Episode 60: Bang Boom Bang
Bang Bong Bang:
Vereinsheim, Fußball, Fickparade
Jetzt ist hier Schluss mit dreistündigen Import-Filmen, die selbst imdb nicht kennt und auch Schluss mit ton- und farblosen Clownsparaden, aus einer Zeit, als ein Ausrutscher auf der Bananenschale noch als gute Abendunterhaltung durchging.
„Bang, Boom, Bang “ aus dem Jahre 1999 ist weder schlau geschrieben, noch schön gedreht. Er ist, viel schlimmer: Kult! Zumindest im Ruhrgebiet. Die Sprüche des Films sind zumindest aus meiner Jugend nicht mehr wegzudenken: „Was hat der meine Olle zu ficken?“, „Der Pferd heißt Horst!“, „Ich bin da was am planen dran!“
Worum geht es? Die Geschichte ist beinahe ein wenig egal. Eine Gangster-Komödie. Jeder bescheißt jeden, alle brauchen Kohle. Kein Glamour, keine schlau ausgeklügelten Heist-Pläne, dafür aber
absurde Charaktere und großartige Schauspieler.
Man könnte mit dem Lexikons des Internationalen Films gehen, die eher kritisch urteilen: „dramaturgisch unausgegorene, streckenweise zotige Ruhrpottklamotte, deren ordinärer Tonfall
genauso aufgesetzt wirkt wie einige nur um des Gags willen inszenierte Zynismen.“ blablabla. Oder man hört auf die Leute, auf die es ankommt: YouTube-Kommentatoren, die sagen „dieser film
kann in einem atemzug mit Scarface, Casino, Leon der Profi und anderen Klassikern genannt werden. Das beste was deutsche Schauspielkunst je hervorgebracht hat.
Man könnte sagen LEGENDÄR!“
Also Plor, also Johannes – fühlt ihr endlich auch die Ballonseide auf eurer Haut und die Currywurst im Magen? Waren das 104 Minuten Hardcore – echte Gefühle?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 60: Bang Boom Bang Publishing Date: 2022-02-23T11:49:44+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/02/23/episode-60-bang-boom-bang/
Johannes Franke: Oh, das ist ein Wechseltest-Guy hier. Die Feministen plötzlich hier. Jetzt sitzen sie hier plötzlich. Sonst haben wir nur ewige Filme, nur von Männern für Männer. Und jetzt, wenn die Frau vorbeikommt und ein Film mitbringt, ja, ist der denn feministisch genug?
Florian Bayer: Wir haben den männlichsten Film, den wir bisher in unserem Podcast hatten. 60 Episoden. Das ist der männlichste Film, den wir je hatten. Und es geht auch, glaube ich, nicht viel männlicher. Nein. Hallo und herzlich willkommen zu unserer Jubiläumsepisode.
Johannes Franke: Der 60. Oh, der 60. Der 60. Während ich noch an den Reglern rummache, weil ich noch nicht genau weiß, wer eigentlich wie laut sein wird, stelle ich schon mal unseren Gast vor. Hallo Schari. Hallo Plo, hallo Johannes. Ich freue mich, dass ich heute hier sein darf bei dieser ganz besonderen Ausgabe. Ja, ganz besondere Ausgabe. Hast du gedacht, dass wir 60 Folgen machen würden am Anfang, als wir damit angefangen haben?
Florian Bayer: Natürlich. Ich war von Anfang an total optimistisch. Aber ich hätte nicht gedacht, dass wir nicht mal ein Jahr, nachdem wir angefangen haben, bei der 60 stehen. Das ist tatsächlich ziemlich krass.
Johannes Franke: Das stimmt. Ja, wir haben halt wirklich hier durchgezogen, jede Woche eine Episode. Ihr habt nicht mal ein Jahr lang diesen Podcast gemacht und seid jetzt schon über 60 Folgen. Wie ist das denn rein rechnerisch möglich, wenn einmal die Woche ... Moment.
Florian Bayer: Wir sollten tatsächlich, wenn wir das senden, sollten wir so ziemlich genau bei einem Jahr sein wahrscheinlich.
Johannes Franke: Ist dir sicher? Nein, wir haben früher angefangen. Wir haben ja schon angefangen, Episoden uns zu überlegen im November oder so letztes Jahr. Und dann aber veröffentlicht wurde erst später. Keinen interessiert Mathematik und genaue Daten.
Florian Bayer: Schari, möchtest du dich kurz vorstellen, unserem Publikum sagen, wer du bist, was du machst?
Johannes Franke: Aber es muss man sagen, mein Name ist Schari Nitt. Guten Tag. Ich bin Autorin, stehe manchmal als Comedy-Stand-Up-Person auf der Bühne und mache so Mediensachen, manchmal auch schneiden und filmen und sowas. Also du hast Bezug zu Filmen? Ich habe schon mal einen Film gesehen. Das ist gut. Das qualifiziert dich volle Kanne für uns, dem Podcast dabei zu sein. Und du kommst aus dem schönen Westen Deutschlands. Aus dem schönen Westen heißt das hier. Ich komme aus dem Ruhrgebiet. Ursprünglich wohne ich in Köln. Ich bin in meinem Ruhrgebiet aufgewachsen und das ist ja immer sehr, sehr wichtig, wo genau man wie aufgewachsen ist und was das Ruhrgebiet ist und so und was nicht dazugehört. Und als Ruhrgebietler wird man nie sagen, man kommt aus dem Westen, sondern aus dem Ruhrgebiet. Dann sagen Leute so, ja hier Köln oder was. Nein, ganz was anderes.
Florian Bayer: Und welche Stadt im Ruhrgebiet?
Johannes Franke: Ich bin in Recklinghausen geboren. Das ist ein nördliches Ruhrgebiet. Auch mal sehr wichtig, wo genau. Und dann habe ich in Dortmund gelebt und in Bochum.
Florian Bayer: Oh, das heißt, du hast einmal wirklich diese Ruhrgebietstour gemacht?
Johannes Franke: Ja, also die ganz coolen Gelsenkirchen, Duisburg und so, das fehlt in Oberhausen, Bottrop, das ist ein bisschen erspart geblieben. Aber ja, es war schon. Ich meine, ich bin jetzt natürlich nicht harte Malocherzeit. Ich bin ja noch, ich sage mal, ich bin ja noch halbwegs mittelalt. Deswegen kenne ich jetzt nicht die große Zeit der Fördertürme und der schlechten Luft. Nur der normal schlechten Luft, wie das so.
Florian Bayer: Und die wichtigste Frage, welche Stadt hat den besten Fußballverein im Pott und welche hat die beste Currywurst?
Johannes Franke: Fußball interessiert mich tatsächlich nicht so richtig. Ansonsten immer der beste Fußballverein ist immer die Stadt, in der ich gerade bin und in der ich gerade arbeite. Ich kann tatsächlich allen so ein bisschen was abgewinnen. Hauptsache Ruhrgebiet, sage ich mal so. Auch diese Dortmund-Schalke-Kiste. Ich war in Dortmund mal im Stadion ein paar Mal, natürlich. Ich war noch nie auf Schalke. Aber das sind solche harten Kernassys. Ich habe da gewisse Sympathien für die Schalker. Und da habe ich in Bochum studiert, deswegen habe ich auch ein Herz für die Bochumer. Also Hauptsache gegen die Bayern, wie es so schön heißt. Hast du gerade Kernassys gesagt? Ja. Das ist ein super Wort. Ich finde, das passt wunderbar zu unserem Film, den wir heute haben.
Florian Bayer: Was hast du uns denn für einen Film mitgebracht? Ich glaube, Kernassys ist auch ein Begriff, der in der Soziologie viel öfter benutzt werden sollte. Definitiv. Was sehr schön konkret ist für eine spezifische Mensch.
Johannes Franke: Vor allem von so Leuten wie euch beiden. Das sollte der Begriff Kernassys viel öfter benutzt werden.
Florian Bayer: Also welche Kernassys hast du uns denn mitgebracht heute?
Johannes Franke: Ich habe euch heute einen wunderschönen Film mitgebracht. Er heißt Bang Boom Bang. Und ich stelle ihn euch jetzt vor, wenn ich das richtig verstanden habe, wie dieser Podcast hier funktioniert. Ja, das ist das Konzept richtig gut verstanden.
Florian Bayer: Wir haben den Film auch schon gesehen, um das schon mal gleich zu sagen. Also Schari hat uns die Hausaufgabe aufgegeben, Bang Boom Bang zu gucken, hat einen kleinen Text vorbereitet, wird das kurz vorlesen. Und danach werden wir einfach mal drüber reden, über den Film, wie er uns gefallen hat, was für Wunden wir davon getragen haben. Alles, was dazu gehört. Sehr schön. Und bitte.
Johannes Franke: Okay. Vereinsheim, Fußball und Fickparade. So, jetzt ist ihr Schluss mit dreistündigen Importfilmen, die selbst IMDb nicht kennt. Und auch Schluss mit Ton- und farblosen Clownsparaden aus einer Zeit, als ein Ausrutscher auf der Bananenschale noch als gute Abendunterhaltung durchging. Bang Boom Bang aus dem Jahre 1999 ist weder schlau geschrieben noch schön gedreht. Er ist viel schlimmer Kult. Also zumindest im Ruhrgebiet. Die Sprüche des Films sind aus meiner Jugend zumindest nicht mehr wegzudenken. Was hat der meine Olle zu ficken? Oder der Pferd heißt Horst. Ich bin da was am Planen dran. Das war einfach. Überall. Also, worum geht es denn jetzt überhaupt? Die Geschichte ist beinahe ein bisschen egal. Gangster-Komödie. Jeder bescheißt jeden. Alle brauchen Kohle. Kein Glamour. Keine schlau ausgeklügelten Heißpläne. Dafür aber absurde Charaktere und großartige Schauspieler. Oliver Koritke, Ralf Richter, Martin Semmelroge, Dieter Krebs, Alexandra Nell und Tilt Schweiger in seiner besten Rolle. Also, man könnte jetzt mit dem Lexikon des internationalen Films gehen, der etwas kritisch urteilt. Dramaturgisch unausgegoren. Streckenweise zuchtige Ruhrpott-Klamotte, deren ordinärer Tonfall genauso aufgesetzt wirkt, wie einige nur um des Gagswillens inszenierte Zynismen. Blablabla. Oder aber man hört auf die Leute, auf die es wirklich ankommt, und zwar YouTube-Kommentatoren, die da sagen, dieser Film kann in einem Atemzug mit Scarface, Casino, Leon der Profi und anderen Klassikern genannt werden. Das Beste, was deutsche Schauspielkunst je hervorgebracht hat. Man könnte sagen, legendär. Ja, also Plor, also Johannes, fühlt ihr euch endlich auch in der Ballonseidenhose? Fühlt ihr die Currywurst im Magen? Waren das 104 Minuten Hardcore? Echte Gefühle?
Florian Bayer: Plor, du musst als erstes, ich bin fertig mit den Nerven. Also, was ich schon mal sagen kann, der Text war viel besser als der Film.
Johannes Franke: Ein Spruch, möchte ich sagen. Aber danke.
Florian Bayer: Ja, also, Zwiegespalten. Es gibt tatsächlich Sachen, die ich interessant fand, und ich habe auch irgendwie, ich glaube, ich habe irgendwie ein Gefühl dafür, dass man diesen Film aus nostalgischen Gründen und Lokalkoloritgründen cool finden kann. Ich kann total verstehen, dass der irgendwie zum Kultfilm wurde. Allerdings waren es schon so einige Sachen, wo ich dachte, oh, nee. Nee. Und ich glaube, das liegt auch daran, dass der Film so krass in dieser Zeit und an diesem Ort verortet ist. Und noch viel krasser tatsächlich in der Zeit als an diesem Ort. Weil, ich weiß nicht, für eine Ruhrgebietskomödie, für einen originalen Ruhrpottfilm ist dann halt doch viel zu viel Tarantino drin. Und viel zu eindeutig dieses, ich, also man hat teilweise das Gefühl, der Regisseur und der Drehbuchautor, die saßen da und haben sich Pulp Fiction angeguckt. Und haben einmal geguckt, wie müssen wir eine Kofferraum-Szene inszenieren? Wie machen wir einen coolen Splitscreen?
Johannes Franke: Hat Tarantino nicht auch sich nur Filme angeguckt und gesagt, okay, ich klaue das einfach da raus?
Florian Bayer: Erwischt. Hat er, hat er. Wir haben es hier mit einem Diebstahl zweiter Ordnung zu tun. Ich glaube, Tarantino kann ich das verzeihen, weil er sich die obskuren Filme aus den 60ern geschnappt hat. Ah, das intellektuelle Gewichse dahinter ist wichtig. Nee, nee, nee, es waren ja keine intellektuellen Filme, die er sich geschnappt hat. Und bei Bang, Bum, Bang ist es halt so, dass sie sich halt eine Gangster-Komödie geschnappt haben, die vor fünf Jahren gedreht wurde. Und das ist dann doch, glaube ich, nochmal so ein Unterschied. Johannes, hau du mal rein, ich habe dir jetzt schon so viel gesagt.
Johannes Franke: Flo, ich glaube, du begehst schon den Fehler, wenn du den Satz sagst, ich fand manche Sachen ganz interessant. Das ist ein völlig falscher Ansatz. Es geht darum, dass du, also, um das vorweg zu sagen, ich glaube, ich habe so ab drei Viertel des Films genug entspannt, um ihn genießen zu können. Vorher habe ich versucht, interessante Sachen zu finden. Und dann habe ich festgestellt, ja, scheiß drauf, alles egal. Vielleicht ist das die Herangehensweise. Oder ist das die Herangehensweise? Wie muss man diesen Film gucken, Shari, damit man ihn genießen kann? Ich glaube, ich habe den Film jetzt ein paar Mal gesehen schon. Und die ersten Male habe ich nicht auf die Story geachtet, was, glaube ich, geholfen hat. Jetzt habe ich zum ersten Mal die Story auch so verstanden. Es geht, glaube ich, in dem Film tatsächlich eher um die Charaktere und das Absurde und das Aufgedrehte. Und natürlich ist das jetzt kein Film, der jetzt irgendwas revolutionär neu macht oder so. Aber es ist halt das Gangsterhafte ins Ruhrgebiet eben bringen. Und diese Charaktere, die einfach irgendwie Spaß machen, die alle ein bisschen scheiße sind. Also da ist ja keiner, wo man sagt, jawohl, der soll gewinnen. Außer vielleicht der Charakter, der am Ende gewinnt, wenn man es so sehen möchte. Und das sind einfach witzige, witzige, absurde Charaktere. Gute Sprüche und es ist ja übertrieben. Und hat viel doch auch vom Ruhrgebiet, ohne dass es zu klischeehaft Ruhrgebiet wird, dass da irgendeiner mit dem Schal steht oder so.
Florian Bayer: Ich fand die Charaktere tatsächlich auch cool. Und das war auch das, wo so dieser Ruhrpott-Charme durchkam. Und auf jeden Fall liegt das total viel auch an den Schauspielern. Ich fand, die Schauspielleistung war tatsächlich saugut von fast allen. Wie du gesagt hast, die beste Rolle von Til Schweiger. Aber wirklich, ja.
Johannes Franke: Eine sehr, sehr kurze Rolle taucht der auf.
Florian Bayer: Ich war tatsächlich schockiert, wie jung Til Schweiger Ende der 90er noch aussah. Weil der hat ja, Manta Manta ist ja von irgendwie Anfang 90er, 91 oder so. Und da hat er so einen jungen Typen, so einen 20-Jährigen gespielt. Und er hat genau dieselbe Rolle sehr kurz in diesem Film auch wieder gespielt. Und er sah genauso aus wie 1991. Aber es ist zehn Jahre später fast. Das fand ich total merkwürdig, total irritierend. Und ein paar Mal hatte ich das Gefühl, sie haben es geschafft, die jungen Charaktere mit relativ alten Schauspielern zu besetzen. Und es funktioniert. Oliver Koritke war auch nicht mehr der Jüngste. Und er hat es aber auch so. Der sieht jung aus. Ich finde, der sieht...
Johannes Franke: Also ich kannte einige, die sie genauso drauf waren. Ich meine, der sieht wirklich... Man weiß nicht, ob der 15 oder 55 ist. Das ist so ein bisschen das Ding, oder? Der kann irgendwie... Das ist einfach einer von denen, der irgendwann stehen geblieben ist. Also der Charakter Keg, der so ein bisschen stehen geblieben ist. Und seitdem hockt der halt zu Hause, kifft und irgendwie kommt so durch den Tag. Und so sieht das irgendwie körperlich auch aus.
Florian Bayer: Oliver Koritke spielt aber immer diese leicht ungepflegten Leute, oder? Ja, zwei Jahre vorher hat er die Musterknaben gespielt, was ein wirklich cooler deutscher Film ist, den ich echt mag. Das ist ein Kopffilm deutscher. Und da wirkt er deutlich erwachsener und älter. Und das war zwei Jahre vorher. Das ist total krass. Und ich mochte diese Keg-Rolle total. Hätte ich das gewusst, dass der Film in die Richtung geht, hätte ich vorher gekifft. Also es war wirklich so... Man sitzt dann während diesem Film, man sieht die Charaktere und dann sieht man ziemlich früh als erstes diesen Keg, der halt nichts anderes macht, als auf der Couch rumhängen und kiffen und dann irgendwie in Scheiße geraten. Und dann gibt es irgendwie den Moment, wo man denkt, ach fuck, jetzt hätte ich eigentlich auch gerne einen Joint. Das würde den Film auf jeden Fall unterhaltsamer machen.
Johannes Franke: Das kann auch gut sein, dass der Film durchaus immer mit Substanzen geguckt wurde, sehr viel. Das weiß ich zumindest, dass in den Kinos, wo der lief, und der lief ja eine ganze Zeit lang oder läuft vielleicht sogar immer noch teilweise in den Ruhrgebietskinos, dass da sehr viel getrunken wird zumindest. Ob da auch noch vorher was geraucht wird, vermag ich nicht zu sagen, aber...
Florian Bayer: Und das fand ich geil, dass es tatsächlich ein Stoner-Film auch war. Weil eigentlich dachte ich, Ruhrpott ist Dosenbier. Das ist die Droge des Ruhrpottes. Und ich fand es cool, dass halt die ganze Zeit diese Stoner-Vibes über dem... Vor allem über diesem Hauptcharakter waren.
Johannes Franke: Ja, es ist ja auch aus so einer Zeit, wo, glaube ich, ein paar Jahre später oder vorher, wahrscheinlich später, kam ja Lombok raus, was ja so ein deutscher Kiffer-Film ist. Der war, glaube ich, noch heftiger. Und das ist einfach, glaube ich, auch wirklich so ein bisschen Kind der Zeit, dass eben Kifferei aus irgendeinem Grund in diesem Zeitraum sehr, sehr stark filmisch bearbeitet wurde, in deutschen Filmen.
Florian Bayer: Also es war die Zeit meiner Jugend und es war tatsächlich eine Zeit, in der Vieh gekifft wurde.
Johannes Franke: Also es ist immer so in der Jugend, oder? Kann das sein? Ja.
Florian Bayer: Ich weiß es nicht. Ich meine, ich stecke nicht mehr drin, aber ich habe so das Gefühl, heute sind es dann doch nochmal andere Drogen, die bei der Jugend ankommen. Ich glaube, die schmeißen sich wie wild das Ritalin rein, was sie von den Kids, die das verschrieben gekriegen haben, irgendwie so auf dem Schwarzmarkt besorgen. Aber das weiß ich nicht. Das ist wirklich so rein spekuliert.
Johannes Franke: Kann aber sein. Ich meine, da war ja auch so die Zeit von irgendwie Half-Baked, war ja auch irgendwie so ein Film, der da viel geguckt wurde in meiner Jugend von den Leuten. Und Cheech & Chong war ein bisschen früher, glaube ich, war sowas. Das war so eine sehr starke Kiffer-Zeit.
Florian Bayer: Die 90er sind voll. Es gibt ein eigenes Genre, Stoner-Filme.
Johannes Franke: Ja, die 90er sind voll mit diesen Filmen. Ich würde es jetzt auch nicht unbedingt, also es ist schon ein Film, in dem viel gekifft wird, also von Cake vor allem. Ja, ja gut. Aber habt ihr gerade dieses laute Geräusch des Wegbrechens unserer Hörerschaft gehört? Weil wir über Käfer-Film sind. So bis 19, die sind alle weggebrochen gerade.
Florian Bayer: Aber es ist auch ein Jugendfilm. Also es ist ein Film, den man, glaube ich, geil findet, wenn man ihn in seinem jungen Erwachsenensein oder in seiner Jugend geguckt hat und Spaß daran hatte.
Johannes Franke: Du erklärst mir jetzt, warum ich den gut fand.
Florian Bayer: Wann hast du ihn zum ersten Mal geguckt?
Johannes Franke: Wahrscheinlich, als der rauskam oder so. Da war ich 14, 15 oder so. Okay. Hast du ihn im Kino gesehen? Das weiß ich nicht mehr. Ich habe so das Gefühl, dass mittendrin im Film habe ich gemerkt, ich glaube, ich muss ihn mindestens zwei oder dreimal sehen, um den Kultstatus zu verstehen. Um die Sprüche würdigen zu können, um irgendwie da mitzukommen. Weil A, beim ersten Mal bin ich tatsächlich, ich habe den Fehler gemacht, zu gucken, was für eine Story erzählt mir der Film. Ja, ja. Ganz großer Fehler. Das heißt, ich konnte mich nicht gut genug darauf konzentrieren, was sind das für Kultfiguren, was für Sprüche sind das, worin ist das eingebettet, in welchem kulturellen Ding ist das eingebettet. Und habe viel zu sehr versucht, da irgendwie eine rote Linie zu finden. Und ich glaube, beim zweiten, dritten Mal kennst du die Sprüche schon so ansatzweise und kannst dann würdigen, wenn er dir gleich am Anfang die Rede darüber hält, dass man das Auto braucht. Ja, 240, schön bei der Autobahn, das ist Freiheit. Also, ich glaube, es ist tatsächlich so ein Film, wie es, glaube ich, viele dieser Filme gibt, die in der Nacherzählung mit den Freunden umso lustiger wird, weil man eben diese Sprüche dann sich irgendwie raushaut. Und deswegen hält er sich wahrscheinlich auch so lang.
Florian Bayer: Das war die Anfang 2000er, aber auch die Zeit, als es dieses Planlos in Mittelerde gab.
Johannes Franke: Oh ja, diese Planlos im Weltraum und Lord of the Weed.
Florian Bayer: Genau, Lord of the Weed. Die Kiffer-Synchronisierung von klassischen Hollywood-Filmen.
Johannes Franke: Und man möchte hier Colt Möber noch nicht unerwähnt lassen. Die hat Harry Potter nachsynchronisiert. Ja. Aber das war keine spezielle Kiffer-Sache, oder? Ich glaube nicht, dass die groß gekifft hat, weiß nicht. Aber es war alles in diesen Nach-Synchronisations-Zeiten. Vielleicht war die ein bisschen später sogar.
Florian Bayer: Das war ja Anfang 2000er, das war noch vor YouTube, ne?
Johannes Franke: Das war vor YouTube, noch ein paar Jahre.
Florian Bayer: Da hat man die sich im Internet gezogen und dann hat man sie nicht auf dem Handy. Liebes junges Publikum, das hatten wir damals nicht. Das ist schon weggebrochen, Thor.
Johannes Franke: Und man hat das ja auch nicht mit so einem Kloppschutz hier, sondern hat einfach so in sein, ich weiß gar nicht, sein Aufnahmegerät geredet. Und wahrscheinlich auch während der Film einfach so lief. Also es war, es kursierten dann sehr, sehr viele auf diesen Schulhöfen. Ja. Ja Gott, diese Nach-Synchronisation. Das war vielleicht einfach, es zeigt vielleicht auch sehr stark den Humor eben der Zeit.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Also es ist auch, also ich finde, man sieht diesen Film, man hört die Witze. Und ich, wie gesagt, ich hatte keinen Bezug zu diesem Pot, aber ich kann mich noch an den Humor dieser Zeit erinnern. Und es war halt, ich fand Tarantino zum Beispiel halt auch cool als Jugendlicher, ich finde Tarantino immer noch cool. Und das war halt so ein Ding, ja, ich muss es nochmal sagen, also ich fand teilweise, so geil die Charaktere sind, so krass fand ich so bei der ganzen Story und eben auch wie die Story erzählt wird, dass er versucht hat, wirklich so diese Tarantino-Shots zu machen. Also dass wir wirklich ganz oft diese Kamera haben. Und ich finde es schade, weil an den Momenten, wo er selbst ist, wo der Film wirklich jetzt Ruhrpott-Klamauk, Ruhrpott-Charme erzählt, ist er voll gut. Oder hat er lustige Momente, aber solange er dieses Tarantino macht, ist es halt so Reißbrett.
Johannes Franke: Aber findest du wirklich, dass er das nicht geschafft hat, diese Tarantino-Momente umzusetzen? Weil ich hatte den Eindruck, dass zum Beispiel das mit dem Kofferraum und so weiter, wie inszeniert man so einen Kofferraum, es hat funktioniert.
Florian Bayer: Genau, absolut.
Johannes Franke: Es hat absolut funktioniert.
Florian Bayer: Der Film war technisch total sauber, aber das Problem ist, dass du kannst es nicht gucken, ohne an die entsprechenden Szenen, also ich kann es nicht gucken, ohne an die entsprechenden Szenen in ein paar Fiktien zu denken. Und ich fand dadurch, war er fast so ein bisschen kalt und so ein bisschen kalkuliert. Weil man hat einfach gesehen, die wissen, welche Szenen cool waren bei Tarantino oder die sie bei Tarantino cool fanden. Und die haben die eins zu eins nachgestellt.
Johannes Franke: Aber ist es nicht auch so ein bisschen absurd eigentlich, weil der Film, Tarantino ist ja trotzdem, dass der irgendwie, was weiß ich, Drogen, Gangster und so. Also Tarantino hat trotzdem noch so ein bisschen Polish. Und wenn dann so ein Film kommt, wo einer in so einer Ballonseidenhose und dann macht man einen Tarantino-Shot, das ist doch absurd. Ja, genau. Das ist ja eben, also dass man so eine Drecksinszenierung oder so einen Film mit Tarantino-Shots dreht, ist ja auch ein bisschen, bei einer Suite. Und das passt irgendwie auch nicht so ganz richtig. Ich glaube, es war auch der erste Langspiel-Film von...
Florian Bayer: Ja, genau, genau.
Johannes Franke: Und deswegen ist...
Florian Bayer: Wir haben auch zwei weitere Filme gedreht, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt eine Trilogie offensichtlich.
Johannes Franke: Die Una-Triologie, in der teilweise auch Charaktere wieder auftauchen und es so Bezüge gibt. Hat sich nicht der Begriff auch Pod Fiction dann durchgesetzt? Nein. Wegen Pulp Fiction als Vergleich? Der würde auf jeden Fall sehr gut passen dazu. Wahrscheinlich aber mehr so im Funton oder so, weil Leute da irgendwie einen Begriff zu brauchten.
Florian Bayer: Um ganz kurz nochmal auf die Una-Trilogie zurückzukommen. Also es gibt Bang, Boom, Bang, der erste Film aus dem Jahr 1999. Dann haben wir Was nicht passt, wird passend gemacht aus dem Jahr 2002 und Goldene Zeiten aus dem Jahr 2006. Du hast die wahrscheinlich alle drei gesehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ist Bang, Boom, Bang der beste oder der kultigste?
Johannes Franke: Ja, der kultigste auf jeden Fall. Also ich glaube, Was nicht passt, wird passend gemacht, spielt ja auf so einer Baustelle. Und Goldene Zeiten spielt, glaube ich, so ein bisschen in der High Society, wenn man das so... Ich glaube, ich fand Goldene Zeiten auch ganz gut. Der kam nicht so gut an. Das ist aber, den habe ich aber tatsächlich beide nicht häufiger gesehen. Deswegen, die fallen schon so ein bisschen ab, was den Kultstatus und so angeht. Du kannst natürlich jetzt, ich hätte euch einfach die Aufgabe geben sollen, euch die Una-Trilogie anzugucken. Mögt das doch derzeit so gerne. Einfach ganze Staffeln und ganze Zyklen euch anzugucken.
Florian Bayer: Aber das heißt, er macht in den anderen Filmen jetzt auch nicht nochmal dasselbe Schema, sondern es sind auch...
Johannes Franke: Es ist immer so ein bisschen, geht es natürlich um so Ganoventum und sowas. Oder so ein bisschen um Mauscheleien. Es ist sehr männlich alles. Ja. Das ist mir halt ein bisschen sehr arg aufgefallen. Das ist halt das Ding, ich gucke mir den Film an und denke, okay, das ist sehr verdächtig, weiß, männlich. Toxic Masculine. Ja, irgendwie. So ein bisschen. Und der hat aber natürlich auch Momente, wo er sich selbst darüber lustig macht. Natürlich, der ganze Plot am Ende, wie der aufgeht, ist natürlich etwas, ist eine kleine Umkehrung, aber keine wirklich wesentliche, die uns hilft, den Film besser zu ertragen, muss ich sagen. Fandst du den eigentlich nicht gut, den Film? Ich weiß es noch nicht, ich bin mir immer noch nicht sicher. Du musst immer noch schön reden, Schari. Ich finde, dass viele Sachen gut funktionieren, aber ich finde auch, dass es streckenweise zu sehr weh tut. Okay, was tut weh in dem Film? Toxic Masculinity, diese Dialoge und diese... Aber es ist ja nicht Wolf of Wall Street, wo das so gefeiert wird und man in irgendeiner Mission so ein bisschen, oh, ich möchte gerne jetzt Kalle Grabowski sein oder so. Das stimmt. Auch wenn manche das offenbar doch gerne sein wollen. Aber es ist ja eigentlich, alle sind ja wirklich eindeutig gekennzeichnet als unsympathisch und voll deppen. Definitiv. Es tut mir zu sehr weh, denen dazu zu gucken, weil, und jetzt kommt mein großer Kritikpunkt, eigentlich der einzige wirklich große Kritikpunkt ist, dass Alexandra Nadel nicht genug Screentime hat, um sich das Ende zu verdienen. Sie haben die Geschichte nicht gut genug so gestrickt, dass sie am Ende das Geld haben darf. Sie ist halt auch so offensichtlich als Eye-Candy besetzt, ne?
Florian Bayer: Vorher hatte sie ja, zwei Jahre vorher hatte sie einen Playboy-Shoot. Und GZSZ war sie, glaube ich, ne? Und GZSZ und dann hatte sie so ein paar Rollen, aber es war, bevor sie quasi ihren zweiten großen Durchbruch in Verliebt in Berlin hatte, wo sie so als Mauerblümchen aufgetreten ist, alle gesagt haben, oh, sie kann ja spielen, wenn man ihr eine Brille anzieht und einen Rollkragenpullover und keinen tiefen Ausschnitt. Ja. Ich finde es, die Idee grundsätzlich witzig, dass sie die ist, die am Schluss mit dem Geld abhaut.
Johannes Franke: Sie und ihre Freundin.
Florian Bayer: Sie und ihre Freundin. Von der wir nix wissen. Aber es funktioniert nicht als feministische Botschaft, weil sie vorher einfach zu sehr, dass der Augenschmaus war, der eingepackt wurde.
Johannes Franke: Ich finde, das ist wahrscheinlich die einzige Lösung, die dieser Film, so wie er war, irgendwie hätte nehmen können, das einzige Ergebnis. Ja. Ich finde, das ist in keinem Fall ein feministischer Film. Ich meine, wir sind auch 1999. Ja, ja, ja. Ich halte das auch aus. Ich bin ja durchaus auch für die Gleichberechtigung von Mann und Frau aus persönlichen Gründen auch. Aber das halte ich in dem Fall oder in anderen Filmen auch durchaus mal aus. Weil auch wirklich alle, die da irgendwie einen Spruch schieben, sind ja einfach, werden ja nicht gekennzeichnet wie eben. Es gibt Filme, wo das ein bisschen subtiler ist, sage ich mal, so dieser harte Sexismus.
Florian Bayer: Kommen wir zur männlichsten Figur des Films. Ralf Richter. Kalle Grabowski. Und es ist tatsächlich eine coole Figur. Also es ist echt, es ist, wie hast du gesagt, Kernassi. Ist das was du mit Kernassi meinst?
Johannes Franke: Ja, ja, genau, genau. Kalle Grabowski ist der Gangster, der am Anfang noch im Knast sitzt und dann im Verlauf des Films aber ausbricht und der dann sich das Geld von Keck zurückholen will. Genau. Und er ist, man hat sich auch ein bisschen gefragt, ob er wirklich gespielt hat. Möchtest du das untermauern mit tatsächlichen Ereignissen? Nein, ich weiß nicht viel. Aber ich sage mal so, der Film hat ja wirklich Kultstatus im Ruhrgebiet. Und im UCI-Kino in Bochum läuft der seit 20 Jahren oder so. Seit 1999 läuft der Film einmal die Woche oder so. Das ist so krass. Das ist seit 20 Jahren ein Film. Mir fällt kein einziger Film ein, der so eine lange Laufzeit in Deutschland bekommen hätte. Wie krass ist das denn? Ich habe Kontakte in das Kino, sagen wir mal so. Und es gab eine 10-Jahres-Feier und es gab eine 15-Jahres-Feier und es gab eine 20-Jahres-Feier. Und im Verlauf dieser Jahresfeiern konnte man so ein bisschen sehen, wie sich Ralf Richter entwickelt hat. Und am Anfang war er ein bisschen näher an der Rolle, als er vielleicht jetzt ist.
Florian Bayer: Ich hatte gedacht, der wäre in Wirklichkeit so ein ganz feinfühliger, sensibler Typ, der dann einfach so auf einen Klick umschaltet und dann dieser krasse Assi-Koleriker wird, der Gefängniszellen-Kumpels verprügelt und die ganze Zeit halt von Autos und vom Ficken redet. Das war so seine Hauptgesprächsthemen.
Johannes Franke: Er ist nicht besonders, also ich weiß auch nicht, er schiebt einfach nur Sprüche, sieht komisch aus dabei und läuft halt auch alles an ihm, wie das Schauspiel und so. Es ist einfach großartig, wie er einfach diesen Kernassi eben darstellt. Und komplett toxisch, männlich, kaputt. Aber auch so drüber. Absolut im Schauspiel auch komplett drüber. Man kommt da nicht ran an die Rolle im Sinne von, ich nehme das jetzt ernst, was der macht. Also überhaupt nicht. Aber das ist natürlich das Vergnügen dieses Films.
Florian Bayer: Ich fand das bizarre Moment dieser Figur auch total super. Also es hat tatsächlich am Anfang vor allem Spaß gemacht, ihn zu sehen. Wie er so seine Sprüche rauskloppt und man weiß, er ist irgendwie so eine nicht nur tickende Zeitbombe, weil er einfach zu oft explodiert, um überhaupt Zeit zum Ticken zu haben.
Johannes Franke: Er ist eine explodierende Zeitbombe. Ist das ein wichtiges Momentum, dass du so einen Assi hast, so einen Kernassi, der einen Film, vielleicht diesen Film speziell zum Kultfilm macht? Oder warum ist dieser Film ein Kultfilm geworden? Ich frage mich das ernsthaft. Weil es gibt so viele Filme da draußen mit irgendwelchen Assis. Ich hätte schon rum. Ich glaube, viele Kultfilme haben Assis auch, oder? Kann das sein? Aber warum? So ein Ding ist, ja, weil die Spaß machen. Also es gibt ja so das intellektuelle Spaß haben und dann gibt es vielleicht einfach das so komplett Eskapismus und komplett einfach nur draufhauen. Und das macht ja auch einfach Spaß, solchen Leuten zuzugucken, wenn das keine Konsequenzen hat. Also wenn man die so tatsächlich auf der Straße sieht, geht ihr, macht ihr so einen Bogen? Ach und du nicht. Ich bin nicht auf solchen Straßen. Du sagst. Hallo. Hallo Papa. Danke schön.
Florian Bayer: Ich hätte es schön gefunden, einen sympathischen Assi zu sehen. Um vielleicht noch einen anderen Film aus der Zeit mit reinzubringen von den Coens. The Big Lebowski, der ja auch so ein junger Stoner Film ist. Da haben wir ja auch so einen cholerischen Assi, der von Dan Conner gespielt wird. Wie heißt der? John Goodman, der von John Goodman gespielt wird. Der halt auch so ein Choleriker ist, der auch die ganze Zeit irgendwie Schlägereien anfängt. Der aber trotzdem sympathisch ist. Und ich glaube, in dem Film haben wir so ein bisschen, wenigstens einen sympathischen Assi hätte ich gerne gesehen in dem Film.
Johannes Franke: Okay, ja, ein bisschen verständlich. Also man fiebert vielleicht ein bisschen mit Cake mit als Zuschauer. Ja, tatsächlich am ehesten noch, ja. Aber der ist tatsächlich beinahe, also im Vergleich zu den anderen Leuten, ich fand auch Dieter Krebs als hier Kampmann großartig. Ja, ich fand ihn beinahe, also Oliver Kurutke, beinahe ein bisschen blass dann sogar schon. Ja, aber ich glaube, das ist das Schicksal der Hauptfigur, die durch den Film durchgeht. Du hältst eine Hauptfigur nicht, aus Erfahrung jetzt mit Theaterstücken, die ich geschrieben habe und die ich gespielt habe, wenn du eine Hauptfigur hast, die da durchgeht, die genauso abgefahren ist wie die ganzen Nebenfiguren, dann ist der Film nicht mehr guckbar. Du brauchst einen klaren Strich durch das ganze Ding und das ist Oliver Kurutke in dem Fall.
Florian Bayer: Und ich fand ihn auch, also ich fand die Figur tatsächlich auch cool, weil er ist ja auch nicht unbedingt Sympathieträger, ist ja auch irgendwie so ein Assi mit dem, dass er irgendwie mit diesem Porno-Ding, mit der Porno-Geschichte, dass er dem Typ das Porno-Video schickt, ohne es geguckt zu haben. Und dann ist er zufällig die Frau drauf von Kalle und dann weiß er nicht genau, wie er damit umgehen soll. Als der Kalle dann bei ihm ist, er ist ja auch ein ziemlicher Feigling, er lässt sich halt auch ziemlich runterbuttern dann. Ich fand, er hatte tatsächlich ein paar echt geile Momente, wo es so on point war, wie er reagiert und vor allem, weil er halt überrascht hat mit seiner Art, wie er mit dem Geschehen umgeht. Vor allem die Szene, wenn sein Daumen im Tresor eingeklemmt wird. Das ist so eine Szene, es gibt zwei Möglichkeiten, was man damit machen kann. Und man kann ihn total fast downed machen, so, ach ja, egal. Oder total schockiert und rumschreien, Wichser, was hast du da getan? Und er ist irgendwie dazwischen. Ich fand das total cool, der Tresor knallt zu, sein Daumen ist dazwischen. Und er hat ganz lange diese Reaction, dass er einfach nur schockiert guckt, aber ganz ruhig ist dabei.
Johannes Franke: Das ist halt ein Comedy-Moment, ne? Du hast etwas, wo die Reaktion nicht wirklich passt und das zieht er halt irgendwie eine ganze Weile durch. Und das ist spannend, wie viel Realismus sich der Film dann doch erlaubt. Und indem er sagt, ja, wir müssen da jetzt ran und ich muss das ja auch irgendwie im Krankenhaus behandeln lassen. Ich muss da ja irgendwie hin. Wenn du all in gegangen wärst, dann hättest du gesagt, ach, was soll's, abbinden, weiter geht's. Aber er macht sich jetzt so eine Zwischenlösung. Aber dann sind die Fingerabdrücke jetzt ja im Tresor. Aber das ist ja nicht der einzige Grot. Der will ja auch seinen Daumen wieder haben. Ja, das ist ja auch, ja, ja, stimmt.
Florian Bayer: Und deswegen, also ich fand Keg tatsächlich als Figur interessant, weil es gab öfter mal Szenen, wo er einfach andere Sachen macht, als man erwarten würde. Und klar, er ist so ein bisschen dieser typische Stoner.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber es gibt genug Momente, wo die Rolle halt irgendwie dann doch interessant wird.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Auch als die dann Schlucke begraben, hat er noch so ein bisschen so eine Art Beiner Gewissen. Mhm. Er war das, als er dann sagt, hier, wir haben gerade ein Männchen hier. Nee, das ist leider der andere, ja. Was macht denn Keg da?
Florian Bayer: Keg ist einfach nur Truff. Ja, Keg ist irgendwie Truff, ja. Kommen wir zum potenziellen Sympathieträger, der, glaube ich, ein bisschen als Sympathieträger inszeniert werden sollte mit. Und das ist dieser Andi. Ja. Der mit Keg das Ding durchzieht.
Johannes Franke: Nein, oder? Der ist doch auch von Anfang an super unsympathisch. Ja.
Florian Bayer: Ich finde ihn auch super unsympathisch. Aber ich glaube, sollte er nicht so ein bisschen der kleine Held sein in der Geschichte und sie haben es einfach vergeigt?
Johannes Franke: Das ist eine gute Frage. Also zum einen sehe ich den als so typischen Typen, den es auch Diamond Dazen im Ruhrgebiet gibt. Leute, die halt kurz vor der angeblichen großen Karriere, der Fußballerkarriere waren und dann haben sie das Knie verletzt. Das ist so ein Standard eigentlich im Ruhrgebiet. Und dann weiß ich nicht, ob der, also er ist, er macht ja auch nicht so viel irgendwie.
Florian Bayer: Er hat immer seine cholerischen Anfelder, das ist auch total schreck. Er ist eigentlich so der nette, gutaussehende, er ist tatsächlich der Einzige, der gut aussieht in dem Film irgendwie. So, also zumindest nach so gewissen Schönheitsstandards. Und dann macht er halt mit bei diesem Zeug, weil er auch so ein Kleinverbrecher ist. Und dann hat er immer diese Momente, wo er ausrastet, wo er plötzlich sein Auto verprügelt oder gegen den Tresor tritt. Und das ist total schräg, weil das eigentlich gar nicht zu seiner Rolle passt. Aber man hat so das Gefühl, so alle zehn Minuten denken sie, okay, jetzt muss der nochmal ausrasten. Jetzt muss er nochmal einfach seine Wut rauslassen. Und ist ja auch zu Recht wütend. Ich meine, er ist verletzt, darf nicht mehr Fußball spielen.
Johannes Franke: Karriere dahin, genau. Aber mit den Frauen klappt es ja immer noch.
Florian Bayer: Mit den Frauen klappt es.
Johannes Franke: Und das ist ja nicht der Moment, wo man merkt, dass der doch ein bisschen unsympathisch ist. Und wo der, glaube ich, auch unsympathisch inszeniert wird. Wenn er die Frau so sitzen lässt, der auf dem Date ist, wo er sich auch bei ihrer leicht dummen Sprüche vielleicht lustig macht. Manche Leute träumen ihr ganzes Leben und den ganzen Kram.
Florian Bayer: Soll er so ein Bo sein? So ein Schönling, der irgendwie am...
Johannes Franke: Also wenn dann so eine Art Ruhrgebiets-Schönling. Also nicht einer, der wirklich... Aber so eine Dorfschönheit vielleicht. Ich weiß es nicht genau, was der sein soll. Der Fußballer halt, Kerl. Ich finde, der Fußballer halt ist eine gute Beschreibung. Aber ich würde gerne eigentlich zu diesem Kultfilm-Gedanken nochmal zurückkommen. Was macht ein Kultfilm aus und warum ist dieser Film jetzt Kultfilm geworden? Und wo ist die Abgrenzung zum Klassiker? Weil es gibt ja nun auch Filmklassiker, die keine Kultfilme geworden sind. Und was sind das für Ihren Gedänzchen? Ich könnte grob vermuten, aber da gehe ich jetzt für dich von dem Film aus, ist das ist so eine ganz spezielle, devote Anhängerschaft.
Florian Bayer: Devote Anhängerschaft? Das Kult steckt ja schon drin, ne? Wir haben es ja mit Sektenmechanismen zu tun. Oh, Kalle, erlöse uns vor unserem Übel.
Johannes Franke: Also der Film muss irgendwie mehr haben, als einfach nur schön sein oder so. Ich weiß, was sind denn Kultfilme alles? Was sind denn Kultfilme alles? Das ist eine gute Frage. Type Fiction ist ein Kultfilm. Werner ist ein Kultfilm. Werner ist ein Kultfilm. Werner ist das das Nordpondant zu... Ja, genau. Also vielleicht braucht er auch immer so, also vielleicht hilft es, sage ich mal, ein Kultfilm, wenn er sehr gezielte auf eine Region, auf eine Zielgruppe geht.
Florian Bayer: Ich glaube tatsächlich, was bei Kultfilmen, und das steckt nicht unbedingt in dem Namen drin, ganz wichtig ist es, dass man sie ironisch gucken kann. Also viele Kultfilme werden ironisch geguckt, vor allem ältere Kultfilme, also auch so 60er, 70er Jahre Filme, die heute als Kult gelten, irgendwelcher Trash, wo man sagt. Edward zum Beispiel, genau. Oder The Room. The Room, ja. Aber nicht nur, also es gibt auf jeden Fall diese Kategorie Filme. Die Kultfilme sind, weil man sie ironisch gucken kann und weil Leute, die ironisch gucken. Ich glaube, das Ritualisierte spielt eine ganz große Rolle. Ich kann mir vorstellen, wenn die den seit 1999 jedes Jahr im Kino zeigen, äh, jede Woche im Kino zeigen, da gibt es mit Sicherheit auch so ein Prozedet drumherum. Die Leute sitzen da im Film und schreien die Dialoge mit raus. Also du guckst ja, wenn du den Film zum ersten...
Johannes Franke: Walking World Picture Show, so ein bisschen für solche Media. Genau. Also was ich gehört habe von meinen Connections ist, zumindest wenn diese 20-Jahresfeier, 15-Jahresfeier, dann laufen die Leute schon so ein bisschen rum, so ein bisschen. Ansonsten ist es jetzt aber nicht so, dass die da verkleidet hinkommen. Aber es ist eigentlich immer die gleichen Leute tatsächlich, die dann... Seit 20 Jahren. Oh Gott. Der wird auch häufiger dann mal angeguckt von denselben Leuten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dieses Ritual ist dann irgendwie auch mit dabei, ja.
Florian Bayer: Du hast Rocky Horror Picture Show gesagt, genau. Das ist so ein typischer Kultfilm, wo du nicht ins Kino gehst, um den Film zum ersten Mal zu gucken, weil du viel zu sehr genervt wärst von den Leuten, die Reiß rumwerfen und die in Stöckelschuhen vor der Leinwand tanzen und so. Und das ist halt geil, wenn du den Film gut kennst, dann weißt du, du gehst da rein und du hast, du kennst die Rituale und du kannst einfach mitmachen. Du kannst mit reinschreien, du kannst dich verkleiden, du kannst mit Zeug werfen und alle haben Spaß, es ist eine Riesenparty.
Johannes Franke: Ich glaube, eine der wichtigen Sachen ist, dass du einen Film machen musst und deine Charaktere lieben musst. Du musst mit einem liebenden Auge auf die Leute gucken. Wie bei The Room. Ich glaube, du kannst keinen Kultfilm intendiert machen. Das glaube ich, das kann gut sein.
Florian Bayer: Das ist das Schlimmste überhaupt. Das stimmt. Die Filmgeschichte der letzten 20 Jahre ist wahrscheinlich voll von Filmen, die versucht haben, Kultfilm zu sein und die krachend gescheitert sind, weil sie es versucht haben.
Johannes Franke: Das ist so, wie wenn man sagt, mach uns mal ein virales Video. Genau. Und dann bewirbt man das und so, das ist viral. Das ist noch nicht viral. Es werden viele Sachen sogar so beworben. Wir haben jetzt schon Kult und so ein Kram und meistens wird es dann doch nichts. Das stimmt. Aber meistens sind es auch so Underdogs, oder? So Leute, wo man sagt, das ist so ein bisschen, ja, das arme Würstchen da vorne. Vielleicht auch eben echt ganz oft die Deppen. Meinst du die Regisseure oder die Figuren in den Filmen? Vielleicht einfach beides. Vielleicht ist es bei Ed Wood einfach, weil es der Regisseur war, der ein bisschen, den man eigentlich über die Jahrzehnte hinweg dann vielleicht mit einem Abstand bemitleidet oder dafür, dass er es nicht, ich weiß es nicht genau. Ne, mitleid ist vielleicht das falsche Wort dafür. Ist Star Wars ein Kultfilm? Star Wars, ist das ein Kultfilm? Die ersten drei Jahre. Ich glaube schon. Wahrscheinlich sägt der gerade so ein bisschen an seinem eigenen Kultstatus, weil er einfach so viel an Merchandise raus hat und so viel an, es wird so zerfleddert. Aber die ersten drei vielleicht.
Florian Bayer: Das gehört natürlich auch zum Kultstatus dazu, dass es eben, also dass es die Möglichkeit überhaupt drumherum gibt für Merchandise, weil Star Wars ist ja auch ein Kultfilm, weil es diese krassen Star Wars Anhänger gibt, die ihre Actionfiguren haben von Yoda und von Luke Skywalker und die ihn nicht auspacken und im Regal stehen haben.
Johannes Franke: Aber je mehr Merchandise, desto weniger Kult, oder? Also irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieses ganze sehr, sehr viel Merchandise, was jetzt um Star Wars herum rausgekommen ist, dass das den Kultstatus immer weiter ansägt und angräbt. Ich glaube, dass die Fans von sowas nicht begeistert davon sind, kommerzialisiert zu werden, also kommerziell ausgebeutet zu werden und deswegen sind die dann halt abgeturnt. Ist Harry Potter ein Kultfilm? Nee. Nee, würde ich auch nicht sagen.
Florian Bayer: Also zumindest haben wir ja diese Zutat, dass die Harry Potter Fans so teilweise sehr devoted sind und dass sie in den Film gehen, sich verkleiden und zu jeder Vorführung und sich alles angucken, was irgendwie im Harry Potter Universum stattfindet und so weiter.
Johannes Franke: Das passiert aber auch mit den Büchern. Das heißt, es ist nicht auf die Filme reduziert, sondern einfach auf die Harry Potter Universums... Aber selbst da ist das Harry Potter Universum kultig. Ja, schwierig. Nee, eigentlich nicht. Ah, das ist jetzt ein interessanter Grenzwert. Warum nicht? Gute Frage.
Florian Bayer: Also würdest du sagen, es ist Kult? Ja, auf jeden Fall. Also das Harry Potter ist halt noch relativ jung und ich glaube, deswegen ist es...
Johannes Franke: Ist einfach nur populär und... Es ist schwer, das zu sagen. Nein, ich glaube folgendes. Kult ist vor allem gekennzeichnet dadurch, dass es am Anfang, wenn es rauskommt, nicht so wahnsinnig erfolgreich ist beim allgemeinen populären Publikum. Und wenn man etwas ausgräbt und dann sich eine Gemeinde darum scharrt, die irgendwie das geil findet, so nischenartig und das daraus wächst, dann wird es Kult. Dann ist Pulp Fiction kein Kultfilm. Na, weiß ich auch gar nicht. Ist der so erfolgreich gewesen? Ja, er war richtig riesig erfolgreich. Der hat Preise abgeräumt, das Publikum ist da reingestürmt. Aber ich würde behaupten, dass er damals noch nicht Kult war. Dass er sozusagen wirklich jetzt über die Entfernung Kult wird.
Florian Bayer: Ich glaube, es fällt einem total schwer, Kultfilme zu definieren, je näher sie an unserer Zeit sind. Das heißt, es fällt schwerer, Harry Potter als Kult zu bezeichnen, als Star Wars, obwohl ich finde, das ist eigentlich fast dasselbe. Von den Fan-Reactions auch große Erfolge von Anfang an. Und dann gibt es halt die Merchandising und so weiter. Und es fällt schwerer, keine Ahnung, einen Tarantino-Film, der zwei Jahre alt ist, als Kult zu bezeichnen, als zum Beispiel Pulp Fiction.
Johannes Franke: Der muss ja mal so einen Impact noch haben, glaube ich. Deswegen kann man so Filme, die erst zwei Jahre her sind, nicht wirklich als Kult bezeichnen. Da würde ich mal richtig weit zurückgehen. Wenn wir an Nosferatu denken, das ist ein Film, der war 1929, glaube ich, nee, 22 ist er rausgekommen. Und der hatte ja Copyright-Probleme mit Dracula, Bram Stoker. Und das war echt ein Problem. Und er hat ihn schon anders benannt und er hat ihn schon anders gedreht. Aber es gab weiterhin diese Probleme. Und es gab dann damals, der war kurz davor unterzugehen eigentlich dann. Und dann haben ihn irgendwie, gab es so eine Art Kult um diesen Film drumherum. Und dann haben Leute den wieder hochgeholt und irgendwie wieder hochgehievt und in den Status gebracht, den er heute hat bei uns. Das war nicht vorhersehbar so, dass das irgendwie dann einfach bleiben würde mit dem Erscheinen des Films, sondern das hat eine Gruppe von Cult-Following quasi nach oben geholt. Aber Nosferatu ist vielleicht eher ein Klassiker als ein Kultfilm, oder? Oh, jetzt geht es hier richtig los. Naja, jetzt wird es spannend. Was ist der Unterschied zwischen einem Klassiker und einem Kultfilm? Und kann beides gleichzeitig sein? Bei dem Film würde ich sagen, er kann beides gleichzeitig sein. Aber es hängt, also ist Nosferatu oder Bang Boom Bang? Nosferatu. Ich glaube nicht, dass dein Bang Boom Bang ein Klassiker wird. Aber ich glaube, ein Klassiker muss auch gut sein. Ein Kultfilm muss nicht gut sein. Ich glaube auch, dass ein Klassiker vielleicht irgendwas Neues, irgendwas Innovatives, irgendwie was der Filmgeschichte hinzufügen muss. Oh, aber dann wird die Liste sehr klein. Naja, nicht, vielleicht glaube ich es auch nicht. Vielleicht werden dann irgendwann Kultfilme zu Klassikern. Ich weiß es nicht. Das kann sein, ja. Das ist so eine Art Übergang, der dann stattfindet.
Florian Bayer: Ja. Vielleicht sind Kultfilme tatsächlich auch ganz oft junge Klassiker. Und ab einem gewissen Alter können sie kein Kultfilm mehr sein, sondern haben eben einfach diesen Klassiker-Status. Ich glaube, was du gesagt hast, ist ganz wichtig, dass ein Kultfilm kann auch schlecht sein. Dass es eben in diesem ironischen Gucken, Klassiker guckst du eher nicht ironisch. Ja.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ein Klassiker sagt, glaube ich, auch viel über die Zeit, in der er entstanden ist und über die Sehgewohnheiten der damaligen Zeit aus. Das heißt, also wenn wir jetzt zum Beispiel einen Film sehen wie Nosferatu, wissen wir, ah, Expressionismus, Anfang 20. Jahrhundert, deutsche, spezifische Kunst, die da reinwirkt. Und wir wissen, der Nationalsozialismus steht vor der Tür und wird vielleicht antizipiert und so weiter. Das ist, glaube ich, auch was, was beim Klassiker noch mehr mit drin ist, dass der Zeitbezug. Klassiker finden eher in ihrer Zeit statt und Kultfilme, nee, auch nicht.
Johannes Franke: Kultfilme fallen raus. Was ist der jüngste Klassiker, der euch einfällt? Der jüngste Klassiker? Oh Gott. Der Klassiker hat immer echt irgendwie was aus einer Zeit, die schon vergangen ist. Das ist dann so 60er oder das kann nicht sein. Klassiker, Dirty Dancing, ist das ein Klassiker? Ist das ein Kultfilm?
Florian Bayer: Beides. Oh. Oh, spannend. Dirty Dancing ist, glaube ich, beides. Also definitiv Kultfilm für alle Tanzfans und für alle, und Dirty Dancing ist auch so ein Film, der viel ironisch geguckt wird und so ein Spruch wie, ich habe eine Melone
Johannes Franke: getragen, ist einfach mimetisch geworden. Aber ich weiß nicht, ob ich ihm Klassiker zutrauen würde, weil ich ihn nicht gut genug finde. Aber ein junger Klassiker. Findest du Klassikerfilme automatisch gut? Die meisten Klassiker, die mir einfallen, sind gut. Also eigentlich alle Klassiker, die mir einfallen. Ein junger Klassiker, der kein Kultfilm ist, ist Titanic? Ist das ein Klassiker? Ja.
Florian Bayer: Würde ich schon sagen.
Johannes Franke: Fuck.
Florian Bayer: Und da fällt auch das rein, was Charry gesagt hat, dass Klassiker mehr machen und das Kino voranbringen. Weil Titanic hat mit Special Effects und mit Setaufbau und so weiter den ganzen monumentalen Film oder historischen Kino nochmal so einen Schub nach oben gegeben.
Johannes Franke: Aber Kult ist der wirklich nicht, der war nie Kult. Außer bei kleinen Teenager-Mädchen. Und da Teenager-Mädchen immer gehasst werden, wird dann sowas nicht Kult. Hast du Titanic damals, wie hast du Titanic damals mitbekommen? Hast du im Kino gesessen, hast dir irgendeine Freundin oder einen Typen mitgenommen und hast in seinen Shows gewinnt? Hast du eine Vorstellung hast? Ich habe Titanic tatsächlich mehrmals gesehen. Ich war halt 14, 13. Ich weiß nicht, wann kam der raus?
Florian Bayer: 99, glaube ich.
Johannes Franke: Ach guck mal, da habe ich Titanic gesehen, danach direkt nebenan, bang, boom, bang. Okay. Das ist ein interessantes Kinojahr gewesen. 97. 97, ja. Okay, da war ich, weiß ich gar nicht, noch jünger und fand den auch super. Also ich hatte den Druck aus der Bravo, den gut zu finden. Ich fand den auch gut. Das ist ein guter Film. Ich bin der Einzige in der Runde, der jetzt nicht überhaupt belästert will. Titanic ist wirklich ein guter Film. Okay. Ich fand das so schlimm, als kleines Kind so viele Menschen ersaufen zu sehen. Das war für mich ganz, ganz schrecklich. Ja, okay. Das verstehe ich. Das war mein 9-11. Bevor der 9-11 passiert ist.
Florian Bayer: Das waren wir für eine verwöhnte Generation in den neuen Siegern.
Johannes Franke: Ja, wirklich. Nichts hatten wir außer so einen Film. Okay, Flo, ich glaube, wir müssen einfach Titanic irgendwann mal gucken. Ich habe Titanic noch nicht geguckt. Weil ich habe ihn ewig nicht gesehen. Ich kann nur aus meiner Erinnerung speisen von damals, wo ich mit irgendeiner Freundin, die mich reingestellt, und ich konnte ihn nicht gut finden, weil alle 17-jährige Mädchen gesagt haben, juhu, Leonardo DiCaprio.
Florian Bayer: Und ich so, heuerkotzt. Deswegen sind Teenager-Jungs auch viel schlimmer als Teenager-Mädchen. Ja, stimmt.
Johannes Franke: Wir erlauben uns wenigstens, wir Teenager-Mädchen, ich spreche jetzt mal für die Teenager-Generation hier, wir erlauben uns wenigstens, Sachen gut finden. Genau.
Florian Bayer: Teenager-Jungs definieren sich dadurch, was ich schlecht finde. Und das ist meistens das, was Teenager-Mädchen gut finden. Backstreet Boys. Oh Gott.
Johannes Franke: Tokyo Hotel.
Florian Bayer: Tokyo Hotel, genau.
Johannes Franke: Jetzt hier die BTS oder wie die heißen. Ich kenne die.
Florian Bayer: Versuchst du gerade. Oh, ich bin nicht alt. Verdammt. Was ist BTS?
Johannes Franke: Das sind diese asiatische, diese riesige Gruppe, wo die Mitglieder so 20 oder sowas dann die. So K-Pop. Ah, K-Pop. K-Pop, ja. So sie ein süßer Boy. Aber heißen die so? Ich habe den... BTS heißt die. BTS, ja. Okay. Ich gucke nochmal kurz nach, bevor ich jetzt hier Krassin erzähle. Die Bang... Das sage ich nicht. Ich weiß nicht, wie die ausgesprochen werden. BTS heißt die, natürlich. Okay. Und K-Pop ist ja gerade ganz groß mit meiner... mit meinen Leuten, meinen Girls. Versuchst du dich gerade ans Publikum einzubinden? Ich möchte mein Alter, so eine gewisse Ambiguität, was mein Alter betrifft. None|Okay. Und mein Geschlecht, weil ich Bang Boom Bang sehr gut finde.
Florian Bayer: Versuchen wir mal kurz den jüngsten Kultfilm, den jüngsten Klassiker, der uns einfällt. Ich versuche mal was in den Raum zu werfen, was ich als Kultfilm habe, als jungen Kultfilm. Und ich finde nichts.
Johannes Franke: Und du scheiterst. Wenn ich jetzt hier bei Google einfach dumm Kultfilme eingebe, kommen Sachen wie Zombieland, Bohemian Rhapsody. Näh.
Florian Bayer: Zombieland vielleicht. Das sind Sachen, die ich nicht... Von wann ist das? Ja, in 2000er. Aber das ist doch auch nicht kultig, oder? Nicht so richtig, ne?
Johannes Franke: Empfehlung für dich, Manta Manta.
Florian Bayer: Naja, wenn du Bang Boom Bang und danach Kultfilm du willst, ist ziemlich klar, dass Manta Manta rausgeworfen wird.
Johannes Franke: Also, was ist mit täglich größtes Murmeltier? Ja, aber der ist... Ja. Hat auch diesen... Also, allein hat auch diesen Wiederguck-Charakter und sowas. Ja, genau. Aber der ist alt. Der ist alt, ja. Der ist 40 Jahre alt. 40? Echt so? Och du Scheiße. Wie alt bin ich? Ah. Okay. Ja, dann fällt ganz viel raus. Herr der Ringe? Ist Herr der Ringe sofort ein Klassiker geworden, als er rausgekommen ist? Ist das ein Klassiker noch, oder ist der so auf dem Weg zum Klassiker?
Florian Bayer: Ich glaube, Herr der Ringe ist schon ein Klassiker. Und Herr der Ringe ist... Der war auch ein instant Erfolg, ne? Ja.
Johannes Franke: Aber er ist nicht... Ist er Kult? Aber er ist kein Kultfilm geworden, nein. Obwohl er den... Also, wer wollte sicherlich, dass es ein Kultfilm wird. Und ich hatte, glaube ich, als ich in den zweiten Teil reingegangen bin, hatte ich zumindest einen Umhang an. Oh.
Florian Bayer: Wahnsinn.
Johannes Franke: Sehr schön. Also, ein bisschen verkleidet muss es schon sein.
Florian Bayer: Kult tatsächlich aus den letzten Jahren würde mir eher sowas wie Serien einfallen.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Und das Problem ist allerdings, das sind alle Serien, die ihren Kult daraus speisen, dass sie auf andere Kulte referieren. Stranger Things. Stimmt. Einfach durch diese 80er-Nostalgie, die da mit drinsteckt. Und Cobra Kai, was jetzt gerade die aktuelle, die vierte Staffel rausgebracht hat, was aber halt auf diesen Karate-Kit-Kult referiert.
Johannes Franke: Oh, das ist eine ganz schön Nostalgie-Gewichse, so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, total. Aber damit schafft man Kult, ne?
Johannes Franke: Aber ist das dann schon Kult?
Florian Bayer: Ist das...
Johannes Franke: Oder es ist einfach sagen, dass nur ganz viele Leute ganz, ganz häufig, bis es zur Wahrheit wird. Ja, das ist ja der Versuch von den Färbetreisen schon. Wir reden ja auch viel zu wenig über Bang, Bum, Bang. Wie kann das sein, dass sie ablenkt?
Florian Bayer: Lass uns mal zum Film zurückkommen. Wir waren ja bei den Charakteren, bevor Johannes ganz lange über Kult reden wollte. Und wir haben jetzt Kalle und Keek und Andi durch. Und dann kommen wir zur einzigen Frauenrolle des Films. Nämlich zu Melanie, gespielt von Alexandra Meldes.
Johannes Franke: Es gibt noch Manuela, Entschuldigung, das ist Manuela Eraser. Über den wissen wir gar nichts. Sie hat gerne Sex. Sie hat gerne Sex? Ja, toll. Ja. Genau. Und sie ist am Ende reich. Und sie ist mit Kalle, da läuft was mit dem. Ach so. Sie ist ja die Freundin von Kalle.
Florian Bayer: Sie hat ganz schreckliche Haare.
Johannes Franke: Ganz schöne Haare hat sie. Sie hat schon tolle Fingernägel.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Harte Brüste.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist mir nicht aufgefallen. Aber tatsächlich, wir wissen mehr über sie als über Melanie, über die von Alexandra Nädel gespielt wird. Die einfach nur die ist, die halt, die genervt ist von ihrem Job, den sie hat.
Johannes Franke: Sie darf halt maximal Augen rollen und ein kleines Comeback hat sie auch mit einem Satz oder sowas. Aber mehr hat sie nicht. Sie darf gut aussehen. Das finde ich wirklich, wirklich blöd. Ja, ich meine, sie wird jetzt nicht ganz so abgeleckt von der Kamera wie irgendwie so Megan Fox oder so. Und sie kann halt, also das ist schon, natürlich ist sie, das ist kein feministischer Film. Ich entschuldige mich bei all meinen feministischen Freunden und Bekannten. Ähm, also sie, ja, da ist nicht viel. Das muss man ganz sicher, auch die Frisuren und so, die kleinen Pigtails, das ist schon Ja, diese neonfarbenen Dinger, die sie dann haben. Das waren noch die 90er, so ein bisschen.
Florian Bayer: Das ist halt so ein Podmädchen mit, ähm, 60, 90, 60, 90.
Johannes Franke: Okay, wie wir alle aus dem Pod 90, 60, 90 haben. Ich möchte auch meine Figur ein bisschen in der Ambiguität hier. Aber so ein bisschen girly, ich würde sagen, das ist ein bisschen das klassische Girly. Also so ein bisschen diese Heike Makatsch oder wie die da damals hießen.
Florian Bayer: Aber dafür hat sie zu wenig, zu wenig selbstbewusste Auftritte, wo sie so, wo sie den Typen in die Eier treten darf.
Johannes Franke: Ja, aber sie darf ja auch Typen süß finden. Das ist ja auch, also, das ist, natürlich ist es ein bisschen dünn, aber sie lässt den Typen hinterher sitzen. Das ist sehr dünn. Sie darf Typen süß finden. Was ist das für eine Kategorisierung für jemanden in einem Film? Wollen wir noch mal gucken, ob dieser Film vielleicht diese, diesen Bechtel-Test oder wie der heißt. Nein. Wahrscheinlich nicht. Also ich finde sie jetzt, da ist es wirklich dünn, was Frauenrollen angeht. Aber ich finde es noch so halbwegs, also da muss ich jetzt überlegen, wie ich den Satz beende. Ich finde, dass der Film sich durchaus ein bisschen bewusst ist, sagen müssen, er ist sich ein bisschen bewusst, was er mit Alexandra Nell tut. Ja, aber es tut ihm nicht leid. Nein, es tut ihm nicht leid. Ich habe nur die Filme danach nicht gesehen. Ich habe keine Ahnung, ob er das irgendwann besser gemacht hat. Haben die anderen Filme irgendwie Frauenrollen, wo man sagt, okay, die unterhalten sich mal über was anderes als einen anderen Typen? Oh, das ist ein Bechtel-Test-Guy hier. Die Feministen plötzlich hier. Jetzt sitzen sie hier plötzlich. Sonst haben wir nur ewige Filme. Nur von Männern für Männer. Und jetzt, wenn die Frau vorbeikommt und ein Film mitbringt, ja, ist der denn feministisch genug?
Florian Bayer: Wir haben den männlichsten Film, den wir bisher in unserem Podcast hatten. Der kommt jetzt von dir. Das ist der männlichste Film, den wir je hatten. Und es geht auch, glaube ich, nicht viel männlicher. Nein.
Johannes Franke: Habt ihr Fast and Furious? Sowas müsst ihr vielleicht machen.
Florian Bayer: Oh Gott, nein. Ja, nein.
Johannes Franke: Okay, ich will euch nicht auf andere Filme bringen. Wir müssen weiter bei Bang, Bang, Bang reden.
Florian Bayer: Kommen wir zu unseren großen Antagonisten des Films. Das ist zum einen Werner Kampmann, der Autohausbesitzer. und sein Sohn Mark Kampmann, die in einer Reihe von wenigst sympathischen Figuren es noch mal schaffen, noch unsympathischer zu sein. Das muss man auch erst mal hinkriegen.
Johannes Franke: Das stimmt. Aber ganz, also gleichzeitig auch so toll. Ja, man liebt es, sie zu hassen. Also vor allem hier Dieter Krebs als Werner Kampmann. Ich weiß gar nicht, hat der vorher auch mal so einen Unsympathen gespielt? Ist der so? Ja, doch, doch. Den kann man da als so. Der hat natürlich ganz lange diese Sketch-Sachen gemacht. Das heißt, der hat in Sketchen ganz oft so einen Ekel gespielt. Aber natürlich so lang, weiß ich nicht genau. Also Dieter Krebs kann das auf jeden Fall unsympathischer Rollen spielen.
Florian Bayer: Und das lässt er in diesem Film voll durchhängen. Vor allem, weil er halt auch eine Rolle ist, die so ein bisschen außerhalb steht von diesem ganzen Pottding, weil er der reiche Unternehmer ist. Er ist auch ein Asi, aber halt auf irgendwie eine andere Art Asi.
Johannes Franke: Aber wie reich, weiß man auch nicht. Es scheint auch mehr so Silberkettchen reich, nicht Goldkettchen. Genau. Also das ist jetzt nicht wirklich... Nee, auch eher so nach außen hin reich. Ja, ja, genau. So mit diesem Habitusbürgertum. Sonst hätte er es auch nicht nötig, diese Versicherung zu bescheißen, oder? Also wer macht das, wenn er wirklich reich ist? Ich fand ihn unsympathisch.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich echt nicht so schön fand, es hat der Humor gefehlt in seiner Interaktion mit dem Sohn. Weil es war so, sie wollen Witze draus nehmen, dass sein Sohn Stroh dumm ist, der von Christian Karmann gespielt wird. Und dass er die ganze Zeit darauf hinweist. Aber es war irgendwann wirklich nur noch anstrengend zu sehen, wie wir hier so ein krass toxisches Vater-Sohn-Verhältnis haben. Also es war einfach, es war nicht witzig.
Johannes Franke: Ich fand den Sohn tatsächlich auch beinahe überflüssig. Ich weiß nicht, was der gemacht hat. Warum war der überhaupt da? Genau, warum war der überhaupt da? Das war so ein bisschen die einzige Rolle, ich konnte ihn auch kaum auseinanderhalten von dem Schönling, muss ich sagen, so optisch. Das waren beides so sehr ähnliche Typen irgendwie. Also das ist auch, der hätte ihn jetzt gar nicht gebraucht, den Sohn. Sorry, wie hieß der, der jetzt gespielt hat? Christian Karmann. Christian Karmann. Ich hoffe, dass du eine tolle Karriere gehabt hast, danach. Aber in dem Film bist du jetzt nicht großartig.
Florian Bayer: Der hat viel gedreht und ich kenne ihn tatsächlich vor allem, wenn ich jetzt nichts falsch sage, aus der Serie Und Tschüss, die wirklich auch mal so eine Assi-Serie war. Die lief auf RTL so Mitte der 90er und ich weiß gar nicht, worum es ging. Es ging, glaube ich, einfach um ein paar Typen, die Autofreunde sind und mit ihren Autos...
Johannes Franke: Deutsche Fast & Furious quasi. Oder so ein bisschen Manta-Manta angehangen.
Florian Bayer: Ja, eher so Manta-Manta mit Benno Führmann. Ach, oh Gott. Und sie waren da halt auch so die Prolls und Assis, die irgendwie, die rumgefahren sind und es war eigentlich eine Soap für Männer. Also, und es hatte auch keinen richtigen Fokus. Aber daher kenne ich ihn und ich finde ihn auch gar nicht so schlecht als Schauspieler.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er spielt halt das, was er in der Rolle spielen darf, macht er auch so, okay.
Johannes Franke: Ja, da konnten wir halt auch nicht viel machen in der Rolle. Das stimmt.
Florian Bayer: Das ist ein bisschen der Igor, der in der Ecke steht. Und der halt ständig fertig gemacht wird. Und es war irgendwie... Also, ich mag eigentlich diese Dynamik, also so klassische Laurel-and-Hardy-Dynamik, wenn du jemanden hast, der sich für klug hält und jemand, der sich nicht für klug hält und der sich für klug hält, macht den noch Dümmeren die ganze Zeit fertig. Und der noch Dümmerer ist eigentlich gar nicht der Dumme, sondern eigentlich ein bisschen schlauer sogar manchmal. Aber es hat in diesem Film keinen einzigen Moment gegeben, wo das Humor erzeugt hätte, weil es einfach nur abusive und unangenehm war.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Vielleicht sind es auch die 90er und wir wissen es nur nicht mehr, dass das mal lustig war.
Florian Bayer: Vielleicht. Keine Ahnung. Und dann aber tatsächlich den heimlichen Star des Films, Schlucke, von Martin Semmelrocke gespielt hat.
Johannes Franke: Was für ein Bürstchen, oder? Also, ich finde, Martin Semmelrocke hat sowieso in seinem Leben tolle Rollen gespielt, aber das ist schon wirklich ein Highlight auch. Ja, finde ich auch. Finde ich schon toll. Und er sieht so geil aus in diesem Film und spielt auch so geil diese Rolle. Ja, so ein bisschen leicht Alkoholiker, klein, hutzelig immer, der macht sich noch kleiner und so und auch die Wohnung von ihm und alles ist ganz großartig auch von ihm gespielt. Diesen kleinen Helfer, der sich da irgendwie verarschen lässt. Er soll ja einbrechen dann, der Kampmann. Wie er so vor sich hinstammelt. Das ist unglaublich. Einer der heimlichen Stars mit dem schlimmsten Schicksal. Ja. Der dann, ja, leider von Ratte hopsen, nee, gar nicht mehr, er erstickt, ja.
Florian Bayer: Ja, am Schlüssel. Am Schlüssel. Am Schlüssel. Genau, Ratte haben wir da noch und dann so eine ganze illustre Schar an Nebenfiguren. Unter anderem Till Schweiger als Braun.
Johannes Franke: Der ganz kurz ja nur einmal vorkommt.
Florian Bayer: Aber er geht dann in die Fresse.
Johannes Franke: Also, wenn man sehen möchte, wie Till Schweiger in die Fresse bekommt. Es ist so zufriedenstellend. Till Schweiger möglichst kurz und möglichst brutal in die Fresse gekriegt. Mit der schlimmsten Frisur, oder? Ein Film, der nicht spart an schlimmen Frisuren, muss man sagen.
Florian Bayer: Aber auch eine wandelnde Appropriation irgendwie. Und tatsächlich fand ich, das war die witzigste Szene des Films, wenn diese Figur eingeführt wird. Weil die Kamera fährt von so hinten drauf. Wir sehen diese schwarzen Rasters und auf dem Trikotsteg groß Braun. Und dann dreht er sich rum und dann gucken wir in das milchige Kartoffelgesicht von Till Schweiger. Deswegen diese Appropriation, die du gerade gesagt hast, geschenkt. Weil es ist wirklich witzig und wirklich pointiert, dieser Moment, wenn er sich dann rumdreht. Und dann haben wir dieses milchigste Gesicht, das man überhaupt haben kann. Und das war eine super Szene. Das war tatsächlich die einzige Szene, in der ich wirklich gelacht habe. Ausgerechnet als Till Schweiger sich Richtung Kamera umdreht.
Johannes Franke: Also meine Lieblingsszene. Shari, du musst dann auch gleich mal noch sagen, was deine Lieblingsszene ist. Jetzt kannst du schon mal überlegen. Meine Lieblingsszene ist tatsächlich, wie sie den Safe da rauszerren und über die Fahrbahn zerren. Und der eine Spur hinterlässt, genau vor die Tankstelle von dem Typen, der ihnen dann helfen soll. Und der ihm das dann auch schön um die Ohren haut, was sie da gerade gemacht haben. Ich finde es super. Ja, ich glaube, der kommt dann zu Willi Tomczyk.
Florian Bayer: Ja, genau. Willi Tomczyk, genau.
Johannes Franke: Der sich auch so wunderbar darüber aufregt. Er ist auch sehr, sehr rohgebiznah und Schleifstuhlspur vom Kampmann bis bei mir vor der Zapfsäule. Sehr, sehr großartig. Ja, wuh, was ist meine? Ich weiß nicht, ich finde, der ist voll an guten Sprüchen, an kleinen. Also die Szene mit dem Safe ist natürlich so ein bisschen das Highlight. Wie die den da raus aus dem Fenster, da quasi die ganze Wand mitnehmen und dann losschleifen. Ich mag auch diesen Frankie und alles mit Kalle Gabowski, finde ich großartig. Wenn er auftaucht, die erste Szene allein schon wieder so minutenlang über dieses Auto redet und dann aus dem Off so kommt. Ja, aber die Farbe fährt man ja irgendwie auch nicht mehr, aber die Farbe ist auch scheiße. Oder irgendwie sowas von diesem kleinen Typen und er dreht direkt durch. Oder als sich Kalle Gabowski den Porno anguckt und auch sagt, den Porno ist die ganze Zeit, um das Gesicht von Frankie zu sehen.
Florian Bayer: Frankie, jetzt redet ich diesen wirklich gelungenen Porno. Wenn ich mir die ganze Zeit denke, ja, nein, nein.
Johannes Franke: Du hast das Konzept Porno nicht verstanden. Überhaupt, dass dieser Chef seinem Mitarbeiter diesen Porno in die Hand drückt. Nee, nicht sein Mitarbeiter, sondern seinem Kunden. Hier habe ich gedreht, schau dir mal an, wie ich jetzt die Frau pimper. 90 Minuten Hardcore, echte Gefühle. Das ist auch ein Satz, der mittlerweile an diversen Orten auftaucht. Tolles, schönes, schönes Szenen.
Florian Bayer: Wir haben jetzt tatsächlich gar nicht viel über die Story geredet, was aber auch tatsächlich schwierig ist, weil die Story ist wirklich nicht so wichtig. Die Story ist halt so typisch, wie sie Guy Ritchie oder Tarantino auch machen können. Das ist so ein bisschen Verwechslung, ein bisschen so ein McGuffin, dem hinterhergejagt wird, wo wir allerdings wissen, dass es einfach sich um Geld handelt. Und ja, genau.
Johannes Franke: Alle wollen irgendwas, jeder verarscht jeden. Das wird ja irgendwie auch gesagt so ein bisschen im Film. So, die haben uns verarscht, wir verarschen die. Ähm, also eigentlich wirklich ein bisschen egal.
Florian Bayer: Es gibt tatsächlich einen Bodycount, also zwei Leute sterben, ne? Der, ähm, zum einen, der sich am Schlüssel verschluckt.
Johannes Franke: Ja, Schlucke und Frankie wird überfahren.
Florian Bayer: Und zwar wirklich in einem brutalen Zehmer, wo er rausrennt. Und, ähm, Kalle sieht ihn dann und ist halt sauer auf ihn, weil er mit seiner Frau gepoppt hat. Und, äh, hab ich gerade gepoppt gesagt.
Johannes Franke: Du kommst auch langsam rein. Ja, ne? Du kommst rein, wenn jemand in den Film guckt, ist so...
Florian Bayer: Zurück in die Jugend. Und er fährt dann einmal über ihn drüber und dann steigt, äh, der total neben der Spur, ähm, kegt zu ihm ein und dann fährt er nochmal über ihn drüber. Ja. Genau.
Johannes Franke: Ich hab's dem Film nicht geglaubt am Anfang. Ich hab echt gedacht, das, das kann jetzt nicht wirklich wahr sein. Weil der Film eigentlich nicht so aufgebaut ist, dass der einfach mal jemanden... Dass er dann wirklich stirbt, so einfach. Ja, einfach wirklich stirbt.
Florian Bayer: Das fand ich schon ein bisschen crazy. Und das sind diese Tarantino-Momente, die mich halt immer wieder auch rausgerissen haben, wo einfach, das war halt so, auch wieder so eine Tarantino-Szene einfach. Ich überfahre jemanden von vorne, ich über, äh, von hinten und dann überfahre ich ihn nochmal von vorne. Ja, wenn ich weiterfahren muss. Und das ist auch, ja, wie gesagt, das ist das, was ich mit der Story auch die ganze Zeit habe. Ich hab einfach zu viel diese Vorbilder gesehen. Es war zu viel die Vorbilder zusammengesetzt. So witzig die Charaktere teilweise waren. So anstrengend war das immer halt wieder diese Momente zu sehen, wo man sich daran erinnert, fühlt, ah ja, ja, da hat jemand Tarantino und Guy Ritchie studiert und macht das jetzt in Deutsch. Und Pott.
Johannes Franke: Ich akzeptiere das. Ich finde, das ist, man kann sich an Leuten orientieren, man kann das gut finden. Und ich finde es absurd, dass er sich an Tarantino orientiert, weil es halt wirklich nichts von dem Glamour hat. Es ist ein Unna gedreht da irgendwo in so einer Straße, die auch nichts von irgendwas hat. Und das Setting macht es dann irgendwie aus. Und ich so genau gucke mir Filme, Ausschnitte, keine Ahnung, Perspektiven hier an. Also natürlich erkenne ich dann, wenn diese Kofferraum-Szene und so. Die wird übrigens dann nochmal im zweiten Film, es gibt ja diese Szene, wo sie im Kofferraum, der Kofferraum geht auf, da liegt der tote Schluckel drin, die machen den Kofferraum wieder zu. Und es gibt im zweiten Film eine Szene im Baumarkt und da sieht man im Hintergrund diese Szene, was auch so ein bisschen so ein kleines Tarantino-Ding ist.
Florian Bayer: Ah, das ist nett. Ah, das ist eine coole Idee.
Johannes Franke: Was auch so ein Tarantino-Ding ja auch wieder ist, dass es so Bezüge gibt von verschiedenen Filmen oder so. Aber das ist irgendwie ein kleines Easter Egg, was nicht passt, wird passend gemacht, ist das, glaube ich.
Florian Bayer: Du hast gesagt, die Charaktere von diesem Film laufen teilweise in den anderen Filmen auch rum?
Johannes Franke: Ja, oder so die, ich weiß nicht, ob einzelne Charaktere tatsächlich wieder so groß auftauchen, das nicht. Aber ich weiß, dass in allen drei Filmen Ingen Grabowski auftaucht, irgendwie der Wodaf und die ersten dann irgendwie alle. Kalle, Gahl, ich weiß nicht, wie die genau heißen, aber Ingen Grabowski taucht immer auf, zum Beispiel.
Florian Bayer: Reicht es für so ein Shared Universe? Ist es quasi der Vorläufer vom MCU?
Johannes Franke: Vielleicht ist es das, was wir diesem Film, was wir zu verdanken haben, das MCU. Es ist das Una-Universe. Ich finde es bemerkenswert, dass der Regisseur, also die Produktion, weil sie den Regisseuren kannten, schon von Anfang an Nachdrehtage eingeplant haben. Weil sie wussten, dem fällt dann im Schnitt irgendwas ein. Das wäre doch jetzt noch lustig. Komm, wir drehen das nochmal. Wir holen alle nochmal zusammen und dann drehen wir das. Das ist doch irgendwie eine süße Art, so einen Film zu drehen. Ja, aber es hat ein bisschen was von, weiß ich nicht, ein Lego-Haus zusammenbauen und dann in der Nacht feststellen, ach, wie wäre es hier, könnte ich, dann mache ich doch lieber noch eine Garage dran, als dass es das Schloss wird. Also man muss den Film, glaube ich, auch einfach ansehen oder einfach akzeptieren, dass das ist halt jetzt kein Millionen-Euro-Produkt oder so. Das hat fünf Millionen Euro gekostet. Fünf Millionen? Wenn ich mich richtig erinnere, wo kriegen wir das Budget her? Die haben es jetzt alle selber eingesteckt, das würde ich dem Film zutrauen. Es gab ja auch, Kalle Grabowski, also Ralf Richter, hat danach ja ein, also nachdem diese drei Filme durch waren, so ein Crowdfunding-Ding gestartet, weil er einen eigenen Grabowski-Film machen wollte. Weil er meinte, das ist der beliebteste Charakter und ich und mein Sohn wollen jetzt einen Film machen über Grabowski und das machen wir Crowdfunding-mäßig. Was schon ein bisschen schwierig ist, so ein Film Crowdfunding-mäßig, wenn man Ralf Richter ist.
Florian Bayer: Tatsächlich sind ja die Söhne von Martin Semmelrock und von Ralf Richter, sind für den Film zu sehen, als irgendwelche auf der Straße rumhängende Kids, die ein Auto kaputt treten irgendwann mal. Genau, Martin Semmelrock und Ralf Richter haben ähnlich wie Til Schweiger Familienhilfe geleistet.
Johannes Franke: Ja, also es war, glaube ich, eh auch so, dass die, sie haben das irgendwie selbst gecastet und Leute reingeholt, mit denen sie vorher zusammengearbeitet haben in irgendwelchen Kurzfilmen und so. Das war alles schon so ein bisschen kleiner eigentlich oder so ein bisschen, du hast bei dem Umsonstfilm, diesen Kurzfilm und sowas mitgemacht, jetzt kriegst du mal ein bisschen Geld. Ja, was ja eine ehrenwerte Sache ist, was ja wirklich gut ist. Das ist das Rohgebiet.
Florian Bayer: Und es war tatsächlich, es war das Langfilm-Debüt von Peter Thorwart, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also das hat irgendwie, der hat davor nicht viel gemacht, halt einen Kurzfilm, was nicht passt, wird passend gemacht als Kurzfilm, der übrigens noch mit SZ geschrieben wird, weil er von 1997 ist, während der Kinofilm von 2002 da mit SS geschrieben wird.
Johannes Franke: Das sind die Fakten, weswegen eure Zuhörer euch abonniert haben.
Florian Bayer: Und dann hat er Musikvideos gedreht, also für HBlocks, die ja auch irgendwie in dem Film vorkommen.
Johannes Franke: Ja, die haben den Soundtrack gemacht. HBlock ist eine seltsame Band.
Florian Bayer: Die passen so in diesen Film rein. Ich finde, HBlocks sind für diesen Film genau, also das ist genau die Musik, die in diesem Film laufen muss. So deutscher Crossover aus den 90ern.
Johannes Franke: Die sind so ein bisschen so uncool, beinahe ich anwesend. Ja, total, natürlich.
Florian Bayer: Rising higher, rising higher. Oh Mann.
Johannes Franke: Also selbst im Ruhrgebiet fand man die immer nur so halbgut. Also die waren halt immer auf diesen ganzen Umsonstfestivals und so. Ja. Aber das war immer ein bisschen komisch, diese Band dazu. Auf jeden Fall wollte ich es noch erzählen, bevor mich die Männer unterbrochen haben. Ja. Ratz Richter hatte dieses Crowdfunding-Projekt. Ja. Und das geht bis heute quasi. Das war so einmal im Jahr oder alle drei Jahre kommt dann so, ja, ja, den Film gibt es noch, der kommt noch. Und dann haben wir 100.000 Euro eingesammelt. Nein. Und es gibt so einen sehr, sehr schlechten Trailer. Oh Gott. Und ansonsten wird das wohl niemals passieren. Das ist irgendwie auch schon 15, 20 Jahre her oder so. Oh Gott. Und deswegen glaube ich, man weiß nicht, wie weit das auseinander ist. Kalle Grabowski und Ralf Richter. Was so irgendwelche Screams angeht. Oh Mann. Müsste man ihn mal fragen. Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden hat den Film mit dem Prädikat wertvoll ausgezeichnet. Wie gerechtfertigt sind wir das? Also ich finde es natürlich sehr gerechtfertigt. Was ist denn im Film wertvoll? Also wirklich wertvoll? Ich glaube erst mal, weil es tatsächlich einfach ein Ruhrgebietsfilm ist, weil es wieder so die Filme ins Ruhrgebiet gebracht hat und auch den Leuten so gesagt hat, dass das, also über das Ruhrgebiet wurde ja immer viel gelacht. Das waren immer die Assis, wie auch in diesem Film. Und das haben, glaube ich, Leute im Ruhrgebiet ein bisschen dann auch mit so einer Art Scham behaftet. Aber wenn du dann, wenn das gefeiert wird und wenn das heißt so, ja, die Assis hier, dann gibt das den Leuten ein neues Selbstbewusstsein. Und ich finde, dass solche Filme, also Ruhrgebietsfilme, so ein bisschen dazu beitragen, dass man sich nicht versteckt, dass man aus den nicht so schönen Ecken kommt, sondern dass man eben sagt, so ja, wir sind halt so, ihr scheiß Berliner oder wie auch immer, könnt euren Latte Maggiato trinken. Wir machen hier Muckefuck und gut ist. Das heißt, das Ruhrgebiet hat das Genre Assis-Komödie erfunden? Nein, das glaube ich nicht. Da gab es ja auch schon, ich weiß gar nicht, wann so die Flodders oder sowas war.
Florian Bayer: Das war, glaube ich, auch die Zeit. Das war auch so die Zeit. Auch so 90er, ne? Dieser Prollkult aus den Niederlanden, da gab es ja auch die, das war ein bisschen später, diese, du kannst mir bestimmt sagen, wie die heißen. New Kids. Genau, die.
Johannes Franke: Ja, stimmt, die waren später, ja. Flodders war 86.
Florian Bayer: Oh, aber die hatten auch ein paar Filme und eine Serie noch, ne?
Johannes Franke: Ja, kann sein, dass das erst die Serie, ich weiß es nicht mehr genau.
Florian Bayer: Genau. Fun Fact, die Filmbewertungsstelle Wiesbaden hat den Film Rambo 3 mit wertvoll ausgezeichnet.
Johannes Franke: Habt ihr ihn gesehen? Okay, also auf die Filmbewertungsstelle Wiesbaden können wir keinen Pfennig geben. Moment mal, seid ihr immer solche Leute, die grundsätzlich Filme, in denen es mehr um Action oder um einfache Freuden geht?
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht. Ich hab Johannes Kommando gezeigt. Er war tatsächlich nicht sehr begeistert davon. Ich war nicht zufrieden. Mit Arnold Schwarzenegger aus den 80ern. Ich kann solchen Filmen total viel abgewinnen. Ja, ich bin der einzige Snob hier. Okay. Tut mir sehr leid, aber so bin ich. Ich finde, es muss auch manchmal ein bisschen Testosteron sein und all dieses ganze Maturistische und dieses Alberne und Dreckige, das finde ich tatsächlich alles ganz witzig an dem Film. Also es ist jetzt nicht, dass ich sagen würde, oh, ich muss mir unbedingt die anderen beiden Filme der UNR-Trilogie auch noch angucken. Aber ich glaube, ich habe so einen leichten Softspot für sowas, einfach weil es so weit weg ist von dem, was ich sonst bin. Und weil es wirklich gut tut, auch mal sowas zu gucken, aber das hilft halt nicht dabei zu sagen, dass das ein guter Film war, sondern einfach, ah ja, okay. Läuft dieser Film unter Guilty Pleasure?
Johannes Franke: Naja, bei mir ist er ja offensichtlich Pleasure einfach nur. Das ist ja kein Guilty Pleasure bei mir.
Florian Bayer: Okay. Wenn ich ihn gut gefunden hätte, wäre es wahrscheinlich ein Guilty Pleasure. Weiß ich aber auch nicht so genau. Ich meine, er wird ja abgefeiert und ich kann auch verstehen, dass er abgefeiert wird. Denn offensichtlich gibt es ja auch im Feuilleton sehr viele Menschen, die einen Softspot für diesen Film haben. Also es ist ja tatsächlich so, der wurde nicht komplett verrissen vom Feuilleton. Es gab einige wohlwollende Stimmen, auch aus so Zeit und Alpha Z und so. Was natürlich auch irgendwie so, wo man weiß, das sind auch die, die dann hin und wieder mal so ein Bushido-Album abfeiern.
Johannes Franke: Ja, ja, genau, genau. Um zu sagen, dass es ein Blick in ein anderer wird. Ey, wir sind noch mit den Leuten so, genau, mit unseren ... Aber würdest du sagen, dass es ein Film ist, den man sehen muss? Also ist das sozusagen in unserem Kosmos, den hier auch kommt? Oder sollen wir diese Episode jetzt direkt wieder löschen? Also ich würde sagen, ja, deswegen habe ich ihn mitgebracht. Vor allem, weil er euch eben eine neue Welt eröffnet. Ah, der Horizonterweiterung, die wir auch immer versuchen. Und vielleicht Einblicke in natürlich eine überzogene Kultur gibt. Oder ein Milieu zeigt, das euch vielleicht vorher nicht so bekannt war.
Florian Bayer: Das ist dem Film definitiv gelungen. Also ich bin tatsächlich froh, dass ich diesen Film gesehen habe, weil es tatsächlich auch nochmal so einen spezifischen Assi-Stolz in diesem Film gibt, den ich irgendwie cool finde und den ich total respektieren kann. Also man merkt ja auch, dass da mit Liebe rangegangen wurde. Ich kaufe, jeder, der an diesem Film beteiligt war, hatte voll Bock auf den Film und hatte voll Spaß an dem Film. Allen voran der Regisseur Peter Thorwart. Und allein das macht ihn schon total sympathisch. Unabhängig davon, ob ich ihn jetzt besonders gut fand. Ob man den Film gucken muss? Ich glaube, den muss man nicht gucken, aber man kann ihn gucken.
Johannes Franke: Wenn man so generell nach dem, was wir erzählt haben und alles schon gespoilert haben, merkt, dass man das ertragen würde und dass man daran Spaß haben würde. Wenn man New Kids geguckt hat, wenn man Flodders was abgewinnen konnte. Tja, was sind denn noch so Sachen, die... Weiß nicht. Ich glaube, man muss nicht unbedingt diesen Film gucken, aber man muss zumindest einen Vertreter dieses Assi-Comedian-Genres einmal ernsthaft geguckt. Also nicht ernsthaft geguckt, aber so geguckt haben, dass man rausfindet... Okay, die Asis, das sind sie also. Dass man irgendwie versteht, was das Genre will, weißt du?
Florian Bayer: Ich glaube, es ist auch wirklich ein Stück deutsches Kulturgut, weil man sagen kann, okay, wenn du wissen willst, was der Pott mit Stolz ins Kino gebracht hat, dann ist es dieser Film. Weil nachher, wenn wir zu unseren Top-Listen kommen, werde ich nochmal auf den Pott zurückkommen. Es gibt, wie du schon gesagt hast, diese verschämten Pott-Filme, wo sich der Pott für sich selbst schämt. Und das ist ein Film, der halt wirklich einmal mit Stolz diese Pott-Attitüde ins Kino bringt. Und zum Zweiten, glaube ich, ist es auch wirklich so ein Kulturgut, weil es uns zurückwirft in den 90er. Wie war das eigentlich damals, als alle versucht haben, diese coolen Filme zu machen? Das ist jetzt nicht der Schmeichelhaft für den Film. Diese coolen Tarantino-Filme zu machen und oh, die Deutschen haben das auch versucht. Wie war denn das? Dann ist der natürlich auch das Musterbeispiel dafür, neben Knocking on Heaven's Door vielleicht noch. Wie die Deutschen versucht haben, so ein cooles Gangster-Kino zu machen. Und dafür finde ich es auch interessant, ihn zu gucken. Also auch wirklich so als Stück Filmgeschichte tatsächlich.
Johannes Franke: Und so sehr in seiner Zeit. Also 99, allein die Szenen beim Flughafen, das denkt man sich, wie ist denn das heutzutage möglich? Was passiert denn da? Das kann ja gar nicht sein. Die haben eine Waffe dabei. 1,5 Meter Abstand. Keine Kontrollen, kein Garnix. Ach, die gute alte Zeit. Die 90er. Du hast ja einfach so mit einer Waffe im Flugzeug sich hinsetzen konnte und alles. Aber es geht schon früher los, wenn du oben sitzt in deiner Wohnung und dir unten fängt jemand an zu hupen mit dem Auto. Heute bist du einfach nur genervt, dass draußen Lärm ist. Früher hat man sich angesprochen gefühlt, weil man nicht mit dem Handy angerufen wurde.
Florian Bayer: Liebes jüngere Publikum, unser Protagonist K geht irgendwann in einer Szene in so einen merkwürdigen Raum, wo ganz viele Filmplakate stehen, die relativ klein sind. Das sind sogenannte Video- und DVD-Hüllen. Tatsächlich Video-Hüllen in dem Fall.
Johannes Franke: Das ist sowas wie Netflix, nur halt zum Hingehen.
Florian Bayer: Ja, besser kann man es nicht beschreiben.
Johannes Franke: Man muss da hingehen und sagen, okay, was gucke ich heute.
Florian Bayer: Man findet auch nie das, was man will.
Johannes Franke: Das stimmt wirklich.
Florian Bayer: Netflix ist voll der Assi. Wenn man einen Filmtitel eingibt bei Netflix von einem Film, den es nicht hat, dann sind die Suchergebnisse aber so, dass man genau weiß, Netflix weiß, welchen Film man will. Der Film ist in der Datenbank drin und sie schlagen dir ähnliche Filme vor. Ich weiß, was du willst, aber du kriegst es nicht von mir.
Johannes Franke: Warum wir denn dann in unsere Top 3 rein? Ja, warum nicht? Ich gehe nochmal kurz durch. Jingle. Jingle.
Florian Bayer: Unsere Top 3.
Johannes Franke: Okay, welche Top 3 haben wir denn? Shari, was wolltest du von uns für eine Top 3? Ja, das ist jetzt, ich muss jetzt selber nochmal gucken, weil ich hier alles aufgeschrieben habe. Ich habe gedacht, das ist ja ein Film, der ein gewisses Milieu abbildet und euch Einblicke vielleicht geben könnte in dieses Milieu. Und da dachte ich mir, was sind denn noch so weitere Filme, die einem vielleicht Einblicke geben in Milieus, die man vielleicht nicht so kennt, vielleicht kennt. Top 3 Milieufilme. Wer muss jetzt eigentlich anfangen? Ich muss mal ganz kurz selber erstmal meine Filme hier.
Florian Bayer: Ganz kurz, bevor wir zur Top 3 kommen, weil das hat mich gerade auf die Idee gebracht. Wenn man Bang, Boom, Bang bei Netflix eingibt, wo er nicht verfügbar ist, findet man als erstes Bube, Dame, König, Gras.
Johannes Franke: Absolut passt, ja. Das war später, oder?
Florian Bayer: Ne, das war früher.
Johannes Franke: Früher, ja.
Florian Bayer: Zweitens, nicht mein Tag, eine deutsche Komödie mit Ralf Richter. Ich glaube, das ist auch von dem Torwart, oder?
Johannes Franke: Das ist auch von Peter Torwart, kann das sein?
Florian Bayer: Moritz Bleibtreu, Axel Stein, Jasmin Gerhardt und Ralf Richter kommt offensichtlich auch vor und Ralf Richter steht natürlich nicht dran. Platz 3 Manta Manta, Platz 4 Lambock, Platz 5 New Kids Turbo.
Johannes Franke: Wir haben alle erwähnt, Bingo, Bingo, Bingo.
Florian Bayer: Platz 6, der letzte Lude.
Johannes Franke: Oh ja, okay, ja, ja.
Florian Bayer: Du kennst die Filme alle? Noto King Karl, der Hauptrolle. Oh nein. Oh wow. Okay, dann Stromberg, Ballermann 6.
Johannes Franke: Dann bin ich raus, Ballermann 6 bin ich raus, nicht meine Szene.
Florian Bayer: Aber Ballermann 6 ist Köln?
Johannes Franke: Ballermann 6 ist Ballermann, oder? Köln, ja gut, das ist mit hier Tom Gerhardt.
Florian Bayer: Tom Gerhardt ist Köln, oder? Weil das ist doch auch so. Ja, ich glaube ja, irgendwie sowas. Dann Fucking Berlin, Goodbye Lenin. Ja gut, okay, das ist schon weiter weg. Dann Bud Spencer.
Johannes Franke: Okay. Ja, so ein bisschen. Also wer Bud Spencer-Filme mag.
Florian Bayer: Guckt sich auch beim Bung, beim Bung an. Okay, und es gibt echt viele New Kids-Filme, stelle ich gerade fest. Und irgendwo dazwischen ein Film, der Duisburg heißt.
Johannes Franke: Den kenne ich tatsächlich auch nicht.
Florian Bayer: Okay. Der sieht auch eher aus, ein italienischer Krimi-Film.
Johannes Franke: Italienischer Krimi-Film? None|Ja.
Florian Bayer: Duisburg.
Johannes Franke: Okay. Okay.
Florian Bayer: Und es wird aber, dann wird es auch nicht besser, dann kommt sowas wie Der bewegte Mann, das wirklich so die Ausgeburt der schlechten Filme in den 90ern ist. Deutsch schlechte deutsche Filme.
Johannes Franke: Aber ich finde es auch schön, dass ich euch mal einen deutschen Film gezeigt habe. Ich weiß jetzt gar nicht, wie ihr so mit deutschen Filmen seid.
Florian Bayer: Wir haben nicht so viele deutsche Filme drin. Ich meine, das mag die deutschen Filme nie, die ich vorschlage. Es gibt doch keine guten...
Johannes Franke: Weil du Schlingen sie vorschlägst.
Florian Bayer: Ja, und warum läuft Herr Amok? Klassiker.
Johannes Franke: Und Kultfilme. Schlingen sie fürs in Kultfilme. Aber das ist alles... Ja, Kultfilme wäre halt schlecht. Und weil man sich dann das ganz ironisch angucken muss, damit man irgendwas davon hat. Oh.
Florian Bayer: Schlingen sie fürs nicht nur Kult, sondern auch Kultur.
Johannes Franke: Kult und Kultur. Es gibt einfach keine guten deutschen Schauspieler, nicht wahr, Johannes? Haut alle drauf an. Platz drei.
Florian Bayer: Okay, Platz drei. Flor, dein Platz drei. Mein Platz drei. Ich muss einmal kurz nochmal sortieren. Ich packe mal den Pott nach vorne. Und ich hatte ihn schon mal hier empfohlen, der Mann ohne Vergangenheit von Aki Kaurismäki, der die Geschichte erzählt von einem Mann, der einen Gedächtnisverlust hat und dann so vor Helsinki in so einer Obdachlosen-Siedlung strandet und sich da mit den Leuten anfreundet. Und der einfach ein wirklich cooler Blick auf das Milieu der Obdachlosen und Abgehängten in Finnland ist.
Johannes Franke: Das ist gutes, gute. Ja, das sind ernsthafte Milieu-Filme.
Florian Bayer: Ja, das ist eine tolle Tragikomödie mit viel Rock'n'Roll und ein bisschen Polka. Und das kann man sich angucken, sollte man sich angucken.
Johannes Franke: Karus Mäki ist anscheinend sowieso ein guter Adresser für Filme. Ja, fantastisch. Mein Platz drei wäre Dear White People, eine Serie auf Netflix. Sehr, sehr, sehr, sehr, sehr gute Serie über einfach das schwarze Milieu am College. Die dann erzählen, so, liebe Leute da draußen, es gibt auch eine Radiosendung, glaube ich. Über die Radiosendung wird das Ganze aufgebaut. Und sie erzählt dann immer so, Dear White People, ich erzähle euch jetzt mal, was das Problem ist. Und dann wird darüber dann, über die Geschichten dann alles erzählt. Und es ist wirklich, also tatsächlich für einen weißen deutschen Mann ist es educational irgendwie. Aber es ist auch sehr unterhaltsam. Also es ist jetzt sozusagen kein Unterrichtsstoff, sondern es ist halt einfach wirklich sehr unterhaltsam. Und man erkennt so ein paar Sachen und merkt dann, ah ja, okay, so, hm, habe ich das schon mal gemacht? Vielleicht hätte ich es nicht machen sollen. So ein bisschen in die Richtung. Ich habe mir tatsächlich mit meiner eigenen Liste, das habe ich mir mega schwer gemacht. Auch weil ich wenig Zeit dafür verbracht habe. Deswegen dachte ich, wenn ich unterteile das in drei verschiedene Milieus. Ja, okay. Und ich weiß jetzt nicht, ob der jetzt der beste Repräsentant für das Milieu ist. Aber ich wollte einmal ein bisschen in das etwas reichere. Und dann bin ich, da schwanke ich jetzt gerade, zwischen zu weinen. Aber ich nehme mal den einen, den ich tatsächlich auch gut fand. American Psycho. Oh, sehr cool. Yuppies, natürlich ein bisschen anders, literarische Vorlage und so. Aber ganz andere Welt, was andere Werte und irgendwie auch Kult.
Florian Bayer: Total, stimmt. Und es gibt diese tolle Szene, wo sie über die Visitenkarten reden. Und dann legt Kida so seine Visitenkarte vor und die sind alle weiß und haben schwarze Schrift.
Johannes Franke: Und dann macht der Hauptcharakter diese Rede, wie toll diese andere Visitenkarte ist. Und man sitzt zusammen, versteht gar nichts, weil alles gleich aussieht. Auch seine Morgenroutine, wie er sich das Gesicht wascht und welche Produkte er nutzt und so. Also komplett Banane. Gibt es auch noch ein paar andere Sachen in dem Film. Aber diese Szene, so 80er-Yuppies oder so. Weibliche Regisseurin im Übrigen.
Florian Bayer: Ah, Christian Bale als Killer, als Psychopathen-Yuppie.
Johannes Franke: Killer or is he? Ja.
Florian Bayer: Mein Platz zwei vom ganz Reichen ins ganz Arme Milieu. Kapernaum, Stadt der Hoffnung aus dem Jahr 2018, der die Geschichte eines Kindes erzählt, eines zwölfjährigen Kindes, das als syrischer Flüchtling in Beirut lebt, in den Beiruter Slums. Und sich da mit einer äthiopischen Frau anfreundet, die auch ebenfalls, die glaube ich, die illegal sogar da lebt in Beirut. Und sich dann um ihr Kind kümmert. Ein ganz toller Film, der die ganze Asylproblematik einmal auf den Tisch legt und Fluchtproblematik. Und an den Orten, an denen es halt einfach am krassesten ist. Weil es ist nicht in Europa am krassesten, sondern es ist in den Ländern, wo die meisten Leute hinfliehen. Und das ist Beirut. Also im Nahen Osten. Und ja, auf jeden Fall ein Problemfilm. Und ein sehr naturalistischer, dokumentarischer Film. Und harter Tobak. Aber richtig gut. Und auch so mit dem Stück Optimismus und Humanismus, den man braucht, um das ganze Elend ertragen zu können. Sehr sehenswert. 2018.
Johannes Franke: Klingt nach einem Template für die Filmförderanstalten in Deutschland. Aus dem Libanon. Das wird dann sofort finanziert. Wer wird krasse Filme kennen, das heißt. Hat er japanische Untertitel? Nee, sonst guck ich ihn nicht. Ich glaube, er ist auf Netflix, glaube ich.
Florian Bayer: Und er wurde sogar synchronisiert, wenn ich mich richtig erinnere.
Johannes Franke: Er klingt sehr anstrengend, aber auch sehr gut. Von Nadine Labaki, libanesische Regisseurin. Ach, krass. Okay. Ja, ich gehe von dem Armen wieder ins Reiche. Auch wieder eine Serie. Tut mir leid. The Crown. Oh, das ist ein Milieu. Ich finde, das ist ein ganz krasses Milieu. Was da so ein ganz einzigartiges Milieu des englischen Königshauses. Dass da erzählt wird, was so völlig an den meisten vorbeigeht, was wir sonst so kennen. Was wir so erleben. Wie unsere Lebensrealität ist. Es gibt zu wenig Serien über Königshäuser. Habe ich leider nicht gesehen. Ja, es ist halt... Natürlich gibt es dann solche Filme wie Sissy, die irgendwie das alles nur romantisieren und so. Aber es gibt eben auch The Crown. Und The Crown ist echt sehr gut. Darin zu balancieren zwischen, das ist ein Mensch, der hat ganz normale menschliche Probleme. Und diesem absurden Königshaus. Das ist wirklich gut. Okay. Und sehr, sehr gute Schauspieler.
Florian Bayer: Das habe ich schon mehrmals ans Herz gelegt. Ich glaube, wir müssen das wirklich mal gucken. Was mich jetzt auch noch total interessieren würde, es gibt eine Serie, die heißt Katharina. Und die handelt von Katharina der Großen. Oh. Und ihrem Mann, der irgendwie... Sie haben ein merkwürdiges Verhältnis. Es geht viel um Sex, glaube ich. Und um ihren Machtanspruch, wie sie es schafft, zur mächtigsten Frau Russlands zu werden. Und der Trailer sah fantastisch aus, was ich davon bis jetzt gesehen habe. Aber ich glaube, das war eine Apple-Plus-Serie.
Johannes Franke: Da ist doch auch Rasputin im Hintergrund irgendwo noch, oder? Nee. Ich weiß nicht genau. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich kriege leider die russischen Königshäuser nicht sortiert. Ist Katharina die Große Rasputin?
Johannes Franke: Na, die hatte was mit dem, glaube ich. Hatte nicht jeder was mit Rasputin? Ja, wahrscheinlich. Ra, Ra, Rasputin of the Queen. Moskau, Moskau. Okay, okay. Lassen wir uns unsere Unwissenheit einmal unter den Teppich gekehrt. Und dein Platz zwei. Da bin ich auch wieder... Meine Kategorie war dann wirklich auch wieder eher arm. Und da bin ich ins Ausland gegangen, bevor ich Flodas oder Newquets nehme. Und dachte, ich mache auch was Vernünftiges. Und da habe ich... Versuche ich jetzt den Titel auszusprechen. Hass, Le Hain, Hain, Hain. Französischer Film über die Bonlieues oder die Bonlieues in Frankreich. Also die kleinen Vorstädte quasi, die Großstädte. Und ich glaube, der ist eigentlich auch schon recht alt. Also der ist recht alt, 20 Jahre oder so. Keine Ahnung. Ende 90er, glaube ich auch. Nee, 95. 95, genau. Und behandelt einfach die... Naja, das Leben in diesen Bonlieues. Und die Probleme mit der Polizei, die es da gibt. Diese Spannung, die es da gibt. Und ist mit... Ich habe ihn mir aufgeschrieben. Vincent Cassel, den man von Popo und Flüsse kennt. Eigentlich total... Also richtig was Vernünftiges so. Und ich versuche seit 20 Jahren immer Französisch zu lernen. Mit so... Duolingo und sowas. Und dann ab und zu sage ich mir, okay, ich gucke mir jetzt mal Amelie auf Französisch an. Wie viel verstehe ich? Wenig, aber manchmal was. Dann habe ich mir den immer versucht. Also man versteht gar nichts. Weil es natürlich sehr slangig ist. Und sehr schön viel und so. Aber total interessant. Und ich glaube, das hat nichts von Aktualität verloren. Was auch so Polizeigewalt und sowas betrifft. Und auch mit... Wie Schwarze behandelt werden und so. Auch wieder nicht unbedingt große... Meine Top 3 haben nicht so viele gute Frauenfiguren.
Florian Bayer: Aber das ist ein total cooler Film, den du da gewählt hast. Den mag ich auch total. Und den habe ich auch auf meiner... Nicht in meiner Liste, aber in meinen Honorable Mentions. Super Film. Leute, dann bist du wieder drin. Mein Platz 1. Ich wollte was aus dem Pott. Und ich habe was aus dem Pott gefunden. Sehr schön.
Johannes Franke: Ist das etwa jetzt eine Konkurrenzveranstaltung hier?
Florian Bayer: Hättest du mir mal den hier gezeigt? Nordkurve aus dem Jahr 1993. Der Fußballfans zeigt, die bei einem fiktiven Verein Union Dortmund zum Spiel gehen. Und dieser Verein kämpft um den Klassenerhalt. Und die betrinken sich halt und gehen ins Stadion und prügeln sich mit anderen Fans. Und er zeigt einfach so einen Tag in diesem Fußballmilieu. Und zwar zum einen die Fans und zum anderen auch die Spieler und die Manager und Trainer, die so dahinter sind. Und es ist wirklich ein krasses Drama, das so die düsteren Seiten des Fußballgeschäfts und die dunklen Seiten des Pottes zeigt. Und glaube ich auch, nee, nicht Star besetzt, weil die waren damals alle noch keine Stars. Aber zum Beispiel mit Stefan Jürgens. Ach. Vor seiner Samstagnachtzeiten 1993. Oh, so alt. Wow. Und total krass der andere, den jeder kennt. Michael Kessler.
Johannes Franke: Oh, Michael Kessler.
Florian Bayer: Als Vergewaltiger. Ach du Scheiße. Und er war wirklich jung. Also er ist in dem Film, die Rolle, die er spielt, ist glaube ich 17 oder 18. Und wahrscheinlich war er auch nicht viel älter, als er das gespielt hat. Pete Glocker als betrunkener Fan. Was ist denn da los? Und es ist keine Komödie. Es ist ein absolut durchschenkrammer.
Johannes Franke: Nur Comedians machen mit, aber okay.
Florian Bayer: Die waren damals noch alle keine Comedians. Also das war glaube ich, alle bevor sie groß wurden.
Johannes Franke: Der Film hat dich dazu gebracht zu sagen, oh mein Gott, wir müssen unbedingt Komödie machen. Das hält ja keine Ahnung. Das war zu krass. Ich halte sie aus.
Florian Bayer: Total sehenswert und kann ich dir vor allem ans Herz legen, so als Pottfilm und als Gegenentwurf zu...
Johannes Franke: Danke, vielleicht lerne ich was im Ruhrgebiet und die Kultur dort.
Florian Bayer: Wahrscheinlich regst du dich voll drüber auf, wie die Leute dargestellt werden und wie der Pott dargestellt wird.
Johannes Franke: 93 war ich ja selber kaum auf der Welt. Oder war ich da, man weiß nicht. Aber ja, Fußball ist auch ein ganz großes Ding im Ruhrgebiet. Deswegen ist es ja ein gutes Ding, da mal einen Film drüber zu machen. Jetzt gibt es ja schon einen, okay. Gutes Ding, sich mal den Film dazu anzugucken, wenn er so gut ist. Danke, dass du auch einen Ruhrgebiet-Film noch genommen hast. Auch wenn ich das als Angriff auf meinen Bang-Bum-Bang verstehe. Tut mir leid. Ich wollte eigentlich auch einen Ruhrgebiet-Film reinnehmen, aber das habe ich nicht geschafft. Ich will mit meinem Platz 1 Diablo ein bisschen Honig ums Maul schmieren. Fahrraddiebe. Fahrraddiebe erst in den 40ern, 46, wie war das? Das muss ich auch nochmal nachschauen. 48. Es wandelt im Milieu, italienische Großstadt, ich glaube Rom, Milieu ärmerer Leute, die kaum um die Runden kommen. Der Typ braucht ein Fahrrad für seinen Job und das Fahrrad wird ihm irgendwann geklaut. Und er versucht es innerhalb des Milieus, weil alle im Grunde gleicharm sind und sich gegenseitig Sachen klauen, dieses Fahrrad wieder zu kriegen, damit er seinen Job behalten kann. Wie in jeder Großstadt eigentlich, man klaut sich gegenseitig Fahrräder weiter. Ja, ich fand den Film tatsächlich ganz gut, obwohl er so nach italienischer Neorealismus oder wie das Genre heißt, wie ich gelernt habe bei Plur, klang erstmal so, als ob ich den Film nicht mögen könnte. Aber ich mochte ihn tatsächlich. Ihr habt ihn hier besprochen auch, ne? Ja, genau. Es gibt eine Episode dazu, die ist auch gar nicht so alt. Hier verlinkt, in der Ecke.
Florian Bayer: Übrigens, genau, schaut in die Shownotes, da gibt es auch einen Link zu Charis Website, Instagram, was hast du anzubieten?
Johannes Franke: Ja, weiß ich auch nicht.
Florian Bayer: Alles, was sie hat an Internet.
Johannes Franke: Schreibt liebe Kommentare. YouTube-Kanal. Oder gehässige Kommentare, da müssen sie aber gut sein. Du weißt also, gehässige Kommentare sind im Internet nie gut, das gibt es einfach nicht. Schreibt gehässige Kommentare über die beiden anderen hier, dann würde ich erlauben auf meinem Internet-Kanal. Mein Nummer eins, ich gehe auch wieder zurück nach Deutschland, aber weg aus dem Ruhrgebiet und wollte eine andere Region nehmen und habe mich dann für den Osten entschieden. Schulze Gets the Blues. Ganz ruhiger, süßer, lieber Film, der von einem Bergarbeiter oder so handelt, der in den Vorruhrstand gesetzt wird und dann so nicht richtig viel zu tun hat. Also total langsam erzählt. Und er ist dann so ein bisschen in seinen Verein und er kümmert sich um seine Mutter und die Tapeten sehen alle furchtbar aus und so. Und entdeckt dann irgendwann den Blues. Und das kommt da bei ihm in, das ist glaube ich Sachsen-Anhalt, wo das spielt, auf jeden Fall irgendwie so die Region, kommt das gar nicht an. Und es ist auch ein ganz ruhiger, kleiner, süßer Film, sehr ruhig erzählt. Und ich fand ihn aber ganz, ganz liebevoll. Und zeigt wirklich die andere Seite sozusagen. Jetzt sind wir im Westen. Jetzt sind wir im Osten. Schön, ich bin dir sehr dankbar für diese Platz 1. Blor, ich habe dir den schon mal empfohlen. Du hast den immer noch nicht geguckt. Du kennst den auch, du hast den auch gesehen. Na klar. Ja, süß, oder? Toller Film. 2003 von Michael Schaar, der danach nicht mehr viel gemacht hat. Der fährt dann auch nach Amerika, um dann bloß irgendwie dort Original kennenzulernen. Genau. Und das ist ganz toll gemacht. Und da gibt es auch noch witzige, kleine Szenenchen. Also so ein ganz leiser, stiller, witziger Film. Oh, das klingt tatsächlich toll. Oh, oh, ist das vielleicht was für die nächste Woche. Ja, wir sollten mehr deutsche Filme haben, Blor, das stimmt schon. Ja, das stimmt. Ich bringe dir demnächst wieder was vom neuen deutschen Film. Oder von Schlingensief. Oh, Blor, gute deutsche Filme, bitte. Wie Bang & Bang zum Beispiel. Oh nein. Warum haben wir nur, wir haben was für gute deutsche Filme hatten wir denn? Oh. Also wir hatten deutsche Filme. Einmal kurz durchgehen. Die ganzen Alpen wahrscheinlich, hier so Metropolis und sowas, ne?
Florian Bayer: Wir hatten wir noch nicht. Wir hatten Tatort-Reiniger als letztes. Ja. Eine deutsche Serie.
Johannes Franke: Was den Begriff Film schon sehr, sehr meint.
Florian Bayer: Dann hatten wir deutsche Filme. Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten. Der war sehr gut. Und Schare guckt ein bisschen kritisch. Aber den haben wir vor allem als Kinderfilm geguckt und weniger als deutschen Film.
Johannes Franke: Also hat er bisher null?
Florian Bayer: Nein, nein, wir hatten null. Jetzt kommt noch was. Wir hatten das Kabinett des Dr. Caligari, wo wir bei den alten Filmen wären. Wir hatten Rosamunde Pilcher, wie verhext. Kommt Tatort, Muro, wer bin ich?
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, beides Filme.
Johannes Franke: Ich möchte über Rosamunde Pilcher. Da möchte ich mal kurz so ein Pin reinmachen. Das wurde mir so übergangen.
Florian Bayer: Wir haben zu lange über Pott geredet. Ich habe Pimmel verstanden. None|Oh Gott.
Johannes Franke: Jetzt drifft der Podcast aber auch ab. Ganz, ganz drifend. Rosamunde Pilcher war aber nicht Beispiel für einen guten Film. Nein, nein. Wir haben Rosamunde Pilcher und Tatort, die beiden Enden der Speerspitzen des deutschen Fernsehens. Weil Rosamunde Pilcher ja nun wirklich ein riesiger Erfolg ist. Und dann wollten wir mal gucken, wie sieht das aus. Das klingt in einer interessanten Folge. Ist die irgendwo verlinkt hier? Ja, die Folge ist natürlich in den Show Notes.
Florian Bayer: In den Show Notes. Und dann hatten wir noch Schlingen, Sieh, 100 Jahre Adolf Hitler. Das war's.
Johannes Franke: Das war ein ganz großartig, furchtbarer Film. Wenig tatsächliche normale deutsche Filme geguckt. Mal so Systemspringer ist ein guter Film. Das stimmt, der ist großartig, ja. Pimmel ist ein guter Film.
Florian Bayer: Endlich normale Filme. Du hast deinen Platz 1 jetzt schon...
Johannes Franke: Ja, genau. Schulze Getze Blues. Sehr schön. Das war Platz 1. Wir werden alle unser Platz 1. Wow. Dann war das unsere Top 3. Jingle.
Florian Bayer: Das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Haben wir denn noch was zu sagen zu unserem Film, den wir wieder zurückspringen? Vielleicht einmal so ein Fazit von jedem? Ja. Oh Gott, aber ich habe schon so viele Fazite hier gesprochen.
Florian Bayer: Dann fang doch mal an. Dann gehen wir hier die Reihe um. Also wie gesagt, um so richtig unterhaltsam zu sein, dafür war er für mich zu sehr mechanisch Kopie von bestimmten Vorbildern. Die Charaktere waren cool, die Schauspielleistung war cool, technisch war alles sauber. Aber es war dann tatsächlich so, dass er einfach nicht genug Spaß gemacht hat. Also ganz banal. Es gab lustige Momente, aber die waren relativ wenig. Und ja, aber ich bin froh, dass ich ihn gesehen habe. Also danke für den Vorschlag auf jeden Fall schon mal. Aber wirklich unterhalten hat mich der Film nicht.
Johannes Franke: Danke, Flor. Fick dich. Um mal im Milieu zu bleiben. Um mal im Milieu zu bleiben. Also mein Fazit ist anbiedernd. Liebe Schari, ich danke dir, dass du es im Film gezeigt hast. Ich fand ihn sehr unterhaltsam, nachdem ich aufgegeben habe, die Story verfolgen zu wollen, was erst nach drei Viertel des Films passiert ist. Aber spätestens als der Tresor durch die Gegend gezogen wurde, war ich drin. Alles in Ordnung. Vorher war so, oh Gott, was passiert hier? Ja, aber liebe ZuhörerInnen, wenn ihr irgendwie mal ein bisschen Ruhrpott-Slang und so ein bisschen auf Geschichte scheißen wollt und euch nur Figuren angucken wollt, die irgendwie blöde Sprüche in der Gegend rumwerfen und damit irgendwie verbale Explosionen auf der Leinwand sehen wollt, dann könntet ihr den angucken. Also unterhaltsam und quotable ist er auf jeden Fall. Und das wäre so mein Fazit. Danke, Johannes. Zwischen uns wird noch was gehen, glaube ich. Ja, mein Fazit, ich kann tatsächlich, um jetzt mal runterzukommen, also ich kann es auch verstehen, wenn man den nicht gut findet. Das ist jetzt kein superpopulärer, der alle anspricht und der viel hat Film. Aber aus nostalgischen Gründen, aus Kultgründen ist das einfach ein Film, der mir Spaß gemacht hat. Ich weiß auch nicht, wie ich den finden würde, wenn ich den jetzt gucken würde zum ersten Mal oder in meiner hochfeministischen Zeit. Was weiß ich, als man dann gerade mal den Feminismus entdeckt hatte, hat man sowas vielleicht auch nicht gut gefunden. Aber so, ich habe da einfach ein Herz für. Ich fand das gut, dass es so mit Stolz erzählt wurde. Und wer wirklich das Hirn ausschalten kann und einfach die Charaktere genießen kann und es nicht so schlimm findet, dass das aussieht wie ein Tarmentino-Film, ich meine, wie schlimm kann das sein? Dann finde ich es vollkommen okay. Und es ist ein süßer Film und tolle Charaktere. Und Til Schweiger kriegt er auf die Fresse. Das ist doch auch toll.
Florian Bayer: Das ist ein schönes Schlusswort. Allein schon, um zu sehen, wie Til Schweiger auf die Fresse kriegt, lohnt sich dieser Film.
Johannes Franke: Vielen Dank, Sharin, nochmal, dass du uns diesen Film gegeben hast. Vielen Dank für den Film und vielen Dank, dass du da warst. Dankeschön, dass ich da sein durfte bei dieser besonderen Episode. Ja, in 120 Episoden wieder. Nee, in 60. Also ein halbes Jahr quasi nach eurer Zählung. Genau.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was nächste Woche drankommt, bleibt noch kurz dran. Dann gebe ich wieder Johannes einen Film auf. Und ansonsten wünsche ich euch allen und euch, Shari und Johannes, natürlich auch eine schöne Woche.
Johannes Franke: Dir auch eine schöne Woche. Danke fürs Zuhören. Liebe ZuhörerInnen, schöne Woche und bleibt gesund. Bis dann. Ciao. Ciao. So, dann, Blor, erzähl doch mal, was hast du denn für mich?
Florian Bayer: Also, ein Regisseurpaar, das ich dir schon lange ans Herz legen wollte, sind die Cones. Oh, oh. Von denen du bestimmt auch ein paar Filme gesehen hast. Ja, tolle Sachen. Und wir waren ja bei Milieufilmen heute. Ja, und du grinst schon so, als dass ich weiß, es kommt irgendwelche Scheiße. Nein, wir tauchen ab in das Milieu Südwesten der USA. Ja, und zwar tatsächlich mein liebster Cone-Film, wenn ich so drüber nachdenke. Und einer der ersten Filme von ihnen ist Arizona Junior, beziehungsweise Raisin Arizona, wie er im Original hieß. aus dem Jahr 1987 mit Nicolas Cage als Kleinkriminell und Holly Hunter als Polizistin, die ein Kind entführen zusammen, weil sie selbst keine Kinder kriegen können. Oh. Und der hat alles, was einen Cone-Film ausmacht und für mich immer noch die perfekte Quintessenz eines genialen Cone-Films, weil er hat Tragik, er hat Komik, er hat absurde Momente, er ist ein bisschen surreal, ein bisschen fantastisch. Bildgewaltig? Nee. Nicht so? Aber er hat gute Bilder, aber bildgewaltig ist, glaube ich, das Falsche. Er ist nicht so ein Cone-Film wie No Country for Old Men, sondern eher so wie Barton Fink. Nicht ganz so absurd wie Barton Fink. Okay. Ich weiß nicht, wie viele Cone-Filme kennst du denn? Den kennst du offensichtlich nicht. Nee, den kenn ich nicht. Ach, Gott sei Dank.
Johannes Franke: Welche Cone-Filme kenn ich alle? Da müsste ich jetzt anfangen.
Florian Bayer: Wie Klebowski wahrscheinlich.
Johannes Franke: Wie Klebowski auf jeden Fall ist nicht auch der ... Oh, Prada We're Art, though. Mhm. Gesehen. Wir kommen nicht auf den Namen. Der Schnee-Western, kein Schnee-Western, Fargo. Fargo, genau.
Florian Bayer: Das ist wahrscheinlich genau der ... Das ist auch ein großartiger Film. Wenn ich eine Top Ten von Cones machen würde, würde der wahrscheinlich auf der 2 landen Arizona, auf der 1. Echt, ja? Mehr Humor als Fargo. Mehr Humor als Fargo. Ein bisschen grotesker. Ich bin sehr gespannt, wie du ihn findest. Okay, cool. Vielen Dank. Dann ich freue mich drauf. Bis nächste Woche. Bis dann. Ciao. Ciao.
