Episode 82: Häppchenweise – two dudes talking porn
Willkommen zum mussmansehen Porno-Filmfestival und zur in der Frühzeit unseres Podcasts bereits erörterten Gretchenfrage: Kann Porno Kunst sein? Unsere Vertreterin des Pros ist dieses Mal Wissenschaftlerin und Regisseurin Maike Brochhaus, die 2013 mit “Häppchenweise” ein postpornografisches Experiment wagte.
Sechs Personen, die sich vorher nie gesehen haben, eine ganze Nacht zusammen auf engstem WG-Raum, ständig überwacht von mehreren Kameras. So weit so Big Brother. Aber im Gegensatz zu diversen Social Documentary Trash-Formaten gehören zum Häppchenweise-Fundus auch ein Flaschendrehspiel, die zuvor bekundete Bereitschaft der sich Sex vor der Kamera vorstellen zu können und Teilnehmer*Innen aus der woken Millennial-Bubble, von denen eben nicht nur Körperlichkeit sondern auch eine Menge Reflexion über dieselbe erwartet werden darf.
Und so erleben wir nicht nur einen Post- sondern vor allem einen Meta-Porno, in dem ausgiebiger über Sex geredet als dass dieser zelebriert wird. Das hat dann bei der Freiwilligen Selbstkontrolle sogar für ein FSK ab 16 gereicht, obwohl es zusätzlich alle Ingredienzen klassischer Filmpornografie gibt: Nackte Haut, erigierte Genitalien, Petting und Fellatio.
Und damit kommen wir zur Gretchenfrage dieses Films: Trotz Metaebenen, trotz experimentellen Ansatzes, trotz Zerfaserung, Zerredung und Akademisierung… Hat es denn auch ein wenig geknistert? Johannes?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 82: Häppchenweise – two dudes talking porn Publishing Date: 2022-07-28T10:44:12+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/07/28/episode-82-haeppchenweise-2-dudes-talking-porn/
Johannes Franke: Was? Nochmal, der Ton lief noch nicht. Sag doch mal, was du gerade gesagt hast.
Florian Bayer: Nein, das habe ich sehr bewusst in mich reingemurmelt, dass es aufbleibt. So fiese kleine Spitzen kommen erst während der Aufnahme.
Johannes Franke: Okay. Jetzt komme ich hier nicht an den Regler gut ran. Das muss ich auch nochmal irgendwie ändern. Vor allem sehe ich nicht, was ich mache. So ist es besser. Jetzt sehe ich das.
Florian Bayer: Angesichts der Tatsache, dass wir heute über ein Porno reden, ist es voll merkwürdig. Diese ganzen Sätze, die du da raushaust, einmal um die Ecke zu denken. Ich komme da jetzt nicht so richtig dran. Jetzt sehe ich, was ich da mache. Bei uns in der Schule hieß das damals Denkmal schief. Ja.
Johannes Franke: Bei uns war es immer so, wer an was Versautes gedacht hat, musste die Hand heben. Das heißt, mitten in Gesprächen, wo eigentlich nur harmlos ist. geredet wurde, hat irgendjemand die Hand gehoben und alle haben gedacht, Moment, wie ist das jetzt darauf gekommen?
Florian Bayer: Vor allem bei 13-, 14-Jährigen, wo das permanent stattfindet, ne?
Johannes Franke: Ja. Oh, wir sind schon fast in der Episode.
Florian Bayer: Ja, herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen, zu einer neuen Episode von Two Dudes Talking Porn. Ja.
Johannes Franke: Kurzer Hinweis, Oma, das hatte ich auch letztes Mal schon, ich bitte dich, es ist ein ganz toller Podcast, den wir machen, hör dir ganz viele Episoden an, aber Oma. Diese Episode nicht.
Florian Bayer: Herzlich willkommen zum ... Muss man sehen, Podcast, wo Johannes und ich über Filme reden.
Johannes Franke: Und gegenseitig Filme aufgeben. Und die müssen wir dann sehen, ob wir wollen oder nicht. Und das ist ein bisschen das, was du jetzt ausgenutzt hast, habe ich das Gefühl, Flo.
Florian Bayer: Es ist das zweite Mal, dass ich Johannes einem Porno entgegengeworfen habe.
Johannes Franke: Das ist das erste Mal, dass du mir ein Porno entgegengeworfen hast. Das erste Mal, was du als erstes Mal definierst, ist so ein bisschen eine lazy Variante. Blue Movie von Andy Warhol, das war... Naja.
Florian Bayer: Ein Klassiker, die Geburtsstunde des Golden Age of Porn. Ja. Und damals haben wir schon sehr viel über die Porno-Filmgeschichte geredet. Ich glaube, das müssen wir heute gar nicht mehr so viel machen.
Johannes Franke: Genau. Wenn ihr das wissen wollt, dann guckt euch, hört euch die Episode an.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was es in der Geschichte gab an Pornos, wie sich die Porno-Szene entwickelt hat von dieser Zeit des Golden Age of Porn an. Hört euch auf jeden Fall diese Episode an, wo wir über Andy Warhol reden, über seinen Porno Blue Movie, dessen Pornostatus man durchaus in Frage stellen kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Heute reden wir, glaube ich, ein bisschen über andere Sachen, nämlich über die Frage, was kann Porno? Und was kann Porno, wenn er versucht, was anderes zu können, als Porno eigentlich machen will? dann noch Porno? Das Wort Porno wird auf jeden Fall sehr oft vorkommen.
Johannes Franke: Porno, Porno, Porno.
Florian Bayer: Und trotzdem schon mal als kleine Anmerkung, wir haben hier eine FSK-16-Folge vor uns. Keine Ahnung, wie sie das geschafft haben. Der Film, den wir heute besprechen, ist ein FSK-16-Film. Die Regisseurin Maike Brochhaus hat das auch bei Startnext in dem Blog, wo immer mal wieder News zu dem Film rauskommen, extrem gefeiert. dass da offensichtlich an dem Tag, an dem das geprüft wurde, die Person, die sonst immer so mit Geodreieck da sitzt und einmal sagt, ah, ah, das ist eine Erektion, die muss gepennt haben. Der Film hat eine FSK 16 gekriegt.
Johannes Franke: Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Österreich war strenger. Österreich hat gesagt, nee, das ist Porn, der ist ab 18. Aber in Deutschland, und ich finde, die FSK ist eigentlich immer falsch. Und meiner Meinung nach als Filmliebhaber auch immer zu streng. Aber in dem Fall kann ich das durchaus unterstützen. Aber darüber können wir auch diskutieren. Vielleicht liegen sie auch diesmal falsch. Vielleicht ist das auch ein Film, den man eher ab 18 freigeben sollte.
Johannes Franke: Ich würde an dieser Stelle einen Koitus Interruptus vorschlagen. Wir haben nämlich unsere Testaufnahme gar nicht angehört, Plor. Und müssen einmal kurz reinhören, ob das, was wir hier fabrizieren, wirklich durch die richtigen Kanäle geht. Wir machen immer eine Testaufnahme normalerweise. Also hören wir uns in zwei Sekunden wieder. wenn ich reingehört habe. So, es läuft wieder.
Florian Bayer: Für euch war es eine Sekunde, für uns waren es drei Minuten in den Johanneswild an den Reglern rum. geregelt hat. Panisch. Panisch.
Johannes Franke: Nein, hat ja alles geklappt.
Florian Bayer: Also nochmal... Zurück auf den Anfang gespult. Wir reden heute über den Film Häppchenweise aus dem Jahr 2013 von Maike Brochhaus. Und wie schon gesagt, stellt euch darauf ein, es geht um Pornografie, es geht um Sex vor der Kamera und um nicht simulierten Sex, sondern um...
Johannes Franke: Wo wir gerade bei Sex sind. Möchtest du Tee, Plur?
Florian Bayer: Sehr gerne. Oh, Johannes hat was ganz Tolles gemacht, was... also wofür ich ihn extrem abfeiere. Ich meine, ich feiere Johannes sowieso ab, weil er ein ganz großartiger Mensch ist, aber dafür besonders. Und zwar hat er... Es gab ein Erklärvideo auf Englisch zum Thema Consents. Was bedeutet das, wenn es um Sex geht? Und der, der das gemacht hat, hat das ganz toll gemacht mit der T-Metapher. Und dann eben so Sachen gesagt wie, wenn jemand sagt, er möchte Tee und du kochst den Tee und er sagt dann, nee, jetzt möchte ich keinen Tee mehr, dann zwingst du ihn nicht, den Tee zu trinken.
Johannes Franke: Genau so ist es mit Sex.
Florian Bayer: Genau. Und Johannes hat den kontaktiert und hat gesagt, ey, ich würde das unglaublich gerne auf Deutsch einsprechen. Und hat dann eine deutsche Variante davon gemacht, was super toll ist und auch super wichtig. Weil das Thema ist, man würde ja meinen, es ist so einfach und so simpel, aber es ist leider immer noch so notwendig, dass darüber geredet wird.
Johannes Franke: Ja, es gibt das Video auf YouTube, das heißt beidseitiges Einverständnis, habe ich Konsens so einfach mal übersetzt. So einfach wie Tee. Und dann gibt es ein sehr schönes dreiminütiges Video darüber, mit welchen Varianten man alles Tee anbieten, aber vielleicht nicht jemandem anders den... Rachen hinunterspülen sollte, wenn er nicht mehr möchte. Zum Beispiel, wenn er ohnmächtig ist. Ohnmächtige Menschen möchten keinen Tee.
Florian Bayer: Schaut es euch an, auch wenn ihr das Gefühl habt, ach, wissen wir schon alles, Das ist auf jeden Fall sehenswert.
Johannes Franke: Ja, und es ist einfach sehr lustig auch gemacht. Insofern, okay. Danke, Plot, dass du das angesprochen hast. Dieser Kanal wird explodieren.
Florian Bayer: Damit zurück zu unserer eigentlichen Episode. Ich habe den Film vorgeschlagen. Johannes musste ihn gucken. Ich habe ihn noch mal geguckt. Wir reden heute drüber und ich steige einfach ein mit einem kleinen Einleitungstext.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Herzlich willkommen zum Muss-Man-Sehen-Porno-Film-Festival und zur in der Frühzeit unseres Podcasts bereits erörterten Kretschenfrage Kann Pornokunst sein? Unsere Vertreterin des Pros ist dieses Mal Wissenschaftlerin und Regisseurin Maike Brochhaus, die 2013 mit Häppchenweise ein postpornografisches Experiment wagte. Sechs Personen, die sich zuvor nie gesehen haben, eine ganze Nacht zusammen auf engstem WG-Raum, ständig überwacht von mehreren Kameras. Soweit so Big Brother. Aber im Gegensatz zu diversen Social-Documentary-Trash-Formaten gehören zum Häppchenweise-Fundus auch ein Flaschentrichspiel, die zuvor bekundete Bereitschaft, sich Sex vor der Kamera vorstellen zu können und TeilnehmerInnen aus der Woken-Millenium-Bubble von denen eben nicht nur Körperlichkeit, sondern auch eine Menge Reflexion über dieselbe erwartet werden darf. Und so erleben wir nicht nur einen Post, sondern vor allem auch einen Metaporno. in dem ausgiebiger über Sex geredet, als dass dieser zelebriert wird. Das hat dann bei der freiwilligen Selbstkontrolle sogar für ein FSK ab 16 gereicht. obwohl es zusätzlich alle Ingredienzen klassischer Filmpornografie gibt. Nackte Haut, irrigierte Genitalien, Petting und Filatio. Und damit kommen wir zur Kretschenfrage dieses Films. Trotz Metaebenen, trotz experimentellen Ansatzes, trotz Zerfaserung, Zerredung und Akademisierung, Hat es denn trotzdem auch ein wenig geknistert, Johannes?
Johannes Franke: Wie definierst du geknistert, Plur?
Florian Bayer: Fandest du den Film erregend?
Johannes Franke: Gleich diese Frage am Anfang, das ist gemein. Ich dachte, wir reden vielleicht eine ganze Weile darüber, bevor ich dann... Damit auspacke. Ich meine, ich weiß, die meisten ZuhörerInnen da draußen wird es interessieren, ob wir den ein oder anderen Moment erregend fanden, aber... Also ich gebe mal ein vorsichtiges Jein rein. Und wir klären es vielleicht während der Episode.
Florian Bayer: Ja, genau. Es gibt ja eigentlich diese zwei große Batzen, die denen im Weg stehen. Das ist zum einen so dieser grundsätzliche experimenteller Ansatz, also wenn ein Film sich schon Postpornografisches Experiment nennt. Ahnt man bereits, das wird jetzt nicht so auf Erregung abzielen, wie das, was Pornos üblicherweise tun.
Johannes Franke: Wobei sie den Titel vorher festgelegt hat und noch nicht wusste. was passieren wird. Das heißt, es hätte auch ein sehr pornografischer Film werden können im klassischen Sinne, weil wenn die entsprechenden DarstellerInnen sich dazu entschlossen hätten.
Florian Bayer: Wenn die Leute das mitgemacht hätten. Und das Zweite ist natürlich, wie viel Zerredung kann Sex kaputt machen? Weil es wird in diesem Film sehr viel über Sex geredet und die Leute, die da sind, tauschen sich auch wirklich ausgiebig darüber aus, warum die Kameras sie nervös machen. Ja. Warum sie jetzt nicht genau wissen, was sie machen wollen, sollen, warum sie sich beobachtet fühlen und so weiter. Und gleichzeitig auch... Also es wird die ganze Zeit über diese Metaebenen geredet. Es sind Kunststudenten, die über Sex reden.
Johannes Franke: Michael Brockhaus hat ja selber gesagt, dass man vielleicht zu dem Film nicht gerade... masturbieren kann, weil in dem Film, und das sagt sie selbst, einfach zu viel geredet wird. Also es scheint ja selbst so ein bisschen das Ziel auch absichtlich verfehlt zu haben mit ihrem Konzept. Also das ist sozusagen nicht der... der eigentliche Hintergrund dieses Experiments. Sie will nicht unbedingt einen Film produzieren, zumindest nicht um jeden Preis diesen Film produzieren als Masturbationsvorlage für Menschen.
Florian Bayer: Kommen wir doch mal zur Intention des Films und vor allem zur Entstehung des Films. Maike Brochhaus ist eigentlich, wir reden jetzt vom Jahr 2013, also diesen Film anfängt zu drehen, ist sie eigentlich Wissenschaftlerin. Sie studiert Kunst auf Lehramt. Recherchiert für ihre Doktorarbeit Porno in der Kunst.
Johannes Franke: Und promoviert über schwule Sexfilme.
Florian Bayer: Genau. Und dann kommt sie auf die Idee, hey, das könnte man ja auch in der Praxis umsetzen, beziehungsweise wie würde das denn vielleicht in der Praxis aussehen? Ja. Und dann sucht sie sich Leute und irgendwie so im Zwischenstadium, als die Idee sich verwirklicht, macht sie das, was man... damals, zumindest als jemand, der nicht viel Geld hat, oft gemacht hat, sie startet ein Crowdfunding. Konkret auf Startnext ist das Ding unterwegs und ist 2011 und 2012 dort zu finden mit einem Finanzierungsziel von 10.000 Euro.
Johannes Franke: Wovon erklärtermaßen keine Darsteller und keine Crew bezahlt werden, sondern nur alle Kosten, die drumherum entstehen, wie Laie von Technik, das Set und so weiter.
Florian Bayer: Tatsächlich besteht der Cast auch schon größtenteils, als sie anfängt Geld zu sammeln. Eine Person springt ab. Eine lustige Nebengeschichte. Und zwar gab es eine, wir nennen sie jetzt Darsteller und Darstellerinnen. Allerdings können wir darüber nachher nochmal diskutieren. Ich weiß nur noch nicht, wie viele Akteure vielleicht meinetwegen. Anja springt ab, auf der Startnext-Seite die Hübsche in der Badewanne genannt, die relativ früh schon so einen kleinen Teaser gedreht hat, weil sie in einer Beziehung gelandet ist. Und dann gesagt hat, ach shit, nee, also gerade an dem Stand, an dem ich jetzt bin, in dieser Beziehung, Will ich das nicht machen.
Johannes Franke: Das hat ja die eine vor der Kamera nicht abgehalten, das zu machen. Was für mich den ersten Moment ausmacht, an dem ich sage, das ist ein Spielfilm, es gibt einen Konflikt. Die Frau weiß sie nicht genau, weil das Problem besteht darin, dass der Freund, den sie hat, eigentlich gesagt hat, ich will das nicht, dass du das tust.
Florian Bayer: Er hat gesagt, er will es nicht. Und sie geht auch da rein und sagt, ja, ich bin gerade in einer Beziehung. Also sie stellen sich halt vor und reden über ihren... aktuellen Beziehungsstatus und sie sagt ziemlich frei heraus, naja, ich weiß nicht, ob ich nach heute Abend noch in der Beziehung bin. Und lässt dann auch so im Nebensatz fallen, dass der Typ wohl gesagt hat, du darfst ruhig mit den Frauen knutschen, aber bitte nicht mit den Männern.
Johannes Franke: Was so krass ist, was so krass ist. Und es ist schön, wie sie es auch reflektieren dann. Sie reden ja dann darüber und sagen, wow, okay, es ist immer noch so krass, dass... Dass Frauen weniger als Gefahr wahrgenommen werden. Du könntest dich ja nur in Mann an Mann verlieben, aber nicht in eine andere Frau. Crazy.
Florian Bayer: Also es gibt auf jeden Fall so Stolpersteine und über einen ist der Film drüber gestolpert, weswegen dann gegen Ende noch ganz verzweifelt von Brockhausen einen Darstellerinnenaufruf gemacht wurde. Ich brauch noch irgendjemanden. Irgendeine Frau, die sich vorstellen kann, Sex vor der Kamera zu haben. Kann sich vielleicht noch irgendjemand melden. Auf jeden Fall schafft er sein Finanzierungsziel. 864 Euro stehen am Mitte August von insgesamt 379 UnterstützerInnen. Und wie das so ist bei diesen Crowdfunding-Geschichten, gibt es natürlich so eine ganze Reihe an verschiedenen Paketen, für die man sich einkaufen kann. Zum Beispiel für eine Unterstützung von 8 Euro darf man sich eine Flaschendrehaufgabe ausdenken. Teilnehmenden. Für 15 Euro kriegt man den Film-Download. Das ist alles nicht so aufregend. Für 50 Euro gibt es ein Höschen. Ein häppchenweise Höschen nicht getragen. Einfach mit Logo. Und ab 150 Euro gibt es dann sogar eine Requisite vom Set. Und ohne der Finanzierung sind die 1.000 Euro. Man wird zur Premiere eingeladen.
Johannes Franke: Sie haben ja auch 2.000 Euro angeboten bekommen für die Vertriebsrechte. Aber das hat Maike dann irgendwie abgelehnt, weil das nicht ins Konzept passte.
Florian Bayer: Tatsächlich hat sich um diesen Film herum die Kalk-Post-Pornoproduktion GmbH gegründet. beziehungsweise ein bisschen später entstanden ist, von Maike Brochhaus zusammen mit ihrem Freund Sören Störung. nicht der Freund, der im Film zu sehen ist. Das ist nämlich auch noch eine kleine Nebengeschichte. Ich weiß nicht, ich glaube, es ist einfach nur ein Freund. Ich weiß nicht genau, wie diese Beziehung weitergegangen ist. Aber der Partner der Regisseuren, der damalige Partner der Regisseurin, ist einer der DarstellerInnen.
Johannes Franke: Genau. Und ich habe sehr für die beiden geroutet, weil das irgendwie süß ist, dass die Regisseurin ihren Freund da mit rein schickt.
Florian Bayer: Mit den Worten, ich teile ihn gerne mit euch.
Johannes Franke: Und ich hatte gedacht, das klingt doch nach einer schönen Beziehung. Dann sollen die doch bitte weiter...
Florian Bayer: Es ist wirklich niedlich, wenn man sich diese Startnext-Seite anguckt. Leider ist es so, dass ganz viele Sachen weg sind, weil das Ding ist einfach mittlerweile fast zehn Jahre alt. Ja. Das heißt, es fehlen irgendwie so die Infotexte, aber ganz viel hat es auch rüber auf die offizielle Website von dem Film geschafft, die ich jetzt auch noch einmal nennen will, häppchenweise.net. Da findet ihr ganz viele Informationen, auch Möglichkeiten, diesen Film zu beziehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Auf DVD wurde er produziert. Und bei Erika Lust, die ja auch so in dem Post-Porn-Milieu eine große Regisseurin ist, wird ja im Webshop vertrieben. Und es ist so süß, weil Michael Brochhaus feiert es zum Beispiel total ab, dass sie es aufs Pornofilmfestival schaffen. Ja, es ist super. Sie ist ja ein Nichts in der Szene. Sie ist ja komplett unbekannt. Das ist ihr erstes... Und dann ist es halt auch noch so ein experimenteller Film. Und wer das Porno-Filmfestival in Berlin kennt, der weiß, da laufen solche Filme. Also da passt der total rein. Aber trotzdem ist es total geil. Sie ist eigentlich auch eine Amateurin.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und sie kommt da rein und dann, yeah, wir haben es geschafft. Wir laufen. auf dem Pornfilmfestival. Es ist irgendwie ein Erfolg. Und es gab auch durchaus ein gewisses Presseecho zu dem Film. Ja, absolut. Ich bin auf den Film gestoßen damals, weil ich drüber gelesen habe. Ich weiß gar nicht mehr, wo. Wahrscheinlich war es Zeit oder Spiegel, also irgendwas. von den größeren Publikationen, die darüber geschrieben haben und mich damit auch total neugierig gemacht haben auf den Film. Also das war zumindest Erfolg in dem Sinne, dass er Aufmerksamkeit erzeugt hat, dass Leute sich diesen Film angeschaut haben und gekauft und bezogen haben. Und Erfolg, weil eben dann diese Kalk-Post-Porn-Produktion GmbH entstanden ist. Und Maike Brauchhaus hat weitergedreht mit Schnick, Schnack, Schnuck. Hat sie 2015. ihren ersten richtigen Porno gedreht. Eine Pornokomödie, die viel mehr klassischer Porno ist, also versucht... Eine Aneinanderreihung von Sexszenen, begleitet von einer sehr losen Handlung. Aber trotzdem auch mit dem Gedanken, wir wollen, dass die Leute, die dabei sind, Spaß haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gab dann auch Ausschreibungen, die ja die Startnext-Seite von Häppchenweise genutzt, um nochmal nach DarstellerInnen zu suchen. Und eine der Akteurinnen aus Häppchenweise, nämlich Jens, die hat auch dann in dem Schnick-Schnack-Schnuck mitgespielt.
Johannes Franke: Ah, okay, verstehe.
Florian Bayer: Das heißt, als Darstellerin war die bei Maike Brochhaus weiter dabei. Und dann gab es wohl einen zweiten Filmversuch. Und zwar 2017 hat sie gedreht. Hätte, hätte, Fahrradkette. Das ist auch so ein Pornotitel. So ein Pornokomödientitel.
Johannes Franke: Oh Gott, Leute.
Florian Bayer: Der ist aber nicht fertig geworden und ich weiß nicht genau, was mit dem Ding passiert ist. Man findet nicht so wirklich Infos darüber. Und das war es dann auch. Und ich meine, das ist mittlerweile auch schon fünf Jahre her. Und ich finde es so ein bisschen schade, weil sowohl bei Häppchenweise als auch bei Schnick, Schnack, Schnuck finde ich, dass Maike Brochhaus sehr viel Potenzial zeigt, interessante Sachen mit dem Medium, mit dem Genre Pornografie zu machen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Schade, dass das dann so verebbt ist. Man findet auch nicht mehr wirklich viel über sie. Sie hat dieses Kalk-Post-Porn gemacht und dann ist aber irgendwie, sie verlieren sich so ihre Spuren im Internet. Also es gibt die... Es gibt eine Crew United-Seite von ihr, da steht eben, hätte, hätte, Fahrradkette wurde nicht fertig produziert. Zu dieser Kalk-Postporno GmbH findet man gar nichts. Und es gibt einen Wikipedia-Eintrag, der aber auch genau an diesem Punkt 2017 endet. Ach, Mann.
Johannes Franke: Das ist ja traurig. Na gut, vielleicht meldet sie sich ja nochmal wieder. Vielleicht hat sie irgendeine private... Es ist ja oft bei Regisseuren, wenn die mal eine Weile nichts machen, dann ist das, da ist dann entweder... Die Schaffenskrise oder eine private Krise.
Florian Bayer: Ich kann es mir halt auch vorstellen. Sie ist halt keine Vollzeit-Regisseurin. Sie ist halt eigentlich Kunst- und Kulturwissenschaftlerin. Ich kann mir vorstellen, dass sie auch einfach gesagt hat, okay, ich habe damit jetzt rum experimentiert. Ich habe irgendwie die Antworten gefunden, die ich gesucht habe. Es hat Spaß gemacht.
Johannes Franke: gemacht.
Florian Bayer: Jetzt stürze ich mich auf ein anderes Feld. Oder jetzt bin ich wieder akademischer unterwegs. Ich habe oft genug die Kamera drauf gehalten, wenn zwei Leute miteinander Sex Ja, okay.
Johannes Franke: Wollen wir den Abend mal ganz kurz so ein bisschen umreißen? Wir müssen ja gar nicht ins Detail gehen, das können wir ja dann irgendwie so nachher noch machen, aber damit wir ein Gefühl dafür bekommen, was da eigentlich passiert. Die kommen ja nach und nach da an, ganz in der Tradition von RuPaul's Drag Race, wo einer dann da irgendwie dasteht und schon so ein bisschen nervös auf die anderen wartet. Und dann kommt einer rein dazu und ach, und du bist also, wer bist du denn?
Florian Bayer: Ausgerechnet Simon, der Freund der Regisseurin Marken. Ich bin als erster da. Und es gibt ja auf der Film-Appseite, also wir müssen ganz viel in den Metatext, weil man weiß sehr viel nicht, wenn man den Film sieht, der geht nur 70 Minuten. Wir erfahren relativ wenig über diese Person. Es gibt diese kurzen... diese kurzen Vinetten, wo sie sagen, hey, ich bin der und der. Nee, nicht mal das. Ihr Name wird eingeblendet und sie sagen, ich erwarte von diesem Abend zwei Sätze. Und das war's dann. Auf der Häppchenweise-Website findet man so Steckbriefe von ihnen inklusive Kienseh-Skala, wo dann einmal gesagt wird, wo verortest du dich von heterosexuell bis homosexuell. Aha, okay. Genau, als Zweiter kommt dann dieser Linus rein, der Homosexuelle, der 5,9 sagt. Dann haben wir Alice, Franzi, Jens und Till, die so nach und nach rein stolpern. einmal sagen dürfen, was sie sich von dem Abend erwarten. Hat dich jemand überrascht? Hast du bei einer Besetzung gedacht, ah, interessant, okay, hätte ich jetzt...
Johannes Franke: Nein, nicht bei einer Besetzung, sondern eigentlich bei der Mischung von Besetzungen, weil die alle eine sehr ähnliche Altersstruktur haben. eine sehr ähnliche moralische Haltungsstruktur haben, sehr verdächtig weiß sind. Also es ist ein kleines bisschen schade.
Florian Bayer: Also es ist voll die Akademiker, Millennial-Bubble. Ja, genau. Das sieht man auch.
Johannes Franke: Das ist schon klar.
Florian Bayer: Also es ist vielleicht auch bei dem Thema, zieht es natürlich diese Leute an.
Johannes Franke: Ja, und ich kann mir vorstellen, dass man als Maike dann auch denkt, ich gehe mal lieber auf Nummer sicher.
Florian Bayer: Ja, vielleicht.
Johannes Franke: Also es ist ein Experiment und du willst da nicht irgendwie zu viel Potenzial fürs Scheitern vielleicht einbauen. Weiß ich nicht, obwohl das auch. spannend gewesen wäre. Weiß ich nicht genau. Entweder sie hat sich nicht getraut oder sie hat niemanden anders gefunden.
Florian Bayer: Ich stell's mir sauschwer vor. Weil, also, sie wollte ja bewusst keine PornodarstellerInnen Sie hat gesagt, ihr habt keine Pornos gedreht. Wenn ihr hier mitmacht, habt ihr das noch nicht gemacht. Zumindest nicht professionell. Und dann ist es ja auch echt eine Herausforderung. Wir müssen jetzt nicht zu persönlich werden, aber ich würde das nicht machen.
Johannes Franke: Wie jetzt? Nicht? Flor, jetzt bin ich enttäuscht. Ich wollte gerade eine Einladung in die Hand drücken.
Florian Bayer: Ich würde behaupten, ich bin ein sexuell ziemlich offener Mensch, aber das finde ich echt hart. Also das muss man sich echt trauen. Ja, natürlich. Weil du weißt, da wird ja was, eventuell wirst du beim Sex auf Celluloid gebannt. Das besteht, das werden deine Kinder sehen können. Deine Eltern, deine Familie, alle. Oma, ich hoffe, du hast nicht weitergehört.
Johannes Franke: Ja, also es ist halt wirklich heikel und es ist schon toll, dass die sich überhaupt dazu bereit erklären, weil die ja alle auch... nervös sind.
Florian Bayer: Und es ist wirklich super nervös. Also vor allem diese Franzi, die ersten Sets, die wir von ihr hören, die Die stottert richtig. Die sagt auch gleich am Anfang, ich bin so ein bisschen nervös heute Abend. kriegt die Worte kaum raus. Also das ist echt, ne? Das macht doch unglaublich viel von dem Charme aus.
Johannes Franke: Absolut. Und das ist eben das Tolle an diesem Film, muss ich sagen. Nicht der Pornoansatz, nicht der Versuch, irgendwie das... Es gibt ja keine Inszenierung oder sowas, sondern das ist alles echt und das finde ich toll. Man spürt das einfach und die Situation ist so, dass man sich so fühlt. voll reinbegeben kann als Zuschauer und sagen kann, okay, ich kann mit jedem mitfühlen.
Florian Bayer: Dazu gehört natürlich auch, dass sich das sehr oft, wie sagt die Jugend von heute, sehr cringe anfühlt, was diese Leute da sagen, wie sie sich unterhalten, wie sie... versuchen, das Eis zu brechen. Sie machen dieses Penisspiel zum Beispiel, wo sie Penislaut rufen. What the fuck? Aber natürlich, das sind Leute, die keine große Kameraerfahrung haben, die sich halt wirklich auch peinlich, unbeholfen, ein bisschen tollpattig vor der Kamera verhalten, die... Die nicht so genau wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen.
Johannes Franke: Und es ist auch teilweise so, dass ich das von so Berliner WG-Partys von früher kenne, dass man so… weiß nicht, wenn es ein bisschen awkward ist, man keinen kennt und man dann irgendwie so hallo und du so und Trinkst du ein Bier? Ach so, ja, okay, nein. Und sonst so...
Florian Bayer: Aber es ist nochmal eine Spur mehr awkward. Ja, natürlich. Bei diesen Partys gab es dann doch so sehr schnell andere Dynamiken. Man merkt in dieser Dynamik die ganze Zeit... Dass dieses, wir werden beobachtet, wir sind hier für ein ganz spezielles Ziel, für ein Experiment. Du guckst eine Runde und du weißt, jeder von uns könnte mit jedem anderen heute Abend irgendwas anfangen. Ja, ja, genau. Da ist irgendwie so ein anderes Kribbeln und so eine andere Unsicherheit dabei.
Johannes Franke: Ja, genau. Und es ist schön, die Nervosität zu sehen und auch zu sehen, dass keiner von denen so, wenn wir gerade dabei sind, wie die zusammengewürfelt sind, keiner von denen irgendwie eine Pornodarsteller Attitüde oder Figur oder so mitbringt wo man sagt, ja, das ist jetzt irgendwie als iCandy gecastet oder sowas. Sowas ist nicht dabei. Die sehen alle irgendwie natürlich jung und, also junge Menschen sehen immer gut aus. Das sind total schöne Märchen. Also einfach so grundsätzlich erstmal. Genau, aber eben nicht porno schön. Und das finde ich sehr gut natürlich. Aber das gehört ja zum Einsatz des postpolnografischen.
Florian Bayer: Ja, auch so ein bisschen, alle sehen so ein bisschen nach alternativen Lifestyle aus. Natürlich haben wir den Hipster-Schnurrbart in der Mitte sitzen. Wo es ja auch echt fragt, wie ist denn das mit deiner Bart-Situation? Das ist so eine süße Frage gewesen. Jedes Mal, wenn die Sprache kommt auf den Schnurrbart von Till, fragt man sich, okay, also eigentlich haben alle So ein bisschen Schwierigkeiten mit diesem Bart. Und er trägt ihn aber sehr stolz und sehr aufrecht. Die Franzi sagt ja am Anfang, ich glaube, sie will einfach mit ihm ins Gespräch kommen. Ja, ja, ja. Und haut dann so raus, wie ist deine Badsituation. Erinnert mich an meinen Papa. Ja. So viele No-Gos. Das sind diese Cringe-Momente. Aber es ist halt trotzdem süß, weil man kennt das, weil das passiert auch einfach so. So ist das, wenn man keinen Text vorgegeben hat. Man redet dummes Zeug und denkt so, wait, what? Habe ich das gerade gesagt? Eigentlich wollte ich das Gespräch anders anfangen, Shit.
Johannes Franke: Und dann fangen Sie irgendwie an, in diese Philosophie reinzukommen, diese ganzen philosophischen Gespräche, die man eben auch von den Berliner WG-Partys kennt, wenn man so Anfang 20, Mitte 20 ist.
Florian Bayer: Germanistik und Philosophie. Ich habe sehr viel von diesen Gesprächen geführt.
Johannes Franke: Wie ist denn das für dich so? Wie schafft man das in einer Beziehung, dass Sex nicht langweilig wird?
Florian Bayer: Nein, bitte nicht. Ich hatte noch überlegt, dass dieser Podcast lädt natürlich so ein zu diesem Persönlichen. natürlich werden. Und dann denke ich mir, ich würde diesen Film nicht nur nicht machen, weil ich keinen Sex vor der Kamera haben würde, Sondern auch, weil ich vor der Kamera, glaube ich, nicht über mein persönliches Sexleben reden wollen würde.
Johannes Franke: Na toll. Ja, wir haben ja keine Kamera hier. Das ist ein bisschen fein raus. Alles schick. Erzähl mal.
Florian Bayer: Ja, was macht man damit, damit es nicht langweilig wird? Ich glaube, man muss einfach, jetzt sage ich genau dasselbe, was die sagen, wenn sie vorbereitet sind, man muss halt einfach... sich trauen neue Sachen auszuprobieren. Ich glaube man braucht eine gewisse sexuelle Offenheit.
Johannes Franke: Aber das ist auch so ein Staple-Ding, was man einfach, es gibt ja nicht, viel mehr gibt es wahrscheinlich auch gar nicht dazu zu sagen. Es ist einfach, hm. Warum habe ich diese Frage gestellt?
Florian Bayer: Experimentierlust. Also das, was der Film ja die ganze Zeit predigt und propagiert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also Experimentierlust ist einfach wichtig und sich einfach auf neue Sachen einlassen. Und viele, offensichtlich die meisten von denen, die da sind, sind ja auch genau aus diesem Grund da, weil sie wirklich sagen, Ich will da einfach mal rumprobieren und ich will einfach mal gucken, was möglich ist, wie weit ich gehen kann. Wie weit ich mich traue zu gehen. Man merkt von Anfang an eigentlich, dass so einige definitiv offener sind als andere, wie weit sie gehen würden. Und man merkt es im Gespräch und dann auch, wenn das Flaschentränen-Spiel anfängt, was natürlich so der... Der Punkt ist, wo sich so Escalation geplant, man merkt ziemlich schnell, dass sie auf unterschiedlichen Leveln sind, dass einige definitiv mehr versuchen wollen als andere. Ja. Und weitergehen wollen und auch, dass sie sich das unterschiedlich vorstellen. Ich glaube zum Beispiel diese Franzi hat vielmehr die Vorstellung von so einem harmonischen Gruppenkuscheln, auch im Sexuellen. Sinn, aber dass die Gruppe vor allem bestehen bleibt und was dann ja im Laufe des Filmes passiert, ist eine ganz krasse Krüppchenbildung?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann haben wir plötzlich unsere heterosexuellen Krüppchenbildung.
Johannes Franke: Ja, und das ist so ein bisschen traurig zu sehen, finde ich. Das ist natürlich spannend zu sehen, aber es ist halt auch traurig. Und damit ist das nächste Element da, wo ich denke, oh, das ist ein Spielfilm. Es ist wieder so Konflikt und Entwicklungen innerhalb eines Abends, die irgendwie spannend sind. Wo man gerne zuguckt und wo man gerne wissen möchte, wo führt denn das hin? Und warum gehen die denn da jetzt raus, während die einen da vielleicht ein bisschen mehr miteinander antreten?
Florian Bayer: Das ist ja so der spannendste Moment des Films, der Höhepunkt des Films. kurz darauf zu sprechen zu kommen, was grundsätzlich passiert. Also das Flaschendrehen spielen ist wirklich, bleibt sehr harmlos, kann man so sagen. Es gibt knutschen, aber das ist jetzt nichts, was passiert halt beim Flaschendrehen.
Johannes Franke: Ja, aber es gibt auch so, Kleider werden ausgezogen.
Florian Bayer: Kleider werden ausgezogen, ja, aber dass eine Flasche in der Mitte ist und dann Leute mit nacktem Oberkörper da sitzen und ein bisschen an ihren Brüsten streichen. Das ist jetzt nicht so, wo man sagt, wow, krass.
Johannes Franke: Das sind für 16-Jährige.
Florian Bayer: Ja, es ist glaube ich nichts, wo jemand denkt, mein sexueller Horizont wird gerade enorm erweitert. Abgesehen halt von der Tatsache, dass da eine Kamera ist. Und es bildet sich dann dieses eine Paar, und das sind Jens und Till. die halt irgendwann anfangen will, drum zu knutschen. Und Jens zieht Till dann auch auf die Couch. Und dann wird es einfach heftiger. Und man merkt schon, okay ... Hier findet gerade das sexuelle Epizentrum statt. Und es gibt diesen wirklich süßen Moment, wo alle anderen so ein bisschen überlegen, was machen wir jetzt mit der Situation? Okay, die legen gleich los, oder? Und dann nach und nach so den Raum verlassen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und was total absurd ist, weil die Kameras sind alle noch da. Das ist eigentlich ein totaler Verrat. was die da machen. Und Jens und Till sagen nachher auch, wir hätten es eigentlich ganz cool gefunden, wenn ihr da geblieben wäre, dann wäre es nicht so stressig gewesen. Plötzlich waren wir voll im Fokus.
Johannes Franke: Ja, und die waren aber irgendwie vor der Meinung, ah, das ist doch schön, wenn man die alleine lassen, dann können die da irgendwie... Dann haben die nicht so das Gefühl von überall beobachtet zu werden, aber völlig falscher Gedanke, die ganzen Kameras sind da und beobachten. Aber natürlich verstehe ich den Impuls zu sagen, oh da machen gerade zwei ein bisschen rum, vielleicht sollten wir Privatsphäre wahren und raus.
Florian Bayer: Das ist das, was auf diesen Partys dann ja auch durchaus passieren kann. Auch wenn clevere Menschen sich etwas weiter zurückziehen. Aber es gibt ja auch die Situation, wo man das dann nicht mehr schafft. Also ich glaube, jeder, der mal auf Partys war, kennt das.
Johannes Franke: Ja, irgendwie schon.
Florian Bayer: Vielleicht nicht unbedingt, dass Oralverkehr dann direkt so stattfindet. Weil das ist das, was wir dann erleben. Ich finde, Oralverkehr zwischen den beiden. 11 Stunden Rohmaterial gab es insgesamt aus 9,9 Stunden. 11 Stunden ist der Hammer, ne? Zu 70 Minuten zusammengestimmt. Das heißt, wir werden bestimmt, was die miteinander geredet haben, ist einfach weggeschnitten, was ich total schade finde, weil Kommunikation beim Sex... wird schon in Pornos und Sexfilmen so komplett unterrepräsentiert. Und das finde ich super schade, weil das ist ein Punkt, der bei klassischer Pornografie ganz krass den Realismus kann. kaputt macht, dass die Menschen nicht miteinander reden.
Johannes Franke: Aber die haben schon auch noch ein bisschen, was ist übrig geblieben? Und das ist übrig geblieben und das fand ich immer schön.
Florian Bayer: Und der entscheidende Punkt, der übrig geblieben ist, ist ja, dass Jens dann irgendwann zu Till sagt, du, ich bin so nervös, das wird jetzt nichts und lass mal lieber. Ja.
Johannes Franke: Und dann gehen die wieder zurück zu den anderen.
Florian Bayer: Und dann ziehen sie sich auch wieder so ganz brav an. Also sie hören dann wirklich auf. Er tut mir auch so ein bisschen leid.
Johannes Franke: Sie tut mir einfach beides so ein bisschen leid, weil die so nervös und dann so… Und eigentlich könnten wir jetzt, könnten wir aber nicht. Und dann gehen sie zurück und die anderen fragen, na, hattet ihr jetzt Sex? Und die so, vielleicht, weiß nicht, gab's... und stottern dann noch ein bisschen rum.
Florian Bayer: Sie sagen, nein. Ja, man weiß das ja nicht so genau, was ich total schön finde als Antwort, weil ... Natürlich ist die Frage, wo fängt Sex an? Ja, absolut. Und keine Penetration heißt kein Sex. Überhaupt nicht, nein, gar nicht. Es gibt diese krasse Penetrationsfixiertheit, aber was sie machen, ist ja Sex. Absolut, natürlich. Man kann jetzt darüber diskutieren, ist das Heavy Petting oder so?
Johannes Franke: Nein, es ist Sex. Sie hatten Sex. Absolut. Und weißt du, was das Traurige ist? Nicht nur, dass sie nicht nur die Gespräche nicht zeigen, sondern es ist ja auch so, dass ein paar Sachen hinter der Kamera passiert sind. Alice war wahnsinnig unglücklich, weil die vorher eigentlich mit dem rumgeknutscht hatte. Und dann hat die Backstage gesessen bei Maike und hat geweint, weil sie irgendwie, es sind halt echte Gefühle an dem Abend und jeder hat seine Hoffnungen. Und dann hat die irgendwie gedacht, oh und wir könnten doch vielleicht und dann hat das aber sich was anderes ergeben und dann war sie echt verletzt. Das ist halt so ein bisschen so, oh nein. Aber das hat der Film nicht gezeigt. Kannte er vielleicht auch einfach nicht, weil er das Material dafür nicht hatte, weil das ja Backstage passiert ist.
Florian Bayer: Oder auch vielleicht ein gewisser Respekt vor den Emotionen. Ich kann mir vorstellen, dass sie die
Johannes Franke: Aber dafür ist der Film eigentlich da, für die Emotionen.
Florian Bayer: Ist er für die Emotionen da oder für das Erotische?
Johannes Franke: Nein, der ist für die Emotionen da. Die Erotik, die bei mir entstanden ist, ist nur durch die Emotionen entstanden, die die hatten.
Florian Bayer: Oh krass, okay.
Johannes Franke: 100 Prozent. Ich komme da nur rein... Weil ich mit denen nervös bin, weil ich mit denen Angst habe, weil ich mit denen hoffnungsvoll bin, weil ich mit denen zusammen erregt bin. Das ist nur... Pure Emotionen, die mich da reinzieht.
Florian Bayer: Interessant. Für mich ist das Krippeln oder ... Das Knistern, das Knistern ist das richtige Wort, dadurch entstanden, durch diesen verspielten Charakter. Eigentlich nicht durch das Emotionale, nicht, dass große Emotionen High Stakes waren, sondern eher ... dass das alles so verspielt ist, alles so in Plüsch, dann haben sie noch diese 70er-Jahre-Retro-Optik. Das sind cool. Kurzes Lob für das Set-Design. Die haben aus dieser kleinen Studiowohnung, die sie da hatten, haben sie echt das Maximum rausgeholt. Sie haben das wirklich wunderschön gemacht. So als Reminiscenz an die klassische Golden Age of Porn. In 70er Jahre Farben getaucht und tolle Retromöbel und alles ist so plüchig. Aber nicht nur dieses Retro, das ist das eine Verspielte, aber auch so die ganze Atmosphäre. Dann sitzt Jens da und hat Seifenblasen in der Hand und macht ein paar Seifenblasen im Raum, dann ist die ganze Zeit diese Fahrstuhl-Jazzmusik zu hören. So dieses Geklimper im Hintergrund. Es hat alles so was Plüchiges, Verspieltes. Das fand ich schön, dass es so ... eigentlich sowas so schwerelos war und ich will gar keine großen Emotionen in diesem Setup haben, weil ich mag es, ich mag diesen grundsätzlichen Gedanken, hey, die sind alle nur da zum Spielen. Ja. Und natürlich wissen wir, dass es meistens nicht so funktioniert, aber das ist für mich eigentlich so eine sexuelle Utopie, dass das alles etwas leichter wird. Weil es leichter betrachtet wird.
Johannes Franke: Zum Set noch mal ganz kurz die Ergänzung. Das Tolle ist, dass die das in einem besetzten Haus gemacht haben, dass sowieso... Die Leute, die das besetzt haben und die da geackert haben für ein freies Zusammenleben untereinander, die hatten sowieso einen Ort gegen Kapitalismus, gegen Kritik. Und eben für freien Sex oder so, freie Liebe. Ich weiß nicht genau, wie weit die das getrieben haben, aber so war der Ort auch schon gedacht. Aber da schreibt sich jede Kommune drauf, ne? Ja, natürlich.
Florian Bayer: Wenn du irgendwie ein Haus besetzt und sagst, ey, wir sind jetzt eine Kommune, steht da immer irgendwo PS-freier Sex.
Johannes Franke: Die hatten schon auch irgendwie, überall hingen irgendwelche Poster in der Richtung und das ist ein antisexistischer Ort, der irgendwo nochmal, darunter nochmal so ein Sprichwort. Spruch Sex ist erlaubt, aber der Scheißsex muss draußen in der Scheißwelt bleiben. Also insofern, der Ort ist irgendwie schon vorbelastet damit.
Florian Bayer: Der Film gibt sich auch wirklich Mühe, diese Vibes aufzunehmen. Das ist Also die Maike Brochers hat schon darauf geachtet, dass die DarstellerInnen davor sagen, ja, ich kann mir grundsätzlich vorstellen, Sex vor der Kamera zu haben, aber es war ganz klar die Ansage, ey, alles kann, nichts muss an diesem Abend. Guckt einfach mal, wo es euch hinträgt. Und wenn ihr wenig macht, dann macht ihr halt wenig. Dann ist es auch in Ordnung.
Johannes Franke: Bist du enttäuscht, dass es nicht mehr gab?
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht.
Johannes Franke: Bist du, könntest du ein anderes Ende vorstellen oder hast du das Gefühl, das ist schon das Beste?
Florian Bayer: Ich könnte mir auch ein anderes Ende vorstellen. Wenn ich drüber nachdenke, fände ich das ganz toll, wenn sowas zu einer Serie werden würde, mit Mit unterschiedlichen Leuten und dann auch das so ein bisschen aufbrechen. Dann gibt es mal einen Abend, der wirklich in der Orgie endet. Also das ist jetzt so eine Wunschvorstellung. Man weiß ja nicht, was passieren wird. Nach wie vor, du willst echte Menschen da haben. Aber toll, dann gibt es mal einen Abend, der in der Orgie endet. Dann gibt es mal einen Abend, wo sie nur diskutieren. Dann gibt es mal einen Abend, wo sich ein Paar findet. Und den ganzen Abend Sex hatten alle anderen halt was anderes machen. Dann gibt es vielleicht mal einen Abend, wo sie es abbrechen, weil es auch vielleicht ein kleines Drama gibt oder so. Und das als Serie wäre super cool, weil es eben diesen Spannungsmoment jedes Mal gäbe. Du siehst die Leute, die da mitmachen und du fragst dich jedes Mal, oh, was wird passieren?
Johannes Franke: Dann bist du aber schnell bei Big Brother.
Florian Bayer: Dann bist du total schnell. Und das hat auch diese Big Brother Vibes. Absolut. Dieser Film hat total viel davon. Auch wenn sie es reflektieren, auch wenn sie Akademiker sind. Trotzdem.
Johannes Franke: Natürlich. Aber ich glaube, dass es durch die Einmaligkeit sich ein bisschen von Big Brother entfernt, weil es halt wirklich als einmaliges Experiment dasteht. Und wenn du das als Serie machst, als Reihe könnte ich es mir vorstellen.
Florian Bayer: Als Reihe, ja.
Johannes Franke: Aber nicht als Serie wie Big Brother, wo du wirklich jede Woche zuschaltest und dann denkst, ja, und der gegen die und die gegen den.
Florian Bayer: Nee, immer unterschiedlich. Ja, das hilft schon. Aber das Haupttrademark von Big Brother hat das Ding ja auch. Und das ist der Voyeurismus. Die Kamera ist einfach mal super dicht dran, wenn irgendwas passiert. Und wir sehen zwei Typen, die sich knutschen in absoluter Nahaufnahme. In Zeitlupe gezeigt. Wir sehen wie jemand einer Frau, die die Brüste küsst, ganz nah. Wir sehen einen irrigierten Penis. Die Kamera ist so nah, wie es geht. Auch wo der Film sich komplett auf diesen Porno-Jurismus stürzt, wo er wirklich, wo er auf das zeigt, was halt das Wesentliche ist. Vermeintlich das Wesentliche, ja. Das Wesentliche, in Anführungszeichen, das Wesentliche im pornografischen Sinne.
Johannes Franke: Was nicht zu viel passiert... Mehr hätte mich gestört, muss ich sagen, weil das Setting einfach zu anders ist, als dass es mich ... in diese klassische Porno-Voyeurismus hätte ziehen wollen. Ich wäre dem Film böse geworden, glaube ich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil das erklärte Ziel für mich irgendwie woanders liegt.
Florian Bayer: Aber wenn Jens und Till abgehen, dann ist er schon sehr nah dran an den Orten, an... Wir sehen seinen Finger in ihrer Vagina sehr nah. Und wir sehen ihren Mund über seinem Penis auch sehr nah.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Also das ist einfach der Moment, wo der Film auch Porn wird. Trotz Post, trotz Meta. Davor.
Johannes Franke: Naja, was ja auch ein klärtes Ziel war, dass das, wenn das passiert, dass das auch, also es soll ja um Pornografie gehen.
Florian Bayer: Ja, was nehmen wir denn da raus?
Johannes Franke: Also zum einen finde ich es wundervoll, dass die die ganze Zeit darüber reflektieren. Immer wieder wird gesagt, wir sind ja hier jetzt von Kameras umgeben, kann ich denn das jetzt sagen? Oder irgendwie so, es wird immer wieder darauf referiert.
Florian Bayer: Sie spielen auch mit diesen Spiegeln, ne? Sie gucken dann bei den Spiegel nochmal, ah, jetzt habe ich wieder einen Kameramann zucken sehen.
Johannes Franke: Ja, genau, genau.
Florian Bayer: auch ganz süß, weil sie haben halt auch ganz Big Brother-like so diese Spiegelwände, einseitigen Spiegelwände aufgebaut, dass man die Kameras nicht so komplett präsent hat, aber es gibt natürlich einfach die Momente, wo die Kameras ganz klar spürbar sind. Und spätestens, wenn einer ein T-Shirt auszieht, dann sieht man sein Mikro auf der Brustbar.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das gehört dazu.
Johannes Franke: Und Maike sagt halt auch zwischendurch während des Drehs im Backstage, die sind schon wieder auf der Meta-Ebene. Die sind alle zu schlau für Porno.
Florian Bayer: Du kannst mit akademischen Millennials keinen Porn machen.
Johannes Franke: Das ist schön, aber genau das ist der Reiz der ganzen Geschichte. Und jetzt fragt sich halt genau das, was du eingangs gefragt hast. ob der Reiz von der Metaebene in die pornografische Ebene des das zielgerichteten Pornos, dass man davor sitzen kann und masturbieren oder dass man irgendwie als Anregung das Ganze nehmen kann, ist das gegeben oder nicht. Ich glaube, da hat jeder eine andere Antwort, oder?
Florian Bayer: Ja. Was ist deine Antwort?
Johannes Franke: Meine Antwort ist, dass ich tatsächlich durch die Gefühle aller, was ich schon gesagt habe, da so reinkomme, aber dass ich tatsächlich dadurch, dass die beiden irgendwann abbrechen... ich genauso abbreche. Es ist genau das Gleiche. Ich gehe da 100% mit denen mit so und merke dann auch, okay, jetzt... ziehe ich mich langsam wieder zurück und irgendwie funktioniert es nicht ganz, also gehe ich da jetzt wieder raus. Ich bin 100% bei denen einfach.
Florian Bayer: Das heißt, du bist erregt, aber du nimmst die Dynamik aus dem Film mit und dann musst du aber leider auch die Dynamik mitnehmen, wenn sie sich wieder anziehen. Absolut. 100% Mitleid, was ich für ihn geäußert habe, hat so rein sehr biologische Gründe, weil er hat eine Mordsereaktion und wir wissen alle, das kann sehr wehtun, das kann sehr unangenehm sein. wenn so ein... Ich finde es unglaublich heiß, über Sex zu reden. Also ich... Auch wenn es auf dieser Metaebene und auch wenn es auf dieser akademischen Ebene stattfindet. Das heißt, das ist so eine Erotik, die ich in dem Film die ganze Zeit spüre, weil sie halt auch sehr viel über Sex reden. Und Natürlich auch mit dem Gedanken, man redet über Sex mit jemandem, mit dem man Sex haben wird. Oder mit dem Sex möglich ist. Ich finde es jetzt nicht heiß, mit dir über Sex zu reden. Tut mir leid. Das hätte ich nicht sagen dürfen.
Johannes Franke: Okay, sind wir jetzt zurück. Ich hab's geschafft.
Florian Bayer: Wenn das Körperliche irgendwie so als Möglichkeit da ist, dann über Sex zu reden, finde ich super erregend. Und dann bin ich tatsächlich, glaube ich, auch relativ schlicht gezimmert, was das betrifft, zeigt mir nackte Haut und ich bin erregt.
Johannes Franke: Ja gut, okay.
Florian Bayer: Tatsächlich, was ich total nervig finde, Pornografie ist so 99% Mist.
Johannes Franke: Ja, aber das sowieso nicht.
Florian Bayer: Aber nackte Haut funktioniert halt einfach. Es gibt einfach so Sachen, die triggern. Und ich dachte eigentlich, das wird mit dem Alter irgendwann besser. Oder das wird mit der sexuellen Erfahrung irgendwann besser, aber zeigt mir Genitalien und ich finde es einfach verregend. Das ist einfach so, was zündet.
Johannes Franke: Ja. Deswegen funktioniert Pornografie überhaupt. Und deswegen funktioniert auch schlechte Pornografie oft bei Menschen, die selber sagen, das ist eigentlich völliger Murks. Aber es funktioniert. So, und bei mir ist aber der Fall in diesem Fall, dass ich tatsächlich einfach... durch dieses ganze Vorgeplänkel, durch dieses Reinkommen in die Figuren und sich da zu Hause fühlen, wo die sich dann zu Hause fühlen oder awkward fühlen oder so. Dadurch hat das overruled irgendwie diesen Reflex von nackter Haut und Genitalien. Weil ich da einfach, ich gehe dann einfach emotional mit und das war's. Das heißt, ich bin, mir kann das irgendwie nicht mehr, mich kann das nicht mehr erreichen, wenn es einfach nur um nackte Haut geht.
Florian Bayer: Ganz wichtiger Take noch, was grundsätzlich, was in schlechten Pornos ganz schlecht ist, in fast allen Fällen, in allen Fällen ist, die Leute sehen nicht aus, als ob es ihnen Spaß machen würde. Bei Pornos, ja. Ja, ja. Und das funktioniert halt bei diesem Film auch. Echte Erregung. Vielleicht kann man es spielen. Wahrscheinlich muss man... Oscar-reif dafür sein. Im Porno findet man keine Oscar-reifen SchauspielerInnen, die das spielen könnten. Und deswegen ist man, echte Erregung finde ich total wichtig. Also die einfach... Reactions, das Gegenüber, wie reagiert das auf mich? Das ist toll an diesem Film, man merkt, dass sie wirklich erregt sind und dass sie wirklich Freude daran haben. Spaß daran haben, trotz der Nervosität. Und nicht nur diese große Sexszene zwischen Jens und Till, sondern auch, wenn die anderen so ein bisschen rumspielen und so, man spürt einfach... Dieses Knistern, diese Erregung zwischen ihnen, es ist nicht ein Job, es ist nicht dieses, ich muss jetzt leisten und man sieht dem Darsteller förmlich an, dass er vorher zwei Viagra eingeschmissen hat, damit die Erregung... Reaktion jetzt auch wirklich hält. Und man sieht der Darstellerin an, dass sie nicht gerade die Augen verdreht und laut stöhnt, weil das das ist, was offensichtlich Erregung bedeutet. Und das macht schon total viel aus für mich. Da gewinnt der Film auch und da gewinnt auch der zweite Film von Maike Brochhorst, weil auch wenn das eher in die klassische Porno-Richtung geht, hat sie da auch eher gesagt, macht langsam und guckt. Es ist auch ein Film mit spürbar erregten Menschen. Und spürbar Menschen, die Lust auf das haben, was sie gerade tun.
Johannes Franke: Das Spannende war ... In dem Moment, bevor die, also es kündigte sich an, man merkte, okay, jetzt geht es dann demnächst in Richtung Sex, ob die dann irgendwie haben oder nicht haben, wusste man ja noch nicht. Und ich habe gedacht, okay, das ist jetzt die Stunde der Wahrheit. Bin ich in der Lage, echtem Sex zuzuschauen? Weil in Pornos gibt es keinen echten Sex.
Florian Bayer: Guter Punkt, ja.
Johannes Franke: Und halte ich das aus?
Florian Bayer: Ich weiß gar nicht.
Johannes Franke: Woher will ich das wissen? Es ist total awkward und seltsam und du willst ja eigentlich, wenn Nachbarn auf dem Balkon Sex haben und du kannst das hören oder was weiß ich, keine Ahnung, dann ist ja auch eher so der Moment, wo man sagt, äh, ich Geh dann mal, es ist irgendwie nicht so geil gerade, auch wenn eigentlich, aber es ist so ein awkward Moment und man geht sich, nee, nee, will ich nicht. Ist das der gleiche Moment oder nicht? Es war dann okay. Ich konnte es mir anschauen und ich konnte mitfühlen. Aber es ist halt einfach wirklich was anderes als bei Pornografie. Also diesem klassischen...
Florian Bayer: Werfen wir mal die Zusatzaufgabe dagegen. Johannes war nämlich so frei und hat mir irgendwann die Woche per Mail nochmal eine Zusatzaufgabe hingeschmissen. Einfach nur mit dem Kommentar Walkporn. Ich dachte schon, oh mein Gott, was gibt er mir jetzt? Natürlich ein Viewporn. RedTube? Es war auf jeden Fall ein Weg zu einer Pornoseite. Ja, ja. Ich glaube, es war Pornhub. Und ich dachte, oh Gott, was schickt der mir jetzt? Und dann habe ich draufklickt und dann so, achso, der will mal ein Porno.
Johannes Franke: Ja, der Böhmermann.
Florian Bayer: Okay, hab ich schon gesehen. Aber egal, trotzdem. Lass uns kurz darüber reden. Den hast du mir ja bewusst zugeworfen. Was ist dein Take darauf?
Johannes Franke: Weil der Böhmermann-Porno ist natürlich ein sehr klassischer Porno, was die Bildsprache betrifft. Also dieses... Direkt auf Genitalien, direkt auf das, was es ist, ohne Geschichte drumherum. Die fangen halt einfach an, da auf ihrer Plattform sofort an Sex zu haben. Es gibt keinen Vorgeplänkel. Außer, dass Jan Böhmermann vorher als Cockblocker noch erzählt...
Florian Bayer: Er ist so ein krasser Cockblocker, oder? Also, hey, ganz viel Liebe für Jan Böhmermann. Er macht ganz tolle Sachen. Aber dieser Mensch gehört zum... Unerotisch, was im deutschen Fernsehen stattfindet. Und ich habe ganz viel Liebe für ihn. Ganz viele von seinen Aktionen sind toll, aber ... Also, Erotik ist es nicht.
Johannes Franke: Ja, genau. Und er guckt auch so, weil er auch ... Ich glaube, er hatte gerade Corona oder sowas. Das heißt, er guckt die ganze Zeit sehr, sehr, als wenn er irgendwie... 50 Schlaftabletten eingeschmissen hätte und dann irgendwie Schmerzmittel um ihn irgendwie zu beruhigen.
Florian Bayer: Wollen wir einmal kurz einfach nur zum Spaß, ich suche gerade danach den Namen von dem Porno, weil er hat so einen Traum.
Johannes Franke: Ja, genau, super zwei Namen. Böhmermann hat halt sich auch vorgenommen, um die Geschichte dieses Pornos zu erzählen. Hat sich gefragt, warum gibt es eigentlich im Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen für alle etwas zu bieten, für alle auch... kostenfreie Sachen zu bieten, die irgendwie für die ganze Bandbreite des Publikums ist. Warum gibt es da keine Pornografie? Warum ist das ausgerechnet ausgespart? Und hat dann gesagt, okay, jetzt werden wir von Rundfunkgebühren einfach mal einen Porno drehen, der auch... den Auftrag erfüllt, nämlich der Diversität und so weiter.
Florian Bayer: Mit dem tollen Titel, jetzt kannst du mir gleich mal zeigen, wie porngewandt du bist. FF. MMS, straight, slash, queer, doggy, BJ, oral, orgasm, squirting, royal.
Johannes Franke: Royal. Royal. Royal.
Florian Bayer: Royal ist sicher. Kriegst du alle Begriffe, das sind ja so diese klassischen Porn-Hashtags, kriegst du die alle sortiert?
Johannes Franke: FF. MM ist Female, Female, Male, Male. Also zwei Männer, zwei Frauen. Was war jetzt der Nächstes?
Florian Bayer: Straight.
Johannes Franke: Straight, naja, also hetero.
Florian Bayer: Queer.
Johannes Franke: Queer ist eben, ne?
Florian Bayer: Doggy.
Johannes Franke: Doggy von hinten.
Florian Bayer: BJ.
Johannes Franke: Blowjob.
Florian Bayer: Oral, okay.
Johannes Franke: Oral. Orgasm. Das weiß ich jetzt nicht genau. Das ist die Ejakulation quasi der Frau. Ejakulation ist das falsche Wort dafür, oder? Ich weiß es nicht ganz genau.
Florian Bayer: Ich glaube, man bezeichnet das als Ejakulation.
Johannes Franke: Wobei wir uns nichts vormachen müssen. Biologisch gesehen ist das alles Urin. Nicht alles. Aber es hat einen hohen Anteil an Uri. Was ist vor allem... No Judgment, ne? Also jeder kann, was er will und so.
Florian Bayer: Kann man total geil finden. Aber wenn ihr in den Pornos seht, wie die Frauen meterweit spritzen... Und es gibt einen eigenen Fetisch dafür. Es gibt eigene Kategorien auf Pornplattformen.
Johannes Franke: So, jetzt weiß Oma auch Bescheid, was das bedeutet.
Florian Bayer: Wo wollten wir hin genau? Du hast gesagt, klassischer Porn eigentlich von der visuellen...
Johannes Franke: Naja, von den Einstellungen, Bildeinstellungen, wir gehen sehr viel auf Details, wir gehen sofort in Richtung Sex, das alles, ne? Was aber toll ist an diesem, jetzt leider nur akademisch gesprochen, über die Erregung der ganzen Geschichte... Müssen wir uns auch nochmal unterhalten. Aber akademisch gesprochen, es ist super divers. Das sind keine Weißbrote, also zumindest nicht nur. Und das sind Menschen, die sind alle bi und haben alle irgendwie so, die ganze Gruppe hat irgendwie... irgendwie Spaß miteinander. Sie benutzen ein Lecktuch, was ich noch nie gesehen habe.
Florian Bayer: Hab ich auch noch nie gesehen.
Johannes Franke: Noch nicht ein einziges Mal in einem Pond. was ich total gut finde, als Anstoß mal überhaupt das zu machen. Die benutzen Kondome. Alles das. Wobei ich, wenn es dann um die Erregung geht, Kondome schmecken nicht gut. Muss man sagen. Die Assoziation ist halt dann bei einem Blowjob eher, ja, weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Ich finde es toll, dass es das gibt für Menschen, die promiskuitiv unterwegs sind, aber ich finde diese Lecktücher jetzt auch alles andere als sexy.
Johannes Franke: Aber sie sind visuell interessant. Und wenn wir gerade bei Erregung sind, ich... Das klingt ganz doof jetzt, aber... Die größte Erregung habe ich, weil die Bildsprache so toll ist. Diese Montage, diese Kamera. Und ich habe schon überlegt, ob ich mir Wes Anderson Filme nochmal anders angucken muss. Weil ich das Gefühl habe, wow, okay, die haben mit Split Screens auf eine ganz bestimmte Art und Weise gearbeitet. Und ich habe auf der einen Seite des Splitzscreens einen gierigen Blick eines Mannes oder einer Frau und dann auf der anderen Seite des Splitzscreens Das entsprechende Gegenstück, wo er gerade hinschaut. Und das, finde ich, hat einen sehr guten Effekt.
Florian Bayer: Ja, du nimmst mir die Worte aus dem Mund. Ich finde es visuell super ansprechend, super interessant, was sie da machen. Ich fand den Film aber nicht sexy.
Johannes Franke: Ja, das ist halt das Ding und es schreiben auch ganz viele User drunter.
Florian Bayer: Und ein Problem ist, dass es für mich tatsächlich zu nah am klassischen Porno war, vor allem wie sich die DarstellerInnen verhalten, wie die Erregung. Das wirkt mir dann alles zu sehr für die Kamera gespielt. Diese erregten Blicke von den Menschen, die in Porno zu sehen sind, das wirkt da auf mich wie das, was ich als dieses klassische Porno gespielte falsch einsortieren würde. Die sehen aus, die haben mehr Spaß als eben der Porno-Darsteller, der Liaka einschmeißen muss, weil er die dritte noch einmal von hinten machen muss. Die haben mehr Spaß daran. Aber es ist mir alles zu viel für die Kamera. Das hat mir ganz viel weggenommen, diese erregten Blicke, die natürlich cool im Splitscreen geschnitten sind, aber die Blicke selbst sind einfach nicht heiß. Da finde ich dieses Überwachungskameralook, der auf Jens schneidet, die da halb verschwitzt ist. deren Gesicht rot angelaufen ist und Till, der keucht, finde ich viel erregender, weil es viel echter wirkt.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Also es war mir zu, nicht steril, aber zu hochglanz dann auch.
Johannes Franke: Ja, hochglanz ist es.
Florian Bayer: Das ist halt einfach, das ist nicht echt, sondern das ist Kunst.
Johannes Franke: Es ist Kunst und das finde ich halt auch, ja gut, okay, da kommt der Wes Anderson. Pervert bei mir natürlich.
Florian Bayer: Nein, es ist total gut, dass er das gemacht hat. Auch wieder ein cooles Projekt von Böhmermann. Ich finde das Ergebnis eher so mau. Aber es ist auch, glaube ich, mein persönlicher Geschmack, was ich erregend finde. Weil ich kann mir vorstellen, dass das was ist, was viele erregend finden.
Johannes Franke: Aber es gibt halt auch wirklich viele Kommentare und ich gehöre ja auch dazu, ich bin auch deiner Meinung, es ist tatsächlich, ich weiß nicht, ob das den gleichen Ursprung hat, aber ich finde es auch nicht wirklich erregend. Ganz im Gegenteil, leider. Ich habe es noch mal nach dem Film geschaut, nach Häppchenweise, habe ich den noch mal geguckt und habe dann gemerkt, Ah ja, das, was Häppchenweise gerade aufgebaut hat an so Wärme und Kribbeln, ist jetzt so wirklich gänzlich weg.
Florian Bayer: Es ist halt schon dieses kalte Studio-Setting, es ist alles glänzt, alles ist schick. Du hast das Gefühl, wenn was glänzt, ist es eher Öl als Schweiß auf Haut?
Johannes Franke: Ach, vielleicht, ja, ja.
Florian Bayer: Es wirkt alles nicht so echt und die Schminke hält und ich weiß nicht, Du siehst den Film und stellst dir vor, wie da zwischen jemand rein springt, um noch mal schnell eine von den Darstellenden zu pudern. Was das betrifft, gewinnt Häppchenweise für mich definitiv gegen diesen Film.
Johannes Franke: Wobei Häppchenweise zwischendurch gepudert hat.
Florian Bayer: Ja, aber genau, verspielt, Meta-Ebene. Sie hatten alle Spaß dabei.
Johannes Franke: Das stimmt. Ach man.
Florian Bayer: Okay, wollen wir einfach mal einen Punkt setzen und uns unsere Top-Listen anschauen?
Johannes Franke: Ja, du hast ein gutes Timing. Wir sind bei 50 Minuten oder sowas. Hervorragend. Da sollten wir langsam mal so ein bisschen... Jingle. They are not actors. Das ist... eine spannende Kategorie, die mir Schwierigkeiten bereitet hat, weil ... Und ich ahne so ein bisschen, was du an Filmen da reinhaust, sowas wie Jodorowsky und so, der keine Schauspielerstreckenweise benutzt hat.
Florian Bayer: Nein, nein, nein. Ich habe es geschafft, Filme zu bringen, die wir fast... Fast. Nicht hatten bis jetzt.
Johannes Franke: Okay. Und ich gucke halt meistens eher Filme, wo wir jetzt dann... Naja, der Unterschied zwischen Häppchenweise und Böhmermann ist halt, Böhmermann ist die Hollywood-Variante von dem Experimentalfilm Häppchenweise. Und ich bin halt leider dann, was Mainstream betrifft, doch eher auf der Seite von, wir haben einen Haufen gute Schauspieler, die machen das.
Florian Bayer: Ich glaube, zur Not kann man, also ich meine, Day and Act, das habe ich mir vorgestellt, mit so einem Ausrufezeichen, zur Not kann man einfach drei Dokus nehmen und sagen, ja, bitte. Man kann einfach einen Film nehmen, in dem gar keine Personen zu sehen sind. Man kann einen Film nehmen, in dem einfach unglaublich schlechte Schauspieler zu sehen sind, um einmal zu sagen... Das war keine Schauspielleistung. Auf keinem Planeten, in keiner Welt, in keiner Dimension kann man das als Schauspielleistung bezeichnen.
Johannes Franke: Ich habe beides drin.
Florian Bayer: Sehr gut. Dann hast du honorable mentions? Ich habe tatsächlich nur drei Stück diesmal.
Johannes Franke: Nee, habe ich nicht. Keine Orable Mansions, nix. Die gehen einfach direkt rein.
Florian Bayer: Dann spring mal rein mit deinem Dritten.
Johannes Franke: Mein Platz drei ist die negative Variante The Room. Das ist einfach kein Schauspieler. Alter, hör auf. Produzier es meinetwegen. Du hast es ja hingekriegt, aber stell dich nicht vor die Kamera an.
Florian Bayer: Und er gibt sich so viel Mühe.
Johannes Franke: Tommy Wiseau ist einfach kein Schauspieler.
Florian Bayer: Niemand weiß, was oder wer er ist, aber er ist kein Schauspieler. Und er ist auch kein Regisseur und er ist auch kein Produzent.
Johannes Franke: Naja, also er hat es geschafft, das auf die Beine zu stellen. Insofern ist der Produzentenstatus schon okay irgendwie. Weiß ich nicht genau. Aber es ist einfach The Room. Aber ihr kennt alle The Room. Ich nehme es ganz stark an. Ihr wisst, wovon wir reden. Der schlechteste Film... Aller Zeiten weiß ich nicht genau, da ist noch Edward dazwischen.
Florian Bayer: Ja, und es gibt noch danach welche, über die man diskutieren könnte. Ja, ja. Mein Platz 3, ich werde in dieser Liste ein paar Metaebenen aufmachen. Und deswegen werde ich den Titel jetzt sehr langsam vorlesen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Borat.
Johannes Franke: Ah, fuck.
Florian Bayer: Ein Dorf lacht nicht Aha Ein Film aus dem Jahr 2008 und zwar ein Dokumentarfilm Ja Und die Macher dieses Films haben sich gedacht, lasst uns doch mal nach Klott fahren, ein kleines rumänisches Dorf. Das durch den ersten Borat-Film zu einiger Berühmtheit gekommen ist, weil das ist das, wovon Borat behauptet, das wäre seine Heimat in Kasachstan. Da geht er rum und zeigt die Leute. Und sagt, und das ist übrigens unser Engelsmacher. Und dann sieht man einen alten Mann, der am Schleifstein steht und ihn angrinst. Und dann geht er... Und dann geht er im Haus vorbei und dann kommt eine wunderschöne Frau raus und er gibt ihr einen langen Zungenkuss und sagt, das ist meine Schwester. Es ist kein Dorf in Kasachstan, sondern ein Dorf in Rumänien. Und die haben sich ziemlich verarscht gefühlt von Sacha Baron Cohen. Die haben kaum was dafür gekriegt. Die ganze Welt hat über sie gelacht. Und die Crew ist da wohl hingefahren unter der Ansage, wir drehen hier einen Dokumentarfilm. über Rumänien, über eure Lebenssituation. Wir wollen ein paar Bilder von euch einfangen. Oh nein. Also, Sacha Baron Cohen hat gesagt, nein, nein, die wussten, das wird eine Mockumentary. Die wussten, dass das auch witzig werden soll. Das heißt, es gibt durchaus unterschiedliche Perspektiven darauf. Und die haben sich aber richtig verarscht gefühlt, vor allem, weil das halt Rumänien ist und die sehr gläubige Menschen sind. Der alte Mann, der da zu sehen war, als Engelsmacher präsentiert wurde, den hat das wohl ziemlich mitgenommen, dass gesagt wurde, der macht übrigens Abtreibungen. Ja, und dann fährt halt die Kameracrew dahin und die drehen einen Dokumentarfilm darüber. Und irgendwann Ein sehr zwielichtiger deutscher Anwalt hat sich da eingeschaltet und will jetzt, will Borat verklagen, will Sacha Baron Cohen und das Filmunternehmen, das Borat gedreht hat, verklagen.
Johannes Franke: lagen.
Florian Bayer: Das wird da auch so ein bisschen gezeigt. Und die verarschen die aber auch nur. Die nutzen das eigentlich auch nur, um Publicity zu haben, diese Es sind so zwei Anwälte, ein deutscher Anwalt, ein amerikanischer Anwalt. Und man merkt, das ist so ein Nothing-Burger, was die da haben. Die sagen, ihr könnt hier Millionen kriegen für euer Dorf. Das Dorf ist total verarmt. Die haben keine vernünftige Wasserversorgung, keine vernünftige Stromversorgung. Es gibt diesen einen Typen, der zu den reicheren Leuten im Dorf gehört und der eigentlich will, dass alles besser wird. Und der einen Laden hat im Dorf und der redet dann mit den Anwälten und der versucht, die anderen Leute dazu zu kriegen, dass sie sich da dranhängen. Und die versprechen den Millionen, die sagen, wir verklagen die... Der Film hat so 11 Millionen eingespielt, davon könnt ihr auf jeden Fall ein Drittel abhaben. Aber es ist so klar, das ist nichts. Die machen das und es ist so klar, die werden nichts gewinnen. Und dann sind die auch wirklich fies zu lehnen. Und es ist halt diese krasse Metaebene, weil Borat spielt natürlich damit, dass er zu den Leuten fährt, vorgibt eine bestimmte Person zu sein und sich dann über diese amerikanischen Republikaner lustig macht. Und gleichzeitig, dann hat aber das stattgefunden, Leute, die wirklich verarscht wurden in diesem Film oder denen auf jeden Fall übel mitgespielt wurde, die halt wirklich so ... einfach finanziell ausgeblutet sind und dann auch noch, ich weiß nicht, ob es Sinti oder Romadorf ist, die auf jeden Fall sowieso auch in Rumänien unterdrückt sind als Minderheit. Und die enorme wirtschaftliche Probleme haben. Es ist ein super spannender Dokumentarfilm, der sich einfach mal dieses andere Ende von diesem Big Business anschaut. Und der halt die Leute zeigt, die keine Darsteller sind, keine Darstellerinnen und die in dem Film halt kurz gezeigt wurden als Figuren. Sehr interessant. Schaut ihn euch an, wenn Borat came to town, war der Originaltitel. Borat, ein Dorf, lacht nicht aus dem Jahr 2008. Okay, wow. Krass.
Johannes Franke: Dann hab ich als Platz zwei ... habe ich Björk in Dancer in the Dark. Eigentlich keine Schauspielerin, die wollte nie Schauspielerin sein, hat das auch danach... Nur noch sehr, sehr wenig gemacht und ist einfach sensationell. Ja, auf jeden Fall. Unglaublich. Wir haben über Dancer in the Dark geredet im Podcast, wenn ihr euch die Episode anhört. Wirklich sehr, sehr spannend. Und Björk, einfach großartig, schaut euch den Film an.
Florian Bayer: Und sie ist keine Schauspielerin und sie ist... Ja, so gut.
Johannes Franke: Ja. Und das ist ein bisschen auch ein Grenzbereich, darüber wollte ich auch mit dir reden, weil ab wann bist du Schauspieler? Ab wann kannst du sagen, this is no actor? Weil dann musst du jeden Kinderdarsteller mit reinnehmen. Welches Kind kannst du wirklich als Schauspieler bezeichnen, beruflich? Wer ist ab wann Schauspieler? Ist der erste Film eines berühmten Schauspielers, wo er schon sehr gut war, der Film, wo er kein Schauspieler war? Weiß ich nicht.
Florian Bayer: Um es mal simpel zu sagen, du bist Schauspieler, sobald du irgendwo spielst. Während du spielst, bist du auf jeden Fall Schauspieler, weißt du?
Johannes Franke: Ja, aber dann... Funktioniert? die Liste schon nicht mehr.
Florian Bayer: Das ist auch nicht so einfach. Ja, was macht einen Schauspieler aus? Was macht eine Schauspielerin aus?
Johannes Franke: Ist es die Ausbildung? Schon mal nicht.
Florian Bayer: Nee, auf keinen Fall.
Johannes Franke: Es gibt sehr viele Schauspieler, die keine Ausbildung haben.
Florian Bayer: Vielleicht bietet es eine gewisse Konzentration auf dieses Geschäft und also zu sagen, das ist ein Teil meines Lebens. Dass ich das mache. Nicht unbedingt, um Geld zu verdienen, aber dass ich das einfach mit einer gewissen Regelmäßigkeit mache. Auf Bühnen, vor der Kamera.
Johannes Franke: Würde ich auch nicht sagen, weil es gibt Leute, die so zwei, drei Filme gedreht haben und dann gesagt haben, ach... Ist nichts für mich. Die waren trotzdem Schauspieler.
Florian Bayer: Schauspieler ist jemand, der spielt.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist das gleiche Ding wie mit Kunst. Sobald derjenige, der es macht, sagt, ich mach das... Es ist einfach so. Liegt ein bisschen in der Rezeption, aber vor allem auch an demjenigen, der sagt, so, ich habe hier Kunst gemacht.
Florian Bayer: Vielleicht können wir die Frage nochmal ein bisschen zurückschieben, weil ich glaube, nachdem wir diese Top 3 gemacht haben, können wir nochmal kurz drüber grübeln.
Johannes Franke: Ich bin gespannt.
Florian Bayer: Mein Platz 2. ist nochmal ein Dokumentarfilm. Und ich fasse es nicht, dass ich in einer Podcast-Episode, in der es um ein postpornografisches Experiment aus Deutschland geht, über amerikanisches Wrestling Das ist eine Weißling-Rede.
Johannes Franke: Sie haben sehr viel gemeinsam, muss ich sagen.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist Hitman Hart Wrestling with Shadows. Pratt Hitman Hart war der Eine Zeit lang Mitte der 90er, der größte Wrestling-Star der WWF. Die WWF war die größte Wrestling Company, die es gab. Und zwar, weil die die Ersten waren, die so ... die nicht nur im Regionalen waren. Es gab ganz lange Zeit, gab es in Amerika ganz viele regionale Verbände und die haben gesagt, wir machen das jetzt groß. Wir machen das auf dem ganzen Kontinent und wir machen das im Fernsehen und so weiter und haben damit unglaublich viel Geld gebracht. Hulk Hogan, du bist kein Wrestling-Experte, aber Hulk Hogan hast du schon mal gehört? Ja, natürlich. ganz tief drin verstrickt in diesen Aufstieg der WWF.
Johannes Franke: Aber ist das der Typ, der... so ganz besonders abgestürzt am Ende ist und kein Geld mehr hatte, weil die ihm eigentlich alle abgezogen haben? Nein. Es gibt am Wrestling so richtig traurige Gestalten am Ende.
Florian Bayer: Es gibt viele traurige Gestalten. Bret Hitman Hart war auch eine traurige Gestalt, aber aus anderen Gründen. Also die Doku ist von 1998 und belichtet so seine letzten Tage bei der WWF, weil damals ist eine... eine Konkurrenz-Wrestling-Organisation größer geworden, die WCW. Die haben es geschafft mit bestimmten Storylines. richtig groß zu werden. Und zwar hatten die dann plötzlich Hulk Hogan und die hatten den Macho Man, die hatten die ganzen Stars von der WWF aus den 80ern und haben so eine Metastoryline gebaut. wo die tatsächlich sagen, wir gründen unsere eigene Wrestling Federation und dann wurde ja ganz viel gespielt und so. Egal. Und Brad Pittman Hart wollte da auch hinwechseln zur WCW. Und sein Vertrag war ausgelaufen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der große Pate des Wrestlings der WWF war Vince McMahon. Der war der große Chef von dem ganzen Ding. Brad Pittman Hart war, als er wechseln wollte, ich weiß nicht, Weltmeister, er hatte auf jeden Fall irgendeinen Titel, den hat er gehalten. Und Vince McMahon hat gesagt, Du kannst nicht mit diesem Titel von uns ... Das ist echt, das ist keine Story. zur Konkurrenz wechseln. Offensichtlich vorher hat das schon mal stattgefunden. Und Vince McMahon hatte Angst, dass das wieder passiert. Er hat gesagt, du musst deinen Titel verlieren. Es gab einen Kampf in Kanada. Bret Hitman Hart war Kanadier. Und da sollte er gegen Shawn Michaels kämpfen. Und dann hat Vince McMahon gesagt, du musst gegen Shawn Michaels da deinen Titel verlieren. Die beiden haben sich gehasst. Brad Hart und Shawn Michaels und Brad Hart, der damals noch einen richtig guten Vertrag hatte bei der WWF und guter Vertrag hieß, die Kämpfer durften über den Ausgang des Kampfes mitbestimmen. Also die, die schlechten Verträge hatten, die mussten halt machen, was der Chef gesagt hat. Aber die Stars, die die richtig guten Verträge hatten, die durften künstlerisch mitreden. Okay. Das heißt, und Fred Titman hat sich dann auf den Vertrag berufen und hat gesagt, nein, ich verliere nicht gegen John Michaels. Ich gebe den Titel gerne ab, aber nicht gegen den, den mag ich nicht. Mhm. Nächste Woche kämpfe ich gegen irgendeinen No-Name und dann verliere ich den Titel. Aber heute werde ich einen Titel nicht verlieren. Und dann hat Wins McMahon gesagt, okay, machen wir so. Dann machen wir einfach ein Disqualification damit verlierst du den Titel nicht, ihr kämpft gegeneinander und kurz vorm Ende, wenn der Kampf fast vorbei ist, Stürmen deine Freunde in den Ring, großes Chaos, der Kampf wird abgebrochen, du hast den Titel nicht verloren, bist nur disqualifiziert worden. Alles klar abgemacht, Drehbuch, Skript eingetütet. Hinter Backstage hat Winston McMahon zu Shawn Michaels gesagt, das machen wir nicht.
Johannes Franke: Fuck, Alter.
Florian Bayer: Beim Wrestling gibt es verschiedene Arten, einen Kampf zu verlieren. Einer ist es, aufzugeben. Du wirst in den Griff gepackt, schaffst es nicht vor vermeintlichen Schmerzen und bringst dem Tringrichter zu, dass du aufgibst. Und Vince McMahon hat dann zu Shawn Michaels gesagt ... Also in dem Kampf irgendwo im Skript ist, dass du in diesem Griff hast, dann wird der Ringrichter den Kampf abbrechen und sagen, dass es Fred Hitman hat, aufgegeben hat. Und das haben sie durchgesucht. Das ist als Montreal Screwjob in die Geschichte eingegangen, eines der berühmtesten Matches der Geschichte, weil der Verlierer nicht wusste, dass er verlieren wird diesen Kampf. Ja. Und alle anderen wussten es. Und das war halt, also es war einfach eine harte Nummer, meine Güte. Man kann sehr viel drüber diskutieren. Danach hat er tatsächlich, also der Verlierer Bret Hart hat dann Vince McMahon, der das eingefädelt hat, dann auch tatsächlich Backstage ein blaues Auge verpasst. Riesennummer, riesige Geschichte. Und die Doku... Die, die Doku gedreht hatten, hatten einfach Glück, dass sie die letzten Tage bei Brad Pittman Hart dabei waren und filmen das alles. Und es ist zum einen eine total tolle Doku, weil sie so hinter dieses Wrestling-Business guckt, weil ganz offen über die Storylines geredet wird und wie die Kämpfe abgesprochen werden. Wir sehen ganz oft ... Kämpfer, die Backstage miteinander sitzen und miteinander plauschen, wie der Kampf gehen wird. Und dann machst du das und dann wirfst du mich und dann, man erfährt sehr viel über das, dass es diese eine Ebene natürlich Die Ain't Actors sind Wrestler, Schauspieler. Kann man die Frage schon stellen. Und dann passiert aber in diesem Ding tatsächlich so ein Soap-Drama eigentlich, wo jemand verliert. Ohne verlieren zu wollen. Und dann sieht man sie Backstage sitzen und Bret Hart sagt zu Shawn Michaels, ey Shawn, wusstest du davon? Wusstest du, dass der Kampf abgebrochen wird? Und Shawn, nein, ich... Ich wusste das nicht, ich hatte keine Ahnung davon. Ich wusste nicht, dass die die Glocke drücken und ich bin genauso schockiert wie du. Es ist echt krass. Es ist eine wirklich spannende Doku. Selbst wenn man keinen Spaß an Wrestling hat und keine Ahnung von Wrestling. Es ist super interessant zu sehen, was da Backstage passiert. Wie diese, ja was sind es, Künstler, Athleten, Schauspieler, irgendwas dazwischen. Ja, stimmt. They Ain't Actors ist der Titel, aber sie sind halt schon viel Schauspieler, weil es gibt ja Städte. diese Storylines. Aber wie das dann auch so ein bisschen von der Realität überholt wird, ich hab schon viel zu viel geredet. Guckt euch diesen Film an. Wow.
Johannes Franke: Ich hab das Gefühl, ich hab den Film jetzt schon gesehen. Ich finde das eine wahnsinnig spannende Sache, weil es wirklich ist, sie sind im Grunde Schauspieler, aber sie sind ja keine... Schauspieler für fiktionales Storyline erzählen im klassischen Sinne, sondern sie haben halt abgemachte Szenerie. irgendwie, die aber Improvisationsspielraum haben und so.
Florian Bayer: Das Ding ist, wenn sie Schauspieler sind, sind sie meistens ziemlich schlechte Schauspieler, weil es gibt ja diese Promos und die spielen dann ja auch die Bösewichte und gucken, und spielen auch, dass sie sich hassen und so, obwohl sie die besten Freunde sind.
Johannes Franke: Die Frage ist vielleicht gestattet, ob die Zuschauer auch noch Schauspieler
Florian Bayer: Definitiv. Das ist das Großartige. Das ist eigentlich das Tolle an Wrestling, dass es dieses Pension of Disbelief auf ganz krasser Ebene gibt. Weil alle wissen, dass es zusammengeschustert ist.
Johannes Franke: Und alle trotzdem mitspielen so. Buh, Affe, Gorilla, abhauen, raus hier. Und alle mitspielen, das ist jetzt der Bösewicht.
Florian Bayer: Auf jeden Fall super faszinierend. Ich finde Wrestlingkämpfe total langweilig. Zwei Leute sind die zehn Minuten aufeinander einkloppen. Aber ich finde das drumherum super spannend.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Vielleicht müssen wir darüber mal ausführlich reden.
Florian Bayer: Ja, vielleicht müssen wir das mal machen. Dein Platz 1.
Johannes Franke: Mein Platz 1 haben wir hier besprochen auch Fahrraddiebe. Ich danke dir, Plur, bis heute, dass du diesen Film gezeigt hast. Oh, schön. Es gehört nicht zu diesen Filmen, wo ich sage, boah, was hast du mir wieder für einen Scheiß vorgesetzt. Obwohl es... eine neue Ära einleitet, in diesem Fall den italienischen Neorealismus, wo schon das Wort Neorealismus bei mir die Alarmglocken läuten lässt. Um Gottes Willen, Realismus, Hilfe, Hilfe, Hilfe. Aber er hat sich ja auf die Fahnen geschrieben, keine Schauspieler zu benutzen für den Film. Und die spielen alle aber wahnsinnig gut. Der Junge allein, der kleine Junge, den er da erwischt hat, der ist der Hammer. Der Vater ist der Hammer. Die ganzen... Es gibt so ein paar Figuren, wo man sagt, naja, gut, okay, das ist jetzt nicht das Großartigste, kein Oscar dafür, aber... Aber die sind einfach so gut zusammengebracht und auch gut zusammen montiert und so, dass man echt Hut ab. Selten Amateure auf so hohem Niveau gesehen.
Florian Bayer: Schöner Platz 1. Dagegen stinkt mein Platz 1 ein bisschen ab.
Johannes Franke: Ah, okay, jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Aber nochmal einen Film, den du, ich glaub, den kennst du nicht. Under the Skin aus dem Jahr 2013 mit Scarlett Johansson. Scarlett Johansson spielt eine Außerirdische, die umherfährt in ... Die mit einem Lieferwagen umherfährt und Männer anspricht, um sie zu verführen, sich nach Hause zu locken und dann aufzufressen. Okay. Und in diesem Film hat der Regisseur Jonathan Clayster, der einen sehr experimentellen Ansatz wählt, dieses kleinen klassischer Science-Fiction-Horrorfilm, hat er 10 reingeschnitten, wo Scarlett Johansson rumfährt mit dem Lieferwagen und einfach irgendwelche Typen auf der Straße anspricht und nach dem Weg fragt. Keine Schauspieler. Das macht nicht das Gros des Films aus. Also es gibt tatsächlich diese Handlung und sie ist irgendwie eine Außerirdische und wir wissen nicht genau, was mit ihr los ist. Und es gibt diese merkwürdigen Sequenzen, wo dann die Männer verschlüsseln. Aber es gibt auch einfach diese Szenen, wo sie rumfährt und dann irgendeinen Typen an der Straße anspricht und das ist kein Schauspieler, sondern die haben tatsächlich einfach... Die sind mit Kamera und man sieht es auch, es sieht auch so ein bisschen nach Low Budget aus, sind die rumgefahren, haben angehalten, Scott Johnson beugt sich aus dem Auto raus. Bestimmt gab es einige Momente, wo sie erkannt wurden. Ja, genau. Die haben sie nicht reingepackt in den Film. Und spricht irgendwelche Leute an und fragt, ey, kannst du mir sagen, wie ich da und da hinkomme und so weiter. Und die Leute reagieren drauf.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Under the Skin 2013. Spannender Experimental Science-Fiction-Film.
Johannes Franke: Crazy. Cool. Ja, na dann haben wir wieder ein paar Sachen auf der Liste. Sehr gut. Aufgabe erfüllt. Kommen wir wieder zurück zum Film, oder?
Florian Bayer: Ja, und zu unserem Schlussfazit würde ich fast sagen.
Johannes Franke: Das war
Florian Bayer: Unsere Top 3. Johannes, sehenswert?
Johannes Franke: Sehenswert, natürlich sehenswert. Absolut sehenswert. Ich habe meine Zweifel gehabt, muss ich sagen. Als du mir die vorgeschlagen hast, habe ich gedacht... Ja, und dann reden wir irgendwie über Kameraeinstellungen? Oder was machen wir dann?
Florian Bayer: Bist du denn zufrieden mit der Technik des Films, mit der Kamera? Weil Low Budget ist Low, Low Budget.
Johannes Franke: Es ist absolut low budget, aber es ist ja vollkommen eingebettet in dem, was es ist. Es tut ja nicht so, als wäre es was anderes. Insofern ist es vollkommen... In Ordnung und sehr gut gemacht und die Kameras haben alles gekriegt, was sie sollten. Und es ist auch süß zu sehen, wie die Leute hinterherhächeln mit ihren Kameras, wenn sie sich draußen hinsetzen. Also, es ist schon...
Florian Bayer: Es ist gut. Das ist auch so typisch WG-Party 2000. Sie sitzen sehr, sehr oft draußen und rauchen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auf der Feuertreppe, ne?
Johannes Franke: Ja, genau. Das ist echt süß. Absolut sehenswerter Film. Selbst wenn der ganze Pornoanteil gar nicht wäre... Ist das so süß, wie die da kommen und reden und sich austauschen und über Poli und über alle möglichen... Ansätze von Sexualität einfach reden und sich austauschen und nervös kichern. Es ist einfach toll.
Florian Bayer: Schön. Dazu kann ich gar nicht viel mehr sagen. Vielen Dank, Johannes, dass du den geguckt hast.
Johannes Franke: Vielen Dank, Flo, dass du mir den vorgeschlagen hast. Ich hätte ihn sonst wirklich nicht gesehen. Und ich werde vielleicht auch noch den anderen von ihr anschauen, auch wenn der viel pornografischer ist. Vielleicht habe ich dann auch mehr davon in eine ganz bestimmte andere Richtung. Mal sehen.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, womit sich Johannes revanchiert nächste Woche. Bleibt nochmal kurz dran. Ich hab was für dich. Oh, ich bin gespannt. Vielen Dank fürs Zuhören. Euch eine tolle Woche.
Johannes Franke: Bleibt gesund. Bis zum nächsten Mal. Ciao.
Florian Bayer: Tschüss. Johannes hat noch ein Postskriptum.
Johannes Franke: Weißt du, was mir noch aufgefallen ist, was ich jetzt vergessen habe anzusprechen... Wie gut finde ich, dass die sich Alkohol mitgebracht haben. Ich verstehe das. Aber gerade beim Thema Sex ist Alkohol der schlechteste Katalysator. Oder bist du anderer Meinung?
Florian Bayer: Naja, also in zu viel Maße definitiv.
Johannes Franke: Aber du sagst zu ganz anderen Sachen ja, auch wenn du nur... weiß ich nicht, die haben mehr als zwei Sekt getrunken.
Florian Bayer: Ja. Schwierige Frage. Ich glaube, in dem Setup finde ich es okay, weil Sex irgendwie so grundsätzlich im Raum stand.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist was anderes, wenn man das Gefühl hat, dass Person X, Person Y abfüllen will. Das ist einfach nochmal ein anderes Setup. Und ich glaube, beim Alkohol, also grundsätzlich die Menge macht das Gift.
Johannes Franke: Ja, okay, nein.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich nicht so verwerflich, dass sie sich ein bisschen Mut antrinken.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich gebe dir vollkommen recht, Sex und Alkohol oder beziehungsweise Alkohol und dann Sex kann eine gefährliche Mischung sein.
Johannes Franke: Ja. Vor allem, wenn es darum geht, irgendwo öffentlich was zu machen und zu sagen, ja, damit bin ich d'accord oder damit bin ich nicht d'accord, weil du mit... im sober Zustand vielleicht dann wieder sagst, oh Gott, was hab ich denn da gemacht? Eigentlich wollte ich das nicht.
Florian Bayer: Erhöht auf jeden Fall die Gefahr für blöde Gefühle währenddessen und für große Reue danach.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und ist auf jeden Fall so ein grundsätzliches Diskussionsthema auch. Ja.
Johannes Franke: Ja, also insofern, wie ich auch in meinem Video, glaube ich, sage, wenn du betrunken bist... Konsent ist schwierig.
Florian Bayer: Definitiv bin ich ganz bei dir, ja.
Johannes Franke: Wenn man nicht gerade in einer langjährigen Beziehung ist, wo das eigentlich alles klar gesetzt ist. dann ist das einfach schwieriger.
Florian Bayer: Und gerade in dem Alter, die sind ja auch alle so 20 bis 30, das ist ja genau das, Alter, wo auch so Shit passieren kann. Und wo auch Sachen passieren, wo man denkt, ah, das war vielleicht nicht so geil. Und dann ist Alkohol halt oft auch ein Begleiter von diesen Situationen. Auch wenn es um Sex geht.
Johannes Franke: Insofern, das sehe ich ein bisschen kritisch. Ansonsten absolute Sehempfehlung.
Florian Bayer: Was hast du denn für mich als Revanche?
Johannes Franke: Ich habe für dich als Revanche auch einen deutschen Film. Und zwar eine Ziffer. Sag mir eine Ziffer zwischen 10 und 30.
Florian Bayer: Nein, 31.
Johannes Franke: Mann, welche Ziffer... Welche Ziffer... Aber bitteschön ist dann irgendwie so trächtig, dass man sagt, okay, die muss es sein. Außer die 13.
Florian Bayer: Dann ist es die 23. Yes!
Johannes Franke: Kennst du einen deutschen Film 23?
Florian Bayer: Hervorragende Wahl. Warum sage ich dir nächste Woche?
Johannes Franke: Oh, oh, oh, okay. Wow, okay, das heißt, ich weiß jetzt nicht wissen, ob du den schon kennst. Verdammt, okay, gut. sehen wir uns, hören uns nächste Woche wieder mit dem deutschen Film 23, von dem es eine Fortsetzung gibt. Also nicht verwechseln mit dem, mit Jim Carrey. Ich freue mich drauf. Von Hans-Christian Schmidt, glaube ich, heißt er. Das werden wir nicht so erklären.
Florian Bayer: Das wird richtig spaßig. Ich freue mich total.
Johannes Franke: halt drauf. Sehr schön, okay. Dann viel Spaß beim Gucken. Euch viel Spaß beim Gucken und mir eine schöne Woche. Euch eine schöne Woche. Bis dann. Ciao. Ciao.
