Episode 35: Doctor Sleeps Erwachen, I’m Thinking of Ending Things

Der Urlaub hat uns gezwungen, für diese Episode einen etwas anderen Weg bei der Filmauswahl zu gehen. Was finden wir denn auf Netflix, was wir auch bequem im Zug / am Strand / im nirgendwo schauen können? war dabei die alles entscheidende Frage. Unsere Wahl fiel auf eine junge Stephen King Verfilmung, Doctor Sleeps Erwachen, die zugleich auch die Fortsetzung von Stanley Kubricks Horrorklassiker Shining ist. Und unsere Wahl fiel auf I’m Thinking of Ending Things, die jüngste Geburt aus Charlie Kaufmans verschrobenem Verstand.

In der Top 3 geht es passend um die coolsten Menschenfresser der Filmgeschichte und die besten Schlussmachfilme.

Doctor Sleeps Erwachen [Mike Flanagan]

(USA 2019)

Schön, schon wieder ein Horrorfilm, und dazu noch – trotz seines jungen Alters – ein ganz klassischer. Doctor Sleeps Erwachen von Mike Flanagan aus dem Jahr 2019 ist die Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigem Roman aus dem Jahr 2013… Oder? Oder ist er vielleicht doch die Fortsetzung von Stanley Kubricks Horror-Meisterwerk The Shining aus dem Jahr 1980? Darüber wird auf jeden Fall zu reden sein.

Fest steht, wie in der literarischen Vorlage begegnen wir hier wieder Danny Torrance, der die damaligen Ereignisse im Overlook-Hotel, als aus seinem alkoholabhängigen Vater mit der Hilfe diverser Geister ein eiskalter Mörder wurde, nicht so wirklich gut verarbeitet. Um den Erinnerungen zu entgehen, hat er seinen Körper jahrelang mit Alkohol betäubt, sein Shining – die Fähigkeit Dinge auf übernatürliche Weise wahrzunehmen – versteckt er so gut es geht vor der Außenwelt und vor allem sich selbst.

Doch plötzlich wird er herausgefordert seinen Cocon zu verlassen. Eine Gruppe mörderischer Blutsauger hat es auf Menschen abgesehen, die ähnliche Kräfte wie er haben. Ihr neuestes Ziel ist die jugendliche Abra, seine telepathische Brieffreundin. Danny muss sich den Geistern der Vergangenheit und der Bedrohung der Gegenwart stellen.

Johannes, mittlerweile dürften alle Zuhörer*Innen wissen, dass du kein Freund von Horrorfilmen bist. So weit ich mich erinnere, bist du auch kein ausgesprochener Stephen-King-Fan. Konntest du diesem Film trotzdem was abgewinnen?

I’m Thinking of Ending Things [Charlie Kaufman]

(USA 2020)

Gerade Mal 6 Wochen ist die Beziehung von Jake und der jungen Frau mit den vielen Namen alt. Und doch scheint sie schon zu wissen worauf all das hinausläuft und denkt darüber nach die Beziehung zu beenden: „Thinking of ending things“. Wir hören immer wieder ihre Gedanken, aus denen sie von Jake gerissen und in die Wirklichkeit zurück geholt wird. Oder… ist es die Wirklichkeit? Die Geschichte wird streckenweise so surreal erzählt, dass man sich nicht sicher ist, was real und was in ihrem oder seinem Kopf passiert.

Die Romanvorlage des Films beantwortet diese Frage eindeutiger. Es scheint sein Kopf zu sein, der sich erinnert. Ein alter Hausmeister in einer Schule, in der jedes Jahr das gleiche Musical „Oklahoma!“ aufgeführt wird. In diesem Licht, des sich erinnernden alten Hausmeisters, wird der Satz „Thinking of ending things“ vielleicht eher zum Suizid-Gedanken?

Fragen die der Film eigentlich gar nicht offen stellt und schon gar nicht beantwortet. Er zeigt nur. Situationen. Zukunftsvisionen. Vergangenheitsbewältigung. Erinnerungslücken.

Die Frage ist: sollen wir das ganze überhaupt verstehen? Was meinst du Plor?