Episode 45: Dark Star
Seit 20 Jahren ist das Raumschiff Dark Star in einer fernen Galaxie unterwegs… und das sieht man ihrer Crew, bestehend aus vier ziemlich abgewrackten Astronauten auch an. Ihr Job ist es eigentlich umherirrende Planeten abzuschießen, ihr Alltag besteht aber vor allem aus Langeweile und Ärger untereinander. Da ist Doolittle, der eigentlich nur wieder zurück zur Erde und zu seinem Surfbrett will. Da ist Talby, der sich in eine Beobachtungskapsel zurückgezogen hat und dort von der Sichtung der schillernden Phoenix-Asteroiden träumt. Da ist Pinnback, der sich um ein aufgelesenes Alien kümmern muss und von seinen Kollegen entweder ignoriert oder gemobbt wird. Und da ist Boiler, ein abgefuckter Redneck, der es liebt auf alles zu schießen, was ihm vor die Flinte kommt. Egal ob im Weltall oder auf dem Schiff. Der ebenso langweilige wie anstrengende Alltag der Dark Star wird aufgebrochen, als durch einen Meteroitensturm ein Kommunikationslaser ausfällt und eine störrische, intelligente Bombe sich selbstständig macht. Sie droht sich selbst und damit das gesamte Raumschiff in die Luft zu sprengen.
Mit Dark Star von John Carpenter aus dem Jahr 1974 haben wir eigentlich zwei Filme vor uns: Auf der einen Seite schwarzhumorige, trashige und trollige B-Movie Parodie auf Stanley Kubricks 2001 Odyssee im Weltraum. Auf der anderen Seite ein düsterer, philosophischer Science Fiction Film, der trotz seines geringen Budgets und seiner konfusen Entstehung Pate für zahllose schmutzige, düstere und nachdenkliche Genrefilme stand, die ihm folgen sollten: Von Alien über Moon bis zu Prometheus.
Vielleicht sogar einer der wegweisendsten Weltraumfilme der 70er Jahre, der in der Ahnengalerie einen Platz direkt neben Star Wars verdient hat. Oder siehst du das anders, Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 45: Dark Star Publishing Date: 2021-11-10T20:25:39+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/11/10/episode-45-dark-star/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast? Nein, eigentlich nicht, aber ich. Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest. Das heißt so Musicals aus den 50ern? Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme? Mit russischen Untertiteln, von mir, für dich.
Florian Bayer: Oh Gott, okay. Aber du weißt, dass das für Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Äh, definitiv, das wird lustig.
Florian Bayer: Ready when you are. Ready, der Weltraum, unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffes Darkstar, das unterwegs ist, um Planeten in die Luft zu sprengen.
Johannes Franke: Ganz tolle Aufgabe. Aber es scheint auch Ihnen wahnsinnig viel Spaß zu machen. Herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen, zu einer neuen Folge vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Florian Bayer: Ja, mir gegenüber sitzt der bezaubernde Johannes Franke.
Johannes Franke: Oh, bezaubernd. Und vor mir sitzt der unglaubliche Florian Plower Bayer. Der Medienwissen, was hast du studiert? Nein, deine Philosophie hast du studiert?
Florian Bayer: Ich mache was mit Medien, aber kein Mensch, der was mit Medien macht, hat was mit Medien studiert. Okay. Philosophie, passend zu der Folge, habe ich Philosophie studiert. Okay, sehr gut. Wir werden sehr viel philosophieren in dieser Folge. Ich möchte mit ihr an der solipsistischen Klippe entlang spazieren. Oh, ich bin sehr gespannt. Und aufpassen, dass niemand von uns den anderen hinunterschubst.
Johannes Franke: Ja, und aufpassen, dass keine Bombe hier in die Luft geht.
Florian Bayer: Falls ihr nicht wisst, worum es hier geht.
Johannes Franke: Es geht darum, dass wir uns gegenseitig Filme anempfehlen. Das ist fast zu positiv formuliert. Wir zwingen dem anderen Filme auf und die muss er dann gucken, ob er will oder nicht. Und dann ist gefälligst der Horizont des anderen erweitert. Genau.
Florian Bayer: Mit dem Hintergrund, dass wir einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack haben. Von Johannes kommen in der Regel irgendwelche Musicals aus den 50ern, Screwball-Komödien oder 90er-Teenie-Filme.
Johannes Franke: Schön, dass du das jetzt weitert hast auf 90er-Teenie-Filme. Ist dir aufgefallen, dass ich nicht nur 50er-Jahre-Tanzfilme gucke? Genau. Und von dir kommen dann die ganzen obskuren Jodorowskis und Tarkovskis und irgendwelche chilenischen mit spanischen Untertiteln und keiner versteht was. Und dazwischen immer auch ein bisschen Trash. Und dazwischen auch ein bisschen Trash. Und was wir heute wohl ein bisschen abgrasen werden. Vielleicht. Also, vielleicht geht es auch ein Stück weiter.
Florian Bayer: Das werden wir sehen. Wir reden heute nämlich über Darkstar von John Carpenter.
Johannes Franke: Ein Film, den ich Johannes aufgegeben habe, den er vorher auch nicht kannte, oder? Nein, ich hatte keine Ahnung, dass Carpenter überhaupt irgendwas mit Weltraum an Mut hatte. Ich habe die Halloween-Reihe gesehen und das hat mir gereicht. Und dann habe ich von Carpenter im Grunde nichts mehr geguckt.
Florian Bayer: John Carpenter war ja so ein Tausendsasser. Der hat ja in allen Genres gewütet. Okay. Und eigentlich sehr oft ohne Budget. Ja. Und dann irgendwann hat er mal Budget in die Hand gekriegt und hat das in den Sand gesetzt. Und dann hat er wieder ohne Budget gedreht und hat den Rest seiner Vita vor allem auf Hollywood geschimpft. Dass Leute wie er nicht wirklich so einen Platz darin finden. Was auch stimmt, weil es ist ein sehr spezieller Regisseur.
Johannes Franke: Zu dem werden wir auch zu sprechen kommen. Oh, ich bin sehr gespannt. Dann führ uns doch erstmal in den Film ein. Sag uns mal, worum es geht. Und dann können wir uns ja dann abarbeiten. Genau.
Florian Bayer: Los geht's. Seit 20 Jahren ist das Raumschiff Darkstar in einer fernen Galaxie unterwegs. Und das sieht man ihrer Crew bestehend aus vier ziemlich abgefragten Astronauten auch an. Ihr Job ist es eigentlich, um herirrende Planeten abzuschießen. Ihr Alltag besteht aber vor allem aus Langeweile und Ärger untereinander. Da ist Doolittle, der eigentlich nur wieder zurück zur Erde und zu seinem Surfbrett will. Da ist Talby, der sich in einer Beobachtungskapsel zurückgezogen hat und dort von der Sichtung der schillernden Phönix-Asteroiden träumt. Da ist Pinback, der sich um ein aufgelesenes Alien kümmern muss und von seinen Kollegen entweder ignoriert oder gemobbt wird. Und da ist Boiler, ein abgefuckter Redneck, der es liebt, auf alles zu schießen, was ihm vor die Flinte kommt. Egal ob im Weltall oder auf dem Schiff. Der ebenso langweilige wie anstrengende Alltag der Darkstar wird aufgebrochen, als durch einen Meteoritensturm ein Kommunikationslaser ausfällt und eine störrische intelligente Bombe sich selbstständig macht. Sie droht sich selbst und damit das gesamte Raumschiff in die Luft zu sprengen. Mit Darkstar von John Carpenter aus dem Jahr 1974 haben wir eigentlich zwei Filme vor uns. Auf der einen Seite schwarzhumorige, trashige und trollige B-Movie-Parodie auf Stanley Kubricks 2001 Odyssee im Weltraum. Auf der anderen Seite ein düsterer, philosophischer Science-Fiction-Film, der trotz seines geringen Budgets und seiner konfusen Entstehung paarte für zahllose, schmutzige, düstere und nachdenkliche Genrefilme stand, die ihm folgen sollten. Von Alien über Moon bis zu Prometheus, vielleicht sogar einer der wegweisendsten Weltraumfilme der 70er Jahre, der in der Ahnengalerie einen Platz direkt neben Star Wars verdient hat. Oder siehst du das etwa anders, Johannes?
Johannes Franke: Das Schöne ist, du gibst selbst dem schlimmsten Trash und der schlimmsten surrealistischen Idee an Film, die die Bezeichnung Film nicht mal verdient, so eine hochtrabende Einleitung, dass sie irgendwie wegweisend war oder irgendwie, weißt du, und in diesem Fall hast du mal recht, habe ich das Gefühl. Ich glaube, du hast echt recht, das ist unglaublich, dieser Film hat irgendwie echt, ich wusste nicht, dass der lustig sein sollte, also würde, ich glaube auch, dass ich den Film ganz anders geguckt hätte, wenn ich ihn so gesehen hätte, wie er oft promotet wird, nämlich als Komödie, als Comedy im Weltraum, dann hätte ich vielleicht mehr erwartet an Lachern und so. Aber dadurch, dass ich völlig unvoreingenommen und völlig ahnungslos in diesem Film gegangen bin, wurde mir irgendwie nach und nach sickerte so der Witz durch und ich fand es ganz grandios. Das ist total cool, super.
Florian Bayer: Das wäre schon mal geschafft. Also, dass der Comedy-Teil dir gefällt, davon bin ich tatsächlich ausgegangen, weil es gibt einfach eine Menge Slapstick, eine Menge klassischer Humor, auch eine Menge physischer Humor, der eigentlich so die, das genau den Nerv trifft, den du liebst.
Johannes Franke: Ja, und auch auf eine ganz seltsame, subtile und unaufgeregte Art und Weise, die so daherkommt, dass man es auch verpassen könnte. Ich kann mir auch vorstellen, dass Leute im Publikum sitzen, das hat ja am Anfang wohl auch das Problem gegeben, dass die, ja, beim Release nicht so, alle nicht so begeistert waren davon, dass niemand so richtig verstanden hat und auch sich nicht getraut hat zu lachen, weil man nicht wusste, darf ich da jetzt lachen, ist das jetzt lustig oder nicht? Oder ist das jetzt, was will der Film von mir?
Florian Bayer: Er hat ja auch tatsächlich diese andere Komponente. Ja. Unter all diesem Humor befindet sich ja wirklich eine kammerspielartige Auseinandersetzung mit dem Gefühl, im Weltall verloren zu sein. Ja, genau. Diese vier Protagonisten, die wir da haben, die sind ja alle echt abgefuckt und am Ende, weil sie einfach seit 20 Jahren, in der Zeit sind sie übrigens nur drei Jahre gealtert, es wird nicht näher erläutert, wie das funktionieren soll, wahrscheinlich irgendwas mit nicht verstandener Relativitätstheorie. Ja, genau, genau. Sie sind nur drei Jahre gealtert, aber sie sind seit 20 Jahren zusammen im Weltraum. Sie sind eine Weltraum-WG eigentlich. Ja. Und sie gehen sich so dermaßen gegenseitig auf die Nüsse.
Johannes Franke: Es ist so geil. Und es haltet nur Männer mit irgendwelchen Plakaten von nackten Frauen in den Wänden. Und dann hat der blöde Distributor, der, wie hieß der, ich hab den Namen gerade vergessen, der das Ding in die Kinos bringen sollte, hat dann beschlossen, dass diese nackten Frauen an den Wänden geblurrt werden müssen. Und es ist so dämlich.
Florian Bayer: Jack Harris, der übrigens darauf bestanden hat, dass diese Szenen unter anderem noch gedreht werden. Ja. Das gehört ja zur Entstehung des Films, dass das ganze Ding war eigentlich ein Studentenprojekt. Und dann kam dieser Produzent Jack Harris und hat gesagt, ey Leute, das ist viel zu kurz. Daraus kann ich keinen Film machen. Das funktioniert nicht als Kino-Release. Dreht mal noch ein paar Szenen. Und lasst sie doch nochmal in ihrer Kabine, in ihrem Kabuff sitzen, miteinander reden und so. Das ist eine der Szenen, die neu gedreht wurde. Und natürlich, wie es sich für eine Männer-WG gehört, im Hintergrund haben wir eine Menge Pin-Ups hängen. So richtig klassisch ausgeschnitten aus Playboy oder Hustler oder whatever.
Johannes Franke: Oh Gott. Und die haben sich mit einer Sprühdose irgendwie Namen über ihre Couches oder ihre Liegen, die sie da haben, gesprüht, wer wo liegt. Und die Namen da nochmal an die Wand. Und so richtig schlimm versiffte Männer-WG. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Unrasiert, fettige Haare. Das Klopapier ist ihnen offensichtlich ausgegangen. Ganz wichtiges Thema. None|Ja. Das war ja auch eines der Leitthemen des Films. Wie von, ich weiß nicht, ob es Karpenter war oder der Drehbuchautor, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Einer von beiden hat gesagt, naja, als wir das Ding entworfen haben, war eine der wichtigen Frage, wie scheiß man eigentlich im Weltraum. Und das ist eine wesentliche Szene, weil es ist wirklich ein Problem für sie, dass sie kein Klopapier mehr haben. Ja, ich kenne das irgendwoher mit Corona und so. Es gab kein Klopapier mehr. Dan O'Bannon heißt übrigens der Drehbuchautor, der mit John Carpenter zusammen das Drehbuch geschrieben hat. Und um schon mal vorwegzunehmen, was den Einfluss betrifft des Films. Ja. Dan O'Bannon hat später das Drehbuch für Alien geschrieben. Und ganz viel, was wir in Alien aus dem Jahr 1979, also fünf Jahre später sehen, wird in diesem Film schon vorweggenommen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das ist vor allem, der Schmutz kommt in den Weltraum.
Johannes Franke: Ja, krass, Mann.
Florian Bayer: Science-Fiction-Filme waren in den 50ern und 60ern entweder wirklich kitschig, bunt und so verträumt und weite Welten und so Abenteuer, Errol Flynn im Weltraum. Mhm. Oder eben, was dann Ende der 60er erst angefangen hat, so sehr clean, philosophisch, aber eben sauber. 2001, Odyssee im Weltraum und Solaris von Tarkowski sind so die beiden großen Weltraumfilme, die halt die Philosophie ins All gebracht haben. Mhm. Und Darkstar bringt den Schmutz rein. Er zeigt dreckige Leute in dreckigen Kabinen. Die räumen halt auch nicht auf.
Johannes Franke: Das ist komplettes Chaos. Aber nicht nur, dass der Dreck in den Weltraum kommt, sondern natürlich auch das Thema, was er hier schon verwendet von diesem Alien, was ja auch nachträglich gedreht wurde, ne? Was wurde eigentlich alles nachträglich? Also die haben ja erstmal 45 Minuten gehabt, das war ein Studentenprojekt.
Florian Bayer: Genau, das war ein Studentenprojekt, der ist, der ganze Film ist in einem Zeitraum von vier Jahren tatsächlich entstanden. 1970 hat das angefangen und man kann so ein bisschen drei Produktionszeiträume voneinander trennen. Das erste war eben dieser Studentenfilm, der in den späten Jahren 1970 gedreht wurde und 1971 fertiggestellt wurde und der war 45 Minuten lang. Und das Budget für diesen Film waren lachhafte 1000 Dollar.
Johannes Franke: Stell dir das mal vor, versuch du dir mal vorzustellen, für 1000 Dollar einen Film zu machen. Ja, dann machst du ein Kammerspiel. Also so ein 45 Minuten Film für 1000 Dollar. Also mein Kurzfilm hat mindestens 4000 gekostet. Und es ist auch ein Kammerspiel. Bei einer Location, bei meinem Vater, wo ich nichts bezahlen musste. Und der technikbegeisterte Mensch, der sich in unsere Produktion mit eingemischt hat, hat uns die Technik gegeben, ohne dass wir sie zahlen mussten. Und wir haben insgesamt immer noch trotzdem bestimmt 4000 Euro ausgegeben.
Florian Bayer: Wenn du bei der Inflation bist, dann bist du wahrscheinlich ungefähr bei dem Preis. Also wahrscheinlich, sie haben ungefähr so viel bezahlt, wie du für deinen Film. Allerdings in Zeiten der Technik deutlich teurer war.
Johannes Franke: Das ist halt das Problem.
Florian Bayer: Damals war ja alles teurer und damals war es ja begrenzt. Sie hatten bestimmt Möglichkeiten durch die Universität, dass sie da in die Kameras gekommen sind und vielleicht auch ein bisschen Sets hatten. Aber das Budget spiegelt sich natürlich auch in den Kulissen und in den Kostümen. Das ist total toll. Die Weltraumhelme zum Beispiel. Star Team. So heißt die Spielzeugreihe, von der diese Helme waren. Das war natürlich eine Spielzeugreihe, eine Kostümreihe für Kinder. Und dementsprechend sind diese großen, ausgewachsenen Männer in diesen Helmen. Und man sieht das, wie sie da reingequetscht sind, dass es nicht für ihre Körpergröße gedacht ist, in diesen Helmen zu sein.
Johannes Franke: Aber sie tragen sie irgendwie mit Würde und Ernsthaftigkeit, dass man es irgendwie gar nicht so sehr in Frage stellt. Das ist, ich finde, dass dieser Film, gerade wegen seines Budgets und geschenkt, die haben dann nochmal viel Geld bekommen, um nachzudrehen und so weiter. Aber die Sachen, die sie schon hatten, die 45 Minuten, die sie mit 1000 Dollar gedreht haben, das ist so, das sind alles Küchengeräte. Und es sieht alles trotzdem irgendwie, man kann es trotzdem, es geht einfach. Also natürlich ist es trashig, aber es geht. Du kannst damit Filme drehen und es ist großartig.
Florian Bayer: Der Weltraumanzug von Talvi hat sie in einem Muffin-Backform als Brustblatt. Die sprechenden Bomben, die ein sehr zentrales Element sind des Films, sind offensichtlich zusammengesetzt aus verschiedenen Plastikmodellen, die sie gefunden haben für eben Küchengeräte, Staubsauger und ähnliches.
Johannes Franke: Es ist so geil. Und da muss man sich eigentlich nur, also angehender Filmemacher solche Filme angucken und sagen, okay, ich habe keine Ausrede mehr. Ich muss einfach machen.
Florian Bayer: Es ist verdammt viel möglich. Genau, und das war dieser 45 Minuten Film. Was kam später dazu? Das passierte nämlich dann, als der Produzent Jack Harris reinkam und gesagt hat, ey, das ist ja eigentlich ganz geil. Ich gebe euch mal noch ein bisschen mehr Budget. Fangt mal an zu drehen. Macht mal mehr daraus. Und dann haben sie erst mal, das war der zweite Schritt eigentlich, dann haben sie das alles, was sie hatten, haben sie nochmal zusammengeworfen, nochmal ausgedehnt, haben alle Zehen zusammengeschnitten. Und sind dann wohl irgendwie auf so eine akzeptable Filmlinge gekommen, die aber dem Produzenten, Jack Harris, wir merken uns den Namen, dem wird nämlich noch eine Botschaft im Film gewidmet, die fand er todlangweilig. Der hat gesagt, oh, ihr könnt doch nicht das ganze Footage, was ihr habt, was ihr noch drin hattet, einfach mit reinschneiden. Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich langweilig war. Weil ich denke mal, dann haben Bannon und Kappen da einfach alles genommen, was sie hatten und jede Szene unendlich ausgedehnt. Und dann war das wahrscheinlich ein sehr dialoglastiger Film und ein sehr langweiliger Film. Und dann hat er gesagt, hier, 60.000 Dollar, ihr dreht jetzt ein paar neue Szenen. Und sie haben tatsächlich neue Szenen geschrieben und neue Szenen gedreht und haben sogar Special Effects eingefügt. Eine dieser Szenen war der elektromagnetische Sturm, durch den sie fliegen, der ja tatsächlich Auslöser ist von diesem ganzen Chaos mit der Bombe dann.
Johannes Franke: Was ja im Grunde Special Effects für die Zeit auch ganz interessant ist eigentlich. Und vor allem natürlich der Flug durch die Sterne, so dieses in den Hyperraum springen oder wie das heißt. Das haben sie visualisiert, war auch irgendwie inspiriert von einem anderen, schon existierenden Film. Aber anscheinend ist das so ein bisschen Pionierarbeit auch gewesen.
Florian Bayer: Ja, ich finde, das sieht tatsächlich sehr aus wie sehr viele Science-Fiction-Filme in dieser Zeit, die nicht so genau wissen, wie sie das visualisieren sollen. Wir müssen daran denken, die Mondlandung ist halt auch fünf, sechs Jahre her, die erste Mondlandung. Die visuellen Reize des Weltalls sind für das Filmgenre noch sehr neu, zumindest im realistischen Sinne. Und sie machen halt sehr viel mit Licht und mit Laser und versuchen damit irgendwie so ein Gefühl von was Außerirdischem zu erzeugen. Aber ja, es ist okay, weil es ist auch eine kurze Szene und sie hat, natürlich ist sie so der Initiator für das Chaos, was dann später entsteht. Aber sie hat so wenig Relevanz im Filmkontext, was visuelle Reize betrifft, weil einfach das, was auf dem Raumschiff passiert, ist das Wichtige. Ich glaube sogar, dieser Film hätte komplett funktioniert ohne Weltallszenen. Das hätte auch funktionieren können. Hätte auch funktionieren. Vielleicht hätte es sogar einen ganz eigenen Charme nochmal gehabt. Ja, wahrscheinlich, weil es diese Verlorenheit in der Ferne und in der Dunkelheit ist, als nochmal auf die Spitze getrieben hätte. Und es gibt ja auch tatsächlich wenig Weltallszenen. Wir haben natürlich das Modell der Darkstar, was dann halt mal so rumfliegt. Wir sehen ein paar Planeten, aber es ist eigentlich, spielt sich alles drin ab.
Johannes Franke: Ja. Und dann natürlich, wenn er rausgeht, um die Bombe zu bequatschen.
Florian Bayer: Genau. Aber das ist ja auch, da ist er halt an der Bombe dran. Er ist nicht groß im Weltall unterwegs, sondern er sitzt direkt vor der Bombe und redet halt mit diesem Staubsauger oder mit diesem Modell von einem Auto oder was auch immer das gerade war, was sie da benutzt haben. Aber genau, Weltall war nicht das Einzige, was sie neu gedreht haben. Sie haben ganz viele Szenen in den Fluren gedreht. Die Schlafquartiere sind komplett in dieser Zeit entstanden. Ja. Und eine Szene, die tatsächlich auch so ein bisschen überflüssig ist, aber nochmal Humor reinbringt. Und zwar, wenn Pinback und Boiler gegen Ende um eine Waffe kämpfen. Weil Boiler ist halt der Typ, der sagt, da ist was, das will ich in die Luft sprengen. Und die Bombe droht sich selbst zu sprengen und Boiler sagt, oh, ich schieße die jetzt einfach ab. Ich schieße diese Halterung, an denen sie befestigt ist, die schieße ich ab. Und dann fällt die Bombe ins All und kann uns nicht mehr verletzen. Und dann sagt Pinback, bist du verrückt? Du bringst uns alle um. Und dann kämpfen sie um diese Waffe.
Johannes Franke: Ja. Na und das Alien ist doch neu.
Florian Bayer: Und das Alien, genau. Das Alien ist komplett neu entstanden. Und das Alien ist auch tatsächlich, es ist ein Highlight von dem Film. Absolut. Es nimmt den Mittelteil ein, es nimmt einen großen Mittelteil ein. Ja. Und es ist für die Story um die Bombe und so weiter überhaupt nicht relevant. Überhaupt nicht. Es passiert nichts, was irgendwie die Story vorantreibt. Wir haben eben Pinback, wie er mit diesem Alien kämpft, wie er dieses Alien füttert. Das ist so geil. Johannes, sag uns einmal allen, wie sieht dieses Alien aus? Was ist das?
Johannes Franke: Es lässt sich sehr leicht beschreiben. Es sieht aus, es ist einfach wirklich nur ein Beachball. So ein großer Ball, den du an den Strand mitnimmst und in der Gegend rumschmeißt. Ein bisschen grotschattierig angemalt und dann so Krallen unten dran gepappt. Damit das Ding sich fortbewegen kann, vermeintlich. Und dann macht es so ein paar Geräusche und das war's. Und düpft ein bisschen in der Gegend rum.
Florian Bayer: Und sie haben das offensichtlich irgendwann mal ausgelesen. Pinback wollte es unbedingt mitnehmen. Und deswegen muss Pinback sich auch um das Alien kümmern und er hasst das mittlerweile. Er fand es ganz niedlich, als er es gefunden hat. Er wollte ein Maskottchen. Er wollte ein Maskottchen für das Schiff haben. Und jetzt hat er es aber an der Backe und das Alien ist eingesperrt und er muss es halt füttern. Und das ist ganz cool, weil wir haben diesen Weg zu dem Alien hin. Wir wissen nicht, was da kommt. Und er ist halt genervt davon, aber dann kommt diese düstere Musik, diese klassische John-Carton-Der-Synthi-Musik. Und du denkst, was für ein Monstrum erscheint jetzt. Ja, genau. Und dann kommt dieser Beachball angesprungen.
Johannes Franke: Das ist so geil. Ich hab flach gelegen. Vor allem, weil dann dieses ganze Ding, was da folgt, das Ding entkommt, rennt da irgendwie im Schiff umher und versucht ihn irgendwie in Fallen zu locken, hab ich das Gefühl. Und irgendwie ist das so schön, weil da so wenig Sprache passiert und er einfach nur, es gibt so viele Geräusche, die eine eigene Komik entwickeln, weil das alles so stumm ist. Und dann, wie er halt da versucht, dieses Ding wieder einzufangen. Es ist großartig. Es ist einfach nur, es ist ein bisschen lang, ja. Und es ist ein sehr langer Elevator-Pitch für den Film. Elevator-Pitch als Pun intended natürlich, weil, naja, da kommt der Aufzug und der zerquetscht den oder nicht. Spannung. Spannung. Und die halten sie sehr lange, diese Spannung.
Florian Bayer: Das Tolle an dieser Szene ist ja, dass sie wirklich wunderbar mit dieser Kombination spielt, aus Slapstick-Humor und aus Horror. Dass die ganze Zeit diese Horrormusik, auch ganz viele Kamerafahrten und Kamerablicke, die so sehr klassisch sind für die damalige Horrorzeit, so kurz bevor der Slasher groß wurde, auch durch John Carpenter übrigens, Ende der 70er durch Halloween. Aber damals gab es ja schon diese Proto-Slasher und da hatten wir auch diese Suspensmomente, die Hitchcock auf die Spitze getrieben haben, so quasi, wie schaffen wir es, Hitchcock die Subtilität zu nehmen? Ah, wir machen das mit düsterer Musik und mit einer radikalen Vogelperspektive und ständig nähert sich die Kamera dem Protagonisten. Das sind diese Horrormomente. Und dann haben wir aber diese Slapstick-Momente, weil das Alien macht einfach witzige Sachen und ärgert ihn nur und lacht dabei auch noch, macht noch komische Geräusche. Aber es wird lebensgefährlich, ne? Ja, ja. Das Alien bedroht ihn. Das ist eigentlich wie so ein, wie eine Cartoon-Figur, die Amok läuft und plötzlich wirklich dein Leben zerstören kann, weil sie jagt ihn eben in diesen Aufzugsschacht, den Alavatar, wie man das gerade erwähnt hat.
Johannes Franke: Aber er jagt ihn ja nicht. Er flüchtet ja da lang, dann baut der sich eine Brücke, um da rüber zu kommen und durch diesen Schacht durchzukommen. Dann kommt dieses Alien, geht da wieder rüber und zieht die Brücke weg, sodass dieser Typ nicht wieder zurückkommt. Weil es ist ja schon für sich so eine Slapstick-Nummer. Und dann versucht er da wieder durchzukommen ohne Brücke und hat natürlich kaum eine Chance. Und das schlachten sie aber aus, dermaßen aus, dass da dieser Fahrstuhl dreut als Gefahr dort. Oh Mann.
Florian Bayer: Und die Musik sagt uns dann auch, jetzt wird es lebensgefährlich, weil das Ding droht, ihn wirklich zu zerquetschen, kommt von oben runter. Er schafft es sich dann irgendwie daran festzuhalten und dann fährt das hoch und runter und er hängt da und er hat Angst um sein Leben. Die Musik sagt uns das auch. Aber gleichzeitig ist es halt eine Szene, in der er gegen einen Beachball gekämpft hat. Ja, genau. Und der Beachball hat sich halt kaputt gelacht, als er das gesehen hat.
Johannes Franke: Es ist ein Wechselbad, der Gefühle. Ja. Und warum zur Hölle fährt dieser Fahrstuhl immer wieder hoch und runter? Gibt es irgendeinen Grund für den Fahrstuhl in der Gegend rumzufahren?
Florian Bayer: Ich dachte, das wäre irgendwie, der Müll würde da von dem Fahrstuhl transportiert werden, aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden. Achso, keine Ahnung.
Johannes Franke: Das weiß ich nicht.
Florian Bayer: Das ist ein automatisches Müllsystem.
Johannes Franke: Vielleicht habe ich da aber auch was falsch gehört. Okay. Also die Stimme, die ja an Bord, die einzige weibliche Stimme, die wir im ganzen Film haben, ist ja dieser... Unser Tor-A-Bord-Computer. Der Computer. Und die hat irgendwas erzählt darüber, was der Fahrstuhl da jetzt... Weil sie hat ja auch gesagt, bitte please clear the space. Aber so richtig hat sie mir nicht erklärt, was das soll.
Florian Bayer: Ja, ich fand es auch merkwürdig. Es ist, glaube ich, vor allem dieser Fahrstuhl existiert, um Spannung zu erzeugen. Ja, ja. Das ist wie bei Galaxy Quest, auch eine tolle Science-Fiction-Parodie auf Star Trek. Und da müssen sie irgendwann durchs Raumschiff und zu einem Reaktor kommen, den sie auflösen müssen. Und dann gehen sie durch so ein Feld, wo so stampfende Metallteile sind, die sie da quetschen können. Und dann sagt die Protagonistin, was haben diese Dinger hier zu suchen? Die erfüllen doch überhaupt keinen Zweck. Die sind doch nur da, damit es gefährlicher ist. Und so ist das in dieser Szene, glaube ich, auch.
Johannes Franke: Ja, aber auch Indiana Jones und so weiter.
Florian Bayer: Und eigentlich, das Ganze passiert dem Traurigsten der vier Personen, nämlich Pinback, der ja nicht ganz freiwillig auf dieser Mission mit dabei ist. Ja.
Johannes Franke: Irgendwann, der hat so eine Einträge in sein Tagebuch. Das sind so Videotagebücher, die er da hält und dann sich immer wieder die Kamera anmacht und immer wieder darüber redet, wie sein Tag war oder was heute passiert ist. Also Logbuch im Grunde, ne? Ja. Ich fand's wahnsinnig witzig, diese abwechslungsreiche Einträge, wie er das erzählt und was heute wieder passiert ist und wer ihn ärgern wollte und wer ihn gemobbt hat. Und dann hat er zwischendurch einen Lachflash für irgendeine Geschichte, die er erzählt hat. Fand ich sehr witzig. Ja.
Florian Bayer: Er ist so ein bisschen der Ernie in diesem Raumschiff auch, ne? Ja, stimmt. Niemand hört ihm zu. Er wird ständig von den anderen entweder ignoriert oder fertig gemacht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann hat er eben diesen Ausbruch vor den Geräten, wo er sagt, dass die Mission ihn ankotzt, die Leute vergessen seinen Geburtstag, die sind alles Arschlöcher. Und das Traurige ist, er sollte eigentlich gar nicht auf dieser Mission dabei sein. Er ist ein einfacher Handwerker und er ist durch Zufall in den Weltraumanzug gekommen und er wusste nicht, wie er das Gerät anmacht, um zu reden. Und dann hat zu ihm jemand gesagt, so und jetzt geht's an Bord und er konnte nicht sagen, dass er der Falsche ist, weil er einfach den Helm nicht bedienen konnte. Und er erzählt ihnen das wohl so alle vier Jahre. Weil er erzählt das dann und sie sind dann genervt und sagen, boah, er hat uns diese Geschichte doch vor vier Jahren schon mal erzählt.
Johannes Franke: Und vor allem erzählt er ja auch mal, wie er heißt wirklich eigentlich. Und der Name referiert auf seinen Professor an der Uni. Ja. Das ist total süß. Ich finde das total schön. Der nennt sich einfach wie sein Professor, für den er gerade seine Abschlussarbeiten macht.
Florian Bayer: Das ist wirklich niedlich. Und diese Figur ist halt so toll, weil sie wirklich eine tragikomische Figur ist. Weil es ist so ein bisschen der, der es halt die ganze Zeit abkriegt und der wirklich scheiße behandelt wird, vor allem von Boiler. Ja. Er sagt das auch, Boiler schlägt mich ohne Grund. Und dieser Boiler ist halt die perfekte Ergänzung zu ihm, weil das ist einfach nur der Raudi, der Bulli, der Arsch, der auch nicht viel macht. Der hat keine große Sprechrollen. Den sieht man dann ab und zu auf Sachen schießen. Der freut sich immer tierisch, wenn er was in die Luft sprengen darf im Weltall. Ja, toll. Und ansonsten sitzt er halt da und kämmt seinen Oberlippenbart, der wirklich gewaltig ist. Ja.
Johannes Franke: Aber ich würde fast sagen, die traurigere Figur ist Talby. Talby ist die philosophische Figur auch. Ja. Der sitzt halt da oben wie R2-D2 und was übrigens das erste Bild in dem Film ist Talby da oben in seiner Kuppel und er sieht aus wie R2-D2. Ja, so ein bisschen stimmt. Absolut. Und er macht auch diese Geräusche. Und dann hast du da irgendwie, denke ich sofort, what the fuck, Star Wars? Aber Star Wars ist später. Star Wars ist drei Jahre später. Und das ist krass. Und dann, ich glaube, die haben, Dan O'Bannon, den haben sie ja auch für Star Wars eingekauft oder den Prop-Typen. Ich weiß es nicht ganz genau. Die haben jemanden von diesem Film für Star Wars eingesetzt als Set-Designer mit. Ja. Und dann wundert mich das natürlich nicht, dass mich das daran erinnert.
Florian Bayer: Genau, Dan O'Bannon war tatsächlich eine Zeit lang bei George Lucas Star Wars mit beschäftigt und hat da wohl auch mit Ideen eingebracht. Genau. Und tatsächlich, Star Wars wird ja auch ganz viel dafür gelobt, dass es eben im Gegensatz zu diesen ganzen anderen Space-Operas, die es früher gab, die es davor gab, eben auch den Schmutz kultiviert. Also die Welt in Star Wars ist so eine zerfallene Welt mit Ruinen, mit dreckigen Kneipen, mit dreckigen Raumschiffen. Ja. Und natürlich ist es jetzt nicht so weit hergeholt zu sagen, dass es auch davon inspiriert. Ja. Weil der Weltall durfte vorher nicht schmutzig sein, der war kitschig bunt wie bei Star Trek oder eben sehr steril und klinisch wie bei 2001 Odyssee im Weltraum. Ja.
Johannes Franke: Ja, super. Also natürlich musste ich sofort an Star Wars denken und habe das auch die ganze Zeit beobachtet den Film über und fand doch ein paar Parallelen, muss ich sagen. Und Talby hat mir halt dann immer leid getan, weil der wirklich da oben nur sitzt und auf seiner Galaxie die Phönix-Asteroiden wartet und hofft, die mal zu sehen. Was ich natürlich am Ende irgendwie dann, hat er seinen Full Circle da.
Florian Bayer: Er ist so ein kompletter Träumer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er sagt, diese Asteroiden kommen nur alle paar Milliarden Jahre an uns vorbeigeflogen und es muss wunderschön sein, weil die leuchten. Ich will sie nur einmal sehen. Ich hoffe, dass ich sie endlich sehen kann. Und er ist auch tatsächlich, er ist nicht mit den anderen zusammen, er ist die ganze Zeit oben allein. Am Anfang, es ist total irritierend, weil man sieht halt die drei unten in der Kabine und man sah ihn nur kurz oben. Die sehen sich alle übrigens auch sehr ähnlich.
Johannes Franke: Ja, die haben alle sehr verarscht.
Florian Bayer: Also man braucht einen Blähten und dunklen Haaren. Und er sitzt halt da oben und der Einzige, der ihn besucht, ist Doolittle, der so ein bisschen der heimliche Protagonist des Films ist und so der Einzige, der als Identifikationsfigur taugt, weil er jemand ist, der so ein bisschen mehr nachdenkt und ein bisschen mehr versucht, auf die anderen einzugehen.
Johannes Franke: Aber dafür haben wir irgendwie mehr zu viel zu tun mit O'Bannon, weil der die ganze Zeit dieses Alien jagt. Pinback. Und Pinback, genau, Pinback heißt die Figur. Also, und ich bin eigentlich die ganze Zeit an Pinback dran. Ja. Also, ich kriege ja von unserem Käpt'n gar nicht viel mit. Beziehungsweise der eigentliche Käpt'n ist ja... Der eigentliche Käpt'n ist gefroren.
Florian Bayer: Der kriegt auch noch einen kurzen Auftritt. Finde ich geil. Von Philipp K. Dick inspiriert, dass jemand gefroren ist und sein Bewusstsein dadurch irgendwie am Leben gehalten wird. Und auf dieses Bewusstsein müssen sie zurückgreifen, wenn sie eben nicht wissen, wie sie das Problem mit der Bombe lösen wollen. Ja. Und das ist ja der eigentliche Kern der Geschichte. Die Bombe. Wollen wir philosophisch werden? Noch nicht, noch nicht. Wir müssen zuerst ganz kurz einmal erklären, bevor es philosophisch wird, sind ja diese Dialoge zwischen der Bombe und dem Raumschiff, dem Boardcomputer.
Johannes Franke: Großartig. Nur kurz ein Hinweis. Liebe ZuhörerInnen, wir haben es mit einem Film zu tun, der einer Bombe eine Intelligenz gibt, eine künstliche. Ja. Und dann die Störigkeit eines Kindes, ne?
Florian Bayer: Ja. Die Bombe kriegt durch den Laserausfall den Befehl auszufahren. Das ist ein falscher Befehl. Und dann sagt der Computer, du hast einen falschen Befehl erhalten, bitte fahr wieder rein. Aber das stand doch da. Nein, du musst jetzt wieder reinfahren.
Johannes Franke: Ich hab den Befehl bekommen.
Florian Bayer: Ich will jetzt aber ausfahren. Und dann dieser großartige Kommentar, nachdem das zum Zweiten passiert ist. Okay, das ist aber jetzt wirklich das letzte Mal.
Johannes Franke: Es ist irgendwie sehr süß und hat so überspitzt diese künstliche Intelligenzgedanken, der natürlich keine eigene Emotionen normalerweise hat. Und dann bekommt es plötzlich so ein, wie bei Per Anhalter durch die Galaxis, ne? Marvin, der depressive Android. Ja. Dieser Gedanke allein und diese Absurdität, die damit mitschwingt, einfach ein Comedy-Garant.
Florian Bayer: Ja, künstliche Intelligenz und gleichzeitig künstliche Unvernunft. Ja, genau. So, warum programmiert man eine künstliche Intelligenz, die einen Hang dazu hat, unvernünftig zu sein, störig zu sein, sich zu wehren und rumzualbern? Weil diese Bombe ist ja auch irgendwie albern. Die hat ja auch so eine jugendliche Stimme ein bisschen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und die Schiffsstimme vom Computer ist dann auch noch eine Frau. Oh, das klingt so ein bisschen wie eine Mutter, die ihr Kind zurecht weist und sagt, wenn du jetzt nicht reingehst, dann kriegst du kein Abendessen. Dann geht es ohne Abendessen ins Bett. Geht es ohne Explosion ins Bett. Und dann passiert es eben doch zum dritten Mal, dass die Bombe aktiviert wird. Und dann wird sie aber nicht losgelassen, aber sie will trotzdem explodieren. Und sie sagt, ich explodiere jetzt gleich. Und dann braucht Doolittle irgendwie Hilfe und redet mit dem Kapitän. Und der Kapitän sagt, werd phänomenologisch, diskutiere mit ihr, philosophiere mit ihr, versuche sie auf einen Gedanken zu bringen, der sie davon abhält. Und das macht Doolittle dann auch. Und das ist natürlich die direkteste Referenz auf 2001 Odyssee im Weltraum. Wo es ja auch so ein bisschen diesen Ansatz gibt, dass Hull irgendwie ein Bewusstsein entwickelt. Also der Roboter, die künstliche Intelligenz da und gegen die Crew aufbegehrt. Und hier wird es aber nochmal auf die Spitze getrieben, weil wir lauschen dann tatsächlich einem Philosophchen-Gespräch zwischen Doolittle und der Bombe. Und Doolittle versucht die Bombe davon zu überzeugen, dass sie sich nicht gewiss sein kann, dass sie diesen Befehl erhalten hat. Was grundsätzlich ein guter Gedanke ist. An sich, ja. Aber er macht einen großen Fehler. Er lässt nämlich die Bombe in die Falle des Solipsismus laufen. Jingle.
Johannes Franke: Das muss man sehen. Lexikon. Plor, was ist der Solipsismus?
Florian Bayer: Hast du auch mal nachgeschlagen? Hast du dich auch mal damit befasst? Klar habe ich nachgeschlagen. Also Solipsismus ist ein total spannendes philosophisches Konstrukt. Und ich würde sogar behaupten, es steht ganz oft am Anfang jeder Philosophie. Und es ist auch total wichtig. Also ich gehe ganz kurz mal auf ganz kleiner historischer, definitorischer Abriss. und dann versuchen wir selbst mal ein bisschen solipsistisch zu werden. Oh Gott. Also was Solipsismus bedeutet, ist eigentlich allein selbst. Also es kommt aus dem Lateinischen. Solus heißt allein und ipsa heißt selbst. Das heißt für sich selbst, für sich allein sein ist eigentlich die direkte Übersetzung des Begriffs. Und das heißt es auch. Es ist der Gedanke, dass nur mein eigenes Ich, dass das alles ist, dessen ich gewiss sein kann. Das ist das Einzige, was ich beweisen kann. Und alles andere ist fraglich. Alles andere ist unklar. Das Einzige, was ich wirklich weiß, ist, dass ich existiere. Kogito-Ergosum. Genau. Damit wären wir schon bei einem großen Philosophen des Solipsismus, Descartes. Der das eigentlich, sein Cartesianianismus nimmt, den Solipsismus als Anfang seiner Überlegung. Aber damit kommen wir noch zu einer großen Konstanten der Philosophiegeschichte, dass die großen Metaphysiker, die das gemacht haben, die so reduziert haben, die phänomenologisch wurden und ganz an den Ursprung zurückgegangen sind, dass die immer versucht haben weiterzukommen. Das heißt, die Geschichte der Philosophie, der großen Metaphysik ist immer die Geschichte des Versuchs der Überwindung des Solipsismus. Niemand will da stehen bleiben, weil da hast du halt ein philosophisches Werk geschrieben, was aus einem Satz besteht. Und deswegen hat Descartes zum Beispiel auch gesagt, es gibt eben dieses Bewusstsein, das Res Cogidans. Es gibt aber auch die materiellen Objekte, die Res Extensas, gibt das außerhalb. Und ich sage das jetzt, bumm. Und wir können uns gewiss sein wegen Gott. Das ist, was die Philosophen damals, als wir noch nicht so säkular philosophiert haben, und ständig gemacht haben. Aber Gott, Gott, Gott, Gott, das ist die Gewissheit. Tatsächlich gab es vor Descartes auch schon solipsistische Ansätze und die Ältesten kommen aus dem Hinduismus. Tatsächlich im ersten Jahrtausend vor Christus in den Upanishaden, der großen hinduistischen Schrift, gibt es das Isha Upanishad, eines der kürzesten oder sogar die kürzeste der Upanishaden, die ja irgendwie ganz, ganz viele verschiedene Texte sind. Und da wird sehr konkret auf den Solipsismus referiert, ohne das Wort zu benutzen. Das Wort ist noch relativ jung. Und da wird der Solipsismus auch eher als was Positives dargestellt. Da heißt es nämlich, jemand, der alles als nichts außer dem Selbst sieht und der das Selbst in allem sieht, was man sieht, ein solcher Seher zieht sich von nichts zurück. Der ist erleuchtet. Für den Erleuchteten ist alles, was existiert, nichts anderes als das Selbst. Also wie könnte für denjenigen, der diese Einheit kennt, irgendein Leiden oder irgendeine Täuschung andauern? Das heißt, der Solipsismus, dass man nur sich selbst gewiss sein kann, ist im Prinzip eine Erlösung. Weil die Außenwelt, das hat einfach keine Bedeutung. Was kümmert es mich, wenn ich leide? Das ist sowieso alles Teil von mir selbst. Was kümmert es mich, wenn die Welt um mich herum zusammenbricht? Es kulminiert sowieso in mir, in meinem eigenen Selbst.
Johannes Franke: Wollen wir den Gedanken mal ganz kurz herleiten wenigstens? Warum kommt man überhaupt darauf, dass man nur sich selbst sicher sein kann? Das macht ja auch der Typ mit der Bombe. Er leitet das her. Er sagt, woher weißt du, dass du den Befehl bekommen hast? Ah ja, na klar, ich habe ihn ja gehört. Okay, aber das, was du gehört hast, wird ja in deinem Hirn produziert. Und woher weißt du, also Hirn, Bombe, Hirn, du weißt schon, in deinen Drähten, die Weiterleitung. Woher weißt du, dass das nicht alles nur in dir passiert? Woher weißt du, dass das überhaupt von außen gekommen ist? Und die Frage stellt sich natürlich einem Menschen genauso, noch viel mehr, weil dein Hirn ja im Grunde alles interpretiert, was an außen Reizen kommt. Und unter Umständen eben sich das auch alles ausdenkt.
Florian Bayer: Du darfst nicht mal Hirn sagen. Hirn ist schon viel zu viel gedacht. Da bist du ja schon physisch und materiell. Es gibt ja dieses Problem, sind wir eigentlich nur ein Gehirn in einem Glas. Aber das ist schon viel zu weit gedacht. Es gibt ja die große Disziplin in der Philosophie der Erkenntnistheorie. Und sehr lange in der Philosophiegeschichte waren alle Philosophen Erkenntnistheoretiker. Und der Gedanke von der Erkenntnistheorie war es eigentlich immer, ganz zum Anfang der Erkenntnis zurückzugehen. Also das, was nehmen wir wahr. Das ist so ein radikaler Empirismus eigentlich. Ich verlasse mich nur auf das, was ich wahrnehme. Und versuche daraus herzuleiten, wie die Welt gebaut ist. Und das haben die Theoretiker in unterschiedlichen Zeiten immer anders genannt. Aber das war ganz lange die Königsdisziplin der Philosophie. Und deswegen haben die großen Philosophen der letzten 500 Jahre vor der Moderne alle irgendwie ihr großes Werk geschrieben, wo sie versucht haben, dem Sein auf den Grund zu kommen. Egal, ob das jetzt Descartes war oder Kant oder Schopenhauer. Die haben das alles versucht. Und heute macht das keiner mehr. Heute hat da keiner mehr Bock drauf. Und das Wichtigste ist natürlich eben diese Reduktion, dass du erst mal sagst, wessen bin ich mir gewiss? Und du kannst die Frage ja mal beantworten. Was ist gewiss, wenn du jetzt kurz in dich gehst und überlegst, was weiß ich? Wessen kann ich mir sicher sein?
Johannes Franke: Ich kann mir sicher sein, dass du vor mir sitzt und mit mir redest. Nein, kann ich natürlich nicht. Woher soll ich das? Also natürlich nicht. Das Problem ist natürlich, mein Hirn macht da irgendwas draus. Und gibt es, wenn du noch weiter zurückgehst.
Florian Bayer: Dein Hirn existiert nicht. Du weißt nicht, ob dein Hirn existiert. Gehirn ist Biologie und das ist ja schon ein ganzes Konzept dahinter. Also du bist ja gewiss, dass da irgendwas ist, was wahrnimmt. Ja, du kannst noch radikaler sein. Du kannst sagen, nicht mal ich nehme wahr, sondern irgendwas nimmt wahr. Oder? Irgendwas passiert hier.
Johannes Franke: Ich glaube schon, dass ich ein Ich ausmachen kann. Ein wahrnehmendes Etwas, was ich als Ich bezeichnen kann.
Florian Bayer: Okay, das ist gut, super. Dann bist du schon einen Schritt weiter gegangen. Aber das ist okay, den Schritt kann man gehen. Also es nimmt irgendwas wahr und ich bin bereit, das als Ich zu bezeichnen. Und dann bist du bei diesem berühmten Kogido-Ergo-Sum, was man gar nicht oft genug zitieren kann. Weil es erstmal wirklich das ist, ich denke oder ich nehme wahr, ich habe irgendwie eine Form von Bewusstsein, also bin ich. Dieses Bewusstsein ist und ich bin bereit, das Ich zu nennen. Und dann stehst du an der Klippe des Solipsismus. Weil kann ich beweisen, gibt es irgendeine Option für mich zu sagen, es gibt mehr? Oder könnte nicht alles andere eingebildet sein? Also könnte es sein, dass wenn ich mich an der Haut kratze, dieses Gefühl, was ich spüre, wenn meine Finger die Haut berühren, dass das nichts als Einbildung ist. Da ist keine Haut, da ist keine Hand, sondern das ist alles nur Einbildung. Und kann man diese Klippe überwinden?
Johannes Franke: Ich glaube, das ist so ein Thema gewesen, was ich mit 16 oder sowas sehr ausgiebig... Ja. Das sind so die typischen Anfangsthemen, wenn man so richtig in dieses Rabbit Hole hineinfällt. Und das ist super wichtig. Ich finde es auch total grandios.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist das, wenn man es übersetzen will, das ist die Grundrechenart der Philosophie. Wenn du mit Mathe anfängst, machst du nicht irgendwelche Algorithmen und irgendwelche logarithmischen Funktionen oder so, sondern du fängst an mit 1 plus 1. Du fängst an, überhaupt Zahlen zu begreifen. Und dasselbe ist in der Philosophie einmal so wirklich komplett zurückzugehen, alles auszublenden, was du eben glaubst an Gewissheit zu haben und zu überlegen, kann ich mir überhaupt über irgendwas gewiss sein, eben außer dieser Existenz, die ich als ich bezeichne.
Johannes Franke: Liebe ZuhörerInnen, willkommen beim Grundkurs Philosophie mit Plur Bayer.
Florian Bayer: Und dann ist das natürlich, es ist unglaublich sexy. Weil es ist, das Problem beim Solipsismus ist, zumindest vordergründig, du kannst es nicht beweisen. Du kannst nicht beweisen, dass das hier existiert. Ich könnte einfach nur deine Einbildung sein. Alles drumherum könnte nur deine Einbildung sein. Ich halte es für relativ wahrscheinlich, ehrlich gesagt, Plur, dass du meine Einbildung bist. Echt, sowas bildest du dir ein. Erschreckend wenig Fantasie. Oh, hast du trainiert? Genau, wenn du dir mich schon einbildest, könnte ich da nicht ein bisschen größer sein? Könntest du mir nicht meine Haare zurückgeben? Warum hast du mir meine Haare genommen? Ich bin ein bisschen sadistisch. Und genau, wir sind beim radikalen Zweifeln, bei dieser radikalen Reduktion. Und du denkst auch erstmal so, rein intuitiv kommt man da nicht drumherum. Man schafft diesen Sprung nicht. Schwierig, es sei denn, du führst Gott ein. Ja, das ist ja das, was Kant gemacht hat, was Descartes gemacht hat, was Berkeley gemacht hat, die ganzen Philosophen des 16. Jahrhunderts. Oder sie haben dann halt, das war dann später, die 19. Jahrhundert, haben gesagt, oh Gott, das ist alles so sinnlos, das soll sich alles auflösen. Das war dann Schopenhauer, der gesagt hat, es gibt irgendwie diesen Willen noch oben drüber und alles soll sich in diesem Willen auflösen, aber meine Vorstellung soll aufhören, es soll einfach plopp machen und alles weg sein. Das war der Nihilismus eigentlich. Und ja, und dann kam das 20. Jahrhundert und die Vernünftigen, die haben dann gesagt, naja, Solipsismus ist Blödsinn. Was soll der Quatsch? Damit können wir doch nichts machen. Und dann hat Karl Popper gesagt, das ist nicht falsifizierbar, damit wollen wir nicht mehr arbeiten, überflüssig.
Johannes Franke: Ja, das ist halt die Sache, ich gebe Ihnen vollkommen recht, es ist nicht falsifizierbar und deswegen kannst du keinen Einfluss auf dein Leben haben. Also was sollst du diese Maxime zu deinem Lebensinhalt machen, wenn du damit nicht wirklich arbeiten kannst? Also, dann sitzt du wirklich nur vorm Nichts.
Florian Bayer: Ich glaube, ich glaube, es gibt einen Weg, drumherum zu kommen. Oh, oh.
Johannes Franke: Bist du jetzt gerade derjenige, der Jahrhunderte, Jahrtausende von...
Florian Bayer: Ich bin jetzt mal so größenwahnsinnig und sage, ich löse jetzt ein Jahrtausend altes philosophisches Problem. Nee, ich löse es nicht, ich trickse es aus.
Johannes Franke: Okay, Flora, jetzt bin ich gespürt. Alle, das kommt übrigens in der Prüfung dran, bitte mitschreiben.
Florian Bayer: Also ich glaube, was man machen kann, und wie gesagt, das ist so ein kleiner Taschenspielertrick. Aber man kann zum einen, also wenn man wieder an diesem radikalen Punkt ist, ich bin mir bewusst, dass diese Wahrnehmung da ist. Und ich bin mir bewusst, dass in dieser Wahrnehmung nicht ständig alles ist. Das heißt, du weißt zum Beispiel, wenn du jetzt kurz drüber nachdenkst, weißt du, dass außerhalb von diesem Zimmer ist ein Flur. Du weißt, da ist ein Hausflur und eine Tür und du könntest da hingehen und die öffnen. Aber die ist gerade nicht präsent. Du musst die dir ins Bewusstsein rufen. Du kannst sie natürlich auch sehen und anfassen, wenn du hingehst. Aber du kannst sie dir auch so ins Bewusstsein rufen und sagen, sie ist nicht die ganze Zeit da. Ja, und das betrifft ganz viel. Zum Beispiel, wenn du jetzt gerade nicht an deinen Fuß gedacht hast, weil dein Fuß irgendwie für dieses Bewusstsein nicht da. Und jetzt ist er da, weil du jetzt drüber nachdenkst. Ja, genau. Denke nicht an das Huhn. Nicht an den rosa Elefanten. Okay. Und jetzt kannst du sagen, es gibt offensichtlich eine Sache, die aber immer da ist. Und das ist dieses Bewusstsein selbst. Ja. Das Bewusstsein ist immer da. Alles andere. Also, ich unterscheide noch nicht zwischen Gedanken und Außenwelt. Der Gedanke an den Fuß ist im Moment noch dasselbe wie der Fuß. Aber es gibt offensichtlich einen Unterschied zwischen dem Bewusstsein, das immer da ist, und dem, was man sich entweder ins Bewusstsein ruft oder draußen sieht. Und dann, also es gibt einen Unterschied. Wir haben hier zwei Dinge. Ja. Wir haben das, was immer da ist. Ja, ja, ja. Und wir haben, wir haben was, was nicht immer da ist. Und jetzt können, und jetzt können wir die erstmal benennen. Jetzt können wir sagen, das eine nennen wir ich, und das andere nennen wir nicht ich. Oder außen, wie auch immer.
Johannes Franke: Ja, wobei ich noch an der ursprünglichen These kratzen möchte, wenn ich träume, ist dann mein Bewusstsein so da? Wenn ich schlafe, nicht wenn ich träume. Wenn ich träume, dann ist es besonders aktiv. Aber wenn ich schlafe und nicht träume?
Florian Bayer: Lass uns mal nicht Zeit einführen, das ist viel zu kompliziert jetzt. Weil du erinnerst, du denkst jetzt über das Schlafen nach. Aber du kannst dir die Frage, du hast dir die Frage im Schlafen noch nicht gestellt. Oder wenn du dir die Frage im Träumen gestellt hast, was natürlich möglich ist, dann hast du auch schon so eine Definition gemacht. Und Träume gehören also auch zu dem Außen im Prinzip. Es gibt etwas, was immer da ist, und das ist wirklich nur das Bewusstsein. Das sind nicht die Sachen, über die du nachdenkst, sondern das, was nachdenkt. Das ist immer da.
Johannes Franke: Nee, das ist ja, wenn ich schlafe, nicht da.
Florian Bayer: Nee, aber das ist da, sobald das Bewusstsein ist. Dann existiert es in dem Moment nicht. Dann gibt es Momente, in denen es nicht existiert. Das ist okay. Ach, das ist okay. Das ist in Ordnung. Okay, gut. Also es ist entweder da oder es ist nicht da. Aber wenn es nicht da ist, dann kann es nicht drüber nachdenken, dass es nicht da ist.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Aber es gibt ja trotzdem die übergeordnete Wahrheit, die irgendwie beachtet werden muss. Ich glaube, du fügst die Zeit ein. Das ist ein Fehler. Man darf nicht mit der Zeit operieren. Man darf nur mit dem Jetzt-Moment operieren. Okay, okay. Aber können wir uns darauf einigen, dass wir unterscheiden können? Dass wir sagen können, es gibt etwas, was da ist. Ja. Während ich drüber nachdenke. Und das ist das Bewusstsein. Ja, genau. Und es gibt etwas, was nicht immer da ist, was ich aber irgendwie hervorholen kann. Indem ich es mir angucke oder indem ich drüber nachdenke. Vollkommen egal.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und es gibt diese zwei Dinge. Weil dann haben wir nämlich einen ganz wichtigen Schritt gemacht. Wir haben was, was wir unterscheiden können. Wir können das Ich von allem anderen unterscheiden. Ja. Und alles andere ist ein riesiger, riesiger, riesiger Raum gerade. Aber wir können das schon mal unterscheiden. Und dadurch können wir aber weitergehen. Dann können wir nämlich überlegen, wenn wir dieses Ich jetzt haben und alles andere. Was ist dieses andere? Und dann können wir sagen, okay, das sind Objekte, die befinden sich irgendwo in der Welt und so weiter. Und dann haben wir zumindest schon mal diesen metaphysischen, diesen fundamentalen Solipsismus überwunden. Weil es gibt nicht nur das Ich, sondern es gibt auch anderes. Das reicht schon. Sobald du was zweites daneben hast, was nicht Ich ist, hast du was anderes.
Johannes Franke: Ja. Ja. Aber ich glaube, die Herleitung funktioniert nur so semi. Es ist ein Taschenspielertrieb. Ja, genau. Eigentlich.
Florian Bayer: Ich glaube, ein zweites, ganz großes Problem, und das führt eigentlich dazu, was ein großes Problem des Solipsismus ist, er macht einen Fehler. Er bringt Kategorien rein, nämlich real oder existieren, ohne so weit zu sein. Das heißt, er reduziert, also um zum Solipsismus zu kommen, musst du ja alles weg reduzieren. Ja. Und du bist auf so einer Ebene, wo du irgendwie nur von deiner persönlichen Wahrnehmung ausgehst. Und wenn du dann aber so ein Wort nimmst wie real existieren, Dasein, Existenz, außerhalb, dann arbeitest du mit Begriffen, die in diesem Gedankenkonstrukt noch überhaupt nicht stattfinden dürfen, weil sie noch überhaupt nicht definiert sind. Das ist im Prinzip wie, wenn du sagst, du willst bis 10 zählen und fragst dann, aber was ist mit der Wurzel aus 13? Ja, ja, ja. Wo muss die denn hin? Das ist einfach, du bist bei den natürlichen Zahlen und willst plötzlich schon mit rationalen Zahlen arbeiten. Oder irrationalen Zahlen, das darfst du in dem Moment noch nicht. Du kannst nicht Kategorien einfach da reinflanschen, du kannst nicht sagen, ich fange bei 0 an, aber ich setze voraus, dass es so etwas gibt wie real und nicht real. Weil das gibt es in diesem Moment noch nicht.
Johannes Franke: Ich glaube, da kommen wir nämlich der ganzen Sache viel näher als mit deinem Taschenspielertrick.
Florian Bayer: Aber das ist nur Kritik, dann sagst du, blöder Solipsismus, lass mich in Ruhe.
Johannes Franke: Ja, aber wenn man schon die falschen Fragen stellt, dann hat man ja kaum eine Chance, da irgendwie was Substantielles hinzukriegen. Ja. Insofern bin ich eher bei deiner zweiten Variante.
Florian Bayer: Aber das Problem ist ja, der Solipsismus hört da ja leider nicht auf. Das ist ja so dieser metaphysische Solipsismus, das erstmal zu akzeptieren, den zu überwinden, geht einigermaßen noch. Zu akzeptieren, dass es irgendwie ein außerhalb vom Ich gibt. Viel schlimmer ist ja dann dieser ethische Solipsismus, dass du sagst, okay, ich sehe diese Außenwelt, aber ich kann nicht sagen, dass andere Menschen genauso wahrnehmen wie ich. Also ich kann nicht sagen, dass du so Gefühle hast wie ich, du könntest trotzdem noch nur meine Einbildung sein oder auch nicht viel besser ein Automat, der sich bewegt und zu meiner Unterhaltung dient. Was natürlich zu radikalem Egoismus führt und natürlich dazu führen kann, dass du jegliche Verbrechen rechtfertigst, weil warum solltest du nicht morden, wenn Menschen außer dir nichts empfinden. Ja, genau. Und das ist ja so ein bisschen dieses Max Stirner Ding, der das so quasi auf die Spitze getrieben hat, diese egoistische Philosophie und gesagt hat, ich bin einzig, ich bin nicht ein Ich neben anderen Ichen, sondern ich bin das alleinige Ich. Ich bin hier und ihr alle könnt mich mal am Arsch lecken. Und das ist noch viel schwerer, daraus zu kommen. Also du hast die Metaphysik geschafft und bist einigermaßen damit konform, dass es eine Welt gibt und dann hast du plötzlich diesen anderen Topos nochmal so, ja, gibt es andere Gefühle? Solange es die nicht gibt, muss ich mich um nichts kümmern.
Johannes Franke: Ja, na, ich glaube, das ist einfach nur Arschloch, das ist alles. Ja, genau. Die Arschloch-Philosophie. Okay. Okay, und wollen wir in den Film zurückkehren? Haben wir den Solipsismus hinter uns?
Florian Bayer: Ja, wir können, also tatsächlich, ich finde immer noch das, was Sartre gesagt hat, ganz gut, der hat das einfach als die Klippe des Solipsismus genannt, hat gesagt, das wird einfach ein Problem sein, was uns begleitet. Sobald du phänomenologisch wirst, läufst du in diese Falle. Und es ist wichtig, dass es das gibt, es ist wichtig, darüber nachzudenken, aber dann gibt es halt irgendwann den Punkt, wo man sagen muss, ich muss da irgendwie raus, sonst macht nichts Sinn und dann kann ich aufhören zu philosophieren. Und dann habe ich halt zwei Sätze zum Papier gebracht und alle Erkenntnisse aufgeschrieben, die ich habe und mehr habe ich nicht. Ja, genau. Und vorbei. Ende. Und damit schließen wir unser Lexikon ab. Weil genau das ist nämlich die Falle, in die die Bombe läuft.
Johannes Franke: Das war, das muss man sehen, Lexikon. Ja, unsere Bombe. Ich finde den Gedanken übrigens sehr, sehr schön. Ich finde diese Idee, dieser Bombe, dieses philosophische Problem vorzulegen, sehr schön und die folgerichtige Lösung, die die Bombe für sich findet, die der Herr nicht vorhergesehen hat, die der Bombe eingeflüstert hat.
Florian Bayer: Er hat es so gut gemacht. Er hat sich wirklich bemüht. Er war philosophisch. Er hat gesagt, ja, dann könntest du ja doch falsch Daten haben. Und dann hat die Bombe gesagt, ich muss nochmal drüber nachdenken. Und das Problem war, er hat sie dann alleine gelassen. Er hat sie weiter begleiten müssen. Mehr mit ihr philosophieren. Weil dann sagt sie, okay, alles sind falsche Daten.
Johannes Franke: Es gibt nur mich. Ich bin in der Dunkelheit. Ja, und ich, meine einzige Aufgabe ist es zu explodieren. Also mache ich das jetzt. Mit dem Göttlichen, das werde Licht. Boom. Es ward Licht. Und aus irgendwelchen komischen Gründen ist eine Bombe explodiert, die einen ganzen Planeten hätte zerstören sollen. Und der Käpt'n ist noch am Leben. Der fliegt durchs All. Und der, den der vorher ausgeschleudert wurde aus dem Raumschiff. Talbi und Ludwig leben noch. Talbi lebt auch noch. So weit ist er auch nicht entfernt gewesen, dass er nicht von der Bombe hätte getroffen werden sollen.
Florian Bayer: Eigentlich hätte alles Platz sein müssen.
Johannes Franke: Alles hätte Platz sein müssen. Auch der Planet, der da noch direkt daneben war.
Florian Bayer: Aber es hat tatsächlich nur Boiler und Pinback dahin gerafft. Selbst der Kapitän, wie du gesagt hast, der im Eis liegt. Der fliegt dann im Eis durchs Weltall. Du sagst noch, naja, den schafft Captain Paul. Der hat es rausgeschafft, natürlich. Den bringt nichts klein. Und was machen wir jetzt?
Johannes Franke: Und ich finde, das ist alles so lighthearted. Ja. Dass du gar keinen, also du hast weder Mitleid noch sonst irgendwas. Sondern du bist einfach so, oh ja, jetzt könnte auch so ein beschwingter Song losgehen. Und wir gehen jetzt fröhlich in den Tod. Weil es hat diese Monty Python-Momente. Ja.
Florian Bayer: Die sind immer mal wieder verstreut in dem Film.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Auch wenn es ein amerikanischer Film ist. Er hat so ein bisschen, er versprüht so ein bisschen diesen Monty Python-Geist.
Johannes Franke: Stimmt, ja. Ich finde es großartig. Deswegen finde ich auch den ganzen Film über. Weil der so lighthearted ist, auch wenn diese ganzen, immer mal wieder dieses Synthi-Dröhnen von Carpenter da reinkommt und es mal düster wird und mal so ein bisschen bedrohlich oder ne. Aber es ist immer, da liegt immer dieser Teppich drunter von, ach, eigentlich ist alles ganz lustig. Und eigentlich ist es irgendwie alles sehr, sehr leicht.
Florian Bayer: Und sie finden dann ja auch beide ihre Erlösung, ne? Ja. Der die ganze Zeit von den Meteoriden geträumt hat. Er sieht sie. Die Phönix-Asteroiden.
Johannes Franke: Da kommen sie.
Florian Bayer: Sie kommen und sie nehmen ihn mit. Er wird in ihre Mitte aufgenommen.
Johannes Franke: Was man alles nur als Todesdelirium nehmen kann, aber gut. Und Duluth macht das, was er die ganze Zeit machen wollte. Er nimmt sich irgendein abgesprengtes Teil vom Raumschiff, was auch eigentlich pulverisiert hätte sein müssen und surft darauf auf den Planeten zu, der da kommt. Wo er garantiert verglühen wird in der Atmosphäre und da als Sternen-Schnuppe runterkommt. Aber sie kriegen beide ja Happy End. Irgendwie.
Florian Bayer: Irgendwie. Der eine wird in diesem Asteroiden-Feld sterben, wenn er keine Luft mehr hat. Der andere wird in der Atmosphäre des Planeten verglühen. Und trotzdem freut man sich für sie, dass sie nochmal surfen dürfen und nochmal mit den Asteroiden fliegen.
Johannes Franke: Das ist sehr schön. Ja, das ganze Ding. Irgendwie hatten es eine Absurdität und so ein Tempo. Also Tempo ist ja ein langsames Tempo. Also der ist so ruhig erzählt. Nebenbei so ein paar Gags und dann leben die halt und gehen sich auf die Nüsse. Und dann hast du halt irgendwie, gibt es für die Ausstattung einen eigenen Gag, wenn die da in ihrer Männer-WG leben und dafür gibt es Raum und dann quatscht da keiner dazwischen. Dann macht er irgendwie seine Prop-Comedy da mit den komischen Augen und mit dem Gummihuhn und so. Weißt du, das sind alles so, die kriegen ihre Momente und das ist nicht hektisch, sondern es ist alles sehr bewusst gesetzt und mit viel Raum für alles.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich finde es irgendwie echt cool. Das macht auch dieses Weltraumgefühl, glaube ich, mit dann.
Florian Bayer: Ja, und das ist wie gesagt in der Zeit, in der das eigentlich nicht das Weltraumgefühl war.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil, also wir haben ja, also Science Fiction war ja wirklich bis in die 70er hinein. Star Wars war eben so das, Star Wars und Alien waren eigentlich die großen und heute noch bekannten Filme, die das geändert haben. Aber bis dahin war Science Fiction, wie gesagt, entweder kitsch oder eben dann Ende der 60er auch ein bisschen Philosophie, aber das war halt auch eher so Kassengift. 2001 war so der große Leuchtturm. Aber ansonsten war es jetzt nicht so, dass die philosophischen Science Fiction Filme die Zähne gerockt hätten. Und Carpenter, das war sein Langfilmdebüt, hat ja offensichtlich auch gehofft, durch diesen Film an andere Jobs ranzukommen. Das war ja wirklich so, dass er gesagt hat, hey, das ist ein guter Film geworden, das ist ein verdammt guter Film geworden, dafür, dass wir mit zu wenig Budget gearbeitet haben. Ja, ja. Und das wurde allerdings eher enttäuscht, ne? Also der hat danach, hat er sich sehr lange im B-Movie-Sektor rumgetrieben, hat tolle Filme gemacht. Also 1976 ist Sold, Anschlag bei Nacht, ein ganz großartiger dystopischer Action-Thriller, der so ein bisschen diese Mad Max-Thematik besitzt, der so eine apokalyptische Welt zeigt, ohne das klar zu definieren, dass sie apokalyptisch ist, in der einfach die Ordnung aufgebrochen ist. Dann hat er einen tollen Psychos-Füller gemacht, 1978, mit den Augen der Laura Maas. Und das waren beides Filme, die von der Kritik aber nicht sehr wohlwollend aufgenommen wurden. Und sich tatsächlich eher so in diesen Midnight-Movie-Screens langsam, aber stetig eine Kult-Folge erarbeitet haben. Und dann kam aber sein großer Film, 1978, Halloween. Ja. Die Geburt des Lächers und tatsächlich auch riesiger Erfolg und mit wenig Budget und die Geburt eines ganz eigenen Horror-Genres nochmal, den italienischen Giallo kombiniert mit Hitchcock und dann hätte man eigentlich denken müssen, jetzt hat er es geschafft. Aber er ist dann wieder zurückgefallen auf diese. Er hat dann richtig gute Filme gemacht, aber sobald er Budget in die Hand gekriegt hat, das war vor allem 1986 mit Big Trouble in Little China, wo er den Blockbuster gemacht hat seiner Karriere. Ja. Der war ein totaler Misserfolg an der Kasse, was überhaupt nicht nachvollziehbar ist, weil das wirklich eine großartige Action-Abenteuer-Komödie ist. Ich glaube, ich habe die nicht gesehen. Durchaus neben den Indiana Jones bestehen kann. What? Also ein Film seiner Zeit, Action-Abenteuer mit Augenzwinkern und... rassistischen Stereotypen, sexistischen Stereotypen, wie man sie bei Indiana Jones kennt. Und so ein bisschen lighthearted und wirklich ein schöner Film. Okay. Und das, ja, aber das hatte keinen Erfolg gebracht. Dann ist er wieder zurück zu den B-Movies gegangen. Und Karpender hat es aber immer geschafft, B-Movies zu machen, die aussehen, als ob sie teurer wären, als sie eigentlich waren. Ja, ja gut. Und gleichzeitig, wenn er ein Budget hatte, das ist witzig, sahen die Filme aber auch so aus. Karpender hat mit unterschiedlichsten Budgets immer konstant gleich aussehende Filme gemacht, die so ein bisschen B-Movie-Charme haben. Ja, okay. Aber trotzdem viel besser aussehen, als sie eigentlich sollten, bei dem wenigen Geld, das er zur Verfügung hatte. Ja, okay. Und ich mag ihn. Ich bin wirklich ein großer Karpender-Fan, der hat tolle Filme gemacht. Auch sowas wie Sie leben, zum Beispiel 1988.
Johannes Franke: Aber was hältst du denn von Halloween? Und dann auch noch die Fortsetzungen und dieser ganze... Ich verstehe die nicht, die Filme. Ich kriege es nicht auf die Reihe. Ich finde es nur...
Florian Bayer: Hä? Also die Fortsetzungen sind crap. Es gibt keine gute Halloween-Fortsetzung. Ja. Aber der erste Halloween-Film, der ist unglaublich. Der hat so eine krasse Atmosphäre. Und das ist einer der wenigen Horrorfilmen, die es schaffen, das Böse zu definieren. Als wirklich einfach nur das Böse. Und damit durchzukommen. Weil sie den Schrecken dieses Killers, der ja eigentlich ein Psychopath ist, der aus einer geschlossenen Anstalt ausgebrochen ist, dass sie es schaffen, den so metaphysisch zu erhöhen. Das hatte Karpender nämlich drauf. Immer so hinter den Dingen so eine metaphysische Komponente zu sehen. Das hat er eben auch in diesem Film. Diese Bombe, die ist ja irgendwie die philosophiert und die will mehr als... Die will verstehen, wie die Welt um sie herum funktioniert. Und in Halloween erzählt er, was passiert, wenn das Böse in eine heile Welt einbricht. Und diese heile Welt auf den Kopf stellt.
Johannes Franke: Ja, ich finde halt das... Nur das Böse zu haben, ziemlich lame. Also ich fand das immer so, der hat nix. Der hat nix. Der läuft da in der Gegend rum. Und weiß ich nicht. Also es ist unlogisch und es ist irgendwie unmotivierend. Ich weiß, was du meinst.
Florian Bayer: Aber das Böse wird in dieser Radikalität zum philosophischen Konzept. Weil er ist jeglicher Personality beraubt. Und normalerweise ist es so, dass die Bösewichter in Horrorfilmen oder auch in Thrillern immer ein Stück Persönlichkeit noch mit sich tragen. Und dann wirkt es meistens billig. Dann hast du halt so einen Bösewicht, der so eine ganz kleine Hintergrundgeschichte kriegt. Aber es ist trotzdem klar, das ist der Schurke, das ist der Böse. Der irgendwie einen finsteren Plan hat. Und in diesem Film gibt es keine Motivation außerhalb des Bösen. Ja, genau. Es ist wirklich das Böse auf seinen Kern reduziert, auf seinen Kern gebracht. Und dann hast du halt daneben diese heile Welt. Ja. Ich finde, also Halloween ist wirklich vollkommen zu Recht ein absoluter Horror-Klassiker. Und hat ja auch dann zahllosen Nachahmer nach sich gezogen. Und keinem Film ist es gelungen, das so konsequent zu machen. Es gibt keine Motivation, es gibt nichts, was den Killer antreibt, außer eben das Töten selbst. Und nicht mal das, es ist einfach nur Dunkelheit, es ist verkörperte Dunkelheit.
Johannes Franke: Ja, irgendwie bin ich ein großer Fan von Motivation und zwischen den Lines und irgendwie so ein bisschen Psychologie und so. Das mag ich irgendwie lieber. Finde ich auch gut.
Florian Bayer: Und ich glaube, es gibt aber auch einen Platz eben für dieses radikale Figuren als Konzepte. Figuren als Konzepte, ja. Das ist so eine akademische Herangehensweise an Filmen. Aber das machen ja viele FilmmacherInnen. Ja. Dass sie Figuren weniger als Persönlichkeiten präsentieren und mehr als Konzepte, als Archetypen.
Johannes Franke: Ja. Oder mit ihrer Funktion nur. Das finde ich aber immer lame. Ich finde es immer lame. Und das sieht man ja ganz häufig in Nebenfiguren, die nur auf ihre Funktionen im Film reduziert sind. Ja, das ist schrecklich.
Florian Bayer: Vor allem, weil es halt auch meistens wird es halt versucht zu überspielen. Ja, ja. Und dann entstehen die Stereotypen. Genau. Und das passiert aber bei Carpen dann nicht. Es ist eben kein Stereotyper-Killer, der da rumläuft, sondern es ist ein archetypischer Killer. Und das ist, glaube ich, ein gewaltiger Unterschied und auch ein qualitativer Unterschied.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Okay, ich verstehe, was du meinst. Vielleicht muss ich den nochmal anders sehen.
Florian Bayer: Also, was ich von Carpen dann noch empfehlen kann, ist aus dem Jahr 1988, Sie leben, der wirklich eine bitter, bitter, bitter böse Satire ist auf das Juppitum und auf die kapitalistischen 80er Jahre. Und zwar findet da ein arbeitsloser, abgefuckter Typ, gespielt von dem Wrestler Roddy Piper, der erstaunlich gutes Schauspieltalent beweist in der Rolle, also soweit man das kann in so einem Film. Okay. Der findet eine Sonnenbrille und wenn man diese Sonnenbrille anzieht, dann sieht man Aliens. Und zwar sind viele Menschen, sind Aliens im Menschenkörper und diese Sonnenbrille hat halt irgendwie so infrarot und dann sieht man halt diese Alienfiguren unter den Menschen. Das habe ich vielleicht sogar gesehen. Und die ganzen Juppies, die ganzen Banker, die ganzen Nachrichtensprecher, das ist eigentlich diese Reptiloiden-Verschwörungstheorie. Das sind alles, die ganzen Leute, die in den 80ern die Macht hatten und die den Finanzmarkt kontrollierten und die Politik, das sind alles die Aliens. Und er sieht das dann halt und genau die Werbeplakate sieht er dann auch, die sind dann Alien-Botschaften. Das ist halt eine Werbung für ein Parfum und er zieht die Sonnenbrille an und da steht dann Eat, Work, Sleep oder sowas. So ein bisschen dieses 1984-Ding. Und das ist aber jetzt kein Film, der sich dann groß damit auseinandersetzt, oh mein Gott, was passiert hier? Sondern er beschließt dann auf eine Rampage-Tour zu gehen und mit geladener Schrotflinte fängt er dann an, die Aliens zu jagen.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Es ist wirklich, es ist ein B-Movie. Aber er schafft es trotzdem, diese Kapitalismus-Kritik und diese Kritik an den schillernden, glänzenden 80ern, wo sie alle so, yeah, Aufbruch und wir machen noch mehr Geld und wir werden alle reich, die komplett auf die Schippe zu nehmen. Und es ist wirklich eine fiese Auseinandersetzung mit der Reagan-Ära.
Johannes Franke: Sag mal, was macht eigentlich ein B-Movie aus? Das ist ein typischer Lexikon-Eintrag vielleicht. Das muss man sehen. Lexikon. Ja. Kannst du das definieren? Wie ist ein B-Movie zu definieren? Ab wann ist es ein B-Movie und ab wann wird es zum A-Movie oder zum C-Movie? Keine Ahnung.
Florian Bayer: C-Movies ist tatsächlich auch so eine Kategorie, die mehr und mehr aufgekommen ist. Also B-Movie ist eigentlich erst mal Budget. Man kann es im Deutschen wunderschön übersetzen mit billig. Weil das ist eigentlich, B-Movies sind Budget-Movies. Das heißt, es sind Filme, die einfach kein großes Budget zur Verfügung haben. Und versuchen aus dem Budget aber das Beste rauszuholen und irgendwie Spaß zu machen. Klassisch ist halt tatsächlich, dass die B-Movies wirklich als Unterhaltungsfilme gemacht sind. Und eben auch mit dem Ziel, mit viel Action oder mit viel Aufregung, mit viel Horror, mit viel Sex ein Publikum anzulocken. Das heißt, es sind eigentlich Filme, die so sehr Effekt und Affekt getrieben sind.
Johannes Franke: Also sie versuchen das fehlende Budget auszugleichen im Interesse des Publikums und zu sagen, wir haben zwar kein Geld gehabt, aber wir können euch trotzdem locken mit besonders nackten Rüsten.
Florian Bayer: Das sind spektakuläre Filme oft. Genau, es gibt Brüste, es gibt Gewalt, es gibt Blut. Deswegen waren B-Movies ganz lange auch immer so ein bisschen edgy. B-Movies waren immer so ein bisschen trüber. Also vor allem so bis in die 50er Jahre hinein. Und dann kam ja dieses, dieser Codex von der Filmindustrie, wodurch sie es schwerer hatten, in Hollywood zu bestehen, weil die Kinos dann einfach gesagt haben, wir zeigen sowas nicht mehr. Und dann waren sie oft Teil von diesen Midnight-Movie-Vorführungen und so als Double Features. Das, was Tarantino eigentlich aufgegriffen hat. So das Double Feature war das klassische, der klassische Ort des B-Movies. Da wurden zwei Filme gezeigt, meistens irgendwie so ein Kung-Fu-Film aus Japan und dann als Hauptattraktion eben der amerikanische Splatter-Film noch zusätzlich oben drauf. Und aber dadurch, dass B-Movies so ein bisschen edgy waren, haben die auch immer sich ein bisschen mehr getraut und auch immer Storys erzählt, die so ein bisschen abseits vom Mainstream waren. Und haben dadurch eben auch zum Beispiel politische Kritik reingebracht, die deutlich härter war als die großen A-Movies, die halt versucht haben, es allen recht zu machen. Die halt sagen mussten, wir können jetzt nicht die ganzen Konservativen verkraulen. Und dadurch haben sich B-Movies halt auch oft zu Kultfilmen entwickelt. Und vor allem retrospektiv, also klassisch ist halt einfach, dass ein B-Movie in der Zeit, in der er auf den Markt kam, von der Kritik komplett vernichtet wurde. Viele Leute haben ihn geguckt. Und dann teilweise 10, 20 Jahre später oder eben jetzt erst in der Internetzeit wurde gesagt, hey und diesen Film, das ist eine vergessene Perle, den müsst ihr gucken. Weil da gibt es diese eine krasse Splatter-Szene, die weit ihrer Zeit voraus war. Und da gibt es noch diese Kritik an der Reagan-Ära, die man sonst nirgendwo sonst findet in einem solchen Film.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber ich habe halt B-Movie oft mit Trash gleichgesetzt. Ist es auch ganz oft. B-Movies, natürlich. Klar. Also wenn du Trash so definierst, dass es, ja, Schrott ist. B-Movies sind oft Schrott. Und ich glaube, man kann es nochmal unterteilen und deswegen gibt es auch durchaus diese Zusatzkategorie C-Movies, die eigentlich eher frisch ist, die für so Filme wie alles, was Asylum gemacht hat, also für diese ganzen Mockbuster oder so steht, Filme, die wirklich nur Geld machen wollen. Ach so. Die keinen Spaß daran haben, edgy zu sein, sondern die wirklich einfach nur gemacht sind, um irgendwie Geld reinzubringen, die ein Budget haben von, sagen wir mal, was ist ein billiges Budget, heute 100.000 Dollar. Und wenn die 300.000 Dollar gemacht haben, war es ein Erfolg.
Johannes Franke: Ja. Punkt.
Florian Bayer: Dann haben sie ein Dreifacher.
Johannes Franke: Direct-to-DVD.
Florian Bayer: Genau. In den 90ern vor allem Direct-to-DVD, weil das war immer gut so im DVD-Regal, wenn dann Leute halt hingegangen sind, sich nicht vorher im Internet schlau gemacht haben und gesagt haben, ach guck mal, der steht doch neben dem Actionfilm. Dann nehme ich doch mal den, das könnte auch ein guter Actionfilm sein. Uwe Boll ist der große C-Movie-Regisseur, der hat ganz, ganz schreckliche Filme gemacht und wie gesagt, Asylum, um die nochmal zu nennen, diese Mockbuster. Filme, die fast so klingen wie ihre Vorbilder und deren einziger Existenzgrund es war, sie ins DVD-Regal zu stellen, in der Videothek und auf Leute zu hoffen, die daneben greifen. Die Transformers wollen, aber dann zufällig Transmorphers greifen. Die Ratatouille wollen, aber dann zufällig Ratatouille greifen. Die Titanic cool fanden und deswegen zufällig noch Titanic 2 sich ausleihen.
Johannes Franke: Titanic 2 war ja immer so ein Meme im Internet.
Florian Bayer: Es gibt Titanic 2. Ach du Scheiße, nein, ist das wirklich so? Asylum Films ist total krass. Das wäre eigentlich eine eigene Sendung wert. Vielleicht gebe ich dir mal einen Asylum Film. Vielleicht gucken wir mal zusammen einen Asylum Film. Okay. Asylum Films, deren Konzept ist es zu gucken, was sind die Blockbuster. Und die werden ja meistens ein halbes Jahr vorher angekündigt. Großer Hype von den großen Studios. Jetzt kommt Transformers in die Kinos. Den müsst ihr sehen. Und dann wissen sie, okay, wir haben jetzt ein halbes Jahr Zeit. Und dann drehen die innerhalb von einem halben Jahr, drehen die einen Film, schneiden den fertig und bringen den zeitgleich in die Kinos. Und der heißt fast genauso. Als Transformers in die Kinos kam, kam von Asylum Transmorphers in die Kinos. Der Film hieß wirklich so. Ach du Scheiße. Und danach natürlich DVD-Auswertung, als Transformers im Videothekenregal stand, stand da Transmorphers nebendran. Okay. Und Asylum sind die bekanntesten, die haben halt diese Action-Mockbuster gemacht. Die haben, als Titanic rauskam, haben die Titanic 2 gemacht. Also es hat nichts mit dem Leonardo DiCaprio Film zu tun, außer dem Titel halt. Ja. Aber es reicht, wenn das im DVD-Regal steht und dass jemand greift in der Videothek und sich zufällig ausleiht. Oder wenn jemand denkt, ach, Titanic 2 klingt ja witzig. Ja, ja, genau. Und so haben die wirklich, es gibt unzählige Mockbusters. Das ist ein eigenes Genre. Und die meistens von, die gibt es auch heute noch, die meistens ganz ähnlich heißen wie eben die großen Vorbilder, beziehungsweise die großen Filme, die sie quasi kopieren. Aber sie kopieren nicht die Filme, sie haben so ein bisschen die ähnliche Ästhetik. Aber die Story ist komplett anders, sonst würden sie ja verklagt werden, sonst würde ihnen der Arsch abgeklagt. Aber will man das unterstützen? Nee. Eigentlich nicht. Nee, ich finde es aber irgendwie lustig. Es ist so ein bisschen die große Filmindustrie getrollt. Ich finde es tatsächlich witzig. Das sind schlechte Filme. Alles, was ich davon bis jetzt gesehen habe, war wirklich ein schlechter Film. Aus allem kann ich das verzeihen, weil die Spaß daran haben. Die machen einfach schlechte Filme, aber haben Spaß daran. Und ich meine, ey, es tut keinem weh, wenn es neben diesem schlechten Transformers von Michael Bay, der ein A-Movie ist, worüber man auch diskutieren kann, ist das ein A-Movie, wenn es daneben einen Film gibt, der fast genauso heißt und richtiger Schrott ist. Das ist okay. Also, ehrlicher Schrott gegen A-Schrott. Und es gibt aber welche, die so ein bisschen dreister noch waren. Es gab diese, es gibt diese europäische Zeichentrickfilm-Schmieden, die die Disney-Filme gemacht haben. Und Disney hatte halt das Pech, dass sie sich immer auf alte Märschen berufen haben. Das heißt, sie konnten nicht dagegen klagen, dass es neben ihrem Aladdin noch einen anderen Aladdin gab. Oh. Und neben ihrem Lion King, The Jungle King oder wie auch immer der hieß. Oder eben neben Ratatouille, aktuelleres Beispiel, gab es Ratatong. Krass. Und da bin ich weniger, da kann ich weniger verzeihen, weil da stelle ich mir immer vor, wie Kinder enttäuscht sind. Ja, ja. Wenn die Eltern sagen, oh, Aladdin, den muss mein Kind sehen und dann greifen die den Falschen. Dann sitzen die Kinder, die armen Kinder sitzen dann vom wirklich schlecht gezeichneten, schlecht animierten Film. Guckt euch mal Szenen von Ratatong an, damit ihr wisst, was ich meine. Das ist schlechter animiert als jede Nickelodeon-Computer-Animationsserie. Oh, fuck. Na klar, das ist halt ein halbes Jahr Zeit. Ja. Also die Leute, die dann daran arbeiten, die Designer und die SchauspielerInnen und so weiter, denen kann man keinen Vorwurf machen. Die haben halt auch keine Zeit dafür. Aber die Produktionsschmiede, und die machen damit halt tatsächlich Geld. Krass. Und das finde ich irgendwie ätzend, der Gedanke, dass ein Kind dann sich einen coolen Disney-Film oder einen coolen Pixar-Film ausleihen will und dann halt zufällig sowas vorgesetzt kriegt, was wirklich billig aussieht. Bei Asylum finde ich es witzig, weil Asylum hat auch tatsächlich dann irgendwann das Budget genommen, um selbstironische Filme zu machen. Das bekannteste ist Sharknado. Asylum hat Sharknado gemacht und davon gibt es mittlerweile zehn Teile oder so.
Johannes Franke: Stimmt. Oh mein Gott. Das habe ich nicht gesehen, aber ich habe immer wieder davon gelesen.
Florian Bayer: Wir gucken mal einen Asylum-Film, die sind schlecht. Also da musst du dich einfach darauf einstellen, dass wir einen schlechten Film gucken, aber es ist ein Stück Filmgeschichte. C-Movies, Mockbuster. Okay. Gut. C-Movies, Asylum, schlecht. A-Movies, Transformers, schlecht.
Johannes Franke: Aber die Frage ist ja am Ende gar nicht mehr so sehr, ist der jetzt gut oder schlecht, sondern ist er unterhaltsam oder nicht? Ja. Oder? Also obwohl das natürlich, oh das ist eine Diskussion, die ganz...
Florian Bayer: Filme sollen ja nicht mehr unterhalten. Oder? Also es gibt Filme, deren absolut unterhalten ist der Hauptantrieb und ist auch total okay. Ja.
Johannes Franke: Aber ähm... Es gibt auch ganz wichtige Filme, die einfach nicht unterhaltsam in dem eigentlichen Sinne sind, aber wahnsinnig wichtig sind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Na gut. Film kann so viel. Okay. Dann schließen wir das Lexikum wieder. A und B und C-Movies.
Florian Bayer: B-Movies, C-Movies, Mockbuster. Wir haben unglaublich viele lexikalische Einträge. Und ich glaube, wir springen einfach gleich weiter zur nächsten Kategorie, die wir noch abarbeiten müssen.
Johannes Franke: Ja, stimmt. Oh mein Gott. Ja, wir sind jetzt schon... Ach, wir haben schon wieder eine Stunde geredet, Ploa. Ja. Über eine Stunde.
Florian Bayer: Jingle, Jingle, Jingle, Top 3, Top 3, los. Top 3, ah!
Johannes Franke: Unsere, ähm, Top 3. Künstliche Intelligenz als Top 3-Liste. Oh, ich bin sehr gespannt. Und ich bin bei der Recherche, ich habe irgendwann aufgegeben, weil mir zu viel präsentiert wurde, weil es einfach echt viel gibt. Ja. Das ist ja unglaublich. Ich habe das gar nicht so im Kopf gehabt. Es gibt verdammt viel. Krass.
Florian Bayer: Na, das fällt es halt auch so weit. Du kannst, also Computer, Roboter, Androiden, Androiden-Menschen. Ich habe auch sehr viel da stehen und ich habe Angst mit den Honorable Mentionen, dass ich dir was wegnehme. Deswegen können wir vielleicht die Honorable Mentions nach hinten schieben und Top 3 starten?
Johannes Franke: Okay, sehr gerne. Ich würde gerne als dritten Platz, muss ich hier anfangen, ja, ne? Ja, du musst anfangen, tut mir leid. Metropolis. Och, ja, stark. Das ist zum Beispiel ein Film, wo ich mir schon dachte, dass du ihn nennst. Natürlich. Metropolis. Metropolis ist großartig. Aus den 20ern, 27 oder sowas? Oder, Gott, verdammt, warum habe ich das nicht im Kopf? 1927. Ja, sehr gut. Also, die haben ein riesiges Konstrukt, einen Staat, ne? Und dann gibt es oberetagen und unteretagen und Maria wohnt weiter unten. Und irgendwie kriegt sie Besuch und dann, ich weiß, ich kann dir gar nicht mehr genau sagen, was, wann, wie, wo. Auf jeden Fall gibt es irgendwann eine Roboter-Version von Maria, die eine künstliche Intelligenz darstellt. Und die eigentliche Maria flüchtet dann irgendwie über andere Wege vor ihrem Schicksal. Und ist ein großartiger Film. Fantastisch. Aus den 20ern. Fucking 20er. Ja, Fritz Wagen. Eine KI. Das ist schon krass.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Der Klassiker des deutschen Stummfilms. Also einer der großen deutschen Stummfilm-Klassiker. Wahnsinn. Vollkommen zu Recht in jeder Muss-man-sehen-Liste.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Ja, was ist dein Platz 3? Mein Platz 3 ist Alle Maschinenmenschen aus Westworld, der Serie. Ja. Nicht dem Film. Die habe ich auch in meiner Liste. Verdammt. Verdammt. Das ist dein Platz 2. Ganz großartig, weil es ganz viele Fragen, ganz viele ethische Fragen aufwirkt und konsequent die Maschinen als Opfer darstellt, an denen sich die Menschen verlustieren und wo die Menschen ihre sadistischen Neigungen ausleben und man hat Mitleid mit den Robotern und denkt, oh Gott, was sind die Menschen für Monster. Ja.
Johannes Franke: Ganz großartig gemacht. Richtig gut. Und dann in der zweiten Staffel, ist das in der zweiten Staffel, der dritten Staffel, wird es nochmal kurz gedreht, weil wir natürlich dann irgendwann einen Roboter haben, der dann wiederum die Rache und dann hat man natürlich wieder so ein bisschen, ah, ist das gut. Ich will vielleicht nicht unbedingt mit jedem Roboter mitgehen, emotional, wenn der dann die Menschheit ausweichen will. Aber man versteht sie auch so ein bisschen. Ja, man versteht sie nicht.
Florian Bayer: Das ist ähnlich wie bei Planet der Affen, also bei dem Remake, dem aktuellen Remake, da ist es auch so, man ist auf der Seite der Affen, auch wenn sie die Menschen dann irgendwann töten, weil man hat da vorgesehen, was die Menschen alles den armen Affen antun. Ja, krass.
Johannes Franke: Ja, dann würde ich aber was anderes einfach an die Stelle packen, dann ist mein Platz zwei jetzt nicht mehr Westworld, sondern R2, D2 und C3PO. Ja. Sie sind so süß. Das ist einfach, die sind ein unglaublich tolles Pärchen. Es ist großartig. Also ein tolles, auch ein tolles Crewball-Comedy-Pro. Ja, genau. Ja. Ich finde es super. Und dann gibt es das Pendant bei Mel Brooks. Wie heißt die nochmal bei Mel Brooks? Ich weiß es nicht. Dottie. Dottie. Okay. Jungfraunalarm, Jungfraunalarm. Das ist toll. Wunderbar. Ja, also die, ich war ja auch in Disneyland, das hast du das letzte Mal schon erwähnt. Und da gab es eben ganz viel Star Wars-Themed-Zeug und da stand ein C3PO rum und ich hatte so einen Fanboy-Moment. Obwohl das Ding überhaupt nichts davon hat, weil es ist ein Roboter. Aber ich war total, oh mein Gott, oh mein Gott, guck mal, guck mal, guck mal. Ich musste Fotos und Videos damit machen und das ist so krass.
Florian Bayer: Man darf auch nicht vergessen, am Anfang, für die Leute, die Star Wars zum ersten Mal gesehen haben, waren ganz lange C3PO und R2-D2 die Identifikationsfiguren. Ja. Weil man folgt erstmal ihnen. Ja. Bis dann Luke als eigentliche Identifikationsfigur, als eigentlicher Protagonist reinkommt. Ja, aber das dauert ja. Ist man bei den Robotern dann dabei und fiebert auch wirklich mit ihnen mit und hat auch Mitleid
Johannes Franke: mit ihnen.
Florian Bayer: Das ist super.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Wie die so, also vor allem R2-D2 ja nur mit Gebliepe und Piepse. Mehr Persönlichkeit als so viele Figuren in der Filmgeschichte. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Ganz toll. Okay. Dein Platz? Mein Platz 2. Ja. Etwas aktueller und zwar Gertie, der KI, der Computer aus dem Film Moon von Duncan Jones. Okay. Ein Film, wo ein Arbeiter auf dem Mond ist, auf dem Mond lebt und bald zurück zur Erde fliegen soll und da verschiedene Arbeiten macht und er hat halt eigentlich als einzigen Begleiter, als einzigen Partner hat er diesen Computer, der ihm die ganze Zeit hinterher fliegt. Leider gesprochen von, wie heißt der, der sehr in Ungnade gefallen ist. Kevin Spacey. Oh, oh, sehr in Ungnade. Zu Recht. Zu Recht, genau. Aber ganz toll gespielt und es ist ein ganz tolles Verhältnis zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz, weil es nie zum Thema wird, dass die künstliche Intelligenz irgendwie durchdreht oder sich gegen den Menschen auflehnt. Ja. Aber trotzdem ein emotional freundschaftliches Verhältnis zu diesem Menschen hat. Ja. Und ich will jetzt nichts aus dem Film spoilern, weil es ist wirklich ein guter Film, der hat tolle Überraschungsmomente. Können wir vielleicht nochmal gucken als Beispiel für einen neuen philosophischen Science-Fiction-Film. Okay. Und es ist einfach ein tolles Verhältnis zwischen Mensch und Maschine, die den ganzen Film über bestehen bleibt. Und es gibt einen ganz wunderbaren Moment zwischen den beiden, den ich jetzt auch nicht spoilern will, wo die Maschine auch sehr viel Menschlichkeit zeigt.
Johannes Franke: Okay. Spannend. Ja, ich glaube, das ist ja auch dieses Spannungsfeld, was uns interessiert als Menschen. Also KI, künstliche Intelligenz und dann der Wechsel zur Emotion, zur Eigenständigen und zum Erkenne-dich-selbst und dieses, was ja auch in diesem Film jetzt eine Rolle spielt. Ich finde es wahnsinnig spannend. Und deswegen ist Science-Fiction, neben der Zeitreise-Thematik, die ich wahnsinnig spannend finde für Science-Fiction, ist das die Thematik, die mich an Science-Fiction interessiert, auch ein bisschen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ein tolles Genre. Liebe ZuhörerInnen, wenn ihr irgendwie uns, wenn euch Genres verloren gegangen sind, wo ihr sagt, da müsst ihr viel mehr draufgehen, wenn wir mehr Science-Fiction gucken sollen oder wenn wir mehr Komödien aus den 70ern gucken sollen.
Florian Bayer: Schickt uns Filmideen. Wir freuen uns über jeden Vorschlag, der mal unseren Horizont noch ein Stück mehr erweitert als die Filme, die wir uns gegenseitig jede Woche zuwerfen.
Johannes Franke: Wir hatten ja auch schon ein paar Ideen aus euren Reihen und es war auch immer sehr schön. Also keep it coming.
Florian Bayer: Wir haben uns jedes Mal gefreut, wenn wir einen Film betrachten konnten, auf den wir überhaupt nicht gekommen wären. Ja. Wie zum Beispiel, was geht ab mit dem Zooharn oder wie der noch hieß.
Johannes Franke: Oh Gott. Fantastisch. Oder Duck Yusaka. Ja. Duck Yusaka hätte ich nie gesehen. Das war so eine großartige Empfehlung. Auf jeden Fall. Großartig. Dein Platz 1. Mein Platz 1. Mein Platz 1 ist Her. Ja, das habe ich mir fast gedacht. Samantha. Wahnsinn. Ja, großartige KI. Das ist halt einfach nur, eigentlich nur der Computer, den sich der männliche Hauptdarsteller dieses Films kauft, den er dann einrichtet, wie halt Windows. Du hast einfach Windows, du musst das dann irgendwie das Betriebssystem einrichten und das Betriebssystem redet mit dir. Und in diesem Fall ist das Betriebssystem halt sehr intelligent und kann Konversationen betreiben. Und der verliebt sich in sie. Und sie verliebt sich in ihn. Und das ist eine, wow.
Florian Bayer: Und das Tolle ist, der Film stellt das als so was Natürliches dar.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt diese eine Szene, wo er dann mit seinem Kollegen mal was essen geht und sagt, ich bring meine Freundin mit. Und sie ist übrigens eine KI. Und er sagt, ja cool, bring sie einfach mit. Genau. Und es ist so toll, weil die Liebe einfach akzeptiert wird von den beiden. Ja, es ist super. Von Spike Jonze.
Johannes Franke: Toller Film. Wirklich toller Film. Wow.
Florian Bayer: Ja. None|Ja.
Johannes Franke: Scarlett Johansson. Scarlett Johansson, ja.
Florian Bayer: Und es gibt eine unglaublich schöne Sexszene zwischen den beiden. Mhm. Und es ist einfach ein mitreißender, romantischer Film.
Johannes Franke: Mhm. Toll. Und er spielt das auch so gut. Joaquin Phoenix? Joaquin Phoenix. Ja. Toll. Toller Schauspieler.
Florian Bayer: Das war mit Platz 1. Mein Platz 1 ist Roy Betty aus Blade Runner. Der Replikant, der von Rutger Hauer gespielt wird. Mhm. Der die ganze Zeit gejagt wird, als eben ein künstlicher Mensch, der auf der Flucht ist und der Menschen tötet. Ja. Und er ist die ganze Zeit eigentlich Willen in diesem Film. Er ist der Antagonist. Mhm. Und wir folgen halt unserem Protagonisten, der von Harrison Ford gespielt wird. Aber es gibt dann, es gibt einfach diesen großartigen Schlussmoment, wenn sie dann wirklich mal aufeinandertreffen und sich unterhalten. Mhm. Und wir feststellen, dass dieser Antagonist eigentlich auch nur leben will. Und dass der einfach nicht akzeptieren kann, dass er nur eine gewisse Haltbarkeit hat, weil er wurde so programmiert, dass er irgendwann sterben muss.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er will eigentlich nicht sterben. Und er rettet dann sogar diesen Deckard, dem, unserem Protagonisten, der von Harrison Ford gespielt wird, rettet er das Leben und holt dann nochmal aus zu einem großen philosophischen Monolog.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Im Regen, während er stirbt und es ist ein großartiger Moment, in dem das klassische Thema, die Maschine, der Maschinenmensch als Antagonist aufgebrochen wird und der plötzlich für einen kurzen Moment unsere ganze Aufmerksamkeit kriegt und unsere ganze Empathie.
Johannes Franke: Oh. Ich habe Blade Runner nicht gesehen.
Florian Bayer: Nein. Wirklich? Es war schön.
Johannes Franke: Das war gerade sehr schön, dein Gesicht entgleisend zu sehen, Flor. Krass.
Florian Bayer: Ja, nein, ich bin immer überrascht, wenn solche Filme nicht gesehen wurden von niemandem.
Johannes Franke: Also ich meine, Blade Runner ist halt so ein riesiges Ding eigentlich, ne? Und so ein Franchise wie Indiana Jones oder Star Wars oder, ne?
Florian Bayer: Ja, es gibt halt zwei Filme eigentlich nur, ne? Es gibt Blade Runner und es gibt den Blade Runner 2049, die Fortsetzung. Ja. Aber es gibt zehn verschiedene Schnittversionen von Blade Runner. Okay. Aber es ist ein Riesending. Es ist ein Riesending. Es ist einfach so der philosophische Science-Fiction-Film der 80er Jahre von Ridley Scott, der ja auch Alien gemacht hat. Okay. Ich glaube, du musst mir den mal zeigen. Den musst du dir offensichtlich irgendwann mal vorsetzen. Und dann muss ich überlegen, welche Version ich dir vorsetze, weil... Also es gibt, viele Leute sagen, es gibt den Directors Cut oder Final Cut, das ist die definitive Version. Aber es gibt auch andere Versionen, die auch Vorteile haben. Das ist nicht so einfach. Ich finde es nicht so einfach, wie es oft gemacht wird von den Leuten, die sagen, naja, ihr müsst den Final Cut sehen.
Johannes Franke: Ähm, ich glaube, ich muss einfach den sehen, wo die meisten Szenen drin sind.
Florian Bayer: Ja, nee, das ist ja das Problem. So leicht ist es leider nicht, weil es gibt zum Beispiel diese Kino-Version, die Off-Monologe hat von dem Protagonisten von Deckard. Und das trägt natürlich sehr stark zu dieser Film-Noor-Atmosphäre bei, der den inneren Monolog hat. Ja. Und das ist aber was, was gestrichen wurde von Ridley Scott für seinen Final Cut oder für seinen Directors Cut. Ich habe selbst nicht so wirklich den Überblick.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich finde eigentlich diese inneren Monologe großartig, weil die eben diese Film-Noor-Spannung und Intensität mittransportieren. Aber sie haben natürlich den Nachteil, dass sie so ein bisschen over-explainen.
Johannes Franke: Dann musst du deinen eigenen Cut machen, Plur. Du musst dir die Version mit dem Off-Narrator holen, die musst du dann drüberlegen über den Final Cut.
Florian Bayer: Also pass auf, ich gucke nochmal alle Cuts, die ich irgendwie auftreiben kann von Blade Runner. Und dann weiß ich, welchen Cut ich dir vorsetzen will. Das heißt, es wird noch ein bisschen dauern, bis wir den gucken. Okay, aber ich verlasse mich drauf, Plur. Honorable Mentions. Honorable Mentions.
Johannes Franke: Hauen wir sie einfach plopp, plopp, plopp, plopp, plopp raus. Ja, ich hatte es schon genannt, Marvin the Paranoid Android. Auf jeden Fall habe ich auch da stehen. Bei einer halben 30-Galaxis großartig, ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Natürlich muss Hell aus 2001 Odyssey im Weltraum zumindest erwähnt werden. Ich habe ihn einfach nicht reingepackt, weil es so obvious ist. Ja, genau. Aber eigentlich die Geburt der bedrohlichen KI im Film.
Johannes Franke: Ja, ja. Habe ich gar nicht mehr aufgeschrieben, weil ich dann irgendwann aufgegeben habe.
Florian Bayer: Data aus Star Trek finde ich super phatisch. Ah ja, super, natürlich.
Johannes Franke: Ich liebe ihn. Data ist toll.
Florian Bayer: Einfach eine tolle Figur. Ja. Tatsächlich meine Lieblingsfigur aus der TNG, wenn nicht sogar meine Lieblingsfigur aus dem gesamten Star Trek-Universum. Ja. Ich mag alles an ihm. Ich mag sowohl die albernen Momente, wenn er dann seinen Emotionschip hat und das Lachen nicht zurückhalten kann, als auch die nachdenklicheren. Ja, stimmt. Und die emotionalen, wenn er zum Beispiel, ich glaube, das ist der Film Generations, wo er den Emotionschip drin hat. Ja. Und dann findet er in den Trümmern von irgendwas, was zerstört wurde, seine Katze. Und dann sagt er zu seinem Freund, wie heißt sein Freund, der Blinde, der diesen, wie kann das sein? Entschuldigung, liebe Trekkies, ich weiß nicht, dann falle ich voll in Unknade bei euch. Wie kann das sein? Ich freue mich, sie zu sehen und ich muss trotzdem weinen. Ich glaube, bei meinem Emotionschip ist irgendwas kaputt. Es ist voll kitschig, aber ich liebe diesen Moment.
Johannes Franke: Ja, ich erinnere mich jetzt auch wieder, wo du es sagst. Geil. Oh Mann. Ach schön.
Florian Bayer: Ich hätte noch eine unheimliche Figur. Ja, okay. Pro Toys 4 aus Des Teufelssaat. Das ist eine Maschine, die ein Kind zeugen will und dafür eine Frau gefangen hält. Aber es ist kein Rape-Fund-Film, sondern es geht einfach nur darum, dass er irgendwie an ihre Eierstöcke will. Es ist ziemlich makaber und ziemlich düster, aber er will eigentlich Mensch werden und will deswegen ein Kind mit ihr. Okay. Und sehr aktuell Ex-Machina aus dem Jahr 2015 Ava.
Johannes Franke: Der ist mir nämlich gerade eingefallen. Jetzt gerade, wo wir darüber reden, fielen mir den noch ein.
Florian Bayer: Eine wirklich spannende Roboterfrau und es ist eigentlich so ein During-Test, der mit ihr durchgeführt wird. Ja. Und sie ist wirklich spannend gemacht, weil in ihrer Figur wird nochmal so ein bisschen ausgelotet, wie menschlich kann eine künstliche Intelligenz sein, wenn sie menschlich agiert, menschlich redet und menschlich aussieht. Und gespielt von Alicia Vikander und die schönste künstliche Intelligenz, die ist im Kino zu finden hier.
Johannes Franke: Und du musst diesen During-Test einmal erklären?
Florian Bayer: Oh Gott, aber wir machen das jetzt außerhalb vom Lexikon. Ganz kurz. Weil es ist in dem Film ja auch kein richtiger During-Test, aber der During-Test ist eigentlich, wenn eine künstliche Intelligenz es schafft, mit einem Menschen irgendwie zu interagieren und dieser Mensch findet nicht heraus, dass es eine künstliche Intelligenz ist, dann hat sie diesen During-Test bestanden. Und die Theorie ist natürlich, dass bisher keine künstliche Intelligenz so weit kommt, dass es immer den Punkt gibt, wo der Mensch merkt, dass er mit einer Maschine kommuniziert. Auch gerade, wenn wir wissen, gerade bei Jetbots, dass mittlerweile die Technik schon ziemlich weit ist, gibt es trotzdem immer den Moment, wo du sie austricksen kannst und in Loops bringst und kaputt machst irgendwie. Genau. Also wenn eine Maschine von einem Menschen befragt wird und der Mensch nicht sagen kann, das war eine Maschine, dann hat sie den During-Test bestanden. Okay.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3. Zurück zur intelligenten Bombe, die wahrscheinlich diesen Test mit Leichtigkeit besteht. Also ist natürlich das erste Mal mit Philosophie konfrontiert und verhält sich erst mal ein bisschen dämlich. Aber Menschen verhalten sich auch dämlich. Ja, fällt in dieses Rabbit Hole von, oh mein Gott, ich bin der Einzige, was zählt und ich muss meine Funktion, die ich habe, erfüllen und explodieren.
Florian Bayer: Das Problem ist, um menschlich zu wirken, braucht eine KI Unvernunft. Und die Frage ist, wollen wir KIs mit Unvernunft haben?
Johannes Franke: Das ist halt das Ding. Nein, ich glaube auch, dass wir das nicht wollen. Dafür gibt es auch genug. Also ich finde, das können wir Filmen überlassen, dass wir einmal vorgelebt bekommen, wie das endet, wie das aussieht. Wir brauchen das nicht durchzuziehen. Wir kommen zum Fazit. Ja, Faziten wir. Plouff, erzähl mal, was ist dein...
Florian Bayer: Ich habe es am Anfang schon gesagt und ich stehe dazu, einer der einflussreichsten Science-Fiction-Filme. Nicht nur, weil es der erste Film ist, in dem das Wort Alien benutzt wird. Oh. Auch, um das nochmal zu betonen, fünf Jahre vor dem eigentlichen Film Alien.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Nicht nur, weil der Drehbuchautor O'Bannon die Idee, diesen ganzen Alien-Plot benutzt hat, um dann später Alien zu schreiben. Ja. Sondern auch, weil Schmutz in den Weltraum kommt, weil Philosophie und Schmutz kombiniert wird. Mhm. Weil Humor und Düsternis wirklich gut zusammenarbeiten. Ja. Und weil es unfassbar viel Realismus gibt. Also vielleicht sogar gar nicht so beabsichtigt, aber diese Gedanken, was passiert mit Menschen, die lange im Weltraum sind, die wurden vorher im Film nicht so gestellt und nicht so beantwortet. Und hier haben wir diese Momente, diese Verlorenheit, dieses Genervtsein, dieses Lost-in-Space-Ding einfach. Ja. Grandios. Toller Film.
Johannes Franke: Ja, da möchte ich auch andocken, weil das ist genau das, was ich an Filmen immer toll finde. Wenn sie es schaffen, etwas, was vorher heroisiert wird, nämlich so diese Arbeit im Weltraum, in einem Schiff auf Missionen, ne, Star Trek. Ja. Das einmal als Alltag, dreckiger Alltag darzustellen, zu sagen, oh Scheiße, ich gebe mir alle auf die Nerven. Kannst du bitte zum Pissen da rüber gehen und, weißt du, solche Sachen. Ja. Wir haben kein Klopapier mehr. Das ist großartig. Ich glaube, ich würde als Filmemacher ganz viel auch solche Sachen machen. Wenn ich mich auf sowas stürze, dann den ganzen Scheiß-Alltag zeigen. Das ist toll, es ist großartig. Ich freue mich da sehr drüber. Und was dieser Film eben für mich auch schafft, ist, neben dem ganzen Kram, den du schon gesagt hast, aber dass der den eigentlichen Trash-Faktor, dem eigentlich dem inne wohnt, weil es einfach kein Geld hatte. Und wie wir jetzt wissen, Carpenter auch mit viel Geld es nicht anders aussehen hätte lassen können, weil er einfach immer gleich arbeitet. Dieser Trash-Faktor, der ganz viele Filme kaputt macht, weil er irgendwie dann im Weg ist, der ist in diesem Fall überhaupt nicht im Weg. Er schafft es irgendwie, das für sich zu nutzen und das alles so durchflutschen zu lassen. Du kommst so gut durch den Film durch, obwohl er auch langsam erzählt ist und manchmal irgendwie wirklich Lücken entstehen. Aber du willst dem einfach weiter folgen und freust dich über die nächste Idee und freust dich über diesen blöden Strandball, der ein Alien sein soll.
Florian Bayer: Ach, ich freue mich gerade so, dass dir der Film gefallen hat. Das macht mich sehr glücklich.
Johannes Franke: Wirklich, total.
Florian Bayer: Vielleicht noch als letzte kleine Anekdote. Fuck you, Harris. Wir haben den Produzenten Jack Harris erwähnt. Die waren John Carpenter und O'den waren ziemlich genervt von ihm. Dass er gesagt hat, dass es langweilig ist und dass sie mehr machen müssen. Und deswegen haben sie eine kleine Hommage an ihn eingebaut. Es gibt diesen Computerscreen, wo man ganz kurz einmal Fuck you, Harris sieht. Ja. Aber so kurz, dass es wirklich schwierig ist, es zu finden.
Johannes Franke: Also ein Easter Egg, wirklich im wahrsten Sinne des Wortes. Ach, schön. Vielen, vielen Dank, Plort. Das war wirklich, wirklich mal wieder eine schöne Abwechslung zu dem ganzen anderen Trash, den ich teilweise von dir bekomme, mit dem ich nicht gucken kann. Aber das war wirklich gut. Danke, dass du mit mir ins All geflogen bist.
Florian Bayer: Danke für die Einladung. Und wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, da wird Johannes sich revanchieren mit hoffentlich auch einem hervorragenden Film.
Johannes Franke: Ach, mal gucken. Ich muss mal auf die Liste gucken, wo du gerade stehst. Ob wir auf Null sind oder ob ich dich noch ein bisschen quälen muss. Nach Ketz. Nach Ketz.
Florian Bayer: Ketz hat dich ziemlich weit nach oben gespült wieder. Das ist in Ordnung. Bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, wie Johannes Ketz wieder gut machen wird. Bis gleich.
Johannes Franke: So, Plur, wir müssen noch irgendwie was festlegen fürs nächste Mal. Ja. Gib mir einen Film. Einen schönen, schlanken 90 Minuten. Ja, also, naja, also du hast ja jetzt, wir haben ja gerade festgestellt, immer mal wieder ganz gute Treffer gehabt, damit, dass mir den Film ganz gut gefallen hat, den du so gebracht hast. Du hattest das letzte Mal Ketz. Um das nochmal kurz so in den Raum zu werfen. Und ich dachte vielleicht, versuche ich eine sichere Bank, für mich sichere Bank und ich hoffe, dass es für dich auch eine sichere Bank ist. Ich weiß es aber nicht. Oh ja, sichere Bank, ja. Naja, es gibt aber einen Haken. Es ist kein klassischer Film, sondern eher eine Serie. None|Nein. Aber keine Sorge, du musst keine 37 Staffeln gucken, sondern nur vier Staffeln. Wie wäre es? Okay, keine Simpsons, gut.
Florian Bayer: Vier Serie, vier Staffeln, ha. Dann ist was so was Aktuelles, was nächstes Jahr eine neue Staffel kriegt von Netflix.
Johannes Franke: Ne, das ist tatsächlich nur auf vier Staffeln begrenzt gewesen und das ist zwar aus den 80ern? 80ern? Ich glaube 80er, 80er, 90er? Ja. Okay. Blackadder. Ah.
Florian Bayer: Ja, ich habe Episoden von Blackadder gesehen. Okay. Und ich kenne das Grundkonzept. Du kennst das Grundkonzept, ich kann doch nicht mal sagen, was das Grundkonzept ist.
Johannes Franke: Naja, er springt zwischen den Zeiten, ne? Ja, er springt zwischen den Zeiten schon zu Staffel. Also von Staffel zu Staffel gesagt.
Florian Bayer: Weil es ist ja immer eine neue Figur eigentlich. Ja, aber genau, das Szenario springt zwischen den Zeiten. Genau. Und schwarzer Humor und Ron Atkinson, den ich als Mr. Bean nicht mag, aber das, was ich von Blackadder gesehen habe, das mochte ich.
Johannes Franke: Oh, das freut mich. Dann hoffe ich mal, dass ich das einlöste über die anderen Staffeln.
Florian Bayer: Aber ich bin überhaupt kein Experte für die Serie, ne? Also es sind aber eher kurze Folgen und kurze Staffeln, oder? Es ist jetzt nicht so, dass ich jetzt so 2000 Minuten vor mir habe.
Johannes Franke: Nein, nein, du musst, die sind immer eine halbe Stunde lang, glaube ich. Und dann hast du vier Staffeln, ah, sechs Folgen, müsste ich lügen. Ich glaube, sechs Folgen. Okay, das ist machbar. Das sind so 400 Minuten.
Florian Bayer: Es ist ein bisschen was, das tut mir leid. Ja, das ist okay. Ich meine, ich habe die 1900 aufgebürdet.
Johannes Franke: Das waren auch fünf Stunden oder so. Ja, aber es ist wirklich eine ganz tolle Serie. Wenn du irgendwie es schaffst, alles zu gucken, freue ich mich natürlich. Ich werde mich bemühen. Vielleicht schaffst du es aber auch nicht. Dann bin ich auch nicht böse, wenn du da mal vielleicht eine Folge verpasst hast. Das werde ich dir einfach um die Ohren hauen.
Florian Bayer: Okay, also wenn wir eine Serie gucken, dann ist, also, ich finde, eine vierstaffelige Serie ist total okay, ist machbar. Aber dann müssen wir, also, wir wollen über die Serie als Gesamtes reden. Das heißt, wenn du auf einzelne Episoden kommst und diesen einen Gag, der in Minute sieben von Folge drei, Staffel vier stattfindet, dann werde ich die wahrscheinlich nicht parat haben. Aber ich werde so viel gucken, wie ich gucken kann.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Guck so viel du gucken kannst und ich werde, ich werde bestimmt, ich bin mir sicher, ich werde irgendwie auskoppeln, hier, guck mal, da, auf der, in der Episode, das, was du gerade gesagt hast, in dieser Gag, finde ich großartig. Wie ich einfach so begeistert bin von dieser Serie, da werde ich halt nicht darauf verzichten können, dir so bestimmte Sachen zu geben. Aber natürlich, da werden wir grundsätzlich über die Serie reden und vielleicht auch grundsätzlich über britischen Humor oder so. Ja, Ron Atkinson. Ron Atkinson, was der so gemacht hat. Also, wir haben viel zu besprechen.
Florian Bayer: Wenn ihr einen 400-minütigen Monolog hören wollt, dann müsst ihr nächste Woche unbedingt einschalten. Ich werde stumm daneben sitzen, teilweise gerührt, teilweise schockiert, teilweise einfach nur sprachlos, während Johannes Witze aufzählt, die großartig sind. Ich werde die ganze Serie nachspielen.
Johannes Franke: Oh Gott. Ich freue mich drauf. Sehr cool. Und dann noch die ganzen britischen Humor-Leute aus der Zeit. Ich werde dir einfach Stephen Fry, A Bit of Fry and Glory werde ich dir noch vorspielen.
Florian Bayer: Stephen Fry hat er mitgespielt?
Johannes Franke: Stephen Fry war auch dabei. Krass. Ja, ja. Oh, da war er noch jung, oder?
Florian Bayer: Also, muss er gewesen sein, wenn das irgendwie so...
Johannes Franke: Der ist als mittelalter Mann auf die Welt gekommen, habe ich so. Ja, stimmt.
Florian Bayer: Wenn man Stephen Fry sieht, er sieht heute genauso aus wie vor 50 Jahren. Bloß ein kleines bisschen hat er zugelegt. Ja, das stimmt allerdings. Oh, super. Britischer Humor, klasse. Also, passt ja auch zu... Also, ich meine, nach Darkstar, der hatte ja auch so diesen schwarzhumorigen Ansatz. Ja, so ein bisschen, genau. Und die Briten zeigen uns nächste Woche, wie es richtig geht. Weil, auch wenn Darkstar wirklich witzig war, wirklich düsteren, bösen, schwarzen Humor können einfach nur die Briten.
Johannes Franke: Ja. Punkt. Sehr schön. Oh, ich freue mich sehr drauf, Flor. Cool. Schön. Dann bis nächste Woche. Bis nächste Woche bei Blackadder. Ciao. Ciao.
