Episode 34: Der Herr der Ringe: Die Gefährten, Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
Endlich mal eine richtige Blockbusterepisode… Wir haben uns ja jetzt auch wirklich lange genug um uralte Schinken, experimentelle Masturbationen und Kuriositäten des Indie-Kinos gekümmert. Heute gibt es Popcorn satt. Und das dann auch gleich noch im Fantasygenre. Wir werfen einen Blick auf DIE beiden großen Fantasyfilm-Franchises der letzten 20 Jahre: Herr der Ringe und Harry Potter. Erste wird vertreten durch ihren Expositionsfilm The Fellowship of the Ring, Zweitere durch den jungen Nachzügler Fantastic Beasts and Where to Find Them. Natürlich vergleichen wir dadurch auch zwangsläufig die beiden großen J.s: J. R. R. Tolkien und J. K. Rowling, wir vergleichen Fantasy von vor 20 Jahren und heute, und wir sprechen über die Herausforderung, große fantastische Welten zu entwerfen. Unsere dazu passenden Top 3 beschäftigen sich mit Magie im Kino und mit den besten World Buildings. Haltet das Popcorn parat und freut euch auf eine Menge fantastischer Weltflucht…
Der Herr der Ringe: Die Gefährten [Peter Jackson]
(USA, Neuseeland 2001)
Ein Film, sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. Der Herr der Ringe: Die Gefährten aus dem Jahr 2001 ist der erste Teil eine dreiteiligen Verfilmung von J.R.R. Tolkiens berühmten Fantasyepos Lord of the Rings. Regisseur Peter Jackson der damals noch keineswegs im Mainstream angekommen war, schuf damit eine gigantische Saga, die das Sword and Sorcery Genre wiederbelebte und das Blockbusterkino in ein neues Jahrtausend führte.
Erzählt wird vom fiktiven Land Mittelerde, das sich auf einem Scheideweg befindet: Die großen Königreiche der Vergangenheit sind zerbrochen, ebenso der einstige Bund zwischen Menschen, Elfen und Zwergen. Im Osten, im Lande Mordor erhebt sich der grausame Herrscher Sauron, um mit einer gewaltigen Armee von Orks das Ende der Menschheit in Mittelerde einzuleiten. Aber entscheidend für das Schicksal Mittelerdes sind keine tapferen Krieger oder großen Magier, sondern die wesentlich kleineren, Abenteuern überhaupt nicht zugeneigten Hobbits. Einer von ihnen, Frodo, gelangt in Besitz eines teuflischen von Sauron geschmiedeten Rings, der seinem Träger große Macht verleihen und ihn ins Verderben stürzen kann. Das Böse trachtet nach dem Ring und so stellt schnell fest: Er muss vernichtet werden. Neun Gefährten brechen auf, um Frodo sicher zum Schicksalsberg zu geleiten, wo er den Ring im Feuer, in dem er geschmiedet wurde, schmelzen muss.
Uff… und das ist nur der erste Teil eines im Extended Cut über zwölfstündigen Gesamtepos. Dementsprechend ist Die Gefährten vor allem ein Exposition Movie, der sich viel Zeit lässt, die Welt und ihre Figuren seinem Publikum vorzustellen. Daneben gibt es aber natürlich auch einen Haufen Magie, spannende Kämpfe, gigantische Monster und zahllose ikonische, zum Meme gewordene Szenen. Bleibt nur die Frage: Kann ein solcher Blockbuster, der so stark auf visuelle Reize und Special Effects setzt auch 20 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch begeistern? Was denkst du Johannes?
Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind [David Yates]
(USA, Großbritannien 2016)

Ok… clickbaitfolge… Google… erfolgreichste Filme der letzten, sagen wir… 10 Jahre. Ah! Ok… oh, wer hat DEN denn ernsthaft gesehen..? hmm… nix für mich… murmel murmel…
Aaaaah! Fantastic Beasts and where to find them. Wenigstens ein bisschen Magie und schön anzusehen.
J.K. Rowling verspricht es wird keinen weiteren Harry Potter geben, aber es juckt ihr doch so in den Fingern. Dann geben wir eben einem Charakter des Harry Potter Universums ein Spin Off. Aber das darf nicht zu offensichtlich sein… Die Marktforschung sagt die Fans mögen die magischen Tiere und Außenseiterfiguren. Und die 20er sind gerad in. Perfekt. Da war doch mal einer dieser Autoren der Schulbücher von Harry Potter. Newt Scamander. Sehr gut.
Newt reist in den 1926 nach Amerika mit einem Koffer voller fantastischer Tierwesen, und leider leider bricht ein diebisches Exemplar aus und macht die Stadt unsicher. Newt muss seinen Flüchtling wieder einfangen und stößt dabei auf eine andere Kreatur die gerade in New York sein Unwesen treibt bzw. die Stadt zerstört und Menschen umbringt. Offenbar eine Magische Kreatur, die Newt natürlich nicht links liegen lassen kann.
Eine Geschichte die fast varietéartig vor allem von ihrem magischen CGI Schauwert und seinen tollen Schauspielern lebt, oder hattest du den Eindruck einer außergewöhnlich cleveren Geschichte, Plor?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 34: Der Herr der Ringe: Die Gefährten, Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind Publishing Date: 2021-08-25T19:13:01+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/08/25/episode-34-der-herr-der-ringe-die-gefaehrten-phantastische-tierwesen-und-wo-sie-zu-finden-sind/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv, das wird lustig. Fantasy Nerds aller Länder, vereinigt euch und setzt euch um den Weltempfänger, um gemeinsam Zeugen zu werden, wie Plur und Johannes aus Unwissenheit in euren Kult herumtrampeln und sich nicht darum scheren, welcher Zwerg nach welchem geboren ist und ob es in Amerika schon in den 20ern freie Hauselfen gab. Alles scheißegal. Wir schauen nur, ob die Filme gut sind. Ein Bett der treuenden Blasphemie der nächsten siebeneinhalb Stunden.
Florian Bayer: Oh Johannes, ich danke dir so, dass du gleich so die Erwartungen runtergedrückt hast. Ich bin nämlich überhaupt kein Herr-der-Ringe-Nerd und ich bin auch überhaupt kein Harry-Potter-Nerd. Ich auch nicht. Genau, diese Detailfragen, um die sich Nerds streiten, ich werde um die einen ganz großen Bogen machen. Ja, müssen wir auch, weil sonst blamieren wir uns sowieso nur. Also es ist eigentlich... Liebes Publikum, willkommen in unserer Nerd-Fantasy-Blockbuster-Episode. Wir reisen nach Mittelerde.
Johannes Franke: Herzlich willkommen bei Muss-Man-Sehen-Podcast, wo wir jeweils den anderen Filme um die Ohren hauen, in der Hoffnung, dass sie den Horizont des anderen erweitern.
Florian Bayer: Und dieses Mal wird das schwerfallen tendenziell, weil wir beide Filme gewählt haben, die der andere jeweils schon kannte. Ja. Und große Filme, die fast jeder kennt.
Johannes Franke: Ja, die auch irgendwie keine wirkliche Horizonterweiterung mehr sind, weil einfach das alles so gesetzte Filmgeschichte ist, so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also gerade bei Herr der Ringe, bei Fantastic Beasts, weiß ich nicht so genau, das ist so ein bisschen der Ausläufer vom Harry Potter-Universum, was ja auch irgendwie Standards gesetzt hat auf irgendeine Art und Weise.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, es wird spannend. Also wir werden auch drüber reden müssen, was Harry Potter und Herr der Ringe unterscheidet. Die Harry-Potter-Welt in der Herr-Ringe-Welt, was die eine Welt richtig macht, was die andere Welt falsch macht. Und ich glaube, es wird, also zumindest von meiner Seite kann ich schon mal so viel versprechen, es wird ein paar Überraschungen geben in dieser Episode, was meine Wertungen betrifft. Oh. Wie ich die Welten einschätze und wie ich die beiden Filme einschätze und wie ich zum Klassiker stehe und wie ich zum neuen Film stehe und wie ich zu Rowlings-Welt stehe und Tolkiens-Welt. Und ich glaube, in dieser Folge steckt sehr viel Plasphemie-Potenzial. Ja, aber wirklich.
Johannes Franke: Das habe ich sofort gedacht und deswegen habe ich auch diesen kleinen Eingangstext. Ich danke dir. Womit wollen wir denn anfangen? Also eigentlich realistischerweise muss man die Reihenfolge einladen.
Florian Bayer: Mit dem älteren Buch, mit dem älteren Film. Ja. Also nochmal kurz, wir reden, das ist vielleicht ein bisschen untergegangen, wir reden nur über den ersten Herr-Ringe-Film, Die Gefährten, beziehungsweise Fellowship of the Ring, aus dem Jahr 2001. Und wir reden über den ersten Film aus der Fantastic Beasts-Reihe.
Johannes Franke: Hast du Fellowshop gesagt? Das ist interessant. Was kann man da kaufen? Was kann man in Fellowshop kaufen? Ich habe jetzt, als du dieses Wort gesagt hast, in meinem Kopf ein Bild von einem Shop. Fellowshop.
Florian Bayer: Was ist ein Fellowshop? Entschuldigung. Ich hätte gerne einen Zwerg und einen Elfen. Haben Sie den auch in Plont? Der ist nur in Rothaarik, tut mir leid. Genau. Also über die beiden Filme werden wir reden. Das heißt, über den Main-Title aus einer Reihe und über, wie Johannes schon gesagt hat, eher so ein Derivat aus einer anderen Reihe. Derivat ist gut. Okay. Und wir legen los mit?
Johannes Franke: Herr der Ringe. Herr der Ringe. Ja, lass uns doch gerne mit Herr der Ringe. Dann führ du doch einfach mal in den Film.
Florian Bayer: Hust, hust ein. Jetzt habe ich auch so einen pathetischen Start wie du gewählt. Oh, sehr schön. Ein Film. Sie zu knechten. Sie alle zu finden. Ins Dunkel zu treiben. Und ewig zu binden. Der Herr der Ringe, die Gefährten aus dem Jahr 2001 ist der erste Teil einer dreiteiligen Verfilmung von J.R.R. Tolkiens berühmten Fantasy-Epos Lord of the Rings. Regisseur Peter Jackson, der damals noch keineswegs im Mainstream angekommen war, schuf damit eine gigantische Saga, die das Sword- und Sorcery-Genre wiederbelebte und das Blockbuster-Kino in ein neues Jahrtausend führte. Erzählt wird vom fiktiven Land Mittelerde, das sich auf einem Scheideweg befindet. Die großen Königreiche der Vergangenheit sind zerbrochen. Ebenso der einstige Bund zwischen Menschen, Elfen und Zwergen. Im Osten, im Lande Mordor, erhebt sich der grausame Herrscher Sauron, um mit einer gewaltigen Armee von Orks das Ende der Menschheit in Mittelerde einzuleiten. Aber entscheidend für das Schicksal dieser Welt sind keine tapferen Krieger oder großen Magier, sondern die wesentlich kleineren, Abenteuern überhaupt nicht zugeneigten Hobbits. Einer von ihnen, Frodo, gelangt im Besitz eines teuflichen, von Sauron geschmiedeten Rings, der seinem Träger große Macht verleihen und ihn ins Verderben stürzen kann. Das Böse trachtet nach dem Ring und so steht schnell fest, er muss vernichtet werden. Neun Gefährten brechen auf, um Frodo sicher zum Schicksalsberg zu geleiten, wo er den Ring im Feuer, in dem er geschmiedet wurde, schmelzen muss. None|Uff. Und das ist nur der erste Teil eines Extended-Cut über zwölfstündigen Gesamt-Epos. Dementsprechend ist die Gefährten vor allem ein Exposition-Movie. Der sich viel Zeit lässt, die Welt und ihre Figuren seinem Publikum vorzustellen. Daneben gibt es aber natürlich auch einen Haufen Magie, spannende Kämpfe, gigantische Monster und zahllose, ikonische, teilweise zu Meme gewordene Szenen. Bleibt nur die Frage, kann ein solcher Blockbuster, der so stark auf visuelle Reize und Special Effects setzt, auch 20 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch begeistern? Johannes, was denkst du?
Johannes Franke: Ja, das kann der. Ja, also, um mal gleich klar zu antworten, natürlich kann er sofort, der begeistert natürlich. Das, was du sagst, das ist ein Exposition-Movie, ich glaube, das ist auch seine Stärke. Ich glaube, deswegen funktioniert er auch so gut und deswegen ist es am Ende auch scheißegal, was sie jetzt machen noch, ob die das jetzt schaffen oder nicht. Ich musste jetzt nicht doch die beiden anderen Filme gucken. Ich habe mich einfach nur gefreut über die ganzen Charaktere, wie sie eingeführt werden und wie ich ihnen beim Leben zusehe. Ist mir fast wichtiger als das Abenteuer. Ja. Irgendwie. Ich weiß nicht genau warum, aber irgendwie schafft es Peter Jackson in diesem Film schon, die Figuren wirklich gut einzuführen. Ich finde es toll. Ja. Oder hast du das jetzt anders gesehen?
Florian Bayer: Viel Licht, viel Schatten. Es war tatsächlich, ich habe ihn wirklich anders wahrgenommen, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Ja. Und er ist für einen Exposition-Movie ist er echt okay. Aber das Problem ist, es ist halt wirklich ein Exposition-Movie. Das ist ein Film, der sehr viele Charaktere hat, die er einführt. Das ist ein Film, der sehr viele Stationen hat, zu denen er reist. Und er läuft permanent Gefahr und das tun aber auch die anderen beiden Filme, zu so einem Stationen-Film zu gehen. Das heißt, sie kommen irgendwo an, da ist das Abenteuer, da ist die Gefahr. Sie überwinden die Gefahr, sie gehen zur nächsten Station. Ja. Und bei ihm ist es tatsächlich am Extremsten. Ich habe es geschafft, sie alle zu gucken. Oh, wow. Ich finde, es ist der Schwächste der drei Filme. War es wirklich?
Johannes Franke: Ja. Ich finde es der Stärkste. Das ist krass, wie unterschiedlich man das wahrnehmen kann. Wirklich? Weil mich interessieren die ganzen Schlachten, die später kommen, überhaupt nicht. Und diese ganze andere Kladderadatsch. Ich finde noch die Bäume ganz toll. Die fand ich im Buch schon ganz toll. Die ernst? Ich bin ganz froh, dass sie da drin sind. Ja. Ein paar andere Sachen, die es leider nicht in den Film geschafft haben, die nicht drin sind, war ich enttäuscht, als ich das damals gesehen habe. Aber ich verstehe auch, man kann nicht alles reinhauen. Aber man hätte an den ganzen Kriegsszenen durchaus sparen können und dafür andere Sachen reinhauen.
Florian Bayer: Ja, das hätte Tolkien auch machen können, an den Kriegsszenen sparen. Ja, das stimmt. Das ist tatsächlich auch eine Schwäche der Vorlage, dass die Schlachten sich ewig hinziehen. Ach Gott. Vielleicht, um das gleich zu sagen, ich bin kein großer Tolkien-Fan. Ich mag die Herr-der-Ringe-Bücher nicht. Hast du den Hobbit gelesen? Ich habe den Hobbit angefangen und aufgehört. Oh, wirklich?
Johannes Franke: Ja. Weil da finde ich es am schönsten. Eigentlich, da finde ich Tolkien in der Kürze am schönsten.
Florian Bayer: Also, was Tolkien natürlich total krass kann, ist Worldbuilding. Ja. Und es ist einfach, es ist Herr-der-Ringe, lebt nicht unbedingt von der Romanhandlung, sondern von der Welt, die erschaffen wird. Und das ist ja einfach der Wahnsinn. Also, der Mann hat 50 Jahre, bevor das Buch entstanden ist, bevor das Buch veröffentlicht wurde, es wurde 1954, 1955 veröffentlicht, 50 Jahre vorher hat er angefangen, diese Welt zu bilden. Und es ging eigentlich nur darum, dass er eine neue Sprache machen wollte. Ja, genau. Tolkien war ein Linguist und Sprachfreak und er wollte einfach eine neue Sprache entwickeln. Und zwar das sogenannte Quenya, also das, was in den Büchern später hochelbig genannt wird. Und dann hat er irgendwann festgestellt, oh, Sprachen benötigen einen kulturellen Kontext und brauchen eine Sprachgeschichte, die auch irgendwie mit der Geschichte einer Welt zusammenhängt. Und dann hat er halt die Welt erschaffen. Und dann ist so nach und nach wurde immer mehr draufgesetzt. Und das Coole bei Tolkien ist halt tatsächlich, dass das Worldbuilding lange vor der eigentlichen Geschichte steht. Also vor dem großen Epos, vor dem großen Roman, seine ersten Texte, die in der Welt stehen, hat er Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. 1913 sind die ersten Kurzgeschichten entstanden, die dann später zum Simmerillion verarbeitet wurden. Und der Hobbit 1937, der ist auch fast 20 Jahre vor Herr der Ringe entstanden. Ja. Ich finde, man sieht halt Herr der Ringe so ein bisschen an, der gesamten Geschichte, dass sie um diese Welt gebaut ist und dass nicht die Welt um die Geschichte gebaut ist. Das heißt, Tolkien verliert sich sehr gerne in den Details seiner Welt. Und ich kann total gut verstehen, dass Fantasy-Nerds da super drauf abfahren.
Johannes Franke: Ja, das ist ja auch der Grund, warum ein Fantasy-Nerd ist. Ja. Also klar.
Florian Bayer: Weil die Welt hat natürlich Hand und Fuß. Es ist tatsächlich eine spannende Welt, die wirklich durchdacht ist, die Parallelen hat zu unserer Welt, aber auch ganz eigene Gedanken. Aber natürlich besteht immer die Gefahr, dass es zu viel Welterfahrung ist und zu wenig Handlung. Das fand ich im Roman schlimmer als im Film. Ich habe früher immer ganz gerne damit provoziert, dass ich gesagt habe, ich finde die Herr der Ringe-Filme von Peter Jackson besser als die Romanvorlage. Die gehören für mich in die Top-Liste der Filme, die besser als ihre Vorlage sind. Einfach, weil man dann sieht, wie die Fantasy-Nerds plastwirken und anfangen Heugabeln und Fackeln zu holen.
Johannes Franke: Ja, ich halte mich gerade noch zurück, aber nur gerade so. Weil die Bücher, ich habe sie als Jugendlicher und junger Erwachsener insgesamt dreimal gelesen. Oh. Herr der Ringe. Diese drei fetten Dinger. Dreimal. Ich habe zugegebenermaßen ab und zu vorgeblättert, vor allem in den Kriegsszenen. Aber ich habe mich da mehrmals durchgearbeitet, weil ich es einfach so toll fand.
Florian Bayer: Durchgearbeitet, das ist das Stichwort.
Johannes Franke: Es ist stimmt, also du musst dich schon durcharbeiten. Da hast du vollkommen recht und das hat so ein bisschen, aber man weiß auch, was man geschafft hat am Ende. Also es ist schon. Und dann klappt man das letzte Blatt um und denkt sich, uff, geschafft. Oh, eigentlich ganz schade. Hm, fange ich nochmal vor vorne an. Weil man ist so drin, man hat so viel Zeit mit denen verbracht. Das ist so, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Das geht mir so gar nicht mit diesem Buch so. Ich habe das auch als junger Erwachsener gelesen zum ersten Mal. Also ich war mit Sicherheit über 20. Ah, okay. Und es wäre wahrscheinlich gelogen, wenn ich sagen würde, ich habe es komplett gelesen. Weil ich weiß genau, es gab viele Stellen, wo ich drüber geblättert habe, wo ich dachte, oh, wie lange kämpfen sie jetzt noch? Ah, die Schlacht geht so viele Seiten. So viele Seiten.
Johannes Franke: Aber dann, Umberto Eco ist ja auch so einer. Der schafft das ja auch, über drei Seiten nur ein Pendel zu beschreiben, was einfach pendelt.
Florian Bayer: Ja, aber Umberto Eco hat irgendwie mehr sprachliche Finesse. Ich habe es auf Deutsch gelesen, muss ich dazu sagen.
Johannes Franke: Ja, ich habe es auch tatsächlich nur auf Deutsch gelesen. Ich habe keine englische Version davon, auch nicht zu Hause. Weil ich einfach zu spät so gut Englisch konnte, dass ich es mal hätte zutrauen wollen.
Florian Bayer: Ja, same here.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist aber nicht nur das, es ist nicht nur diese langen, ermüdenden Schlachten, sondern es ist auch diese kleinen Nebenhandlungen, die, wo ich finde, dass der Film vieles richtig macht, dass er Sachen wegkürzt. Ja, muss er ja. Das Volkchen packt seine Welt voll mit so kleinen Sachen, die dann halt nochmal passieren und so kleinen Ereignissen. Und der Klassiker ist ja dieses Ding, wo sich ganz viele Fans tierisch drüber aufgeregt haben, dass der im Roman fehlt, im Film fehlt aus dem Roman.
Johannes Franke: Ich glaube, das ist der im Wald. Ja, genau. Bombardier. Genau, den wollte ich auch unbedingt haben.
Florian Bayer: Genau, den wollten alle unbedingt haben, aber ich bin so froh, dass der nicht genommen wurde.
Johannes Franke: Es ist so überflüssig. Ich war so traurig. Es ist so überflüssig. Der war so geil im Buch. Ich habe den so geliebt. Oh Mann. Ich glaube, das zweite Mal gelesen habe ich das Buch, nur um das nochmal zu lesen. Wirklich. Ich habe mich da nochmal rangesetzt, weil ich gedacht habe, ich muss unbedingt nochmal an Tom Bombardier ran. Und als wir das letzte Mal darüber geredet haben, ist mir der Name schon nicht mehr eingefallen. Und das hat mich nochmal trauriger gemacht, weil das der Film irgendwie es schafft, dass man das auch noch vergisst, aus dem kollektiven Gedächtnis von Herr der Ringe raus gelöscht, diese Figur.
Florian Bayer: Voll gemein. Ich finde das, also wenn es nach mir geht, hätten sie noch mehr kürzen können. Immer wenn so bei Tolkien so diese esoterische Gedanke durchsplitzt, also was natürlich viel kommt, wenn man irgendwie Elben begegnet, fängt es mich sehr schnell an zu nerven. Und ich fand Tom Bombardier ist so eine eh so Wald-Hippie-Figur, mit der konnte ich nichts anfangen. Ich kann mir auch bis heute mit der Figur nichts anfangen. Das ist halt ein Elb, weniger pathetisch und dafür ein bisschen sympathischer und ein bisschen witziger. Ja, genau. So eine Slapstick-Figur.
Johannes Franke: Ja, so ein bisschen.
Florian Bayer: Und es ist so überflüssig, weil es nichts zur Handlung beiträgt. Und das Buch ist voll mit diesen kleinen Dingern, die nichts zur Handlung beitragen. Die aber zum Worldbuilding beitragen, was eben wahnsinnig wichtig ist.
Johannes Franke: Und was einfach, ich glaube, was überhaupt den Erfolg dieses Buches ausmacht. Ich glaube, wenn der das nicht so gemacht hätte, wäre das überhaupt nicht so ein Erfolg geworden.
Florian Bayer: Vielleicht. Es ist ja so ein bisschen dieser Nationalepos-Gedanke. Das hat er auch selbst gesagt, dass es furchtbar geschmerzt hat. Dass es kein englisches Nationalepos gibt, aber es gibt die Germanischen, die Griechischen und die Kältischen. Und ich finde diese Nationalebene, also wenn man sie im Original liest, alle furchtbar öde, weil es halt auch, weil die bauen immer darauf aus, dass es von Station zu Station geht. Dann reißt die Friede halt dahin und spielt den Drachen, dann reißt er dahin und kämpft gegen die Frau, dann reißt er dahin und ist unsichtbar. Und bei den Griechischen Sagen ist es genauso. Also die Ilias ist so, ja, geil, von der Grundidee. Aber wenn du das Ding liest, dann sitzt du halt da und es ist so langweilig. Und dann kommt nochmal eine Figur, die nochmal irgendwie kämpft und nochmal eine Figur, die irgendwen verrät und irgendwas Schlimmes macht oder irgendwas Gutes. Und das ist halt bei Herr der Ringe auch, dass es einfach davon inspiriert ist. Und das ist vielleicht einfach nicht mein Genre.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich ist es einfach nur nicht dein Genre, weil man sieht es Peter Jackson schon noch an, dass es ihn manchmal schmerzt, Sachen rauszustreichen. Ich finde, man merkt es dem Film schon an. Gerade wenn er bei den Elben ist, ist er ja was den Pathos und den leichten, das Overusement von Weichzeichner und dieses ganze Esoterische. Also Peter Jackson scheint echt einen Softspot für sowas zu haben. Ja, definitiv. Wenn man so seine anderen Filme anguckt, dann denkt man sich, oh mein Gott. Und da ist man fast dankbar, dass er sich nicht zu sehr ausgetobt hat. Also es ist schon grenzwertig teilweise. Shiny, shiny, shiny. Es ist grenzwertig.
Florian Bayer: Eui, eui, eui, eui, eui. Auch mit der Musik dann. Es ist natürlich alles bombastisch und man verzeiht auch viel bei diesen Sentimentalitäten, die dann kommen. Ja, die gehören dazu. Die bewegen natürlich auch. Es ist, wie gesagt, viel Licht und viel Schatten. Also was mir aufgefallen ist jetzt, nochmal bei der Recherche, er hat echt viel reingestopft. Er hat sich wirklich darum bemüht, der Vorlage gerecht zu werden.
Johannes Franke: Natürlich bedeutet das noch mehr, das was du sagst, dieses Stationen abarbeiten. Dann kommen sie dahin, dann kommen sie dahin, dann kommen sie dahin. Und oft verpasse ich als Zuschauer, das ist so einer der Kritikpunkte, die mir währenddessen aufgefallen sind beim Gucken. Ich verpasse oft den Grund, warum die jetzt dorthin reisen. Ich habe verpasst, dass die, also ich weiß das, aber ich habe verpasst, dass Gandalf ihnen sagt, dass sie sich beim Tänzeln im Pony treffen werden. Ich habe verpasst, warum die da jetzt vor den Toren stehen. Ich habe, ne, so diese Motivation dafür, noch weiter zu gehen, ist halt manchmal geht ein bisschen flöten.
Florian Bayer: Ja, es geht genau, es geht so ein struktureller Zusammenhang flöten. Und deswegen finde ich die anderen beiden Filme besser, weil es bei denen mehr einen strukturellen Zusammenhang gibt. Da gibt es eben im zweiten Teil die große Rohan-Geschichte. Und die hat einfach eine gewisse Struktur. Da gibt es halt einen König, der unterdrückt wird von diesem bösen Diener. Und dann gibt es die Schlacht und darauf wird sich vorbereitet. Dann sind die einen bei den Ents. Aber es ist klar, dass die eine große Rolle spielen werden, weil die sind halt unterwegs zu Saruman, wo der Turm zerstört werden muss. Dessen Truppen unterwegs sind nach Helmsklamm und so weiter. Das ist halt einfach eine strukturierte Erzählung mit drei verschiedenen Handlungsebenen. Und das ist der erste Teil nicht. Beim ersten Teil kleben sie alle zusammen und es geht so Schritt für Schritt vorwärts. Es gibt großartige Momente da drin, aber es sind halt Momente.
Johannes Franke: Was aber wiederum auch ein Problem sein könnte der anderen Filme, dass du horizontal mehrere Geschichten erzählst und dann immer wieder hin und her schneidest und dann kommst du aus einem Kriegsgeheul und Schlacht zu den Ends zurück und hast erst mal Entschleunigung. Das funktioniert sehr gut. Es funktioniert nicht immer, es ist nicht für jeden was. Also ich mochte es auch, aber ich weiß, dass es viele Leute gab, die gesagt haben, oh jetzt kommen die wieder, was soll das denn?
Florian Bayer: Ich fand tatsächlich die Frodo-Szenen teilweise sehr ermüdend bei den anderen beiden Teilen, weil die zu wenig führen und weil die halt auch eher so einfach nur ein Vorwärtsgehen sind. Und dann kommt halt der nächste Verrat von Gollum und das nächste Spiel zwischen Gollum und Sam. Die Frodo-Szenen leben natürlich vor allem davon, also für mich persönlich, dass ich Sam einen großartigen Charakter finde.
Johannes Franke: Sam ist so großartig. Ist eigentlich die heimliche Hauptfigur. Ja.
Florian Bayer: Wirklich. Die beste Figur in der Geschichte.
Johannes Franke: Und es ist wunderschön in der ersten, im ersten Teil eben erzählt, wie er dann noch hinterher rennt, wenn Frodo eigentlich in seinem Boot schon sitzt und sagt, ich hau ab, alleine. Und er sagt, ja, ja, natürlich alleine, aber doch bitte mit mir. Und das ist so. Und er geht dann noch, er kann nicht schwimmen, aber er rennt halt hinterher und stürzt sich ins Wasser. Stürzt sich ins Wasser und wird natürlich. Für seinen Herrn Frodo, für seinen Master Frodo. Oh Mann. Also das ist natürlich, also so modern gesehen würde ich sagen, um Gottes Willen, hallo, Master, wie jetzt Master, kannst du mal deinen eigenen Kopf, aber es ist, es ist emotional trotzdem wahnsinnig angreifend.
Florian Bayer: Es ist auch tatsächlich, das habe ich stark in Erinnerung, dass das im Film sehr entschärft ist, das Verhältnis zwischen Frodo und Sam wird deutlich mehr auf die Freundschaftsebene gezogen, während es im Buch viel klarer ein Herr-Diener-Verhältnis war. Das weiß ich schon gar nicht mehr genau. Das kann ich gar nicht mehr so beurteilen. Das ist halt auch meine Erinnerung von vor 15, 20 Jahren, als ich das Buch gelesen habe und den Film zum ersten Mal gesehen habe. Da war mir das aber sehr aufgefallen, dass es im Buch mehr Sam, mehr der Diener ist von Frodo und im Film ist er mehr der beste Freund und eigentlich ist dieses Master, diese Ansprache, die er für ihn hat, ist das Einzige, was von diesem Herren-Diener-Verhältnis übrig geblieben ist und natürlich seine krasse Loyalität, die über alles geht.
Johannes Franke: Aber das ist eine gute Entscheidung des Films, muss man schon sagen. Auf jeden Fall. Das ist natürlich viel wichtiger als, also aus Freundschaft was zu machen, da willst du viel mehr dranbleiben als aus Loyalität wegen eines Herrschaft-Genechtschafts-Verhältnisses.
Florian Bayer: Und damit sind wir auch gleich beim großen Licht, das ich in diesem Film sehe, die Hobbits und die Auland-Szene. Ja. Fantastisch. Die kriegt mich jedes Mal.
Johannes Franke: Richtig, richtig, richtig geil. Und ich bin über jeden Schauspieler dankbar, der gut spielt, wie Ian Holm macht das unglaublich gut. Der ist so ein wahnsinnig guter Bilbo. Ja. Und ich komme da fast nicht drüber weg, weil ich denke immer wieder, ich muss Pause machen, um das zu verarbeiten, was da gerade passiert, um dann weiter zu gucken, weil dann noch Gandalf dazu kommt, der auch so wahnsinnig gut ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und nur in so kleinen Zwischenschnipseln, so ein Reaction-Shot von Gandalf, der mit einem Blick die ganze Welt nochmal erklärt. Total krass. Woher nimmt er das her? Ja, diesen Blick, der gleichzeitig freudig, melancholisch und sorgenvoll ist. Nachdenklich, ja.
Florian Bayer: Wie kriegt er das hin? Es ist Wahnsinn, ne? Fuck, Mann. Ja, Ian McKellen als Gandalf ist ein großartiger Magier. Oh Gott. Eine total spannende Figur und dann dieses Einbrechen von Gandalf in diese Hobbit-Welt, die so wundervoll gestaltet ist. Also sie haben wirklich keine Kosten gescheuert. Das ist total krass, was die da aufgefahren haben, um diese Hobbit-Welt lebendig werden zu lassen. Diese Kulissen sind einfach atemberaubend. Diese Waldhügel mit den Türen. Es ist wirklich eingetaucht in die Vorstellung von Tolkien. Und es ist bis ins kleinste Detail die Figuren, die da rumlaufen, die auch alle miteinander interagieren. Dieser alte Typ, der da steht am Anfang, wenn Gandalf kommt und dann mürrisch guckt und dann macht Gandalf ein Feuerwerk. Und dann freut er sich genauso wie die Kinder und dann kommt die Frau raus und die ist dann sauer, dass er sich freut. Und er erinnert ihr daran, dass sie ihn ja Gandalf nicht mögen, nicht wahr?
Johannes Franke: So mehr oder weniger. Das ist ganz toll. Weißt du noch, wo du warst, als rausgekommen ist, dass Peter Jackson das macht? Nee. Das ist für mich wie der Moment, als die Zwillingstürme in New York umgestürzt sind, bloß im Positiven. Ich werde nie vergessen, wo ich war, als rauskam, dass Peter Jackson dieses Buch anfasst. Dann lass mal hören. Für mich war das total, das war ein Riesending. Ich weiß aber nicht, welches Jahr das war, weil es muss 99 vielleicht gewesen sein oder 98. Er hat 97 damit angefangen, aber bis es irgendwie bei mir war, kann es eine Weile gedauert haben. Und ich war, kennst du diese Warhammer, wo die einen Haufen kleine Figuren anmalen, wo ich mal überlegt hatte, ob das vielleicht mein Nerdtum sein könnte als Jugendlicher?
Florian Bayer: Das war, nee, es war noch nicht die Zeit, in der wir Rollenspiele gespielt haben, weil wir haben ja tatsächlich, Johannes und ich haben einen großen, wir sind Erwachsene mit Nerd-Hintergrund. Wir haben als junge Erwachsene sehr viel zusammen Rollenspiele gespielt, vor allem das schwarze Auge. Ich sag nur On Tor. Ich hab dich beim DSA-Spielen kennengelernt. Das erste Mal, dass ich Johannes getroffen habe, war beim Spielen von das schwarze Auge. Und ich hab die ganze Zeit überlegt, ob du der Freund oder der kleine Bruder von Maja bist. Also Maja kannte ich schon vorher, ich hab mit Maja zusammen studiert und ich kannte die von der Uni und wir kannten beide meine Schwester, Maja war mit meiner Schwester befreundet und hatten dann noch eine gemeinsame Freundin von meiner Schwester und wir haben, da haben wir irgendwie, sind wir drauf gekommen, wir könnten ja mal Rollenspiele spielen, weil ich hab früher auch mit meiner Schwester Rollenspiele gespielt als Jugendlicher, also das schwarze Auge, Pen & Paper, kennt man vielleicht nochmal. Einige Leute, die in den 90ern groß geworden sind, werden das noch kennen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir uns da getroffen und dann meinte Maja, und sie bringt noch jemanden mit, der auch mitspielt. Und dann kam Johannes. Und Johannes, hast du zum ersten Mal damals Rollenspiele gespielt?
Johannes Franke: Nein, ich war eigentlich schon damals ziemlich Profi. Ich wollte bloß erstmal gucken, wie ihr so drauf seid. Ja. Und dann hab ich, ich hatte keinen Charakter dabei, das heißt, ich musste mir irgendeinen Charakter schnell ausdenken und dann hab ich mir den dümmsten Charakter ausgedacht, der mir eingefallen ist, um wirklich mich einfach zurücklehnen zu können und mal zu gucken, wie ihr so drauf seid. Und dann hab ich einen gehabt, der eigentlich bei jeder Gelegenheit nur sagte, äh, und Tor. Oh, und Tor. Der ist seinen eigenen Namen, der konnte seinen eigenen Namen sehr gut sagen, der Rest war eher schwierig für ihn.
Florian Bayer: So ein großer, kräftiger Wikinger-Typ. Ja. Und ich war Spielleiter wohl gemerkt, ich musste das irgendwie handeln, dass da jetzt so jemand dabei war in der Runde. Das war großartig, weil ich hab nichts gelöst, ich hab nichts beigetragen, ich hab nur da gestanden und On Tor gesagt. Aber es war tatsächlich fantastisch, man hat auch direkt gemerkt, dass du Schauspieler bist. Und wir haben uns dann irgendwann auf dem Balkon unterhalten an dem Abend noch und ich dachte, ah ja, okay, er kann denken. Er ist ein kluges, menschliches Wesen mit einem Wortschatz, das denkt und spricht.
Johannes Franke: Das ist super. Ja, ich hab mir ein bisschen Sorgen gemacht den Abend über, was ihr von mir denkt. Aber es ist ja nochmal gut ausgegangen.
Florian Bayer: Es war tatsächlich, nachdem wir uns dann unterhalten haben, so irgendwie normal, außerhalb der Rolle, war ich total begeistert von deinem On Tor, weil du einfach halt geswitcht hast zwischen dir und zwischen diesem Wikinger-Typ, der breitschuldrig war und doof. Und der Kontrast hätte nicht größer sein können. Schön.
Johannes Franke: Ja, so jetzt, kleiner Ausflug.
Florian Bayer: Du warst in einem Pen-and-Paper-Nerd-Tabletop-Spielladen.
Johannes Franke: Genau, bestimmt vier, fünf Jahre, bevor wir uns kennengelernt haben. Ja. Oder so. Und ich hatte überlegt, ob ich so kleine Fantasy-Figuren anmalen will. Hab mich irgendwann dagegen entschieden, aber ich dachte irgendwie, naja, jetzt ist hier so ein Laden, ich geh hier ab und zu mal rein und nerv den Verkäufer. Und dann, nachdem ich ein paar Mal dort war und mich auch darüber unterhalten habe, dass ich Herr der Ringe und so toll finde und das natürlich eine Schnittmenge war mit den Leuten, die da gearbeitet haben und die da mal wieder reingekommen sind, sagte irgendwann dieser Typ zu mir, völlig aufgeregt, ganz aus dem Häuschen, die wollen Herr der Ringe verfilmen, das geht überhaupt nicht, wie geht denn das? Oh mein Gott, ich bin so aufgeregt. Und da hat er fast einen Herzkasper bekommen und ich hab mich sehr anstecken lassen und war dann völlig, weil ich gedacht habe, wie willst du das machen? Da musst du ja riesige, riesige Aufbauten und so. Und dann kam eben das erste Bild aus dem, was dann aufgebaut wurde aus Hobbingen. Ach krass. Das war so ein Riesending für mich, dass ich gedacht habe, what the fuck, oh mein Gott. Also, ich male hier so kleine Figuren vielleicht an, aber was die da machen, ist wirklich der Hammer.
Florian Bayer: Es hat mich damals tatsächlich kalt gelassen, weil ich kein Freund der Vorlage war. Ich hab's nur vor allem deshalb stark in Erinnerung, weil es das Jahr war, wo plötzlich ehemalige Splatter-Regisseure in Hollywood Filme drehen durften. Es war nämlich gleichzeitig mit der Herr der Ringe-Verfilmung von Peter Jackson, der als neuseeländischer Regisseur für mich vor allem bekannt war für den Film Braindead.
Johannes Franke: Ich kannte ihn gar nicht, ich hab auch Braindead nie gesehen, deswegen war ich, war mir das völlig Wumpe. Aber erst später, als ich dann rausgefunden habe, was für ein Typ das ist, hab ich mir ernsthaft Sorgen gemacht.
Florian Bayer: Er hat halt tatsächlich, der hat trashige Splatter-Filme gemacht Anfang der 90er, also er hatte der Mitte der 90er, hatte er mit The Frighteniers, hatte er schon so eine Art Ghostbusters, das war 1996, das war so sein großer ... Der war gar nicht so schlecht. Der war gut, der war richtig gut, das ist glaube ich mein liebster Peter-Jackson-Film, aber der ist für einen Film, der einen Geisterjäger zeigt, gespielt von Michael J. Fox, ist er doch ziemlich brutal und düster. Also so Ghostbusters in düster und ein bisschen brutaler. Und davor hat er aber halt vor allem sowas gemacht wie Bad Taste, Braindead und Meet the Feebles, was alles so splatter, trashige Filme machen. Und im selben Jahr, in der selben Zeit, in der Herr der Ring gefilmt wurde von ihm, durfte Sam Raimi, der Regisseur von Evil Dead, beziehungsweise Tanz der Teufel, den Spider-Man-Film drehen. Ach. Und deswegen hab ich das so in Erinnerung, weil das beides so Regisseure waren, denen man überhaupt keine Hollywood-Karriere zugetraut hat, beides Regisseure, die ich mochte, weil ich einfach auf dieses abgefahrene Zeug gestanden habe. Ja. Und dann drehen die plötzlich beide so große Blockbuster und die Regisseure, die dafür bekannt sind, dass sie sich drüber Gedanken machen, wie man am besten den Kopf abhacken und viele Blutfontänen und Organe durch die Gegend werfen kann. Sie dürfen plötzlich Kinder, Familien eben Filme drehen. Das ist bei mir vor allem in Erinnerung geblieben davon.
Johannes Franke: Hast du irgendeine Ahnung, wie das Peter Jackson geschafft hat, auch irgendjemand davon zu überzeugen, dass der Typ von Braindead dieses riesen Ding mit 180 Millionen Budget, nee, nicht mehr, oder? 300 irgendwas? Ja, der erste Film hat, muss ich nochmal gucken, das ist teuer.
Florian Bayer: Sehr teuer.
Johannes Franke: So viel sei gesagt. Einfach so viel Geld in die Hand zu geben und zu sagen, ja, verbrenn's doch gerne. Ja.
Florian Bayer: Ja, vor allem mit diesem, dass er drei Filme gleichzeitig dreht, dass die ewig lang sind. Meine Theorie ist, also er hat das ja wirklich lange im Voraus gemacht, er hat in den 90ern angefangen. Ja. Meine Theorie ist, dass das Drehbuch in dem Fall tatsächlich so gut war und die überzeugt hat. Also wahrscheinlich war es auch der Gedanke, hey, die Lord of the Rings-Verfilmung, die wir alle kennen, ist sehr alt und ist nie fertig gemacht worden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist eigentlich so ein Film, der nach einem großen Blockbuster schreit, hey, wir haben geile neue Möglichkeiten durch CGI. Also es war mit Sicherheit auch ein bisschen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber ich denke tatsächlich, dass das Drehbuch auch einfach überzeugend war, beziehungsweise dass er gut gepitcht hat.
Johannes Franke: Aber wenn ich mit dem Drehbuch irgendwo hingehe und so viel Geld verlange, dann sagen die vielleicht noch, ja, das Drehbuch ist ganz gut, wir setzen da mal noch ein paar unserer Leute ran und ändern noch ein paar Dialogzeilen. Aber Regie, wie jetzt? Du willst Regie machen? Vergiss es. Wir haben ja jemanden, der macht das ganz gut.
Florian Bayer: Ich glaube, das Zweite ist tatsächlich, dass er auch gute Kontakte hatte. Also er hat ja auch mit Heavenly Creatures hat er ja quasi mehr so ein gut rezipiertes Drama gedreht. In den 90ern, also und da hat er glaube ich auch, genau, da hat er auch ganz viel am Drehbuch gearbeitet.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und er war halt auch so ein Selfmade-Filmmacher. Er hat immer Drehbuch und Regie gemacht.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Und er hat die Filme auch selbst produziert. Das heißt, er kannte wahrscheinlich auch Leute. Er kannte die zum Beispiel von den Special Effects, von der Special Effects Group, mit denen hat er schon bei Braindead zusammengearbeitet.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Das heißt, er war wahrscheinlich auch einfach sehr gut vernetzt und dann richtige Zeit, richtiger Ort, richtiger Typ und auch einfach ein bisschen Glück gehabt.
Johannes Franke: Hm. Crazy. Ja, es sei ihm gegönnt, ne? Also er muss wirklich ein gutes Händchen dafür gehabt haben, die richtigen Leute reinzubringen, die auch dann in den richtigen Stellen die richtigen Sachen gesagt haben. Weil ich kann mir vorstellen, dass er echt amok gelaufen wäre mit den ganzen Elbenszenen und dass er irgendwie so, wenn ich mir die ganzen anderen Sachen anschaue, die er so gemacht hat, da hätte viel in eine andere Richtung laufen können. Ja.
Florian Bayer: Und er hatte wahrscheinlich auch Glück, dass er an Miramax geraten ist, die das dann produziert haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil die waren dafür bekannt, vor allem in den 90ern Wagnisse einzugehen. Die haben die Tarantino-Filme gemacht, also Reservoir Dogs und Pulp Fiction, da haben sie auch einem Indie-Regisseur viel Geld in die Hand gegeben für eine Vision. Schon bei Reservoir Dogs? Reservoir Dogs war noch wenig Budget, aber Pulp Fiction war ja schon ein größeres Projekt. Ja, ja, klar. Und es hat sich auch total gelohnt, ne? Also gerade die beiden Filme war ein riesiger Erfolg bei einem relativ geringen Budget. Das heißt, ich denke, dass es auch einfach ein mutiges Studio war. Also Miramax hat sich da einfach was getraut. Sie waren ja tatsächlich auch ein bisschen ängstlich und wollten dann auch irgendwann, dass er jetzt doch vielleicht nur einen Film draus macht. Als sie gesehen haben, was so die Kosten sind. Ja. Und da war Jackson total dagegen. Der hat gesagt, das kann man nicht machen. Also die Vorlage, es sind ja eigentlich sechs Bücher. Also es sind zwar drei große Bände, aber eigentlich ist das ja ein Ding, was in sechs Bücher aufgeteilt ist. Weiß ich schon gar nicht mehr. Ja, also es ist halt, ja, es wäre unmöglich gewesen, daraus einen Film zu machen. Dann hätte er wirklich viel, vielleicht wäre es sogar ein besserer Film geworden, wenn ich jetzt drüber nachdenke.
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Nee, also es hätte auch keinen Fan wirklich befrieden können, glaube ich. Das funktioniert nicht. Du hast ja auch, also das hat er ja auch richtig gemacht. Er hat ja damals das sehr stark in die Fanbase rausgegeben und hat gesagt, was wünscht ihr euch denn für diesen Film? Also es gab wirklich eine Kampagne, dass er gefragt hat, ihr da draußen, die Tolkien-Cracks, sagt mir, was euch wichtig ist.
Florian Bayer: Ja, um vielleicht nochmal dazu zu sagen, Miramax hat es gar nicht produziert. Miramax hat es dann abgegeben. Ach so. Es gab tatsächlich dann Streit mit Jackson und außerdem hat Miramax zu Disney gehört und offensichtlich war Tolkien so ein toller Disney-Hasser und hat gesagt, quasi testamentarisch verfügt, dass keineswegs einer seiner Bücher über Disney verfilmt werden soll. Geil. Und dann hat Jackson halt weitergesucht und dann ist er auf New Line Cinema gekommen und die haben gesagt, okay, wir machen drei Filme und die haben das dann gekauft von Miramax, die Rechte an dem Buch. Ah, gut. Also das ist offensichtlich eine komplizierte Entstehungsgeschichte, aber mit dem Hintergrund, und Jackson hat es von Anfang an geschafft, nicht nur die Geldgeber, sondern auch die Herr-der-Ringe-Fans zu begeistern. Ja. Und Illustratoren, die gearbeitet haben an Tolkien-Büchern und so weiter, hat er begeistert und hat da wahrscheinlich auch ganz eng mit denen zusammengearbeitet. Ja, ja, ja. Und tatsächlich hat ja Herr-der-Ringe dann auch wieder so ein Fantasy-Boom ausgelöst. Also wenn man an Fantasy-Filme in den 80ern, 90ern denkt, da ist nicht viel. Ist ja nicht so viel. Nee, also vor allem die klassische Fantasy, so Sorten, Sorcery, das war einfach nicht das Genre der Zeit. Die großen Blockbuster waren andere Filme. Und das war die Zeit der, die 90er war die Zeit der Katastrophenfilme. So Independence Day und sowas. Ja, stimmt. Das waren die Blockbuster in der Zeit. Und in den 80ern waren es die großen Actionfilme mit Schwarzenegger und Stallone. Ja. Aber Herr-der-Ringe hat es dann geschafft, für einen kurzen Zeitraum tatsächlich nur, dieses ganz klassische Magier, Elfen, Zwerge, Schwerter, Genre wiederzubeleben. Und dann kamen halt so Filme raus wie Der Goldene Kompass. Stimmt. Ach, jetzt. Harry Potter.
Johannes Franke: Und ein AD&D-Film, oder? Wie war das? Von Uwe Boll, oder? Ich weiß nicht genau.
Florian Bayer: Uwe Boll hat Dungeons & Dragons verfilmt, der so als schlechtester Regisseur aller Zeiten gilt. Ja, muss schlecht gewesen sein, das weiß ich auf jeden Fall. Und dann wurde dieser Boom, glaube ich, dann durch den Fluch der Karibik abgelöst von einem neuen Mantel- und Degen-Boom. Und dann kamen die Superheldenfilme und dann das letzte Jahrzehnt war ja eigentlich alles, was Blockbuster war, irgendwie Marvel oder DC-related. Ja, ja, ja. Wir müssen aufpassen, wir schweifen total viel ab und wir haben noch nicht mal die Oberfläche angekratzt.
Johannes Franke: Also ich finde, erzählerisch macht der Film ganz, ganz viel richtig. Er fängt schon damit an, dass er es schafft, die epische Vorgeschichte irgendwie einmal rund zu erzählen. Gute Entscheidung. Finde ich ganz spannend, dass sie es wirklich gut gemacht haben. Ja. Und das Schöne ist, sie kommen aus dieser epischen Schlacht in das total idyllische Hobbit, Hobbingen, wer ist das? Ja, Hobbiten. Ja, Hobbiten. Und man ist sofort wehmütig. Man hat sofort so ein, ich weiß nicht, man ist sofort im Gefühl drin. Irgendwie schafft er das. Aber auch eben über den Kontrast zwischen dem Krieg und diesen, mit dieser idyllischen Dingens. Und man hat natürlich auch die Vorgeschichte von Bilbo, man weiß es schon so ein bisschen. Peter Jackson arbeitet natürlich auch damit, dass man eigentlich schon ein bisschen Vorwissen
Florian Bayer: hat. Was gut ist, was anders ist als im Roman, was aber dem Zuschauer auch ganz gut aufhängt. Also im Roman ist es deutlich mühseliger zu verstehen, was in dieser Welt überhaupt vor sich geht und warum dieser Ring so interessant ist.
Johannes Franke: Aber ich finde die Beschreibung von Tolkien ganz toll, wie er den Hobbit erzählt. Und wie das in einem Loch in einer Höhle wohnt, ein Hobbit. Ein ganz toller Einstieg. Also das ist natürlich vom Hobbit jetzt der, aber Tolkien hat es wirklich, wirklich drauf.
Florian Bayer: Also ich mag den Anfang definitiv. Ich mag alles, was im Auenland passiert. Ich mag, wie sie auf eine Reise gehen. Und ich finde die Hobbits allesamt sympathisch. Frodo wahrscheinlich sogar noch tendenziell den Schwächsten der Charaktere. Ja, wahrscheinlich, ja. Ich liebe Samwise Gumtier, habe ich schon gesagt. Aber ich mag auch das Paar Merry und Pippin, die auch eine größere Rolle in dem Film kriegen als in den Büchern. Und die vor allem so als Comic Relief wunderbar funktionieren.
Johannes Franke: Die tauchen aber ein bisschen seltsam plötzlich auf. Also sie sind ja nicht die ganze Zeit da von Anfang an, sondern sie werden wirklich eingeführt in dem Moment, wo sie der Truppe irgendwie sich anschließen. Sie schließen sich auch so zufällig an. Ja, genau. Und das ist ein kleines bisschen, wo ich denke, ja, gut, okay. Ich glaube, ich habe im Kino tatsächlich da gesessen und habe mich tierisch gefreut, haben mir keine Gedanken darum gemacht, warum die jetzt plötzlich da sind, weil ich kannte sie ja schon. Aber so als Unwissender kann ich mir vorstellen, ist es ein bisschen, okay.
Florian Bayer: Im Buch treffen sie auch so zufällig aufeinander. Es ist so ein bisschen anders, glaube ich, weil einer von ihnen später dazu kommt. Oder ein bisschen später. Hier treffen sie auf die beiden.
Johannes Franke: Weiß ich nicht mehr. Aber die ganze Geschichte mit diesem, wo die da die Sachen klauen und so, das wird viel größer erklärt, wer da eigentlich wohnt und was wem klauen und wem die das klauen. Und es wird auch viel mehr, ja, die Welt ist viel größer im Buch und deswegen kommt man da viel besser rein. Und im Film ist es halt ganz schnell, die klauen da halt gerade und dann müssen sie wegrennen.
Florian Bayer: Aber es hat halt mehr Tempo. Es ist halt einfach, es ist auch einfach ein bisschen, es nimmt den Zuschauer insofern ab, dass es einfach ein bisschen liebenswürdiger ist und vom Placing ein bisschen besser und sich nicht drin verliert, was denn jetzt für eine Biermarke gerade im Auenland am begehrtesten ist. Ja, okay. Ja, und ich finde tatsächlich, von da an geht es so ein bisschen abwärts. Der Film ist stark, der Film ist nicht schlecht. Ja. Aber es gibt viele Momente jetzt, wo ich denke, uff, jetzt kommen erst mal Stationen. Sie sind oft in dieser Bar, sie werden von den Nazgul gejagt, sie treffen oft den Aragorn.
Johannes Franke: Er ist ja schon relativ früh dann in dieser Welt von dem Ring, wenn er den einmal aufsetzt. Was ich übrigens auch sehr, sehr gut gemacht finde, vor allem für die Zeit und die Digitalität.
Florian Bayer: Diese Ring-Szenen sind, also der Film ist ein bunter Mix aus digital und teilweise wirklich krassen mechanischen Special Effects. Und das ist ähnlich wie bei Jurassic Park Anfang der 90er, dass er dadurch relativ würdevoll gealtert ist. Weil Jurassic Park ist für mich so das beste Beispiel für einen Film, dessen Special Effects immer noch funktionieren, auch jetzt 30 Jahre, nachdem er gedreht wurde.
Johannes Franke: Das ist schon ein bisschen lächerlich, aber das war es auch damals, glaube ich. Findest du? Jurassic Park? Ja, ein kleines bisschen schon, aber das hat was damit zu tun, dass sie, also nicht mit der CGI, CGI, wenn es zu sehr eingesetzt wurde damals und wahrscheinlich auch heute, wenn du dann in 20 Jahren guckst, aber altert nicht gut, da hast du vollkommen recht. Aber wenn man dann eben am Set irgendwie so Puppen hat, die man ordentlich einsetzt, es ist natürlich cool. Also, aber in Jurassic Park sind irgendwie immer die Dinos, sind halt Puppen, die irgendwie...
Florian Bayer: Ich finde, was bei Jurassic Park so gut funktioniert, ist halt diese Mischung aus CGI und diesen Puppen. Ja, ja, genau. Die Puppen werden für die Nahen eingesetzt, dann wirkt es einfach physischer und greifbarer. Und mein Punkt ist, Herr der Ringe hat auch viel auf physische Special Effects gesetzt, zum Beispiel die Größenunterschiede zwischen Menschen, Hobbits und Zwergen. Da müssen wir sowieso mal drauf eingehen. Das ist ja unglaublich. Die werden sehr viel, also es wird teilweise auch mit CGI gemacht. Aber nur ganz wenig. Hauptsächlich wird es gemacht mit einer forcierten Perspektive. Ja, das ist super. Und das ist Wahnsinn. Und dann haben sie teilweise Räume gebaut mit beweglichen Elementen, damit einer im kleinen Set laufen kann, der andere im großen Set. Sie haben zwei Häuser von Bilbo aufgebaut. Es gibt eins für Gandalf und eins für Bilbo. Damit Gandalf in dem einen halt zu groß wirkt und Bilbo in dem einen halt die klassische
Johannes Franke: Hobbit-Größe hat. Das ist unglaublich. Und ich habe das eine ganze Weile her, ich habe es nicht nochmal wiedergefunden, aber es gab so ein tolles Nebeneinanderstellen, wie sie beide gleichzeitig das spielen, aber eben nicht im selben Set sind und das dann zusammengewürfelt wird. Das ist so unglaublich. Das heißt aber auch, dass Ian McKellen fast gar keinen richtigen Drehtag mit den Hobbits hatte, sondern immer mit den Stunt-Doubles oder mit den Größen-Doubles. Das ist schon krass.
Florian Bayer: Und das macht viel aus, das macht einen Film zeitloser, wenn halt so weit es geht auf CGI verzichtet wird, weil CGI altert einfach schlecht. Das ist so, ja. Und je weniger es eingesetzt wird, umso besser altert ein Film. Terminator 2, das zweite Beispiel von einem Film, der sehr früh CGI eingesetzt hat, auch Anfang der 90er, in dem man heute noch gut gucken kann, weil es wirklich nur in den notwendigen Szenen benutzt wurde.
Johannes Franke: Ja, würde ich bis heute machen. Also CGI ist zwar weit gekommen, aber trotzdem, ich würde es immer, immer versuchen, so wie möglich am Set zu machen.
Florian Bayer: Practical. Der radikale Gegenentwurf ist die Star-Wars-Filme aus den 90ern, die Star-Wars-Prequels von George Lucas, die quasi komplett im Greenscreen entstanden sind, wo George Lucas so begeistert war von den neuen Möglichkeiten, was man ja auch verstehen kann. Ja, es ist halt auch ein kleiner Junge, der spielen will. Ja, aber wenn man die heute anguckt, sieht man halt einfach, damals sah ein Film, im Film eingebaute CGI, sah schlechter aus als Videospiele heute und das fällt einfach total krass auf.
Johannes Franke: Ja, traurig. Aber naja gut, man muss den Film das dann irgendwie einfach abnehmen und wir werden dann nachher bei dem anderen, bei Fantastic Beasts, auch nochmal drüber reden, nehme ich an.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Übrigens, wenn wir gerade bei der Szene sind, wo Gandalf in der Hobbit-Höhle ist, er stößt sich den Kopf und er stößt sich den Kopf wirklich. Es ist gar nicht gescriptet, sondern es passiert einfach und er spielt halt weiter und dann hat er das gekauft.
Florian Bayer: Ja, ganz toll. Geil. Es funktioniert super gut. Oh mein Gott. Und es macht Gandalf natürlich auch so menschlicher. Ja, es ist toll. Liebe ich an Gandalf, dass er im Gegensatz zu den großen Zauberern, den man jetzt einmal dagegen werfen muss, Dumbledore nie allwissend wirkt und nie allweißig, sondern er ist jemand, der sucht, der verzweifelt, der kämpft, der scheitern kann.
Johannes Franke: Das ist ein ganz großer und wichtiger Punkt, was ich eben auch der Vorlage immer zugute halte. Dass er es schafft, die Charaktere immer wahnsinnig menschlich zu halten. Auch diese ganzen seltsamen Familienmitglieder von Bilbo, die irgendwie irgendwelchen Scheiß wollen und die dann sich da irgendwie einnisten.
Florian Bayer: Brought feet.
Johannes Franke: Und wie war der Satz? Ich habe ihn leider jetzt doch nicht aufgeschrieben. Ich wollte ihn aufschreiben. Wie Bilbo, das fand ich im Buch schon so geil, sich verabschiedet an seinem Fest und sagt, ich mag euch nicht doppelt so viel, wie die Hälfte von euch verdient oder was, keine Ahnung. Und alle gucken total fragend, was will er von uns? Ja, das ist so eine tolle Stelle. Ich liebe das. Warum habe ich den Text nicht rausgeschrieben? Schade. Ja, wegen solcher Dialogzeilen liebe ich halt auch den Film und das Buch. Das ist alles Audenland, ne?
Florian Bayer: Ich bin total begeistert von Audenland. Und dann wird es für mich so ein bisschen schwächer, wenn die Nazgul vorkommen. Wie gesagt, ich verzichte auf Vergleich zur Vorlage, weil ich auch nicht so ein großer Fan der Vorlage bin. Ich finde, die Nazgul sind tendenziell eher schwache Bösewichte, weil sie einfach zu abstrakt bleiben, weil sie einfach die Killer, die lautlosen, schleichenden Killer sind, die unterwegs sind. Auch wenn die Szene, wie die Nazguls die Betten zerstören, wirklich gut geschnitten ist.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Das ist natürlich. Aber das ist so eine typische Falle.
Florian Bayer: Nicht im Roman. Und vielleicht noch, um ganz kurz was zu der zweiten Vorlage von diesem Film zu sagen. Kennst du den Zeichentrickfilm aus den 70ern? Ich hab den nie richtig gesehen, nee. Der Herr der Ringe Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1978 ist ganz krass Vorlage und Inspiration für diesen Film. Okay. So weit, dass man teilweise das Gefühl hat, dass Szenen 1 zu 1 Remakes aus diesem Film sind. Oh. Weil der Film nämlich auch, der Film benutzt Szenen, die nicht im Buch vorkommen, eben wie dieser Angriff von den Nazgul auf die Hobbits. Ja. Parallel geschnitten mit den Hobbits, die schlafen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Inspiration von der richtigen Stelle und an den richtigen Stellen.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Aber es lässt sich nicht verhehlen, dass dieser Film auch ein bisschen in vielen Momenten ein Remake ist. Eben von diesem 1978er Film. Der dramaturgisch und narrativ bei weitem nicht mithalten kann mit Peter Jacksons Film. Das sei gleich gesagt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es ist schön, dass er teilweise auch wirklich so Reminiscenz ist an diesen Film und sich erinnert. Ja. Es gab auch diesen Versuch 1978, den Herr der Ringe zu verfilmen und auch ein durchaus sehenswerter Film. Und wenn es nur darum geht, um dieses Rotoskopie-Verfahren zu genießen, mit dem die Schlachten inszeniert wurden. Ah ja. Wo der Regisseur von dem Film Ralf Bakschi Schauspieler hat laufen lassen und dann nachher drüber gemalt hat, wodurch diese Schlachten-Szenen teilweise krass realistisch wirkten, weil es einfach animierte Menschen sind. Das sieht man einfach.
Johannes Franke: Beindruckend. Ja. Wenn es von der Vorlage abweicht, das mit dem gegengeschnittenen Ding ist natürlich wie bei The Artist, der Schuss, der das Auto ist, was gegen den Baum fährt, so ein bisschen in die Richtung. Der Zuschauer wird ein kleines bisschen. Es ist manipulativ. Eher genau. Aber ich finde es super. Ich wusste nicht, dass das nicht im Buch ist, beziehungsweise im Buch kommen die doch schon auch, die Nazgul. Die sind ja direkt auf den Fersen. Das ist ja das Spannende an der Szene.
Florian Bayer: Und die zerstören die Betten, aber das erfahren sie erst am nächsten Morgen. Es gibt nicht diesen Kniff. Es gibt nicht diesen manipulativen Kniff, dass wir denken, sie wären, was natürlich im Roman auch schwerer zu erzählen ist. Das stimmt, ja. Ah ja. Na gut. Und dann Aragorn.
Johannes Franke: Alle lieben Aragorn. Liebst du auch Aragorn? Ja, weiß ich nicht so genau. Also ich bin sowohl von Aragorn als auch vom Elben doch relativ genervt. Die sind ein bisschen zu stark. Ja. Vor allem Legolas. Legolas ist schon irgendwie ein bisschen.
Florian Bayer: Das wird in den anderen Filmen noch viel schlimmer. Dieser overpowered Elf, der dann in einer Schlacht allein einen Olifanten komplett kalt macht und auf seinem Schild in die Ork-Armee surft und die nach und nach abmetzelt. Ja.
Johannes Franke: Und der auch immer wieder seinen Bogen rechtzeitig nachladen kann. Und der alles irgendwie, ich weiß nicht, und drei Pfeile auf einmal genau in die richtige Richtung. Und was mich bei ihm vor allem auch nervt, ist dieser ständige Blick in die Ferne, der so aufgesetzt ist. Er ist nicht echt. Als wurde Blut vergossen. Er ist nicht echt, der Blick. Also der Schauspieler hat es nicht geschafft, das mit was zu füllen. Der guckt da halt in die Richtung irgendwo ganz elegisch und das war's. Da ist halt nicht viel drin in dem Blick. Und das ist schade.
Florian Bayer: Der allseits beliebte Orlando Bloom, dem ja nachgesagt wird, dass er jede Rolle, egal welche Rolle, unglaublich blass spielen kann und deswegen vor allem dazu taugt, um neben einem exzentrischen Darsteller zu stehen und deswegen in Fluch der Karibik wahrscheinlich am besten funktioniert, wo Johnny Depp schauspielerisch alles rausholt und während Orlando Bloom vergessen wird, während er noch in der Szene ist. Dafür mag ich den Zwergen sehr gerne. Gemini, ja.
Johannes Franke: Gandalf natürlich und Frodo und Dings. Und es gibt wirklich gute Szenen mit Aragorn, wie er im Gegensatz zu dem anderen Menschen, der den Ring, der da sehr drauf abfährt und der den Ring ja auch am Ende nehmen will, an sich nehmen will, da gibt es schöne Szenen durchaus und auch starke Szenen.
Florian Bayer: Tatsächlich ist der andere Mensch, Boromir, für mich die stärkste, spannendste Figur unter den neuen Gefährten, weil er der ist, der ständig hin und her gerissen ist. Ja. Den sie aber geschafft haben, nie zu gierig, nie zu machtgierig zu zeichnen, weil es gibt wirklich schöne Szenen von ihm. Also vor allem diesen spielerischen Kampf mit Merry und Pippin. Ja. Das ist total toll, wenn sie sich so balgen und wirklich einfach Spaß miteinander haben. Und diesen ganz tollen Moment, wo sie aus der Höhle kommen, nachdem Gandalf mit dem Ballrock in den Abgrund gestürzt ist und alle total fertig sind. Und ich glaube, Aragorn sagt, wir müssen weitergehen.
Johannes Franke: Und er sagt, gib ihm erstmal Ruhe und lass ihn erstmal runterkommen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und natürlich hat Aragorn aber auch recht, ne?
Florian Bayer: Ja, er hat recht, aber dieser Boromir wird in diesem Moment einfach menschlicher, greifbarer. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Und auch sein Tod ist menschlich, sehr menschlich. Total, auch eine schöne Szene zwischen den beiden. Das ist ein toller Moment. Ja, wirklich. Ich weiß noch nicht so genau, ob ich das so gut hergeleitet finde, dass die ganze Gruppe nach und nach dem Ring verfallen würde. Weil es wird gar nicht angedeutet so richtig, sondern es ist nur Boromir. Ja. Und die anderen, naja, es wird sehr wenig angedeutet.
Florian Bayer: Die sympathischen Figuren oder die Figuren, die sie stark zeichnen wollen, denen geben sie allen so einen Verführ-mich-nicht-Moment. Gandalf hat diesen Moment, wenn Frodo zu ihm am Anfang sagt, nimm du den Ring. Und er sagt, nein, verführ mich nicht. Der ist so stark, der Moment. Ich liebe diesen Moment.
Johannes Franke: Boah.
Florian Bayer: Und die zweite starke Figur, die diesen Moment geschenkt bekommt, ist Galadriel, die von unserer hochgeschätzten Cate Planchett gespielt wird. Ja. Die auch in einem Moment, in dem Frodo sagt, nimm du den Ring, ich will den Ring nicht. Und sie macht dann quasi so ein Horrorspiel und sagt, ja, ich wäre eine mächtige Königin mit diesem Ring. Und wo klar ist, dass das ihre Art ist, ihm zu zeigen, dass sie den Ring auch nicht haben will und dass sie mit dem Ring nichts anfangen will. Aber das ist auch eine sehr, sehr starke Szene. Finde ich auch sehr gut. Ich bin kein Fan von diesem ganzen Galadriel-Plot. Das ist mir zu sehr Station. Das ist jetzt noch so dran gepfropft, nachdem der große Höhepunkt der Handlung bereits erreicht war.
Johannes Franke: Ja, und die Elben sind ja schon eigentlich eingeführt und haben schon eine große Szene gehabt. Und ich habe mich auch gefragt, warum eigentlich? Ja. Aber, also, naja.
Florian Bayer: Es ist halt, wenn die Neuen losgehen, also wir haben diesen Zwischenpart in Bruchthal, übrigens Arwen wird dann noch eingeführt als Charakter. Der versucht Peter Jackson, einen stärkeren weiblichen Charakter einzuführen. Ja. Der nicht gelingt, weil sie einfach eine starke Szene hat und dann doch eben die ist, die definiert wird dadurch, dass sie Aragorn liebt. Genau. Ja. Und dann ziehen sie halt zu Neuen los und dann geht es ja wirklich von Station zu Station über das Gebirge, durch die Minen von Moria, zu den Elben von Galadriel, das Lorien heißt das Elbenreich, wo sie dann sind. Und dann werden sie zwischendurch immer mal wieder von Orcs überfallen und dann der Moment, wo halt Frodo und Sam alleine durchziehen. Und das ist halt so einmal Station, Station, Station, Station. Genau, ja.
Johannes Franke: Ich habe mir an der Stelle aufgeschrieben, oh, er bekommt eine Taschenlampe, wie toll.
Florian Bayer: Es geht jetzt in dem Moment, wo sie die Geschenke verteilt. Das ist eine der Szenen, die im Extended Cut vorhanden ist und im Original nicht vorhanden war. Deswegen sie im Original plötzlich so Geschenke auspacken, die ihnen hilfreich sind und alle fragen sich, wo kommt die her?
Johannes Franke: Geil, scheiße, das habe ich gar nicht, weiß ich nicht, ich weiß nicht, ich habe ja nur die Extended Version jetzt gerade gesehen, ich kann keinen Unterschied, ich habe ich nie im Kopf.
Florian Bayer: Es ist auch im Extended Cut, so wie ich das Original, die Kinoveröffentlichung in Erinnerung habe, ist im Extended Cut viel draufgepackt, aber nichts, was wirklich so krass wesentlich die Story weiterführen würde. Also, oder was die Story besser erklären würde.
Johannes Franke: Es sind so ein paar Mary und Pippin Sachen dabei, die dazugekommen sind, glaube ich, die im Original dann nicht drin sind.
Florian Bayer: Ja, es sind immer auch so, es sind schon teilweise längere Blöcke, aber es sind keine keine radikal anderen Blöcke. Zum Beispiel sehen wir im Extended Cut, sehen wir am Anfang Bilbo. Wir werden mit Bilbo eingeführt, der sein Buch schreibt, der sein Buch anfängt und dann mit Frodo redet und dann geht Frodo los zu Gandalf. Ja. Und das Original, die Kinoversion fängt damit an, dass Frodo am Auenland auf dem Hügel sitzt und auf Gandalf wartet. Echt? Ja. Das habe ich... Dieser Part fehlt. Aber der ist wichtig. Der ist gut, weil das Auenland halt das Beste an dem Film ist.
Johannes Franke: Ja, und weil ich finde, er sagt ja in dieser Szene, in dieser Sequenz, now where to begin. Und das finde ich einen wahnsinnig wichtigen Satz für diesen Anfang. Ja. Weil das dieses Buch aufmacht, was ich ja von Herrn der Ringe haben möchte. So dieses Abenteuerbuch einmal.
Florian Bayer: Vor allem fängt es schön an, nachdem wir dieses krasse, pathetische Intro hatten, wo einmal die Weltgeschichte offenbart wurde. Genau. Und dann plötzlich sind wir im Auenland. Und das ist auf jeden Fall, es ist eine gute Ergänzung. Es ist vielleicht nicht eine absolut wichtige Ergänzung, aber es tut dem Film gut, dass sie da ist. Ja, ja, ja. Damit wären wir noch mal ganz kurz mit dieser Vorgeschichte und mit den Stationen. Was mir gefällt an den Stationen, was mir generell gefällt an der Welt ist, dass es so eine postapokalyptische Welt ist. Sie stolpern die ganze Zeit über Ruinen von der einstigen menschlichen Herrschaft und Blütezeit. Stimmt, ja. Sie sind ständig in zerstörten Burgen, an zerstörten Türmen, in zerstörten Städten unterwegs. Und das gibt der Welt einen wirklich düsteren Charme. Es ist keine chlorreiche, blühende Fantasy-Welt. Ja. Sondern es ist die Menschheit am Boden und wirklich am Scheideweg.
Johannes Franke: Ja, und es nimmt auch sich, also man merkt daran, dass es die Welt sich auch ernst nimmt und dass sie nicht nur einfach irgendwie eine Geschichte aufbaut drumherum und dann aber einen wahnsinnig schönen Film nur machen will. Ja. Sondern eben auch tatsächlich die Ruinen zeigt und dieses Ganze. Diese Welt ist belebt und ist verlebt. Und Moria tut einem so weh. Uff. Ja. Das ist wirklich hart. Also diese Ruine zu sehen, die fand ich auch im Buch schon sehr hart. Da wurde ja auch lange nicht erklärt, dass die Zwerge tot sind. Da kriegen sie ja erst mit, dass die Zwerge tot sind, wenn sie das Grab finden. Ja. Im Film ist es ja jetzt schon so ziemlich klar von Anfang an. Von Anfang an klar. Aber das, oh mein Gott.
Florian Bayer: Tatsächlich habe ich bei den Moria-Szenen ganz oft gedacht, ach, eigentlich könnte es jetzt auch ein bisschen weniger apokalyptisch sein, weil ich würde unglaublich gerne Bilder von dieser Zwergenwelt sehen, bevor sie zerstört wurde. Ja. Weil diese gigantischen Minen, es ist ein großartiger Schauplatz, aber es ist ein toter Schauplatz. Dafür musst du ins Buch gehen. Ja. Das wird beschrieben, glaube ich. Wie toll wäre es, da Loren fahren zu. Ich will es sehen. Ich will den visuell. Ich will da Loren fahren sehen und Zwerge, die schürfen und die trinken und die gastfreundlich sind, das wären eine tolle Szene. Also kann man natürlich nicht machen, funktioniert nicht in der Geschichte, weil die Geschichte was anderes erzählt. Aber da hätte ich mir das so ein bisschen gewünscht, einfach ein bisschen mehr lebendiges Mittelerde zu sehen und weniger totes Mittelerde. Ich bin mir ganz sicher, dass Amazon das machen wird. Ach stimmt, das wird ja gemacht jetzt. Ja. Ja, stimmt. Auf jeden Fall. Das einzige Lebendige ist halt tatsächlich, als sie in Bruchtal sind und als sie bei den Elben sind. Und das ist eine lebendige Stadt, wo man sieht, die blüht noch, die Elben haben irgendwie noch das Leben. Und da greift natürlich so ein bisschen Jacksons Kitsch durch. Ich habe einen extra Punkt bei meinen Recherchen aufgeschrieben, Production Madness. Während des Council of Elrend, also dieser Versammlung, sind Blätter, die im Hintergrund fallen, die ganze Zeit. Stimmt, ja. Und Jackson hat Crewmitglieder genommen. Nein. Und die haben es wirklich rumgestellt. Und die haben es wirklich rumgestellt. Umset und haben Blätter rieseln lassen. Oh mein Gott. Das heißt, während dieser Szene standen da wahrscheinlich fünf bis zehn Leute und haben die ganze Zeit Blätter runterriesen lassen, damit in jeder Perspektive und in jeder Einstellung schön die Blätter vom Himmel fallen, weil das ja draußen spielt.
Johannes Franke: Mitten in der Szene, Kat, wir haben keine Blätter mehr, einsammeln.
Florian Bayer: Ist das geil.
Johannes Franke: Okay. Ja, naja, klar, wenn man es kann, dann immer ruft er.
Florian Bayer: Krass, Mann. Aber das ist tatsächlich was, was mir an der Welt gefällt, dass es eben eigentlich eine tote, zerstörte Welt ist, eine Welt, die am Ende ist. Und das wird in den anderen beiden Filmen nochmal ein bisschen deutlicher, wenn sie dann nach Gondor reisen und Minas Tiere, die Stadt bei weitem nicht mehr den Glanz hat, den sie früher hatten. Dann sehen wir Ostgilead, das komplett zerstört ist und von Orks überrannt. Und ich mag dieses Verlebte, was die Welt hat. Vor allem, weil es eben auch immer in der Geschichte dann diesen Moment gibt, es sieht echt düster aus, aber es bleibt ein Stück Hoffnung. Und das gelingt der Geschichte sehr gut und das gelingt Jackson auch sehr gut, in Bilder zu tauchen. Ja. Und wenn es nur das ist, dass sie halt bei ihrer Reise mal wieder über irgendwelche Ruinen klettern und da sieht man eine heruntergefallene, eine umgefallene Statue, die wohl einst geglänzt hat.
Johannes Franke: Ja. Wenn du gerade dabei bist, nochmal den Bogen, den das Ganze nimmt, ich finde, am Ring selbst sieht man so wahnsinnig gut und das ist in diesem Film wirklich ganz toll gemacht, die anderen spielen den König. Der Ring kann ja nicht spielen. Ja. Aber der Ring wird von allen außen gespielt und das ist so beeindruckend, diese simple Technik des Schauspielers zu sagen, die anderen spielen den König, der König kann es nicht alleine spielen, wenn die anderen nicht mitmachen. Jeder, der diesem Ring begegnet, hat diese Haltung zu diesem Ring. Ja. Und der kriegt so eine Macht und so eine eigene Präsenz in diesem Film, die wirklich beeindruckend ist, einem toten Gegenstand so viel Handlungen mitzugeben quasi oder an Charakter mitzugeben.
Florian Bayer: Ganz toll inszeniert, also sowohl von den Schauspielerinnen gut gespielt, als auch durch geschickte Montage einfach der Bilder. Wir haben diese Nahaufnahmen, wo der Ring gezeigt wird und Schnitt auf den Blick von jemandem, der den Ring sieht. Ja. Wie er runterfällt mit einem Klonk. Ja. Einfach nur. Das ist total krass. Da gibt es doch diese Szene, wo der Ring in den Schnee fällt, wenn Frodo nach den Berg hochklettert. Ja. Und dann verliert er den Ring und der Ring fällt in den Schnee und dann haben wir diese Szene, wo wir den Ring im Vordergrund sehen und Frodo im Hintergrund.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und die mussten beide scharf gestellt sein. Ja. Und deswegen hat für diese Szene Peter Jackson extra einen übergroßen Ring anfertigen lassen, damit er beides scharf stellen kann. Ach, der Ring, den wir in dieser Szene sehen, hat einen Umfang von 15 Zentimeter. Geil.
Johannes Franke: Das ist ein übergroßer Ring, einfach damit er Frodo und den Ring gut ins Bild kriegt. Ach du Scheiße. Ja, das ist wirklich ein Problem. Ich stelle mir das gerade, als ich bin nur ein Kameramann. Und ich weiß, um welches Problem es sich handelt. Das stimmt. Daran habe ich nicht gedacht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wow. Es wurden sehr, sehr, sehr viele Ringer. Er hat ja sowohl Andy Serkins, der den Gollum spielt, als auch Frodo, Elijah Wood, jeweils einen Ring geschenkt. Den einen Ring. Genau. Den einen Ring. Das wäre der eine. Und beide dachten, sie haben den einen Ring.
Florian Bayer: Zwölfeinhalb Millionen Plastikringe. Ach du Scheiße. Und zwar, um einfach auch ...
Johannes Franke: Wenn wir hier anfangen zu sprechen, ohne dass es Sinn ergibt, dann haben wir geschnitten. Und zwar Fakten, die Flo falsch recherchiert hat.
Florian Bayer: Ach nein, die IMDB falsch recherchiert hat.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Lass uns einfach weitergehen. Tun wir so, als wenn das alles nicht gewesen wäre. Ralf Bercki, der die 1978er-Filme gemacht hat, hat 2001 zum Empire Magazine gesagt, dass er ein bisschen neidisch ist auf das, was Peter Jackson geschafft hat. Und dass er eigentlich ganz gerne diesen Film gemacht hätte. Geil. Ja, ich hätte ihn auch gerne gemacht. Ach, ich weiß nicht. Er ist ein guter Fantasy-Film. Er hat wirklich ...
Johannes Franke: Ja, wirklich.
Florian Bayer: Er hat einige erzählerische Schwächen und die kommen dann auch in den anderen Filmen zum Tragen. Und es ist eben vor allem dieses von Station zu Station rennen. Ja.
Johannes Franke: Ich mag diesen Moment, wo sie aus der Besprechung rauskommen. Frodo hat gesagt, ich mach's. Dann gehen sie alle los. Und Frodo sagt, ist es rechts oder links?
Florian Bayer: Und Gandalf sagt, rechts. Nee, Extended Cut. Left, links. Extended Cut. Das ist Extended Cut? Ja. Diese Szene war im Original-Kino-Release nicht vorhanden.
Johannes Franke: Ich find das so süß. Das ist so menschlich. Ganz tapfer geht er los.
Florian Bayer: nervös und fragt dann rechts oder links, wo ist Mordor? Mordor ist links. Ansonsten, ich hab vor allem, was Recherche betrifft, weil wir ja das Wort gerade erwähnt haben, es ist vor allem ein unglaublicher Wahnsinn, der sich in dieser gesamten Produktion zeigt, weil es war einfach 274 Drehtage. Für alle Teile. Für alle drei Teile. Die wurden gleichzeitig gedreht. Das war tatsächlich auch was, was einfach nicht üblich ist. Und genau dieselbe Zeit, die Apocalypse Now an Drehtagen hatte. Aber Apocalypse Now hatte einen Herzinfarkt von einem Hauptdarsteller, der komplett ausgetauscht wurde in der Zeit. Oh, okay. Und der Original-Cut von Die Gefährten war 4 Stunden und 30 Minuten. Wie krass. Dann wurde das doch nochmal ein bisschen gekürzt.
Johannes Franke: Das heißt, ja.
Florian Bayer: Den will ich sehen. Na, wir sind ja relativ nah dran mit unserer Extended Version. Nee, nicht ganz. Nein, das ist ja... Uns fehlt eine ganze Stunde. Ja.
Johannes Franke: Krass. Oh mein Gott. Wie viele Schauspieler da am Set waren, die alle rausgefallen sind. Richtig rausgefallen. Nicht ein einziger Satz mehr drin ist, obwohl sie sich eine große Rolle erhofft haben, wahrscheinlich. Weil eine Stunde rauszukürzen, da müssen echt viele Schauspieler dran geglaubt haben. Viele 10. Fuck, ist das gemein.
Florian Bayer: Ja. Aber sowas muss man wahrscheinlich machen, wenn man eine eigene Welt aufbaut.
Johannes Franke: Ja, eine eigene Welt aufbaut. Ich hab auch so Lust, ich hab so große Lust, sowas zu machen. So Worldbuilding ist so... Aber es ist so aufwendig.
Florian Bayer: Es ist so anstrengend. Oh Mann. Und du musst dann schon... Also, ich weiß nicht, ob man so detailversessen sein muss wie J.R. Tolkien oder ob das vielleicht sogar im Weg stehen könnte.
Johannes Franke: Na, man kriegt das auch kleiner hin. Also, man kriegt schon auch kleinere Brötchen gebacken und trotzdem ein gutes Worldbuilding hin. Was braucht man alles für ein richtiges Worldbuilding? Also, das Erste, was du brauchst, wenn wir nach diesem Film gehen, das Erste, was du brauchst, ist eine Karte. Du malst dir eine Karte. Ja. Das ist dort, das ist dort, das ist dort und das ist dort. Und wenn du dir ganz viele Karten, weiß ich nicht, Narnia oder sowas anschaust, die sehen ja alle so ähnlich aus. Die sehen alle ähnlich aus wie Tolkien, das mit diesen kleinen Bergen da und da ist der See und da ist das Krakenmonster hinten im See. Weiß ich nicht, keine Ahnung. Aber so, okay, das ist Nummer eins, okay. Brauchst du eine Sprache? Ich brauche, ich genau, ich muss, ich muss eine eigene Sprache erfinden und ich muss physikalische Gesetzmäßigkeiten für mich umändern, die alle irgendwie, weiß ich nicht, Magie und so. Du brauchst eine Geschichte, ganz wichtig. Ja, genau, aber du brauchst eine Geschichte, die eingebettet ist in einer größeren Timeline.
Florian Bayer: Ja, natürlich, du brauchst eine Geschichte, du brauchst eine Geschichte, meine ich, du brauchst ganz viel, was du im Film nicht direkt erzählst. Genau. Du musst wissen, was die tausend Jahre vor deiner Handlung passiert ist.
Johannes Franke: Genau. Und möglichst noch, was danach passiert. Das muss alles, wenn du mit J.K. Rowling gehst, musst du so viele Details wissen, dass du, wenn du gefragt wirst, aus dem FF ganz plötzlich ein neues Buch im Grunde rausbringen kannst. Das ist nur um diese Story drumherum, das Detail, was gefragt wird. Und dann brauchst du eben noch ein soziales Umfeld. Also leben die in einer Diktatur oder leben sie in einer Demokratie oder leben sie in einem, weiß ich nicht. Schauen wir uns doch einfach mal an, wer gutes Worldbuilding hingekriegt hat. Wer hat das gemacht so? Wollen wir jetzt noch den Jingle? Jetzt müssen wir den Jingle irgendwie einbauen. Jetzt müssen wir doch noch den Jingle einbauen. Unsere Liste. So, das ist die Top 3. Worldbuilding. Ja. Was für Filme haben das gut hingekriegt mit dem Worldbuilding? Also, nur um das nochmal, kannst du Worldbuilding nochmal als Wort erklären, weil nicht jeder Zuhörer...
Florian Bayer: Ja, das, was halt Peter Jackson macht, was J.R. Tolkien macht. Einfach eine Welt aufbauen und zwar nicht einfach nur eine Geschichte erzählen, die einen Anfangspunkt, einen Endpunkt hat, sondern drumherum alles entwickeln, was dazu gehört. Völker, die in dieser Welt leben, Sprachen, die in dieser Welt gesprochen werden. Ein historischer Hintergrund, der vielleicht in der eigentlichen Geschichte kaum eine Rolle spielt. Gebäude, Architektur, Kunst. Einfach einen Kontext erschaffen, der über das, was du in einem zweistündigen Film erzählen kannst, hinausgeht.
Johannes Franke: Wobei das natürlich dann schon wirklich sehr groß gegriffen ist. Man verwendet das Wort Worldbuilding auch für noch kleinere Sachen, ne? Also...
Florian Bayer: Eigentlich gutes Worldbuilding heißt einfach nur, wenn ich als Zuschauer diesen Film sehe, verstehe ich, wie die Welt funktioniert und ich werde in diese Welt reingezogen und ich finde es spannend, dieser Welt zu folgen, weil sie sich irgendwie von meiner Welt unterscheidet. Genau. Das heißt, es muss gar nicht so komplex ausgearbeitet sein und wie gesagt, Komplexität kann dem vielleicht auch im Weg stehen. Mhm. Ja. Und das wäre wahrscheinlich auch so ein Fall bei mir bei einem, was so ein bisschen deswegen auch bei den Honorable Mentions gelandet ist. Ja, jetzt bin ich gespannt. Das wäre Game of Thrones. Ja, ja. Ich mag die Welt von Game of Thrones, aber das Worldbuilding, was die Serie betreibt, ist nicht besonders gelungen oder in vielen Momenten nicht so gelungen. Weil es zu chaotisch ist oder was? Weil es ein bisschen zu chaotisch ist und weil es sich zu sehr in so Nebendetails verliert, die mal kurz erwähnt werden. Die Game of Thrones Welt hat zu viel Geschichte. Ah, okay. Der Ballast der Geschichte dieser Welt ist zu groß und man hat als Zuschauer das Gefühl, man wird ständig davon erdrückt und man müsste eigentlich viel mehr lesen und man hat das Gefühl, man müsste eigentlich ein Geschichtsbuch studieren über diese Welt, bevor man da überhaupt eintauchen kann. Okay.
Johannes Franke: Ich würde ein Gegenbeispiel nennen, wo es das ganz gut macht, was ich aber nicht mit drin habe, weil es eine Serie ist, Star Trek. Wo man relativ klare Eckpfeiler hat, die nicht, der stammt von dem ab und der stammt von dem ab und der muss dann deswegen Captain werden, weil der, sondern das ist einfach eine ganz klare einmal, es ist ja auch eine Telenovela im Grunde.
Florian Bayer: Ja. Und dann so erst mit Next Generation hat es ja wirklich angefangen, nochmal einen ganzen Schub zu kriegen. Ja. Und Star Trek konnte sich, glaube ich, auch immer auf die Fankultur verlassen, weil es gab genug Leute, die sich dann wirklich Gedanken drüber gemacht haben und dann angefangen haben, sich auszumalen, wie das denn funktionieren könnte mit dem Warp Speed und dann Bücher geschrieben haben, nur über das Beam.
Johannes Franke: Wo Wissenschaftler heute sich daran orientieren, wenn sie eine Idee haben, ich will das und das erfinden. Ja. Wenn du dir die Handys anschaust, ich bin mir relativ sicher, dass das auch ein bisschen mit Star Trek zu tun hat.
Florian Bayer: Bip, bip, Spock an Brücke. Ja.
Johannes Franke: Ja, also es ist schon, ja, die Kunst inspiriert die Wissenschaft. Es gibt einen ganzen Zweig an Leuten, die sich nur damit auseinandersetzen, wie die Kunst Wissenschaft inspiriert hat.
Florian Bayer: Ich habe noch zwei Honorable Mentions.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Soll ich die einfach mal raushauen? Hau mal raus. Ich hatte noch Interstellar als Honorable Mention, weil es tatsächlich eine Welt ist, die sehr stark verwandt ist mit unserer Welt. Ja. Und in der vor allem einfach ein Stück Geschichte auf die Geschichte unserer Welt draufgebaut wird. Ja. Bei Interstellar ist es einfach so, dass es unglaublich gut erzählt ist in der Einführung. Und zwar wird es nämlich, als wir die Welt, in der der Film spielt, uns als historisches Stück präsentiert, indem wir ältere Menschen hören, die erzählen aus dieser Welt, in der sie gelebt haben. Und zwar der Planet Erde am Ende quasi. Und alles ist verstaubt. Und dann hört man halt eine ältere Frau, die sagt, und wir haben damals immer alle Gläser umgedreht, damit sich keine Staubschicht sammelt. Ja. Und dann sieht man Bilder eingeblendet. Und die ersten fünf Minuten oder zehn Minuten von dem Film sind einfach nur Exposition. Menschen, wie in einem Museum Menschen erzählen aus dieser Welt, die in der Vergangenheit liegt. Ja, das ist toll.
Johannes Franke: Das war ein toller Film. Ich erinnere mich nicht mehr 100 Prozent, aber der war wirklich cool. Vor allem das Ende war dann wirklich, man hat so den Bogen dann relativ in kurzer Zeit noch geschlagen. Irgendwie war es ein kleines bisschen überhastet, habe ich so das Gefühl. Aber ich mochte es doch sehr. Ich mochte den Film sehr bis aufs Ende. Bis aufs Ende, okay. Dabei ist das so ein Film, wo das Ende dafür eigentlich sehr entscheidend ist, ob der Film gut war oder nicht.
Florian Bayer: Na, muss nicht unbedingt sein. Der Film hatte die ganze Zeit super Atmosphäre und am Ende wurde mir ein bisschen zu spirituell abgedreht. Ja, ich ahne, was du meinst.
Johannes Franke: Aber ich fand es trotzdem ganz cool. Okay, ich würde noch Unorable Mention reinhauen, die einfach nicht, die einfach zu groß sind dafür. Harry Potter ist mir zu groß, um das in die Liste, weil das ist der große, wie bei Herderinger, den würde ich jetzt auch, ne, da kann man nicht mit reinhauen. Was ich wahnsinnig gerne reinhauen würde als Platz drei, wenn ich als erstes anfangen soll. Fangen. Wäre Big Fish. Ah. Weil das ein Film über Worldbuilding ist quasi. Ja, stimmt. Also der Typ.
Florian Bayer: Eine Welt von einer Person. Genau. Das ist toll. Ja, also finde ich ganz großartig. Mit dieser Meta-Ebene einfach, weil wir erleben, wie dieser Mensch seine eigene Welt erschafft, indem er davon erzählt, indem er seinem Sohn davon erzählt. Ja. Cool. Schön am Platz drei. Mag ich sehr. Mein Platz drei und für mich so ein bisschen das Ding, warum Worldbuilding am besten funktioniert tatsächlich für das Publikum, wenn es nebenbei erzählt wird, ist John Wick. Ein Film, der sich gar nicht drum schert, Worldbuilding zu betreiben. Und der es aber einfach macht, dadurch, dass so nebenbei so kleine Handlungen passieren, die wir nicht verstehen. Es geht eben um diesen Auftragskiller, der in dieser Auftragskillerwelt lebt, die einfach eine Parallelwelt ist, von der die Menschen, wie wir es sind, die normalen Menschen nichts mitkriegen. Und sie hat ihre eigenen Riten, ihre eigenen Orte, ihre eigene Kunst, ihre eigene Kultur. Und nach und nach lernen wir so ein bisschen was davon kennen. Und das geschieht wirklich so ganz im Vorbeigehen tatsächlich. Aber wir wollen mehr wissen von dieser Welt. Das schafft der Film. Wir gucken den, wir gucken eigentlich einen klassischen Killer-Film, einer gegen ganz viele. Und die ganze Zeit schwebt so diese märchenhafte Atmosphäre drüber. Und wir denken nur, ah, könnte ich nur noch mehr erfahren, wie diese Welt funktioniert. Ja. Gibt wie viele, drei gibt es inzwischen davon? Drei gibt es inzwischen. Und der erste ist der Einzige, der das Worldbuilding wirklich super nebenbei macht. Und der zweite erzählt dann schon ein bisschen zu viel aus dieser Welt, ist aber immer noch gut. Ja. Und der dritte erzählt zu viel und entzaubert dadurch die Welt so ein bisschen. Okay, verstehe.
Johannes Franke: Schade. Ich habe sie nämlich nicht gesehen. Ich weiß, worum es geht und so. Wir haben diverse Leute dabei zugehört, wie sie begeistert erzählt haben. Aber selber habe ich noch nicht gesehen. Mein Platz zwei wäre ... Star Wars gehörst du übrigens auch nicht in die Geschichte rein. Also nicht in die Liste, weil Star Wars auch zu groß ist. Also ich finde, das ist einfach, ja, okay, ein riesiges Worldbuilding.
Florian Bayer: Aber Star Wars habe ich nicht drin, weil ich finde bei Star Wars, die Stärke von Star Wars ist nicht das Worldbuilding, sondern die Geschichte, die erzählt wird.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Brasil habe ich auch schon zu oft. Aber Brasil macht auch ein super Worldbuilding. Einfach aus der Satire heraus. Ja, jetzt muss ich mich entscheiden zwischen Panslabyrinth und ... Ich nehme Panslabyrinth.
Florian Bayer: Okay. Ja. Panslabyrinth ist super. Worldbuilding aus der Fantasie eines Kindes, ne? Das Spannende bei Panslabyrinth ist ja, dass es immer so ein bisschen offen hält, wie viel ist jetzt von ihr Fantasie und wie viel ist, was wirklich passiert. Und es gehört zu einem Genre, das ich sehr mag. Kinder, die eben so eine Fantasiewelt entwerfen. Ja. Nicht zu Unrecht habe ich ja schon zwei Filme aus dem Film gezeigt. Like With the Fall und Where the Wild Things Are. Ich liebe das einfach. Und das was anderes, dieses Paper House? Ja, stimmt.
Johannes Franke: Paper House, drei Filme. Ja, ja. Oh, Plot. Ich erkenne ein Muster. Es gibt ein Genre, das ich sehr gerne mag. Stimmt. Panslabyrinth war jedenfalls ganz toll. Und ich war, obwohl ich schon nicht mehr genau weiß, wie eigentlich was gelagert war. Aber ich mochte ihn sehen. Ja, großartig. Ich war in einer Vorlesung zum Thema Psychologie und dieser Film. Und die haben sich genau auseinandergenommen, was, wie, was bedeutet und warum und weshalb. Und fand das wahnsinnig spannend und bin ganz beschämt, dass ich das nicht mehr alles weiß. Ja.
Florian Bayer: Da du jetzt auch so ein paar noch reingeworfen hast, würde ich noch mal kurz eine Honorable Mention reinbringen, die es ganz knapp nicht geschafft hat, weil ich mich nicht so ganz entscheiden konnte. Jeder Film von Hayao Miyazaki, beziehungsweise vom Studio Ghibli. Vor allem ganz groß, eigentlich mein liebster Film von ihm, Nausikei im Tal der Winde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 1984. Ich glaube sogar ein Film, bevor das Studio Ghibli überhaupt existierte. Oder beziehungsweise bevor er für dieses Studio gearbeitet hat. Aber man kann jeden anderen Film von ihm auch nehmen. Ich hoffe, ich nehme dir keinen weg an dieser Stelle. Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzessin Mononoke. Ja. Ganz tolles Worldbuilding. Und hat es nicht ganz in die Liste geschafft, weil Miyazaki auch manchmal den Zuschauer ein bisschen überfordert. Also ich sitze manchmal da und denke, ah, das sind jetzt zu viele Kleinigkeiten, die nebenbei erzählt werden. Ja. Und ich würde gerne ein bisschen mehr verstehen, aber ich habe das Gefühl, ich müsste diese Welt erst studieren, um das verstehen zu können.
Johannes Franke: Hat das vielleicht was damit zu tun, woher er herkommt, dass das der kulturelle, die Einbettung bei dem einfach zu Hause besser funktioniert als bei uns in Europa?
Florian Bayer: Das könnte durchaus sein, dass das einfach, dass in Japan Welten anders erzählt und anders gebaut werden, vielleicht. Und die Anspielungen wahrscheinlich viel schneller begriffen werden. Wahrscheinlich das auch, ja. Aber tolle Anime-Filme, also wenn es um Worldbuilding geht, auf jeden Fall immer sehenswert. Aber mein eigentlicher Platz zwei ist ein ganz, ganz einfaches Worldbuilding. mit einer ganz einfachen Prämisse, Cartoons und Menschen leben zusammen. Die Cartoons arbeiten für die Menschen und drehen für die Menschen Filme. Who Framed Roger Rabbit? Falsches Spiel mit Roger Rabbit.
Johannes Franke: Ganz toll. Stimmt.
Florian Bayer: Man sieht die ersten zehn Minuten von diesem Film und man ist komplett in dieser Welt drin. Man hat diese Welt verstanden. Dieser Film schafft es in seiner Prämisse alles zu erzählen, was wir wissen müssen, um diese Welt zu verstehen. Und den Rest der Filmzeit dürfen wir diese Welt genießen. In den Cartoons, wie Menschen durch Hollywood laufen. Ich muss ihn unbedingt wieder sehen.
Johannes Franke: Ich habe ihn ja auch schon ein paar Mal genannt. Ich liebe ihn. Großes Meisterwerk. Ganz toll.
Florian Bayer: Das wäre mein Platz zwei.
Johannes Franke: Aber es ist auch recht einfach, weil die Welt ist ja unsere Welt, bloß dass sie eben plus Cartoons halt. Und die Cartoons haben zwar ihre eigene Physik, aber trotzdem verhalten die sich ja im Grunde so wie wir in unserer Welt. Ja. Also insofern ist der Schritt nicht so wahnsinnig groß. Deswegen kannst du es innerhalb von zehn Minuten abhandeln und dann hast du Spaß mit der Geschichte. Der Film macht es aber eben auch toll.
Florian Bayer: Also es gibt so viele Möglichkeiten, das zu verbocken. Ja, ja, ja. Okay. Und blöd irgendwie zu erzählen und mit Aufstimme und so. Und auf das alles verzichtet Roger Rabbit und zeigt uns einfach einen Zeichentrick, einen Cartoon, der fünf Minuten dauert. Ja. Und dann fährt er raus und zeigt uns, wie dieses Studio aussieht, wo das gedreht wurde. Und dann sehen wir halt Roger Rabbit sich mit dem Regisseur unterhalten und das Baby irgendwie Leute am Set belästigen. Und wir sehen diesen Detektiven, der rumläuft und sagt, ich hasse Cartoons. Und wir wissen alles von dieser Welt. Ja, ja. Und das ist okay. Und dann sind wir drin. Und das ist für mich ganz wesentlich für gutes Worldbuilding, dass wir die Welt innerhalb kürzester Zeit begreifen und dann einfach nur noch genießen können, was die Welt an Ideen auffährt. Ja.
Johannes Franke: Dann wäre jetzt mein Platz eins. Good Omens. Ja. Ach, schön. Ja. Habe ich gar nicht dran gedacht tatsächlich. Good Omens macht das einfach ganz wunderbar. Ja. Das ist ganz großartig. Der macht auch diese Off-Stimme, aber auch auf eine ganz tolle Art und Weise. Es ist nicht nur so ein Lazy-Job, ich muss jetzt irgendwie jemanden die Welt erklären lassen, sondern das ist ja einfach, das ist Terry Pratchett und Neil Gaiman in Reinform. Also das ist so großartig, die Erzählstimme, wie sie erzählt und was sie erzählt und mit welcher eigenen Haltung das einfach erzählt wird. Ganz, ganz wunderbar. Ja, schön. Ja. Man wird da gut reingeführt.
Florian Bayer: Mein Platz eins, ich habe versprochen, es wird ein bisschen kontrovers. Uh, und, und, und? Sehr. Bessere Worldbuilding als J.R. Tolkien, was eine geschlossene Fantasy-Welt betrifft. Ich gucke skeptisch. Das beste Worldbuilding, was eine geschlossene Fantasy-Welt betrifft. Und zwar nicht die Geschichten, die darin erzählt werden. Die Geschichten, die in dieser Fantasy-Welt erzählt werden, sind voller Schwächen. Und ich kann ganz viel über die sechs Filme lästern, die daraus entstanden sind, beziehungsweise die sechs Bücher, ne sieben Filme, sechs Bücher. Harry Potter. Du hast gesagt, es ist dir zu groß. Für mich ist es genau die richtige Mischung aus Größe, aus Geschichte und aus Spaß haben in der Welt. Ja. Und zwar, weil mit der Figur Harry, der halt eben nicht aus dieser Welt kommt, wunderbar eingeführt wird in diese magische Welt. Das stimmt. Und die haben so viele Schwächen, sowohl die Bücher als auch die Filme, aber sie schaffen es ständig mit dem Worldbuilding mitzureißen, weil immer wieder was passiert, was uns die Welt nochmal ein bisschen weiter erklärt, die Welt ein bisschen größer macht. Ja. uns gleichzeitig ein bisschen mehr Details gibt und uns ständig staunen lässt.
Johannes Franke: Das ist der große Plusfunkt von Rowling. Das ist der Verkaufsgrund von Rowling. Das Worldbuilding. Alles andere drumherum und die Geschichten, was nun passiert und welche Widersprüche sich nun mal ergeben über die Zeit. Das hat sie nicht so drauf wie Tolkien. Aber das Worldbuilding ist der Hammer.
Florian Bayer: Rowling ist keine guten Geschichtenerzählerin. Sie macht so, es sind, also allein in Harry Potter Geschichten sind so viele Fehler. Und es wird immer schlimmer, wenn es dann mehr so Richtung Ende geht und sie versucht so eine große Harry gegen Voldemort Geschichte zu erzählen und dann wird es plötzlich nur noch so eine Gaffin jagt mit den Heiligtümern des Todes und den Horkruxen, wo wir plötzlich einfach nur noch Objekten hinterherjagen. So lazier geht es eigentlich gar nicht. Aber wenn sie erzählt, wie sie in der Kneipe sitzen und Honigbier trinken und eine Packung Frösche aufmachen, die Schokofrösche, die dann rumhüpfen und dann gucken sie sich die Karten an von den Zauberern, die drin sind und Dumbledore bewegt sich auf dem Bild und verschwindet dann, weil er nicht die ganze Zeit im Bild sitzen kann. Fantastisches Worldbuilding. Man staunt die ganze Zeit.
Johannes Franke: Und das hast du bei Tolkien jetzt gerade so ein bisschen im Gegenteil formuliert. Da hat es dich ein bisschen gestört. Das ist zu viel Situationen des Worldbuilding und weniger die Story.
Florian Bayer: Weil Tolkien mich nicht zum Staunen bringt. Ich staune nicht über die Welt in Herr der Ringe. Es ist halt so, es ist alles, es ist so viel. Zu wenig Magie? Ja, nee. Es ist zu viel Mythologeme. Klassische Mythologeme, die man kennt. Und die Naturwesen, die Bergwesen, die Menschen, die Ritter und Magier sind und Könige. Und das ist alles so sehr bekannt. Und natürlich greift Harry Potter auch auf ganz viele Mythologeme zurück. Und natürlich hat sich J.K. Rowling ganz krass von J.R. Tolkien auch inspirieren lassen. Wieder andere Fantasy-Schaffende der letzten 100 Jahre. Aber sie lässt uns die ganze Zeit staunen, weil ihre Welt Spaß macht.
Johannes Franke: Die Herr-der-Ringe-Welt macht nicht so viel Spaß. Ja, die ist epischer einfach. Die ist erwachsener. Die ist mehr ernsthafter.
Florian Bayer: Genau, das ist das Problem. Sie will erwachsener sein. Sie will ernsthafter sein. Sie will epischer sein. Ich weiß, was du meinst. Ich verstehe auch vollkommen. Und Harry Potter wird auch immer dann schlecht, wenn es erwachsen und episch sein will. Die letzten beiden Filme, die nur noch grau in grau sind. Ja, genau. Und die Welt geht unter. Nein, ich will das nicht. Ich will in Hogwarts sitzen. Meinetwegen könnten die sechs Harry-Potter-Bücher einfach nur darin bestehen, dass er in Hogwarts rumsitzt und zaubern lernt. Und mit der Karte des Rumtreibers rumspielt. Genau, und so kleine Abenteuer erlebt.
Johannes Franke: Ich will keine großen Rahmenhandlungen. Da bin ich voll bei dir, das stimmt. Ja. Absolut. Und ich finde auch, du hast schon recht, bei Herr der Ringe ist genau das, was am erwachsensten ist, immer am nervigsten. Wie zum Beispiel eben die politischen Probleme und die ganzen Kriege. Und diese ganze... Deswegen mag ich den Hobbit-Teil. Ja, deswegen mag ich die Online-Szenen. Ja, ja, ja. Aber das Buch, der kleine Hobbit, ist halt auch immer noch so verspielt. Und deswegen mag ich das viel lieber als den großen Herr der Ringe. Ich will das mal mit Bela lesen demnächst. Das ist toll, mach das. Vor allem, weil es für uns beide ein First dann ist. Gerade vorlesen.
Florian Bayer: Aber du musst dir Stimmen zulegen. Natürlich, das mache ich doch immer beim Lesen. Okay. Ich mache ganz viele Stimmen beim Lesen.
Johannes Franke: Okay. Okay, Aufgabe, Aufgabe. Eine Figur muss einen saarländischen Akzent haben. Okay, das kriege ich hin. Auf jeden Fall. Aber so richtig. Also richtig reingehauen. Ja, okay.
Florian Bayer: Das mache ich. Du musst dann berichten, welche Figur. Ich muss noch überlegen. Aber auf jeden Fall nicht Bilbo, dass wir anstrengen. Einer von den Zwergen. Nein, nein, nein. Gollum. None|Nein.
Johannes Franke: Gollum mit Zahle schnell. Das finde ich gut.
Florian Bayer: Übrigens, meine Aufgabe für diese Episode. Niemand versucht Gollum zu imitieren. Das gibt es euch noch reingrätschen. Ich könnte noch. Nein, nein, nein. Es gibt einen ganz schrecklichen Trend von, vor allem Männern, die in unserem Alter sind wahrscheinlich, die so drei Imitationen drauf haben. Eine davon ist immer Gollum. Und irgendeiner fängt dann immer an mit, natürlich, mein Schatz. Ich mache es jetzt absichtlich gar nicht. Nein, tu es nicht, Floor. Ich will es nicht tun. Warum? Wir wollen das nicht hören. Es sollte weniger Gollum-Imitationen geben auf dieser Welt. Meine Gollum-Imitationen. Mein Schatz.
Johannes Franke: Oh, mein Schätzchen. Schätz allein. Okay, bevor wir wieder zurückkehren in unseren Filmen. Zurück von Herr der Ringe. Wir haben aber eigentlich auch schon ziemlich ... Zum Fazit. Ja, wollen wir zum Fazit?
Florian Bayer: Ja, diese Episode soll nicht so lang werden wie dieser Film.
Johannes Franke: Aber sie ist schon recht lang, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ja. Und sie steckt voller Fazit. Wir haben sehr viele Meinungen rausgehauen und wenig über die Handlung geredet.
Johannes Franke: Ja, aber über die Handlung, ja, man kennt den Film. Man muss nicht viel darüber verlieren. Sie rennen von einer Station zur nächsten und versuchen irgendwie rauszufinden, was sie als nächstes tun. Gut zusammengefasst.
Florian Bayer: Das ist schon mein Fazit.
Johannes Franke: Ich finde, es ist mit sehr viel Liebe gemacht. Ja. Peter Jackson hat sich wirklich da ein monumentales Meisterwerk für sich und für diese Welt und so. Und man merkt einfach, dass er ein riesiger Fanboy dieser Geschichte war und ist. Und das einfach sehr reich ausgestattet hat. Mit ganz vielen sehr schönen Details. Sehr menschlich erzählt, streckenweise. Streckenweise fehlt es vielleicht dann wieder ein bisschen. Aber gerade bei den Hobbits und so, so liebendes Auge auf die Figuren gelegt. Ganz toll, ganz toll. Was mir bei den anderen Filmen, eben bei den zwei folgenden Filmen eben so ein bisschen fehlt. Dieses liebende Augen für ihre Figuren und dieser leichte Schalk im Nacken, der ja auch drin steckt.
Florian Bayer: Es ist ein wahnsinniges und überambitioniertes Projekt und ich habe immer ein Herz für wahnsinnige und überambitionierte Projekte. Stimmt, ja. Und allein dafür hat es schon total seine Berechtigung. Ich hatte wieder Freude beim Gucken. Ich auch. Aber er hat viele Schwächen und viele Schwächen davon, um das nochmal zu sagen, hängen mit den Schwächen der Vorlage zusammen.
Johannes Franke: Die Vorlage hat keine Schwächen.
Florian Bayer: Es ist ein großes, monumentales Werk. Er ist nicht 100% gut gealtert, was vielleicht auch ein bisschen an der Kitschverliebtheit von Jackson liegt. Aber er hat einfach genug große Momente, um auch heute noch sehenswert zu sein. Und er hatte natürlich einen enormen Einfluss auf das Fantasy-Kino der letzten 20 Jahre, den man einfach nicht wegwischen kann und der sehr wichtig ist.
Johannes Franke: Ich finde es nur vom, wie du sagst, schlecht gealtert teilweise. Ich finde es tatsächlich visuell über viel Weichzeichner benutzen, auch müssen, um bestimmte Problemzonen zu verdecken. Das sieht man dem Film leider sehr an. Da gucke ich als Kameramann manchmal drauf und denke, aua, aua, aua, aua.
Florian Bayer: Aber ansonsten. Die Special Effects sind tatsächlich gut gealtert. Ich finde es visuell eher wegen anderer Sachen nicht so gut gealtert, was zum Beispiel mit dem übertriebenen Einsatz von Licht zusammenhängt. Damit hat er auch, glaube ich, ich weiß nicht, ob er diesen Trend ausgelöst hat. Diese ganz hellen Bilder bei den Helden, meinst du? Ja, genau, diese überstrahlten Bilder. Und es ist so ein Trend, der mich öfter nervt, weil es ist auch sowas, was sich durchzieht irgendwie durch die Blockbuster-Filme, durch die fantastischen Filme der letzten 20 Jahre. Echt, ja? Dass so sehr viel, dass öfter mal gerne so überstrahlte Szenen benutzt werden.
Johannes Franke: Kommt auf den Zusammenhang an. Manchmal, ich kann das schon wahrnehmen. Und gerade dafür, für die Elben, die brauchen natürlich den Kontrast zu den Menschen und so. Da finde ich das schon okay.
Florian Bayer: Ich finde es manchmal eher störend und es wirkt so ein bisschen wie aus einem Werkzeugkasten für leuchtende Bilder.
Johannes Franke: Ganz viel, also Digitales und so weiter, da ist ganz viel Werkzeugkasten dabei. Also zumindest heutiger Werkzeugkasten, was damals vielleicht neu war, muss man schon sagen. Ja, das ist wohl wahr. Der Film hat es ja vor 20 Jahren, 20 Jahre und ganz viel sich dafür vereinfallen lassen und ganz viele neue Sachen dafür. Allein, was die Special-Effects-Leute an Programmen erfunden haben dafür, um diese Schlachten machen zu können. Ja, das ist krass, natürlich. Die, die da am Computer entstanden sind. Und dann haben die am Anfang, weißt du, die ersten, es gibt so schöne Fuck-Ups, die haben die ersten digitalen Schlachten gebaut und dann laufen die Leute programmiert in die falsche Richtung, weil irgendjemand was Falsches programmiert hat, weißt du. Und dann lassen sie zwei Heere aufeinandertreffen und dann stellen sie fest, ach, das sind die falschen Gegner, die müssten ja gar nicht gegeneinander kämpfen. Weißt du, solche Sachen. Das ist sehr witzig, was für Fuck-Ups am Anfang passiert ist. Das ist cool. Dieser Entdeckergeist, der da drin steckt, neue Techniken zu erfinden, um das zu unterstützen, was passieren muss, fand ich ganz toll. Ja, auf jeden Fall. Was heute so eben Baukasten ist, aber damals eben noch nicht war.
Florian Bayer: Und viele Herz für die Detailverliebtheit, auch zum Beispiel eben diese praktischen Effekte, die viel eingesetzt wurden, um die Größenunterschiede darzustellen, das ist schon beeindruckend. Das ist wirklich immer noch beeindruckend. Das ist total wahnsinnig und also keine Ahnung, was Peter Jackson sich dabei gedacht hat, aber cool, dass er es gemacht hat. Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Würdest du, jetzt um den zum Anfang zurückzukehren, du hast Peter Jackson ja erst später noch ein paar Sachen gesehen, was wir zusammen geguckt haben, war, wie hieß der Film? In meinem Himmel. Hat dieser Peter Jackson, den du dann später kennengelernt hast, dir Herrn der Ringe anders nochmal gezeigt oder hast du das gleich wieder vergessen, dass er diesen Scheiß gemacht hat?
Florian Bayer: Ich hab sehr drauf geachtet tatsächlich und war dann doch ganz froh, dass ich nicht so viel von diesem Lovely Bones Peter Jackson im Lord of the Rings Peter Jackson entdeckt habe. Okay, gut.
Johannes Franke: Das war mir noch wichtig zu wissen, weil ich das gleiche Problem hatte, dass ich währenddessen gedacht habe, oh okay, okay, jetzt verstehe, wo das herkommt, aber dann gar nicht so oft, wie ich befürchtet habe. Genau.
Florian Bayer: Es gibt so ein paar awkward Nahen, wo man denkt, oh, muss das jetzt sein, muss die Kamera ganz in die Fresse hauen. Und ein paar Zeitlupen, die nicht hätten sein müssen. Genau. Solche Sachen. So überdramatisierte, überstilisierte Momente. Ja, auch so Fischaugen, ne?
Johannes Franke: Ja, auch das.
Florian Bayer: Es gibt so zwei, drei Fischaugen-Szenen, wo du denkst, bitte, warum?
Johannes Franke: Ja, aber ansonsten wirklich, ich bin froh, dass er auch nach 20 Jahren noch dem, also immer noch standhält.
Florian Bayer: Ja, tut er. Und er ist einfach kanonisiert und er ist vollkommen zu Recht, geht er als großes Fantasy-Epos in die Geschichte ein. Ja. Toll.
Johannes Franke: Gut.
Florian Bayer: Alles klar.
Johannes Franke: Dann machen wir jetzt eine Pause nach eine Stunde, 40 Minuten. Oh Gott, ich habe es befürchtet. Noch nicht ganz 40 Minuten. Okay.
Florian Bayer: Und dann haben wir zehn Minuten für fantastische Tierwesen.
Johannes Franke: Okay, sehr schön.
Florian Bayer: Bis gleich.
Johannes Franke: Willkommen zurück. Ich bin tatsächlich ein bisschen erschöpft von dem Herr-der-Ringe-Gespräch. Aber wirklich ein bisschen. Das merke ich daran, dass du auf Toilette gegangen bist, was du sonst nicht machst. Ich bin derjenige, der ständig auf Toilette rennt. Ich habe eine Konfirmandenblase. Warum heißt das Konfirmandenblase? Weil man Jugendlichen, die gerade irgendwie in den ersten Anzug gezwängt werden, nicht zutraut, dass sie länger als eine Stunde still sitzen und nicht auf Toilette rennen oder was auch immer. Zu Recht wahrscheinlich. Ja, ja, ja, na gut. Kommen wir zu was Leichterem. Was Leichterem, ja, was Leichterem. Naja, ja, ja, schon was Leichteres, ja. Es ist nicht diese riesige erschlagene Welt, zumal es ja nur der Ableger der Appendix des Harry Potter-Universums ist. Der erschlagenden Welt. Ja, wir kommen zu Fantastic Beasts and Where to Find Them, die 20er-Jahre-Version von Harry Potter. Johannes, führst du uns ein? Ich führe uns kurz ein. Okay, Clickbait-Folge. Google, erfolgreichste Film der letzten, sagen wir, 10 Jahre. Ah, okay, wer hat den denn ernsthaft gesehen? Na gut, nix für mich. Murmel, Murmel, Murmel. Ah, Fantastic Beasts. And Where to Find Them. Wenigstens ein bisschen Magie und schön anzusehen. J.K. Rowling verspricht, es wird keinen weiteren Harry Potter geben, aber es juckt ja doch in den Fingern. Dann geben wir eben einem Charakter des Harry Potter-Universums ein Spin-Off. Aber es darf nicht zu offensichtlich sein. Die Marktforschung sagt, die Fans mögen die magischen Tiere und Außenseiterfiguren. Und die 20er sind gerade in. Perfekt. Da war doch mal dieser eine Autor der Schulbücher von Harry Potter. Ha, Newt Scamander, sehr gut. Newt reist 1926 nach Amerika mit einem Koffer voller fantastischer Tierwesen ein. Und leider, leider bricht ein diebisches Exemplar aus und macht die Stadt unsicher. Newt muss seinen Flüchtling wieder einfangen und stößt dabei auf eine andere Kreatur, die gerade in New York sein Unwesen treibt. Beziehungsweise die Stadt zerstört und Menschen umbringt. Offenbar eine magische Kreatur, die Newt natürlich nicht links liegen lassen kann. Eine Geschichte, die fast Varieté-artig vor allem von seinem magischen CGI-Schauwert und seinen tollen Schauspielern lebt. Oder hattest du den Eindruck, eine außergewöhnlich cleveren Geschichte, Plur?
Florian Bayer: Nein. Außergewöhnlich clever ist dieser Film nicht. Aber das will er auch gar nicht sein. Muss er auch nicht, ne? Muss er auch gar nicht sein. Ja, ich weiß nicht, ob ich jetzt mein Fazit gleich raushauen kann.
Johannes Franke: Okay, den ersten Halbsatz deines Fazits und den letzten Halbsatz dann am Ende.
Florian Bayer: Okay, dann muss ich auch, jetzt muss ich so ein bisschen Suspense erzeugen. Ja, ja, bitte. Indem ich den ersten Halbsatz raushaue. Ja, ja. Das, was dieser Film mit dem Harry-Potter-Universum macht. Hat Hitler mit Polen gemacht?
Johannes Franke: Au.
Florian Bayer: Das klingt total düster, aber das ist eine Referenz auf unsere letzte Episode, in der wir über Ernst Lubitsch's Sein oder Nichtsein reden, wo genau dieser Witz gemacht wird. Johannes hat eigentlich gar keinen düsteren Humor, auch wenn das gerade so klang. Für mich ist dieser Film die beste Verfilmung des Harry-Potter-Universums. Wuhu. Schön. Ohne jeden Zweifel. Es ist der beste Film, es ist der beste, es ist das, was ich mir eigentlich von einem Harry-Potter-Film oder von einer Harry-Potter-Geschichte gewünscht hätte. Wir haben vorhin über das World-Building geredet. Ja, ja, genau. Und dass ich eigentlich nur staunen mag und eigentlich nur Spaß haben will in einer Welt, wenn gutes World-Building betrieben wird. Und das gelingt diesem Film ohne großen Story-Ballast. Und ich nehme es ihm deswegen ein bisschen übel, dass er in der letzten Minute den Story-Ballast einführt und sein Nachfolgefilm dann den ganzen Story-Ballast auf uns drauf wirft und deswegen das Ganze versaut. Und es kommen noch vier andere Filme oder so. Mal gucken, ne? Und die werden das alle auch machen. Und dieser Film ist so schön, weil er das nicht macht, sondern weil er uns einfach durch eine Welt führt, in der eine kleine, natürlich etwas größer werdende Geschichte erzählt wird und uns sehr, sehr, sehr, sehr viel staunen lässt.
Johannes Franke: Dieser Film erinnert mich und ich bin also da auch nicht ganz d'accord mit deinem, aber fast, der erinnert mich an den ersten Harry-Potter-Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und der erste Harry-Potter-Film war wirklich sehr, sehr schön, einfach Spaß gehabt und einfach reingeworfen und du entdeckst da nach und nach alles, wie allein, wenn du in die Winkelgasse kommst und das erste Mal die Zauberstäbe von Alivander und so. Genau, ja. Das ist so, und diese Naivität fast oder diese Lust am Neuen und am Spielen, das hat dieser Film auch. Ja. Und das werden die nächsten Filme wahrscheinlich, wie du auch schon eindeutest, wie bei Harry Potter, nach und nach verlieren. Der zweite hat es schon ganz doll verloren. Beim zweiten weiß ich nicht mehr ganz genau. Ich habe den irgendwann mal gesehen, wahrscheinlich 2018, als er rauskam oder so.
Florian Bayer: Es ist ganz spannend, weil mit David Yates ist ja der Regisseur an Bord, der die letzten vier Harry-Potter-Filme gemacht hat und die ganz krass das Düstere hervorheben, das Erwachsene und jetzt steht alles auf der Kippe und die Magierwelt könnte vernichtet werden, Voldemort kommt zurück und so weiter. Ja. Und dieser Film macht das alles nicht. Der ist so viel bunter. Ja, leichter. So viel liebevoller, genau leichter, freier in der Inszenierung, weil er sich um diese ganze Handlung nicht scheren muss. Es ist so toll. Es ist eine total kluge Entscheidung, dass sie das Ding nach New York gelegt haben, dass sie Hogwarts erstmal komplett rauslassen. Genau. Das darf mal im Nebensatz erwähnt werden. Es ist total clever, dass das Ding lange bevor Voldemort geboren wurde spielt. Ja. Es ist total klug, dass es kaum Fanservice gibt. Ganz wenige Referenzen nur auf die Harry-Potter-Filme. Das ist genau das, was der Film richtig macht. Ja. Dass er einfach seine Geschichte erzählt und die Magierwelt, die Welt von Harry Potter erweitert.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber die sich da nicht ... Und zwar auf sympathischste Art und Weise.
Johannes Franke: Es muss nichts bedienen. Man muss aber auch sagen, dass das vielen Leuten eher missfallen hat. Viele Fans wollten bedient werden. Ja. Und das schlägt sich in den Kommentaren nieder. Ich habe ein bisschen gestöbert und gelesen. Es gibt ganz viele Leute, die sagen, ich wollte aber doch das, ich wollte doch das und was ist denn damit und so. Natürlich wird das alles nicht bedient, wenn du eine eigenständige Geschichte machen willst. Und das ist eine gute Entscheidung, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Ja. Und sie machen es ja so ein bisschen. Also Dumbledore wird zumindest im Halbsatz erwähnt. Ja. Wir haben am Schluss den großen Relief von dem Hauptbösewicht, der wahrscheinlich im nächsten Film total nerven wird. Von Grindelwald.
Johannes Franke: Ja, Grindelwald, genau. Der ja ersetzt wird durch einen anderen Schauspieler. Ich weiß nicht mehr, wer das war. Grindelwald wird von Johnny Depp gespielt. Ja, jetzt ja. Aber der wird ersetzt. Der wird nicht mehr spielen. Der wird den nicht mehr spielen. Der wird den, ah. Der, nachdem seine Schlägerprobleme vor Gericht einmal durchgezogen wurden, haben sie ihn ausgetauscht. Ich habe den Namen vergessen. Verdammt. Egal. Ich habe es irgendwo in meinen Notizen, aber die sind zu umfangreich, um das jetzt hier rauszufiltern.
Florian Bayer: Und ansonsten sind halt wirklich, es wird einmal, es gibt einmal so einen kurzen Schrägschlag Richtung Hogwarts, was ich ganz süß finde, wenn sie über die besten Universitäten gehen und dann eine amerikanische Universität einmal gegen Hogwarts antreten kann.
Johannes Franke: Genau, ja. Die übrigens, wird nicht im Film gesagt, in Massachusetts steht anscheinend. Aha. Ja, wurde irgendwo mal bei, weil sofort natürlich alle ganz viele Fragen gegen J.K. Rowling geworfen haben. Und die natürlich aber auch zu jeder Frage zu einem halbstündigen Vortrag aushauen und holen kann. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Ganz ehrlich, ich glaube, J.K. Rowling zieht sich die Antworten teilweise auch aus den Fingern. Es gab doch so ein paar Sachen, wo sie bei Pressekonferenzen, was aus der Harry Potter Welt ausgeplaudert hat, was dann im Widerspruch stand zu etwas, was sie später gesagt hat. Okay. Aber das ist ja auch nicht schlimm, so eine Welt wie Harry Potter, die gerade im Entstehen ist, also mittlerweile schon seit 20, fast 30 Jahren. Die kann ja auch langsam wachsen und dann kann es noch Widersprüche geben, dass es im Star Trek und Star Wars Universum, ja, genau so. Also gerade wenn es auch so viel Fanfiction drumherum gibt und ich finde den Gedanken eigentlich ganz schön, dass es eine lebendige Welt ist und dass jeder auch so ein bisschen was beitragen kann. Ja. Ich liebe, was der Film mit dieser Welt macht. Ich finde es ganz toll, dass sie kulturelle Unterschiede zwischen den amerikanischen MagierInnen und den britischen zeigen. Wenn zum Beispiel die Muggel nicht mehr Muggel sind, sondern die No-Match. So ganz einfache Sachen.
Johannes Franke: Es ist aber auch, vielleicht unterstelle ich das auch nur, aber ich habe ein bisschen das Gefühl, dass sie ein klein wenig snobistisch daran geht, als Britin über die Amis zu schreiben. Es ist alles ein bisschen plumper, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Total.
Johannes Franke: Es ist nicht sophisticated so sehr.
Florian Bayer: Definitiv. Es ist ein Clash of the Cultures und wir werden hier die amerikanische Kultur, die magische amerikanische Kultur in den 20er Jahren kennen.
Johannes Franke: Ja, was für mich natürlich sofort ein Setting ist, wo ich jeden Film sehen muss, der damit zu tun hat. Und dann auch noch das, weil ich Fantasy schon auch sehr mag, war das natürlich für mich so ein... Oh mein Gott, ja. Ich muss sehen.
Florian Bayer: Dabei gibt es eigentlich nur so eine große Golden-20-Szene, wenn sie in dieser Gangster-Bar sind und mit diesem Kobold-Knallack verhandeln.
Johannes Franke: Das ist übrigens Ron Paulman, ne? Und der sieht auch so aus irgendwie. Ich finde, den haben sie so richtig gut nach ihm gemodelt.
Florian Bayer: Das ist geil. Ich habe den gesehen und dachte so, geil, was für eine coole Figur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann ist so dieses typische Ding, wenn man so eine CGI-Version sieht von einem Schauspieler und man denkt so, man kennt das Gesicht und wer ist das? Und dann überlegt man und dann kriegt man es nicht so 100% zusammen, weil er ist halt Ron Paulman, ist halt kein kleiner Kobold, sondern ein riesiger, mächtiger Typ. Der übrigens Hellboy gespielt hat. Ganz toll. Und der eigentlich immer die großen, gefährlichen Typen spielt und dann spielt er diesen Kobold, aber mit dem signifikanten Kinn, dem markanten Kinn.
Johannes Franke: Ja. Das ist toll. Und er macht es auch super, spricht es super und die Figur ist auch gut animiert und so. Und überhaupt eine Type. Das ist toll. Wirklich tolle Figur. Wenn wir schon bei Animationen sind, also der Typ ist animiert auf eine bestimmte... Wie findest du die Animationen, wenn wir jetzt bei Herr der Ringe so sagen, das ist gut gealtert, was glaubst du, wird dieser Film machen in 10 Jahren, wenn wir den anschauen?
Florian Bayer: Das ist eine gute Frage. Ich kann mir vorstellen, dass er Probleme hat mit dem Altern. Er hat das für mich heute schon gehabt. Ja, das dachte ich nämlich auch gerade. Es gibt so ein paar Momente, also die Tierwesen stecken voller toller Ideen. Ja. Aber wenn ich überlege, so die Action-Szenen, in denen direkter Kontakt mit den Tierwesen ist, vor allem mit diesem Flusspferd-Verschnitt, das sie dann zujagen. Und dann gibt es ja eine relativ große Action-Szene, wo sie irgendwie von dem Vieh ausweichen müssen. Und ja, es wirkt jetzt schon teilweise nicht so 100% plausibel.
Johannes Franke: Ja. Aber ich glaube, das ist wie mit ganz vielen Sachen, die man dann einfach wahrnimmt, wo man dann sagen muss, okay, das ist jetzt so. Und das ist wie bei... Also es fällt einem leichter bei Who Framed Roger Rabbit, weil das einfach... Das ist aufeinander geklatscht und damit ist gut. Das ist kein... Da gibt es ja keine Möglichkeit, das ineinander zu...
Florian Bayer: Aufeinander geklatscht.
Johannes Franke: Naja, stimmt.
Florian Bayer: Bei Roger Rabbit haben sie ganz schön viele Tricks aufgefahren.
Johannes Franke: Natürlich, aber ich meine, der Stil ist natürlich sowas von außerweltlich. Es sind zweidimensionale Figuren. Ne, genau. Ja. Deswegen funktioniert das natürlich auf eine ganz andere Art und Weise und du kannst dich sofort darauf einlassen, ohne dass du Pixel zählst. Also dass du sagst, ah, der Schatten hätte aber irgendwie mehr da sein müssen oder ist da überhaupt ein Schatten? Sowas passiert halt aber auch dazu, wo man denkt, ähm, Licht? Nicht. Aber, aber ich weiß nicht. Das ist halt bei CGI ist das schwierig. Dann dein Auge gewöhnt sich auch andere Sachen an und so. Und dann alles, was versucht, real auszusehen, ist halt immer schwierig auf Dauer.
Florian Bayer: Und es ist wirklich schade, weil die Tiere, die sie drin haben, und es sind viele Tiere, die in diesem Film vorkommen, sind... Selbst wenn, wenn die Animation Schwächen hat, sind die Tiere einfach toll entworfen und sie haben sich wirklich tolle Gedanken darüber gemacht, was, wie leben diese Tiere, was lieben diese Tiere, was, was für Bedürfnisse haben sie und haben dann wirklich so ein ganzes Potpourri an faszinierenden Tierwesen.
Johannes Franke: Das sind ganz tolle Künstler dabei. Es gibt ja das Buch, ne, was Newt anscheinend geschrieben hat, ne, Fantastic Beasts and Where to Find Them, was als Schulbuch dann für Harry Potter dient. Und J.K. Rowling hat für eine Comic-Relief-Geschichte 2001 dieses Buch einmal geschrieben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also es war im Grunde nur so als Gimmick für, um Geld zu sammeln für einen guten Zweck. Und hat da so einen Haufen fantastische Tierwesen aufgelistet und dann dazu Beschreibungen gepackt und klitzekleine Zeichnungen. Ah. Die so ganz wirklich rudimentär. Und es gibt diesen einen Vogel, ich weiß nicht, wie der heißt, aber es gibt so einen Vogel, der bei ihr einfach nur so ein paar Bleichtschriftstriche sind und auf so einem Ast sitzt der. Und wenn man das daneben hält, was der Film draus gemacht hat, das ist genau dieser Vogel. Ja. Und es ist so krass, weil der viel detailreicher und viel krasser ist als das Original, aber wenn du die nebeneinander siehst, denkst du, wow, wie geil. Die haben sich wirklich an genau das gehalten, was J.K. Rowling sich da ausgedacht hat.
Florian Bayer: Sehr cool. Und wahrscheinlich kannst du dir dann auch vorstellen, wie quasi, also das war der Weg der Entstehung und wie dann umgekehrt das Gegenteil passiert in der Geschichte. Das Funktionale ist ja, dass Newt diese Tierwesen erforscht hat und dann hat er irgendwann diese Skizzen von ihnen gemalt und was dazu geschrieben. Genau. Also genau der umgekehrte Weg zu dem, wie sie für den Film entstanden sind. Genau. In den Skizzen von J.K. Rowling richtige Tiere gebaut wurden.
Johannes Franke: Ja. Großartig. Und ich, also es ist wirklich schön zu sehen, wie so eine, so eine Fantasie, was im Kopf passiert, sich so nach und nach in so eine, so eine Visualisierung bringt und das irgendwie animiert, wirklich ein Leben hat. Das ist toll.
Florian Bayer: Ich finde es wunderschön in dem Film, wie er uns diese Tiere vorstellt, weil er hält ganz lange die Suspense, dass wir am Anfang eben Newt mit dem Koffer sehen, wir sehen da ist was Lebendiges drin und sehen aber wirklich nur so Bewegungen. Dann kommt irgendwann eine Tat und dann kommt irgendwann eine Tatze mit Krallen raus und dann ist ja Niffler, ist ja dieses erste Tier, was dann flieht und das ist das erste Mal, dass wir Kontakt haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann dieses schrittweise die Welt aufbauen und es kommen mehr Tiere, mehr Tiere und dann kommuniziert das in dieser Kofferszene, wo er zum ersten Mal in den Koffer geht. Das ist so schön und das ist so großartig, wo wir plötzlich die Größe von seiner Tierwelt erahnen und von diesem Koffer, was halt auch so total flecht, wenn er dann da reinsteigt und der Typ Jacob, der bei ihm, der unfreiwillig der Mogel, der bei ihm ist, dann mit reinsteigt und durch diesen Jacob dürfen wir dann auch staunen und dann haben wir diese Welt in dem Koffer und diese verschiedenen geografischen Zonen, diese verschiedenen Klimabedingungen für jedes Tier.
Johannes Franke: Ja, es ist toll. Wirklich, wirklich schön. Ich hatte ein bisschen den Eindruck, dass es ein bisschen übertrieben hat, weil es doch ein bisschen lang war, die Sequenz. Wir haben wirklich jedes Tier vorgestellt, weißt du, und dann gehen sie dahin, dann gehen sie dahin, dann gehen sie dahin und bearbeiten sie auch schon so ein bisschen Stationen ab.
Florian Bayer: Ja, ich liebe alles an dieser Sequenz, weil ich bei jeder Station wieder staunen darf und weil es ziemlich schnell durchgeht und weil es so ein Universum eröffnet und es schlägt so vieles, so viele Staunenmomente, auch aus den Harry Potter Filmen. Und Harry Potter hat ja ständig diese Momente, wo sie irgendwo hingehen und dann sieht man was Großes und dann machen sie alle O und A. Und wir als Publikum sollen auch O und A machen. Und in dieser Szene mache ich das.
Johannes Franke: Ja, es ist schon ein bisschen wenig erklärt, warum Newt diesen Noir-Komplex hat. Ja, das Komplex trifft es echt gut. Es ist so ein bisschen so, warum, was, wie, wo. Aber das Ding ist, wir können sofort, das ist sofort relatable, weil du sofort dieses Gefühl hast von, ich rette Außenseiter. Ich rette Figuren, die es schwer im Leben haben, die Hilfe brauchen, die irgendwie, ne, und du wünschst dir halt als Mensch, auch als Kind vor allem, wünschst du dir oft einfach einmal gerettet zu werden aus einer Situation, mit der du zu überfordert bist.
Florian Bayer: Ich mag auch tatsächlich diesen Protagonisten Newt. Es gibt es viel zu selten im fantastischen Kino, dass wir eine männliche Figur haben, einen Protagonisten, der einfach mal ziemlich radikal Kehrarbeit macht. Und das macht er hier. Er kümmert sich die ganze Zeit um seine Tiere.
Johannes Franke: Ja, und er ist eine sensible Figur, eine sensible männliche Figur. Und was ich ganz, ganz beeindruckend und toll finde und was sich sonst kaum jemand traut, dieser Typ ist ja, es ist ja mehr oder weniger eine autistische Figur. Meinst du so im wahrsten Sinne des Wortes? Im wahrsten Sinne des Wortes. Also er ist wirklich, ich glaube, er ist wirklich Autist. Er soll Autist sein? Als Autist, wenn man diesen Film sieht, kann man sich selbst erkennen. Der Augenkontakt, den er kaum herstellt. Stimmt, ja. Die Spezialinteressen an Tieren in einer bestimmten Richtung. Ja. Das ist einfach die Trademarks von Autisten. Und es gibt, mir fällt keine einzige andere Figur im Film ein, die so detailreich und so liebevoll autistisch ist.
Florian Bayer: Oh, Autismus im Film ist so eine ganz gruselige Geschichte. Ja. Voll mit Klischees.
Johannes Franke: Ganz furchtbar.
Florian Bayer: Und mit dummen, albernen Pauschalurteilen und Vorstellungen. Also ich glaube, Rain Man hat.
Johannes Franke: Ja, Rain Man ist halt so eine Varieté-Figur quasi. Genau, eine Varieté-Figur, ja. Und dann hast du den Adorable Behinderten oder den, weißt du, was draus gemacht wird? Und es ist ja weit weg von einer, naja, Behinderung. Naja, es ist einfach völlig unterrepräsentiert.
Florian Bayer: Und ich finde es ganz, ganz toll, dass es gemacht wird. Krass, da habe ich überhaupt nicht drüber nachgedacht. Aber wäre das nicht großartig, wenn sie das auch wirklich nochmal erwähnen würden, irgendwie so nebenbei? Nur, dass er irgendwie auf dem Spektrum ist und dass das dann mal kurz, also, weil ich musste tatsächlich beim Gucken gar nicht dran sein. Denken, aber wenn ich das jetzt so höre, natürlich, es macht total Sinn. Und es gibt der Figur auch nochmal ein bisschen mehr Facetten. Ja. Weil er eben halt nicht so eine Varieté-Figur ist, weil er nicht so ein Klischee-Abziehbild ist, was man sonst von Autismus kennt im Kino.
Johannes Franke: Also, ich finde es ganz großartig. Und ich habe, ich muss das mal erzählen. Als Schauspieler ist es eine ganz, ganz schwere Entscheidung mit einem Regisseur, vor allem wenn es ein Regisseur ist, der da nicht mitzieht, zu sagen, ich will einen Autisten spielen. Weil manche Figuren das einfach mitbringen. Ich hatte das einmal beim Bergdoktor. Ich habe eine Figur beim Bergdoktor gehabt, der kam mir einfach wirklich als sehr geeignet vor, um ihn auf dem Spektrum zu spielen. Und ich wollte ihn gerne ohne großen Augenkontakt und so weiter spielen. Aber das Problem ist, du hast ein ganz großes Problem mit dem Kameramann, der immer wieder sagt, ich sehe deine Augen nicht, ich sehe deine Augen nicht, ich muss ja sehen, was du fühlst. Ich will, du musst da irgendwo. Und die ganze Kameraarbeit ist darauf ausgerichtet, dass sich Menschen im Gespräch anschauen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Du musst also als Kameramann völlig umdenken, wenn du jemanden porträtieren willst, zeigen willst, der das nicht tut. Ja. Und das schafft der Film auch nicht 100 Prozent, aber er hat es zumindest versucht. Und die Figur ist absolut glaubhaft und total gut entworfen von Eddie Redmayne, super gut gespielt und die Kamera nimmt es natürlich auch auf.
Florian Bayer: Ja, also gerade so dieser verstohlene Blick dann so unter den Locken, wenn er wirklich so ausweicht und irgendwie so ein bisschen verloren wirkt. Genau. Er hat ganz viele tolle Momente, die ihn zu einem mehrdimensionalen Charakter machen. Wie gesagt, ich habe nicht an das Wort Autismus gedacht, als ich den Film gesehen habe, aber er ist einfach mehrdimensional dadurch. Er ist nicht der prototypische Held, das sowieso nicht, aber er ist auch nicht so der prototypische Protagonist, der so ein bisschen als Blaupause von einer Heldenvorstellung durch diese Welt läuft, sondern er hat wirklich Facetten.
Johannes Franke: Die haben alle Figuren übrigens, ich finde es super, also bis auf der Grindelwald, der hat nun leider gar keine Facetten. Der ist einfach nur böse und gut ist, aber die meisten Figuren, mit denen wir mitgehen sollen, haben mehrere Facetten und das finde ich toll.
Florian Bayer: Ja, ich mag diese tatsächlich auch diese Romanze zwischen Jacob Kowalski und Queenie. Das ist schon so süß. Die so selbstverständlich erzählt wird und er ist halt ein bisschen übergewichtig, er ist kein Magier, er ist auch so ein bisschen hilflos und Comic Relief, aber sie verliebt sich einfach in ihn und das ist total schön. Und nicht nur, weil es plausibel ist, wie es erzählt wird, sondern auch einfach, weil es mit gängigen, leider viel zu oft in Filmen vorhandenen Romantikvorstellungen komplett bricht. Ja. Und die große Romanze des Films ist eben nicht zwischen unseren beiden Protagonisten Newt und Tina, sondern zwischen Jacob und Queenie. Obwohl die schon auch als Ehepaar enden werden.
Johannes Franke: Ja, natürlich werden die. Das ist ja alles bekannt. Ne, ist es bekannt? Ja. Ah, das wusste ich nicht. J.K. Rowling hat das bestätigt. Okay. Ja, ja. Die werden dann irgendwann zusammen in einem Haus sowieso und dort und dort leben, hatte sie.
Florian Bayer: J.K. Rowling verbockt eigentlich ihre Romanzen immer. Wieso? Hermine, du kannst was Besseres haben.
Johannes Franke: Naja. Ähm, aber es ist, emotional ist es richtig. Es ist logisch. Es ist irgendwie so, ja. Es ist halt das, was in so einem Film passiert. Oder in so einer Geschichte. Ich finde es ganz toll erzählt. Ich finde auch die Romanze ganz toll erzählt. Mich hat ein kleines bisschen genervt, dass Queenie zu, zu sehr gehaucht ist und zu sehr sweet und süß und, weißt du? Obwohl ich natürlich sie total mag und so, aber irgendwie finde ich es ein bisschen dolle draufgedrückt.
Florian Bayer: Ja, es ist, es ist auf jeden Fall. Und, ja. Sie wird von einer Musikerin gespielt, ne? Queenie wird gespielt von Allison, hoffentlich bricht den Namen jetzt richtig aus, Allison Sudol, die eine Sängerin und Pianistin ist. Okay, das wusste ich nicht.
Johannes Franke: Da hast du mehr recherchiert als ich. Ähm.
Florian Bayer: Und tatsächlich gibt es, also der Film hat auch eindimensionale Charaktere, wie du schon gesagt hast. Ja, Grindelwald. Grindelwald, der nicht in dem Film wirklich nur am Schluss als Grindelwald benannt wird. Und die ganze Zeit halt, ist er einfach nur dieser düstere, ermittelte Kommissar Percival. Und dann ist auch der Credence, Barebone, der so ein bisschen der McGuff in diesem Film, dieses Films ist, dem alle hinterher rennen. Ist ein toller Schauspieler, der wird gespielt von Ezra Miller, der irgendwie so ein bisschen ein Abo hat auf diese leicht schrägen, etwas gruseligen Teenie-Figuren.
Johannes Franke: Von dem wird er schon gut gespielt. Ja, auf jeden Fall. Ich finde ihn nicht schlecht. Er hat halt keine große Entwicklung.
Florian Bayer: Ja, er ist halt so der düstere, in sich gekehrte, bei dem man weiß, dass er ganz viel Potenzial für schreckliche Dinge hat. Ja, ja.
Johannes Franke: Ich wollte gerne nochmal auf, wie wir überhaupt reinkommen in das Ganze, weil ich nämlich sehr schön finde und aber auch sehr bilderbuchartig, also eigentlich fast schon Haken hinter jedem Ding, was man in der Schule gelernt hat, was man an Drehbüchern schreibt. Es ist Fish Out of Water hoch 10. Ja. Du hast halt den Briten, der sowieso Fish Out of Water ist durch seinen Autismus, der kommt aber nach Amerika, wo er nochmal Fish Out of Water ist. Also Fish Out of Water, für die Zuhörer, die es nicht wissen, es ist das Prinzip, dass ein Mensch oder eine Figur, der man folgen soll, aus seiner eigentlichen Umgebung rausgerissen in eine völlig unbekannte Umgebung. Also ein Fisch, der eigentlich im Wasser leben würde, außerhalb des Wassers. Fish Out of Water.
Florian Bayer: Er ist allein schon Fish Out of Water in dieser magischen Welt, weil er ist ein kompletter Außenseiter. Ja. Er hat Interesse an diesen Tierwesen, die offensichtlich alle für gefährlich und für Monster halten. Genau.
Johannes Franke: Und dann ist der Bäcker auch noch Fish Out of Water, weil er Muggel ist. No Match. No Match und in die magische Welt kommt. Warum macht man das? Warum macht man Fish Out of Water Geschichten? Man macht es, damit man jemanden hinstellen kann, der sich Selbstverständlichkeiten der Umgebung neu anschauen kann. Damit wir als Zuschauer die Möglichkeit haben, alles neu zu entdecken, was da passiert. Weil du ja nicht immer einen Erzähler haben willst, der dir sagt als Zuschauer, unwissende Zuschauer, das ist übrigens die magische Welt. Dort funktioniert das so und so und so und so. Weil sonst fühlst du dich verarscht als Zuschauer. Also brauchst du jemanden, der für dich die Welt entdeckt, damit du sie entdecken kannst. Ja.
Florian Bayer: Harry Potter. Harry Potter ist das klassische Beispiel. Wir haben jemanden, der nicht in der magischen Welt groß geworden ist. Und der wird jetzt in die magische Welt gebracht. Und wir dürfen mit ihm staunen. Genau.
Johannes Franke: Und dieses Fish Out of Water Prinzip macht halt dieser Film volle Kanne. Immer wieder, immer wieder. Das ist so, damit wir irgendwie mitbekommen, was da passiert und dass die Leute staunen können. Was ich ganz süß finde, wie der Bäcker da bei den Frauen zu Hause, wenn die das Essen machen, da steht und nur staunt. Sein Gesicht ist ein einziges Staunen. Die ganze Zeit.
Florian Bayer: Das Tolle an Jacob Kowalski ist ja tatsächlich, dass er in diese magische Welt reingezogen wird. Und sie macht ihm aber keine Angst, sondern sie macht ihm von Anfang an Freude. Ja, ja. Es gibt eine ganz süße Szene, jetzt spoiler ich, ein bisschen aus dem zweiten Film. Diese Person kommt im zweiten Film nochmal vor. Und er kann sich an alles erinnern. Yes, ist geil. Und sie haben ja diesen, was total, das Ding ist sowieso komplett Man in Black inspiriert. Sie haben ja so einen Blitzdingszauber auf ihn gemacht, der seine Erinnerungen auslöschen soll. Ja, ja. Und dieser Zauber löscht aber nur die schlechten Erinnerungen. Und er sagt, er hat bei mir nicht gewirkt, weil ich hatte keine schlechten Erinnerungen. Es war für mich ein großes Abenteuer und ich hatte die ganze Zeit von vorne bis hinten Freude. Okay. Und es sind nur so zwei, drei Erinnerungen flöten gegangen, die ein bisschen gruseliger waren. Der Rest war einfach nur tolle Erinnerungen. Okay. Und dann ist er einfach, ja, der Vergisses-Zauber nicht funktioniert. Geil.
Johannes Franke: Hm, na gut, okay. Aber dann, ja, da wird es doch noch mehr Leute in der Stadt, als du ein bisschen Lücken hast.
Florian Bayer: Es ist ein bisschen unlogisch, ja. Zumal das, glaube ich, dasselbe Zauberspruch ist, mit dem Hermine auch die Erinnerungen von ihren Eltern an sich auslöscht. Im letzten Harry-Potter-Film. Echt? Ja, Hermine hat ja Muggeleltern. Ja, genau. Und sie weiß, dass dadurch, dass sie gegen Voldemort kämpft, könnten ihre Eltern Zielscheibe werden. Und die einzige Möglichkeit, sie zu schützen, ist ihnen die Erinnerungen zu löschen. Und das ist sowohl im Buch als auch im Film, ist das eigentlich so ein sehr tragischer Moment, dass sie dann ihr, bevor sie das Haus zum letzten Mal verlässt, halt diesen Zauberspruch macht. Und dann wird sie aus den Bildern rausradiert und ihre Eltern vergessen sie, um sie zu schützen. Macht sie das. Scheiße.
Johannes Franke: Ja, aber das ist ja dann auch, das funktioniert ja dann auch nicht nur mit schlechten Erinnerungen. Aber es ist total Man in Black übrigens.
Florian Bayer: Also dieses ganze, mit den Tieren, die rumlaufen, wie die Aliens bei Man in Black. Ja, ja, stimmt. Und dann sind es die, die ihnen helfen wollen. Also die wissen, dass die Tiere keine Bedrohung sind, aber sie müssen halt handeln, dass die da unterwegs sind. Und dann gibt es eben halt auch so ein, bei Man in Black war das immer dieses Blitz-Dings, was sie ihnen vor das Gesicht gehalten haben. So einen Zauber gibt es dann auch, der immer mal wieder angewendet werden muss. Also ich habe das Gefühl, bei diesem Film stand Man in Black teilweise mindestens genauso viel Pate wie die Harry-Potter-Reihe.
Johannes Franke: Okay. Den Führenden habe ich nicht hergestellt im Kopf. Aber gut. Was auch eine ganz tolle Situation ist, wenn du sagst, Tiere, die in der Gegend rumlaufen, der Löwe, wie er kommt. Und Newt steht da und sagt, oh, diese Stadt ist gerade viel, viel interessanter geworden. Das ist schön. Ja. Ganz tolle Situation. Man merkt halt auch daran, dass Newt viel mehr mit Tieren, viel besser klarkommt als mit Menschen, was dieses Autismus-Spektrum-Ding halt irgendwie mit unterstützt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Und dann natürlich Tina. Ja. Die darf man nicht vergessen.
Johannes Franke: Die wirklich eine schöne weibliche Hauptfigur ist. Die ist stark, die hat ihre eigene Geschichte, die eigene Wollen. Was ich ganz toll finde, ist die Idee, dass sie ihn eigentlich nur festnimmt, um in ihrem Job wieder ordentlich reinzukommen. Ja. Und dass er eigentlich dann, als sie da drinstehen, eigentlich so ganz peinlich daneben steht. Wie jetzt, ich wurde von jemandem verhaftet, die eigentlich gar nicht darf, die mich überhaupt nicht, die überhaupt nicht befugt ist.
Florian Bayer: Tina ist vor allem spannend, weil sie auch nochmal so einen ganz neuen Blick auf die Auroren wirft. Weil die Auroren waren im Harry-Potter-Universum immer so diese strahlenden KämpferInnen gegen das Böse. Ja. Und jetzt wird das halt als so eine Behörde gezeigt und sie wurde versetzt, weil sie Mist gebaut hat und darf nicht mehr als Auroren tätig sein und hofft sich halt da wieder reinzukommen. Ja, genau. Und offensichtlich sind die Auroren auch ein bisschen korrupter Haufen, sonst würde der Erzbösewicht nicht so leichter durchkommen. Genau. Und sie ist sehr verantwortungsvoll und sie scheitert aber ständig an diesem Verantwortungsvollen und trifft dadurch auch ganz klar falsche Entscheidungen. Eben zum Beispiel, dass sie ihn beim zweiten Mal, wenn sie ihn verhaftet und sie dann ja fast umgebracht werden deswegen. Und dadurch bleibt sie eine lebhafte Figur, eine ambivalente Figur auch.
Johannes Franke: Und das finde ich eben so toll, nicht nur er, also Newt hat ja sein eigenes Ding und ist auch ambivalent und sie, also deswegen finde ich diese Vielschichtigkeit der Figuren so toll. Weil sie halt eigentlich, am ersten Moment müsste sie eigentlich der Antagonist sein, sie nimmt ihn fest. Ja. Und aber wir spüren natürlich sofort, dass sie gar nicht der Bösewicht der Geschichte ist, sondern sie irgendwie dann doch sich zusammen da durchlavieren. Aber eigentlich hat sie eine ganz andere Agenda als er und eigentlich muss sie ihn die ganze Zeit festnehmen und festhalten. Und irgendwie ist sie schon dafür verantwortlich, dass die Probleme nach vorne getrieben werden.
Florian Bayer: Das Spannende ist tatsächlich, dass ihre Geschichte die ganze Zeit eigentlich eine antagonistische Geschichte ist, im Vergleich zu ihm. Sie arbeitet die ganze Zeit gegen ihn.
Johannes Franke: Theoretisch.
Florian Bayer: Sie nimmt ihn fest, sie sperrt ihn ein und so weiter. Genau, aber wir fiebern trotzdem mit ihr mit und es ist wirklich, erst ganz am Schluss arbeiten sie dann zusammen. Aber es ist so total okay, weil wir die ganze Zeit über mit beiden Figuren mitfiebern und Catherine Waterston spielt das auch ganz toll. Ja, tolle Schauspielerin. Diese verantwortungsbewusste Frau, die halt irgendwie das Richtige machen will und dabei die ganze Zeit unserem Protagonisten Steine in den Weg legt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber wir hassen sie nicht dafür.
Johannes Franke: Kein einziges Mal. Überhaupt nicht. Und es liegt auch daran, weil er ja auch Verständnis zeigt für ihre Situation. Er rennt nicht die nächste Gelegenheit weg.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sondern sie gehen dann halt dann gemeinsam da. Er steht da so betroppelt daneben, während sie versucht zu erklären und sich hinterm Schreibtisch versteckt, wenn der Kollege kommt.
Florian Bayer: Großartige Szene. Ganz toll. Das ist natürlich auch toll, weil sie mit diesem Ernst diese Comedy-Momente spielt. Ja, ja, ja. Das ist ja ganz wichtig bei solchen Momenten, dass die Figur, der irgendwas Albernes passiert, ihre Würde bewahrt. Genau. Oder versucht, ihre Würde zu bewahren.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das gelingt ihr wirklich sehr gut. Das macht sie gut.
Johannes Franke: Ja. Mit einer Nonchalance irgendwie das auch. Gar nicht so, sie ist nicht so betroffen von allem, aber sie macht trotzdem diesen Slapstick mit. Ich weiß nicht, diese Mischung finde ich so spannend bei ihr. Vielleicht ist es so ein kleines bisschen ein Buster Keaton.
Florian Bayer: Ja, ja, schon ein bisschen. Diese Mischung aus Ernst und dann aber gleichzeitig die ganze Zeit durch diese Scheiße stolpern, für die sie eigentlich gar nichts kann. Ja, genau. Und irgendwie der Versuch, alles aufzuräumen. Und so professionell wie möglich zu sein.
Johannes Franke: Ich finde, es entsteht nur noch mehr Chaos dabei. Ja, ist toll. Doch, ich mag sie sehr. Ich finde es toll. Die beiden passen auch irgendwie gut zusammen. Das ist schön gemacht. Ja. Schön. Gute, starke weibliche Figur. Finde ich schön. Wir loben die ganze Zeit. Ich möchte ein paar schwächen. Flor, erzähl mal.
Florian Bayer: Also, die Geschichte ist wirklich dünn. Die Geschichte ist quasi eine nicht vorhandene Geschichte. Es ist ein Film, der uns in einer Welt staunen lässt. Und wenn man die Geschichte zusammenfasst, hat man halt, man kommt mit Koffer voll mit Tieren an. Tiere brechen aus. Man muss Tiere einfangen. Parallelhandlungen. Es gibt irgendein düsteres Tier oder was auch immer. Das wird gejagt von einem Oberbösewicht, den wir gleich als Oberbösewicht identifizieren. Und die beiden Geschichten kreuzen sich dann irgendwann. Das ist relativ simpel. Das ist relativ trivial. Tatsächlich habe ich ansonsten nicht viel, was ich an diesem Film kritisieren würde. Hm. Es ist einfach, es ist kein perfekter Film. Natürlich nicht. Und wie schon gesagt, die Special Effects wirken auch heute schon so ein bisschen out of date. Liegt vielleicht auch daran, dass ich kurz danach den zweiten Teil gesehen habe. und der für mich eine Totalkatastrophe war und ich wirklich, also so schlecht, so von wegen, der macht mir den ersten Film fast kaputt. Oh. Er macht einfach ganz vieles richtig, was ich bei Worldbuilding-Filmen und bei magischen Filmen mag.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Weil er eben, weil er eben diesen Mut zum Bunten hat und diesen Mut zum Leichten und nicht eine große apokalyptische Handlung erzählen muss, wie Herr der Ringe oder wie die letzten Harry Potter-Filme. Ja.
Johannes Franke: Na, ich finde zum Beispiel bei dem, bei der Handlung eben kommen schon ein paar Schwächen dann auch zum Tragen. Wie zum Beispiel, dass dieser Zeitungschef da, der mit den, der hat den Sohn und der Sohn will auch irgendeine tolle Story aufbringen und hat, mit seinem Vater zu kämpfen, aber das kommt nicht zum Tragen. Es gibt, es wird einmal angeteasert in einer Szene, die dazu führen müsste, dass irgendwie das Ganze eine Rolle spielt, aber das wird dann fallen gelassen. Solche Sachen, also du hast oft so komische...
Florian Bayer: Ja, dieser ganze Subplot von der New Salem Philanthropic Society ist so ein bisschen draufgestülpt. Das sind auch die schwächsten Momente, wenn er halt ein bisschen düsterer wird zum Beispiel. Keine Ahnung, dieser Film ist eigentlich ein toller Kinderfilm.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Aber wenn wir dann sehen, dass hier Kinder von ihrer Mutter misshandelt werden, dann macht das so ein bisschen diese Kinderfilm-Naivität kaputt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich schätze diesen Film vor allem wegen seiner lebensfrohen Naivität und seinem Optimismus. Und das ist natürlich so eine spezielle Herangehensweise. Der Film ist kein erwachsener Fantasy-Film, kein düster Epos und so weiter. Ja, ja, ja. Aber dann hat er diese Momente drin, die halt irgendwie dann nicht so richtig reinpassen. Eben wie gesagt, diese Hexenjäger, die immer wieder präsent sind und die dann ja auch diese große zweite parallele Geschichte antreiben mit dem Cree-Dance, der ein Obscurus ist, ohne es zu wissen. Ja. Und da versucht der Film halt doch diese düsteren Farben einzuschlagen. Und das ist ein bisschen deplatziert, einfach weil drumherum so viel Tolles passiert, weil wir so tolle magische Lebewesen sehen. Und ich will nicht eine religiöse, eine wahnhafte Sekte sehen, wo Kinder von ihrer Mutter geschlagen werden.
Johannes Franke: Ja, irgendwie. Ja, und ich finde, dass man tatsächlich relativ viel durchstolpert, weil man keinen echten roten Faden ganz lange hat. Irgendwann, so im letzten Drittel oder sowas, hat man dann was, wo man sich wirklich festhält, weil man weiß, okay, dahingehend soll es jetzt gehen. Das ist so das Endziel. Aber eigentlich stolpern wir die ganze Zeit von einer Szene in die nächste und wundern uns hier, staunen dort und dann ...
Florian Bayer: Wir stolpern mit den Protagonisten, definitiv. Weil unser Protagonist hat halt auch nicht so ein richtiges Ziel. Er will ja eigentlich gar nicht da sein. Er will ja so schnell wie möglich aus, weil er seinen Vogel nach Arizona bringen will. Und dann gibt es halt immer dazwischen, zwischen diesem Stolpern, was ich wirklich schön finde. Ich finde dieses naive Stolpern durch eine Welt, die zum Staunen einen lädt, finde ich total schön. Aber dann gibt es sowas wie diese verstörende Hinrichtungsszene, wenn sie zum Tode verurteilt werden, was so plötzlich so aus dem Nichts kommt. Sie werden ja dann verhaftet.
Johannes Franke: Was ich übrigens dem Film zugutehalten will, ist, dass der Bösewicht nicht lange fackelt. Ja, das stimmt allerdings. Das ist nicht so, dass er wie bei James Bond dann nochmal ausholt, das und das und das und das ist mein Hintergrund und das habe ich vor, Weltherrschaft muhaha. Sondern er sagt halt einfach, so und jetzt muss ich euch bestrafen. Todesurteil, so. Genau.
Florian Bayer: Vollstreckung, sofort. Und dann gibt es diese Hinrichtungskammer, wo dieses Gu, diese Flüssigkeit ist, die irgendwie...
Johannes Franke: Was übrigens dieses Salem Witch Trial da, dieses Ding, so war das ja tatsächlich, haben die ja so einen Stuhl gehabt, wo man dann mit dem Stuhl ins Wasser gestürzt ist und dann wer überlebt hat, war halt Hexe und wer nicht überlebt hat, war, uch, das war ein Mensch, na sowas. Und also darauf referiert es so ein bisschen, dieses Setup, was sie da haben.
Florian Bayer: Ja, ja, okay, stimmt. Ja, ich finde auch eigentlich die Salem-Referenz, finde ich auch ganz, ganz nett. Ja, ja, ja. Dass ein bisschen mehr so diese Verknüpfung gemacht wird, Menschenwelt und Magierwelt. Ja. Das fand ich bei Harry Potter immer so ein bisschen dünn. Ja. Aber es wird dann halt auch nur anhand von dieser Sekte erzählt und ich meine sie, bei ihrem Stolpern durch New York machen sie so viel Chaos und so viel Magie offenbaren, was dann am Schluss halt mit diesem Regen, der alles auslöchtern wird. Was ist mit den Leuten, die New York verlassen haben?
Johannes Franke: Genau. Ja, das ist ein bisschen, finde ich wirklich ein bisschen dünn dann, die Erklärung. Aber ja, gut. Bei sowas, wenn sowas wirklich sehr unterhaltsam und sehr schön präsentiert wird, wie in dem Fall komme ich damit klar, wenn sowas so kleine Schwierigkeiten in der Erklärung hat.
Florian Bayer: Hey, ich verteidige den Film gerade die ganze Zeit. Ich hatte die meiste Zeit über wirklich Spaß dabei und ich mochte ihn wegen seiner Naivität, die mir halt bei den späteren Harry Potter Filmen einfach gefehlt hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich mochte auch dieses Stolpern und dass man das Gefühl hatte, dass man nicht einer großen Geschichte ums Ende der Welt beiwohnt. Und am Schluss hat er halt doch diese Kurve genommen zum Ende der Welt und zu einem Geschöpf, was alles vernichten kann. Hätte ich darauf verzichten können, ganz ehrlich.
Johannes Franke: Ja, die Geschichte wurde ein bisschen zu groß irgendwie, habe ich das Gefühl. Also hätte nicht sein müssen. Aber hat jetzt auch nicht gestört. Aber ich denke, das muss natürlich dann, wenn du da Filme draus machen willst, musst du natürlich irgendwo.
Florian Bayer: Es wird noch viel schlimmer geben. Sie werden diese ganze Grindelwald-Handlung, werden sie so aufbauschen und am Schluss wird Grindelwald der geistige Ziehvater von Voldemort sein und schuld daran sein, dass Voldemort böse ist. Und dann werden sie versuchen, das Ding so mit dem Harry Potter-Universum zu verknüpfen, dass keine Fragen offen bleiben. Das wird einfach nur Kacke. Das nervt schon im zweiten Teil. Im zweiten Teil taucht dann ja auch Dumbledore auf und dann wird die ganze Zeit referiert auf Dumbledore und die Heiligtümer des Todes. Und es wird alles aufgefahren, was es irgendwie gibt, was man machen kann an Verknüpfung zu der Harry-Potter-Geschichte.
Johannes Franke: Ja. Na, mal gucken, was passiert. Vielleicht erbarmt sich ja noch mal jemand ein paar schöne, leichte Momente einzubauen. Das glaube ich nicht.
Florian Bayer: Das Ding ist verloren ab dem Moment, wo es zu einem Fünfteiler wird. Das ist einfach das Problem. Shit. Tatsächlich, also wenn ich, ich finde die Harry-Potter-Welt großartig. Das ist eine, ich habe sie auf Platz 1 bei meinem Worldbuilding, auf meiner Worldbuilding-Liste. Eine der besten Fantasy-Welten je entworfen wurden. Eine der besten modernen Fantasy, wenn nicht sogar die beste moderne Fantasy-Welt. Ich würde mir einfach wünschen, dass verschiedene Leute das machen, was jetzt Fanfiction macht und einfach Geschichten erzählen, die in dieser Welt spielt. Und diese Geschichten müssen nicht miteinander verknüpft sein. Ich will einfach einen Roman, 500, 600 Seiten, in dem irgendwas aus Hogwarts aus dem 19. Jahrhundert erzählt wird.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Vollkommen egal was. Ich will einen Wilden Westen mit Magiern. Ich will in verschiedenste Epochen, wo wir Hexen und Magier sehen, wie sie handeln. Und dadurch soll das Universum größer werden. Und das muss nicht alles verknüpft werden. Es muss nicht alles zu Voldemort führen. Ja, das ist halt das Ding.
Johannes Franke: Sie ist da so versessen auf diesen Superbösewicht. Ja. Da würde jetzt unsere Top 3 vielleicht so gerade reinpassen. Ja. Andere Filme, die so magische... Magie, magische Welten.
Florian Bayer: Ja, Top 3. Jingle. Jingle. Magische Welten. Magie. Magie im Film. Du hast nicht gesagt, ob du magische Magie meinst oder auch praktische Magie.
Johannes Franke: Hast du es bewusst offen gehalten? Ich habe es offen gehalten. Also du kannst da auch völlig was anderes draus machen, als ich gedacht hätte. Ich glaube, das passiert nicht. Ich bin gespannt. Muss ich anfangen? Ja, eigentlich musst du mit dem Platz 3 anfangen. Ich überlege, ob ich Honorable Mentions habe. Ich habe ein paar Honorable Mentions. Ich würde jetzt einfach mal Lord of the Rings reinpacken als Honorable Mention, weil wir den jetzt lange besprochen haben. Da müssen wir nicht in die Top 3 packen. Und American Horror Story würde ich reinpacken als Honorable Mention, weil ich die Serie bis zum letzten Drittel immer gut fand. Ja. Und dann das letzte Drittel ein bisschen husch, husch, schnell. Es müssen noch alle Stränge verbunden werden. Oh, da ist doch mal was fallen gelassen. Verdammt. Wie machen wir das jetzt noch?
Florian Bayer: Das ist so, jede einzelne Staffel von American Horror Story ist total a mess. Ja. Aber sie macht so viel Spaß. Es fängt gut an. Es fängt echt gut an. Ja, und dann verlaufen sie sich komplett. Es macht überhaupt keinen Sinn mehr. Und die Handlung kann nicht aufgelöst werden. Und dann geht alles in so riesigem Chaos unter. Aber es ist jedes Mal unterhaltsam. Ich habe zwei Honorable Mentions, die ich nicht in die Liste gepackt habe, weil wir einfach in einzelnen Episoden über sie gesprochen haben. Das erste wäre Hexern aus dem Jahr 1929. Ein dokumentarischer Stummfilm, quasi eine Mockumentary, die dokumentarisch erzählt, aber mit fiktionalen Szenen über die Hexenverbrennungen und über die Hexenprozesse. Hört euch die Folge an.
Johannes Franke: Großartiger Film. Wir haben darüber gesprochen.
Florian Bayer: Und das zweite wäre ein toller Film, Trash, Anfang der 70er Jahre, Wizard of Gore. Auch darüber haben wir gesprochen. Den Johannes gar nicht mochte. Eine abstruse Mischung aus Mystery und Splatter-Film, wo ein Zauberer freiwillige Teilnehmerin auf der Bühne vermeintlich auseinander nimmt. In Wirklichkeit ist da nur so eine Massenhypnose mit dem Publikum. Und es sieht für das Publikum aber aus, als würde er aus denen die Organe rausziehen. Und so mit einer der berühmtesten Splatter-Movies aus der Zeit, der einfach der wunderbare Mischung ist, aus Trash und Pizzerrie und absurdem Mystery-Film, der auch Stärken hat außerhalb des Trash-Faktors, aber vor allem durch den Trash-Faktor lebt. Der auch Schwächen hat außerhalb des Trash-Faktors. Okay. Und wo wir bei 70er sind, würde ich noch Suspiria in den Raum werfen, den großen Hexenfilm von Dario Argento. Da habe ich nicht genug Erinnerungen dran, glaube ich.
Johannes Franke: Egal. Okay.
Florian Bayer: Ja, dann dein Platz 3. Mein Platz 3, eigentlich einfach ein Klassiker. Ich weiß nicht, ich glaube es gibt nicht so viele Überraschungen, aber ich habe versucht Filme zu finden, in denen die Magie sehr interessant umgesetzt wird. Und dann muss ich einfach The Wizard of Oz nennen. Ja. Den großen Klassiker mit Judy Garland natürlich. Ja, toll. Der neue heißt auch Wizard of Oz, oder? Der irgendwann gedreht wurde von Tim Burton. War es Tim Burton? Ach nee, das war Alice im Wunderland. Ja, ja, ja. Stimmt, das war gar nicht Wizard of Oz. Genau, von Richter Fleming aus dem Jahr 1939. Musical, fantastische Welt. Könnte auch toll was sein für Worldbuilding, wenn die Welt nicht so wirklich sehr eindimensional gezeichnet wäre. Aber es ist ein schöner Umgang mit Magie vor allem, weil die bösen Hexen, die böse Hexe, die sie jagt, ist die, eine Verkörperung der Nachbarin, die ihren Hund hasst. Und der eigentliche Zauberer von Oz entpuppt sich dann eben als Trixer, der in seiner eigenen kleinen Kabine sitzt und da ein riesiges Gesicht animiert.
Johannes Franke: Ja, das ist wirklich toll gemacht. Der Film ist toll, vor allem auch für die Zeit, in der es passiert ist. Und so, ich glaube auch Hand-Colored, oder? Ja. Wundervoll, ganz toll. Es gibt übrigens eine Version von Michael Jackson.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, The Wiz. The Wiz, es ist großartig. Das wäre auch mal was. Muss man auch unbedingt mal gucken. Ich habe ihn noch nie ganz gesehen, ich kenne nur einige Ausschnitte, aber der muss wohl ziemlich trashig sein. Ja, aber toll.
Johannes Franke: Okay, mein Platz 3 wäre The Prestige. Hast du ihn gesehen? Kennst du den? Der ist super. Das ist mein Platz 2. Ah, oh, schade. Tut mir leid.
Florian Bayer: Nein, du darfst mir auch mal was wegnehmen. Jetzt ist was weg.
Johannes Franke: Aus dem Jahre 2006, Christopher Nolan, ne? Ein bisschen untypisch für Christopher Nolan vom Gefühl her. Ja, also er hat natürlich so seine Größe und Pathos zwischendurch, aber nicht, der ist ein bisschen kleiner als die anderen.
Florian Bayer: Ja, er ist auch so ein bisschen dazwischen, bevor er die großen Blockbuster gemacht hat nach Memento. Er hat dieses verschachtelte Erzählen und die krassen Plottwists.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Ich finde es toll. Also einfach zwei Magier, die sich um einen bestimmten Trick streiten, mehr oder weniger, oder?
Florian Bayer: Ja, die haben so eine Feder am Laufen, weil ein Magier, zumindest aus der Sicht des anderen Magiers, verantwortlich für den Tod seiner Freundin ist, die ja die Assistentin war, dem Wassertank ertrunken ist, bei einer klassischen Entfesselungsnummer. Ja. Sie sind Showmagier, ne? Sie sind keine richtigen Magier.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber es geht um diesen krassen Trick, dass er auf der Bühne zwei Türen hat, was ich jetzt sozusagen als Bild erinnere, was besonders beeindruckend war. Auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Bühne eine Tür. Er wirft einen Ball los auf der einen Seite mit der Tür, geht durch die Tür durch und kommt rechtzeitig auf der anderen Seite durch die Tür wieder raus und um diesen Ball aufzufangen. Und die Türen sind ja nicht miteinander verbunden, also es ist ein toller Teleportations-Ding, ne? Und das ist ganz toller und darüber wird halt geredet und die Auflösung werde ich euch jetzt nicht verraten.
Florian Bayer: Die Auflösung ist großartig. Ja. Weil sie ist tatsächlich dritte Option zwischen Magie und albaner Showtrick. Ja. Und das ist ganz toll gemacht.
Johannes Franke: Ganz toll gemacht, ja. Wunderschöner. Toller Film, auf jeden Fall. Gerade als Zauberer.
Florian Bayer: Ja. Ja. Auf jeden Fall. Also er zeigt auch ganz viel hinter den Kulissen. Mhm. Und er selbst, der ganze Film selbst ist ein Zaubertrick. Mit der Ablenkung und dann am Schluss gibt's die Erlösung und der Trick wird gezeigt und wir ZuschauerInnen wurden hinters Licht geführt und das funktioniert ganz toll. Ja. Das ist wiederum Nolan-typisch. Ja, das ist total Nolan-typisch. Nolan baut diesen Film wie ein Zaubertrick auf. Aber natürlich ist das perfekt dann zu dem Thema passend. Ja. Okay. Dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist The Prestige. Ah ja, stimmt ja. Und dann muss ich meinen Platz eins nennen, ne? Achso, nee.
Johannes Franke: Dann muss ich jetzt mal meinen Platz zwei nennen. Damit ich überhaupt esse. Und zwar wäre das in diesem Fall An Honest Liar. Das ist ein Dokumentarfilm. Aha. Und zwar über James Randi, der Zauberer ist und der sein Leben lang sich dafür eingesetzt hat, diese ganzen Idioten, die sagen, sie sind Zauberer und das ernsthaft sozusagen nach draußen. Der fängt seine Show immer an mit, meine Damen und Herren, ich werde sie jetzt zwei Stunden lang verarschen. Genau. Ja, perfekt. Und er kann mit Uri Geller und er hat ganz viele Fäden mit Uri Geller und so, die der Meinung sind, dem Publikum erzählen zu müssen, ich kann das alles wirklich. Ich bin magisch begabt, ich habe Psychic-Fähigkeiten, kann deine Löffel verbiegen und kann deine Uhren wieder zum Ticken bringen und so weiter. Und vor allem, das größte und schlimmste Feld sind diese ganzen Leute, die mit verstorbenen Menschen reden wollen.
Florian Bayer: Ja, da wird es ja wirklich dann frug.
Johannes Franke: Das wird richtig bitter, weil du dann Leuten eine Scheiße erzählst und die sagen ja immer für sich, na ich helfe denen ja, aber dem ist halt nicht so. Du hast dann vielleicht so ein paar Leute, denen das hilft beim Verarbeiten, aber die meisten, also statistisch gesehen, haben die meisten damit mehr Probleme als vorher.
Florian Bayer: Ja. Hat Uri Geller eigentlich irgendwann mal öffentlich zugegeben, dass er Tricks macht? Nein, bis heute nicht. Jetzt sieht das konsequent durch, weil der hat ja wirklich absurde Sachen dann gemacht. Es gab ja diesen Next Uri Geller Show, wo irgendwie klar war, dass da plötzlich ganz viele Mentalmagier auftreten, wo jedem klar war, dass das eigentlich Show sein muss. Ja. Und deswegen frage ich mich, ob er dann doch irgendwann mal aus seiner Rolle rausgeschlüpft ist, aber er zieht das wirklich durch? Eigentlich zieht er das voll durch.
Johannes Franke: Und das ist wirklich absurd. Also wie kann man das in dieser heutigen Welt so machen wollen?
Florian Bayer: Aber ist das, ich frage mich gerade, ob es ähnlich ist wie beim Wrestling, dass so ein... Aber nein, das Problem ist... Suspension of disbelief, dass das... Weißt du, es gibt diese Theorie vom naiven Zuschauer und man sagt, der naive Zuschauer ist immer jemand anderes. Das heißt, es gibt eigentlich keine Menschen, die Horos... Ganz radikale Theorie. Es gibt keine Menschen, die Horoskope lesen und daran glauben, sondern die Menschen lesen Horoskope, alle ironisch und alle wissen, dass das ein großes Spiel ist. Ja. Und beim Wrestling ist ja auch ein bisschen so, wo die Fans total drauf bestehen, diesen Vorhang nicht zu öffnen. Und alle machen mit, als ob es echt wäre und jeder weiß aber, dass es unecht ist. Und man stellt sich immer den naiven Zuschauer vor, aber es gibt den naiven Zuschauer gar nicht.
Johannes Franke: Aber das stimmt für Wrestling auf jeden Fall. Da bin ich voll dabei, weil dafür... Ich habe mich da ja auch ein bisschen beschäftigt und dafür ist es einfach zu lächerlich, als dass das wirklich irgendjemand wirklich glaubt. Aber bei Horoskopen stimmt es leider nicht. Also es gibt einfach zu viele Leute, die das wirklich für sich als Kompass in ihrem Leben einbauen und das wirklich glauben. Und die dann auch wirklich zu Leuten gehen und sagen, oh, mein Mann ist verstorben und ich vermisse ihn so und bitte nehmen Sie doch Kontakt auf. Oder Leute, die dann einfach auf der Bühne stehen und den Leuten gerade drauf zusagen, dein Vater macht nicht mehr lange. Oh Gott, das ist übel. Ja, wo man dann denkt, was soll das denn jetzt?
Florian Bayer: Das ist doch überhaupt nicht nötig. Weil ich finde, so eine Suspension auf das Belief gehört schon zu einer guten Mentalmagier-Show dazu. Das heißt, wenn ich zu einer Bühne gehe und jemanden gucke, der Mentalmagie macht, dann erwarte ich eigentlich von dem, dass er zumindest die ganze Zeit, wenn er auf der Bühne ist, seine Rolle durchzieht. Weil es einfach dazugehört, wie ein Film ist. Und es gibt ja auch genug Beispiele, die das machen und die wirklich versuchen, konsequent, zumindest solange sie in dieser Persona sind, ernst zu bleiben und der Rolle zu bleiben. Ja.
Johannes Franke: Aber nicht das als Lebenskonzept, die ganze Zeit durchzuziehen und Leuten Geld aus den Taschen zu ziehen und denen irgendwie sonst was zu verkaufen. Ja. Und nicht nur eine Theatervorstellung, sondern eben wirklich einfach, Hollywood ist voll von Menschen, die solche Leute beschäftigen. Es gibt Shows, im amerikanischen Sprachraum gibt es Shows, die allein von solchen Leuten leben, die dann zu irgendwelchen berühmten Schauspielern gehen und mit denen irgendwelche Sitzungen machen. Und dann sagen die Schauspieler am Ende, oh mein Gott, und das, was er über meinen Vater gesagt hat. Und das stimmt ja alles. Und dann denkst du, ja natürlich stimmt das alles, der hat ja auch Google. Ja.
Florian Bayer: Was soll das denn? Na, am besten finde ich ja dieses klassische Horoskop-Experiment, wo jemand, wo bei einer Vorlesung zum Thema Horoskope und wie das funktioniert, so in der Astrologie, wo jedem Teilnehmer wurde anhand seines Geburtsdatums ein Zettel ausgehändigt, wo draufsteht, wie diese Person tickt. Und du bist so und so, du bist so und so, du bist so und so und dann wurde gefragt, wie sehr stimmen sie zu? Und die waren alle total überrascht, dass das so 80 Prozent zutrifft. Und die hatten halt alle denselben Zettel. Es gab nur einen Zettel. Geil. Und es gibt ja so ganz einfache Tricks, sowas zum Beispiel zu sagen, wie sie, sie sind sehr gesellig, haben aber auch gern mal ihre Ruhe. Natürlich. Natürlich.
Johannes Franke: Ist das bescheuert. Aber genau davon lebt halt sowas. Du hast den Unterschied zwischen Cold Reading und Hot Reading. Das Hot Reading ist, dass du vorher googelst oder irgendwie sonst Recherche anstellst und dem Typen dann, der dann vor dir sitzt, der natürlich nicht ahnt, dass du vorher recherchiert hast, dann irgendwelchen Kram erzählst und dann bist du ganz überrascht. Warum? Woher weißt du das mit meinem Vater, dass wir immer über was auch immer? Ja, das hast du vor zwei Jahren im Interview mal erzählt. Und das Cold Reading ist halt, dass du so vage Sachen, ach und es geht um ihren Vater oder ihre Mutter, weil bei Vater hat er nicht reagiert, also sag ich mal noch Mutter dazu. Und es gibt halt ganz viele psychologische Sachen, die das irgendwie möglich machen, dass du es nach und nach so erarbeiten kannst, in welche Richtung es geht.
Florian Bayer: Es gibt einen schönen Film mit Steve Martin, der heißt Der Scheinheilige aus dem Jahr 1992. Da spielt Steve Martin, ich glaube, einen Fernsehprediger, der halt genau dieses Hot Reading macht und dann eine Assistentin hat, die ihm per Knopf im Ohr sagt, was sie alles recherchiert hat zum Publikum. Das ist ein bisschen übertrieben dann, weil sie dann halt sagt, ja und über den habe ich das rausgefunden, das und das, das spricht den mal an und er spricht dann halt die Leute im Publikum an und sagt ihnen, wollen Sie immer noch auf dieser Stelle arbeiten für den Rest ihres Lebens, machen Sie was aus Ihrem Leben und die sind halt auch halt total geflecht, dass er so Sachen aus ihrem Leben weiß.
Johannes Franke: Aber genau so funktioniert das, genau das läuft. Und um mal den Punkt zu machen, der Film An Honest Liar über James Randi hat ganz viele solche Situationen und er erzählt, wie Randi immer versucht, das aufzudecken und den Leuten zu sagen, Leute, das ist toll zur Unterhaltung, aber bitte glaubt den Scheiß nicht. Das macht nur, das schadet nur.
Florian Bayer: Ja, vor allem wenn man, also es gibt ja so diese klassische Theorie, wenn man für sowas anfällig ist, dann ist man auch anfällig für krassere Sachen. Also fast so eine Einstiegsdroge, du fängst mit Astrologie an und endest dann bei irgendwann bei absurden Heilsvorstellungen, dass du aufhörst zu essen, weil du glaubst, du könntest dich von Licht ernähren und dann stirbst du.
Johannes Franke: Ja, genau solche Sachen.
Florian Bayer: Ja. Ich mag tatsächlich, um das noch einzuwerfen, so ein Trend, der sich offensichtlich in den letzten fünf bis zehn Jahren entwickelt hat, den man immer öfter sieht, Bühnenmagier innen, die damit spielen, dass sie die Leute nur austricksen, dann sagen, ich verrate euch, wie der Trick funktioniert, aber haben gleichzeitig noch einen zweiten Trick und machen es dann, wie es nicht funktionieren kann, wie sie es gerade erklärt haben. Und das finde ich sehr schön, so eine Meta-Ebene einbauen in die Magie, weil mittlerweile, also gerade dank Palantella zum Beispiel, weiß man ja auch, dass viel Tricks ist und die reden ja auch viel über Slider-Fans und so weiter. Und dann finde ich das ganz schön, dem so eine neue Ebene zu geben. Das stimmt, ja. Und ich mag es auch tatsächlich immer, wenn Magier, das findet man auch mal wieder auf YouTube, die sagen, naja, der Trick ist zehn Jahre alt, ich erkläre den euch jetzt, den führe ich nicht mehr auf, der Trick ist totgeritten und jetzt erkläre ich ihn euch. Dass das einfach mal so ein bisschen so ein Blick hinter die Kulissen geworfen werden kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Macht mir die Magie auch nicht kaputt.
Johannes Franke: Das ist natürlich für jeden anders, ne? Also für dich ist es nicht so schlimm, für andere, die verlieren dann, das finde ich sehr seltsam, sobald sie es wissen, sagen sie, ach so, und dann ist völlig das Interesse verloren. Ja, das ist natürlich schade. Das ist dann wirklich, naja, hm, ja. Weil eigentlich ist ja Magie tatsächlich was anderes als nur der Trick.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, deswegen bin ich ja auch als Schauspieler Zauberer, ne? Ja. Für die Leute, die es nicht wissen, ich bin Zauberer. Also ich habe das tatsächlich irgendwann mal gelernt und habe das zehn Jahre lang als Beruf gemacht, beziehungsweise 15, 20, verdammt, lange. Und habe damit aufgehört vor sieben Jahren oder sowas, weil ich einfach andere Felder beackern wollte. Aber ja, und deswegen finde ich auch diesen Film so wahnsinnig toll, weil ich es wichtig finde, dass sowas nicht missbraucht wird.
Florian Bayer: Ja, das stimmt. Dank Johannes kann ich meinem Sohn eine Münze hinter dem Ohr hervorzaubern, mich davor ab verschwinden lassen. Und ich erinnere mich sehr gut daran, wie du geübt hast. Oh, war das anstrengend. Ich bin wirklich nicht so geschickt mit den Fingern. Aber das war was, was ich dann doch irgendwie können wollte. Ja. Und dann habe ich sehr, sehr lange diesen ganz klassischen, ich lasse eine Münze verschwinden, hier geübt. Nicht schlecht. Es ist gut, dass du das hingekriegt hast. Ja, ich bin auch sehr stolz auf mich. Aber da hat es dann auch gestoppt. Und als ich dann so bei ein paar anderen Zaubertricks erfahren habe, also gerade bei Kartentricks, wie sie funktionieren, dann war irgendwann so der Gedanke, okay, meine Finger sind einfach nicht dafür geeignet. Und deswegen finde ich teilweise Tricks umso beeindruckender, wenn ich weiß, wie sie funktionieren, weil es wirklich krass ist, wie fingerfertig Magier sind. Das sind auch immer noch meine Lieblingstricks, die einfach vor allem auf Fingerfertigkeit basieren.
Johannes Franke: Ja, meine auch. Deswegen habe ich nie den großen Bühnenmagier gemimt, sondern immer mich auf die kleinen Sachen beschränkt.
Florian Bayer: Und noch beeindruckender finde ich die, die auf krasse Ablenkung basieren. Wenn du von einem Magier erfährst, ja und dann mache ich übrigens das, aber kein Mensch merkt es und es werden Objekte hin und her gereicht und man fragt sich, boah, wie blind ist das Publikum? Wie blind bin ich? Ja, genau.
Johannes Franke: Das ist großartig. Das ist geil. Es gibt so ganz tollen, es gibt einen tollen Film, ganz kleinen, kurzen Film von fünf Minuten oder zehn Minuten oder sowas, wo in jeder Szene was Kleines geändert wird und man merkt es als Zuschauer nicht. Plötzlich hat der Hauptdarsteller keinen Schnurrbart mehr, aber du merkst es nicht. Der Fokus ist woanders für den Zuschauer und das ist so geil. Und am Ende hast du eine völlig andere Szene, aber du wurdest so langsam reingeführt, dass alles anders ist. Er hat was völlig anderes an.
Florian Bayer: Der Klassiker davon ist ja, zählen sie, wie oft sich die Basketballer den Ball zu werfen.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und dann sieht man eine Gruppe von fünf, sechs Basketballern, die werfen sich ständig den Ball zu. Und dann am Schluss steht da, okay, haben sie richtig gezählt? Ja, sehr gut. Aber haben sie auch den tanzenden Bären gesehen? Schauen sie es sich nochmal an. Und dann sieht man, dass während sie spielen, ein Bär in der Szene rumtanzt und rumspringt und dann nicht einfach nur durchs Bild läuft, sondern wirklich noch so ein paar geile Bewegungen macht. Und dann tanzt und so.
Johannes Franke: Man sieht es einfach nicht. Ja, weil du einfach abgelenkt bist. Und das Tolle ist, wenn du den Bären dann gesehen hast und am Ende, also es wurde wiederholt, du musst ja nicht zurückspulen, sondern es wird für dich wiederholt, sagen sie, schön, dass sie den Bären jetzt gesehen haben, aber sie haben wohl den rosa Elefanten übersehen, weil da war noch irgendwas. Weil du dann eben auf diesen Bären geachtet hast, hast du wieder was anderes verpasst.
Florian Bayer: Das ist super. Das ist die menschliche Wahrnehmung, mit der lässt sich so schön spielen, die lässt sich so gut austricksen. Das ist toll. Okay, das ist mein Platz zwei. Mein Platz eins. Ein ganz klassischer Zauberfilm, der einfach die schönste Art der Magie zeigt, Verwandlungsmagie vor allem. Die Hexe und der Zauberer aus dem Jahr 1963. Disney-Zeichentrick-Klassiker. Der junge König Arthus, bevor er König wurde, wird von Merlin unterrichtet und Merlin verwandelt ihn dann in einen Fisch und in ein Eichhörnchen und in einen Vogel, um ihm die Welt zu zeigen und dann am Schluss endet der Film in einem ganz großartigen Zauberduell zwischen Merlin und der bösen Hexe Mim. Ja. Deswegen ist der Film auch oft unter dem Titel Merlin und Mim bekannt. Achso. Im Englischen heißt er tatsächlich The Sword and the Stone, aber eigentlich stehen im Zentrum Merlin und Mim, die sich dann duellieren und sich in verschiedene Tiere verwandeln, um gegeneinander zu kämpfen. Und Mim, die böse Hexe, wählt immer die riesigen, großen, gefährlichen Tiere und Merlin immer die kleinen. Die Maus, oder? Genau, die Maus. Und dann ganz am Schluss verwandelt er sich in eine Bakterie und macht sie krank und muss sie im Bett liegen und Fiebersaft trinken. Und dann hat er gewonnen. Toll.
Johannes Franke: Fantastischer Film. Ja. Ach, schön. Das war dein Platz 1, ne? Ja. Mein Platz 1 ist ein Kurzfilm von Pixar. Presto.
Florian Bayer: Haha. Fantastisch, ja.
Johannes Franke: Der ist so toll. Das Kaninchen, ne? Das Kaninchen, das nicht mehr mitspielen will. Das hat einfach Hunger. Ich will meine Möhre. Und der Zauberer muss aber auf die Bühne und nimmt dann das Kaninchen los, verschwinde im Hut. Ich muss dich da jetzt. Und das Kaninchen, der Hut wird halt angenommen, hat irgendwie ein Loophole zu irgendwo, irgendwo hin und kann dann aus irgendeinem anderen Ort das Kaninchen durch den Hut, durch so eine Art Wurmloch, wie stelle ich mir jetzt physikalisch vor, das Kaninchen aus dem Hut zaubern. Und dann wehrt sich das Kaninchen auf sehr effektive Art und Weise.
Florian Bayer: Und es sabotiert die ganze Show, aber das Publikum ist begeistert davon. Der Magier wird immer wütend da und es geht immer mehr schief und das Publikum klatscht, aber jedes Mal, weil es denkt, das wäre ein neuer toller Trick, wenn plötzlich eine Leiter aus dem Hut kommt und ein Magier nach oben schießt.
Johannes Franke: Und die steht plötzlich ohne Hose da und dann kriegt er noch einen Stromschlag von irgendwas, in das er reinrammt. Und dann tanzt er noch so rum zu den Stromschlägen in der Melodie auf dem Klavier. Ganz großartig. Ganz, ganz, ganz toller Kurzfilm. Vielleicht kann man den online finden und dann kannst du es vielleicht in die Show Notes packen. Den findet man bestimmt online.
Florian Bayer: Presto von Pixar aus dem Jahr 2008. Ich liebe ja die Pixar Shorts. Ich muss einmal kurz gucken. Zu Wall-E war es der Vorfilm.
Johannes Franke: Ah ja, stimmt, genau. Ja. Super. Und dieses Vorfilm-Konzept, das hat sich nie wieder, also Pixar hat es versucht, aber dann hat es sich irgendwie nicht weiter fortgesetzt. Aber Pixar dreht immer noch die Kurzfilme, ne?
Florian Bayer: Weiß ich nicht ganz genau. Ich glaube, auf Disney Plus findet man eine Menge Pixar-Kurzfilme. Juhu! Und auch ganz viele, die ich noch nicht kenne. Okay.
Johannes Franke: Ja, da muss ich mal reinschauen. Weil das Vorfilm-Konzept war ja früher gang und gäbe. Das gab es ja viel öfter, dass einfach so ein kurzer Vorfilm da war und dann ging der Film los eigentlich. Die guten alten Zeiten damals. Okay. Mary Poppins haben wir jetzt gar nicht genannt. Schade. Ja.
Florian Bayer: Das wäre aber auch eher so deins gewesen, ne? Ja.
Johannes Franke: War auch noch auf meiner Liste und ich hab's dann links liegen lassen, weil wir einfach so ausführlich über Mary Poppins geredet haben. Ja.
Florian Bayer: Ja. Es gibt eine Episode, in der wir über Mary Poppins' Rückkehr reden. Also über den neuen Disney-Film mit Mary Poppins. Und da gehen wir aber auch sehr viel auf den alten ein. Ja. Hört rein. Weil er einfach der viel bessere Film ist. Okay.
Johannes Franke: Zurück in die gute alte Zeit. In die 20er Jahre. Ja. Es gibt ganz viele tolle Momente, die wir jetzt gar nicht besprochen haben, was ich mir so alles aufgeschrieben habe.
Florian Bayer: Ich liebe das Okami, das seine Größe anpasst. Und um das einzufangen, müssen sie eine Teekanne nehmen. Weil sobald das Wesen in der Teekanne ist, ist es natürlich ganz klein. Und davor ist es in einem großen Raum und entsprechend riesig. Und das ist einfach ein schönes Konzept für ein Geschöpf.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und schön umgesetzt, wenn sie es dann anfangen mit der Teekanne.
Johannes Franke: Ja. Und auch sehr spannend gemacht und sehr, sehr schön. Ich find's ganz toll, wie er, Jacob, in dem Koffer landet mit diesen ganzen Tierwesen und dann dieses kurze Gespräch stattfindet, wie Jacob dann sagt, okay, jetzt bin ich langsam überzeugt. Okay, das muss echt sein. Und er fragt, hä, wieso bist du jetzt überzeugt? Und er sagt, sowas kann sich in meinem Kopf nicht ausdenken.
Florian Bayer: Das ist schön. Und dann ist ja wirklich diese Szene, wo wir die ganzen tollen Tierwesen sehen. Den Grafhorn, dieses Bergmonster, die Mondkälber, die einfach nur so ganz zart im Mondschein tanzen. Und die Bowtruckles spielen sowieso immer die ganze Zeit eine Rolle. Diese Pflanzenwesen, wovon er eins ganz besonders mag. Ja. Oh. Das er in seiner Tasche hat. Die sehen so aus wie so kleine Äste, so grüne Äste. Von den anderen wird er gemobbt, oder? Genau, von den anderen wird er gemobbt. Und er ist einfach der Liebling von Newt. Und Newt gibt ihn in einer sehr traurigen Szene auch, wenn auch nur ganz kurz her.
Johannes Franke: Ja, zu Ron Perlman weiter. Der dann, ganz hinterhältig, die trotzdem verraten hat. Ja. Böse, böse, böse, böse. Ich bin da wie so ein Kind. Ich sitze davor und sage, nein, du bist voll doof. Hau ab.
Florian Bayer: Und Niffler natürlich, das Tier, mit dem alles anfängt. Das erste Tier, das aus dem Koffer entflieht. Wer Niffler nicht mag, hat kein Herz. Eine Art, was ist das? Eine Art irgendwie zwischen Waschbär und Ameisenbär. Und der ernährt sich von Schmuck und stopft sich die ganze Zeit Schmuck in diese Tasche im Bauch. Plattebus ist noch dabei und Maulwurf irgendwie.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Also, das ist eine riesige Mischung aus den ganzen komischen. Der hatte in einem Konzept-Drawing von anderen, hat er da noch so richtige Federn. Also richtig, nicht nur so Fell, sondern richtig große schwarze Federn. Braucht er gar nicht. Nee.
Florian Bayer: Und die Arapint-Dame, die sich mit dem Zoo paaren will, ist natürlich auch sehr schön. Wer? Diese, diese, diese, ähm, es ist ein Nilpferd.
Johannes Franke: Ach, das Ding, das riesige Teil. Ja, genau. Ja. Ja, die Namen habe ich von den Dingern gar nicht alle. Die kriege ich nicht hin. Das sind alles so, da hat sich J.K. Rowling natürlich wieder im Lateinischen und so bedient. Ja, natürlich. In der Klassik-Höpologie auch. Genau. Ja. Auch ein ganz toller Moment, wo Newt den Helm an Jacob weitergibt. Solltest diesen Helm aufsetzen. Und er sagt, warum sollte ich diesen Helm aufsetzen? Und für mich ist die Antwort wieder typisch Autist. Der antwortet nicht auf den Sinn hinter der Frage, im Sinne von, was machen wir denn? Sondern auf die Frage, warum sollte ich den aufsetzen? Naja, menschliche Köpfe neigen dazu, zu brechen unter großem Druck. Ja, das ist sehr schön.
Florian Bayer: Diese Beiläufigkeit und so dieses genau, immer so ein bisschen daneben sein. Ja. Das ist sehr schön. Ja, und es ist einfach toll, wie Newt sich um diese Tiere kümmert. Weil er in jedem Tier, in jedem von diesen magischen Wesen, egal wie gefährlich sie auf den ersten Blick wirken, halt einfach mal ein Lebewesen sieht, das richtig behandelt werden muss und richtig gepflegt werden muss und dann geht es ihm auch gut.
Johannes Franke: Ja, und genauso mit Credence im Grunde. Ja, genau. Der Kreatur, die in Credence steckt oder beziehungsweise eine Symbiose, ich weiß nicht genau, wie das funktioniert. Der Obscurus, der wird auch nicht so wirklich 100% erklärt.
Florian Bayer: Ich hab's nicht ganz verstanden. Die geballte negative Energie von ihm verselbstständigt sich und kann richtig zerstörerisch wirken. Ja. Und dieser Obscurus ermordet dann auch den Senator, dessen Vater der Zeitungsverleger ist und sorgt für Chaos in New York. Um den es aber auch gar nicht so wirklich schade ist, ne?
Johannes Franke: Ja, es ist halt so eine Nebenhandlung, die irgendwie so ziemlich egal ist. Geht ein bisschen unter, aber auch, weil die so ein kleines bisschen, so wie ich mir die Reden von Hitler vor seiner Machtergriffung vorstelle. Weißt du, diese großen Veranstaltungen, großes Banner mit seinem Konterfei, so, also man hat das Gefühl, da wird gerade ein total irisitäres System vorbereitet, so von der Ästhetik her.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist einfach personalisierter US-Senatoren-Wahlkampf. Oh, fuck. Es tut mir leid. Aber das ist, glaube ich, Standard, egal ob der oder Trump oder Clinton oder Obama. Oh nein. Das ist einfach, in Amerika wird so Wahlkampf gemacht. Macht auch dieses dann noch mit der Frau auf der Bühne stehen und dann nochmal einen Kuss geben und nochmal betonen, wie sehr die Familienwerte wichtig sind und auf den Vater im Publikum zeigen, ja. Fuck, Mann. Na gut, okay.
Johannes Franke: Und vielleicht mache ich mal noch so ein Segment kleine Facts, weil ich so ein paar Sachen gefunden habe, die echt süß sind. Wie zum Beispiel, dass Eddie Redmayne seine Perücke selber geschnitten hat. Also sie hat sich aufgesetzt und dann geschnitten und wurde also von der Dame, die die Perücke eigentlich macht, irgendwo in so einen Raum geschickt und hat gesagt, schneid mal selber dran rum. Ja, weil es ging darum, dass diese Figur eigentlich keine Zeit hat und sich nicht darum kümmert, wie seine Haare sind. Und dann geht Newt auch nicht zum Friseur zwischendurch, sondern schneidet halt selbst mal irgendwie dran rum. Wenn sie zu lang geworden sind, wird hier abgeschnitten. So gut ist.
Florian Bayer: Das passt total. Eddie Redmayne war übrigens, hat als Tom Riddle Audition gemacht. Ja, Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Wurde dann nicht genommen. Ja. Christian Coulson war der, der dann genommen wurde. Und tatsächlich ist er auch ein bisschen zu hell. Zu.
Johannes Franke: Weiß ich nicht ganz genau. Der kann auch schon düster. Das kann ich mir schon vorstellen bei ihm. Naja. Ja, ja, ja. Und dann hat er sich auch ewig mit J.K. Rowling unterhalten. Die hat natürlich sofort zum anderthalbstündigen Vortrag ausgeholt. Also er meinte wirklich, sie hat ihm einen riesigen Haufen Backstory mitgegeben. Oh krass, okay. Was ihm alles irgendwie, was ihm die Möglichkeit gegeben hat, daraus zu schöpfen.
Florian Bayer: Also so witzig, weil über das, weil die Sachen, die in dem Film vorkommen, werden ja in Harry Potter kurz angestellt. Naja, kommt es ja vor. Also sie recherchieren bei Harry Potter irgendwann in diesem Fantastic Beasts and Where to Find Them, das laut Harry Potter Mythologie 1927 veröffentlicht wurde und ein riesiger Bestseller wurde. Und in Hogwarts, das ist wohl die 52. Ausgabe, die sie da lesen. Genau. Und sie recherchieren und lesen dann auch über Nifflah und Boat Ruggles. Also über das, das. Die kommen schon vor, sozusagen bei Harry Potter, ne? Ich glaube, sie lesen nur drüber. Ja, ja, genau. Also sie kommen nicht wirklich in der Harry Potter Welt vor.
Johannes Franke: Ja. Und die Muggles im Britischen sind nicht ganz umsonst die Nomads in Amerika, weil in den 1920ern waren Muggles Joints. Die ganzen Joints, die da rumlaufen. Ja, genau. Kurze Frage an dich. Welches Haus bist du?
Florian Bayer: Hufflepuff. Wirklich? Hufflepuff kriegt so wenig Liebe. Ne, wer sind die, die Gelehrten sind die Ravenclaws, oder? Ich hab keine Ahnung.
Johannes Franke: Verdammt, scheiße. Jetzt hab ich so... Ja, welches Haus bist du denn? Der sagt nicht Gryffindor. Ne, ich glaube, ich bin Ravenclaw. Ich glaube, also ich hab das mal testen lassen. Natürlich online. Ich glaube, ich war Ravenclaw. Es gibt Ravenclaw, Hufflepuff, Slytherin und Gryffindor. Richtig? Ja, genau.
Florian Bayer: Also. Machst du jetzt live den Test, oder was? Ne. Intelligenz, Gelehrsamkeit und Weisheit bei Ravenclaw. Tapferkeit und Mut bei Gryffindor. Zielstrebigkeit und Erdgeizt bei Slytherin. Gerechtigkeit, Treue und Fleiß bei Hufflepuff. Ne, dann bin ich wahrscheinlich auch eher Ravenclaw. Und Newt scheint Hufflepuff zu sein.
Johannes Franke: Ja, zu Newt passt auch Hufflepuff. Er hat was damit zu tun, dass er ein grau-gelber Schal, den er trägt, die Farben.
Florian Bayer: Er war ja offensichtlich einer der Lieblingsschüler von Dumbledore, das wird zumindest kurz erwähnt im Film. Ah ja, stimmt. Dass Dumbledore ihn öfter mal aus Problemen rausgeritten hat, weil er ein gutes Wort für ihn eingelegt hat.
Johannes Franke: Ja. Und es gab auch in dem Film eine Szene, die sie rausgeschnitten haben, wo Eddie Redmayne sehr viel für gearbeitet hat. Er musste nämlich einmal shirtless sein, oberkörperfrei, wo sie die ganzen Narben zeigen wollten. Ah ja. Die ja von den ganzen Tieren, die ja irgendwie, naja, wo es Schwierigkeiten gab. Aber das haben sie rausgeschnitten. Und er hat sich so hart trainiert, damit er gut aussieht, mit oberkörperfrei. Und das ist nicht im Film. Das ist traurig. Okay, also ich würde sagen, ein rundum gelungener Varieté-Film.
Florian Bayer: Ja, Varieté-Film trifft es ganz gut.
Johannes Franke: Ja, also wirklich, wirklich schön, macht die ganze Zeit Spaß und ist gut anzusehen, vor allem, weil ich die Ästhetik der Zwanziger einfach großartig finde und weil die Figuren alle liebevoll sind und das ist irgendwie mit sehr viel Herz gemacht.
Florian Bayer: Er macht unglaublich viel richtig, um das Harry Potter-Universum zu erweitern und ich würde mir viel mehr solche Filme in dem Universum wünschen und ich finde es richtig schade, dass sie aus diesem Film jetzt so einen Fünfteiler machen und dass sie wieder eine groß düstere Geschichte um Grindelwald herumfropfen, weil es wird einfach nur noch ein Grindelwald, eine Grindelwald-Saga sein und Newt ist am Schluss der Auserwählte, der Grindelwald zur Strecke bringt und das nervt mich jetzt schon. Ja, schade.
Johannes Franke: Aber ich bin sehr gespannt, wie Newt da durchstolpert, weil er mit seiner Art und Weise, wie er ist. Ich hoffe, dass sie das nicht aufweichen, dass er wirklich, dass er weiterhin den Leuten nicht irgendwie so viel in die Augen schaut und dass er für sich ist und dass er eben mehr mit Tieren als mit Menschen kann und das alles so ein bisschen, dass er auch so ein bisschen awkward, socially awkward bleibt. Das haben sie im zweiten Teil ganz gut beibehalten. Also, dass er nicht so zum großen Anführer wird, sondern dass er trotzdem sich zurückzieht und immer so seine Sache hat.
Florian Bayer: Ja, sie machen im zweiten Teil halt den Fehler, dass sie mit Dumbledore einen Helden einführen. Jude Law ist aber toll. Jude Law ist tatsächlich gut als Dumbledore. Ich finde auch die Hintergrundgeschichte von Dumbledore und Grindelwald durchaus spannend, weil es wird ziemlich klar drauf gedrückt, dass die beiden wohl ein Liebespaar waren und dass Dumbledore ihn deswegen nicht töten kann, weil die auch irgendwie miteinander über irgendeinen Schwur miteinander verbunden sind. Das finde ich auch spannend, aber diese Grindelwald-Geschichte ist irgendwie blöd, weil sie damit so einen zweiten Voldemort aufbaut. Das ist so ganz klar. Dieser Grindelwald hat das Potenzial, die Magier und Menschenwelt in einen Krieg zu führen und damit das Ende der Menschheit einzuleuten. Und plötzlich sind wir wieder bei so klassischem, bei so einer klassischen Geschichte, wo es einfach um das Schicksal der Welt geht. Und ich finde es schöner, wenn es halt eine Geschichte ist, wo es darum geht, dass ein paar Tiere gerettet werden, die vom Aussterben bedroht sind. Ja, so eine kleinere, eine Nummer kleiner. Ja.
Johannes Franke: Ach, na gut. Mal schauen, was noch so kommt. Wer weiß.
Florian Bayer: Dieser Film auf jeden Fall ist durch und durch sehenswert für alle, die Harry Potter mögen und vor allem, die die ersten Harry Potter-Filme mögen. Hm. Schön.
Johannes Franke: Das ist ein tolles Fazit. Vielen Dank, Flo, für diese, ich glaube, diese Folge endet hier, ne? Ja. Vielen Dank für diese tolle Folge. Ich dachte, eine Clickbait-Folge kann nur fies werden, aber irgendwie haben wir doch ganz gute Sachen.
Florian Bayer: Ebenso danke, Johannes. Ich finde es schön, wir haben es geschafft, nicht viel über die Filme zu lästern. Wir haben zwei Filme herausgesucht, über die man offensichtlich, naja, über die man schon lästern kann, aber wir haben es uns verkniffen. Jetzt wollen alle wissen, was wir uns verkniffen haben. Ich habe schon gesagt, dass ich G.R. Tolkien nicht mag und Harry Potter für das bessere Universum halt als Mittelerde. Oh Gott. Also, wenn jetzt keine Hass-Mails kommen, dann lasse ich es auch nicht. Echt mal. Macht mal einen Shitstorm gegen unseren Podcast.
Johannes Franke: Ich schließe mich nicht an. Ich bin unschuldig, okay? Ich reiße die Arme hoch.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, worüber wir nächste Woche lästern und welche Weltbilder wir nächste Woche einreißen, bleibt dran. Ich bin gespannt, Flo. Bis dahin, eine schöne Woche euch. Johannes nochmal, vielen Dank. Vielen Dank dir. Und wir hören uns. Bis zum nächsten Mal. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: So, Flo, das wird unser Fake-Hicks des Autos.
Florian Bayer: Definitiv. Wir stellen jetzt nach, wie unser Gespräch vorhin war. Achtung. So, also. Nee, ich kann euch nicht zeigen. Eigentlich versuche ich gerade pantomimisch auf meinem Handy zu scrollen. Weil das haben wir nämlich beide gemacht. Wir haben nämlich gesagt, oh shit, Johannes ist auf Rügen. Ich bin auf Rügen, genau. Und ich bin an der Nordsee in Dithmarschen und wir wissen nicht, wie gut unser Netz ist. Du sagst jetzt, du bist in Dithmarschen, dann kommen alle zu dir nach Dithmarschen und suchen Plor. Gott sei Dank veröffentlichen wir das später. Und Dithmarschen ist groß. Das klingt jetzt, was klein wäre. Das ist ein großer Landkreis an der Nordsee. Und ich will im Zug gucken, weil ich halt mehrere Stunden mit dem Zug fahre und scrollen auf dem Handy jetzt, also stellt euch das einfach vor, wir scrollen jetzt auf dem Handy und überlegen, was können wir denn machen, was von Netflix sollte sein oder von Amazon, was man speichern, runterladen kann und auch offline gucken kann. Weil ich vertraue nicht dem ICE-Netz und Johannes wird einfach komplett raus sein.
Johannes Franke: Ja, ich werde raus sein. Ich habe genau das gleiche Ding. Ich denke, ich werde auch einfach in der Bahn gucken.
Florian Bayer: Und jetzt fliegen ein paar Namen und ich sage irgendwann, oh, guck mal, wie ist es denn da mit der neue Film von Stephen King? Den wollte ich mal noch irgendwie gucken. Und zwar ist das die Fortsetzung von Shining. Das klang irgendwie ganz interessant. Den habe ich schon länger auf der To-See-Liste, auch wenn ich nicht mehr der größte King-Fan bin.
Johannes Franke: Und dann sage ich, what? Ich bin ganz überrascht. Mann, eine Stephen-King-Verfilmung. The Shining ist ja einer meiner liebsten Filme, was Horror-Genre betrifft.
Florian Bayer: Ja, einer der wenigen Horrorfilme, die du magst.
Johannes Franke: Ja, einfach weil das das beste Beispiel für einen guten Horrorfilm ist und danach kommt erstmal eine ganze Weile nix. Aber du hast ja nicht überrascht reagiert.
Florian Bayer: Das ist ja das Ding, du hast ja gesagt, ja, warum nicht? Lass uns doch gehen. Mann, oh. Und dann haben wir gesagt, okay. Und dann habe ich bei Dr. Sleep schon so zu meiner Liste hinzufügen gekriegt. Und Johannes hat parallel bei, auch bei Netflix, wo bist du dann hängen geblieben?
Johannes Franke: Ich bin dann bei I'm thinking of ending things hängen geblieben, was ich noch nicht gesehen habe. Das heißt, das ist ein Film, den ich dir nicht im Sinne von mal Empfehlungen geben kann, sondern ich kann nur sagen, den wollte ich unbedingt mal sehen, weil der vorne bei mir in der Filmkunst, das ist so ein Kino, das hat dann irgendwie so drei Kinosäle, da war das Plakat immer und ich dachte, ey, das ist ganz cool. Ich weiß also überhaupt nicht, was mich erwartet.
Florian Bayer: Dann habe ich gesagt, ah ja, ja, doch, der ist cool, den habe ich schon gesehen. Aber ja, klar, also auf jeden Fall, ich finde es cool, nochmal einen Film zu sehen, den ich schon gesehen habe. Was witzig ist, den Dr. Sleep habe ich noch nicht gesehen. Das heißt, ich schlage Johannes einen Film vor, den ich noch nicht gesehen habe. Johannes schlägt mir einen Film vor, den er noch nicht gesehen hat, den ich aber gesehen habe. Plus, der zumindest so gewabert ist in der potenziellen Filme für den Podcast, für Johannes-Liste. Ach, den hast du auf der Liste? Nee, ich habe ihn nicht auf der Liste, es gibt keine Liste. Ach so. Es gibt ein Wabern um meinen Kopf herum, was würde ich gerne Johannes zeigen und da springen mich dann immer so Filme an und ploppen kurz auf. Okay. Surrealismus-Teufel links. Der Hollywood-Herr der Ringe-Engel rechts. Okay, meistens gewinnt der Teufel. Nee, warum sitzt der Teufel links? Ist das etwas Politisches? Kann der bitte rechts sitzen? Und dann sagen wir, okay, dann machen wir das doch einfach und klicken schnell und umarmen uns schnell und verabschieden uns in den Urlaub, weil wir beide total in Hektik sind, weil wir noch packen müssen. Ja. Ich muss tatsächlich morgen früh fahren. Wann fährst du los? Früh. Um acht. So um den Dreh. Um acht muss ich ungefähr im Bahnhof sein. Das heißt, das ist jetzt auch, jetzt müssen wir ganz hektisch sein. Das waren wir nämlich vorhin, wo wir gesagt haben, wir müssen noch schnell, dass das Auto aufnehmen, wir sind jetzt ganz hektisch und wir müssen, okay, ich packe meine Sachen. Johannes, ich freue mich total auf nächste Woche, hab einen schönen Urlaub, wir sehen uns. Ja, hat dir auch viel Spaß. Bis dann. Grüß deine Freundin. Tschüss. Tschüss.
Johannes Franke: Jetzt wo Plur weg ist, euch noch viel Spaß in der Woche und wir sehen uns nächste Woche mit Dr. Sleep und I'm Thinking of Ending Things. Bis dann. Tschüss. None|Tschüss.

Hallo Jungs,
Meine heutigen Anmerkungen betreffen „Phantasche Tierwelten…. “
In der Einleitung zur Top3 fragt Einer von Euch :“Fantastische Magie oder praktische Magie? “ _Practical Magic_ 😁 Der Film mit Nicole Kidman & Sandra Bullock, mit deutschem Titel „Zauberhafte Schwestern“?
Nun, möglicherweise gibt es für die unterschiedliche Wirkung des Vergessens-Zaubers in „Phantasche Tierwelten“ & „Harry Potter“ eine einfache Erklärung : zwischen den beiden Ereignissen liegen immerhin gute 70 Jahre. Möglicherweise wurde der Zauberspruch in seiner Wirkung angepasst, eben als Lehre aus diesen Ereignissen?
Möglicherweise gilt dies auch für die Behörde der Auroren, nur noch die unkorrumpierbarsten Kandidaten aufzunehmen? Nur so ein Gedanke. Die Harry Potter Nerd Gemeinde könnte wahrscheinlich eine andere oder bessere Erklärung liefern.
Bis zum nächsten Mal
Ronald