Episode 77: Asterix erobert Rom und der Passierschein A38
Der dritte Film der Asterix Zeichentrickreihe „Asterix erobert Rom“ aus dem Jahr 1976 basiert im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht auf einem bereits existierenden Comic. Die Story wurde original für den Film geschrieben. Sie bedient sich der Sage des Herakles und der zwölf Aufgaben, die er absolvieren muss. So legt Cäsar unseren Helden zwölf Aufgaben auf, die klären sollen, ob es sich bei den übermenschlich starken Galliern um Götter handelt. Alles mit dem Asterix typischen Humor den man als Kind nur so halb verstanden hat.
Dieser Film ist wieder eine heilige Kuh meiner Kindheit die ich Plor zur Schlachtung vorwerfe. Wobei ich dieses mal recht sicher bin, dass der Film bei Dir, Plor, auf wohlwollende Augen trifft. Oder? Nein? Doch? Der Film doch recht sicher und positiv im kulturhistorischen Kanon verankert. Obwohl, das hat dich ja nie abgehalten einen allgemein geliebten Film zu zerreißen.
Argh! Ich weiß es nicht!
Ok, lass mich kurz überlegen, ob der Film plortauglich ist oder nicht.
– Der Film hat keine japanischen Untertitel – Minuspunkt.
– Es gibt keine zehnminütige Plansequenz, in der gefühlt nichts passiert. Der ist Film für deine Verhältnisse doch recht gradlinig und leicht zu verstehen.
– Es gibt kein Gore, keine prätentiöse Wckelkamera, keine russischen Gedichtrezitationen,
…Ach Gott dem Film fehlt wirklich alles Plortypische… nicht mal richtig absurd… Moment, absurd! Er ist schon streckenweise sehr absurd, und nein, wenn ich so drüber nachdenke, ist er schon was für dich: Er referiert auf griechische Mythologie, kommt aus Frankreich, dem Land der Nouvelle Vague und basiert auf einer quasi-literarischen Vorlage.
So Plor, jetzt sag doch auch mal was. Ist Asterix ein Plorfilm?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 77: Asterix erobert Rom und der Passierschein A38 Publishing Date: 2022-06-23T09:02:10+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/06/23/episode-77-asterix-erobert-rom-und-der-passierschein-a38/
Johannes Franke: Also nicht nur, dass wir unsere heutigen Behörden damit kritisieren. Es muss wohl tatsächlich zu Römes Zeiten... ein echter Verwaltungsapparat gewesen sein, der wirklich problematisch war.
Florian Bayer: Bürokratie hat Rom mit vernichtet. Herzlich willkommen hier wieder zu einer neuen Ausgabe von Muss man sehen, der Podcast von Filmliebhabern für FilmliebhaberInnen.
Johannes Franke: Uh, korrekt gegendert. Moment. FilmliebhaberInnen sind... Nein, wir sind...
Florian Bayer: Wir sind FilmliebhaberInnen.
Johannes Franke: aber wir sind ziemlich männlich. Enddreißiger Männer, die über Filme reden. Verdammt.
Florian Bayer: Trifft so ziemlich jedes Podcast-Klischee, würde ich sagen.
Johannes Franke: Furchtbar, furchtbar.
Florian Bayer: Aber wir reden über Film mit einem Twist. Und zwar gibt es jede Woche von einem von uns beiden für den anderen eine Hausaufgabe. Ein Film... den sich dieser dann anschauen muss und dann diskutieren wir darüber und im besten Fall einen Film, den diese Person noch nicht kannte oder einen Film, der den Horizont dieser Person erweitert.
Johannes Franke: Ja, und ich hoffe, dass ich, nein, um Gottes Willen, ich habe gesagt, keinen Film ausgewählt, der deinen Horizont erweitern wird, zumal du den Film kennst und ja, weiß nicht.
Florian Bayer: Aber das ist ja nicht schlimm, also manchmal ist es ja auch ganz gut, so altes Filmwissen aufzufrischen und Zumindest so viel sei schon verraten. Der Film, den Johannes mir diese Woche aufgegeben hat, den kannte ich, aber den habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen.
Johannes Franke: Da ist doch schon mal was. auch aus deinem Gesicht ist, nicht mehr zu lesen. jetzt gut war oder nicht. Vielleicht stelle ich einfach den Film mal kurz vor. Ja, leg mal los. Okay. Asterix erobert Rom Der dritte Film der Asterix-Zeichentrick-Reihe basiert im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht auf einem bereits existierenden Comic. Die Story wurde original für den Film geschrieben. So bedient er sich der Sage des Herakles und der zwölf Aufgaben, die er absolvieren muss. Cäsar erlegt unseren Helden zwölf Aufgaben auf, die klären sollen, ob es sich bei den übermenschlich starken Galliern um Götter handelt. Asterix-typischen Humor, den man als Kind nur so halb verstanden hat. Dieser Film ist wieder eine heilige Kuh meiner Kindheit, die ich Plur zur Schlachtung vorwerfe. Wobei ich dieses Mal doch echt sicher bin, dass der Film bei dir, Plur, auf wohlwollende Augen trifft. Oder? Nein, doch. Der Film ist doch recht sicher und positiv im kulturhistorischen Kanon verankert. Obwohl, das hat dich ja auch nie abgehalten, einen allgemein geliebten Film zu zerreißen. Ich weiß es nicht. Okay, lass es mich kurz überlegen, ob der Film plothauglich ist oder nicht. Der Film hat keine japanischen Untertitel. Minuspunkt, okay. Es gibt keine 10-minütige Plansequenz, In der gefühlt nichts passiert, auch Minuspunkt. Der Film ist für deine Verhältnisse doch recht geradlinig und leicht zu verstehen. Okay, es gibt keinen Gore, keine prätentiösen Wackelkamera, keine russischen Gedichtrezitationen. Dem Film fehlt wirklich alles Plortypische. Nicht mal so richtig absurd. Obwohl, Moment, absurd ist ja schon streckenweise. Sogar sehr absurd. Und nein, wenn ich so richtig drüber nachdenke, ist er schon auch was für dich. Er referiert auf griechische Mythologie. Er kommt aus Frankreich, dem Land der Nouvelle Vague und basiert auf einer quasi literarischen Vorlage. Okay, Plur, jetzt sag auch mal was. Ist Asterix ein Plur-Film oder nicht?
Florian Bayer: Wow. So hast du dich noch nie durch einen Leitungstext geschwitzt. Also, Kudos auf jeden Fall schon mal für diese einleitenden Worte. Ich frage mich gerade, ob du das alles geskriptet hast oder ob du angefangen hast, mittendrin frei zu improvisieren und nichts zu verlieren.
Johannes Franke: Ich habe Sachen ausgelassen.
Florian Bayer: Ja, Asterix erobert Rom.
Johannes Franke: Ja, Asterix erobert Rom. Plur, ist das ein Film, den du als Kind rezipiert hast? hast, mochtest und den du immer noch magst, aus Nostal gegründen oder ist es ein Film, wo du sagst, naja, habe ich nichts viel mit zu tun?
Florian Bayer: Natürlich habe ich ihn als Kind geguckt und ich habe ihn als Kind geliebt. Ich habe als Kind alle Asterix-Filme geliebt. Und ich habe dann, als ich älter war, nochmal so nach und nach irgendwie, glaube ich, eher so ... Wie das halt so ist, man ist bei den Eltern an Weihnachten mittags und Hat keinen Computer dabei und haut sich von Fernseher an. Dann läuft natürlich auf Sat.1 die Wiederholung von Asterix-Filmen. guckt man die nochmal teilweise. Und das habe ich mit allen Asterix-Filmen, glaube ich, gemacht, weil ich kenne die Asterix-Filme alle ziemlich gut noch.
Johannes Franke: Okay. Also du bist ein Mensch auf diesem Planeten.
Florian Bayer: Zumindest in diesem Land oder in Frankreich. Ja, gut, okay. In Amerika wird Asterix ja nicht wirklich groß gestikiert. Und viele Asterix-Filme, die haben beim Rewatch an Glanz eingebüßt. Gerade der erste und der zweite Asterix-Film, Asterix der Gallier und Asterix und Cleopatra, haben bei meinen letzten Rewatchs, habe ich gedacht, oh... Das fand ich unterhaltsam. Okay. Jetzt endlich die Spannung zu nehmen. Asterix erobert rum ist tatsächlich der erste Film aus der Asterix-Filmreihe. Ja. Wo ich denke, der funktioniert heute noch.
Johannes Franke: Yeah! Woohoo!
Florian Bayer: Und auch der Start von der für mich besten Zeit der Asterix-Filme. Es geht nicht um die Comics, sondern um die Filme. Die aber auch tatsächlich relativ kurz ist. Also es gibt dann drei, vier wirklich gute Asterix-Filme. Das ist Erobert Rom, danach kam Sieg über Cäsar. Mhm. Dann bei den Briten und dann Operation Hinkelstein. Und ich finde, das sind wirklich gute Asterix-Filme. Während ich die ersten beiden so einsortiere, mit Nostalgiebrille kann man die noch gucken, aber man sieht auch sehr viel, was da nicht so geil ist. teilweise wirklich problematisch ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Auch in diesem Film so ein bisschen.
Florian Bayer: In diesem Film auch, aber nicht ganz so schlimm, weil zum Beispiel die Piraten nicht vorkommen. Die Piraten sind ganz schlimm.
Johannes Franke: Eine Galle. Ja, oh Gott.
Florian Bayer: Und danach fangen aber schon die Filme an, wo sie versucht haben. so ein bisschen diesen Zauber von Disney mit reinzubringen und alles ein bisschen pompös und monumentaler zu machen und mit CGI gearbeitet haben, also Asterix in Amerika. Und dann hört es auch tatsächlich schon auf. Dann gibt es Filme, die ich nicht gesehen habe. Asterix in Amerika ist ja eigentlich der letzte große Asterix-Zeichentrickfilm. Den fand ich eher so meh. Aber da fehlt natürlich auch die Nostalgie. Asterix Arobatrum ist ein sehr guter Film. Der macht auch heute noch Spaß.
Johannes Franke: Sehr gut.
Florian Bayer: Macht es aber auch relativ leicht Spaß zu machen, weil er halt radikal Episoden filmt. Also viel radikaler kann man nicht einen Film episodisch aufteilen. Da gibt es keine Handlung, keine großen Herleitungen, keine große narrative Entwicklung, sondern da Das ist einfach Prüfung an Prüfung an Prüfung an Prüfung. Und manche von diesen Prüfungen sind eher so mäh. Weil es nichts anderes ist, als er benutzt seinen Zaubertanken, ist deswegen super stark, super schnell und besiegt die Gegner. Andere Prüfungen sind natürlich fantastisch. Und vollkommen zu Recht mimetisch geworden, ins kulturelle Gedächtnis eingebrannt, wo sie für immer bleiben sollten und wahrscheinlich auch für immer bleiben werden. Ja, hoffentlich.
Johannes Franke: Hoffentlich. Oh Gott.
Florian Bayer: Und jeder, wahrscheinlich selbst Leute, die den Film nicht gesehen haben, wissen, mit Passierschein A38 was anzufangen. Ja, ja.
Johannes Franke: Unglaublich.
Florian Bayer: Und das ist auch eine große Leistung von diesem Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das macht er auch wirklich gut.
Johannes Franke: Ja. Ich muss auch sagen, dass dieser Film von all den Verfilmungen, denen es gibt, einfach mein Liebster ist. Die danach sind streckenweise, es gibt noch so Ich glaube, die zwei danach sind noch ganz cool. Und dann finde ich, die Realverfilmung kannst du sowieso nicht dran kloppen.
Florian Bayer: Hast du mal eine Realfilmung gesehen davon?
Johannes Franke: Ja, mit... Gerard de Batieu, den ersten, da habe ich dann gedacht, nie wieder, gucke ich nie wieder, keine Chance.
Florian Bayer: Mein Sohn wollte vor kurzem unbedingt Asterix den Realfilm gucken. Mission Cleopatra aus dem Jahr 2002.
Johannes Franke: Okay, und?
Florian Bayer: Und es ist wirklich schlecht. Ich bin nach einem gewissen Punkt aus dem Raum rausgegangen, weil es Und ich bin niemand, der sagt, oh, ein Reboot macht mir meine Kindheit kaputt. Aber da war es kurz davor. Und meinetwegen können sie so viele Remakes machen. Die alten Filme werden davon nicht angetastet. Aber dieser Film war so schlecht, dass er den alten Film angetastet hat. Ach du Scheiße. Und das ist auch noch ein von den Filmen, die ich nicht zu den stärksten Asterix-Filmen zählen würde.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Also was ich gesehen habe von den Realfilmen mit Gérard Depardieu als Obelix und bei den ersten beiden Christian Clavier als Asterix, ganz, ganz, ganz schrecklich.
Johannes Franke: Ja, furchtbar.
Florian Bayer: Reden wir nicht darüber. Reden wir lieber über diesen Film und über die Comics, beziehungsweise in dem Fall gibt es ja keinen Comic, beziehungsweise gab es danach eine Comic-Reihe.
Johannes Franke: Aber der wiederum nicht von Albert gemacht wurde, sondern von seinem Bruder gezeichnet wurde, ne?
Florian Bayer: Das war der letzte Film von René Gossini, der ist 1977 gestorben, ne? 1977 schon?
Johannes Franke: Ja. Aber ich habe ihn ein bisschen später einsortiert. Ah, oh nein. Traurig.
Florian Bayer: Und es war das letzte große Asterix-Projekt eigentlich von den beiden dadurch auch. Der Film ist aus dem Jahr 1976. Ein Jahr vom... Vorm Tod von René Gossini.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es ist ganz spannend. Was denkst du denn, warum haben sie sich entschieden, einen Film zu machen, der nicht auf dem Comic drückt?
Johannes Franke: Das ist eine gute Frage. Ich kann mir vorstellen, dass sie gemerkt haben, dass das Ganze ein Eigenleben entwickelt. Filme einfach ein eigenes Universum aufmachen irgendwie und das tut der Film an sich ja auch. Ja. Weil der Film auch ganz anders endet. Der endet ja damit, dass geschichtsrevisionistisch einfach Cäsar einmal absetzt und so.
Florian Bayer: Der Film hat... tatsächlich Potenzial, eigentlich der letzte Asterix-Film zu sein. Genau, ja. Ich wusste bis zur Recherche zu diesem... Zu dieser Episode wusste ich nicht, wie die Reihenfolge der Asterix-Filme ist. Und ich habe diesen Film auch immer etwas später einsortiert als die anderen Filme, weil er so was Finales hat. Gallier besiegen Rom, Cäsar geht in den Ruhestand und die Gallier sind die neuen Herrscher über das Römische Reich. Ende der Geschichte. Wir haben hier ein alternatives Universum entworfen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Erstaunlicherweise ist es dann vollkommen egal bei den folgenden Filmen und auch bei den folgenden Comics. Da wird einfach gesagt, wir gehen wieder auf den Punkt Null zurück.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: Und ... Lustigerweise heißt ja der Film, der danach kam, Asterix Sieg über Cäsar. Was dazu führt, dass ich die beiden Filme auch immer verwechselt habe. Also nur die Titel. Ja, natürlich. Weil der endet ja auch damit, dass sie Cäsar besiegen, allerdings ... in ein bisschen eine andere Weise. Und dann Cäsar ihnen, weil er gesehen hat, dass sie so stark sind, sagt, okay, ihr dürft ab sofort in eurem gallischen Dorf leben und werdet von uns nicht mehr belästigt. Also er macht nochmal seine eigene Geschichtsschreibung. Und dann wird wieder auf Null gedreht im darauffolgenden Film. sind wir wieder an dem Punkt, wo die Römer halt versuchen, das Gallische Dorf doch irgendwie einzunehmen und alles ist wieder beim Alten.
Johannes Franke: Was mich so gar nicht stört... Weil die Comics vorher so eine Grundlage gelegt haben, dass es mir scheißegal ist. Weil ich immer, also ich bin so dran gewöhnt ... Beim Comiclesen, also ich habe die verschlungen als Kind. Mein Stiefvater hatte damals in die Familie quasi mit reingebracht einen Riesenstapel Asterix Comics. Und das war so großartig. Ich habe es geliebt. Und die Grundlage ist einfach so felsenfest gewesen dadurch, dass die Filme auch nichts... antasten konnten oder irgendwas. Natürlich ist man sofort drin in der Grundvoraussetzung. Es gibt dieses kleine gallische Dorf Und es gibt die Römer drumherum.
Florian Bayer: Man kann es immer austauschen. Das ist das Tolle an diesem Episodischen. erzählen, dass jede Geschichte für sich stehen kann. Man weiß einfach, das Setup ist ganz klar gesetzt. Da war es das Dorf. Die letzten Widerständler gegen die Römer. Es ist auch vollkommen egal, in welcher Zeit wir sind. Und das wird natürlich dadurch verstärkt, dass die Asterix-Comics noch nie historisch komplett korrekt waren. Sie zeigen in ganz vielen historischen Details wirklich Liebe zum Detail.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Man merkt, die beiden Macher, Odesso und Gossini, haben sich wirklich darum gekümmert, Sachen einzubauen, die Wissen über die damalige Zeit entwickeln. Also wir haben alle unsere ersten Lateinworte durch Asterix gelernt.
Johannes Franke: Natürlich. Alle jagt gesund.
Florian Bayer: Und gleichzeitig wird aber trotzdem, wird wild durch die Geschichte gewütet und es werden ganz viele Sachen erzählt, die... ganz anders waren, unabhängig davon, dass es kein kleines gallisches Dorf gab, das sich den Römern widersetzt hat, werden ja auch Einfach Sachen gezeigt, die 400 Jahre später waren. Den Galliern werden Eigenschaften zugeschrieben, die eher die Germanen hatten. Ja, genau. Es ist vollkommen egal, es ist ein eigenes fiktives Universum und wir wissen, wie es funktioniert und wir können uns jederzeit auf den Punkt Null einlassen, wo die Geschichte startet. Ja.
Johannes Franke: Und es ist auch tatsächlich, es ist egal, ob das jetzt irgendwie von den Zeiten her durcheinander geworfen ist und ob das von den Völkern her durcheinander geworfen ist. Weil das so weit hinterher irgendwo in der Vergangenheit liegt, dass du im Grunde froh bist über jede kleine Anspielung, die du verstehst. Wo du dann sagen kannst, guck mal, das habe ich verstanden, wo jeder nochmal kommentieren muss. Übrigens, das heißt auf Latein das und das. Und dann irgendwelche Wanker sich die Lateinübersetzungen geholt haben von den Comics und dann sagen sie, ich habe ihn auf Latein gelesen. Und ich habe alles verstanden, weil ich in den anderen nachgeschaut habe, was es eigentlich heißt.
Florian Bayer: Es gab die Comics ja nicht nur auf Latein, sondern auch auf Schwäbisch. Ja, genau. Irgendwie musste jeder Rechulekt, jeder Dialekt musste irgendwann mal herhalten für einen Asterix-Kanal.
Johannes Franke: Und die haben die Verfilmungen auch in verschiedenen Dialekten nochmal. Also nicht alle in allen Dialekten, aber jeder Film wurde, glaube ich, in einen deutschen Dialekt nochmal übersetzt. Und dieser Film im Bayerischen. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Hast du reingeschaut?
Johannes Franke: Ich habe nicht reingeschaut, nein. Aber ich weiß, dass es es als Bayerisch gab. Und da haben sie auch verschiedene Übersetzungen, die hier anders sind, nochmal gerade gerückt. Wir haben zum Beispiel, also jetzt nur ein Beispiel zum Nennen. Die haben ja diese Bestie in dieser Höhle. Das ist eine der Aufgaben. Und am Ende, also ich finde die U-Bahn großartig, die da auftaucht, was eine ganz großartige, absurde Sache ist. Aber am Ende wird die Bestie, die ja die eigentliche Aufgabe ist, gar nicht gezeigt. Ja. Und dann tauchen sie in dem Dorf auf, wo sich später dieses Haus das Verrückte macht. Und der Übergang, du weißt in der deutschen Übersetzung überhaupt nicht, was da passiert ist. Weil die Bestie ist einfach irgendwie überwunden und die kommen da raus. Und im Original gibt es eine Anspielung darauf, dass Obelix die einfach mal gegessen hat. Das ist so großartig.
Florian Bayer: Im Deutschen sagt er sowas wie, wie war die Bestie? Und Obelix sagt, war nicht so besonders.
Johannes Franke: Nicht so besonders. Und bestellt dann einen Schnaps oder sowas. Genau.
Florian Bayer: Und im Französischen sagt er, boah, lecker.
Johannes Franke: War lecker. Und im Bayerischen sagt er dann eben auch irgendwie sowas wie, ja war ganz gut und bestellt dann ein verdauungsförderndes Getränk. Sehr schön. Also dieser Film eignet sich eigentlich dazu, dass man durch die ganzen Aufgaben einmal so ein bisschen durchgeht.
Florian Bayer: Also, um ganz kurz das Setup klarzumachen. Cäsar ist total genervt von den Galliern, die sich immer und immer und immer wieder widersetzen.
Johannes Franke: Überraschung.
Florian Bayer: Und er will ein für alle Mal aufräumen damit. Und er sagt, okay, wenn sie beweisen können, dass sie Götter sind, dann werde ich mich vor ihnen beugen. Dann haben sie es verdient, Herrscher über die Welt zu sein. Was auch total absurd ist, weil die Gallier ... Die sind so stark, aber sie wollen ja keine Expansion machen. Sie wollen nicht mal Gallien befreien. Die wollen den Status Quo ja eigentlich. Die wollen in ihrem Dorf leben. Und da ihre Ruhe haben, obwohl sie diesen Zaubertrank haben, obwohl sie so stark sind, gibt es keine Bestrebungen von ihren großen Politik zu machen und den Rest Gallions zu befreien. Naja, egal.
Johannes Franke: Der einzige süße Moment ist, dass der Häuptling dann auf seinem Schild steht und... Cäsar spielt und sich so einen Kranz umlegt und dann kommt Miraculix natürlich und sagt, ah, ihr glaubt doch nicht, dass ihr wirklich... Herrscher von Rom werdet.
Florian Bayer: Übrigens, wenn wir bei Anachronismen sind, der Majestix, der auf dem Schild getragen wird. 400 Jahre später. Nicht die Franzosen, nicht die Gallier, sondern die Germanen.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: So.
Johannes Franke: Okay, okay.
Florian Bayer: Ja genau, aber auf jeden Fall sagt Cäsar, wenn sie beweisen, dass sie Götter sind und dann müssen sie halt diese zwölf Aufgaben lösen, weil Herakles... Nicht griechische Mythologie, römische Mythologie. Aber sie sagen Herakles, ne?
Johannes Franke: Ja, das ist krass. Eigentlich müsste es auch Herkules sein.
Florian Bayer: Eigentlich müsste es Herkules sein. Aber sie, naja, vielleicht interessanterweise, weil eigentlich ist Herkules der berühmteren Name sogar. Also bei vielen Göttern kennt man ja eher den griechischen Namen oder den römischen. Immer unterschiedlich, also zum Beispiel Dionysos, wahrscheinlich kennen die Leute eher Bacchus. Nee, Dionysos würde ich sagen. Ist vielleicht auch eine Frage des kulturellen Backgrounds.
Johannes Franke: Ja, vielleicht, vielleicht.
Florian Bayer: Ich bin tatsächlich auch eher in den griechischen Namen bewandert. Ich muss immer nachgucken bzw. ich gucke mir dann einmal so die Planeten an und überlege, ah ja, Jupiter ist der große Planet, stimmt, das war der große Gott.
Johannes Franke: Vielleicht gibt es eine Ost-West-Trennung. Das müsste man mal in der Unfrage machen.
Florian Bayer: Wer ist der Gott des Krieges? Welcher Name fällt dir als erstes ein? Moment, nein. Mars. Mars ist ja bei den Römern. Jetzt muss ich überlegen, wer bei den Griechen heißt. Wie heißt er? Verdammt. Eigentlich wollte ich an den Punkt machen, dass ich mich eher in der griechischen Mythologie auskenne. Verdammt, das fällt mir der... Der kriege ich Gottes Krieges nicht ein. Bist du schneller mit Google? Herzlich willkommen beim... Muss man sehen, Podcast, wo live gegoogelt wird nach Ares.
Johannes Franke: Ares.
Florian Bayer: Ares ist der griechische Gott des Krieges.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ähm, genau. Und sie sollen diese zwölf Aufgaben machen wie Herakles. Und Caesar geht natürlich davon aus, dass sie das nicht schaffen. Ja. Und er hat sich zwölf wirklich schwere Aufgaben... Es ist erschreckend, wie einfach die Aufgaben teilweise sind. Er hat sich zwölf Aufgaben überlegt und da steigen wir jetzt ein. Johannes, Aufgabe Nummer eins.
Johannes Franke: Aufgabe Nummer eins ist, darüber hinwegzukommen, dass die Stimme von Obelix Benjamin Blümchen ist. Nein, okay.
Florian Bayer: Ich war Gott sei Dank nie so ein großer Benjamin Blümchen-Hörer, deswegen denke ich eher, oh mein Gott, Benjamin Blümchen hat die Stimme von Obelix, wenn ich ihn mal höre.
Johannes Franke: Bei mir ist es andersrum. Ah, okay. Ja, und welchen komischen Akzent Cäsar hat. Hast du mal Cäsar zugehört? Götter.
Florian Bayer: Stimmt, ja. Wir reden hier übrigens gegen unsere Gewohnheiten nicht über die Originalversion, sondern über die deutsche Kommunikation, weil Ich glaube, das ist einfach für uns, da müssen wir einfach mal patriotisch sein und sagen, das ist die richtige Aspekt.
Johannes Franke: Ja, Sozialisierung und so.
Florian Bayer: Ich will das auch gar nicht hören auf Französisch.
Johannes Franke: Nein, nein, nein. Also, folgendes. Erster ist ein Wettlauf mit dem Sprinter Merinos aus Marathon.
Florian Bayer: Lame.
Johannes Franke: Ja, es ist relativ lame.
Florian Bayer: Es ist Asterix, trinkt seinen Zaubertrank und ist deswegen schneller.
Johannes Franke: Genau. Das Schöne an dieser Episode ist, dass wir Gaius Pupus kennenlernen.
Florian Bayer: Gaius Pupus ist der beste Charakter aus allen Asterix Comics. Die Schlaftablette des Films. Der ist so cool. Allein wie er geht mit seinem Kopf gewackelt und seine trockenen, nüchternen Kommentare. War schön, euch gekannt zu haben. Lebt wohl.
Johannes Franke: Sterbt schön.
Florian Bayer: Er ist fantastisch. Ich liebe ihn. Ich liebe alles an ihm.
Johannes Franke: Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Und auch wie er... mit wenigen Blicken einfach so ein bisschen kommentiert, was da vor sich passiert. Und er ist wirklich neutral. Er nimmt seine Aufgabe als neutraler Schiedsrichter für diese Aufgaben sehr ernst. Absolut ernst. Großartige, fantastische Figur.
Johannes Franke: Aber warum pupst Gaius Pupus nicht einmal in diesem Film?
Florian Bayer: Der Film hat so viele infantile Witze. Ich bin dankbar, dass sie auf den einen verzichtet haben.
Johannes Franke: Aber dann muss er doch nicht Gaius Pupus heißen. Okay, aber was wir an dieser Folge auch haben, in dieser ersten Sache, auch wenn sie lame ist an sich, lernen wir... die Respektlosigkeit kennen, die Asterix allen Aufgaben gegenüber haben wird. Und Obelix auch.
Florian Bayer: Also als Kind war Asterix ja immer mein Lieblingscharakter aus den Comics. Wie bei vielen anderen Kindern.
Johannes Franke: Ich fand Obelix immer besser.
Florian Bayer: Aber Asterix ist ein ziemlich arrogantes Arsch.
Johannes Franke: Aber wirklich. Aber das ist das Vergnügen, was sich den ganzen Film durchzieht. Dass die beiden immer sehr respektlose Kommentare geben.
Florian Bayer: Definitiv. Die Aufgaben sind für sie eigentlich keine Herausforderung. Das machen sie auch jederzeit klar. Und es gibt ja auch wirklich nur wenige Aufgaben, wo sie mal an ihr Limit gebracht werden. Und diese Momente lassen sich an einer Hand abzählen. Also die erste Aufgabe setzt insofern schon so ein bisschen den Standard, dass alles sehr lighthearted ist. Wir haben nie das Gefühl, dass die Mission wirklich bedroht wäre.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: ein bisschen mehr Bedrohung da. Und dann haben sie mal den Zaubertrank verloren und Obelix hat sich in Rom verirrt und Asterix kann nicht kämpfen, weil er keinen Zaubertrank hat. Und da muss Ide fix zur Rettung eilen. Solche Momente gibt es in diesem Film nicht, sondern wir wissen von Anfang bis Ende, die Gallier schaffen das und wir haben Spaß daran zu sehen, wie sie das schaffen.
Johannes Franke: Was auch schön ist, Also die Oberfläche dann wie so ein Spiegel zerbricht und wie sich der Typ in so ein raketenartiges Ding verwandelt und so weiter. Das ist schon...
Florian Bayer: Schön. Der Film hat wirklich, wirklich schöne Meta-Ebene. Ja. Ganz oft genau das Bild, das beim Lauf zerspringt. Ja.
Johannes Franke: Also solche Sachen kommen dann später, da werden wir bestimmt dazukommen, was für Freiheiten sich dieser Film nimmt, was die Zeichentrickwelt betrifft.
Florian Bayer: Aber die Aufgabe an und für sich ist halt insofern lame, dass es nicht viel zu erzählen gibt. Also es gibt diesen super Renner, der auch wirklich schnell rennt. Aber Asterix dopt halt. Nennen wir das Kind beim Namen. Asterix gewinnt nur durch Doping.
Johannes Franke: Was er vorher schon sah.
Florian Bayer: Ja, vielleicht hätten sie die Regeln ein bisschen fester zuhren sollen und sagen sollen, Doping ist verboten, dann wäre das was ganz anderes geworden. Und ja, und deswegen ist er einfach schneller als dieser Typ. Aber zumindest für eine Sache ist gut diese Zähne untermals sehr schön den Zeichenstil, den wir hier haben. Ja. Und das ist Mitte 70er Jahre Glanz. Und zwar Glanz im Sinne von Rough. Kopiertechnik.
Johannes Franke: Die Kopiertechnik, die wir schon mal hatten, die mit 101 Dalmatiner sich irgendwie in die Welt hinein gerichtet hat. gebracht hat.
Florian Bayer: Das, was wir aus dem Silver Age des Disney Films kennen, genau, aus 101 Daimartina, wo das zum ersten Mal eingesetzt wurde, im Jahr 1961. Mhm. Und diese Kopiertechnik hat es ja uns Europäern mit niedrigerem Budget erst ermöglicht, solche Zeichentrickfilme zu machen. Ja, genau. Und die zeichnen sich vor allem dadurch aus, also für alle, die es nicht kennen, einmal kurz zusammengefasst. Durch das Aufkommen von Kopierern war es möglich, die Skizzen von den Zeichnern, direkt auf die Folien zu kopieren, die dann auf die Hintergründe gelegt wurden. Vorher gab es da einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Da gab es wirklich hauptsächlich Zeichnerinnen, die das abgezeichnet haben. Ja. Und man sieht den Unterschied, wenn man sich klassische Disney-Filme aus den 50er Jahren anguckt oder noch früher.
Johannes Franke: Früher noch, ja.
Florian Bayer: sieht das alles sehr sauber aus, die Linienführung. Das liegt daran, dass zwischen der Skizze von dem... von dem Zeichner oder der Zeichnerin, dass da eben noch jemand war, der das nochmal abgezeichnet hat. Und bei den kopierten Filmen sehen wir viel mehr noch von der Skizze enthalten. Das heißt, wir sehen diese Bewegungslinien, wir sehen diese roughen, schwarzen, skizzenartigen. Zeichnungen. Und das haben wir auch in diesem Film. Und es ist einfach ein Stil, den ich mag. Sehr zeichentrickstil, mit dem ich groß geworden bin. Das hat dann irgendwann wieder aufgehört, als die Computertechnik dazukam und sie alle Unreinheiten entfernen konnten, so Renaissance des Disney-Films in den 90ern. Aber in dieser Zeit sehen Zeichentrickfilme oft so aus, dass wir harte Linien haben, dass wir Bewegungslinien haben. Und das ist schön. Das hat einen ganz eigenen Charme.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und gerade bei sowas wie einem Wettrennen, wo viel bewegt wird, wo die Beine sich drehen, macht es auch Spaß dazu zu gucken.
Johannes Franke: Absolut, genau. Also es ist ja eher der visuelle Effekt, der hier zum Tragen kommt und der auch den Stil festlegt für den Rest des Films. Und da kommt auch der Sperrwurf, der ist auch Teil dieser Aufgabe, glaube ich.
Florian Bayer: Die nächste Aufgabe ist der Sperrwurf. Lame. Das ist nämlich genau dasselbe.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Sie sollen gegen den Perser Kermis im Sperrwurf gewinnen und überlegst, ist halt als Kind in den Zaubertrank gefallen und kann den Speer dementsprechend weit werfen.
Johannes Franke: Naja, also das muss einmal abgearbeitet werden im Grunde.
Florian Bayer: Und das ist auch der Moment, in dem wir unseren rassistischen, exotistischen Moment haben, der zu einem Asterix-Film. dazugehört. In diesem Fall trifft es die amerikanischen Natives, die Indianer, die hier, der Speerwerfer wirft den Speer bis nach Amerika. Und die Indianer sehen das als Kriegsaufruf und mit allen Klischees, die dazugehören.
Johannes Franke: Wollen wir dieses Wort vielleicht lassen? Ja, genau.
Florian Bayer: Ureinwohner. Ja. Aber ansonsten gibt es dazu eigentlich nicht viel zu sagen.
Johannes Franke: Das ist ein Cameo, eine andere Figur, Umpapa, die auch eine eigene Serie hat, glaube ich. ja genau aus 1951 wurde die geschaffen ich kenne die serie nicht ich auch nicht deswegen war ich jetzt auch nicht ganz sicher ich hatte das nur ich will so ein bisschen kam es bekannt vor aber ich habe glaube glaube ich, das nie richtig gesehen. Dann kommen wir zu einem, den ich schon wieder ein bisschen großartiger finde. Ja. Der Judoka, der Teutone Bombastik.
Florian Bayer: Wir haben unseren Deutschen, wir haben unser deutsches Klischee. Und es trifft so perfekt, weil ich weiß gar nicht, wie es in den 70ern waren, aber es gab so einen Judo-Trend in Deutschland. Ja, absolut. 80ern geboren wurden, werden auch gehäuft zumindest irgendwann mal im Judoverein gewesen sein. Ich hatte auch ein paar Judostunden.
Johannes Franke: Ich auch.
Florian Bayer: Jeder, der in dieser Zeit geboren wurde, hatte irgendwann mal so ein, zwei Judo-Stunden, es war ein totaler Trend, weil Judo war einfach mal die friedlichere Variante zum Karate, so ein bisschen. Ich glaube, die Eltern haben damals gedacht, naja, dann schlagen die Kinder sich wenigstens nicht, sondern verknoten halt ihre Arme und Beine. Und unser Judo-Kam muss deswegen natürlich ein Deutscher sein. Bombastik der Toitone. Mhm. Der wirklich sehr witzig ist.
Johannes Franke: Ich finde es sehr schön, weil da das erste Mal klar wird, dass die nicht nur durch Kraft gewinnen werden, sondern eben auch... durch Köpfchen und durch irgendwie so kleine Hintertüre, die sie sich öffnen.
Florian Bayer: Na, Obelix wird fertig gemacht von ihm. Der geht da hin, denkt so, ach, dieser Kleine, den mach ich locker fertig. Und dann wird er erst mal hin und her geschleudert. Und Asterix schafft's dann in ... zu überlisten, indem er sagt, hey, kannst du mir mal erklären, wie das geht? Worauf natürlich jeder Deutsche, der ein bisschen Judo gelernt hat, anspringt, weil er sagt, hey, ich kann dir doch ein paar Griffe beibringen.
Johannes Franke: Und ich habe ganz lange immer wieder auf dieses Klischee mich draufgesetzt, dass man viel Gegengewicht nutzen kann gegen den Gegner. So, und ich habe es aber natürlich nie geschafft, weil ich viel zu klein ging. Ich dachte immer, jetzt muss das doch aber gehen. muss bei meinem Onkel ausprobieren, ob das klappt und natürlich klappt es nicht.
Florian Bayer: Ist das einer der großen Judo-Mythen, die hier debankt werden müssen? Wenn du schwach bist, dann hast du keine Chance gegen einen starken Gegner, auch nicht mit einer krassen Judo-Technik.
Johannes Franke: Ja, aber die Botschaft dahinter ist schön. Es ist mehr Technik als krass.
Florian Bayer: Ja, die Frage ist, wie viele arme Menschen haben in den 80ern aufs Maul gekriegt, weil sie gedacht haben, in einer Kneipenschlägerei mit Judo weiterzukommen. Die Dunkelziffer ist sehr hoch.
Johannes Franke: Dann haben wir die Überfahrt zur Insel der Freude.
Florian Bayer: Wir haben eine Disney-Musical-Sequenz. Fast.
Johannes Franke: Fast. Sehr psychedelisch, streckenweise, muss man mal sagen. Zumindest im Verhältnis zu dem, was man erwartet, was dann passiert.
Florian Bayer: Ich mag ja diese mythologische Referenz. Absolut.
Johannes Franke: Die Sirenen, genau.
Florian Bayer: Odysseus, der irgendwie verführt wird. Und wenn man sich die klassischen Griechischen Sagen anguckt, geht es da halt auch meistens um sexuelle Verführung. Also 90 Prozent der Griechischen Sagen drehen sich irgendwie um Sex. Und deswegen finde ich das ganz schön, dass sie gelockt werden. Und ich mag auch, also die ist total albern, diese psychedelische Zeichentricksequenz, wo dann die vier singen und man hat das Gefühl, okay, hier wurde so ein bisschen auf Disney-Music gemacht, aber irgendwie ist es süß, weil es sich auch einfach nicht ernst nimmt.
Johannes Franke: Es ist so albern und so drüber. Also es gibt so kleine Momente, wo ich denke, oh, nicht falsch abbiegen, bitte. Nicht falsch abbiegen, bitte. Aber irgendwie geht es immer noch.
Florian Bayer: Ja und die Sirenen beziehungsweise Priesterinnen in diesem Film kriegen dann ja auch ihren feministischen Moment. wenn ihr unbedingt sein Wildschwein haben will. Und sie sagen, ey, wir sind doch hier nicht deine Bediensteten. Sollen wir jetzt für dich putzen, oder was?
Johannes Franke: Das ist so eine kleine Anleihe, ganz kleiner Blick. Ein Hauch von Feminismus in Asterix. Naja, hm. Aber Obelix darf noch solche Sachen sagen wie, und wer bist du mein Kind? Ja. Es ist schon so ein bisschen so. Ja, ja.
Florian Bayer: Aber Obelix ist so naiv und so asexuell. Also bei Asterix denke ich immer so. Das stimmt. Aber Obelix ist einfach der Wildschwein essen.
Johannes Franke: Ja, und ich habe als Kind gedacht, weil die natürlich dann sagen, wie jetzt Wildschwein, du denkst nur an Wildschwein essen, wir sind hier Insel der Freude und ich denke... Als Kind denke ich natürlich, ja klar will der essen, was denn sonst? Ja, was macht denn sonst Freude? Worauf spielt die denn jetzt an? Es ist so süß die eigene Naivität rückblickend zu betrachten. Und diese Sequenz, finde ich, macht am ehesten noch klar, wie viel Visual Comedy in so einem Comic stecken kann. Das sind alle Prinzipien der Visual Comedy sind da irgendwie drin. Das ist unglaublich. Also Dinge verwandeln sich, Dinge sind größer oder kleiner als man sie erwartet. Dinge oder Lebewesen machen unerwartete Geräusche oder sind in Tonlagen, die irgendwie nicht stimmen. So ein kleiner Vogel, der so einen Tiefenton macht und solche Sachen. Das ist irgendwie echt cool, weil das so alles aus dem Vollen schöpft nochmal, was so Visual Comedy betrifft.
Florian Bayer: Und auch diese Detailliebe dabei, dass man auch eben... So ein Moment, der nur ein paar Sekunden im Film einnimmt, dass man dem auch nochmal einen gewissen Fokus gibt. Genau. Freude macht dabei.
Johannes Franke: Genau. Und dann?
Florian Bayer: Nummer 5.
Johannes Franke: Geht es weiter?
Florian Bayer: Iris und Osiris. Wir haben hier den ersten wirklich mimetischen Moment des Films. Das hat sich so bei mir eingeprägt.
Johannes Franke: Absolut, bei mir auch. Und der Typ heißt doch auch noch Iris. Ein ägyptischer Zauberer. Der Leute hypnotisiert und die dann glauben, dass sie eine Katze wären oder ein Vogel und dann auch in der Gegend rumfliegen als Vogel. Das ist sehr süß.
Florian Bayer: Willst du als alter Showman was zum Thema Showhypnose sagen?
Johannes Franke: Oh Gott, wollen wir diese Abzweigung nehmen? Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Na jetzt, wo du es schon vorgeschlagen hast, musst du das wohl machen. Was hältst du denn von Show-Hypnose?
Johannes Franke: Ja, Show-Hypnose, das Ding ist, ich wurde vor ein paar Jahren mal, weil ich im Publikum saß, weil ich einen Kollegen angucken wollte, glaube ich, von einem Show-Hypnotiseur auf die Bühne geholt. Bei mir hat es null funktioniert und ich habe irgendwie versucht mitzuspielen, damit das irgendwie so... Und ich hatte auch keine schwierige Aufgabe. Ich musste nicht irgendwie jede gerade Zahl auslassen, sonst hätte ich vielleicht, keine Ahnung, das im Eifer des Geschäfts nicht geschafft.
Florian Bayer: Ist das nicht bei 99% der Schuldnosen genau der Fall?
Johannes Franke: Kannst die Leute das mitmachen? Ich kann es dir nicht genau sagen. Ich weiß es einfach nicht. Es gibt ja diese Möglichkeit. Also Schockhypnose ist etwas, was existiert.
Florian Bayer: Das ist so. Ähm...
Johannes Franke: Und du kannst auch irgendwie suggestiv irgendwas herstellen. Aber ich kann dir nicht genau sagen, was da alles, wo die Grenzen sind. Ja. Das weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Ich weiß nur, dass Schulhypnose tatsächlich von vielen Therapeutinnen sehr kritisch gesehen wird, weil es eben Hypnose grundsätzlich die Gefahr birgt, dass sie Traum hat. hervorruft, dass sie unschöne Folgen hat und dass das vielleicht nicht das Geilste ist, um Zuschauerbelustigung zu betreiben.
Johannes Franke: Tja, müsste man sich noch mal jemanden einladen. Ich kenne noch jemanden. Jupp, müssten wir uns mal einladen. Der könnte was dazu erzählen.
Florian Bayer: Hat der Schuldgnose gemacht?
Johannes Franke: Nee, aber der hat sich jetzt mit hypnotischer Therapie beschäftigt.
Florian Bayer: Ah, okay.
Johannes Franke: Der ist jetzt quasi unter die Psychologen gegangen.
Florian Bayer: Also das Witzigste, was ich mal zum Thema Hypnose gesehen habe, war eine Reportage über einen Zahnarzt, der hypnotisiert. Und da ist der Kameramann weggeklappt. Das war super witzig, diese Szene. Also ganz offensichtlich, das war echt. Die haben halt gefilmt, wie ein Patient hypnotisiert wird. Und dann irgendwann mittendrin macht es und das Bild kracht nach unten. Und dann sagt der Kommentator so ganz staubtrocken und in diesem Moment hat es unseren Kameramann erwischt. Und der musste dann erstmal in den Nebenraum gepackt werden und musste kurz betreut werden, weil der komplett weg war.
Johannes Franke: Das ist geil. Okay.
Florian Bayer: Man kann es sich nicht gut vorstellen, weil da ist man ja auch so angespannt, wenn man durch die Linse guckt. Und dann ist man auch wirklich auf den Hypnotiseer ausgerichtet. Und ja, war voll drin. Wow.
Johannes Franke: Okay, was ich aber großartig finde, ist wieder die Respektlosigkeit, dass der Asterix da sitzt und sagt, oh, was sind das für Scheinwerfer, mit den Kuckuckchen kannst du nachts im Bett lesen.
Florian Bayer: Und er besiegt ihn ziemlich schnell. Er muss nur so zwei, dreimal wieder irgendwie ein bisschen was sagen dazwischen. Und dann wird er hypnotisiert komplett durcheinander. Und fängt an, auch aus den Ohren zu leuchten. Das ist so toll. Das ist visuell super umgesetzt.
Johannes Franke: Es ist wirklich schön umgesetzt, ja. Wenn ihr dann als Wildschwein rausgeht. Es ist wirklich schön. Das ist wirklich tatsächlich, wie du sagst, eine der mimetischen Sachen, die einfach wirklich im Kopf einmal eingebrannt sind und die man jederzeit rausholen kann und weiß.
Florian Bayer: Die ist bei Iris und Osiris. Genau. Du bist ein Wildschwein. Ich bin ein Wildschwein. Ich bin ein Wildschwein. Warum verwandeln sich die Hypnotisierten? Also er zumindest, was passiert da? Also das macht keinen Sinn, oder?
Johannes Franke: Nein, es macht sowieso keinen Sinn. Aber der Film geht ja mit sich selbst als Comic um. Also er sagt ja auch am Ende, wir sind ein Comic, also was soll's.
Florian Bayer: Genau. Wir können sowieso machen, was wir wollen. Aufgabe Nummer 6. Mahlzeit.
Johannes Franke: Ja, das ist etwas, wo man einfach... drauf einsteigen kann. Asterix und Obelix. Obelix ist sowieso immer am Fressen. Also warum sollte man nicht einfach so eine Aufgabe geben? Das ist so ein bisschen, okay, haken wir das ab.
Florian Bayer: Es ist ganz nett, dass wir diesen Zusammenschnitt haben, diesen Zeitraffer, wie der Koch immer wieder mit anderem Essen reinkommt. kommt und wirklich krasse Sachen, die Kamelhöcker. Und es wird immer krasser. Und dann am Schluss sagt er, und dazu servieren wir Toast. Bringt so einen kleinen Teller mit Toast
Johannes Franke: Das ist sehr süß. Was ich ein bisschen zynisch finde, ist, dass er dann auch noch erzählt, damit die Familie im Magen vereint ist, habe ich auch hier noch die... Kinder oder so.
Florian Bayer: Aber wie die Aufgabe gelöst wird, ist ziemlich lame. Obelix kann auch alles essen und steht am Schluss da und sagt, warum lässt ihr mich mit der Vorspeise allein?
Johannes Franke: Ja, aber dafür ist es natürlich gut gemacht. Also dafür, dass es etwas zum Abhaken ist, ist es schon süß. Und dann kommt die Höhle.
Florian Bayer: Ja, und es ist cool, weil sie komplett mit dem Stil davor brechen und wirklich krasse Bilder haben.
Johannes Franke: Als ob sie irgendwie einen anderen Künstler nochmal engagiert hätten, der sich austoben darf.
Florian Bayer: Sie sind plötzlich im Zeichentrickfilm der 70er Jahre gelandet. Ich glaube, das ist auch der Grund, warum sie diese U-Bahn einblenden. Also es ist eigentlich ein bisschen zu früh, um zu sagen, das ist eine Ralph Bakshi-Referenz, weil der eher so ein bisschen später mit seinen urbanen Comics für Erwachsene gearbeitet hat. Aber es gab in Amerika ja diesen Comic und ... Visual Novel und auch Zeichentrickfilmstil, in dem erwachsene Themen erzählt wurden und urbane Themen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann mit so einer gewissen Ästhetik, die ich hier auch wiederfinde, zumindest gefühlt. Aber wie gesagt, es war zu früh, weil Fritz the Cat zum Beispiel kam erst ein Jahr später.
Johannes Franke: Später raus. so schön.
Florian Bayer: Und es ist ein Geisterbahntrip. Und die Geister sind toll animiert. Da haben sich die ZeichnerInnen wirklich Mühe gegeben und wirklich mal so ausgelassen, worauf sie Bock hatten. Wir spielen ja ein bisschen mit Transparenz. Lassen wir ein bisschen Geister durch die Luft fliegen. U-Bahn-Szene. Und dann setzen wir den Cut im richtigen Moment, dass man nicht sieht, wie die Bestie aussieht.
Johannes Franke: Und ich fand es tatsächlich als Kind gruselig. Das ist einer der Sachen, wo ich wirklich als Kind da gedacht habe, okay, muss ich mir jetzt nicht immer wieder angucken. Den Rest des Films schon, aber das könnten wir skippen.
Florian Bayer: Okay, nee, ich glaube, ich war zu abgehärtet.
Johannes Franke: Du hast ja Paper House und so weiter im jüngsten Alter gesehen.
Florian Bayer: Ja, weil ich den Film gesehen habe. Ich weiß gar nicht, wann ich den zum ersten Mal gesehen habe.
Johannes Franke: Ich auch nicht, keine Ahnung, ich weiß nicht mehr.
Florian Bayer: Also könnte jederzeit gewesen sein. Wahrscheinlich war ich so sechs, sieben Jahre alt.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob es den in der DDR, in welcher Form es den in der DDR gab. Ich habe keine Ahnung. Na ja. So, und dann kommen wir in ein Dorf an, wo er dann ganz kurz in der deutschen Version halt nicht, aber sonst sagen würde, ja, war ganz lecker, die Bestie, mit einem Verdauungsschnaps. Und dann geht's zum Herzstück des Films.
Florian Bayer: Das Meme gewordene Haus, das Verrückte macht. Und es ist eine fantastische Szene. Es ist so fantastisch.
Johannes Franke: Fantastisch.
Florian Bayer: Und es hat alles recht, so berühmt geworden zu sein. Sie wollen nur den Passierschein A38 und sie werden durch den absoluten Behörden. Hörden. Wahnsinn, die Jagd.
Johannes Franke: Und es trifft, jedes Wort trifft es. Es ist keine Zeile zu viel und kein Bild zu viel. Es ist einfach...
Florian Bayer: Und es ist voll mit Situationen, die man kennt. Jeder, der Papiere bei einer Behörde will, der irgendwas von irgendeiner Behörde will, hat... irgendwas davon in irgendeiner Form schon mal erlebt. Vom Pförtner, der nicht weiß, wo es lang geht, von Räumen, die umgezogen sind, bis hin zu ... Dem Extraformular, was man noch braucht, um dieses eine Formular beantragen zu können.
Johannes Franke: Genau. Und dann die Treppen rauf, Treppen runter und alles. Es ist einfach... So auf den Punkt. Und es macht einfach Spaß. Es macht sehr, sehr viel Spaß, dem zuzugucken. Und wir die Tür öffnen und der eine schaukelt da mit seiner... Das ist einfach der Wahnsinn.
Florian Bayer: Reinhard May hat das auch mal sehr schön auf den Punkt gebracht. Ein Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Klassisches Stück von Reinhard May. Okay. Das passt für mich in diese Welt der Behördenkritik und dem Behördenwahnsinn.
Johannes Franke: Dann kommen die da wieder raus. Und auch sehr schlau. Ich finde es sehr schön.
Florian Bayer: Ja, sie schaffen es. Diesmal müssen sie wirklich mit Klugheit arbeiten. Und es ist auch das erste Mal, dass die Mission gefährdet ist. Ja. wirklich anfängt, am Rad zu drehen. Und zwar auch auf ganz großartige Weise. Wie die Verrückten dargestellt werden, das verdient nochmal einen besonderen Fokus, wie sie irgendwie einfach ihre Sachen machen und mit Röten da rumlaufen. Obelix springt aus seiner Hose raus und die Hose bewegt sich von selbst neben ihm.
Johannes Franke: Das ist wirklich sehr schön. Die ganze verrückte Bagage von den Mitarbeitern des Hauses, die dann am Ende total verrückt spielen, weil... A39 aus dem Rundschreiben, was auch immer. B65. Es ist so eine schöne Erfindung. Ich find's toll. Ja, so eine gute Lösung.
Florian Bayer: Die Frage ist nur, warum existiert dieses Haus überhaupt? Ist das nur dafür da, damit Leute Prüfungen machen? Weil der Vorsteher des Hauses wird ja nachher verrückt, nachdem er feststellt, dass er den Galliern das Formular gegeben hat. Das heißt, der Sinn des Hauses ist es offensichtlich, keine Formulare auszustellen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und es macht... lässt ihn verrückt werden, dass das doch passiert ist. Das heißt, dieses Haus hat offensichtlich nur... Die Funktion, ein Albtraum zu sein.
Johannes Franke: Naja, es ist ja nicht so weit weg von der Wahrheit. Und man muss dazu sagen, dass es gar nicht mal nur... ein Anachronismus ist. Also nicht nur, dass wir unsere heutigen Behörden damit kritisieren. Es muss wohl tatsächlich zu Römes Zeiten... ein echter Verwaltungsapparat gewesen sein, der wirklich problematisch war und der dem Ganzen auch so ein bisschen ein Bein gestellt hat und zu Fall gebracht hat am Ende.
Florian Bayer: Ein Grund für das Scheitern Roms als Großreich ist, dass sie alles zu sehr... zu sehr geregelt haben. Bürokratie hat Rom mit vernichtet.
Johannes Franke: Wahnsinn. Wollen wir an dieser Stelle, weil es passt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Uns einfach um unsere Top 3 kümmern.
Florian Bayer: Machen wir das mal. Sonst schieben wir in letzter Zeit die Top 3 immer so ans Ende. Aber diesmal passt sie einfach so gut rein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Jingle.
Johannes Franke: Wir haben eine Top 3 und zwar habe ich gedacht, naja, Top 3 Comic ist Blödsinn, haben wir auch alles schon gehabt und so. Ich wünsche mir eine Top 3 Bürokratie. Bürokratiemomente in Filmen. Das kann einfach nur eine Szene sein, das kann auch ein ganzer Film sein, aber irgendwie... So schöne Momente mit Bürokratie oder auch schlimme Momente mit Bürokratie. Wahrscheinlich eher schlimme. Sind dir denn genug Filme über den Weg gelaufen? Weil ich habe in der Recherche Schwierigkeiten gehabt.
Florian Bayer: Ich fand es auch gar nicht so einfach. Aber es haben sich dann doch so ein paar Sachen rausgebildet, wo ich dachte, okay, das passt einfach. Aber es gibt nicht so viele, leider. Man müsste ja meinen, den Irrsinn von Behörden ... Das ist ein leicht gefundenes...
Johannes Franke: Das ist ein Fressen für jeden. Das ist doch sofort, das ist ganz easy. Das macht man einfach... Ja. Aber leider ist das gar nicht so beliebt gewesen anscheinend. Du musst anfangen.
Florian Bayer: Ich muss anfangen. Soll ich meine Honorable Mention bringen? Ja, gerne. Als Honorable Mention, weil es nicht so, ich muss es einfach nennen, Stromberg slash The Office. Als Serie. die sich mit der Bürokratie im Privatwirtschaftlichen beschäftigen. Und die zeigen ... Wie die Menschen drauf sind, die die bürokratischen Wahnsinnsakte machen. Und ich muss dazu sagen, ich habe jetzt zum ersten Mal, ich bin fertig, ich habe es geschafft, in den letzten Monaten die Office zu gucken. Hast du gemacht? Ich hab jetzt die Office US komplett fertig geguckt, alle neun Staffeln.
Johannes Franke: Krass, krass.
Florian Bayer: Und ich glaube, jetzt ist meine Recherchearbeit abgeschlossen, um ein Bold Statement zu bringen. Achtung, einen kontroversen Take auf dieses Universum. Das deutsche Strom. ist besser als die Office US. Habe ich schon früher gesagt. Die Office US ist besser als die Office UK. Und dazu stehe ich. Und sollen sie mich ruhig, die Ricky Gerways-Fans, sollen sie mich jagen ... Stromberg ist einfach am besten, weil es gelingt, das Menschliche aus dem amerikanischen Office mit dem zynisch-realistischen UK zu verbinden. Und weil einfach dieser Behördenwahnsinn am besten in das deutsche Setting passt.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Und Office UK ist am schlechtesten, weil es irgendwie noch so am unpolitischsten ist und weil es ihm nicht wirklich gelingt, aus dem Setup, was eigentlich ganz cool ist, und aus den guten Darstellern, die sind ja da.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: viel rauszuholen. Deswegen hat das Ding auch nur zwei Staffeln geschafft. Wenn ich das nochmal gucke, stelle ich auch fest, ja, ich sehe, worauf sie hinaus wollten, aber dieser Charakter, den der ... Der Protagonist ist dieser Chef, der ist irgendwie, dem fehlt sowohl das wirklich Fiese von Stromberg im Realistischen. Und dann gleichzeitig aber auch das warmherzige von dem Steve Carell Charakter aus Office US. Ja. Und deswegen, genau, das ist mein Statement. Und dafür dürft ihr mich gerne kreuzigen. Aber Stromberg ist das Beste und danach kommt Office US.
Johannes Franke: Ja, ich bin da wohl auf deiner Linie. Obwohl UUS und Stromberg doch sehr nah aneinander dran sind, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Naja, also Stromberg ist halt einfach viel realistischer und Office, die Office ist einfach Wohlfühlprogramm. Das ist so, das kann man weggucken, weil... Am Schluss haben sich doch alle lieb. Und es ist nie so wirklich bösartig, weder wie UK noch wie Stromberg. Und die Pranks sind alle irgendwie witziger. Und bei Stromberg zum Beispiel wird das ... Wird wirklich Mobbing thematisiert. Da wird jemand böse gemobbt im Büro. Und bei die Office US sind es Pranks unter Freunden fast schon. Die werden zu Freunden. die werden zu Best Buddies und er ist dann später sogar, der, der ihn den einen verarscht, die ganze Zeit ist dann später sogar sein Trauzeuge und alle sind glücklich, aber es macht trotzdem Spaß, das zu gucken, weil es einfach seine eigene Art findet. Das war eine honorable mention. Das war eine honorable mention. Ich muss gleich weitermachen mit Platz 3. Und Platz 3 ist eine kurze Sequenz aus Per Anhalter durch die Galaxis. Dem 2000er-Fünfer-Film?
Johannes Franke: Verdammt.
Florian Bayer: Ich glaube, wir werden mehrere Paarungen haben. Ich glaube, mein Platz 2 ist dein Platz 1. Das ist so bitter. Die Wogonen, die Bürokraten, sie landen auf diesem Raum der Wogonen und die Wogonen sind nicht nur Bürokraten, sondern auch schreckliche Dichter. So schrecklich, dass ihre schlechten Gedichte Menschen töten können. Es gibt dann so ein, ich weiß gar nicht, ob der im Film ist, im Comic gibt es, in der Romanvorlage gibt es dann diesen lustigen Nebensatz, dass sie nur die Zweitschlechtesten sind und der Schlechteste ist dann, und dann wird irgendjemand von der...
Johannes Franke: Ich glaube, den gibt es auch im Film, oder? Ach, ich weiß nicht mehr.
Florian Bayer: Auf jeden Fall toll, Bürokraten im Weltall, Monster.
Johannes Franke: Ja, das ist sehr schön. Der ist bei mir in der Liste auch, aber vielleicht habe ich noch einen Ersatz.
Florian Bayer: Mal gucken.
Johannes Franke: Dann mach ich Platz drei, wa? Ja. Ich hätte dann Platz drei einfach, sagen wir, Man in Black.
Florian Bayer: Oh, okay.
Johannes Franke: Also, da es nicht so wahnsinnig viele gibt und ich dachte, um der Diversität willen, mal so eine sehr... Hollywood-lastige Sache zu nehmen. Ich fand den tatsächlich damals ziemlich cool. Ich weiß nicht, wie ich die Fortsetzungen fand. Ich glaube nicht so richtig geil und den letzten habe ich auch nicht gesehen. Aber ich fand den ersten schon ziemlich innovativ, so von der Geschichte her. Du bist nicht so begeistert.
Florian Bayer: Ich versuche gerade, den Link zur Bürokratie zu setzen.
Johannes Franke: Ach so, das ist eine einzige... Also das ist eine Behörde. Das ist eine riesige Behörde. Und es gibt diese eine Szene, wo ganz, ganz viele verschiedene Aliens, alle versuchen irgendwelche Formulare zu bekommen und Antrag hier und Antrag da, darf ich hier wohnen, darf ich diesen... diesen Körper annehmen und so weiter. Das ist schon sehr, sehr Bürokratie.
Florian Bayer: Anne Black ist für mich vor allem so ein ultimativer 90er-Jahre-Blockbuster. In einer Zeit, als es auch einfach nicht viele gute Blockbuster gab. Es gibt wirklich so eine dürre Periode. im Blockbuster-Kino in den 90ern. Zwischen Jurassic Park und Titanic. Da gibt's irgendwie so ein großes Loch. Wo es keine guten Blockbuster gaben Man and Black ist so ein bisschen die rühmliche Ausnahme dabei. Ist auf jeden Fall ein guter Film. Ja, und wahrscheinlich passt der auch zu. Und er zeigt Bürokratie wirklich auch als spaßiges.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Das sind coole Bürokraten, die alle Spaß an ihrem
Johannes Franke: Aber auch die Absurdität wird thematisiert. Also es ist schon nicht immer leicht. Ja, stimmt. Durch den Wahnsinn zu kommen. Aber natürlich wird es leicht für sich erzählt.
Florian Bayer: mein Platz 2, der dann Platz 1 ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Tut mir leid, Brasilien.
Johannes Franke: Ja, genau. Brasil.
Florian Bayer: Würdest du wenigstens was dazu sagen?
Johannes Franke: Mach ich dann.
Florian Bayer: Okay. Dann sag ich einfach nur Brasil. Von Terry Gilliam.
Johannes Franke: Dann wäre mein Platz 2... Das Leben der Anderen.
Florian Bayer: Ja, sehr gut.
Johannes Franke: Das Leben der Anderen ist wirklich eine krasse Verfilmung eines Typen, der einfach... in der DDR Leuten, einfach Stasi, man muss Leute abhören und kommt halt in diese Geschichte und diese Lebensrealität der anderen hinein und hat immer mehr Schwierigkeiten, das wirklich zu machen und damit klar zu kommen, dass er das macht.
Florian Bayer: Ulrich Mühe als einsamer Überwacher, der wirklich in ganz vielen Szenen einfach nur da sitzt, auf diesem Dachboden, in diesem engen Kabuff. und zuhört, wie die anderen ihr Leben leben.
Johannes Franke: Ja, hast echt eine ganz krasse Kraft entwickelt.
Florian Bayer: Starker Film.
Johannes Franke: Ja. Ja, angucken.
Florian Bayer: Platz 1, der Klassiker unter den Behördenwahnsinnsgeschichten, Franz Kaff. verfilmt von Austin Wells, der Prozess aus dem Jahr 1962 mit Anthony Perkins, der als Josef K. versucht, seinen Tod zu seine Verurteilung abzuwenden und sich dabei durch Behörden kämpft und einfach nicht weiterkommt und am Schluss hingerichtet wird.
Johannes Franke: Ich habe den nicht gesehen, deswegen ist er nicht in meiner Liste. Aber ich habe natürlich sofort daran gedacht, weil ich das Buch gelesen habe und dann, naja, hm. In mein Platz 1, Brasil. Ja, Brasil, natürlich, die Behördenkritik schlechthin von Terry Gilliam.
Florian Bayer: Tödlicher Behördenwahnsinn.
Johannes Franke: Behörde, der sein kleines Mini-Office da und direkt daneben, die teilen sich einen Tisch mit einer Wand getrennt und der eine zieht den Tisch noch ein bisschen rüber, was dem anderen den Tisch wegnimmt und dann... Dann ziehen die so hin und her und dann durch eine Fliege, die in eine Schreibmaschine oder in eine Maschine überhaupt reinkommt, entsteht ein Fehler. Ein kleiner Druckfehler im System, der dazu führt, dass Menschenleben in Gefahr sind von Leuten, die sich nie was zu Schulden haben
Florian Bayer: Menschen werden getötet wegen dieser Fehler.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und das Krasse an Brasil ist vor allem diese... Dieser Kontrast zwischen dem langweiligen und gleichzeitig tödlichen Behördenalltag und dann diesen krassen Traumsequenzen, in denen er sich bewegt. in denen er als großer Engel mit Schwert bewaffnet gegen das Böse kämpft.
Johannes Franke: Ja, sein Sehnsuchtsort die ganze Zeit, weil er wirklich in diesem Scheißjob gefangen ist. Das ist krass. Und dann versucht ihr zu helfen, diesen Leuten, die durch diesen Druckfehler irgendwie in Gefahr geraten.
Florian Bayer: Ja, und landet selbst in den Tretmühlen dieser Behörde.
Johannes Franke: Immer noch einer meiner absoluten Lieblingsfilme aller Zeiten.
Florian Bayer: Auf jeden Fall einer der besten Filme überhaupt. Terry Gilliam in Hochform. So gut sollte er wahrscheinlich nie wieder sein, wer er in diesem Film war.
Johannes Franke: Okay, das müsste ich mal überprüfen. Interessante Töte. Ja, mein Platz 1. Du hattest deinen Platz 1 jetzt auch schon?
Florian Bayer: Der Prozess.
Johannes Franke: Ja, der Prozess. Wow. Dann haben wir unsere Liste durch. Wir haben unsere Liste durch. Jetzt schon. Bei Minute 50 oder sowas. Dann müssen wir wieder zurück in den Film. Wir haben ja noch ein paar Aufgaben vor uns.
Florian Bayer: Wir haben noch drei, vier Aufgaben haben wir noch.
Johannes Franke: Ja, wo waren wir denn? Jetzt muss ich dann wieder hinscrollen mit meinen Notizen.
Florian Bayer: Wir kommen wieder zu einer Aufgabe, die ich eher als lame bezeichnen würde. Und zwar die Überquerung eines Krokodilflusses. einem unsichtbaren Seil.
Johannes Franke: Es ist relativ lame, aber ich finde die Erfindung dieses unsichtbaren Seils schon irgendwie cool.
Florian Bayer: Also ich habe das Gefühl, da hat irgendjemand gewürfelt. Da gab es so Würfel, auf denen noch mal so Möglichkeiten standen. Da stand unsichtbar und Seil. Es hätte genauso gut brennendes Haus sein können. oder schwebender Stuhl. Und er hat halt einmal unsichtbar gewürfelt, einmal Seil gewürfelt, einmal Krokodile. Und dann haben sie das zusammengebaut und gesagt, okay, und wie lösen wir es jetzt? Ach, egal, die springen einfach runter ins Wasser und die Krokodile müssen halt an dem Seil hängen.
Johannes Franke: Ja, aber es ist schon... Slapstick Gold, muss man sagen. Wie die Krokodile da auf diesem schwingenden Seil hängen und die Musik, die Tanzmusik, die dazu gespielt wird. Das ist schon süß.
Florian Bayer: aber so random ja das ist sehr random absolut also man hat das gefühl ihnen sind die ideen ausgegangen gott sei dank zeigen die folgenden dann dass sie doch noch ein paar ideen
Johannes Franke: Genau, weil das nämlich im Grunde nur die Butter zwischen den Sandwiches ist, weil nämlich als nächstes wieder wirklich was Großartiges kommt. Ja.
Florian Bayer: Ein Rätsel.
Johannes Franke: Und es wird so groß aufgebaut, dieses große Rätsel des Ehrwürdigen des Gipfels.
Florian Bayer: Olympia.
Johannes Franke: Der Weichmacher der Götter.
Florian Bayer: Es hat wirklich alle Zutaten für so eine klassische, alberne 80er-70er-Karte. Wir sind in den 70ern.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: TV-Werbung für Weichmacher, weil Asterix sollte einfach nur raten. Und es kann doch keine schwere Aufgabe sein, weil in der Werbung ist das immer super leicht und für ihn ist es ja auch leicht, weil das eine ist steinhart und das andere ist schön weich.
Johannes Franke: Und natürlich geht es da mit den Autoren durch, die wollen einfach nur eine Persiflage unterbringen, das war's. Aber dann besteht, wenn man das realistisch betrachtet, die Aufgabe an sich natürlich im Erklimmen des Gipfels und dann die Aufgabe ist natürlich so ein kleiner Sidegag. Ja.
Florian Bayer: Wobei das Erkleben des Gipfels ja auch einfach Asterix und Rolex klettern berghoch.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber dieser Gag ist wirklich toll. Und es wird auch zu den Göttern geschaltet. Wir sehen auch die Götter im Himmel, die auch einmal runtergucken und sich fragen, sind diese Geier vielleicht doch Götter? Wer weiß, was machen wir jetzt mit denen? Und wir sehen einmal so dieses komplette römische Pantheon.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Eine sehr schöne Szene.
Johannes Franke: Und das Schöne ist, dass zu dieser Zeit ein recht ähnliches Design von Coral, deutsche Marke, Ist das eine deutsche Marke?
Florian Bayer: Auf jeden Fall in Deutschland weit verbreitet.
Johannes Franke: Und das Design war relativ ähnlich. Und es gab damals auch von Choral eine Werbung mit Asterix und Obelix. Es gab da eine. Das heißt, es kann sein, dass es eine direkte Anspielung ist auf die eigene Geschichte mit Choral. Zu der Zeit direkt. Also auch Naja, genau, also natürlich ein bisschen gemutmaßt, aber könnte sein. Und was ich auch schön fand, war der Weg rauf zum Gipfel. Da gibt es eine kleine Sequenz, wo ein Adler kommt und die beiden angreift. Ja. Was eine Anspielung auf Prometheus sein dürfte, der da ja einmal ange, also der Legende nach angefesselt wird und dann wird seine Leber oder was?
Florian Bayer: Seine Reihen werden von einem Adler oder von einem Dreier immer wieder gefressen, aber es wächst immer alles nach. Das heißt, er muss ewig da hängen. Boah, die Götter waren echt grausam.
Johannes Franke: War Prometheus, oder? Ach Gott.
Florian Bayer: Ja, ja, Prometheus war das zur Strafe, dass er den Menschen das Feuer gebracht hat.
Johannes Franke: Genau das, ja, genau. Und dann hätten wir die nächste lame Sache.
Florian Bayer: Nummer 11. Ich finde die okay. Und zwar einfach, weil ich mag, die Asterix... nur seine Ruhe haben will. Und ich finde, also als Vater von einem Kind kann ich das gut nachvollziehen. Ich will jetzt einfach nur noch schlafen. Wir haben so viele Aufgaben gemacht. Die Geister sollen ihnen eigentlich Angst machen.
Johannes Franke: Das wird natürlich nichts. Ja, die sitzen da halt, die Geister kommen, was soll's. Ist okay. Ja. Naja, und dann kommen wir zum großen Finale.
Florian Bayer: Zauber Zirkusnummer. Auf ins Kolosseum zum Gladiatorenkampf.
Johannes Franke: Was schön ist, weil sie natürlich dann die moderne Variante des Zirkus in den alten Zirkus reintragen, was ein schöner Take ist darauf.
Florian Bayer: Und es ist auch wirklich schön. dass das gesamte Dorf endlich da ist. Weil wir haben, also es gibt Filme, Asterix-Filme, die sind einfach stärker, auch weil sie mehr vom Dorfleben zeigen. das eigentlich, wenn gezeigt wird, wie die im Dorf miteinander interagieren.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Weil die Asterix-Comics und Filme sind halt so voller toller Nebencharaktere. Troubadourix und Die gute Miene. Das sind alles so wirklich witzige Charaktere, die so schön... Klischeehaft ausgemalt sind. Und die fehlen in dem Film natürlich, weil die ganze Zeit nur Asterix und Obelix unterwegs sind. Aber im Kolosseum darf jeder nochmal so ein bisschen zeigen, was er drauf hat und was er kann. Und das ist einfach ein schöner Moment.
Johannes Franke: Und die Musik dazu. Und die eine, die Frau von dem Methuselix tanzt mit diesem Bären. Was ja auch so eine Anspielung an so ein Sprichwort ist, Tanz mit einem Bären.
Florian Bayer: Und es ist einfach eine große Zirkusparade und alle haben Spaß. Cäsar muss anerkennen, dass die Gallier Götter sind. Ganz klar.
Johannes Franke: Schönes, wo ich denke, okay, gut, nehmt es euch einfach raus, sagt, Geschichte ist also folgendermaßen ausgegangen, deswegen sind wir alle heute Franzosen.
Florian Bayer: Ihr habt mal in irgendeiner Episode hatten wir, glaube ich, History Revision als Thema, Top 3. Der hätte auch reingepasst.
Johannes Franke: Der hätte voll reingepasst, ja. Nicht dran gedacht.
Florian Bayer: Ja, und dann ist klar, sie feiern dann wieder im Dorf, aber sie sind jetzt Herren über Rom.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie sind aber nicht zu Cäsar, der darf in den Ruhestand.
Johannes Franke: Mhm. Lässt sich bekochen von Cleopatra.
Florian Bayer: Okay, ja. Okay. Und dann gibt es eigentlich nochmal diese sehr nette Abschlussszene, die im Deutschen auch ein bisschen anders übersetzt wurde, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo Obelix Asterix fragt, sind wir jetzt die Herren von Rom? Mhm. Und Asterix sagt zu ihm, wir können jetzt alles machen, was wir wollen. Und dann teleportiert sich Obelix auf die Insel der Freude? What? Nicht Wildschwein, aber jetzt ein Wildschwein immerhin.
Johannes Franke: Ja, er ist ein Wildschwein und daneben ihm sitzt dann natürlich Gaius Pupus.
Florian Bayer: Genau, der belohnt wird für seine harte Arbeit als Schiedsrichter und auch dahinter. Im Original sagen sie was anderes.
Johannes Franke: Ja, im Original heißt es, wir sind doch jetzt im Comic. Wir sind doch hier im Comic, da können wir machen, was wir wollen.
Florian Bayer: Weil es so unrealistisch ist, dass sie die Herren von Rom sind. So was kann es ja nur im Film geben.
Johannes Franke: Das finde ich schön. Das ist eine gute Anspielung, guter Metakommentar, schönes sich rauswinden aus der ganzen Geschichte.
Florian Bayer: Und das setzt fast so einen Rahmen um diesen Film, weil der Film beginnt ja mit einem Erzähler.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Der fragt, hey, wer kennt den Asterix und Obelix? Und dann gehen erstmal Hände im Kinosaal hoch.
Johannes Franke: Was auch sehr schön ist hier.
Florian Bayer: Und dieser ganze Film ist von diesem Metamoment durchzogen. Also er... Er ist selbstreferentiell, er nimmt sich selbst nicht zu ernst. Und das... Mach es auch verschmerzbar, dass du nie das Gefühl hast, dass irgendwas bedroht ist, dass es nie sonderlich spannend oder unheimlich oder traurig wird. Sondern er zieht sein Programm einfach durch. Aber er macht das mit so viel Witz und so viel Selbstbewusstsein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Selbstreferentialität. Er ist sich einfach bewusst darüber, was er ist. Das ist ein albernes Schaulaufen von verschiedenen Episoden. Und der kostet das toll aus.
Johannes Franke: Es ist einfach ein Varieté-Film.
Florian Bayer: Genau, ein Varieté-Film. Das trifft es eigentlich perfekt.
Johannes Franke: Ja, ich finde es schön. Ich glaube, wir können faziten. Also wenn das nicht schon das Fazit ist, so ein bisschen.
Florian Bayer: Wollen wir kurz noch auf die anderen Asterix-Filme zu reden kommen? Ich gehe mal davon aus, du kennst die Asterix-Filme auch, die älteren, ne?
Johannes Franke: Ja, aber ich kann dir gar nicht mehr so viel dazu sagen, weil das ist doch sehr lange. her ist, dass ich die alle gesehen habe.
Florian Bayer: Die Filme davor waren Asterix, der Gallier und Asterix von Cleopatra 1967, 1967. 1968 und dann acht Jahre Pause. Asterix und Cleopatra wird oft so hervorgehoben als Film, der mit einer der besten Asterix-Filme ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde, das ist ein Film, der sehr viel verloren hat. Wenn man ihn heute guckt, denkt man, uff ... Da ist aber vieles dabei, was nicht witzig ist und was auch problematisch ist und viel zu viele Stereotype. Und Asterix der Gallier ist tatsächlich so ein Einführungsfilm. Das ist wie so ein Tutorial. Weil da passiert eigentlich nichts. Weil da kämpfen die Gallier einfach gegen die Römer. Meiner Meinung nach, die besten Asterix-Filme sind dann die, die folgen, sollten Sieg über Cäsar, der, wie gesagt, eine ähnliche Geschichte erzählt. Aber eigentlich der Asterix-Film mit der krassesten Handlung und den krassesten Spannungsmomenten. Asterix bei den Dritten ist wieder einfach ein großes Vergnügen. Und dann kommt nochmal der düstereste Asterix-Film, Asterix Operation Hinkelstein aus dem Jahr 1989, der teilweise wirklich wie so ein Drogentritt. wirkt und wo sie wirklich düstere Momente drin haben. Miraculix verliert seinen Verstand und sie haben keinen Zaubertrank mehr und dann kommt noch dieser Seher ins Dorf, der sie... der sie alle reinlegt und dann streiten sie sich alle im Dorf und dann ist es fast so was Apokalyptisches.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist so ein bisschen mein heimlicher Favorit unter den Asterix-Filmen, einfach weil der so anders ist und so viel düsterer.
Johannes Franke: Das ist einer meiner Favoriten, aber der Comics tatsächlich.
Florian Bayer: Das sind zwei Comics, ne? Asterix Operation Henkelstein ist einmal der Seher und einmal Kampf der Häuptlinge zusammengewürfelt.
Johannes Franke: Und den Seher fand ich so genial als Comic davon. War ich wirklich begeistert. Ich glaube, den am meisten gelesen mit die Trabantenstadt. Den fand ich auch ganz toll.
Florian Bayer: Ah, die Travantenstadt kenne ich, glaube ich, gar nicht.
Johannes Franke: Nicht?
Florian Bayer: Nee.
Johannes Franke: Da sagen die Römer irgendwann... wir haben hier aber moderne Lebensweise und die Gallier haben das nicht und vielleicht schaffen wir es, sie zu korrumpieren. Und dann bauen sie... Direkt vor dem Dorf, vor den Toren des Dorfes, bauen sie so eine Stadt hin. Also mit ganz vielen Annehmlichkeiten, so ein Hochhaus und hier, da mit ganz toll fließend Wasser und weiß ich nicht, alles, was... was man gerade so verschmerzen kann als Anachronismus. Und ... Dann kommen so nach und nach, so kommt so einer aus dem Dorf und guckt sich das an und denkt sich, sieht eigentlich ganz gut aus. Ach, die haben aber auch eine schöne Bauweise. Und ach, hier könnte man hier leben? Und dann nach und nach kommen die da aus dem Dorf raus und ziehen in dieses Ding ein. Und irgendwie schafft Asterix es dann, die Leute davon zu überzeugen, dass das alles nur ein Trick ist von den Römern und dass sie da möglichst wieder ausziehen sollten und Die wollen aber das schöne Leben dann nicht aufgeben.
Florian Bayer: Das klingt wirklich ganz spannend. Ich mag diese Geschichten, in denen viel Dorfleben gezeigt wird. Und in denen wirklich Konflikte da sind. Wie gesagt, dieser Film hat keine großen Konflikte. Hat keine großen Konflikte, aber sowas wie der SEA, Kampf der Häuptlinge, beziehungsweise die Verfilmung davon, Operation Hinkelstein. Oder Sieg über Cäsar, da gibt es wirklich Konflikte. Bei Sieg über Cäsar gibt es diese eine Szene, wo sie alle auseinander sind in Rom. Ja. Und der Zaubertrank ist verloren gegangen. Und Obelix weiß nicht, wohin. Und Asterix ist, glaube ich, sogar im Kerker. Und Idefix rettet dann alle. indem er dem Zaubertrank hinterherjagt. Aber es ist ein wirklich spannender Moment, wo man denkt, oh shit, jetzt stecken sie wirklich in Schwierigkeiten.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Das haben wir in diesem Film natürlich nicht. Aber dieser Film hat andere Stärken. Eben seinen Varieté-Charakter und dass er sich sehr bewusst dessen ist. Und dass er einfach mal ein bisschen Spaß hat mit diesem Asterix Setup.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Teil Sinn, dass es nicht auf dem Comic basiert. Genau. Ich habe auch die Comics dazu nicht gelesen. Die wurden parallel zum Film... fast und so nach und nach veröffentlicht.
Johannes Franke: In der Zeitschrift.
Florian Bayer: Genau, in Zeitschriften und im in Frankreich so seriell tatsächlich, so jede Woche gab es eine Aufgabe wahrscheinlich. Ich habe die Comics dazu nicht gelesen. Ich glaube, das ist was, was als Comic nicht so gut funktioniert wie als Film.
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau. Keine Ahnung, Mr. man rausfinden. Es gab ja irgendwann ein Sammelband der bisherigen Asterix- Ausgaben und da war das auch nicht vertreten, weil das einfach nicht zum Kanon gehörte. Und dann irgendwann hatten sie, glaube ich, mal eins rausgebracht. Bin mir aber nicht sicher.
Florian Bayer: Wir hatten einen Mordserfolg. Der erfolgreichste Film seines Jahres. 7,2 Millionen Zuschauer in Deutschland.
Johannes Franke: Toll. Großartig.
Florian Bayer: Und das war offensichtlich, also das waren Zuschauerzahlen, die sonst halt eher die Disney-Filme erreicht haben.
Johannes Franke: Ja, das ist halt das Tolle daran, dass der das erste Mal so wirklich eine Konkurrenz dafür Dass man das erste Mal das Gefühl hat, okay, die gehen da alle rein wie in so einen Disney-Film.
Florian Bayer: Aber darf ich noch auf eine Kleinigkeit eingehen? Einen großen Patzer des Films. Im Haus, das verrückt gemacht. Ist dir der Fehler aufgefallen? Nachdem Asterix nach dem Passierschein A39 gefragt hat, gehen die Frauen nach oben und fragen da irgendwen. Dann laufen sie die Treppen runter und haben plötzlich den Pförtner von unten dabei, obwohl sie von oben kommen.
Johannes Franke: Nein, das ist nicht der Pförtner.
Florian Bayer: Der sieht aber aus wie der Pförtner. Der ist genauso gezeichnet wie der Förtner.
Johannes Franke: Das ist aber der, den sie da oben fragen.
Florian Bayer: Aber der sieht anders aus.
Johannes Franke: Ja, aber der hat auch eine andere Stimme.
Florian Bayer: Aber dann gibt es diese eine Szene mit der Treppe.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und da laufen sie... Das sieht aus, als ob der Förtner neben ihn laufen würde. Schaut euch das nochmal an. Schreibt uns in die Kommentare.
Johannes Franke: In welche Kommentare haben wir noch?
Florian Bayer: Wir haben keine Kommentare. Schreibt uns per Mail. Ich zeig dir die Zähne nachher nochmal, wenn das vorbei ist. Ich kann jetzt hier schlecht einen visuellen Beweis bringen.
Johannes Franke: Aber wenn du das gerade so sagst, schreibt uns gerne per Mail, nicht nur diese Info, sondern schreibt uns gerne, wenn ihr das Gefühl habt... ihr müsst unbedingt diesen Film gucken oder weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ihr habt dieses Detail vergessen. Eure Filmkritiken sind voll scheiße.
Johannes Franke: Genau. Schreibt uns genau sowas. Also sowas schreibt er natürlich Plor und mir schreibt er die ganzen positiven Sachen und die ganzen Filmvorschläge. Mails gehen raus an johannes-at-mus-mann-sehen.de oder florian-at-mus-mann-sehen.de
Florian Bayer: Und wir freuen uns auch über Filmvorschläge. Vor einiger Zeit haben wir einiges an Publikumspost bearbeitet. Und jetzt sind doch schon seit einem halben Jahr keine Vorschläge reingekommen. Wir würden uns freuen, wenn ... mal wieder was reinkommt. Also wenn ihr denkt, hey, die müssen unbedingt über diesen Film reden, schreibt uns das, wir machen das sehr gerne und quälen uns auch durch sehr obskure Filme.
Johannes Franke: zu eurem Vergnügen. Sonst kochen wir wieder nur in unserem Süppchen und das ist ja eigentlich gar nicht so horizonterweiternd, wie wir wollen. Okay. Ach, wie schön. Es war eine sehr, sehr, sehr, sehr schöne Folge. Haben wir noch ein Fazit oder willst du noch irgendwas sagen?
Florian Bayer: Schaut euch den Film an. Was ist denn? Toller Film. Ich gehe davon aus, dass ihr ihn alle gesehen habt.
Johannes Franke: Ja, eigentlich gehe ich auch davon aus. Aber es ist schön, mal wieder so ein bisschen darüber zu reden.
Florian Bayer: Vielleicht für das jüngere Publikum. Wenn ihr nicht in den 80ern und 90ern für mich sozialisiert wurdet, es ist ein tolles Stück.
Johannes Franke: Dann herzlich willkommen zu diesem Podcast, den nur alte weiße Männer hören.
Florian Bayer: Ein Stück europäische Zeichentrickfilmgeschichte, die sich lohnt, entdeckt zu werden.
Johannes Franke: Ja. Da kann ich gar nicht mehr viel zu sagen. Ich sage nur vielen Dank, Flo, dass du ihn gesehen hast.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du ihn mir vorgeschlagen hast und wir sehen uns nächste Woche.
Johannes Franke: Falls ihr wissen wollt, wie es weitergeht. Nächste Woche. Dann bleibt noch kurz dran. Dann erzählt mir Plur, was er mir wieder aufgibt.
Florian Bayer: Oh nein! Outro.
Johannes Franke: So, jetzt aber, was haben wir denn? Was möchtest du mir geben?
Florian Bayer: Du wolltest was Aktuelles. Du hast gesagt, die Leute hören uns nur zu, wenn sie die Filme gesehen haben.
Johannes Franke: Wenn dem nicht, ich gebe dir beides.
Florian Bayer: Ich gebe dir den schrecklichsten Ohrwurm der jüngsten Animations- und Trickfilmgeschichte.
Johannes Franke: Okay, was ist...
Florian Bayer: Und ein Film, über den viel geredet wurde und den, glaube ich, jedes Kind, das irgendwie zwischen 5 und 10 Jahre alt ist, gesehen hat.
Johannes Franke: So jung, der Film.
Florian Bayer: Und alle drüber haben das auch gesehen. Viele haben das gesehen. Ich möchte mit dir über die Eiskönigin reden von Disney. Die Interpretation von der Eiskönigin von Disney.
Johannes Franke: Frozen.
Florian Bayer: Frozen aus dem Jahr 2013.
Johannes Franke: Frozen. Let it go. Let it go.
Florian Bayer: Auf Deutsch, die Eiskönigin völlig unverfroren. Völlig unverfroren? Was ist das denn? Das ist wirklich der Untertitel. Fuck. Und im Hinblick auch auf die Frage, ob sich Disney-Zauber, klassischer Disney-Zeichentrick-Zauber auch in einen Computerfilm transferieren lässt. Und ich bin sehr gespannt auf deine Meinung dazu. Du kennst den Film, ne?
Johannes Franke: Jaja, ich hab ihn gesehen. Deswegen hab ich die Songs. Do you wanna Build a Snowman. Das dabei und dieses Let It Go. Das ist ja viel rezipiert und viel persifliert und so weiter.
Florian Bayer: Uns wurde viel drüber geredet und einfach der populärste Disney-Film seit Jahren und wahrscheinlich... Der Disney-Film, der dem Studio auch wieder zu neuem Glanz verholfen hat.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Also ich bin sehr gespannt, was du davon hältst. Sag noch nichts, keine Spoiler. Ich bin gespannt, ja. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes davon hält, was ich davon halte, dann hört nächste Woche rein.
Johannes Franke: Bis dahin.
Florian Bayer: Ciao.
