Episode 31: Sunset Boulevard, Außer Atem
In dieser Woche haben wir uns zwei echte Klassiker der Filmgeschichte ausgesucht. Sowohl Billy Wilders Sunset Boulevard (1950) als auch Jean-Luc Godards Außer Atem (1960) tauchen regelmäßig in „Filme, die man unbedingt gesehen haben muss“-Listen auf. Und in der Tat handelt es sich auch darüber hinaus um Geschwister im Geiste: Beide Filme sind tief im klassischen amerikanischen Film Noir verwurzelt, beide Filme benutzen als Tableau eine Thrillerhandlung um diese dann – in dem einen Fall inhaltlich, in dem anderen ästhetisch – zu dekonstruieren, und beide Filme schätzen ihr Medium, schrecken aber auch nicht davor zurück, mit diesem hart ins Gericht zu gehen.
In den zugehörigen Toplisten werfen wir einen Blick auf die besten Filme über Schauspieler*Innen und schauen uns die coolsten Typen der Filmgeschichte an.
Sunset Boulevard [Billy Wilder]
(USA 1950)
Here we go, another Classic: Sunset Boulevard war DIE Straße in Hollywood in der die ersten Stars der Filmgeschichte ihre Villen bauten und in der zu Zeiten Billy Wilders noch immer die alten Stummfilmstars ein zurückgezogenes Leben lebten. Und Billy Wilder dachte sich: Was ist aus diesen ehemaligen Publikumsmagneten geworden? Und die Idee zum gleichnamigen Film war geboren.
Eine längst vergessene Diva einer längst vergangenen Ära wohnt in ihrer baufälligen Villa und träumt von ihrer Rückkehr ins Showbiz. Sie bekommt offenbar immer noch hunderte von Fan-Briefen, sie glaubt ihren alten Produzenten noch auf ihrer Seite; und sie hat ein Drehbuch geschrieben, das ihr helfen soll, wieder nach oben zu kommen. Zum Glück kommt ein Schriftsteller daher, mit Verbindungen nach Hollywood und mit Erfahrung als Skriptdoktor, der nun das Drehbuch auf Vordermann bringen soll, damit es die erhoffte Wirkung in den Studios hat. Mit Geld und emotionaler Erpressung bindet sie den Schriftsteller an sich, der es sehr schwer hat, da wieder raus zu kommen.
Klingt alles gar nicht so komödiantisch wie man bei einem Billy Wilder Film denken möge, oder? Was ist der Film? Ein Drama? Komödie? Krimi? Satire? Melodram? Film noir? Abrechnung mit Hollywood? Liebeserklärung an Hollywood? An die alten Filme? Was würdest du sagen, Plor?
Außer Atem [Jean-Luc Godard]
(Frankreich 1960)
Eine gewisse Tendenz im französischen Film war es, die der Filmkritiker Francois Truffaut in seinem gleichnamigen Essay 1954 scharf kritisierte: Es ging um die Monotonie des französischen Kinos, die fehlende Individualität, die Angst vor dem Experiment. Truffaut wünschte sich eine neue Art von Kino und leitete damit die Nouvelle Vague und den französischen Autorenfilm ein. Es sollte sechs Jahre dauern, bis dieser sich explosionsartig im europäischen Kino durchsetzte. Neben Truffauts Sie küssten und sie schlugen ihn zählt die Gangsterballade Außer Atem von seinem Wegbegleiter Jean Luc Godard zu den großen Klassikern des Auteur und Nouvelle Vague Films.
Außer Atem aus dem Jahr 1960 besitzt alle Ingredienzen eines jungen, wilden Debütfilms. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen dem sich auf der Flucht befindenden Mörder Michel und der amerikanischen Studentin und Journalistin Patricia. Sowohl deren Affäre als auch die restliche Geschichte des Films ist trivial, könnte ebenso dem amerikanischen Film Noir und B-Movie Pulp entsprungen sein. Zum Ereignis wird À bout de souffle durch seine Sprache: Ein hektischer, enervierender Trip durch das Paris der 50er Jahre, zwischen schäbigen Hotels, chaotischen Straßen und zwielichtigen Hinterzimmern. Immer gehetzt, immer am Abgrund balancierend, garniert mit einem großartigen Jazz-Score, berühmt gewordenen Jump Cuts und Asynchronitäten, und dank seiner ebenso lässigen wie wilden Art auch heute noch eine verflucht coole Mischung aus Pulp und Nihilismus, philosophischem Liebesdrama und schmutzigem Ganovenstreich.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 31: Sunset Boulevard, Außer Atem Publishing Date: 2021-08-04T09:50:16+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/08/04/episode-31-sunset-boulevard-ausser-atem/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so... Musicals aus den 50ern.
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme.
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir. Für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv.
Florian Bayer: Das wird lustig.
Johannes Franke: Was googelst du jetzt noch?
Florian Bayer: Ne, ich habe kurz was geschrieben. Ich musste einmal kurz drüber nachdenken, wie ich das formulieren will. Sind wir schon drin?
Johannes Franke: Wir sind schon drin.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu unserer absolut ungeplanten, spontanen Einführung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: In der Hoffnung, den Horizont des Anderen zu erweitern.
Johannes Franke: Du kannst meinen Satz inzwischen vervollständigen, Flor. Ist das nicht romantisch?
Florian Bayer: Wir sind wie Geschwister. Und jetzt große Überleitung. Ich bin der Meister der Überleitung. Wie diese Filme, die wir heute besprechen, auch ein wenig Geschwister sind.
Johannes Franke: Irgendwie schon, ja. Auf verschiedene Art und Weise. Das werden wir alles rauskitzeln. Nachdem ich nochmal kurz Pause gemacht habe, weil der Pegel hier irgendwie laggt. Keine Ahnung warum. uns gleich wieder hören. Frau Wotling? Wie genau? Wollten wir dieses...
Florian Bayer: Sparschwein einführen? Wir wollten eigentlich eine Kasse machen. Jedes Mal, wenn wir, weil wir beide vom Film kommen, irgendwie von Zuschauerinnen sprechen oder Zuschauern. Wenn wir von Sehen sprechen oder ähnlichem, sollte ein kleiner Betrag in unsere Ihr seid ein Podcast Kasse fallen.
Johannes Franke: Aber dann war noch die Idee, dass wir vielleicht ein Schweinchen machen, wenn wir das mit dem Gendern nicht richtig hinkriegen, Plur.
Florian Bayer: Ja, für das Misgendern. Und das wird richtig hart, weil ich tue mich echt schwer mit dem Klotar laut. Und zwar nicht ideologisch, überhaupt nicht. Ich finde das total toll.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: sondern tatsächlich sprachlich.
Johannes Franke: Sprachlich. ZuschauerInnen.
Florian Bayer: ZuschauerInnen.
Johannes Franke: Jetzt habe ich schon wieder Schauer. ZuhörerInnen.
Florian Bayer: ZuhörerInnen. Du hattest letzte Woche gesagt, du warst das, dass es sich oft so draufgesetzt anfühlt, wenn Leute das sagen, dass viele Leute das nicht hin kriegen, das natürlich zu sagen, sondern das ist fast schon wie ein ironischer Umgang damit wirkt.
Johannes Franke: Und das ist ein bisschen blöder, weil das die eigentliche Intention ja ein bisschen ins Lächerliche zieht und das machen die meisten Menschen aus Hilflosigkeit.
Florian Bayer: Ja, das glaube ich auch. Das ist einfach ein neues sprachliches Phänomen oder ein junges sprachliches Phänomen. und jeder geht auf seine Art damit um, die einen versuchen, es zu machen. Manche kriegen das total natürlich hin. Andere bemühen sich wirklich und klingen dabei unbeholfen. Wieder andere poltern los. Ich zähle mich zur zweiten Gruppe. Ich bemühe mich wirklich, aber ich weiß, dass ich daran auch sehr viel arbeiten kann.
Johannes Franke: Ja, es ist auch schwierig. Aber ich glaube, je mehr es zum Beiläufigen wird, umso besser. ZuschauerInnen, ZuhörerInnen und nicht ZuschauerInnen. Oder sowas. Noch das große Image sprechen, was man auch früher geschrieben hat.
Florian Bayer: Also, liebe ZuhörerInnen. Wir bemühen uns sehr, in den kommenden Episoden dann ein bisschen mehr drauf zu achten.
Johannes Franke: Und wenn wir es nicht schaffen und bemerken, ich höre es ja beim Nach... hören, weil ich ja dann nochmal im Nachhinein alles anhöre und so große Pausen rausschneide, wenn Plur auf Toilette geht.
Florian Bayer: Dann gibt es die Plinks in die Kasse. Das wird teuer. Was sagen wir denn eigentlich? So 10 Cent pro Fehler?
Johannes Franke: Ja, das wird wahrscheinlich schon teuer genug werden. Dann 10 Cent pro
Florian Bayer: Und falls das Bling immer gleich klingt, wir haben jetzt hier nicht stapelweise 10-Cent-Stücke rumliegen. Das heißt, wir werden die Abrechnung am Ende der Episode machen.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Und ich mache tatsächlich, wie ich angekündigt habe, ganz kurz Pause, um zu checken, ob alles in Ordnung ist, weil hier irgendwie was ein bisschen laggt. Läuft wieder.
Florian Bayer: Also, zwei filmische Geschwister werden wir heute behandeln. Und das Witzige ist, als wir uns gegenseitig die Filme zugeworfen haben, wussten wir das nicht, weil ich kannte, Sunset Boulevard noch nicht.
Johannes Franke: Ja, und ich kannte Breathless noch nicht.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und das ist für mich, es fiel mir wie Schuppen aus den Haaren, wie Otto so schön sagt. Das ist irgendwie, dass wir ja tatsächlich zufälligerweise sehr, also auf gewissen Ebenen sehr ähnliche Filme gewählt haben. Und es ist ja auch 50er und 60er, das sind zehn Jahre auseinander, die Filme.
Florian Bayer: Zehn Jahre auseinander und Kilometer auseinander. Wir haben nämlich einen Film aus Amerika mit Sunset Boulevard von Billy Wilder aus dem Jahr 1950. In Hollywood. Hollywood und einen Film aus Frankreich.
Johannes Franke: Ja, der in Paris spielt. Auch von der Herangehensweise einen Film zu machen, kaum noch anderer sein könnte. Wie sagt man das? Kaum entfernter sein könnte von der Idee her.
Florian Bayer: Ich müsste dir auch eigentlich gegen das Knie treten, dass du den amerikanischen Titel benutzt hast.
Johannes Franke: Ah ja, ja, ja, stimmt. Aber ich kann den Französischen nicht aussprechen.
Florian Bayer: Ja, aber du hättest dann außer Atem wenigstens sagen können. Das stimmt. Und ich entschuldige mich jetzt schon für jeden französischen Aussprachefehler, den ich haben werde während dieser Sendung.
Johannes Franke: Das ist die dritte Folge in Folge, in der du dich entschuldigst für eine schlechte Aussprache von...
Florian Bayer: Das ist aber auch echt fies. Spanisch, Japanisch, Französisch. Wer sucht ständig diese Filme aus dem Ausland aus?
Johannes Franke: Schlimm, Plur. Wer macht das nur?
Florian Bayer: Okay, und wir haben beschlossen, wir gehen chronologisch vor. Außer Atem ist von 1960 und Sunset Boulevard von 1950. Und mit dem werden wir jetzt auch starten.
Johannes Franke: Viel Spaß.
Florian Bayer: Mein Film. Johannes wird uns einführen.
Johannes Franke: Ich führe uns mal in den Film Sunset Boulevard ein.
Florian Bayer: Du darfst aber gerne vorher noch einen Schluck Tee trinken. Du hast die Tasse jetzt mehrmals zum Mund geführt und dann wieder abgestellt.
Johannes Franke: Danke.
Florian Bayer: Trinken, nicht pusten, muss ich zu meinem Sohn gerne sagen.
Johannes Franke: Jetzt habe ich Bilder im Kopf. Okay, Sunset Boulevard. Here we go, another classic. Sunset Boulevard war die Straße in Hollywood, in der die ersten Stars der Filmgeschichte ihre Villen bauten. Wo zu Zeiten Billy Wilders noch immer die alten Stummfilmstars ein zurückgezogenes Leben lebten. Und Billy Wilder dachte sich, was ist aus diesen ehemaligen Publikumsmagneten wohl geworden? Und die Idee zum Film war geboren. Eine längst vergessene Diva einer längst vergangenen Ära wohnt in einer baufälligen Villa und träumt von ihrer Rückkehr ins Showbiz. Sie bekommt offenbar noch immer hunderte von Fanbriefen. Sie glaubt ihren alten Produzenten noch an ihrer Seite. hat ein Drehbuch geschrieben, das ihr helfen soll, sich wieder nach oben zu arbeiten. Zum Glück kommt ein Schriftsteller daher mit Verbindungen nach Hollywood und mit Erfahrungen als Skriptdoktor, der nun das Drehbuch auf Vordermann bringen soll. damit es die erhoffte Wirkung in den Studios hat. Mit Geld und emotionaler Erpressung bindet sie den Schriftsteller an sich, der es sehr schwer hat, da wieder rauszukommen. Und ohne spoilern zu wollen, nein, das tun wir sowieso, er schafft es nicht. Klingt alles gar nicht so komödiantisch, wie man bei einem Billy Wilder Film denken möchte, oder? Was ist der Film? Ein Drama? Eine Komödie? Ein Krimi? Satire? Melodramen? Filmnoir? Abrechnung mit Hollywood? Liebeserklärung an Hollywood? An die alten Filme? Was würdest du sagen, Plur?
Florian Bayer: Oh ja, die Genrefrage. Über die habe ich mir wirklich den Kopf zerbrochen. Während des Schauens und auch nach dem Schauen. Ich habe was komplett anderes erwartet. Ich habe ein großes Hollywood-Drama erwartet. Ich habe viel mehr Melodrama erwartet. von dem, was ich wusste von dem Film und das war schon ein bisschen was, es ist halt einfach ein Klassiker und man hört immer mal wieder und Auch ein, zwei Szenen habe ich auch schon gesehen aus dem Film. Ich habe erwartet, dass es ein großes Melodram ist über... Naja, schon über die Schattenseiten des Filmbusiness, aber vor allem eben aus der Perspektive mit sehr viel Melancholie und Wehmut. Mhm. Und ich hätte nicht erwartet, einen so zynischen und so verbitterten Film zu sehen. Also ich war ... Teilweise wirklich geschockt. Und hab dann während des Films noch geguckt, wie der später vermarktet wurde und war überrascht. wie Billy Wilder mit dem, was er da macht, durchgekommen ist. Weil es ist wirklich ... Er richtet einfach mal die geladene Schrotflinte auf Hollywood und er ballert los.
Johannes Franke: Er ballert gnadenlos los. Also es ist wirklich, und jeder Schuss trifft sein Ziel.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Es ist wirklich krass.
Florian Bayer: Und es ist sehr erstaunlich, dass er mit Gloria Swanson einen Stummfilmstar gekriegt hat, die eine Rolle spielt, die quasi ihre eigene Rolle wirklich bitterböse hinterfragt. als gealterter Stummfilmstar, der eben nicht mehr so viel Erfolg hat. Das ist überraschend, wen er da alles gekriegt hat, wer da alles mitmacht.
Johannes Franke: Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Weil er sagt so, hey Leute, ich kacke euch. euch jetzt so richtig schön ins Haus rein. Wollt ihr mitmachen? Und die sagen offensichtlich alle, yay! Naja, man muss dazu sagen... Regisseure, die sich selbst spielen? Fucking Buster Keaton?
Johannes Franke: Ja, unglaublich geil, oder? Ich liebe diese Szene, wo das Wachsfiguren-Kabinett, wie sie es quasi nennt, wie Buster Keaton und ich habe den Namen gerade gesucht. Norma. Du hast den Namen jetzt irgendwo, ne? Norma.
Florian Bayer: Unsere Protagonistin?
Johannes Franke: Nee, ich meine die drei anderen Figuren. Also Buster Keaton und zwei andere Schauspieler, die ja auch Stummfilmstars waren. Und die sich irgendwie haben überreden lassen, sich da noch mit hinzusetzen für eine Bridge-Party.
Florian Bayer: Anna Nielsen und H.B. Warner.
Johannes Franke: Ja, und die anderen beiden, muss ich zugeben, kenne ich nicht so gut. Aber Buster Keaton, ich... Ich freue mich jedes Mal ihn zu sehen und er hat einen unglaublich melancholischen, lakonischen Gesichtsausdruck, immer wenn er irgendwie sowas... spielt und ich liebe das einfach.
Florian Bayer: Das ist so toll. Es ist so krass, dass die da mitgemacht haben, auch die Regisseure, Cécile DeMille, der sich selbst spielt, das die da mitmachen, weil es ist wirklich dreckig und gehässig und es ist auch ... Also, Billy Wilder wirkt auf mich wirklich verbittert teilweise in diesem Film und das will ich gar nicht unbedingt negativ bewerten. Verbittert klingt wie so ein Schlechter Begriff, aus Verbitterung kann tolle Kunst entstehen. Aber es ist wirklich krass und dann war ich überrascht, dass nicht nur während der Produktion, sondern auch danach Hollywood diesen Film geliebt hat.
Johannes Franke: Naja, man muss schon dazu sagen, dass das vorher nicht leicht war, jemanden zu finden. Gloria Swanson war ja nicht die Erste, die sie gefragt haben, sondern sie haben ja erstmal mit Paula Negri telefoniert, die ja aus dem Stummfilmbusiness rausgekommen hat. ...gefallen ist, weil sie so einen polnischen Akzent hatte, so einen dicken... ...und man sie kaum verstanden hat. Dann hat er mit ihr telefoniert... Und dann hat irgendwann festgestellt, ich verstehe nur die Hälfte von dem, was sie sagt. Ich kann sie nicht besetzen, das geht nicht. Und sie war auch nicht unbedingt... Begeistert davon. Hat da Greta Garbo gefragt, sie war nicht interessiert, Clara Bow war nicht interessiert, die war das... It-Girl aus den Zwanzigern und Norma Shearer nicht und Mary Pickford war richtig beleidigt, dass sie gefragt wurde, weil das Thema eben so krass ist. Also es waren schon echt ein paar Leute, die echt gesagt haben, um Gottes Willen, so möchte ich nicht porträtiert werden.
Florian Bayer: Und dann Gott sei Dank Gloria. Was für ein Schauspiel.
Johannes Franke: Eine unglaubliche Schauspielerin.
Florian Bayer: Was für eine krasse Performance. Und der Film lebt natürlich komplett von ihrem Spiel. Und von ihrer Rolle und von dieser Person Norma, die sie verkörpert, die ist einfach ... Das Herz des Films kann man nicht sagen, weil dieser Film kein Herz hat. Sie ist das Zentrum des Films.
Johannes Franke: Das ist gemein. Der Film hat schon ein Herz. Ich habe nicht umsonst auch Liebeserklärungen an Hollywood infrage gestellt. Weil vielleicht ja dann doch, also du kannst, ich glaube, du kannst eine Satire oder eine Abrechnung mit etwas... Kaum drehen, wenn du nicht auch ein liebendes Auge dafür hast. Und das spüre ich schon auch ein bisschen durch.
Florian Bayer: Wo hast du dieses liebende Auge gesehen?
Johannes Franke: Das ist eine gute Frage, aber ich kann es gar nicht so genau sagen. Aber so dieses ... Weiß nicht, in den Szenen, in denen sie sich einfach mit dem Produktionsprozess beschäftigen, da ist schon... Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Billy Wilder das nicht zutraue, dass er so zynisch ist.
Florian Bayer: Das hat mich halt auch überrascht. Ich kenne Billy Wilder wirklich als Entertainer. der mit einem lachenden und einem weinenden Auge gerne inszeniert. Sowas wie das Apartment. Oder auch manchmal hauptsächlich mit Lachen. Mit... Manche mögen es heiß.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und ich habe Billy Wilder auch nicht so derart viel Zynismus zugetraut, weswegen ich halt auch überrascht war von dem Film, wie er daherkommt, weil er ist. tatsächlich nicht das, wie ich Billy Wilder kenne. Er ist nicht der klassische Billy Wilder Film.
Johannes Franke: Aber ich glaube, Billy Wilder ist einfach auch in der Lage, sich in Genres reinzuarbeiten. Zu sagen, okay, ich mache jetzt, aber eben... Um dem Genüge zu tun, gehe ich da all in und mache bestimmte Sachen, die ich vielleicht in anderen Filmen nicht machen würde. Wie bei manchen mögen es heiß, da kannst du sowas nicht machen. Der ist zu naiv, um sowas Düsteres unterzubringen, weißt du? Aber ich glaube, dass er sich einfach gesagt hat, okay, wenn ich mich schon damit beschäftige, wenn ich das schon... nach oben hole, dieses Problem, dieses Thema, dann muss ich all in gehen, dann muss ich das ordentlich machen, dann kann ich das nicht irgendwie Halbseiten mit billigen Gags machen.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich, es ist keine unterhaltsame Komödie, also Komödie war es für mich die ganze Zeit eigentlich nicht, dafür war das alles zu bitter, was da passiert ist.
Johannes Franke: zehn Minuten gedacht, okay, das ist ein Horrorfilm.
Florian Bayer: Ja, er hat ganz viele Horrorfilmmomente, das fand ich auch, allein dieses Haus, dieses Anwesen, in dem diese Norma lebt. Das ist eigentlich eine Gespenstervilla und sie wandelt durch diese Villa auch wie ein Gespenst. Dann haben wir den unheimlichen Butler, den Erich von Stroheim, ganz großartig. Unglaublich. Als ehemaliger Regisseur und wie sich später herausstellt ihr Ex-Mann, der mit ihr da zusammenlebt.
Johannes Franke: Und der Schauspieler ist ja auch Regisseur gewesen.
Florian Bayer: Und hat auch mit ihr inszeniert.
Johannes Franke: Genau. Also ich finde es unglaublich, in welchen Details Billy Wilder so darauf bestanden hat, zu sagen, wir machen da aber auch... Sehr authentisches Zeug, weil auch Stroheim hat ja ganz viel mit eingebracht an Ideen. die auch nur daher rühren, dass er eben als Regisseur auch gearbeitet hat mit ihr. Und ihre Ideen und die ganzen Bilder, die in dem Ding sind, sind ja auch Bilder von ihr tatsächlich aus ihrer Vergangenheit als Vorspielerin, als Stummfilmstar. Das ist unglaublich. Und Stroheims Idee zum Beispiel war einer der Sachen, dass die... die Fanpost, die sie bekommt, dass das alles von ihm kommt.
Florian Bayer: Ja, das ist so traurig. Wow. Dieses ganze, dieser Charakter, den Erich von Stroheim spielt, dieser Max.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Dessen Funktion ist komplett, sie in ihrer Traumwelt gefangen zu halten, dass sie nach wie vor ein Star ist, dass sie nach wie vor verehrt wird und dass sie nach wie vor Chancen hätte, ihr großes Comeback zu machen. Und er ist so ein bisschen, er ist wirklich der gruselige Butler. Er ist so der Ego in diesem Horrorkabinett. Auch wenn wir ihn zum ersten Mal sehen, wenn er auf unseren Protagonisten, auf Joe trifft und dann wirklich so ganz eiskalt ist und sagt, kommen Sie rein.
Johannes Franke: Die ganze Zeit mit finsterer Miene und alles.
Florian Bayer: Und du denkst, jetzt wird er gleich umgebracht. Und dann haben wir auch... Nächstes Horror-Element, diese bizarre Szene mit der Schimpansen-Beerdigung.
Johannes Franke: Oh mein Gott!
Florian Bayer: damit starten wir. Das ist das, wo wir sie kennenlernen. Sie hatte ihren Schimpansen an ihrer Seite, ihr treuer Weggefährte. Und der ist gestorben. Und sie denkt, dass Joe... da wäre, um diesen Schimpansen zu beerdigen. Weil sie will eine Schimpansenbeerdigung haben.
Johannes Franke: Vorher wird etabliert, dass Joe irgendwie erfolgloser Schriftsteller ist, dass er irgendwie so ein paar Sachen geschrieben hat, wo er Geld verdient hat, aber so richtig reingekommen ist er nicht. Wird auch ein bisschen kritisiert von einer Frau zum Beispiel, die dort als Reader arbeitet, als Skriptdoktor, würde man vielleicht heute sagen. Also jemand, der sich Sachen durchliest und dann Anmerkungen macht und sagt, das ist vielleicht anders oder das vielleicht anders.
Florian Bayer: Betty Schäfer, die wahrscheinlich am ehesten so das Herz des Films darstellen könnte, wenn der Film ein Herz hat.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Die zumindest so eine krasse Kontrastfigur ist zu der Norma und die dann ja auch später noch eine größere Rolle spielt, weil Joe sich in sie verliebt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist schon ein bisschen eine Liebesgeschichte zwischen den beiden.
Johannes Franke: Flüchtet er aus der Stadt, weil er kein Geld mehr hat und eigentlich Geld schuldet nur?
Florian Bayer: Er muss vor allem seinen Wagen verstecken. Die sind hinter seinem Wagen her, weil er da die Raten nicht bezahlt hat. Es war mir tatsächlich nicht so ganz klar, wie das funktioniert in den USA der 50er Jahre. Offensichtlich gibt es da Pfandleiher. die hinter seinen Raten her sind oder so eine Art Hypothek, die er auf dem Wagen hat. Und deswegen fragen sie ihn auch, wo ist der Wagen? Und wenn der Wagen nicht kommt, dann kriegst du halt wirklich Probleme und wir wollen jetzt den Wagen haben. Und deswegen überlegt er sich, wo er den Wagen verstecken könnte. Und dann fährt er über diesen Sunset Boulevard und versteckt ihn halt erstmal in der Garage. Durch Zufall landet er da. Versteckt in der Garage von Norma.
Johannes Franke: Er hat einfach nur einen Platten, das ist alles. Er versteckt ihn dort und denkt, ach, das Haus ist so runtergekommen, da wohnt keiner mehr. Und hat es da, versteckt es da und dann wird da reingebeten von dem Butler, der einfach ihn für den Undertaker hält, für den Beerdigungsmenschen. Bestatter.
Florian Bayer: Wenn du Undertaker sagst, muss ich automatisch an professionelles Wrestling denken. Der größten Wrestler der 90er. 2000er Jahre wie Undertaker.
Johannes Franke: Der Undertaker. In der linken Ecke.
Florian Bayer: Du guckst kein Wrestling, oder?
Johannes Franke: Ich hab's früher mal, also wirklich so mit 15, 14, 15 oder sowas, hab ich ein bisschen Wrestling geguckt.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich habe auch in den 90ern ein klein bisschen geguckt und jetzt gucke ich tatsächlich manchmal so auf YouTube so. Reminiscence-Videos, wo sich über die gute alte Wrestling-Zeit unterhalten wird. Aber wir wollen auf keinen Fall abschweifen. Wir können nicht von einem 50er-Jahre-Filmen zum Wrestling kommen, das funktioniert einfach nicht.
Johannes Franke: Und dann sieht er diesen Affen und... soll ihn beerdigen und denkt sich, hallo, und löst das Ganze auch auf. Billy Wilder typisch hätte es auch weiterlaufen können, dass er die Beerdigung tatsächlich durchführt. Ja. Aber er löst es auf und sagt, nee, ich bin hier völlig falsch, sorry, ich gehe dann mal wieder. Und kommt aber nicht weg, weil sie dann feststellt, dass er Schriftsteller ist und kriegt ihnen dann mit dem Angebot ihr Skript, das sie geschrieben hat. einmal durchzuschauen und die Teile zusammenzufügen zu einem funktionierenden Film.
Florian Bayer: Ja, und er macht es halt eher so, er sagt, ich weiß nicht wohin, ich bin irgendwie total verloren. Mein Gott, dafür kriege ich wenigstens ein bisschen Geld und dann habe ich wenigstens eine Nacht eine Unterkunft, weil es ist so lang. Er sagt, er schafft das nicht an einem Tag. Er will dann die Nacht erstmal im Gästehaus verbringen und das ist der eigentliche Plan, dass er für eine Nacht da bleibt, dass er das Skript fertig liest, ein bisschen was dazu sagt. dann so schnell wie möglich abhaut, weil das Skript ist offensichtlich, was wir davon hören. Kein besonders gutes Drehbuch.
Johannes Franke: Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Es geht um Salome, also eine Verfilmung... der Salome-Legende, mit ihr natürlich als Hauptrolle. Das soll das große Comeback werden von Norma. Und sie hat da alle Hoffnungen reingesetzt. Und wenn sie jetzt auch noch einen richtig guten Drehbuchautor, der ja auch nicht ist, in der Seite hat, dann muss das ja was werden. Dann schafft sie ihr großes Comeback. So kommen dieses sehr ungleiche Paar zusammen.
Johannes Franke: Und diese Beerdigungsszene von dem Affen. Es ist so, dass sie auch einen ganz tollen Kameramann hatten. Und der Kameramann mit seinem Lichtmenschen zusammen wollte wissen, wie sie das machen. Sollen und haben Billy Wilder gefragt. Und Billy Wilders legendäre Antwort. You know, just your standard monkey funeral shot. Es ist fantastisch.
Florian Bayer: Sie drehen es aus dem Gästehaus. Sie haben die Perspektive von Joe, der das Ganze beobachtet, so aus einer gewissen Distanz. Und es ist eine... Prozession, die wirklich was sehr Würdevolles hat.
Johannes Franke: Sehr würdevoll.
Florian Bayer: Und sie wird einfach bizarr dadurch, dass wir als ZuschauerInnen wissen... Was da geschieht, da wird ein Schimpanse beerdigt in einer langsamen, würdevollen Prozession.
Johannes Franke: Das heißt... Der einzige Companion, den diese Frau über Jahre hatte, war dieser Affe und der Butler.
Florian Bayer: Ja, das war's. Und jetzt hat sie Jo und sie ist offensichtlich ziemlich gut darin, Menschen an sich zu fesseln.
Johannes Franke: Mein Gedanke war, er muss einen Affen ersetzen. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Aber er macht das ganz gut.
Johannes Franke: Er setzt den Affen gut.
Florian Bayer: Also für einen Hund ist er dann doch zu störig.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Er könnte eher so eine Katze sein, wenn sie eine verrückte alte Katzenlady wäre.
Johannes Franke: Ich glaube, der Affe ist schon ganz gut. Er soll für sie tanzen quasi und er ist aber eher so not amused.
Florian Bayer: Er macht es manchmal mit, manchmal wehrt er sich dagegen, er ist auch manchmal echt fies zu ihr dann in gewissen Momenten. Er ist halt tatsächlich, dieser Joe ist keine Identifikationsfigur. Dieser Joe ist ein ... unsympath, er ist ein sehr egoistischer Mensch, er ist jemand, der wirklich die ganze Zeit so nach seinem eigenen nach seinem eigenen Vorteil sucht, bei allem, was er macht.
Johannes Franke: Aber das Schöne ist, weshalb ich glaube, dass wir ihm folgen wollen... ist, dass der Film damit anfängt, und damit wären wir auch schon bei der Ähnlichkeit zu dem anderen Film, den wir heute besprechen, die Aufstimme, diese Narrationen, Bei dem anderen Film ist es mehr ein Gedankenstream, aber bei dem ist es jetzt halt wirklich, der erzählt... Gleich von Anfang an, ich bin übrigens tot. Und erzähle euch jetzt, wie es dazu gekommen ist. Und er ist in diesem Monolog am Anfang... Doch, einigermaßen reuevoll. Also man hat das Gefühl, ja, scheiße, ich war vielleicht nicht der beste Mensch. So vom Erzähl, von der Haltung her. Und ich glaube, das bringt uns dazu, eben auch zuhören zu wollen.
Florian Bayer: Dann wären wir beim zweiten großen Genre, den der Film tangiert, und zwar das Genre des Filmnors.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Wir haben diese Offerzählerstimme, die relativ nüchtern auch ist, oft auch so ein bisschen trocken, diese bizarren und skurrilen und auch traurigen Sachen erzählt. Wir haben permanent dieses Spiel von Licht und Schatten, also diese extremen Kontraste und viele Szenen, die in Dunkelheit Spielen von Dunkelheit in grelles Licht gehen, dass der Film schwarz-weiß ist, trägt dazu natürlich noch bei. Es ist einfach so, es ist so eine gewisse Filmneuerstimmung, auch wenn ich den Film nicht beim Film nur einordnen würde, hat er doch sehr viele Stilmittel davon übernommen.
Johannes Franke: Und ich finde, dass es eigentlich fast ... Die beste Variante ist, dieses Filmnoir-Stilmittel überhaupt zu benutzen. Es gibt ja viele Filmnoir, also jetzt so aus meiner Sicht, die relativ unmotiviert diese Off-Stimme benutzen. Einfach weil es so dazugehört oder weiß ich nicht genau. Oder um irgendwie einen Storyplot nach vorne zu bringen, der nicht... der nicht anders funktioniert und das ist ein bisschen lazy, aber in diesem Fall ergibt es wirklich Sinn. Er als Toter, der seine Geschichte erzählt. Und das wurde ganz oft noch gemacht, aber nie so gut wie in diesem Film, finde ich. Und auch diese lakonische Erzählstimmung funktioniert halt genau deswegen, weil er eben sowieso schon tot ist. und sowieso keine emotionale Beteiligung mehr braucht oder man ihm irgendwie unterstellen muss, dass er noch Interesse hat, irgendwas zu schaffen. Er ist halt tot, er kann sowieso nichts mehr ändern.
Florian Bayer: Ich finde, der ist halt narrativ ganz weit weg vom Film-Noir. Weil für mich ist Film-Noir ganz klar verbunden mit diesen... Mit diesen Pulp-Krimi-Geschichten, wo es darum geht, dass irgendwie ein Detektiv in einer dreckigen Unterwelt recherchiert.
Johannes Franke: Es ist eine Krimi-Geschichte.
Florian Bayer: Ja. Ich weiß nicht, ob ich das als Krimi bezeichnen würde.
Johannes Franke: Wer hat den umgebracht?
Florian Bayer: Es gibt keine große Überraschung. Es ist eigentlich, man meint so am Anfang, wenn er im Pool liegt und sagt, ja, ich bin gestorben, ich erzähle Ihnen jetzt, wie es dazu gekommen ist, dann... Meint man, vielleicht gibt es noch eine Überraschung, aber dann ist der Film doch so straightforward, dass sie es ist, die ihn am Schluss umbringt, weil sie ...
Johannes Franke: Es könnte auch immer noch der Butler sein.
Florian Bayer: Ja, aber das würde auch sehr wenig auslaufen.
Johannes Franke: Ja, ja. Übrigens diese ganz am Anfang die Szene mit dem Pool. Ja, bitte. Es ist so toll, was Kameramänner und Regisseure sich so ausdenken, um das hinzukriegen mit dem Pool. Dieses Bild, wie er da liegt, Kopf unter Wasser, wir sehen ihn von unten. Das heißt, wir sitzen anscheinend im Pool mit der Kamera und filmen nach oben. Und sie haben das am Anfang tatsächlich so gemacht. Sie haben eine Box gebaut, haben diese Kamera reingetan und sind dann nach unten. Und es sah nicht realistisch genug aus. Das Reale sah nicht realistisch genug aus.
Florian Bayer: Sie haben es dann mit einem Spiegel oder so gemacht?
Johannes Franke: Genau, sie haben dann auf dem Boden des Pools einen Spiegel gelegt. Und der hat dann reflektiert, was da zu sehen ist oben, wie die Polizisten da stehen und der Typ einfach, der im Kopf über dem Wasser schwimmt. Und dann haben sie einfach außerhalb des Pools in den Spiegel gefilmt. Ganz toll.
Florian Bayer: Das ist so ein totaler Filmstart, ne? dieses Bild und es hat auch so eine gewisse Eleganz und sowas Edles und Das, finde ich, ist so die stärkste Verbindung, die der Film zum Genre hat und er wird dann immer weniger Film genommen im Laufe seiner Zeit. Und ich bin so ein bisschen traurig, nachdem ich gelesen habe, was der ursprüngliche Beginn war. dass der nicht genommen wurde.
Johannes Franke: Was ist der ursprüngliche Beginn?
Florian Bayer: Der ursprüngliche Beginn ist eine total irre Geschichte. Und zwar hat Billy Wilder... eine Totenhaus-Szene gedreht, in der die Leiche von Joe auf einer Barre liegt und einen Zettel an den Zeh kriegt. Und dann liegt er in diesem Leichenschauhaus und liegt neben einer anderen Leiche und dann erheben sich die beiden Leichen. und erzählen, was ihnen passiert ist. Das war der ursprüngliche Einstieg des Films. Und Joe erzählt dann, ja, das ist ... So ist das Ganze passiert und dann starten wir in den Film. Und Billy Wilder hat diese Szene komplett gedreht. Und diese Szene wurde gescreent für ein Testpublikum. Und ganz am Anfang, als dieser Zettel an den Zähl gemacht wird, haben die Leute angefangen zu lachen, weil die sich das alle so kitzlig vorgestellt haben, weil dieser Tio ja… quasi der Erzähler ist und wir wissen, dass er quasi als Geist da irgendwie liegt. Und dann haben die Leute sich kaputt gelacht. Und Billy Wilder hat das natürlich mitgekriegt und ist dann ziemlich frustriert rausgegangen. Und saß dann wohl der Legende nach auf der Treppe und hat eine geraucht. Und dann kam eine Frau zu ihm und hat zu ihm gemeint, haben Sie schon einen solchen Quatsch gesehen. Und Billy Wilder meinte dann einfach nur so total ernüchtert, nee, so einen Blödsinn habe ich noch nie gesehen. woraufhin die ganze Szene noch mal neu gedreht wurde. Tatsächlich hat er später wohl auch gesagt, das muss ich kurz danach suchen, Billy Wilder hat auch später wohl zu Protokoll gegeben, dass es eine der besten Szenen war, die er je aufgenommen hat. Und sie ist aber einfach beim Publikum nicht angekommen. Er wollte wohl irgendwie einen bizarren, auch ein bisschen düsteren Start haben. Und das Einzige, was er erzeugt hat, war ein irres Gelächter und Freude. Und wahrscheinlich war es ihm dann doch der falsche Ton, um in den Film einzusteigen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: In Illinois wurde er mit diesem Opening gezeigt. Und ja, das Publikum hat sich kaputt gelacht. Und sechs Monate hat sich die Veröffentlichung des Films verzögert, weil diese Szene komplett neu gedreht wurde. Und ich finde... Wahrscheinlich war es auch komisch, wahrscheinlich war es auch ein bisschen unfreiwillig komisch, aber ich würde sie auch unglaublich gerne sehen. Und sie scheint mir zu dem Ton des Films auch zu passen. Also ich könnte mir diese Szene gut vorstellen. Das ist dann halt weniger Film noch.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Also es ist auch... Der Start ist ja auch mit dieser Kamerafahrt über die Straße und die düster aufpeitschende Musik, die wir dann hören, wenn die Credits zu sehen sind. das schreit alles viel neu. Er sieht jetzt eine klassische Humphrey-Bogart-Geschichte und dann kommt der Erzähler und so. Und das hat das von Anfang an schon so ein bisschen gebrochen. Stattdessen wird es dann halt im Laufe der Handlung sehr aufgelöst, weil es halt eher so Richtung Drama kippt, weg vom Kriminalfilm. Ja und dann, genau, er ist dann erstmal bei ihr gefangen und sie hat offensichtlich einen ziemlich krassen Kontrollwahn. Sie lässt ihren Butler sämtliche Klamotten von ihm aus seiner Wohnung holen. Und in dieses Gästehaus bringen, alle seine Sachen.
Johannes Franke: Total, also so richtig schlimm übergriffig. Und das Geile ist, ich hab... Am Anfang gleich gedacht, okay, das ist die Frau, die bei Filmen... mit Männern in diesen Sätzen ganz anders wahrgenommen werden. Eher? Also wenn diese Sätze, die diese Frau spricht, von einem Mann gesprochen worden wären in den 40ern, im Film Noir meinetwegen... Das wäre ganz normal gewesen.
Florian Bayer: Ja, das stimmt allerdings. Diese Übergriffigkeit und dieses Klammern, das wäre romantisch gewesen wahrscheinlich sogar.
Johannes Franke: Um Gottes Willen, also so richtig Sugar Mama, weißt du?
Florian Bayer: Ja, das ist auch tatsächlich, es ist krass, sie ist 50. Ja.
Johannes Franke: Und 50 ist eigentlich nicht das. Also ich meine, es gab auch damals schon SchauspielerInnen, die mit 50 gearbeitet haben. ordentlich, aber sie stellen es im Film so ein bisschen so dar, wie du bist alt, dich will keiner mehr. Ja.
Florian Bayer: Und er ist 30 und die Beziehung wird allein schon als deswegen toxisch definiert, weil sie als Frau so viel älter ist als er als Mann. Dabei reden wir hier von der Zeit, wo das Umgekehrte natürlich ganz oft der Fall war. Wie war das zum Beispiel bei, ganz krasses Beispiel, auch wenn er da auf Jünger gemacht wird. Musical, was wir gesehen haben. Ein süßer Fratz.
Johannes Franke: Achso.
Florian Bayer: Funny Face. Wie alt war sie? Wie alt war er?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht mehr.
Florian Bayer: Da dürfte der Altersunterschied krasser gewesen sein, ne?
Johannes Franke: Ja, der war krasser, garantiert.
Florian Bayer: Das Toxische in ihrer Beziehung wird auch stark daran festgemacht, dass sie einfach das unpassende Alter für ihn hat, weil sie ist zu alt und er ist zu jung.
Johannes Franke: Und es gab Schauspieler, die eigentlich vorgesehen waren für seine Rolle, die das abgelehnt haben genau deswegen. Es war ein Schauspieler dabei, der privat tatsächlich so eine Beziehung hatte. Und das eigentlich nicht öffentlich machen wollte und das wurde aber schon bekannt und wenn er jetzt noch eine Rolle gespielt hätte, genau in dieser Konstellation. Dann hatte er Angst, dass er dann endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben wird und das ist schon eine seltsame Zeit, in der das so ist.
Florian Bayer: Das ist krass, ne? Tatsächlich wollte Billy Wilder sie auch älter machen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie hat dann gesagt, nee, das passt nicht zu der Rolle. Diesen Norma, die wird sich drum bemühen, jung auszusehen, auch wenn sie älter.
Johannes Franke: ist. Ja, und dann haben sie ihn versucht, noch jünger zu machen. Aber ich finde, das ist wirklich genau richtig in dem Film. Ich gucke sie an und denke mir... Die ist aber trotzdem jung geblieben und merke aber an genau den richtigen Stellen, dass sie eben 50 ist. Ja. Das ist toll. Ich finde es irgendwie ganz beeindruckend.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja tatsächlich in den Szenen, in denen sie nicht so wahnsinnig ist, versprüht sie auch eine gewisse Attraktivität. Ja, absolut. Wirklich eine attraktive Frau.
Johannes Franke: Ja. Ja, die war ja, ich meine, sie war ja auch nicht umsonst der Star der Sturmfilmzeit, Gloria Swanson. Wie viele Frauen in der Zeit, wurden sie natürlich viel über ihre Attraktivität gemessen und so, aber sie war die... Beauty-Queen und so. Es ist schon krass. Ja. Sieht man auch auf den Fotos, die sie im Haus stehen hat. Ja. Und das, was sie da gucken, weißt du, was sie da gucken? Irgendwann holt sie den Projektor raus und die Leinwand und dann gucken sie einen Film. Und dann gucken sie tatsächlich einen Film, den Gloria Swanson gedreht hatte. Und zwar mit Max, glaube ich. Mit dem Schauspieler von Max. Genau. Das heißt... Das ist wieder so ein authentischer Moment, wo man sagt, okay, Dilly Wilder hat wirklich darauf geachtet, zu wenig... Fiktion wie möglich in einen fiktionalen Film zu packen, damit diese Kritik an Hollywood so trifft. Weil es genau stimmt.
Florian Bayer: Sie sagt ja relativ gegen Ende, wenn Sie zum Paramount-Studio fahren und jemand an den Touren steht und sie nicht reinlassen will. Sagt sie ja, without me, there wouldn't be any Paramount Studios.
Johannes Franke: Und sie hat recht.
Florian Bayer: Und zwar nicht nur die Norma hat recht, sondern auch Gloria, weil sie war... Tatsächlich der große Paramount-Star.
Johannes Franke: Über sechs Jahre haben die einen Film nach dem anderen gemacht, der wirklich erfolgreich war und Paramount irgendwie einfach das Geld gegeben hat, so viel Zeug machen zu können. Das ist wirklich krass.
Florian Bayer: Aber wenn ich es richtig verstanden habe, war sie bei weitem nicht so verbittert über das Ende ihrer Karriere wie diese Norma, die sie spielt. Und es muss wohl auch so sein, dass es dann nach dem Film, wo sie wirklich wieder kurz im Rampenlicht stand wegen dieses Films, dass es dann, wenn Fans sie getroffen haben, waren die erschrocken. Wie nett und wie normal und wie bodenständig sie ist. Ohne jegliche Verbitterung.
Johannes Franke: Und sie hat danach noch ganz viele Filmangebote bekommen, aber blöderweise gingen die alle in diese Richtung.
Florian Bayer: Alle in diese Richtung, sie war total enttäuscht davon. Sie hat sich wirklich, sie hat sich tatsächlich... Hoffnung gemacht, auch wenn sie ein bisschen abgeschlossen hatte mit dem Filmbusiness, hatte sie sich durchaus Hoffnung gemacht, dass das wieder ihr Comeback sein konnte. Und dann war sie aber plötzlich die alternde Diva und dann sollte sie nur noch die alternde Diva spielen.
Johannes Franke: Das war voll doof. Aber sie war nicht so Auch danach war sie nicht frustriert groß und hat sich nicht, sie hat dann nochmal irgendwie so kleinere TV-Sachen gemacht. Aber sie hat dann nicht mehr so viel gedreht und sie hat zwischendurch ja viel, nachdem ihre eigentliche Karriere aus den 20ern zu Ende war, Sie hat das akzeptiert, hat gesagt, okay, es ist nicht mehr meine Zeit und hat dann Radio gemacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das hat super funktioniert wohl.
Florian Bayer: Sie hat ja auch eine coole Stimme, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die ist toll.
Johannes Franke: Einfach eine tolle Frau und die hat das irgendwie dann weitergetragen. Ich finde es wirklich ein bisschen traurig, dass sie danach nur noch diese... diese Rollen bekommen hätte können und dann irgendwie alles ablehnen musste, weil natürlich will man ja nicht immer wieder das gleiche spielen.
Florian Bayer: Was wohl wirklich krasser war, dass sie so, sie hat wirklich so ein bisschen das Method-Acting durchgezogen beim Film. Sie ist in der Rolle geblieben die ganze Zeit. Und Sie hat wohl auch, sie hat zu ihrer Tochter, nachdem der Dreh fertig war, gesagt, so, jetzt sind wir wieder allein, jetzt ist ist diese Norma weg. Und sie muss wohl auch, die Legende nach soll sie, nachdem sie die letzte Szene gedreht hatte, die auch tatsächlich... die diese große, berühmte Szene war.
Johannes Franke: Das war nicht die letzte Szene, die sie gedreht haben.
Florian Bayer: Das war nicht die, die sie gedreht haben, aber es war ihre letzte Szene, oder? Nee, nee, nee.
Johannes Franke: Aber es ist die letzte Szene im Film. Die haben sie gedreht, relativ spät im Prozess, glaube ich. Aber es war nicht die letzte, die sie überhaupt gedreht haben für sie. Aber sie haben trotzdem... Sie ist da runtergekommen, die Treppe und sie hat sie barfuß gemacht, weil sie Angst hatte, dass sie stolpert, hat sie die Schuhe ausgezogen, was man einfach nicht sieht im Film. Und nachdem das fertig war, ist sie echt in Tränen ausgebrochen und dann hat alle so Relief mäßig. Du bist ja völlig fertig von allem und hast die ganze Zeit Spannung gehalten und die ganze Zeit diese irren Charakter in dir. Und dann hat Billy Wilder eine riesige Party für sie geschmissen.
Florian Bayer: Guter Mann.
Johannes Franke: Guter Mann, ja.
Florian Bayer: Ja, normal. Das Zentrum des Films. Und wir lernen sie wirklich in dieser Zeit dann, wo er bei ihr lebt. Es wird immer länger. Es wird auch immer näher. Irgendwann zieht er vom Gästehaus in ein Schlafzimmer des Hauses, wo einer ihrer früheren Männer geschlafen hat. Es wird immer näher und wir lernen sie dadurch immer besser kennen und es ist wirklich eine krasse Person. Ja, es ist Diese Filmvorführung, die du schon erwähnt hast, wo sie sich ihre alten Filme angucken, diese, was ein bisschen später kommt, diese absurden Privatvorführungen, wenn sie ihm ihre Charlie Chaplin-Imitation zeigt.
Johannes Franke: Oh mein Gott, und die ist nicht schlecht.
Florian Bayer: Die ist gut, ne?
Johannes Franke: Die ist echt gut, fand ich auch. Und das Ding ist, Gloria Swanson hat die schon mal gemacht für einen anderen Film. Ah, deswegen haben sie es reingenommen. Und das, was sie vorher macht für ihn, um ihn zu entertainen, ist auch etwas, was sie in einem anderen Film schon gemacht hat. Das sind tatsächlich alte Nummern von ihr.
Florian Bayer: Das ist wirklich toll. Sie haben sie ausgeschöpft. Das ist eigentlich total gemein, sodass sie komplett ihre Karriere benutzt haben und auf diesen Norma draufgepackt haben, obwohl sie ein ganz anderer Mensch war. Und Chaplin war wohl nicht so begeistert von dieser Vorführung.
Johannes Franke: Das habe ich leider nicht, weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Er wurde darauf angesprochen und fand das dann ziemlich doof und muss dann mal wohl irgendwann mal so... nebenbei schnell, als er wieder drauf angesprochen wurde und total genervt davon war, eine Impression gemacht haben von ihr, wie sie ihn nachmacht. Und sich so darüber lustig machen. Ich fand ihre Vorführung toll.
Johannes Franke: Ich fand die auch nicht schlecht. Die war cool.
Florian Bayer: War ein guter Chaplin. Besser, als ich ihn jemals hinkriegen würde.
Johannes Franke: Okay, das möchte ich gerne zugeben.
Florian Bayer: Diese bizarren Bridge- Spiele, die wir schon erwähnt haben, mit den anderen gealterten Stummfilmstars.
Johannes Franke: Das ist so super.
Florian Bayer: Und Basta Keaton, den ich tatsächlich nicht erkannt habe.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Und nochmal geguckt habe, wirklich Basta Keaton.
Johannes Franke: Ja, das ist Basta Keaton.
Florian Bayer: Obwohl er den Bastakitenblick drauf hat die ganze Zeit.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Es ist eigentlich ein Psychogramm, es ist ein Psychodrama, weil es geht um eine Frau ... die den Bezug zur Realität verloren hat, der nicht richtig geholfen wird und die sogar von denen, die am ehesten helfen könnten, viel zu sehr in ihrem Wahn bestärkt wird von Max. Wahrscheinlich wirklich, weil er sie liebt. Und von Joe, weil er einfach, naja, Joe ist irgendwie ein komischer Typ auch.
Johannes Franke: Ja, also ich glaube, sie gaslightet ihn ja so ein bisschen da rein und sie... emotionale Erpressung und so weiter. Das Geld ist der erste Einstieg, aber nur Geld ist es ja dann irgendwann nicht mehr.
Florian Bayer: Das mit dem Selbstmord meinst du jetzt vor allem? Ja, genau.
Johannes Franke: Das ist echt krass. Also er will ja dann zu Silvester, stellt sich raus, dass sie sich in ihn verliebt hat. und dass sie sich sonst was ausgemalt hat, was für eine Zukunft die zusammen haben.
Florian Bayer: Und dann machen sie diese bizarre Silvesterparty, wo sie nur zu zweit sind und sie haben sich die ganze Zeit gefragt,
Johannes Franke: Kommt da noch jemand oder was?
Florian Bayer: Er denkt wirklich ganz lange, dass jemand kommt. Und dann tanzen sie allein in diesem Ballsaal und haben eine Band, die nur für sie spielt. Und das ist... So traurig und gleichzeitig so bizarr und so irgendwie auch angsteinflößend. Und dann flieht er zu seinem Freund Artie, von dem er die ganze Zeit quatscht. Es ist ständig, immer wieder zwischendurch kommt, ich sollte zu Artie gehen. Artie, Artie. Und dann lernen wir diesen Artie endlich kennen. ausgerechnet der Verlobte von seiner wahren Love Interest von Betty, von dieser Lektorin.
Johannes Franke: und dann schneidet sie sich die pulsadern auf ja weil er abgehauen ist ja und das ist schon ja also Ich weiß nicht ganz genau, wie viel Psychologie man den... den 50ern, also Ende 40er, Anfang 50er zutrauen kann. Billy Wilder auch Aber das ist schon eine sehr akkurate Beobachtung für bestimmte psychische Krankheiten, also zum Beispiel Borderline. Und viele Stars haben ja, sagt man ihnen nach, dass sie Butterline haben. So dieses Anerkennungsbedürfnis und gleichzeitig sich selbst so runter machen und diese... Zwei Seiten einfach.
Florian Bayer: Emotionale Druck ausüben aufs Umfeld auch. Sie ruft ihn nicht an. Max ruft ihn an. Sie versucht sich einfach umzubringen. Und das ist sowas, wo ich dann ... Da hab ich gemerkt, dass für mich Joe kein sympathischer Protagonist ist, weil er redet dann ... ihr gut zu er fährt tatsächlich zu ihr hin und redet mit ihr und Ich habe die ganze Zeit mich gefragt, was meint er davon ernst, was ist Sarkasmus, was ist einfach nur um seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen und ich konnte es nicht einordnen, obwohl er wirklich nett mit ihr redet danach. wirklich ein Moment, wo er sich irgendwie, wo er fürsorglich ihr gegenüber ist und ich habe es ihm nicht abgekauft und das war der Moment, wo ich dachte, oh, dieser Charakter ist wirklich ein unsympathischer Charakter und echt ein schwieriger Charakter. Was nicht schlimm ist, ich brauche keinen sympathischen Charakter, um in den Film reingezogen zu werden, aber da ist es mir besonders krass aufgefallen, dass ich diesem Charakter nicht ein bisschen über den Weg traue, weil ich ihn einfach für einen... Kriminellen und Lügner und Betrüger halte.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, also ich habe ihn jetzt nicht unbedingt als Lügner und Betrüger einsortiert. Aber man kann ihm tatsächlich nicht wirklich trauen in dem, was er sagt, weil ich auch nicht nachvollziehen kann, warum er sich dann jetzt entscheidet, doch bei ihr zu bleiben. Wo er ja vorher, kurz vorher, doch eine sehr starke Andeutung einer Anziehungskraft zu dieser Frau, die er auf der Party, wo er dahin geflüchtet Also diese Szene ist ja wirklich sehr deutlich und sehr eindeutig geschrieben und gespielt.
Florian Bayer: Diese Betty wird ja auch die ganze Zeit als Kontrastperson zu Norma inszeniert. Sie ist die nette, authentische Sie sagt auch einmal, sie kann sich überhaupt nicht vorstellen, vor der Kamera zu arbeiten. Das ist ja vollkommen egal. Sie findet total toll, den Gedanken. hinter der Kamera und kreativ in dem Prozess drin zu sein. Sie hat wirklich offensichtlich gute Ideen für Drehbücher. Sie ist die einzige Begabte da zu sein. was Drehbuchschreiben betrifft. Und ja, ich glaube schon, er verliebt sich in sie, aber er geht zurück zu Norma und sie schlafen dann ja auch miteinander. Sie beginnen wirklich eine Affäre.
Johannes Franke: Ja, das finde ich schon... Also das ist ein Turning Point, der sich mir... natürlich nicht wirklich erklärt, aber natürlich dann, wenn du sagst, das ist halt einfach ein Gauner, dann ja, über so eine relativ simple Erklärung kann man es natürlich machen.
Florian Bayer: Ich glaube, er ist auch ein zielloser Gauner. Er weiß die ganze Zeit nicht, wohin viel, was ihm passiert, passiert so durch Zufall. Er landet bei ihr, weil er sein Auto halt in enger Garage abstellen will, damit es keiner auf der Straße sieht. Und ich glaube, Er ist kein guter Gauner, weil er nicht weiter als fünf Minuten denkt. Und deswegen schlittert er so ein bisschen durch diesen Film. Was ich ganz spannend finde, er hat eigentlich ganz viel von einer Rolle, die man oft bei Frauenrollen sieht. Dass sie so ein bisschen, wenn eine Frau eine Protagonistin ist, dass es den RegisseurInnen nicht gelingt. sie als starke Protagonistin zu erzählen, obwohl sie das eigentlich wollen. Und dass sie sie von Situation zu Situation schubsen. Ganz krass finde ich es zum Beispiel bei Hunger Games. Da haben wir diese vermeintlich starke Protagonistin, Katniss heißt sie, glaube ich. Und wenn man den Film dann aber mal guckt, so ein bisschen mit dem Auge, mit so einem feministischen Auge, Dann stellt man fest, dass sie eigentlich nicht so als Role Model taugt, weil alles, was ihr passiert, passiert eher so durch Zufall, weil sie halt von Situation zu Situation stolpert. Und letzten Endes handelt sie relativ wenig als starke Persönlichkeit. Und die Rolle hat er auch, finde ich total spannend, dass ein Mann so eine Rolle kriegt.
Johannes Franke: Ja, ist ja schon einfach klassischer Loser, wenn man das mit der Terminologie von damals nochmal nimmt.
Florian Bayer: Auch kein wirklicher Draufgänger, weil er ist ja auch schwach und feige und es gibt wenige Momente, wo er wirklich mal, wo er Mut beweist, wo er zum Beispiel mal Knall hat, sagt, was ist. Er ist manchmal auch so wie so ein weinender Teenager. Also gerade wenn er sich bei Norma über ihr Verhalten beschwert, wenn er sich darüber beschwert, dass sie seine Sachen ... einfach in das Gästehaus gepackt hat, wenn er sich darüber beschwert, wie er von ihr gefangen gehalten wird. Dann ist das manchmal wie so ein Nöhlender Teenie.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Und das sich ja trotzdem fügt.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Also er ist ja dann trotzdem da. Ah, irgendwie. Ja, und dann fahren sie tatsächlich mit dem Buch, was er dann fertiggestellt hat oder auch nicht? Also, ne? Er soll ja viel ihrer Anmerkungen wieder umsetzen, was er gerne rausgestrichen hätte. Ich weiß nicht, ob das Buch besser geworden wäre, wenn es allein gemacht hätte.
Florian Bayer: Wahrscheinlich eher nicht. offensichtlich auch eher so ein B-Movie-Schriftsteller. Und ich glaube, diese Kritik, die Betty ganz am Anfang an seinem Text übt, dass es kein Herz gibt, dass sie nichts fühlt, dass es so ... Ich glaube, das ist seine Art zu schreiben.
Johannes Franke: Naja, und dann fahren sie, weil der Produzent wohl anscheinend ständig versucht hat, sie zu erreichen und das... So, aber eben nicht der Produzent, sondern der Assistent. Und dann fahren sie da hin. Und ich finde es schön, dass der Film trotzdem zeigt, dass sie tatsächlich mal jemand war. Der Pförtner erkennt sie sofort. Der alte Pförtner. Der alte Pförtner. Oh mein Gott, Mrs. Desmond. Und lässt sie sofort rein und sie geht dann da in das Studio. Von Mr. DeMille. Und ich finde, der Produzent, der ja wirklich Produzent ist, der Schauspieler ist ja kein Schauspieler, sondern ist ja eigentlich Produzent. Und er spielt es so gut. Ich finde es so beeindruckend.
Florian Bayer: Du meinst der Regisseur?
Johannes Franke: Der Regisseur. Also der... DeMille? DeMille, genau. Ja. Ich finde ihn unglaublich gut als Schauspieler.
Florian Bayer: Das ist so eine tragische Szene von Anfang bis Ende. Und er ist der Einzige, der wirklich sieht, dass hier eine Person ist, die Hilfe braucht. Und zwar andere Hilfe, als sie gerade erhält.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und Er ist richtig traurig darüber, was aus ihr geworden ist und wie sie sich verhält und wie sie in ihrer Wahnvorstellung lebt.
Johannes Franke: Da ist auch nochmal Herz, finde ich. Sehr viel Herz.
Florian Bayer: Das stimmt. In dieser Rolle, die eigentlich nur ein kleiner Cameo ist, er spielt sich auch tatsächlich selbst. Den gibt es wirklich, das ist ein Regisseur aus der Zeit.
Johannes Franke: Den kennt man vor allem aus The Ten Commandments dann am Ende, sein letzter Film in den 50ern, 56 glaube ich, die 10 Gebote.
Florian Bayer: Es war kein Regisseur, der mir so präsent war als großer Regisseur, aber offensichtlich war es eine große Nummer, der hat auch viel gedreht in der Zeit, in den 40ern und 50ern. Und genau, der große Plot-Twist, sie denkt, sie hätten die ganze Zeit angerufen, weil sie ihr Script so toll finden. Die wollen eigentlich nur in ihr Auto. Sie hat so einen Oldtimer in ihrer Garage stehen und daran ... haben sie Interesse, weil der von einem alten Film ist und sie wollen nochmal so ein altes Auto haben. Und sie ist dann aber am Set und sie wird so krass in ihren Wahnvorstellungen bestärkt, weil dann die ganzen Schauspieler, die, als sie gedreht hat, wahrscheinlich noch ganz kleine Nummern waren und sagen ... Da kommt sie, die haben wir damals verehrt und dann wird sie umlagert von diesen Leuten und sie sonnt sich darin. Aber wir wissen, das ist alles nur eine Illusion. Keiner hat Interesse daran, mit ihren nächsten Filmen zu drehen. Sie wollen eigentlich nur in ihr Auto. Und es ist klar, dass sie ... dass sie hier wieder nur in ihrer Wahnvorstellung bestärkt wird, dass es keinen Karriereschub geben wird.
Johannes Franke: Das ist schon wirklich krass. Ich fand es aber auch sehr schön, dass sie dann nochmal diesen Moment bekommt. Also für sie als Mensch. Also es ist absehbar, dass sie in ihrer Wahnvorstellung bleiben wird.
Florian Bayer: Das ist so traurig. Und dieser Regisseur redet dann ja auch mit ihr und sagt ihr eigentlich, was Sache ist.
Johannes Franke: Versucht es.
Florian Bayer: Versucht es und sie bleibt einfach in ihrer Warnvorstellung. kommt aus diesem Studio raus und denkt, alles ist super. Und dann kommt diese krasse Folter-Szene. Diese Selbstfolter-Szene, wo sie sich von den SchönheitsexpertInnen ... zurecht machen lässt. Weil der Film kommt ja bald, bald wird angefangen zu arbeiten an ihrem großen Comeback-Film und dann muss sie auch entsprechend aussehen und dann haben wir eine krasse Montage, wie sie mal trottiert wird. Das ist unfassbar.
Johannes Franke: Und es ist total aktuell. Es ist unglaublich. Es ist so aktuell. Ich muss so sehr an diese ganzen... Sachen denken, die immer wieder auch von KollegInnen, muss ich sagen, die irgendwie... verzweifelt an dieser Jugend, die immer noch ganz nach oben gehalten wird, hängen und sagen, ich muss so aussehen, ich muss so aussehen, wenn ich ein Fotoshooting mache, manchmal Und dann so Bearbeitungen gemacht werden, wo ich denke, ja, aber dann siehst du am Ende nicht mehr so aus, wie du eigentlich aussiehst. Das sind so Sachen... Nein.
Florian Bayer: Das ist wirklich so ein Moment, wo der Film komplett ins Tragische kippt. Diese Montage ist einfach nur hart und schmerzhaft. Und man sieht, dass sie leidet unter dem, was gemacht wird. Wir sehen halt ihr Gesicht, wie es bearbeitet wird.
Johannes Franke: Ja, es ist wirklich krass und da ist der Film halt auch wieder zielsicher mit der Kritik.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich beeindruckend.
Florian Bayer: Und dann findet sie den Drehbuchentwurf, den Joe mit Betty geschrieben hat. titellose Liebesgeschichte, ne?
Johannes Franke: Sie haben dann beschlossen einfach, dass sie das geheimlich Also er hat beschlossen, dass er es heimlich macht. Sie weiß ja gar nichts davon. Aber er hat gesagt, ich komme dann nachts immer und dann schreiben wir zusammen. Und dann schreiben die zusammen ihre Liebesgeschichte, die sie sich irgendwie haben einfallen lassen und verlieben sich auch ineinander währenddessen. Übrigens der einzige Newcomer in diesem Film. Die Schauspielerin. Es ist 21 gewesen, als sie das gespielt hat. Und ich finde sie ganz wundervoll.
Florian Bayer: Nancy Olsen.
Johannes Franke: Ganz tolle Schauspielerin.
Florian Bayer: Ich finde, sie ist in diesem Film halt sehr klar definiert. Sie ist so ein bisschen der Engel der Geschichte. Sie ist natürlich. Sie ist authentisch. Sie ist unglaublich liebenswert und reizend. Und ihr ist das auch direkt peinlich, ganz am Anfang, wenn sie über sein Manuskript lästert und dann feststellt das Erd. da sitzt und das gehört hat und sie möchte den Boden versinken, deswegen ... Ja, sie spielt halt das, was ihr das Drehbuch gibt. Ich fand die Rolle tatsächlich im Vergleich zu den anderen Rollen so ein bisschen flach, weil es so sehr diese... liebreizende, femme infantil ist, die mit dieser Kindlichkeit und Naivität und Unschuld inszeniert wird.
Johannes Franke: Aber ich finde, dass sie das so gut spielt. Also, dass sie wirklich einfach eine gute Schachspielerin mit 21 so natürlich zu spielen muss man erst mal hinkriegen.
Florian Bayer: Sie spielt das, was das Drehbuch hergibt, aber das ist natürlich ein gewisses Stereotyp, was da inszeniert wird und... Ich fand sie nicht schwach, aber ich fand, man hätte auf die Rolle vielleicht auch verzichten können oder die Rolle anders gestalten können.
Johannes Franke: Also, dass du keinen Love-Interest hast, oder?
Florian Bayer: Ja, ich finde, sie gibt den Film Klischees an der Stelle, wo er sie eigentlich nicht verdient hat. Das ist ein Film, der so viele... so geschickt um die Klischees herum arbeitet, sowohl was Genre betrifft, als auch was Rollenbilder, Rollenvorstellungen betrifft. Und in dieser Rolle und auch in der Liebesgeschichte Treffen die klassischen Hollywood-Klischees dann doch sehr stark zu.
Johannes Franke: Aber ich finde, dass diese Szenen, in denen sie sich annähern, Vielleicht bin ich auch einfach ein großer Fan von so 50er Jahre Liebesszenen, wo sie sich dann sehr seltsam küssen. Aber irgendwie finde ich es sehr süß, wie sie voreinander stehen und eigentlich wissen, weil es Er ja auch, dass er das nicht sollte und dass das nicht geht, weil sie mit Artie zusammen ist und sie heiraten wollen. Und er dann sagt, wenn ich dir so auf den Meter zu nahe komme, dann schlag mich mit deinem Schuh.
Florian Bayer: Sie ist süß, auf jeden Fall. Diese ganze Liebesgeschichte ist süß. Es ist halt eine Art von Liebesgeschichte, wie man sie schon... in dieser Zeit sehr oft zu sehen bekommt.
Johannes Franke: Aber ich mag's.
Florian Bayer: Es tut tatsächlich gut, ein bisschen Herzenswärme mit ihr zu sehen, weil der Film sonst so kalt ist, so tragisch und so bitter. dass es ganz gut tut, zwischendurch einfach mal so was Warmes zu haben, an dem man sich festhalten kann.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Dazu ist ihre Rolle auf jeden Fall gut. Und dazu ist auch diese Liebesgeschichte gut. Und wahrscheinlich wäre es ohne diese Geschichte sehr hoffnungslos, das alles.
Johannes Franke: Muss man schon sagen, ja. Irgendwie habe ich aber trotzdem während des Films, ich weiß nicht, wie es dir ging, ob der die Tragik überwogen hat, Ich fand den Film trotzdem irgendwie... Amüsant. Also nicht, ich hab nicht, es ist keine Screwball-Komödie. Das definitiv nicht. Aber ich fand, die satirischen Momente haben so gut getroffen und ich habe genug Abstand, dass ich sagen kann, ich kann darüber auch lachen.
Florian Bayer: Ich musste wenig lachen bei diesem Film oder auch wenig, ich fand wenig witzig, weil er einfach dieses Bittere und dieses Verbild hatte, immer hat mitschwingen lassen.
Johannes Franke: Ja. Also gerade am Ende natürlich. Am Ende kannst du nicht mehr lachen. Ist klar.
Florian Bayer: Ich glaube, ich konnte die ganze Zeit nicht lachen. Am Anfang, das fand ich witzig mit dem Schimpansen, weil das so bizarr war. Aber danach wurde es einfach nur unangenehm. Es war zu viel verbitterter Blick auf die Filmindustrie. Und zu viel verbitterter Blick auf die Beziehung und zu viel Bitternis in dieser Beziehung, die im Mittelpunkt steht. Witzig fand ich da echt wenig, auch wenn es diese witzigen Momente gibt, aber die waren dann einfach zu stark eingebettet in dieses zynische, kalte, groteske.
Johannes Franke: Tja, naja, das haben ja auch ein paar andere Leute dann noch gesehen, als der Film rauskam. Es gab ja durchaus, wir haben am Anfang gesagt, dass der Film sehr erfolgreich war. Ja, das war er. Aber bei den ersten Screenings... Und er hat ja ein paar Leute eingeladen, die er auch gefragt hat, ob sie dabei sein wollen im Film und die Nein gesagt hatten. Und es gab Leute, die dann gesagt haben, die waren einfach... Mary Pickford ist gegangen und hat ausrichten lassen, dass sie einfach nicht... dass ich völlig überwältigt, also im negativen Sinne völlig überwältigt davon war und dass sich keiner zusammenreißen konnte ordentlich. Wenn man seine eigene Geschichte mehr oder weniger vielleicht so auf der Landwand sieht, das ist natürlich schwierig. Und einer der Produzenten oder Regisseure, ich weiß nicht mehr ganz genau, der das gesehen hat, hat auch Billy Wilder offen beschimpft, richtig. Und hat gesagt, das... Geht nicht, du scheißt ja in dein eigenes Haus, was soll das? Die Leute, die dich füttern, so in den Dreck zu ziehen, das geht nicht.
Florian Bayer: Das macht er auch tatsächlich. Er erscheißt in sein eigenes Haus. Aber was mich überrascht hat, zum Beispiel das Paramount. Die fanden das total cool, dass er sie prominent nennt. Die fanden das super. Und es musste überhaupt nicht irgendwie groß gefragt werden. Die haben gesagt, klar, tret da hier in unserem Studio, hier habt ihr noch ein paar Gewissen, nehmt das. Das war super. Sie haben dann ja auch, nachdem der Film abgedreht war und angelaufen ist, haben sie auch Gloria Swanson auf eine Tour geschickt. Ein Jahr lang ist sie... durch Amerika getourt, um diesen Film zu bewerben.
Johannes Franke: Die hat 1.000 Dollar in der Woche bekommen dafür. Krass, ne?
Florian Bayer: Offensichtlich lag Ihnen das Projekt am Herzen, auch nachdem Sie gesehen haben, dass das Projekt eigentlich ein riesiger, dampfender Haufen auf der Filmindustrie ist.
Johannes Franke: Krass. Ich finde es wahnsinnig beeindruckend. Mit welcher Resilienz dann sozusagen auch Leute, die auf die... geschimpft und geschissen wurde. Das einfach dann hingenommen haben und gesagt haben, okay, das gehört auch dazu. Dann Ja, also vielleicht wurde auch keiner so persönlich angegriffen, weil die meisten von denen einfach schon zu alt waren. Weißt du, was ich meine? Also es geht ja um die Vergangenheit in dem Film und irgendwie kann sich vielleicht Paramount auch denken, ja, die Zeiten sind aber auch hinter uns. Ja. So weißt du? So Delusions.
Florian Bayer: Wahrscheinlich war es auch einfach Billy Wilder, war eine zu große Nummer.
Johannes Franke: War der schon so eine große Nummer? Ich weiß es gar nicht so genau. Der hat schon vorher ein bisschen was gedreht.
Florian Bayer: Ja, der hat einiges gemacht.
Johannes Franke: Manche mögen es heiß, es war ein bisschen später. Manche mögen es heiß, es war später. auch, oder?
Florian Bayer: Er hat seit Ende der 20er Jahre als Drehbuchautor gearbeitet. Also er hat die 30er Jahre durch als Drehbuchautor gearbeitet. Er hatte natürlich noch nicht diese Reputation, die er dann später hatte als einer der größten Regisseure Hollywoods. Seine richtig großen Filme, die kamen alle danach.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Sabrina war 54, Zeugin der Anklage war 57, manche mögen es heißt 59, das Apartment 60. Mann, hat der fehlgedreht.
Johannes Franke: Ja, echt Wahnsinn, oder?
Florian Bayer: Aber ich glaube, er war in dem Filmbusiness schon so tief drin, weil er hat einfach so lange schon gearbeitet. Er hat auch schon als Regisseur einiges gemacht. Tja. Und trotzdem, ich war überrascht. Ich kann es nur noch mal wiederholen. Ich habe nicht einen Film erwartet, der so hart ist. Der so brutal ist mit seinem Sujet und mit dem Thema Filmbusiness.
Johannes Franke: Aber hättest du es gewünscht, dass er weniger hart ist?
Florian Bayer: Nein, auf keinen Fall. Es war tatsächlich überraschend. Ich bin einfach... Man geht, wenn man so einen Klassiker guckt, geht man mit bestimmten Erwartungen dran. Da kommt man nicht vorbei. Und ich habe... großen Pathos und großes Drama erwartet. Er ist irgendwie ein Film, der regelmäßig in den Top Ten Listen der besten Filme aller Zeiten auftaucht.
Johannes Franke: Ja, und ganz viele Quotes aus dem Film. Allein ist Ende.
Florian Bayer: Ich habe so ein bisschen eine Art Citizen Kane von der Erzählhaltung erwartet. Also mehr Pathos, mehr Drama. Ah, verstehe ich. mehr Gediegenheit und war dann doch überrascht, dass es eher in die Richtung bitter, zynisch, böse geht.
Johannes Franke: Okay, verstehe. Worum geht es eigentlich in dem Film auf der menschlichen Ebene? Das habe ich mich noch gefragt, weil natürlich ist es eine große Kritik, einmal austeilen gegen Hollywood.
Florian Bayer: Der Film hat eine menschliche Ebene.
Johannes Franke: Ja, naja. Es geht irgendwie, finde ich, sehr, und das finde ich spannend, um Selbstbild, versus Fremdbild, also der eigenen Lebenssituation. Der Schriftsteller Sieht sich als großer Schriftsteller und hangelt sich von einem schlechten Job zum nächsten. Sie hält sich für die große, berühmte Diva, die immer noch Erfolg hat. Ist aber schon lange nichts mehr quasi. Also ich finde es ein spannendes Thema. Selbstbild versus eigene Fremdwahrnehmung und Lebenssituation. Irgendwie würde ich mir mehr Filme wünschen, die so ein bisschen mit dem Thema spielen.
Florian Bayer: Ja, das ist natürlich Thema Schauspieler, Künstler, SchauspielerInnen. ist natürlich ein sehr dankbares Thema, um sowas zu behandeln. Wie nimmt man sich selbst wahr? Wie wird man von einem Publikum wahrgenommen?
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich ahne, wo du hin möchtest.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, wir können ganz langsam vorsichtig zu unseren Top-Listen schwenken, die sich mit Schauspielern und Schauspielerinnen befassen.
Johannes Franke: Jingle.
Florian Bayer: Jingle.
Johannes Franke: Unsere Liste. Okay, Top 3 Filme über Schauspieler, am besten Falle über alternde Schauspieler.
Florian Bayer: Oder SchauspielerInnen, bitte.
Johannes Franke: Verdammt! Ich bin wieder 10 Cent verloren.
Florian Bayer: Ja, jetzt ist mir tatsächlich schwer gefallen dieses Mal. Und zwar einfach aus dem einfachen Grund, dass ich das Gefühl habe, ich nenne nur Filme, die wir schon mal hatten bei unseren Listen.
Johannes Franke: Ja, ich verstehe es.
Florian Bayer: Es gibt diesen krassen Wiederholungseffekt. Und ich habe dann irgendwann ... aufgehört, verzweifelt nach einem Film zu suchen, der noch nicht genannt wurde. Ich hab insgesamt fünf Filme. Und alle fünf wurden mindestens einmal schon mal genannt im Zuge dieses Podcasts.
Johannes Franke: Das heißt, wir machen eine Top-5 draus, das könnte ich auch.
Florian Bayer: Ich dachte jetzt, ich hab sie so sortiert, dass ich sie als Honorable Mentions gleich am Anfang nennen kann. Willst du eine Top 5 draus machen?
Johannes Franke: Lass uns eine Top 5 draus machen, komm.
Florian Bayer: Okay, dann ist mein Platz 5. Once Upon a Time in Hollywood.
Johannes Franke: Ja, meiner auch.
Florian Bayer: Hier haben wir einen alten Schauspieler. Leonardo DiCaprio. Großartig.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Muss man viel dazu sagen? Also wir müssen nicht viel dazu sagen, weil wir uns ständig schon drüber unterhalten haben. Ja. Ich mag ihn total. Ich finde, es ist einer ... Er wurde teilweise rezipiert als einer der schwächeren Tarantinos. Das kann ich nicht nachvollziehen. Ich finde, Tarantino macht wieder einen großartigen Job.
Johannes Franke: Ja, aber tatsächlich einfach einen anderen Job, finde ich. Also schon, der Film ist anders als viele andere Filme von ihm. Und das finde ich ein kleines bisschen beeindruckend. Was mich an dem Film nur geärgert hat, ist halt, dass er es wieder nicht geschafft hat, mit seinen Frauen ordentlich umzugehen. Also die Frauenrollen sind bei Tarity nur immer irgendwie so ein bisschen. Weiß nicht genau.
Florian Bayer: Das wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern.
Johannes Franke: Obwohl er sich echt Mühe gegeben hat mit Kill Bill und so starke Frauen und er sagt ja immer starke Frauenrollen und so weiter, aber irgendwie, weiß ich nicht, Kriegt das nie so richtig hin.
Florian Bayer: Nee, nee. Er versucht es auch nicht wirklich. Also die Frauenrollen, die er ein bisschen stärker schreibt, sind ja auch inspiriert von diesen B-Movies. Was ich an Once Upon a Time in Hollywood tatsächlich total super finde, ist, dass er ... sich selbst als Märchen inszeniert. Allein schon der Titel natürlich, es war einmal in Hollywood. Aber auch die ganze Art, wie er herangeht. Er zählt eine glitzernde Traumfabrik, die so nicht stattgefunden hat.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das ist ein radikaler Entgegenwurf eigentlich zu Boulevard der Dämmerung, weil er voller Optimismus steckt und voller Herzenswärme und Es geht auch um einen Schauspieler, der seine besten Tage hinter sich hat, aber dieser Schauspieler schafft es nochmal. Dieser Schauspieler ist sich bewusst darüber, dass er seine besten Tage hinter sich hat. Und ist tatsächlich ein sympathischer Mensch und schafft es dann am Schluss nicht nur den Mord zu verhindern. Sondern historisch eigentlich. Ja genau, also es ist nicht nur so, dass er... dass er mal eben so mit seinem Stuntman zusammen die Manson-Family-Mörder komplett besiegt. sondern zusätzlich gelingt es ihnen dann auch noch, Sharon Tate das Leben zu retten und als Gast eingeladen zu werden. Womit sich eine strahlende Zukunft für ihn und für den Rest Hollywoods offenbart, weil das Hollywood ist gestorben, als Sharon Tate ermordet wurde in Sicht dieses Films und in Sicht Tarantinos. Und hier wird es gerettet. Hipp, hipp, hurra.
Johannes Franke: Ja, dann würde ich aber meinen Platz 5, das wäre jetzt auch mein Platz 5 gewesen, Mal umsetzen, weil ich habe noch genug andere. Für mich wäre es dann, weil wir darüber geredet haben, würde ich ihn da hinten ansetzen. The Artist. Was auch in der Zeit verhaftet ist, in Stummfilmen, Tonfilmen und er, der seinen Stern, der untergeht und der sich dagegen wehrt und der nicht glaubt. dass Tonfilm irgendwas kann und der dann einfach gnadenlos verliert.
Florian Bayer: Inszeniert als Stummfilm?
Johannes Franke: Super.
Florian Bayer: Fantastisch gemacht.
Johannes Franke: Wir haben darüber geredet, wenn ihr reinhören wollt, eine unserer Episoden vor, weiß ich nicht, gar nicht so lange her. Einfach mal suchen The Artist. Wir reden sehr ausführlich über den Film und das ist eine wahre Freude.
Florian Bayer: Auch ein kompletter Gegenentwurf zu Sunset Boulevard, weil dieser Film hat eben die Menschlichkeit, dieser Film hat die Liebe für diese Person, für das Filmbusiness. Für die Traumfabrik.
Johannes Franke: Eine große Liebeserklärung, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Ein großer Abgesang, nicht nur an den stummen Filmen, sondern an ganz Hollywood.
Johannes Franke: Platz 4.
Florian Bayer: Mein Platz 4 wäre Persona. Von Ingmar Bergmann, der sich damit beschäftigt, was passiert, wenn eine Schauspielerin ihre Stimme verliert oder ihre Stimme aufgibt. Und was passiert, wenn eine Schauspielerin mit einer ... Frau in einer Art Kammer eingesperrt ist zusammen. Und vor allem nicht nur, wie funktioniert nicht nur die Psychologie der Schauspielerin, sondern auch die Psychologie des Fans. Es ist interessant, das aus diesem Blickwinkel zu betrachten. In einem Film steckt natürlich viel mehr und man kann ihn in verschiedenen Arten deuten.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber ich finde diesen Konflikt so, da ist der Star und da ist die, die den Star so sehr verehrt, dass sie schließlich mit ihm eins wird. Das ist eine sehr interessante Komponente und die tangiert auch das Thema Schauspiel.
Johannes Franke: Hatten wir das so ausführlich besprochen in diese Richtung, weil es wird zwar gesagt, dass die Schauspielerin dran ist und dass sie da irgendwie ihre Stimme verliert, ganz am Anfang des Films, mitten in einem Monolog, glaube ich. Aber diese Komponente des Fans und des Stars habe ich gar nicht so in Erinnerung.
Florian Bayer: Ich habe das damals in dem Gespräch versucht zu pushen, weil ich so ein bisschen... versuchen wollte, eine andere Interpretation zu liefern als die gängige, dass die beiden Personen Verkörperungen von Ingmar Bergmann sind, der sich hier mit seiner Laufbahn als Künstler beschäftigt. Und dazu kann ich nur noch mal das Lied von Judith Hollefernes, großartige Lyrierin, Sängerin, von Wir sind Helden zitieren, wo sie über, der Song heißt Popstar, wo sie über den Star sagt, ich weiß nicht, ob ich dich ficken will oder so sein will wie du. Und darum geht es meiner Meinung nach auch ein bisschen in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, das ist übrigens der große Werbeblock für uns selbst. Wir haben diesen Film auch besprochen. Bitte schaut euch, hört euch Ah, verdammt. Jetzt wird es teuer. Hört euch diese Episode an. Die haben wir relativ am Anfang, glaube ich, oder?
Florian Bayer: Vierte, fünfte Episode?
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau.
Florian Bayer: Ich müsste jetzt danach suchen.
Johannes Franke: Musste nicht.
Florian Bayer: Hört einfach rein, alte Episode. Wir reden über Persona von Ingmar Bergmann, ein Klassiker des europäischen Arthouse-Kinos.
Johannes Franke: Mein Platz 4 wäre dann jetzt ... To be or not to be. Ein Film über das Theater, was gerettet werden muss von den Schauspielern, weil die Nazis es übernehmen wollen.
Florian Bayer: Du bist bei Mailbox, oder? Oder nicht übernehmen. Wenn du den englischen Titel sagst? Oder bist du bei... Nee, ich bin bei dem Original, Lubitsch. Heißt der To Be or Not To Be? Oder heißt der Sein oder Nicht Sein? Das ist doch...
Johannes Franke: Ach so. Wie ist der Originaltitel? Verdammt. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, du hast recht.
Johannes Franke: Ich glaube, der heißt To Be or Not To Be.
Florian Bayer: Ja, das ist eine amerikanische Produktion. To Be or Not To Be.
Johannes Franke: Aus den 50ern, glaube ich. 40er sogar. Und das Remake von Brooks ist von 83, glaube ich.
Florian Bayer: Ist das so neu? Wow. Krass, das ist einer der späteren Neuprooks-Filme.
Johannes Franke: Wenn ich mich richtig erinnere, aber ich glaube schon.
Florian Bayer: Ähm, ich glaub dir, dass ich bin, ja, 83 tatsächlich, wow. Den hätte ich viel früher verortet. Punkt für mich. Mein Platz 3. Es tut mir leid, dass ich dir deinen Platz 2 damit wegnehme. Ja? Birdman.
Johannes Franke: Ah, Mann, Noah und Floor.
Florian Bayer: Ich habe nicht seine Liste gesehen.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Floor.
Florian Bayer: Ich habe ein unglaublich wahrsagerisches Talent.
Johannes Franke: Wie krass ist das denn? Ich bin gerade wirklich ein bisschen blown away. Scheiße.
Florian Bayer: Ja, fantastischer Film. Ja, wirklich. Jetzt kommt wieder ein Name, wo ich mich entschuldige, muss ich ihn falsch auszusprechen. Alejandro González Inarito. Mit Michael Keaton, der einen gealterten Schauspieler spielt, der früher irgendwann mal eine Rolle als Superheld hatte, als Birdman eben, und jetzt Theater macht. Und von diesem Birdman aber verfolgt wird in inneren Monologen.
Johannes Franke: Wundervoller Film. Unglaublich. Der tut so, als wäre er in einem Shot gedreht.
Florian Bayer: Ein Fake-One-Shot-Movie.
Johannes Franke: Und wirkt wirklich so und ist wirklich toll gemacht. Also die Schnitte sind wirklich nicht zu bemerken. Ja. Und es entfaltet so eine unglaubliche Kraft, auch was der für Kameratechnik benutzt hat, um Bilder zu schaffen, die eigentlich nicht möglich sind, weil man die Kamera sonst selbst sehen würde im Spiegel und so weiter. Das ist so krass.
Florian Bayer: Er spielt auch ganz toll mit diesem One-Shot-Ding. Wenn man den Film sieht, ist klar, das kann kein One-Shot sein, weil er wirklich ... irre Kamerafahrten hat, um von Szene zu Szene zu kommen. Aber trotzdem alles im Fluss ist, alles bewegt sich und wir laufen größtenteils hinter den Kulissen von diesem Theater rum. Durch die Garderoben an den SchauspielerInnen vorbei.
Johannes Franke: Und in die Proben rein.
Florian Bayer: Die auch ganz toll sind.
Johannes Franke: Fantastische Proben.
Florian Bayer: voller zynischem Humor, voller Albernheiten mit einem großartigen Michael Keaton. Oscar prämiert aus dem Jahr 2014. Unbedingt sehen.
Johannes Franke: Wow. Okay. Dann hätten wir von mir auf Platz, wo sind wir, 3? 3. Hätten wir Molière, der Film über Molière, der fast vier Stunden dauert, wie einfach komplett sein Leben einmal aufge... Ich habe den Regisseur leider gerade nicht im Kopf. der erzählt wirklich wie Molière geboren wird und dann wie sein ganzes Leben Und hat einen riesengroßen Teil, wie er mit seiner Truppe rumreist, alle zusammen das Ding aufbauen, spielen für die Leute, alles wieder zusammenraffen und wir losfahren zum nächsten Ort, um dort wieder aufzubauen und für die Leute zu spielen, wieder zusammenzupacken. Es ist ein Epos.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 2007?
Johannes Franke: Oder älter? Ich glaube, der ist älter.
Florian Bayer: Also ich habe gerade einen Molière aus dem Jahr 2007 gefunden, aber der gibt zwei Stunden.
Johannes Franke: Nee, das ist älter. Das muss irgendwie aus den 80ern sein oder sowas. Oder vielleicht sogar 70ern. Genau, 78.
Florian Bayer: Oh ja, 260 Minuten von Ariane Nuschkin.
Johannes Franke: Ja, genau, genau, genau.
Florian Bayer: Eine Regisseurin?
Johannes Franke: Ja, ein unglaublicher Film. Und ich habe als Kind gesehen und ich war massiv beeindruckend. Ich glaube, das hat auch meine Liebe für Theater.
Florian Bayer: Ich muss einmal ganz kurz gucken, ob ich diesen Film hier finde. Entschuldigung, liebe Zuhörer. Ich dachte, du kennst den Film.
Johannes Franke: Ja, dann würde ich dir den vielleicht mal aufdrücken. Weil der ist wirklich krass.
Florian Bayer: Muss ich nur gucken, dass ich den richtigen finde. Es gibt einen Molière aus dem Jahr 2007, aber das ist dann ja den, den man nicht sehen will, sondern je nach dem Jahr 1978 vier Stunden lang krass. Wow, gibt es leider nur als DVD ihren französischen Import.
Johannes Franke: Also den muss wirklich jeder... Schauspieler gesehen haben. Wirklich, ganz dringend. Also egal, ob man nun Theater spielen will oder nicht, aber du musst als Schauspieler diesen Film gesehen haben, um herauszufinden, auch die Heritage, überhaupt unsere ganze als Schauspieler, wo kommen wir her? Was ist unsere Geschichte als Berufsbild? Einfach der Wahnsinn, absolut der Wahnsinn.
Florian Bayer: wow, cool den muss ich mir auf jeden Fall merken der klingt wie ein Film den ich sehen will Und es wird nirgendwo gestreamt. Das ist eine Katastrophe. Das gehört zu diesen Filmen. Es ist wirklich schwer. Es gibt einige Filme, gerade so Dramen aus den 60ern, 70ern, 80ern. Es ist super schwer, die zu finden. Traurig. Man muss ganz oft einfach illegal auf was Illegales vorgreifen.
Johannes Franke: Aber wäre das nicht die Aufgabe von Netflix? Das haben wir schon mal ein paar Mal gesprochen.
Florian Bayer: Oder wenigstens von Amazon, es gibt die noch nicht mal bei Prime zum Kaufen. Ich würde ja sogar 10 Euro dafür hinblättern, wenn ich ihn digital kaufen könnte. Und es gibt den halt auch nicht als Blu-Ray-Release, weil eine Blu-Ray würde ich mir auch davon kaufen. Da würde ich auch 20 oder 30 Euro dafür ausgeben, wenn es sein müsste. Aber ... Wenn es dann nur eine DVD gibt, die 30 Euro kostet und wo du dann weißt, das ist nicht so eine geile Bildqualität. Weil wenn ich schon so einen Film aus dem Jahr 78 habe und dafür viel Geld ausgebe, dann will ich ordentlich restauriert, dass es zumindest HD ist. Und nicht so ein crappy DVD-Bild.
Johannes Franke: Naja, klar. Okay, aber das klingt wie eine krasse Sehempfehlung.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Cool. Mein Platz 2 ist, und ich glaube, über diesen Film habe ich auch schon mal geredet, aus dem Jahr 2013 The Conquerors von Ari Fulman. Wo Robin Wright, Darstellerin bekannt aus Forrest Gump und aus House of Cards, sich selbst spielt. Was? Als alternde Schauspielerin? die nur noch selten Rollenangebote erhält und die dann auf ein Angebot der Miramont Studios eingeht, das ist so Paramount und Miramax zusammengemixt einmal, sich scannen zu lassen, Und dann einen computergenerierten Avatar von sich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: der dann ewig leben kann, der dann Filmen spielt und dafür kriegt sie halt Geld. Wow. Und dann wird sie halt nicht mehr als Schauspielerin auftreten, sondern eben immer nur noch ihr Avatar. Das ist so der Einstieg in den Film. Und dann spielt der Film 20 Jahre in der Zukunft, wo sie zu dem futurologischen Kongress reist. Das ist die Vorlage, der Fotorologische Kongress von Stanislav Lehm, von einem Science-Fiction-Autoren, einem russischen. der glaube ich am bekanntesten ist für seinen Film Solaris. Der auch mehrmals veröffent wurde.
Johannes Franke: Das klingt total gut. Ich glaube, den muss ich auf jeden Fall sehen.
Florian Bayer: Sie reist dann zu diesem Kongress und dann nimmt sie irgendwelche Drogen und dann ist alles Zeichentrick.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Und dann ist die ganze Welt, dann wird es wirklich zum Animationsfilm. Aha. Und das ist wie so eine Art Matrix. Und sie bricht dann aber auch wieder aus aus dieser Welt und sieht, wie die Wirklichkeit aussieht. Und dann laufen die Menschen einfach nur so wie so Zombies in so einer apokalyptischen Landschaft rum.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist ein wirklich krasser Film, ein merkwürdiger Film, ein wunderschöner Film.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Von Ari Folman, der gerne so ein bisschen mit dem Medium spielt. Der hat auch Walt Swift bei Sheer gemacht. Das war sein bekanntester Film. Dokumentarfilm und Zeichentrickfilm.
Johannes Franke: Aber dann ist der Film noch nicht so alt.
Florian Bayer: The Congress? Ja. 2013.
Johannes Franke: Ah, okay. Wow. Wow. Krass. Okay. Ja, meinen Platz zwei weißt du schon, Birdman. Da kann leider jetzt nichts rein, weil ich nichts mehr habe.
Florian Bayer: Es tut mir leid.
Johannes Franke: Aber dann würde ich jetzt Vorsprung spulen zu Platz 1. Du hast ja dann auch deinen Platz 1, ne? Ja. Okay, mein Platz 1 wird immer auf Platz 1 bleiben. Limelight von Charlie Chaplin. Charlie Chaplin spielt einen gealterten, inzwischen fast vergessenen Clown, der auf der Bühne wahnsinnig viel gemacht hat und sehr erfolgreich war. Und dann eben einfach zurückgezogen lebt. Und dann gibt es eine Tänzerin, eine junge Tänzerin, die... Eigentlich Selbstmord begehen wollte, er rettet sie und aus Dankbarkeit fehlt sie ihm irgendwie so ein... Comeback organisieren, dass alle nochmal zu ihm kommen und nochmal gucken, was er so eine Art Revival-Show, wie das irgendwie hier so fürs Fernsehen manchmal gemacht wird. So, jetzt gucken wir uns nochmal Rudy Carell an, was der alles gemacht hat. So. Und dann ganz tragisches Ende, stirbt dann auch auf der Bühne und sie hat ihre Karriere. Also es ist wirklich...
Florian Bayer: Wir haben schon mal drüber geredet und ich habe damals schon gedacht, ich muss den unbedingt sehen.
Johannes Franke: Unbedingt, unbedingt.
Florian Bayer: Das klingt, als ob sehr viel Inspiration für die Artist gewesen wäre von der Haltung. Also alternder Star, der junge Frau trifft, die ihm nochmal zum Karriereschub verhelfen kann.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Aber er hat schon aufgehört. Ganz, ganz, ganz toller Film. Unbedingt gucken. Limelight. Rampenlicht.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Ich konnte mich nicht ganz entscheiden, aber es ist auf jeden Fall David Lynch. Entweder mal Holland Drive oder Inland Empire.
Johannes Franke: Okay, ja. Bezieht er sich nicht auch auf genau diesen Film?
Florian Bayer: Ja, Mulholland Drive, so beide Filme. David, also ich kannte den Film ja nicht, aber nachdem ich ihn jetzt gesehen habe, kann ich nur sagen, David Lynch zitiert sehr gerne Simon. Und ich kann mich immer noch nicht entscheiden, welchen ich davon nehme. Inland Empire ist der experimentellere Film. der sich mehr mit der Persönlichkeit einer etwas älteren Schauspielerin befasst, die auch so ein bisschen nach einer Art Comeback sucht.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und Mulholland Drive befasst sich eher mit Schauspielerinnen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und dabei im übertragenen Sinne oder auch wörtlich über Leichen gehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Beides tolle Filme, natürlich eher ein experimentellerer, surrealer Zugang zu dem Thema.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber wer sich mit Schattenseiten des Filmbusiness auseinandersetzt und dazu gerne so ein bisschen was Parabolicheres, Symbolicheres hat ... Beide Filme auf jeden Fall eine DK-Empfehlung.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Mulholland Drive ist der leichter zu konsumierende Film. Inland Empire ist der gewagtere Film.
Johannes Franke: Okay. Ja, sehr schön. Dann gucken. Guckbefehl. Ja, dann hätten wir unsere Top 5 diesmal gehabt.
Florian Bayer: Ja, wir haben die Top 5 geschafft.
Johannes Franke: Juhu.
Florian Bayer: Cool. Wir springen zurück zum großen Finale von Sunset Boulevard.
Johannes Franke: Sunset Boulevard. was das fast am meisten zitierte Ding in der Filmgeschichte so ist.
Florian Bayer: Kurz davor haben wir schon großes Drama. Weil sie kriegt halt raus, dass sie das Drehbuch schreiben, dass Joe, ihr Geliebter, eine andere Geliebte hat, und zwar Betty, mit der er das Drehbuch schreibt. Und sie telefoniert dann mit Betty und sagt, fragen Sie doch Joe, was los ist und so.
Johannes Franke: Wissen Sie, wer das ist?
Florian Bayer: Und Joe sagt dann überraschenderweise auch, hey, komm. Und es... Einzige Mal, wo er wirklich ehrlich ist, weil Betty kommt dann und Joe erzählt ihr einfach mal, Die Wahrheit. Ich fand's fast so out of character, was er da macht.
Johannes Franke: Er ist halt von sich selbst völlig angewidert, glaube ich. Von dem, wie er dann feststellt, was er dieses letzten halbe Jahr oder was weiß ich gemacht hat. wie er da reingezogen ist und ich glaube, er ist einfach echt von sich selbst so angewidert, Dass er sich auch sie nicht gönnt, also dass er sie sozusagen sie dann wegschickt und er holt sie ja nur, um ihr zu zeigen, guck mich willst du. Ja, was für ein Schwein ich bin. Und ermöglicht ihr sozusagen dann ein Leben mit Artie, was wahrscheinlich... Wo er wahrscheinlich recht hat, das bessere Leben ist.
Florian Bayer: Definitiv. Und dann ist er aber auch... nicht nur von sich selbst angewidert, sondern auch von Norma und packt ziemlich wütend seine Sachen und knallt ihr auch nochmal gegen den Kopf, dass sie in einer Scheinwelt lebt und dass sie total bekloppt ist und stürmt mit seinem Gepäck raus. Und dann erschießt sie ihn.
Johannes Franke: Und dann kriegt sie ihren großen Auftritt. Ja, dann liegt er da im Pool und dann kommen die ganzen... Reporter und durch all das Blitzgewitter und so fühlst du sich halt dann sehr zurückerinnert. Ich glaube, sie verschwindet einfach komplett in ihrer eigenen Welt, in der die Reporter irgendwelche Kameramänner sind und dann... Bekommt das natürlich der Butler mit, Max, und inszeniert das richtig.
Florian Bayer: Dirigiert nochmal die Light-Action.
Johannes Franke: Licht, Kamera und sagt, und bitte. Und sie schreitet die Treppe runter und sagt dann... oh mein Gott, das ist so toll, wieder am Set zu sein und das ist schön und wir werden einen Film nach dem anderen machen und noch einen und noch einen und noch einen und noch einen. Für immer und immer und immer. Und dann sagt sie den berühmten Satz. Mr. DeMille, ich bin jetzt bereit für meine Nahaufnahme. Das ist der Wahnsinn.
Florian Bayer: Und es ist kein Wunder, dass diese Szene ikonisch geworden ist, dass diese Szene in die Filmgeschichte eingegangen ist. Sie hat es einfach verdient.
Johannes Franke: Das Ironische daran ist, sie geht ja dann auf diese Kamera zu und greift nach der Kamera und Und ihre Nahaufnahme, die sie dann tatsächlich hat am Ende, ist total unscharf.
Florian Bayer: Es ist auch nur noch Wahnsinn in ihren Augen. Das kenne ich wahrscheinlich mehr als Zitat. Und ich habe das Gefühl, dass dieser Wahnsinn wird oft ein bisschen unterschlagen im Zitat und mir die Tragik hervorgehoben. Oder ich hatte es falsch in Erinnerung. Ich hatte es auf jeden Fall, das war eine Szene, die ich einfach kannte, die ich schon gesehen habe. Ich hatte die mehr tragische Erinnerung. Die ist aber einfach nur wahnsinnig. Diese aufgerissenen Augen. I'm ready for my clothes up. Und genau wie sie redet davor schon, genau dieses Nothing Else, It Will Always Be, Picture, After Picture.
Johannes Franke: Und ...
Florian Bayer: Es ist der schiere Wahnsinn, der in ihr zu sehen ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber man hat Mitleid mit ihr. Ja, total. Das ist der Moment, wo man eigentlich komplett vergisst, dass sie die Mörderin ist, weil man hat einfach nur noch Mitleid mit diesem wirklich bedauernswerten Menschen, der komplett in seiner Wahrheit verloren gegangen ist.
Johannes Franke: Und es gab ja auch, also es ist ja nicht umsonst, die Kritik ist ja, und das ist witzig, dass es ausgerechnet in den 50ern schon so war, Weil der erste große Star, jetzt gehe ich wieder zu Chaplin zurück, Entschuldigung. Der erste große Star der Filmwelt war Charlie Chaplin, muss man so sagen. der wirklich einmal von Boulevardpresse so dermaßen zerrissen wurde teilweise und von einem Skandal in den nächsten geschickt wurde. Der hat wirklich viel, viel durchgemacht, was das betrifft. Wie viel berechtigt war und wie viel nicht. Also ich glaube, nichts davon ist berechtigt, weil Presse egal was passiert, niemals sowas machen sollte.
Florian Bayer: Ja, diese Aßgeier, es ist so schrecklich.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Aber dass man sich mal daran, das mal bewusst macht, das, was wir heute an Problemen haben, wenn wir über Britney Spears und so weiter reden. dass es alles in den ersten paar Jahren des Films schon passiert. Es gab den Film ... Wir hatten das letzte Episode, 1895, die ersten großen Aufführungen mit Film. Und nur 30 Jahre später hast du ein Starsystem in Hollywood aufgebaut, Wo du Leute auf ein Podest stellst und gleichzeitig mit Tomaten bewirfst, was unglaublich ist. Wozu sind Menschen fähig?
Florian Bayer: Die Presse liebt diese Geschichten. Götter aufbauen und Götter zerstören und einreißen.
Johannes Franke: Total krass. Und du erfindest ein Medium und machst dann das damit. Das ist total übel. Und da haut natürlich dieser Film voll rein. Und deswegen ist dieser Film auch so aktuell, finde ich. Auch wenn das Spiel, muss man mal sagen, von ihr zwar sehr gut ist, aber... auch heute anders gespielt werden wird. Also der Wahnsinn, den sie spielt. Mit aufgerissenen Augen. Es ist natürlich eine Reminiszenz an Stummfilmen. Weil sie natürlich so spielt, wie man Stummfilm, also groß und so, wie man Stummfilm gespielt hätte. Aber Wahnsinn, in der Form würde man heute anders spielen.
Florian Bayer: Vieles, was der Film inszeniert, würde man heute anders inszenieren. Auch kürzen, auch ein bisschen ... Vielleicht ein bisschen mehr Wärme reinbringen, vielleicht ein bisschen mehr Pathos reinbringen, vielleicht an anderer Stelle Pathos wegnehmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist einfach ein Pacing aus den 50er Jahren. Ich glaube, wir sind damit auch schon so ein bisschen beim Fazit.
Johannes Franke: Ja, ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Da wäre ich nämlich bei sowas ganz allgemein. Es gibt sowas ... Das nenne ich gerne den Citizen Kane Effekt.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob ich das Wort erfunden habe oder ob ich das irgendwo mal gelesen habe. Wenn du einen Film siehst aus der Zeit und du weißt, dass es ein großer Klassiker ist, ein großes Meisterwerk, dann betrachtest du den Film gezwungenermaßen mit anderen Augen. Du bist einmal total beeinflusst von der Kritik, weil du weißt einfach, okay, ich gucke jetzt was, was krass im Kanon verwurzelt ist. Bei Citizen Kane ist das noch deutlich extremer als bei diesem Film. Weil da ja auch in der späteren Filmkritik so ein bisschen überkompensiert wurde, dass er damals so schlecht wegkam und dass er so viele Feinde hatte in der damaligen Zeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es ist immer so, du hast das Gefühl, du siehst einen Film, von dem viele Menschen sagen, das ist der beste Film aller Zeiten. Du hast hier ein absolut kanonisiertes Meisterwerk und du kannst eigentlich nur unterwältigt werden davon. Und das ist nicht nur der Citizen-Kane-Effekt, sondern auch das Citizen-Kane-Problem. Dass man dann dazu neigt zu sagen, oh, aber ich habe eigentlich gedacht, der wäre ein bisschen mehr.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Das habe ich bei diesem Film auch ein bisschen. Nicht besonders stark. Ich sehe die Klasse dieses Films. Ohne Frage. Das ist ein sehr, sehr guter Film. Aber ich kann mich halt nicht diesem Problem entziehen, dass ich weiß, ich gucke jetzt einen Film, der so kanonisiert ist, der in allen möglichen Toplisten ganz weit oben ist. Das Problem hatte ich auch bei Citizen Kane. Ich glaube, das Problem haben ganz viele Menschen bei Citizen Kane. Und er spielt für mich irgendwie so in dieser Liga. Er ist so ein wirkliches Meisterwerk aus der damaligen Zeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es kann nur eine kleine Enttäuschung stattfinden, wenn man ihn sieht. Wenn man sich fragt, warum ausgerechnet dieser Film?
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber gleichzeitig, noch mal betont, es war wirklich ein sehr starker Film. Ich bin total glücklich, dass ich den gesehen habe. Aber ich konnte diesen Citizen Kane-Effekt nicht ganz aus dem Kopf kriegen. Gerade was so amerikanische Klassiker betrifft, habe ich das Gefühl, findet das oft statt.
Johannes Franke: geht dir offensichtlich anders geht mir ganz anders, aber das hat was damit zu tun, dass ich mit dieser Kanonisierung nicht so zu tun habe Mich interessiert das immer nicht, auf welchen Listen irgendwelche Filme stehen. Weißt du, was ich meine?
Florian Bayer: Ich weiß, was du meinst. Und es sollte mich auch nicht interessieren.
Johannes Franke: Ja, es sollte dich nicht interessieren, aber du sitzt dir nicht vor... irgendwelche Listen und erstellst Listen, dass die anderen Leuten sagen, das ist ein guter Film und das ist ein schlechter Film. Du erzeugst den Citizen Kane-Effekt.
Florian Bayer: Das stimmt tatsächlich. Das ist unsere Chance, Kanon aufzubrechen und neuen Kanon zu schaffen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. für die Kritik heutzutage, dass man sich nicht nur auf die Klassiker setzt, sondern auch versucht, versteckte Perlen zu finden. Das könnte der neue Citizen Kane sein. Guckt euch den noch mal genauer an. Vielleicht wurde er sogar von der Kritik verrissen damals. Aber hey, ich erkenne hier Qualitäten, die ... vorher nicht gesehen wurden. Ich versuche euch zu überzeugen, dass diese Qualitäten da sind.
Johannes Franke: Hast du ein Beispiel? The Room.
Florian Bayer: Nein. Zum Beispiel, den du leider verrissen hast. The Fall. der bei der Kritik wirklich nicht gut angekommen ist, der auch kein Citizen Kane ist, den ich aber... als ebenbürtig mit sehr vielen Fantasy-Filmen aus der Zeit sehen würde. Und ich glaube, der hat mehr Aufmerksamkeit verdient und eine bessere Reputation, als er hat. Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Also The Fall finde ich das schlechteste Beispiel gerade leider. Wir haben übrigens über The Fall auch geredet. Hört euch die Episode an.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich schwierig, solche Filme zu finden, weil gerade so Trash-Filme von früher mittlerweile eben auch diese Reputation haben, zum Beispiel letzte Woche. vorletzte Woche, vorvorletzte Woche, haben wir über The Holy Mountain geredet, den du ja auch nicht so mochtest. Und das ist auch ein Film, der damals sehr zwiespältig aufgenommen wurde. Ja. Aber der muss nicht gerettet werden, weil der ist mittlerweile fest im Kanon verwurzelt.
Johannes Franke: Genau, das wollte ich gerade sagen. Du musst ihn nicht retten.
Florian Bayer: Der ist so... Er muss nicht gerettet werden. Und deswegen ist es auch schwierig, solche Filme zu finden, weil mittlerweile, wir leben einfach in einer Zeit, in der der Kanon ein bisschen demokratisiert wurde und deswegen... Für jeden nerdigen Geschmack gibt es die entsprechenden Filme. Aber nochmal gesagt, Sunset Boulevard war ein großartiger Film. ich konnte ihn leider nicht ganz gucken, ohne die ganze Zeit drüber nachzudenken, okay, dieser Film sitzt also in der Top Ten von ... den 100 wichtigsten FilmkritikerInnen.
Johannes Franke: Tja. Roger Ebert war total begeistert.
Florian Bayer: Ja, zu Recht. Absolut zu Recht. Es ist ein starker Film. Tatsächlich war ich überrascht davon, dass... In den 50ern, Anfang der 50er Jahre schon sowas krass, zynisches, bitteres gemacht wird. Das hat mich wirklich überrascht, das hat mich wirklich umgehauen. Ich habe was anderes erwartet, ich habe mehr Drama erwartet, mehr Pathos. Mehr Hollywood und weniger dieses, ich kacke auf die Filmindustrie. Und das hat mich total begeistert. Dass Billy Wilder so mutig war und dass dieser Film so mutig ist, wirklich so dreckig und so böse zu erzählen und auch nicht davon abzuweichen. Ein bisschen in der Liebesgeschichte zwischen... Betty und Joe. Aber ansonsten straightforward Apokalypse der Filmindustrie.
Johannes Franke: Schön, ne? Ja. Ja, ich kann denen gar nicht viel hinzufügen, außer dass ich eben dieses Kanonisierte nicht so im Kopf habe und einfach nur... einfach nur einen großartigen Film sehe. Ich habe auch nichts erwartet. Und so, vielleicht gibt es ein, zwei, nee, mir fällt jetzt gerade keiner ein, aber vielleicht würde mir mit ein bisschen Anstrengung einer einfallen, von dem ich... so viel gehört habe, dass er so toll sein soll und ich dann irgendwie eigentlich nur enttäuscht sein kann. Aber das geht eher mit modernen Filmen mehr so. Wenn jemand, wenn was Neues ins Kino kommt und alle sagen, ah, den musst du unbedingt sehen. Oder eine Netflix-Serie, wo alle sagen, ah, die muss Die ist ganz toll. Passiert mir aber selten. Aber dieser Film ist einfach großartig und ich würde jedem ans Herz legen, den auf jeden Fall zu gucken. Es gibt ja Menschen, die sagen, Schwarz-Weiß-Filme und das ist immer schwierig, weil als Hilfsdruck anders ist und es ist alles vom tempo her ganz anders als ich das gewohnt bin und so und schwierigkeiten damit haben ich finde dass dieser film für ein modernes auge absolut sehr auf jeden fall
Florian Bayer: Er hat ein gutes Tempo, ein gutes Pacing, eine tolle, spannende Geschichte. Und er ist ein erneuter Beweis dafür, warum Billy Wilder zu den größten amerikanischen Richtsöhren des 20. Jahrhunderts gehört.
Johannes Franke: Zu den größten polnischen. Er ist eigentlich Pole gewesen.
Florian Bayer: Ja, aber er hat amerikanische Filme gemacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wie hieß Billy Wilder eigentlich wirklich? Billy Wilder ist doch bestimmt ein... Der hat einen anderen Namen.
Johannes Franke: Ja, ja. Mit Sicherheit.
Florian Bayer: Samuel Wilder.
Johannes Franke: Ah ja.
Florian Bayer: Und er ist in Österreich-Ungarn geboren.
Johannes Franke: Ups. Okay, aber der war in Polen zwischendurch.
Florian Bayer: Sohn jüdischer Eltern, genau. Sein Vater, Max Wilder, betrieb in Krieg. Krakau, das Hotel City, so wie mehrere Bar und Hofsrestaurants in der Umgebung.
Johannes Franke: Ja, und dort hat er sich dann angefangen für amerikanische Filme zu interessieren und ist dann rüber gemacht. Das ist so witzig, weil Billy Wilder tatsächlich ...
Florian Bayer: mit das amerikanischste Kino macht aus der damaligen Zeit. Wenn ich an Billy Wilder denke, denke ich ganz klar an amerikanisches Kino.
Johannes Franke: Und man muss aber auch dazu sagen, und das ist ja auch so, der Max, der Schauspieler Schorheim, der ist ja auch ... ich glaube Deutscher gewesen oder wenigstens aus dem deutschen Sprachraum gewesen. Also es gibt ja in dieser Zeit so wahnsinnig viele deutsche Namen im amerikanischen Kino. Ganz viele Regisseure, ganz viele Schauspieler, auch Drehbuchautoren. die in Hollywood gearbeitet haben, die aus Deutschland kamen. Das hat halt einfach damit zu tun, dass wir irgendwann mal ... Zu einer glorreichen Zeit, bevor die Nazis alles kaputt gemacht haben, einfach ganz tolle Filmnationen waren. Und wir das nie wieder so richtig geschafft haben, das aufzuholen.
Florian Bayer: In den 20ern war Deutschland fast so das Epizentrum, was Kino betrifft, sowohl was experimentelles. als auch was episches, monumentales Kino betrifft.
Johannes Franke: Traurig.
Florian Bayer: Ja, richtig traurig.
Johannes Franke: Aber darüber haben wir auch schon mal geredet.
Florian Bayer: Ja, Erich von Stroheim gehört einfach zu den Exzellenten, der geflohen ist vor den Nazis.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann in Amerika. viel gedreht hat. Wilder Regisseur. Tatsächlich ein Regisseur, von dem ich ...
Johannes Franke: Ich habe von dem auch nichts gesehen. Ich habe die Liste auch durchgeschaut und habe nichts davon gesehen jeweils.
Florian Bayer: Hier kommt mir zumindest dem Titel nach bekannt vor, das ist wohl einer seiner bekanntesten Filme aus dem Jahr 1924.
Johannes Franke: Naja, wir haben einen Haufen Elite verloren durch irgendwelche Idioten. Ja. Das macht Belarus übrigens auch gerade. Nur so, weil ich gerade den Film gesehen hatte. Es gibt einen Dokumentarfilm über Belarus, über die Situation in Belarus. Ich habe ihn am Sonntag gesehen. Ganz, ganz emotional auffühlender, aber wahnsinnig guter, wichtiger Film. Wo zu sehen? Ist halt independent, das weiß ich nicht ganz, der hat kein großes Release, aber in 21 Städten in Deutschland... aber welche Kinos das genau sind, aber man kann es googeln. Ich habe den Namen auch jetzt gerade nicht ... Moment, so viel müssen wir unseren ZuhörerInnen ...
Florian Bayer: Geben. Courage?
Johannes Franke: Ja, Courage, genau. Der Film heißt Courage und verfolgt Schauspieler in einer Theatertruppe, die da mehr oder weniger im Untergrund Theater macht. die immer wieder irgendwo in kleinen Rahmen mit so 30 Zuschauern oder sowas Theater machen und zwar politisches Theater machen. Und die dann regelmäßig einfach, wo das Publikum und die Schauspieler regelmäßig verhaftet werden.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Und dann irgendwie eine Weile im Gefängnis sitzen und dann wieder rauskommen, wenn sie Glück haben.
Florian Bayer: Lief auf der Berlinale von Alex... Alexei Palujan.
Johannes Franke: Alexei Palujan. Und der ist einfach wahnsinnig gut... montiert und die Kamera war wahnsinnig gut und die haben das mit so einem Risiko gedreht. Die waren wirklich in Belarus und haben diese Leute beobachtet und die meisten davon sind auch im Exil inzwischen. Oder sitzen im Gefängnis. Die haben 550 politische Gefangene, die offiziell als politische Gefangene von Amnesty International geführt werden. 550. In den letzten anderthalb Jahren sind da so 350 dazugekommen oder sowas. Ich weiß nicht, als vorher waren es weniger, sehr viel weniger. Die inoffiziellen Zahlen liegen über die 1000. Und das ist wirklich krass, was Lokaschenko da gerade macht. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Das ist wirklich übel.
Johannes Franke: Und ich würde jedem empfehlen, entweder diesen Film irgendwo ausfindig zu machen und zu gucken, um sich über die Situation in Belarus zu informieren, die letzte Diktatur in Europa. halt gibt und die unter aller unter aller augen irgendwie passiert und wir haben kaum eine Chance, irgendwas zu machen eigentlich. Also als EU politisch, ja, wir machen auch ein bisschen was, Sanktionen, Wirtschaftssanktionen. Funktioniert aber auch nur bedingt, weil die natürlich die Partner im Osten haben, Russland und die Ukraine hängt ganz stark ab. Weil Ukraine wäre ein guter Partner für die EU, zu sagen, wir machen Wirtschaftssanktionen. Aber Ukraine hängt zu sehr... von Belarus wirtschaftlich ab, als dass die irgendwelche Sanktionen umsetzen könnten.
Florian Bayer: Zumal die Ukraine auch ihre eigenen Sorgen hat gerade nur. Das sowieso. Die haben ja auch noch ihren eigenen Konflikt, von denen sie sich noch nicht erholt haben, die immer noch laufen.
Johannes Franke: Aber immerhin ist die Ukraine westlicher orientiert und hat genug Partner, die es vielleicht mit... tragen würden, aber die sind einfach wirtschaftlich zu abhängig. Es ist wirklich eine krasse Situation. Man kann eventuell, wenn man sich da ein bisschen einarbeitet, den Leuten im Gefängnis Briefe schreiben. Das sagen sie, das ist das, was man machen kann, um die Moral oben zu halten. Um den Leuten zu sagen, wir vergessen euch nicht im Gefängnis. Weil das ist die größte Gefahr für diese Leute. Die werden einfach inhaftiert und dann vergisst die Welt sie.
Florian Bayer: Das ist so traurig, ja. Diese politischen Gefangenen, die dann auch keine Chance haben, weil sie einfach mal allein gegen das System kämpfen.
Johannes Franke: Ja, und dann bist du halt, solange du draußen bist, kannst du ein bisschen was machen und dann, wenn du auch nur einen falschen Schritt machst und sie dich kriegen. Ja, bist du weg vom Fenster.
Florian Bayer: Alexey Palujan, Courage. Wir schließen unser Segment mit einer ganz aktuellen Filmempfehlung. Finde ich schön.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall gucken.
Florian Bayer: Und dann machen wir eine kleine Pause und hören uns danach zu Außeratem von Jean-Luc Godard. Bis gleich.
Johannes Franke: Bis gleich. Da sind wir wieder.
Florian Bayer: Auf der Suche nach Molière aus dem Jahr 1978.
Johannes Franke: Hast du den immer noch nicht gefunden?
Florian Bayer: Nee, es gibt eine DVD auf Amazon als französischer Import für 30 Euro.
Johannes Franke: DVD, du wolltest eine Blu-Ray.
Florian Bayer: Ja, DVD und französischer Import klingt so sehr nach Französisch mit französischem Untertitel und dazu reicht mein Französisch leider nicht aus.
Johannes Franke: Ja, meinst du auch nicht? Vielleicht hat mein Papa den noch auf VHS.
Florian Bayer: Oh, haben wir einen VHS-Player? Mein Papa hat ein liebes Publikum. Bevor es Netflix gab, gab es Blu-Rays. Bevor es Blu-Rays gab, gab es DVD. Und davor gab es etwas, das nennt man Videokassette. Ein analoges Medium, wo Filme auf einem Band gespeichert wurden.
Johannes Franke: Ja, und wer das noch erklären kann, wie das funktioniert hat, der kriegt 100 Punkte. Ich bin gespannt auf die Mails.
Florian Bayer: Aber wir bleiben in Frankreich.
Johannes Franke: Ja, lass uns in Frankreich bleiben. Und zwar im Jahre 1960, wenn ich das richtig erinnere.
Florian Bayer: In einer der aufregendsten Zeiten für den französischen Film, der Nouvelle Vague.
Johannes Franke: Und um das vorauszuschicken, weil wir gerade dabei sind, tatsächlich aufregend. Ich habe den Film geguckt und habe gedacht, wow, aufregend.
Florian Bayer: aufregend.
Johannes Franke: Ja, das ist so eine Zeit, wo man denkt, okay, da geht was los. Führ mal in den Film ein, Floor.
Florian Bayer: Eine gewisse Tendenz im französischen Film war es, die der Filmkritiker François Truffaut in seinem gleichnamigen Essay 1954 scharf kritisierte. Es ging um die Monotonie des französischen Kinos, die fehlende Individualität, die Angst vor dem Experiment. Truffaut wünschte sich eine neue Art von Kino. und leitete damit die Nouvelle Vague und den französischen Autorenfilm ein. Es sollte sechs Jahre dauern, bis sich dieser explosionsartig im europäischen Kino durchsetzte. Neben Truffauts »Sie küssten und sich schlugen ihn« zählt die Gangsterballade außer Atem von seinem Wegbegleiter Jean-Luc Godard zu den großen Klassikern des Auteur- und Nouvelle-Vague-Films. Außer Atem aus dem Jahr 1960 besitzt alle Inkredenzien eines jungen, wilden Debütfilms. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen dem sich auf der Flucht befindenden Mörder Michelle und der amerikanischen Studentin und Journalistin Patricia. Sowohl deren Affäre als auch die restliche Geschichte des Films ist trivial, könnte ebenso dem amerikanischen Film-Nor und B-Movie-Pipe entsprungen sein. Zum Ereignis wird Aboudesuv, Entschuldigung, durch seine Sprache. Ein hektischer, innervierender Trip durch das Paris der 50er Jahre. Zwischen schäbigen Hotels, chaotischen Straßen und zwielichtigen Hinterzimmern. Immer gehetzt, immer am Abgrund balancierend, garniert mit einem großartigen Jazz-Score, berühmt gewordenen Jump-Cuts und Asynchronitäten. Und dank seiner ebenso lässigen wie wilden Art auch heute noch eine verflucht coole Mischung aus Palp und Nihilismus, philosophischem Liebestrama und schmutzigem Ganovenstreich. Oder siehst du das anders, Johannes?
Johannes Franke: Was soll ich daran anders sehen? Ich finde, der Film hat einen ganz eigenen Charme irgendwie. Aber ich glaube... Das verdient der Film vor allem dadurch, dass er nicht die Möglichkeiten hatte wie heute. Weil mich nerven diese Filme eigentlich. die heute gemacht werden, wo man kein Drehbuch hat, wo man sich einfach in den Raum begibt und der Regisseur sagt, ich habe da irgendwie eine... Irgendeine Idee habe ich, aber ich weiß überhaupt nicht, wie ich die formulieren soll. Macht mal. Dann machen die Schauspieler irgendwas. Der Typ, der sich Regisseur schimpft, schneidet am Ende irgendwas im Schnittraum zusammen und sagt ... Oh ja, passt ja doch ganz gut zusammen. Was ich irgendwie echt... Nee. Ich meine, es gibt... bestimmt gute Filme, die da entstanden sind. Und ich weiß auch, dass es ein paar gute Filme gibt. Ich habe auch welche gesehen. die in dieses Mumblecore von dieser Berliner Szene reinpasst. Aber ich finde, dass dieser Film... Gerade dadurch, dass er einer der Ersten ist, die das so gemacht haben. Und auch irgendwie so ein ... Der versprüht Aufbruchsstimmung. Und das find ich toll. Und ... Dadurch, dass er die technischen Möglichkeiten nicht hatte zu sagen, wir gehen jetzt irgendwie überall hin und machen irgendwas, irgendeinen Scheiß. Obwohl das dir das Ansinnen war eigentlich wahrscheinlich. Hat da irgendwie mehr Hirnschmalz drin, als die meisten, die das heute so machen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dadurch funktioniert er.
Florian Bayer: Das ist doch schon mal ein schöner Einstieg. es ist tatsächlich spannend, wie dieser Film entstanden ist und man kann sich wahrscheinlich lange drüber streiten, wie viel gewollt ist.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Von dem Regelbruch, Jean-Luc Godard hat selbst gesagt, er will einen Film machen, der Filmregeln bricht. Aber der zweite Aspekt ist natürlich auch, wie viel davon tatsächlich durch ... Produktionsbedingungen, durch wenig Geld entstanden ist.
Johannes Franke: Ja, eigentlich will ich das gar nicht so genau wissen, weil es mir den Film wieder kaputt macht. Weil ich es gar nicht so geil finde, wenn man am Ende im Schnitt merkt, der Film ist eine halbe Stunde zu lang, ich muss da irgendwie ein bisschen was rauskürzen. Und dann ein Stilmittel erfindet quasi, was aber nur aus der Not geboren ist. Und man sich denkt, naja, aber vielleicht hat er sich auch... Es wäre viel schöner gewesen, wenn er sich das vorher überlegt hätte, genau.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich ja die Geschichte des Films, ne? Film war zu lang, eine halbe Stunde. Und dann hat Jean-Luc Godard auch sich so Kopfkratzen drauf geguckt und hat seinen... Freund und Wegbegleiter. Es gab damals eine große Szene um diesen Nouvelle-Va-Künstler. Jean-Pierre Melville, der auch Gangsterfilme gedreht hat. Hat er einfach mal gefragt, was sagst du dazu? Und er hat gesagt, oh Gott. ach, das ist viel zu lang. Mach mal alles raus, was den Film langsam macht. Und er dachte natürlich an einzelne Szenen. Und Jean-Luc Godard ist dann so drangegangen, dass er nicht ganze zehn Blöcke rausgenommen hat, sondern hier mal drei Sekunden rausgeschnitten, da mal drei Sekunden, plopp, plopp, plopp, plopp. Und daraus entsteht ein Das ist ein unglaublich schneller, innervierender Stil. Dadurch entstehen diese Jump Cuts, diese sehr bewussten Jump Cuts, diese Momente, wo du einfach das Gefühl hast, da reißt eine Szene ab. Da reißt ein Moment ab und es kommt ein neuer Moment. Du siehst ein Auto, das vorbeifährt während eines Dialoges. Und dann löst sich das Auto auf, weil halt einfach wieder in diese selbe Szene reingeschnitten wird und der Dialog einfach weitergeht. Es wurde alles gedubbt in der Post-Production. Das heißt, wir hören nichts vom Set, was eben auch ... dem geschuldet ist, dass sie einfach kein Geld hatten und dass sie einfach nicht die Produktionsbedingungen hatten, um vernünftigen Ton aufzunehmen. Vor allem eben, weil sie im lauten Paris unterwegs waren in den Straßen.
Johannes Franke: Das eigentliche Problem ist viel spannender. Das eigentliche Problem war die Kamera, die zu laut war.
Florian Bayer: Die Camflex.
Johannes Franke: Genau. Und das finde ich wieder toll und auch wieder spannend. Weil der Kameramann, den sie hatten, der wollte ja eigentlich einen anderen Kameramann haben, mit dem er vorher schon gedreht hat. Aber die Produktion, die irgendwie das an sich gerissen hatte, hatte gesagt, nee, wir brauchen den anderen, den hatten sie auch unter Vertrag. Und der hat wirklich Wunder mit diesem Film geschafft. Also muss ich wirklich sagen, die haben kein Licht gehabt. Die haben keine großen Aufbauten machen können. Ja. Und dann erfinden die auch noch eine völlig neue Aufnahmemöglichkeit, indem sie eigentlich einen Fotofilm benutzen für eine Filmkamera. Total krass.
Florian Bayer: Raoul Coutar hieß der Kameramann.
Johannes Franke: Der ist 2016 gestorben, glaube ich. Und das war auch so ein großes Ereignis.
Florian Bayer: Der ist genau, 2016 ist er gestorben. Und das Krasse ist halt tatsächlich, sie haben eben mit dieser Kampfflex, mit dieser Schulterkamera gearbeitet.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und sie haben deswegen auch ein Bild, was ständig in Bewegung ist. Sie hatten kein Geld für einen Dolly, deswegen hat Jean-Luc Godard den... Kameramann teilweise in den Rollstuhl gesetzt und durch die Gegend geschoben.
Johannes Franke: Und das in den 60ern, Anfang, weißt du, 1960. 1958 haben, glaube ich, die Dreharbeiten angefangen.
Florian Bayer: Ah ja, stimmt. Und in den 50ern.
Johannes Franke: Und dann hast du so Methoden, die heute so Studenten benutzen, weißt du? Total krass.
Florian Bayer: Guerilla-Style. Sie haben auch teilweise ohne Drehgenehmigung getreten. Die haben nichts auf der Straße getreten. gedreht. Man sieht teilweise Originalpassanten, die einfach überrascht reagieren, dass sie da Gene Sieberg und Jean-Paul Belmondo durch den Film stapfen sind. Die waren beide damals nicht gut. nicht groß bekannt. Also gerade Jean-Paul Belmondo, der den Protagonisten spielt, den Michel. Der war damals noch kein Star. Aber er ist genau durch diesen Film zum Star geworden. Und Gene Sieberg, die damals eben in Amerika nicht so wirklich Erfolg gehabt hat, Die aber schon teuer genug war. Tatsächlich war sie das teuerste an dem ganzen Film. Aber die nochmal in Frankreich ihr Glück versuchen wollte, war auch noch kein großer Star. Aber auch sie wurde durch diesen Film berühmt.
Johannes Franke: Krass, ne? Wow. Also ich mag sozusagen diesen Entdeckergeist und dieses Problem. Bedürfnis danach, was anders zu machen und auch einfach loszulegen, finde ich ganz toll. Vor allem eben in dieser Zeit. Wie gesagt, heute nervt es mich ein kleines bisschen mehr, weil heute könntest du ... viel mehr machen, was viele einfach dann nicht machen.
Florian Bayer: Dabei war es ja tatsächlich so, es gab schon eine Geschichte. Das Ganze beruht auf einem Originalkriminalfall. Ist natürlich sehr frei interpretiert, aber es gab ein Drehbuch... Entwurf und zwar von Truffaut. Zusammen mit Claude Chabrol, der auch einer von den Großen der Nouvelle Vague ist.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Und die konnten sich nicht so richtig drauf einigen, wie diese Geschichte aussehen soll. Und die haben da wohl ewig dran rumgeschrieben und waren unzufrieden und hatten, wahrscheinlich war es in den Anfängen so eine klassische Truffaut-Geschichte. Truffaut war eher so der Romantiker der Nouvelle Vague. Und dann hat Godard das gelesen? Und dem hat es gefallen. Und der hat dann gesagt, na ja, doch, daraus würde ich gerne einen Film machen. Und hat dann einen Produzenten davon überzeugt. Und hat dann an dem Drehbuch weitergearbeitet.
Johannes Franke: Aber er hatte, glaube ich, die Unterstützung von Trifor. Trifor hat ja irgendwie mehr oder weniger protektioniert
Florian Bayer: Er hat sich sehr draufgesetzt auf diese beiden Namen, dass Truffaut und Chabrol ihm zu dir geholfen haben. Die meinten beide... im Nachhinein so, naja, so viel haben wir jetzt auch nicht da gemacht. Truffaut hat nochmal gesagt, das war eigentlich kein Truffaut-Film, das war ein Godard-Film. Und das entspricht ja auch dem Gedanken der Nouvelle Vague, weil die Nouvelle Vague, was ganz wichtig war bei dieser französischen Bewegung, war eben das Auteur-Prinzip. Das war das, was Truffaut wollte. Und zwar, dass der der Regisseur des Films auch gleichzeitig sich um die Kamera kümmert und um das Drehbuch kümmert, dass der das Fest in der Hand hat. Weil... Anfang der 50er-Jahre war es so, der französische Film war erfolgreich, hat viele erfolgreiche Filme gedreht, aber es gab eben dieses Studioprinzip.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Was wir heute auch sehen im Kino. Was sich eigentlich auch durchgesetzt hat, wie Filme heute funktionieren. Und Truffaut hat gesagt, okay, es gibt aber irgendwie nur so fünf bis zehn Drehbuchautoren in Frankreich. Und deswegen wirken alle Filme gleich. Weil wenn 100 Filme von 5 bis 10 Leuten gemacht werden, dann haben die keine eigene Sprache. Und wir brauchen Filme, die individuell sind, wo man sieht, diese Person hat das gemacht. Darüber kann man auch streiten, ob das tatsächlich das Ideal für einen Film ist. Ich bin ein großer Fan von Zusammenarbeit und ich glaube, in Kollaboration kann Tolles entstehen. Aber gut, da hat ein Drehbuch von jemand anderem genommen, aber hat das offensichtlich so zerfleddert, dass davon nicht mehr... der viel von Truffaut oder Chabrol zu sehen ist. Es ist einfach, es ist ein ganz anderer Film geworden.
Johannes Franke: Ja, Er hat ja auch anscheinend morgens die Dialoge geschrieben für den Tag. Also, wo auch kein Schauspieler, also ich als Schauspieler, würde ihm sowas von dem Vogel zeigen. Aber das hat Belmondo anscheinend auch.
Florian Bayer: Er hat die Dialoge den Leuten, seinen Schauspielern zugerufen. Bevor sie angefangen haben zu drehen, wirklich, so nächste Szene, Gene, du musst das hier sagen. Jean, das, genau, genau. Ja, sie mussten es einfach auch nachsynchronisieren. Ja, so viel. Man stellt sich das vor, dass Gene Sieberg und Jean-Paul Belmondo da stehen und sehen dann, den Kameramann, der die Kamera geschultert hat und von Godard in den Rollstuhl geschubst wird und dann geschoben wird und er schreit währenddessen ihnen zu, was sie reden sollen. Wie zu erwarten war, weder Gene Sieberg noch Jean-Paul Belmondo sind davon ausgegangen, dass das ein guter Film wird. Die haben erwartet, dass das totaler Rotz ist, den sie da drehen. Durch die Bank. Die waren nicht davon überzeugt, dass dieser Film auch nur irgendwie Erfolg haben könnte.
Johannes Franke: Hätte ich auch nicht. Woran machst du fest, dass das ein guter Film werden kann?
Florian Bayer: Ich kann mir auch vorstellen, dass das sich beim Dreh komplett anders angefühlt hat, als das, was später rausgekommen ist. Die hatten wahrscheinlich unglaublich lange Dialoge. Man sieht das später in diesen Szenen, die mit den Jump Cuts geschnitten sind vor allem. die berühmte Hotelzimmer-Szene, wo Gene Seeberg und Jean-Paul Belmondo ganz lange in so einem Katz-und-Maus-Spiel umeinander rumschleichen. Er will mit dir Sex haben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: sie weiß nicht genau, was sie von ihm will. Es ist nicht so ganz sicher, wie ihre Intentionen sind. Und sie unterhalten sich über Philosophie, Über Literatur und über Sex. Sie reden über Belanglosigkeiten. Und das war wahrscheinlich... Viel zu viel Material. Das war wahrscheinlich endlos lang. Und in dieser Hotelzimmer-Szene sind dann natürlich mit die berühmtesten Jump Cuts entstanden, wenn sie da sitzen und reden. Und dann kommt der Schnitt, wie er im Bad steht und sich die Zähne putzt und es geht einfach nahtlos weiter. Der Dialog wird weitergeführt, obwohl sie an unterschiedlichsten Orten sitzen währenddessen. Es wechselt auch teilweise ganz krass von der Totalen in die Nahen. Es war wohl unglaublich eng. in diesem Hotel zu machen. Es war kein Platz da.
Johannes Franke: Die haben auch kein Licht aufgebaut. Also die hatten ja auch kein Licht, aber sie waren dann auch sehr froh, dass sie kein Licht hatten, weil das... den Raum noch vollgestellt hätte und sowieso kein Platz war.
Florian Bayer: Aber es ist so eine fantastische Szene daraus geworden. Also wenn ich zu meinen liebsten Szenen der Filmgeschichte gefragt werde, ist Eine der ersten Szenen, die mir in den Kopf kommen. Einfach, weil so viel passiert in dieser Szene, weil die so wild ist und weil die auch so rau ist. Und teilweise auch dreckig und sie hat immer diese absolut banalen und trivialen Momente, auch wirklich so dieses Hässliche, dass er sie versucht zu verführen und ständig immer wieder an ihrem Rock rum. spielt und immer wieder sagt, so, jetzt lass uns doch endlich mal Sex haben. Obwohl sie schon zehnmal gesagt hat, ich hab keinen Bock da drauf. Aber dann reden sie halt über Faulkner. Und dann reden sie über amerikanische Literatur. Und dann reden sie über ... Über die Trauer und... klassische nihilistische Themen. Wenn ich mich zwischen dem Nichts und der Trauer entscheiden sollte, dann nehme ich doch lieber die Trauer. Und wenn ich mich zwischen dem Leiden und dem Nichts entscheiden sollte, dann nehme ich doch lieber das Leiden.
Johannes Franke: Ein bisschen pretentious ist der Film schon auch, ne? So hier und da, muss man schon sagen. Aber die Figur ist auch sehr pretentious, muss man sagen. Belmondo ist einfach, die Figur ist so dermaßen pretentious. Der steht vor Bogart. Und versucht zu ihm zu imitieren und macht sein ganzes Leben. Diese Lippenbewegung.
Florian Bayer: Natürlich auch ganz klassisch geworden durch diesen Film, nicht? Der Daumen streicht über die Lippen. Das wird... Ganz oft zitiert, gerade wenn es darum geht, irgendwie so coole Typen zu zeigen. Ich glaube, wir sind ganz schnell schon bei unserer Top 3.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Du hattest die Top 3. Achso, Jingle?
Florian Bayer: Jingle.
Johannes Franke: Unsere Liste. Du hattest die Top 3. Coole Typen.
Florian Bayer: Coole Typen im Film. dazu zu sagen, wir können nachher nochmal drüber reden, ob Jean-Paul Belmondo in dieser Rolle des Michel ein cooler Typ ist.
Johannes Franke: Ja, darüber müssen wir jetzt reden, Flor. Wir können da nicht in die Top 3 gehen, ohne zu wissen, ob das wirklich ein cooler Typ ist. Und ich würde sofort sagen, nein.
Florian Bayer: Nein. Ich hatte auch eine ganz bestimmte Form von Coolness im Kopf. Ich hätte es, glaube ich, noch ein bisschen erweitern sollen. Und zwar geht es wirklich um so Stil beim Auftreten.
Johannes Franke: Stil beim Auftreten?
Florian Bayer: Das hat er auch nicht. Findest du nicht? Ich finde, er hat diese Mischung aus so ein bisschen Punk. Ein Gauner?
Johannes Franke: Ganova? Ja.
Florian Bayer: Und so ein bisschen legere Coolness mit seinen Kippen, die er halt zu halbem Mond hat, wenn er dann in die Kamera guckt und sagt, ach, fickt euch doch alle. Und gleich am Anfang, wenn diese Fahrt im Auto ist und er mit dem Publikum redet, irgendwie so als Mischung aus coolem Macho, Klischee-Macho daherkommt.
Johannes Franke: kommt.
Florian Bayer: Und der ganz alten Schule.
Johannes Franke: Also er hat wirklich so, also dieser Auftext, den er da hat, dieses Film-Noir-Ding, äh, Ich rede über mein Leben. Ich bin ein voller, harter Typ. Und Frauen sind nur für Sex und Küche da.
Florian Bayer: Es ist so witzig, aber es spielt natürlich mit diesen Klischees. Er ist totaler Loser inszeniert. Er ist eigentlich der Verlierer. Aber ich finde, es ist wirklich so ein ganz banales Ding, Klamotten, seinen Blick, seine Art zu reden und zwar nicht das, was er sagt. Das, was er sagt, ist größtenteils totaler Müll. Aber die Art, wie er es sagt, halt wie gesagt, so eine Kippe im Mundwinkel hängen, irgendwie so lässig und mir kann keiner was, weil es mir scheißegal ist, ob ich lebe oder sterbe. Und das ist eine Art von sehr antiquiertem Stil. Und ich glaube, die habe ich ein bisschen auch gesucht, als ich meine Typen zusammengestellt habe. Irgendwie so eine Form von Coolness, die eigentlich eine Illusion ist. Die aber sehr schön anzusehen ist und der man auch nicht unbedingt nacheifert.
Johannes Franke: Aber die man genießt, wenn man sie sieht. Okay, verstehe. Ja, dann muss ich mal meine Liste nochmal durch überlegen, was ich da so, welche, weil ich hab ja viele, relativ viele. Was da reinpassen könnte noch, was genauer reinpassen könnte? Ähm, dann fang du doch, also ich muss anfangen, ne? Verdammt, ach, Mist. Ähm, ich hätte gerne dann einfach auf Platz 3, damit es einmal gemacht ist, Casablanca.
Florian Bayer: Oh ja, siehst du genau.
Johannes Franke: Es ist natürlich Bogart.
Florian Bayer: Genau sowas. Das ist auch so ein antiquierter Typ. Das ist auch ein Sexist. Ja, absolut. Auch ein Macho und er ist aber der Held. Genau.
Johannes Franke: Und der hat eine Coolness, die einfach, also Bogart war ja tatsächlich, ich habe mir jetzt vorhin nochmal ein bisschen was über Bogart reingezogen, weil ich den so krass finde. Der hat ja, bevor er richtig bekannt wurde, schon sehr viele Filme gedreht. mit Studiosystemen. Das heißt, er war einfach fest engagiert vom Studio und hat immer wieder in Filmen mitgespielt, die da gerade gedreht wurden. Ja. In kleineren Gangsterrollen oder größtenteils Gangsterrollen.
Florian Bayer: Detektive auch viel. Aber dann erst später.
Johannes Franke: Also bevor so Casablanca und noch bevor der Malteser Falke war, hat er eben nur diese Gangster, fast ausschließlich diese Gangster gespielt. mal mehr, mal weder groß. Und dann kam halt der Malteser Falke und dann kam Casablanca und so und das hat ihn halt nach oben gebracht. katapultiert, richtig. Und dann war er so irgendwie einfach abonniert auf diese... Auf diesen einen bestimmten Typen irgendwie. Und man fragt sich, hat der überhaupt gar keine Varietät? Also kann der nur das? Aber irgendwie ist er in dem, was er da tut, einfach richtig gut. Muss man sagen.
Florian Bayer: Diese coolen Anti-Helden.
Johannes Franke: Und er hat, es ist schon so auch dass er wirklich ein guter Schauspieler ist. Nicht in der Varieté, also nicht, dass er irgendwie so wahnsinnig breit gefächertes Ding hätte, aber er hat Augen... Die alles erzählen können. Wirklich, wenn man ihn in einer emotionalen Szene hat, der kann alles mit Augen erzählen. Das war wirklich toll. Also wirklich guter Schauspieler in dem Bereich. Vielleicht.
Florian Bayer: Er bringt halt immer so ein bisschen, so eine gewisse Melancholie mit in die Rollen.
Johannes Franke: Ja, genau. Und den Bruch, der irgendwie immer irgendwie im Charakter ist. Und das hat er wirklich gut hingekriegt. Das war ganz toll. Und ich glaube, deswegen ist er auch so bekannt geworden dann, weil er einfach immer es geschafft hat, der Rolle eine Tiefe zu geben, allein dadurch.
Florian Bayer: Ich glaube auch, weil er einfach cool aussah. Das ist das, was ich mit coolen Typen meine.
Johannes Franke: Aber er ist nicht der klassische Schönling.
Florian Bayer: Nee, nicht Schönling, aber er ist ein cooler Typ. Das ist auch so eine Form von Eskapismus, dass man solche Leute sieht im Kino. Und natürlich weiß, dass man sich nicht so verhalten will. was total in der Realität sozial total geächtet wäre. Ja. Aber es gibt bei mir zumindest so eine gewisse Sehnsucht danach. Ich weiß nicht, ich genieße das einfach, diese Typen zu sehen.
Johannes Franke: Ja, okay. Ich habe jetzt gar keine honorable mentions gemacht. Das würde ich gerne am Schluss machen, wenn ich festgestellt habe, welche ich in die Liste gepackt habe. Wenn du möchtest, kannst du das auch machen oder du machst die jetzt?
Florian Bayer: Ich würde mit meinen zwei Honorable Mentions starten.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und zwar einmal Schäft
Johannes Franke: Schärft, oh mein Gott.
Florian Bayer: Das sind 70er Jahre, 1971, die große Zeit des Blaxploitations-Films.
Johannes Franke: Krass, Mann.
Florian Bayer: wo schwarze Themen im Independent-Kino zumindest einem größeren Publikum bekannt wurden. Und diese Filme sind oft voll von coolen Typen. Und Scheft war wahrscheinlich einfach der coolste davon. Ein Detektiv, der einfach ... Ja, so eine Mischung aus James Bond und ein bisschen Humphrey Bogart, aber in schwarz ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und der sich halt in New York irgendwie durchschlägt mit Gangstern und mit Mafialeuten und ja, dabei ziemlich erfolgreich ist. Irgendwie so Sex and Crime. Und meine zweite Honorable Mention, ich hoffe, ich nehm dir damit nicht irgendwas weg, ich befürchte, ich nehm dir mal weg, aber es steht da einfach jeder zweite Tarantino-Charakter.
Johannes Franke: Ich habe hier aufgeschrieben, jeder Tarantino. Egal ob Bösemicht oder Held. Die sind einfach alle coole Typen. Tarantino ist abonniert auf sowas.
Florian Bayer: total orientiert an diesen coolen Typen, über die wir gerade reden. Tarantino hat sich orientiert an Chef, Tarantino hat sich orientiert an Belmondo. Das war sein Kino.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Platz drei.
Johannes Franke: Platz drei.
Florian Bayer: Jeff Lebowski, the dude aus The Big Lebowski. aus dem Jahr 1998. Eine Zuhörerin hat uns einmal auf diesen Film kurz angesprochen und gemeint, sag doch mal kurz was dazu. Und da meinte ich, ja. Toller Film, vor allem wegen seines coolen Protagonisten Jeff Bridges, der die ganze Zeit im Bademantel oder in einer Jogginghose rumläuft. Und was trinkt er? White Russian?
Johannes Franke: Ja, White Russian, genau.
Florian Bayer: Die ganze Zeit und er ist irgendwie immer ein bisschen verpeilt. Aber er ist immer cool dabei.
Johannes Franke: Mit Sahne oder mit Milch?
Florian Bayer: Das war doch immer die Frage. Es war doch immer... Der Klassiker wird eigentlich mit Sahne getrunken. Aber er trinkt ihn mit Milch. Und ich finde Milch auch irgendwie cooler. Wahrscheinlich nur wegen ihm.
Johannes Franke: Okay. Das ist nichts für die Kasse. Okay. Dann Platz zwei. So, mein Platz zwei. Jetzt muss ich da drin mal... Das ist schon wieder so eine unnummerierte Liste. Ja, es ist immer unnummeriert. Ich chatte das immer nach dem Gefühl.
Florian Bayer: Es muss grooven.
Johannes Franke: Es muss grooven, sehr gut. Der königliche Groove. Ich hätte gerne auf Platz 2... Brick. Oh, ja. Auch Film Noir. Kannst du was dazu sagen? Ich habe das letzte Mal, glaube ich, was versucht dazu zu sagen und bin gescheitert.
Florian Bayer: Ja, das klassische Film noch schon. Also die ganzen Filme aus den 50ern, 40er, 50er, Bogart und andere Detektive. die die ganze Zeit rauchen und im Schatten rumlaufen, übertragen auf eine Highschool in den 2000er Jahren mit einem... Highschool-Schüler als Detektiv.
Johannes Franke: Joseph Gordon-Lewitt.
Florian Bayer: Ja, krass, ne?
Johannes Franke: Ganz toller Schauspieler. Ich liebe ihn.
Florian Bayer: Und mit einer Highschool-Schülerin als femme fatale und mit einem Highschool-Schüler als Oberboss. Und eine klassische Gangster-Geschichte. Ein klassischer Whodunit-Plot. Weil unser Highschool-Schüler will herausfinden, wer seine Ex-Freundin ermordet hat.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und wir wohnen den Ermittlungen bei. Und er ist einfach mal eine coole Socke. Und er kann noch so viel einstecken wie früher die Detektive. Er steht immer wieder auf ... Und macht weiter.
Johannes Franke: Das ist so krass, er schleppt sich dann nur noch durch den Film durch, weil er sieht echt nicht gut aus. Und er hat nicht geschlafen. Die setzen sich aber auch drauf. Er sagt jede zweite Szene, oh Gott, ich habe nicht geschlafen.
Florian Bayer: cool, dass diese Abgefucktheit auch so ein cooles Faktor mit sich bringt. Dass es auch Bruce Willis entsteht. der sich mit blutendem Unterhemd durch dieses Hochhaus schleppt, hat halt auch irgendwie ein cooles Faktor, obwohl er komplett im Arsch ist.
Johannes Franke: Aber warum ist das so? Warum sind Leute... Im Arsch und dadurch cool. Das ist doch absurd eigentlich.
Florian Bayer: Es ist cooler als diese Superhelden, denen nichts was anhaben kann. Superman siehst, der immer mit einem strahlenden Lächeln rumfliegt und der von einer Atombombe getroffen wird und die einfach mit dem Finger wegschnippt. Es ist nicht so... Es ist nicht so cool wie jemand, der halt wirklich nochmal aufstehen muss, nachdem er ordentlich auf die Fresse gekriegt hat.
Johannes Franke: Ja. Wie bei dem asiatischen Film, wie heißt der? Oldboy?
Florian Bayer: Oldboy, stimmt, ist auch irgendwie ein cooler Typ, obwohl der komplett abgefuckt ist. Irgendwie total daneben. und rasend vor Rache, der ist ja auch ein Choleriker, er hat trotzdem den Coolness-Faktor einfach, weil er immer wieder aufsteht. Und weil er gut gekleidet ist. Kleidung ist ganz wichtig. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Okay, dein Platz 2.
Florian Bayer: Kleidung ist sehr entscheidend. Mein Platz 2, auch wieder ein Film, über den wir schon geredet haben. Und zwar eine ganze Episode lang. Jude Quinn. Tja, jetzt musst du überlegen.
Johannes Franke: Jude Quinn.
Florian Bayer: Der Name sagt dir was.
Johannes Franke: Was sagt mir dieser Name?
Florian Bayer: Sein alter Ego sagt dir was. Bob Dylan. Gespielt von Cate Blanchett.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Sieht unfassbar cool aus, ist unfassbar cool gekleidet und läuft unfassbar cool durch die Gegend. Mit diesem, ihr könnt mir alle nichts. Großartig. Ihr könnt mir alle nichts Attitüde.
Johannes Franke: Absolut großartig. Wie geil. Oh, danke für diesen tollen Platz 2. Wie geil ist das denn? Das ist mir gar nicht eingefallen. Aber natürlich, absoluter Coolness-Faktor. Ja. Ja, ich habe...
Florian Bayer: Ganz kurz noch dazu gesagt, aus dem Film... I'm not here. I'm not there?
Johannes Franke: Ich bin nicht hier. Ich bin hier.
Florian Bayer: Moment.
Johannes Franke: Am ich hier?
Florian Bayer: I'm not there 2007, in dem verschiedene SchauspielerInnen Bob Dylan spielen in verschiedenen Episoden. Wir haben eine unserer Episoden, wo wir sehr lange und ausführlich über diesen Film reden und ihn total abfeiern gemeinsam. Und der coolste Bob Dylan von allen ist von Cate Blanchett gespielt und heißt in dem Film Jude Quinn.
Johannes Franke: Ja, Wahnsinn. Eine unglaubliche Performance. Locker einer der besten Performances jemals. Ja, ich hätte dann auf Platz 1 10 Things I Hate About You. Nein. Aber nicht ihn.
Florian Bayer: Wen?
Johannes Franke: Sie.
Florian Bayer: Oh, sehr schön. Wir brechen die Geschlechterklischees auf. Würde ich überhaupt nicht mitgehen, aber ich finde es trotzdem gut, dass du auf Platz 1 eine Frau gesetzt hast.
Johannes Franke: Ich hätte auch Jessica Jones denn sitzen können, aber ich wollte keine Superhelden.
Florian Bayer: Ja, ist sie cool?
Johannes Franke: Ich finde sie irgendwie so... abgeklärt cool. Weil sie halt auch überhaupt nichts reagiert von irgendwelchen Idioten, die an ihr rumbaggern und irgendwie Es ist natürlich so eine jugendliche Coolness, die nicht... die nicht in Richtung Bogart geht, sondern ganz anders.
Florian Bayer: Diese Teenager. Ich bin der missverstandene Typ. Deswegen habe ich James Dean nicht mit drin.
Johannes Franke: Ja, ja. Richtig, James Dean, ja. Das ist halt wirklich eine andere Richtung. Ja.
Florian Bayer: Ich will jetzt aber noch nicht ins Bett. Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Nein, aber ich will jetzt noch nicht ins Bett, es ist nicht von Julia Stiles gespielt.
Florian Bayer: Ich muss noch drüber nachdenken. Ich sag mal meinen Platz 1, ich bin wirklich total bieder bei meinem Platz 1, aber ich mag einfach die Performance, die Kleidung, das Auftreten und vor allem den Charisma und den Charme. George Clooney in Ocean's Eleven.
Johannes Franke: Nein, wie geil.
Florian Bayer: Er ist einfach unfassbar cool.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, okay.
Florian Bayer: Das ist auch so, ich weiß, das ist eine total biedere Wahl, aber er ist so cool in diesem Film. die ganze Zeit, er hat alles unter Kontrolle, er ist die ganze Zeit beherrscht und er hat immer dieses süffisante Lächeln, das sich so halb andeutet, immer dieses leichte Augenzwinkern. Ja, das ist für mich der Inbegriff eines coolen Protagonisten. Okay. So, deine Honorable Mentions, bitte.
Johannes Franke: Meine Honorable Mentions wären das Ding ... Der Clou, glaube ich, heißt es. Einfach ein unglaublich... Robert Redford? Robert Redford, ja, genau.
Florian Bayer: Wer war der andere?
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau. Aber es ist auch sehr lange her, dass ich ihn gesehen habe. Ich erinnere mich jetzt bloß eben so aus der Ferne daran.
Florian Bayer: Sie sind so ein cooles Paar vor allem. Du musst kurz nach dem Namen suchen, weil das voll peinlich ist, dass ich den nicht direkt weiß. Weil das ein großer Schauspieler war.
Johannes Franke: Paul Newman, Mann!
Florian Bayer: Paul Newman sowieso, Paul Newman immer.
Johannes Franke: Ähm, außerdem hatte ich ihn Jenna Jones drin.
Florian Bayer: Ja, aber Indiana Jones hat zu viel Slapstick, um cool zu sein. Dem passieren so oft so Mistgeschläge.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, da hast du recht. Und... David Tennant in Good Omens.
Florian Bayer: Oh ja, ja.
Johannes Franke: Der ist wirklich, der Coolness-Faktor ist einfach nicht zu leugnen. Auf jeden Fall. Der ist einfach großartig.
Florian Bayer: Ja. Eigentlich hättest du Dr. Who auch noch mit reinnehmen können, ne?
Johannes Franke: Ja, aber da hängt es davon ab, welcher Doktor. David Tennant. David Tennant, ja. David Tennant hat einfach... Nehmen wir doch nicht seine Rolle, sondern nehmen wir einfach David Tennant. Ja, genau. Und Jessica Jones, habe ich schon gesagt, ist nicht in der Liste gelandet, weil Superhelden, ich wollte keine Superhelden reinnehmen, die sind per se irgendwie cool, aber irgendwie auch nicht.
Florian Bayer: So wie Julia Stiles zu viel Teenager hat hat Jessica Jones zu viel Tragik.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Um cool zu sein. Das ist ein ziemlich hartes Urteil. Du hast eine zu tragische Hintergrundgeschichte, um cool zu sein. Aber ich glaube, der braucht so was Unangreifbares. Der Coole oder die Coole.
Johannes Franke: Also zumindest, wenn man auf diese Bogart-Coolness geht. Das stimmt. Obwohl, nein, Casablanca ist auch sehr tragisch in seiner Hintergrundgeschichte. Muss man schon sagen.
Florian Bayer: Ich glaube, Bogart in Casablanca wäre auch nicht meine erste Bogart-Wahl.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich würde dann eher zu dem Bogart in Malteser Falke pendieren.
Johannes Franke: Na gut. Okay, das war unsere Top 3. Unsere Top 3. Dann wollen wir vielleicht mal in den Film einsteigen, den wir eigentlich besprechen wollten.
Florian Bayer: Wir sehen Michel im Auto und Michel redet mit uns. Also der Regelverstoß findet gleich in den ersten Minuten statt, wenn der innere Monolog... Nicht wie klassisch im Film nur aus dem Off kommt, sondern direkt in die Kamera passiert, garniert mit Jump Cuts. Und er quatscht uns blöd von der Seite an. Er pöbelt uns eigentlich an. Anders kann man es nicht sagen. Er pöbelt auch alle anderen an, die sich da auf der Straße bewegen. Und er fährt halt Und das finde ich, wir haben darüber geredet, dass unsere beiden Filme Geschwister sind. Ich versuche es mal zusammenzufassen, warum ich die für Geschwister halte.
Johannes Franke: Erzähl mal.
Florian Bayer: Und zwar hat Sunset Boulevard von seiner Inszenierung eine Filmneuerhaltung. Er nimmt diese ganzen klassischen Erzählmuster des Filmnors. Das heißt schwarz, dunkles Schwarz, helles Weiß, viele Schatten, Off-Erzähler und so weiter. Aber es ist kein Film oder Film, weil er von der Handlung eher ein Drama ist oder eine Satire oder eine Tragödie. oder, oder, oder. Während außer Atem von der grundsätzlichen Handlung die relativ trivial ist und ein klassischer Film nur ist, weil es geht um einen Gangster, es geht um leichte Mädchen, es geht um Verrat. aber von seiner Erzählhaltung komplett weg ist vom Film. Weil er sämtliche Regeln, die da aufgestellt werden, diese Eleganz und diese Kälte komplett bricht ... Und da halt dieses hektische, wilde Laute entgegenwirft.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das wäre mein Take darauf, dass die beiden Geschwister sind.
Johannes Franke: Okay. Ja, in die Richtung hätte ich es auch gedacht, vor allem durch diese... Ich weiß nicht, durch diese Aufstimme, die diese Erzählung einfach auf eine lakonische, rotzige Art und Weise bringt.
Florian Bayer: Es ist ja keine Off-Stimme, es ist ja eine On-Stimme. Sie reißt uns ja die ganze Zeit rein ins Geschehen.
Johannes Franke: Aber wir sehen ihn oft genug einfach nur von hinten. Während er weitererzählt und das macht dann den Eindruck einer Aufstimme irgendwie.
Florian Bayer: Krass, ich hab die Stimme irgendwie immer im Szenario drin gesehen. Aber ich war auch die ganze Zeit immer im Szenario drin, weil du hast das Gefühl, du wirst halt so rumgeschubst, er fährt da rum. Dieser Mord am Polizisten passiert auch so unglaublich schnell. Er wird angehalten, der Polizist sagt, hey, steigen Sie aus, machen Sie keine falschen Sachen. Und dann rennt er weg. Das ist so schnell geschnitten. So innervierend geschnitten. Wir sehen... überhaupt keine große Entwicklung. Wir sehen nicht das klassische Ding, was man sehen würde, dass jemand aussteigt, dass so ein Moment der Tension ist. Es gibt keine Anspannung, weil es sich direkt entlädt und direkt weitergeht und direkt weitergehetzt wird. Er geht dann zu dem Haus in Paris von seiner alten Freundin und er klingelt. Und dann fährt die Kamera in einem irren Tempo nach oben. Und dann steht er oben an der Tür... Und unterhält sich mit ihr. Und es kommen gleich die nächsten Jump Cuts.
Johannes Franke: Ähm ...
Florian Bayer: Es ist einfach so schnell. Du wirst da wirklich durchgeschüttelt.
Johannes Franke: Du bist relativ schnell... lost, weiß nicht so ganz genau, wo, wer, wie, was, wo, aber du weißt, dieser Typ. Das ist so ein pretentious Damnluck. Und man will ihm trotzdem folgen. Warum will man ihm trotzdem folgen? Warum will man ihm trotzdem folgen? Wie ist das? Wieso?
Florian Bayer: Also man identifiziert sich ja nicht mit ihm.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht.
Florian Bayer: Man wird... so ein bisschen gewaltsam in seine Welt reingezogen, die eben aus Betrügereien besteht, aus kleinkriminellen Handlungen, aus zufällig passierenden großkriminellen Handlungen. Er ist so ein Verlorener, der durch die Stadt streift. Er weiß ja auch nicht genau, wohin. Er hat diesen Wagenplan, nach Italien zu fliehen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber der ist auch nicht richtig durchdacht, sondern das ist einfach so. Ich finde Frankreich doof. Frankreich nervt mich. Ich will jetzt nach Italien. Und dann wie so ein Traumwandler stolpert er durch das Paris. Es ist auch ein totaler Zufall, dass er dann auf seine alte Liebschaft trifft. die in einer großartigen Szene eingeführt wird. New York Harry Tribune. Wie sie über diese Straße geht und versucht, die Zeitung zu verkaufen.
Johannes Franke: Ja, das ist total schön. Das finde ich eine super Idee.
Florian Bayer: Und Jean Sieberg ist so toll.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich liebe sie.
Johannes Franke: Ja, ja, sie ist wirklich super.
Florian Bayer: Sie ist so großartig.
Johannes Franke: Im Deutschen hat sie leider eine Synchronstimme, die versucht, amerikanisch zu wirken und es irgendwie eher nicht gut schafft. Oh. Hast du es auf Englisch gesehen?
Florian Bayer: Ich habe es auf Französisch geguckt. Ihr Akzent ist im Original relativ... Wenig ausgeprägt. Also es ist nicht so krass. Sie setzt sich nicht drauf und sie spricht, also ich kann kein nicht gut französisch, aber es klingt wie ordentliches Französisch ist, ist halt dieser Running Gag immer wieder drin, dass sie fragt, was bedeutet das? Sie fragt immer wieder nach Begründung. Und es sind meistens irgendwie so verruchte Begriffe und so aus dieser kleinen kriminellen Welt, nach denen sie fragt. Und ja, sie wird halt auch eher so nebenbei eingeführt. Und es ist Zufall, dass sie ... Und er spricht sie dann aber wieder an. Sie hatten auch keine große Beziehung. Sie hatten offensichtlich ein paar Mal Sex irgendwann mal. Vielleicht eine kleine Affäre. Aber sie ... Sie sind sich dann selbst so ein bisschen uneinig darüber, wie oft sie miteinander im Bett waren. Sie sagt irgendwie so zwei bis dreimal, er sagt fünfmal.
Johannes Franke: Ja. Und man muss schon sagen, dass der Film das ein bisschen melkt, diese... seine abgefuckte Haltung und seinen Sexismus und so und Dann weiß ich nicht, ich finde auch die Entscheidung, ihr dann noch einen Teddybären in die Hand zu geben, wenn sie da in dem Hotelzimmer sitzen, ein bisschen fragwürdig. Solche Sachen.
Florian Bayer: Aber sie ist nicht die Unschuld vom Lande, ne?
Johannes Franke: Nein, natürlich nicht.
Florian Bayer: Sie ist die Person in dem Film, die weiß, wo sie hin will und was sie will. Also sie ist natürlich auch ein bisschen unsicher, aber sie studiert, sie will eine Journalistik.
Johannes Franke: Aber dafür weiß sie nicht, ob sie ihn liebt oder nicht. Das ist schon ein bisschen nervig. Also das finde ich ein kleines bisschen, weiß ich nicht. Da ist sie wirklich die ganze Zeit... Und das wiederholt sie ja relativ oft, dass sie nicht weiß, ob sie ihn jetzt mag oder nicht oder ob sie ihn jetzt liebt oder nicht. Und das muss sie rausfinden. Es gibt so eine gewisse Naivität, die eher angedichtet wird, die ich irgendwann ätzend finde.
Florian Bayer: Ich fand sie tatsächlich, ich habe sie nicht als naiv wahrgenommen. Das ist total interessant, dass du das sagst, dass du ihr Naivität ätzend findest. Ich weiß, worauf du hinaus willst. Ich weiß, was du da drin siehst mit diesem, sie weiß nicht, ob sie ihn liebt.
Johannes Franke: Ja, und dann will sie das rausfinden, indem sie ihn verrät. Was ist das denn?
Florian Bayer: Er ist die Unsicherheit in ihrem Leben. Und sie stürzt sich ja auch so ein bisschen auf diese Unsicherheit. Sie mag diese Unsicherheit auch. Das ist auch, wenn sie... dann erfährt, was er gemacht hat. Es wirkt so, als ob sie das erstmal verführerisch fänden.
Johannes Franke: Ja, ich finde es auch so ein bisschen naiv. Weißt du, so dieses, oh, der Gangster, aufregend. Das ist doch total bescheuert. naja, was soll denn das? Nee. Und dann hat sie dieses Interview mit diesem Typen, was ist das für ein...
Florian Bayer: Mit dem Autoren.
Johannes Franke: Ja, mit dem Autoren. Und dann sagt er solche Sachen wie to become immortal and vent. Und sie ist hin und weg davon.
Florian Bayer: Das ist tatsächlich interessant, weil der Autor wird von niemand anderem gespielt als Jean-Pierre Melville. der hier den Autoren spielt.
Johannes Franke: Und jetzt sagst du mir, wer das ist. Ach ja, natürlich, dieser.
Florian Bayer: Also Jean-Pierre Melville ist der große Regisseur, einer der großen Regisseure der Nouvelle Vague. Ach so. Das war wirklich die Nouvelle Vague. Das war wirklich eine Clique. Also Truffaut, Jean-Pierre Melville und Jean-Luc Godard und Claude Chabrol, die vier großen Namen aus der Zeit, die waren eng miteinander befreundet. Die haben sich gegenseitig inspiriert und ihre Filme abgefeiert. Die kamen fast alle aus der Filmkritik. Die haben für diese eine Filmzeitschrift geschrieben. in der Truffaut auch diesen Aufsatz veröffentlicht hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Jean-Pierre Melville hat wirklich Gangsterfilme gedreht. Das ist eigentlich so der krasseste Gangsterfilm. Filmregisseur von denen allen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der bekannteste von ihm ist der eiskalte Engel. Glaube ich. Und der hat vor allem mit Alain Delon gedreht. Alain Delon verdankt seine Bekanntschaft. Das ist einer, der auch ein cooler Typ, der spielt auch immer die coolen Typen. Der zweite große, coole französische Schauspieler aus der Zeit.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der verdankt seine Bekanntschaft so ein bisschen Jean-Pierre Melville, während Jean-Paul Belmondo seine Bekanntschaft, seine Berühmtheit Jean-Luc Godard verdankt. Okay.
Johannes Franke: Was ich so ein bisschen über Godard gelesen habe, klingt auch so ein kleines bisschen so, als ob er auch so ein bisschen... Kleinkriminell angefangen hat. Der war wohl auch nicht ganz so mit einer reinen Weste versehen. Ich weiß nicht, wie kann ich ihn so schlecht einsortieren?
Florian Bayer: Also Jean-Luc Godard war definitiv Der wildeste Typ von denen. Das hat sich auch in seinen späteren Filmen ganz krass gezeigt. Der war aber auch ... Also, der hat eigentlich ... relativ spießig auch angefangen. Er war halt auch ... Der war halt auch Filmkritiker und der hat auch als Filmkritiker geschrieben und seine ersten Filme waren halt diese jungen, wilden Filme, sowas wie eben Außeratem. Und Jean-Luc Godard ist im Gegensatz zu Truffaut zum Beispiel immer experimenteller geworden mit der Zeit. Also ich habe nicht so recht gesagt, ich zeige dir einen von seinen Filmen, die ...
Johannes Franke: gut konsumierbar ist.
Florian Bayer: Der hat irgendwann komplett am Rad gedreht. Der hat dann auch als Truffaut hat einen Film gemacht, der hieß Die Amerikanische Nacht und war so ein bisschen eine Liebeserklärung an das Kino. Kann sein, dass ich den mal in irgendeiner Topliste hatte?
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, da geht es um die Entstehung eines Films. Und Godard fand diesen Film zum Kotzen. Die Nouvelle-Warkriegs-Syre waren auch alle politisch, die waren alle so marxistisch-leninistisch orientiert und Godard hat gesagt, das ist Bourgeoisie. Das ist bürgerlicher Unsinn, was du da machst. Und hat quasi damit abgeschlossen, hat gesagt, Truffaut ist ein Verräter. Und mit dem will ich nichts mehr zu tun haben.
Johannes Franke: Ja, die haben sich verstritten. War das in dem Zuge, ja?
Florian Bayer: Ich glaube, das war so ein entscheidender Faktor. Und Godard hat stattdessen... ganz andere Filme gemacht. Der hat zum Beispiel 1967 hat er mit Weekend wahrscheinlich seinen ersten Film gedreht, wo es darum geht, dass ein paar... aufbricht zu einem Picknick. Die fahren aus der Stadt raus. Und das ist ein einziger wilder, surrealer Trip. Du fändest diesen Film, glaube ich, ziemlich schlimm. Und zwar ähnlich wie bei Holly Mountain würdest du zu mir sagen, was hast du mir denn da angetan? Da gibt es eine ganz berühmte Szene. Allein die lohnt es sich auf jeden Fall anzusehen. Da fahren sie an einem Stau vorbei. Und zwar ist dieser Stau ewig lang und zuerst fängt es noch normal an. Da sieht man dann halt einfach Autos stehen. Und dann fängt es an abzudrehen, dann sieht man ein Auto in die andere Richtung gucken, dann sieht man ein Auto, wo Leute sind, die sich einen Wasserball zuspielen und dann ist eine Party aufgebaut, das wird immer irrer. Das hat so ein bisschen was Pythoneskes fast schon. Und das Krasse ist dann ganz am Ende dieses Stau, wenn sie endlich vorbeifahren, sieht man, dass da einfach nur ein Auto ist, wo zwei Tote drin liegen. oder Schwerverletzte. Und die Leute im Stau interessieren sich halt gar nicht dafür. Das erste Auto vom Stau steht einfach da und hupt. Während da dieser Wagen auf der Straße liegt, man könnte auch drum herum fahren, man könnte aussteigen und mal gucken, was mit den Leuten da los ist, die offensichtlich gerade am sterben sind.
Johannes Franke: Okay, aber sowas finde ich ja wieder ganz cool. Wie lang ist der Film?
Florian Bayer: Der ist so ein Langfilm, der geht nicht ganz zwei Stunden.
Johannes Franke: Na gut.
Florian Bayer: Aber es ist diese eine Szene, die fändest du wahrscheinlich lustig. Dann hat er auch so was gemacht wie Lemmy Caution gegen Alpha 60. Das ist so ein Detektivfilm, auch so filmneu inspiriert, wo er aber in so einer Zukunftswelt ist und der war mir auch ein bisschen zu kaputt, den habe ich nicht verstanden. Der war wirklich so, also pretentious hast du jetzt schon ein paar Mal gesagt. Gut, da gehört wahrscheinlich zu den pretentiösesten von denen. Okay. Godard lebt noch. Godard dreht noch. Godard hat seine letzten Filme vor einem Jahr oder so gemacht. Und die letzten Filme von Godard waren alle nur noch so Filmcollagen, die auch einem Alexander Kluge gefallen würden, wo er einfach nur noch Wildzeug zusammengeschnitten hat. Und wo gar keine Handlung mehr zu erkennen ist, sondern wirklich nur noch Experiment. einfach mal der krasseste aus dieser Noé Vague-Richtung. Und auch so der radikalste und auch jetzt nicht mein Lieblingsregisseur aus der Ecke.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber er hat tolle Filme gemacht. Nicht nur Außeratem ist ein toller Film. Aber wie kamen wir da drauf? Achso, du hast gesagt, Godard war klein kriminell.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ich weiß nichts von einer kriminellen Geschichte von ihm.
Johannes Franke: Also er hat wohl irgendwie auch seine Eltern bestohlen und so.
Florian Bayer: Ah ja, das passt aber zu.
Johannes Franke: Ja, schön. Nicht, dass ich jetzt irgendwelche Gerüchte in der Digitalisation, das stimmt gar nicht.
Florian Bayer: Er lebt noch, er könnte dich noch verklagen.
Johannes Franke: Ja, was ich eben in dem Film sehe, ist diese Aufbruchsstimmung und die Idee, was anders zu machen. Ich finde die Schnitte, ganz im Gegensatz zu anderen Filmen, die das heute so machen, die das schlecht machen, finde ich, macht er das recht gut. Das heißt, er hat auch eine... es geschafft, sich wirklich was dabei zu denken und zu überlegen, okay, welche Audio-Ebene, die löse ich dann halt einfach von der Video-Ebene und schau mal, dass das irgendwie... in sich funktioniert und das funktioniert einfach, das finde ich sehr schön.
Florian Bayer: Es ist auch toll, wenn er sowas macht, wie zum Beispiel, während sie unterwegs sind auf der Straße. Oder wenn sie in den Spiegel, wenn sie im Bad sind. Sie sind gar nicht mehr auf der Straße, sie sind im Hotel. Und dann stehen sie da im Bad und unterhalten sich und plötzlich kommen diese lauten Sirenen zweimal in den Dialog. Was hast du gesehen? Die Deutsche oder die Englische?
Johannes Franke: Die Deutsche.
Florian Bayer: War es da auch so? Die übertönen den Dialog fast komplett. Und zwar so eine halbe Minute lang. Einfach die Sirenen von vorbeifahrenden Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen, man weiß es nicht genau. Und die sind so laut, dass man vom Dialog dann kurz nichts mehr mitkriegt.
Johannes Franke: Okay, das habe ich nicht, das weiß ich nicht.
Florian Bayer: Oder auch diese Pressekonferenz mit dem Autor, da wird auch die ganze Zeit hektisch im Hintergrund geredet. Im französischen Original zumindest. Du verstehst teilweise nicht, was gesagt wird, weil einfach so viele Stimmen durcheinander reden. Und gleichzeitig werden diese einzelnen Fragen, die ja beantwortet werden, die hat man so ein bisschen exponiert, weil man dann auch kurz die ReporterInnen sieht, die diese Frage stellen. Also ich finde, der macht ganz, ganz verrückte Sachen, auch auf der Tonebene. Wenn er so... Ja, wenn er den Ton einfach bewusst kaputt macht. Ich meine, es war alles gedappt, das war nicht notwendig. Und trotzdem kommt diese Sirene, die uns einmal... komplett rausreißt. Krass. Als ob wir nicht mehr in dem Hotelzimmer wären, sondern auf der Straße stehen würden und in dem Hotelzimmer heimlich lauschen würden oder so.
Johannes Franke: Ich glaube, das gab es in der deutschen Version nicht. Aber die Deutschen haben immer sehr darauf geachtet, dass sie alles sehr verständlich und sehr... Das war deren Ethos. Ist es immer noch so, aber ja.
Florian Bayer: Also ich kann mir vorstellen, dass auch MuttersprachlerInnen mit dem Film Probleme haben zu verstehen. Weil oft ist es so, dass Tonspuren sich überlagern. Dass durcheinander geredet wird, dass andere Geräusche wirklich sehr hart drüber reden. Also die Abmischung von dem Ton ist teilweise ziemlich radikal. Und ich meine, ich muss sowieso mit Untertiteln gucken, weil mein Französisch echt schlecht ist.
Johannes Franke: Vielleicht hätte ich ihn auch auf Französisch gucken sollen. Verdammt.
Florian Bayer: Was ich sehr charmant finde, ist, dass sie ihn immer wieder siezt und dann irgendwann mal zu dem Du übergeht und dann fängt sie wieder an, ihn zu siezen.
Johannes Franke: Das habe ich auch überhaupt nicht mitbekommen. Krass, okay.
Florian Bayer: Guck ihn nochmal im französischen Original. Ich glaube, es ist ein Film, der auch, weil da so viele auf der Tonebene passiert.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: im Original auf jeden Fall nochmal anders ist, also nochmal doll anders ist als in der Synchronfassung. Ich will hier gar nicht so sehr krass den O-Ton-Fetischisten raushängen lassen. Die Deutschen machen echt gute Synchronarbeit.
Johannes Franke: Aber... Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Du hast ihn in der Synchronisation geguckt, nicht ich?
Johannes Franke: Also ich finde, dass die Synchronisationen aus den 60ern, 70ern und 50ern in Deutschland sehr, sehr gut sind. Was sich bis heute nicht unbedingt durchzieht, aber naja.
Florian Bayer: Es wird auch eher wieder ein bisschen schlechter, weil so viel produziert wird, was schnell übersetzt werden muss. Und das ist wahrscheinlich mit Sicherheit nicht die Schuld der SynchronsprecherInnen, sondern einfach die Schuld der, und auch nicht die Schuld der Studios, die das machen, sondern einfach die Schuld der Produktion, die hetzt. Die sagt, wir müssen diese Serie so schnell wie möglich auch in der deutschen... Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Es gibt einfach ganz wenig Geld dafür. Das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Auch ganz toll, Entschuldigung, ich muss noch ganz kurz was zur Sprache sagen. Auch ganz toll, wenn sie reden. Wenn sie dann Englisch reden mal, sie unterhält sich mit ihrem Verleger von der Zeitung, von der sie arbeitet und mit ihm redet sie teilweise Englisch. Und es ist nicht alles im französischen Original untertitelt. Es sind teilweise Sätze untertitelt von ihr.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und einige nicht. Und es wirkt fast so ein bisschen willkürlich, wann sie mal so eine Untertitelung reinhauen.
Johannes Franke: Stimmt, ja. Das höre ich auch. Weil ich ja das Bild von der französischen Version habe. Ja. Konnte ich ja sehen, wo die Untertitelreihen sind und wo nicht. Ja. Es gab auch bei mir eine kurze Sequenz ganz am Anfang, wo sie ins französische Original sind mit der Sprache. weil das anscheinend nicht synchronisiert wurde ja das haben sie kurz irgendwie anscheinend gab es dann eine Schnittfassung und der Directors Cut oder was, keine Ahnung, was sie dann noch gemacht hatten.
Florian Bayer: Der Der Film wurde sehr aufwendig restauriert noch mal für die aktuellste Blu-Ray-Veröffentlichung. Was ich habe, ist ... Jetzt darf ich nichts Falsches sagen. Ich glaube, es ist von Art House. Ich bin mir nicht 100% sicher. Ich glaube, es ist ein ... Moment, es gibt auf jeden Fall eine deutsche Tonspur. Das heißt, es ist nicht Criterion. Aber wahrscheinlich haben sie sich bei denen bedient. Der wurde aufwendig restauriert, der Film. Und dann gibt es Teile, die quasi noch mal drin sind, die damals nicht synchronisiert wurden. Wahrscheinlich hast du deswegen die deutsche Synchro von dieser restaurierten Variante gesehen, denke ich mal.
Johannes Franke: Das kann sein, ja. Naja, ich finde ein kleines bisschen, dass die sich dann doch zu lang gestalten auch immer noch, nachdem man eine halbe Stunde rausgeschnitten hat, die Gespräche. Also ich finde, es verliert sich dann doch ein bisschen zu sehr. Auch wenn natürlich das Teil des Eindrucks und Teil der Methodik ist und so, um das Verhältnis zwischen den beiden zu klären. Für mich als Zuschauer ist es dann doch manchmal ein bisschen zu lang.
Florian Bayer: Okay, langatmig auch tatsächlich.
Johannes Franke: Ja, langatmig ein kleines
Florian Bayer: Meinst du jetzt vor allem diese Hotelszene, weil die ist ja sehr zentral und die dauert ja auch tatsächlich ziemlich lange. Also es stimmt so 20 Minuten oder so, diese Hotelszene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo es auch ständig abwechslend zwischen Trivialität und philosophischen Gedanken. Und man nie so genau weiß, sieht man jetzt Palp oder sieht man jetzt doch irgendeinen etwas prätentiöseren philosophischen Film.
Johannes Franke: Ja, genau. Das sind so die Sachen, wo ich dann denke, ja, okay. Und nächstes bitte. Aber ich war immer wieder von den Bildern irgendwie beeindruckt, weil sie eben auch wirklich kein Licht aufbauen konnten oder sowas, dass sie sich genau überlegen mussten, wo sie die Kamera hinstellen und sich das wirklich gut... ein gutes Bild überlegt haben, wie sie es schaffen. Und dann hast du teilweise gegen Licht geschossen. Und das Bild funktioniert trotzdem ganz wunderbar, ohne dass sie Licht gesetzt haben. Es ist nicht sehr kontrastreich, aber es ist wirklich ganz toll. Und sie haben dann nicht noch in Nahen und so reingeschnitten, sondern sie haben tatsächlich eine stehende Kamera. Und das ist sehr lang. Und das finde ich, irgendwie hat das eine Kraft. Das war ganz cool. Überhaupt, die Kamera hat allgemein wirklich ein paar sehr, sehr schöne Sachen.
Florian Bayer: Es ist so lebendig einfach die ganze Zeit. Es ist... Ich glaube, das ist das, was verhindert, dass es mir irgendwie zu eintönig wird, weil, um es nochmal zu betonen, die Geschichte ist wirklich trivial. Wir haben ja eine ganz simple... Gangsterhandlungen, deswegen reden wir auch gerade so wenig über die Geschichte, weil wir haben den Gangster, er trifft eine Frau, die er Er muss untertauchen, weil er gesucht wird wegen des Mordes. Er trifft eine Frau, mit der er früher mal eine Affäre hatte. Und er will sie eigentlich überreden, nach Rom mit ihm zu fliegen. Er ist ganz eindeutig in sie verliebt. Also auch wenn er die ganze Zeit diese Sexschiene fährt, er ist in sie verliebt. Und das nervt ihn auch total. Und er sagt es auch irgendwie an der Stelle mal. Und dann... Und dann haben wir dazwischen, wie sie eben zu diesem Interview fährt, wo sie den Autoren interviewt. Und dann kommt sie wieder zu ihm, die Polizei sucht ihn, die Polizei spricht auch sie an, ob sie ihn kennt. Und das haben wir immer mal wieder, so Szenen von den Polizei, die ihn sucht. Und dann beschließt sie schließlich mit ihm zu fliehen. Sie tauchen gemeinsam unter, kriegen von einem Freund eine Unterkunft. In einem Hotel und dann verrät sie ihn und sie geht dann zur Polizei, also sie sagt dann der Polizei, dass sie ihn gesehen hat und er flieht und dann wird er auf der Flucht erschossen. Das ist eigentlich die Geschichte und die Geschichte ist wirklich das simpelste Nor-Handlung, barebone. Aber was halt ständig ist, ist diese Bewegung, diese Schnitte und diese krassen Jump Cuts, diese krasse Kamera, die lebendig durch den Raum rennt. stolpert. Und dieser tolle Score, dieser Jazz-Score, der ist von ... Marshall Solal? Ich spreche das ganz schnell aus. Der war einfach mal ein großer Jazzpianist und Komponist. Und Modern Jazz und Free Jazz. Das ist auch was, was wir bei diesen... den wir immer wieder begegnen, die haben diesen Jazz-Score, Weil sie total inspiriert sind von der amerikanischen Kultur auch.
Johannes Franke: Ja, und der Schnitt ist ja auch Jazz. Und die Kamera ist Jazz. Also wenn man das so in musikalischen Terminologien ausdrücken möchte. Auf jeden Fall Jazz. Der Film ist Jazz.
Florian Bayer: Einer meiner liebsten Regisseure der Nouvelle Vague, Louis Mal, hat für einen seiner Filme Fahrstuhl zum Schafott, der eigentlich auch ein ziemlich trivialer Krimi ist. Aus dem Jahr 1958. Wow, der ist wirklich alt. Er wird nicht zum harten Kern, der Dumoul Vague zählt, aber er ist total da drin. Miles Davis Soundtrack gemacht.
Johannes Franke: Oh, okay, geil.
Florian Bayer: Und da läuft durchgängig Miles Davis. Man gibt dem ganzen Film so eine krasse, cool, jazzige Note halt. Geil. Wie sich der Miles Davis gehört.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ach ja, ich liebe diese Zeit. Ich liebe die französischen Filme aus der damaligen Zeit. Weil diese Kombinationen sind eben aus Pulp und aus Wagnis und Improvisation. Aber auch Stil und auch immer wieder diese philosophischen Gedanken, ich finde es auch nicht so prätentiös, weil die halt so ein bisschen so reingefädelt werden. Ja.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Wenn sie sowas sagt wie, Moment, jetzt muss ich, wenn sie über den Tod reden, Moment, bin ich frei, das hatte ich schon. Es gibt einen tollen Satz, den sie sagt. Bin ich unfrei, weil ich unglücklich bin oder bin ich unglücklich, weil ich unfrei bin? Fantastisch.
Johannes Franke: Ja. Naja, und dann haben die das auch noch so, dass sie, also das ist ja ein klassisches Stillstandsherstellen. Du weißt nicht, ich kann nicht nach links und nicht rechts, weil ich nicht weiß, wo ist Huhn und was ist Ei. Ja. Und das stellen die in dem Film auch her. Die sitzen voreinander und sie sagt, ich habe keine Ahnung, ob ich dich liebe oder nicht. Und irgendwie stellt das einen Stillstand her, weil sie so ein Vakuum, weil sie nicht wissen, wo es hingeht. Wo sollen sie hin? Und das macht der Film ganz viel. Und trotzdem ist da so viel Bewegung.
Florian Bayer: Orientierungslosigkeit, Bewegung, Stop and Go auch. ganz viel. Wenn du sagst, es gibt diese Längen, ja natürlich, es gibt Sachen, es gibt Momente, wo nichts passiert, aber es ist dann immer so dieses ruckartige plötzlich wieder nach vorne bewegen. Ja. Zum Beispiel auch in der Pressekonferenz mit den Autoren. Das sind nur Nahen. Es wird keine Totale aufgebaut, es wird überhaupt keine Szene etabliert, sondern wir haben die ganze Zeit diese hektischen Nahen und Sprung und Sprung und Sprung von einem Reporter, von einer Reporterin zu diesem Autoren.
Johannes Franke: Das hat was Traumartiges so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil es irgendwie nur so Impressionen quasi sind. Das finde ich schon krass. Auch der Schnitt, also es ist ja auch alles so impressionistisch irgendwie.
Florian Bayer: Also es ist vielleicht auch die Wahrnehmung von ihnen. Wir sind so ein bisschen in ihrer Wahrnehmung drin und diese Wahrnehmung ist immer so ein bisschen unvollständig, weil ihre Welt und ihre Gedanken auch unvollständig sind. Das sind junge Menschen, die sich irgendwie versuchen zu orientieren. Sie ist Anfang 20, er ist vielleicht Mitte 20. Sie sind beide total jung. Sie stehen am Anfang ihres Lebens und suchen beide irgendwie nach einem Weg irgendwo hin. Er hat das Suchen offensichtlich aufgegeben. Er stolpert eigentlich nur noch durch sein Leben durch. Und er ist dabei halt auch wirklich ein Loser. Das ist so dieser zweite radikale Gegenentwurf zu dem klassischen Film nur Anti-Helden. Das sind zwar auch Leute, die abgefuckt sind, aber sie sind erfolgreich. Humphrey Bogart schafft es den Fall zu lösen. Die Gangster ... werden vielleicht auch erschossen am Ende, aber sie haben trotzdem so eine heroische Komponente. Und das hat er gar nicht. Er stolpert und er weiß nicht, wo lang.
Johannes Franke: Es ist einfach nur dämlich.
Florian Bayer: Ja, er ist total Total dämlich dabei. Er müsste am Schluss auch nicht erschossen werden. Er müsste auch gar nicht geschnappt werden, wenn er ein bisschen nachdenken würde, was er da macht.
Johannes Franke: Das ist so krass. Sie hat ihn verraten. hat die Polizei Bescheid gesagt, wo er ist, kommt zu ihm nach Hause und sagt dann als erstes, ach, ich habe dich gerade verraten. Und sie will, dass er abhaut. Aber nein, er haut nicht ab. Was ist denn das?
Florian Bayer: Und dann diskutieren sie darüber. Dann sagt sie, ich habe das gemacht, um sicherzugehen, ob ich in dich verliebt bin. Übrigens eine schöne Spiegelung. Davor hat sie mit dem Verleger geknutscht und dann hat sie beobachtet und dann hat sie auch gemeint, sie hat das gemacht, um zu wissen, ob sie in ihn verliebt ist. Und dann sagt die das nochmal, dann meint sie, ich bin so gemein, das kann eigentlich nur der Beweis sein, dass ich nicht in dich verliebt bin.
Johannes Franke: Aber das ist genau die naive Komponente, die ich meine. die so eine komische und naive Komponente hat, wo ich echt ein bisschen denke, äh, äh. Ja, aber das stimmt schon, es passt. Ich kenne tatsächlich Menschen, die so sind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich kenne Menschen, die so sind.
Florian Bayer: Ich finde, sie hat halt auch so was, sie hat schon was Abgebrühtes dabei auch.
Johannes Franke: Ja, natürlich, aber irgendwie... Ja, ja, ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Er rennt weg und die schießen auf ihn. Und Vatuhun ihn auch offensichtlich böse zu treffen. Es gibt diese eine Szene, wo er sagt jetzt, Auf die Hüften schießen. Und da treffen sie ihn dann auch und er rennt weiter, stolpern Und das ist fast so das Sinnbild für den ganzen Film. Er ist getroffen und er blutet und er stirbt und rennt weiter stolpernd über diese Pariser Straße. und dramatische Musik und dann fällt er und dann sind alle über ihn gebeugt. Und dann macht er für sie nochmal diese Fratzen. Sie haben davor im Hotelzimmer schon vorm Spiegel gesagt, so hey, guck mal, Schnuten ziehen, kannst du das? Und sie fragt, was heißt das, eine Schnute ziehen? Dann machen sie gemeinsam. einsam fratzen. Und er scheint überhaupt keine Verbitterung ihr gegenüber zu haben. Kommt zu dieser großen spannenden Schlussszene und zu dieser großen Diskussion.
Johannes Franke: Ja, große Diskussion.
Florian Bayer: Er scheint keine Verbitterung ihr gegenüber zu haben, weil er macht diese Fratzen und sagt dann schließlich im Sterben, das ist wirklich zum Kotzen. Er sagt Das ist wirklich zum Kotzen. Was im Deutschen übersetzt wurde zu Du bist zum Kotzen.
Johannes Franke: Ja, was aber echt nicht ganz so stimmt.
Florian Bayer: Und dann fragt sie, was hat er gesagt?
Johannes Franke: Und der Polizist übersetzt das ein bisschen anders, ne? Er sagt das ein bisschen anders als ...
Florian Bayer: Der Polizist hat gesagt, er hat gesagt, sie sind zum Kotzen. Der Polizist münzt es auf sie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann fragt sie, was heißt das zum Kotzen? Und fährt sich noch einmal über die Lippen. Und guckt uns an. Genau, signature move von ihm und von ihr dann auch. Es ist total interessant, dass sie es im Deutschen so übersetzt haben. Im Englischen haben sie es übersetzt mit I'm a creep. Und dann fragt sie, was hat er gesagt? Und dann sagt der Polizist, he said, you're a creep. Also da haben sie zumindest diesen Gedanken drin, dass der Polizist das umstellt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und im Deutschen wurde es tatsächlich einfach, du bist zum Kotzen.
Johannes Franke: Das weiß ich nicht mehr ganz genau, ehrlich gesagt, jetzt so vom Gucken her.
Florian Bayer: Aber das ist tatsächlich, ich habe es gelesen, es war wirklich... Wirklich, die Deutschen haben es einfach anders übersetzt. Sie lassen ihnen sagen, du bist zum Kotzen, während er im Französischen sagt, das ist zum Kotzen. Er bezieht es gar nicht. auf sie. Er hatte auch keine Verbitterung ihr gegenüber. Ich glaube, für ihn ist die Sache einfach abgeschlossen und Der Tod scheint für ihn auch weder was Krasses zu sein, es ist halt irgendwie nervig, dass er jetzt stirbt. Passt auch so ganz gut zu seiner Lebensweise. Oh nee, das jetzt auch noch ... Echt jetzt? Jetzt muss ich auch noch sterben, Mann.
Johannes Franke: Ja, das passt zu seiner Art und Weise zu reden auch die ganze Zeit. Das ist lakonisch. Ja. Scheiße.
Florian Bayer: Er versucht die ganze Zeit, er bemüht sich wirklich den Eindruck zu erwecken, dass ihm alles scheißegal ist. Aber es gelingt ihm nicht, was sie betrifft. Also im Grunde steckt darin durchaus auch eine tragische Liebesgeschichte, eine sehr einseitige Liebesgeschichte.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Die vor allem auch so tragisch ist, weil er gar keinen Bock auf diese Liebesgeschichte hat. Er hat ja seine Affären. Am Anfang ist er ja bei anderen Frauen. Offensichtlich gibt es genug Frauen, die er vögeln kann und die er ausrauben kann.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: die er verarschen kann. Und mit ihr gelingt ihm das aber überhaupt nicht. Ich finde auch tatsächlich in dieser Hotelzimmer-Szene, So widerlich sein Verhalten auch ist, sieh es ihm die ganze Zeit überlegen. Definitiv.
Johannes Franke: Jaja, aber das ist von Anfang an der Fall. Wie sie, schon allein wie sie die Zeitungen am Anfang verkauft, sie eindeutig die... die die Oberhand hat. Obwohl sie jetzt nicht den besten Job hat, aber sie... macht ihren Job und er rennt ihr die ganze Zeit hinterher und quatscht sie von der Seite an. Er will was. versucht, die ganze Zeit an ihr rumzubaggern, während sie sagt, ja, ich muss hier aber meine Sachen machen. Egal, ob ich jetzt mitkomme oder nicht oder was oder wo oder du oder nicht.
Florian Bayer: Und sie ist in dem Jahr 1958, 1959, als das gedreht wird, sie ist wirklich eine moderne Frau. Sie bestimmt, wo es lang geht dann. Und sie ist auch ganz klar, die, die dann letzten Endes die Initiative ergreift, wenn es zum Sex kommt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Er versucht es davor 10.000 Mal verzweifelt, aber sie ist ganz klar, die die Initiative ergreift. Und sie ist halt einfach die, die das Geschehen kontrolliert. Ich würde sie tatsächlich als starken Charakter sehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist für mich wichtig, weil diese Naivität spricht natürlich immer so ein bisschen gegen diesen starken Charakter, weil es gab ja diese ... Vor allem im Film noch gab's ja dieses Klischee der einmal die femme fatale, die einfach nur durchtrieben war. Dann gab es aber auch immer diese Femme Infantil, die wirklich so heißt, eigentlich ganz schrecklich, so Lolita-Assoziationen werden damit geweckt. Die Kindsfrau, die naiv ist und die sich halt anschmiegt an den Helden. Vielleicht so ein bisschen das, was wir in der... Rolle der Betty haben in Boulevard der Dämmerung. Und sie ist das aber nicht. Sie ist weder die femme fatale noch die femme infantil, sondern sie ist wirklich... Draußen aus diesem Klischee.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber trotzdem, also ich glaube, dass Naivität und Stärke sich nicht unbedingt... widersprechen sowieso nicht also weder im leben noch im film in filmen die ich kenne ja also Aber umso interessanter, das zu erzählen, weil das anscheinend ja nicht selbstverständlich ist, das zu trennen.
Florian Bayer: Ja, Godard wollte tatsächlich, dass Patricia am Ende, wenn Belmondos Charakter stirbt, seine Taschen durchfühlt.
Johannes Franke: Ja, das haben sie aber... Sheen Sieberg wollte das nicht.
Florian Bayer: Die haben es abgelehnt, die Szene so zu spielen. Und stattdessen gibt es diesen auch wirklich ikonisch gewordenen Moment mit diesem, was bedeutet das?
Johannes Franke: Und dein Blick in die Kamera. Und vor allem so dieser... nicht, oh mein Gott, der ist gestorben oder so, sondern Sie hat so einen ganz seltsamen, suchenden, verwirrten, aber trotzdem starken Blick.
Florian Bayer: Was auch ein Kampf gegen die Regie ist. Sie wollte die Szene emotional aufgewühlt spielen und er wollte, dass sie einfach nur ruhig ist und cool. Und die haben sich wohl ziemlich gefetzt am Set teilweise, weil sie wollte Sachen anders spielen. Sie kam halt aus Amerika. Und sie wollte halt die Sachen spielen, wie sie sie aus dem amerikanischen Kino kannte. Und die haben... viel diskutiert anscheinend. Er hat ihr zugestimmt, dass sie nicht die Taschen von Michael durchwühlt. Und er hat sie dann auch schließlich die Zähne ... am Schluss so spielen lassen, wie sie wollte. Aber ihr war klar, das Ding wird ja noch mal gedubbt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hat er sie halt das ganz oft sprechen lassen und dann hat sie halt irgendwann offensichtlich einfach nachgegeben und hat es relativ genervt und gelangweilt gesprochen und das war der Take, die den er dann genommen hat. Dadurch gibt es diese wirklich merkwürdige Text, Ton, Bildschere.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Du siehst sie halt ... Wie hast du gesagt, du hast es ziemlich gut auf den Punkt gebracht, gerade so ein bisschen nervös vom Blick.
Johannes Franke: Ja, so ein bisschen verwirrt und so ein bisschen aufgewühlt, aber irgendwie auch stark.
Florian Bayer: Und wie sie aber dann spricht, ist relativ frohig und relativ lakonig. Und das ist auch in anderen Szenen zu spüren, dass Godard den Studioton genommen hat, der nicht unbedingt 100% mit dem Bild korreliert, dass du Leute hast, die sich sehr aufgeregt verhalten, aber sehr ruhig reden und Aber auch das Gegenmodell, dass du Leute hast, die ziemlich ruhig aussehen, aber dann etwas wilder oder etwas hektischer reden. aus diesem Film auch so merkwürdige Vibes gibt von, es passt nicht so 100% zusammen.
Johannes Franke: Das habe ich halt nicht gesehen, weil ich halt die deutsche Synchro... Verdammt, jetzt ärgere ich mich ein bisschen. Schade. Weil ich glaube, das hätte mich dann wieder mehr genervt. So hatte ich halt irgendwie, da ist das durch den Filter gegangen, der mir den Film guckbarer gebastelt hat, zusammengeklöppelt hat quasi. nochmal an Ecken und Kanten geschliffen hat durch die Synchro.
Florian Bayer: Ich habe den Film auch schon synchronisiert gesehen, aber ich kann es jetzt natürlich nicht Ich kann mich jetzt nicht so wirklich daran erinnern, wie es war. Vom Gefühl her, von meinen Wagenerinnerungen würde ich sagen, in der deutschen Synchro ist alles ein bisschen aufgeräumter.
Johannes Franke: Ja, kann sein.
Florian Bayer: Ein bisschen weniger Dialog. Und in den Französischen ist teilweise sehr, sie reden sehr hektisch, sie reden übereinander. Du hast auch... Personen, die nicht im Bild sind und reden. Das ist jetzt noch mal was anderes. Du hast ja diese Bilder, wenn sie im Taxi zum Beispiel sitzen und er auf sie einredet. Dann wird nur ihr Gesicht gezeigt, nur ihre Reaction. Und auch mit Jump-Cuts dann dazu noch.
Johannes Franke: Aber fast auch nur von hinten, wir sehen ja auch wiederum nur sie von der Rückseite, auf der Rückbank hat der Kameramann gesehen.
Florian Bayer: Genau, das ist total geil, weil es so ein bisschen so ein komischer Fahrerblick ist. Und dann auch, wenn er aussteigt, bleiben wir auch in dieser Kamera, wo wir... wo wir nur sehen, wie er rausrennt und irgendwas macht und dann wieder zurückkommt. Und dazu gibt es dann immer wieder diese Schnitte, die eigentlich gar nicht notwendig sind, weil es ja eine Einstellung ist. Ja, innervierend, hektisch. Cut, cut, cut, cut, cut. Was es toll, ich liebe es.
Johannes Franke: Was ich wirklich, wirklich mag... Und was in dem Film gut funktioniert, was mir fast noch mehr hätte sein können, ist tatsächlich ... die Audioebene konstant zu lassen, auf der Audioebene ein Gespräch zu haben, was läuft. Und auf der Videoebene Schnitte zu haben. Dass du das Gefühl hast, du hast zwar ein laufendes Gespräch, aber irgendwie... durch diese Fahrt im Auto und man sieht, die sind irgendwie da und dort und da und dann wechselt ständig der Hintergrund, weil die ja in der Stadt irgendwo rumfahren.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das Gespräch ist aber konsistent. Da ist kein Schnitt. Vom Gefühl her. Das finde ich geil. Ja, wie mag ich diesen Effekt? So dieses Gefühl von, die unterhalten sich halt einfach immer. Ewigkeiten in diesem Auto fahren in der Gegend rum und man hat ein Gefühl von Zeit vergeht, ohne dass die Gespräche zu lückenhaft werden.
Florian Bayer: Das ist halt all das, was du jetzt sagst, finde ich auch total toll und auch das, was in dem Film passiert. war halt vor allem so ein krasser Regelgebruch und wird auch heute noch als Regelbruch wahrgenommen, weil es halt dieses Gesetz ... dieses Gebot des unsichtbaren Schnittes gibt und des unsichtbaren Regisseurs oder der unsichtbaren Regisseurin. Und das wird damit natürlich komplett aufgehoben. Weil sobald du so anfängst, mit dem Medium zu spielen ... dann werden Leute ständig damit konfrontiert, dass sie da gerade einen Film sehen, dass sie was sehen, was da zusammengeklöppelt wurde. Dass sie was Montiertes sehen.
Johannes Franke: Das ist übrigens was, was ganz viel durch andere Umstände bei YouTube passiert, total. Leute, die sich einfach vor die Kamera setzen. Das ist ein Single-Camera-Shot. Du hast nichts anderes. Möglichst noch eine relativ schlechte Kamera. Dann versuchen manche das zu kaschieren, dass sie in derselben Perspektive schneiden, indem sie reinzoomen. Im Grunde besteht ja die Notwendigkeit zu schneiden, weil du immer irgendwelchen Quatsch erzählst zwischendurch, weil du einfach kein Profi bist und dich... mit ausgewendig gelernten Text vor die Kamera stellst, sondern es gibt einfach ganz viele Leute, die einfach nur... Meinetwegen 14-jährige Mädchen, die irgendwas über ihre Schminksachen erzählen. Und natürlich schneiden die mit der einzigen Kamera, die sie haben. Und dann ist es ein Jumpcut.
Florian Bayer: Also entsteht dadurch so eine Unmittelbarkeit auch. Ich finde es auch, wenn man heutige YouTube-Videos sieht, wo das viel gemacht wird. Es hat so ein Authentizitäts- Effekt und so ein Unmittelbarkeitseffekt. Also es funktioniert auch heute noch. Es macht das Medium sichtbar, das dahinter ist. Aber es erzeugt eine Nähe zum Publikum.
Johannes Franke: Ja, ich versuche das eigentlich immer zu vermeiden, aber es gibt Momente... denen ist das ziemlich gut. Und denen kann man das wirklich gut unterbringen. Man muss es halt irgendwie... dem Zuschauer verkaufen trotzdem.
Florian Bayer: Man muss es auch einfach rechtfertigen von dem, was man plant. Wenn man einen Film machen will, dessen Immersion darin besteht, dass er den Zuschauer in eine Traumwelt entführt. Dass der Zuschauer vergisst, dass er... einen Film sieht.
Johannes Franke: Ja, dann geht's nicht.
Florian Bayer: Dann kannst du das nicht machen. Aber wenn du Wenn du die Immersion anders erreichen willst, auch so, das ist ja auch sowas, Jean-Luc Godard wollte ja auch ein... Reportage-ähnlichen Filmen machen, dokumentarischen Filmen machen, dann kannst du das machen, weil du wirst halt reingezogen, du hast die ganze Zeit das Gefühl, es passiert jetzt. Es gibt in diesem Film keinen davor und danach, sondern es gibt immer nur diesen Moment.
Johannes Franke: Cool, also ich mag dafür, ich find's toll. Ich finde es teilweise schrecklich, was damit gemacht wurde dann. Aber es ist ein spannendes Probierfeld. Und spannende Techniken, die sich dadurch entwickelt haben, die man durchaus mal ausprobieren kann als Filmemacher.
Florian Bayer: Ja. Und vielleicht nochmal was Allgemeines zu Nouvelle Vague zu sagen, das ist Dieser Film ist vor allem ein Nouvelle Vague-Film, weil er sich nicht der Nouvelle Vague einordnen lässt.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Das Besondere an der Nouvelle Vague ist halt ... Das Konzept war, Menschen machen individuelle Filme. Und zwar dadurch, dass sie alles in der Hand haben.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und dadurch sind diese Filme auch, die zur Nouvelle Vague gehören, komplett unterschiedlich. Also ein Truffaut-Film fühlt sich sehr... fühlt sich komplett anders an als ein Godard-Film, weil es einfach ein klarer Truffaut-Film ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ein Jean-Pierre Melville-Film fühlt sich auch noch mal komplett anders an. Und das ist so ein bisschen die Besonderheit der damaligen Zeit. Und das hatte sich dann auch irgendwann in den 60ern so ein bisschen überholt, als wieder die Studios angefangen haben, als es plötzlich nicht mehr das große Ideal war, dass einer alles macht. Und ich kann es auch nachvollziehen. Also ich finde es total toll, diesen Gedanken, wir machen individuelle Firmen dadurch, dass wir alles machen. Das hat ja auch der neue deutsche Film gemacht. Das ist ja beim neuen deutschen Film genauso. Ein Werner-Herzog-Film ist komplett anders als ein Rainer-Werner-Fassbinder-Film. Und das eint sie eigentlich, dass sie wirklich individuelle Werke sind. Und es gibt so Verfechter des Autorenkinos, Verfechterinnen des Autorenkinos. die diesen Namen dann so hochhalten und sagen, hey, das waren die besten Regisseure aller Zeiten. Hitchcock, Kubrick oder eben die Franzosen Godard und Truffaut. Ähm, Ich glaube, es wird, so sehr ich diese Filme liege, ich glaube, es wird teilweise ein bisschen überbewertet. Der Einzelgänger, der alles macht. Das muss nicht sein. Es können tolle Filme entstehen, wenn unterschiedliche Personen an Drehbuch... Kamera und Regie arbeiten und jede Person ihre Ideen einfließen lässt.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Es ist natürlich so, dass du dann oft... Es ist wie ein Whisky. Also entweder du hast einen Single Malt, weißt du, du hast einen Fass und das Fass ist für sich gereift.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Oder du wirfst wie Jack Daniels 50.000 Fässer zusammen, um dann statistisches Mittel zu haben, was immer gleich.
Florian Bayer: Jack Daniels.
Johannes Franke: Ihr kids. Aber weißt du, was ich meine? Ja, ich weiß, was du meinst. Entweder du hast Leute, wo dann ganz viele Meinungen dazukommen und dann hat man so ein Mittelmaß und das ist der kleinste gemeinsame Nenner. der irgendwie dann unter Umständen zu einem Mittelmaß wird. Oder du hast jemanden, der eine starke Meinung hat und der hat dann vielleicht einen Film auch mal verreist, weil er irgendwie Scheiße gebaut hat? Oder ist es halt ein großartiges Werk dann am Ende?
Florian Bayer: Ich glaube, im Team muss nicht unbedingt der kleinste gemeinsame Nenner rauskommen.
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht. Das ist ein bisschen gemeingesagt. Aber es ist oft so, wenn du dir Hollywood anschaust, ist das oft so.
Florian Bayer: Ja, ich glaube aber, das ist nicht das Problem der Teams, sondern das Problem der fehlenden Visionen und dass es so auf Einheit gebürstet wird. Dass die Vorgabe schon ist, macht was, was viele Leute ins Kino zieht. PG-13, ein bisschen Action, ein bisschen Romantik, ein bisschen Comedy.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Der nächste Marvel-Film steht da. Chris Marker übrigens zählt auch zu den Novell-Wahl-Regisseuren, also zu den erweiterten Kreis davon. Chris Marker ist der Regisseur von Am Rande des Rollfelds, den wir auch schon ein paar Mal erwähnt haben, die Fotofilme gemacht hat. Und der auch wieder diese ganz eigene Bildsprache hat, weil der hat ja viele von diesen Fotofilmen gemacht. Und mein liebster Nouvelle-Vac-Regisseur ist Louis Malck, glaube ich. Den kennst du vielleicht von Viva Maria?
Johannes Franke: Das war...
Florian Bayer: Nee. Keine Ahnung. Dann kennst du ihn wahrscheinlich nicht. Der hat die Black Moon gemacht, diesen total surrealen Film. wo ein junges Mädchen aus einem Bürgerkrieg zwischen Männern und Frauen flieht und auf einem großen Anwesen landet, wo ein Einhorn lebt und eine alte Frau. Dann wird dem Einhorn irgendwann die Brust gegeben.
Johannes Franke: Klingt nach einem Plur-Film.
Florian Bayer: Also das Frankreich der 60er Jahre hat viele fantastische Filme hervorgebracht und viele sehr spröde und widerspenstige Filme und sehr viele prätentiöse Filme. Und es lohnt sich da so ein bisschen zu wühlen, wenn man Freude daran hat. Und man sollte die Finger davon lassen, wenn einem so etwas schnell zu anstrengend ist. zu nervig.
Johannes Franke: Wenigstens mal reingucken. Ich finde, man sollte wenigstens mal reingucken, deswegen mache ich ja auch diesen Podcast mit dir, damit ich... mal in Sachen reingucke, die ich sonst nicht sehen würde. Damit wären wir auch schon...
Florian Bayer: Am Ende.
Johannes Franke: Am Ende dieses Podcasts. Oh mein Gott, wir haben nicht mal drei Stunden geredet, Plur.
Florian Bayer: Yeah. Und es war ein tolles Gespräch. Ich fand es total schön, nochmal in die 50er und 60er Jahre zu reisen.
Johannes Franke: Voll schön.
Florian Bayer: Und auch so Parallelen zu finden zwischen Amerika und Frankreich, die sich ja gegenseitig ein bisschen auch die Bälle zugespielt haben damals und inspiriert haben. Frankreich war inspiriert von Film Nord, die Nouvelle Vague. Regisseure haben ihren Bogart geliebt, genauso wie Billy Wilder. Und Sowohl Godard als auch Wilder haben jeweils auf ihre Art und Weise das zerfleddert, was sie gefunden haben. Was sie gemocht haben.
Johannes Franke: Ja, genau. Schön. Vielen Dank, Plur, für diese wundervolle Empfehlung. Ich bin froh, dass ich den bekömmlicheren Film bekommen habe.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes, dass ich endlich Sunset Boulevard gucken konnte.
Johannes Franke: Ja, du hättest es auch ohne mich gucken können.
Florian Bayer: Nein, als ich gesagt habe, das müssen wir irgendwann mal besprechen, du gesagt hast, oh ja, auf jeden Fall. Dann hat es sich wie Verrat angefühlt, das vorher zu gucken.
Johannes Franke: Okay. Gut, vielen Dank. Und euch auch noch eine wunderschöne Woche. Schreibt uns gerne wie immer irgendwelche Filmvorschläge. Wir stürzen uns da sehr gerne drauf. Oder irgendwelche Kommentare oder irgendwelche kleinen Empfehlungen. Und... Wir sehen uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Und wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, dann bleibt noch kurz dran. Nach dem Outro gibt es einmal... Geballte Filmempfehlung von uns. Für uns.
Johannes Franke: Gegen uns.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: So, da sind wir wieder, Plur.
Florian Bayer: Da sind wir wieder. Und wir haben noch Filme für nächste Woche.
Johannes Franke: Und wir haben einen Nachbarn, der in die Wand bohrt.
Florian Bayer: Solange er nicht zu uns durchstößt.
Johannes Franke: So, Plur, du hast für mich einen Film. Wir haben uns gerade geeinigt.
Florian Bayer: Ich bin immer noch total beseelt von unserem Ausflug in die frühe Filmgeschichte.
Johannes Franke: Ja, ich auch total.
Florian Bayer: Deswegen will ich noch mal weit in die Vergangenheit zurück, in die Stummfilmzeit. Und ich würde gerne einen echten Klassiker aus dieser Zeit hervorholen. Aus dem Jahr 1920 das Kabinett des Dr. Caligari. Einer der großen deutschen expressionistischen Stummfilme.
Johannes Franke: Sagst du den Regisseur schnell noch?
Florian Bayer: Robert Wiener. Okay. Okay, das heißt ...
Johannes Franke: Eigentlich der Film, der wahrscheinlich den meisten Zuhörern irgendwas sagen sollte aus der Zeit des deutschen Films der 20er.
Florian Bayer: Ich glaube, Nosferatu und Metropolis, die ein bisschen berühmteren Filme, aber ja, natürlich spielt er ganz oben in der Liste.
Johannes Franke: Ja, ich freue mich sehr drauf. Ich kenne ihn natürlich. Das ist so mein Staple eigentlich von Filmen. Und ich freue mich sehr drauf, den einfach nochmal zu gucken. Mal gucken, welche Orchester-Version ich kriege.
Florian Bayer: Oh ja, interessant.
Johannes Franke: Weil das ist ja auch, es gibt ja immer mal wieder so Live-Orchester-Versionen davon in Berlin, in Babylon. Das wird ja immer mal wieder neu aufgelegt.
Florian Bayer: Es gibt eine ganz spannende Version davon mit Free Chess, glaube ich. Oh mein Gott. Ich weiß nicht, welche Band das war.
Johannes Franke: Wir sollten die gleiche gucken, wenn dann, Plur.
Florian Bayer: Ja, ich habe eine Blu-Ray zu Hause. Ich glaube, ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was da drauf ist. Ich gehe davon aus, dass sie aus den alten ... Also das ist so eine liebevolle Sammleredition, wo sie wahrscheinlich irgendwie geguckt haben, wie sahen die Sheets damals aus und dann ... versuchen sie quasi das Original zu kriegen. Okay. Ich würde gerne wissen, wie die Band hieß. Es war nämlich eine ziemlich bekannte Band. die zum Caligari eine Jazz-Variante gemacht hat.
Johannes Franke: Hier haben wir wieder eine Recherchepause. Chlor starrt auf den Bildschirm.
Florian Bayer: Etwas länger dauern.
Johannes Franke: Eher verzweifelt.
Florian Bayer: Fuck. John Thorne.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: John Thorne hat eine Variante gemacht. 2014. Mhm. Und das ist ein krasser, experimenteller, Freechess ist zu wenig gesagt dafür, so ein experimenteller Chess. New Music und noch so ein bisschen Metal mit drin. Was?
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der hat eine Ration gemacht. Ich weiß nicht, ob man die findet.
Johannes Franke: Naja, also eigentlich im Sinne unseres Podcasts müsste man ja normalerweise das nehmen, was der Regisseur wollte.
Florian Bayer: Muss man das?
Johannes Franke: Nicht?
Florian Bayer: Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Also ich weiß nicht, ob es Sheet Music gab für diesen Film, aber ich nehme schon sehr stark an, weil das ist einfach... Die großen Filmemacher haben das getan.
Florian Bayer: Das war auch ein Blockbuster. Also ich glaube schon, dass da mehr erhalten ist als bei anderen Filmen.
Johannes Franke: Müsste man sich mal informieren. Das weiß ich nämlich nicht ganz genau. Wollen wir zu dem Film kommen, den ich dir empfehlen möchte? Ja, was hast du für mich? Also, Plur, nachdem wir jetzt ganz oft festgestellt haben, dass ich in diversen Listen... den Film To Be or Not To Be und zwar die Lubitsch-Version und nicht die Mel Brooks-Version. habe, obwohl die Mel Brooks Version toll ist, das ist nicht abzustreiten. Aber die Lubitsch Version, irgendwie bin ich ein großer Fan vom Original einfach. Du hast es ja auch irgendwann mal gesehen, oder?
Florian Bayer: Ich freue mich total drauf, weil ich habe definitiv die Brooks-Version besser in Erinnerung. Und in meiner Erinnerung... Bevorzuge ich auch die Brooks-Version vor der Lubitsch-Version. Was aber auch daran liegt, dass ich echt jung war, als ich die beide gesehen habe und Brooks habe ich dann einfach ein bisschen öfter gesehen.
Johannes Franke: Okay. Hey, es wäre jetzt natürlich geil, wenn du es schaffen würdest, bis zur nächsten Woche beide zu kommen.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Das ist ja so ein Traum, dass wir noch einmal originalen Remake vergleichen können.
Johannes Franke: Ja, komm, Flo.
Florian Bayer: Ich versuch's, mal schauen. Du schaffst das. Ja.
Johannes Franke: Ich auch. Nein, was habe ich gesagt? Okay. Ich freue mich sehr drauf und wir haben wieder eine Klassiker-Edition dann quasi nächste Woche. Und versprochen, versprochen, versprochen, wir schaffen es danach wieder ein paar neuere Filme unterzubringen, aber ich bin einfach zu großer Fan von den alten Dingern.
Florian Bayer: Ich glaube, wir müssen unsere Clickbait-Folge noch machen. Also such mir dann für die Woche drauf, such mir den clickbaitigsten Film aus, den ich finden kann. Und dann sprechen wir über Fight Club und Harry Potter.
Johannes Franke: Ach du Scheiße. Okay. Na gut, ja, sehr schön. Dann bin ich gespannt auf den Clickbait übernächste Woche. Aber erst mal... Ich freue mich total auf Lubitsch. Und auf Wiener. Genau. Sehr schön.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Bis dann. Schöne Woche euch.

Ich gratuliere Euch zu den coolen Typen wie Shaft, (mit dem coolen soundtrack von Isaac Hayes), & Redford & Newman in Der Clou.
Bogart war vorhersehbar.
Ich geb Euch auch mal 3:
3. Ferris Buller („Ferris macht blau“) *
2. Steve McQueen in „Bullitt“
1. Faye Dunaway in „Thomas Crown “
* Damit hätten wir schon wieder ein neues Thema _High-school movies_ Wie z. B. von John Hughes:(u.a.)
– Frühstücksklub
– Pretty in Pink
– Ist sie nicht wunderbar?
Nur mal so als Anregung.
Viele Grüße
Ronald