Episode 44: Cats
Cats [Tom Hooper]
(USA, Großbritannien 2019)
Welcome to „Cats got talent“. In der Jury heute: Judi Dench.
Die Konkurrenz der Bewerber um den Titel “cat sacrifice of the year” ist gigantisch. Eigentlich bewirbt sich der ganze schlecht animierte Tribe, aber herauszustellen wären Macavity, der Mitbewerber entführt um zu gewinnen und nicht zu vergessen die Außenseiterin Grizabella, die bis zum letzten Moment niemand in betracht zieht.
Nachdem alle einmal getanzt haben um sich zu bewerben, entführt Macavity Old Deuteronomy um sich seinen ersten Platz zu erzwingen. Old Deuteronomy ist nicht weise genug ihn einfach gewinnen zu lassen, damit sie ihn endlich los sind. Stattdessen wird sie gerettet von einem magischen Kater der sie einfach wieder herzaubert. Grizabella schleicht um die Szenerie umher und wird von Victoria hinzugezogen und dazu genötigt ihre Geschichte zu erzählen, bzw. zu singen.
Old Deuteronomy ist davon so bewegt dass sie sie erwählt, den Schritt in den Himmel zu wagen.
Toll. Der Kult ist begeistert und nachdem ich schon gehofft hatte dass sie in einem Blutbad zerfetzt wird, steigt sie sehr langweilig mit einem Ballon in den Himmel auf.
Plor. In welchen Himmel oder welche Vorhölle möchtest du dass dieser Film auf- oder hinabsteigt?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 44: Cats Publishing Date: 2021-11-03T15:56:42+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/11/03/episode-44-cats/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können. Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee. Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln? Von mir, für dich. Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann. Äh, definitiv, das wird lustig.
Johannes Franke: Miau. Guten Morgen, Rise and Shine, hier in Catsland.
Florian Bayer: Flo, wie geht's dir? Guten Morgen, guten Mittag, guten Abend, gute Nacht, wann auch immer ihr hört, mir geht's sehr gut. Nein, mir geht's eigentlich gar nicht gut. Ich bin total übermüdet und hoffe, dass wir die kommende Episode gut über die Bühne bringen. Du hast schon ein bisschen angedeutet, dass die kommende Episode schuld daran ist, dass du ein bisschen übermüdet bist. Es kann durchaus sein. Ich bin sehr gespannt drauf. Um nochmal ganz kurz zu sagen, wer wir sind, was wir machen. Herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen beim Muss man sehen Podcast. Wir reden über Filme und jede Woche schlägt einer von uns dem anderen einen Film vor, der den Horizont des anderen im besten Fall erweitern soll.
Johannes Franke: Ja, und vielleicht ärgert ihr ihn auch ein bisschen.
Florian Bayer: Ich bin Florian und werde in dieser Episode durchgängig Plur genannt werden. None|Ja. Das ist die Schuld von dem netten Herrn, der mir gerade gegenüber sitzt.
Johannes Franke: Der Johannes sitzt hier und der Johannes sagt immer Plur zu Florian, weil deine Schwester da irgendwann mal versucht hat, Bruder und Florian gleichzeitig zu rufen. Das war lange Zeit, bevor wir uns kannten. Und der Name hat sich einfach beibehalten. Der hat sich komplett durchgesetzt. Also zumindest in spezifischen Kreisen. Ich glaube, es hat auch was mit dem Saarlandischen zu tun, weil Bruder und Florian würde ja Blor heißen. Blor. Aber ein Bruder ist in Saarland was anderes. Okay. Ja, also Plur. Plur, Plur. Ja, Johannes, Johannes. Wir werden heute uns einen sehr weirden Katzenfilm widmen. Johannes hat diesen Film vorgeschlagen. Weil ich irgendwie das Gefühl hatte, da kommen wir nicht drum rum. Johannes hat diesen Film vorgeschlagen. Ja, ja, wir wissen es inzwischen. Ich habe den Film vorgeschlagen. Weil ich eigentlich Tanzfilme und Musicals an sich so 50er, 60er, 40er, 50er Jahre besonders sehr mag. Und naja, streng genommen ist, also noch nicht mal sehr streng genommen ist, Katz ja ein Musical.
Florian Bayer: Ein richtig klassisches Musical sogar. Eines der großen Andrew Lloyd Webber Musicals.
Johannes Franke: Ja, ich sage streng genommen in dem Fall, weil es natürlich unter Umständen einfach nur in Torture-Porn fällt, wenn man diesen Film anguckt. Aber das sollten wir uns genauer anschauen.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 2019 und er hat die Kinokassen gerockt und die Kritik begeistert. So viel können wir schon mal sagen.
Johannes Franke: Er hat so viel Gewinn gemacht, ich sag's dir. Gut, es gibt eine Verfilmung des Musicals Cats. Irgendjemand hat sich gedacht, das wäre doch eine gute Idee, Menschen nicht nur auf die Bühne zu stellen in Katzenkostümen, sondern einfach auch vor die Kamera zu stellen. Und zwar nicht in Katzenkostümen, sondern in grünen Kostümen, die dann wiederum am Computer in Katzen verwandelt werden. Hat das geklappt? Das werden wir jetzt besprechen. Leg doch einfach mal los, Johannes, und stell uns kurz den Film vor. Ich führe uns kurz in den Film ein. In der Jury heute Jodie Dench. Die Konkurrenz der Bewerber um den Titel Kat's Sacrifice of the Year ist gigantisch. Eigentlich bewirbt sich der ganze schlecht animierte Tribe, aber herauszustellen wäre vielleicht Macavity, der Mitbewerber, entführt, um zu gewinnen. Und nicht zu vergessen die Außenseiterin Grizabella, die bis zum letzten Moment niemand in Betracht zieht. Und nachdem alle einmal getanzt haben, um sich zu bewerben, entführt Macavity Old Deuteronomy, um sich seinen ersten Platz zu erzwingen. Old Deuteronomy ist nicht weise genug, ihm ihn einfach gewinnen zu lassen, damit sie ihn endlich los sind. Stattdessen wird sie gerettet von einem magischen Kater, der sie einfach wieder zurückzaubert. Grizabella schleicht um die Szenerie herum und wird von Victoria hinzugezogen und dazu genötigt, ihre Geschichte zu erzählen, beziehungsweise zu er singen. Old Deuteronomy ist davon so bewegt, dass sie Grizabella erwählt, um den Schritt in den Himmel zu wagen. Also zu sterben? Das werden wir gleich nochmal erklären. Toll, also der Kult ist begeistert und nachdem ich schon gehofft hatte, dass sie in einem Blutbad zerfetzt wird, steigt sie sehr langweilig mit einem Ballon in den Himmel auf. Plor, in welchen Himmel oder welche Vorhölle möchtest du, dass dieser Film auf- oder hinabsteigt?
Florian Bayer: Lass uns versuchen zu verstehen, was wir da gesehen haben. Und zwar wirklich so ganz fundamental verstehen. Bevor wir irgendwas sagen, kanntest du Cats vorher?
Johannes Franke: Ich habe vorher, vor vielen, vielen Jahren, einen Kollegen besucht am Potsdamer Platz, der damals den Old Deuteronymous gespielt hat. Der ja im Original tatsächlich ein männlicher Kater ist und für diesen Film zu einer Frau gemacht wurde, weiblichen Katze gemacht wurde, weil Judi Dench einfach Judi Dench ist und da einfach hin musste. Weil sie es ja auch mal gespielt hat. Sie hätte spielen sollen, aber dann nicht konnte, weil sie eine Verletzung hatte. Achilles, irgendwas. So, ich war also am Potsdamer Platz und habe nicht viel erwartet, weil Cats für mich immer schon so ein kleines bisschen cringe-worthy war. Und dann bin ich da rein und habe nichts erwartet und war dann sehr positiv überrascht. In diesem Moment mochte ich Cats tatsächlich ganz gerne. Die hatten eine schöne Inszenierung, die Leute waren super, die Tänzer waren super, die Sänger waren super und die Inszenierung war sehr liebevoll. Und seitdem gehe ich mit einem gemischten Gefühl für Cats in der Gegend umher, weil ich dachte, Cats, nein, irgendwie komisch und dann aber diese doch positive Erfahrung hatte. Vielleicht hat es auch nur damit zu tun, dass ich so wenig Erwartungen an diesen Abend gesetzt habe, dass ich irgendwie, weiß ich nicht, dass es dann doch gut war.
Florian Bayer: Ich kannte Cats vorher praktisch so gut wie gar nicht. Ich wusste, es gibt dieses Musical, wo Menschen in Katzenkostümen rumspringen. Und ähnlich, wie ich Starlight Express kenne, dass ich weiß, es gibt da Menschen, die auf Inlinern durch die Halle fahren. Das ist so mein Wissen, was diese Musicals betrifft. Und das betrifft eine ganze Reihe von diesen 70er, 80er Jahre Musicals. Davon weiß ich wenig. Und ich kannte Memories. Einfach, weil meine Mutter das in Endlosschleife gehört hat.
Johannes Franke: Das war so ein Schlager-Pathos-Song, der einfach so vollkommen in ihr Beuteschema gepasst hat. Aber das Ding ist, wenn du weißt, dass Katzen auf der Bühne stehen und singen, dann weißt du ja schon fast alles.
Florian Bayer: Dann weiß ich schon alles, genau. Das ist interessant, weil genau, das Musical ist tatsächlich nicht mehr. Das ist eine Nummernrevue von Katzen. Das heißt, ich habe auch vorher ein paar Kritiken gelesen und ich bin mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Film rangegangen. Und ja, diese Erwartungshaltung wurde voll erfüllt. Also Cats, der Film von 2019 ist ein Desaster. Aber ich möchte gleich hinzufügen, nachdem ich den Film gesehen habe und ich mit meiner Begleitung anderthalb Stunden da saß, mit herunterhängendem Kinn und weit aufgerissenen Augen und permanentem What the Fuck, was soll das? Aber das war von Anfang an so, oder? Von Anfang an. Ja. Habe ich mir Szenen aus dem Musical angeguckt. Ah, okay, sehr schön. Hast du gut gemacht. Der Film ist das Beste, was aus diesem Musical herauszuholen war. Und ich gebe die ganze Schuld an diesem Desaster, gebe ich Andrew Lloyd Webber. Der Mann, der sich über den Film aufgeregt hat und der gesagt hat, das wird ein Desaster, Leute. Macht das nicht, ihr fahrt da gerade einen riesigen Kran voll in den Dreck. Ja, Schreinwreck. Nein, nein, nein, nein, nein. Webber ist schuld. Dieses Musical ist schuld. Das ganze Konzept Cats ist an Bizarrheit nicht zu überbieten. Es ist einfach, es ist eine Katastrophe und man kann dem Film zugutehalten, dass er das Katastrophale wenigstens noch ein bisschen bizarrer macht, um das, was unterhaltsam sein kann, hervorzuheben. Ja, Hannes, es ist ein Musical über Katzen, die tanzen und singen und getötet werden wollen. Und es ist ein Musical mit Katzen, die keine Genitalien haben und sich trotzdem die ganze Zeit die Genitalien aneinander rubbeln. Man hätte zu diesem Film ein Trinkspiel machen können. Jedes Mal, wenn eine Katze ihre nicht vorhandenen Genitalien leckt, ein Shot und man wäre nach fünf Minuten komplett betrunken gewesen.
Johannes Franke: Und dann flirten die ab und zu und ich denke die ganze Zeit, ja, aber ihr werdet nichts davon haben. Ihr könnt keinen Sex haben. Das war's.
Florian Bayer: Und das Absurde ist ja, dass das ganze Ding, also wie gesagt, ich rede jetzt auch vom Musical, sich als Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie verkauft. Da gehen Eltern mit ihren Kindern rein und sagen, ach hey, ich fand das schon in den 70ern toll, als das gestartet ist und jetzt möchte ich, dass mein Kind denselben Spaß damit hat. Das heißt, es ist unschuldig. Also es gibt diese unschuldige Oberfläche. Wie gesagt, es gibt keine Genitalien, die Katzen pimpern nicht und so weiter. Und trotzdem hat es diese ganze Zeit den bizarren Sex-Touch. Und das wäre total okay, wenn sie denn die ganze Zeit pimpern würden. Ich fände das großartig. Warum nützt du das Wort pimpern dafür?
Johannes Franke: Mach daraus einen Furry-Porn. Das wäre total toll. Aber selbst die Furries, ich habe ja gedacht sofort, die Furries haben da wenigstens was davon. Also Furries, was sind Furries? Das sind Leute, die einen sexuellen Fetisch damit haben, dass man irgendwie Tierkostüme mit Fell und so weiter anhat und dann das Ganze sexuell konnotiert ist. Nicht mein Ding, aber ich dachte mir, na gut, vielleicht ist das ja wenigstens für die irgendwie was. Und selbst diese Community hat gesagt, um Gottes Willen, das ist schrecklich. Es tut mir so leid. Aber Plur.
Florian Bayer: Das liegt ja genau daran, dass der Film das eben nicht konsequent macht. Ich finde, also viele Leute lästern darüber, oh und das ist so bizarr und dieser Sex von den Katzen. Wenn es denn das wenigstens wäre, weil so, hey, ja, los, lebt eure Sexualität aus, wenn ihr es geil findet, Katzenkostüme zu tragen und Sex zu haben. Ist das super, macht das, ist total toll. Aber der Film macht das ja nicht. Der Film ist ja, und das Musical macht das ja auch nicht. Das ist ja, hey, wir sind für die ganze Familie. Genitalien gibt es nicht, Sex gibt es nicht. Stattdessen tanzen wir umeinander rum und reiben uns aneinander, aber bloß nicht zu sexuell.
Johannes Franke: Okay, lass uns, lass uns, ich habe zwei Vorschläge, Plur. Nummer eins, wir sollten sehr strukturiert durch die Sache durchgehen. Und zwar nicht durch den Film durchgehen, sondern die Handlung ist egal. Also, da passiert ja echt nicht viel. Alter, ich will nicht alle Katzen aufzählen, die da vorkommen. Genau, sondern ich würde sagen, wir haben mehrere Bereiche. Wir haben CGI, wir haben das Schauspiel, wir haben die Story, wir haben die Produktion an sich. Wir haben die Vorlage. Wir haben die Vorlage, genau. Dass wir solche Sachen vielleicht einmal so ein bisschen anteasen und uns da ein bisschen dran abarbeiten. Und ich gebe als Direktive raus, wir müssen etwas Gutes an diesem Film finden.
Florian Bayer: Ich finde total viel Gutes an diesem Film. Wie gesagt, all blame to Andrew Lloyd Webber. Wenn wir mit dem Musical einsteigen, mit der Vorlage, dann kann ich ganz viel vom Leder ziehen. Und beim Film bin ich dann ganz zahm.
Johannes Franke: Oh, okay. Ja, aber dann lass uns doch gerne mit der Vorlage mal anfangen. Das Ganze ist ja eigentlich ursprünglich von T.S. Eliot losgestoßen worden, unwissentlich. Der Arme kann gar nichts dafür eigentlich. Ein Gedichtsband, er mag Katzen, er schreibt über Katzen, Gedichte. 1939 hat er das Gedichtband rausgebracht, Old Possums Book of Practical Cats. Und das sind ein Haufen Gedichte einfach. How to name cats und irgendwelche Verhaltensweisen von Katzen klassifiziert fast schon. Und das fand halt Andrew Lloyd Webber ganz toll und hat das irgendwie genommen.
Florian Bayer: Ganz wichtig, das Buch hat keine melodramatische Note, keine melodramatische Komponente. Es sind wirklich nette, witzige Gedichte. Und zumindest in England war dieses Buch auch enorm populär. Es hat sich wirklich gut verkauft in England und die meisten englischen Kids kannten das. Und Disney hat seine Erbin, seine Frau, die dann die Rechte hatte nach seinem Tod, ziemlich umschwärmt. Die wollten eigentlich, die wollten einen Disney-Film machen mit Katzen. Die wollten Cats zum Disney-Film machen. Er hätte vielleicht besser werden können. Das fand sie total doof. Sie wollte das nicht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und sie hat sich die ganze Zeit dagegen gesträubt, weil sie nicht wollte, dass Disney das in diese kindliche, naive, wahrscheinlich auch amerikanische Welt hineinzieht. Und Webber hat sie überzeugt, eben weil er einen erwachseneren Ansatz hatte, weil er gesagt hat, wir machen das ganze Ding ein bisschen mehr für ein erwachsenes Publikum und ein bisschen weniger kindlich naiv. Na ja.
Johannes Franke: Wir machen einen Katzenkult draus. Das ist viel besser.
Florian Bayer: Es gibt dieses tolle Statement von dem Produzenten, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Und der hat gefragt so, Andrew, I don't get it. Worum geht es? Ist das eine Anspielung auf die Königin? Geht es um Victoria? Ist das irgendwie so? Und Andrew Lloyd Webber muss wohl ziemlich nüchtern geantwortet haben, nee, es geht um Katzen. Das ist alles.
Johannes Franke: Ja, genau. Es ist einfach nichts anderes. Es ist halt nicht mehr drin. Und ich finde, ich würde eben nicht die gänzliche Schuld auf Andrew Lloyd Webber schicken, weil wenn man einen Krieg anfängt, dann ist nicht das Konzept des Krieges schuld. Ein Krieg gegen alles, was uns heiligt ist.
Florian Bayer: Gegen die Kultur, gegen die Kunst, gegen die Musik. Lass uns kurz noch bei der Vorlage bleiben. Die Kriegserklärung des Films an das Musical, die waren nun ja gleich. 1977 hat Andrew Lloyd Webber, der offensichtlich auch ein riesiger Katzenfan war, begonnen damit. Und es war eine große Vision von ihm. Und das ganze Ding war auch ein, das war ein totales, es war ein Traum von ihm, das zu machen. Und es war tatsächlich so ein Passion Project. Er hatte wohl auch Probleme, Geld dafür zu kriegen. Er hat eine Hypothek auf sein Haus gemacht, um dieses Teil machen zu können, weil alle gesagt haben, ey, kein Mensch will diesen Scheiß auf. Kein Mensch will der Bühne sehen, kein Mensch will singende, tanzende Katzen sehen.
Johannes Franke: Ja, aber das Krasse ist, wie hat er es denn geschafft? Dann, das ist das am viertlängsten laufende Musical überhaupt auf der ganzen Welt am Broadway. Und in London ist es das fünftlängst laufende. Weißt du, das ist so, das ist so das Musical. Wie geht das?
Florian Bayer: Es ist absolut ein Rätsel erst mal, weil es gab eigentlich, es gab nur Hürden auf dem Weg. Es gab keinen Plot. Er hatte diese Gedichte und hat dann irgendwie diesen Musical nochmal gemacht. Und der Regisseur, der dann dazu kam, Trevor Nunn, der sagte irgendwann, ey, das funktioniert so nicht. Jedes Musical braucht ein emotionales Zentrum. Wir brauchen irgendwie irgendeine emotionale Hymne. Das war die Geburt von Memories, dem großen Hit. Und es gibt zwar ein Crisabella-Gedicht tatsächlich, aber das wurde nie veröffentlicht, weil Elliot gefunden hat, dass das zu traurig ist. Und überhaupt nicht zu diesem leicht physiken, leicht zu diesem warmen Touch passt, den die Gedichte sonst haben. Das war einfach total Fehl am Platze. Und darauf hat sich dann Weber bezogen, als er eben diese Hymne gemacht hat. Und das war sehr spät, ne? Dieser Hauptsong, der Song, für den das Musical berühmt ist, der kam total spät dazu. Und es gab, wie gesagt, es gab keinen richtigen Plot. Alle haben gesagt, das kannst du nicht machen. Das funktioniert nicht. Das ist nichts Vernünftiges. Und trotzdem wurde dieses Musical ein so großer Erfolg. None|Warum?
Johannes Franke: Warum? Warum? Was glaubst du, Flo? Hast du irgendeinen Ansatz? Weil, also wirklich Film aside, nur das Musical.
Florian Bayer: Also ich glaube, es war zum einen die richtige Zeit für solche neuen Musicals. Weil wir hatten irgendwie die beginnende 80er Jahre und irgendwie war die Musical-Szene war so ein bisschen, hat sich einfach gewandelt. Wir haben ja so wirklich die traditionellen Musicals, die so sehr klassisch funktionieren von der Struktur. Ich denke jetzt an so etwas wie zum Beispiel West Side Story. West Side Story ist von...
Johannes Franke: Von? Wann ist das denn? Das ist ja aber gar nicht so viel länger her.
Florian Bayer: 1957. Da sind wir irgendwie so in den 50ern bei den klassischen amerikanischen Musicals. Und dann haben wir auch sowas wie Grease. Also schon, die schon so ein bisschen mehr Rock'n'Roll mit reingebracht haben. Ja, genau. Und aber die trotzdem noch so von der Ästhetik so sehr dem Klassischen verhaftet waren. Die alle eben so einen Look haben, als ob sie so ein bisschen aus der Zeit gefallen wären.
Johannes Franke: Hm. Hm. Weiß ich gar nicht, ob ich das so unterschreiben kann. Aber ich kenne mich tatsächlich auch einfach nicht gut genug aus mit den alten Musicals von der Bühne. Ich bin halt großer Liebhaber von den Film-Musicals und das ist halt mehr dann Tanzfilme mit Fred Astaire und Gene Kelly und so, diese ganzen Dinger. Das ist halt mein großes Fandom, ne? Da setze ich mit glitzernden Augen davor. Aber wenn ich mir zum Beispiel auch Tanz der Vampire anschaue und so auf der Bühne, das ist gar nicht unbedingt das große, mein großes Highlight. Ja. Insofern kenne ich mich nicht gut genug aus, um sagen zu können, ob das jetzt wirklich so neu war. Was ist daran neu, keine Story zu haben und Katzen auf die Bühne zu stellen? Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Vielleicht, dass das Set so ein bisschen düsterer war, so ein bisschen mehr...
Johannes Franke: Aber West Side Story ist ganz schön düster teilweise.
Florian Bayer: Ja, aber vom Look und Feel hat auch West Side Story immer noch so was sehr Romantisches, Einfaches, vielleicht auch Naives.
Johannes Franke: Ja, das sowieso, aber das ist die Zeit, klar, natürlich. Die Darstellung von Liebe und wie das funktionieren soll und wie. Obwohl das auch ein kabellisches Stück ist, das kann man schon auch sagen.
Florian Bayer: In den 60ern hat das ja angefangen, dass diese Rock'n'Roll-Musicals kamen, ne? Also eben, was du gesagt hast, Rock'n'Roll-Picture-Show ist schon ein bisschen später, 73, aber auch zum Beispiel Hair und West Side Story kann man da mit Sicherheit auch so irgendwie reinzählen. Ich hab so das Gefühl, es gab diese... Es gibt diese Phase der Andrew Lloyd Webber-Musicals. Ja, auf jeden Fall. Und die sind so sehr spezifisch und alles, was ich davon kenne, finde ich ganz schrecklich. Und die erarbeiten Pathos nochmal ein bisschen mehr hervor und machen im Musical-Bereich nochmal so ein bisschen mehr, nicht unbedingt ernst, aber so ein bisschen mehr Melodramatik. Also sowas wie das Phantom der Oper zum Beispiel ist natürlich so ein ganz krasses Beispiel dafür. Aber wenn wir uns in die Zeit vor Cats begeben, Evita zum Beispiel auch, wo ein Musical wirklich große Geschichte erzählen will, so ein Musical-Epos könnte man auch sagen. Also du meinst, die Leute hatten genug von zu viel Geschichte? Weiß ich nicht. Ja, aber Cats fällt halt irgendwie in diese Phase rein und Cats hat halt auch zumindest in dem zentralen Moment auch diesen krassen Pathos, weil es geht eben um Tod und Wiederauferstehung. Es geht um einen gefallenen Filmstar, es ist tatsächlich gar nicht, es ist gar nicht so wesentlich in diesem Musical, auch die ganze Crisabella-Geschichte ist jetzt nicht so, dass sie so krass zentral wäre. Nein, überhaupt nicht. Aber dafür ist sie dann doch so präsent und dafür ist ihre Dramatik und ihr Schicksal ist dann doch so präsent, dass es offensichtlich irgendeinen Nerv berührt hat.
Johannes Franke: Ich kann mir vorstellen, um dem mal ganz entgegen zu gehen, dass die Leute einfach ein solides, einfaches Nummern-Varieté-Musical brauchten. Weißt du, dass man sich einfach hinsetzt und dann, ach und die singt auch noch was und das singt auch noch was und ach Katzen, Katzen, warum nicht Katzen? Und auf der Bühne tatsächlich, als ich es gesehen habe, war es bei weitem nicht so gruselig wie im Film. Bei weitem nicht. Da kommst du damit klar, dass dir auf allen Vieren als Menschen wie Katzen, also da hast du auch dieses Uncanny Valley nicht von dieser komischen Maske, von diesem komischen CGI, weil es einfach mit viel mehr, du kannst es mit viel mehr Leben und Liebe füllen, wenn es auf der Bühne funktioniert, weil du ein ganz anderes Zuschauer-Feeling hast.
Florian Bayer: Also es gibt ja diese abgefilmte Version, diese berühmte Version, wo sie viel mit Schnitten gearbeitet haben und das waren halt die Szenen, die ich mir angeguckt habe.
Johannes Franke: Ah ja, okay.
Florian Bayer: Und ich fand das so vom Uncanny Valley mindestens genauso schlimm wie beim Film. Ich fand diese Menschen in Katzenkostümen und vor allem, wie sie sich bewegen.
Johannes Franke: Vielleicht, weil es abgefilmt war. Vielleicht wirklich, weil du sitzt im Publikum, hast du ein ganz anderes Gefühl dafür. Du sitzt weiter weg.
Florian Bayer: Du sitzt weiter weg, genau. Das ist das Urteil von meinem Kunstlehrer zu meinen Bildern, die ich in der 6. und 7. Klasse gemacht habe. Von weitem sieht es gar nicht so schlecht aus. Vielleicht ist es einfach das, aber wenn du diese Nahaufnahme hast von einer Katze in dem Kostüm und dann schlängeln die sich umeinander rum, machen diesen semi-erotischen Tanz, aber eben trotzdem mit dieser Unschuld, dass es Kinder auch gucken können, dann finde ich das genauso verstörend, wenn die Kostüme tragen, wie wenn sie Masken tragen, wie wenn sie animiert sind.
Johannes Franke: Also ich glaube, gerade Theater lebt oft, und ich weiß nicht, ob es jetzt gut oder schlecht ist, ich kann es dir nicht sagen, davon, dass das Publikum einfach nicht direkt davor sitzt. Dass du den Schauspieler vielleicht nicht unbedingt die ganze Zeit Rotz und Wasser schwitzen siehst, weil du weit genug weg bist. Und dass du die Kostüme, die ja teilweise wirklich sehr plakativ und sehr, ja, einfach nicht für Film geeignet gebaut werden, sondern für Theater, dass auch die letzte Reihe noch versteht, ah, das soll es sein und sich nicht in Details verliert. Und so funktioniert Theater und dafür ist es gebaut und gemacht und dafür funktioniert es super.
Florian Bayer: Aber Theater kann auch abgefilmt funktionieren. Es gibt wirklich gute Umsetzungen von Theater für Film.
Johannes Franke: Also nenn mir Theater-Abfilmungen und ich sag dir, warum die funktionieren. Das hat oft was damit zu tun, dass das Spiel im Vordergrund steht und nicht die ganze Kulisse oder die ganzen, gibt es ein Kostüm-Theaterstück, was du abgefilmt richtig gut findest? Die Zauberflöte. Das ist eine Oper, aber von Ingmar Bergmann, die Zauberflöte, das ist auch eine sehr filmische Aufbereitung und da würde ich sagen, das funktioniert auch. Also der hat das, der hat das ja auch für den Film da auf der Bühne inszeniert quasi.
Florian Bayer: Ich möchte noch mal ganz kurz einen anderen Ansatz anbringen zu dem Musical. Und zwar habe ich mir, nachdem ich den Film geguckt habe, musste ich mir, ich musste irgendwas machen. Nachdem ich noch ein paar Szenen aus dem Musical geguckt habe, ich musste irgendwas tun. Dann habe ich mir angeschaut, Lindsay Ellis, die ich hier auch nur jedem ans Herz legen kann, das ist eine Filmkritikerin auf YouTube. Und die hat sehr interessante Ansätze, filmanalytische Ansätze, macht wirklich tolle YouTube-Videos zu verschiedenen Filmen. Und die hat ein Video gemacht mit dem sehr bezeichnenden Namen Why is Cats. Das ist Why groß geschrieben quasi. Okay. Und hat dann auch versucht, auf den Grund zu gehen. Das heißt, alles, was ich jetzt gleich sage, ist so ein bisschen von Lindsay Ellis inspiriert, beziehungsweise ziemlich geklaut. Aber ich möchte diesen Interpretationsansatz einmal anbringen, weil ich finde den wirklich spannend. Okay, spannend. Werde mit. Im klassischen Musical, vor allem im Musical der 60er, 70er, 80er Jahre, das von Disney populär gemacht wurde, gibt es eigentlich immer zwei Konstanten. Es gibt den I Want Song und das ist immer der Song, den die Protagonisten kriegen, die wir mögen. Das heißt, die Guten machen I Want Songs. Und dann gibt es die I Am Songs.
Johannes Franke: Und das ist immer der Song des Bösewichts. Das sind aber auch die Songs für alle möglichen. Also bei Cats, wenn du den Film anschaust. Genau, Moment, genau.
Florian Bayer: Also es gibt den I Want Song und den I Am Song. Wenn wir zum Beispiel ganz klassisch uns anschauen, die Schöne und das Biest von Disney, ist jetzt 90er. Dann haben wir den I Want Song von Belle, wir haben den I Want Song vom Biest und wir haben den I Am Song von dem großen Bösewicht, der sie, der Bella entführen will und so ein Arsch ist. Funktioniert bei König der Löwen genauso. Bei König der Löwen ist es genau dasselbe. Cats, das Musical. Ja. Steht aus lauter Bösewichten. Es sind nur I Am Songs. Es gibt genau eine Rolle, die einen I Want Song kriegt. Genau. Und das ist die Chrysabella. Und sonst sind alle Figuren, haben einen Bösewicht Song. Und deswegen ist es so unglaublich leicht für das Publikum, sobald es diese Chrysabella sieht, das Herz komplett auf sie zu werfen. Und zu sagen, wir wollen, dass sie gewinnt. Wir wollen, dass sie die ist, die die Erlösung findet. Weil es ist überhaupt keine Frage, weil jede andere Katze, die da auftaucht, singt halt, ich bin dick und ich bin durstig, ich bin verliebt und ich bin das und das. Und es ist so vollkommen egal. Weil keine von diesen Katzen will was. Die wollen sich nur selbst präsentieren. Genau. Ja. Okay. Das war der Lindsay Ellis Take darauf. Fand ich ganz interessant, dass das eigentlich ein Theaterstück ist, das voll mit Bösewichten ist. Wir haben eine emotionale Figur.
Johannes Franke: Und es ist natürlich vollkommen richtig und es ist tatsächlich so, dass beim Gucken des Films jetzt, beim Gucken des Theaterstücks, nee, Theaterstück des Musicals auf der Bühne ist es mir nicht aufgefallen. Beim Film jetzt allerdings ständig und man eigentlich dazwischen springen will, wenn jemand ansetzt, zu fragen, wer bist du denn? Nein, frag doch nicht. Jetzt fängt er an zu singen und sagt, wer sie ist und was das soll.
Florian Bayer: Ah, fuck. Und es gibt auch wirklich den Moment in der Handlung, wo die Handlung selbst einfach aufgibt und unser, ich weiß gar nicht, wer es macht, ich glaube, es ist wahrscheinlich Old Deuteronomy, die irgendwann einfach nur sagt, so und jetzt kommt die nächste Katze hier, sie kriegt jetzt auch noch einen Song. Und man merkt, das Skript hat komplett aufgegeben. Es ist gar nicht mehr der Versuch, da eine Struktur herzustellen, sondern einfach so, und da kommt die nächste, los, auf geht's, sing.
Johannes Franke: Okay, das heißt, wir haben jetzt den Ursprung im Grunde. Wir haben die Vorlage einmal abgehandelt. Und die Story an sich ist ja auch sehr schnell erzählt, es wird eine Katze weggeworfen, die wird dann aufgenommen von anderen Katzen und die erzählen ihr dann von ihrem Kult.
Florian Bayer: Und so, im Grunde ist es das. Offensichtlich, diese Katze, Victoria, die gibt es auch im Originalmusical, deren Rolle wurde deutlich größer gemacht, weil sie verhindern wollten, dass die vierte Wand zu oft durchbrochen wird. Im Musical singen die Katzen, wenn sie sich vorstellen, nämlich eigentlich die ganze Zeit für das Publikum und präsentieren sich dem Publikum. Und der Film macht den Kniff eben, dass er Victoria stellvertretend für das Publikum reinsetzt, damit die Katzen nicht die ganze Zeit in die Kamera singen, sondern damit sie einen Ansprechpartner, eine Ansprechpartnerin haben. Und das ist eben in diesem Fall Victoria. Und die stolpert dann da durch und dann sind, ja, es kommen halt sehr viele Katzen von, ne?
Johannes Franke: Ja, genau. Die erzählen ihr halt, wer sie sind und dann werden wir sozusagen durch sie in diese Welt von diesen Katzen eingeführt und dann kriegen wir irgendwann mit, okay, es gibt diese Old Deuteronomy, die bestimmt, wer jedes Jahr sterben darf. Und dann wird es halt ausgewählt. Und es gibt einen, der gerne ausgewählt werden will und dafür irgendwelchen Scheiß macht.
Florian Bayer: Ja, genau. Und Macavity, der irgendwie so der Bösewicht ist des Ganzen. Der entführt die ganze Zeit Katzen, weil er will nicht, dass sie gewinnen. Und ich will gar nicht zu sehr auf die einzelnen Katzen eingehen, habe ich ja schon gesagt. Ich habe keine Lust, alle Katzen aufzuzählen. Aber der erste Song, die erste Katze, die kommt, ist Jenny Any Dot. Und dann ist der Moment, wo bei mir das erste Mal wirklich die Kinnlade runtergefallen ist, wenn wir sie sehen und sie leckt dann ihre Genitalien. Da ist die erste Kinnlade runter. Und dann zieht sie ihr Fell aus und hat darunter ein Kostüm mit einem anderen Fell darunter. What the fuck? Und dann frisst sie die Mäuse, die Kinderköpfe haben.
Johannes Franke: Es ist so verstörend, plor. Dann haben die Mäuse auch noch und dann, und dann, und das sieht so alles schon so schrecklich aus.
Florian Bayer: Und wir saßen da zu zweit vor dem Film und ich habe rüber geguckt, meine, Karin hat mitgeguckt. Die kannte das Musical so ein bisschen, die hatte überhaupt keinen Bock auf den Film. Ich habe ihr gesagt, wir müssen Cats gucken und jeden Tag, wenn ich das gesagt habe, hat sie gesagt, können wir das nicht mehr machen. Hintergrund, offensichtlich haben die, die Armen, das Musical in der Schule gemacht. Und sie meinte, sie kennt die ganzen Songs, weil die hatten im Musikunterricht wohl ein halbes Jahr lang, hat sie ihr Lehrer mit Andrew Lloyd Webber gequält. Oh, ist das hart. Und dann mussten sie die Songs angucken und wahrscheinlich auch die Struktur analysieren und so. Ja. Wir saßen da beide vor dem Fernseher und ich habe sie dann angeschaut beim zweiten Lied und gefragt, und das geht jetzt die ganze Zeit so weiter? Und sie meinte, ja.
Johannes Franke: Ja, ja, da kommt nicht mehr viel. Dann sind wir ja aber eigentlich auch schon, weil die Story ist jetzt auch schnell durch. Ja, aber ganz kurz nochmal, es sind diese Jellicle Cats stehen im Zentrum. Und dieses Jellicle... Was zur Hölle sind Jellicle Cats? Die ganze Zeit frage ich mich das und ich habe es natürlich recherchiert, aber es ist so, what the fuck? Andrew sagte, alle Katzen sind Jellicle Cats, ne? None|Was? Dabei hat doch T.S. Eliot hier eigentlich gesagt, dass es eine bestimmte Katzenart ist, eine fiktive. Oder? Ja. So, eine Gruppe von Katzen. Und Andrew Lloyd Webber haut da alle Katzen im Grunde rein, weil bei T.S. Eliot sind es bestimmte schwarze Katzen, glaube ich. Die einfach irgendwie eine bestimmte Fellfärbung haben, glaube ich. Und Andrew Lloyd Webber macht da mehr oder weniger so eine Gang draus, ne? Jellicle, die sind jetzt alle Jellicle und am Ende ist Victoria auch Jellicle, weil sie dann doch zur Gruppe gehört.
Florian Bayer: Ihr Plot ist es irgendwie, sie will in der Gruppe aufgenommen werden. Ja. Aber es ist nicht nur faszinierend, was diese Gruppe ist, sondern auch, was die will. Die wollen ja diese Erneuerung. Einmal im Jahr treffen sie sich und diese Old Deuteronomy gibt ihnen ein neues Leben. Einer ausgewählten Katze wird ein neues Leben geschenkt. Und es wird nicht ganz klar, worum es geht. Also ich habe eigentlich die ganze Zeit darauf gewartet, dass die in so einem satanischen Retour alle mal ausgeopfert werden. Das hätte zu dem Look and Feel des Films gepasst. Offensichtlich geht es darum, die Katze, die ein neues Leben kriegt, geht ins Jenseits.
Johannes Franke: Ja, das ist es. Es gibt auch einen Begriff dafür, den ich jetzt in meinen ganzen Notizen nicht finden werde, der verdächtig nach Heaven klingt. Ja. Also es ist einfach wirklich, die stirbt da. Und ich frage mich, Andrew, was ist falsch mit dir? Und warum wollen die das alle?
Florian Bayer: Was für eine Phase deines Lebens warst du und hast du dich an professionelle Hilfe gewandt? Weil diese Katzen haben ja eigentlich ein ganz geiles Leben alle. Also wenn wir uns das anschauen, diese Jenny Anidot hat gemütlich und kann ordentlich fressen die ganze Zeit. Der Rum Tum Tucker, ey, ich habe mir die Namen nicht ausgedacht, ist, oh Gott, James Corden. Ist nicht Rum Tum Tucker, aber ich habe da gerade stehen, oh, James Corden, why? Der hat auf jeden Fall, das ist der Rock'n'Roll-Karte, der ganz viel Sex hat und ganz viele andere Katzen, die auf ihm stehen. Sex spielt natürlich keine Rolle. Nein. Dann Bustopher Jones, oh Gott, James Corden, warum? Ist dieser entspannte, dieser Dandy-Londoner, der in den Clubs rumzieht. Das sind so alles, sie haben alle ganz coole Leben, ne? Wir haben die, die Chaos verursachen. Wir haben eigentlich nur eine unglückliche Katze unter den allen, ne?
Johannes Franke: Ja, und das ist die, die Memories sinkt am Ende, weil sie sie rausgeschmissen haben aus ihrer Gruppe. Theresa Bella. Dann sind wir im Grunde ja schon so ein bisschen in, was sind die großen Problemfelder dieses Films? Ja. Und die großen Problemfelder sind natürlich auch, also zum einen die Geschichte natürlich, aber auch das CGI. Und da müssen wir echt mal kurz drüber reden. Floor, das tut mir so wahnsinnig leid. Und ich will erstmal noch nicht erklären, wessen Schuld das ist. Ja. Ich will erstmal einmal feststellen, es ist totale Scheiße. Ja. Und es ist nicht nur, dass die Katzen scheiße aussehen, sondern alles drumherum sieht auch scheiße aus, was sie im Greenscreen hergestellt haben. Es geht einfach nicht. Also. Ich denke die ganze Zeit, ich bin im Videospielen.
Florian Bayer: Es ist tatsächlich, es ist handwerklich an ganz vielen Stellen einfach schlecht gemacht. Es gibt wirklich anamorphische Effekte mittendrin, die keinen Sinn ergeben und die einfach aussehen, als wäre da geschlampt worden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also es gibt wirklich, es gibt einfach die, die Animationen auf den Gesichtern passen teilweise nicht zu den Bewegungen, die sonst stattfinden. Das heißt, du hast teilweise so einen Warp-Effekt, dass du das Gefühl hast, ein Gesicht tritt so ein bisschen aus dem Kopf heraus.
Johannes Franke: Das ist ja die ganze Zeit gedacht, gleich macht es so einen Glitch-Effekt wie so Videospielen und gleich tritt irgendwie das Gesicht aus dem Körper raus und macht irgendwelchen Scheiß.
Florian Bayer: Du rechnest die ganze Zeit damit, dass es wegglitscht, einfach weil, weil es halt, es ist nicht so, es ist halt nicht so, dass es komplett kaputt geht, aber du merkst, das ist extrem fragil, was da gebaut wurde und das kann jederzeit in sich zusammenstürzen und ich kann mir nur vorstellen, wie da am Schluss nochmal die, die Whistle-Effekt-Artists gesessen haben und nochmal so vorsichtig an Reglern geschoben haben, dass das Gesicht zumindest nicht so als zweidimensionale Fläche sich neben den Kopf schiebt.
Johannes Franke: Und du kennst doch diese Deepfake-Videos. Genau, ja. Und dann hatten wir auch, das ist genau das gleiche, die ersten Deepfake-Videos und auch heute noch Deepfake-Videos, die irgendwie, naja, wo du denkst, oh, es sieht echt gruselig aus, weil es irgendwie stimmt es nicht, aber es ist irgendwie, man weiß genau, was gemeint ist und was es sein soll, aber irgendwie ist es so ein, das ist halt dieses Uncanny Valley. Ja. Vielleicht sollten wir einfach mal in unsere Top 3 reingehen. Vielleicht sollten wir erst mal unser Lexikon aufmachen. Genau, wir sollten unser Lexikon aufmachen für unser Uncanny Valley. Das muss man sehen. Lexikon. So, Uncanny Valley. Oh, meine Güte. Das ist ein ganz großes Problem im Film. Ja. Aber eigentlich kommt Uncanny Valley ja von einem anderen Bereich. Die ganze Roboter-Geschichte ist ja der Ursprung. Es gab diesen Typen, Masahiro Mori, der so eine Grafik erstellt hat, der hat irgendwie mit Robotern gearbeitet und hat festgestellt, je menschenähnlicher ein Roboter ist, umso positiver reagieren die Menschen auf den Roboter. Allerdings gibt das so einen Punkt, an dem es kippt. Wenn ein Roboter plötzlich ein Gesicht und Haut und so bekommt und einem Menschen zu ähnlich wird, aber eben nicht ähnlich genug, also nicht exakt ist, dann fangen die Leute an, sich zu gruseln und sagen, um Gottes Willen, sowas hole ich mir nicht ins Haus. Und dann hat er so eine Grafik erstellt, bis dahinter funktioniert es, dann fällt es ab und wird ein Problem.
Florian Bayer: Das ist ein Effekt, den man im Alltag auch sehr gut beobachten kann. Wir sind sehr schnell dabei, Dinge zu akzeptieren als schön und mit Bewusstsein, wenn sie irgendwie ein niedliches Gesicht haben. Zum Beispiel, nimm irgendeinen staubsauber Roboter, dem zwei Augen aufgeklebt wurden, das finden wir voll niedlich. Ja, genau. Aber je menschlicher das Ding dann wird, es steigt tatsächlich zuerst mal, wir sagen, oh, sieht ja immer noch putzig aus, immer noch putzig, immer noch putzig. Und dann gibt es diesen komischen Moment, wo es uns zu ähnlich ist, aber dieses letzte bisschen fehlt und dann wird es unangenehm. Und das betrifft auch andere Dinge, zum Beispiel eine Hakenhand ist deutlich leichter zu akzeptieren als eine Prothese, eine Handprothese, die zum Beispiel deren Oberflächenstruktur der Haut nachempfunden ist. Weil wir sehen, das soll es sein, ist es aber eben nicht 100 Prozent. Und das ist, Uncanny Valley, um das noch einmal zu übersetzen, heißt eigentlich unheimliches Tal. Und dieses Tal kommt sehr spät, geht dann aber auch wirklich sehr tief und es gibt einen sehr krassen Moment der Verstörung. Und alles, was zu nah an uns dran ist, befindet sich in diesem Tal. Das muss gar nicht Robotik sein, das kann zum Beispiel auch sein, eine Leiche oder auch ein sehr entstellter Mensch. Ja, genau. Und dann geht es wieder steil nach oben, wenn wir einfach Menschen sehen, die menschliche Gesichter haben. Ja. Und es ist natürlich ein Phänomen, was vor allem im Animationsfilm eine große Rolle spielt. Ja. Und viele Animationsstudios dazu gebracht hat, gar nicht Realismus zu versuchen.
Johannes Franke: Sondern lieber im Comic zu bleiben. Ja. Es gibt diese legendäre Vorführung von Shrek, die Prinzessin, haben Kinder angefangen zu weinen und so, weil die einfach zu nah dran, aber eben nicht nah genug waren im Realismus. Und dann haben sie nach dieser Testvorführung einfach sie nochmal aufwendig sehr viel comichafter gemacht, als sie eigentlich war.
Florian Bayer: Aber es ist ja durchaus auch, es ist nicht ein unumstrittener Begriff. Man kann versuchen, da auch Ansätze zu finden, um zu sagen, naja, es ist vielleicht keine feste Größe. Wie wir es jetzt gerade definieren, wie es oft definiert wird, ist halt, als ob es diese feste Größe gäbe. Und es ist ganz klar, sobald du das siehst, was fremd wirkt, aber trotzdem nah, hast du den Effekt. Ja. Aber der kann sich ja durchaus von Kultur zu Kultur unterscheiden. Definitiv. Zum Beispiel, weil eine Kultur einen ganz anderen Umgang hat mit dem Tod, wie unsere westliche Kultur. Und das ist ganz wichtig zu betonen, dass wir es hier mit einem sehr heterogenen Feld zu tun haben. Dass es sein kann, dass was bei uns in unserer westlichen Kultur als Uncanny Valley auftritt, als störend wahrgenommen wird, dass es bei anderen Menschen mit einer anderen Sozialisation als total normal akzeptiert wird und umgekehrt.
Johannes Franke: Ja, und es ist ja auch von Mensch zu Mensch schon unterschiedlich. Also wenn, es gab die große Diskussion um Peter Cushing in Star Wars, wo wir schon zu unseren Listen kommen wahrscheinlich. Gleich. Aber weißt du, manche stört es, manche nicht. Ja. So ab einem bestimmten Punkt dieses Wiederaufsteigen in Richtung, das ist jetzt realistisch genug, da kann ich es wieder akzeptieren. Das ist halt unterschiedlich für jeden. Jeder nimmt es anders wahr.
Florian Bayer: Es könnte eine Generationenfrage auch sein, weil wir sind einfach in dieses CGI-Ding reingestolpert und auch in die Robotik. Da fällt es uns halt auch besonders auf.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist einfach, es ist glaube ich auch ein Feld, was noch nicht genug untersucht ist und was, wo es wirklich nochmal in der Zukunft spannende Erkenntnisse bestimmt gibt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil ich finde auch gerade so beim modernen Videospielen, habe ich oft das Gefühl, dass ich einfach beeindruckt bin, wenn es realistisch ist und wenn es näher an der Welt und an der Realität dran ist. Ja, da habe ich Probleme. Ich stolpere zum Beispiel bei Deepfake-Videos, stolpere ich nur ganz selten ins Uncanny Valley. Okay. Und ich habe das Gefühl, es hängt dann vor allem damit zusammen, wie gut das gemacht ist. Das heißt, die Qualität spielt eine ganz große Rolle, nicht unbedingt. Und das heißt, es ist beides sehr nah am Menschen dran. Das eine ist einfach ein bisschen schlechter gemacht und ich spüre dieses Unbehagen. Und das andere ist handwerklich gut gemacht und ich sage, hey, I'm fine with that.
Johannes Franke: Okay, dann schließen wir unser Lexikon einmal und öffnen dafür. Jingle. Das sind jetzt zwei Jingles, ne? Das eine ist das Schließen des einen und das andere ist das Öffnen des anderen.
Florian Bayer: Da kommt nur ein Jingle jetzt. Wir schließen nachher alles einmal. Weißt du, dass wir programmieren. Wir machen so mehrere Klammern ganz am Schluss. Wir dürfen nur keine vergessen. Okay. Sonst gibt es einen Error. Genau.
Johannes Franke: Top 3 Uncanny Valley Situationen im Film, in der Filmgeschichte.
Florian Bayer: Genau. Und wir, ich glaube, also ich habe keine positiven, also nicht, ich habe eine Platzierung ist bei mir so halb positiv konnotiert, weil sie tatsächlich unangenehm sein soll, glaube ich. Aber ansonsten kann ich nicht sagen, hey, das ist ein Film, der das sehr gut meistert. Also sowas habe ich in der Liste nicht, sondern ich habe eigentlich drei Dishonorable Positions.
Johannes Franke: Ja, genau. Ja, so in der Richtung dachte ich das auch. Wer muss anfangen?
Florian Bayer: Ich habe keine Mansions, keine Honorable Mansions. Du hast keine Honorable Mansions. Das heißt, wenn du welche hast, darfst du mit denen loslegen, dann würde ich danach meinen Platz 3 bringen.
Johannes Franke: Oh, fuck. Ja, ich habe schon Peter Cushing erwähnt. Ist der bei dir an der Liste? Nein. Okay. Ich fand alles, was Star Wars gemacht hat, total okay. Das ist halt das Ding. Und deswegen kommt er in eine Honorable Mention, weil ich habe es im Kino tatsächlich kaum gesehen. Während Maya damals erzählte, als sie das gesehen hatte, furchtbar schrecklich, kann er nicht machen, ganz gruselig. Und dann dachte ich, okay, ja, das ist so ein Teil von, okay, der eine sieht das mehr und der andere sieht das weniger.
Florian Bayer: Ich wusste es halt auch und ich habe es gesehen und ich wusste auch, dass darüber gesprochen wird. Ja. Und ich dachte nur so, wow, ich habe was viel Schlimmeres erwartet, das ist total okay. Ja, genau. Und ich fand Prinzessin Leia auch okay, die sie dann im ...
Johannes Franke: Aber das war ja später, da hatten sie ja auch ein bisschen Erfahrung dann noch.
Florian Bayer: Genau. Die sie in Rogue One hatten.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ich fand auch ... Also jetzt würden wir zu anderen Beispielen noch kommen, ich weiß nicht, ob du ... Hast du noch so was drin, so De-Aging? Achso, na gut, das wäre dann in meiner Liste drin.
Johannes Franke: Okay, dann will ich das nicht vorwegnehmen. Ja. Soll ich mit meinem Platz drei starten? Na, ich hätte noch den Hulk, der mal mehr und mal weniger gut ist, finde ich. Also das ist so Hit or Miss manchmal.
Florian Bayer: Hulk, also es gab diesen einen Hulk-Film, der vor dem großen Marvel-Universe war.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Der war ziemlich schlecht animiert, aber der hat bei mir auch keinen Uncanny Valley-Effekt ausgelöst, sondern einfach nur, oh, der ist aber schlecht animiert.
Johannes Franke: Genau, das ist so ein bisschen das Ding. Aber ich finde jetzt zum Beispiel bei Mark Ruffalo vor allem die Version, die er jetzt zwischendurch gespielt hat, wo er der Doktor und Hulk gleichzeitig ist, das ein bisschen fand ich schwierig.
Florian Bayer: Fand ich auch nicht schwierig, fand ich okay. Also fand ich jetzt nicht besonders doll gemacht, dass ich Luftsprünge machen würde, aber es hat bei mir eben nicht dieses Unbehagen ausgelöst.
Johannes Franke: Ja, bei manchen schaut's halt, wo man das Gefühl hat, okay, da ist irgendwie der letzte Meter nicht gegangen worden, um das hinzukriegen.
Florian Bayer: Wenn ich so drüber gucke, über das, was allgemein diskutiert wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten zum Thema Uncanny Valley, scheint ich sowieso nicht ganz so empfänglich dafür zu sein, also dieses Unbehagen zu empfinden. Ich sehe dann was und denke, oh, das ist aber nicht so gut animiert oder oh, das hätten sie vielleicht besser weniger realistisch gemacht. Aber es ist nicht so, dass es in mir eine Form von Unwohlsein, Unbehagen oder Angst sogar auslöst.
Johannes Franke: Also Angst ist auch zu viel gesagt, aber ich kenne dieses Unbehagen sehr gut. Also dieses Hilfe. Also da wäre noch Sonic the Hedgehog zu nennen. Den Originalen mit den Zähnen. Ja, als sie den Trailer rausgehauen haben und dann alle gesagt haben, um Gottes Willen, was macht ihr da?
Florian Bayer: Der sah einfach nur schlecht aus. Oh wow, sah der schlecht aus. Und das haben sie ja ganz gut gerettet. Dann haben sie gesagt, okay, wir machen jetzt einmal Überstunden und dann wird das schon so irgendwie. Und das ist okay, was dann dabei rausgekommen ist.
Johannes Franke: Und lustigerweise ist das die Firma, die auch hier für das hier verantwortlich ist. Dazu müssen wir gleich kommen. Wir müssen gleich noch ein bisschen die Ehre von den CGI-Artists retten. Genau, machen wir dann noch.
Florian Bayer: Okay, also dein Platz drei für... Ein Platz drei an Kenny Whaley aus dem Jahr 1994 Junior mit Arnold Schwarzenegger. Arnold Schwarzenegger spielt ein Mann, ein Wissenschaftler, der schwanger wird. Das ist eine total alberne Komödie und das ist ein wirklich schlechter Film. Zusammen mit Danny DeVito, mit dem er damals ja gerne Komödien gedreht hat. Ja. Und er wird halt schwanger, um ein Kind zur Welt zu bringen. Und er hat irgendwann einen Traum, wo er träumt, dass das Kind auf die Welt kommt und er das Kind im Arm hat. Und dann hat das sein Gesicht, sein erwachsenes Gesicht. Ach du Scheiße. Papa! Und das ist wirklich, also das soll auch ein Albtraum sein, das ist aber auch wirklich schlecht gemacht, weil sie einfach das erwachsene Gesicht von Arnold Schwarzenegger auf diesem Baby-Cover geflanscht haben. Und es sieht wirklich schlimm aus und du siehst dieses Bild und du wirst es nicht so schnell los. Das ist ein Albtraum-Baby.
Johannes Franke: Autsch. Okay. Okay. Ja, mein Platz zwei wäre The Curious Case of Benjamin Button. Was wirklich schwierig war. Ja, schwierig. Und ich habe den Film tatsächlich nicht geguckt dann. Also ich habe mir das wirklich ausschnittsweise angeschaut und habe dann gedacht, das halte ich nicht durch, den ganzen Film.
Florian Bayer: Den muss man auch nicht unbedingt sehen. Das ist auch kein guter Film, auch unabhängig von dem wirklich misslungenen CGI.
Johannes Franke: Ich habe die Kurzgeschichte gehört als Hörbuch und ich fand die eigentlich ganz nett. Und deswegen dachte ich, ja, vielleicht könnte es doch ein guter Film werden, aber... Das ist auch so ein Oscar-Bate-Film.
Florian Bayer: Er schreit so, ich erzähle ein großes historisches, quasi historisches Drama und es geht um Liebe und es geht um das Älterwerden und bla, bla, bla.
Johannes Franke: Ich will einen Oscar. Ja, ja. Tja. Ja, das war auf jeden Fall schwierig. Wer es nicht weiß, die Hauptfigur altert rückwärts, also wird alt geboren und stirbt jung, während der Rest der Welt in die korrekte Richtung altert.
Florian Bayer: Und dann haben sie einiges mit Brad Pitt's Gesicht gemacht, der den Protagonisten spielt, um ihn halt in seinen verschiedenen Lebensphasen zu zeigen, eben auch als ganz alten Kreis, der eigentlich ein Kind ist.
Johannes Franke: Und die haben sich so gefeiert teilweise und ich habe gedacht, hä, wieso? Wie kann das denn sein? Ich fand es irgendwie, öh, öh. Ja, genau.
Florian Bayer: Dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist die einzige lobenswerte Nennung in dieser Liste. Und zwar Anomalisa von Charlie Kaufman, den ich schon mal erwähnt habe. Ja. Ein Animationsfilm von Kaufman, wo es darum geht, dass ein Mann, der ist Autor und der fährt zu einer Autorenlesung und ist dann im Hotel. Und für ihn sehen alle Menschen gleich aus. Also es ist ein Animationsfilm.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Für ihn sehen, haben alle Menschen das gleiche Gesicht, egal ob Mann oder Frau oder Kind und er kommt darauf einfach nicht klar. Und dann gibt es eben diese eine Frau, diese Lisa, die er kennenlernt, die als einzige ein eigenständiges, individuelles Gesicht hat. Oh. Und der Film ist wirklich unangenehm, weil er die ganze Zeit eben durch diese Menschenmassen geht und die ganze Zeit konfrontiert ist mit diesen Leuten, die alle gleich aussehen und gleich reden. Oh, wow. Und es ist jetzt nicht eine hyperrealistische Animation, die da gezeigt wird, aber es ist trotzdem eine Animation, die das Uncanny Welly ausnutzt, um eben so ein Unbehagen beim Zuschauer zu evozieren. Und es funktioniert hervorragend und es passt total gut zu dieser Geschichte und die Geschichte kriegt dann nochmal einen ganz düsteren und ganz tragischen Twist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es ist wirklich ein hart zu konsumierender Film, der auch hart zu konsumieren sein will. Und dazu gehört eben, dass er sich ganz tief in dieses Tal hineinbegibt. Na okay, verstehe.
Johannes Franke: Na cool. Dann hat man das wenigstens mal im Positiven ausgenutzt. Bei mir wäre Platz zwei dann Alice in Wonderland. Und zwar sowohl Helena Bonham Carter mit ihrem viel zu großen Kopf für ihren Körper. Das soll natürlich so sein, aber es ist irgendwie... Äh, äh, äh, äh, geh weg. Ähm, und Tweedledum und Tweedledee auch genauso. Diese Zwillinge, die da von, von, ähm, hab den Namen gerade nicht parat. Verdammt. Ich mag ihn eigentlich ganz gerne. Ähm, der von, äh, Little Britain. Naja, äh, auf jeden Fall sind das so, äh, doch eher, weiß nicht, das ist CGI-mäßig so gewollt, aber weiß nicht, nee, das hat mich ein kleines bisschen verstört. Deswegen finde ich den Film auch irgendwie nicht ganz so gut, wie, wie ich gehofft hatte. Und es ist, naja, ich hätte ihn eigentlich gerne mögen wollen. Ja. Ja, es ist so, Tim Burton, nein.
Florian Bayer: Ja, schade. Ich hab ihn nicht geguckt. Ja, das darf ich nicht. Es gehört zu der Reihe Tim Burton-Filme, auf die ich dann schon keine Lust mehr hatte. Mhm, ja. Und die Bilder haben mir auch gereicht, gerade die von der kleinen Helena Bonham Carter.
Johannes Franke: Ja, ist irgendwie seltsam. Ja, und Johnny Depp als Hutmacher, äh, musste ich mir natürlich anschauen und ich, ich mochte ihn eigentlich auch ganz gerne, aber eine Spur zu, zu dolle alles. Irgendwie. Naja.
Florian Bayer: Mein Platz eins. Mhm. Und jetzt kommen wir wirklich zu etwas, was mir Angst macht und was keine Angst machen sollen, was unangenehm ist, so anzuschauen. Thomas und seine Freunde. Thomas, die kleine Lokomotive, die CGI-Version. Oh. Eine animierte 3D-Animationsserie für Kinder. Mhm. Mit einem Zug, der einen Menschenkopf vorne hat. Mhm. Der auch ein bisschen Mimik hat. Ja. Hast du ein Bild im Kopf davon?
Johannes Franke: Ich hab ein Bild im Kopf davon, ja.
Florian Bayer: Auf so einem grauen Untergrund und der hat auch ein bisschen Mimik, aber er redet und teilweise in alten Folgen redet er ohne die Lippen zu bewegen. Es ist einfach nur spooky. Es ist richtig unheimlich unangenehm. Ich bin so froh, dass mein Kind diese Serie nie gucken wollte und nie groß geguckt hat. Okay. Es ist wirklich unangenehm, widerlich und es löst mir totales Unbehagen aus, wenn ich diese Bilder sehe. Diese schreckliche Lokomotive.
Johannes Franke: Richtig, für Kinder richtig schlimm. Also ich meine, das ist ja dann traumatös.
Florian Bayer: Offensichtlich gibt es genug Kinder, die darauf abfahren. Und das Ding läuft ja schon seit Jahrzehnten und ist voll erfolgreich. Oh Gott. Es ist eine britische Serie, die seit 1984 läuft. Mhm. Und ich kenne halt nur diese animierte Zeug davon. Ich weiß gar nicht, wie die das früher gemacht haben. Ich will es auch gar nicht so genau wissen.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich besser. Weil nur erst durch CGI ja dann irgendwie echt teilweise verstärkt.
Florian Bayer: Ja, kann sein. Ich weiß nicht, wenn die Ästhetik von CGI orientiert ist an dem Stop Motion oder was auch immer, was sie gemacht haben. Es ist einfach, es ist echt schrecklich.
Johannes Franke: Okay. Es ist nicht schön. Na gut. Und klare Empfehlung, da nicht reinzuschauen. Ja, definitiv. Okay, ich hätte meinen Platz 1 und zwar Harry Potter. Da gibt es diese Szene, wo es Quarrel oder wer heißt Quarrel? Quarrel? Quarrel. Auf dem Hinterkopf, Voldemort dann hat, als er seinen Torban da abholt in dieser Szene da unten. Ja. Ich habe mir das, als ich es gelesen habe, schon so ein bisschen schwierig vorgestellt umzusetzen. Ich habe gedacht, okay, wie wollen sie das, wie werden sie das wohl machen? Und dann war das auch einfach schlecht. Es war einfach nicht, es war so, äh, äh, äh, äh, nein. Das stimmte irgendwie überhaupt nicht.
Florian Bayer: Interessant, dass du das so negativ wahrgenommen hast. Also es ist natürlich eine gruselige Szene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und die soll ja auch gruselig sein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist es, Animation von den frühen 2000er Jahren, mit nicht ganz so viel Budget wie die späteren Harry Potter Filme haben sollten. Ja, ja. Aber ich fand es dafür okay. Weiß nicht, nee, nee, irgendwie, nee. Also es ist keine gute, keine gute CGI. Es ist einfach nicht auf dem Niveau von dem, was man heute sieht und was Harry Potter Filme später gemacht haben.
Johannes Franke: Aber das ist ja generell, das ist in Ordnung. Aber, also ich finde es auch in Ordnung, wenn mal eine CGI schlecht ist. Aber dieses Uncanny Valley, was ich da wirklich gespürt habe, das war, mhm.
Florian Bayer: Ja. Es ist vor allem krass, weil, ähm, der Herr der Ringe Film zum Beispiel war früher und was die mit Gollum gemacht haben.
Johannes Franke: Ja. Das funktioniert auch heute noch, ne? Das funktioniert heute noch, obwohl du natürlich trotzdem siehst, das ist älter, aber, aber du kommst damit klar. Ja. Du kannst da gut reinsteigen trotzdem.
Florian Bayer: Vielleicht auch, weil sie es da auch so ein bisschen nutzen. Es gibt diese eine Szene, die wirklich toll ist, wo die, ähm, Entstehung von Gollum erzählt wird. Mhm. Wo Smirgol so im Zeitraffer erzählt wird, wie er davon gejagt wird von den anderen Hobbits, weil er einen Hobbit getötet hat und wie er sich dann die Berge zurückzieht. Und dann gibt es eine Szene, wo er in die Kamera blickt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und wir sehen noch den, ähm, den Schauspieler mit Maske. Und dann gibt es diesen Wechsel zum CGI. Und wir wissen, jetzt ist Gollum geboren worden. Das heißt, dieser Gollum, diese Figur ist auch ganz klar verknüpft mit, mit diesem CGI-Look. Ja. Und das ist ganz hervorragend gemacht und das löst natürlich so ein leichtes Uncanny Valley aus, wo du plötzlich siehst, oh, jetzt ist das menschliche Gesicht komplett weg.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Aber genau dadurch hat es eben auch eine gewisse Stärke. Vielleicht auch ein Beispiel für einen Film, der das Prinzip des Uncanny Valley nutzt, um was zu erzählen, um was über eine Figur zu erzählen. Jetzt hat sie ihre Menschlichkeit verloren. Jetzt ist sie einfach nur noch Monstrum. Stimmt, nicht schlecht. Noch nicht so gesehen.
Johannes Franke: Ja, retten wir die Ehre der Wechsel-Effekt-Artist. Wir schließen erst einmal unsere Top 3. Wir müssen zumachen, ja. Und dann schließen wir unser Lexikon. Klammer, Klammer, bitte. Das war unsere Top 3. Das war, das muss man sehen, Lexikon. Sehr schön. Okay. So, kommen wir zum CGI. Wir müssen aber wenigstens kurz sagen, dieses Uncanny Valley ist wirklich massiv. Und zwar bei fast allen Katzen, aber es gibt immer mal wieder eine Katze, wo ich denke, ich finde, wenn McCavity das erste Mal auftritt, kann ich ihm das abnehmen. Weil A sitzt ja viel im Dunkeln und B hat er was an. Er hat diesen Mantel an und hat auch irgendwas auf dem Kopf, diesen Hut. Und dann, da komme ich voll mit klar und er hat auch mehr Haare im Gesicht als die anderen. Und ich habe generell das Gefühl, sobald du denen ein bisschen mehr Facial Hair gibst, funktioniert es viel besser. Weil du irgendwie einen Realismus nochmal irgendwo auftauchen lässt, wenn das am Set gemacht wurde. Wenn du eine Prostetik auf dem Gesicht hast, so ein Schnurrbart oder wenn du irgendwas anderes. Und das wollte halt unser Regisseur, dem ich ganz viel vorwerfe, eben nicht. Der hat ganz viel rumprobiert mit Prostetiks und das hat er dann gelassen. Aber ich glaube, er hätte es mehr machen sollen.
Florian Bayer: Ja, Tom Hooper war da so irgendwann sehr festgefahren, hat gemeint, er kann mit den Prothesen, er kann einfach nicht diesen Look erreichen, den er will. Und er kann nicht die Flexibilität erreichen.
Johannes Franke: Ja, vor allem hat er auch gesagt, dass die Emotionalität der Figuren weggeht.
Florian Bayer: Ich finde, es gibt tatsächlich, es ist nicht alles schlecht, was an CGI da passiert. McCavity hast du gerade als positives Beispiel erwähnt, würde ich auch direkt unterstreichen. Ich finde, was sie mit Ian McKellen machen, also nicht, was er spielt. Was er singen muss und so, sondern seine Maske, also seine CGI, finde ich, funktioniert auch.
Johannes Franke: Ja, genau, finde ich auch.
Florian Bayer: Das ist auch, obwohl es diese Schwächen gibt, obwohl es diese wirklichen Fehler gibt in den Gesichtern, finde ich, die Gesichter sind gar nicht unbedingt das große Problem. Ich finde die Körper viel problematischer.
Johannes Franke: Ich kann mich nicht entscheiden, Flo. Es ist einfach alles scheiße, es ist wirklich schlimm. Und wenn McCavity dann nicht mehr das trägt, was er getragen hat vorher und da in dieser Tanzszene ist, ist es ganz schlimm, also richtig schlimm. Wenn er dann als dunkler Kater da in der Gegend rum tanzt und es sieht echt übel aus, ganz, ganz übel. Also es geht einfach gar nicht. Und manchmal haben sie irgendwie, zum einen, warum haben die Bubis, warum haben sie Furry-Bubis, die Katzen? Ja. Was soll das? Ich verstehe es auch nicht.
Florian Bayer: Das ist so eine merkwürdige Mischung aus Keuch und Erotisch. Ja. Aber das ist ja auch alles, das ist ja alles. Nicht in der Kassenwelt, sondern in der Menschenwelt und das ist so, äh. Das ist ja alles die Ästhetik des Musicals auch. Also ich meine, wir können jetzt viel über ästhetische Entscheidungen lästern, aber was das Musical macht, ist dasselbe mit Schminke und mit Kostümen.
Johannes Franke: Ja, aber du kannst auf der Bühne die Bubis nicht so gut weg, damit musst du leben, aber du kannst, wenn du CGI hast, kannst du die auch wegretuschieren, in Anführungsstrichen.
Florian Bayer: Ja, aber haben sie ja mit den Genitalien auch gemacht. Aber dann willst du dem Geist der Vorlage gerecht werden und der Geist der Vorlage ist, wir haben Bubis. Ja, aber nein, nein. Und der Geist der Vorlage ist, wir haben merkwürdig geschminkte Menschengesichter, wir haben Menschenkörper und die kriegen jetzt einmal Felle und dann tanzen sie Lasifit Katzen und lecken sich die Pfoten und lecken sich die Genitalien. Das macht die Vorlage auch. Wenn wir ästhetisch daran rummeckern, dann müssen wir die ganze Zeit über die Vorlage meckern.
Johannes Franke: Na, aber die Vorlage kann es ja nicht anders machen. Du hast nur mal eine Frau auf der Bühne, die hat Brüste. Ja, was mich zu dem Punkt bringt, warum gibt es diese Vorlage? Egal, du kannst doch aber trotzdem, wenn du einen Spin-off machst oder irgendwas verändern, der Film hat ja auch andere Veränderungen vorgenommen. Und warum hat er nicht ausgerechnet da nochmal gesagt, wir ändern das?
Florian Bayer: Wenn dein Argument beim Kunstwerk ist, es geht nicht anders als scheiße, dann solltest du das Kunstwerk nicht machen. Dann ist es vielleicht einfach, dann solltest du vielleicht einfach die Hand davon lassen, Katzen auf der Straße und, oh Gott, ich kann es nicht mal wiederholen.
Johannes Franke: Aber stell dir vor, unser Regisseur hier, Hooper, Tom Hooper, Musical, Oscar prämiert. Ja, also Les Miserables war ja super. Nicht gesehen? Also ich fand diese eine Szene von ihr einfach wahnsinnig stark. Den Rest weiß ich gar nicht, erinnere mich fast gar nicht mehr. Aber fand ich gut. Und er hat ja auch, was hat er noch, er hat auch diesen anderen Film, was war das, den ich auch gut fand? Äh, fuck, warum habe ich es mir nicht aufgeschrieben? Warum schreibe ich mir sowas hin auf? King's Speech. The King's Speech, das ist ein super Film, ganz großartig. Und man kann, er weiß ja um künstlerische Freiheit, die er sich nehmen kann. Warum kann er nicht im richtigen, entscheidenden Moment bei Katz mal sagen, die laufen nicht alle auf allen Vieren oder mal auf allen Zweien und wir können kein Konzept entdecken. Und wir wissen, wir entscheiden uns mal, dass die entweder Schuhe tragen oder nicht Schuhe tragen oder dass sie Kleidung tragen oder nicht Kleidung tragen, ohne dass ein Konzept dahinter steckt. Aber das ist doch bei Musical genauso. Das ist mir doch egal.
Florian Bayer: Mach doch einen guten Film. Die ganzen Schwächen dieses Films beruhen, glaube ich, auf den Schwächen der Vorlage.
Johannes Franke: Ist mir echt egal. Es ist mir so wurscht. Ich triff die richtigen Entscheidungen für diesen Film. Du machst einen Film und keine Stage-Inszenierung.
Florian Bayer: Er hat auf jeden Fall die Ehre, zu den wenigen zu gehören, die sowohl als Oscar, für einen Oscar nominiert wurden und sogar einen Oscar gewonnen haben, als auch eine goldene Himbeere. Es ist unglaublich. Es ist so geil. Aber diesen schönen Tweet, also es gibt sowieso tolle Rezensionen zu Katz. Ja.
Johannes Franke: Aber das musst du erst mal schaffen, ne? Also ich glaube, Tom Hooper kann schon auch ein kleines bisschen mit Stolz zwischen diesen beiden Trophäen stehen. None|Ja.
Florian Bayer: Ich hoffe, er hat sie zu Hause in seinem Klo stehen. Eine links, eine rechts. So würde ich das machen. Das wäre so geil.
Johannes Franke: Oh Mann. Ja, aber ich finde halt wirklich, wenn man schon so einen Film macht, dann muss man die richtigen Entscheidungen dafür treffen, dass es wirklich für einen Film funktioniert. Was wären denn die richtigen Entscheidungen gewesen? Zum einen, dass die nicht so creepy in der Gegend rumkrabbeln, die Menschen. Das funktioniert nicht. Das sind Menschen. Eindeutig Menschen. Also kannst du, wenn du vermenschlichte Katzen hast, kannst du diesen Katzen nicht, das geht nicht im Film. Auf der Bühne funktioniert das irgendwie, aber im Film funktioniert das nicht. Es sieht schrecklich aus. Ganz furchtbar.
Florian Bayer: Das Argument für die Bühne ist die ganze Zeit, dass es auf der Bühne funktioniert hat, aber es ist auf der Bühne genauso schrecklich. Es ist genau derselbe Scheiß. Sie reiben sich auf der Bühne auch aneinander mit ihren nicht vorhandenen Genitalien. Die haben welche. Die haben welche. Aber wir sehen sie nicht. Ich wollte gerade sagen, ich habe da nichts rumschwingen sehen. Und so nah wie die Kamera da teilweise rangegangen ist, hätten wir es alle sehen müssen. Beharrt. Mit Widerhaken.
Johannes Franke: Ja, mit Widerhaken. Also. Also der Film muss einfach eigenständig als Film funktionieren und nicht als Theaterstück. Und wenn es beim Theaterstück schon nicht funktioniert, geschenkt mir egal. Er muss doch den Fehler nicht wiederholen. Er kann es doch auch besser machen einfach. Und dann muss man gucken, dass die Choreografie und auch als, ich gucke als ehemaliger Tänzer und als Liebhaber von Tanzfilmen, es tut mir so weh. Nee, die Choreografien sind nicht gut. Und der Schnitt macht jede Choreografie kaputt.
Florian Bayer: Springen wir nochmal ganz kurz zurück zu den Whistle-Effekt-Artists. Ja, bitte, bitte. Ich wollte ganz kurz einmal die Arbeit der Whistle-Effekt-Artists zumindest ein bisschen rechtfertigen. Definitiv. Weil die haben echt viel Dreck abgekriegt. Jeder hat sich drüber lustig gemacht. Ja. Und es gab ja sogar Schauspieler aus dem Film, zum Beispiel James Corden und, wie heißt sie, die die Gumpy Cat spielt. Rebel Wilson. Rebel Wilson auf der Bühne, die dann Witze über die Whistle-Effekt-Artists machen, was echt mies ist, weil die wurden scheiße behandelt. Die mussten Überstunden machen ohne Ende.
Johannes Franke: Ich fand die Witze von den beiden nicht schlimm. Ich finde aber auch, dass man auf jeden Fall würdigen muss, dass diese armen Visual Effects-Leute 80 bis 90 Stunden die Woche teilweise unter ihrem Schreibtisch geschlafen haben, um morgens wieder aufzuwachen.
Florian Bayer: Die haben 80 bis 90 Stunden pro Woche gearbeitet. Es ist schrecklich gewesen. Die wurden wie der letzte Dreck behandelt. Tupa hat die offensichtlich angeschrien während irgendwelcher Konferenzen und hat sie nicht vernünftig arbeiten lassen, hat ständig Änderungswünsche gebracht. Bei einem Projekt, das von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil es ist, weil es sind wir ehrlich, mit diesem Konzept, mit diesem ästhetischen Konzept kriegst du keine gute Optik hin. Da kannst du noch so lange dran rumdocken dann. Ich glaube, das wird nicht funktionieren so. Doch, mit doppelt so viel Zeit hättest du es schon hingekriegt. Aber es hätte immer noch scheiße ausgesehen. Es wäre immer noch ein Uncanny Welly gewesen, es wären immer noch Katzen gewesen, die sich, Menschen in Katzen-CGI-Kostümen, die, warum trinken sie aus Wasserbottichen und schlabbern da mit ihrer Zunge und warum müssen sie ständig miauen? Ich denke mir die ganze Zeit, Ian McKellen, du armerst, tut mir so leid, tust nicht, lass es. Die hatten kaum Zeit, das Ding fertig zu kriegen, die waren ständig unter Zeit rum. Das kann man wirklich, in so einem Fall, finde ich, kann man das auch total auf die Produktion schieben.
Johannes Franke: Und dann kommt dieser Regisseur und sagt jedes Mal, ich will, dass ihr alles fertig animiert habt, bevor ich es mir anschaue und dann sage, dass es nicht geht. Genau. Und also der normale Prozess ist ja eigentlich, dass du als VFX-Haus dem Regisseur was vorstellst, was natürlich nicht fertig animiert ist, wo einfach das Fell fehlt und alles mögliche, sondern du hast ein Mock-Up. Das schaust du dir an als Regisseur und sagst, ja, die Bewegung stimmt, die möchte ich haben und da müsst ihr jetzt Fell drauf machen. Aber das hat offensichtlich unser Regisseur überhaupt nicht verstanden.
Florian Bayer: Nee, der hat es einfach nicht geschafft, technisch zu denken. Das habe ich ganz oft bei solchen Projekten, wo du irgendwas machst für jemanden. Ach so gruselig. Du willst nur die Struktur präsentieren und sagen, hier ist ein Mock-Up, so ist die Struktur. Und dann fangen die Leute an, über Schriftarten zu diskutieren und zu sagen, was ist denn mit der Farbe da? Und die Leute, ganz viele, ich glaube, das ist, glaube ich, echt eine Künstlerkrankheit, die können nicht konzeptuell denken, sondern die müssen immer das Ganze sehen. Aber das funktioniert. Hier hast du dich komplett in Diskussionen und du willst nicht über Pixel diskutieren, wenn du erstmal so ein Grundprinzip zeigen willst.
Johannes Franke: Genau. Und das hat er irgendwie nicht verstanden und nicht hingekriegt, weswegen halt die viel länger gebraucht haben auch. Und dann haben sie für den Trailer allein, wer zwei Minuten lang ist, fünf Monate gebraucht und hatten noch sechs Monate für die restlichen anderthalb Stunden des Films. Ja. Also, was willst du da machen? Das funktioniert natürlich überhaupt nicht. Die wurden fertig Stunden vor der Premiere.
Florian Bayer: Das war wirklich so auf den letzten Drücker nochmal hier und nochmal da. Nein, und sie wurden ja nicht fertig. Das kannst du ja nicht sagen. Nee, sie wurden nicht fertig. Sie haben halt gesagt, okay, das Beste, was wir jetzt noch bringen können, der Film muss laufen.
Johannes Franke: Ja. Und das finde ich völlig unverantwortlich, dann einen Termin festzulegen und zu sagen, so und bis dahin ist es jetzt fertig und alle wissen eigentlich, ist es völlig illusorisch. Ja. Und das ist ja echt... Beratungsresistent zu sein.
Florian Bayer: Eine Schwäche der Industrie gerade. Das sieht man auch ganz oft bei Videospielen. Deswegen gibt es diese Day-One-Patches ganz oft, wenn man sich ein neues Videospiel kauft. Mittlerweile ist es so, dass am Tag der Veröffentlichung kommt nochmal ein Download raus, wo du nochmal zwei Gig runterladen musst. Weil die Leute, die in diesem Feld arbeiten, unter enormem Zeitdruck stehen und wirklich krasse Sachen leisten müssen. Meistens zu wenig besetzt sind. Meistens von den Artists nebenbei angeschrien werden, weil ihnen irgendwas nicht passt. Und das ist wirklich eine Scheißarbeit gerade. Also ich würde mit niemandem von denen tauschen wollen. Und dann kriegst du natürlich den ganzen Ärger ab. Dann bist du der, der es irgendwie verbockt hat. Ja.
Johannes Franke: Und dann gab es auch noch dieses Butthole-Ding. Auf der Hälfte, als die Hälfte des Films fertig war, haben sie festgestellt, hat irgendjemand mal genauer hingeschaut und hat gesagt, diese Katze hat ein Butthole. Warum? Und dann hat irgendjemand, weil sie haben keine Buttholes bestellt. Auch ein schöner Satz. Aber irgendwie hat irgendjemand in dem VFX-Haus gedacht, naja, Katzen haben sowas, vielleicht sollten wir sowas einbauen. Recht hat er. Recht hat er. Und dann hieß es aber irgendwie auf der Hälfte der Strecke, das müsst ihr alles wieder rausretuschieren. Und dann hat irgendein armer Wurm die Aufgabe bekommen, überall wieder die Buttholes rauszuretuschieren. Und es ist, oh Gott, was ist das für eine Arbeit? Ich hoffe, der hat einen Orden bekommen.
Florian Bayer: Also Visual Effects, ja. Es ist einfach ein Desaster. Die Visual Effects von der Idee, von der ästhetischen Vorstellung über die Umsetzung bis hin zu dem Stress, den die Leute im Studio hatten. Es ist einfach ein Desaster.
Johannes Franke: Und dann kommt Tom, Entschuldigung, das muss ich noch sagen, dann kommt Tom Hooper und sagt, ja, jetzt will ich aber auch gerne, dass ihr mir mal Katzen zeigt, wie sie tanzen. Damit wir wissen, wie es aussieht. Ja. Wie jetzt? Katzen tanzen nicht? Und dann wollte der echte Katzen animiert haben, damit sie, was? Was? Wir haben hier gerade noch einen Zeitdruck von, weiß ich nicht, wir haben vielleicht noch ein paar Wochen Zeit und du willst jetzt tanzende Katzen? Was ist los?
Florian Bayer: Das kannst du einfach so nicht machen. Dann darfst du dir nicht so eine Deadline setzen, dann musst du dir am Anfang ein vernünftiges Konzept überlegen. Dann musst du mit dem arbeiten, was du am Anfang kriegst und sagen, okay, das ist noch ein Konzeptstadium, aber ich sehe, wo ihr hier hinwollt, lasst es uns vielleicht doch ein bisschen anders machen. Es ist einfach komplett schief gegangen. Der ganze Produktionsprozess war wahrscheinlich komplett toxisch und wahrscheinlich hat jeder gelitten, der daran beteiligt war. Vor allem die, die eben am wenigsten verdienen und die in ihren Studios sitzen und unter Zeitdruck so schnell wie möglich diese Animationen da reinhacken müssen. Du warst mit der Kamera auch unglücklich, sagst du.
Johannes Franke: Du hast vorhin, habe ich sowas gehört. Ganz unglücklich, ganz, ganz unglücklich. Aber vor allem, was die Tanzszenen betrifft, weil der Rest ist ja kaum Kameraarbeit, sondern eher die, also ich meine, ich will nicht dem armen Kameramann sagen, dass er eine schlechte Arbeit geleistet hat. Eigentlich nicht. Ich glaube, es ist eher der Schnitt, weil, weil als Kameramann hast du eigentlich auf grüne Wände gezielt und der Rest ist ja am Computer entstanden. Auch da hast du ja eine Kartrasch, die eigentlich am Computer entsteht. Ja. Da steht noch ein Stuhl in der Bar und da steht die Maschine mit der Milch oder so. Das ist so eigentlich eine Zusammenarbeit aus Kameramann und CGI-Menschen. Aber der Schnitt, du willst, du willst, du hast einen Tanzfilm und dann schneidest du ständig wild hin und her und zeigst nicht eine einzige Sequenz mal durchgängig, sodass du als Zuschauer überhaupt sehen kannst, was da getanzt wird. Du kannst überhaupt nicht beurteilen, ob es eine Choreografie ist oder ob die nur in der Gegend rumspringen. Und du kannst nicht beurteilen, was da überhaupt passiert. Also ich fand es ganz schrecklich. Und dann immer mal wieder so diese Nahen auf hauchende Katzen auf ein Miau. Und zwar von Menschen gemachtes Frrrr und so ein Menschen gemachtes Miau. Und du denkst dir, hä, hä, hä, nein.
Florian Bayer: Und du schämst dich jedes Mal, wenn du es hasst. Ja. Und du schämst dich vor allem, weil es so in den Fokus gerückt wird. Äh. Als ob sie ihren eigenen Film parodieren wollten. Ja, genau. Haben sie plötzlich diese Nahe von Ian McKellen. Oh. Müssen wir nochmal sagen, Sir Ian McKellen. Der große Schauspieler, der in die Kamera guckt und sagt Miau.
Johannes Franke: Furchtbar. Es ist hart. Schrecklich. Ganz, ganz schrecklich. Und das tat mir so weh. Und dann hat er aber seinen Song gehabt. Und er hat ihn kaum gesungen, sondern mehr gesprochen. Ja. Und das war die beste Entscheidung seines Lebens, glaube ich. Ja. Und er hat es richtig gut gemacht. Wir kommen gleich zu den positiven Sachen. Lass uns die positiven Sachen noch aufsparen. Ja, lass uns die positiven Sachen noch aufsparen. Der kleine Ausblick. Ähm. Ja, Kamera. Hast du irgendwelche, also was die Kamera betrifft? Ich finde es wahnsinnig schwer zu sagen, was Kamera ist und was.
Florian Bayer: Ich fand vor allem diese verstörenden Nahen extrem belastend dazwischen. Ja, okay. Immer wieder in den Tanzchoreografien. Ich fand die Tanzchoreografien tatsächlich vor allem langweilig. Was ich aber grundsätzlich bei Musicals oft habe. Ja. Ich habe das Gefühl, ganz oft wurde das ausgedehnt nochmal. Wo du denkst, okay, das ist jetzt wirklich ein endlos langer Tanz. Ja, genau. Das könnte echt gekürzt werden. Und das Problem bei dem Film ist natürlich, es ist Choreografie auf Choreografie, weil es passiert einfach nicht viel Handlung dazwischen. Ja. Es ist wirklich so, wir springen von Katze zu Katze und wie gesagt, dazwischen sind es One-Liner, die kurz die nächste Katze präsentieren.
Johannes Franke: Ja. Und dann diese Sexiness, die überhaupt nicht da reingehört, die so furchtbar.
Florian Bayer: Die überhaupt nicht sexy ist. Ich kann auch total verstehen, dass die Fellfreunde gesagt haben, nee, das ist es nicht. Ja, genau. Weil man kann sowas sexy inszenieren, aber der Film inszeniert das ja nicht wirklich sexy, sondern hat die ganze Zeit so diese verklemmte, angedeutete Sexualität, um irgendwie Erwachsene vielleicht ein bisschen zu erreichen.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht, aber um Kinder nicht zu verschrecken.
Florian Bayer: Der Film hat einen FSK ab Null, der sollte eine FSK ab, keine Ahnung was haben, nicht ab 18. Wie alt bin ich? Ich bin 39, ab 40 sollte der Film sein.
Johannes Franke: Jetzt ist echt, ja, also ich glaube, es ist einfach verstörend auf vielen Leveln und das ist halt ein bisschen das Ding. Und ich finde die Tanznummern eben einfach dafür, dass es eigentlich ein Tanzfilm und ein Gesangsfilm ist, einfach nicht gut. Die Gesangsnummern, was würdest du sagen zu der Qualität des Gesangs? Weil die wurden ja auch, wie bei Les Miserables auch schon, live aufgenommen und nicht vorher.
Florian Bayer: Also ich will jetzt nicht jedes Einzelnen beurteilen. Ich könnte jetzt so eine Liste wahrscheinlich machen, aber das will ich erstmal nicht, sondern die meisten Gesangsnummern fand ich schlecht. Und zwar nicht nur wegen der Gesangsleistung der singenden Katze, sondern auch, weil einfach die Songs nicht geil waren. Ich finde die Songs einfach schlecht. Es sind vielleicht zwei Songs dabei, die irgendwie okay sind. Ja. Also ich fand den Song über Macavity fand ich gut. Ja. Von Taylor Swift. Ja. Das war einfach ein guter Song.
Johannes Franke: Den haben sie aber auch neu geschrieben, glaube ich, oder? Weiß ich nicht. Ich glaube, das ist der, der neu geschrieben hat.
Florian Bayer: Ein Song ist neu dabei und ich glaube, das ist der. Ich fand den Mr. Miss Toffoli Song ganz okay, wenn er sieht, wenn er ganz am Ende, wenn er Old Deuteronomy zurückzaubert, die Magierkatze, das war so der Zweitbeste, song würde ich behaupten. Ja. Ja. Ich gehe davon mit. Und das fand ich einfach gut, weil es Ian McKellen war und weil er das irgendwie cool gemacht hat. Genau. Weil er irgendwie, er bewahrt sich tatsächlich Würde. Ja. Ich weiß nicht, wie er das macht bei diesem, also er verliert ganz oft seine Würde, weil er, wie gesagt, er miaut dann und dann schlabbert er mal an so einer Tränke und du denkst nur so, oh mein Gott, das ist so schrecklich. Ja. Aber während er singt, bewahrt er sich mehr Würde, als man in diesem ganzen Kontext erwarten könnte.
Johannes Franke: Ja. Und aus diesem Song hat er Sachen rausgeholt, einfach Momente und Sätze, wo man sagt, okay, da steckt wirklich was drin. Und das ist ja bei den meisten Musicals kaum zu erwarten, weil du hast ja keine Schauspieler auf der Bühne. Meistens hast du eher Leute, die spezialisiert auf Gesang und Tanz sind und nicht auf Schauspiel. Und das ist natürlich sehr schön zu sehen, wie er da aus dem ein oder anderen Satz, der vielleicht auch nicht die beste Tiefe hat, noch Tiefe rauszuholen. Nein, da ist keine Tiefe, die er rausholt. Er macht es mit Würde. Aber nicht mit Tiefe. Doch, doch, da ist auch noch Tiefe. Doch, doch, doch. Du musst nur sein Gesicht dann sehen. Sein Gesicht reicht genug, um da Tiefe zu sehen.
Florian Bayer: Und ja, Memory, ich verstehe halt irgendwie, dass das so ein Hit ist. Das ist halt irgendwie so eine Powerballade, bei der ich verstehen kann, dass sie Leute cool finden, weil sie ist auch catchy. Das ist tatsächlich neben dem McCavity-Song der einzige Song, der catchy ist. Und das bei einer Powerballade muss man auch erstmal hinkriegen. Ja. Aber es ist dann halt auch einfach, was meinen Musikgeschmack betrifft, es ist zu viel Pathos. Also es ist einfach kein Song, den ich mir anhören würde, wo ich sagen würde, oh, da schmilzt
Johannes Franke: mein Herz. Ja, überhaupt nicht. Aber das Geile fand ich halt, dass sie es geschafft hat, einen Spin reinzubringen. Und soweit ich das jetzt irgendwie mitbekommen habe, hat das sonst kaum jemand gemacht auf der Bühne mal, dass sie richtig pisst ist. Und nicht nur so traurig, sondern das, was ich auch immer als Schauspieler sage, wenn du nur traurig bist, dann bist du hoffnungslos. Das will kein Zuschauer fehlen. Aber das ist dieser Song eigentlich so. Das ist so scheiße. Und ich will keine Hoffnungslosigkeit. Wozu? Und das hat sie verstanden. Und das hat sie, sie ist richtig wütend streckenweise. Was ich richtig gut finde. Sehr gute Entscheidung.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich gut, dass die Wahl bei Chrysabella auf eine junge Schauspielerin gefallen ist. Also eine relativ junge Schauspielerin, Jennifer Hudson. Ja. Weil im Original hast du sie auf alt gemacht. Ja, sie ist auf alt gemacht. Sie ist auf alt gemacht. Sie ist auch nicht alt im Musical, zumindest in dem, was ich gesehen habe, was abgefilmt wurde. Aber sie ist auf alt gemacht. Und sie haben Jennifer Hudson nicht auf alt gemacht, sondern sie haben sie einfach als junge Diva, die halt irgendwie ihren Glanz verloren hat, gezeigt. Und das fand ich eine gute Entscheidung, weil das irgendwie der Figur ein bisschen mehr Stärke gegeben hat. Du hast halt nicht so eine Sunset Boulevard alte Dame, sondern du hast wirklich eine junge Frau, die einfach scheiße erlebt hat. Genau. Ich glaube, wir kommen langsam zum Positiven, oder? Also es gibt so einen leichten Twist ins Positive gerade.
Johannes Franke: Tendenz ins Positive. Für mich sind die positiven Stellen wirklich tatsächlich einfach nur Memories, weil sie da viel Kraft hat und Energie reinsteckt in dieses Ding. und Ian McKellen, wie er diesen Song rettet, der also eine unrettbare Situation für ihn irgendwie doch noch hinkriegt, würdevoll. Fand ich wirklich beeindruckend. Ja. Mit jedem anderen Film, mit dieser Nummer wäre er wahrscheinlich baden gegangen, aber natürlich, dass der Kontext so schlecht ist, war er plötzlich so ein Highlight. Man nimmt, was man kriegen kann. Also ich liebe einfach Ian McKellen, ganz toller Schauspieler.
Florian Bayer: Ich fand, im Gegensatz zu vielen Kritikern, die Sets echt okay. Nein, ich fand sie scheiße. Ich fand die wirklich okay. Ich fand die alle scheiße. Ich fand auch die Wahl, dieses übergroße, was ja auch ganz viele Leute absurd fanden, dass die Katzen sich halt in diesem übergroßen Menschen-Setting bewegen, fand ich okay. Ich fand das Lichtkonzept ganz nett. Ich fand gerade so diese Mischung aus Hinterhof und Varieté und alles sehr beleuchtet, sehr bunt und so ein bisschen 70s Retrofeeling. Man hat gemerkt, dass sie sich da versucht haben, irgendwie an dem Bühnenaufbau zu orientieren und ihn gleichzeitig zu erweitern. Das fand ich okay. Das war jetzt keine künstlerische Meisterleistung, aber ich konnte damit total leben. Ich fand die Sets und die Beleuchtung und die Farben, fand ich, haben funktioniert.
Johannes Franke: Okay. Von den Farben her würde ich, ja, okay, ja. Ja, ist ja auch ein Theater- und Varieté-Kontext schreckenweise, den ich tatsächlich gar nicht so schlecht fand. Stimmt. Aber ich fand mich halt am Anfang und sehr, sehr lange bin ich das Gefühl nicht losgeworden, in so Cutscenes von so Videospielen. Ja, natürlich. Es hat total diesen Videospiellook. Und das fand ich halt überhaupt nicht geil. Also es hat mich überhaupt nicht gecatcht und von Anfang an gab es diese Synthies im Hintergrund, die richtig schlecht waren, wo ich dachte, hä, wieso fangt ihr gleich damit an und lasst mich so richtig ins Loch, also zieht mich richtig runter und schafft es nicht, mich wieder hochzuholen. Es geht einfach nicht. Ja. Und dann kommen die auch zurück irgendwie in diesem Varieté und man denkt, um Gottes willen, lass die Synthies weg. Schrecklich.
Florian Bayer: Ich fand zum Beispiel der Hafen, wo McAvity seine Leute hin entführt, die ganzen Katzen, das fand ich, war ein cooles Set. Das war so düster, vernebelt.
Johannes Franke: Aber die sind viel zu klein für das Set.
Florian Bayer: Die Proportions, du musst... Die Proportions stimmen überhaupt nicht. Ganz oft gedacht, jetzt entscheidet euch mal, wie groß die sein sollen. Ich fand tatsächlich, das hat so einen Hauch von Surrealismus in das Ganze reingeworfen, was einfach gut zu dieser Bizzerrie gepasst hat. Ich fand, einige Setwechsel haben ganz gut funktioniert. Ich fand zum Beispiel den Skimpel-Song, den fand ich schrecklich, dieser Eisenbahn-Katze. Ja. Aber es ist ein ganz cooler Setwechsel, wenn sie dann so steppen und dann... Okay, wer steppen? Naja, der steppt dann zwar schrecklich. Aber wenn dann dieser Setwechsel stattfindet und sie sind dann auf diesen großen Schienen unterwegs und wir sind in London im Hintergrund, das fand ich, war einfach eine nette Idee, dass sie quasi so aus dem Set raus in ein anderes Set tanzen. Das war ganz okay gemacht. Aber es sieht alles so digital aus, wahnsinnig digital aus. Ja, ich fand das, im Fall der Sets fand ich das Digitale nicht so schlimm. Und du sagst, du hast es gesagt, das ist eine Videospiel-Optik. Ja. Das ist eine Optik, mit der ich leben kann.
Johannes Franke: Äh, ne, ich nicht. Aber gut. Ich fand noch, Mungo Jerry und Rumble Teaser, ähm, vom Song her, war in der richtigen Stelle ganz nett. Aber das Problem ist... Oh, wenn zwei Katzen da wieder singen, dass sie Unruhestifter sind. Ja, das Problem ist bloß, die hatten nie wirklich Spaß. Weißt du, die, also die Choreografie dazu war dann halt wieder scheiße. Also eigentlich ist der Song ganz cool. Aber das Problem ist, das betrifft den ganzen Film, wir haben nie richtiges Leben. Weil es alles viel zu stilisiert und viel zu digital ist, sodass wir nie in dreckiges Leben kommen. Ja. Und das ist halt irgendwie, du hast keinen Spaß.
Florian Bayer: Ich fand bei Mungo Jerry und Rumble Teaser, den Song fand ich vom Konzept her einfach total doof. Weil es sind zwei Katzen, die singen, hey, wir sind so böse, hey, wir sind solche Unruhestifter, guck mal, wir sind so chaotisch.
Johannes Franke: Ja. Und du denkst nur, ja, halte doch einfach die Fresse. Nein, aber in richtigen Szenerie, wenn du es richtig inszeniert hättest, dann hätte das Spaß machen können.
Florian Bayer: Das ist sowieso die ganze Zeit das Ding. Diese Katzen singen die ganze Zeit, wie cool sie sind und was sie machen. So, hey, ich bin voll der Ladies Man und guck mal, wie die ganzen Katzen mir zu Füßen liegen. Und ich, ich bin der coole Dandy und schaut doch mal, ich kenne mich total gut aus in der Welt. Und so geht das in einer Strecke. Sie singen einfach nur, wie cool sie sind. Ja. Lesen wir aus den Rezensionen vor. Was? Cats is the worst thing to cats since dogs. Ja, okay. I'm not a cat person. After cats, I'm not sure if I'm a film person either. Alter.
Johannes Franke: Ist das gemein.
Florian Bayer: Jemand anderes hat gesagt, er hat sich unruh gefühlt und hat die ganze Zeit gedacht, dass das irgendwas illegalem beiwohnt und hat sich gefragt, ob das FBI das Kino gleich stürmen würde.
Johannes Franke: Das ist wirklich, das ist wirklich genau das Feeling, was ich habe beim Gucken des Films. Wie geil.
Florian Bayer: Aber meine Prediction. Also nochmal, um das nochmal, nochmal so einen Bogen zu schlagen. Ich gebe Andrew Lloyd Webber die Hauptschuld. Das Desaster beginnt schon 1977. Das beginnt nicht erst 2019. Ja. Und es ist mir ein Rätsel, dass dieses Musical so populär werden konnte. Ja. Und offensichtlich wird sie auch von der Kritik komplett gehasst. Also es ist, die Kritik lässt in der Regel kein gutes Haar an Cats. Aber du bist halt als Tom Hooper selbst schuld, wenn du dich auch noch daran schmeißt.
Johannes Franke: Ja. Genau.
Florian Bayer: Die Idee ist total absurd, das zu verfilmen. Aber meine Prediction, das Ding wird zum Kultklassiker. Ach du Scheiße. Wir werden in ein paar Jahren, werden wir auf diesen Film zurückblicken und sagen, Mensch ist das witzig, das müssen wir unseren Kindern zeigen, die dann Teenager sind und uns drüber kaputt lachen.
Johannes Franke: Aber weißt du, das Problem ist, ich saß eben nicht wie vor The Room und hab mich kaputt gelacht. Noch nicht. Guck ihn noch dreimal, dann wirst du es. Nein.
Florian Bayer: Nein. Dafür tut er echt zu sehr weh. Ich glaube, man muss einfach bei solchen Filmen muss man lernen, sie ironisch zu gucken und dann kann man Spaß haben. Es gab offensichtlich schon ein paar Midnight Movie Vorführungen, die mit Rocky Horror Picture Show einlagen quasi, wo die Leute angefangen haben mitzuspielen und Zeug gegen die Leinwand zu werfen. Und wenn sie so ein paar Sachen herausgefiltert haben, die man diesem Film antun kann, während man ihn schaut, dann kann das glaube ich ein großes Vergnügen sein in einem Theater mit unzähligen Leuten, die laut lachen, laut dazwischen schreien und Zeug gegen die Leinwand werfen.
Johannes Franke: Aber das tut mir dann um Judi Dench und Ian McKellen so leid. Hey, jeder, der daran mitgemacht hat, wusste, worauf er sich einlässt. Nein, nein, nein, nein, keiner von denen wusste das, muss ich sagen. Keiner von denen, ich will niemandem, der dabei war, antun, zu sagen, du hättest dich da vorher rausmanövrieren müssen. Niemand wusste, wie schlecht die CGI werden würden.
Florian Bayer: Das ist vollkommen egal. Jeder wusste, dass es ein Film ist von tanzenden Katzen, die sterben wollen. Jeder, der daran teilgenommen hat, wusste, worauf er sich einlässt. Jeder weiß, die Vorlage, ich meine, was erwartest du? Das ist die Vorlage. Es sind Katzen, die tanzen und sterben wollen und Katzen, die darüber singen, wie cool sie sind. Jeder, der daran mitgemacht hat, wusste, dass das der Inhalt des Filmes ist. Und das könnte die beste CGI der Welt sein. Es ist trotzdem immer noch ein Film über Katzen, die tanzen und sterben wollen und singen, wie cool sie sind.
Johannes Franke: Aber da hätte es so viel besser machen können, dass der Film wenigstens mittelmäßig geworden wäre. Nein. Doch. Nein. Ich glaube, ja. Ich glaube, die Choreografie, wenn die besser geworden wäre, wenn sie sich dagegen entschieden hätten, die ganze auf dem Boden rumzukrauchen und dann doch auf beiden Beinen zu, also, ne? Und wenn die CGI besser geworden wären, die Sets besser geworden wären, vielleicht hätten sie nochmal jemanden für die Lieder ranholen können, der das Ganze noch ein bisschen geiler macht, dann hätte das wirklich wenigstens mittelmäßig, wenn nicht sogar besser werden können.
Florian Bayer: Alles, was du jetzt sagst, hätte den Film einfach langweiliger gemacht. So war es ein bizarres Erlebnis. Und so war es etwas, was zumindest Zeug zum Kultet hatten, wo sich alle einmal schämen können. Ein großes Desaster. Ich habe vor kurzem mal in einem unserer Podcasts gesagt, ich finde, es gibt ein Recht auf Scheitern im Großen. Ja. Und das ist eine Art von Scheitern im Großen. Ja, das stimmt. Also, Scheitern an den Ambitionen, Scheitern an der Vorlage und da muss das Scheitern aber auch wirklich gewaltig sein. Und Gott sei Dank ist so viel schief gegangen. Gott sei Dank ist das so eine Hölle von einem Film. Denn so hat er die Chance, ins kulturelle Gedächtnis einzuwandern.
Johannes Franke: Er hätte auch eine eigene ironische Ebene aufmachen können.
Florian Bayer: Nein, nein, nein.
Johannes Franke: Doch, das funktioniert auch.
Florian Bayer: Soll er nicht. Das ist dem Publikum, wir lassen. Wir wollen, so wie wir es jetzt gerade machen, diesen Film zerreißen. Und das geht nicht, wenn er sich selbst auf die Schippe nimmt. Der Film muss sich ernst nehmen. Der Film muss denken, dass er eine große Musical-Unterhaltung für die ganze Familie ist, damit wir sagen können, nein, weißt du, was du bist? Du bist ein Desaster, eine Naturkatastrophe.
Johannes Franke: Aber man hätte auch mit mehr Würde scheitern können. Man hätte zum Beispiel dieses Fettshaming weglassen können.
Florian Bayer: Ja, aber es muss auch würdelos sein. Dieser Film hat die Würde von allen Beteiligten genommen und einmal in ein Katzenkostüm gesteckt und gesagt, tanz jetzt. Und ich finde es gut. Ich finde, Idris Elba wurde viel zu viel gelobt in den letzten Jahren. Judi Dench ist sowieso ein großer Star. Und Ian McKellen, die brauchen das. Die wissen, das ist gut. Die kommen mal wieder auf den Boden zurück.
Johannes Franke: Aber Ian McKellen hat das Ganze verteidigt. Ja, sehr gut, genau. Aber da ist er nicht auf dem Boden gelandet, sondern glaubt weiter, da was ganz Tolles gemacht zu haben. Umso besser. Nein. Oh Gott. Traurig. Obwohl ich wirklich beeindruckt davon bin, was er da gemacht hat in seinem Ding, dass er das noch geschafft hat, seine Blase an Würde zu behalten. Das finde ich schon beeindruckend.
Florian Bayer: Und die Einzige, die mit Würde aus diesem Ding rausgeht, ist Taylor Swift. Die hatte nämlich einen guten Song.
Johannes Franke: Ja, die hatte einen guten Song und hat ihr Ding durchgezogen.
Florian Bayer: Und die hat einfach, genau, die hat ihr Ding durchgezogen. Sie sah halt aus wie eine Katze, aber na gut. Und sie hat, genau, sie hat einfach nicht, sie hat einfach nicht ihr Poloch geleckt. Das ist, das reicht schon.
Johannes Franke: Ja, und sie hat nur ein paar Minuten in diesem Film.
Florian Bayer: Ja, genau, das hilft ihr auch. Und die meiste Zeit über wird sie einfach nur von einem Kronleuchter nach unten gelassen.
Johannes Franke: Genau, das war's. Und singt halt dabei. Ah, fuck, man.
Florian Bayer: Spielberg wollte übrigens in den 90ern einen Animationsfilm machen. Ja, das war ja der Ursprung der ganzen Geschichte. Das Problem ist bloß, die Firma ist pleite gegangen und dann konnten sie es nicht machen. Es gibt ein Artwerk davon, was echt ganz cool aussieht. Das habe ich nicht gesehen. Also man sieht sich das an und denkt so, ja, wenn du daraus einen Zeichentrickfilm machst, dann wird das auf jeden Fall ein mittelmäßiger Disney-Film. Siehst du, man könnte das. Ja, aber auch das wäre langweilig. Das würde ja auch nicht ins kulturelle Gedächtnis eingehen. Aber dieser Film wird ewig leben.
Johannes Franke: Aber ist das das Ziel von Tom Hooper? Natürlich nicht. Ich will im kulturellen Gedächtnis bleiben, komme, was wolle, egal wofür. Hauptsache, ich bin drin.
Florian Bayer: Aber das ist nicht sein Ziel, das ist auch sein Problem. Also wäre er nicht so ein Arsch gewesen während der Produktion, wäre das alles vielleicht besser gelaufen. Das ist ganz allein sein Problem. Natürlich, niemand will auf diese Art unsterblich werden, aber alle, die beteiligt waren, sind auf diese Art unsterblich geworden und sie haben es nicht anders verdient. Weißt du, was die Hauptdarstellerin danach noch gemacht hat? Nein.
Johannes Franke: Zu Recht.
Florian Bayer: Entschuldigung. Siehst du, jetzt bist du auf meiner Ebene.
Johannes Franke: Francesca Hayward. Sie hat nichts mehr gemacht danach. Soweit ich das weiß. Ich habe nicht viel recherchiert, ich habe nur ganz kurz.
Florian Bayer: Balletttänzerin 1992 geboren.
Johannes Franke: Genau, sie war im Royal Ballet oder sowas und hat dort das Casting halt gemacht und hat das dann gekriegt. Und ich finde aber, dass sie eigentlich mehr machen sollte. Möge sie in Frieden ruhen. Ich fand ihre Mimik tatsächlich gut. Ja. Also das lässt ahnen, dass sie in einem regulären Film durchaus was könnte. Ja.
Florian Bayer: Ihr Blick sagt halt auch manchmal, mein Gott, wo bin ich hier reingeraten? Ja.
Johannes Franke: Aber das habe ich das Gefühl, sagt Judi Dench, das blickt auch manchmal. Das sind ganz viele Blicke. Und warum trägt eigentlich Judi Dench eine tote Katze? Was ist da falsch mit dieser Frau?
Florian Bayer: Ich sag doch. Das ist ein Film über Katzen. Sie hätten es alle wissen müssen. Alle sind schuld. Und alle werden durch diesen Film unsterblich. Auf eine Art, wie sie es nicht wollen. Aber sie haben es nicht anders verdient.
Johannes Franke: Und ich finde Mr. Mr. Offaly ist tatsächlich ganz cool. Also als Katze. Ja, weil du den hättest auch spielen können. Deswegen, oder? Der ist der Zauberer und es ist so tragisch, wie er immer wieder versucht, Judi Dench wieder her zu zaubern. Und es klappt nicht. Und ich habe gehofft, dass der Film die Kurve kriegt und im letzten Versuch, der auch nicht klappt, einmal Ende drüber schreibt und ist vorbei. Wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Er schafft es nicht.
Florian Bayer: Das war es. Ja, der Mr. Miss Toffolis Song war ganz okay. Und der Schauspieler, der das gespielt hat, das auch okay gemacht.
Johannes Franke: Hast du irgendeine emotionale Bindung zu irgendeiner Figur entwickelt? Nächste Frage. Okay. Ich auch nicht. Tatsächlich zu, aber nicht zur Figur, zu James Corden. Der hat mir am meisten leid getan. Ja gut, aber das ist, da tun einem die Schauspieler leid, ja. Vor allem, weil James Corden so gut singen kann und dann haben sie ihm einen Song gegeben, der überhaupt nicht seiner Stimme würdig ist. Das ist so traurig. Das ist so traurig.
Florian Bayer: Ich verstehe das auch nicht, weil er ist auch die Person, die ein bisschen Ironie da reinbringen können. Ein bisschen Sarkasmus, ein bisschen Lockerheit, ein bisschen mehr Late-Night-Feeling. So albern ist es, das jetzt zu sagen. Aber er hat es halt nicht. Und er konnte es auch nicht. Und er ist dann halt auch so wie alle anderen durch diesen Film gestaxt, hat seine Nummer gemacht und ist dann verschwunden.
Johannes Franke: Ich finde, er hat manchmal einen Ton drauf, den ich ganz gut finde. Und überhaupt, der Ton von manchen Schauspielern ist ganz gut, weil also einfach der, man hätte es ja auch ganz furchtbar spielen können, also gespielt spielen können. Und viele Schauspieler haben es trotzdem geschafft, ihre wahrhaftige Basis zu behalten, als Schauspieler einfach sich mit der Rolle auseinandersetzen und das so zu spielen, wie die Rolle das braucht und eine Wahrhaftigkeit zu behalten. Aber das hat halt leider nicht geholfen. Und jeder Gag, der versucht wurde, ist einfach vorne rüber gefallen und tot liegen geblieben. Also wie einfach Rebel Wilson eigentlich wunderbar hätte vom Leder ziehen können und das ansetzt mit Don't mess with a cat lady. Rebel Wilson, why?
Florian Bayer: Aber es funktioniert halt leider nicht. Ich frage mich, ob Tom Hooper irgendwelches Material von ihr hat oder so, mit dem er sie erpressen konnte, dass sie das so spielt.
Johannes Franke: Nein, ich weiß nicht. Ich glaube, sie hat einfach versucht, das Beste aus dem zu machen. Also ich glaube, die haben alle versucht, das Beste draus zu machen, aber es hat halt, du siehst halt den Film auch an, dass Schauspieler dringend Regisseure brauchen, die ordentlich Entscheidungen treffen.
Florian Bayer: Ich glaube, Rebel Wilson hat auch so ein bisschen, also sie ist die Nummer, die ja ganz ziemlich am Anfang kommt und die einmal zeigt, so Leute, das ist das, worauf ihr euch die nächsten 90 Minuten einstellen könnt. Und das ist ein guter Job, den sie da macht, weil sie, sie bringt alles, was an dem Film schrecklich ist, bringt sie in dieser einen Nummer auf den Punkt und das ist so ein Kondensat von diesem Film. Was ganz gut ist, weil danach ist man erst mal so fertig mit den Nerven, dass man alles andere, was kommt, auch akzeptiert.
Johannes Franke: Ja, du weißt halt, die hat halt ganz klar gemacht, was wir erwarten können von dem Film. Naja, klar. Ach, es ist, aber es ist so traurig, weil, weil, weil ich mag Rebel Wilson. Die ist total cool. Ich mag James Corden und ich mag Ian McKellen und Judi Dench. Lauter coole Leute. Und, und es ist halt traurig.
Florian Bayer: Ja, es ist halt coolen Leuten beim Scheitern zu sehen. Und es ist aber auch gleichzeitig einem schrecklichen Plot, einer schrecklichen Vorlage, einem schrecklichen Regisseur beim Scheitern zu sehen, deswegen ist das total in Ordnung. Aber das ist, da überwiegt das positiv, weißt du. Ich finde, ich finde, mir tut es leid um James Corden und Rebel Wilson, aber ich finde es gut, dass das Cats angetan wird. Verstehst du? Das Musical ist wirklich schrecklich und ich finde es gut, dass dieser Film das Musical nimmt und ihm nochmal wehtut. Weil ich finde, Cats darf ruhig wehgetan werden.
Johannes Franke: Weil ich finde, ich finde eigentlich, über das Gespräch jetzt hin entwickelt, tatsächlich den Gedanken, diesen ganzen großen Schauspielern beim Scheitern zuzusehen, eigentlich ganz geil. Ja, das hat was. Das stimmt schon. Hey, dafür lohnt es sich, den Film zu gucken. Leute, schaut euch diesen Film an und schaut euch an, wie große Schauspieler einfach auch mal scheitern. Und eigentlich hat das eine sehr beruhigende Wirkung. Also für mich als Schauspieler auf jeden Fall, dass man sich das erlauben kann, dass man auch als großer Schauspieler einfach scheitern darf und dass das auch vollkommen in Ordnung ist. Mir tut es ein bisschen um die Hauptdarstellerin leid, weil die wahrscheinlich, dadurch, dass es ihr erstes großes Projekt war, stell dir das vor. Du kriegst so ein großes Angebot, darfst spielen, denkst dir, what the fuck, wie geil. Und dann ist das so eine Totgeburt. Entschuldigung. Ja, sie soll ihre Tränen mit den Dollarscheinen, die sie hat, trocknen.
Florian Bayer: Ich hoffe. Es werden einige sein. Ja. Oh Mann. Ja, macht ein Trinkspiel draus, guckt ihn ironisch. Genießt das Scheitern und wenn ihr Cats hasst, wovon ich jetzt einfach mal ausgehe, weil ihr vernünftige Menschen seid, dann freut euch darüber, dass Cats in diesem Film Schmerzen zugefügt werden.
Johannes Franke: Okay, das ist Flores Sicht. Ich fand die Inszenierung, die ich von Cats gesehen habe, gar nicht so schlimm und ich glaube, dass man selbst bei Cats, wenn man bei Trost ist und ein bisschen Liebe für das hat, was man tut, tatsächlich auch eine liebevolle Inszenierung machen kann. Das geht. Ich glaube, es geht. Liebevoll, aber langweilig. Und ich bin froh, dass das hier nicht passiert ist. In diesem Sinne. Wer hat das letzte Wort? Wer hat das letzte Wort?
Florian Bayer: Okay, dann brauchen wir wohl was für nächste Woche.
Johannes Franke: Nächste Woche. Flor, dann bist du jetzt wieder dran. Ja, mein Schädel ist noch so ein bisschen geputzelt von dieser Cats-Erfahrung. Das tut mir ein bisschen leid, aber ich werde deswegen nicht schlecht schlafen.
Florian Bayer: Aber das Beste, was man machen kann, nachdem man sowas wie Cats gesehen hat, sich in Nihilismus flüchten.
Johannes Franke: Okay, Jodorowsky? Nein, nicht ganz so schlimm.
Florian Bayer: Zumal das kein Nihilismus ist.
Johannes Franke: Also mir war alles egal nach dem Film.
Florian Bayer: Aber ich will auf jeden Fall wieder in die Vergangenheit zurückreisen und wie du festgestellt hast, kommen die 70er gerade oft vor und das wird sich auch nächste Woche nicht ändern. Okay. Die 70er sind auch echt ein tolles Filmenjahrzehnt. Mal so ganz objektiv gesagt. Nein, die sind einfach ein tolles Filmenjahrzehnt. Okay. Und ich möchte dir einen Science-Fiction-Klassiker präsentieren, der damals nicht so wahrgenommen wurde als Klassiker. Und der auch heute, glaube ich, oft noch unterm Radar läuft, der aber meiner Meinung nach einer der einflussreichsten Science-Fiction-Filme des 20. Jahrhunderts ist. Du willst auf Star Wars hinaus? Nein, natürlich nicht. Also Star Wars hat genug Ruhm abgekriegt. Zwischen Star Wars und zwischen 2001? Zwischen Star Wars und zwischen 2001? Liegt? Liegt. Nicht im Jahr 2001, sondern im 68er-Film von Stanley Kubrick. Ja, ja, ja. Da liegen die 70er, ja. Dark Star von John Carpenter. Ein großartiger Weltraumfilm in einer Zeit, in der es keine großartigen Weltraumfilme gab. Carpenter hat einen Weltraumfilm gemacht? Sein Regie-Debüt, genau. Und ich bin total gespannt, wie du ihn findest, weil er hat sehr viel Düsternis, er hat aber auch sehr viel Humor, er ist sehr bizarr. Und es ist wieder ein Film, der sehr viel aus sehr wenig Budget rausholt. Okay, ich darf mich also auf Trash einstellen. Ja, vielleicht auch ein bisschen Trash. Ich bin total gespannt, wie du ihn finden wirst, weil ich liebe diesen Film. Du liebst diesen Film?
Johannes Franke: Ich liebe diesen Film. Okay, dann werde ich den Film schon mal mit diesem Auge gucken, dass ich weiß, Flore liebt diesen Film. Vielleicht muss ich ihn extra deswegen hassen. Mal gucken. Ja. Oh, ich bin gespannt. Okay, Carpenter. Hauptsache, es ist nicht, ist es wie Halloween, so ein bisschen auf Horror auch? Oder ist es, was ist es?
Florian Bayer: Es hat von der Inszenierungstechnik teilweise Horror-Komponenten, aber es ist kein Horrorfilm.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Okay. Ich kann es, es ist wirklich schwer zu beschreiben, weil er irgendwie so balanciert zwischen Spoof und Ernst zum Science-Fiction.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und immer wieder in eine Richtung kippt, aber ich finde, ihm gelingt die Balance, aber das werden wir alles nächste Woche vorstellen.
Johannes Franke: Okay, das ist sehr schön. Solange ich nicht Halloween gucken muss, ist alles gut. Carpenter ist bei mir unten durch wegen Halloween. Vielen Dank nochmal für die Folge. Ja, vielen Dank dir, Flore. Euch allen eine schöne Woche. Ja, auch das und wir hören uns nächste Woche wieder mit Dark Star. Bis dann. Bis dann.
