Episode 31: Sunset Boulevard, Außer Atem
In dieser Woche haben wir uns zwei echte Klassiker der Filmgeschichte ausgesucht. Sowohl Billy Wilders Sunset Boulevard (1950) als auch Jean-Luc Godards Außer Atem (1960) tauchen regelmäßig in „Filme, die man unbedingt gesehen haben muss“-Listen auf. Und in der Tat handelt es sich auch darüber hinaus um Geschwister im Geiste: Beide Filme sind tief im klassischen amerikanischen Film Noir verwurzelt, beide Filme benutzen als Tableau eine Thrillerhandlung um diese dann – in dem einen Fall inhaltlich, in dem anderen ästhetisch – zu dekonstruieren, und beide Filme schätzen ihr Medium, schrecken aber auch nicht davor zurück, mit diesem hart ins Gericht zu gehen.
In den zugehörigen Toplisten werfen wir einen Blick auf die besten Filme über Schauspieler*Innen und schauen uns die coolsten Typen der Filmgeschichte an.
Sunset Boulevard [Billy Wilder]
(USA 1950)
Here we go, another Classic: Sunset Boulevard war DIE Straße in Hollywood in der die ersten Stars der Filmgeschichte ihre Villen bauten und in der zu Zeiten Billy Wilders noch immer die alten Stummfilmstars ein zurückgezogenes Leben lebten. Und Billy Wilder dachte sich: Was ist aus diesen ehemaligen Publikumsmagneten geworden? Und die Idee zum gleichnamigen Film war geboren.
Eine längst vergessene Diva einer längst vergangenen Ära wohnt in ihrer baufälligen Villa und träumt von ihrer Rückkehr ins Showbiz. Sie bekommt offenbar immer noch hunderte von Fan-Briefen, sie glaubt ihren alten Produzenten noch auf ihrer Seite; und sie hat ein Drehbuch geschrieben, das ihr helfen soll, wieder nach oben zu kommen. Zum Glück kommt ein Schriftsteller daher, mit Verbindungen nach Hollywood und mit Erfahrung als Skriptdoktor, der nun das Drehbuch auf Vordermann bringen soll, damit es die erhoffte Wirkung in den Studios hat. Mit Geld und emotionaler Erpressung bindet sie den Schriftsteller an sich, der es sehr schwer hat, da wieder raus zu kommen.
Klingt alles gar nicht so komödiantisch wie man bei einem Billy Wilder Film denken möge, oder? Was ist der Film? Ein Drama? Komödie? Krimi? Satire? Melodram? Film noir? Abrechnung mit Hollywood? Liebeserklärung an Hollywood? An die alten Filme? Was würdest du sagen, Plor?
Außer Atem [Jean-Luc Godard]
(Frankreich 1960)
Eine gewisse Tendenz im französischen Film war es, die der Filmkritiker Francois Truffaut in seinem gleichnamigen Essay 1954 scharf kritisierte: Es ging um die Monotonie des französischen Kinos, die fehlende Individualität, die Angst vor dem Experiment. Truffaut wünschte sich eine neue Art von Kino und leitete damit die Nouvelle Vague und den französischen Autorenfilm ein. Es sollte sechs Jahre dauern, bis dieser sich explosionsartig im europäischen Kino durchsetzte. Neben Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn zählt die Gangsterballade Außer Atem von seinem Wegbegleiter Jean Luc Godard zu den großen Klassikern des Auteur und Nouvelle Vague Films.
Außer Atem aus dem Jahr 1960 besitzt alle Ingredienzen eines jungen, wilden Debütfilms. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen dem sich auf der Flucht befindenden Mörder Michel und der amerikanischen Studentin und Journalistin Patricia. Sowohl deren Affäre als auch die restliche Geschichte des Films ist trivial, könnte ebenso dem amerikanischen Film Noir und B-Movie Pulp entsprungen sein. Zum Ereignis wird À bout de souffle durch seine Sprache: Ein hektischer, enervierender Trip durch das Paris der 50er Jahre, zwischen schäbigen Hotels, chaotischen Straßen und zwielichtigen Hinterzimmern. Immer gehetzt, immer am Abgrund balancierend, garniert mit einem großartigen Jazz-Score, berühmt gewordenen Jump Cuts und Asynchronitäten, und dank seiner ebenso lässigen wie wilden Art auch heute noch eine verflucht coole Mischung aus Pulp und Nihilismus, philosophischem Liebesdrama und schmutzigem Ganovenstreich.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 31: Sunset Boulevard, Außer Atem Publishing Date: 2021-08-04T09:50:16+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/08/04/episode-31-sunset-boulevard-ausser-atem/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv, das wird lustig.
Florian Bayer: Was googelst du jetzt noch? Äh, nee, ich hab kurz was geschrieben. Ich musste einmal kurz drüber nachdenken, wie ich das formulieren will. Sind wir schon drin? Wir sind schon drin, klar. Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu unserer absolut ungeplanten, spontanen Einführung.
Johannes Franke: Herzlich willkommen hier beim Muss-Man-Sehen-Podcast, wo wir dem jeweils anderen einen Film aufs Auge drücken, in der Hoffnung, den Horizont des anderen zu erweitern. Du kannst meinen Satz inzwischen vervollständigen, Floor. Ist das nicht schön?
Florian Bayer: Ist das nicht romantisch? Wir sind wie Geschwister. Und jetzt große Überleitung. Ich bin der Meister der Überleitung. Wie diese Filme, die wir heute besprechen, auch ein wenig Geschwister sind.
Johannes Franke: Irgendwie schon, ja. Auf verschiedene Art und Weise. Das werden wir alles rauskitzeln. Nachdem ich nochmal kurz Pause gemacht habe, weil der Pegel hier irgendwie laggt. Keine Ahnung warum, wir sehen uns gleich wieder. Hören. Floor, wollten wir dieses Sparschwein einführen?
Florian Bayer: Wir wollten eigentlich eine Kasse machen. Jedes Mal, wenn wir, weil wir beide vom Film kommen, irgendwie von Zuschauerinnen sprechen oder Zuschauern, wenn wir von Sehen sprechen oder ähnlichem, sollte ein kleiner Betrag in unsere, ihr seid ein Podcast-Kasse fallen.
Johannes Franke: Aber dann war noch die Idee, dass wir vielleicht ein Schweinchen machen, für wenn wir das mit dem Gendern nicht richtig hinkriegen, Floor.
Florian Bayer: Ja, für das Misgendern. Und das wird richtig hart, weil ich tue mich echt schwer mit dem Klotar laut. Und zwar nicht ideologisch, überhaupt nicht. Ich finde das total toll. Sondern tatsächlich sprachlich. Sprachlich. ZuschauerInnen. ZuschauerInnen. Jetzt habe ich schon wieder Schauer. ZuhörerInnen. ZuhörerInnen. Du hattest letzte Woche gesagt, du warst das, dass es sich oft so draufgesetzt anfühlt, wenn Leute das sagen, dass viele Leute das nicht hinkriegen, das natürlich zu sagen, sondern dass es fast schon wie ein ironischer Umgang damit wirkt.
Johannes Franke: Und das ist ein bisschen blöder, weil das die eigentliche Intention ja ein bisschen ins Lächerliche zieht. Und das machen die meisten Menschen aus Hilflosigkeit.
Florian Bayer: Ja, das glaube ich auch. Das ist einfach ein neues sprachliches Phänomen oder ein junges sprachliches Phänomen. Und jeder geht auf seine Art damit um, die einen versuchen es zu machen. Manche kriegen es total natürlich hin. Andere bemühen sich wirklich und klingen dabei unbeholfen. Wieder andere poltern los. Sprachen kaputt gemacht. Scheißgut, Menschen. Ich zähle mich zur zweiten Gruppe. Ich bemühe mich wirklich, aber ich weiß, dass ich daran auch sehr viel arbeiten kann.
Johannes Franke: Ja, es ist auch schwierig. Aber ich glaube, je mehr es zum Beiläufigen wird, umso besser. ZuschauerInnen, ZuhörerInnen und nicht ZuschauerInnen oder sowas. Noch das große I mit Sprechen, was man auch früher geschrieben hat.
Florian Bayer: Also, liebe ZuhörerInnen, wir bemühen uns sehr, in den kommenden Episoden dann ein bisschen mehr drauf zu achten.
Johannes Franke: Und wenn wir es nicht schaffen und bemerken, ich höre es ja beim Nachhören, weil ich ja dann nochmal im Nachhinein alles anhöre und so große Pausen rausschneide, wenn Plur auf Toilette geht. Dann gibt es die Plings in die Kasse. Das wird teuer. Was sagen wir denn eigentlich? So 10 Cent pro Fehler? Ja, das wird wahrscheinlich schon teuer genug werden. Dann 10 Cent pro Fehler.
Florian Bayer: Und falls das Pling immer gleich klingt, wir haben jetzt hier nicht stapelweise 10 Cent Stücke rumliegen. Das heißt, wir werden die Abrechnung am Ende der Episode machen.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Genau. Und ich mache tatsächlich, wie ich angekündigt habe, ganz kurz Pause, um zu checken, ob alles in Ordnung ist, weil hier irgendwie was ein bisschen laggt.
Florian Bayer: Läuft wieder. Also, zwei filmische Geschwister werden wir heute behandeln. Und das Witzige ist, als wir uns gegenseitig die Filme zugeworfen haben, wussten wir das nicht, weil ich kannte Sunset Boulevard noch nicht.
Johannes Franke: Ja, und ich kannte Breathless noch nicht. Genau. Und das ist für mich, es fiel mir wie Schuppen aus den Haaren, wie Otto so schön sagt. Das ist irgendwie, dass wir ja tatsächlich zufälligerweise sehr, also auf gewissen Ebenen sehr ähnliche Filme gefehlt haben. Und es ist ja auch 50er und 60er, das sind 10 Jahre auseinander, die Filme.
Florian Bayer: 10 Jahre auseinander und Kilometer auseinander. Wir haben nämlich einen Film aus Amerika mit Sunset Boulevard von Billy Wilder aus dem Jahr 1950. In Hollywood. Hollywood. Und einen Film aus Frankreich.
Johannes Franke: Ja, der in Paris spielt. Und auch von der Herangehensweise einen Film zu machen, also kaum noch anderer sein könnte. Wie sagt man das? Kaum entfernter sein könnte von der Idee her.
Florian Bayer: Ich müsste dir auch eigentlich gegen das Knie treten, dass du den amerikanischen Titel benutzt hast.
Johannes Franke: Ah ja, ja, ja, stimmt. Aber ich kann den französischen nicht aussprechen.
Florian Bayer: Ja, aber du hättest dann außer Atem wenigstens sagen. Das stimmt. About de Souffle. Und ich entschuldige mich jetzt schon für jeden französischen Aussprachefehler, den ich haben werde während dieser Sendung. Das ist die dritte Folge in Folge, in der du dich entschuldigst für eine schlechte Aussprache von Namen. Das ist aber auch echt fies. Spanisch, Japanisch, Französisch. Wer sucht ständig diese Filme aus dem Ausland aus? Schlimm, Plur. Wer macht das nun? Okay, und wir haben beschlossen, wir gehen chronologisch vor. Ja. Außer Atem ist von 1960 und Sunset Boulevard von 1950 und mit dem werden wir jetzt auch starten. Viel Spaß. Mein Film. Johannes wird uns einführen. Ich führe uns mal in den Film Sunset Boulevard ein. Du darfst aber gerne vorher noch einen Schluck Tee trinken. Du hattest die Tasse jetzt mehrmals zum Mund geführt und dann wieder abgestellt. None|Danke. Trinken, nicht pusten, wie ich zu meinem Sohn gerne sage.
Johannes Franke: Oh, jetzt habe ich Bilder im Kopf. Okay, Sunset Boulevard. Here we go, another classic. Sunset Boulevard war die Straße in Hollywood, in der die ersten Stars der Filmgeschichte ihre Villen bauten, wo zu Zeiten Billy Wilders noch immer die alten Stummfilmstars ein zurückgezogenes Leben lebten. Und Billy Wilder dachte sich, was ist aus diesen ehemaligen Publikumsmagneten wohl geworden? Und die Idee zum Film war geboren. Eine längst vergessene Diva einer längst vergangenen Ära wohnt in einer baufälligen Villa und träumt von ihrer Rückkehr ins Showbiz. Sie bekommt offenbar noch immer hunderte von Fanbriefen. Sie glaubt ihren alten Produzenten noch an ihrer Seite und hat ein Drehbuch geschrieben, das ihr helfen soll, sich wieder nach oben zu arbeiten. Zum Glück kommt ein Schriftsteller daher mit Verbindungen nach Hollywood und mit Erfahrungen als Skriptdoktor, der nun das Drehbuch auf Vordermann bringen soll, damit es die erhoffte Wirkung in den Studios hat. Mit Geld und emotionaler Erpressung bindet sie den Schriftsteller an sich, der es sehr schwer hat, da wieder rauszukommen. Und ohne spoilern zu wollen, nein, das tun wir sowieso, er schafft es nicht. Klingt alles gar nicht so komödiantisch, wie man bei einem Billy Wilder Film denkt möchte, oder? Was ist der Film? Ein Drama, eine Komödie, ein Krimi, Satire, Melodramen, Filmnoir, Abrechnung mit Hollywood, Liebeserklärung an Hollywood? An die alten Filme, was würdest du sagen, Plur?
Florian Bayer: Oh ja, die Genrefrage. Über die habe ich mir wirklich den Kopf zerbrochen. Während des Schauens und auch nach dem Schauen. Ich habe was komplett anderes erwartet. Ich habe ein großes Hollywood-Drama erwartet. Ich habe viel mehr Melodramen erwartet. Ah. Von dem, was ich wusste von dem Film, und das war schon ein bisschen was, er ist halt einfach ein Klassiker und man hört immer mal wieder. Und auch ein, zwei Szenen habe ich auch schon gesehen aus dem Film. Ich habe erwartet, dass es ein großes Melodramen ist über, naja, schon über die Schattenseiten des Filmbusiness, aber vor allem eben aus der Perspektive mit sehr viel Melancholie und Wehmut. Und ich hätte nicht erwartet, einen so zynischen und so verbitterten Film zu sehen. Also ich war teilweise wirklich geschockt. Und habe dann während des Films noch geguckt, wie der später vermarktet wurde und war überrascht, wie Billy Wilder mit dem, was er da macht, durchgekommen ist. Weil es ist wirklich, er richtet einfach mal die geladene Schrotflinte auf Hollywood und er ballert los. Er ballert gnadenlos los. Also es ist wirklich, und jeder Schuss trifft sein Ziel. Ja. Es ist wirklich krass. Und es ist sehr erstaunlich, dass er mit Gloria Swanson einen Stummfilmstar gekriegt hat, die eine Rolle spielt, die quasi ihre eigene Rolle wirklich bitterböse hinterfragt als gealterter Stummfilmstar, der eben nicht mehr so viel Erfolg hat. Es ist überraschend, wen er da alles gekriegt hat, wer da alles mitmacht. Das ist unglaublich. Weil er sagt so, hey Leute, ich kacke euch jetzt so richtig schön ins Haus rein, wollt ihr mitmachen? Und die sagen offensichtlich alle, yay!
Johannes Franke: Naja, man muss dazu sagen, Regisseure, die sich selbst spielen, fucking Buster Keaton. Ja, unglaublich geil, oder? Ich liebe diese Szene, wo das Wachsfiguren-Kabinett, wie sie es quasi nennt, wie Buster Keaton und ich habe den Namen gerade jetzt, ich habe sie gerade gesucht, wer nennt? Norma. Du hast den Namen jetzt irgendwo, ne? Erzähl mal. Norma, unsere Protagonistin, oder? Ne, ich meine die drei anderen Figuren, also Buster Keaton und zwei andere Schauspieler, die ja auch Stummfilmstars waren und die sich irgendwie haben überreden lassen, da noch sich mit hinzusetzen für eine Bridge-Party.
Florian Bayer: Anna Nielsen und H.B. Warner.
Johannes Franke: Ja, und die anderen beiden, muss ich zugeben, kenne ich nicht so gut, aber Buster Keaton, ich war so, ich freue mich jedes Mal ihn zu sehen und er hat einen unglaublich melancholischen, lakonischen Gesichtsausdruck, immer wenn er irgendwie sowas spielt und ich liebe das einfach.
Florian Bayer: Es ist so krass, dass die da mitgemacht haben, auch die Regisseure, Cécile DeMille, der sich selbst spielt, dass die da mitmachen, weil es ist wirklich dreckig und gehässig und es ist auch, also Billy Wilder wirkt auf mich wirklich verbittert teilweise in diesem Film und das will ich gar nicht unbedingt negativ bewerten. Verbittert klingt wie so ein schlechter Begriff, aus Verbitterung kann tolle Kunst entstehen, aber es ist wirklich krass und dann war ich überrascht, dass nicht nur während der Produktion, sondern auch danach Hollywood diesen Film geliebt hat.
Johannes Franke: Naja, man muss schon dazu sagen, dass das vorher nicht leicht war, jemanden zu finden. Gloria Swanson war ja nicht die Erste, die sie gefragt haben, sondern sie haben ja erstmal mit Paula Negri telefoniert, die ja aus dem Stummfilmbusiness rausgefallen ist, weil sie so einen polnischen Akzent hatte, so einen dicken. Und man sie kaum verstanden hat. Dann hat er mit ihr telefoniert und dann hat er irgendwann festgestellt, oh ich verstehe nur die Hälfte von dem, was sie sagt, ich kann sie nicht besetzen, das geht nicht. Und sie war auch nicht unbedingt begeistert davon. Dann hat er Greta Garbo gefragt, sie war nicht interessiert, Clara Bow war nicht interessiert, die war das It Girl aus den 20ern. Und Norma Shearer nicht. Und Mary Pickford war richtig beleidigt, dass sie gefragt wurde, weil das Thema eben so krass ist. Also es waren schon echt ein paar Leute, die echt gesagt haben, um Gottes Willen, so möchte ich nicht porträtiert werden.
Florian Bayer: Und dann Gott sei Dank Gloria. Was für ein Schauspiel. Eine unglaubliche Schauspielerin. Was für eine krasse Performance. Der Film lebt natürlich komplett von ihrem Spiel und von ihrer Rolle und von dieser Person Norma, die sie verkörpert. Die ist einfach, das Herz des Films kann man nicht sagen, weil dieser Film kein Herz hat. Sie ist das Zentrum des Films.
Johannes Franke: Das ist gemein. Der Film hat schon ein Herz. Ich habe nicht umsonst auch Liebeserklärungen an Hollywood infrage gestellt, weil vielleicht ja dann doch, also du kannst, ich glaube, du kannst eine Satire oder eine Abrechnung mit etwas kaum drehen, wenn du nicht auch ein liebendes Auge dafür hast. Und das spüre ich schon auch ein bisschen durch. Wo hast du dieses liebende Auge gesehen? Das ist eine gute Frage, aber es ist, also ich kann es gar nicht so genau sagen, aber so dieses, weiß nicht, in den Szenen, in denen sie sich einfach mit dem Produktionsprozess beschäftigen, da ist schon, vielleicht liegt es auch daran, dass ich Billy Wilder das nicht zutraue, dass er so zynisch ist.
Florian Bayer: Das hat mich halt auch überrascht. Ich kenne Billy Wilder wirklich als Entertainer, der mit einem lachenden und einem weinenden Auge gerne inszeniert, sowas wie das Apartment oder auch manchmal hauptsächlich mit Lachen, mit manche mögen es heißen. Ja, genau. Und ich habe Billy Wilder auch nicht so derart viel Zynismus zugetraut, weswegen ich halt auch überrascht war von dem Film, wie er daherkommt, weil er ist tatsächlich nicht das, wie ich Billy Wilder kenne. Er ist nicht der klassische Billy Wilder Film.
Johannes Franke: Aber ich glaube, Billy Wilder ist einfach auch in der Lage, sich in Genres reinzuarbeiten, zu sagen, okay, ich mache jetzt, aber eben, um dem Genüge zu tun, gehe ich da all in und mache bestimmte Sachen, die ich vielleicht in anderen Filmen nicht machen würde. Wie bei manchen mögen es heißen, da kannst du sowas nicht machen. Der ist zu naiv, um sowas Düsteres unterzubringen. Aber ich glaube, dass er sich einfach gesagt hat, okay, wenn ich mich schon damit beschäftige, wenn ich das schon nach oben hole, dieses Problem, dieses Thema, dann muss ich all in gehen. Dann muss ich das ordentlich machen. Dann kann ich das nicht irgendwie halbseiten mit billigen Gags machen.
Florian Bayer: Ja. Es ist tatsächlich, es ist keine unterhaltsame Komödie. Also Komödie war es für mich die ganze Zeit eigentlich nicht. Dafür war das alles zu bitter, was da passiert ist. Für die ersten zehn Minuten gedacht, okay, das ist ein Horrorfilm. Ja, er hat ganz viele Horrorfilm-Momente. Das fand ich auch. Allein dieses Haus, dieses Anwesen, in dem diese Norma lebt, das ist eigentlich eine Gespenstervilla. Und sie wandelt durch diese Villa auch wie ein Gespenst. Dann haben wir den unheimlichen Butler, Erich von Stroheim, ganz großartig.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Als ehemaliger Regisseur und wie sich später herausstellt, ihr Ex-Mann, der mit ihr da zusammenlebt. Und der Schauspieler ist ja auch Regisseur gewesen.
Johannes Franke: Und hat auch mit ihr inszeniert. Genau. Also ich finde es unglaublich, in welchen Details Billy Wilder so darauf bestanden hat, zu sagen, wir machen da aber auch sehr authentisches Zeug. Weil auch Stroheim hat ja ganz viel mit eingebracht an Ideen, die auch nur daher rühren, dass er eben als Regisseur auch gearbeitet hat mit ihr. Und ihre Ideen und die ganzen Bilder, die in dem Ding sind, sind ja auch Bilder von ihr tatsächlich aus ihrer Vergangenheit als Vorspielerin, als Stummfilmstar. Ja, das ist unglaublich. Und Stroheims Idee zum Beispiel war eine der Sachen, dass die Fanpost, die sie bekommt, dass das alles von ihm kommt.
Florian Bayer: Ja, das ist so traurig. Das ist, ah, wow. Dieses ganze, dieser Charakter, den Erich von Stroheim spielt, dieser Max, dessen Funktion ist komplett, sie in ihrer Traumwelt gefangen zu halten. Dass sie nach wie vor ein Star ist, dass sie nach wie vor verehrt wird und dass sie nach wie vor Chancen hätte, ihr großes Comeback zu machen. Und er ist so ein bisschen, er ist wirklich der gruselige Butler, ne? Er ist so der Ego in diesem Horrorkabinett. So richtig. Auch wenn wir ihn zum ersten Mal sehen, wenn er auf unseren Protagonisten, auf Joe trifft und dann wirklich so ganz eiskalt ist und sagt, kommen sie rein. Die ganze Zeit mit finsterer Miene und alles. Und du denkst, jetzt wird er gleich umgebrannt. Ja. Und dann haben wir auch, nächstes Horrorelement, diese bizarre Szene mit der Schimpansenbeerdigung. Oh mein Gott. Damit starten wir. Das ist das, wo wir sie kennenlernen. Sie hatte ihren Schimpansen an ihrer Seite, ihr treuer Weggefährte und der ist gestorben. Und sie denkt, dass Joe da wäre, um diesen Schimpansen zu beerdigen. Sie will eine Schimpansenbeerdigung haben.
Johannes Franke: Vorher wird etabliert, dass Joe irgendwie erfolgloser Schriftsteller ist, dass er irgendwie so ein paar Sachen geschrieben hat, mit dem Geld verdient hat, aber so richtig reingekommen ist er nicht. Natürlich wird auch ein bisschen kritisiert von einer Frau zum Beispiel, die dort als Reader arbeitet, als Skriptdoktor würde man vielleicht heute sagen. Also jemand, der sich Sachen durchliest und dann Anmerkungen macht und sagt, naja, das ist vielleicht anders oder das vielleicht anders.
Florian Bayer: Betty Schäfer, die wahrscheinlich am ehesten so das Herz des Films darstellen könnte, wenn der Film ein Herz hat. Ja, das stimmt. Die zumindest so eine krasse Kontrastfigur ist zu der Norma und die dann ja auch später noch eine größere Rolle spielt, weil Joe sich in sie verliebt. Ja. Das ist schon ein bisschen eine Liebesgeschichte zwischen den beiden.
Johannes Franke: Dann flüchtet er aus der Stadt, weil er kein Geld mehr hat und eigentlich Geld schuldet nur. Er muss vor allem seinen Wagen verstecken.
Florian Bayer: Genau. Die sind hinter seinem Wagen her, weil er da die Raten nicht bezahlt hat. Ich weiß das nicht mehr ganz genau. Es war mir tatsächlich nicht so ganz klar, wie das funktioniert in den USA der 50er Jahre. Aber offensichtlich gibt es da Pfandleiher, die hinter seinen Raten her sind oder so eine Art Hypothek, die er auf dem Wagen hat. Und deswegen fragen sie ihn auch, wo ist der Wagen? Und wenn der Wagen nicht kommt, dann kriegst du halt wirklich Probleme und wir wollen jetzt den Wagen haben. Und deswegen überlegt er sich, wo er den Wagen verstecken könnte. Und dann fährt er über diesen Zanzboulevard und versteckt ihn halt erstmal in der Garage. Durch Zufall landet er da, versteckt ihn in der Garage von Norma.
Johannes Franke: Er hat einfach nur einen Platten, das ist alles. Er versteckt ihn dort und denkt, ach, das Haus ist so runtergekommen, da wohnt keiner mehr. Und dann wird er reingebeten von dem Butler, der einfach ihn für den Undertaker hält. Für den Beerdigungsmenschen? Bestatter. Bestatter.
Florian Bayer: Entschuldigung. Wenn du Undertaker sagst, muss ich automatisch an professionelles Wrestling denken. Der größten Wrestler der 90er und 2000er Jahre, wie Undertaker. Der Undertaker. In der linken Neckar.
Johannes Franke: Du guckst kein Wrestling, oder? Ich hab's früher mal, also wirklich so mit 15, 14, 15 oder sowas, hab ich ein bisschen Wrestling geguckt.
Florian Bayer: Okay. Ja. Ich hab auch in den 90ern ein klein bisschen geguckt und jetzt guck ich tatsächlich manchmal so auf YouTube so Reminiscence-Videos, wo sich über die gute alte Wrestling-Zeit unterhalten wird. Geil. Aber wir wollen auf keinen Fall abschweifen. Wir können nicht von einem 50er-Jahre-Film zum Wrestling kommen. Das funktioniert einfach nicht.
Johannes Franke: Und dann sieht er diesen Affen und soll ihn beerdigen und denkt sich, hallo? Und löst das Ganze auch auf. Billy Wilder typisch hätte es auch weiterlaufen können, dass er die Beerdigung tatsächlich durchführt. Aber er löst es auf und sagt, nee, ich bin hier völlig falsch. Sorry, ich geh dann mal wieder. Und kommt aber nicht weg, weil sie dann feststellt, dass er Schriftsteller ist. Und kriegt ihn dann mit dem Angebot, ihr Skript, das sie geschrieben hat, einmal durchzuschauen und die Teile zusammenzufügen zu einem funktionierenden Film.
Florian Bayer: Ja. Und er macht es halt eher so, er sagt, ich weiß nicht wohin. Ich bin irgendwie total verloren. Und mein Gott, dafür kriege ich wenigstens ein bisschen Geld. Und dann habe ich wenigstens eine Nacht eine Unterkunft, weil es ist so lang. Er sagt, er schafft das nicht an einem Tag. Und er will dann die Nacht erst mal im Gästehaus verbringen. Und das ist der eigentliche Plan, dass er für eine Nacht da bleibt, dass das Skript fertig liest, ein bisschen was dazu sagt und dann so schnell wie möglich abhaut. Weil das Skript ist offensichtlich, was wir davon hören, kein besonders gutes Drehbuch. Nein, nein, nein. Es geht um Salome, also eine Verfilmung der Salome-Legende mit ihr natürlich als Hauptrolle. Es soll das große Comeback werden von Norma. Und sie hat da alle Hoffnungen reingesetzt. Und wenn sie jetzt auch noch einen richtig guten Drehbuchautor, der ja auch nicht ist, in der Seite hat, dann muss das ja was werden. Dann schafft sie ihr großes Comeback. So kommen dieses sehr ungleiche Paar zusammen.
Johannes Franke: Und diese Beerdigungsszene von dem Affen, das ist so, dass sie auch einen ganz tollen Kameramann hatten. Und der Kameramann mit seinem Lichtmenschen zusammen wollte wissen, wie sie das machen sollen. Und haben Billy Wilder gefragt. Und Billy Wilders legendäre Antwort. You know, just your standard monkey funeral shot. Dann hat sie irgendwas gemacht.
Florian Bayer: Es ist fantastisch. Sie drehen es aus dem Gästehaus. Sie haben die Perspektive von Joe, der das Ganze beobachtet, so aus einer gewissen Distanz. Und es ist eine Prozession, die wirklich was sehr würdiges hat. Sehr würdevoll. Und sie wird einfach bizarr dadurch, dass wir als ZuschauerInnen wissen, was da geschieht. Da wird ein Schimpanse beerdigt in einer langsamen, würdevollen Prozession.
Johannes Franke: Das heißt, der einzige Kompagnin, den diese Frau über Jahre hatte, war dieser Affe und der Butler. Ja, das war's.
Florian Bayer: Und jetzt hat sie Joe. Und sie ist offensichtlich ziemlich gut darin, Menschen an sich zu fesseln.
Johannes Franke: Mein Gedanke war, er muss einen Affen ersetzen. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Aber er macht das ganz gut, ne? Er ersetzt den Affen gut, ja. Also für einen Hund ist er dann doch zu störig. Ja, stimmt. Er könnte eher so eine Katze sein, wenn sie eine verrückte alte Katzenlady wäre.
Johannes Franke: Ich glaube, der Affe ist schon ganz gut als Vergleich. Er soll für sie tanzen quasi und er ist aber eher so not amused.
Florian Bayer: Er macht's manchmal mit, manchmal wehrt er sich dagegen. Er ist auch manchmal echt fies zu ihr dann in gewissen Momenten. Er ist halt tatsächlich, dieser Joe ist keine Identifikationsfigur. Dieser Joe ist ein Unsympath, er ist ein sehr egoistischer Mensch, er ist jemand, der wirklich die ganze Zeit so nach seinem eigenen Vorteil sucht, bei allem, was er macht.
Johannes Franke: Aber das Schöne ist, weshalb ich glaube, dass wir ihm folgen wollen, ist, dass der Film damit anfängt und damit wären wir auch schon bei der Ähnlichkeit zu dem anderen Film, den wir heute besprechen, die Off-Stimme, diese Narration. Bei dem anderen Film ist es mehr ein Gedankenstream, aber bei dem ist es jetzt halt wirklich, der erzählt gleich von Anfang an, ich bin übrigens tot und erzähle euch jetzt, wie es dazu gekommen ist. Und er ist in diesem Monolog am Anfang doch einigermaßen reuevoll. Also man hat das Gefühl, ja, scheiße, ich war vielleicht nicht der beste Mensch. So vom Erzähl, von der Haltung her. Und ich glaube, das bringt uns dazu, eben auch zuhören zu wollen.
Florian Bayer: Ja, dann wären wir beim zweiten großen Genre, den der Film tangiert und zwar das Genre des Film-Noors. Wir haben diese Off-Erzähler-Stimme, die relativ nüchtern auch ist, oft auch so ein bisschen trocken, diese bizarren und skurrilen und auch traurigen Sachen erzählt. Wir haben permanent dieses Spiel von Licht und Schatten, also diese extremen Kontraste und viele Szenen, die in Dunkelheit spielen, von Dunkelheit in grelles Licht gehen. Dass der Film schwarz-weiß ist, trägt dazu natürlich noch bei. Es ist einfach so, es ist so eine gewisse Film-Noor-Stimmung. Auch wenn ich den Film nicht beim Film-Noor einordnen würde, hat er doch sehr viele Stilmittel
Johannes Franke: davon übernommen. Und ich finde, dass es eigentlich fast die beste Variante ist, dieses Film-Noor-Stilmittel überhaupt zu benutzen. Es gibt ja viele Film-Noor, also jetzt so aus meiner Sicht, die relativ unmotiviert diese Off-Stimme benutzen. Einfach weil es so dazugehört oder weiß ich nicht genau. Oder um irgendwie einen Story-Plot nach vorne zu bringen, der nicht anders funktioniert. Und das ist ein bisschen lazy. Aber in diesem Fall ergibt es wirklich Sinn, er als Toter, der seine Geschichte erzählt. Und das wurde ganz oft noch gemacht, aber nie so gut wie in diesem Film, finde ich. Und auch diese lakonische Erzählstimmung funktioniert halt genau deswegen, weil er eben sowieso schon tot ist und sowieso keine emotionale Beteiligung mehr braucht. Oder man ihm irgendwie unterstellen muss, dass er noch Interesse hat, irgendwas zu schaffen. Er ist halt tot, er kann sowieso nichts mehr ändern.
Florian Bayer: Ich finde, der ist halt narrativ ganz weit weg vom Film-Noor. Weil für mich ist Film-Noor ganz klar verbunden mit diesen Pulp-Krimi-Geschichten, wo es darum geht, dass irgendwie ein Detektiv in einer dreckigen Unterwelt recherchiert. Es ist eine Krimi-Geschichte. Ich weiß nicht, ob ich das als Krimi bezeichnen würde. Wer hat ihn umgebracht? Es gibt keine große Überraschung. Nein. Es ist eigentlich, man meint so am Anfang, wenn er im Pool liegt und sagt, ja, ich bin gestorben, ich erzähle Ihnen jetzt, wie es dazu gekommen ist, dann meint man, vielleicht gibt es noch eine Überraschung, aber dann ist der Film doch so straightforward, dass sie es ist, die ihn am Schluss umbringt, weil sie ihn nicht groß lassen kann. Es könnte auch immer noch der Butler sein.
Johannes Franke: Ja, aber das würde auch sehr wenig auslaufen. Ja, ja. Übrigens diese ganz am Anfang, die Szene mit dem Pool. Es ist so toll, was Kameramänner und Regisseure sich so ausdenken, um das hinzukriegen mit dem Pool. Dieses Bild, wie er da liegt, Kopf unter Wasser, wir sehen ihn von unten. Das heißt, wir sitzen anscheinend im Pool mit der Kamera und filmen nach oben. Und sie haben das am Anfang tatsächlich so gemacht. Sie haben eine Box gebaut, haben diese Kamera reingetan und sind dann nach unten. Und es sah nicht realistisch genug aus. Das Reale sah nicht realistisch genug aus. Sie haben es dann mit einem Spiegel oder so gemacht. Genau, sie haben dann auf dem Boden des Pools einen Spiegel gelegt und der hat dann reflektiert, was da zu sehen ist oben, wie die Polizisten da stehen und der Typ einfach, der im Kopf über im Wasser schwimmt. Und dann haben sie einfach außerhalb des Pools in den Spiegel gefilmt. Ganz toll.
Florian Bayer: Es ist so ein totaler Filmnachstart. Ja. Dieses Bild und es hat auch so eine gewisse Eleganz und sowas Edles. Und das finde ich ist so die stärkste Verbindung, die der Film zum Genre hat. Und er wird dann immer weniger Film genommen im Laufe seiner Zeit. Und ich bin so ein bisschen traurig, nachdem ich gelesen habe, was der ursprüngliche Beginn war, dass der nicht genommen wurde. Was ist der ursprüngliche Beginn? Der ursprüngliche Beginn ist eine total irre Geschichte. Und zwar hat Billy Wilder eine Totenhaus-Szene gedreht, in der die Leiche von Joe auf einer Bahre liegt und einen Zettel an den Zeh kriegt. Und dann liegt er in diesem Leichenschauhaus und liegt neben einer anderen Leiche. Und dann erheben sich die beiden Leichen und erzählen, was ihnen passiert ist. Das war der ursprüngliche Einstieg des Films. Das habe ich gar nicht... Und Joe erzählt dann, ja, so ist das Ganze passiert und dann starten wir in den Film. Und Billy Wilder hat diese Szene komplett gedreht und diese Szene wurde gescreent für ein Testpublikum. Und ganz am Anfang, als dieser Zettel an den Zeh gemacht wird, haben die Leute angefangen zu lachen. Weil die sich das alle so kitzlig vorgestellt haben, weil dieser Joe ja quasi der Erzähler ist und wir wissen, dass er quasi als Geist da irgendwie liegt. Und dann haben die Leute sich kaputt gelacht. Und Billy Wilder hat das natürlich mitgekriegt und ist dann ziemlich frustriert rausgegangen und saß dann wohl der Legende nach auf der Treppe und hat eine geraucht. Und dann kam eine Frau zu ihm und hat zu ihm gemeint, haben sie schon mal einen solchen Quatsch gesehen? Und Billy Wilder meinte dann einfach nur so total ernüchtert, nee, so einen Blödsinn habe ich noch nie gesehen. Woraufhin die ganze Szene nochmal neu gedreht wurde. Okay. Tatsächlich hat er später wohl auch gesagt, das muss ich kurz danach suchen. Billy Wilder hat auch später wohl zu Protokoll gegeben, dass es eine der besten Szenen war, die er je aufgenommen hat. Und sie ist aber einfach beim Publikum nicht angekommen. Er wollte wohl irgendwie einen bizarren, auch ein bisschen düsteren Start haben. Und das Einzige, was er erzeugt hat, war ein irres Gelächter und Freude. Und wahrscheinlich war es ihm dann doch der falsche Ton, um in den Film einzusteigen. Hm, ja. In Illinois wurde er mit diesem Opening gezeigt. Und ja, das Publikum hat sich kaputt gelacht. Ich würde es gerne sehen. Und sechs Monate hat sich die Veröffentlichung des Films verzögert, weil diese Szene komplett neu gedreht wurde, dieses Opening. Und ich finde, wahrscheinlich war es auch komisch, wahrscheinlich war es auch ein bisschen unfreiwillig komisch, aber ich würde sie auch unglaublich gerne sehen. Und sie scheint mir zu dem Ton des Films auch zu passen. Wow. Also ich könnte mir diese Szene gut vorstellen. Das ist dann halt weniger Film neu. Ja, das stimmt. Also es ist auch, der Start ist ja auch mit dieser Kamerafahrt über die Straße und die düster aufpeitschende Musik, die wir dann hören, wenn die Credits zu sehen sind. Ja. Das schreit alles Film neu. Ja, es ist jetzt eine klassische Humphrey-Bogart-Geschichte und dann kommt der Erzähler und so. Und das hat das von Anfang an schon so ein bisschen gebrochen. Stattdessen wird es dann halt im Laufe der Handlung sehr aufgelöst, weil es halt eher so Richtung Drama kippt, weg vom Kriminalfilm. Ja, und dann, genau, er ist dann erstmal bei ihr gefangen und sie hat offensichtlich einen ziemlich krassen Kontrollwand. Sie lässt ihren Butler sämtliche Klamotten von ihm aus seiner Wohnung holen und in dieses Gästehaus bringen. Alle seine Sachen.
Johannes Franke: Total, also so richtig schlimm, übergriffig. Und das Geile ist, ich habe am Anfang gleich gedacht, okay, das ist die Frau, die bei Filmen mit Männern mit diesen Sätzen ganz anders wahrgenommen werden. Eher, also wenn diese Sätze, die diese Frau spricht, von einem Mann gesprochen worden wären in den 40ern. Ja. Im Film Noir meinetwegen. Das wäre ganz normal gewesen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt allerdings, diese Übergriffigkeit und dieses Klammern, das wäre romantisch gewesen wahrscheinlich sogar.
Johannes Franke: Oh Gottes Willen, also so richtig Sugar Mama, weißt du? Ja, das ist auch tatsächlich, es ist krass, sie ist 50. Ja. Und 50 ist eigentlich nicht das, also ich meine, es gab auch damals schon SchauspielerInnen, die mit 50 gearbeitet haben und ordentlich, aber sie stellen es im Film so ein bisschen so da wie, du bist alt, dich will keiner mehr. Ja.
Florian Bayer: Und er ist 30 und es wird auch als, die Beziehung wird allein schon als deswegen toxisch definiert, weil sie als Frau so viel älter ist als er als Mann. Dabei reden wir hier von einer Zeit, wo das Umgekehrte natürlich ganz oft der Fall war. Also wie war das zum Beispiel bei, ganz krasses Beispiel, auch wenn er da oft jünger gemacht wird, Musical, was wir gesehen haben, ein süßer Fratz. Achso, ja. Funny Face, wie alt war sie, wie alt war er? Ich weiß es nicht mehr. Da dürfte der Altersunterschied krasser gewesen sein, ne?
Johannes Franke: Ja, der war krasser, garantiert.
Florian Bayer: Und das wird schon so, das Toxische in ihrer Beziehung wird auch stark daran festgemacht, dass sie einfach das unpassende Alter für ihn hat, weil sie ist zu alt und er ist zu jung.
Johannes Franke: Und es gab Schauspieler, die eigentlich vorgesehen waren für seine Rolle, die das abgelehnt haben genau deswegen. Es war ein Schauspieler dabei, der privat tatsächlich so eine Beziehung hatte und das eigentlich nicht öffentlich machen wollte und das wurde aber schon bekannt und wenn er jetzt noch eine Rolle gespielt hätte, genau in dieser Konstellation, dann hatte er Angst, dass er dann endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben wird und das ist schon eine seltsame Zeit, in der das so ist.
Florian Bayer: Tatsächlich wollte Billy Wilder sie auch älter machen. Ja. Und sie hat dann gesagt, nee, das passt nicht zu der Rolle. Diese Norma, die wird sich drum bemühen, jung auszusehen, auch wenn sie älter ist.
Johannes Franke: Ja, und dann haben sie ihn versucht, noch jünger zu machen, damit es irgendwie. Aber ich finde, das ist wirklich genau richtig in dem Film. Ich gucke sie an und denke mir, die ist aber trotzdem jung geblieben und merke aber an genau den richtigen Stellen, dass sie eben 50 ist. Ja. Das ist toll. Ich finde es irgendwie ganz beeindruckend.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja tatsächlich in den Szenen, in denen sie nicht so wahnsinnig ist, versprüht sie auch eine gewisse Attraktivität. Ja, absolut.
Johannes Franke: Wirklich eine attraktive Frau. Ja, die war ja, ich meine, sie war ja auch nicht umsonst der Star der Sturmfilmzeit. Gloria Swanson, wie viele Frauen in der Zeit, wurden sie natürlich viel über ihre Attraktivität gemessen und so. Aber sie war die Beauty-Queen und so. Das ist schon krass. Ja. Sieht man auch auf den Fotos, die sie im Haus stehen hat. Ja. Und das, was sie da gucken. Weißt du, was sie da gucken? Sie hat ja irgendwann, holt sie den Projektor raus und die Leinwand. Ja. Die Leinwand gut versteckt. Und dann gucken sie tatsächlich einen Film, den Gloria Swanson gedreht hatte. Und zwar mit Max, glaube ich. Mit dem Schauspieler von Max. Genau. Ja. Das heißt, das ist wieder so ein authentischer Moment, wo man sagt, okay, Dilly Wilder hat wirklich darauf geachtet, so wenig Fiktion wie möglich in einen fiktionalen Film zu packen, damit diese Kritik an Hollywood so trifft. Ja. Weil es genau stimmt. Ja.
Florian Bayer: Sie sagt ja relativ gegen Ende, wenn sie zum Paramount-Studio fahren und jemand an den Touren steht und sie nicht reinlassen will, sagt sie ja, without me, there wouldn't be any Paramount-Studio. Und sie hat recht. Und zwar nicht nur die Norma hat recht, sondern auch Gloria, weil sie war tatsächlich der große Paramount-Star.
Johannes Franke: Ja. Über sechs Jahre haben die einen Film nach dem anderen gemacht, der wirklich erfolgreich war und Paramount irgendwie einfach das Geld gegeben hat, so viel Zeug machen zu können.
Florian Bayer: Ja. Das ist wirklich krass. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, war sie bei weitem nicht so verbittert über das Ende ihrer Karriere, wie diese Norma, die sie spielt. Ja. Und es muss wohl auch so sein, dass es dann nach dem Film, wo sie wirklich wieder kurz im Rampenlicht stand wegen dieses Films, dass es dann, wenn Fans sie getroffen haben, waren die erschrocken, wie nett und wie normal und wie bodenständig sie ist, ohne jegliche Verbitterung.
Johannes Franke: Ja, genau. Und sie hat danach noch ganz viele Filmangebote bekommen, aber blöderweise gingen die alle in diese Richtung. Alle in diese Richtung. Sie war total enttäuscht davon.
Florian Bayer: Ja. Sie hat sich wirklich, sie hat sich tatsächlich Hoffnung gemacht, auch wenn sie ein bisschen abgeschlossen hatte mit dem Filmbusiness, hatte sie sich durchaus Hoffnung gemacht, dass das wieder ihr Comeback sein konnte. Und dann war sie aber plötzlich die alternde Diva und dann sollte sie nur noch die alternde
Johannes Franke: Diva spielen. Ja. Das war voll doof. Aber sie war nicht so, auch danach war sie nicht frustriert groß und hat sich nicht, sie hat dann nochmal irgendwie so kleinere TV Sachen gemacht, aber sie hat dann nicht mehr so viel gedreht und sie hat zwischendurch ja viel, nachdem ihre eigentliche Karriere aus den Zwanzigern zu Ende war. Sie hat das akzeptiert, hat gesagt, okay, es ist nicht mehr meine Zeit und hat dann Radio gemacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das hat super funktioniert wohl. Sie hat ja auch eine coole Stimme, ne? Ja. Die ist toll. Einfach eine tolle Frau und die hat das irgendwie dann weitergetragen. Ich finde es wirklich ein bisschen traurig, dass sie danach nur noch diese Rollen bekommen hätte können und dann irgendwie alles ablehnen musste, weil natürlich will man ja nicht immer wieder das Gleiche spielen.
Florian Bayer: Was wohl wirklich krasser war, dass sie so, sie hat wirklich so ein bisschen das Method-Acting durchgezogen beim Film. Sie ist in der Rolle geblieben die ganze Zeit. Ja, ja. Und sie hat wohl auch, sie hat zu ihrer Tochter, nachdem der Dreh fertig war, gesagt, so jetzt sind wir wieder allein, jetzt ist diese Norma weg und sie muss wohl auch, der Legende nach soll sie, nachdem sie die letzte Szene gedreht hatte, die auch tatsächlich diese große berühmte Szene war.
Johannes Franke: Das war nicht die letzte Szene, die sie gedreht haben.
Florian Bayer: Das war nicht die, die sie gedreht haben, aber es war ihre letzte Szene, oder?
Johannes Franke: Nee. Die sie gedreht hat, auch nicht? Nee, nee, nee. Aber es ist die letzte Szene im Film. Ja. Die haben sie gedreht, relativ spät im Prozess, glaube ich, aber es war nicht die letzte, die sie überhaupt gedreht haben für sie. Also es ist schon, aber sie haben trotzdem, sie ist da runtergekommen, die Treppe und sie hat sie barfuß gemacht, weil sie Angst hatte, dass sie stolpert, hat sie die Schuhe ausgezogen, was man einfach nicht sieht im Film. Und nachdem das fertig war, ist sie echt in Tränen ausgebrochen. Und dann hat, so Relief-mäßig, du bist ja völlig fertig von allem und hast die ganze Zeit Spannung gehalten und die ganze Zeit diese irren Charakter in dir. Und dann hat Billy Wilder eine riesige Party für sie geschmissen. Guter Mann. Guter Mann, ja.
Florian Bayer: Ja, Norma, das Zentrum des Films. Und wir lernen sie wirklich in dieser Zeit dann, wo er bei ihr lebt. Es wird immer länger, es wird auch immer näher. Irgendwann zieht er vom Gästehaus, zieht er in ein Schlafzimmer des Hauses, wo einer ihrer früheren Männer geschlafen hat. Es wird immer näher und wir lernen sie dadurch immer besser kennen. Und es ist wirklich eine krasse Person. Diese Filmvorführung, die du schon erwähnt hast, wo sie sich ihre alten Filme angucken, diese, was ein bisschen später kommt, diese absurden Privatvorführungen, wenn sie ihm ihre Charlie Chaplin-Imitation zeigt. Oh mein Gott, und die ist nicht schlecht.
Johannes Franke: Die ist gut, ne? Die ist echt gut. Fand ich auch. Und das Ding ist, Gloria Swanson hat die schon mal gemacht für einen anderen Film. Ah, deswegen haben sie es reingenommen. Und das, was sie vorher macht für ihn, um ihn zu entertainen, ist auch etwas, was sie in einem anderen Film schon gemacht hat. Das sind tatsächlich alte Nummern von ihr.
Florian Bayer: Das ist wirklich toll. Sie haben sie ausgeschöpft. Ja, sie haben sie vorgeschlagen. Das ist eigentlich total gemein, sodass sie komplett ihre Karriere benutzt haben und auf diesen Norma draufgepackt haben, obwohl sie ein ganz anderer Mensch war. Ja. Und Chaplin war wohl nicht so begeistert von dieser Vorführung. Das habe ich leider nicht, weiß ich nicht genau. Er wurde darauf angesprochen und fand das dann ziemlich doof und muss dann mal wohl irgendwann mal so nebenbei schnell, als er wieder darauf angesprochen wurde und total genervt davon war, eine Impression gemacht haben von ihr, wie sie ihn nachmacht und sich so darüber lustig machen. Ich fand ihre Vorführung toll. Ich fand die auch nicht schlecht. Die war cool. War ein guter Chaplin. Besser, als ich ihn jemals hinkriegen würde. Okay, das möchte ich gerne hinzugeben. Diese bizarren Bridge-Spiele, die wir schon erwähnt haben, mit den anderen gealterten Stummfilm-Stars. Das ist so super. Ein Bastakiten, den ich tatsächlich nicht erkannt habe und nochmal geguckt habe. Wirklich, Bastakiten. Ja, das ist Bastakiten. Obwohl er den Bastakiten-Blick drauf hat die ganze Zeit. Ja, ja, ja. Es ist eigentlich ein Psychogramm. Es ist ein Psychodrama, weil es geht um eine Frau, die den Bezug zur Realität verloren hat, der nicht richtig geholfen wird und die sogar von denen, die am ehesten helfen könnten, viel zu sehr in ihrem Wahn bestärkt wird. Von Max. Wahrscheinlich wirklich, weil er sie liebt. Ja. Und von Joe, weil er einfach, naja, Joe ist irgendwie ein komischer Typ auch.
Johannes Franke: Ja, also ich glaube, sie gaslightet ihn ja so ein bisschen da rein und sie, emotionale Erpressung und so weiter. Das Geld ist der erste Einstieg, aber nur Geld ist es ja dann irgendwann nicht mehr.
Florian Bayer: Das mit dem Selbstmord meinst du jetzt vor allem?
Johannes Franke: Ja, genau. Das ist echt krass. Also er will ja dann zu Silvester, stellt sich raus, dass sie sich in ihn verliebt hat und dass sie sich sonst was ausgemalt hat, was für eine Zukunft die zusammen haben.
Florian Bayer: Und dann machen sie diese bizarre Silvester-Party, wo sie nur zu zweit sind. Und der sich die ganze Zeit fragt, kommt da noch jemand oder was? Er denkt wirklich ganz lange, dass jemand kommt und dann tanzen sie allein in diesem Ballsaal und haben eine Band, die nur für sie spielt und es ist so traurig und gleichzeitig so bizarr und so irgendwie auch angsteinflößend. Und dann flieht er zu seinem Freund Artie, von dem er die ganze Zeit quatscht. Es ist ständig, immer wieder zwischendurch kommt, ich sollte zu Artie gehen. Artie, Artie. Und dann lernen wir diesen Artie endlich kennen und er ist ausgerechnet der Verlobte von seiner wahren Love Interest von Betty, von dieser Lektorin. Bedümm. Und dann schneidet sie sich die Pulsadern auf.
Johannes Franke: Ja, weil er abgehauen ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist schon, ja, also ich weiß nicht ganz genau, wie viel Psychologie man den 50ern, also Ende 40er, Anfang 50er zutrauen kann, Billy Wilder auch zutrauen kann, aber das ist schon eine sehr akkurate Beobachtung für bestimmte psychische Krankheiten, also zum Beispiel Borderline. Ja. Und viele Stars haben ja, sagt man ihnen nach, dass sie Borderline haben, so dieses Anerkennungsbedürfnis und gleichzeitig sich selbst so runter machen und diese zwei Seiten einfach.
Florian Bayer: Emotionale Druck ausüben aufs Umfeld auch. Ja, genau. Sie ruft ihn nicht an, Max ruft ihn an. Sie versucht sich einfach umzubringen und das ist sowas, wo ich dann, da habe ich gemerkt, dass ich Joe, dass für mich Joe kein sympathischer Protagonist ist, weil er redet dann ihr gut zu, er fährt tatsächlich zu ihr hin und redet mit ihr und ich habe die ganze Zeit mich gefragt, was meint er davon ernst, was ist Sarkasmus, was ist einfach nur um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen und ich konnte es nicht einordnen, obwohl er wirklich nett mit ihr redet danach und das ist wirklich ein Moment, wo er sich irgendwie, wo er fürsorglich ihr gegenüber ist und ich habe es ihm nicht abgekauft und das war der Moment, wo ich dachte, oh, dieser Charakter ist wirklich ein unsympathischer Charakter und echt ein schwieriger Charakter. Ja. Was nicht schlimm ist, ich brauche keinen sympathischen Charakter, um in den Film reingezogen zu werden, aber da ist es mir besonders krass aufgefallen, dass ich diesem Charakter nicht ein bisschen über den Weg traue, weil ich ihn einfach für einen Kriminellen und Lügner und Betrüger halte.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, also ich habe ihn jetzt nicht unbedingt als Lügner und Betrüger einsortiert, aber man kann ihm tatsächlich nicht wirklich trauen in dem, was er sagt, weil ich auch nicht nachvollziehen kann, warum er sich dann jetzt entscheidet, doch bei ihr zu bleiben. Wo er ja vorher, kurz vorher, doch eine sehr starke Andeutung einer Anziehungskraft zu dieser Frau, die er auf der Party, wo er dahin geflüchtet ist. Also diese Szene ist ja wirklich sehr deutlich und sehr eindeutig geschrieben und gespielt.
Florian Bayer: Diese Betty wird ja auch die ganze Zeit als Kontrastperson zu Norma inszeniert. Sie ist die nette, authentische, herzliche, sie sagt auch einmal, sie möchte überhaupt nicht, sie kann sich überhaupt nicht vorstellen, vor der Kamera zu arbeiten, das ist ja vollkommen egal. Sie findet es total toll, den Gedanken einfach hinter der Kamera und kreativ in den Prozessen drin zu sein. Sie hat wirklich offensichtlich gute Ideen für Drehbücher, sie ist scheinbar die einzige Begabte da zu sein, was Drehbuchschreiben betrifft. Und ja, ich glaube schon, er verliebt sich in sie, aber er geht zurück zu Norma und sie schlafen dann ja auch miteinander. Sie beginnen wirklich eine Affäre.
Johannes Franke: Ja, das finde ich schon, also das ist ein Turning Point, der sich mir natürlich nicht wirklich erklärt, aber natürlich dann, wenn du sagst, das ist halt einfach ein Gauner, dann, ja, über so eine simple, relativ simple Erklärung kann man es natürlich machen.
Florian Bayer: Ich glaube, er ist auch ein zielloser Gauner, er weiß die ganze Zeit nicht, wohin viel was ihm passiert, passiert so durch Zufall. Er landet bei ihr, weil er sein Auto halt in enger Garage abstellen will, damit es keiner auf der Straße sieht. Und ich glaube, er ist kein guter Gauner, weil er nicht weiter als fünf Minuten denkt. Und deswegen schlittert er so ein bisschen durch diesen Film. Was ich ganz spannend finde, ist, er hat eigentlich ganz viel von einer Rolle, die man oft bei Frauenrollen sieht, dass sie so ein bisschen, wenn eine Frau eine Protagonistin ist, dass es den RegisseurInnen nicht gelingt, sie als starke Protagonistin zu erzählen, obwohl sie das eigentlich wollen und dass sie sie von Situation zu Situation schubsen. Ganz krass finde ich es zum Beispiel bei Hunger Games, haben wir diese vermeintlich starke Protagonistin, Katniss heißt sie, glaube ich. Und wenn man den Film dann aber mal guckt, so ein bisschen mit dem Auge, mit so einem feministischen Auge, dann stellt man fest, dass sie eigentlich nicht so als Rolemodel taugt, weil alles, was ihr passiert, passiert eher so durch Zufall, weil sie halt von Situation zu Situation stolpert. Und letzten Endes handelt sie relativ wenig als starke Persönlichkeit. Und die Rolle hat er auch, finde ich total spannend, dass ein Mann so eine Rolle kriegt.
Johannes Franke: Ja. Ja, ist ja schon einfach klassischer Loser, wenn man das mit der Terminologie von damals nochmal nimmt. Auch kein wirklicher Draufgänger, weil er ist ja auch schwach und feige. Ja, genau.
Florian Bayer: Und es gibt wenige Momente, wo er wirklich mal, wo er Mut beweist, wo er zum Beispiel mal Knall hat, sagt, was ist. Er ist manchmal auch so wie so ein weinender Teenager. Also gerade, wenn er sich bei Norma über ihr Verhalten beschwert, wenn er sich darüber beschwert, dass sie seine Sachen einfach in das Gästehaus gepackt hat, wenn er sich darüber beschwert, wie er von ihr gefangen gehalten wird und so, dann ist das manchmal wie so ein nöhlender Teenie.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und das sich ja trotzdem fügt. Ja, genau. Also er ist ja dann trotzdem da. Ah, irgendwie. Okay, ja, und dann fahren sie tatsächlich mit dem Buch, was er dann fertiggestellt hat oder auch nicht. Also er soll ja viel ihrer Anmerkungen wieder umsetzen, was er gerne rausgestrichen hätte. Ich weiß nicht, ob das Buch besser geworden wäre, wenn er es allein gemacht hätte.
Florian Bayer: Wahrscheinlich eher nicht. Er ist ja offensichtlich auch eher so ein B-Movie-Schriftsteller und ich glaube, diese Kritik, die Betty ganz am Anfang an seinem Text übt, dass es kein Herz gibt, dass sie nichts fühlt. Das ist so, ich glaube, das ist seine Art zu schreiben. Ja.
Johannes Franke: Naja, und dann fahren sie, weil der Produzent wohl anscheinend ständig versucht hat, sie zu erreichen und das so, aber eben nicht der Produzent, sondern Assistent. So, und dann fahren sie da hin und ich finde es schön, dass der Film trotzdem zeigt, dass sie tatsächlich mal jemand war. Der Pförtner erkennt sie sofort, der Alte zumindest. Der sehr alte Pförtner. Der alte Pförtner weist sofort, oh mein Gott, Mrs. Desmond und lässt sie sofort rein und sie geht dann da in das Studio von Mr. DeMille und ich finde, der Produzent, der ja wirklich Produzent ist, der Schauspieler ist ja kein Schauspieler, sondern ist ja eigentlich Produzent und der spielt es so gut. Ich finde es so beeindruckend. Du meinst der Regisseur? Der Regisseur, also der... DeMille? DeMille, genau. Ja. Ich finde ihn unglaublich gut als Schauspieler.
Florian Bayer: Das ist so eine tragische Szene von Anfang bis Ende. Ja. Und er ist genau, er ist der Einzige, der wirklich sieht, dass hier eine Person ist, die Hilfe braucht und zwar andere Hilfe, als sie gerade erhält. Ja, genau. Und er ist richtig traurig darüber, was aus ihr geworden ist und wie sie sich verhält und wie sie in ihrer Wahnvorstellung lebt. Da ist auch nochmal Herz, finde ich. Sehr viel Herz. Das stimmt. In dieser Rolle, die eigentlich nur ein kleiner Cameo ist, er spielt sich auch tatsächlich selbst. Den gibt es wirklich, das ist ein Regisseur aus der Zeit.
Johannes Franke: Den kennt man vor allem aus The Ten Commandments dann am Ende. Sein letzter Film in den 50ern, 56 glaube ich, die zehn Gebote.
Florian Bayer: Es war kein Regisseur, der mir so präsent war als großer Regisseur, aber offensichtlich war es eine große Nummer, der hat auch viel gedreht in der Zeit, in den 40ern und 50ern. Und genau, der große Plot-Twist, sie denkt, sie hätten die ganze Zeit angerufen, weil sie ihr Script so toll finden, die wollen eigentlich nur in ihr Auto. Sie hat so einen Oldtimer in ihrer Garage stehen und daran haben sie Interesse, weil der von einem alten Film ist und sie wollen nochmal so ein altes Auto haben. Und sie ist dann aber am Set und sie wird so krass in ihren Wahnvorstellungen bestärkt, weil da sind die ganzen Schauspieler, die als sie gedreht hat, wahrscheinlich noch ganz kleine Nummern waren und sagen, oh, da kommt sie, die haben wir damals verehrt. Und dann wird sie umlagert von diesen Leuten und sie sonnt sich darin. Aber wir wissen, das ist alles nur eine Illusion. Keiner hat Interesse daran, mit ihren nächsten Filmen zu drehen. Sie wollen eigentlich nur in ihr Auto und es ist klar, dass sie hier wieder nur in ihrer Wahnvorstellung bestärkt wird, dass es keinen Karriereschub geben wird.
Johannes Franke: Ja, das ist schon wirklich krass. Ich fand es aber auch sehr schön, dass sie dann nochmal diesen Moment bekommt. Also für sie als Mensch. Weil es ist absehbar, dass sie in ihrer Wahnvorstellung bleiben wird.
Florian Bayer: Das ist so traurig. Und dieser Regisseur redet dann ja auch mit ihr und sagt ihr eigentlich, was Sache ist. Versucht es. Versucht es und sie bleibt einfach in ihrer Wahnvorstellung. Sie kommt aus diesem Studio raus und denkt, alles ist super. Und dann kommt diese krasse Folter-Szene. Diese Selbstfolter-Szene, wo sie sich von den SchönheitsexpertInnen zurechtmachen lässt. Weil der Film kommt ja bald, bald wird angefangen zu arbeiten an ihrem großen Comeback-Film. Und dann muss sie auch entsprechend aussehen. Und dann haben wir eine krasse Montage, wie sie mal präkiert wird. Das ist so unfassbar.
Johannes Franke: Und ich, das ist total aktuell. Es ist unglaublich. Es ist so aktuell. Ich muss so sehr an diese ganzen Sachen denken, die immer wieder auch von KollegInnen, muss ich sagen, die irgendwie verzweifelt an dieser Jugend, die immer noch ganz nach oben gehalten wird, hängen und sagen, ich muss so aussehen, ich muss so aussehen, wenn ich ein Fotoshooting mache manchmal. Und dann so Bearbeitungen gemacht werden, wo ich denke, ja, aber dann siehst du am Ende nicht mehr so aus, wie du eigentlich aussiehst. Das sind so Sachen, nein, warum?
Florian Bayer: Das ist wirklich so ein Moment, wo der Film komplett ins Tragische kippt. Auch diese Montage ist einfach nur hart und schmerzhaft. Und man sieht, dass sie leidet unter dem, was gemacht wird. Wir sehen halt ihr Gesicht, wie es bearbeitet wird.
Johannes Franke: Ja, es ist wirklich krass. Und da ist der Film halt auch wieder zielsicher mit der Kritik. Ja. Das finde ich beeindruckend.
Florian Bayer: Und dann findet sie den Drehbuchentwurf, den Joe mit Betty geschrieben hat. Die titellose Liebesgeschichte, ne?
Johannes Franke: Sie haben dann beschlossen einfach, dass sie das geheimlich, also er hat beschlossen, dass er es heimlich macht. Sie weiß ja gar nichts davon. Aber er hat gesagt, ich komme dann nachts immer und dann schreiben wir zusammen. Und dann schreiben die zusammen ihre Liebesgeschichte, die sie sich irgendwie haben einfallen lassen und verlieben sich auch ineinander währenddessen. Übrigens der einzige Newcomer in diesem Film, die Schauspielerin, ist 21 gewesen, als sie das gespielt hat. Und ich finde sie ganz wundervoll. Nancy Olsen.
Florian Bayer: Ganz tolle Schauspielerin. Ich finde, sie ist in diesem Film halt sehr klar definiert. Sie ist so ein bisschen der Engel der Geschichte. Sie ist natürlich, sie ist authentisch. Sie ist unglaublich liebenswert und reizend. Und ihr ist das auch direkt peinlich, ganz am Anfang, wenn sie über sein Manuskript lästert und dann feststellt, dass er da sitzt und das gehört hat. Und sie möchte den Boden versinken. Deswegen, ja, sie spielt halt das, was ihr das Drehbuch gibt. Ich fand die Rolle tatsächlich im Vergleich zu den anderen Rollen so ein bisschen flach, weil es so sehr diese liebreizende Femminfantil ist, die sie oft mit dieser Kindlichkeit und Naivität und Unschuld inszeniert wird.
Johannes Franke: Aber ich finde, dass sie das so gut spielt. Also, dass sie wirklich einfach eine gute Schauspielerin mit 21 so natürlich zu spielen muss man erstmal hinkriegen.
Florian Bayer: Sie spielt das, was das Drehbuch hergibt, aber das ist natürlich, es ist ein gewisses Stereotyp, was da inszeniert wird. Und ich finde, ich fand sie nicht schwach, aber ich fand, man hätte auf die Rolle vielleicht auch verzichten können oder die Rolle anders gestalten können. Also, dass du keinen Love-Entschluss hast, oder? Ja, ich finde, sie gibt den Film Klischees an der Stelle, wo er sie eigentlich nicht verdient hat. Das ist ein Film, der so viele, so geschickt um die Klischees herum arbeitet, sowohl was Genre betrifft, als auch was Rollenbilder, Rollenvorstellungen betrifft. Und in dieser Rolle und auch in der Liebesgeschichte treffen die klassischen Hollywood-Klischees dann doch sehr stark zu.
Johannes Franke: Ja, aber ich finde, dass diese Szenen, in denen sie sich annähern, vielleicht bin ich auch einfach ein großer Fan von so 50er Jahre Liebeszenen, wo sie sich dann sehr seltsam küssen. Ja, aber sie, irgendwie finde ich es sehr süß, wie sie voreinander stehen und eigentlich wissen, weiß er ja auch, dass er das nicht sollte und dass das nicht geht, weil sie mit Artie zusammen ist und sie heiraten wollen. Und er dann sagt, wenn ich dir so auf den Meter zu nahe komme, dann schlag mich mit deinem Schuh.
Florian Bayer: Sie ist süß, auf jeden Fall. Diese ganze Liebesgeschichte ist süß. Ja, ich finde es total schön. Es ist halt eine Art von Liebesgeschichte, wie man sie schon in dieser Zeit sehr oft zu sehen bekommt.
Johannes Franke: Aber ich mag's.
Florian Bayer: Es tut tatsächlich gut, so ein bisschen Herzenswärme mit ihr zu sehen, weil der Film sonst so kalt ist, so tragisch und so bitter, dass es ganz gut tut, zwischendurch einfach mal so was Warmes zu haben, an dem man sich festhalten kann. Und dazu ist ihre Rolle auf jeden Fall gut. Und dazu ist auch diese Liebesgeschichte gut. Und wahrscheinlich wäre es ohne diese Geschichte sehr hoffnungslos, das alles.
Johannes Franke: Muss man schon sagen, ja. Irgendwie habe ich aber trotzdem während des Films, ich weiß nicht, wie es dir ging, ob der die Tragik überwogen hat, ich fand den Film trotzdem irgendwie amüsant. Also nicht, ich habe nicht, es ist keine Screwball-Komödie, das definitiv nicht. Aber ich fand, die satirischen Momente haben so gut getroffen und ich habe genug Abstand, dass ich sagen kann, ich kann darüber auch lachen.
Florian Bayer: Ich musste wenig lachen bei diesem Film oder auch wenig, ich fand wenig witzig, weil er einfach dieses Bittere und dieses Verbild hatte, immer hat mitschwingen lassen. Ja. Also gerade am Ende natürlich, also am Ende kannst du nicht mehr lachen, ist klar. Ich glaube, ich konnte die ganze Zeit nicht lachen. Am Anfang, das fand ich witzig mit dem Schimpansen, weil das so bizarr war. Aber danach wurde es einfach nur unangenehm und es war zu viel, zu viel verbitterter Blick auf die Filmindustrie und zu viel verbitterter Blick auf die Beziehung und zu viel Bitternis in dieser Beziehung, die im Mittelpunkt steht. Witzig fand ich da echt wenig, auch wenn es diese witzigen Momente gibt, aber die waren dann einfach zu stark eingebettet in dieses zynische, kalte, groteske.
Johannes Franke: Tja. Naja, das haben ja auch ein paar andere Leute dann noch gesehen, als der Film rauskam. Es gab ja durchaus, wir haben am Anfang gesagt, dass der Film sehr erfolgreich war. Ja, das war er, aber bei den ersten Screenings und er hat ja ein paar Leute eingeladen, die er auch gefragt hat, ob sie dabei sein wollen im Film und die Nein gesagt hatten. Und es gab Leute, die dann gesagt haben, die waren einfach, also Mary Pickford ist gegangen und hat ausrichten lassen, dass sie einfach nicht, dass sie völlig überwältigt, also im negativen Sinne völlig überwältigt davon war. Und das ist irgendwie, dass sich keiner zusammenreißen konnte ordentlich. Wenn man seine eigene Geschichte mehr oder weniger vielleicht so auf der Leinwand sieht, das ist natürlich schwierig. Und einer der Produzenten oder Regisseure, ich weiß nicht mehr ganz genau, der das gesehen hat, hat auch Billy Wilder offen beschimpft richtig. Und hat gesagt, das geht nicht, du scheißt hier in dein eigenes Haus, was soll das? Die Leute, die dich füttern, so in den Dreck zu ziehen, das geht nicht.
Florian Bayer: Das macht er auch tatsächlich, ne? Also er scheißt in sein eigenes Haus. Aber was mich überrascht hat, zum Beispiel das Paramount, die fanden das total cool, dass er sie prominent nennt. Die fanden das super. Und es musste überhaupt nicht irgendwie groß gefragt werden. Die haben gesagt, klar, dreht da hier in unserem Studio, hier habt ihr noch ein paar Kulissen, nehmt das. Das war super. Und sie haben dann ja auch, nachdem der Film abgedreht war und angelaufen ist, haben sie ja auch Gloria Swanson auf eine Tour geschickt. Ein Jahr lang ist sie durch Amerika getourt, um diesen Film zu bewerben. Die hat 1.000 Dollar in der Woche bekommen dafür. Offensichtlich lag ihnen das Projekt am Herzen, auch nachdem sie gesehen haben, dass das Projekt eigentlich ein riesiger, dampfender Haufen auf der Filmindustrie ist. None|Krass.
Johannes Franke: Ich find's wahnsinnig beeindruckend, mit welcher Resilienz dann sozusagen auch Leute, auf die geschimpft und geschissen wurde, das einfach dann hingenommen haben und gesagt haben, okay, das gehört auch dazu. Ja. Also, vielleicht wurde auch keiner so persönlich angegriffen, weil die meisten von denen einfach schon zu alt waren. Weißt du, was ich meine? Also, es geht ja um die Vergangenheit in dem Film und irgendwie kann sich vielleicht Paramount auch denken, ja, die Zeiten sind aber auch hinter uns. Ha, ha, ha, ha, ha. So, weißt du? So Delusions. Wahrscheinlich war es auch einfach Billy Wilder, war eine zu große Nummer, ne? War der schon so eine große Nummer? Ich weiß es gar nicht so genau. Der hat schon vorher ein bisschen was gedreht. Ja, der hat einiges gemacht. Also, er hat, ähm. Manche mögen es heiß, war ein bisschen später. Manche mögen es heiß, war später halt davor, aber.
Florian Bayer: Der Bartmann, glaube ich, auch, oder? Er hat seit Ende der 20er Jahre als Drehbuchautor gearbeitet. Also, er hat die 30er Jahre durch als Drehbuchautor gearbeitet. Er hatte natürlich noch nicht diese Reputation, die er dann später hatte als einer der größten Risseure Hollywoods. Seine richtig großen Filme, die kamen alle danach, das stimmt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Also, Sabrina war 54, Zeugin der Anklage war 57, manche mögen es heißen 59, das Apartment 60. Mann, hat der viel gedreht. Ja, echt Wahnsinn, oder? Aber ich glaube, er war in dem Filmbusiness schon so tief drin, weil er hat einfach so lange schon gearbeitet. Er hat auch schon als Regisseur einiges gemacht.
Johannes Franke: Tja.
Florian Bayer: Und trotzdem, ich war überrascht. Ich habe, ich kann es nur nochmal wiederholen, ich habe nicht einen Film erwartet, der so hart ist. Der so brutal ist mit seinem Sujet und mit dem Thema Filmbusiness. Aber hättest du es gewünscht, dass er weniger hart ist? Nein, nein, nein, auf keinen Fall. Es war tatsächlich überraschend. Ich habe einfach, ich bin einfach, man geht, wenn man so einen Klassiker guckt, geht man mit bestimmten Erwartungen dran. Da kommt man nicht vorbei. Und ich habe großen Pathos und großes Drama erwartet. Er ist irgendwie ein Film, der regelmäßig in den Top Ten Listen der besten Filme aller Zeiten auftaucht.
Johannes Franke: Ja, und ganz viele Quotes aus dem Film. Allein ist Ende. Ja.
Florian Bayer: Ich habe so ein bisschen eine Art Citizen Kane von der Erzählhaltung erwartet. Also mehr Pathos, mehr Drama.
Johannes Franke: Ah, verstehe.
Florian Bayer: Mehr Gediegenheit. Und war dann doch überrascht, dass es eher in die Richtung bitter, zynisch, böse geht.
Johannes Franke: Okay. Verstehe. Worum geht es eigentlich in dem Film auf der menschlichen Ebene? Das habe ich mich noch gefragt, weil es natürlich ist es eine große Kritik, einmal austeilen gegen Hollywood. Der Film hat eine menschliche Ebene. Ja, naja. Es geht irgendwie, finde ich, sehr, und das finde ich spannend, um Selbstbild versus Fremdbild. Also der eigenen Lebenssituation. Der Schriftsteller sieht sich als großer Schriftsteller und hangelt sich von einem schlechten Job zum nächsten. Sie hält sich für die große, berühmte Diva, die immer noch Erfolg hat, ist aber schon lange nichts mehr quasi. Also ich finde es ein spannendes Thema. Selbstbild versus eigene Fremdwahrnehmung und Lebenssituation. Und irgendwie würde ich mir mehr Filme wünschen, die so ein bisschen mit dem Thema spielen.
Florian Bayer: Ja, das ist natürlich Thema Schauspieler, Künstler, SchauspielerInnen. Ist natürlich ein sehr dankbares Thema, um sowas zu behandeln. Wie nimmt man sich selbst wahr? Wie wird man von einem Publikum wahrgenommen? Ja, ja, ja. Ich ahne, wo du hinmöchtest. Ja, ich glaube, wir können ganz langsam vorsichtig zu unseren Top-Listen schwenken, die sich mit Schauspielern und Schauspielerinnen befassen. Jingle. Jingle.
Johannes Franke: Okay, Top 3 Filme über Schauspieler. Am besten Falle über alternde Schauspieler. Oder SchauspielerInnen, bitte. Verdammt! Ich bin wieder 10 Cent verloren.
Florian Bayer: Okay. Ja, jetzt ist mir tatsächlich schwergefallen dieses Mal. Und zwar einfach aus dem einfachen Grund, dass ich das Gefühl habe, ich nenne nur Filme, die wir schon mal hatten bei unseren Listen. Ja, ich verstehe es. Es gibt diesen krassen Wiederholungseffekt und ich habe dann irgendwann aufgehört, verzweifelt nach einem Film zu suchen, der noch nicht genannt wurde. Ich habe insgesamt 5 Filme und alle 5 wurden mindestens einmal schon mal genannt im Zuge dieses Podcasts. Okay, das heißt, wir machen eine Top 5 draus, das könnte ich auch. Ich dachte jetzt, ich habe sie so sortiert, dass ich sie als Honorable Mentions gleich am Anfang nennen kann. Willst du eine Top 5 draus machen? Lass uns eine Top 5 draus machen, komm. Okay, dann ist mein Platz 5. Once upon a time in Hollywood. Ja, meiner auch. Hier haben wir einen alternen Schauspieler. Leonardo DiCaprio, großartig.
Johannes Franke: Ja, sehr schön.
Florian Bayer: Muss man viel dazu sagen? Also wir müssen nicht viel dazu sagen, weil wir uns ständig schon drüber unterhalten haben. Ja. Ich mag ihn total. Ich finde, es ist einer auch, er wurde teilweise so rezipiert als einer der schwächeren Tarantinos, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich finde, Tarantino macht wieder einen großartigen Job und erzählt ein tolles Märchen aus der Traumfabrik.
Johannes Franke: Ja, aber tatsächlich einfach einen anderen Job, finde ich. Also schon, der Film ist anders als viele andere Filme von ihm. Und das finde ich ein kleines bisschen beeindruckend. Auf der anderen Seite, was mich an dem Film nur geärgert hat, ist halt, dass das, dass er es wieder nicht geschafft hat, mit seinen Frauen ordentlich umzugehen. Also die Frauenrollen sind bei Tarantino immer irgendwie so ein bisschen, weiß nicht genau.
Florian Bayer: Das wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern.
Johannes Franke: Obwohl er sich echt Mühe gegeben hat mit Kill Bill und so starke Frauen und er sagt ja immer starke Frauenrollen und so weiter, aber irgendwie, weiß ich nicht, kriegt das nie so richtig.
Florian Bayer: Nee, nee, er versucht es auch nicht wirklich. Also die Frauenrollen, die er ein bisschen stärker schreibt, sind ja auch inspiriert von diesen B-Movies. Ja. Allein schon der Titel natürlich, das war einmal in Hollywood. Ja. Aber auch die ganze Art, wie er herangeht. Er erzählt eine glitzernde Traumfabrik, die so nicht stattgefunden hat. Mhm. Und das ist ein radikaler Entgegenwurf eigentlich zu Boulevard der Dämmerung, weil er voller Optimismus steckt und voller Herzenswärme. Ja. Es geht auch um einen Schauspieler, der seine besten Tage hinter sich hat. Mhm. Aber dieser Schauspieler schafft es nochmal. Und dieser Schauspieler ist sich bewusst darüber, dass er seine besten Tage hinter sich hat und ist tatsächlich ein sympathischer Mensch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und schafft es dann am Schluss nicht nur den Mord zu verhindern, sondern... Der historisch eigentlich...
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Also es ist nicht nur so, dass er mal ebenso mit seinem Stuntman zusammen die Manson-Family-Mörder komplett besiegt, sondern zusätzlich gelingt es ihm dann auch noch, Sharon Tate das Leben zu retten und zu ihr als Gast eingeladen zu werden, womit sich eine strahlende Zukunft für ihn und für den Rest Hollywoods offenbart. Weil das Hollywood ist gestorben, als Sharon Tate ermordet wurde in Sicht dieses Films und in Sicht Tarantinos.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und hier wird es gerettet. Ja.
Johannes Franke: Hipp-Hipp-Hurra. Hipp-Hurra. Ja, dann würde ich aber meinen Platz 5, das wäre jetzt auch mein Platz 5 gewesen, mal umsetzen, weil ich habe noch genug andere. Für mich wäre es dann, weil wir darüber geredet haben, würde ich ihn da hinten ansetzen, The Artist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was auch in der Zeit verhaftet ist, in Stummfilm, Tonfilm und er, der, sein Stern, der untergeht und der sich dagegen wehrt und der nicht glaubt, dass Tonfilm irgendwas kann und der dann einfach gnadenlos verliert. Inszeniert als Stummfilm. Super. Fantastisch gemacht. Wir haben darüber geredet, wenn ihr da reinhören wollt, eine unserer Episoden vor, weiß ich nicht, gar nicht so lange her. Einfach mal suchen, The Artist. Wir reden sehr ausführlich über den Film und das ist eine wahre Freude.
Florian Bayer: Auch ein kompletter Gegenentwurf zu Sunset Boulevard, weil dieser Film hat eben die Menschlichkeit, dieser Film hat die Liebe für diese Person, für das Filmbusiness, für die Traumfabrik.
Johannes Franke: Eine große Liebeserklärung, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Ja, ein großer Abgesang, nicht nur an den Stummfilmen, sondern an ganz Hollywood.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Platz 4. Mein Platz 4 wäre Persona. Ah. Von Ingmar Bergmann, der sich damit beschäftigt, was passiert, wenn eine Schauspielerin ihre Stimme verliert oder ihre Stimme aufgibt. Ja. Und was passiert, wenn eine Schauspielerin mit einer Frau in einer Kammer eingesperrt ist zusammen? Und vor allem nicht nur, wie funktioniert nicht nur die Psychologie der Schauspielerin, sondern auch die Psychologie des Fans. Es ist interessant, das aus diesem Blickwinkel zu betrachten. In dem Film steckt natürlich viel mehr und man kann ihn in verschiedenen Arten deuten. Ja. Aber ich finde diesen Konflikt, so da ist der Star und da ist die, die den Star so sehr verehrt, dass sie schließlich mit ihm eins wird. Das ist eine sehr interessante Komponente und die tangiert auch das Thema Schauspiel.
Johannes Franke: Hatten wir das so ausführlich besprochen in diese Richtung, weil es wird zwar gesagt, dass die Schauspielerin ist und dass sie da irgendwie ihre Stimme verliert, ganz am Anfang des Films, mitten in einem Monolog, glaube ich.
Florian Bayer: Ja. Ja. Wo sie über den Star sagt, ich weiß nicht, ob ich dich ficken will oder so sein will wie du. Und darum geht es meiner Meinung nach auch ein bisschen in diesem Film.
Johannes Franke: Okay. Ja, das ist übrigens der große Werbeblock für uns selbst. Wir haben diesen Film auch besprochen. Bitte schaut euch, hört euch. Ah, verdammt. Pling, Pling. Jetzt wird es teuer. Hört euch diese Episode an. Die haben wir relativ am Anfang, glaube ich, oder?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Vierte, fünfte Episode. Ich weiß nicht genau.
Florian Bayer: Ich müsste jetzt danach suchen. Musste nicht. Hört einfach rein. Alte Episode. Oder wir reden über Persona von Ingmar Bergmann, ein Klassiker des europäischen Ad-House-Kinos.
Johannes Franke: Mein Platz vier wäre dann jetzt To Be or Not To Be. Ein Film über das Theater, was gerettet werden muss von den Schauspielern, weil die Nazis es übernehmen.
Florian Bayer: Du bist bei My Pops, oder? Wenn du den englischen Titel sagst, oder bist du bei Lubitsch? Nee, ich bin bei dem Original, Lubitsch. Heißt der To Be or Not To Be oder heißt der Sein oder Nicht Sein? Das ist doch...
Johannes Franke: Ach so. Ja, okay. Wie ist der Originaltitel? Verdammt. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Das ist eine gute Frage. Nee, ich glaube, du hast recht. Er wird... Ich glaube, der heißt To Be or Not To Be. Ja, das ist eine amerikanische Produktion. Ja. Er ist... Okay. To Be or Not To Be. Aus den 50ern, glaube ich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nee, 40er.
Johannes Franke: 40er sogar. Und das Remake von Brooks ist von 83, glaube ich. Ist das so neu? Mhm. Wow. Krass, das ist einer der späteren My Brooks-Filme.
Florian Bayer: Wenn ich mich richtig erinnere. Aber ich glaube schon. Ich glaube dir, dass ich bin... Ja, 83 tatsächlich. Wow. Den hätte ich viel früher verortet. Punkt für mich. Mein Platz 3. Es tut mir leid, dass ich dir deinen Platz 2 damit wegnehme. Ja? Birdman.
Johannes Franke: Ah, Mann, no. Floor. None|Warum?
Florian Bayer: Ich habe nicht seine Liste gesehen. Oh mein Gott, Floor. Ich habe ein unglaublich wahrsagerisches Talent. Wie krass das ist. Ich bin gerade wirklich ein bisschen blown away. None|Wie krass. Scheiße. Ja, fantastischer Film. Ja, wirklich. Von... Jetzt kommt wieder ein Name, wo ich mich entschuldige, muss ich ihn falsch auszusprechen. Alejandro González Inarito. Mit Michael Keaton, der einen gealterten Schauspieler spielt. Der früher irgendwann mal eine Rolle als Superheld hatte. Als Birdman eben. Und jetzt Theater macht. Und von diesem Birdman aber verfolgt wird. In inneren Monologen.
Johannes Franke: Wundervoller Film. Unglaublich. Der tut so, als wäre er in einem Shot gedreht. Ein Fake-One-Shot-Movie. Und wirkt wirklich so. Und ist wirklich toll gemacht. Also die Schnitte sind wirklich nicht zu bemerken. Ja. Und es einfach entfaltet so eine unglaubliche Kraft. Auch was der für Kameratechnik benutzt hat, um Bilder zu schaffen, die eigentlich nicht möglich sind, weil man die Kamera sonst selbst sehen würde im Spiegel und so weiter. Das ist so krass.
Florian Bayer: Er spielt auch ganz toll mit diesem One-Shot-Ding. Weil er ist so, wenn man den Film sieht, ist klar, das kann kein One-Shot sein, weil er wirklich irre Kamerafahrten hat, um von Szene zu Szene zu kommen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und aber trotzdem alles im Fluss ist. Alles bewegt sich. Und wir laufen größtenteils hinter den Kulissen von diesem Theater rum. Durch die Garderoben an den SchauspielerInnen vorbei. Und in die Proben rein. In die Proben rein.
Johannes Franke: Die auch ganz toll sind. Fantastische Proben. Wow.
Florian Bayer: So schön. Voller zynischem Humor, voller Albernheiten mit einem großartigen Michael Keaton. Oscar prämiert aus dem Jahr 2014. Unbedingt sehen. Wow.
Johannes Franke: Okay. Dann hätten wir von mir auf Platz, wo sind wir, drei? Drei. Hätten wir Molière. Der Film über Molière, der fast vier Stunden dauert. Wie einfach komplett sein Leben einmal aufge... Ich hab den Regisseur leider gerade nicht im Kopf. Der erzählt wirklich, wie Molière geboren wird. Und dann wie sein ganzes Leben. Und hat einen riesengroßen Teil, wie er mit seiner Truppe rumreist. Alle zusammen das Ding aufbauen. Spielen für die Leute. Alles wieder zusammenraffen. Und wieder losfahren zum nächsten Ort, um dort wieder aufzubauen. Und für die Leute zu spielen, wieder zusammenzupacken. Es ist ein Epos.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 2007?
Johannes Franke: Oder älter? Ich glaube, der ist älter.
Florian Bayer: Also ich hab gerade einen Molière aus dem Jahr 2007 gefunden. Aber der gibt zwei Stunden.
Johannes Franke: Nee, das ist älter. Das muss irgendwie aus den 80ern sein oder sowas. 78. Oder vielleicht sogar 70ern. Genau, 78 kann man zum sehen.
Florian Bayer: Oh ja, 260 Minuten von Ariane Nuschkin. Ja, genau, genau, genau.
Johannes Franke: Eine Regisseurin. Ja. Ein unglaublicher Film. Und ich hab, als Kind hab ich ihn gesehen. Und ich war massiv beeindruckend. Ich glaube, das hat auch meine Liebe für Theater entfacht.
Florian Bayer: Einmal ganz kurz gucken, ob ich diesen Film hier finde.
Johannes Franke: Entschuldigung, liebe Zuhörerinnen. Ich dachte, du kennst den Film. Nee. Ja, dann würde ich dir den vielleicht mal aufdrücken. Weil der ist wirklich krass.
Florian Bayer: Muss ich nur gucken, ob ich den richtigen finde. Und es gibt einen Moliere aus dem Jahr 2007. Aber das ist dann ja den, den man nicht sehen will. Sondern den aus dem Jahr 1978. Vier Stunden lang krass.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Wow. Gibt's leider nur als DVD einen französischen Import.
Johannes Franke: Also den muss wirklich jeder Schauspieler gesehen haben. Wirklich. Ganz dringend. Also egal, ob man nun Theater spielen will oder nicht. Aber du musst als Schauspieler diesen Film gesehen haben, um rauszufinden, auch die Heritage. Überhaupt unsere ganze, als Schauspieler, wo kommen wir her? Was ist unsere Geschichte als Berufsbild? Das ist einfach der Wahnsinn. Absoluter Wahnsinn.
Florian Bayer: Wow. Cool. Den muss ich mir auf jeden Fall merken. Der klingt wie ein Film, den ich sehen will. Und es wird nirgendwo gestreamt. Das ist eine Katastrophe. Das gehört zu diesen Filmen. Es ist wirklich schwer. Es gibt einige Filme, gerade so Dramen aus den 60ern, 70ern, 80ern. Es ist super schwer, die zu finden. Traurig. Man muss ganz oft einfach illegal auf was Illegales zurückgreifen.
Johannes Franke: Aber wäre das nicht die Aufgabe von Netflix? Das haben wir schon mal ein paar Mal gesprochen.
Florian Bayer: Oder wenigstens von Amazon. Es gibt die noch nicht mal bei Prime zum Kaufen. Ich würde ja sogar 10 Euro dafür hinblättern, wenn ich ihn digital kaufen könnte. Und es gibt den halt auch nicht als Blu-Ray-Release, weil eine Blu-Ray würde ich mir auch davon kaufen. Da würde ich auch 20 oder 30 Euro dafür ausgeben, wenn es sein müsste. Aber wenn es dann nur eine DVD gibt, die 30 Euro kostet, wo du dann weißt, das ist nicht so eine geile Bildqualität. Weil wenn ich schon so einen Film aus dem Jahr 78 habe und dafür viel Geld ausgebe, dann würde ich ordentlich restauriert, dass es zumindest HD ist. Ja. Und nicht so ein crappy DVD-Bild. Ja, ja, klar. Okay, aber das klingt wie eine krasse Sehempfehlung.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist, und ich glaube, über diesen Film habe ich auch schon mal geredet, aus dem Jahr 2013 The Conquerors von Ari Fulman, wo Robin Wright, Darstellerin bekannt aus Forrest Gump, Jenny, und aus House of Cards, sich selbst spielt. Was? Als alternde Schauspielerin, die nur noch selten Rollenangebote erhält. Aha. Und die dann auf ein Angebot der Miramount Studios eingeht, das ist so Paramount und Miramax zusammengemixt einmal, sich scannen zu lassen. Und dann einen computergenerierten Avatar von sich, der dann ewig leben kann, der dann Filmen spielt. Und dafür kriegt sie halt Geld. Wow. Und dann wird sie halt nicht mehr als Schauspielerin auftreten, sondern eben immer nur noch ihr Avatar. Das ist so der Einstieg in den Film. Und dann spielt der Film 20 Jahre in der Zukunft, wo sie zu dem futurologischen Kongress reist. Das ist die Vorlage, der futurologische Kongress von Stanislav Lehm, von einem Science-Fiction-Autoren, einem russischen, der, glaube ich, am bekanntesten ist für seinen Film Solaris, der auch mehrmals veröffentlicht wurde. Das klingt total gut. Ich glaube, den muss ich auf jeden Fall sehen. Und sie reist dann zu diesem Kongress und dann nimmt sie irgendwelche Drogen und dann ist alles Zeichentrick. Was? Und dann ist die ganze Welt ist eine, dann wird es wirklich zum Animationsfilm. Aha. Und das ist, sie leben, das ist wie so eine Art Matrix. Und sie bricht dann aber auch wieder aus aus dieser Welt und sieht, wie die Wirklichkeit aussieht. Und dann laufen die Menschen einfach nur so wie so Zombies in so einer apokalyptischen Landschaft rum. Okay. Und es ist ein wirklich krasser Film, ein merkwürdiger Film, ein wunderschöner Film. Wow. Von Ari Folman, der gerne so ein bisschen mit dem Medium spielt. Der hat auch Walt Swift Bashir gemacht. Das war sein bekanntester Film. Das ist ein Dokumentarfilm und Zeichentrickfilm. Aber dann ist der Film noch nicht so alt. The Kongress? Ja. 2013.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Okay. None|Wow.
Johannes Franke: Wow. Krass. Okay. Ja, mein Platz zwei weißt du schon, Birdman. Da kann leider jetzt nichts rein, weil ich nichts mehr habe. Es tut mir leid. Aber dann würde ich jetzt Vorsprung spulen zu Platz eins, du hast ja dann auch deinen Platz eins, ne? Ja. Okay. Mein Platz eins wird immer auf Platz eins bleiben. Limelight von Charlie Chaplin. Charlie Chaplin spielt einen gealterten, inzwischen einfach fast vergessenen Clown, der auf der Bühne wahnsinnig viel gemacht hat und sehr erfolgreich war. Und dann eben einfach zurückgezogen lebt. Und dann gibt es eine Tänzerin, eine junge Tänzerin, die eigentlich Selbstmord begehen wollte. Er rettet sie und aus Dankbarkeit will sie ihm irgendwie so ein Comeback organisieren. Dass alle nochmal zu ihm kommen und nochmal gucken, was er, so eine Art Revival-Show, wie das irgendwie so fürs Fernsehen manchmal gemacht wird. So, jetzt gucken wir uns nochmal Rudy Carell an, was der alles gemacht hat. So. Weißt du so? Ja. Und dann ganz tragisches Ende, stirbt dann auch auf der Bühne. Und sie hat ihre Karriere. Also es ist wirklich...
Florian Bayer: Wir haben schon mal drüber geredet und ich habe damals schon gedacht, ach, ich muss den unbedingt sehen.
Johannes Franke: Unbedingt, unbedingt.
Florian Bayer: Das klingt, als ob es sehr viel Inspiration für die Artist gewesen wäre von der Haltung. Also alternder Star, der junge Frau trifft, die ihm nochmal zum Karriereschub verhelfen kann.
Johannes Franke: Ja. Ja, vielleicht, vielleicht. Aber er hat schon aufgehört. Ganz, ganz, ganz toller Film. Unbedingt gucken. Limelight. Rampenlicht.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Ich konnte mich nicht ganz entscheiden, aber es ist auf jeden Fall David Lynch. Entweder Mulholland Drive oder Inland Empire.
Johannes Franke: Okay, ja. Bezieht er sich nicht auch auf genau diesen Film?
Florian Bayer: Ja, Mulholland Drive, so beide Filme. David, also, ich kannte den Film ja nicht, aber nachdem ich ihn jetzt gesehen habe, kann ich nur sagen, David Lynch zitiert sehr gerne Sunset Boulevard. Ja, ja, ja. Und ich kann mich immer noch nicht entscheiden, welchen ich davon nehme. Inland Empire ist der experimentellere Film, der sich mehr mit der Persönlichkeit einer etwas älteren Schauspielerin befasst, die auch so ein bisschen nach einer Art Comeback sucht. Und Mulholland Drive befasst sich eher mit Schauspielerinnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und dabei im übertragenen Sinne oder auch wörtlich über Leichen gehen. Beides tolle Filme, natürlich eher ein experimentellerer, surrealer Zugang zu dem Thema. Aber wer sich mit Schattenseiten des Filmbusiness auseinandersetzt und dazu gerne so ein bisschen was Parabolicheres, Symbolicheres hat, beide Filme auf jeden Fall eine dicke Empfehlung. Okay. Mulholland Drive ist der leichter zu konsumierende Film. Inland Empire ist der gewagtere Film.
Johannes Franke: Okay. Ja, sehr schön. Dann gucken. Guckbefehl. Ja, dann hätten wir unsere Top 5 diesmal gehabt. Ja, wir haben die Top 5 geschafft. Juhu. Cool. Wir springen zurück zum großen Finale von Sunset Boulevard. Sunset Boulevard. Was das fast am meisten zitierte Ding in der Filmgeschichte so ist.
Florian Bayer: Also kurz davor haben wir schon großes Drama. Weil sie kriegt halt raus, dass sie das Drehbuch schreiben, dass Joe, ihr Geliebter, eine andere Geliebte hat. Und zwar Betty, mit der er das Drehbuch schreibt. Und sie telefoniert dann mit Betty und sagt, fragen Sie doch Joe, was los ist. Ja, wissen Sie, wer das ist? Und Joe sagt dann überraschenderweise auch, hey, komm. Und das einzige Mal, wo er wirklich ehrlich ist, weil Betty kommt dann und Joe erzählt ihr einfach mal die Wahrheit. Ja. Also er ist da, ich hab's tatsächlich, ich fand's fast so out of character, was er da macht.
Johannes Franke: Er ist halt von sich selbst völlig angewidert, glaube ich. Ja. Von dem, wie er dann feststellt, was er dieses letzten halbe Jahr oder was weiß ich, gemacht hat, wie er da reingezogen ist. Und ich glaube, er ist einfach echt von sich selbst so angewidert, dass er sich auch sie nicht gönnt. Ja. Also dass er sie sozusagen sie dann wegschickt. Er holt sie ja nur, um ihr zu zeigen, guck, mich willst du nicht.
Florian Bayer: Ja, was für ein Schwein ich bin.
Johannes Franke: Und ermöglicht ihr sozusagen dann ein Leben mit Artie, wo er wahrscheinlich recht hat, das bessere Leben ist.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Und dann ist er aber auch nicht nur von sich selbst angewidert, sondern auch von Norma und packt ziemlich wütend seine Sachen und knallt ihr auch noch mal gegen den Kopf, dass sie in einer Scheinwelt lebt und dass sie total bekloppt ist und stürmt mit seinem Gepäck raus. Und dann erschießt sie ihn. Und dann kriegt sie ihren großen Auftritt.
Johannes Franke: Ja, dann liegt er da im Pool und dann kommen die ganzen Reporter und durch all das Blitzgewitter und so fühlst du sich halt dann sehr zurückerinnert. Und ich glaube, sie verschwindet einfach komplett in ihrer eigenen Welt, in der die Reporter irgendwelche Kameramänner sind. Und dann bekommt das natürlich der Butler mit, Max, und inszeniert das richtig. Er dirigiert noch mal die Light-Action-Lichtkamera und sagt, und bitte. Und sie schreitet die Treppe runter und sagt dann, oh mein Gott, es ist so toll, wieder am Set zu sein und es ist schön und wir werden einen Film nach dem anderen machen und noch einen und noch einen und noch einen und noch einen. Für immer und immer und immer. Und dann sagt sie den berühmten Satz, Mr. DeMille, ich bin jetzt bereit für meine Nahaufnahme. Das ist der Wahnsinn.
Florian Bayer: Und es ist kein Wunder, dass diese Szene ikonisch geworden ist, dass diese Szene in die Filmgeschichte eingegangen ist. Sie hat das einfach verdient.
Johannes Franke: Und sie geht dann noch so auf, das Ironische daran ist, sie geht ja dann auf diese Kamera zu und greift nach der Kamera und ihre Nahaufnahme, die sie dann tatsächlich hat am Ende, ist total unscharf. Es ist auch nur noch Wahnsinn dann in ihren Augen.
Florian Bayer: Ja, genau. Ich hatte tatsächlich, das kenne ich wahrscheinlich mehr als Zitat. Und ich habe das Gefühl, dass dieser Wahnsinn wird oft ein bisschen unterschlagen im Zitat und mir die Tragik hervorgehoben. Ja. Oder ich hatte es falsch in Erinnerung. Ich hatte es auf jeden Fall, das war eine Szene, die ich einfach kannte, die ich schon gesehen habe. Ich hatte die mehr tragische Erinnerung. Die ist aber einfach nur wahnsinnig.
Johannes Franke: Die ist wahnsinnig.
Florian Bayer: Diese aufgerissenen Augen. I'm ready for my clothes up. Und sie, genau wie sie redet davor schon, genau dieses Nothing else, it will always be, picture, after picture. Und es ist Wahnsinn. Es ist der schiere Wahnsinn, der in ihr zu sehen ist. Ja. Aber man hat Mitleid mit ihr.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Das ist der Moment, wo man eigentlich komplett vergisst, dass sie die Mörderin ist. Weil man hat einfach nur noch Mitleid mit diesem wirklich bedauernswerten Menschen, der komplett in seiner Warenwelt verloren gegangen ist.
Johannes Franke: Und es gab ja auch, also es ist ja nicht umsonst. Die Kritik ist ja, und das ist witzig, dass es ausgerechnet in den 50ern schon so war, weil der erste große Star, jetzt gehe ich wieder zu Chaplin zurück, Entschuldigung. Aber der erste große Star der Filmwelt war Charlie Chaplin, muss man so sagen. Der wirklich einmal von Boulevardpresse so dermaßen zerrissen wurde teilweise und von einem Skandal in den nächsten geschickt wurde. Der hat wirklich viel, viel durchgemacht, was das betrifft. Und wie viel berechtigt war und wie viel nicht. Also ich glaube, nichts davon ist berechtigt, weil Presse, egal was passiert, niemals sowas machen sollte. Ja, dieser Asker, ja, es ist so schrecklich. Es ist unglaublich. Aber, dass man sich mal daran, das mal bewusst macht, das, was wir heute an Problemen haben, wenn wir über Britney Spears und so weiter reden, das ist alles in den ersten paar Jahren des Films schon passiert.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es gab den Film, wir hatten das letzte Episode, 1895 die ersten großen Aufführungen mit Film. Und nur 30 Jahre später hast du ein Starsystem in Hollywood aufgebaut, wo du Leute auf ein Podest stellst und gleichzeitig mit Tomaten bewirfst. Was unglaublich ist. Wozu sind Menschen fähig?
Florian Bayer: Die Presse liebt diese Geschichten. Götter aufbauen und Götter zerstören und einreißen. Total krass.
Johannes Franke: Und du erfindest ein Medium und machst dann das damit. Das ist total übel. Und da haut natürlich dieser Film voll rein. Und deswegen ist dieser Film auch so aktuell, finde ich. Ja. Auch wenn das Spiel, muss man mal sagen, von ihr zwar sehr gut ist, aber auch heute anders gespielt werden wird. Also der Wahnsinn, den sie spielt. Ja. Mit aufgerissenen Augen. Es ist natürlich A, eine Reminiscenz an Stummfilm, weil sie natürlich so spielt, wie man Stummfilm, also groß und so, wie man Stummfilm gespielt hätte. Aber Wahnsinn in der Form würde man heute anders spielen.
Florian Bayer: Und vieles, was der Film inszeniert, würde man heute anders inszenieren. Ja. Auch kürzen, auch ein bisschen, vielleicht ein bisschen mehr Wärme reinbringen, vielleicht ein bisschen mehr Pathos reinbringen, vielleicht an anderer Stelle ein Pathos wegnehmen. Mhm. Ja. Es ist einfach ein Pacing aus den 50er Jahren. Ich glaube, wir sind damit auch schon so ein bisschen beim Fazit. Ja, ja, auf jeden Fall. Da wäre ich nämlich bei sowas ganz allgemein. Es gibt sowas, das nenne ich gerne den Citizen Kane-Effekt. Oh, okay. Ich weiß nicht, ob ich das Wort erfunden habe oder ob ich das irgendwo mal gelesen habe. Du hast es erfunden. Wenn du einen Film siehst aus der Zeit und du weißt, dass es ein großer Klassiker ist, ein großes Meisterwerk, dann betrachtest du den Film gezwungenermaßen mit anderen Augen. Du bist einmal total beeinflusst von der Kritik, weil du weißt einfach, okay, ich gucke jetzt was, was krass im Kanon verwurzelt ist. Bei Citizen Kane ist das noch deutlich extremer als bei diesem Film. Ja. Weil da ja auch in der späteren Filmkritik so ein bisschen überkompensiert wurde, dass er damals so schlecht wegkam und dass er so viele Feinde hatte in der damaligen Zeit. Ja. Aber es ist immer so, du hast das Gefühl, du siehst einen Film, von dem viele Menschen sagen, das ist der beste Film aller Zeiten. Du hast hier ein absolut kanonisiertes Meisterwerk und du kannst eigentlich nur unterwältigt werden davon. Und das ist nicht nur der Citizen Kane-Effekt, sondern auch das Citizen Kane-Problem, dass man dann dazu neigt zu sagen, oh, aber ich habe eigentlich gedacht, der wäre ein bisschen mehr. Ach so. Das habe ich bei diesem Film auch ein bisschen. Nicht besonders stark. Ich sehe die Klasse dieses Films. Okay.
Johannes Franke: Ohne Frage.
Florian Bayer: Das ist ein sehr, sehr, sehr guter Film. Ja. Aber ich kann mich halt nicht diesem Problem entziehen, dass ich weiß, ich gucke jetzt einen Film, der so kanonisiert ist, der in allen möglichen Top-Listen ganz weit oben ist. Das Problem hatte ich auch bei Citizen Kane.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich glaube, das Problem haben ganz viele Menschen bei Citizen Kane. Und er spielt für mich irgendwie so in dieser Liga. Er ist so ein wirkliches Meisterwerk aus der damaligen Zeit. Ja. Man kann, es kann nur eine kleine Enttäuschung stattfinden, wenn man ihn sieht, wenn man sich fragt, warum ausgerechnet dieser Film? Okay. Aber gleichzeitig, noch mal betont, es war wirklich ein sehr starker Film. Ich bin total glücklich, dass ich den gesehen habe. Ja. Aber ich konnte diesen Citizen Kane-Effekt nicht ganz aus dem Kopf kriegen. Gerade was so amerikanische Klassiker betrifft, habe ich das Gefühl, findet das oft statt.
Johannes Franke: Hm. Geht dir offensichtlich anders. Geht mir ganz anders. Aber das hat was damit zu tun, dass ich mit dieser Kanonisierung nicht so zu tun habe. Mich interessiert das immer nicht, auf welchen Listen irgendwelche Filme stehen. Weißt du, was ich meine? Ich weiß, was du meinst. Und es sollte mich auch nicht interessieren. Ja, es sollte dich nicht interessieren, Plur. Aber du sitzt ja ständig vor irgendwelchen Listen und erstellst Listen, dass die anderen Leuten sagen, das ist ein guter Film und das ist ein schlechter Film. Du erzeugst den Citizen Kane-Effekt.
Florian Bayer: Das stimmt tatsächlich. Das ist unsere Chance, Kanon aufzubrechen und neuen Kanon zu schaffen. Ich glaube, das ist ganz wichtig für die Kritik heutzutage, dass man sich nicht nur auf die Klassiker setzt, sondern auch versucht, versteckte Perlen zu finden und zu sagen, hey, das könnte der neue Citizen Kane sein. Guckt euch den nochmal genauer an. Vielleicht wurde er sogar von der Kritik verrissen damals, aber hey, ich erkenne hier Qualitäten, die vorher nicht gesehen wurden. Ich versuche euch zu überzeugen, dass diese Qualitäten da sind. Hast du ein Beispiel? The Room. Nein. Zum Beispiel, den du leider verrissen hast. The Fall. Ja, ja. Der bei der Kritik wirklich nicht gut angekommen ist. Zu Recht, ja. Der auch kein Citizen Kane ist. Ja. Den ich aber als ebenbürtig mit sehr vielen Fantasy-Filmen aus der Zeit sehen würde. Und ich glaube, der hat mehr Aufmerksamkeit verdient und eine bessere Reputation, als er hat. Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Also The Fall finde ich das schlechteste Beispiel gerade leider. Wir haben übrigens über The Fall auch geredet. Hört euch die Episode an.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich schwierig, solche Filme zu finden, weil gerade so Trash-Filme von früher mittlerweile eben auch diese Reputation haben. Zum Beispiel letzte Woche, vorletzte Woche, vorvorletzte Woche haben wir über The Holy Mountain geredet, den du ja auch nicht so mochtest. Nee. Und das ist auch ein Film, der damals sehr zwiespältig aufgenommen wurde. Aber der muss nicht gerettet werden, weil der ist mittlerweile fest im Kanon verwurzelt. Genau, das wollte ich gerade sagen. Du musst den nicht retten. Der ist so. Der muss nicht gerettet werden. Und deswegen ist es auch schwierig, solche Filme zu finden, weil mittlerweile, wir leben einfach in einer Zeit, in der der Kanon ein bisschen demokratisiert wurde. Und deswegen gibt es für jeden nerdigen Geschmack gibt es die entsprechenden Filme.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber nochmal gesagt, Sunset Boulevard war ein großartiger Film.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich konnte ihn leider nicht ganz gucken, ohne die ganze Zeit drüber nachzudenken. Okay, dieser Film sitzt also in der Top Ten von den 100 wichtigsten FilmkritikerInnen. Ja.
Johannes Franke: Tja.
Florian Bayer: Roger Ebert war total begeistert. Ja, zu Recht. Ja. Absolut zu Recht. Es ist ein starker Film. Tatsächlich war ich überrascht davon, dass in den 50ern, Anfang der 50er Jahre schon sowas krass Zynisches, Bitteres gemacht wird. Das hat mich wirklich überrascht. Das hat mich wirklich umgehauen. Ich habe was anderes erwartet. Ich habe mehr Drama erwartet, mehr Pathos, mehr Hollywood. Ja. Und weniger dieses, ich kacke auf die Filmindustrie. Und das hat mich total begeistert. Schön. Dass Billy Wilder so mutig war und dass dieser Film so mutig ist, wirklich so dreckig und so böse zu erzählen und auch nicht davon abzuweichen. Bisschen in der Liebesgeschichte zwischen Betty und Joe. Aber ansonsten straightforward Apokalypse der Filmindustrie. Schön, ne?
Johannes Franke: Ja, ich kann denen gar nicht viel hinzufügen, außer dass ich eben dieses Kanonisierte nicht so im Kopf habe und einfach nur einen großartigen Film sehe. Ich habe auch nichts erwartet und so. Vielleicht gibt es ein, zwei, nee, mir fällt jetzt gerade keiner ein, aber vielleicht würde mir mit ein bisschen Anstrengung einer einfallen, von dem ich so viel gehört habe, dass er so toll sein soll und ich dann irgendwie eigentlich nur enttäuscht sein kann. Aber das geht eher mit modernen Filmen mehr so. Wenn jemand, wenn was Neues ins Kino kommt und alle sagen, ah, den musst du unbedingt sehen. Oder eine Netflix-Serie, wo alle sagen, ah, den musst du unbedingt sehen, die ist ganz toll. Das passiert mir aber selten. Aber dieser Film ist einfach großartig und ich würde jedem ans Herz legen, den auf jeden Fall zu gucken. Egal, ob er, es gibt ja Menschen, die sagen, ah, Schwarz-Weiß-Filme und das ist immer schwierig, weil er als Hildstruktur anders ist und es ist alles vom Tempo her ganz anders, als ich das gewohnt bin und so und Schwierigkeiten damit haben. Ich finde, dass dieser Film für ein modernes Auge absolut sehbar ist. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Er ist, genau, er hat ein gutes Tempo, er hat ein gutes Pacing, er hat eine tolle, spannende Geschichte.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er ist ein erneuter Beweis dafür, warum Billy Wilder zu den größten amerikanischen Regisseuren des 20. Jahrhunderts gehört.
Johannes Franke: Zu den größten polnischen.
Florian Bayer: Er ist eigentlich Pole gewesen. Ja, aber er hat amerikanische Filme gemacht. Ja. Wie hieß Billy Wilder eigentlich wirklich? Billy Wilder ist doch bestimmt ein Der hat einen anderen Namen. Ja, ja, mit Sicherheit. Samuel Wilder. Ah, ja. Und er ist in Österreich-Ungarn geboren. Ups. Okay, aber der war in Polen zwischendurch. Sohn jüdischer Eltern, genau. Sein Vater, Max Wilder, betrieb in Krakau das Hotel City. So wie mehrere Bar und Hofsrestaurants in der Umgebung.
Johannes Franke: Ja, und dort hat er sich dann angefangen für amerikanische Filme zu interessieren und ist dann rüber gemacht.
Florian Bayer: Das ist so witzig, weil Billy Wilder tatsächlich mit das amerikanischste Kino macht aus der damaligen Zeit. Wenn ich an Billy Wilder denke, denke ich ganz klar an amerikanisches Kino.
Johannes Franke: Und man muss aber auch dazu sagen, und das ist ja auch so, der Max, der Schauspieler Schorheim, der ist ja auch, ich glaube, deutscher gewesen oder wenigstens aus dem deutschen Sprachraum gewesen. Also es gibt ja in dieser Zeit so wahnsinnig viele deutsche Namen im amerikanischen Kino.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ganz viele Regisseure, ganz viele Schauspieler, auch Drehbuchautoren, die in Hollywood gearbeitet haben, die aus Deutschland kamen. Das hat halt einfach damit zu tun, dass wir irgendwann mal zu einer glorreichen Zeit, bevor die Nazis alles kaputt gemacht haben, einfach ganz tolle Filmnationen waren. Ja. Und wir das nie wieder so richtig geschafft haben, das aufzuholen.
Florian Bayer: In den 20ern war Deutschland fast so das Epizentrum, was Kino betrifft, sowohl was experimentelle Filme betrifft, als auch was episches, monumentales Kino betrifft.
Johannes Franke: Traurig.
Florian Bayer: Ja. Richtig traurig. Aber darüber haben wir auch schon mal geredet. Ja, Erich von Stroheim ist, auch gehört einfach zu den Exzellenten, der geflohen ist vor den Nazis. Ja, genau. Und dann in Amerika viel gedreht hat. Wilder Regisseur, tatsächlich ein Regisseur, von dem ich nichts groß gesehen habe. Ich habe von dem auch nichts gesehen.
Johannes Franke: Ich habe die Liste auch durchgeschaut und habe nichts davon gesehen jeweils.
Florian Bayer: Hier kommt mir zumindest dem Titel nach bekannt vor. Das ist wohl einer seiner bekanntesten Filme aus dem Jahr 1924.
Johannes Franke: Naja, wir haben einen Haufen Elite verloren durch irgendwelche Idioten. Ja. Das macht Belarus übrigens auch gerade.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Nur so, weil ich gerade den Film gesehen hatte. Es gibt einen Film, einen Dokumentarfilm über Belarus, über die Situation in Belarus. Ich habe ihn am Sonntag gesehen. Ganz, ganz emotional auffühlender, aber wahnsinnig guter, wichtiger Film. Wo zu sehen? Ist halt independent. Das weiß ich nicht ganz. Der hat kein großes Release, aber in 21 Städten in Deutschland wohl. Aber welche Kinos das genau sind. Aber man kann es googeln. Ich habe den Namen auch jetzt gerade nicht. Moment. Das müssen wir mal. So viel müssen wir unseren Zuhörern geben. Courage? Ja, Courage. Genau. Der Film heißt Courage und verfolgt Schauspieler in einer Theatertruppe, die da mehr oder weniger im Untergrund Theater macht.
Florian Bayer: Ah.
Johannes Franke: Die immer wieder irgendwo in kleinen Rahmen, so 30 Zuschauern oder sowas, Theater machen. und zwar politisches Theater machen. Wow. Und die dann regelmäßig einfach, wo das Publikum und die Schauspieler regelmäßig verhaftet werden und dann irgendwie eine Weile im Gefängnis sitzen und wieder rauskommen, wenn sie Glück haben.
Florian Bayer: Lief auf der Berlinale von Alex... Alex... Alex...
Johannes Franke: Alex... Alex... Alex... Alex... Alex... Alex... Alex... ist mit so einem Risiko gedreht. Die waren wirklich in Belarus und haben diese Leute beobachtet und die sind meist... Die meisten davon sind auch im Exil inzwischen, weil sie einfach nicht... Also... Oder sitzen im Gefängnis. Die haben 550 politische Gefangene, die offiziell als politische Gefangene von Amnesty International geführt werden. 550. In den letzten anderthalb Jahren sind das irgendwie... Sind da so 350 dazugekommen oder sowas. Ich weiß nicht, als vorher waren es weniger. Sehr viel weniger. Und die inoffiziellen Zahlen liegen über die tausend. Und das ist wirklich krass, was Lokerschenko da gerade macht. Ja. Das ist unglaublich. Das ist wirklich übel. Und ich würde jedem empfehlen, entweder diesen Film irgendwo ausfindig zu machen und zu gucken, um sich über die Situation in Belarus zu informieren. Die letzte Diktatur in Europa, die es halt gibt. Und die unter aller Augen irgendwie passiert. Und wir haben kaum eine Chance, irgendwas zu machen eigentlich. Also als EU politisch, ja, wir machen auch ein bisschen was. Sanktionen, Wirtschaftssanktionen funktioniert aber auch nur bedingt, weil die natürlich die Partner im Osten haben, Russland. Und die Ukraine hängt ganz stark. Weil Ukraine wäre ein guter Partner für die EU, zu sagen, wir machen Wirtschaftssanktionen. Aber Ukraine hängt zu sehr von Belarus wirtschaftlich ab, als dass die irgendwelche Sanktionen umsetzen könnten. Die wären halt sofort tot.
Florian Bayer: Zumal die Ukraine auch ihre eigenen Sorgen hat gerade. Ja, sowieso. Die haben ja auch noch ihren eigenen Konflikt, von denen sie sich noch nicht erholt haben, die immer noch laufen.
Johannes Franke: Aber immerhin ist die Ukraine westlicher orientiert und hat ja genug Partner, die es vielleicht mittragen würden, aber die sind einfach wirtschaftlich zu abhängig. Und es ist wirklich eine krasse Situation. Man kann eventuell, wenn man sich da ein bisschen reinarbeitet, den Leuten im Gefängnis Briefe schreiben. Das sagen sie, das ist das, was man machen kann, um die Moral oben zu halten. Den Leuten zu zeigen, wir vergessen euch nicht im Gefängnis. Weil das ist die größte Gefahr für diese Leute.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die werden einfach inhaftiert und dann vergisst die Welt sie.
Florian Bayer: Das ist so traurig, ja. Diese politischen Gefangenen, die dann auch keine Chance haben, weil sie einfach mal allein gegen das System kämpfen.
Johannes Franke: Ja. Und dann bist du halt, solange du draußen bist, kannst du ein bisschen was machen und dann, wenn du auch nur einen falschen Schritt machst und sie dich kriegen, ja, bist du weg vom Fenster.
Florian Bayer: Alexei Palloyan, Courage. Wir schließen unser Segment mit einer ganz aktuellen Filmempfehlung. Finde ich schön. Ja, auf jeden Fall gucken. Und dann machen wir eine kleine Pause und hören uns danach zu Außer Atem von Jean-Luc Godard. Bis gleich. Bis gleich.
Johannes Franke: Da sind wir wieder, Bro.
Florian Bayer: Da sind wir wieder. Ja. Auf der Suche nach Molière aus dem Jahr 1978. Hast du ihn immer noch nicht gefunden? Nee, es gibt eine DVD auf Amazon als französischer Import für 30 Euro.
Johannes Franke: Hm, DVD. Du wolltest eine Blu-Ray.
Florian Bayer: Ja, DVD und französischer Import klingt so sehr nach französisch mit französischem Untertitel und dazu reicht mein Französisch leider nicht aus.
Johannes Franke: Ja, meinst du auch nicht. Hm, vielleicht hat mein Papa den noch auf VHS. Oh, haben wir einen VHS-Player.
Florian Bayer: Mein Papa hat ein liebes Publikum. Bevor es DVDs und Blu-Rays, bevor es Netflix gab, gab es Blu-Rays. Bevor es Blu-Rays gab, gab es DVDs. Und davor gab es etwas, das nennt man Videokassette. Ein analoges Medium, wo Filme auf einem Band
Johannes Franke: gespeichert wurden. Ja, und wer das noch erklären kann, wie das funktioniert hat, der kriegt 100 Punkte. Ich bin gespannt auf die Mails. Aber wir bleiben in Frankreich. Ja, lass uns in Frankreich bleiben. Und zwar in Jahren 1960, wenn ich das richtig erinnere.
Florian Bayer: In einer der aufregendsten Zeiten für den französischen Film, der Nouvelle Vague.
Johannes Franke: Und um das vorauszuschicken, weil wir jetzt gerade dabei sind, tatsächlich aufregend. Ich habe den Film geguckt und habe gedacht, wow, aufregend. Aufregend. Ja, das ist so eine Zeit, wo man denkt, okay, da geht was los. Führ mal in den Film ein, Flor.
Florian Bayer: Eine gewisse Tendenz im französischen Film war es, die der Filmkritiker François Truffaut in seinem gleichnamigen Essay 1954 scharf kritisierte. Es ging um die Monotonie des französischen Kinos, die fehlende Individualität, die Angst vor dem Experiment. Truffaut wünschte sich eine neue Art von Kino und leitete damit die Nouvelle Vague und den französischen Autorenfilm ein. Es sollte sechs Jahre dauern, bis sich dieser explosionsartig im europäischen Kino durchsetzte. Neben Truffauts »Sie küssen und sich schlugen ihn« zählt die Gangsterballade außer Atem von seinem Wegbegleiter Jean-Luc Godard zu den großen Klassikern des Auteur- und Nouvelle Vague-Films. Außer Atem aus dem Jahr 1960 besitzt alle Inkredenzien eines jungen, wilden Debütfilms. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen dem sich auf der Flucht befindenden Mörder Michelle und der amerikanischen Studentin und Journalistin Patricia. Sowohl deren Affäre als auch die restliche Geschichte des Films ist trivial, könnte ebenso dem amerikanischen Filmnord und B-Movie-Pipe entsprungen sein. Zum Ereignis wird Abu de Souff Entschuldigung durch seine Sprache. Ein hektischer, innervierender Trip durch das Paris der 50er Jahre zwischen schäbigen Hotels, chaotischen Straßen und zwielichtigen Hinterzimmern. Immer gehetzt, immer am Abgrund balancierend, garniert mit einem großartigen Jazz-Gore, berühmt gewordenen Jump-Cuts und Asynchronitäten. Und dank seiner ebenso lässigen wie wilden Art auch heute noch eine verflucht coole Mischung aus Palp- und Nihilismus, philosophischem Liebestrama und schmutzigem Ganovenstreich. Oder siehst du das anders, Johannes?
Johannes Franke: Was soll ich daran anders sehen? Ich finde, der Film hat einen ganz eigenen Charme irgendwie. Aber ich glaube, das verdient der Film vor allem dadurch, dass er nicht die Möglichkeiten hatte wie heute. Weil mich nerven diese Filme eigentlich. die heute gemacht werden, wo man kein Drehbuch hat, wo man sich einfach in den Raum begibt und der Regisseur sagt, ich habe da irgendwie irgendeine Idee, aber ich weiß überhaupt nicht, wie ich die formulieren soll. Macht mal. Und dann machen die Schauspieler irgendwas. Der Typ, der sich Regisseur schimpft, schneidet am Ende irgendwas im Schnittraum zusammen und sagt, oh ja, passt ja doch ganz gut zusammen. Was ich irgendwie echt, nee. Ich meine, es gibt bestimmt gute Filme, die da entstanden sind und ich weiß auch, dass es ein paar gute Filme gibt. Ich habe auch welche gesehen, die in dieses Mumblecore von dieser Berliner Szene reinpasst. Aber ich finde, dass dieser Film, gerade dadurch, dass er so einer der Ersten ist, die das so gemacht haben und auch irgendwie so ein, der versprüht Aufbruchsstimmung und das finde ich toll. Und dadurch, dass er die technischen Möglichkeiten nicht hatte zu sagen, oh, wir gehen jetzt irgendwie überall hin und machen irgendwas, irgendeinen Scheiß, obwohl das dir das Ansinnen war eigentlich wahrscheinlich, hat er irgendwie mehr Hirnschmalz drin als die meisten, die das heute so machen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dadurch funktioniert er.
Florian Bayer: Das ist doch schon mal ein schöner Einstieg. Also es ist tatsächlich spannend, wie dieser Film entstanden ist und man kann sich wahrscheinlich lange drüber streiten, wie viel gewollt ist von dem Regelbruch. Jean-Luc Godard hat selbst gesagt, er will einen Film machen, der Filmregeln bricht. Aber der zweite Aspekt ist natürlich auch, wie viel davon tatsächlich durch Produktionsbedingungen, durch wenig Geld entstanden ist.
Johannes Franke: Ja. Eigentlich will ich das gar nicht so genau wissen, weil es mir den Film wieder kaputt macht, weil ich nämlich es gar nicht so schön, nicht so geil finde, wenn man am Ende im Schnitt merkt, oh, der Film ist eine halbe Stunde zu lang, ich muss da irgendwie ein bisschen was rauskürzen und dann ein Stilmittel erfindet quasi, was aber nur aus der Not geboren ist und man sich denkt, naja, aber vielleicht hat er sich auch, vielleicht, es wäre viel schöner gewesen, wenn er sich das vorher überlegt hätte, genau.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich ja die Geschichte des Films. Der Film war zu lang, eine halbe Stunde. Und dann hat Jean-Luc Godard hat auch so sich so im Kopfkratzen drauf geguckt und hat seinen Freund und Wegbegleiter, es gab damals eine große Szene um diesen Nouvelle-Wark-Künstler, Jean-Pierre Melville, der auch Gangster-Filme gedreht hat, hat er einfach mal gefragt, ey, was sagst denn du dazu? Und er hat gesagt, oh Gott, das ist viel zu lang, mach mal alles raus, was den Film langsam macht. Und er hat dacht natürlich an einzelne Szenen. Und Jean-Luc Godard ist dann so dran gegangen, dass er nicht ganze zehn Blöcke rausgenommen hat, sondern hier mal drei Sekunden rausgeschnitten, da mal drei Sekunden, plopp, plopp, plopp, plopp. Und daraus entsteht ein unglaublich schneller, innervierender Stil. Dadurch entstehen diese Jump-Cuts, diese sehr bewussten Jump-Cuts, diese Momente, wo du einfach das Gefühl hast, da reißt eine Szene ab, da reißt ein Moment ab und es kommt ein neuer Moment. Du siehst ein Auto, das vorbeifährt, während eines Dialoges und dann löst sich das Auto auf, weil halt einfach wieder in diese selbe Szene reingeschnitten wird und der Dialog einfach weitergeht. Es wurde alles gedubbt in der Post-Production. Das heißt, wir hören keine, wir hören nichts vom Set, was eben auch dem geschuldet ist, ist, dass sie einfach kein Geld hatten und dass sie einfach nicht die Produktionsbedingungen hatten, um vernünftigen Ton aufzunehmen. Vor allem eben, weil sie im lauten Paris unterwegs waren in den Straßen. Das eigentliche Problem
Johannes Franke: ist viel spannender. Das eigentliche Problem war die Kamera, die zu laut war. Die Cam-Flags. Genau. Und das finde ich wieder toll und auch wieder spannend, weil der Kameramann, den sie hatten, der wollte ja eigentlich einen anderen Kameramann haben, mit dem er vorher schon gedreht hat, aber die Produktion, die irgendwie das an sich gerissen hatte, hatte gesagt, nee, wir brauchen den anderen, den hatten sie auch in der Vertrag. Und der hat wirklich Wunder mit diesem Film geschafft. Also muss ich wirklich sagen, die haben kein Licht gehabt, die haben keine großen Aufbauten machen können. Ja. Und dann erfinden die auch noch eine völlig neue Aufnahmemöglichkeit, indem sie eigentlich einen Fotofilm benutzen für eine Filmkamera. Total krass. Raoul Coutard hieß der Kameramann. Der ist 2016 gestorben, glaube ich.
Florian Bayer: Und das war auch so ein großes Ereignis. Der ist, genau, 2016 ist er gestorben. Und das Krasse ist halt tatsächlich, sie haben eben mit dieser Cam-Flags, mit dieser Schulterkamera gearbeitet. Und sie haben deswegen auch ein Bild, was ständig in Bewegung ist. Sie hatten kein Geld für einen Dolly, deswegen hat Jean-Luc Godard den Kameramann teilweise in den Rollstuhl gesetzt und durch die Gegend geschoben.
Johannes Franke: Und das in den 60ern, Anfang, weißt du, 1960. 1958 haben, glaube ich, die Dreharbeiten angefangen. Ah ja, stimmt. Und dann hast du so Methoden, die heute so Studenten benutzen, weißt du, so. Total krass. Guerilla-Style. Sie haben auch teilweise
Florian Bayer: ohne Drehgenehmigung getreten. Sie haben nicht auf der Straße gedreht. Man sieht teilweise Originalpassanten, die einfach überrascht reagieren, dass sie da Gene Sieberg und Jean-Paul Belmondo durch den Filmstapfen sind. Und die waren beide damals nicht groß bekannt. Also gerade Jean-Paul Belmondo, der den Protagonisten spielt,
Johannes Franke: und den Michel,
Florian Bayer: der war damals noch kein Star. Aber er ist genau durch diesen Film zum Star geworden. Und Gene Sieberg, die damals eben in Amerika nicht so wirklich Erfolg gehabt hat. Die aber schon teuer genug war. Ja, tatsächlich war sie des Teuersten an dem ganzen Film. Aber die, die nochmal in Frankreich ihr Club versuchen wollte, war auch noch kein großer Star. Aber auch sie wurde durch diesen Film berühmt.
Johannes Franke: Krass, ne? Wow. Also ich mag sozusagen diesen Entdeckergeist und dieses Bedürfnis danach, was anders zu machen und auch einfach loszulegen, finde ich ganz toll. Vor allem eben in dieser Zeit. Wie gesagt, heute nervt es mich ein kleines bisschen mehr, weil heute könntest du viel mehr machen, was viele einfach dann nicht machen.
Florian Bayer: Ja. Dabei war es ja tatsächlich so, es gab schon eine Geschichte. Das Ganze beruht auf einem Originalkriminalfall. Ja. Ist natürlich sehr frei interpretiert, aber es gab einen Drehbuchentwurf und zwar von Truffaut zusammen mit Claude Chabrol, der auch einer von den von den Großen, der Nouvelle Vague ist. Und die konnten sich nicht so richtig darauf einigen, wie diese Geschichte aussehen soll. Und die haben, die haben da wohl ewig dran rumgeschrieben und waren unzufrieden und hatten, wahrscheinlich war es in den Anfängen so eine klassische Truffaut-Geschichte. Truffaut war eher so der Romantiker, der Nouvelle Vague. Ja, okay. Und dann hat Godard das gelesen und dem hat es gefallen und der hat dann gesagt, naja, doch, daraus würde ich gerne einen Film machen und hat dann einen Produzenten davon überzeugt und hat dann an dem Drehbuch weitergearbeitet.
Johannes Franke: Aber er hatte, glaube ich, die Unterstützung von Truffaut. Truffaut hat ja irgendwie mehr oder weniger protektioniert.
Florian Bayer: Er hat sich sehr draufgesetzt auf diese beiden Namen, dass Truffaut und Chabrol in der geholfen haben.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Die meinten beide im Nachhinein so, naja, so viel haben wir jetzt auch nicht da gemacht. Truffaut hat nochmal gesagt, das war eigentlich kein Truffaut-Film, das war ein Godard-Film. Und das entspricht ja auch dem Gedanken der Nouvelle Vague, weil die Nouvelle Vague, das, was ganz wichtig war bei dieser französischen Bewegung, war eben die, das Auteur-Prinzip. Das war das, was Truffaut wollte und zwar, dass der Regisseur des Films auch gleichzeitig sich um die Kamera kümmert und um das Drehbuch kümmert, dass der das Fest in der Hand hat. Weil Anfang der 50er Jahre war es so, der französische Film war erfolgreich, hat viele erfolgreiche Filme gedreht, aber es gab eben dieses Studioprinzip, was wir heute auch sehen im Kino.
Johannes Franke: Das,
Florian Bayer: was sich eigentlich auch durchgesetzt hat, das, wie Filme heute funktionieren. Und Truffaut hat gesagt, okay, es gibt aber irgendwie nur so fünf bis zehn Drehbuchautoren in Frankreich und deswegen wirken alle Filme gleich. Weil wenn hundert Filme von fünf bis zehn Leuten gemacht werden, dann haben die keine eigene Sprache. Und wir brauchen Filme, die individuell sind, wo man sieht, das war, diese Person hat es gemacht. Darüber kann man auch streiten, ob das tatsächlich das Idealführen ist. Ich bin ein großer Fan von Zusammenarbeit und ich glaube, eine Kollaboration kann Tolles entstehen. Aber gut, da hat ein Drehbuch von jemand anderem genommen, aber hat das offensichtlich so zerfleddert, dass davon nicht mehr viel von Truffaut oder Chabrol zu sehen ist. Es ist einfach, es ist ein ganz anderer Film geworden.
Johannes Franke: Ja, er hat ja auch anscheinend morgens die Dialoge geschrieben für den Tag und also, wo auch kein Schauspieler eigentlich, also ich als Schauspieler würde ihm sowas den Vogels, den Vogel zeigen. Aber das hat bei Mondo anscheinend auch.
Florian Bayer: Er hat die Dialoge den Leuten, seinen Schauspieler zugerufen, bevor sie angefangen haben zu drehen. Wirklich, so nächste Szene, Gene, du musst das hier sagen. Jean, das, genau, genau.
Johannes Franke: Ja, sie mussten es einfach auch nachsynchronisieren, weil einfach zu viel.
Florian Bayer: Man stellt sich das vor, dass Gene Sieberg und Jean-Paul Belmondo da stehen und sehen dann diesen Kameramann, der die Kamera geschultert hat und von Gouda in den Rollstuhl geschubst wird und dann geschoben wird und er schreit währenddessen ihnen zu, was sie reden sollen. Wie zu erwarten war, weder Gene Sieberg noch Jean-Paul Belmondo sind davon ausgegangen, dass das ein guter Film wird. Die haben erwartet, dass das totaler Rotz ist, den sie da drehen, durch die Bank. Die waren nicht davon überzeugt, dass dieser Film auch nur irgendwie Erfolg haben könnte. Hätte ich auch nicht. An welchem, woran machst du fest, dass das ein guter Film werden kann? Ich kann mir auch vorstellen, dass das sich beim Dreh komplett anders angefühlt hat, als das, was später rausgekommen ist. Die hatten wahrscheinlich unglaublich lange Dialoge, weil man sieht das später in diesen Szenen, die mit den Jump Cuts geschnitten sind, vor allem die berühmte Hotelzimmer-Szene, wo Gene Sieberg und Jean-Paul Belmondo ganz lange in so einem Katz-und-Maus-Spiel umeinander rumschleichen. Er will mit ihr Sex haben. Sie weiß nicht genau, was sie von ihm will. Es ist nicht so ganz sicher, wie ihre Intentionen sind und sie unterhalten sich über Philosophie, über Literatur und über Sex. Sie reden über Belanglosigkeiten und das war wahrscheinlich viel zu viel Material. Das war wahrscheinlich endlos lang. Und in dieser Hotelzimmer-Szene sind dann natürlich mit die berühmtesten Jump Cuts entstanden. Und wenn sie da sitzen und reden und dann kommt der Schnitt, wie er im Bad steht und sich die Zähne putzt und es geht einfach nahtlos weiter. Der Dialog wird weitergeführt, obwohl sie an unterschiedlichsten Orten sitzen währenddessen. Es wechselt auch teilweise ganz krass von der Totalen in die Nahen. Es war wohl unglaublich eng in diesem Hotelzimmer.
Johannes Franke: Es war kein Platz da. Die haben auch kein Licht aufgebaut. Also die hatten ja auch kein Licht, aber sie waren dann auch sehr froh, dass sie kein Licht hatten, weil es den Raum noch vollgestellt hätte und sowieso kein Platz war.
Florian Bayer: Aber es ist so eine fantastische Szene daraus geworden. Also wenn ich zu meinen liebsten Szenen der Filmgeschichte gefragt werde, ist die eine der ersten Szenen, die mir in den Kopf kommen. Einfach weil so viel passiert in dieser Szene, weil die so wild ist und weil die auch so rau ist und teilweise auch dreckig und sie hat immer diese absolut banalen und trivialen Momente. Auch wirklich so dieses Hässliche, dass er sie versucht zu verführen und ständig immer wieder an ihrem Rock rumspielt und immer wieder sagt, so jetzt lass uns doch endlich mal Sex haben. Obwohl sie schon zehnmal gesagt hat, ich hab keinen Bock da drauf. Aber dann reden sie halt über Faulkner und dann reden sie über amerikanische Literatur und dann reden sie über die Trauer und klassische nihilistische Themen. Wenn ich mich zwischen dem Nichts und der Trauer entscheiden sollte, dann nehme ich doch lieber die Trauer. Und wenn ich mich zwischen dem Leiden und dem Nichts entscheiden sollte, dann nehme ich doch lieber das Leiden. Ein bisschen pretentious
Johannes Franke: ist der Film schon auch, so hier und da, muss man schon sagen. Aber die Figur ist auch sehr pretentious, muss man sagen. Also bei Mondo ist einfach, die Figur ist so dermaßen pretentious. Der steht vor Bogart und versucht, zu ihm zu imitieren und macht sein ganzes Leben.
Florian Bayer: Die Lippenbewegung. Ja, genau. Das ist natürlich auch ganz klassisch geworden durch diesen Film, Durch Bogart. Der Daumen streicht über die Lippen. Das wird ganz oft zitiert, gerade wenn es darum geht, irgendwie so coole Typen zu zeigen. Ja, ja. Ich glaube, wir sind ganz schnell schon bei unserer Top 3.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Du hattest die Top 3, ach so, Jingle? Jingle. Unsere Liste. Du hattest die Top 3, coole Typen.
Florian Bayer: Coole Typen im Film. Um vielleicht gleich dazu zu sagen, wir können nachher noch mal drüber reden, ob Jean-Paul Bermondo in dieser Rolle des Michel ein cooler Typ ist.
Johannes Franke: Ja, darüber müssen wir jetzt reden. Plot. Wir können da nicht in die Top 3 gehen, ohne zu wissen, ob das wirklich ein cooler Typ ist. Und ich würde sofort sagen, nein. Nein.
Florian Bayer: Ich hatte auch eine ganz bestimmte Form von Coolness im Kopf. Ich hätte es, glaube ich, noch ein bisschen erweitern sollen. Und zwar geht es wirklich um so Stil beim Auftreten. Stil beim Auftreten? Ja, und zwar.
Johannes Franke: Das hat er auch nicht.
Florian Bayer: Findest du nicht?
Johannes Franke: Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich finde, er hat diese Mischung aus so ein bisschen Punk, Gauna, Ganova, und so ein bisschen legerer Coolness mit seinen Kippen, die er halt zu halbem Mund hat, wenn er dann in die Kamera guckt und sagt, ach, fickt euch doch alle. Und gleich am Anfang, wenn diese Fahrt im Auto ist und er mit dem Publikum redet und irgendwie so als Mischung aus coolem Macho, Klischee-Macho daherkommt und der ganz alten Schule.
Johannes Franke: Also er hat wirklich so, also dieser Auftext, den er da hat, dieses Film-Noir-Ding, ich rede um mein Leben, und ich bin da voll der harte Typ und Frauen sind nur zum, für Sex und Küche da, weißt du, so. Oh Gott.
Florian Bayer: Es ist so witzig,
Johannes Franke: aber es spielt natürlich mit diesen Klischees. Ja, na klar.
Florian Bayer: Er wird hier inszeniert, er ist totaler Loser inszeniert. Ja. Er ist eigentlich der Verlierer. Aber ich finde, es ist wirklich so ein ganz banales Ding, Klamotten, sein Blick, seine Art zu reden und zwar nicht das, was er sagt. Das, was er sagt, ist größtenteils totaler Müll, aber die Art, wie er es sagt,
Johannes Franke: halt wie gesagt,
Florian Bayer: so eine Kippe im Mundwinkel hängen, irgendwie so lässig und so, mir kann keiner was, weil es mir scheißegal ist, ob ich lebe oder sterbe. Und das ist eine Art von sehr antiquiertem Stil. Ja.
Johannes Franke: Und ich glaube,
Florian Bayer: die habe ich ein bisschen auch gesucht, als ich meine Typen zusammengestellt habe. Irgendwie so eine Form von Coolness, die eigentlich eine Illusion ist. Ja. Die aber sehr schön anzusehen ist und der man auch nicht unbedingt nacheifert,
Johannes Franke: aber die man genießt, wenn man sie sieht. Okay, verstehe. Ja. Dann muss ich mal meine Liste nochmal durch überlegen, was ich da so, welche, weil ich habe ja viele, relativ viele, was da reinpassen könnte noch, was genauer reinpassen könnte. Dann fang du doch, also ich muss anfangen, ne? Ja. Ach, Mist. Ich hätte gerne dann einfach auf Platz 3, damit es einmal gemacht ist, Casablanca.
Florian Bayer: Oh ja, siehst du genau.
Johannes Franke: Es ist natürlich Bogart.
Florian Bayer: Genau sowas. Das ist auch so ein antiquierter Typ. Das ist auch ein Sexist.
Johannes Franke: Absolut. Auch ein Macho und er ist aber der Held. Genau. Und er hat eine Coolness, die einfach, also Bogart war ja tatsächlich, ich habe mir jetzt vorhin nochmal ein bisschen was über Bogart reingezogen, weil ich den so krass finde. Der hat ja, bevor er richtig bekannt wurde, schon sehr viele Filme gedreht. Also er war ja in dem Studiosystem, das heißt, er war einfach fest engagiert vom Studio und hat immer wieder in Filmen mitgespielt, die da gerade gedreht wurden. Ja. In kleineren Gangsterrollen oder in größeren, größtenteils eben Gangsterrollen. Der Detektive auch viel, Aber dann erst später. Ah. Also er, bevor so Casablanca und noch bevor der Malteser Falke war, hat er eben nur diese Gangster, fast ausschließlich diese Gangster gespielt. Mal mehr, mal weniger groß. Und dann kam halt der Malteser Falke und dann kam Casablanca und so und das hat ihn halt nach oben gekatapultiert, richtig. und das, dann war er so irgendwie einfach abonniert auf diese, auf diesen, diesen einen bestimmten Typen irgendwie und man, man fragt sich, hat er überhaupt gar keine Varietät? Also kann er nur das? Aber irgendwie, irgendwie ist er in dem, was er da tut, einfach richtig gut. Ja. Muss man sagen. Diese coolen Anti-Helden, ne? Und er hat, es ist schon so auch, dass er wirklich ein guter Schauspieler ist. Nicht in der Varietät, also nicht, dass er irgendwie so wahnsinnig breit gefächertes Ding hätte, aber er, er hat Augen, die alles erzählen können. Ja. Wirklich, wenn man ihn, wenn man ihn in einer emotionalen Szene hat, der kann alles mit Augen erzählen. Das war wirklich toll. Also wirklich guter Schauspieler in dem Bereich. Er bringt halt immer so ein bisschen, so eine gewisse Melancholie mit in die Rollen. Ja, genau. Und den Bruch, der irgendwie immer irgendwie im Charakter ist. Ja. Und das hat er wirklich gut hingekriegt. Das war ganz toll. Und ich glaube, deswegen ist er auch so bekannt geworden dann, weil er einfach immer es geschafft hat, der Rolle eine Tiefe zu geben, allein dadurch.
Florian Bayer: Ich glaube auch, weil er einfach cool aussah. Das ist das, was ich mit coolen Typen meine. Aber er ist nicht der klassische Schönling. Nee, nicht Schönling, aber er ist ein cooler Typ. Das ist auch so eine Form von Eskapismus, dass man solche Leute sieht im Kino.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und natürlich weiß, dass man sich nicht so verhalten will, weil das total in der Realität sozial total geächtet wäre. Ja. Aber es gibt so eine, also bei mir zumindest so eine gewisse Sehnsucht danach, einfach das, ich weiß nicht, ich genieße das einfach, diese Typen zu sehen.
Johannes Franke: Ja. Okay. Ich habe jetzt gar keine Honorable Mentions gemacht. Das würde ich gerne am Schluss machen, wenn ich festgestellt habe, welche ich dir in die Liste gepackt habe. wenn du möchtest, kannst du das auch machen oder du machst die jetzt. Ich würde mit meinen zwei
Florian Bayer: Honorable Mentions starten. Ja, okay. Und zwar einmal Shaft. Shaft. Oh mein Gott. Das sind 70er Jahre, 1971, die große Zeit des Blacksploitations-Films. Ja, krass, Mann. Wo schwarze Themen im Independent-Kino zumindest einem größeren Publikum bekannt wurden. Und diese Filme sind oft voll von coolen Typen. Und Shaft war wahrscheinlich einfach der coolste davon. Ein Detektiv, der einfach, ja, so eine Mischung aus James Bond und ein bisschen Humphrey Bogart, aber in schwarz ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und der sich halt in New York irgendwie durchschlägt mit Gangstern und mit Mafia-Leuten und, ja, dabei ziemlich erfolgreich ist. Irgendwie so Sex and Crime. Und meine zweite Honorable Mention, ich hoffe, ich nehme dir damit nicht irgendwas weg. Ich bin gespannt. Aber es steht da einfach jeder zweite Tarantino-Charakter.
Johannes Franke: Ich habe gerade geschrieben, ich habe hier aufgeschrieben, jeder Tarantino.
Florian Bayer: Jeder Tarantino. Ich würde nur jeden zweiten nehmen. Egal, ob Bösewicht oder Held.
Johannes Franke: Ja, die sind einfach alle coole Typen. Tarantino ist abonniert auf sowas.
Florian Bayer: Und Tarantino hat sich natürlich total orientiert eben an diesen coolen Typen, über die wir gerade reden. Tarantino hat sich orientiert an Shaft. Tarantino hat sich orientiert an Belmondo. Das war sein Kino.
Johannes Franke: Ja. Okay.
Florian Bayer: Platz drei. Platz drei. Jeff Lebowski, der Dude aus The Big Lebowski aus dem Jahr 1998. Eine Zuhörerin hat uns einmal auf diesen Film kurz angesprochen und meinte, sag doch mal kurz was dazu. Und da meinte ich, ja, toller Film. Vor allem wegen seines coolen Protagonisten, Jeff Bridges, der die ganze Zeit im Bademantel oder in einer Jogginghose rumläuft. Und was trinkt der? White Russian? Ja, White Russian. Genau. Die ganze Zeit und er ist irgendwie immer ein bisschen verpeilt, aber er ist immer cool dabei. Mit Sahne oder mit Milch? Das war auch immer die Frage. Es war doch immer... Der Klassiker wird eigentlich mit Sahne getrunken. Genau. Aber er trinkt ihn mit Milch und ich finde Milch auch irgendwie cool. Wahrscheinlich nur wegen ihm.
Johannes Franke: Okay. Seinetwegen heißt das.
Florian Bayer: Das ist nichts für die Kasse. Okay.
Johannes Franke: Dein Platz zwei. So, mein Platz zwei. Jetzt muss ich da drin mal... Das ist schon wieder so eine unnummerierte Liste. Ja, es ist immer unnummeriert. Ich chatte das immer nach dem Gefühl. Es muss grooven. Es muss grooven. Sehr gut. Der königliche Groove. Ich hätte gerne auf Platz zwei Brick. Oh, ja.
Florian Bayer: Da haben wir nochmal Bogart. Ja, stimmt.
Johannes Franke: Auch Film-Noor. Kannst du was dazu sagen? Ich habe das letzte Mal, glaube ich, was versucht dazu zu sagen und bin gescheitert.
Florian Bayer: Ja, das klassische Film-Noor-Genre. Also die ganzen Filme aus den 50ern, 40er, 50er, Bogart und andere Detektive, die die ganze Zeit rauchen und im Schatten rumlaufen, übertragen auf eine Highschool in den 2000er Jahren mit einem Highschool-Schüler als Detektiv. Joseph Gordon-Lewitt. Ja, krass, ne? Ganz, ganz toller Schauspieler. Ich liebe ihn. Und mit einer Highschool-Schülerin als femme fatale und mit einem Highschool-Schüler als Oberboss und eine klassische Gangster-Geschichte. Ja. Ein klassischer Who-Dunit-Plot, weil unser Highschool-Schüler will herausfinden, wer seine Ex-Freundin ermordet hat. Hm. Und wir wohnen den Ermittlungen bei und er ist einfach mal eine coole Socke und er kann noch so viel einstecken wie früher die Detektive. Er steht immer wieder auf und macht weiter.
Johannes Franke: Ist so krass, er schleppt sich dann nur noch durch den Film durch, weil er die, also er sieht echt, echt nicht gut aus. Ja. Und er hat nicht geschlafen. Die setzen sich aber auch drauf. Er sagt jede zweite Szene, oh Gott, ich hab nicht geschlafen. Ist cool, dass dieser Abgefucktheit
Florian Bayer: auch so ein cooles Faktor mit sich bringt.
Johannes Franke: Ja. Ja. Das ist auch
Florian Bayer: Bruce Willis in Stirb Langsam, der sich mit blutendem Unterhemd durch dieses Hochhaus schleppt, hat halt auch irgendwie ein cooles Faktor,
Johannes Franke: obwohl er komplett im Arsch ist. Aber warum ist das so? Warum sind Leute im Arsch und dadurch cool? Das ist doch absurd eigentlich. Es ist cooler,
Florian Bayer: als diese Superhelden, denen nichts was anhaben kann. Wenn du Superman siehst, der immer mit einem strahlenden Lächeln rumfliegt und der von einer Atombombe getroffen wird und die einfach mit dem Finger wegschnippt. Es ist nicht so, es ist nicht so cool wie jemand, der halt wirklich nochmal aufstehen muss, nachdem er ordentlich auf die Fresse gekriegt hat. Ja.
Johannes Franke: Wie bei, bei dem asiatischen Film, None|ähm, Boy, wie heißt der? Old Boy? Nee, Old Boy?
Florian Bayer: Old Boy. Stimmt, ist auch irgendwie ein cooler Typ, obwohl der komplett abgefuckt ist.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Irgendwie total daneben und rasend vor Rache. Der ist ja auch ein Choleriker. Ja. Er hat trotzdem den Coolness-Faktor einfach, weil er immer wieder aufsteht und weil er gut gekleidet ist. Ja. Kleidung ist ganz wichtig. Ja, das stimmt. Okay, dein Platz zwei. Kleidung, Kleidung ist sehr entscheidend. Mein Platz zwei, auch wieder ein Film, über den wir schon geredet haben und zwar eine ganze Episode lang. Jude Quinn? Tja, jetzt musst du überlegen. Jude Quinn. Der Name sagt dir was. Was sagt mir dieser Name? Sein alter Ego sagt dir was. Bob Dylan. None|Ah. Gespielt von Cate Blanchett. Stimmt. Sieht unfassbar cool aus, ist unfassbar cool gekleidet.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Und läuft unfassbar cool durch die Gegend mit diesem Ihr könnt mir alle nichts. Großartig. Mit dieser Ihr könnt mir alle nichts Attitüde. Absolut großartig. Ja.
Johannes Franke: Wie geil. Oh, danke für diesen tollen Platz zwei. Wie geil ist das denn? Das ist mir gar nicht eingefallen. Aber natürlich, absoluter Coolness-Faktor. Ja. Ja. Ja, ich habe...
Florian Bayer: Ganz kurz noch dazu gesagt, aus dem Film I'm Not There. I'm Not There? I'm Not Here. I'm Here? I am. Moment. Am I Here? I'm Not There 2007. Ja. In dem verschiedene Schauspieler in Bob Dylan spielen. In verschiedenen Episoden. Wir haben eine unserer Episoden, wo wir sehr lange und ausführlich über diesen Film reden und ihn total abfeiern gemeinsam. Und der coolste Bob Dylan von allen ist von Cate Blanchett gespielt und heißt in dem Film Jude Quinn.
Johannes Franke: Ja. Wahnsinn. Eine unglaubliche Performance. Locker einer der besten Performances je. Jemals. Ähm. Ja, ich hätte dann auf Platz eins Ten Things I Hate About You. Nein. Aber nicht ihn. Wen? Sie.
Florian Bayer: Oh. Sehr schön. Wir brechen die Geschlechterklischees auf. Würde ich überhaupt nicht mitgehen, aber ich finde es trotzdem gut, dass du auf Platz eins eine Frau gesetzt hast.
Johannes Franke: Ich hätte auch Jessica Jones denn sitzen können, aber ich wollte keine Superhelden. Ja. Ist sie cool? Ich finde sie irgendwie so, so abgeklärt cool. Mhm. Weil sie halt auch überhaupt nichts reagiert von irgendwelchen Idioten, die an ihr rumbaggern und irgendwie alles. Es ist natürlich so eine, so eine jugendliche Coolness, die nicht in Richtung Bogart geht, sondern ganz anders. Diese Teenager-Coolness. Ja. Ach so dieses, ich bin der missverstandene Typ. Genau.
Florian Bayer: Deswegen habe ich James Dean
Johannes Franke: nicht mit drin. Ja, ja. Teenager-Coolness. Richtig. James Dean, ja. Das ist halt wirklich eine andere Richtung. Ja.
Florian Bayer: Ich will jetzt aber noch nicht ins Bett.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Nein, aber ich will jetzt noch nicht ins Bett, ist nicht von Julia Stiles gespielt.
Florian Bayer: Ich muss noch drüber nachdenken. Ich sage mal, mein Platz eins, ich bin wirklich total bieder bei meinem Platz eins. Okay. Aber ich mag einfach die Performance, die Kleidung, das Auftreten und vor allem den Charisma und den Charme. George Clooney in Ocean's Eleven.
Johannes Franke: Nein, wie geil. Er ist einfach
Florian Bayer: unfassbar cool. Ja, ja, ja, okay. Es ist auch so, ich weiß, das ist eine total biedere Wahl, aber er ist so cool in diesem Film. Und er ist die ganze Zeit, er hat alles unter Kontrolle, er ist die ganze Zeit beherrscht und er hat immer dieses süffisante Lächeln, das sich so halb andeutet, immer dieses leichte Augenzwinkern. Ja, das ist für mich der Inbegriff eines coolen Protagonisten. Okay.
Johannes Franke: So, deine Honorable Mentions, bitte. Meine Honorable Mentions wären The Sting, der Clou, glaube ich, ist das einfach ein unglaublich Robert Redford. Robert Redford, ja, genau. Wer war der andere? Weiß ich nicht genau. Keine Ahnung. Aber es ist auch sehr lange her, dass ich ihn gesehen habe. Ich erinnere mich jetzt bloß eben so aus der Ferne daran. Sie sind so ein cooles Paar vor allem.
Florian Bayer: Ja. Ich muss kurz nach dem Namen suchen, weil das voll peinlich ist, dass ich den nicht direkt weiß, weil das ein großer Schauspieler war. Paul Newman, Mann. Ah, ja, genau. Paul Newman sowieso, Paul Newman immer. Ja. Außerdem hatte ich ihn Janna Jones drin. Ja.
Johannes Franke: Aber Janna Jones hat zu viel Slapstick, um cool zu sein. Dem passieren so oft so Mistgeschicke. Ja, das stimmt. Da hast du recht. Und David Tennant in Good Omens. Oh, ja. Ja. Der ist wirklich, der coolness Faktor ist einfach nicht zu leugnen. Auf jeden Fall.
Florian Bayer: Der ist einfach großartig. Ja.
Johannes Franke: Eigentlich hättest du Dr. Who auch noch mit reinnehmen können, ne? Ja, aber da hängt es davon ab, welcher Doktor. David Tennant. David Tennant, ja. David Tennant hat einfach so. Nehmen wir doch nicht seine Rolle, sondern nehmen wir einfach David Tennant. Ja, genau. Ja. Und Jessica Jones, hab ich schon gesagt, ist nicht in der Liste gelandet, weil Superhelden, ich wollte keine Superhelden reinnehmen. Die sind per se irgendwie cool, aber irgendwie auch, ja, nicht. So wie Julia Stiles, so viel Teenager hat
Florian Bayer: Jessica Jones zu viel Tragik. Oh. Um cool zu sein.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also das ist ein ziemlich hartes Urteil so, du hast eine zu tragische Hintergrundgeschichte, um cool zu sein. Aber ich glaub, der braucht so was Unangreifbares,
Johannes Franke: der Coole oder die Coole. Also zumindest, wenn man auf diese Bogart-Coolness geht, ja. Das stimmt. Obwohl, nein, Casablanca ist auch sehr tragisch in seiner Hintergrundgeschichte, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Ich glaube, Bogart in Casablanca wäre auch nicht meine erste Bogart-Wahl. Okay. Ich würde dann eher zu dem Bogart in Malteserfalke pendieren. Na gut.
Johannes Franke: Okay. Das war unsere Top 3. Unsere Top 3. Dann wollen wir vielleicht mal in den Film einsteigen, wie wir eigentlich besprechen wollten. Wie war's denn mit
Florian Bayer: da gekommen? Wir sehen Michel im Auto und Michel redet mit uns. Also der Regelverstoß findet gleich in den ersten Minuten. statt, wenn der innere Monolog nicht wie klassisch im Film nur aus dem Off kommt, sondern direkt in die Kamera passiert, garniert mit Jump-Cuts und er quatscht uns blöd von der Seite an. Er pöbelt uns eigentlich an. Anders kann man es nicht sagen. Er pöbelt auch alle anderen an, die sich da auf der Straße bewegen. Ja. Und er fährt halt. Und das finde ich, wir haben darüber geredet, dass unsere beiden Filme Geschwister sind. Ich versuche es mal zusammenzufassen, warum ich die für Geschwister halte. Erzähl mal. Und zwar hat Sunset Boulevard von seiner Inszenierung eine Film-Noor-Haltung. Er nimmt diese ganzen klassischen Erzählmuster des Film-Noors. Das heißt schwarz, dunkles Schwarz, helles Weiß, viele Schatten, Off-Erzähler und so weiter. Aber es ist kein Film-Noor-Film, weil er von der Handlung eher ein Drama ist oder eine Satire oder eine Tragödie. Oder, oder, oder. Während außer Atem von der grundsätzlichen Handlung, die relativ trivial ist, ein klassischer Film-Noor ist, weil es geht um einen Gangster, es geht um leichte Mädchen, es geht um Verrat. Aber von seiner Erzählhaltung komplett weg ist vom Film-Noor, weil er sämtliche Regeln, die da aufgestellt werden, diese Eleganz und diese Kälte komplett bricht und da halt dieses hektische, wilde Laute entgegenwirft. Ja. Das wäre mein Take darauf, dass die beiden Geschwister sind.
Johannes Franke: Okay. Ja, in die Richtung hätte ich es auch gedacht, vor allem durch diese, ich weiß nicht, durch diese Off-Stimme, die diese Erzählung einfach auf eine lakonische, rotzige Art und Weise bringt. Ja.
Florian Bayer: Es ist ja keine Off-Stimme, es ist ja eine On-Stimme. Sie reißt uns ja die ganze Zeit rein ins Geschehen, ne? Aber wir sehen ihn oft genug
Johannes Franke: einfach nur von hinten, während er weitererzählt. Und das macht dann den Eindruck einer Off-Stimme irgendwie.
Florian Bayer: Krass, ich habe die Stimme irgendwie immer im Szenario drin gesehen. Aber ich war auch die ganze Zeit immer im Szenario drin, weil du hast das Gefühl, du wirst halt so rumgeschubst, er fährt da rum. Dieser Mord am Polizisten passiert auch so unglaublich schnell. Das, womit die ganze Tragödie beginnt. Er wird angehalten, der Polizist sagt, hey, steigen Sie aus, machen Sie keine falschen Sachen. Und dann rennt er weg. Dann rennt er weg, ja. Das ist so schnell geschnitten. So innervierend geschnitten. Wir sehen überhaupt keine große Entwicklung. Wir sehen nicht das klassische Ding, was man sehen würde, dass jemand aussteigt, dass es so ein Moment der Tension ist. Es gibt keine Anspannung, weil es sich direkt entlädt und direkt weitergeht und direkt weitergehetzt wird. Er geht dann zu dem Haus in Paris von seiner alten Freundin und er klingelt und dann fährt die Kamera in einem irren Tempo nach oben und dann steht er oben an der Tür und unterhält sich mit ihr und es kommen gleich die nächsten Jump Cuts. Es ist einfach so schnell. Du wirst da wirklich durchgeschüttelt.
Johannes Franke: Du bist relativ schnell lost, weißt nicht so ganz genau wo, wer, wie, was, wo, aber du weißt, dieser Typ, der ist so ein pretentious Damnluck und man will ihm trotzdem folgen. Warum will man ihm trotzdem folgen? Wie ist das? Wieso?
Florian Bayer: Also man identifiziert sich ja nicht mit ihm. Nein, überhaupt nicht. Man wird so ein bisschen gewaltsam in seine Welt reingezogen, die eben aus Betrügereien besteht, aus kleinkriminellen Handlungen, aus zufällig passierenden großkriminellen Handlungen. Er ist so ein Verlorener, der durch die Stadt streift. Er weiß ja auch nicht genau, wohin. Er hat diesen Wagenplan, nach Italien zu fliehen. Aber der ist auch nicht richtig durchdacht, sondern das ist einfach so, ich finde Frankreich doof, Frankreich nervt mich. Ich will jetzt nach Italien. Und dann, wie so ein Traumwandler, stolpert er durch das Paris. Es ist auch ein totaler Zufall, dass er dann auf seine alte Liebschaft trifft, die in einer großartigen Szene
Johannes Franke: eingeführt wird.
Florian Bayer: New York Harry Tribune. Wie sie über diese Straße geht und versucht, die Zeitung zu verkaufen.
Johannes Franke: Ja, das ist total schön. Das finde ich eine super Idee. Und Jean Sieberg ist so toll. Ja. Ich liebe sie. Ja, ja, sie ist wirklich super. Sie ist so großartig. Im Deutschen hat sie leider eine Synchronstimme, die versucht, amerikanisch zu wirken und es irgendwie eher nicht gut schafft. Hast du es auf Englisch gesehen?
Florian Bayer: Nein, ich habe es auf Französisch geguckt.
Johannes Franke: Ach so, okay.
Florian Bayer: Ihr Akzent ist im Original relativ wenig ausgeprägt. Aha, okay. Also es ist nicht so krass. Sie setzt sich nicht drauf und sie spricht, also ich kann kein nicht gut Französisch. Ja. Aber es klingt wie ordentliches Französisch. Es ist halt dieser Running Gag immer wieder drin, dass sie fragt, was bedeutet das? Sie fragt immer wieder nach Begriffen und es sind meistens irgendwie so verruchte Begriffe und so aus dieser kleinen kriminellen Welt, nach denen sie fragt. Und ja, sie wird halt auch eher so nebenbei eingeführt und es ist Zufall, dass er sie sieht und er spricht sie dann aber wieder an. Sie hatten auch keine große Beziehung. Sie hatten offensichtlich ein paar Mal Sex irgendwann mal. Ja. Eine kleine Affäre, aber sie sind sich dann selbst so ein bisschen uneinig darüber, wie oft sie miteinander im Bett waren. Sie sagt irgendwie so zwei bis dreimal, er sagt fünfmal. Ja.
Johannes Franke: Und man muss schon sagen, dass der Film das ein bisschen melkt, diese seine abgefuckte Haltung und seinen Sexismus und so und dann weiß ich nicht. Ich finde auch die Entscheidung, ihr dann noch einen Teddybären in die Hand zu geben, wenn sie da in dem Hotelzimmer sitzen, ein bisschen fragwürdig. Solche Sachen.
Florian Bayer: Aber sie ist nicht die Unschuld vom Lande, ne? Nein, natürlich nicht. Sie ist die Person in dem Film, die weiß, wo sie hin will und was sie will. Also sie ist natürlich auch ein bisschen unsicher, aber sie studiert, sie will eine Journalistenkarriere machen. Aber dafür weiß sie nicht,
Johannes Franke: ob sie ihn liebt oder nicht. Ja. Das ist schon ein bisschen nervig. Also das finde ich ein kleines bisschen, weiß ich nicht. Da ist sie wirklich die ganze Zeit und das wiederholt sie sie ja relativ oft, dass sie nicht weiß, ob sie ihn jetzt mag oder nicht oder ob sie ihn jetzt liebt oder nicht. Und das muss sie rausfinden. Und es gibt so eine gewisse Naivität, die ihr angedichtet wird, die ich irgendwann ätzend finde. Ich fand sie tatsächlich,
Florian Bayer: ich habe sie nicht als naiv wahrgenommen. Das ist total interessant, dass du das sagst, dass du ihr Naivität ätzend findest. Ich weiß, worauf du hinaus willst. Ich weiß, ich weiß, was du da drin siehst mit diesem, sie weiß nicht, ob sie ihn liebt. Aber... Ja, und dann will sie das rausfinden, indem sie ihn verrät. Was ist das denn? Er ist die Unsicherheit in ihrem Leben und sie stürzt sich ja auch so ein bisschen auf diese Unsicherheit. Sie mag diese Unsicherheit auch. Das ist auch, wenn sie dann erfährt, was er gemacht hat. Es wirkt so, als ob sie das erst mal
Johannes Franke: verführerisch werden. Ja, und ich finde es auch so ein bisschen naiv. Weißt du, so dieses, oh, der Gangster, aufregend. Das ist doch total bescheuert. Was soll denn das? Nee. Und dann hat sie dieses Interview mit diesem Typen, was ist das für ein... Mit dem Autoren. Ja, mit dem Autoren. Und dann sagt er solche Sachen wie to become immortal and then die. Und sie ist hin und weg davon. Weißt du,
Florian Bayer: das ist tatsächlich interessant, weil der Autor wird von niemand anderem gespielt als Jean-Pierre Melville, der hier den Autoren spielt. Und jetzt sagst du mir,
Johannes Franke: wer das ist. Ach ja, natürlich dieser.
Florian Bayer: Also Jean-Pierre Melville ist der große Regisseur, einer der großen Regisseure der Nouvelle Vague. Ach so. Das war wirklich die Nouvelle Vague. Das war wirklich eine Clique. Also Truffaut, Jean-Pierre Melville und Jean-Luc Godard und Claude Chabrol, die vier großen Namen aus der Zeit, die waren eng miteinander befreundet. Und die haben sich gegenseitig inspiriert und auch gegenseitig ihre Filme abgefeiert. Die kamen fast alle aus der Filmkritik. Die haben für diese eine Filmzeitschrift geschrieben, in der Truffaut auch diesen Aufsatz veröffentlicht hat. Ja. Und Jean-Pierre Melville hat wirklich Gangsterfilme gedreht. Das ist eigentlich so der krasseste Gangsterfilm-Regisseur von denen allen.
Johannes Franke: Hm. Okay.
Florian Bayer: Der bekannteste von ihm ist der eiskalte Engel. Glaube ich. Und der hat vor allem mit Alain Delon gedreht. Alain Delon verdankt seine Bekanntschaft. Das ist einer, der auch ein cooler Typ, der spielt auch immer die coolen Typen. Der zweite große, coole französische Schauspieler aus der Zeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der verdankt seine Bekanntschaft. So ein bisschen Jean-Pierre Melville während Jean-Paul Belmondo seine Bekanntschaft, seine Berühmtheit, Jean-Luc Godard verdankt.
Johannes Franke: Okay. Hm. Was ich so ein bisschen über Godard gelesen habe, klingt auch so ein kleines bisschen so, als ob er auch so ein bisschen kleinkriminell angefangen hat. Der war wohl auch nicht ganz so mit einer reinen Weste versehen. Ja. Ich weiß nicht, wie kann ich ihn so schlecht
Florian Bayer: einsortieren? Also Jean-Luc Godard war definitiv der wildeste Typ von denen. Das hat sich auch in seinen späteren Filmen ganz krass gezeigt. Der war aber auch, also der hat eigentlich relativ spießig auch angefangen. Der war halt auch, der war halt auch Filmkritiker. Und der hat auch, der hat auch als Filmkritiker geschrieben. Und seine ersten Filme waren halt diese, diese jungen wilden Filme. Sowas wie eben Außeratem.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und Jean-Luc Godard ist im Gegensatz zu Truffaut zum Beispiel immer experimenteller geworden mit der Zeit. Also ich habe nicht so recht gesagt, ich zeige dir einen von seinen Filmen, die gut konsumierbar sind. Okay. Der ist irgendwann, der hat irgendwann komplett am Rad gedreht. Der hat dann auch, als Truffaut hat einen Film gemacht, der hieß Die amerikanische Nacht und war so ein bisschen eine Liebeserklärung an das Kino.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Kann sein, dass ich den mal in irgendeiner Topliste hatte? Keine Ahnung. Auf jeden Fall, da geht es um die Entstehung eines Films. Und Godard fand diesen Film zum Kotzen. Die Nouvelle-Warkrieg-Syre waren auch alle politisch, die waren alle so marxistisch, leninistisch orientiert. Und Godard hat gesagt, das ist Bourgeoisie. Das ist bürgerlicher Unsinn, was du da machst. Okay. Und hat quasi damit abgeschlossen, hat gesagt, Truffaut ist ein Verräter. Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben. Ja, die haben sich verstritten, ne? Ja. War das in dem Zuge, ja? Ich glaube, das war so ein entscheidender Faktor. Okay. Und Godard hat stattdessen ganz andere Filme gemacht. Er hat zum Beispiel 1967 hat er mit Weekend wahrscheinlich seinen ersten Film gedreht, wo es darum geht, dass ein Paar aufbricht zu einem Picknick.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die fahren aus der Stadt raus und das ist ein einziger wilder, surrealer Trip. Du fändest diesen Film, glaube ich, ziemlich schlimm. Okay. Und zwar ähnlich wie bei bei Holy Mountain würdest du zu mir sagen, was hast du mir denn da angetan? Da gibt es eine ganz berühmte Szene, allein die lohnt es sich auf jeden Fall anzusehen, da fahren sie an einem Stau vorbei. Okay. Und zwar ist dieser Stau ewig lang und zuerst fängt es noch normal an, da sieht man dann halt einfach Autos stehen und dann fängt es an abzudrehen, dann sieht man ein Auto in die andere Richtung gucken, dann sieht man ein Auto, wo Leute sind, die sich einen Wasserball zuspielen und dann ist eine Party aufgebaut, das wird immer irrer. Das hat so ein bisschen was Paiteneskes fast schon. Und das Krasse ist dann ganz am Ende dieses Stau, jetzt wenn sie endlich vorbeifahren, sieht man, dass da einfach nur ein Auto ist, wo zwei Tote drin liegen oder schwer Verletzte und die Leute im Stau interessieren sich halt gar nicht dafür. Das erste Auto vom Stau steht einfach da und hupt. Okay. Während da dieser Wagen auf der Straße liegt. Man könnte auch drum herumfahren, man könnte aussteigen und mal gucken, was mit den Leuten da los ist, die offensichtlich gerade am Sterben sind.
Johannes Franke: Okay. Aber so was finde ich, ja wieder ganz, ganz cool. Wie lang ist der Film?
Florian Bayer: Der ist ein langer Film, der geht nicht ganz zwei Stunden. Na gut. Aber und es ist diese eine Szene, die fändest du wahrscheinlich lustig und dann hat er auch so was gemacht wie Lemmy Caution gegen Alpha 60. Das ist so ein Detektivfilm, auch so Film neu inspiriert, wo er aber in so einer Zukunftswelt ist und der war mir auch ein bisschen zu, zu, zu kaputt. Der habe ich nicht verstanden. Der war wirklich so, also Pretentious hast du jetzt schon ein paar Mal gesagt. Gut, da gehört wahrscheinlich zu den prätentiösesten von denen und der, der Godard, ne, Godard lebt noch. Godard dreht noch. Ja, ja, ja. Godard hat seine letzten Filme vor einem Jahr oder so gemacht und die letzten Filme von Godard waren alle nur noch so Filmcollagen, die auch einem Alexander Kluge gefallen würden, wo er einfach nur noch Wildzeug zusammengeschnitten hat und wo gar keine Handlung mehr zu erkennen ist, sondern wirklich nur noch Experiment. Okay. Also der ist einfach mal der krasseste aus dieser Nouvelle-Vague-Richtung und auch so der radikalste und auch jetzt nicht mein Lieblings-Regisseur aus der Ecke. Okay. Aber er hat tolle Filme gemacht. Okay. Nicht nur außer Atem, ist ein toller Film. Aber wie kamen wir da drauf? Achso, du hast gesagt, Godard war klein kriminell. Ja, genau. Ich weiß nichts von einer kriminellen Geschichte von ihm.
Johannes Franke: Also er hat wohl irgendwie auch seine Eltern bestohlen und so. Ah ja, das passt aber zu. Ja, schön. Nicht, dass ich jetzt irgendwelche Gerüchte in die Realisation stimme gar nicht. Ich denke mir irgendwas aus. Er lebt noch, er könnte dich noch verklagen. Ups. Ja, was ich eben in dem Film sehe, ist diese Aufbruchsstimmung und die Idee, was anders zu machen. Ich finde die Schnitte, ganz im Gegensatz zu anderen Filmen, die das heute so machen, die das schlecht machen, finde ich, macht er das recht gut. Das heißt, er hat auch es geschafft, sich wirklich was dabei zu denken und zu überlegen, okay, welche Audioebene, die löse ich dann halt einfach von der Videoebene und schaue mal, dass das irgendwie in sich funktioniert. Und das funktioniert einfach. Das finde ich sehr schön.
Florian Bayer: Es ist auch toll, wenn er sowas macht, wie zum Beispiel, während sie unterwegs sind auf der Straße. Oder wenn sie in den Spiegel, wenn sie im Bad sind, sie sind gar nicht mehr auf der Straße, sie sind im Hotel. Und dann stehen sie da im Bad und unterhalten sich und plötzlich kommen diese lauten Sirenen zweimal. Ja. Den Dialog, was hast du gesehen, die Deutsche oder die Englische? Die Deutsche. War es da auch so? Die übertönen den Dialog fast komplett und zwar so eine halbe Minute lang. Aha. Einfach die Sirenen von vorbeifahrenden Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen, man weiß es nicht genau. Und die sind so laut, dass man vom Dialog dann kurz nichts mehr mitkriegt. Okay, das habe ich nicht, das weiß ich nicht. Oder auch diese Pressekonferenz mit dem Autor, da wird auch die ganze Zeit hektisch im Hintergrund geredet. Im französischen Original zumindest. Du hast, du verstehst teilweise nicht, was gesagt wird, weil einfach so viele Stimmen durcheinander reden. Ah. Und gleichzeitig werden diese einzelnen Fragen, die er beantwortet, werden ja immer so ein bisschen exponiert. Weil man dann auch kurz die ReporterInnen sieht, die da diese Frage stellen. Ja. Also ich finde, der macht ganz, ganz verrückte Sachen, auch auf der Tonebene. Toll. Wenn er so, ja, wenn er den Ton einfach bewusst kaputt macht. Ich meine, es war alles gedappt, das war nicht notwendig. Ja, ja. Und trotzdem kommt diese Sirene, die uns einmal komplett rausreißt. Krass. Als ob wir nicht mehr in dem Hotelzimmer wären, sondern auf der Straße stehen würden und in dem Hotelzimmer heimlich lauschen würden oder so.
Johannes Franke: Ich glaube, das gab es in der deutschen Version nicht. Aber die Deutschen haben immer sehr darauf geachtet, dass sie alles sehr verständlich und sehr, das war deren Ethos, ist es immer noch so. Aber, ja.
Florian Bayer: Also ich kann mir vorstellen, dass auch MuttersprachlerInnen mit dem Film Probleme haben zu verstehen. Weil oft ist es so, dass Tonspuren sich überlagern, dass durcheinander geredet wird, dass andere Geräusche wirklich sehr hart drüber reden. Also es ist, die Abmischung von dem Ton ist teilweise ziemlich radikal. Ja. Und ich meine, ich muss sowieso mit Untertiteln gucken, weil mein Französisch echt schlecht ist. Ja, ja, ja. Vielleicht hätte ich ihn auch auf Französisch gucken sollen. Verdammt. Was ich auch sehr, was ich sehr charmant finde, ist, dass sie ihn immer wieder siezt und dann irgendwann mal zu dem Du übergeht und dann fängt sie wieder an, ihn zu siezen.
Johannes Franke: Das habe ich auch überhaupt nicht mitbekommen. Krass, okay.
Florian Bayer: Guck ihn nochmal im französischen Original. Ich glaube, es ist ein Film, der auch, weil da so viele auf der Tonebene passiert.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Im Original auf jeden Fall nochmal anders ist, also nochmal doll anders ist als in der Synchronfassung. Ich will hier gar nicht so sehr krass den O-Ton-Fetischisten raushängen lassen. Ich finde, die Deutschen machen echt gute Synchronarbeit. Aber. Ja. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja. Du hast ihn in der Synchronisation geguckt, nicht ich. Also ich finde, dass die Synchronisation aus den 60ern, 70ern und 50ern in Deutschland sehr, sehr gut sind. Ja. Was sich bis heute nicht unbedingt durchzieht, aber naja.
Florian Bayer: Nee, es wird auch eher wieder ein bisschen schlechter, weil so viel produziert wird, was schnell, schnell, schnell übersetzt werden muss. Ja, genau. Und das ist wahrscheinlich mit Sicherheit nicht die Schuld der SynchronsprecherInnen, sondern einfach die Schuld der, und auch nicht die Schuld der Studios, die das machen, sondern einfach die Schuld der Produktion, die hetzt. Die sagt, wir müssen diesen, wir müssen diese Serie so schnell wie möglich auch in der deutschen zur Verfügung haben. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Es gibt einfach ganz wenig Geld dafür, das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Auch ganz toll, Entschuldigung, ich muss noch ganz kurz was zur Sprache sagen. Ja. Auch ganz toll, wenn sie reden, wenn sie dann Englisch reden mal, sie unterhält sich mit ihrem Verleger,
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: von der Zeitung, von der sie arbeitet und mit ihm redet sie teilweise Englisch und es ist nicht alles im französischen Original untertitelt. Es sind teilweise Sätze untertitelt von ihr. Ja. Und einige nicht und es ist so, es wirkt fast so ein bisschen willkürlich, wann sie mal so eine Untertitelung reinhauen. Stimmt, ja.
Johannes Franke: Das habe ich auch mitbekommen. Weil ich ja das Bild von der französischen Version habe. Ja. Konnte ich ja sehen, wo die Untertitel rein sind und wo nicht. Ja. Es gab auch bei mir eine kurze Sequenz ganz am Anfang, wo sie in die französische, ins französische Original sind mit der Sprache, weil das anscheinend nicht synchronisiert wurde. Ja. Das haben sie kurz irgendwie. Anscheinend gab es dann eine Schnittfassung und der Directors Cut oder was, keine Ahnung, was sie dann noch gemacht hatten.
Florian Bayer: Der Film wurde sehr aufwendig restauriert nochmal für die aktuellste Blu-Ray-Veröffentlichung. Was ich habe ist, jetzt darf ich nichts Falsches sagen, ich glaube, es ist von Arthouse. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher. Ich glaube, es ist eine... Moment, es gibt auf jeden Fall eine deutsche Tonspur. Das heißt, es ist nicht Criterion, aber wahrscheinlich haben sie sich bei denen bedient. Der wurde aufwendig restauriert, der Film. Ja. Und dann gibt es Teile, die quasi nochmal drin sind, die damals nicht synchronisiert wurden. Wahrscheinlich hast du deswegen, dann hast du die deutsche Synchro von dieser restaurierten Variante gesehen, denke ich mal.
Johannes Franke: Das kann sein,
Florian Bayer: ja.
Johannes Franke: Naja, ich finde ein kleines bisschen, dass die sich dann doch zu lang gestalten, auch immer noch, nachdem man eine halbe Stunde rausgeschnitten hat, die Gespräche. Also ich finde, es verliert sich dann doch ein bisschen zu sehr, auch wenn natürlich das Teil des Eindrucks und Teil der Methodik ist und so, um das Verhältnis zwischen den beiden zu klären. Aber für mich als Zuschauer ist es dann doch manchmal ein bisschen zu lang. Okay.
Florian Bayer: Langatmig auch tatsächlich.
Johannes Franke: Ja, langatmig ein kleines bisschen.
Florian Bayer: Meinst du jetzt vor allem diese Hotelszene, weil die ist ja sehr zentral und die dauert ja auch tatsächlich ziemlich lange. Ja. Also es stimmt so 20 Minuten oder so, diese Hotelszene. Ja. Wo es auch ständig abwechslend zwischen Trivialität und philosophischen Gedanken.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und man nie so genau weiß, sieht man jetzt Palp oder sieht man jetzt doch irgendeinen etwas prätentiöseren philosophischen Film.
Johannes Franke: Ja, genau. Das sind so die Sachen, wo ich dann denke, ja, okay, und nächstes bitte. Ja. Aber ich war immer wieder von den Bildern irgendwie beeindruckt, weil sie eben auch wirklich kein Licht aufbauen konnten oder sowas, dass ich genau überlegen mussten, wo sie die Kamera hinstellen und sich das wirklich gut, ein gutes Bild überlegt haben, wie sie es schaffen. Und dann hast du teilweise gegen Licht geschossen, gegen das Fenster und das Bild funktioniert trotzdem ganz wunderbar, ohne dass sie Licht gesetzt haben. Es ist nicht sehr kontrastreich, aber es ist wirklich ganz toll und sie haben dann nicht noch in Nahen und so reingeschnitten, sondern sie haben tatsächlich eine stehende Kamera ein. Ja. Und das ist sehr lang und das finde ich, irgendwie hat das eine Kraft. Das war ganz cool. Überhaupt die Kamera hat allgemein wirklich ein paar sehr, sehr schöne Sachen.
Florian Bayer: Es ist so lebendig einfach die ganze Zeit. Ich glaube, das ist das, was verhindert, dass es mir irgendwie zu eintönig wird, weil, um es nochmal zu betonen, die Geschichte ist wirklich trivial. Wir haben hier eine ganz simple Gangsterhandlung. Deswegen reden wir auch gerade so wenig über die Geschichte, weil wir haben den Gangster, er trifft eine Frau, er muss untertauchen, weil er gesucht wird wegen des Mordes. Er trifft eine Frau, mit der er früher mal eine Affäre hatte und er will sie eigentlich überreden, nach Rom mit ihm zu fliegen. Er ist ganz eindeutig in sie verliebt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also auch wenn er die ganze Zeit diese Sexschiene fährt, er ist in sie verliebt und das nervt ihn auch total und er sagt es auch irgendwie
Johannes Franke: an der Stelle mal.
Florian Bayer: Und dann haben wir dazwischen, wie sie eben zu diesem Interview fährt, wo sie den Autoren interviewt und dann kommt sie wieder zu ihm, die Polizei sucht ihn, die Polizei spricht auch sie an, ob sie ihn kennt und das haben wir immer mal wieder, so Szenen von der Polizei, die ihn sucht und dann beschließt sie schließlich mit ihm zu fliehen, sie tauchen gemeinsam unter, kriegen von einem Freund eine Unterkunft in einem Hotel und dann verrät sie ihn und sie geht dann zur Polizei, also sie sagt dann der Polizei, dass sie ihn gesehen hat und er flieht und dann wird er auf der Flucht erschossen. Das ist eigentlich die Geschichte und die Geschichte ist wirklich das simpelste Norhandlung, bare bone. Ja. Aber was halt ständig ist, ist diese Bewegung, diese Schnitte und diese krassen Jump Cuts, diese krasse Kamera, die lebendig durch den Raum rennt, stolpert und dieser tolle Score, dieser Jazz Score. Ja. Der ist von Marshall Solal, ich spreche das ganz schnell aus, der war einfach mal ein großer Jazz Pianist und Komponist und Modern Jazz und Free Jazz. Ja. Das ist auch was, was wir bei diesen Nouveau-Vague-Filmen immer wieder, denen wir immer wieder begegnen, die haben diesen Jazz Score, weil sie total inspiriert sind
Johannes Franke: von der amerikanischen Kultur auch. Ja, und der Schnitt ist ja auch Jazz, also und die Kamera ist Jazz, also wenn man das so in musikalischen Terminologien ausdrücken möchte. Auf jeden Fall Jazz,
Florian Bayer: der Film ist Jazz. Ja. Einer meiner liebsten Regisseure der Nouveau-Vague, Louis Mal, hat für einen seiner Filme Faschel zum Schafott, der eigentlich auch ein ziemlich trivialer Krimi ist, aus dem Jahr 1958, wow, der ist wirklich alt. Er wird nicht zum harten Kern, der Nouveau-Vague gezählt, aber er ist total da drin, Miles Davis Soundtrack gemacht. Oh, okay. Geil. Und da läuft durchgängig Miles Davis und gibt dem ganzen Film so eine krasse, cool, jazzige Note halt. Geil. Wie sich für Miles Davis gehört. Ja. Ach ja, ich liebe diese Zeit, ich liebe die französischen Filme aus der damaligen Zeit, weil sie halt diese Kombinationen sind eben aus Palp und aus Wagnis und Improvisation, aber auch Stil und auch immer wieder diese philosophischen Gedanken, ich finde es auch nicht so prätentiös, weil die halt so ein bisschen so reingefädelt werden. Ja. Ja, ja. Wenn sie so was sagt, wie, Moment, jetzt muss ich, wenn sie über den Tod reden, Moment, bin ich frei, das hatte ich schon. Es gibt einen tollen Satz, den sie sagt. Bin ich unfrei, weil ich unglücklich bin oder bin ich unglücklich, weil ich unfrei bin? Fantastisch.
Johannes Franke: Ja. Naja, und dann haben die das auch noch so, dass sie, also das ist ja ein klassisches Stillstandsherstellen, du weißt nicht, ich kann nicht nach links und nicht rechts, weil ich nicht weiß, wo ist Huhn und was ist Ei.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das stellen die in dem Film auch her, die sitzen voreinander und sie sagt, ich habe keine Ahnung, ob ich dich liebe oder nicht und irgendwie stellt das einen Stillstand her, weil sie, so ein Vakuum, weil sie nicht wissen, wo es hingeht, wo sollen sie hin und das macht der Film ganz viel. Und trotzdem ist da so viel Bewegung, irgendwie. Orientierungslosigkeit, Bewegung,
Florian Bayer: Stop and Go auch ganz viel. Ja, ja, ja. Wenn du sagst, es gibt diese Längen, ja natürlich, es gibt Sachen, es gibt Momente, wo nichts passiert, aber es ist dann immer so dieses ruckartige plötzlich wieder nach vorne bewegen. Ja. Auch zum Beispiel auch in der Pressekonferenz mit dem Autor, das sind nur Nahen, es wird keine totale aufgebaut, es wird überhaupt keine Szene etabliert, sondern wir haben die ganze Zeit diese hektischen Nahen und Sprung und Sprung und Sprung von einem Reporter, von einer Reporterin zu diesem Autoren.
Johannes Franke: Es hat was Traumartiges so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil es irgendwie nur so Impressionen quasi sind. Das finde ich schon krass. Auch der Schnitt, also es ist ja auch alles so impressionistisch irgendwie.
Florian Bayer: Also es ist vielleicht auch die Wahrnehmung von ihnen. Wir sind so ein bisschen in ihrer Wahrnehmung drin und diese Wahrnehmung ist immer so ein bisschen unvollständig, weil ihre Welt und ihre Gedanken auch unvollständig sind. Es sind junge Menschen, die sich irgendwie versuchen zu orientieren. Sie ist Anfang 20, er ist vielleicht Mitte 20. Sie sind beide total jung. Sie sind irgendwie, sie stehen am Anfang ihres Lebens und suchen beide irgendwie nach einem Weg irgendwo hin. Er hat das Suchen offensichtlich aufgegeben. Ja. Er stolpert eigentlich nur noch durch sein Leben durch. und er ist dabei halt auch wirklich ein Loser. Das ist so dieser zweite radikale Gegenentwurf zu dem klassischen Film No Anti-Helden. Das sind zwar auch Leute, die abgefuckt sind, aber sie sind erfolgreich. Humphrey Bogart schafft es den Fall zu lösen. Die Gangster werden vielleicht auch erschossen am Ende, aber sie haben trotzdem so eine heroische Komponente. Und das hat er gar nicht. Ja. Er stolpert, er weiß nicht, wo lang. Ist einfach nur dämlich. Ja, er ist total dämlich dabei. Er müsste am Schluss auch nicht erschossen werden. Er müsste auch gar nicht geschnappt werden, wenn er ein bisschen nachdenken würde, was er da macht.
Johannes Franke: Es ist so krass. Sie hat ihn verraten, hat der Polizei Bescheid gesagt, wo er ist, kommt zu ihm nach Hause und sagt dann als erstes, ach, ich habe dich gerade verraten. Und sie will, dass er abhaut. Aber nein, er haut nicht ab.
Florian Bayer: Was ist denn das? Und dann diskutieren sie darüber. Dann sagt sie, ich habe das gemacht, um sicher zu gehen, ob ich in dich verliebt bin. Übrigens eine schöne Spiegelung. Davor hat sie mit dem Verleger geknutscht und dann hat sie beobachtet und dann hat sie auch gemeint, sie hat das gemacht, um zu wissen, ob sie in ihn verliebt ist. Und dann sagt sie das nochmal. Dann meint sie, ja, ich bin so gemein, das kann eigentlich nur der Beweis sein, dass ich nicht in dich verliebt bin. Aber das ist genau die naive Komponente, die ich meine.
Johannes Franke: Ja, ich weiß, was du meinst. Weil sie echt so eine komische, naive Komponente hat, wo ich echt ein bisschen denke, äh, ja. Aber das stimmt schon, es passt. Ich kenne tatsächlich Menschen, die so sind. Ja. Ich kenne Menschen, die so sind. Ich finde, sie hat halt auch so was, sie hat schon was abgebrühtes dabei auch. Ja, natürlich. Aber, aber irgendwie, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Im Schein ist auch alles irgendwie so ein bisschen egal zu sein. Er geht dann auch raus und er kriegt von seinem Freund noch einen Revolver und dann kommt die Polizei und er rennt weg und, und, und die schießen auf ihn. Ja. Und war zu, um ihn auch offensichtlich böse zu treffen. Es gibt diese eine Szene, wo er sagt, jetzt auf die Hüften schießen. Mhm. Und da treffen sie ihn dann auch und er rennt weiter, stolpernd, das ist fast so das Sinnbild für den ganzen Film. Er ist getroffen und er blutet und er stirbt und rennt weiter, stolpernd über diese Pariser Straße und, äh, dramatische Musik und, und dann fällt er und dann sind alle über ihn gebeugt und dann macht er für sie nochmal diese Fratzen. Ja. Sie haben davor im Hotelzimmer schon vorm Spiegel gesagt, so, hey, guck mal, Schnuten ziehen, kannst du das? Und sie fragt, was heißt das, eine Schnute ziehen? Dann machen sie gemeinsam Fratzen und er scheint überhaupt keine Verbitterung ihr gegenüber zu haben. Kommt zu dieser großen spannenden Schlussszene und zu dieser großen Diskussion. Ja, ja, große Diskussion. Ähm, er scheint keine Verbitterung ihr gegenüber zu haben, weil er macht diese Fratzen und sagt dann schließlich im Sterben, das ist wirklich zum Kotzen. Er sagt, das ist wirklich zum Kotzen. C'est vraiment négulasse. Was im Deutschen übersetzt wurde zu du bist zum Kotzen. Ja, was aber echt
Johannes Franke: nicht ganz so stimmt, ne? Und dann fragt sie, was hat er gesagt? Und der Polizist, wie übersetzt das ein bisschen anders, ne? Er sagt das ein bisschen anders als... Der Polizist hat gesagt, er hat gesagt, sie sind zum Kotzen. Ah.
Florian Bayer: Der Polizist münzt es auf sie. Okay. Und dann fragt sie, was heißt das zum Kotzen? Und fährt sich noch einmal über die Lippen und guckt uns an. Ja. Genau, signature move von ihm und von ihr dann auch. Und dann ist vorbei. Es ist total interessant, dass sie es im Deutschen so übersetzt haben. Ja. Im Englischen haben sie es übersetzt mit, ähm, I'm a creep. Und dann fragt sie, was hat er gesagt? Und dann sagt der Polizist, he said, you're a creep. Also da haben sie zumindest diesen Gedanken drin,
Johannes Franke: dass der Polizist
Florian Bayer: das umstellt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und im Deutschen wurde es tatsächlich einfach, du bist zum Kotzen, ne?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht mehr ganz genau, ehrlich gesagt, jetzt so vom, vom Gucken her.
Florian Bayer: Aber das ist tatsächlich, äh, ich, ich hab's gelesen, es war wirklich, die Deutschen haben es einfach anders übersetzt. Sie lassen ihn sagen, du bist zum Kotzen, während er im Französischen sagt, das ist zum Kotzen. Er bezieht's gar nicht auf sie. Er hat auch keine Verbitterung ihr gegenüber. Ja. Ich glaub, für ihn ist die Sache einfach abgeschlossen und der Tod scheint für ihn auch weder was Krasses zu sein, es ist halt irgendwie nervig, dass er jetzt stirbt. Passt auch so ganz gut zu seiner Lebensweise. Och nee, das jetzt auch noch. Echt jetzt? Jetzt muss ich auch noch sterben,
Johannes Franke: Mann. Ja, es passt zu seiner Art und Weise zu reden auch die ganze Zeit. Das ist lakonisch. Und das ist auch, naja, scheiße.
Florian Bayer: Er versucht die ganze Zeit, er bemüht sich wirklich, den Eindruck zu erwecken, dass ihm alles scheißegal ist, aber es gelingt ihm nicht, was sie betrifft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also im Grunde steckt darin durchaus auch eine tragische Liebesgeschichte, eine sehr einseitige Liebesgeschichte, die vor allem auch so tragisch ist, weil er gar keinen Bock auf diese Liebesgeschichte hat. Er hat ja seine Affären. Am Anfang ist er ja bei einer anderen Frau. Und offensichtlich gibt es genug Frauen, die er vögeln kann und die er ausrauben kann, die er verarschen kann. Und mit ihr gelingt ihm das aber überhaupt nicht. Ich finde auch tatsächlich in dieser Hotelzimmer-Szene, so widerlich sein Verhalten auch ist, sie es ihm die ganze Zeit überlegen. Definitiv.
Johannes Franke: Ja, ja. Also, aber das ist von Anfang an der Fall irgendwie. Wie sie, schon allein wie sie die Zeitungen am Anfang verkauft, sie eindeutig die, die die Oberhand hat. Obwohl sie jetzt nicht den besten Job hat, aber sie macht ihren Job und er rennt ihr die ganze Zeit hinterher und so quatscht sie von der Seite an. Er will was. Er versucht die ganze Zeit an ihr rumzubaggern, während sie sagt, ja, ich muss ja aber meine Sachen machen. Mir egal, ob ich jetzt mitkomme oder nicht oder was oder wo oder du oder nicht. Und sie ist,
Florian Bayer: also jetzt in dem Jahr 1958, 59, als das gedreht wird, sie ist wirklich eine moderne Frau. Sie bestimmt, wo es lang geht dann und sie ist auch ganz klar, die, die dann letzten Endes die Initiative ergreift, wenn es zum Sex kommt. Das geht, er versucht es davor zehntausend Mal verzweifelt, aber sie ist ganz klar, die die Initiative ergreift und sie ist halt einfach die, die das Geschehen kontrolliert. Ich würde sie als tatsächlich als starken Charakter sehen. Ja. Und das ist für mich wichtig, weil also diese Naivität spricht natürlich immer so ein bisschen gegen diesen starken Charakter, weil es gab ja diese, vor allem im Film noch gab es ja dieses Klichee, der einmal die Femme Fatale, die einfach nur durchtrieben war.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann gab es aber auch immer diese Femme Infantil, die wirklich so heißt, eigentlich ganz schrecklich, so Lolita-Assoziationen werden damit geweckt. Die Kindsfrau, die naiv ist und die sich halt anschmiegt an den Helden. Vielleicht so ein bisschen das, was wir in der Rolle der Betty haben in Boulevard der Dämmerung. Und sie ist das aber nicht. Sie ist weder die Femme Fatale noch die Femme Infantil, sondern sie ist wirklich draußen aus diesem Klischee.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber trotzdem, also ich glaube, dass Naivität und Stärke sich nicht unbedingt widersprechen. Sowieso nicht. Also weder im Leben noch im Film, in Filmen, die ich kenne. Ja. Also, aber umso interessanter, das zu erzählen, weil das anscheinend ja nicht selbstverständlich ist, das zu trennen.
Florian Bayer: Ja. Godard wollte tatsächlich, dass Patricia am Ende, wenn Belmondos Charakter stirbt, seine Taschen durchfühlt. Ja, das haben sie aber Schien-Sieberg wollte das nicht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist abgelehnt, die Szene so zu spielen. Und stattdessen gibt es diesen auch wirklich ikonisch gewordenen Moment mit diesem, was bedeutet das?
Johannes Franke: Und dein Blick in die Kamera. Ja. Und vor allem so dieser, dieser, nicht, oh mein Gott, der ist gestorben oder so, sondern sie hat so einen ganz seltsamen, suchenden, verwirrten, aber trotzdem starken Blick.
Florian Bayer: Was auch ein Kampf gegen die Regie ist. Sie wollte die Szene emotional aufgewühlt spielen und er wollte, dass sie einfach nur ruhig ist und cool. Und die haben, die haben sich wohl ziemlich gefetzt am Set teilweise, weil sie wollte Sachen anders spielen. Okay. Sie kam halt aus Amerika und sie wollte halt die Sachen spielen, wie sie sie aus dem amerikanischen Kino kannte. und die haben viel diskutiert anscheinend. Also er hat ihr zugestimmt, dass sie nicht die Taschen von Michelle durchwühlt und er hat sie dann auch schließlich die Szene am Schluss so spielen lassen, wie sie wollte. Aber ihr war klar, das Ding wird ja nochmal gedappt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hat er sie halt das ganz oft sprechen lassen und dann hat sie halt irgendwann offensichtlich einfach nachgegeben und hat es relativ genervt und gelangweilt gesprochen und das war der Take, den er dann genommen hat. Dadurch gibt es diese wirklich merkwürdige Text am Ton Bildschere. Ah. Du siehst sie halt, wie hast du gesagt, du hast es ziemlich gut auf den Punkt gebracht, gerade so ein bisschen nervös vom Blick. Ja, so ein bisschen verwirrt und so ein bisschen aufgewühlt, aber irgendwie auch stark. Und das, und wie sie aber dann spricht, ist relativ ruhig und relativ lakonig. Und das ist auch in anderen Szenen zu spüren, dass Godard die Studio, den Studioton genommen hat, der nicht unbedingt 100% mit dem Bild korreliert. Dass du Leute hast, die sich sehr aufgeregt verhalten, aber sehr ruhig reden. Ja. Aber auch das Gegenmodell, dass du Leute hast, die ziemlich ruhig aussehen, aber dann etwas, etwas wilder oder etwas hektischer reden. Wow. Was diesem Film auch so, so merkwürdige Vibes gibt von, es passt nicht so 100% zusammen.
Johannes Franke: Das habe ich halt nicht gesehen, weil ich halt die deutsche Synchro, das, verdammt, das, jetzt ärgere ich mich ein bisschen, schade. Weil ich glaube, das hätte mich dann wieder mehr genervt. So hatte ich halt irgendwie, das ist das durch den Filter gegangen, der mir, der mir den Film guckbarer gebastelt hat, zusammengeklöppelt hat quasi, nochmal an Ecken und Kanten geschliffen hat durch die Synchro.
Florian Bayer: Ich habe den Film auch schon synchronisiert gesehen, aber ich kann es jetzt natürlich nicht, ich kann mich jetzt nicht so wirklich daran erinnern, wie es war. Vom Gefühl her, von meinen Wagenerinnerungen würde ich sagen, in der deutschen Synchro ist alles ein bisschen aufgeräumter. Ja, kann sein. Und ein bisschen weniger Dialog. Und in den Französischen ist teilweise sehr, sie reden sehr hektisch, sie reden übereinander. Du hast auch Personen, die nicht im Bild sind und reden. Du hast auch, das ist jetzt nochmal was anderes, du hast ja diese Bilder, wenn sie im Taxi zum Beispiel sitzen und er auf sie einredet, sie zeigen, es wird nur ihr Gesicht, nicht gezeigt, nur ihre Reaction. Ja, ja. Und auch mit Jump Cuts dann dazu noch.
Johannes Franke: Aber fast auch nur von hinten. Wir sehen ja auch wiederum nur sie von der Rückseite, auf der Rückbank hat der Kameramann gesessen.
Florian Bayer: Genau, das ist total geil, weil es so ein bisschen so ein komischer Fahrerblick ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und dann auch, wenn er aussteigt, bleiben wir auch in dieser Kamera, wo wir nur sehen, wie er rausrennt und irgendwas macht und dann wieder zurückkommt. Und dazu gibt es dann immer wieder diese Schnitte, die eigentlich gar nicht notwendig sind, weil es ja eine Einstellung ist. Ja, ja. Ja, innervierend, hektisch.
Johannes Franke: Cut, cut, cut, cut, cut. Was es toll, ich liebe es. Was ich wirklich mag und was in dem Film gut funktioniert, was mir fast noch mehr hätte sein können, ist tatsächlich die Audio-Ebene so konstant zu lassen, auf der Audio-Ebene ein Gespräch zu haben, was läuft und auf der Video-Ebene Schnitte zu haben. Dass du das Gefühl hast, du hast zwar ein laufendes Gespräch, aber irgendwie durch diese Fahrt im Auto und man sieht, die sind irgendwie da und dort und da und dann wechselt ständig der Hintergrund, weil die ja in der Stadt irgendwo rumfahren. Ja. Und das Gespräch ist aber konsistent. Da ist nicht, da ist kein Schnitt. Vom Gefühl her. Mhm. Das finde ich geil. Ja. Irgendwie mag ich diesen Effekt, so dieses Gefühl von, die unterhalten sich halt einfach Ewigkeiten in diesem Auto, fahren in der Gegend rum und man hat ein Gefühl von Zeit vergeht, ohne dass die Gespräche zu lückenhaft werden.
Florian Bayer: Ja. Es ist halt all das, was du jetzt sagst, ich finde, das finde ich auch total toll und auch das, was in dem Film passiert, war halt vor allem so ein krasser Regelgebruch und wird auch heute noch als Regelbruch wahrgenommen, weil es halt dieses Gesetz, dieses Gebot des unsichtbaren Schnittes gibt und des unsichtbaren Regisseurs oder der unsichtbaren Regisseurin. Ja. Und das wird damit natürlich komplett aufgehoben, weil sobald du so anfängst, mit dem Medium zu spielen, dann werden Leute ständig damit konfrontiert, dass sie da gerade einen Film sehen, dass sie was sehen, was da zusammengeklöppelt wurde. Ja. Dass sie was Montiertes sehen.
Johannes Franke: Mhm. Das ist übrigens was, was ganz viel durch andere Umstände bei YouTube passiert, ne? Tutorials. Leute, die irgendwie sich einfach vor die Kamera setzen, das ist ein Single-Camera-Shot, du hast nichts anderes, möglichst noch eine relativ schlechte Kamera, dann versuchen manche, das zu kaschieren, dass sie in derselben Perspektive schneiden, indem sie reinzoomen.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Aber im Grunde besteht ja die Notwendigkeit zu schneiden, weil du immer irgendwelchen Quatsch erzählst zwischendurch, weil du einfach kein Profi bist und dich mit ausgewandigt gelernten Text vor die Kamera stellst, sondern es gibt einfach ganz viele Leute, die einfach nur meinetwegen 14-jährige Mädchen, die irgendwas über ihre Schminksachen erzählen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und natürlich schneiden die mit der einzigen Kamera, die sie haben und dann ist es ein Jump-Cut. Also entsteht dadurch so eine Unmittelbarkeit auch. Ich finde es auch,
Florian Bayer: wenn man heutige YouTube-Videos sieht, wo das viel gemacht wird.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es hat so einen Authentizitätseffekt und so einen Unmittelbarkeitseffekt. Also es funktioniert auch heute noch. Ja. Es macht das Medium sichtbar, das dahinter ist. Mhm. Aber es erzeugt eine Nähe zum Publikum.
Johannes Franke: Ja. Ja, ich versuche das eigentlich immer zu vermeiden, aber es gibt Momente, in denen ist das ziemlich gut. In denen kann man das wirklich gut unterbringen. Man muss es halt irgendwie dem Zuschauer verkaufen trotzdem. Ja.
Florian Bayer: Man muss es auch einfach rechtfertigen von dem, was man plant. Wenn man einen Film machen will, dessen Immersion darin besteht, dass er den Zuschauer in eine Traumwelt entführt, dass der Zuschauer vergisst, dass er einen Film sieht. Ja, dann geht's nicht. Dann kannst du das nicht machen. Aber wenn du die Immersion anders erreichen willst, das ist ja auch so was, Jean-Luc Godard wollte ja auch einen Reportage-ähnlichen Film machen, dokumentarischen Film machen.
Johannes Franke: Ja, ja, das passiert natürlich extrem. Dann kannst du das machen,
Florian Bayer: weil du wirst halt reingezogen. Du hast die ganze Zeit das Gefühl, es passiert jetzt. Es gibt in diesem Film kein davor und danach, sondern es gibt immer nur diesen Moment.
Johannes Franke: Ja. Cool. Also, ja, also ich mag Godard dafür, ich find's toll. Ich find's teilweise schrecklich, was damit gemacht wurde dann. Aber es ist ein spannendes Probierfeld und spannende Techniken, die sich dadurch entwickelt haben. Die man durchaus mal ausprobieren kann als Filmemacher.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und vielleicht noch mal was Allgemeines zu Nouvelle Vague zu sagen. Das ist, dieser Film ist vor allem Nouvelle Vague-Film, weil er sich nicht der Nouvelle Vague einordnen lässt. Was? Das Besondere an der Nouvelle Vague ist halt, dass das Konzept war, Menschen machen individuelle Filme. Und zwar dadurch, dass sie alles in der Hand haben. Mhm. Und dadurch sind diese Filme auch, die zur Nouvelle Vague gehören, komplett unterschiedlich. Also ein Truffaut-Film fühlt sich sehr, fühlt sich komplett anders an als ein Godard-Film, weil es einfach ein klarer Truffaut-Film ist. Okay. Und ein Jean-Pierre Melville-Film fühlt sich auch noch mal komplett anders an. Und das ist so ein bisschen die Besonderheit der damaligen Zeit. Ja. Und das hatte sich dann auch irgendwann in den 60ern ja so ein bisschen überholt, als wieder die Studios angefangen haben, als es plötzlich nicht mehr das große Ideal war, dass einer alles macht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und ich kann es auch nachvollziehen. Also ich finde es total toll, diesen Gedanken, wir machen individuelle Filme dadurch, dass wir alles machen. Mhm. Das hat ja auch der Neue Deutsche Film gemacht. Ja, genau. Das ist ja beim Neuen Deutschen Film, das ist genauso. Ein Werner Herzog-Film ist komplett anders, als ein Rainer Werner Fassbinder-Film. Mhm. Und das eint sie eigentlich, dass sie wirklich individuelle Werke sind. Mhm. Und es gibt so Verfechter des Autorenkinos, Verfechterinnen des Autorenkinos, die diesen Namen dann so hochhalten und sagen, hey, das waren die besten Regisseure aller Zeiten. Hitchcock, Kubrick oder eben die Franzosen Godard und Truffaut. Ich glaube, es wird, so sehr ich diese Filme liege, ich glaube, es wird teilweise ein bisschen überbewertet. Dieses, der Einzelgänger, der alles macht. Das muss nicht sein. Ja. Man kann, es können tolle Filme entstehen, wenn unterschiedliche Personen an Drehbuch, Kamera und Regie arbeiten und jede Person ihre Ideen einfließen lässt.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Es ist natürlich so, dass du dann oft, es ist wie ein Whisky. Also entweder du hast einen Single Malt, weißt du, du hast einen Fass und das Fass ist für sich gereift. Mhm. Oder du wirfst wie Jack Daniels 50.000 Fässer zusammen, um dann statistisches Mittel zu haben, was immer gleich ist. Jack Daniels. Ich geht. Aber weißt du, was ich meine? Ja, ich weiß, was du meinst. Entweder du hast Leute, wo dann ganz viele Meinungen dazukommen und dann hat man so ein Mittelmaß an, das ist der kleinste gemeinsame Nenner, der irgendwie dann unter Umständen so ein Mittelmaß wird. Oder du hast jemanden, der eine starke Meinung hat und der hat dann vielleicht einen Film auch mal verreist, weil er irgendwie Scheiße gebaut hat. Oder ist es halt ein großartiges Werk dann am Ende?
Florian Bayer: Ich glaube, im Team muss nicht unbedingt der kleinste gemeinsame Nenner rauskommen. Nein, eigentlich nicht.
Johannes Franke: Es ist ein bisschen gemeingesagt.
Florian Bayer: Aber es ist oft so, wenn du dir Hollywood anschaust, ist das oft so. Ja, ich glaube aber, das ist nicht das Problem der Team, sondern das Problem der fehlenden Visionen und dass es so auf Einheit gebürstet wird. Dass die Vorgabe schon ist, macht was, was viele Leute ins Kino zieht. PG-13, ein bisschen Action, ein bisschen Romantik, ein bisschen Comedy. Der nächste Marvel-Film steht da. Chris Marker übrigens zählt auch zu den Nouvelle-Vac-Regisseuren, also zu dem erweiterten Kreis davon. Chris Marker ist der Regisseur von Am Rande des Rollfelds, den wir auch schon ein paar Mal erwähnt haben, die Fotofilme gemacht hat. Und der auch wieder diese ganz eigene Bildsprache hat, weil der hat ja viele von diesen Fotofilmen gemacht. Mein liebster Nouvelle-Vac-Regisseur ist Louis Malck, glaube ich. Den kennst du vielleicht von Viva Maria? Das war, nee. Keine Ahnung. Dann kennst du ihn wahrscheinlich nicht. Der hat die Black Moon gemacht, diesen total surrealen Film, wo ein junges Mädchen aus einem Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen flieht und auf einem großen Anwesen landet, wo ein Einhorn lebt und eine alte Frau. Und dann wird dem Einhorn irgendwann die Brust gegeben.
Johannes Franke: Okay, ich glaube, ich muss es nicht sehen. Das klingt nach einem Plur-Film.
Florian Bayer: Also das Frankreich der 60er Jahre hat viele fantastische Filme hervorgebracht und viele sehr spröde und widerspenstige Filme und sehr viele prätentiöse Filme. Und es lohnt sich da so ein bisschen zu wühlen, wenn man Freude daran hat. Und man sollte die Finger davon lassen, wenn einem so etwas schnell zu anstrengend ist oder zu nervig.
Johannes Franke: Wenigstens mal reingucken. Ich finde, man sollte wenigstens mal reingucken. Deswegen mache ich ja auch diesen Podcast mit dir, damit ich mal in Sachen reingucke, die ich sonst nicht sehen würde. Damit wären wir auch schon am Ende dieses Podcasts. Oh mein Gott, wir haben nicht mal drei Stunden geredet, Plur.
Florian Bayer: Und es war ein tolles Gespräch. Ich fand es total schön, nochmal in die 50er und 60er Jahre zu reisen. Voll schön. Und auch so Parallelen zu finden zwischen Amerika und Frankreich, die sich ja gegenseitig ein bisschen auch die Bälle zugespielt haben damals und inspiriert haben. Frankreich war inspiriert von Film Nord. Die Nouvelle-Vague-Regisseure haben ihren Bogart geliebt, genauso wie Billy Wilder. Und sowohl Godard als auch Wilder haben jeweils auf ihre Art und Weise das zerfleddert, was sie gefunden haben.
Johannes Franke: Was sie gemocht haben. Ja, genau. Schön. Vielen Dank, Plur, für diese wundervolle Empfehlung. Ich bin froh, dass ich den bekömmlicheren Film bekommen habe von dir.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes, dass ich endlich Sunset Boulevard gucken konnte. Ja, du hättest es auch ohne mich gucken können. Nein, als ich gesagt habe, das müssen wir irgendwann mal besprechen, du gesagt hast, oh ja, auf jeden Fall. Dann hat es sich wie Verrat angefühlt. Ich will das vorher zu gucken. Okay.
Johannes Franke: Gut, vielen Dank. Und euch auch noch eine wunderschöne Woche. Schreibt uns gerne wie immer irgendwelche Filmvorschläge. Wir stürzen uns da sehr gerne drauf. Oder irgendwelche Kommentare oder irgendwelche kleinen Empfehlungen. Und wir sehen uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Und wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, dann bleibt noch kurz dran. Nach dem Outro gibt es einmal geballte Filmempfehlungen von uns. Für uns. Gegen uns. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: So, da sind wir wieder, Plur.
Florian Bayer: Da sind wir wieder. Und wir haben noch Filme für nächste Woche.
Johannes Franke: Und wir haben einen Nachbarn, der in die Wand bohrt. Solange er nicht zu uns durchstößt. So, Plur. Du hast für mich einen Film. Wir haben uns gerade geeinigt.
Florian Bayer: Ich bin immer noch total beseelt von unserem Ausflug in die frühe Filmgeschichte. Ja, ich auch total. Deswegen will ich nochmal weit in die Vergangenheit zurück, in die Stummfilmzeit. Und ich würde gerne einen echten Klassiker aus dieser Zeit hervorholen. Aus dem Jahr 1920. Das Kabinett des Dr. Caligari. Einer der großen deutschen expressionistischen Stummfilme.
Johannes Franke: Sagst du den Regisseur schnell noch?
Florian Bayer: Robert Wiener.
Johannes Franke: Okay. Okay. Das heißt, eigentlich der Film, der wahrscheinlich den meisten Zuhörern irgendwas sagen sollte aus der Zeit des deutschen Films der 20er.
Florian Bayer: Ich glaube, Nosferatu und Metropolis sind die ein bisschen berühmteren Filme. Aber ja, natürlich spielt er ganz oben in der Liste.
Johannes Franke: Okay. Ja, ich freue mich sehr drauf. Ich kenne ihn natürlich. Das ist so mein Staple eigentlich von Filmen. Und ich freue mich sehr drauf, den einfach nochmal zu gucken. Mal gucken, welche Orchester-Versionen ich kriege. Oh, ja, interessant. Weil das ist ja auch, es gibt ja immer mal wieder so Live-Orchester-Versionen davon in Berlin, in Babylon. Das wird ja immer mal wieder neu aufgelegt.
Florian Bayer: Es gibt eine ganz spannende Version davon mit Free Jazz, glaube ich. Oh mein Gott. Ich weiß nicht mehr, welche Band das war.
Johannes Franke: Wir sollten die gleiche gucken, wenn dann, Plur.
Florian Bayer: Ja, ich habe eine Blu-Ray zu Hause. Ich glaube, ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was da drauf ist. Ich gehe davon aus, dass sie aus den alten, also das ist so eine liebevolle Sammler-Edition, wo sie wahrscheinlich irgendwie geguckt haben, wie sahen die Sheets damals aus. Und dann versuchen sie quasi, das Original zu kriegen. Okay. Ich würde gerne wissen, wie die Band hieß. Es war nämlich eine ziemlich bekannte Band, die zum Caligari eine Jazz-Variante gemacht hat.
Johannes Franke: Hier haben wir wieder eine Recherche-Pause. Clore startet auf den Bildschirm.
Florian Bayer: Etwas länger dauern.
Johannes Franke: Eher verzweifelt. None|Fuck.
Florian Bayer: John Thorn. Ja, genau. John Thorn hat eine Variante gemacht. 2014. Und das ist ein krasser, experimenteller Free Jazz ist zu wenig gesagt dafür. So ein experimenteller Jazz und New Music und noch so ein bisschen Metal mit drin. Was? Okay. Wow. Und der hat eine Ression gemacht. Ich weiß nicht, ob man die findet.
Johannes Franke: Naja, also eigentlich im Sinne unseres Podcasts müsste man ja normalerweise das nehmen, was der Regisseur wollte. Muss man das? Nicht? Ich weiß nicht. Also ich weiß nicht, ob es Sheet Music gab für diesen Film, aber ich nehme schon sehr stark an, weil das schon sind. Es ist einfach, die großen Filme haben das getan.
Florian Bayer: Das war auch ein Blockbuster, ne? Also ich glaube schon, dass da mehr erhalten ist als bei anderen Filmen.
Johannes Franke: Müsste man sich mal informieren. Das weiß ich nämlich nicht ganz genau. Wollen wir zu dem Film kommen, den ich dir empfehle? Ja, was hast du für mich? Also, Plur, nachdem wir jetzt ganz oft festgestellt haben, dass ich in diversen Listen den Film To Be or Not To Be und zwar die Lubitsch-Version und nicht die Mel Brooks-Version habe. Obwohl die Mel Brooks-Version toll ist, ne? Das ist nicht abzustreiten. Aber die Lubitsch-Version, irgendwie bin ich ein großer Fan vom Original einfach. Du hast sie auch irgendwann mal gesehen, oder?
Florian Bayer: Oh, ist schon so lange her. Ich freue mich das jetzt halt drauf, weil ich habe definitiv die Brooks-Version besser in Erinnerung. Ja. Und ich, klar, in meiner Erinnerung bevorzuge ich auch die Brooks-Version vor der Lubitsch-Version. Mhm. Du musst beide gucken. Doch, daran liegt, dass ich echt jung war, als ich die beide gesehen habe. Und Pumps habe ich dann einfach ein bisschen öfter gesehen.
Johannes Franke: Okay. Hey, es wäre jetzt natürlich geil, wenn du es schaffen würdest, bis zur nächsten Woche beide zu gucken.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Das wäre so ein Traum, dass wir noch einmal originalen Remake vergleichen können. Ja, komm, Plur. Ich versuche es. Mal schauen. Du schaffst das.
Johannes Franke: Ja, ich auch. None|Fuck. Nein, was habe ich gesagt? Okay. Ich freue mich sehr drauf. Und wir haben wieder eine Klassiker-Edition dann quasi nächste Woche. Und versprochen, versprochen, versprochen, wir schaffen es danach wieder ein paar neuere Filme unterzubringen. Aber ich bin einfach zu großer Fan von den alten Dingern.
Florian Bayer: Ich glaube, ich will, wir müssen unsere Clickbait-Folge noch machen. Also such mir dann für die Woche drauf, such mir den clickbaitigsten Film aus, den ich finden kann. Und dann sprechen wir über Fight Club und Harry Potter. Ach du Scheiße.
Johannes Franke: Okay. Na gut. Ja, sehr schön. Dann bin ich gespannt auf den Clickbait dann übernächste Woche. Aber erst mal...
Florian Bayer: Ich freue mich total auf Lubitsch. Lubitsch. Und auf ihn.
Johannes Franke: Genau. Sehr schön. Bis dann. Bis dann. Schöne Woche euch. Bis dann.

Ich gratuliere Euch zu den coolen Typen wie Shaft, (mit dem coolen soundtrack von Isaac Hayes), & Redford & Newman in Der Clou.
Bogart war vorhersehbar.
Ich geb Euch auch mal 3:
3. Ferris Buller („Ferris macht blau“) *
2. Steve McQueen in „Bullitt“
1. Faye Dunaway in „Thomas Crown “
* Damit hätten wir schon wieder ein neues Thema _High-school movies_ Wie z. B. von John Hughes:(u.a.)
– Frühstücksklub
– Pretty in Pink
– Ist sie nicht wunderbar?
Nur mal so als Anregung.
Viele Grüße
Ronald