Episode 76: Dracula (1958) Und die Horrorfilme von Hammer
Es gibt nur einen wahren König der Vampire. Graf Dracula. Der berühmteste Blutsauger der Horrorgeschichte, von Bram Stoker 1897 erschaffen und seitdem in zahllosen Büchern und Filmen weitergesponnen. Und es gibt nur eine wahre Königin der Horrorfilmgeschichte: Hammer Productions Ltd. Gegründet im Jahr 1934 und spätestens seit den späten 50er Jahren Aushängeschild für mal mehr (mal weniger) gehobenen Gothic Horror mit schmalem Budget.
Ein wesentlicher Grund für die enorme Reputation von Hammer in Horrorfilmkreisen dürfte Dracula aus dem Jahr 1958 sein: Der erste Dracula-Film in Farbe, das Debüt Christopher Lees als Obervampir und das Debüt Peter Cushings als sportlicher Van Helsing. Die Hammer’sche Dracula-Version ist so etwas wie ein Kondensat des Urstoffes: Reduziert auf das Wesentliche, den Kampf des Menschen gegen die unsterbliche Bestie, ohne großen erzählerischen Schnickschnack, dafür aber mit einer Menge Action und einer ungeheuren Liebe zum Detail, die sich vor allem im wunderschönen Setting und den prunkvollen Kostümen widerspiegelt.
Aber natürlich ist der Film auch ein Kind seiner Zeit, seiner Herkunft und seines Budgets: Zwischen Naivität und düsterem Horror pendelnd, mal pathetisch, mal frivol, mal brutal, mal unfreiwillig komisch. Eine Modernisierung des Draculas für das Jahr 1958 in einem sehr speziellen Stil, der wegweisend sein sollte auch für spätere Hammer-Filme… und der mit Sicherheit nicht jedem liegt. Wie sah es denn bei dir aus, Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 76: Dracula (1958) Und die Horrorfilme von Hammer Publishing Date: 2022-06-15T20:06:08+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/06/15/episode-76-dracula-1958-und-die-horrorfilme-von-hammer/
Johannes Franke: Warum tötet er nicht Dracula? Was zur Hölle soll das? Was soll das? Warum die Frau?
Florian Bayer: Ja, klar, auf geht's. Na dann, läuft schon, Flo. Ja, herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen, zu einer neuen Folge vom Muss-Man-Sehen-Podcast. Der Muss-Man-Sehen-Podcast. Nach einer langen Pause, die ihr gar nicht wahrgenommen habt, weil wir immer brav vorproduzieren. Aber Johannes und ich haben uns tatsächlich seit zwei Wochen nicht gesehen. Ah, länger? War sogar länger, ne? Es war total schrecklich. Ich habe angefangen, mich mit meinem sechsjährigen Sohn über Filmen zu streiten. Einfach um diesen Streit zu haben. Ich habe ihm gesagt, dass ich Star Wars doof finde, um ihn zu provozieren. Und er hat dich gehauen.
Johannes Franke: Star Wars ist nicht doof.
Florian Bayer: Also ungefähr die ähnliche Reaktion, die von Johannes auch kommt, wenn ich anderer Meinung bin als er. Ja, dabei müsstest du eigentlich auf Krawall gebürstet sein, weil ich dir mal wieder einen Horrorfilm gegeben habe. Es ist ein alter Film. Ich wollte Johannes... Also ich habe ja immer mal wieder so ein bisschen diese Hoffnung, hier ein wenig Filmgeschichte reinpushen zu können. Das schaffst du auch immer wieder. Nicht nur euch, liebe ZuhörerInnen, sondern auch um Johannes ein bisschen nahe zu bringen, wie sich alles woraus irgendwie wohin entwickelt hat. Und einer der ganz wichtigen Stützpfeiler der Horrorfilmgeschichte sind die Hammer Studios, die in den späten 50ern populär geworden sind durch ihre viktorianischen Horrorfilme. Und dann bis in die 70er hinein zahllose Varianten von den klassischen Filmmonstern gedreht haben. Ich habe mir tatsächlich einen Klassiker von ihnen ausgesucht. Dracula. Der erste Dracula-Film, den sie gemacht haben aus dem Jahr 1958. eigentlich der zweite Film, der für die Popularität von Christopher Lee und Peter Cushing als Monster beziehungsweise Gegner des Monsters verantwortlich ist. Wir haben keine Zeit. Auf geht's. Also erzähl uns, was wir haben. Es gibt nur einen wahren König der Vampire. Graf Dracula. Der berühmteste Blutsauger der Horrorgeschichte. Von Bram Stoker 1897 erschaffen und seitdem in zahllosen Büchern und Filmen weitergesponnen. Und es gibt nur eine wahre Königin der Horrorfilmgeschichte. Hammer Productions Limited. Gegründet im Jahr 1934 und spätestens seit den späten 50er Jahren Aushängeschild für mal mehr, mal weniger gehobenen Gothic Horror mit schmalem Budget. Ein wesentlicher Grund für die enorme Reputation von Hammer in Horrorfilm-Kreisen dürfte Dracula aus dem Jahr 1958 sein. Der erste Dracula-Film in Farbe. Das Debüt Christopher Lies als Obervampir und das Debüt Peter Cushings als sportlicher Van Helsing. Die hämmerische Dracula-Version ist so etwas wie ein Kondensat des Urstoffes. Reduziert auf das Wesentliche den Kampf des Menschen gegen die unsterbliche Bestie. Ohne großen erzählerischen Schnickschnack, dafür aber mit einer Menge Action und einer ungeheuren Liebe zum Detail, die sich vor allem in wunderschönen Settings und den prunkvollen Kostümen widerspiegelt. Aber natürlich ist der Film auch ein Kind seiner Zeit, seiner Herkunft und seines Budgets. Zwischen Naivität und düsterem Horror pendelnd, mal pathetisch, mal frivol, mal brutal, mal unfreiwillig komisch. Eine Modernisierung des Draculas für das Jahr 1958 in einem sehr speziellen Stil, der wegweisend sein sollte, auch für spätere Hämmerfilmer. Und der mit Sicherheit nicht jedem liegt. Wie sah es denn bei dir aus, Johannes? Soll ich die Katze schon aus dem Sack lassen? Das ist definitiv ein Nostalgiebrillenfilm. Ja. Ohne jeden Zweifel. Schauen wir mal, versuchen wir mal so zwischen Wohlwollend und Kritik reinzuschauen, weil ich habe das jetzt auch wieder festgestellt. So geht es mir eigentlich immer, wenn ich Hämmerfilme schaue. Ich verbinde mit Hämmerfilmen sehr viel Nostalgie. Weil sie wahrscheinlich so die ersten Horrorfilme waren, die ich gesehen habe. Ja. Und für mich waren das immer eigentlich ganz lange, weil ich habe die halt wirklich als, nicht als 15-Jähriger, wahrscheinlich eher so als 13-, 14-Jähriger irgendwie mal so aufgeschnappt im Nachtprogramm. Die liefen dann irgendwo auf Privatsendern. Und für mich war das ab einem gewissen Punkt so die definitive Ästhetik des Horrorfilms. Ich kannte ja nicht viel anderes. Ja. Das war eigentlich für mich so der Inbegriff von dem, was Horror ausmacht, dass du halt diese Settings hast, die in alter Zeit sind. Du hast immer irgendein Monster oder mehrere Monster und es sieht irgendwie schön aus. Aber dann gibt es auch den Moment, wo das Blut spritzt und wo vor allem die pathetische Musik einsetzt, wenn Dracula wieder auftaucht. Die Musik ist der Hammer. Und auch immer, es gibt diese Spitzen natürlich, es ist so dieses Trönen, dieses Düstere. Und dann geht es hoch und im richtigen Moment, es ist eigentlich schon so eine Antizipation des Jumpscares. Allerdings nicht so platt, wie er heute gemacht wird. Sondern es ist einfach, es ist anders getimt, einfach vom Gefühl. Deswegen werden viele sagen, die Musik, das funktioniert nicht so wie bei uns heute im modernen Horrorfilm. Dass die Musik so ein bisschen vorweggezogen wird und du dann wirklich erschrickst. Sondern die Musik liegt direkt auf dem Bild. Und es gibt einfach diesen langgezogenen Schockmoment, vermeintlichen Schockmoment. Also es ist nicht was, was dich dazu bringt, ängstlich vom Sitz hochzuspringen. Oh nein, da ist er wieder. Und das spielt auch eine ganz wesentliche Rolle, wenn ich heute Hammerfilme sehe, sehe ich natürlich so dieses Kitschige, dieses Naive, dieses unfreiwillig Komische. Und Hammerfilme, wenn ich sie heute schaue, die verschwimmen auch alle so ein bisschen. Also tatsächlich gerade, egal ob die Vampirfilme oder die Frankensteinfilme, die haben eben alle so eine sehr spezielle Hammernote. Vor allem die von Terrence Fisher gedreht sind, der ja wirklich sehr viel dann gedreht hat. Die haben alle einen sehr ähnlichen Stil und es ist eigentlich, es geht eigentlich immer relativ schnell zur Sache. Es ist klar, es gibt Tote, wir sehen Monster, die Leute angreifen. Es ist sehr schnell klar, was die betrogen ist. Es gibt nicht so viel Platz für Mysterien, für das große Unbekannte, sondern es ist schon so Schlag auf Schlag. Das ist auch manchmal langatmig. Es gibt auch sehr, sehr langatmige Hammerfilme. Dracula ist, glaube ich, eine ganz gute Wahl als erster Hammerfilm, weil der definitiv nicht dazu gehört, weil das ein Film ist, der superschnell erzählt ist. Ja, absolut. Und so durchrauscht durch seine Geschichte. Sie haben ja auch krass viele Kürzungen und Änderungen vorgenommen zum Roman. Ja, genau. Also mit Bram Stokers Variante von Dracula hat das nur noch sehr entfernt was zu tun. Ich finde, das ist eine ganz große Sache bei Hammerfilmen. Man lässt sich so ein bisschen von dem Look täuschen. Man ist immer wieder, also ich bin immer wieder überrascht, wenn ich sehe, wie wenig die gekostet haben. Das war ein Low-Budget-Studio. Die haben von Anfang bis Ende Low-Budget-Horrorfilme gemacht. Aber die schaffen es echt ganz gut, das zu kaschieren, weil die Kostüme und die Settings, die sind mit unglaublich viel Liebe zum Detail gemacht. Und ich finde, man merkt allen Beteiligten auch so eine Leidenschaft an. Man sieht einfach, da wurden so kleine Sachen eingebaut, die das Ganze nochmal ein bisschen prunkvoller machen. Da ist alles nochmal ein Stück pittoresker und da wird sich eben auch um die kleinsten Blumenarrangements gekümmert. Und dadurch wird sehr viel kaschiert, was an dem Budget klein war. Es sind keine Trash-Filme, auch wenn sie immer so ein bisschen so Richtung Kitsch und Richtung Klischee wandern, aber Hammer macht keinen puren Trash. Und obwohl sie die klassischen Ingredienzen für diesen Trash haben oder für die B-Movies, weil sie benutzen Sex und Gewalt als Verkaufsargument. Ja. Und das macht auch dieser Film schon, das machen die späteren Filme deutlich krasser, aber auch dieser Film hat schon sehr tiefe Dekolletes, die klassischen Femme-Fatale-Klichés, die immer mal wieder aufgewärmt werden. Es ist klar, es soll hier auch was zu sehen gehen. Und das ist dann im Notfall halt eine Frau, die hilfesuchend zu einem Protagonisten stürzt und sagt, rette mich, rette mich und dann fällt sie so tief runter, dass jeder auch wirklich tief in ihr Dekolleté schauen kann. Definitiv. Und Dracula ist auch eine Altherren-Fantasie, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Dracula ist 500 Jahre alt und verführt haufenweise die 20-Jährigen. Im Buch hat er irgendwie so ein Haarem an Frauen, oder? Genau. Dracula hat eigentlich, also die klassische Geschichte von Dracula ist eigentlich immer und die Variationen sind auch meistens in die Richtung, dass er ja ein Haarem hat, dass er die Frauen beißt und die dann teilweise auch bei sich hält. In dem Dracula-Film von Francis Ford Coppola aus Anfang der 90er Jahre gibt es eine Szene, wo das sehr gut visuell umgesetzt ist, wo der Protagonist Jonathan dann in dem Schloss von Dracula ist und dann wird er von drei oder vier Frauen gleichzeitig verführt und landet quasi in dem Haarem von Dracula. Aber tatsächlich ist dieser Film aus dem Jahr 1958 so ein bisschen auch die Wiederentdeckung des sexuellen Motives der Dracula-Filme. Und das ist was, was Universal nicht gemacht hat, weil sie sich damals das auch nicht getraut haben. Der klassische Universal Dracula ist halt auch 20 Jahre älter. Und was die Expressionisten, also Nosferatu, Fritz Murnau nicht gemacht hat, weil es einfach nicht ins Setting gepasst hat, weil da das Unheimliche und das Bizarre mehr betont wurde. Zur zeitlichen Einordnung Murnau war 1921, glaube ich. Genau, und der Dracula von Universal war 1931. Genau, 1931. Und es gab danach auch Dracula-Filme. Und es gibt schon Unterschiede zu diesem Dracula, zu den Dracula-Filmen davor. Es war ja tatsächlich im Vorfeld durchaus ein gewisser Aufschrei in Horrorfilm kreisen. Ihr könnt Dracula nicht farbig machen. Das macht die ganze Atmosphäre kaputt. Das funktioniert nicht. Tut das bitte nicht. Ja, es ist kein Blut. Nein, es wird auch nicht dezent eingesetzt. Also wenn Blut spritzt, dann ist es immer so sehr, also es sind nicht Massen an Blut. Überhaupt nicht. Es ist kein Film aus unserer Zeit. Aber es wird ins Zentrum der Kamera gerückt. Wenn wir Blut sehen, dann ist das komplett im Fokus der Kamera. Und es ist so dieses helle Hammerfilmrot, was sich auch wirklich durch ihre Filme zieht bis in die 70er hinein. Als andere Studios schon eine ganz andere Ästhetik hatten und deutlich realistischer waren in der Darstellung von Gewalt und von blutigen Szenen. Und Achtung, gewagte These, vielleicht ist unter anderem diese Farbe des Bluts mitverantwortlich, dass die Hammerfilms dann in den 70ern nach und nach ihren Einfluss verloren haben. Weil das war natürlich ein Aspekt ihrer Darstellung von Gewalt. Die Hammerfilme haben einen sehr naiven Umgang mit Gewalt und das spiegelt das sehr gut wider. Der Haze-Code ist so ein bisschen mit Schuld und zwar auf eine vertrete Art und Weise. Weil die Hammerstudios, oder Hammerfilms werden immer Hammerstudios genannt, die hatten keine eigenen Studios, die haben produzieren lassen. Aber die Hammerfilms waren in Großbritannien und haben deswegen so ein bisschen befreit von dem Haze-Code. Während in Amerika die Studios wirklich gekämpft haben, auch nur so ein bisschen was, so einen Knöchel zu zeigen oder eben auch mal einen Mord anzudeuten, da gab es ganz klare Regeln. Und der Haze-Code wurde im Laufe der 60er Jahre immer unbedeutender und dadurch konnten die New Hollywood-Regisseure aufsteigen. Wir haben in einer früheren Folge über Bonnie und Clyde geredet, als einer der exemplarischen New Hollywood-Filme. Wo Gewalt viel stärker gezeigt wird. Und dann ist das amerikanische Publikum natürlich ein bisschen abgewandert. Wozu brauchen wir noch diese etwas cheesigen Blüten, wenn wir das, was wir sehen wollen, jetzt auch hier in unseren Filmen haben können. Wir können ja mal ganz kurz in die Geschichte von den Hammerstudios springen. Ist nämlich wirklich eine spannende Geschichte. Ist das ein Lexikon-Eintrag? Das sieht fast aus wie ein Lexikon-Eintrag. Hammer Films. Hammer Films Limited. Hammer Time. Ich kann es nicht. Hammer Film Productions Limited, um genau zu sein. Warum sagst du Hammer Time? Warum tust du so etwas? Ich kann es mir nicht verkneifen. Es geht einfach nicht. 1934 wurden die gegründet von William Hintz, der eigentlich ein Comedian war. Ach so. Und der war unter dem Namen Will Hammer unterwegs in London und zwar in Hammersmith. Da ist er aufgetreten. Und deswegen hat er sich zusammen mit seinem Bühnenpartner Hammer & Smith genannt. Nein. So als Referenz daran. Jack Payne hieß sein Partner. Dieser William Hintz wollte aber mehr und hat dann irgendwann eben, ja, er wollte Filme machen und hat dann dieses Studio gegründet 1934. Und das war aber all over the place. Ganz lange. Die haben angefangen, der erste Horrorfilm von ihnen war The Mystery of the Marriage Last, in dem niemand Geringeres als Bela Lugosi mitgespielt hat. Aber die haben alles gemacht. Es gab Thriller, es gab Musicals, es gab unglaublich viele Rom-Coms und 1937 sind sie bankrott gegangen. Und das ist tatsächlich so ein bisschen sowas, was sich durch die Geschichte von Hammer Films zieht. Die waren immer so ein bisschen am Rande des Bankrotts und sind öfter mal über diesen Rand drüber gestolpert oder fast drüber gestolpert. Also als die Dracula gedreht haben, war das auch sehr knapp. Da kam doch jemand zur Rettung irgendwie daher, oder? Hat sich da nicht irgendjemand noch eingeschleust? Es kamen immer mal wieder welche zur Rettung daher. Aber damals in den späten 30ern, wo wir jetzt sind, waren sie eigentlich schon die, die billige Filme gemacht haben. Und zwar haben die ganz lange sogenannte Quota Quickies gedreht. Und Quota Quickies sind, das ist das Pendant zum französischen Radio. Im französischen Radio gibt es ja diese Vorgabe, dass x Prozent des Programms französischsprachig sein müssen. Und deswegen gibt es halt ganz viele, also die müssen französische Songs spielen. Und die britischen Kinos, die hatten damals durch den Cinematograph Act vom Parlament 1927 vorgeschrieben bekommen, sie müssen eine gewisse Quote an britischen Filmen aufführen. Ach wie geil. Und diese Filme waren aber natürlich nur so als Nebenprogramm gedacht, um halt irgendwie die Quote zu füllen. Und die Hammer Produktionscompany, die hat diese Filme produziert. Die haben billige, britische Filme gemacht, damit genug britisches Zeug läuft, damit die amerikanischen geilen Filme gezeigt werden können. Oh Gott, wie so eine Gesetzgebung so ein Monster gebären kann. Genau. Und die haben auch, allein die Titel sagen eigentlich schon alles, Death in High Heels. Um nur einen Thriller aus den späten Zwanzigern oder frühen Dreißigern zu nennen. Und das haben sie wirklich lange durchgezogen. Und dann irgendwann haben sie ihr Genre entdeckt. Und das war in den Fünfzigern. 1955 kam mit The Quarter Mass Experiment, ihr erster Horrorfilm, der etwas mehr Aufmerksamkeit erzeugt hat. Und das wurde dann auch zu einer Serie gemacht. 1957 kam schon Quarter Mass 2 raus. Wow. Dann haben sie irgendwie festgestellt, Horrorfilme scheinen zu funktionieren. Dann haben sie sich halt in den Klassikern orientiert. Und der erste wirklich berühmte Film, auch unter der Regie von Terrence Fischer mit Peter Cushing und Christopher Lee, war ein Frankenstein-Film. 1957, The Curse of Frankenstein. Und das Problem bei dem Film war tatsächlich, es gab ja schon einen richtig berühmten Frankenstein. Nämlich den Frankenstein von Boris Karloff. Mit Boris Karloff als Frankenstein aus den USA. Der verantwortlich ist für diese ikonische Frankenstein-Zeichnung. Immer wenn man irgendwie eine Comic-Version von Frankenstein sieht, hat die schwarze Platte Haare und diese Schrauben links und rechts an den Ohren. Und meistens so ein bisschen so eine grünliche Haut. Das ist einfach die ikonische Frankenstein-Darstellung. Und das durften sie nicht machen wegen der Rechte. Ach so. Das war nämlich damals noch wirklich ein Problem, dass die Rechte für diese Frankenstein-Variante bei Universal lagen in den USA. Und deswegen haben sie einen ganz anderen Frankenstein gestaltet. Sind dann quasi mehr oder weniger durch Zufall auf Christopher Lee gestoßen. Weil irgendjemand hat gesagt, ey, ich kenne da einen echt großen Typen. Der sieht echt unheimlich aus. Mit dem könnt ihr, glaube ich, aus dem könnt ihr einen ganz guten Frankenstein machen. Ein gutes Frankenstein-Monster. Klassischer Verwechslung. Frankenstein ist der Doktor, der hier von Peter Cushing gespielt wird. Der den Doktor auch sehr spannend verkörpert, weil er ihm sehr viel Bösartigkeit gibt. In dem Film gibt es tatsächlich zwei Monster. Nämlich den Frankenstein und sein Monster. Deutlich stärker als in anderen Filmen, wo der Frankenstein selbst meistens ein bisschen eher eine tragische Figur ist. Zwar auch skrupellos, aber nicht ganz so mordlöster wie der Frankenstein hier. Und das war ein riesiger Erfolg in Großbritannien. Und dann hatten sie es tatsächlich geschafft, mit Warner Brothers ein Deal zu machen, dass die den Film in den USA vertreiben. Und gleichzeitig kam es parallel zu einem Agreement mit Universal. Was auch ganz wichtig war, weil Universal saß auf diesem ganzen großen Horrorfilm-Katalog. Die waren in den USA die Größe für Horrorfilme. Also wenn man durch die Horrorfilm-Geschichte geht, dann ist eigentlich so klassisch, sagt man, die Universal-Filme aus den 30ern. Und dann kommen die Hammer-Filme aus den 50ern. Und das ist kein Zufall, weil sie haben tatsächlich mit Universal ausgehandelt. Wir drehen euren Katalog neu und ihr vermarktet das in den USA, als wären das Reboots von euren Filmen. Das heißt, Universal hat ganz aktiv daran mitgewirkt, dann zu sagen, wir haben den 31er Dracula, den kennt ihr, das ist die neue Version. Da liegt unser Segen darauf. Das war wirklich wichtig, das hat das Studio gerettet. Das war nämlich ein Moment, wo Hammer immer so ein bisschen Budget gekämpft hat und wirklich am Rande vom Bankrott war. Und dass sie es geschafft haben, mit Universal diesen Deal auszumachen, hat ihnen Material fürs nächste Jahrzehnt gegeben. Krass. Und dann kam eben dieser Dracula 1958 und dann ging es Schlag auf Schlag. Es kam eine Frankenstein-Fortsetzung, die Mumia haben sie sich gegriffen 1959, Dr. Jekyll und Mr. Hyde, den Wehrwolf, das Phantom der Opern. Moment, Dr. Jekyll and Sister Hyde. Das ist ein späterer Film. Davor gab es zwei andere Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Filme, die auch nicht besonders gut rezipiert wurden. Dr. Jekyll and Sister Hyde ist tatsächlich ein guter Film. Was, wirklich? Der ist nicht so albern, nicht so blöd, wie sein Titel klingt. Das klingt so hoch. Kann man sich angucken, gehört zu den besseren Hammer-Filmen. Auf jeden Fall haben sie sich einmal diesen gesamten Backkatalog von Universal Monstern geschnappt und daraus Filme gemacht. Und die eben alle in diesem viktorianischen Setting und auch meistens so kondensiert. Also sie haben die Geschichten genommen und haben aber nicht versucht nah an den Vorlagen zu bleiben, sondern haben eben gekürzt, haben das Ganze enger gezogen, haben mehr auf Action gesetzt. Dazu kommen wir gleich noch, wenn wir die Leute, die da rumlaufen in dem Film besprechen und hatten einen Mordserfolg damit. Und sie haben unzählige Filme gedreht, nicht nur in den klassischen Film-Monstern, sondern dann auch Filme, die die Themen behandeln, aber nichts mehr mit den Monstern zu tun haben. Die Vampir-Filme. Die haben so viele Vampir-Filme gedreht, die heißen The Prides of Dracula, Dracula braucht neues Blut, Draculas junge, hübsche Frauen, ich denke mir gerade Sachen aus. Und meistens spielt Dracula keine Rolle und Christopher Lee spielt in diesen Filmen auch nicht mehr mit. Peter Cushing ist öfter noch dabei. Okay. Und die Filme sind auch, das sind dann die Filme, die wirklich vor meinem Auge verschwimmen, weil meistens geht es darum, es gibt eben Vampir-Monster, es gibt hübsche Frauen, die hübschen Frauen werden verführt, manchmal sind die hübschen Frauen auch das eigentliche Monster. Oh. Vampir-Jäger taucht auf, es wird ein bisschen, es werden Fähle in den Körper gehauen und Ende. Okay. Und dann eben in den 60ern hat aber dieser Erfolg, den sie damit hatten, sie konnten wirklich gut davon leben, der hat dann nach und nach ausgesetzt eben, wie ich schon erwähnt, wegen dem endenden Haze-Code, wegen der New Hollywood-Filme plötzlich war, gab es eine neue Form von Realismus, was die Darstellung von Gewalt und Sex betrifft und sie haben es irgendwie nicht mehr geschafft, in Amerika Fuß zu fassen, was ihr primärer Markt dann geworden war. Und sie haben dann nochmal in Europa so ein bisschen versucht, mit noch mehr Sex zu vermarkten, also die Zeit fallen dann auch Filme, die den Sex-Aspekt deutlich stärker betonen, es gab auch deutlich mehr nackte Haut zu sehen, aber es war schon klar, dass wir hier ein Studio vor uns haben, das so langsam seinem Ende entgegen geht. Ja, es ist halt immer so die Frage, wie man Schmuddel definiert, es hat definitiv die sexistische Komponente dabei auch natürlich. Natürlich war es auch so die Objektifizierung von Frauenkörpern ganz eindeutig und das wurde schon genutzt, also es ging nicht darum, Sex für alle zu zeigen, sondern das männliche, heterosexuelle Publikum stand schon sehr, sehr im Zentrum. Und dann in den 70ern ging es halt einfach langsam zu Ende und 1979 hat das Studio sich aufgelöst. In den 2000ern, 2010ern gab es dann immer mal wieder so Versuche, das Studio zu erneuern und tatsächlich hat das auch irgendwann geglückt und sogar Christopher Lee, der eigentlich 1973 gesagt hat, er wird nie wieder Dracula spielen, der war auch teilweise echt genervt vom Hammer-Studio, darauf müssen wir nachher auch noch eingehen. Oh Gott. Der hat dann tatsächlich auch mal wieder nochmal Dracula spielen dürfen und ja, aber 1979 war eigentlich das Hammer-Studio, wie wir es kennen, vorbei und eigentlich war es das schon in den frühen 70ern. Also die Peak-Zeit haben wir von 1957 von dem Frankenstein-Film bis, wenn man wohlwollend ist, in die 60er hinein und dann häufen sich auch die durchschnittlichen Filme und die Schema-F-Filme. Das Schöne an Hammer-Filmen ist tatsächlich, auch in den schlechteren Filmen gibt es immer was zu entdecken, weil sie bringen, sie haben halt doch so ihre Crew, die sich um die Sets kümmert und um die Kostüme und die Maske und es gibt immer so genug fürs Auge zu sehen und auch wenn die Filme dann von der Story extrem dünn sind, macht es trotzdem Spaß, die Variation halt nochmal zu sehen. Also es nervt dann auch ein bisschen, aber letzten Endes, ich meine, die Filme sind dann inhaltlich flach, aber das ist dieser Film ja auch. Wie viele hast du gesehen davon? Keine Ahnung, kann ich dir nicht sagen. Also ich habe sehr viele Vampir-Filme gesehen, weil ich irgendwann so als junger Jugendlicher dann auch so wirklich so eine Vampir-Begeisterung hatte. Ich kann es dir nicht sagen. Ich kriege es nicht zusammen. Ich habe nachträglich dann nochmal so ein paar geguckt aus historischem Interesse, aber mein Wissen, was Hammer-Filme betrifft, ist mit Sicherheit nicht vergleichbar mit dem von den richtig krassen Filmen, die wirklich alles gesehen haben, was aus den Studios da kam. Guter Punkt, guter Punkt. Ich glaube, der Unterschied ist, nee, es gibt eigentlich keinen Unterschied. Ich bin auch oft genervt von Hammer-Filmen. Also es gibt ganz viele Hammer-Filme, die ich geguckt habe, wo ich ähnlich wie bei Wes Anderson Spaß hatte während des Guckens, weil es alles irgendwie so schön ist und so ein bisschen frivol und so ein bisschen lüstern und blutig. Und wo ich danach denke, das war jetzt aber so, ja, okay, vergesse ich wieder. Und es ist tatsächlich bei Hammer-Filmen ein ähnliches Phänomen wie bei den Marvel-Filmen von heute. Ja, ja, ja. Es vermischt sich alles so, weil die sich so dann doch so ähneln, von so ein paar Highlights abgesehen, dass man vergisst, wer war in dem Film noch der Bösewicht? Ist in diesem Film Peter Cushing aufgetaucht? Ich kann es nicht mehr genau sagen. Wie war das nochmal? Okay, sie haben wieder ein Vampir gejagt, aber was macht diesen Film jetzt besonders? Ich kann es nicht mehr sagen. Außenaufnahmen, großartig, oder? Es gibt dem ganzen Film aber so einen sehr, sehr surrealen Rahmen. Ja, ja, absolut. Und das schätze ich auch wirklich an alten Horrorfilmen, wenn sie in Studios gedreht wurden, dass alles so irreal wirkt. Einfach, weil du merkst, das ist falsch. Ja, absolut falsch. Was ist hier die Lichtquelle? Alles? Warum ist der Himmel lila?
Johannes Franke: Hä?
Florian Bayer: Ich finde halt, also ich bin ganz bei dir, das hat nichts mit realistischen Lichtverhältnissen zu tun, aber es macht natürlich auch ganz viel, ja, es macht ganz viel den Charme von diesem Film aus, weil es einfach so speziell aussieht. Und es ist mit Sicherheit was anderes als bei dem Nosferatu aus Deutschland zum Beispiel, wo mit Licht und Schatten sehr viel gespielt wurde. Hier merkt man, dass es teilweise auch wirklich einfach unfreiwillig ist. Ja, genau. Was hat das? Es hat so eine gewisse merkwürdige, surreale Eleganz. Und das ist viel gesagt und ich weiß, das ist viel zu schlucken, aber es wirkt halt alles immer so ein bisschen, als würden sie sich in einer Art Traum bewegen. Ja. Es ist halt auch, also es ist unglaublich farbenfroh. Und das ist wirklich krass, es ist nicht nur ein Dracula-Film, ein Vampirfilm, der in Farbe ist, sondern es ist auch ein Film, der das sehr ausspielt. Also es werden sehr viele Farbakzente gesetzt. Ja. Wir haben sehr viele Bilder, wo auch schon bewusster damit gespielt wird, dass hier mal ein Highlight gesetzt wird, da ist mal ein farbiges Element, dann natürlich das Blut, wenn es wirklich zu Action kommt. Genau. Das ist wirklich ein bunter und farbenfroher Film. Nimmt natürlich so ein bisschen den Horror raus tatsächlich. Also ich kann durchaus verstehen, dass damals gesagt wurde, so ein Vampirfilm in Farbe, der nimmt ein bisschen den Grusel-Effekt. Wir haben hier ja zum Beispiel eine der krassesten Änderungen zum Roman. Im Roman ist Jonathan Harker ein Berater, der zu Dracula reist, ohne zu wissen, wer dieser Dracula ist, um ihn in seinen Geschäften zu beraten. Und in diesem Film ist Jonathan Harker, wie wir erst großer Plot Twist nach einiger Zeit erfahren, ein Vampirjäger, der auf der Suche nach eben diesem Dracula ist, weil er ihm den Garaus machen will. Und er ist ein Verbündeter von unserem Van Helsing. Aber ich bin ganz bei dir. Dieser Jonathan Harker ist tatsächlich eher eine flache Figur. Ja. Also auch vom Drehbuch her, also es fehlt so ein bisschen dieser spannende Konflikt, der dadurch entsteht, dass er fest, dass er eigentlich mit guten Absichten reist und dann feststellt, dass er am Ort eines Monsters gelandet ist und trotzdem irgendwie noch lange mitmacht, weil er irgendwie seinen Auftrag machen will und gleichzeitig sich nach seiner Verlobten sehnt und so weiter. Und hier ist er, naja, ist halt einfach nur ein relativ blacher Jäger, aber er wird dann ja auch sehr schnell platt gemacht. Der Film hat nicht so wirklich die Zeit, oder? Weil der Film hat ja relativ viel zu erzählen in relativ krass kondensierter Zeit. Also ich meine, der geht gerade mal 80 Minuten. Ja. Und er will dann doch eine Menge Action da unterbringen. Aber wir müssen weiter, wir müssen weiter raten. Es gibt noch so viel, was geschehen muss. Ich meine, Dracula muss noch mindestens eine Frau verführen. Ja, ja, stimmt. Es müssen noch ein paar Vampire gefehlt werden, da ist die Zeit knapp. Und dann kommt Van Helsing. Und der macht uns auch allen klar, dass die Zeit wirklich knapp ist. Ja. Weil dieser Van Helsing, Peter Cushing, ist ein Energiebündel. Ach, ich bin dir so dankbar, dass du das sagst, weil ich glaube auch, es wird so viel Christopher Lee abgefeiert in seiner Rolle als Dracula, auch zu Recht. Ja. Aber Peter Cushing ist das Herz dieses Films. Absolut. Und der erste Van Helsing, der auch komplett wieder von der literarischen Vorlage abweicht. Der Van Helsing, der literarischen Vorlage, ist ein alter Typ, der halt immer eher so irgendwo hinläuft und guckt und sagt, ich glaube, das war Dracula. Die müssen wir jagen. Und unser Peter Cushing ist zum einen ein Detektiv auch, der ermittelt, aber zum zweiten ist er auch ein fucking Actionheld. Ja, ist krass, ne? Also für die Zeit. Dieser Van Helsing bewegt sich und der rennt und der macht sich schmutzig und der kämpft auch gegen Vampir. Und das spielt Cushing einfach total toll. Ich find, es ist immer so ein sehr schöner Kontrast, weil er hat diese Kälte, genau, auch so diese aristokratische Kälte. Ja, ja, genau, genau. Und dann wird die aber aufgebrochen, gerade in den Action-Szenen so gegen Ende. Wenn er halt wirklich auf der Jagd nach Dracula ist, das ist eigentlich nicht das, was man unter Van Helsing versteht. Van Helsing bleibt eigentlich immer ruhig und lässt die Drecksarbeit andere Leute machen. Ich hab kein so deutliches Bild von Van Helsing gehabt, deswegen weiß ich das nicht ganz genau. Und ich find, Peter Cushing schafft es tatsächlich, dieser Figur nochmal neue Facetten abzuringen. Und das macht er toll, also ich, großer Cushing-Fan, er ist wirklich, er ist das Herz des Films. Ja, absolut. Was auch daran liegt, dass wir Dracula selbst, das eigentliche Herz des Films, nicht sonderlich viel sehen. Ja, und auch nicht sonderlich viel hören.
Johannes Franke: Das ist der Hammer. Warum tötet er nicht Dracula? Was zur Hölle soll das? Was soll das? Warum die Frau? Warum die Frau? Oh mein Gott.
Florian Bayer: Was? Das ist doch doof. Wir brauchen einfach diese coole Szene von ihr, wie sie alt in diesem Sarg ist. Das ist so doof. Ich finde es tatsächlich total süß, auch im Vergleich zu anderen Horrorfilmen. In jedem Horrorfilm heutzutage würde er direkt hinter ihm stehen, irgendwo aus der Ecke auftauchen. Und es würde in dem Fall ja auch wirklich mehr Sinn machen. Absolut. Sie sind in der Kruft, Dracula liegt im Sarg, wir sehen, wie er ihn anguckt. Dracula macht die Augen auf, wir wissen, oh er ist wach. Und dann ist er aber offensichtlich die Treppen hochgegangen, unbemerkt zum Eingang, nur um dann diesen Eingang wieder reinzugehen, mit einem Mordsabstand zu Jonathan Harker, zu seinem Opfer, um dann wirklich auch langsam und gediegen zu ihm runterzugehen. Es ist toll, ich bin begeistert. Er ist halt ein dramatischer Typ. Ja, auf jeden Fall. Jedes Mal, wenn Dracula kommt, steht er irgendwo an einem Eingang. Ja, genau. Die Kamera weist direkt auf ihn und meistens zeigt er schon noch einmal, dass es jetzt wirklich ernst wird. Also schon sein erster Auftritt ist ja so, dass er einfach da steht und er ist einfach so eine Gestalt. Christopher Lee, ich meine, ich liebe Christopher Lee, er muss aber nicht viel mehr machen, außer da zu stehen. Aber er hat ihn sechsmal nochmal, also siebenmal insgesamt gespielt. Er wollte einen komplett anderen Dracula spielen. Die haben eben eigentlich seinen Dracula kaputt gemacht und man sieht es, in einigen Momenten sieht man es noch durchscheinen, aber es ist verloren gegangen. Das ist wirklich schade, weil Christopher Lee wollte eigentlich einen Dracula spielen, dessen Tragik besonders zur Geltung kommt. Der einsam ist, ne? Wer einsam ist, der irgendwie nach Liebe sucht oder so. Das, was ja auch im Roman ist und was in den anderen Filmen verloren gegangen ist, sowohl bei Universal als auch bei Murnau. Ich nenne ihn nochmal einfach als Beispiel, weil das sind die beiden großen Dracula-Filmen, die wir davor hatten. Wo Dracula in beiden Fällen einfach das Monster war. Der monsterhafte Verführer. Und Christopher Lee wollte viel mehr in die Richtung gehen, das, was Bram Stoker intendiert hat. Dass Dracula eigentlich eine verlorene Seele ist, die sich eigentlich nach ihrer großen Liebe zurücksehnt. Und es gibt diese Momente, wo Christopher Lee diese Traurigkeit erkennen lässt. Aber es war eben auch eine komplett andere Dracula-Variante als die, die Regisseur Terrence Fischer im Kopf hatte. Der wollte nämlich den Dracula als wirklich monströse Figur haben, die einfach dieses Monster ist. Und wo sie sich zumindest so ein bisschen getroffen haben, die nicht mehr so dieses klassische, elegante Monster ist, das so ein bisschen albern angezogen ist. Sondern wirklich unheimlich und wirklich eine Erscheinung. Und zumindest da haben sie sich getroffen. Ja, genau, ein Phantom der Oper. Und Christopher Lee hat halt auch das Buch gelesen, im Gegensatz zu Terrence Fischer. Christopher Lee hat Bram Stoker gelesen und hat gesagt, ich habe in dem Charakter was entdeckt, was ich nach vorne holen wollte. Was heldenhaftes, was romantisches, eine gewisse Erotik, die in dem Charakter steckt. Und da kann ich auch verstehen, dass er ziemlich sauer auf Hammerfilms war, weil die haben das da rausgenommen. Die haben es zugunsten von einem Horror-Action-Film, wo der Kampf gegen das Monster im Vordergrund steht, haben sie diese Komponenten alle gestrichen. Es wäre total schön gewesen. Das war vielleicht, war die Zeit auch einfach noch nicht reif dafür. Wir haben nämlich, später haben wir Dracula-Varianten und um das nochmal zu nennen, tatsächlich wahrscheinlich mein liebster Dracula-Film, der von Francis Ford Coppola, in dem Dracula in all seiner Tragik als auch liebender gezeigt wird. Dazu hat er hier nicht die Gelegenheit. Hier ist er dann letzten Endes doch wieder der Verführer. Er kriegt zwar diese erotische Komponente mit. Ja. Oder zumindest in den Reaction-Shots, weil die Frauen verfallen ihm. Genau, implizit halt nur. Aber diese tragische Romantik und dieses Verzweifelte, diese Einsamkeit, die geht verloren. Sie ist meistens, also sie ist so krank. Ja, genau. Und gleichzeitig hat sie so was Sehnsüchtiges dann in ihrem Blick. Also Van Helsing reist dahin, weil, also er reist zu der Familie von dem Jonathan Harker, der gestorben ist, weil er davon ausgeht, dass dessen Verlobte das nächste Ziel von Dracula ist. Ja. Hier hat übrigens auch so ein Personenswitch stattgefunden, in der im ursprünglichen Roman ist Mina die Verlobte von Jonathan und Lucy deren besten Freundin. Aha. Und hier wird es einfach mal umgedreht, dass Mina die Frau von Arthur ist, der Bruder von Lucy. Aber um nochmal zu Lucy zurückzukommen, ich finde tatsächlich, ihre stärkste Szene ist, und das ist auch wirklich eine unheimliche Szene, wenn sie dieses kleine Mädchen auf dem Friedhof zu sich locken will. Oh ja. Und das war damals auch eine ziemlich kontroverse Szene, das war eine der Szenen, weswegen offensichtlich auch nicht so hundert Prozent klar war, ob dieser Film umgeschnitten überhaupt in Amerika laufen kann. Weil dieses Anlocken von einem Kind und diese Bedrohung von einem Kind, ein Kind wird in Gefahr gebracht von einer Frau. Das war einfach so ein gewisses Tabu, was es angehört hat. Ja. Und diese Szene, also das ist eigentlich meiner Meinung nach die stärkste Szene des Films, wenn sie auf diesem Friedhof sind und alles so schön in diesen künstlichen Nebel gehüllt. Also die Friedhof-Szenen sind sowieso immer schön in den Haar-Filmen. Ja, ja. Und sie machen nicht viel dafür als das Studio und dann ist alles voll mit Nebel. Genau. Und einmal die Nebelmaschinen angeworfen, aber sieht großartig aus. Und dann haben wir Lucy, die dieses junge Mädchen zu sich locken will, die Tochter von Gerda, der Haushälterin. Und Van Helsing und Arthur schaffen es dann, das zu verhindern. Ja. Viele Entscheidungen, die dieser Film trifft, denen sieht man an, dass es weniger um die Logik geht, als vielmehr um das Vorantreiben des Plots. Ja. Also dieser Film ist extrem dem Plot untergeordnet, aber halt ein Plot, der sehr stark nach dem Konzept verfährt. Und dann passiert das. Und dann passiert das. Und dann passiert das. Und es ist nicht geil, wenn dann nochmal Dracula um die Ecke kommt. Also der wenig Charakterentwicklung bietet, wenig aufeinander aufbauend, logisch irgendwo hinführen, sondern der vielmehr eben auf dieses Spektakel setzt, dass wir von einem Horrorereignis zum nächsten Horrorereignis geführt werden. Sehr gut. Peter Cushing ist durchaus auch ein klassischer Superheld in diesem Film. Stimmt. Der, der sich dem Übernatürlichen in den Weg stellt und der sagt, ihr habt doch alle keine Ahnung, was hier abgeht. Ihr kennt das Böse nicht. Ich kenne das Böse. Lasst mich das mal machen. Ich regle das. Und er ist wirklich ein klassischer, guter Kämpfer für das Gute. Und deswegen, also Christopher Lee hat ja nach diesem Film irgendwie so, es hat fast zehn Jahre gedauert, bis er das nächste Mal in Dracula gespielt hat. Tatsächlich, weil er so unzufrieden war auch damit. Und Peter Cushing hat aber sehr viel danach auch noch in den Vampirfilmen mitgespielt. Also kurz darauf, schon Anfang der 60er gab es dann, ja und jetzt verschwimmt wieder alles, The Prides of Dracula vielleicht. Wo Christopher Lee wieder gegen einen Vampir kämpft. Ja. Und auch, was in diesem Film noch gar nicht so stark ist, die haben die Vampire immer irgendwie in so ein deutsches Szenario gesetzt, ne? Oh. Das ist, in diesem Film ist es noch nicht so ganz offensichtlich. Ja. Aber in späteren Filmen wird das klarer, dass wir uns hier eigentlich immer in so einem fiktiven deutschen kleinen Ort bewegen. Und es gibt dann auch wirklich mal so deutsche Namen, die irgendwo gezeigt werden. Stimmt, ja. Dass die Bierflaschen haben, deutsche Etiketten und solche Sachen. Ja. Also wir dürfen hier nicht, wir dürfen nicht über die Logik vom Vampirmythos generell diskutieren. Okay, gut. Vor allem, weil dieser Film ja tatsächlich auch für ganz viel Ikonik verantwortlich ist, was den Vampirmythos betrifft. Zum Beispiel das Zeug mit dem Knoblauch. Mhm. Oder zumindest seine Popularisierung. Seine Popularisierung, ja. Und auch die Art, wie Vampire gefällt werden und wie das dargestellt wird. Nämlich meistens so, dass wir sehen, wie der Pfahl aufgesetzt wird mit dem Hammer. Und dass wir dann aber einen Schnitt haben zu den Augen des Vampirs, wenn zugehauen wird. Und wir einfach in der Reaktion der aufgerissenen Augen sehen, jetzt wurde der Vampir gefällt. Weil sehr viele Ikonik späterer Vampirfilme, späterer Dracula-Filme oder auch allgemeiner Vampirfilme findet sich in diesem Film. Deswegen ist er auch schon, er ist ein Prototyp des Genres und zwar deutlich mehr als der Nosferatu aus Deutschland. Und auch deutlich mehr als der Dracula von Universal. Und gerade die Parodien greifen sehr viel auf Hammer zurück wiederum. Was natürlich auch daran liegt, dass Hammer sich total anbietet, weil man sieht Klischees nicht nur im Entstehen. Der Film schafft es innerhalb von 80 Minuten, Tropes aufzubauen und zu Klischees zu machen. Das ist auch eine Leistung, die man bringen muss. Das ist krass, ja, stimmt. Sie werden natürlich in späteren Filmen noch viel mehr zu Klischees, aber dieser Film reicht eigentlich. Das stimmt. Dieser Film ist so ein absolut pointierter Dracula, in dem Tropes entstehen, zu Klischees gemacht werden und alles wird zusammengefasst innerhalb von 80 Minuten. Das ist krass, ja, das stimmt. Wow. Okay. Cool das. Das Einzige, worauf sie verzichtet haben, war dann, dass Dracula sich in eine Fledermaus verwandelt. Ja, er ist eigentlich ein Gestaltwandler. Und Jimmy Sangster, der Drehbuchautor, hat gesagt, ihm war das zu märschenhaft. Er wollte diesen Dracula ein bisschen bodenständiger haben, ein bisschen mehr in der Realität verwurzelt. Was auch tatsächlich was ist, was sich dann relativ lange durch die Dracula-Filme gehalten hat, dass diese krass märschenhaften Komponenten, die die Bram Stokers Version eben doch beinhaltet, dass die so ein bisschen runtergespielt wurden zugunsten des Monsters als Mensch, als Person. Sie haben den Film in Amerika in Horror auf Dracula umbenannt, um Verwechslungen zu vermeiden mit dem Klassiker, mit dem Dracula aus dem Jahr 1931. Und das lag unter anderem daran, dass der Bela Lugosi Dracula damals immer noch im Kino lief. Ja, die hatten echt immer noch Vorführungen davon, ne? Ja. Das war so beliebt. Die Universal-Horror-Filme, ich gehe auch davon aus, wir werden irgendwann mal im Laufe dieses Podcasts auch nochmal über einen von den Universal-Horror-Filmen sprechen. Ja. Die waren einfach so ein Staple des Horror-Films damals. Und deswegen, man darf das wirklich nicht unterschätzen, wie Hammer was Neues reingebracht hat in den Horror-Filmen, in das Genre. Ja. Weil Universal war halt, also heute würde man sagen, total zahm. Es gab einfach kein Blut, es gab diese Schwarz-Weiß-Ästhetik, es gab schon so einen gewissen Body-Horror-Aspekt, einfach in dem, wie die Monster dargestellt wurden. Aber sie waren auch sehr formalisiert. Und hier wird alles bunt, hier explodiert alles, hier werden Geschichten nochmal anders erzählt, eben auch durch diese Abfolge von Horrormomenten. Und ich kann mir gut vorstellen, dass in den 50ern, dass das auch wirklich ein Publikum erschrocken hat, weil, wenn man den Dracula von 1931 nimmt, den von 58 hält, denkt man schon, oh, der von 58 ist aber deutlich mehr ein Horror-Film. Und es setzt deutlich mehr auf das Erschrecken und das, ich mach Anführungszeichen, Quälen des Publikums mit krassen Effekten. Auf eine andere Art und Weise. Nosferatu ist natürlich auch vom Gefühl her viel mehr Hochkultur. Ja, das stimmt. Weil es eben diese poetische Komponente hat und weil es dieses Bizarre hat und vielleicht dadurch zumindest beim gemeinen Publikum nicht ganz so effektiv, weil es zu abgehoben ist von der Bildsprache, zu sehr bildverliebt ist. Und ich liebe den Nosferatu. Natürlich, das sind großartige Bilder und auch wirklich auch ikonische Bilder, das mit dem Schatten ist halt das Spiel mit Licht und Schatten. Absolut. Da kann Hammer auch nicht mithalten, was Bildsprache betrifft. Da schaffen sie es auch nicht, ein Gegenkonzept zu entwerfen, was eine ähnliche Intensität hat. Da arbeiten sie halt auch einfach mit dem, was sie haben und machen das anders. Ja, aber vielleicht ist der Horror zum, das könnte man vielleicht sagen, dass der Horror bei Hammer deutlich konkreter ist. Okay. Und das ist dadurch auch immersiver für jemand, der vielleicht nicht so eine lebhafte Fantasie hat, der nur einen Schatten sehen muss und denken muss, oh shit, jetzt entsteht so ein Kopfkino bei mir. Okay. Ja, ich hab ja überlegt, ob ich Johannes die Top 3 Vampirfilme aufgebe, aber das wollte ich ihm da nicht antun. Nein. Deswegen haben wir uns einfach für Viktorianismus entschieden und ich hoffe, du kannst es mir nachsehen, dass ich die Victorian Ära sehr, sehr, sehr frei interpretiert habe in dieser Liste. Also es sind Sachen dabei, wo man sagen würde, ey Moment, die Zeit, in der das Ding spielt, ist nicht die viktorianische Ära, aber mit dem Viktorianismus verbindet man ja auch immer so einen gewissen Stil. Also zumindest ich verbinde damit einen Stil und der ragt über die Zeit der Königin, über die Zeit der Herrschaft von Königin Viktoria von 1837 bis 1901 hinaus. Oh krass, also doch so weit. Okay, aber das kann man tatsächlich machen. Ich glaube, was diese Ära am ehesten charakterisiert, ist natürlich unsere verklärende romantische Wahrnehmung. Und wenn ich heute sage, wenn ich heute von viktorianischer Ästhetik spreche, meine ich auch tatsächlich immer eher das, was wir da so rein projizieren. Das heißt, es ist eine Zeit des Stils, des Reichtums, der Eleganz, kombiniert mit sehr großen wissenschaftlichen Fortschritten und technischen Fortschritten. Und gleichzeitig so eine neue Suche nach dem Fantastischen. Deswegen greifen der Steampunk, der daraus entstanden ist, greift darauf auch zurück und bringt dieses Fantastische dann mit rein. Und deswegen ist natürlich das Großbritannien der damaligen Zeit auch so ein Sehnsuchtsort, weil da schien alles viel lebendiger, viel bunter, viel größer. Es gab diese klassischen höfischen Intrigen und gleichzeitig gab es aber auch Jules Verne und die Reise zum Mond und es gab die Horrorgeschichten und die Märchen und es ist einfach viel bunter und viel lebendiger als unsere Zeit. Und natürlich ist das alles komplette Verklärung, weil Viktorianismus war eine Zeit der Armut des Proletariats, Industrialisierung, Stadtrand, der voll ist mit dem Qualm von Fabriken und Familienleben eng zusammengefärscht. Ja, und ich glaube deswegen, wenn wir von Viktorianismus reden, reden wir nicht von einer realen Epoche, sondern auch von einer Projektion, die wir auf die Zeit haben, die aber eine unglaubliche Fundkube ist für tolle Bilder und auch für tolle Geschichten. Ja. Ja, das kann ich mir vorstellen, das ist einfach, das ist einfach spannend, weil es so vielfältig ist. Ja. Weil du hast so ein Konglomerat aus, eben aus dem Wissenschaftlichen, aus dem Fantastischen, aus dem Modebewussten und es fließt alles so ineinander über und bildet so einen, kann so einen ganz eigenartigen, einzigartigen Rahmen bilden. Ja, ja. Eben nicht nur im Visuellen, sondern auch im Narrativen. Okay, dann fangen wir mal an, einfach mit. Ich habe eine Honorable Mention, aber ich habe Angst, dass ich dir wieder was wegnehme. Wollen wir die am Ende machen? Genau, lass uns die Honorable Mentions an den Schluss packen und du legst los mit einem Platz drei. Du bist bei der Serie aus dem Jahr 2016 mit Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes und Martin Freeman als Dr. Watson. Ganz genau. Ich bin kein Sherlock Holmes-Fan und ich bin auch kein Sherlock Holmes-Kenner, deswegen bin ich da so ein bisschen raus, was das betrifft. Und ich habe die Serie auch ehrlich gesagt nicht geguckt. Du hast sie gar nicht gesehen. Ah, du musst wenigstens eine Folge mal gucken. Doch, doch, doch. Nee, warte mal. Jetzt muss ich kurz überlegen. Doch. Ich habe nämlich eine Sherlock Holmes-Serie geguckt und da habe ich glaube ich sogar die komplette erste Staffel geguckt. Ist das das, wo ganz am Schluss sich offenbart, dass der Gegenspieler Moriarty ist am Ende von der ersten Staffel? Ja. Ja, die habe ich gesehen und die fand ich so okay. Dafür, dass ich kein Sherlock Holmes-Fan bin, fand ich die wirklich okay. Das freut mich. Und ich mochte das Zusammenspiel von Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Die waren natürlich super zusammen. Ja. Aber nochmal, es ist tatsächlich, es ist einfach nicht so, es ist nicht so mein Genre. Deswegen war das, das war okay, das konnte ich gucken eine Staffel lang und dann war es aber auch gut und ich hatte nicht so, nicht so das Bedürfnis, das nochmal weiter zu gucken. Ja. Und die Serie Sherlock selbst hat auch gar nicht so große Anknüpfungen an den Viktorianismus. Nö. Also sie ist ästhetisch nicht irgendwie, dass sie versuchen diesen Stil im 21. Jahrhundert fortzuführen. Nein, gar nicht. Sondern die einzige Verknüpfung ist halt, dass wir hier das klassische Ermittler-Duo haben. Genau. Das man aus dieser Zeit kennt. Das war mein Platz drei. Ja, schön. Mein Platz drei ist tatsächlich meine liebste Dracula-Verfilmung Bram Stokers Dracula aus dem Jahr 1992 von Francis Ford Coppola. Der Film, der meiner Meinung nach am besten den Geist der Vorlage einfängt. Okay. Sowohl ästhetisch wie narrativ, der sich auch sehr eng an das Original hält und dem es gelingt, die Ästhetik des Gothic-Horrors mit all seinen Facetten, eben auch der Tragik, der Erotik und des Mysteriösen, wirklich, wirklich gut auf die Leinwand zu bringen. Mit Gary Oldman als fantastischer Dracula. Ja. Mit Keanu Reeves als eher so durchschnittlicher Jonathan Harker. Okay. Aber Anthony Hopkins als Van Helsing. Ich habe es nicht gesehen. Es ist eine wirklich gute Dracula-Verfilmung. Ich glaube, du würdest sie mögen einfach, weil du bei ganz vielen Bildern sagen würdest, hui, hui. Ah, okay. Natürlich ist es total eklektisch. Das mag ich sehr gut. Es bedient sich aus allen alten Dracula-Filmen und allen Klischees, die man von den Gothic-Novels kennt. Bringt es aber wirklich ganz gut zusammen. Auch die moderne Dracula-Interpretation inklusive, plus dann noch so ein bisschen Referenzen auf den expressionistischen Stummfilm. Wunderschöne Bilder. Manche Kritiker haben gesagt, dass der ein bisschen oberflächlich wäre und ein bisschen zu sehr bildverliebt. Ich finde, es ist ein unglaublich starker Film, der Dracula zu dem Epos macht, was es verdient zu sein. Ja. Ja, genau so 1810er Jahre. Und es ist eigentlich die Prinz-Regenten-Zeit. Ja, genau. Aber die Staffel atmet natürlich diesen Geist des Viktorianismus. Genau. Mit den Intrigen.
Johannes Franke: Es ist so großartig.
Florian Bayer: Das ist gut, dass du das genannt hast, weil sowohl mein Platz 2 als auch mein Platz 1 sind nämlich auch zum einen etwas später verortet und zum anderen etwas früher. Mein Platz 2 ist etwas später verordnet und auch noch zusätzlich nur in Australien. Ah, okay. Aber sehr geprägt vom Viktorianismus, vor allem was das gesellschaftliche Verhalten betrifft und ganz toll auch mit dem mysteriösen Märchenhaften der damaligen Zeit kombiniert. Picnic at Hanging Rock bzw. Picnic am Valentinstag von Peter Weir, der später als Regisseur von der Club der Toten Dichter oder Truman Show, der nicht bekannt werden sollte. Und Picnic at Hanging Rock ist ein Mystery-Film, in dem es um ein Mädcheninternat geht, wo die Schülerinnen einen Ausflug machen eben zu dem Titel gegen den Hanging Rock. Und dann verschwinden plötzlich drei Mädchen, nachdem sie sich wie ein Trance irgendwo hinbewegt haben. Und es gibt Suchaktionen und es wird versucht herauszufinden, was passiert ist, warum die Mädchen verschwunden sind. Und das Ganze ist ein Mystery-Märchen, das weniger auf Horror setzt, als vielmehr auf so eine romantische, surreale Atmosphäre, die aber auch immer ein Stück Unheimliches mit sich trägt. Ein Film, in dem auch immer wieder das Übernatürliche thematisiert wird, aber nie komplett ausformuliert wird. Man befindet sich in so einem Schwebezustand. Und man weiß nicht so genau, wie weit befinden wir uns noch in der Realität und wie weit ist das, wo wir uns befinden, ein Traum oder eine Fantasie oder ein Märchen. Und das bleibt auch, bis zum Ende bleibt das bestehen. Und dadurch hat er eine ganz eigenartige Atmosphäre, die ihn wirklich besonders macht. Sehr interessanter Film, nicht für jeden, aber von mir eine absolute Sehempfehlung. Geil. Oh, interessant. Okay. Habe ich mir auf jeden Fall schon mal notiert. Kannst du mir vielleicht demnächst mal aufklicken. Vielleicht gebe ich dir den mal auf. Mein Platz 1. Ja. Spielt eigentlich so vorm Viktorianismus. Und es ist auch was ganz Frisches und was ganz Neues. Und zwar möchte ich dann doch noch mal eine Serie erwähnen. Und zwar die wirklich junge Serie Bridgerton. Die gerade auf Netflix zu sehen ist. Mittlerweile in Staffel 2. Ich bin irgendwie noch in Staffel 1. Okay. Aber ich muss die jetzt einfach mal empfehlen. Nicht nur, weil ich die gerade aktuell gucke, sondern weil es wirklich eine ganz großartige Umsetzung des High-Society-Lebens Anfang des 19. Jahrhunderts ist. Ja. Natürlich mit den wunderschönen Kostümen, den tollen Settings, den ganzen Intrigen und allem, was dazugehört. Aber vom Ton her hat es so eine ganz eigenständige, interessante Dramatik. Ja. Es fühlt sich so ein bisschen an wie Game of Thrones minus Gewalt. Oh, okay. Also es ist auch tatsächlich von der Ästhetik ist es da so ein bisschen drauf geputzt. Allein der Vorspann, wenn man den sieht, denkt man schon, ah, das sieht ja aus wie Game of Thrones. Und ich glaube, das war auch so ein bisschen die Intention der MacherInnen, dass es dieses Feeling vermittelt. Aber es geht nicht um Kriege und großes Blutvergießen, sondern es geht einfach um Familien in der Londoner High Society, die gegeneinander intrigieren, die alle um ihren Stand besorgt sind und eigentlich sollen die jungen Töchter alle verheiratet werden mit anständigen Männern und werben dann darum. Und begleitet wird das Ganze von einer Erzählerin, die so eine Art Whistleblowerin ist und immer mal wieder so ein paar Geheimnisse aus dieser Gesellschaft dropten. Das ist eine tolle Serie. Ja, auf jeden Fall Klatschpresse. Es ist eigentlich Klatschpresse mit wunderschönen Bildern und spannenden Figuren. Und soll allein schon deswegen genannt werden, weil die Rechten gegen die Serie Sturm gelaufen sind, weil die Adeligen teilweise von schwarzen Darstellern und DarstellerInnen verkörpert werden. Durchaus ein angemessener Kritikpunkt. Tatsächlich hat, es gibt ein Whitewashing der europäischen Geschichte, wo Schwarze ignoriert werden, auch wenn wir Filme sehen, die im Spätmittelalter spielen oder in der frühen Neuzeit, werden Gesellschaften als komplett weiß dargestellt, das waren sie aber damals gar nicht so sehr. Das ist auch so ein bisschen unsere romantisch verklärte Sicht darauf. Damals war es durchaus so, dass einige, also gerade die Städte auch Völkergemische waren und da sind halt auch Araber rumgelaufen und da waren auch schwarze Menschen unterwegs. Das heißt, es gibt eine Art von merkwürdigen Whitewashing, natürlich waren das Minderheiten damals, aber sie haben existiert. Und wenn die komplett rausgekürzt werden, wird natürlich auch nochmal ein anderer Blick auf die Geschichte geworfen und ein gewisser Blick auch unterschlagen. Aber ich verstehe den Punkt, der sagt, okay, hier werden quasi weiße Geschichten mit Schwarzen erzählt und die werden als Adelige dargestellt, obwohl sie damals unterdrückt waren, ausgegrenzt
Johannes Franke: waren.
Florian Bayer: Dafür ist die ganze Geschichte aber auch zu märschenhaft. Das ganze Ding ist nicht realistisch. Es geht hier nicht um eine realistische Darstellung des Königshauses und der High Society der damaligen Zeit, sondern wirklich einfach um eine spannende Intrigen- und Liebeleien-Geschichte mit viel nackter Haut und toller Darstellung und toller Erzählung. Hast du noch Honorable Mentions? Du hast gerade so ein paar Sachen rausgehauen. Ja, sehr starker Film auf jeden Fall von Chris Nolan. Ich würde noch einen der Burton-Filme, die ich gemocht habe, der späteren Burton-Filme, die ich gemocht habe in den Raum werfen, Sweeney Todd, der wirklich toll inszeniert ist und ja auch im Nonnen der viktorianischen Ära spielt. Der teuflische Barbier aus der Fleet Street, der seine Opfer alle kaltblütig umbringt. Ja. Wollen wir nochmal zurück in den Film gehen? Wir springen nochmal zurück in den Film und eine Frage, die ich gerne so zum Abschluss stellen würde. Ja. Ist der Film sehenswert für ein Publikum von heute? Absolut. Er macht Spaß. Ja. Er bringt Freude und ich finde, das muss einem Horrorfilm auch mal gelingen, er sorgt dafür, dass man ständig entzückt ist, weil alles so schön aussieht und alles so Spaß macht und alles so temporeich ist. Ja, und die Liebe da drin steckt auch. Ein bisschen Liebe und ein bisschen Kitsch und das ist alles wirklich eine schöne, bunt gemischte Wundertüte. Es ist schade, dass das eigentlich nicht gelungen ist, was Christopher Lee gerne gehabt hätte. Ja, das wäre gut gewesen. Diese Romantik. Es ist so ein bisschen schade, dass Christopher Lee da offensichtlich gegen das Skript anspielen muss. Ja. Es ist toll, dass der Film wirklich mal Action in den Horror bringt. Ja. Eben gerade mit den großen Verfolgungsjagden, die dann noch am Schluss stattfinden. Und es ist toll, weil es eben so ein Kondensat des Dracula und Vampirmythos ist und weil wir alles finden, was dazu gehört. Knoblauch, Kreuze, Sonnenlicht und tiefe Dekolletes. Och Gott. Ja, auf die können wir auch verzichten. Und viel zu helles, rotes Blut. Ja. Und ich glaube, man kann Nostalgie empfinden, ohne den Film als Kind gesehen zu haben. Absolut. Das meine ich ja auch. Ich glaube, der Film kann wirklich eine Nostalgie erzeugen, die einfach Spaß macht. Die gute alte Horrorfilmzeit, als alles noch ein bisschen naiver war und alles noch ein bisschen schlichter war. Genau. Es funktioniert. Schön. Ja, cool. Ja, vielen Dank, Johannes, dass du den Film geguckt hast. Und toll, dass er dir gefallen hat. Damit hätte ich tatsächlich nicht gerechnet. Echt nicht? Warum? Jetzt bin ich gespannt. Naja, ich dachte, du findest den albern und nervig, weil zu viel Dramatik in der Musik, zu viel unfreiwillige Komik und zu viel Sexismus im Frauenbild. Nee, mir hat der Film doch nicht gefallen. Wenn ihr wissen wollt, wie Johannes sich nächste Woche revanchiert mit seinem Film, dann bleibt
Johannes Franke: Tschüss.
Florian Bayer: Liebes Publikum. Fun Facts, die wir in dieser Episode nicht untergebracht haben. Peter Cushing und Christopher Lee haben beide in Star Wars mitgespielt. Ja. Peter Cushing wurde später in Star Wars nochmal zum Leben erweckt. Durch Computeranimation. Ziemlich gut gemacht übrigens. Ich war wirklich... Christopher Lee hat die letzte öffentliche Exekution in Frankreich mit einer Guillotine als Zuschauer beobachtet. Okay. Er hat fast ins schwedische Könighaus eingeheiratet. Er ist der Stiefcousin von Ian Fleming, der wiederum ihn als Vorlage für eine berühmte Romanfigur benutzt hat, die später eine berühmte Filmfigur werden sollte. Er ist James Bond. Wir brauchen eine neue Kategorie. Klatsch und Tratsch mit Chlor. Er hat Tolkien persönlich gekannt und Tolkien hat zu ihm gesagt, sollte mal Herr der Ringe verfilmt werden, wäre er der Richtige für Gandalf. Geil. Der Einzige aus dem Herr der Ringe-Cast, der Tolkien persönlich gekannt hat. Leider durfte er nicht Gandalf spielen, sondern den bösen Gegenspieler. Und er hat in einer Heavy-Metal-Band gespielt. Googelt nach Christopher Lee-Memes und ihr findet unfassbar viel Informationen, die ich jetzt alle gerade nicht verifizieren kann, darüber, was Christopher Lee in seinem Leben gemacht hat. Er war unter anderem ein Nazi-Jäger während des Zweiten Weltkriegs und war Teil einer Spionage-Organisation einer britischen. Das verifizieren wir fürs nächste Mal, okay? Peter Jackson hat zu ihm gesagt, kannst du, du musst dir vorstellen, wie es wäre, wenn du in den Rücken gestochen werden würdest und Christopher Lee muss wohl ziemlich trocken geantwortet haben. Das muss ich mir nicht vorstellen. Ich weiß, wie das ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Er hat fließend Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Schwedisch, Russisch. Er spricht sehr viele Sprachen. Der Bessere. Oh je, dann hast du einen sehr großen Backkatalog, einen Hammeraurer-Film, wo er den Van Helsing spielt oder in einer anderen Rolle zu sehen ist. Okay, gut. Dann wollen wir jetzt zum nächsten Mal kommen. Ja, was hast du denn für mich fürs nächste Mal? Sehr interessant. Kenne ich natürlich, habe ich schon gesehen, aber ich werde nichts spoilern. Wir werden einfach nächste Woche drüber reden. Sehr gut. Dann hörst du meine ungefilterte Meinung. Oh, er guckt schon so. Okay, bis dann. Bis dann, ciao. Bis dann, ciao.
