immer schlimmer geworden. Das war so eine einzige Talfahrt. Und da hat Schlingensief genau in das richtige Wespennest gestochen und einfach mal anarchisch das Prinzip radikalisiert und großes Fernsehen gemacht.
Johannes Franke: Das gehört wirklich zu den Sachen von Schlingensief, wo ich die Fahne hochhalten will. Weil das ist wirklich krass. Das ist toll einfach gemacht.
Florian Bayer: Alexander Kluge lasse ich jetzt mal weg, was das betrifft, weil der hat das auch immer wieder gemacht bei seinen TV-Arbeiten. So dieses, ich mache jetzt eine wissenschaftliche Sendung, dann sind es da plötzlich Peter Berling verkleidet als Wissenschaftler, als Sprachwissenschaftler, der sagt, wir müssen zurück zur althochdeutschen Sprache.
Johannes Franke: Und Helge Schneider als Offizier sowieso aus, ja, ja.
Florian Bayer: Meine zweite Honorable Mention-Genre-Technik ist das Horror-Mockumentary-Genre. Ich hoffe, ich greife nicht den einen Film vorweg, den du vielleicht auch auf der Liste hast.
Johannes Franke: Sag ich nicht, ich habe den nicht auf der Liste.
Florian Bayer: Okay, Blavage Project muss dabei natürlich genannt werden, Ende 90er, der Klassiker, was das betrifft. Wirklich ein guter Found-Footage-Film, der toll damit gespielt hat und damals auch wirklich das super gemacht hat mit der eigenen Website und hier haben ihr Material gefunden. Aber noch ein Stück stärker als Blavage Project ist der Film, den man hierzulande fast gar nicht kennt, Lake Mungo, aus dem Jahr 2008, ein australischer Horrorfilm, der eine fiktive Dokumentation ist, wo es darum geht, dass ein Mädchen stirbt und dann der Bruder von ihr Fotos macht und auf diesen Fotos taucht das Mädchen in Geistergestalt auf und dann forschen sie nach, was ist da los, haben wir einen Geist in unserem Haus und ich will jetzt nichts spoilern, weil die Geschichte nimmt eine Richtung, die man nicht erwartet und spielt ganz viel mit dem Gedanken, was ist fiktiv, was ist real und hinterlässt am Schluss ein krasses Fragezeichen und ist konsequent als Dokumentation inszeniert von Anfang bis Ende. Ohne, dass es diesen, ohne, dass es einen merkwürdigen Bruch gibt, wo man sagt, oh, jetzt wird es aber komplett zum Horrorfilm. Das bleibt nämlich, das Fragezeichen bleibt so stark, dass man nicht sagen kann, ach, das ist alles so übersinnig, das ist totaler Bullshit. Und das machen sie wirklich gut. Großartiger Film. Findet man, ich weiß nicht, ob man den, es ist kein so großer bekannter Film, ich weiß auch nicht, ob der synchronisiert wurde, aber wenn ihr den findet, guckt ihn euch an, einer der spannendsten Mockumentary Horrorfilme der 2000er Jahre. Oh, und jetzt komme ich zu meinem Platz 3, Entschuldigung. Mein Platz 3 ist ein verfilmtes Theaterstück. Oh. Der Kick aus dem Jahr 2006.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der sich mit dem Mord an einem Jugendlichen in Brandenburg auseinandersetzt. Das Theaterstück hat das auch gemacht und das Spannende daran ist, also es ging um Neonazis, die einen 16-jährigen Jugendlichen umgebracht haben, was tatsächlich passiert ist. Ja. Und sowohl das Stück als auch der Film leben vor allem davon, dass sie die Originalprotokolle von der Gerichtsverhandlung von Schauspielern vorlesen lassen. Oh. Das heißt, es wird eins zu eins von Schauspielern in den Rollen der Täter und Zeugen gesagt, was da passiert ist. Es ist wirklich eins zu eins Text und du kriegst einfach nur eine Gänsehaut, weil es wirklich gruselig ist, weil in diesen Monologen, die wirklich trocken sind und wirklich halt jemand bei einer Gerichtsverhandlung erzählt, was er getan hat, kommt diese ganze Unmenschlichkeit und dieser ganze Hass und auch gleichzeitig diese Verzweiflung und dieses Gelangweilte vom Leben und dieses Enttäuschte vom Leben, was sich dann zu Hass entwickelt, kommt total durch und das ist echt ein krasser Film, der übels Bauchschmerzen macht, wenn man ihn sieht, aber total sehenswert ist, um zu verstehen, wie sich in so einem ländlichen, rechten Milieu Gewalt entwickeln und entladen kann. Krass, wow.
Johannes Franke: Okay. Mhm. Dann mein Platz zwei, wa? Ja. Mein Platz zwei ist, Trommelwirbel, What we do in the shadows. Schön. Einfach ganz toll. Weil, also, natürlich weißt du, dass es keine Dokumentation ist, wenn du es guckst, aber der zieht das so ein bisschen so auf. Und das ist so cool. Man guckt da so, weiß ich nicht, teils gelangweilten Vampiren dabei zu, wie sie in der WG. Es ist so, irgendwie ist es echt geil. Es ist ein bisschen länger her, dass ich den gesehen habe, sonst könnte ich jetzt noch so Facts mit reinwerfen, aber schaut ihn euch einfach an. Es ist ganz toll.
Florian Bayer: Großartiger Film, vor allem von Taika Waititi.
Johannes Franke: Taika Waititi, genau. Waititi, Entschuldigung. Der, der dann wirklich groß geworden ist und sogar für Marvel arbeiten durfte und das auch wieder tun wird. Und wir haben in unserer allerersten Episode haben wir einen Film von ihm. Ja, genau. Jojo Rabbit. Ja. Und einfach großartiger Regisseur und ich liebe diesen Humor, den er immer in seinen Filmen mit drin hat.
Florian Bayer: Toller Regisseur, toller Mockumentary-Ansatz. Ich muss kurz auf einen Film zu sprechen kommen, den du mitgespielt hast, der eine ähnliche Intention hatte und der wirklich sehenswert ist. Und früher. Vorher ist. Früher, genau.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Taika Waititi hat nämlich eigentlich geklaut von Christian von Aster, der einige Jahre zuvor, bestimmt nicht ganz zehn Jahre zuvor, aber so, wann war der Film? Ich weiß nicht, ich kann es nicht sagen. 2006. 2007, glaube ich. 2007. Sieben Jahre davor mit Kevin eine Vampirgeschichte inszeniert hat. Die Blutsauger-Doku. Die Blutsauger-Doku, wo es genau darum geht und der Pop-Protagonist, Kevin, ein Vampir, ein cooler Vampir, der mit allerlei Alltagsproblemen zu kämpfen hat, wird gespielt von dem bezaubernden Johannes Franke.
Johannes Franke: Danke, danke, der Applaus ist gerechtfertigt. Nein, es ist, ich mag, ich bin immer noch wahnsinnig froh und dankbar, Christian von Aster. Hallo Christian. Vielen Dank für diesen wundervollen Film. Er ist am Ende nicht ganz das geworden, was Christian sich vorgestellt hat, glaube ich, wie das oft so ist, wenn man kein Budget hat und dann irgendwie versucht, mit Leuten sich einzulassen, und die dann vielleicht in die eine oder andere Richtung das Ganze verfälschen und dann auch noch Schauspieler wie mich hat, die sich den Text nicht ordentlich merken können. Aber es ist einfach toll. Es gibt einfach, das Highlight für mich dieses Films ist die Szene beim Arbeitsamt, wo der Arbeitsamt-Mitarbeiter sagt, wissen Sie, was das Schlimmste ist? Langzeitarbeitslose Vampire. Es ist wirklich ein Zero-Zero-Budget-Film, ne? Ja, es gibt einfach kein Budget, gar nicht.
Florian Bayer: Aber dafür hat er wirklich starke Momente. Also, ja, man sieht ihm das an, dass es Low-Budget ist und er hat mit all diesen Problemen zu kämpfen, mit denen Low-Budget-Filme zu kämpfen haben. Ja. Aber er hat ein gutes Drehbuch. Ja. Das am Ende meiner Meinung nach so ein bisschen in die falsche Richtung läuft, aber er hat davor ganz viele treffende Gags. Christian von Aster ist einfach ein hervorragender Autor.
Johannes Franke: Also jeder,
Florian Bayer: der sich in der Leipziger, Gothic- und Horror-Szene bewegt wird, Christian von Aster kennen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Toller Autor und auch guter Regisseur. Mhm. Und es ist wirklich ein unterhaltsamer Blick auf den Vampir-Mythos. Ja. Und noch ein bisschen konsequenter als What We Do in the Shadows. Nicht besser, weil es ist einfach, die Konkurrenz ist dann doch zu stark, tut mir leid, Johannes. Ja, definitiv. Aber konsequenter in seinem dokumentarischen Ansatz. Ja.
Johannes Franke: Er hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe immer gehofft, dass er kommt und eine Fortsetzung davon dreht. Aber inzwischen sehe ich doch ein bisschen älter aus. Vampire dürfen das nicht.
Florian Bayer: Stimmt. Funktioniert nicht. Aber beim Terminator haben sie es auch geschafft. Stimmt. Beim letzten Terminator-Film sah Arnold Schwarzenegger auch aus wie 70. Der Mann ist einfach mal fucking 70.
Johannes Franke: Oh Gott. Ja. Ja. Ja, genau. Danke für diesen Menschen.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Eine Mockumentary aus dem Jahr 2002, die sich mit einem der liebsten Verschwörungstheorien überhaupt beschäftigt, der Mondlandung. Kubrick, Nixon und der Mann im Mond. Eine Mockumentary, die anhand von alten Aufnahmen und net zusammengeschnitten und ein paar Interviews reingeschnippelt die Geschichte davon erzählt, dass Stanley Kubrick, nachdem er mit 2001 Odyssee im Weltraum seinen großartigen Science-Fiction-Film gemacht hat, von der Nixon-Regierung angeheuert wurde, um die Apollo 11 Mondlandung zu fälschen. Und ein ganz toller Take auf die klassische Verschwörung, dass die Mondlandung nicht stattgefunden hat und nur inszeniert wurde. Und auch mit Interviews von Zeitzeugen. Sie haben Buzz Aldrin dabei. Krass, Mann. Und es ist super inszeniert. Sie haben es wirklich gut geschafft, das Found-Footage mit dem inszenierten Material zu mischen. und es ist ein Film, der sich ernst genug nimmt, um nicht einfach nur als alberne Klamotte rüberzukommen, sondern wirklich eine wunderschöne verschwörungstheoretische Geschichte erzählt und das einfach sauwitzig macht mit den Mitteln
Johannes Franke: einer Dokumentation. Cool. Da fällt mir ein One-Liner ein, der mir online begegnet ist vor einer Weile. Sie haben die Mondlandung gefälscht, aber sie waren deswegen so gut, weil sie an Originalschauplätzen gedreht haben. Sehr schön. Ja, mein Platz eins. Mein Platz eins ist I'm Still Here.
Florian Bayer: Fuck, warum habe ich an den nicht gedacht?
Johannes Franke: Das ist, also, viel besser kann man es nicht machen.
Florian Bayer: Hua Queen.
Johannes Franke: Hua Queen Phoenix. Wahnsinn. Der sich einfach mal wirklich ein Jahr lang oder sowas hingestellt hat, gesagt hat, so, ich höre jetzt auf mit dem Schauspiel und werde Hip-Hop-Artist oder Hip-Hop, ne? Ja. Und sich ein Bart wechseln lässt und überall in Interviews sich so dermaßen daneben benimmt. Und er kann nicht schreppen. Ja, er kann es überhaupt nicht. Und es ist ganz, ganz großartig, weil das überall in den Medien so stark drin war und alle wirklich geglaubt haben, der hat jetzt echt den Verstand verloren, dieser Mensch. Und dann macht er einfach ein Jahr lang diese Doku. So geil. Wie bringt die dann raus, wie die Welt reagiert, wenn ein Schauspieler jetzt einfach mal sagt, ich drehe jetzt komplett am Rad und mache was ganz anderes.
Florian Bayer: Und er hat es auch wirklich konsequent durchgezogen. Er war dann teilweise bei diesen Late-Night-Shows und die ihn auch versucht haben zu überführen, weil einige natürlich, die kennen sich aus dem Business. Und dann hast du halt so ein Gespräch von ihm mit David Letterman, glaube ich.
Johannes Franke: zum Beispiel.
Florian Bayer: Der versucht die ganze Zeit reinzustechen und versucht heraus und verzweifelt versucht ihm zu entlocken, dass das Ganze nur ein riesiger Fake ist und Rock Queen zieht es konsequent durch. Es ist unglaublich. Er schafft es wirklich in dieser Rolle zu bleiben. Wahnsinn. Oh Mann, ich habe den vergessen. Es ist eine super Eins. Es ist viel besser als meine Eins und jetzt, ja, fantastischer Film. Wirklich. Ihr müsst ihn unbedingt sehen. Von Casey Affleck, dem Bruder von Ben Affleck, inszeniert. Super, super Film. Großartig. Danke, dass du daran gedacht hast. Warum habe ich den nur vergessen? Und jetzt habe ich auf der Eins meinen Bruch mit den Regeln. Oh, und? Ich habe ein schnödes YouTube-Video auf der Eins. Hast du irgendein Cat-Content genommen oder was? Nein, nein, nein. In Search for Flat Earth von dem Kanal Folding Ideas. Folding Ideas ist ein Kanal, der macht Infotainment und setzt sich vor allem mit politischen Themen auseinander und eigentlich so Video-Essays und auch ein bisschen mit kulturellen Themen, aber vor allem Politik und vor allem mit der amerikanischen Rechten. Und der hat einen Essay-Film gemacht zum Thema Flache Erde. Flache Erde-Verschwörung. Wer glaubt daran? Wer sind die Protagonisten? Warum glauben sie daran? Wie kann man das Ganze debanken? Und dieses Ding hebt das Genre Video-Essays auf ein ganz neues Level. Ich muss es einfach aufzählen, weil es ist kurz, es ist, es ist nicht kurz, es sind 76 Minuten, also es ist richtig lang für so ein Video-Essay. Ja. Und was Inszenierung betrifft, was Schnitt betrifft, was visuelle Präsentation betrifft, ist das top-notch. Das ist besser als das, was man im Fernsehen sieht. Wow. Und es ist, es hat wirklich Kino-Qualität und er macht das so gut. Und ich, ich mag sowieso YouTube-Video-Essays, aber das, was da passiert, geht nochmal über das ganze Genre hinaus und es wirklich, also ich würde sagen, mal kurz schauen, es wurde anderthalb Millionen Mal nur abgerufen, was gar nicht so groß ist. Ja. Es ist aber fast ein Game-Changer, was das Genre betrifft, weil es zeigt, was mit diesem Genre, das auf YouTube schon lange populär ist, möglich ist. Okay. Total sehenswert und er beschäftigt sich zum einen mit den Flat-Oerflern, schlägt dann aber den Bogen zu den Trumpisten und zu, genau, zu der amerikanischen Rechten ist aus dem September 2020, das heißt, vor der Wahl.
Johannes Franke: Schickst du mir einen Link? Schick ich dir. Kannst du den auch auf der Webseite mit unterbringen, im Text vielleicht oder so? Auf jeden Fall werde ich machen. Oder vielleicht sogar in den Shownotes, je nachdem. Ja. Weil es klingt total spannend und ich glaube, das ist ein paar mehr Interessierte.
Florian Bayer: Und wer glaubt, YouTube-Content, höde oder YouTube-Content, billig, flach und der muss das sehen, um sich von einem Besseren belehren zu lassen.
Johannes Franke: Hm. Cool. Okay. So, dann sind wir durch unsere Top 3 durch, wa? Wollen wir nochmal so ein bisschen gucken, wo wir stehen geblieben sind. Wir haben das letzte Kapitel noch nicht. Genau, das letzte Kapitel
Florian Bayer: ist natürlich das spannende Kapitel, das siebte Kapitel, wo es diesen Bogen gibt zum Wahren von heute und vor allem zur psychischen Erkrankung.
Johannes Franke: Hm. Und das finde ich wahnsinnig spannend, weil du natürlich damals einen völlig anderen Blick darauf hattest, was so Nervenkrankheiten, wie sie damals genannt wurden, so betrifft. Die Hysterie. Genau, die Hysterie, die Frauen betrifft. Die vor allem Frauen betrifft, ja. Aber so dieser Versuch, das so versöhnlich zu gestalten und die Leute da aufzuklären, wo ich dann davor sitze und denke, ja, Aufklärung, in welche Richtung. Aber ja, also ist natürlich immer noch ein großer Schritt von Hexenverbrennung zu, wir sagen, das sind hysterische Anfälle.
Florian Bayer: Funfact übrigens, Debunking von einem anderen Funfact, Vibratoren wurden nie zur Linderung von Hysterie geschaffen. Das hat ein Wissenschaftler behauptet, irgendwann in den 80ern und seitdem jetzt immer mal wieder gerne als Funfact auf Partys oder in psychologischen Gesprächen aufgebracht, so hey, wusstet ihr übrigens, dass der Vibrator nur erfunden wurde, damit Frauen von der Hysterie geheilt wurden, ist Bullshit.
Johannes Franke: Ich reiße gerade aus meinem Notizblock eine Seite raus und werfe sie weg.
Florian Bayer: Ich habe auch, es ist ein witziges Gesprächsthema und irgendwie so ein Fact, den man sich auch merkt und ich hatte den auch jahrelang im Kopf und habe den bestimmt auch ab und zu mal verbreitet, aber es ist Bullshit. Ich will jetzt gar nicht näher darauf eingehen, es gibt eine Quelle, die das sagt und die wurde dann von allen anderen zitiert und es ist einfach Quatsch.
Johannes Franke: Okay, das heißt, möchtest du mir jetzt genauer erklären, wo Vibratoren hergestellt, also wo das herkommt? Vibratoren sind Sexspielzeug. Ja,
Florian Bayer: Vibratoren waren Massagestäbe und wurden dann irgendwann umfunktioniert zu Sexspielzeug, aber es gab nicht diese Verbindung zur psychotherapeutischen Behandlung. Das war einfach, na gut. Es ist schade, es ist eine schöne Geschichte, aber sie stimmt leider nicht. Genauso wie, aber das weiß man mittlerweile, glaube ich, dass die eiserne Jungfrau ein Scherz ist, dass sie nie existiert hat als Folterwerkzeug, sondern irgendjemand gesagt hat, hey, das ist ja cool, sollen wir da mal ein paar Stacheln reinmachen, dann sieht das aus wie eine echt gute Folterkammer. Okay. Und der Keuchheitsgürtel hat auch nie existiert, ist auch eine Erfindung aus dem 19. Jahrhundert. Und das Katzenpiano, falls du das kennst, Ich bin so enttäuscht. ist auch nur ein Gag, den irgendwann mal jemand im 19. Jahrhundert gemacht hat. Ja, toll. Die ganzen tollen, grausamen Dinge aus dem Mittelalter waren gar nicht im Mittelalter, sondern im 19. Jahrhundert.
Johannes Franke: Okay, das war unsere Kategorie Fun Facts Debunked.
Florian Bayer: Entschuldigung. Genau, Hysterie, ja, das ist krass, es ist wirklich dieser naive, sehr klare, freudianische Blick auf psychische Erkrankungen.
Johannes Franke: Und ich finde es schön, dass er sich immer wieder auf seine Schauspielerinnen bezieht. Ja. Also diese Selbstreferenzielle holt er dann nochmal richtig doll raus. Jetzt kommt eine Schauspielerin, die spielt jetzt eine Schlafwandlerin. Ja. So sagt das irgendwie. Ja, ja, irgendwie so. Und dann dieses mit den unsensitiven Punkten im Rücken, was war das eigentlich? Das habe ich nicht so richtig verstanden.
Florian Bayer: Ich glaube, das war einfach, das ist so ein Zeitgeist. Ja. Ich fand auch tatsächlich, das letzte Kapitel ist total spannend und putzig als Zeitdokument. Ja, ja. Aber es fällt so ein bisschen raus zum Rest des Films, weil der restliche Film, die Betrachtung des Historischen hat noch eher eine Aktualität als das dann. Und das ist dann tatsächlich ein Zeitzeugnis aus den 20er Jahren.
Johannes Franke: Ja, und die Kleptomanie, die einmal noch als Beispiel genommen wird und so. Aber deswegen finde ich den letzten Teil so wahnsinnig wichtig. Egal, wie aktuell der Teil ist, hat er doch, zeigt er mir doch die Dramaturgie des Films und zeigt mir, wo ich als Zuschauer hindenken soll, laut Filmemacher und damit kann ich natürlich, selbst wenn das, was da gezeigt wird, nicht mehr aktuell ist, kann ich als Zuschauer trotzdem meinen eigenen Bogen schließen von dem Film. Und das finde ich schon wichtig und gut und deswegen finde ich es ein bisschen doof, dass die US-Version aus den 60ern das rausgenommen hat.
Florian Bayer: Definitiv. Er lädt es zum Weiterdenken ein und er sagt, hey, man kann hier Bogen schlagen und guckt euch doch mal an, wo ihr abergläubig seid. Genau. Und glaubt nicht, dass das alles nur, dass das alles nur Erscheinungen des Mittelalters oder der frühen Neuzeit sind. Auch wir sind abergläubig, auch wir haben merkwürdige Verhaltensweisen, auch wir gehen scheiße mit Leuten um, die sich anders verhalten. Auch wenn er das sehr, auch wenn er das sehr vorsichtig und sehr subtil macht, ist ja durchaus auch dieses Fragezeichen gegenüber der psychiatrischen Behandlung drin. Ja, ja, schon. Beurteilt das und guckt es euch an und dann zeigt er halt die Dusche in der Klinik. Ich finde dieses Bild so schön von der lauwarmen Dusche. Ich finde nichts Schlimmeres als eine lauwarme Dusche. Das ist entweder richtig heiß, dass die Haut fast verbrennt oder halt kalt, dass man wach wird. Aber so eine lauwarme Dusche ist echt bäh. Und dann zeigt er halt in der Klinik die Behandlung und offensichtlich sind lauwarme Duschen das, womit Frauen behandelt werden heutzutage. Also damals. Damals. Und dann direkt dahinter schneidet er den Schalterhaufen.
Johannes Franke: Ja. Irgendwie war ich ein bisschen verstört an der Stelle, aber gut. Aber ich finde den Bogen eben wichtig und ich finde es toll, dass er sich darum gekümmert hat, auch wenn es relativ naiv ist für unsere Blicke oder relativ schwierig an so manche Methoden von damals dann ranzukommen. Aber mach den Film rund.
Florian Bayer: Es rundet ihn unglaublich gut ab. Das finde ich auch. Es ist auch, nochmal ganz kurz auf die Struktur zu kommen. Ich habe mir das einmal notiert. Es ist wirklich, es ist fast eine strenge formale Struktur. Es ist Kapitel 1 Geschichte des Aberglaubens. Kapitel 2 die tatsächlichen Hexen. Kapitel 3 was passiert mit Frauen, die als Hexen verdächtigt werden. Kapitel 4 wie werden sie verhört. Kapitel 5 wie wird danach mit ihnen umgegangen. Kapitel 6 was sind die Folterwerkzeuge und was ist der Wahn. Und Kapitel 7 wie sieht es in unserer Zeit aus. Es ist einfach wirklich eine Runde sehr strenge formale Struktur. Also wissenschaftliches Arbeiten quasi fast. Ja, also und den Anspruch hatte er ja auch. Ja. Auch wenn es heutzutage und auch damals schon nicht unbedingt so rezipiert wurde.
Johannes Franke: Sowas. Sind wir schon am Ende, Plur, oder? Fällt dir noch was ein? Möchtest du noch was sagen? Oder also mein Fazit habe ich fast schon genannt.
Florian Bayer: Ja, es war einer der teuersten Filme in der skandinavischen Filmgeschichte, um noch kurz ein paar Fakten reinzuwerfen. hat zwischen 1,5 und 2 Millionen Kronen gekostet. Oh, okay. Und gilt als teuerster skandinavischer Stummfilm. Krass. Wow. Benjamin Christensen hat nicht mehr viel danach gemacht. Also das war tatsächlich ganz interessant. Der wollte eigentlich Opernsänger werden und hatte dann aber eine Nervenkrankheit. Und die hat dazu geführt, dass seine Stimme versagt hat. Oder dass er als Schauspieler versuchte. Seine Nervenkrankheit wurde schlimmer. Und deswegen hat es auch im Theater nicht mehr geklappt. Und so ist er dann zum Film gekommen, weil als Schauspieler braucht er die Stimme nicht beim Film. Okay. Und hat dann aber schnell festgestellt, dass er lieber Regisseur sein will. Und hat zwei Krimis vor Hexern gedreht. Und dann lange Zeit gar nichts mehr. Und hat es dann nochmal in den USA versucht. Und hat offensichtlich festgestellt, dass sein Hexern vor allem als Horrorfilm so beliebt war. Und hat deswegen angefangen in den USA vor allem Mystery und Horrorfilme zu drehen. Sogar eine Jules Verne-Verfilmung war dabei. Oh, cool. Aber er hatte keine großen Erfolge mehr. Tatsächlich mittlerweile, also er war dann auch nie besonders bekannt. Mittlerweile hat er den Ruf einer der besten Stummfilm- Richtisseure der dänischen Filmgeschichte zu sein. Das heißt, es kann sich durchaus mal lohnen, auch auf einen anderen seiner Filme einzugehen und sich mal anzuschauen. Ich kann nur Hexern und ich finde Hexern ist vollkommen zu Recht mittlerweile. nicht nur Kultstatus, sondern auch hat einfach den Rufen Meisterwerk des Stummfilms zu sein. Das ist es auch
Johannes Franke: schön.
Florian Bayer: Ja, voll cool. Vielen, vielen, vielen Dank, Flor, dass du mir diesen Film irgendwie beschert hast. Großartig. Danke, dass er dir so gut gefallen hat
Johannes Franke: und vielen Dank
Florian Bayer: für dieses tolle Gespräch drüber. Voll schön. Und auch noch mal neue Gedanken zu dem Film, die ich vorher noch nicht hatte. Das ist vor allem auch immer schön. Machen wir eine kurze Pause und dann geht es
Johannes Franke: weiter mit Hitchcock. Geht nochmal auf Toilette alle und dann geht es weiter mit Hitchcock und dem Remake. Kein Remake. Naja, okay.
Florian Bayer: Wir werden es erfahren. Bis gleich. In den Rego Ninjago, in den Hörspielen von meinem Sohn heißt es dann immer, wie wird es weitergehen? Ihr werdet es erfahren.
Johannes Franke: So, willkommen zurück aus der Pipi-Pause. Plor hat eine geraucht. Fenster ist noch offen. Ich mach mal zu. Ich mach das.
Florian Bayer: So, wir sind zurück mit Alfred Hitchcock und dem Jahr 1941.
Johannes Franke: Ja, so, wir müssen, bevor es losgeht, einmal kurz, ich möchte, euer vollstes Mitleid und nicht euren Hohn und Spott. Folgendes ist passiert. Wir haben letzte Woche über Hitchcock geredet und gedacht, ach, der fehlt doch, den müssen wir eigentlich unbedingt mal unterbringen und ich bin ja auch, ich mag Hitchcock wirklich sehr. Ich hab Hitchcock als Kind durch die drei Fragezeichen kennengelernt, weil der immer so ein Vorwort geschrieben hat darüber, beziehungsweise vielleicht eher nicht selber, sondern irgendjemand und hat dann gesagt, Hitchcock, es ist okay, wenn wir deinen Namen drunter schreiben. Und da hab ich gedacht, oh, das muss ja ein ganz toller sein. Und dann hab ich das irgendwie, bin ich da drauf gekommen. Und dann hab ich gedacht, ich muss, ich hab nicht genug von ihm gesehen. Ich kenn die ganzen frühen Sachen gar nicht und du hast es auch erzählt, du kennst sie gar in frühen Sachen nicht. Ich bin, genau, ab den 50ern kenn ich mich mit Hitchcock aus und davor ist ein riesiges schwarzes Loch. Ja, und dann haben wir durch den Wikipedia-Artikel gescrollt und haben gedacht, ach, guck mal, Mr. und Mrs. Smith, da gibt's auch einen Film aus dem Jahr 2006, glaube ich, der heißt auch so, Mensch, das ist ein Remake wahrscheinlich. Ja, aber der hat die
Florian Bayer: Themen, die coolen Hitchcock-Themen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Das ist bestimmt witzig und gleichzeitig ein bisschen spannend und düster und
Johannes Franke: Suspense und alles das.
Florian Bayer: Genau, und so, das, was
Johannes Franke: Hitchcock halt gut kannte. Ja, und dann haben wir jetzt beim Gucken, ich weiß nicht, ob du das erst beim Gucken festgestellt hast, aber ich hab's auch wirklich... Beim Gucken. So, nach und nach hab ich gedacht, ja, ähm, den Pärchen, aber irgendwie fehlt mir so dieser Agenten-Teil davon. Wo sind die Kanonen? Wo sind die Kanonen? Wann schießen sie aufeinander?
Florian Bayer: Ist alles nicht passiert. Wir haben ein Remake. Also, wir wollten das Original zu einem Remake gucken, das wir nicht gesehen haben. Dass kein Original zu diesem Remake ist, weil der Film einfach kein Remake ist und die einfach nur den gleichen Titel haben.
Johannes Franke: Und weißt du was, was mich ein bisschen getröstet hat? Ich hab in der Recherche ein bisschen, äh, geschaut und festgestellt, dass viele das gleiche Problem hatten wie wir. Sie erwähnen in vielen Artikeln oder in Videos nochmal explizit, übrigens, der Film hat nichts mit dem von 2006 zu tun, das ist nur der gleiche Titel, weil dieses Missverständnis einfach oft vorkommt.
Florian Bayer: Also, wenn ihr den Mr. und Mrs. Smith mit Brad Pitt gesehen habt und denkt, oh, krass, der war schlecht, hat er aber Potenzial, ich weiß es nicht, ich kenn ihn ja nicht. Ja, genau. Und, oh, dazu muss ich das Original sehen, das ist ja noch von Hitchcock, super. Nein, das ist kein Grund, diesen Film zu sehen. Ob es andere Gründe gibt, diesen Film zu sehen, das werden wir jetzt Gespräche erarbeiten. Genau. Ich würde einfach den Film einmal vorstellen, ne, meinen Text. Wenn wir schon den Elefant im Raum abgearbeitet haben, sollen wir auch einfach die Top-3-Remakes vorher schnell machen? Ja, genau, weil irgendwie passt, wir haben als Top-3 natürlich Top-3-Remakes, weil wir uns auf die Top-3 einigen, bevor wir die Filme gucken meistens.
Johannes Franke: Wie doof.
Florian Bayer: Und jetzt haben wir Top-3, die gar nicht dazu passen, aber Ladies and Gentlemen, bevor es mit dem Hauptprogramm weitergeht, die Top-3-Jingle. Jingle.
Johannes Franke: Die Top-3-Remakes der Filmgeschichte, was aber ein schöner Top-3 ist. Auf jeden Fall. Es gibt ja viele Remakes, die man eher in die Tonne kloppen möchte, aber es gibt auch ein paar ganz gute. Umso erfreulicher sind die guten Remakes. Ja. Wie weit gefasst haben wir denn Remakes? Jetzt wird es nämlich spannend, weil ich habe vier Stücke in meine Liste gepackt, damit einer rausfliegen kann, falls du die nicht akzeptierst. Ich habe tatsächlich eine ganz
Florian Bayer: merkwürdige Liste von acht Filmen. Was? Aber eine klar definierte Top-3, aber da sind halt ganz viele Honorable Mentions. Remake ist alles, wovon es ... Ah, genau, okay. Ich glaube, ein Remake ist ... Ich würde es nicht zum Remake zählen, wenn es einen berühmten Roman gibt und davon zwei Verfilmungen. Zum Beispiel Herr der Ringe von Peter Jackson ist kein Remake von dem Zeichentrickfilm aus den 70ern, auch wenn er viel davon übernommen hat. Okay, gut. Ja.
Johannes Franke: Okay. Dann fang du doch an mit deinen Honorable Mentions.
Florian Bayer: Honorable Mentions, also Horror tatsächlich. Es gibt gute Horror-Remakes. Da habe ich Evil Dead und das Ding aus einer anderen Welt. Also Evil Dead, der relativ jung ist, von ein paar Jahren. Remake von Tanz der Teufel, von Sam Raimi. Und das Ding aus einer anderen Welt von John Carpenter ist tatsächlich deutlich besser als das Original. Okay. Dann habe ich True Grit, den Investor von den Cones, der deutlich besser ist als das John-Vayne-Filmchen, das er ... Filmchen, das ist ja gemein. Das ist ein Diminutiv gleich noch. Und ein Remake, von dem ich das Original nicht gesehen habe, aber wo das Remake einfach ganz toll ist, ist der kleine Horrorladen. Little Shop of Horror ist bestimmt bei dir in der Liste drin, tut mir so leid. Und dann habe ich noch als letztes einen kleinen Regelbruch Stromberg-Serie, nicht Film. Ich finde Stromberg besser als The Office. Ich glaube, ich habe es schon ein, zweimal erwähnt und ich wurde auch schon ein paar Mal dafür verprügelt. Aber Stromberg ist besser als das britische The Office und besser als das amerikanische The Office. Und dazu steht.
Johannes Franke: Muss ich dir aber auch beipflichten, tatsächlich. Das ist wirklich besser. Ganz beeindruckend besser.
Florian Bayer: Eine Minderheitenmeinung. Also ich glaube, man wird öfter mal entgeistert angeschaut, wenn man das sagt. Vor allem von TV-Snobs. Okay. Nein, das geht doch gar nicht. Das kannst du doch nicht. Nein, Stromberg ist besser. Ich bleibe dabei. Meine Nummer drei ist Suspiria aus dem Jahr 2018 von Luca Guadagnino. Guadagnino. Tut mir leid, dass ich den Namen nicht aussprechen kann. Toller Regisseur, der auch mittlerweile mit Oscarn ausgezeichnet wurde für Call Me By Your Name. Und der einfach zu den spannendsten Regisseuren der jetzigen Zeit zählt und immer noch so ein bisschen unterm Radar läuft, aber tolle Filme gemacht hat. Und Suspiria ist ein Remake von einem Horror-Klassiker von Dario Argento aus dem Jahr 1977, glaube ich. Und eigentlich würde man meinen, das kann Suspiria aus dem Jahr 1977, das ist ein toller Horrorfilm, ist so ein bisschen, wenn jemand ein Giallo gucken will, dann guckt er immer Suspiria, obwohl es kein richtiger Giallo ist, aber es ist ein toller, hysterischer, lauter, wilder, bunter Hexen-Horrorfilm. Willst du Giallo einmal definieren für den Zuhörer? Giallo. Ja, es ist so schwierig. Giallo ist ein italienisches Filmgenre, das in den 60ern und 70ern bekannt war und die berühmtesten Giallo-Filme und die beliebtesten Giallo-Filme weichen sehr stark davon ab, weil Giallo sind eigentlich das, was im deutschen Edgar-Wallace-Filme sind. Es gibt einen Mord, es gibt mehrere Verdächtige, es gibt einen Ermittler und am Schluss kommt heraus, wer der Mörder war. Nur mit dem Unterschied zu Edgar-Wallace und zu klassischen Murder-Mysteries, dass sehr viel mit Gewalt und Sex gespielt wird. Das heißt, es gibt Nacktzehen und es wird Blut vergossen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also dieses Exploitation-Moment. Aber die wirklich guten Giallos brechen mit dem Genre, indem sie Übernatürliches, Tiefenpsychologisches, Vampiristisches und so weiter mit einbringen. Und Suspiria gehört deswegen eigentlich zu den Filmen, die das so weit treiben, dass man ihn kaum noch als Giallo bezeichnen kann. Aber es ist ein toller Film, ein toller Hexen-Horrorfilm.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das Remake ist besser. Ich finde das Remake tatsächlich besser als diesen Klassiker, als diesen hochgelobten Horrorfilm, der als einer der besten Horrorfilme des 20. Jahrhunderts gilt. Das Remake von 2018 ist düsterer, intelligenter, tiefgreifender, morbider. Es ist ein super Film. Guckt ihn euch an.
Johannes Franke: Jetzt möchte ich einmal ganz kurz den Satz sagen, den alle erwarten, wenn man so eine Liste macht von Remakes. Was? Das ist ein Remake? Und das gilt jetzt einfach für alles, was du sagen wirst, weil Suspiria wusste ich auch nicht, dass es eigentlich ein Remake ist. Nee, du kennst auch den Original Suspiria aus dem Jahr 1977. Den haben wir doch zusammen geguckt, Das Problem ist, ich kenne das Remake nicht. Ach so. Das heißt, ich habe erst, also ich habe, ich habe keine, ich wusste nicht, welcher, wovon du jetzt sprichst, von welchen von beiden. Ach so,
Florian Bayer: das Remake ist von 2018, ganz frisch. Okay, weil den habe ich nicht gesehen. Gibt es auf Netflix oder Amazon, guckt ihn euch an. Das Original findet man wahrscheinlich irgendwo im Internet auf irgendwelchen illegalen Portalen oder als schicke DVD der Kriterion Collection, weil es wirklich ein Klassiker ist. Also, wenn man Horrorfilme aus den 70ern sehen will, muss man Suspiria sehen, einer der besten Horrorfilme in der damalige Zeit. Wenn man ein Remake sehen will, das nochmal besser ist, dann muss man Suspiria aus dem Jahr 2018 sehen. Krass, krass, krass.
Johannes Franke: Okay. Ja, dann würde ich jetzt einfach mal Little Shop of Horrors wieder rauskicken. Nein, tut mir leid. Sag was dazu, ich habe es so abgefrühstückt. Es gibt ja gar nicht viel dazu zu sagen. Little Shop of Horrors ist einfach ein ganz großartig, liebevolles Musical über eine eine Pflanze, die sich von Menschen ernährt und dann also ein Horror ist ja völlig falsches Genre eigentlich dafür. Das ist ein das ist eine Komödie, die einfach diese schräge Pflanze einmal in den Mittelpunkt stellt und die sich halt da durchfrisst und immer größer wird und immer wieder singen Menschen und
Florian Bayer: Regie Frank Oz Hauptdarsteller
Johannes Franke: Rick Moranis Rick Moranis ist total crazy dieser Typ. Ich weiß gar nicht, warum der in der Versenkung verschwunden ist. Der ist irgendwann mal zwischendurch in einer Werbung aufgetaucht als kleine Reminiszenz an seine Zeit, aber irgendwann ist der halt einfach verschwunden. Warum ist der verschwunden? Wahrscheinlich als er einmal zu oft
Florian Bayer: diese goofy nerdy Charaktere gespielt hat. Es gibt ein ganz tolles alternatives Ende zu Little Shop of Horror, wo die Pflanze am Schluss, also es gibt, der eigentliche Film hat ja so ein Happy End, wo er die Frau kriegt und alles ist gut und es gibt aber das alternative Ende, wo die Pflanze so groß wird, dass sie alles frisst und dann durch die Stadt läuft und alles zerstört und dann ist der Film vorbei. Kann man sich auch anschauen.
Johannes Franke: Hast du das Original gesehen? Nee, das Original habe ich nicht gesehen. Ich auch nicht. Aber das müsste man eigentlich mal. Ja, ne? Und es basiert auch auf irgendwas anderem, oder? Ja, gute Frage. Musical? Ich weiß es nicht mehr. Ich glaube, das Original war gar kein Musical.
Florian Bayer: Das Original ist von Richard Corman übrigens und aus dem Jahr 1960. Gibt es noch ein anderes Original? Nee, 1960 ist das Original und unser Film ist aus dem Jahr 1986. Ah, verstehe. 1982 gab es ein Musical, das auf dem 1960er Film basiert. Aha. Die Verfilmung von 1986 ist eine Verfilmung dieses Musicals. Okay, okay.
Johannes Franke: Ja, ist das nur noch Remake? Ja, definitiv. Ja, okay. Remake des Remakes. Ja, aber das wäre jetzt Platz drei gewesen, aber der Platz wird ja jetzt frei und ich würde gerne an diese Stelle Twelve Monkeys packen. Ja, sehr gut. Twelve Monkeys ist einfach eine unglaublich großartige Neuverfilmung eines Stoffes, den man eigentlich fast gar nicht wiedererkennt, weil die Methode des Originals eine völlig andere ist und auch die Erzählweise eine völlig andere ist und ist vollkommen dir zu verdanken, Clor, dass ich diesen Film kenne. Unten am Rollfeld oder wie heißt der? La Jetée heißt er im Original. Der nur in Standbildern erzählt wird, was so großartig gut funktioniert. Ich habe ihn neulich wieder gesehen, musste ihn unbedingt einer Freundin zeigen und die war, saß auch mit offenem Mund da und dachte, oh mein Gott, wie krass ist das denn? Das ist im Jahr 1962 ein Kurzfilm eher, ne? Chris Marker, ganz toller Regisseur. Und eine halbe Stunde ungefähr dauert. Eine halbe Stunde könnte es hinkommen, ja. Und wirklich toll. Es ist halt eine Zeitreise, also geht in die Vergangenheit zurück, um die Zukunft zu retten. Ist relativ generisch, theoretisch vom Aufbau, weil das ganz viel gemacht würde dann. Aber ich glaube, damals war es relativ neu und die Erzählweise ist einfach so düster und so gut und die Bilder sind so toll und das ist einfach, man muss diesen Kurzfilm gesehen haben. Und obwohl es Fotos sind, wirkt es unglaublich lebendig. Ja, sehr filmisch.
Florian Bayer: Aber das Remake, fantastisch, ne? Fantastisch.
Johannes Franke: Terry Gilliam. So großartig besetzt und Terry Gilliam ist ein unglaublicher Regisseur, das habe ich, glaube ich, auch schon ein paar Mal gesagt hier. Ich finde es einfach großartig, ist ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Wir haben uns schon ausführlich über Terry Gilliam unterhalten in der Episode, in der wir über Don Quixote, über den Don Quixote-Film reden. Mhm.
Johannes Franke: Den du ja dann irgendwie sehr enttäuschend fandest. Was mir ein bisschen wehgetan hat.
Florian Bayer: Aber bei 12 Monkeys bin ich ganz bei dir. Großartiges Remake,
Johannes Franke: fantastischer Film.
Florian Bayer: Mit Bruce Willis und Brad Pitt als Psychopath, der endlich mal richtig schön hässlich und dreckig spielt.
Johannes Franke: Ja, ganz toll. Ganz, ganz toll. Und es gibt auch noch eine Serie 12 Monkeys, aber die ist eher so zum, naja, ich habe sie mir angeschaut, der Vollständigkeit halber, weil ich Zeitreisen so wahnsinnig mag. Aber eigentlich ist der nicht, naja, nicht so geil.
Florian Bayer: Habe ich nie angeguckt und hat mich auch nicht interessiert. Ich bin bei Serienremakes immer vorsichtig. Westworld war ein tolles Serienremake. Definitiv. Wow, das habe ich gar nicht auf meiner Liste.
Johannes Franke: Ich auch nicht.
Florian Bayer: Ich wollte gerade sagen, hoffentlich habe ich dir nicht noch einen Platz hinweg genommen. Nein. Habe ich auch nicht dran gedacht in der Liste. Ich habe einfach keine Serien drin. Ja. Tolles Remake. Westworld war toll. Aber zum Beispiel Snowpiercer, was relativ aktuell ist, das habe ich vor kurzem angefangen. Das war ein schwaches Remake.
Johannes Franke: Okay, habe ich nicht gesehen. Keine Ahnung. Da weiß ich auch nicht das Original. Keine Ahnung. Oh,
Florian Bayer: guter Film. Könnte ich vielleicht mal, könnte ich vielleicht mal nehmen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Ja. Tut mir leid, ich muss jetzt ein bisschen über das Red Pack lästern. Was? Nein. Ich mag natürlich das Red Pack. Bitte. Aber der Original Ocean's Eleven mit Frank Sinatra, Martin und Sammy Davis Jr. ist ein wirklich trockener, nicht besonders aufregender Heistfilm, wohingegen das Remake von Steven Soderbergh ein fantastischer, unglaublich unterhaltsamer Film ist. Ja. In der Schnittmenge von Comedy, Action, Thriller und mit einem so guten Cast, George Clooney, Brad Pitt, Matt Damon,
Johannes Franke: Ich möchte es gerne zugeben, ja. Es ist wirklich toll. Ich habe es nicht in der Liste, weil ich einfach nicht mehr genug Erinnerungen daran habe, dass ich sagen könnte, der ist wirklich, wirklich so toll wie ich. So, ich habe nur noch ein Grundgefühl dafür, aber ich gebe zu, dass der Original Red Pack Film, ich kann mich kaum noch daran erinnern. Ich glaube, es hat was damit zu tun, dass er nicht so richtig geil war.
Florian Bayer: Es war auch kein schlechter Film, aber es war einfach so ein, ja, durchschnittlicher Heistmovie und dieses Ocean's Eleven ist einfach aus dem Jahr, Haha, war ein Ende 90er, 2001. Ist einfach so unterhaltsam und so witzig und ja, natürlich ganz viel Style over Substance, aber er macht einfach so viel Spaß und er ist so perfekt durchgestylt. Großartiger Film.
Johannes Franke: Ja. Okay, ähm, habe ich schon meinen Platz zwei? Nee. Nee, noch nicht. Was ist jetzt mein Platz zwei? Sein oder nicht sein? Oh, ja. Ganz, ganz toll, ganz toll. Also, ich kann nicht sagen, dass der besser ist als das Original, was in dieser Liste irgendwie maßgeblich sein sollte, aber, aber, aber beide Filme sind einfach wirklich sehenswert. Ja. Und, und so, dass man sagen muss, wenn man den einen gesehen hat, heißt das nicht, dass man den anderen weg, äh, zur Seite schieben kann. Nee, nee, die sind beide, muss man beide gleich, also beide gleichermaßen gesehen haben. Das ist wirklich toll. Ernst Lubitsch gegen Matt Brooks. Ja. Kampf auf Leben und Tod. Wer gewinnt? Kennst du dieses Deathmatch noch von MTV? Oh,
Florian Bayer: Celebrity Deathmatch, dieses Knetfiguren-Rest. Ja. Okay, Ernst Lubitsch, Mel Brooks, auf geht's. Das wäre ein interessanter Kampf. Das sind jetzt beide nicht so die Kämpfer-Natur. Nee.
Johannes Franke: Am Ende hat Mel Brooks ihm, Lubitsch, wahrscheinlich eine Beschneidung angedreht und ...
Florian Bayer: Oh, es gibt diese tolle Szene bei Robin Hood-Helden in Strumpfhosen, wo sie die Beschneidung machen und Mel Brooks als Ravi dann die Leute in seinen Planwagen nimmt und er hat diese Guillotine dafür.
Johannes Franke: Ich hab die neulich gesehen. Diese eine Szene, mal kurz, weil die irgendwo im Ausschnitt über YouTube angezeigt wurde, wie er diese Guillotine rausholt und dann Möhre rein direkt zum Illustrieren und der eine, der davor steht, sagt dann, oh, ich hab ganz vergessen, ich hab schon eine. Ja. Christ. Schön. Okay. Ja, sein oder nicht sein. Ganz toll. Beide Filme.
Florian Bayer: Platz 1. Mhm. Die Fliege aus dem Jahr 1986 von David Cronenberg. Das Remake von ... Ein sehr loses Remake von einem 50er-Jahre-Horrorfilm. Und der 50er-Jahre-Horrorfilm ist auch gut. Ist auch sehenswert, aber ist komplett anders, weil es wird halt einfach gezeigt, wie ein Wissenschaftler bei seinen Experimenten einen Fehler begeht und zum Hybrid aus Mensch und Fliege wird und die Fliege wird zum Hybriden aus Fliege und Mensch und dann gibt's eben diese zwei Wesen. Mhm. Und der ist nicht ... Also der ist ... Heute sieht man, ist der eher so ein bisschen cheesy und ein bisschen albern. Ich glaub, den hab ich gesehen. Aber trotzdem irgendwie auch ganz interessant. Aber was Cronenberg daraus macht, ist krass, weil er erzählt die Verwandlung des Menschen zur Fliege. Und dieser Wissenschaftler, gespielt von Jeff Goldblum, wird mit ... Seine DNA wird mit Fliegen-DNA vermischt und er verwandelt sich dann ganz langsam in eine Fliege und dann fallen ihm die Fingernägel ab und er verliert seine Zähne und wird mehr und mehr zum Monster sowohl optisch als auch charakterlich und übler, düsterer Body-Horror packend erzählt, mitreißend, traurig auch, weil er seinem Verfall und seiner Mutation beiwohnen muss und nichts dagegen tun kann und sowohl emotional bewegend als auch verdammt gruselig und mit, wie sich's für Cronenberg gehört, krassen Ekelszenen.
Johannes Franke: Ja. Ja, ich glaube, aus dem Remake hab ich nur ein paar Ausschnitte gesehen und hatte keine Lust, den Film zu gucken.
Florian Bayer: Ja, wenn man Body-Horror nicht mag, dann ist die Fliege definitiv der falsche Film.
Johannes Franke: Naja, ähm, ich dachte, die Fliege würde auf einem Buch basieren, aber da bin ich wohl dann falsch. Ich bin gerade beim Wikipedia-Artikel
Florian Bayer: und es basiert beides auf einer Kurzgeschichte und damit hab ich die Regeln verletzt, von denen ich erzählt hab.
Johannes Franke: Ah, verstehe. Okay. Ähm, mein Platz eins. Jetzt wird's ganz furchtbar kitschig und romantisch. A Star is Born. Ja, hab ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Also, das Remake hab ich nicht gesehen. Es gibt vier Remakes. Okay, ich kenn nur diesen einen Film, der ganz schlecht, den ich schlecht fand. Oh Gott, welchen findest du, welcher ist auf deiner Liste?
Johannes Franke: Der mit Lady Gaga.
Florian Bayer: Okay, gut, den hab ich nicht gesehen. Ich hab, ich kenn nur diesen, und mit Barbara Streisand. Ja, ja. Der ist schlecht, also den mag ich nicht. Ja, der ist, oh, das ist echt zu viel Kitsch. Aber du sagst, der von Lady Gaga,
Johannes Franke: magst du den? Ja, ich mag den sehr. Ja, Lady Gaga hat das mit Bradley Cooper. Ja. Die haben's ganz toll gemacht. Und mochtest du den Streisand-Film? Ich glaube, ich mochte ihn, ja. Okay. Ich glaube, ich mochte ihn.
Florian Bayer: Weil ich hab auch schon gehört,
Johannes Franke: dass der Lady Gaga-Film zumindest interessant sein soll. Ja, doch, doch, wirklich. Der ist ganz toll gemacht. Und die haben, die Songs sind unglaublich gut. Die Geschichte ist toll erzählt. Die Schauspieler miteinander sind super. Es ist wirklich, ich war total überrascht. Vor allem, weil man ja dann denkt, na ja, so ein Pop-Film. So, hm. Aber wirklich gut. Ganz toll. Ja. Ja.
Florian Bayer: Und er ist auch, er wird relativ tief dann auch, was Emotionen betrifft, oder? Weil es ist wirklich eine tragische Geschichte,
Johannes Franke: die auch erzählt wird. Ja, es ist wirklich eine tragische Geschichte. Und er macht nicht irgendwie einen auf, wir machen jetzt ein Happy End raus oder sowas. Die bleiben dem Stoff treu und haben irgendwie wirklich eine gute Erzählweise. Okay, ich sollte den mal schauen.
Florian Bayer: Ja. Interessiert mich auch tatsächlich. Aber ich finde das, ich glaube, es ist 70er Jahre, dieser Barbara Streisand-Film. Und an den habe ich so Erinnerungen wie, vielleicht habe ich den auch in zur falschen Phase meines Lebens geguckt.
Johannes Franke: Vielleicht. Es gibt auch wirklich eine sehr frühe Version davon. Der erste Film ist, glaube ich, aus dem Jahr 1931 oder sowas. Okay. Also es ist schon, irgendwie haben sie es, scheint das ein Stoff zu sein, der einfach viele Leute dazu animiert, da nochmal drüber nachzudenken und das nochmal neu inszenieren zu wollen. Ist auch so ein bisschen American Dream, ne? Also Aufstieg, Abstieg, Parallel erzählt.
Florian Bayer: Genau, genau. Es ist halt irgendwie so eine klassische amerikanische Erzählung. Eigentlich nicht unbedingt American Dream, weil es ja auch die Schattenseiten zeigt.
Johannes Franke: Aber es ist so eine schöne, ja, was du sagst, Aufstieg und Abstieg gleichzeitig und zu gucken, wer wen wohin hieft. Okay, cool. Ja, mein Platz 1, Star Spawn. Dein Platz 1. Habe ich schon genannt. Hast du schon genannt? Die Fliege. Die Fliege, stimmt. Wir sind durch mit der Top 3. Wir sind durch mit der Top 3.
Florian Bayer: Wir können uns auf Mr. und Mrs. Smith stürzen. Und zwar einen Hitchcock-Film, der kein typischer Hitchcock-Film ist. Und Johannes, das werden wir gleich sehen.
Johannes Franke: Gib uns eine Einführung. Mr. und Mrs. Smith. Alfred Hitchcock macht eine Screwball-Komödie. Was für eine Aufregung. Der britische Meister des Suspens in amerikanischem Klamauk. Das muss man sehen. Ein Pärchen erfährt nach drei Jahren, dass ihre Ehe nicht rechtskräftig geschlossen wurde. und der Ehemann zögert ein klein bisschen zu lang, seiner unerwartet Ex-Frau einen Heiratsantrag zu machen, was sie ihm nicht zu verzeihen bereit ist. Dann sehen wir ihm 90 Minuten dabei zu, wie er versucht, seine Frau zurückzuerobern. Naja. Die Story klingt vielleicht etwas dünn, aber Hitchcock, der schafft es doch sicher, uns das Ganze spannend zu verkaufen, oder? Der Haken an der Sache ist, damals war Hitchcock noch nicht der Meister des Suspens und kam das erste Mal nach Amerika und hat diese Auftragsarbeit angenommen, um sich zu beweisen. Plur. Was meinst du? Hat er sich bewiesen? Ja, das ist schön. Du machst genau das Geräusch, was ich auch die ganze Zeit schon beim Film gucken und beim Reflektieren danach gemacht habe.
Florian Bayer: Das große Problem dieses Films war, wie wir vorhin schon erwähnt haben, dass ich einfach was anderes erwartet habe und dann ab einem gewissen Punkt festgestellt habe, nein, ich kriege nicht das, was ich erwarte. Das ist das erste Problem dieses Films. Wofür der Film ja nichts kann. Das zweite ist auch ein ganz großes Problem, wofür der Film auch nichts kann. Ich habe leider nur eine ganz, ganz, ganz grausig synchronisierte Fassung gefunden online. Ich habe danach noch einzelne Szenen geguckt im Original. Ja. Ich habe, aber tatsächlich habe ich den Film komplett nur synchronisiert gesehen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Weil das habe ich online gefunden. Und ich habe, ich weiß gar nicht, ich habe keine Möglichkeit gefunden, das irgendwie irgendwo zu leihen oder so. Ich weiß nicht, wo du letzten Endes gelandet bist. Wie können wir mal einen Link schicken nachher? Ich bin dieses Mal gescheitert. Und deswegen habe ich mir auf Dailymotion eine bayerische Rundfunkversion angeguckt. Ich hätte mir sogar eine DVD gekauft, wenn ich es gekonnt hätte. Aber das gab es irgendwie nicht. Okay. Und das war wirklich eine grauenhaft synchronisierte Fassung. Das ist das zweite Problem, wofür der Film nichts kann. Das dritte Problem ist, und dafür kann der Film was, dass er vor allem in erster Linie dann doch eine ziemlich generische Screwball-Comedy war aus der damaligen Zeit, mit allen Flaws der damaligen Zeit. Und dass die Genialität Hitchcocks in einigen Szenen zu spüren ist, aber in relativ wenigen Szenen. Und dass man eben doch das Gefühl hat, hier vor allem eine Auftragsarbeit vor sich zu haben, die solide erledigt wird. Ich meine, es gibt definitiv schlechtere Screwball-Comedies und gerade auch in der Zeit.
Johannes Franke: Würdest du einen sagen, könntest du einen nennen, eine schlechtere Screwball-Komödie? Keine Ahnung. So jetzt spontan glaube ich nicht. Ja, das ist das Problem. Mir fällt nämlich auch keine schlechtere ein. Ehrlich gesagt, ich bin sehr, ich muss mich dir anschließen und vielleicht sogar noch übertreffen, ich bin sehr enttäuscht gewesen. Sehr enttäuscht. Mich wütend enttäuscht. Ja, genau. Es war wirklich, ich hab echt von der ersten Minute an, ich hatte nicht so schlimme Erwartungen. Ich hab schon darauf gewartet, dass die irgendwie als Agenten und so weiter. Aber ich wusste ja, das ist ein Film aus den 40ern. Ja. Das kann nicht wie das, was wir als Remake identifiziert haben, fälschlicherweise. Das funktioniert nicht. Ich kann diese Erwartungen nicht auf diesen Film setzen. Das heißt, ich war schon einigermaßen wohlwollend und hab gedacht, naja, schau mal, in welche Richtung das jetzt geht. Und ich hab aber nicht ein einziges Mal wirklich gelacht. Ich habe nur ein paar Mal wirklich geschmunzelt. Und Hitchcock hat später versucht, diesen Film so aus dem Kanon rauszuschieben, aus seinem eigenen Werk, aus seinem Oeuvre. Er hat dann gesagt, naja, es war eine Auftragsarbeit und ich wurde nur von der Schauspielerin überredet, was tatsächlich der Fall ist. Die Schauspielerin, die das spielt, diese Frau spielt, Carol Lombard, die das auch gut gemacht hat. die ich ganz großartig finde, ehrlich gesagt, die war einfach, die hat das Drehbuch in die Hand bekommen und hat dann Hitchcock über Freunde, bekannte sie ihn, versucht zu überreden, die Regie dafür zu übernehmen und sie zu besetzen. Und es hat geklappt. Er hat gesagt später, dass er hier einfach nichts abschalten kann. Und dann haben sie es halt gedreht. Das Problem ist, er als Brite konnte mit diesem amerikanischen Konzept nichts anfangen. Der hat diese Figuren nicht verstanden und hat, wie ich auch nicht, und hat einfach dann auch später gesagt, ja, ich habe damit nichts anfangen können. Das heißt, ich habe mich einfach an dem Drehbuch entlang gehangen. Ich habe einfach die Kamera aufgestellt und die Szenen abgefilmt. Und das sieht man dem Film total an, finde ich.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Es ist keine leidenschaftliche Arbeit, sondern es ist ein, und es ist halt auch ein Rezeptfilm, würde ich sagen. Ja. Es gibt einfach dieses, es gibt dieses Rezept für Screwball Comedy und an dieses Rezept hält er sich. Und er macht dann halt irgendwie was, was dieses Genre hergibt, aber er macht es nicht mit besonderer Raffinesse, nicht besonderer Leidenschaft. Nee. Ich würde zumindest einmal reinkrätschen, es gab zwei, drei Szenen, die ich gut fand. Es gab auch eine Szene, bei der ich wirklich lachen musste.
Johannes Franke: Okay, lass uns die mal gerne schon mal nehmen, dann haben wir einmal das Positive, wie so Kritik normalerweise sein soll. Das hast du gut gemacht.
Florian Bayer: Ich habe sogar zwei Szenen, die ich markiert habe zum Lachen. Oh, okay. Jetzt bin ich gespannt. Also einmal ihr Ausraster, wenn sie feststellt, er macht ihr keinen Heiratsantrag. Also sie wissen beide, dass die Ehe ungültig ist, aber er weiß nicht, dass sie das auch weiß. Und dann lädt er sie zum Essen ein und er spielt so ein bisschen auf Zeit und führt sie in das Restaurant, wo sie früher waren. Und sie wartet die ganze Zeit drauf, dass er den Antrag macht und er macht das dann halt nicht. Und dann irgendwann rastet sie aus und das war nett inszeniert. Das stimmt. Weil dann wird eine Tür zugemacht und dann hört man es scheppern. Ja, genau. Und dann fängt sie an, rumzuschimpfen.
Johannes Franke: Das stimmt. Das ist wirklich nicht schlecht gemacht. Bis dahin hat der Film es aber noch nicht geschafft, mich in eine Stimmung zu versetzen, in der ich wirklich lachen wollte. Weißt du? Das war ein bisschen das Problem.
Florian Bayer: Und es ist tatsächlich auch merkwürdig, weil irgendwie kommt der Trennungsgrund dann in dieser Szene raus. Und es ist vor allem tatsächlich die konservative Sexualmoral. Sie findet es, er hat alles dafür gemacht, dass sie jetzt einen schönen Abend zu zweit haben und will sie dann natürlich auch vernaschen. Und es wird so, und sie sagt dann, ja, du wolltest es mir nicht sagen. Er sagt, ich wollte es dir später sagen. Und was so ein bisschen rauskommt ist, wie ich die Szene gedeutet habe, sie ist sauer, dass er mit ihr Sex haben wollte, während sie nicht verheiratet sind, was gar nicht geht. Und er hat das genauso geplant. Er wollte mit ihr Sex haben, während sie nicht verheiratet sind, weil er das aufregend fand. Das ist eigentlich das Ding. Das ist der Grund für die Trennung, dass er ein Schuft ist, weil er das ausnutzen wollte, dass sie nicht verheiratet sind. Und er kann sie jetzt vernaschen und sie sind nicht verheiratet. Was ja total absurd ist, weil sie seit drei Jahren verheiratet sind und ihre Ehe einfach nur vor dem Staat ungültig ist.
Johannes Franke: Was ja an sich für einen Witz durchaus geeignet ist. Was aber Hitchcock in dem Drehbuch steht nicht allzu sehr bedient in der Inszenierung. Weil ich glaube, dass er diesen Gag nicht besonders ... Entweder hat er ihn nicht verstanden oder er wollte ihn nicht inszenieren. Das heißt, die setzen sich nicht so sehr darauf, dass es ein sexueller Gag ist. Nee, es ist kein Gag. Es ist einfach der Grund. Ja, oder die Inszenierung wird nicht darauf gesetzt, sondern er konzentriert sich viel mehr darauf, dass die Frau es scheiße findet, dass sie den ganzen Abend über hingehalten wird. Schmoren musste. Und nicht gefragt wird, will sie mich denn jetzt nochmal heiraten, wo wir doch eigentlich verheiratet sind und jetzt aber leider die Ehe ungültig ist. Ja. Also, und darauf basiert aber auch der ganze Film und der ganze Plot und die ganze Geschichte, die dann kommt, was ich ein bisschen schwach finde. Ja.
Florian Bayer: Und das ist tatsächlich, um zum zweiten Lacher zu kommen, das ist eigentlich die Geschichte. eine klassische Stalking-Geschichte. Der Ex-Mann stalkt seine Frau und zwar läuft er ihr die ganze Zeit hinterher, während sie neue Dates hat. Sie geht dann mit seinem Kollegen und Freund Jeff aus. Und dann gibt's dieses Doppeldate. Unser Mr. Smith, David, geht mit einer Frau, die nicht vorzeigbar ist offensichtlich aus. Ja. Und zwar in den Club, in dem halt Jeff, Anne mit Jeff ausgeht. Und er findet eine Möglichkeit, sie eifersüchtig zu machen. Und das war die Szene, in der ich lachen musste, das zweite Mal. Mhm. Und zwar, indem er eine vorzeigbare Frau am Nebentisch so inszeniert, als wäre sie sein Date. Ja. Und das macht er, indem er sich vorsichtig an sie ranrückt und dann so macht, als würde er mit ihr reden, als würde er ihr Sachen zuflüstern, während sie halt einfach so starr in die Gegend guckt oder mit Essen beschäftigt ist. Ja. Das fand ich lustig. Weil er sieht, dass Anne ihn beobachtet und er sieht, dass Anne vor allem etwas eifersüchtig auf diese Frau am Nebentisch sitzt, die überhaupt nichts mit ihm zu tun hat. Ja. Und dann denkt er sich, ah, okay, das ist meine Chance. Ja. Und dann schiebt er sich so ran und dann fängt er an, ihr Sachen zu zuflüstern. Das war lustig inszeniert. Ich musste kurz lachen.
Johannes Franke: Ja. Leider fand auch das ich ein bisschen zu technisch inszeniert. Ich habe aber geschmunzelt tatsächlich. Also geschmunzelt habe ich, gelacht habe ich nicht, weil es mir zu technisch war.
Florian Bayer: Weil ich gemerkt habe,
Johannes Franke: das ist so.
Florian Bayer: Auf einer Skala von hängendem Mundwinkel bis laut loslachen, was für dich ein Schmunzeln, für mich war es ein Lachen. Ja, ich habe wirklich gelacht in dem Moment.
Johannes Franke: Okay, schön. Okay. Aber das sind dann schon die einzigen Momente oder gibt es noch mehr, wo man so wenigstens ein bisschen heiter ...
Florian Bayer: Lachen musste ich in keiner Szenen. Es gab noch zwei Szenen, die ich als gut erachtet habe, als gut inszeniert. Und zwar ... ist die eine Szene auf dem Karussell. Sie geht mit Jeff aus und sie setzen sich zusammen auf ein Kettenkarussell und das fährt dann hoch.
Johannes Franke: Das ist kein Kettenkarussell, das ist so ein Jumping-Bungie-Höhe und dann runterfallen oder sowas, oder? Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Es wird nicht ein Action gezeigt. Es ist einfach, die fahren halt nach oben und sitzen dann in dieser kleinen Gondel drin, zu zweit. Also so eine klassische Kettenkarussell, weil es wirklich halt so ein Platz ist, wo zwei Leute nebeneinander sitzen, Gurt davor, sie hängen an Ketten, sie sind weit oben in der Luft. Und es gibt einen schönen Schnitt von sie sitzen da und dann fängt es an zu regnen. Das ist wirklich ein harter Cut.
Johannes Franke: Und den finde ich auch witzig, ja.
Florian Bayer: Das war einfach nett gemacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Da habe ich geschmunzelt. Und sie ist halt cool in dieser Szene, weil sie ist tatsächlich, sie ist ziemlich cool und sie ist ziemlich entspannt. Nicht entspannt, aber sie ist irgendwie cool und sie ist auch so ein bisschen sarkastisch und trocken. Und dieser Chef wird die ganze Zeit so inszeniert, dass er dem Männlichkeitsbild der damaligen Zeit sehr entgegensteht.
Johannes Franke: Ja, ich möchte ihn auch gerne als Lappen bezeichnen.
Florian Bayer: Genau, als Lappen. Aber ich habe Sympathien für ihn, weil ich es wirklich ätzend finde, wie er als Lappen inszeniert wird. Weil es ist tatsächlich... Tut da ein bisschen weh. Wir haben öfter in der Vergangenheit über toxische Maskulinität geredet. Und in diesem Film kommt das sehr zum Tragen, weil seine Schwäche ist vor allem, dass er kompromissbereit ist, dass er altruistisch ist, dass er versucht, Ruhe reinzubringen. Und letzten Endes verlässt sie ihn, weil er nicht ihren Mann verprügelt und sie ihn damit als Lappen identifiziert. Ja. Und dieser Film hat eine, hat eine unfassbar konservative Attitüde. Die ganze Zeit. Das Beziehungsbild, das Männerbild, das Frauenbild. Und in diesem Chef kulminiert das so, weil dieser Chef ist eigentlich ein total lieber Kerl, der ihr sogar sagt, ey, du gehörst zu David. Ihr gehört zusammen. Und ja, vielleicht ist er ein bisschen langweilig im Vergleich zu David. Sie kann sich nicht so gut mit ihm streiten. Aber das ist ein hoch anständiger Kerl. Der ist wirklich ein anständiger, netter Kerl. Der nutzt auch keine Situation aus. Aber er ist schon auch langweilig, muss man schon sagen.
Johannes Franke: Ja, er ist ein langweiliger Mensch.
Florian Bayer: Er ist ein langweiliger Mensch, aber er ist kein fucking Stalker. Ja, genau.
Johannes Franke: Und Rapist.
Florian Bayer: Und das reicht offensichtlich, um in diesem Setting als Loser dazustehen. Ja. Und ich meine, es ist richtig, dass er David nicht verprügelt. Und es ist richtig, dass er sieht, hey, ich bin nicht der Richtige für dich. Du stehst nicht auf mich. Du stehst eigentlich auf David. Ja. Du willst ihn noch nur eifersüchtig machen. Und er hat eigentlich alle Ingredienzien von einem Mann des 21. Jahrhunderts, die man so erwartet. Vielleicht nicht das Langweilige, aber zumindest das Zuvorkommende.
Johannes Franke: Ja, genau. Das Rücksichtsvolle. Ja. Ja, und sie versucht es aber auch die ganze Zeit so ein bisschen aus dem Raus zu locken, das Andere. Sie gibt ihm dann irgendwie so zwei Finger breit Alkohol und sagt, hier, das ist Medizin, das hilft dir. und versucht ihn mehr oder weniger, sie versucht ihn betrunken zu machen, oder? Oder habe ich das falsch gelesen?
Florian Bayer: Sie macht ihn betrunken und er geht auf Sicherheitsabstand und sie will eigentlich, dass er über sie herfährt. Ja, genau.
Johannes Franke: Also es ist ein bisschen, das Bild, deswegen finde ich es auch von Anfang bis Ende schwierig, weil das Bild, das Männerbild und das Frauenbild in diesem Film einfach von vornherein einmal klar umrissen in die falsche Richtung fährt. Also voll gegen die Wand, zumindest gegen die 21. Jahrhundert Wand.
Florian Bayer: Sie haben sich getrennt und sitzen zusammen im Taxi und streiten und er fragt sie natürlich, wovon willst du leben? Und was macht sie? Sie arbeitet. Sie arbeitet. Oh mein Gott,
Johannes Franke: wie kann sie ihm das nur antun? Ich habe auch, im ersten Moment habe ich gedacht, oh geil, sie hat einen Job gekriegt und das fand ich total gut und dann haben sie aber diese blöde Szene, wo er dann reingeht und sagt, sie ist verheiratet und der Chef dann sagen muss, sorry, wir haben die Politik, dass keine Frau bei uns, die verheiratet ist, arbeiten darf. Genau.
Florian Bayer: Und noch besser, und sie sagt, ey, ich kenne diesen Mann nicht, was soll das? Ich bin nicht verheiratet hier, es gibt nichts und er wird übergriffig und verhält sich total scheiße und dann werden sie beide rausgeworfen. Sie wird rausgeworfen, sie kann überhaupt nichts dafür. Er könnte auch irgendein fremder Mann gewesen sein, wenn der auf sie scharf ist. Sie kontrollieren das auch offensichtlich nicht, weil sie ist nicht verheiratet auf dem Papier, weil ihre Ehe ungültig ist. Aber sie werden dann beide rausgeworfen. Sie verliert ihren Job, weil ein Mann, der auf sie scharf ist, sie scheiße benommen hat.
Johannes Franke: Und der Film sagt das nicht, der kommentiert das nicht. Nein. Der sagt nicht, das ist scheiße, guckt er diesen Deppen an, den sollten wir möglichst nach der Hälfte des Films verlieren und ihre Erfolgsgeschichte mit einem anderen Mann erzählen. Nein, nein. Wir sollen Sympathie für ihn haben.
Florian Bayer: Er kämpft sie
Johannes Franke: und deswegen ist er auch
Florian Bayer: der richtige Mann für sie, weil er nämlich übergriffig ist, weil er nämlich ihre Freizonen nicht respektiert, ihre Grenzen, weil er ... Er ist so Predator, weißt du? Ja, total.
Johannes Franke: Oh, was soll das denn? Furchtbar.
Florian Bayer: Und dieser Jeff, um auf den nochmal zurückzukommen, das ist sein bester Freund und Kollege, sie sind beide Anwälte. Und der wird eigentlich nur ihr Anwalt, aber sie zwingt ihn dann so ein bisschen in diese Datingrolle. Und er verhält sich halt so, er verhält sich halt cool, er ist halt vorsichtig und er hat auch eine gewisse Loyalität zu David und er wird nicht übergriffig. Aber natürlich wird es so inszeniert, dass er die totale Flachpfeife ist, um als Kontrast zu David, mit dem sie totalen Ärger hat und totalen Streit hat, zu fungieren, um zu sagen, hey, du weißt doch, dass du eigentlich ihn willst und diese Streitereien, die ihr habt und diese Konflikte und so, das gehört auch alles dazu.
Johannes Franke: Der Film erzählt das gleich am Anfang. In der ersten Minute erfahren wir, dass die beiden seit drei Tagen im selben Zimmer hängen, weil sie die Regel haben, wenn wir Streit haben, dann müssen wir so lange zusammenhocken, bis wir uns wieder versöhnt haben. Deswegen sind die schon seit drei Tagen da drin und er täuscht am Ende der drei Tage einmal vor, dass er geht, weswegen sie aus dem Bett aufschwört, also empört, rausguckt und dann feststellt, ah, ist doch nicht weg und in dem Moment versöhnen sie sich dann. Ja. Was im Grunde das Ende des Films auch einmal darstellt, im Grunde ist der Film nur einmal eine Schleife eines Streites, den die wahrscheinlich so alle paar Tage durchmachen. Es ist so, ach komm.
Florian Bayer: Ihre ganze Ehe wird als von Regeln zusammengehalten inszeniert. Also sie reden auch teilweise über die Regeln dann. Es gibt zum Beispiel die Regel, dass sie ihm, das ist eigentlich mit einem Auslöser für das Ganze. Sie stellt ihm die Frage, ob er sie nochmal heiraten würde und zwar ist die Regel, dass sie einmal im Monat oder einmal in der Woche eine Frage stellen dürfen, woraufhin der Partner ehrlich antworten muss. Das noch bevor sie beide wissen, dass sie vor dem Gesetz gar nicht verheiratet sind, da fragt sie ihn, wenn du die Chance hättest, würdest du mich nochmal heiraten? Und er überlegt ein bisschen und sagt dann nein. Und tja, sie ist dann ein bisschen verstimmt deswegen, aber ist dann auch irgendwie okay. Und das ist auch gar nicht der wesentliche Punkt. Der Punkt ist halt einfach, dass ihre Ehe wird so dargestellt, die ist eine konfliktbeladene Ehe und sie kriegen die Ehe aber gut auf die Reihe, weil sie eben diese Regeln haben. Zum Beispiel, sie verlassen den Raum nicht, bis sie sich versöhnt haben. Selbst wenn sein Job drunter leidet, was auch irgendwie ganz süß ist. Also das Setup ist nett, die Prämisse ist eigentlich ein guter Ansatz
Johannes Franke: für einen schönen Film. Finde ich nämlich auch. Für einen schönen Film. Genau. Naja, wenn dann nicht eben dieses ganze furchtbare Stalking-Predator-Verhalten von ihm wäre und ich halte mich die ganze Zeit ihren Ehe fest, auch wenn sie auch irgendwie nicht so immer die richtigen Methoden an den Tag legt. Wie zum Beispiel dieses ich mache meinen neuen da betrunken, damit er sich endlich mal über mich hermacht. Was ich, hä? Was soll das?
Florian Bayer: Tatsächlich finde ich, die Dialoge von ihr und Jeff sind ganz gut getroffen, weil sie viel über David redet. Ja, und das ist so das stimmt. wirklich nette alltagspsychologische Beobachtung. Einfach, sie hat sich getrennt von David und sie hängt ihm hinterher und sie kann es nicht lassen über ihn zu reden. Und vor allem negativ, aber es ist so eindeutig bei allem Negativen, was sie sagt, dass sie noch an ihm hängt.
Johannes Franke: Richtig, genau. Das finde ich eigentlich auch ganz nett. Ist vielleicht ein bisschen overused mit der Zeit. Ja, maybe. Ja. Aber das finde ich eigentlich ganz okay, also für eine Inszenierung her, damit ich da irgendwie rankomme an das Thema und weiß, dass sie eigentlich noch an ihm hängt. Aber irgendwie, weiß ich nicht, hangelt der Film sich halt nur noch daran fest, dass er eben hinterher steigt und versucht sie wiederzukriegen und der immer wieder sagt, du willst mich doch, ich weiß es doch. Und dann sie aber so oft wirklich deutlich sagt, nein, ich möchte nicht mehr. Hier ist die Tür. Und irgendwie, weiß ich nicht, schon nach dem ersten Mal denke ich ja dann, geh halt. Das Krasse ist halt,
Florian Bayer: er sabotiert ja ihr Leben. Sie trifft sich dann mit den Eltern von Jeff. Jeff, sie will Jeff heiraten. Sie muss schnell heiraten. Es ist einfach so. Ja, ja. Sie ist jetzt nicht mehr in der Ehe, sie muss schnell wieder heiraten und dann stellt Jeff ihr natürlich die Eltern vor und dann platzt David rein und redet über sie und über ihre wilde Ehe, die sie hinter sich haben. Sie waren halt drei Jahre verheiratet und so wie er redet, kommt es aber für die Eltern rüber, als ob sie in einer wilden Ehe gelebt hätten. Tja. Und sie wird dann auch als liederliche Person bezeichnet und es wird einfach flat out verboten. Ja, genau. Vater sagt, nee, diese liederliche Person heiratest du nicht.
Johannes Franke: Genau. Ja, also er nutzt jede Gelegenheit zu boykottieren und da irgendwie reinzugrätschen, bis es dann eben in der letzten halben Stunde dann nur noch auf dieser Hütte da, in dieser Schneelandschaft, in der Hütte spielt. Wo er die Hütte nebenan hat. Ja, so, zufälligerweise. Mensch, was machst du denn hier?
Florian Bayer: Da musst du dich auch lachen. Diese Szene, wenn sie da angekommen sind in dem Skigebiet, dann guckt sie raus und dann steht er da so wie so ein begossener Pudel, nur mit Schnee statt mit Regen. Ja. Da musst du dich auch kurz lachen. Ja, das stimmt. Das war auch nicht so. Ich mache in meinen Notizen immer Lachsmilies, wenn ich lachen musste und jetzt habe ich sämtliche Lachsmilies abgearbeitet. Das stumme Zureden auf dem Doppeldate, ihr Ausraster bei dem ersten Streit und dann, wenn er damit voll mit Schnee steht.
Johannes Franke: Fertig. Und umfällt. Genau.
Florian Bayer: Ja, und dann tut er so, als wenn er pflegebedürftig wäre. Ja, und sie rasiert ihn und macht ihn wie Maniküre. Sie rasiert ihn sowieso, sie rasiert ihn. Das ist so klassisch.
Johannes Franke: Was? Ach, ist das? Ja. Ja, ich weiß nicht. Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll, dass Hitchcock das, also es ist ja nicht Hitchcocks Feder, er hat das nicht selbst geschrieben und er hat ja in fast allen anderen Drehbüchern wenigstens die Finger drin gehabt, in dem, was er gemacht hat. In dem eben nicht. Und ich weiß nicht genau, ob ich Hitchcock, wie viel ich ihm anlasten kann, soll, muss, hätte er sich irgendwie dagegen entscheiden sollen, hätte er vielleicht irgendwie viele Szenen besser inszenieren müssen, als es im Drehbuch angedeutet ist oder was hätte er machen können? Ja, ich finde es schwierig. Ich glaube,
Florian Bayer: man muss sich da auch ein bisschen in Hitchcock reinversetzen. Und zwar, er kam aus England und wollte in Hollywood Fuß fassen. Ja, ja, klar. Und er hat gute Filme schon gedreht, er hat sich für sich selbst bewiesen, er wusste, dass er ein guter Filmmacher ist und die britische Öffentlichkeit wusste es auch. Und er hatte ja auch was in der Pipeline mit diesem, mit Rebecca, der auch in der Zeit entstand. Ja, genau. Und wirklich einen ernsten und düsteren Film. Und genau, den hat er sogar vor Mr. and Mrs. Smith gedreht. Und ich glaube, es ist okay, wenn jemand auch wie Hitchcock
Johannes Franke: einfach ein bisschen Geld verdienen will dazwischen. Ja, es war ja so, dass er sogar eine Prämie angeboten bekommen hat dafür, wenn er zwei Filme in einem Jahr schafft. Wenn er diesen schafft und eben noch einen anderen. Ich weiß nicht, ob das Rebecca war oder ob das ein anderer war. Auf jeden Fall hat er diese beiden Filme dann einfach gemacht, um noch eine Zusatzprämie zu bekommen. Das Ding ist, dass der Typ, der ihn nach Amerika geholt hat, dieser Produzent, mit dem hatte er Schwierigkeiten. Also sie hatten Schwierigkeiten miteinander. Und dann hat Hitchcock eben das Angebot bekommen, nochmal für jemanden anders zu drehen. Und er hat das Angebot halt auch, glaube ich, deswegen wahrgenommen, um von diesem Produzenten ein Stückchen wegzukommen. Und der Produzent war auch nicht ganz abgeneigt, in Hitchcock erstmal loszuwerden für ein bisschen, für zwei, drei Filme. Ich glaube, es war für drei Filme ein Vertrag. Hitchcock hat sich ja immer ein bisschen rumgeplagt mit den Produktionsfirmen, weil er einfach künstlerische Freiheit wollte. Ja, und in Amerika kriegst du das nicht wie in Großbritannien. Das ist halt so.
Florian Bayer: Und dann aber immerhin, also nicht viel später hat er dann sein eigenes Produktionsstudio gegründet, seine eigene Produktionsfirma, mit der er dann wirklich seine eigenen Visionen umsetzen konnte. Und der erste Film da war auch, der erste Film in dieser eigenen Produktionsfirma war dann auch Cocktail für eine Leiche. Ah ja, ja. Ja, das hat sich natürlich gelohnt. Und Mr. and Mrs. Smith, wenn wir Cocktail für eine Leiche neben sie halten, dann ist das ein ziemlich einseitiger Kamm.
Johannes Franke: Ja, es sind Weltenunterschied. Cocktail für eine Leiche ist halt wirklich ganz großartig, auch die Idee an sich, einmal durchzugehen mit der Kamera ohne Schnitt, was natürlich nicht geht, weil du hast halt nur so und so lange Filmmaterial, aber versteckte Schnitte,
Florian Bayer: die so geschickt gemacht, das fällt mir nicht auf.
Johannes Franke: Ja, also wenn man nicht drauf achtet. Ach ja, apropos. Ich wollte es auch, sag du.
Florian Bayer: Ich vergesse es immer. Jedes Mal, wenn ich einen neuen Hitchcock-Film anmache, vergesse ich es. Und wenn ich dann fertig bin, denke ich dran. Und dann überlege ich kurz und stelle fest, nee, ist mir nicht aufgefallen. Nein, überhaupt nicht. Aber dann recherchiert man. Und dann guckt man sich die 10 noch einmal an und denkt, okay. Ja gut. Warum wird da so ein Wirbel drum gemacht? Wir reden von den typischen Hitchcock-Kameos, die es natürlich auch in diesem Film wieder gibt.
Johannes Franke: Und er läuft einfach nur an diesem Hotel, kein Hotel, sondern Apartmenthaus vorbei und das war's. Und das Schöne ist, für diese Szene hat dann die Schauspielerin Regie geführt. Ja. Weil er konnte ja nicht sich selbst Regie führen. Und dann hat die Schauspielerin sich die Freiheit genommen und gesagt, nee, das müssen wir nochmal machen. Das war nicht gut. Und das, weil Hitchcock das sehr gerne seine Szenen öfter und öfter und öfter machen lässt und nee, das stimmt noch nicht, das stimmt noch nicht, hat sie ihn einfach auf die Schippe genommen. Und hat ihn nochmal und nochmal und nochmal da langlaufen lassen.
Florian Bayer: Gerechtigkeit. Sehr, sehr schön. Das Schöne bei den Hitchcock-Kameos ist ja, dass er irgendwann angefangen hat, die ganz an den Anfang vom Film zu packen. Ja, genau. Weil es ihn genervt hat, dass die Leute nur darauf gewartet haben, dass er einmal mit Hunden an der Leine durchs Bild latscht.
Johannes Franke: Ja, er hat auch wirklich konkret gesagt, wenn die Leute darauf warten, achten sie nicht mehr auf den Film und können einfach nicht mehr folgen. Also muss er es einfach ganz am Anfang einmal abfrühstücken und gut ist.
Florian Bayer: Ja. Ich habe tatsächlich, glaube ich, noch nie ein Hitchcock-Kameo wirklich live erlebt, ohne vorher recherchiert zu haben,
Johannes Franke: weil ich nicht darauf achte. Ich auch nicht. Aber irgendwie muss das damals so ein echtes Event gewesen sein. Ja, das ist, glaube ich, so.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich ist es dann einfach gekommen und das ist so eine Abwärtsspirale und plötzlich war es das große Thema.
Johannes Franke: Irgendwie, naja. Merkwürdig. Ja, bei Minute 41, wenn jemand nachgucken möchte.
Florian Bayer: Ich habe gerade festgestellt, als wir ganz kurz über Cocktail für eine Leiche geredet haben, dass ich über jeden anderen Hitchcock-Film lieber reden würde als über diesen.
Johannes Franke: Oh nein. Es ist tatsächlich der schlechteste Hitchcock-Film, den ich bis jetzt gesehen habe. Ja, definitiv, definitiv. Und ich habe es gar nicht glauben wollen, dass das von Hitchcock kommt. Ich weiß nicht. Es ist mir nur erklärbar dadurch, dass er einfach gedacht hat, ich ziehe das jetzt runter, reiße mir noch ein bisschen Geld unter den Nagel. Die Frau, die mich da überredet hat, mit der komme ich ganz gut klar und wir schnacken ein bisschen am Set und haben Spaß. Und das war es. Es gibt eine Hitchcock-Szene,
Florian Bayer: die man mit gutem Willen als Hitchcock interpretieren kann. Jetzt bin ich mal gespannt. Das ist, wenn sie alleine spielt, dass sie mit Jeff einen romantischen Moment hätte, ganz am Ende. Ja. Und dann würde er übergriffig werden und David hört aus dem Nebenzimmer zu. Und wir wissen, dass sie das nur spielt, weil wir sehen, wie sie das inszeniert und wir sehen Schnitte zu David, der an der Tür steht. Und das ist natürlich das klassische Hitchcock-Suspense-Werkzeug. Wir als Zuschauer wissen mehr, was passiert als der Protagonist. Und fiebern trotzdem mit ihm mit. Ja. Weil der spannende Moment natürlich ist, wann wird der Protagonist in diese Situation reingerissen, in der wir schon länger drin sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber das ist mit sehr viel gutem Willen.
Johannes Franke: Ja, weil das Drehbuch das ja mit vorgibt und er das ja nicht ... Also, es ist schon auch eine Frage der Inszenierung, wie man das jetzt, wie viel man da reinhaut. Aber Hitchcock hat nicht viel geändert vom Drehbuch oder so. Er hat ja nicht da drin rumgefuhrwerkt.
Florian Bayer: Sie war gut inszeniert, die Szene, aber das war jetzt auch ... Also, sie war halt gut inszeniert und mit viel gutem Willen, kann man sagen, das war ein Hitchcock-Moment. Ja, aber das reicht nicht, um zu sagen, dass das ein Hitchcock-Film ist. Der hätte auch von jedem anderen Regisseur sein können.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber diese Schauspielerin, muss ich einmal sagen, die hat später bei Sein oder Nichtsein eben auch mitgespielt. Und ist dann aber in einem Plane-Crash ums Leben gekommen.
Florian Bayer: Oh.
Johannes Franke: Ja, die war dann unterwegs, um Kriegsanleihenwerbung zu machen, für Kriegsanleihen, weil Amerika ja irgendwie Geld brauchte, um in den Krieg einzusteigen. Und da gab es einen Flugzeugabsturz und da ist sie umgekommen. Carol Lombard, die spielt super. Ja, ganz tolle Frau. Die ist 33 geworden und hat vorher irgendwie eine wirklich gute Karriere hingelegt. War ganz viel so abonniert für Screwball-Comedian. Und war mit Clark Gable verheiratet. Und der übrigens auch die männliche Hauptrolle zwischendurch spielen sollte, was aber nicht mehr zustande gekommen ist, aus irgendwelchen Gründen, weiß ich nicht. Und ja, ich würde wahnsinnig gerne mehr von der Frau sehen. Weil die wirklich, die hat einen guten Witz, die hat ein gutes Spiel, die hat tolle Präsenz und irgendwie Timing, tolles Timing.
Florian Bayer: Ich fand auch, dass sie definitiv das Highlight des Films war. Ich fand ihn auch okay. Ich fand, sie hatten einfach zusammen auch eine ganz gute Chemie. Das stimmt. Also Robert Montgomery heißt der Hauptdarsteller. In den Szenen, in denen sie streiten, gibt's diese Screwball-Chemie. Und die haben nicht alle Paare in Screwball-Comedies. Und das ist sehr cringe-worthy, wenn du so ein Paar hast, das irgendwie versucht, diese Chemie zu simulieren und du merkst, es funktioniert einfach nicht. Das ist ganz schrecklich. So entstehen die schlimmsten Screwball-Comedies, wenn du merkst, es ist einfach keine Chemie zwischen den beiden Protagonisten. Und das haben die beiden.
Johannes Franke: Das würde ich dem Film zugutehalten. Das stimmt, auf jeden Fall. Aber es gibt so echt ein paar ganz tolle Schwächen, die einfach für mich nicht nur das Stalking-Verhalten und nicht nur das Männer- und Frauenbild, sondern auch überhaupt in der Dramaturgie. Man erzählt gleich am Anfang, dass das Paar sich so wahnsinnig gut kennt und Regeln für sich aufgestellt hat. Und dann versteht er nicht, dass sie geheiratet werden will gleich wieder. Wieso entgeht ihm das denn? Was soll das? Das entgeht ihm nicht. Ich glaube, er will sie einfach als unverheiratete Frau vernaschen, weil er das aufregend findet. Ja, aber dann hätte er es vielleicht sagen sollen. Aber dazu kennt er sie doch eigentlich gut genug, um das irgendwie hinzukriegen. Also das fand ich ein bisschen schwach. Ja, und irgendwie zeigt der Film mir dann irgendwie, dass sie ihn strafen will dafür. Weiß man am Anfang nicht so richtig, will sie ihn nur eifersüchtig machen oder will sie wirklich nichts mehr von ihm? Und dann irgendwann will sie wirklich nichts mehr von ihm? Ihre Motivationen sind teilweise ziemlich unklar. Ja, genau. Es wird nicht ordentlich ausgearbeitet, was jetzt wohin führen soll für die Figuren. Man hat auch zwischenzeitlich das Gefühl,
Florian Bayer: dass sie sich eigentlich in diesen Chef verlieben will, aber dass es nicht klappt, weil er einfach nicht aus seiner Rolle rauskommt, weil er einfach in dieser Rolle bleibt. Und dann ist sie ja wirklich erbost, dass er so ein Schwächling ist am Schluss und dass er keinen Rückgrat hat. Und das ist halt so ein konservatives Männerbild, das da vermittelt wird. Ja, genau. Und ich finde diesen Chef, der ist echt so eine traurige Figur in dem Film, weil er einfach das Männerbild der damaligen Zeit so auf den Punkt bringt, indem er es unterläuft. Und indem er als der Loser dargestellt wird, obwohl er eigentlich in dem Film die einzige Person ist,
Johannes Franke: die irgendwie sympathisch handelt. Der einzige einigermaßen Anständige. Ja, naja, ich finde allerdings, dass diese grundsätzliche Idee eines hassliebenden Pärchens, was es ja ganz viel für dieses Crewball-Comedian gab und so, und das Konzept an sich, dass eine Ehe, in der sich die beiden Ehepartner so dieses Bickering betreiben und sich gegenseitig ständig irgendwie Sachen um die Ohren hauen und sich streiten, aber auf eine irgendwie liebevolle Art und Weise, das ist damals Konzept gewesen. Es gab es ganz, ganz, ganz viel. Und das fand ich auch immer sehr unterhaltsam, aber in diesem Film irgendwie nicht. Das kann ja auch unterhaltsam sein, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Er hat eigentlich, wie gesagt, er hat alles drin, was so zum Rezept von einer klassischen Screwball-Comedie gehört. Ja. Aber dafür ist er dann halt doch zu sehr nach dem Rezept. Und ich habe mir einfach gewünscht, dass sie irgendwann Waffen ziehen und aufeinander schießen.
Johannes Franke: Ja, aber das ist halt leider nicht das Original zu dem vermeintlichen Remake. Leider.
Florian Bayer: Sollen wir über das Remake reden, ohne es gesehen zu haben? Wir machen jetzt eine Rezension des Remakes, ohne das Remake gesehen zu haben. Mr. und Mrs. Smith aus dem Jahr 2005 von Doug Limmon ist eine Zusammenarbeit von Brad Pitt und Angelina Jolie und lebt vor allem von dem Zusammenspiel der beiden. Die beiden spielen eine Art, Moment, Auftragskiller.
Johannes Franke: Sie sind Auftragskiller und sie werden für ein Aufeinander angesetzt. Sie haben jeweils einen Auftrag, jemanden umzubringen und stellen fest, das ist der jeweilige Ehepartner. Genau.
Florian Bayer: Und es kommt zu klassischen Screwball-Momenten, zu viel Action und viel Schießereien. Und der Film ist eine Kreuzung aus den Geschlechterduellen des Rosenkriegs und die Ehre des Pritzis mit Agentengetümmel aus True Lies. Der ungemündige Mix funktioniert über weite Strecken. Liest du jetzt einfach nur den Wikipedia-Artikel vor? Nein, ich bin bei der Kritik von Cinema. Erst am Schluss läuft das Action-Comedy-Konstrukt aus dem Ruder. Ich weiß, das ist eine krasse Urheberrechtsverletzung.
Johannes Franke: Copyright. Hallo, Floir. John-Who-inspirierter Showdown. Ja, das war auch ganz toll. Also wir müssen jetzt schon darüber reden, als hätten wir ihn gesehen, okay? Ja. Also Angelina Jolie hätte ich das so nicht zugetraut. Ihr Oeuvre vorher ist ja doch ein bisschen anders. Also sie ist ja nicht so zu Hause im Screwball. Ich habe keine Ahnung. Ich habe jetzt irgendwas erfunden. Ist das in Ordnung?
Florian Bayer: Ja, das Problem ist, dass man Brad Pitt und Angelina Jolie ansieht, dass sie eigentlich nicht so richtig zusammenpassen. Und sie versuchen das zu überspielen, indem sie in den Action-Szenen sich besonders galant bewegen.
Johannes Franke: Aber das funktioniert in den Action-Szenen ja auch ganz gut. Weil du damit, du hast da als Zuschauer sofort eine Distanz, die dann dazu führt, dass es ja nicht mehr so wichtig ist, wie die Chemie zwischen den Schauspielern ist. Hauptsache die Kugel fliegt in der Gegend.
Florian Bayer: Okay, genau diese Distanz, die du entwickelt hast, die konnte ich leider nie entwickeln. Weil es gab nämlich diese kleinen dramatischen Momente. Ja. Und dann habe ich wirklich auch, also gerade mit dem Nebencharakter des Jax hatte ich eine Zeit lang wirklich mitleidigt. Den Jim Carrey gespielt hat. Ja, genau. Und es war wirklich so, dass ich dachte, wow, mit dem kann ich mich identifizieren. Und was hat der eigentlich in diesem ganzen Agenten-Chaos verloren? Und ich fand es wirklich hart, als sie ihm dann die Eier abgeschnitten haben. Eine tragische Figur.
Johannes Franke: Ja, eine wirklich tragische Figur. Ja, beinahe die Qualitäten eines Don Quixote. Definitiv. Und das hat mir wehgetan dann. Und seine letzte Szene? Ja, oh mein Gott. Die letzte Szene, so tragisch. Aber sie hätten ihn vielleicht nicht in sieben Teilen überall verteilen sollen. Ja, das fand ich auch ein bisschen zu viel. Sie haben es auch dann doch ziemlich ausgereizt. Ja. Und Angelina Jolie, die dann in den letzten zehn Minuten die halbe Stunde dazwischen gar nicht vorkommt und am Ende dann nochmal ihren Satz sagt. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich fand es gut, dass sie in den letzten fünf Minuten konsequent nackt war. Nein. Was? Nein, nicht, weil ich sie... Natürlich wurde das auch gemacht, um ihren Körper zu inszenieren. Aber ich finde, damit haben sie sehr gut ihre Verletzlichkeit symbolisiert.
Johannes Franke: Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wann kommt Godot endlich? Ja, das dachte ich auch. Okay.
Florian Bayer: Fazit zu diesem Film. 60 Prozent bei Rotten Tomatoes. Also offensichtlich ist dieser Mr. und Mrs. Smith aus dem Jahr 2005 kein Totaldesaster.
Johannes Franke: Okay. Na, immerhin. Aber Rotten Tomatoes ist jetzt auch nicht unbedingt die Messlatte, oder?
Florian Bayer: Äh, 55 bei Metacritic, wenn du mehr bei Metacritic bist. Okay. Wird nicht besser. Okay. Vielleicht sollte... Oh, Roger Ebert. Mhm. Drei von vier. Oh. He praised the chemistry between the lead actors. Wow. Okay. Und what makes the movie work is that Pitt and Jolie have fun together on the screen and they are able to find a rhythm that allows them to be understated and amused even during the most alarming developments. Oh. Ja. Von Roger Ebert. Gesegnet.
Johannes Franke: Ja. Wollen wir das Ende mal noch ein bisschen zerreißen? Ja, bitte.
Florian Bayer: Ich dachte, wir wären schon beim Ende. Oh, es gibt diese Slapstick-Szene, ne? Wenn sie die Skier, mit den Skiern allein loswollen.
Johannes Franke: Ja, genau. Also sie sind da irgendwie in der Hütte im Schnee und irgendwie wollen sie jetzt den Bogen schlagen zu, sie liebt ihn ja noch und sie will unbedingt, aber das schaffen sie, weiß ich nicht, sie machen das innerhalb von einer Sekunde, indem sie irgendwie sich die Skier anzieht, um zu sagen, jetzt fahr ich hier weg, ich will hier nicht mehr sein, ich will nicht in deiner Gegenwart sein. Und er arrangiert das irgendwie mit ihr zusammen so, dass sie da sitzt und die Skier anhat und überhaupt sich nicht mehr bewegen kann, weil die Skier im Weg sind. Und sie kann ja auch nicht aufstehen und nichts. Und sie versucht es verzweifelt da rauszukommen, kommt auch dann an der einen Stelle da raus, stellt es fest und schnallt sich schnell wieder fest, damit sie dann nicht weiter rauskommt. Ja. Er stellt das fest, merkt, ach, die spielt ja nur, stellt sich über sie und küsst sie. Also lässt ihr ihr Keifen, man kann es nicht anerhören, einfach ersticken durch einen Kuss. Ja. Wie viel ist an dieser Szene falsch? Alles. Einfach alles. Ach Gott. Und es ist so romantisch. Consent wird total überbewertet. Ja, Consent, wer braucht schon Consent? Hör mal. Ja, es ist einfach, ja, 40er, ne? Anfang 40er, es ist hart. Das Problem ist, wenn du sowas im Kino siehst, als Mann, dann denkst du, Frauen wollen nur überzeugt werden. Ja. Wenn du das als Frau siehst, im Kino, dann kriegst du ja die Botschaft da an der anderen Seite, du musst, also zum einen darfst du nicht sagen, was du willst, sondern du musst das irgendwie durch die Blume machen oder durch einen Streit oder sonst irgendwie. Oder mal dir keine Chancen aus, egal ob du Nein sagst oder nicht, es bringt dir nichts. Ja, wenn der Mann dich überwältigt, lass dich überwältigen. Das ist romantisch. Wahnsinnig romantisch. Egal, wie ekelhaft dieser Typ ist. Ja. Also, schlimmere Botschaft kannst du am Ende nicht senden. Ja.
Florian Bayer: Und tatsächlich ist es ja, also, genau, die konservative, das konservative Gesellschaftsbild und Ehebild ist so eine Sache. Das ist irgendwie, okay, das ist aus der Zeit. Das ist schon schlimm genug, aber das ist dann tatsächlich einfach toxisch. Das Männerbild und das Frauenbild, was da entworfen wird, ist toxisch. Und es fängt an, sie will ja auch, das ist halt auch das Schlimme, dass sie sie natürlich auch erzählen, dass sie das will. Sie will ja, dass David, sie will ja, dass Jeff so ein Brutalo ist wie David. Sie will ja, dass er Rückgrat zeigt, indem er sie überwältigt, indem er sie, wenn sie, wenn sie beide betrunken sind, indem er das schamlos ausnutzt und so weiter. Der Film erzählt ja auch, hey, Frauen wollen das. Das ist das, was Männer wollen. Und das kann Jeff nicht liefern, aber David kann das liefern. Schrecklich. Ja. Embrace the racist.
Johannes Franke: Rapist. Rapist. Ja, also, der hat damals, war sehr erfolgreich, der Film. Ja. Der war wirklich sehr erfolgreich, hat Hitchcock irgendwie zwar nicht dazu veranlasst, mehrere, mehr Komödien zu machen. Er hat ja noch ein, immer Trouble mit Harry oder sowas.
Florian Bayer: Ja, der war übrigens wirklich witzig. Den hab ich nicht gesehen. Und Hitchcock hatte immer Humor in seinen Filmen, selbst in seinen Filmen. Das stößteste Film hat er Humor. Ja. Aber Screwball ist nicht seins. Nee. Anscheinend. Genau. Er hat ja, wie gesagt, er hat ja auch gesagt, er hat das Genre nicht verstanden. Er hatte auch eigentlich, glaube ich, gar keinen Bock auf das Genre.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er hat es halt irgendwie so abgearbeitet und gut ist. Mhm. Er wurde auch bei den, er kam bei der Kritik auch ganz gut an, ne? Ja. Es war jetzt nicht so, dass das, sie alle gesagt haben, das ist doch kein richtiger Hitchcock, sondern es war.
Johannes Franke: Ja, das Problem ist, damals konnte man ja nur nicht sagen, ist das jetzt ein typischer Hitchcock? Weil so viele Filme hat er dann auch noch nicht gemacht, dass er wirklich als der Meister des Sons einmal, ne, so. Die großen Filme, wie du sie kennst ab den 50ern, die sind ja dann erst in den 50ern. Ja. Das ist ja nicht so ein ...
Florian Bayer: Tatsächlich seine besten Filme, wo er auch immer düsterer wurde, ne? Also gerade so von Vertigo angefangen, nee, eigentlich schon so ein bisschen früher. Der Mann, der zu viel wusste, ist dann einfach immer düsterer geworden. Und sein düsterstes war wahrscheinlich Psycho, das dann Anfang der 60er war. Ja, aber ... Hm.
Johannes Franke: Ja. Ja, Hitch, um ihn mal liebevoll Hitch zu nennen, hättest du mal auch lassen können. Aber vielleicht hast du dir davon ein gutes Auto gekauft. Das denke ich auch.
Florian Bayer: Und einen Schnitzer darf man in seiner Filmografie haben, wenn man so viele tolle Filme gemacht hat. Das stimmt. Ich hab tatsächlich beim Gucken richtig Bock gekriegt auf alte Hitchcock-Filme.
Johannes Franke: Ja, ich auch. Das würde ich gerne fortführen, wirklich. Ich hab gedacht, wir müssten eigentlich jetzt noch ein paar mal darauf zurückkehren und mal gucken, was da noch drin ist. Weil es scheint ja jetzt die einzige Scrooge-Bar-Kamilie zu sein. Und ansonsten ist er ja eher in diesem Genre des Horror und des Suspens. Spionage, Thriller. Thriller, genau. Und das würde ich mir jederzeit von ihm wieder ...
Florian Bayer: Ich wäre vor allem an seinen britischen Filmen interessiert, weil ich noch keinen einzigen seiner britischen Filme aus den 30ern geguckt habe. Genau, die Stummfilme in den 20ern und dann in den 30ern. Ja. Die britischen Filme. Und dann die Filme, die ich kenne, die kommen halt wirklich erst in den 50ern. Das ist der Fremde im Zug und bei Anruf Mord und das Fenster zum Hof. Das fängt an in den 50ern und geht dann bis in die 60er und Ende der 60er. Und das ist das, was für mich immer der Hitchcock war. Es gibt offensichtlich einen Alfred Hitchcock davor, den ich überhaupt nicht kenne.
Johannes Franke: Diese Lücke sollten wir schließen, Plur. Sollten wir. Das war jetzt ein Versuch.
Florian Bayer: Das war echt so ... Wenn man wirklich so auf die Dartscheibe mit blind wirft ... Genau falsch trifft. Wir haben, glaube ich, genau den Film getroffen, den wir nicht hätten treffen sollen.
Johannes Franke: Ja. Schade, schade, schade. Ja. Wenn ihr Empfehlungen habt, was jetzt Hitchcock in diesem Fall betrifft, aber wenn ihr auch andere Empfehlungen habt, schreibt uns gerne und schickt uns euer Mitleid, dass wir den falschen Hitchcock erwischt haben.
Florian Bayer: Und wenn ihr eine Empfehlung habt für die 20er oder 30er, Hitchcock hat da wirklich viel inszeniert in der Zeit, total gerne. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und Johannes geht es wahrscheinlich genauso. Ja. Sagt uns, welcher ist der beste Film des frühen Hitchcocks vor 1940?
Johannes Franke: Bin gespannt. Also dann. Okay, cool. Ja, dann möchte ich mich nochmal bedanken, Plur, für diese wundervolle Folge. Vielen Dank für deine Empfehlung, die war wirklich sehr, sehr cool. Sehr schön.
Florian Bayer: Vielen Dank für diesen Ausflug in die 20er und in die 40er. Und danke, dass du mit mir zusammen durch diesen Hitchcock-Film gelitten hast. Aber gerne doch für dich, Plur.
Johannes Franke: Wenn ihr wissen wollt, was das nächste Mal drankommt, bleibt dran. Dann bleibt dran. Bis zum nächsten Mal und viel Spaß noch. Ciao. Ciao. Ja, Plur, wir hatten ja noch was. Genau, wir müssen unsere Hausaufgaben fürs nächste Mal aufgeben.
Florian Bayer: Ich bin gespannt, was das tut für mich. Wir haben vorhin in der Pause, off Mick, haben wir über Kubrick geredet und sind so ein bisschen durchgegangen. Was haben wir von Kubrick gesehen und was haben wir noch nicht gesehen? Und ähnlich wie bei Hitchcock habe ich bei Kubrick auch so eine Bildungslücke, was die Frühwerke betrifft.
Johannes Franke: Jetzt gehen wir in die gleiche Falle wieder, oder was?
Florian Bayer: Ja, in die gleiche Falle. Vielleicht. Wer weiß. The Killing. Den Kubrick, den man nicht sehen sollte. Die Screwball-Comedy von Kubrick. Oh Gott. Nein, es ist offensichtlich ein Heist-Movie. Okay. Thriller. Ja. Und der heißt The Killing, beziehungsweise zu deutsch, die Rechnung ging nicht auf und ist aus dem Jahr 1956 und gehört zu den ersten langen Filmen von Kubrick. Oh, okay. Vor New Hollywood, bevor er bekannt war für seinen Perfektionismus und seinen Wahnsinn. Okay. Ich kenne ihn nicht. Ich bin total gespannt.
Johannes Franke: Ein Heist-Movie. Ich bin auch sehr gespannt. Cool, okay. Was hast du denn? Ich habe, ja, deiner ist jetzt aus den 50ern, ja? 56. Okay. Meiner ist aus den 60ern, also gar nicht so weit weg. Und zwar aus Frankreich von Jacques Tati. Oh, okay. Weil ich hatte jetzt viel überlegt, was fehlt noch in dem, was ich so, was mich so ausmacht, wo ich sage, okay, wenn man die Filme kennt, dann kennt man mich. Und ich glaube, Jacques Tati gehört irgendwie dazu, obwohl ich dazu sagen muss, dass ich noch keinen Jacques Tati-Film komplett gesehen habe.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich die, ich habe Erinnerungen an Monsieur Hulot, weil mein Vater das geguckt hat und ich habe das mitgeguckt, dann so gezwungenermaßen.
Johannes Franke: Ja, aber Monsieur Hulot kommt ja in allen Filmen vor quasi von Jacques Tati. Zumindest in den großen Bekannten. Also in den großen, genau.
Florian Bayer: Ja, genau. Und ich habe Erinnerungen an Monsieur Hulot, der halt, was er immer macht, irgendwie durch die Gegend stolpert. Und ich glaube, es waren Ferien, Strand, Sommer. Und ich habe es so vage in Erinnerungen. Aber ja, ich bin kein Tati-Experte. Und meine Erinnerungen an Tati sind auch eher so, naja, das ist halt so eine nette französische Slapstick-Comedy. Die subtile Variante von dem, was Chaplin und Keaton machen.
Johannes Franke: Okay, na dann bin ich mal gespannt, ob du bei der... Welchen hast du von Tati? Achso, ja, ja, ich habe von Tati, es war eine schwierige Entscheidung. Ich habe dann gedacht, eigentlich, um dich zu überfordern, gleich den krassesten Tati. Weil Playtime aus dem Jahre 67 ist sehr einfach auf das sublimiert, was er vorher so gemacht hat. Das ist dieses Science-Fiction-Teil, oder? Das ist ganz genau, das ist diese Zukunftsvision, die er mal entworfen hat.
Florian Bayer: Das ist ein Film, wo ich genau weiß, dass er auf Millionen, Top-100-Listen steht. Ich habe ihn noch nicht gesehen. Oh, okay. Aber er steht auch auf meiner Liste, auf meiner noch zu sehen Liste und Klassiker musst du unbedingt gesehen haben, aber ich bin total gespannt. Ja, keine Ahnung.
Johannes Franke: Ich kenne ihn auch nur ausschnittweise, also ich glaube, ich habe den ganzen Film mal gesehen, so insgesamt, aber immer nur so etappenweise. Und jetzt bin ich total gespannt, den mal zusammenhängend.
Florian Bayer: Es wird spannend für uns beide, weil wir Filme sehen, die wir beide noch nicht so richtig gesehen haben, aber bei denen wir wohl glauben, dass wir Sympathie haben.
Johannes Franke: Okay. Ich bin voll gespannt. Gut, das wird eine spannende nächste Folge. Dann bis nächste Woche, viel Spaß beim Gucken. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao.

Es erweist sich wieder einmal als Schade daß ich erst spät in diesen Podcast eingestiegen bin. Mein Kommentar bezieht sich auf Eure Top3-Liste. Ihr beschäftigt Euch ja in den aktuellen Folgen ja nur mit einem Film. Möglicherweise habt Ihr das Thema in einer späteren Ausgabe aufgegriffen. Ich meine Film-zur-Serie-Remake bzw Serie-zum-Film-Remake.
Bei Film->Serie-Remake bietet es sich an, gerade bei Literaturvorlagen, mehr Zeit zur Handlungsentwicklung. Hier z. B. „Der Name der Rose“ oder „Die Ringe der Macht“.
„Highlander“ oder „Die glorreichen Sieben“ sind vielleicht nur die Transformation des Themas in aktuelle Zeiten???
Bei Serie->Film-Remakes finde ich mehr schlechte als gute Beispiele :
„Verliebt in eine Hexe“, „Starsky & Hutch“, „Miami Vice“, „Baywatch“, „Mit Schirm, Charme & Melone“ einerseits; andererseits „Charlie’s Angels“ & „Mission Impossible“.
Viele Grüße
Ronald