Episode 36: Blue Movie aka Fuck (Andy Warhol Porno), Only Lovers Left Alive

In dieser Episode wird es romantisch… kind of. Wir sprechen zum ersten Mal in der Geschichte des Podcasts über einen echten Porno. Blue Movie von Andy Warhol aus dem Jahr 1969. Und wir widmen uns einer stylischen Vampirromanze, Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive aus dem Jahr 2013. Es wird also viel geredet, geliebt und über Sex nachgedacht.

Passend dazu gibt es eine Top 3 zum Thema unsimulierter Sex in der Filmgeschichte und zu unsterblichen cineastischen Figuren.

Blue Movie [Andy Warhol]

(USA 1969)

Also dann… es führt kein Weg dran vorbei, da müssen wir gemeinsam durch. Wer noch nie von Andy Warhol gehört hat, hat sollte dringend an seinem Wissen zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts arbeiten. Aber stellen wir uns ganz kurz naiv. Wer ist dieser Andy Warhol? Ohne jeden Zweifel einer der wichtigsten Künstler der Postmoderne. Der Erfinder der Pop-Art. Raffinierter Ironiker. Schillernder Selbstdarsteller. Schüchternes Mysterium. Party- und Lebemensch. Und vor allem DER Kurator experimenteller und progressiver Kunst in den 60er und 70er Jahren. Sowohl Gegner als auch Triebfeder der Kommerzialisierung des gesamten Kunst- und Kulturbetriebs im letzten Jahrhundert. Achja… und Andy Warhol hat natürlich auch Filme gedreht. Wenn auch nur für einen überschaubaren Zeitraum, von den frühen 60er bis in die frühen 70er Jahre, dafür aber mit einem nicht zu leugnenden Impact auf die experimentelle Kinowelt.

Blue Movie aus dem Jahr 1969 gehört zu seinen bekanntesten Filmen, die in jener Zeit entstanden sind. Nachdem er in Werken wie Sleep den Schlaf oder Eat das Essen eines Pilzes dokumentiert hatte, war nun der Sex an der Reihe. Und so setzte er seine Stars Viva und Louis Waldon auf ein Bett und ließ sie machen. Viel mehr gibt es zu der frei improvisierten Handlung dann auch nicht zu erzählen. Es wird geredet, es wird geschäkert, und es wird kopuliert, unsimuliert und ohne jeden Filter. Fuck ist der Alternativtitel des Films, und auch wenn der eigentliche Verkehr nur knapp zehn Minuten der insgesamt zwei Stunden einnimmt, wurde er für diesen berühmt; sorgte für eine Menge Kontroversen und läutete en passant das Golden Age of Porn ein.

So gesehen ist der Kontext, die Zeit seines Entstehens, sein kultureller Hintergrund, seine Veröffentlichung und Rezeption wahrscheinlich ungemein spannender als der Inhalt dieses doch sehr trivialen, wenig künstlerischen Streifens, über dessen Filmigkeit man durchaus auch streiten kann. Oder was denkst du Johannes?

Only Lovers Left Alive [Jim Jarmusch]

(USA 2013)

Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive erstaunt mich immer wieder. Ich vergesse immer wieder dass der Film von 2013 und nicht 1973 ist, bin jedesmal überrascht Tom Hiddleston zu sehen der auch damals schon Loki war und freue mich über den analogen Charme die dieser digital gedrehte Film versprüht.

Es geht um ein Vampir-Paar, das… uhmm… naja… also das… hier komm ich schon ins straucheln, denn wenn man einen Plot sucht, wird man Schwierigkeiten haben einen richtigen zu finden. Es ist ein ruhiger Film, ein kraftvoller Film, um das ewige Leben und was man damit anfängt, aber das fast nur nebensächlich, implizit, denn Hauptsächlich um die Leidenschaft zu Kunst und Kultur, und natürlich… die ewige Liebe. Hachja.

Die Liebe, die Liebe. Während dein Take, Plor, auf die Liebe, sehr geschwätziger Sex zu sein scheint, ist meiner sehr viel epischer. Und schweigsamer. Und ruhiger, gesetzter, Leidenschaftlicher? Erwachsener? Was meinst du?