Episode 61: Arizona Junior und das Kino der Coen Brothers
Die Brüder Joe und Ethan Coen gehören zu den renommiertesten Regisseuren Amerikas. Seit mittlerweile über 30 Jahren drehen sie Filme, die sich dezidiert mit den Glanz- vor allem aber auch Schattenseiten des Landes der unbegrenzten Unmöglichkeiten auseinandersetzen. Bei der Frage nach dem besten Film des Paares hat wohl jeder eine andere Antwort: Der frostige und zugleich humanistische Thriller Fargo? Die surreale Groteske Barton Fink? Die Neowestern Actiondekonstruktion No Country for old Men? Die Stoner-Komödie The Big Lebowski? Aber kaum jemand denkt dabei an ihren zweiten Spielfilm Raising Arizona aus dem Jahr 1987, der in Deutschland unter dem Titel Arizona Junior veröffentlicht wurde.
Zeit diesem surrealen Komödienkleinod ein wenig Gerechtigkeit zukommen zu lassen.
Im Mittelpunkt stehen der Kleinkriminelle H.I. und die Polizistin Ed, die sich bei H.I.s zahlreichen Mugshots ineinander verlieben und schließlich heiraten. HI beschließt seine kriminelle Karriere hinter sich zu lassen und eine Familie zu gründen, jedoch wird die junge Ehe davon getrübt, dass Ed keine Kinder kriegen kann. Auch eine Adoption ist wegen H.I.s Vorleben unmöglich. Und so beschließen die beiden das Familienglück in die eigene Hand zu nehmen. Der erfolgreiche Möbelmogul Nathan Arizona wurde gerade mit Fünflingen bedacht. Mehr Babys als er brauchen kann, da wird er es doch verschmerzen können, wenn eines fehlt. Und so entführen Ed und H.I. Nathan Junior, um ihn als ihren eigenen Sohn großzuziehen. Sie ahnen nicht, welche Kette bizarrer Ereignisse sie damit in Gang setzen.
Raising Arizona ist eine wilde und absurde Komödie… und doch so viel mehr: Klein- und Großkriminelle mit dem Herz am rechten Fleck, wohlsituierte Bürger, die dem Wahnsinn anheim gefallen sind, ein US Bundesstaat, in dem jeder Bewaffnet ist und keine Scheu hat wild um sich zu schießen, ein fucking Reiter der Apokalypse und dazwischen Freude Schöner Götterfunken als Blue Grass Hymne. Arizona Junior ist ein kapitalismus- und gesellschaftskritisches Redneck-Märchen, eine tiefenpsychologische Auseinandersetzung mit Familie, Bürgerlichkeit und Antibürgerlichkeit, sowie eine gehässige Satire auf den amerikanischen Traum. Deutlich weiser und tiefgründiger, als er auf den ersten Blick vermuten lässt, deutlich mehr Konzept als die irre und durchgedrehte Fassade vermuten lässt. Oder wie siehst du das, Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 61: Arizona Junior und das Kino der Coen Brothers Publishing Date: 2022-03-02T11:59:13+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/03/02/episode-61-arizona-junior-und-das-kino-der-coen-brothers/
Florian Bayer: Das ist nicht seine Projektion, sondern das ist eine universelle Projektion. Das ist der amerikanische Traum. Das ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So sieht es hier aus. Schaut euch die Leute an, wie sie um sich ballern. Herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen, zum Muss man sehen Podcast. Muss man sehen. Episode 61.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Wahnsinn, oder? Hatten wir nicht irgendwann mal beschlossen, nicht mehr die Nummern zu sagen, damit wir auch hin und her schieben können? Ja, stimmt. Aber das haben wir jetzt sowieso nie gemacht. Nee, haben wir ja nicht nötig. Wir haben ja immer was in der Hinterhand. Genau. Immer was zu bieten. Ich bin noch am Regeln hier. Ich merke, ich bin ein bisschen zu laut. Jetzt bin ich wieder, jetzt geht's. Der Ausschlag ist okay. Dein Ausschlag, Plur, sag mal was. Ist deinem Ausschlag okay? Meinem Ausschlag geht es sehr gut.
Florian Bayer: Er fängt an, Blasen zu schlagen. Letzte Woche hatten wir hier eine besondere Sendung. Wir hatten zum zweiten Mal in der Geschichte vom Muss man sehen Podcast einen Gast zu Besuch und haben über Bang, Boom, Bang, den großen Tarantino-Film aus dem Ruhrpott geredet.
Johannes Franke: Letzte Woche, Plur, hatten wir eine sehr besondere Episode, weil letzte Woche warst du nicht hier. Die letzten zwei Wochen war ich nicht hier. Du hattest ein Problem mit einer gewissen Krankheit, die in der Gegend rumgeht. Ich hatte Corona. Wer schon mal davon gehört hat, das ist dieses Ding, was immer alle auffällt, ihre Arbeit zu tun und zum Podcast Aufzeichnungen zu kommen und so.
Florian Bayer: Und ich muss sagen, erstens, Gott sei Dank war ich geboostert. Dadurch war der Krankheitsverlauf nicht so schlimm. Aber scheiße, dass ich es gekriegt habe, nämlich schön war die Krankheit bei weitem Licht. Und das Schlimmste war, ja, ich habe meinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Und der ist auch immer noch nicht vollständig zurückgekehrt. Jetzt zwölf Tage nach der Infektion ungefähr ist immer noch alles so ein bisschen taub, noch so ein bisschen komisch. Alles schmeckt irgendwie nicht so richtig. Also ich wünsche es keinem, es zu kriegen. Und ich befürchte, so wie es gerade politisch und gesellschaftlich läuft, werden wir es alle kriegen. Also zumindest die, die Kinder haben und die anderen früher oder später auch. Und wir hoffen, dass es einigermaßen geht.
Johannes Franke: Mit Omnikron haben wir aufgegeben, würde ich sagen. Also das ist so ein, okay, jetzt sagen wir alle, na gut, jetzt haben wir endlich eine Version, die einigermaßen mild vom Verlauf ist, wenn man wenigstens geimpft ist. Und dann sagen alle plötzlich, ja, dann komm, gib her, dann ist es auch egal.
Florian Bayer: Aber das Schlimme ist ja wirklich, es ist unvorhersehbar. Ja, das ist das Problem. Wenn du dreimal geimpft bist, sind die Chancen ziemlich gut, dass du nichts Schlimmes kriegst. Wenn du ein Kind bist und selbst wenn du nicht geimpft bist, sind die Chancen ziemlich gut, dass du einen milden Verlauf hast und so weiter. Aber milder Verlauf bedeutet bei Corona immer noch, das kann ganz schön ätzend sein, weil es ist irgendwie alles milder Verlauf, was nicht beatmet werden muss im Krankenhaus.
Johannes Franke: Richtig.
Florian Bayer: Und Langzeitfolgen, das ist alles so schwer abzuschätzen. Also ich drücke jedem die Daumen, dass er oder sie es nicht kriegt.
Johannes Franke: Ja, meine Freundin hat es gerade und deswegen war auch heute, ist heute unsere Aufzeichnung ein bisschen spontan. Ich habe den Film extra lange hinausgezögert zu gucken, weil ich es ja immer kurz vorher gucken möchte. Und dann hatte ich plötzlich das Problem, dass meine Freundin Corona hat und ich musste einen PCR-Test machen und dachte, das Ergebnis kommt erst abend erst. Das heißt, ich habe unseren Termin abgesagt. Ja. Und dann kam dann das Ergebnis doch vor, weiß ich nicht, drei Stunden. Und dann habe ich gesagt, komm, ich gucke schnell den Film noch und dann unterhalten wir uns darüber. Das heißt, ich habe gerade erst ganz frisch den Film geguckt. Und deiner Freundin geht es auch nicht so gut, ne? Ah, meiner Freundin geht es furchtbar. Es ist wirklich schrecklich. Also, wir sind inzwischen sicher, dass es nicht bedeutet, dass sie ins Krankenhaus muss, aber das ist trotzdem scheiße. Also, schweißgebadet, aufgewacht und Schmerzen am ganzen Körper und Fieber und alles, was dazugehört.
Florian Bayer: Übrigens, um die Informationslücken noch aufzufüllen, Johannes' Freundin ist Schari, die letzte Woche da war, wenn wir über Bang, Boom, Bang geredet haben. Wir haben es extra so nubelös gehalten.
Johannes Franke: Und die ist jetzt auch noch ausgerechnet isoliert im Ruhrpott und nicht hier. Ja, und das möchte man ja gar keinem wünschen.
Florian Bayer: Ja, auch noch immer. Corona und dann auch noch Ruhrpott.
Johannes Franke: Furchtbar. Okay. Aber Corona und Berlin ist auch nicht viel besser. Nein, es ist nicht viel besser.
Florian Bayer: Es ist wie Winter und Berlin ist auch nicht besser. Nee, ja, es ist sowieso gerade alles Kacke, ne? Also, das Wetter ist scheiße. Ich schmecke nichts mehr und war krank. Und es fühlt sich gerade alles so total deprimierend an. Und ich hoffe, dass der Film, den ich Johannes diese Woche aufgegeben habe, uns so ein bisschen rauszieht aus diesem Winter-Corona-Depressionsloch, weil es handelt sich um einen, meiner Meinung nach, sehr optimistischen Film.
Johannes Franke: Herzlich willkommen an alle, die versucht haben vorzuspulen und die sinnvolle Stelle zu finden, wo wir endlich aufhören zu jammern, wie es uns geht. Wir wissen, dass ihr vorgespult habt. Gebt es zu. Wir sind heute mit einem Film beschäftigt, der von Plur kommt. Und der, es ist ein guter Film, von deiner Meinung nach, ja? Sonst hättest du ihn nicht vorgeschlagen.
Florian Bayer: Es ist ein herausragender Film, meiner Meinung nach. Das ist mein Lieblingsfilm der Coen-Brüder.
Johannes Franke: Es ist dein Lieblingsfilm der Coen-Brüder? Das ist mein Lieblingsfilm der Coen-Brüder. Oh, die Latte hängt also höher, als ich dachte. Ja. Ich dachte, wenn ich deine Träume zercrashen, dann wäre das jetzt diesmal nicht ganz so schlimm.
Florian Bayer: Und tatsächlich ist es ein Film, den, also es gibt viele Coen-Fans da draußen, den die meisten Coen-Fans nicht als den besten Film der beiden bezeichnen würden. Eines ihrer Frühwerke, Anfang 90er Jahre. Und zwar handelt es sich dabei um Arizona Junior, beziehungsweise Raising Arizona im Original, aus dem Jahre 1987, nicht mal Anfang 90er, Ende 80er Jahre. Der zweite große Spielfilm von ihnen. Ja, Wahnsinn. Möchtest du Teplor? Oh ja, sehr gerne. Und tatsächlich ein ganz spannender Film, weil er sich stark von ihrem Debüt unterscheidet, der ja platt simpel war. Und vielleicht die beiden so als Paar, platt simpel und der, geben schon so ein bisschen die Richtung vor, wie sich die Karriere der Coens dann im Laufe entwickeln sollte. Weil die Coens sind immer so ein bisschen gesprungen zwischen bizarren Humor und teilweise ziemlich ernsten Thriller-Western-Themen. Und das wirklich seit Ende der 80er bis heute. Und sie haben zahllose Filme gemacht, die groß rezipiert wurden, die auch die ausgezeichnet wurden mit diversen Awards. Und sie gehören einfach so zu den am besten angesehenen Regisseuren Amerikas, würde ich mal behaupten.
Johannes Franke: Also wenn die rufen, dann kommt jeder, oder? Genau. Also ich glaube nicht, dass irgendein Schauspieler auf der Welt sagen würde, oh Coens, weiß ich nicht genau, muss ich vielleicht nochmal über nachdenken. Das Feuilleton liebt sie?
Florian Bayer: Das große Mainstream-Publikum teilweise? Also sie haben jetzt auch viele Filme gemacht, die nicht so Mainstream-tauglich sind. Aber Indie-Film-LiebhaberInnen lieben sie auch.
Johannes Franke: Ja. Hast du ein paar Beispiele für ZuhörerInnen, die das nicht so mit dem Oeuvre der Coens
Florian Bayer: bekannt sind? Also die bekanntesten Filme von den Coens sind wahrscheinlich Mitte der 90er, Ende der 90er, Fargo und The Big Lebowski, würde ich behaupten. Fargo zum einen, weil es ja tatsächlich ein Oscar-prämierter Film war. Ja. Und weil er einfach, das war eigentlich der erste Film, wo sie dann wirklich groß, groß auf dem Radar von allen waren, von der Kritik, vom Feuilleton und so weiter, ausgezeichnet mit dem Oscar für Bestes Original-Drehbuch und für die Beste Hauptdarstellerin, Frances McDormand.
Johannes Franke: Ja, die großartig war.
Florian Bayer: Und die wäre erst nominiert. Und The Big Lebowski, glaube ich, vor allem in so Stoner-Film-Fankreisen, das war auch so die richtige Zeit, so Ende der 90er, als Tarantino gerade groß geworden ist und dann gab es so eine Reihe von Filmen, wo man einfach gesagt hat, die guckt man sich bekifft an und hat Spaß dabei mit so ein paar Dudes.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Und das dürften wohl so die beiden bekanntsten von ihnen sein, aber die haben natürlich noch ganz viele andere Filme gemacht. Also No Country for Old Man war auch Oscar-prämiert, auch ein großer Film 2007, also wir sind jetzt schon zehn Jahre später, True Grit, werden einige kennen, weil das so ein sehr traditioneller Western war, den sie da gemacht haben. Und dann die, die auf bizarre und schräge Komödien stehen, werden bestimmt schon mal von Barton Fink gehört haben oder von A Serious Man oder Opera I Were Out, Joe. Also das Oeuvre der Coens ist gewaltig. Ja. Und ich würde jetzt einfach mal mit einem kleinen Text einsteigen und was zu diesem Film sagen und dann diskutieren wir darüber und mal schauen, ob Johannes so gut gefallen hat wie mir. Ja, ich bin gespannt. Viel Spaß. In diesem Text wird sich einiges von dem wiederholen, was ich gerade improvisiert gesagt habe. Oh, verdammt, Plor. Wir sollten nicht so viel Adlib machen, bevor wir zu dem Text kommen, sonst passiert sowas.
Johannes Franke: Ich dachte, wir können die Crowd mal vielleicht ein bisschen auffärmen, wie nicht sonst, wo wir dann irgendwie alle ins kalte Wasser schmeißen und keiner weiß, worum es geht. Ich dachte, wir machen mal ein bisschen. Okay, dann gib mir jetzt alle ein Hu, Hu, Hu, Hu und los geht's.
Florian Bayer: Die Brüder Joe und Ethan Coen gehören zu den renommiertesten Regisseuren Amerikas. Seit mittlerweile über 30 Jahren drehen sie Filme, die sich dezidiert mit den Glanz und vor allem aber auch Schattenseiten des Landes der unbegrenzten Unmöglichkeiten auseinandersetzen. Bei der Frage nach dem besten Film des Paares hat wohl jeder eine andere Antwort. Der frostige und zugleich humanistische Thriller Fargo, die surreale groteske Barton Fink, die Neo-Western Action-Dekonstruktioner Country for Old Men, die Stoner-Komödie The Big Lebowski, aber kaum jemand denkt dabei an ihren zweiten Spielfilm Raising Arizona aus dem Jahr 1987, der in Deutschland unter dem Titel Arizona Junior veröffentlicht wurde. Zeit, diesem surrealen Komödien-Kleinod ein wenig Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Im Mittelpunkt stehen der Kleinkriminelle H.I. und die Polizistin Ed, die sich bei H.I. oder H.I.s zahlreichen Magtschatz ineinander verlieben und schließlich heiraten. H.I. beschließt, seine kriminelle Karriere hinter sich zu lassen und eine Familie zu gründen. Jedoch wird die junge Ehe davon getrübt, dass Ed keine Kinder kriegen kann. Auch eine Adoption ist wegen H.I.s Vorleben unmöglich. Und so beschließen die beiden, das Familienglück in die eigene Hand zu nehmen. Der erfolgreiche Möbelmogul Nathan Arizona wurde gerade mit Fünfflingen bedacht. Mehr Babys, als er brauchen kann. Da wird er es doch verschmerzen können, wenn eines fehlt. Und so entführen Ed und H.I. Nathan Junior, um ihn als ihren eigenen Sohn großzuziehen. Sie ahnen nicht, welche Kette bizarrer Ereignisse sie damit in Gang setzen. Raising Arizona ist eine wilde und absurde Komödie. Und doch so viel mehr. Klein- und Großkriminelle mit dem Herz am rechten Fleck. Wohl situierte Bürger, die dem Wahnsinn am Heim gefallen sind. Ein US-Bundesstaat, in dem jeder bewaffnet ist und keine Scheuheit will, um sich zu schießen. Ein fucking Reiter der Apokalypse. Und dazwischen freudeschöner Götterfunken als Bluegrass-Hymne. Arizona Junior ist ein kapitalismus- und gesellschaftskritisches Redneck-Märchen. Eine tiefenpsychologische Auseinandersetzung mit Familie, Bürgerlichkeit und Antibürgerlichkeit. Sowie eine gehässige Satire auf den amerikanischen Traum. Deutlich weiser und tiefgründiger, als er auf den ersten Blick vermuten lässt. Deutlich mehr Konzept, als die irre und durchgedrehte Fassade vermuten lässt. Oder? Wie siehst du das, Johannes?
Johannes Franke: Ja, definitiv. Also natürlich ist da viel, viel drin. Wenn man sich die Filme dann später von den Coins noch anschaut, da sind ja fast alle Themen schon drin. Fast alles, was sie irgendwie später nochmal in anderen Formen und in anderen Möglichkeiten aufarbeiten, ist einfach in diesem Film schon angelegt. Ich weiß nicht, ob dir irgendein Film einfällt, in den die Coins nicht diese Waffenverliebtheit der Amerikaner irgendwie unterbringen. Ja. Das ist immer irgendein Thema und immer auch bösartig erzählt und immer natürlich mit problematischem Ausgang.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist ein Grund dafür, dass ich den Film so gerne mag, ist tatsächlich fast so eine Blaupause von einem Coins-Film, aber auch fast so ein Best-of von einem Coins-Film. Weil die haben ja wirklich unterschiedliche Filme gemacht. Die haben Filme gemacht, die wenig Humor haben. Die haben Filme gemacht, die sehr surreal sind. Sie haben Filme gemacht, die sehr bodenständig und actionreich sind. Sie haben Filme gemacht, die so sehr warmherzig sind. Und ich finde, dieser Film vereint ganz viel von diesen verschiedenen Trademarks, die teilweise so überhaupt nicht zusammenzupassen scheinen. Und meiner Meinung nach passen sie in diesem Film verdammt gut zusammen. Und es ist wirklich viel und es ist auch teilweise zu viel und es ist oft komplett drüber und komplett absurd.
Johannes Franke: Das ist auch ein großer Kritikpunkt von Leuten, die den Film nicht ganz so mögen, weil die irgendwie der Meinung sind, dass man sich hätte entscheiden müssen, ob man jetzt Komödie, Tragödie, realistisch, unrealistisch, ob man jetzt den amerikanischen Traum wirklich kritisieren oder irgendwie. Weil es ist ein bisschen, es ist all over the place. Ja, total. Man muss da ein bisschen Geduld mitbringen vielleicht, das auch auszuhalten, dass das von dort nach dort springt alles immer wieder.
Florian Bayer: Ich finde das Schöne tatsächlich, dass es so vordergründig ist, es ist ja wirklich einfach mal eine bizarre und sehr actionreiche Komödie. Es gibt so zwei, drei Szenen, die auch sehr lange dauern, die einfach wild sind. Und das letzte Drittel des Films ist eigentlich eine einzige wilde Actionsequenz, wo alle dem Kind hinterherjagen und dazwischen noch Banken überfallen. Und dann kommt eben dieser Reiter auf dem Motorrad noch angefahren, dieser wirklich apokalyptische Typ. Aber dazwischen gibt es diese krassen, leisen Töne. Und ich finde auch diese unglaublich schönen menschlichen Töne. Also auch diese zwischenmenschlichen Töne, die sich so stark damit auseinandersetzen, was erwarten Menschen vom Leben, was wollen Menschen erreichen und was machen sie, um das zu schaffen. Und alle Menschen machen in diesem Film Fehler. Es gibt niemanden, der fehlerfrei ist und alle verhalten sich teilweise wirklich dumm. Und trotzdem sind alle, vielleicht mit Ausnahme von diesem übersteigerten parabolischen Höllenfürsten, eigentlich sind alle irgendwie sympathisch. Und ausgerechnet die, bei denen man es am wenigsten erwartet, die kriegen dann so ganz krasse sympathische Momente. Ja, ja, ja. Also ich liebe diese Szene zum Beispiel.
Johannes Franke: Was aber völlig absurd ist eigentlich.
Florian Bayer: Ja, aber was toll ist. Ich liebe zum Beispiel diese Szene, eigentlich ist das meine liebste Szene des Films ganz am Ende, wenn Hai und Ed nach dem ganzen Albtraum und nach dem ganzen Chaos beschließen, das Kind zurückzubringen. Und dann treffen sie auf Nathan Senior, Nathan Arizona, dessen Kind sie geklaut haben. Und der Typ war eigentlich die ganze Zeit in diesen Momenten, in denen er gezeigt wurde, so ein Abziehbild von so einem großen Kapitalisten, von so einem Mogul, inklusive Kapitalismuskritik. Er sagt dann halt auch so, ja, entweder, ich sage zu meinen Mitarbeitern immer, entweder der macht so, wie ich sage oder ihr könnt mich mal und ihr seid draußen. Und das wäre natürlich die perfekte Möglichkeit, hier jetzt irgendwie so eine Geschichte zu erzählen, dass dieses Outsider-Paar auf den reichen Mogul trifft und der einfach ein arroganter Arsch ist. Und er kommt in dieser Szene plötzlich als dieser absolut warmherzige und auch weise Mensch rüber und redet mit ihnen und sagt ganz tolle Sachen und zwar total banal. Weil sie sagen halt zu ihm, dass sie beschlossen, dass sie darüber nachgedacht haben, sich zu trennen. Und er versucht sie dann so ein bisschen dazu zu überreden, dass sie sich das nochmal nachdenken und sagt dann einfach mal so zwischendurch, weil der Gedanke, dass meine Frau sich von mir trennen würde, tut mir total weh, weil ich sie so liebe und verschluckt das noch so halb. Und das ist so ein schöner Moment, wo diese Person, die vorher so ein satirisches Abziehbild war, total menschlich wird und ich liebe das an diesem Film.
Johannes Franke: Es ist so seltsam, aber weil du plötzlich dich in einem ganz anderen Film wiederfindest, in einer ganz anderen Situation. Alles, was du erwartet hast, was du ja sowieso irgendwann über Bord geworfen hast, dass du irgendwas erwarten kannst, weil der Film sich in allem möglichen, du kannst eigentlich nicht aus deinem Erfahrungsschatz mit dem Leben darauf schließen, was im Film als nächstes passiert. Keine Chance, weil der Film einfach zu abgedreht dazu ist. Aber selbst das bisschen Erwartung, was du eigentlich hast, nämlich, dass eine Figur konsistent durch einen Film den Charakter hat, den er anlegt, selbst das wird am Ende gebrochen mit diesem. Also natürlich stimmt es, natürlich hat der Film recht, dass Menschen, die so nach außen hin so die großen Arschlöcher sind, weil die Abziehbildfunktion für die Gesellschaft da ist und weil vielleicht auch alles, was öffentlich passiert, irgendwie immer ein Geschäftstreffen für jemanden ist und deswegen das alles nach außen hin sehr kalt wirkt. Und insofern stimmt es, dass diese Menschen natürlich im Privaten eher auch warmherzige Momente haben. Aber es war so völlig unvorbereitet, dass dieser Typ plötzlich anfängt, ach nee, ach, wenn das so ist, dann zeige ich euch nicht an und ach, wollt ihr euch das nicht nochmal überlegen? Alle Menschen haben Fehler. Was ist das? Was ist das? Wie kommt das plötzlich dorthin? Das ist schon krass.
Florian Bayer: Ich finde es passt tatsächlich zum einen, ich mag es grundsätzlich, wenn Charaktere ambivalent erzählt werden und auch vielschichtig und ich mag es auch, wenn Filme damit überraschen, diese Vielschichtigkeit reinzubauen. Ich finde es bei dem Film nochmal besonders interessant, weil es halt wirklich, weil es diesen Grundsatireansatz gibt, eben dadurch, dass alles übersteigert ist und dadurch, dass die Charaktere sich die ganze Zeit so bizarr verhalten und so überdreht. Wir haben ja zum Beispiel auch diese beiden Typen, die nachdem High und Ed den Nathan Jr. entführt haben, diese beiden Typen aus dem Gefängnis, also Knastkumpan von High, Gale und Develle, übrigens John Goodman. John Goodman, großartig.
Johannes Franke: Jetzt müssen wir aber trotzdem noch einmal kurz sagen, wie der andere heißt. Oh, ist das gemein. Weil ich mich die ganze Zeit beim Gucken habe ich gedacht, John Goodman ist richtig berühmt geworden und wer verdammt ist der andere?
Florian Bayer: William Forstow, der auch einiges gespielt hat und auch so oft schräge kriminelle Charaktere spielt, wahrscheinlich einfach wegen seiner Zahn. Ja, vielleicht. Weil er einfach schon so einen kleinen kriminellen Aussehen hat. Na, auf jeden Fall, die kommen dann zu ihnen nach Hause und wohnen eine Zeit lang bei ihnen. Ed findet das natürlich total zum Kotzen, weil es sie an das alte Leben von High erinnert. Ja, genau. Und High findet es irgendwie cool, weil er sich noch nicht so richtig damit arrangieren kann, eine Familie zu gründen. Und der Film spielt natürlich auch ganz viel damit, dass er seine Unsicherheiten, ob er dazu geeignet ist, eine Familie zu haben, damit spielt der Film ganz viel. Na, auf jeden Fall sind die wirklich schräge Gangstertypen, die die ganze Zeit von einer Karriere reden. Ihre Karriere besteht darin, dass sie Banken überfallen und sie haben jetzt eine ganz große Banke im Auge und wollen High überreden, da mitzumachen.
Johannes Franke: Aber haben die vorher schon Banken überfallen? Ich glaube, die haben die ganze Zeit nur irgendwelche blöden Supermärkte überfallen oder sowas.
Florian Bayer: Ja, so Convenience-Stores. Das ist ein ganz wichtiges Motiv von diesem Film, dass die Träume und die Realität von den Personen, die sich darin aufhalten, komplett auseinanderklaffen. Die reden von Karriere und meinen damit halt einen Supermarkt, um ein paar tausend Dollar zu erleichtern. Ja, genau. Und dann immer so weiterzumachen. Und der Knast gehört offensichtlich zur Karriere dazu.
Johannes Franke: Definitiv, ja. Das ist auch so, die reden darüber, diese Bank zu überfallen und sagen, ja, ja, und dann machen wir da weiter und dann machen wir das weiter und dann kommt das Nächste. Oder wir werden halt so irgendwann geschnappt, was soll's. Was ist das für ein Gesprächsverlauf? Aber ich finde es gut. Also nur um das mal zu klären. Ich finde es eigentlich ganz geil, dass der Film diese Abzweigungen nimmt an Stellen, wo man denkt, okay, gut, das hätte ich jetzt nicht erwartet. Und das führt halt auch dazu, dass du irgendwie keine Erwartungshaltung mehr in den Filmen aufbaust. Was aber auch dazu führt, dass so mancher Gag nicht zünden kann, weil viele Gags in den Filmen auf Erwartungshaltungen aufbauen. Da du aber relativ früh Erwartungshaltungen über Bord wirfst als Zuschauer, funktioniert mancher Gag nicht mehr. Weil einfach du das nicht mehr, du antizipierst das nicht mehr, weil du einfach sagst, ich kann mich nur noch überraschen lassen, was als nächstes passiert.
Florian Bayer: Das ist ja auch die Art, wie die Gags inszeniert werden. Der Film setzt total viel auf Slapstick-Humor. Stimmt. Und zwar wirklich ganz klassischen, traditionellen, dummen Slapstick-Humor.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Also wir haben unglaublich viele Szenen, wo Leute aufeinander kloppen und gegen eine Wand geschleudert werden und durch ein Fenster fallen und irgendwie rumstolpern. Aber die sind gut inszeniert, muss man sagen. Die ist halt ordentlich mit Tempo, ne? Ja, ja, ja. Man kann diesen Film tatsächlich auch gucken, trotz seinem, auf den ich nachher nochmal zu sprechen kommen will, trotz seines philosophischen Unterbaus kann man diesen Film wunderbar auch als Berieselung gucken. Absolut. Es ist nicht nur mein Liebster-Cone-Film, es ist auch mein erster Cone-Film und ich hab den geguckt, als ich wirklich jung war. Ich war so zehn.
Johannes Franke: Aber dann ist es vielleicht genau deswegen dein Liebster-Cone-Film.
Florian Bayer: Also definitiv, die Nostalgiebrille könnte eine Rolle dabei spielen, aber ich hab den als Zehnjähriger ganz viel geguckt und natürlich hab ich die ganzen dahinterstehenden Themen nicht verstanden oder nur partiell verstanden. Deswegen war es auch großartig, den als Erwachsener dann wieder zu entdecken und zu sagen, oh, aha, okay, das ist da passiert. Will damit aber sagen, das ist ein Film, der funktioniert auch auf einer Ebene der Berieselung. Man muss sich nicht tief mit den Themen auseinandersetzen. Man kann so ein bisschen Suspension of Disbelief machen, dann akzeptiert man, dass wir uns hier in einer fantastischen Welt befinden. Das ist nämlich ganz viel. Und dann kann man einfach Spaß haben und das klappt halt auch für einen Zehnjährigen, der keine Ahnung hat von der amerikanischen Waffenpolitik und von dem amerikanischen Sozialsystem und von dem Familienverständnis in Amerika und so weiter. Das ist total okay. Dann kann man auch als deutscher Pimpf, der wirklich null Ahnung hat von dieser Kultur, kann man wirklich Freude an diesem Film haben. Und das rechne ich ihm auch hoch an. Und das erreicht er natürlich durch dieses Dauertempo, durch diese albernen Witze, dadurch, dass viele Sachen auch einfach Spaß machen, auch einfach albern, infantil und kindig sind.
Johannes Franke: Ja, ich muss wieder an Bang Boom Bang denken vom letzten Mal, weil es irgendwie, ich weiß nicht, ich habe das Gefühl, jetzt wo ich den Film gesehen habe, ist nicht nur so Tarantino oder sowas Vorbild für Bang Boom Bang gewesen, sondern eben auch sowas, wo man dann versucht, so eine actionreiche, sehr, eins jagt das andere und Flucht und hier und da und Verfolgungsjagden und so, das irgendwie herzustellen. Und du fandest ja Bang Boom Bang nicht so gut.
Florian Bayer: Nee, weil es halt auch sehr viel versucht hat, so das zu kopieren aus diesem Film und dabei irgendwie es nicht geschafft hat, diesen Bogen zu schlagen zum deutschen Lokal koloriert oder zum Pottlokal koloriert. Das ist ja das Tolle an diesem Film, dass dieses Lokal koloriert ist, ganz stark präsent und trotzdem wird es so universalisiert auf eine ganz merkwürdige Art und Weise. Wir haben ja diese Typen aus Arizona, die alle so diesen Hinterwäldler-Slang reden und dann kriegen die aber von den Cones Dialoge in den Mund gelegt, die überhaupt nicht dazu passen.
Johannes Franke: Das ist viel zu gestellt. Befindet jemand noch irgendwelche Verzierungen für das, was er eigentlich geradeaus in viel kürzer hätte sagen können?
Florian Bayer: Ja, es wird oft gesagt und die Cones haben das auch selbst gesagt, dass sie versucht haben, das Zeug, was sie den Figuren in den Mund legen, daran zu orientieren, was sie gelesen haben. Und zwar so orientiert an irgendwelchen Magazinen, egal ob so Männermagazine oder Hausfrauenmagazine, also Waffenheftchen oder Pornoheftchen oder eben auch so Family, Urban, nicht Urban, eher so Rural Living oder sowas. Und zusätzlich die Bibel. Und ich finde das Letztere, es ist sogar noch mehr, es ist nicht nur die Bibel, es ist so eine ganz krasse mythologische Sprache, die diese Figuren teilweise sprechen, weil alles wird irgendwie in Metaphern gepackt und alles wird irgendwie groß gemacht und monumental. Also wenn eine Person etwas sagt, dann will sie was Großes ausdrücken. Und sie tun das aber in diesem Slang und auch teilweise in dieser etwas kaputten Redneck-Sprache und diese Mischung, das passt überhaupt nicht zusammen, das ist total artifiziell. Aber es hat dadurch einen ganz eigenen Charme, weil es eben diesen Lokalkolorit hat und gleichzeitig so dieses ständig auf dieses oben drüber verweist. Du hast fast das Gefühl, es ist so, wenn Shakespeare ein Redneck gewesen wäre, hätte er das als Theaterstück geschrieben. Wenn Homer ein Redneck gewesen wäre, hätte er das gemacht. Die Odyssey, es ist eine Odyssey auch, ne? Und die Cones haben ja die Odyssey tatsächlich genau als so einen Film auch gemacht mit Operator. Und das ist auch in diesem Filmschauen so ein bisschen angelegt, diese Kombination von Hitler-Weltler-Simplizität mit großem Pathos und großem intellektuellen Gehalt, vermeintlichem intellektuellen Gehalt.
Johannes Franke: Es gibt eine Szene für mich, die das so ein bisschen auf den Punkt bringt, die gar nicht so eine Rolle spielt, aber er kriegt einen neuen Job, stand da irgendwie Löcher in irgendwelche Metallplatten oder sowas, weiß ich nicht ganz genau. Und man sieht ihn von hinten, wie er das macht und daneben steht sein Arbeitskollege. Und der labert ihn voll mit irgendwelchem, also und dann hat er eine Sprache drauf, die ich diesem Arbeiter überhaupt nicht zutraue. Was ich total schön finde. Und dann mit diesem Kaugummi-Kauen und so dreckig und dann so lachen.
Florian Bayer: Aber ich hatte teilweise wirklich Probleme, die Dialoge zu verstehen. Es ist schwierig.
Johannes Franke: Es ist wirklich hart.
Florian Bayer: Ja, ich auch. Es ist wirklich hart. Und die deutsche Synchro ist ganz okay. Also ich habe den deutlich öfter synchronisiert geguckt als im Original. Die deutsche Synchro ist echt ganz okay. Die haben das ganz gut hingekriegt. Aber zum Original ist es ein Film, den man definitiv im Original schauen müsste. Weil einfach dieser wahnwitzige Kontrast zwischen dem Gesagten und wie es gesagt wird, der entfaltet sich halt wirklich erst, wenn man die Originalsprache hört. Hm, das stimmt.
Johannes Franke: Ja, es gibt ihn auf Disney+. Also wenn ihr irgendwie gucken wollt, einfach Untertitel anmachen, dann habt ihr auch eine Orientierung. Kommen wir mal zum Hauptthema des Films.
Florian Bayer: Was ist das Hauptthema des Films? Ich möchte als Hauptthema des Films, ich habe ja gesagt, ich möchte ihm Gerechtigkeit zukommen lassen. Wir haben jetzt darüber geredet, dass es eine bizarre Komödie ist und dass er unterhaltsam ist. Ja. Ich glaube, es gibt ein Hauptthema, das sich durch den Film zieht und ich will einfach mal ganz krass meine Interpretation darüber stülpen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es gibt von einigen Leuten die Theorie, dass der Film eigentlich nur ein Traum ist. Oh, jetzt die ganzen blöden Theorien, was soll denn das? Und zwar, weil es gibt, also was dafür spricht erstmal? Ich glaube das nicht. Ich finde grundsätzlich Interpretation aller, das ist ja alles nur ein Traum, finde ich.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil ich mich dann frage, warum habe ich den Film dann geguckt, wenn nichts davon real war.
Florian Bayer: Aber dass es ein Traum ist, dafür spricht natürlich, dass wir diesen schon genannten Reiter der Apokalypse haben, diesen Leonard Smalls, der offensichtlich eine Ausgeburt von Highs Unterbewusstsein ist. Am krassesten deutlich wird das in der Szene, wenn er und High kämpfen und High reißt ihm irgendwie so kurz das Hemd auf oder so und dann sieht er, dass dieser Leonard Smalls, dieser fiese Motorradtyp, genau dieselbe Tätowierung hat wie er. Also wir haben es offensichtlich mit einer Figur zu tun, die High durch seine Verbrechen heraufbeschworen hat. Der ist das Dunkle, Böse. Also wir sind weg von der Realität irgendwie.
Johannes Franke: Es ist auch eigentlich schon gleich am Anfang klar, weil man das erste Mal auftaucht, weil er taucht nämlich in einem Traum auf, den er hat, den High hat. Und er hat eine ganz eindeutige Aufstimme, die eigentlich erzählt, wie er diesen Fiebertraum hat und dass dieser Biker in seinem Traum ein Ausgeburt seiner Hölle ist im Grunde.
Florian Bayer: Und das ist ein Boxer, der das gespielt hat und die Cones haben gesagt, okay, es war ganz interessant mit ihm zu arbeiten, aber der war wirklich eine Naturgewalt. Den müssen wir vielleicht nicht wieder haben. Mit dem müssen wir vielleicht nicht nochmal arbeiten. Auf jeden Fall genau, Träume, Auferzählung, ganz spannend. Also es gibt zwei große Träume in dem Film. Den einen zentralen, von dem du gerade geredet hast, wo High davon träumt, dass dieser Reiter der Apokalypse kommt, der eventuell seine Ausgeburt ist. Und dann den abschließenden Traum, nachdem sie das Kind zurückgebracht haben und drüber nachdenken, sich zu trennen. Und High träumt weit in die Zukunft hinein und träumt, wie Nathan Junior groß wird und er hat so das Gefühl, sie haben ihn so ein bisschen beeinflusst. Und dann sieht er noch weiter in die Zukunft und sieht, wie er und Ed es offensichtlich geschafft haben, Kinder zu kriegen und einem anderen Ort sind. Diese beiden Träume sind die einzigen Momente, in denen wir den Offerzähler hören, abgesehen vom Anfang. Jeder Anfang ist aber auch sehr lang. Wir haben zehn Minuten Anfang mit einer Offerzählerstimme, elf Minuten. Ich habe genau nachgeschaut, Flo. Die ganze Vorgeschichte einmal runtergerissen wird, wo High sagt, hey, ich bin High und ich bin Kleinkrimineller. Und dann sieht man halt, wie er mehrmals versucht, Läden zu überfallen und immer wieder erwischt wird, weil er sich dumm anstellt. Und dann lernt er eben bei den Magshots, die dann gemacht werden, Ed kennen. Und diese Vorgeschichte endet damit, dass sie geheiratet haben und dass sie keine Kinder kriegen können und dass sie beschließen, das Kind zu empfehlen. Zehn Minuten Vorgeschichte, Offerzählerstimme. Elf. Dann überhaupt keine Offerzählerstimme mehr, dann Traum mit Offerzählerstimme und dann abschließender Traum mit Offerzählerstimme. Das heißt, offensichtlich sind die Träume, haben eine ganz wesentliche Funktion in diesem Film, weil sie die einzigen Momente sind, neben der Lebensgeschichte davor, die erzählt werden, wo wir ihn hören. Und es ist tatsächlich ganz spannend. Also die Leute, die sagen, alles ist ein Traum, sagen, das ist eigentlich das, was sich, die Handlung des Films ist das, was sich High ausmalt, als er mal wieder vor einem von diesen Bewährungsausschüssen sitzt. Er sitzt immer wieder vor diesen Bewährungsausschüssen, die ihn fragen, und wie sieht's aus? Haben sie sich Gedanken gemacht, was sie machen wollen? Und er sagt, naja, ich will jetzt gut werden. Und wir wissen schon, das wird nicht klappen.
Johannes Franke: Und sie sagen das jetzt nicht nur, um uns zufriedenzustellen. Wir wollen doch nur die Wahrheit. Ja, dann sag ich doch das, was sich zufriedenstellt.
Florian Bayer: Und beim letzten von diesen Bewährungsausschüssen spricht dann einer darauf an und sagt, hey, andere Leute in deinem Alter haben eine Familie, haben eine Frau, haben Kinder, was ist denn mit dir? Und das ist quasi der Moment, wo diese Traumvision einsetzen könnte. Ich glaube nicht, dass es ein Traum ist, aber ich glaube, das Traumhafte spielt eine ganz große Rolle. Und zwar haben wir einen Film, in dem letzten Endes alle Menschen irgendwie ihr Leben träumen. Also wir haben zum Beispiel Nathan Arizona, der eigentlich einen anderen Namen hat. Weißt du noch, wie er war? Es war ein deutscher Name, oder? Ich weiß es nicht mehr genau. Nathan Gutfried oder so irgendwas. Die Polizei fragt ihn, sie heißen eigentlich so. Und er sagt, ja, würden sie von jemandem, der so heißt, ein Möbel kaufen? Also wir haben Nathan Arizona, der einen anderen Namen annimmt und der irgendwie irgendwas vorgibt zu sein, was er nicht ist. Es gibt auch dieses, immer wenn eine Kamera auf ihn gerichtet ist, schaltet er direkt in diese Werbesprache um und sagt, und denken sie daran, bei uns kriegen sie immer die günstigsten Möbel. Dann haben wir die beiden Kleinkriminellen, Gail und Navelle, die halt irgendwie, die halt glauben, irgendwie eine Karriere machen zu können. Aber das ist natürlich auch nur ein Traum. Und es ist klar, dass sie keine Karriere haben, sondern dass sie ständig in diesem Trotz sind von Verbrechen verüben im Knastland, Verbrechen verüben im Knastland und so weiter und so weiter bis zum Ende. Und dann haben wir natürlich, dann haben wir noch, die sehr witzig sind, Glenn und Dot, der Vorarbeiter von High, der zu Besuch kommt, der irgendwie so einen bürgerlichen Traum von einer Familie lebt mit ganz vielen Kindern. Wo man aber merkt, dass dieses ganze Gebilde nur Fassade ist und dahinter ist wirklich das reinste Chaos. Und die Kinder sind alle so Verkörperungen von dem schlechten Humor, der dieser Typ hat. Die Kinder sind so, die meinten sich wie die letzten Säule. Und dann haben wir natürlich unsere Protagonisten, High und Ed, die halt den Traum von einer Familie auch haben und die dafür ein Kind entführen und dann sagen, okay, und jetzt ist er Teil unserer Familie. Sie kommen mit dem Kind nach Hause und sagen direkt, okay, jetzt gehört er zu uns und jetzt ist das so und wir sind jetzt eine Familie. Und dann klopft es an der Tür und sie haben Angst, dass das die Polizei sein könnte und Ed sagt, die wollen doch keine Familie auseinanderreißen, obwohl das Kind gerade mal eine Stunde bei ihnen ist oder so. Also es gibt eigentlich, ist niemand von den Charakteren, die in diesem Film rumlaufen, ist irgendwie in der Realität verwurzelt, weil sie alle ihr Leben nur durch Träume ausdrücken können. Sie schaffen es nicht, ihren Traum zu leben, sondern sie träumen ihr Leben. Und das wird, glaube ich, dadurch versinnbildlich, dass wir eben diese zentralen Traum-Motive haben. Und das ist natürlich, das ist Traum auch auf einer größeren Ebene, der amerikanische Traum, der hier irgendwie so dekonstruiert wird. So dieses, wer der erfolgreich, gründe eine Familie, kauf dir ein Haus und so weiter. Und dieser Traum ist aber zum Scheitern verurteilt und dieser Traum funktioniert nicht.
Johannes Franke: Und wie erklärst du dann unseren Apokalypse-Reiter, wenn der kein Traum ist?
Florian Bayer: Na, der ist natürlich ein Traum, aber der passt halt in dieses traumhafte Setting. Wenn dein Leben nur aus diesen Träumen und nur aus diesen Visionen besteht, dann gehören dazu natürlich auch diese düstere Visionen. Und der Apokalypse-Reiter taucht eben genau an diesem Moment auf, wo Hai damit konfrontiert wird, dass er zum ersten Mal wahrscheinlich was wirklich, wirklich Schlimmes gemacht hat. Also Hai war ein Kleinkrimineller, aber es ist einfach nochmal eine andere Nummer, ein Kind zu entführen.
Johannes Franke: Ja klar, aber ich muss jetzt gerade mal so ein bisschen eher die Position der Leute einnehmen, die das Ganze als Traum oder als Vision, weil er auch diesen Unterschied macht ja immer wieder. Er sagt ja bei den Träumen, ist es eine Vision oder nur Wunschdenken oder was ist das hier? Ich stelle das selber in Frage, ob das etwas ist, was passieren wird oder etwas, was er sich nur vorstellt. Und ich glaube, dass fast alle Figuren, eigentlich alle konsequenterweise, alle Figuren in diesem Film sind ja Abziehbilder dessen, was er sich vorstellt, wie die sein müssten. Die Familie, die zu Besuch kommt, ist halt schrecklich, weil es das ist, wovor er Angst hat, wenn er wirklich eine Familie hat. Ja, das ist, was er sich vorstellt, was seine Warnung an sich selbst sein soll, das willst du nicht, das ist furchtbar. Und dann ist der Typ nicht mit seiner Frau nicht zufrieden und sie werden Swinger und dann will er an meine Frau ran. Und das stellt er sich halt alles vor und überlegt sich das, wie das wäre. Es ist halt seine Vision von diesem Leben, sodass er sich sozusagen immer wieder alles in sein Leben reinholt und abklopft, ob das dann überhaupt dazu passen würde, zu dem, wie er sich vorstellt, eine Familie zu haben.
Florian Bayer: Auch dass Gayle und The Well dann kommen, gerade wo er eine Familie gegründet hat, um ihn an sein altes Leben zu erinnern und zu sagen, hey, guck mal, das ist doch auch ganz geil, Banken überfallen. Richtig. Das war doch was. Ja. Nicht so viel Verantwortung, nicht diesen ganzen Stress, den du gerade hast mit deinem Vorarbeiter und dass du vermutlich entlassen wirst und so weiter. Und diese beiden Kleinkriminellen sind ja auch nur Abziehbilder dessen, wie man sich Kleinkriminelle vorstellt.
Johannes Franke: Das ist ja auch, die sind durch einen Tunnel aus dem Gefängnis ausgebrochen. Was ist, wie viel typischer kann man noch werden? Das ist so ein Kinderbuch.
Florian Bayer: Was für eine fantastische Szene, wenn sie aus diesem Schlamm noch rauskommt. Das ist so unglaublich geil. Tatsächlich, ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe, es ist eine Geburtsszene.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Auch so diesen ganzen Schmodder, den sie dann an sich haben.
Johannes Franke: Das ist schon krass. Ich habe als erstes an Zombies gedacht, aber naja. Aber wie sie da rauskommen und wie das dann alles. Also jede Figur ist irgendwie, weiß ich nicht, so eine naive Vorstellung davon, wie die Figuren so sind, wie sie sein sollen. Ich weiß aber nicht genau, ob das auf Ad anpassbar ist, aber ich kann mir das schon vorstellen auch. Und vor allem seine Fantasie, sich dann in eine Polizistin zu verlieben. Und ich weiß nicht, das ist auch so eine Kindheitsfantasie. Oh ja, und dann verliebe ich mich da in eine Polizistin und sie verliebt sich in mich. Und das ist alles total easy und dann geht es los.
Florian Bayer: Aber der Film gibt den Figuren ja schon eine eigene Haltung.
Johannes Franke: Ja, aber das sind alles auch Haltungen, die in seinem Charakter irgendwie miteinander streiten. Du meinst, das sind so Projektionen und sowas? Ja.
Florian Bayer: Also ich finde, dafür haben sie, dafür konkurrieren die zu sehr auch mit seinen Verhalten und mit seinen Wünschen. Also wir haben einfach, wir haben einfach Szenen, wo andere Charaktere Momente für sich kriegen. Wir haben zum Beispiel die Szene, wo er, nachdem er seinen Vorarbeiter verprügelt hat in Gleise, seinen Job verliert. Wo er dann beschließt, nochmal einen Supermarkt zu überfallen, während Ed und Nathan im Auto warten. Ja. Und dann haben wir Ed, die total wütend ist deswegen und dann losfährt und sagt, so jetzt müssen wir Daddy irgendwie abholen. Genau. Und dann, aber sie hat auch ihren eigenen Moment, wo sie wirklich über ihn flucht und wo sie wirklich sauer ist.
Johannes Franke: Ja, aber es ist genau das, weil er sich ausmalt, ach und dann schaffe ich das wieder nicht und dann bin ich wieder blöde und überfall doch wieder eine Tankstelle. Und dann wird sie sauer auf sein, auf mich sein und dann, aber am Ende holst du mich aber auch wieder ab. Das ist so die naive Vorstellung von dessen.
Florian Bayer: Ich finde, das passt volle Kanne. Und was ist mit Gail und Avel? Die anfangen, die das Kind entführen, weil sie die Belohnung haben wollen und dann plötzlich anfangen, das Kind zu lieben.
Johannes Franke: Das ist so schön. Ja, weil das Kind ist so süß. Das ist wirklich toll. Vor allem Avel, die dann wirklich... Wir werden dieses Kind nie wieder allein lassen, weil sie es einmal verlieren und dann sind sie total fertig mit den Nerven und beschwören, und dass sie das Kind nie wieder alleine lassen.
Florian Bayer: Da bekommt Avel so eine total süße Szene, wenn sie, also als sie das Kind entführen, verprügeln sie Hai, beziehungsweise Gail verprügelt Hai und Avel sitzt dann mit dem Kind auf dem Klo und hält ihm die Ohren zu und hält das so ganz dicht an sich. Und es ist so süß, weil es so ein warmer Moment ist, an einer total bizarren Stelle, wo sie das Kind entführen, um das Lösegeld abzuholen.
Johannes Franke: Aber das ist Hais warmer Moment. Hai denkt sich, ja, überfallen mich und nehmen das Kind, aber dem Kind darf ja nichts passieren. Also muss der eine sich da irgendwie darum kümmern, dass das nicht mitbekommt, wie doof das alles ist. Also machst du gerade Devils Advocat oder glaubst du tatsächlich... Ja, genau.
Florian Bayer: Na, beziehungsweise eigentlich finde ich es gerade sehr schön. Es hat auf jeden Fall was für sich. Also ich finde diesen Grundgedanken, dass alles hier Projektion und Traum ist und Vorstellung, finde ich passend. Ich glaube, es ist halt einfach durch bestimmte Momente universeller. Es geht nicht nur um die Projektion von Hai, sondern um eine Projektion von einer Gesellschaft auf einen amerikanischen Traum. Ganz krass finde ich das zum Beispiel auch in der Szene, wo halt die Sozialkritik ganz stark reinkommt, in der man sieht, dass jeder in diesem Staat bewaffnet ist. Hai überfällt den Supermarkt und dann ist dieser junge Typ mit der Zahnspange, der so ein Pimpf, so ein Kleiner. Ja, und dann zieht er ein Mordsgewehr und jagt ihn. Und er jagt ihn nicht aus dem Supermarkt, sondern er jagt ihn weiter durch die Straße und dann ist die Polizei hinter ihm her und er rennt in einen anderen Supermarkt rein. Und dann steht der Nächste mit der Waffe. None|Ja. Und du hast überall Leute, die bewaffnet sind und um sich schießen. Ja. Das ist nicht seine Projektion, sondern das ist eine universelle Projektion. Das ist der amerikanische Traum. Das ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. So sieht es hier aus. Schaut euch die Leute an, wie sie um sich ballern.
Johannes Franke: Und das sind die Coons, die sich immer kurz einmischen und sagen, guckt mal. Irgendwie, ich finde es traurig zu sagen, es ist ein Traum im Sinne von, der liegt irgendwo K.O. in der Zelle und träumt davon. Sondern tatsächlich seine Vision, eine aktive Vision seiner Person. Er sitzt da und denkt sich, wie könnte ich denn mein Leben bessern? Und dann kommt immer wieder sein Selbstzweifel und sein, ich weiß ja, wie ich bin und dann geht das schief und dann geht das schief. Aber ich versuch's ja und dann geht das schief. Weißt du, so dieses Streiten in sich selbst.
Florian Bayer: Das ist ganz interessant, dass dieser Leonard, der ja wirklich auch eine große Rolle spielt dann, der hat ja nichts mit Hai gemeinsam eigentlich. Ja. Hai ist auch in seinen, also Hai hat auf jeden Fall seine düsteren Momente und macht viele Fehler. Aber er ist nie dieser aggressive, brutale, physische Typ. Hai ist ja auch eher so ein Schlags und unbeholfen körperlich. Und dieser Leonard ist halt so ein Typ auf dem Motorrad. Alle sagen Harley, aber er fährt offensichtlich keine Harley. Ich habe keine Ahnung von Motorrädern. Ich will es nur kurz einmal erwähnt haben. Er ist ein Kopfgeldjäger, Bärtig, Typ Wrestler, Outlaw, irgendwas so in der Richtung mit Granaten bewaffnet. Das hat ja nichts mit Hai zu tun, ne? Ja, das stimmt. Es ist irgendwie, es ist schon, also auch wenn die Coens gesagt haben, wir haben uns vorgestellt, wie sich unser Charakter das Böse vorstellen würde. Ja, genau. Finde ich, wenn ich mich versuche in diesen Hai rein zu versetzen und er stellt sich seine düsteren Seiten vor, dann sehe ich sehr viel, aber ich sehe nicht diesen Lenny. Ich sehe, also das ist eine Figur, die ich finde schon universeller Böse ist.
Johannes Franke: Aber ich finde, die hat schon was Comickhaftes und ich glaube, das ist das, was die Coens dem Hai unterstellt haben, dass er sehr platt und Comickhaft sich so Enden des moralischen Spektrums vorstellt.
Florian Bayer: Und wie passt es dann, dieses Gespräch zusammen zwischen dem Lenny und dem Nathan? Also, weil dieser Lennart besucht dann ja Nathan Senior in seinem Geschäft und sagt zu ihm, hey, ich möchte mehr Geld dafür haben, dass ich das Kind zurückhole und wenn nicht, auf dem Schwarzmarkt wird es schon was geben. Und dann gibt es auch wieder einen schönen Moment von diesem Nathan, der ihn anguckt und natürlich wieder ein toller Moment, wo man sagt, jetzt zeigt der Kapitalist sein wahres Gesicht und sagt, ja, ich gebe dir alles Geld, bring sie um und bring mir mein Kind zurück. Aber der Nathan sagt, nein, ich glaube, sie sind ein böser Mensch. Also, er sagt danach, das entschärft das schon wieder so ein bisschen. Ich glaube, sie haben das Kind selbst entführt, was ich auch ein bisschen schade finde. Ich finde, er hat davor diesen starken Moment, wo er einfach nur sagt, ich glaube, sie sind ein böser Mensch. Und das ist so ein Moment, wo diese Rolle auch schon so ein bisschen aufgebrochen wird. Wir haben ja nicht diesen Kapitalist, der sagt, über Leichen gehen, um seine Ziele zu erreichen.
Johannes Franke: Das ist wieder so ein Comic-Moment. Wer sagt denn wirklich in so einem Gespräch, nein, ich glaube, sie sind ein böser Mensch. Das ist doch kein Satz. Nein, auf keinen Fall. Und ich glaube deswegen, das denkt sich dieser Typ einfach so aus und das ist so eine naive Vorstellung davon, wie so ein Gespräch abläuft. Und dann hat er natürlich Sinn für Dramaturgie und denkt sich, nein, nein, der sagt dann natürlich hier, nein, sie sind böse und ich mache das nicht. Und dann liegt es an mir, mir diesen Typen da entgegenzutreten. Weil wenn er gesagt hätte, okay, ich bezahle sie und mache das alles, dann hätte ja ein Teil der Arbeit bei Nathan gelegen. Aber so muss alles unser Held auf sich nehmen und macht sich so zur heroischen Figur.
Florian Bayer: Hm, interessant. Den stärksten Moment hat ja eigentlich tatsächlich im Verhältnis zu, im Konflikt mit Leonard hat eigentlich, auch wenn Hai ihn am Ende besiegt, hat Ed den stärksten Moment. Hm. Dann hat Leonard irgendwann es geschafft, das Baby zu halten und zu klauen und hat es in den Armen und dann kommt Ed auf ihn zu, als ob er nichts wäre und sagt, gib mir das Baby, gib mir sofort das Baby. Und ohne auch sich auch nur irgendwie Gedanken darüber zu machen, dass dieser Mensch eine Gefahr darstellt, ist das ein großartiger Gänsehaut-Moment. Ja. Ich liebe diese Szene, weil sie, also Mutterinstinkte ist eigentlich das falsche Wort in diesem Moment, weil sie ist einfach saustark. Und sie zieht es einfach durch. Sie zieht es einfach voll durch.
Johannes Franke: Volle Kanne. Ich liebe diese Szene. Ja, natürlich ist aber auch so, dass ihr der Rücken freigehalten wird von Hai, der dann dem Bösewicht das Messer aus der Hand schießt. Ja. Und bevor er dann kommt, das zweite Messer zu zücken und zu schmeißen, ist sie mit dem Baby schon weg.
Florian Bayer: Ja, aber in diesem Moment, in dem sie auf ihn zugeht, spielt das alles keine Rolle. Für sich spielt das überhaupt keine Rolle, ja, absolut. Sie würde das machen, wenn das ein brennender Vulkan wäre und die Lava direkt auf sie zukommen würde, sie würde trotzdem da hinlaufen und sagen, gib mir das Baby.
Johannes Franke: Ja, ja, du hast recht, absolut recht. Nur der Erfolg der Aktion ist halt ein bisschen abhängig von Hai.
Florian Bayer: Sie hätte natürlich keine Chance gegen ihn. Es ist sowieso merkwürdig, dass sie diesen Lennart besiegen, auch wenn die Art, wie sie ihn besiegen, der putzig ist. Ja. Aber tatsächlich liebe ich diese Szene von Anfang bis Ende und ich habe da wirklich die ganze Zeit eine Gänsehaut, weil, also ich meine vielleicht, weil ich auch selbst Vater bin, weil meine hormonellen Instinkte da geweckt werden. Ich finde es großartig, wie sie um dieses Kind kämpfen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ich finde dieser Moment, dieser ganze Kampf mit Lennart hat auch irgendwie so eine tragische Seite. Dazu gehört auch, dass die Musik dann so sehr dramatisch wird. Und dann geht sie zuerst auf ihn zu und schreit wirklich die ganze Wut raus. Es gibt das Kind her. Dann wird Hai von ihm erstmal wirklich verprügelt. Und dann haben wir den Moment, wo er feststellt, dass er dieselbe Tätowierung hat. Ja. Und das ist wirklich so ein krass dramatischer Moment, eigentlich auch wie aus einem Shakespeare-Stück fast schon. Das stimmt, ja. Und ich habe da die ganze Zeit eine Gänsehaut, auch wenn es eine bizarre Komödie ist, auch wenn davor so viele alberne Sachen passiert sind. Ja. In diesem Kampf sitze ich die ganze Zeit da und denke, ist das episch, ist das schön.
Johannes Franke: Kannst du das auseinanderhalten? War das, bevor du dein Kind bekommen hast, auch schon so? Oder ist das jetzt? Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ach, verdammt. Als ich den Film gesehen habe, als ich selbst ein Kind war, habe ich ganz viel von dem Humor, also ich habe ihn natürlich auch schon als Komödie geguckt, aber ich habe ganz viel von dem Humor gar nicht so wahrgenommen. Und habe ihn auch vor allem als rasanten Actionfilm gesehen und fand das wirklich aufregend und spannend, was da passiert. Ich fand auch diese Traumsequenz, die er dazwischen hat, total gruselig. Da gibt es ja diese Kamerafahrt, wo er sagt, und ich wusste, dass dieser apokalyptische Reiter kommen würde, sobald die Frau Arizona feststellt, dass ihr Kind fehlt. Und dann haben wir diese Kamerafahrt, die in das Schlafzimmer von den Kindern geht und wir haben die Frau, wie sie da steht, die Kamera fährt auf sie zu und sie hält sich die Hände an den Kopf und schreit ganz laut. Und die Kamera fährt ganz nah auf sie zu, so eine klassische Horrorfilm-Szene. Und ich weiß noch, dass die mir als Kind echt Angst gemacht hat, dass ich diesen Traum wirklich gruselig fand als Kind. Also es gab ganz viele Momente, als ich den früher geguckt habe, wo ich den Humor zwar wahrgenommen habe, aber auch so ein bisschen ausgeblendet habe. Und vor allem die Spannung und die Action, die in diesem Film stecken, die haben mich wirklich mitgenommen. Also es war für mich halt kein bizarrer, surrealer Film, sondern es war wirklich ein Film, der mich mitgerissen hat. Und ich dachte, oh Gott, hoffentlich wird alles gut. Hoffentlich schaffen sie das, dass das Kind nicht in die Hände von diesem Lennart fällt. Hoffentlich kommt das Kind zurück zu seiner Familie und so weiter. Also es war schon, ich weiß nicht mehr, ob ich eine Gänsehaut hatte oder ob das durch die Vaterschaft dazu kam. Vielleicht, ja. Aber es war zumindest so eine Anspannung da. Es war ein spannender Film für mich und es ist immer noch ein spannender Film für mich. Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Das ist tatsächlich ein spannender Film. Ich frage mich aber ein bisschen, warum ist das dann, warum ist das spannend, wenn man sowieso jede Erwartungshaltung über Bord wirft? Weil, also sagen wir ehrlich, also ich habe auf jeden Fall jegliche Form von Erwartung über Bord geworfen. Weil ich wirklich irgendwann gedacht habe, okay, jetzt machen sie das, jetzt machen sie das. Hat er das wirklich gerade gesagt? Okay, ich weiß nicht mehr, wo wir sind, was soll das? Also auch im positiven Sinne, nicht im Sinne von mir wird der Film egal, sondern schon so, okay gut, dann lasse ich jetzt los und lasse mich einfach mitziehen. Bedeutet aber auch, dass man eigentlich kaum mehr Spannung erzeugen kann, weil es ja, weil du ja nicht mehr antizipieren kannst und nicht mehr erwarten kannst, dass alles gut wird oder dass irgendwas, weiß ich nicht, keine Ahnung. Oder ist es nur der grundsätzliche, das grundsätzliche menschliche Gefühl, das sowieso immer mitschwingt, dieses Bedürfnis, dass am Ende alle sich lachend in den Armen liegen und sagen, ha ha ha, was für ein, what a ride, wir haben es geschafft.
Florian Bayer: Ich glaube, ein Grund ist wirklich, dass die Cones einfach Meister der Inszenierung sind und das merkt man in diesem Film schon ganz stark. Fünf Millionen Dollar hatten sie für diesen Film und das ist eigentlich, was deinem Filmverständnis total nahe kommt, darüber wir ja öfter diskutieren, wie viel kann man improvisieren und wie viel kann man schlutrig sein. Die Cones sind kein bisschen schlutrig. Joel Cone hat gesagt, wir hatten wenig Geld und wir mussten da das Maximum rausholen und deswegen haben wir alles perfekt vorbereitet. Die haben das Ding in zehn Wochen geschossen und die hatten endlose Storyboards da liegen. Und es gab wohl auch Kämpfe mit Nicolas Cage, der dann seine eigenen Vorstellungen mit einbringen wollte, der gesagt hat, hey, lass es uns doch so machen, lass es uns doch so machen. Und die Cones sind totale Autokraten, was das betrifft. Und zu Recht, wenn man sich ihre Filme anguckt, bei denen sitzen die Szenen. Und das ist schon erstaunlich mit einem Budget von fünf Millionen Dollar, was sie da rausgeholt haben. Und ich glaube, dieser Perfektionismus, der sorgt einfach dafür, dass der Film die ganze Zeit treibend ist, so einen spannenden Rhythmus hat.
Johannes Franke: Ja, das hat viel damit zu tun, wenn du genau weißt, das sieht man ja den Bildern auch an, wenn du genau weißt, das ist das Bild, was ich brauche. Und das Bild brauche ich bis zu genau der Stelle in der Szene. Danach gehe ich in die andere Perspektive sowieso rein, das heißt, ich kann hier cutten und kann mir eine ganze Zeit sparen, die da jetzt noch wäre. Das merkt man einfach, die wissen ganz genau, was, wann, wie, wo. Und dann schaffst du das, in zehn Wochen zu drehen mit fünf Millionen und das sieht sehr gut aus.
Florian Bayer: Das ist ja so ein krasser Kontrast, dass du so einen Film hast mit so einer bizarren und wilden Handlung und den trotzdem so perfektionistisch durchinszenierst. Das ist schon toll. Eigentlich eine ungewöhnliche Mischung, weil viele Regisseure, Regisseurinnen, die so oft so bizarre, wilde Sachen stehen, die lassen dann auch gerne mal so ein bisschen die Improvisation laufen und sagen, hey, da können wir noch was Verrücktes mitnehmen und so weiter.
Johannes Franke: Und so sind die Cones offensichtlich nicht drauf. Obwohl sie schon auch, sie haben mal Nicolas Cage die Kamera in die Hand gegeben, er sollte durchs Haus gehen und alles Mögliche machen. Also, dass er sozusagen so eine wackelige, bewegte Perspektive auf ihn haben. Und das haben die dann aber auch weggeworfen, haben das nicht verwendet, weil es ihnen dann doch zu seltsam war. Das hat nicht funktioniert. Aber offensichtlich haben sie auch sowas gemacht. Ja.
Florian Bayer: Aber zumindest gab es irgendwie so eine sehr genaue Vorstellung, welche Szenen wichtig sind, welche Momente wichtig sind. Man merkt auch, dass einfach auch in so kleinen Momenten die Wichtigkeit dieser Situation eingefangen ist. Sowas Banales, wie wenn die Tätowierung offenbart wird. Wir haben einfach so einen Blick und gewisse Reaction Shots, wo ganz klar ist, da wollten sie was Bestimmtes. Ja. Und das haben sie auch rausgeholt. Egal, wie viel sie mit den Schauspielern diskutieren mussten, dass sie jetzt das so machen sollen.
Johannes Franke: In diesem Film fast, ich weiß nicht, ob ich ihn nochmal besser irgendwo gesehen habe. Aber ich finde ihn wirklich gut in dem Ding. Er oszilliert ja immer so zwischen viel zu viel zu machen und irgendwie, wenn er wirklich einen guten Regisseur oder eine Regisseurin hat, dann kann man aus Nicolas Cage wirklich was rausholen. Und ich fand das jetzt wirklich ganz cool. Nicolas Cage ist ein Phänomen.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich in den letzten Jahren, nee, nicht in den letzten Jahren, in den letzten Wochen den Nicolas Cage der letzten Jahre wieder zu schätzen gelernt. Es ist total irre, was dieser Mann macht. Der dreht, der hat im Jahr 2021 vier Filme gedreht. Was? Der dreht am laufenden Band. Oh mein Gott. Und der dreht alles. Der hat ja, Nicolas Cage ist ja so zum wandelnden Meme geworden, mit seinen absurden, übersteigerten Spielereien. Und das ist total krass. Der dreht jedes Jahr dreht ja so drei, vier Actionfilme, die total dumm sind. Oh mein Gott. Und kriegt dadurch einfach Geld. Und dann feuert er das aber gegen andere Projekte, die er liebt. Und spielt auch in Filmen, die so komplett drüber, drunter und durch sind. Was ich die letzten Wochen gesehen habe. Kurz Nicolas Cage 2021 Revival. Pick. Und zwar spielt Nicolas Cage einen Trüffelsucher, der mit einem Trüffelschwein unterwegs ist. Und er liebt dieses Trüffelschwein. Und er ist der beste Trüffelsucher überhaupt, weil er eben dieses Trüffelschwein hat, das jeden Trüffel findet. Und dann wird sein Schwein entführt. Und das, du lachst jetzt. Das ist erstmal so total Aufhänger für ein klassischer Revenge-Action-B-Movie. Und lustig. Auf jeden Fall lustig. Der Typ zieht los, um sein Schwein zu retten, legt dabei ganz viele Bösewichter über, schießt dabei ganz viele Bösewichter über den Haufen. Und am Schluss ist er mit seinem Schwein vereint. Dieser Film ist überhaupt nicht so. Ist er irgendwann mal am Telefon und sagt, I will find you and I will kill you. Dieser Film ist überhaupt nicht so, weil dieser Protagonist, den Nicolas Cage da verkörpert, ist kein Kämpfer. Das ist so ein total hilfloser Obdachloser eigentlich, der dann durch die Stadt zieht und irgendwie versucht, sein Schwein zu finden. Und der Film ist, der hat keinen Humor. Und der ist super, der Film. Es ist wirklich ein sehenswerter Film. Und weil sie es schaffen, ist tatsächlich aus dieser bizarren Prämisse, machen sie so ein nachdenkliches Drama über einen Typen, der einfach nur sein Schwein wiederhaben will und gegen zu mächtige Gegner kämpft. Es ist wirklich ein guter Film. Das war Film Nummer eins. Pick. Fängt der Trailer an mit, ich will doch nur mein Schwein wiederhaben. Ja, man kann Witze drüber machen, wenn man das hört. Und ich dachte auch, ey, das wird ein total abgefahrener, witziger Film. Aber das ist fast so eine leise Dekonstruktion des Action-Genres, einfach weil er auf jegliche Action verzichtet und das ganze Ding, was so total irre ist, als Charakterdrama inszeniert. Film Nummer zwei, Willys Wonderland. Offensichtlich hat Nicolas Cage selbst Geld da reingesteckt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Nicolas Cage ist ein Typ, der nicht näher definiert wird, der mit seinem Auto in einer kleinen Stadt landet. Auto geht kaputt, er bringt es in die Werkstatt, die sagen, okay, du hast kein Geld, das Auto reparieren zu lassen. Pass auf, wir reparieren es dir kostenlos, wenn du heute Nacht in dem alten Freizeitpark Willys Wonderland sauber machst. Aber denk daran, genug Pausen zu machen und mach alles schön sauber. Und dann geht er in dieses Willys Wonderland, das ist so ein altes Familienrestaurant mit Indoor-Spielplatz drin, wo so mechatronische Puppen sind. Und die erwachen dann zum Leben. Und dann kommen ein paar Teenager noch rein, weil die wollen ihn retten, weil sie wissen, dass dieser Ort eine düstere Vergangenheit hat und da offensichtlich die Geister von Serienkillern in diesen Figuren, in diesen Puppen sind. Und er kämpft dann gegen diese Puppen. Schöner, witziger Splatter-Film. Nicolas Cage redet kein Wort während dieses Films. Was? Und er nimmt immer seine Pausen, das ist so geil. Er ist der Hausmeister und er muss daran denken, seine Pausen zu nehmen. Und deswegen ist er mitten im Kampf mit so einer Puppe und dann klingelt seine Uhr. Er ist gerade so am Metzeln, hat so ein Bein in der Hand, alles Blut bespritzt, seine Uhr klingelt, er guckt drauf, ah, Pause. Geht in den Pausenraum, zieht sich einen Energydrink rein und stellt sich an den Flipper-Tisch, um ein bisschen Flipper zu spielen. Okay. Hey, komplett drüber, komplett durch. Und dann, dritter Film, der war nicht so gut, obwohl er von, eigentlich der vielversprechendste war, von denen, irgendwas mit Ghostland. Prisoner in Ghostland. Da wird er von einem, in einer apokalyptischen Zukunft, in einer Stadt, die halb Westernstadt und halb Samurai-Stadt ist, ist er ein Gefangener und er soll die Tochter eines Gouverneurs retten, die außerhalb der Stadt ist, in den Outlands, wo es irgendwie alles verseucht ist. Und der Gouverneur traut ihm aber nicht und zieht ihm deswegen einen Anzug an, der komplett mit Sprengsätzen ausgestattet ist. Okay. Und zwar an den Armen, an den Beinen und an den Weichteilen. Und er sagt, die Sprengsätze, die reagieren, die zünden zum Beispiel an den Weichteilen, wenn du sexuelle Lust verspürst. Ich will nicht, dass du meine Tochter anfasst. Und an den Armen explodieren sie, wenn du sich schlagen willst. Ich will nicht, dass du sie schlägst und so weiter. Und dann mit diesem Anzug ausgestattet zieht er dann ins Outland, um sie zu retten.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und die Sprengsätze explodieren im Laufe des Films. Also es ist ein Film, in dem Nicolas Cage, während er gegen die Bösewichter kämpft, pöpö in die Luft gesprengt wird. None|Oh Gott. Wie doof. In diesem Film redet er auch relativ wenig. Und das ist aber ungefähr die Bandbreite, was Nicolas Cage spielt. Und das ist alles wann passiert?
Johannes Franke: 2021. Ernsthaft? Okay. Okay, unser Plan, Plor. Wir schreiben ein Drehbuch, schaffen es irgendwie Nicolas Cage, davon zu überzeugen, dass es ein gutes Drehbuch ist. Dann lassen wir ihn einen Haufen Filme machen in dem Jahr, in dem wir das machen wollen. Und sagen, hier, verdien dein Geld. Und dann steck den Rest in unseren Filmen.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, er würde das machen. Wenn du Nicolas Cage ein Drehbuch schickst, was ihn begeistert, dann dreht er den Film. Also Willis Wonderland war ja offensichtlich selbst als Produzent noch beteiligt, weil er das so geil fand. Und hat einfach gesagt, da pfeffer ich noch ein bisschen Geld mit rein. Und 2021 war nicht sein produktivstes Jahr. Der hat 2019, hat er sechs Filme da stehen. Ach du Scheiße. 2018 auch sechs Filme. Und alles. Filme wie Kill Chain und Primal, die Jagd ist eröffnet, die halt wirklich so billige Actionfilme sind. Aber dann auch sowas wie die Farbe aus dem All, was eine HB Lovecraft Verfilmung ist. Oh mein Gott. Und der dreht einfach alles. Und er hat dazwischen, er hat ganz viel von diesem Müll, wofür er wahrscheinlich ganz gut bezahlt wird. Ja. Und dann aber immer so wirklich merkwürdige Filme, die überhaupt kein Mainstream sind. Die einfach nur bizarr sind und keine Ahnung. Krass. Ich finde Nicolas Cage ist ein totales Phänomen.
Johannes Franke: Ja. Das ist unglaublich. Wahnsinn. Wahnsinniger Typ.
Florian Bayer: Ja. Leute, schaut euch die Filmografie von diesem Menschen auf Wikipedia an. Also wenn man mal so Nicolas Cage Filmmarathon machen will, ist man Wochen, wenn ich Monate beschäftige und das nur in den 2000ern. Es ist kein Jahr, wo er nicht mehrere Filme gemacht hat.
Johannes Franke: Oh Gott. Und es bedeutet ja, also wenn ich in Deutschland im Jahr drei, vier Filme mache, bedeutet das, dass ich pro Film vielleicht zwischen sechs und zehn Drehtagen oder vielleicht mal 15, 20 Drehtage habe. Wenn Nicolas Cage in Hauptrollen oder in größeren Rollen im internationalen Bereich Filme dreht, dann ist der ja jedes Mal mindestens 20 Drehtage beschäftigt. Ja. Und das für sechs Filme im Jahr? Wann will er die noch vorbereiten? Das ist schon ein bisschen crazy.
Florian Bayer: Das ist total schräg. Und ja, seine Art zu spielen ist total gewöhnungsbedürftig. Ich finde ich auch in Arizona Junior. Er ist definitiv weniger als in anderen Filmen. Ja. Und es war ja auch 80er, 90er, da war er noch nicht so ganz krass drauf. Das kam erst später mit so Filmen wie Wicker Man, wo er einfach nur eine Parodie von sich selbst zu sein scheint. Okay. Aber es hat auch so seinen eigenen Charme, weil es so gewöhnungsbedürftig ist und weil er einfach, weil er Acting einfach komplett anders versteht als alle anderen großen Schauspieler in Hollywood. Ja. Weil es ist, keine Ahnung, eine pervertierte Form von Method-Acting, von jemandem, der Method-Acting nicht verstanden hat. Ja. Ich weiß nicht, was es genau ist. Es ist aber immer over the top.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Du hast immer das Gefühl, er zerreißt seine Seele dabei, aber nicht um qualitativ Hochwertiges abzuliefern. Nicht so, wo man davor sitzt und denkt so, wow, dieser Schauspieler hat alles gegeben, um zum Joker zu werden, wie ein Fletcher zum Beispiel. Sondern eher so, ich weiß gar nicht, er greift tief in seine Seele hinein und holt da irgendwie so die kleinen Trolle heraus, die da drin sitzen und lässt sie dann explodieren.
Johannes Franke: Keine Ahnung. Ja, es ist wirklich seltsam. Ich glaube, Nicolas Cage muss man sich, man muss sich einfach die Sachen geben. Großen Respekt für diesen Menschen, dass er das so macht und dass er einfach durchzieht. Ich glaube, wie er es macht, der liebt Schauspielerei auch einfach.
Florian Bayer: Ja, genau. Wenn man das so macht, also der wird genug Geld haben, der wird schon seit 20 Jahren genug Geld haben, dem macht es einfach verflucht viel Spaß, jeden Scheiß zu spielen. Und vielleicht unterscheidet er auch deswegen nicht, vielleicht geht es ihm gar nicht darum, qualitativ hochwertige Filme abzuliefern, sondern er will Spaß am Set haben. Und ich kann mir vorstellen, bei so einem Actionfilm hast du halt verdammt viel Spaß auch. Das stimmt, kann ich mir vorstellen. B-Movie, wo du nicht den tyrannischen Regisseur hast, der dir sagt, was du alles machen musst, sondern wo du vielleicht sogar noch jemanden Unerfahrenen hast, der total glücklich ist, wenn er mit dir arbeiten kann. Und dann kannst du noch so ein bisschen deine eigenen Ideen mit reinbringen und dann kannst du einfach Spaß haben und durchdrehen.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay. Du besorgst die Nummer von Nicolas Cage. Ich schreibe das Drehbuch. Okay, wo waren wir jetzt eigentlich? Haben wir irgendwie, wir haben ziemlich unsere Pfade verlassen. Wir haben jetzt ein riesiges Nicolas Cage Album aufgemacht. Wir waren bei unserem Top 3. Jingle. Unsere Top 3. Ach, da waren wir, Flo.
Florian Bayer: Jetzt weiß ich wieder, natürlich waren wir bei unserem Top 3. Top 3, was macht man bei so einem irren Film? Natürlich. Was macht man bei so einem, Baby, Thema Baby. Baby, Babyfilme, Babys im Film.
Johannes Franke: Ich fand es gar nicht so leicht, wie ich dachte. Ich dachte, es gibt dann hier, naja, diese ganzen Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft oder sonst irgendwelche. Das sind keine Babys. Das sind keine Babys, aber es gibt Babyversionen davon. Ah, Liebling, wir haben jetzt ein Riesenbaby, aber der war ziemlich doof. Ja, ja, und die waren alle ziemlich doof. Nein, Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft, das ist toll. Das weiß ich nicht mehr genau. Genau. Ich glaube, ich habe ihn gemocht als Kind, aber ich weiß nicht, ob der noch standhalten würde, wenn ich ihn heute gucke. Rick Moranis. Oh Gott, oh Gott, boah.
Florian Bayer: Nein, okay, also ich habe, ich fand es auch nicht so einfach tatsächlich, aber ich habe vier insgesamt da stehen.
Johannes Franke: Du hast vier Stück stehen, Moment, ich habe eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Sachen, die in Frage kämen. Aha, du sortierst wieder, während wir reden. Ja, vor allem sind auch Serien dabei. Ich muss anfangen. Ja. Ach, verdammt. Dann nehme ich eine sichere Nummer. Und zwar das Labyrinth mit David Bowie als großer Goblin King oder was das ist, der das Kind entführt von der Hauptdarstellerin, die dann durch das Labyrinth, das namensgebende Labyrinth durch muss. Die Hauptdarstellerin bringt Jennifer Cornelli, ne? Lange bevor sie berühmt war. Was hat sie denn sonst gemacht? Requiem for Dream. Oh, okay. A Beautiful Mind. Oh. Viel. Okay. Ich habe sie nie in Verbindung gebracht mit anderen Filmen. Sie ist für mich so in diesem Film verhaftet und sonst habe ich keine Erinnerung an irgendwelche anderen Rollen. Auf jeden Fall toller Film. Ich liebe diesen Film. Ich liebe David Bowie in diesem Film. Ich liebe fast alles an diesem Film. Die Muppets, die sie da einbauen mit von Oz oder wie heißt er? Frank Oz. Ja.
Florian Bayer: Jetzt kommt etwas sehr schockierendes. Jim Hansen. Übrigens. Ah, Jim Hansen war es noch. Ich mochte diesen Film nicht so. Und ich mag ihn immer noch nicht.
Johannes Franke: Oh nein. Das Schlimme ist, dass der Film alles hat, was ich eigentlich mögen müsste. Aber warum denn nicht? Was ist denn? Woran liegt Floor? Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Ich hasse mich selbst dafür, dass ich diesen Film nicht so mag. Richtig auch. Vollkommen zu Recht. Weil der auf dem Papier so gut klingt. Ich meine, das ist David Bowie. Und David Bowie ist auch toll in diesem Film. Also David Bowie ist großartig. Und die Puppen sind auch toll. Also ich finde, der Film hat einfach ein schlechtes Pacing, einen schlechten Rhythmus und keine gute Geschwindigkeit. Und es gibt schöne Szenen, aber irgendwie verliert er sich so in diesem Coming-of-Age-Kitsch. Weil eigentlich geht es ja nur darum, dass sie, eigentlich geht es ja nur um ihr sexuelles Erwachen, aber in so einem brünen Setting. Ja. Lassen wir das weg. Also es tut mir so leid, ich mag diesen Film nicht. Also es ist kein schlechter Film, aber irgendwie, das ist so ein enttäuschender Film, wenn man denkt, oh David Bowie, Jim Henson-Puppen und produziert von George Lucas und super, das muss doch ein guter Film sein. Und dann sieht man ihn und denkt so, ja, okay, nett.
Johannes Franke: Tja, Blor, wir haben gerade unsere sämtliche Fangemeinde verloren. Keiner glaubt uns mehr irgendwas. Keiner wird unserem Urteil je wieder trauen, weil du diesen Film nicht magst. Ich kann es nicht erinnern. Er universell geliebt ist. Aber sie können sich an dir festhalten. Ja, okay. Also in Zukunft traut nur noch mir, was Urteile angeht. Alles, was Plur anschleppt, ist totaler Scheiß. So. Womit ich zu meiner Honorable Mention komme.
Florian Bayer: Oh, du hast Honorable Mention. Okay. Okay, erzähl. It's Alive. Die Wiege des Bösen. Ein Horrorfilm aus dem Jahr 1974. Natürlich Babys, wenn Babys in Filmen gut sind, dann in Horrorfilmen.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Rosemary's Baby und so weiter. Und das ist ein besonderes Horrorbaby, das rumzieht und Menschen auffrisst und auch wirklich ziemlich entstellt aussieht und ziemlich monströs ist. Chucky? Nee, ein Chucky ist eine Puppe. Chucky zeigt nicht. Ja, aber eine Babypuppe irgendwie. Aber das Besondere ist, es gibt trotzdem warmherzige Momente, weil das Kind hat natürlich trotzdem einen Vater und eine Mutter, die sich auch irgendwie um das Baby sorgen und ganz merkwürdig dann diesen bizarren Monster-Setup, diese Momente, wo die Eltern eigentlich nur wollen, dass es ihrem Baby gut geht.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, warum dieser Film nicht in der Liste gelandet ist, sondern nur Honorable Mention wird. Sehr verstörender Film, hat schon so B-Movie-Vibes.
Florian Bayer: Klingt so. Aber er ist wirklich ein gelungener, düsterer Horrorfilm mit einigen ziemlich harten, verstörenden Momenten. Okay.
Johannes Franke: Ja. Okay, dann dein Platz 3 oder hast du noch eine Honorable Mention?
Florian Bayer: Nee, das war meine Honorable Mention. War das dein Platz 3, was du gerade gesagt hast? Ich hatte einen Platz 3. Okay. Platz 3 und jetzt, nachdem ich gesagt habe, dass ich Labyrinth nicht mag, den zu nennen, ist total schrecklich, aber ich liebe ihn und es ist wirklich ein schöner Film. Er ist viel besser als sein Ruf. Guck mal, wer da spricht.
Johannes Franke: Guck mal, wer da spricht. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Im Original mit der Stimme von Bruce Willis für das Baby, in der deutschen Synchro mit der Stimme von Thomas Gottschalk. Ah, stimmt. Beides total hörenswert übrigens, man glaubt es kaum, aus dem Jahr 1989 mit John Tarolta und Custy Alley und genauso wie alles für das Labyrinth spricht, spricht alles gegen diesen Film und trotzdem macht er Spaß. Es ist natürlich kein Meisterwerk, aber es ist wirklich eine warmherzige, nette Komödie mit einem Baby, dessen inneren Monologen wir lauschen dürfen, während eine ziemlich banale Liebesgeschichte erzählt wird zwischen dem Mutter des Babys und ihrem Verehrer, der gleichzeitig total in das Baby verschossen ist. Und ja, Custy, Ellie und John Tarolta, die irren Hollywood-Typen, die irgendwo zwischen Scientology und Pseudo-Science rumwandeln. Und man weiß, wenn sie in einer Talkshow auftreten, dass sie irgendwas Dummes sagen werden. Und trotzdem, trotzdem ist dieser Film total süß und macht total viel Spaß. Ist ein bisschen vielleicht auch ein Guilty Pleasure von mir, aber ja, guck mal, wer da spricht.
Johannes Franke: Na gut, okay. Ja, jetzt versuchst du dich wieder in die Herzen hinein zu quasseln. Dann sagen alle, oh, Adorable, Flo mag diesen Film, das ist ja süß, ja, dann verzeihen wir ihn vielleicht.
Florian Bayer: Komm, dein Platz zwei. Okay, mein Platz zwei.
Johannes Franke: Mein Platz zwei ist, ähm, 101 Dalmatiner.
Florian Bayer: Ja, natürlich, wenn ich mit niedlichen Babys komme, musst du mit niedlichen Tierbabys kommen. Tada.
Johannes Franke: Welpen.
Florian Bayer: Das funktioniert immer. Das Zeichentrick original? Natürlich. Gott sei Dank. Aber was sonst?
Johannes Franke: Ich hab das Remake tatsächlich nicht gesehen, also kann ich gar nichts dazu sagen. Welches Remake, meinst du, dass das neulich erst rausgekommen ist? Nee, es gab ein Remake.
Florian Bayer: Es gab ein Realfilm-Remake davon. Ach so, stimmt, ja. Den hab ich nie gesehen. Der ist schon älter, der war vor der großen Zeit von den Disney-Remakes. Also vor, vor dem Dschungelbuch, vor König der Löwen und so weiter.
Johannes Franke: Ja, aber das ist jetzt auch lange her, ne? Ich weiß nicht mehr. Das war wahrscheinlich 2000er. Weil das fand ich... 1996, wow. Oh, okay. Weil der neulich rausgekommene mit, ähm, Emma Stone, glaube ich, als angehende Cruella de Vil, den fand ich gar nicht so schlecht, der war ganz gut.
Florian Bayer: Okay, hab ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Also, für Hollywood-Unterhaltung ohne große... Große, aber die haben, die haben gute, sehr gute Ansätze, finde ich. Und Emma Stone ist einfach immer toll.
Florian Bayer: Emma Stone ist super. Das stimmt. Das stimmt allerdings. In diesem 1996er übrigens, äh, Glenn Close als Cruella. Ah ja, stimmt. Und das ist eigentlich schon fast ein Grund, den zu gucken, ne? Ja.
Johannes Franke: Vielleicht sollte man den irgendwann mal auf die Liste packen. Ich erinnere mich auch an ein Bild, wie sie mit ihrer Zigarren, mit ihrem Zigarrenhalter, äh, oder Zigarettenhalter da irgendwie auf dem Cover oder so. Ja, auf jeden Fall. Ja, aber 101 Dalmatiner, großartig. Ja, Hundebabys und die sind halt sehr süß und müssen gerettet werden. Und, ja. 1961, Mensch, das ist lange her. Ja, das ist lange her. 60 Jahre. Und es ist wirklich so schön gezeichnet und es ist so liebevoll. Und wie dieser Typ, äh, mit, mit seiner Pfeife, ich finde diesen Zeichenstil so toll. Ja. Diesen alten Zeichenstil mit den, mit den leicht kantigen Gesichtern und mit diesen leicht kantigen, äh, Formen, die dann irgendwie zu lange Beine und zu lange Arme. Als man diese Bleistiftzeichnung noch unter dem Zeichentrick gesehen hat, so gefühlt. So diese Skizzierung bei den Bewegungen.
Florian Bayer: Ja, das finde ich auch sehr schön. Ja. Auf jeden Fall die gute alte Disney-Zeit. Wir müssen mal einen alten Disney-Klassiker gucken.
Johannes Franke: Ganz alten Disney-Klassiker. Ja, dann aber, nein, dann mal Tinder-Plot.
Florian Bayer: Würde ich nehmen. Ich würde auch Aristocats nehmen oder das Dschungelbuch oder Snow White. Also, ich will nur oft nicht, ich mag Disney-Filme. Ja, auch das machen wir mal.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist gut. Merke ich mir. Ähm, mein Platz zwei. Dein Platz zwei. Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010. Babys von Thomas Balmé. Oder Thomas Balmé, ein französischer Dokumentarfilm. Und zwar wird, ähm, einfach, es wird ohne oft Stimme, werden vier Babys gezeigt. Ja. Von unterschiedlichsten Orten der Welt. Also, wir haben, äh, Namibia, Japan, die Mongolei und Kalifornien. Mhm. Und es wird einfach gezeigt, wie diese Babys leben und natürlich ist der Film so ein bisschen suggestiv, weil er so Sachen nebeneinander stellt. Zum Beispiel wird gezeigt, wie die Babys in der westlichen Welt, äh, in Kalifornien, vermeintlich überbehütet sind, weil sie die ganze Zeit rumgetragen werden und so. Und dann zeigen sie Schnitt auf das Baby in Namibia, das halt in der Wüste durch den Sand krabbelt und dann irgendwie mit den Alten schon mitläuft und so weiter. Mhm. Aber das alles beiseite, er ist teilweise ein bisschen zu, zu suggestiv dabei, ein bisschen zu, äh, didaktisch und man merkt, dass er erzählen will, so, hey, lasst eure Kinder natürlich groß werden. Okay. So ein bisschen. Aber er ist trotzdem total toll, weil er einfach ohne großen Kommentar, zumindest wenn man das mit den Kommentar auf der visuellen Ebene ausklammert, einfach zeigt, wie Babys sich entwickeln, wie Babys sich entfalten, wie sich um Babys gekümmert wird. Und es sind wunderschöne Bilder, es ist ein, es ist einfach ein eskapistischer Film mit tollen Bildern und tollen Situationen und, ähm, und einfach. Obwohl Babys drin vorkommen, ja.
Johannes Franke: Obwohl Babys drin 80 Minuten, wo einem einfach nur warm ums Herz wird. Okay. Äh, ich weiß nicht. Kann ich mir gerade nicht vorstellen, ehrlich gesagt, weil so ein Haufen Babys auf einmal, ich habe schon Schwierigkeiten gehabt, irgendeinen Film zu finden, wo ich Babys akzeptabel finde. Wenn man Babys nervig findet, ist dieser Film nichts für einen.
Florian Bayer: So viel kann ich sagen. Okay, gut. Wenn man Babys süß findet, ist der Film total toll.
Johannes Franke: Na gut, kennst du einen Baby, kennst du alle.
Florian Bayer: Sie sabbern, sie klotzen, sie bewegen sich nicht viel, ja, ich weiß.
Johannes Franke: Ja. Mal, da bin ich mit Platz 1 dran, war. Ich würde mal noch ein paar Honorable Mentions unterbringen, bevor ich zu meinem Platz 1 komme, um einfach dramaturgisch ein bisschen zu stallen und ein bisschen, so, bevor wir nun zu meinem Platz 1 kommen. Die Addams Family fand ich sehr schön, dieses Kind, was sie da hat, das Baby, was sie da haben. Das ist im zweiten Teil, ne? In verrückter Tradition. Ja, genau. Genau.
Florian Bayer: Weil es auch diesen Schnurrbart hatte und irgendwie ist es immer irgendwie sehr süß. Und dann gibt es diesen tollen Moment, wo das Baby krank wird und dann liegt es da plötzlich in so einem tüppich weißen Baby-Outfit und sie sagen, oh mein Gott, das Kind ist krank, das Kind ist krank. Und die Mutter liest ihm irgendwie so ein ganz süßes Kinderbuch vor von Einhörnern und Regenbögen und sagt, du magst das, oder? Oh mein Gott, ich fasse es nicht, du magst das.
Johannes Franke: Schrecklich. Und bei Good Omens gibt es ja auch, geht es ja im Grunde auch um die Ankunft des Belzebub oder des Teufels, ne? Und da wird das geboren in diese Geschichte und da finde ich so... Fünf Minuten Baby und der Rest ist das Kind. Aber es ist ja eine Serie, das heißt, ich meine den ersten Film und da kommt das Baby sehr viel vor. Na ja, gut, okay. Deswegen nur Honorable Mention. Und bei den Simpsons, Maggie, finde ich, Maggie ist natürlich auch eine, eigentlich fast eine der sympathischsten Charaktere, weil die hat halt nix, wo man sagen kann, ah, schlimm. Aber sie hat Burns getötet. Sie hat es versucht, sie war leider nicht erfolgreich. Aber Maggie ist super, auf jeden Fall. Maggie ist toll. So, und aber mein Platz eins auf ewig und immer The Kid. Es ist natürlich kein Baby mehr, aber ich finde, das gehört voll da rein in dieses, weil, weil warum will man einen Film mit einem Baby zeigen? Weil es geht darum, dass sich andere um dieses Kind kümmern. So. Und das ist das Thema des Films The Kid. Das stimmt. Und es ist ein Kleinkind, es ist wirklich ein sehr junges Kind. Ja. Ach ja. Und er findet es als Baby und sieht es dann groß. Ja. Natürlich musste Chaplin ein größeres Kind finden, damit Aktion passieren kann, aber... Es ist wirklich ein schöner Film. Es ist einfach ein großartiger Film. Mein Lieblings Chaplin-Film. Deswegen lasse ich das gerade so durchgehen. Danke. Ich musste einfach auf Platz eins einen Johannist-typischen Film finden. Natürlich.
Florian Bayer: Aber wenn du sagst, du magst Baby nicht, warum hast du dann nicht einen von den Horrorfilmen genommen? Ich meine, es gibt so viele... Ja, weil ich Horrorfilme auch nicht mag. Ach, verdammt. So Rosemary's Baby, wenn man Babys nicht mag. Das ist so ein Instant-Win. Bäh. Mein Platz eins ist auch ein Horrorfilm. Okay. Und der Klassiker der schrecklichen Babys Eraserhead aus dem Jahr 1977 von David Lynch, wo... Ein junger Mann erfährt, dass seine Freundin offensichtlich schwanger wurde und sie sagt, jetzt kümmerst du dich um das Kind und haut dann ab. Und dann ist dieses Kind so ein komplett monströses, missgebildetes Baby, das eher aussieht wie ein Außerirdischer und der kümmert sich um dieses Baby und hat dann ganz merkwürdige Albträume und versucht darauf irgendwie klarzukommen. Und ein wirklich verstörender Film, der eigentlich auch ganz gut so die Angst vor dem Kinderkriegen und was das bedeutet, so einen kleinen Parasiten zu Hause zu haben, ganz gut auf so einer Meta-Ebene umsetzt. Das stimmt. David Lynch's Regie-Debüt.
Johannes Franke: Ich fand den tatsächlich ziemlich gut. Also hat ganz viele Tropes von Dingen, die ich eigentlich nicht in Filmen sehen möchte, aber der hat das irgendwie so gut zusammengebaut, dass ich ihm verzeihe, wie sehr er mich verstört. Also auch sogar ein bisschen genieße, wie er mich verstört, was ich ja eigentlich nicht mag, weswegen ich ja Horrorfilme eigentlich nicht so sehr mag, weil ich einfach, ich muss nicht unbedingt mich ständig verstören lassen von Filmen, brauche ich nicht unbedingt. Aber der Film war gut.
Florian Bayer: Ja. Und ich glaube, es ist auch ein Film für Leute, die Angst haben davor, ein Kind zu kriegen, wenn sie noch ein bisschen mehr Angst davor haben wollen. Ja, das stimmt. Ich will nicht wissen, für wie viele kinderlose Paare dieser Film verantwortlich ist. Eine kurze Gedenkminute für die Ungeborenen wegen David Lynch's Eraserhead.
Johannes Franke: Das waren unsere Top 3. Ey, das waren unsere Top 3. Plur, wollen wir uns nochmal in den Film zurück robben oder wie ist das? Ja, robben wir uns mal vorsichtig nochmal in den Film zurück.
Florian Bayer: Ich gehe einmal kurz meine Unterlagen durch. Du meinst diesen riesen Stapelzettel, den du mitgebracht hast? Digitale Zettel. Ich glaube, meine Interpretation habe ich ja schon so irgendwie leicht verstottert drübergebracht, was Traum in diesem Film bedeutet. Ja. Ich will vielleicht zum Schluss noch einmal die Frage aufwerfen, war das für dich ein optimistischer Film?
Johannes Franke: Ui, war das ein optimistischer Film? Oh Gott. Ich kann mit der Kategorie gar nicht überhaupt nichts anfangen. Kalter Weg. Ich weiß es nicht. Überhaupt nicht. Keine Ahnung. Optimistisch. War es ein fröhlicher Film oder war es ein Film, der dich fröhlich zurücklässt oder eher traurig? Ja, das ist einfach, dadurch, dass der so komödiantisch war, hat er mich natürlich irgendwie fröhlich zurückgelassen. Aber nicht wie jetzt, ich wollte gerade Go, Trabi, Go sagen, aber nein. Bitte sag es auf sexisch. Go, Trabi, Go. Nee, weiß nicht. Also es ist keine klassische Komödie, die irgendwie so ein ganz optimistisches Ende hat, so Rom-Com-mäßig oder sowas. Das ist es ja nicht. Also er hinterlässt schon ein seltsames Gefühl, aber er wird ja fast schon sentimental am Ende. Ja, deswegen frage ich.
Florian Bayer: Also der Schluss, die letzte Sequenz dieser Traum am Schluss ist ja sehr melancholisch und man könnte auch sagen sehr sentimental. Und das ist so, das ist natürlich das, womit der Zuschauer entlassen wird. Und zwar mit diesem Hai liegt im Bett und denkt drüber nach und sagt, oh Gott, ich weiß nicht, ob wir uns trennen werden, aber ich hatte noch einmal einen Traum und es war so eine verschwommene Zukunft, aber vielleicht wird ja doch alles gut. Vielleicht nicht in Arizona, sondern in... Ja, ja, genau. Was total komisch ist nochmal, aber trotzdem gibt es ja dieses sentimentale Komponent, dass er drüber nachdenkt, naja, vielleicht wird die Zukunft auch eigentlich ganz gut.
Johannes Franke: Also, wenn ich bei der Interpretation bleibe, dass das Ganze eine Vision seiner Person, also Hai, ne? Hai sitzt da und denkt sich, wie könnte das denn werden? Und dann hat er sich eine Episode genauer ausgemalt und den Rest denkt er sich so, ja und vielleicht kriege ich dann doch noch irgendwann Kinder und irgendwann wird es vielleicht dann schon gut. Ich kriege es irgendwie hin. Vielleicht kriege ich es irgendwie hin. Dann ist es ja irgendwie schon ein optimistischer Film. Das Problem ist bloß, er kann optimistisch sein, wie er will. Wenn ich mir den angucke, diesen Typen, dann fällt es mir schwer, optimistisch zu sein. Das ist ein bisschen das Problem. In diesem Spannungsfeld bewege ich mich dann halt, ne?
Florian Bayer: Es ist auch so ein bisschen dieses Dilemma des Films, weil, was wir noch gar nicht angesprochen haben, das ist natürlich auch irgendwie Thema, wie der Mensch durch seine Umstände, durch die sozialen Umstände, in der er lebt, geprägt wird. In diesem letzten Traum kommt das ja auch nochmal so ein bisschen zur Geltung, wenn dann Hai sagt, naja, und ich hatte das Gefühl, vielleicht haben wir doch eine kleine Spur in Nathans Leben hinterlassen, wo dann gezeigt wird, wie er Footballspieler wird, weil Hai ihm ein Football geschenkt hat. Und dann wird gezeigt, dass die Gale und Novell beschließen, wieder zurück ins Gefängnis zu gehen, was auch irgendwie eine ganz süße Szene ist. So niedlich, aber so durch. Und der Film hat natürlich immer so dieses unterliegende Thema, dass der Mensch eben auch das, wie wir sind, ganz stark durch die Gesellschaft geprägt ist. So ein Hai ist natürlich auch so ein notorischer Kleinkrimineller, weil er als armer Mensch in einem gewissen Milieu sich entsprechend bewegt und so weiter und sie können kein Kind adoptieren, weil er diese kriminelle Vergangenheit hat und es ist alles so ein bisschen festgefahren. Und ich finde, da kriegt der Film nochmal so einen Twist hin ins Optimistische, einfach das gezeigt wird. Aber es ist vielleicht trotzdem möglich und es ist trotzdem was zu schaffen. Und das finde ich eine große Stärke von dem Film, dass er eben dieses politische Feld aufmacht, weil er ist natürlich ein kapitalismuskritischer Film. Zum Beispiel eben in dieser Darstellung von Nathan, aber dass am Schluss diese Sachen, die alle so schief gehen in diesem Amerika, in diesem Arizona, in dem er spielt, dass sie trotzdem zu fixen sind. Weil am Schluss gewinnt eben doch die Menschlichkeit, weil dieser Nathan eben doch sagt, hey, ich pfeife euch nicht an die Polizei, ist ja nichts passiert. Überlegt nochmal, ob er euch wirklich trennen wollte. Ich muss mich nochmal daran erinnern, dass ich meine Frau wirklich liebe. Ich bin froh, dass mein Kind da ist. Also irgendwie kapituliert dieses komplett kaputte System am Schluss vor der Menschlichkeit. Und das finde ich ist so eine sehr optimistische Note. Und das zeigt sich auch in diesem Traum, dass er es trotzdem schaffen kann. Und ja, es ist hart und ja, sie haben da alle irgendwie so ein kaputtes Leben und sie sind alle irgendwie durch die Umstände so geprägt und es ist alles schrecklich, aber es gibt so ein Stück Hoffnung. Und das finde ich ist ein sehr schönes Ende.
Johannes Franke: Ja, weißt du was, warum mich das so auf dem kalten Fuß erwischt hat, die Frage? Das ist glaube ich, weil diese Figur, an der wir das festmachen, ob das optimistisch ist oder nicht, unsere Hauptfigur, hi, der ist so durch, der ist so weird und seltsam, dass ich nicht genug andocken konnte den Film über, dass ich denke, interessiert mich das jetzt, ob der das schafft oder nicht? Ich weiß nicht. Vielleicht ist es mir auch eigentlich egal. Vielleicht hätte ich den Film ein kleines bisschen anders gucken müssen, mit einem anderen Auge, mit so ein kleines bisschen mehr gesellschaftliches Auge von oben, dann wäre es mir vielleicht nicht ganz egal, weil ich natürlich dann eher den Kommentarleuten höre, kriegen wir das als Gesellschaft hin? Aber er persönlich? Weiß nicht. Der Wurscht, also der ganze Film sagt eigentlich die ganze Zeit zwei Schritte vor einen zurück. Aber man kommt vorwärts damit. Man kommt vorwärts damit, aber wie weit man damit kommt, ist so ein bisschen fraglich. Weil die Frage ist, wo fängt er an und wo ist das Ende? Wie weit kann er kommen mit dieser Taktik? Und der Film sagt einem eigentlich, dass dieser Mensch, er wird sich nicht ändern. Er wird immer irgendwie sich durchwurschteln, aber nie irgendwo ankommen, wo man wirklich das Gefühl hat, einen Kopf über Wasser zu haben, dauerhaft. So mein Gefühl für diese Figur.
Florian Bayer: Was für mich so ein bisschen rausreißt, ist halt sein Reflexionsgrad. So verwurschtelt er ist, er reflektiert das die ganze Zeit. Er redet über seine Ängste in diesen Off-Stimmmomenten. Er sagt ganz oft sowas wie, ich weiß nicht genau, ich weiß nicht, ob das hinhaut, ob das funktioniert. Und ich weiß nicht, ob ich verantwortlich bin dafür, dass dieser Bösewicht kam, aber er denkt darüber nach. Und diese Reflexionsebene macht mir den Charakter auch irgendwie greifbar, dass er halt nicht komplett lost ist, weil er es schafft, darüber nachzudenken, was er falsch macht, was er falsch gemacht hat, was er immer und immer wieder falsch macht.
Johannes Franke: Aber kannst du dir vorstellen, dass dieser Charakter, gehen wir mal zu Boyhood, der Vater von unserer Hauptfigur, dem Jungen, dem wir zusehen, wie er alt wird, der ist, der Vater hat irgendwie so ein Musiker-Ding am Laufen und kriegt sein Leben ganz lange nicht auf die Reihe. Aber irgendwann macht es Klick und dann merkt er, okay, Musik ist so ein Hobby, meine Drogenkarriere ist vielleicht auch langsam vorbei, ich werde langsam alt und kriegt das irgendwie hin, wie das normal im Leben so ist, dass Leute dann irgendwann sagen, okay, ich habe ein Kind, ich muss mich zusammenreißen, das ist irgendwie wichtig. So sehe ich ihn aber nicht, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Ja, der Film, aber der Film erzählt ja auch natürlich, also dieser Film hier, Raising Arizona, erzählt natürlich auch das bürgerliche Ideal vielleicht nicht als das, was unbedingt das Perfekte ist, weil die einzigen, die wir als Vertreter von diesem ganz klassischen bürgerlichen Ideal haben, die sind komplett Katastrophe. Die, die das klassische, traditionelle Leben leben, das er arbeitet, sie haben fünf Kinder und er steigt auf, er macht Karriere und so weiter, die sind die Komplettkatastrophe in dem Film. Aber das ist ja sein Blick auf diese Familie. Während wir alle anderen sympathisch finden können, wir dürfen auch ein bisschen ein Herz haben für diese beiden Kleinkriminellen, weil sie eben doch das Herz im richtigen Moment am richtigen Fleck haben. Sie fahren nochmal zurück, um das Baby zu holen. Ja, aber sehr lange davor hätten sie schon längst mal ihr Herz entdecken können. Na, sie machen Fehler, aber sie machen nicht Fehler aus Bösartigkeit, sondern weil sie einfach dumm sind. Sie entführen das Kind, um Geld zu kriegen. Ja, aber dann merken sie, dann wird eben doch ihre warme Seite aktiviert, wenn sie mit dem Kind unterwegs sind, nachdem sie es zweimal haben fallen lassen vom Dach. Was auch total absurd ist. Wie zur Hölle kann dieses Kind einfach so entspannt auf der Straße stehen, nachdem es auf dem Autodach vergessen wurde?
Johannes Franke: Finde ich bescheuert. Total doof. Aber das ist die naive Vorstellung unserer Hauptfigur, nicht wahr, Plur? Nein.
Florian Bayer: Das ist die naive Vorstellung einer Gesellschaft, die in den amerikanischen Traum lebt, beziehungsweise in den amerikanischen Traum träumt, anstatt irgendwie ihr Leben zu leben und auf die Reihe zu kriegen. Ich setze sehr viele Hoffnungen in High. Mehr als in zum Beispiel diesen Clan und diese Dot, die übrigens von Francis McDormand gespielt wird, um das nochmal kurz zu sagen. Ja. Echt jetzt? Ja. Nein. Sie ist kaum zu erkennen.
Johannes Franke: Ich muss ihn überhaupt nicht erkannt.
Florian Bayer: Sie ist jung und sie ist sehr dick geschminkt, aber es ist Francis McDormand. Oh mein Gott. Dauergast in den Cone-Filmen, verheiratet mit einem von den beiden, ich weiß nicht mit wem. Ach so. Oh mein Gott. Ja. Oh mein fucking Gott. Großartige Schauspielerin. Ja, sie ist großartig. Die in zahlreichen Cone-Filmen mitgespielt hat und mit dem, Moment, jetzt muss ich einmal kurz nachschauen, Personal Life. Jetzt ist sie mit jemandem ganz anders verheiratet. Mit Joel Cone, seit 1984. Wow. Sie waren schon verheiratet, als sie diesen Film gedreht haben. Oh wow. Krass. Okay. Ja, das ist doch eine erstaunliche Schlussnote.
Johannes Franke: Schön. Ja, Plor, ich glaube, wir müssen nicht mehr so wahnsinnig viel sagen. Es gibt viele schöne Momente in diesem Film. Ich liebe es, wie sie das Baby zum ersten Mal nach Hause tragen und der das Baby in den Raum hält, so ausgestreckten Armen und sagt, das ist die Küche. Guck mal. Und da ist das Wohnzimmer. Und das Kind in der Gegend rumträgt und es kann überhaupt nichts damit anfangen. Solche Sachen. Oder es gibt ganz viele solche Situationen, die irgendwie wirklich mit Herz und aber sehr absurd erzählt sind. Man muss halt über Bord werfen, dass man wirklich Realismus erwartet oder sowas. Ja, irgendwie ziemlich cool. Ich habe nicht gedacht, dass die Coens sowas machen, ehrlich gesagt. Und dann habe ich festgestellt, doch natürlich, es steckt alles drin, was die Coens machen. Aber irgendwie fühlte sich währenddessen das gar nicht so sehr so an. Irgendwie habe ich gerade durch Fargo oder sowas noch viel düsterere Sachen im Kopf von den Coens.
Florian Bayer: Ich mag von den Coens auch eigentlich eher die düsteren und ernsteren Filme. Also die Komödien von den Coens sind auch teilweise so ein Hintermiss. Die Coens haben nicht nur gute Filme gemacht. Es gab so ein paar Komödien, die sie gedreht haben, die ich wirklich eher schwach finde. Und ich mag eigentlich eher die ernsten Filme von ihnen. Aber Arizona Junior ist eine Ausnahme und Arizona Junior ist für mich vereint so alles, was die Coens auszeichnet. Das Bizarre, das Surreale, das Alberne und gleichzeitig aber auch das Warmherzige, Emotionale. Das haben die Coens nämlich auch immer in ihren düstersten Geschichten. Fargo ist das beste Beispiel. Steckt immer so ein Stück Herzenswärme. Ja. Und Arizona Junior verbindet einfach diese Trademarks perfekt. Und ich finde, das ist ein ganz großartiger Film, der ein bisschen mehr Anerkennung verdient hat, als er kriegt. Wahrscheinlich, weil die Coens einfach danach noch so viele gute Filme gemacht haben. Ja, vielleicht. Ich finde, das ist ein must-see.
Johannes Franke: Ja, vielen Dank, Plur. Danke, dass du ihn geguckt hast und schön, dass er dir gefallen hat. Mich sehr gefreut. Du hast wieder ein bisschen, du holst langsam wieder auf. Du hast viele eher miss...
Florian Bayer: Vergiss nicht, dass ich Labyrinth nicht mag. None|Oh Gott.
Johannes Franke: Okay, also du bist noch nicht im Plus, Plur, aber du arbeitest dich hoch.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, wie Johannes sich weiter in seinem Plus hocharbeitet, das er bei mir hat, durch die Filmauswahl der letzten Woche.
Johannes Franke: Ja, ja. Ich glaube schon, ja. Es ist aber auch schwieriger, du magst einfach... Ich bin nicht so viel. Ich bin einfach nicht wählerisch genug. Du bist einfach wahllos.
Florian Bayer: Versuch mir für nächste Woche mal einen Film zu geben, den ich doof finde.
Johannes Franke: Ich wollte dir 101,5 der Martina geben. Ja. Den darfst du nicht doof finden, das geht ja nicht. Nee, ich versuch's trotzdem. Vielleicht, ich überleg mal, ich überleg mal. Vielleicht ändere ich meine Meinung noch.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, bleibt kurz dran. Vielleicht ist es 101,5 der Martina. Vielleicht ist es was komplett anderes. Wir werden es sehen. None|Wuhu. Bis dahin. Bis dahin. Bleibt gesund.
Johannes Franke: Eine gute Woche. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. So, Plur, möchtest du raten, was ich mir ausbedungen habe? Ja.
Florian Bayer: Du hast jetzt so lange mit dir gekämpft und es wurde ja schon so was angeteasert in der Episode, aber da du so lange überlegt hast, gehe ich fest davon aus, dass jetzt was anderes kommt.
Johannes Franke: Was völlig anderes. Ja. Und zwar ein Film mit Strange Patterns. Oh, sehr gut. I love it. 101 der Martina. Nein. Musst du alles wörtlich nehmen.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Ja. Okay. Ja. Nein, schön. Wir brauchen einen Disney-Film. Wir hatten wirklich noch keinen klassischen Disney-Film. Wir hatten einen Pixar-Film, aber richtig klassisch Disney von damals.
Florian Bayer: Nee, wir hatten noch keinen klassischen Disney-Zeichentrick-Film und das ist total cool. Ich gehe einmal kurz durch. Ich kann es mir kaum vorstellen. Krass. 58, 60, 61 Episoden ohne. Wir hatten Mary Poppins-Rücke, aber das zählt nicht.
Johannes Franke: Ja, das zählt nicht.
Florian Bayer: Nee, ja, wir brauchen einen ganz dringenden klassischen Disney-Film. Eigentlich müssen wir das aufholen, indem wir gleich zwei machen und ich dir fürs übernächste Mal dann auch noch einen Disney-Film gebe. Nein, das können wir nicht machen. Das ist zu. Oder? Weiß nicht. Überleg dir das noch. Ich hätte eine Idee. Es gibt nämlich so einen, der so ein bisschen aus der Reihe tanzt, den ich aber sehr mag. Und welcher? Ähm, wie heißt der? Aha. Taran und der Zauberkessel. Das war aus der düsteren Zeit zwischen den klassischen Disney-Zeichentrick-Filmen und den neuen Disney-Zeichentrick-Filmen. Also man sagt ja so, Ariel, die Meerjungfrau und König der Löwen und so weiter haben so eine Revival eingeleitet. Und die Klassiker sind natürlich Snow White und 101 Dramatina und so weiter. Und dazwischen gab es so eine Zeit, wo Disney angeblich keine guten Filme gemacht hat. Sagt man so, aber das ist ja eigentlich nicht wahr. Das stimmt nicht. Nee, und Taran und der Zauberkessel ist ein Film aus der Zeit und der ist eigentlich ziemlich gut. Ich habe ihn lange nicht mehr gesehen. Ah, okay.
Johannes Franke: Ja, du hast ja jetzt noch eine Woche Zeit, dir das wirklich zu überlegen.
Florian Bayer: Ja, genau, genau. Nächste Woche gibt es erstmal die Strange Patterns von komischen Hunden und klassisch Disney mit viel Musical und toll gezeichnet. Ah, ich freue mich. Super, cool, cool. Dann freut euch auf nächste Woche. Bis dahin. Ciao.
