Episode 81: Charade – die perfekte Melange aus Screwball und Thriller?
Plor, ich bin schwer enttäuscht, dass du diesen Film noch nicht kanntest. Dieser Film hätte von dir kommen müssen, nicht von mir.
Dieser Kriminalfilm aus dem Jahre 1963 hat keine Johannes-Typischen Tanzeinlagen.
Diese Liebeskomödie mit Cary Grant und Audrey Hepburn hat keine schnellen Dialoge die mit ihrem Wortwitz über eine dürftige Handlung hinwegtäuschen wollen.
In diesem Thriller von Stanley Donen singt niemand aus heiterem Himmel los und alle machen mit.
In diesem Agentenfilm werden keine 1000 Taschen verwechselt, er ist nicht in schwarz/weiß, kein Slapstick-duo stolpert sich durch den Film und er ist auch nicht von Wes Anderson.
In diesem Film wird ein Mann ermordet, dessen Frau daraufhin von 3, nein 4, nein 5 zwielichtigen Gestalten heimgesucht wird, um sie um das Vermögen des verstorbenen Mannes zu erleichtern. Das klingt doch nach Hitchcock! Das klingt doch nach einem Plorfilm, wenn es schon Hollywood der 60er sein muss!
Plor, wie konnte dieser Film an dir vorüber gehen?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 81: Charade – die perfekte Melange aus Screwball und Thriller? Publishing Date: 2022-07-20T17:10:28+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/07/20/episode-81-charade/
Florian Bayer: Adam, Peter, Alexander nicht unser Bösewicht sein kann, dann kann es ja eigentlich nur Hamilton sein. Ja, oder sie. Nein, das habe ich nie gedacht. Das habe ich gedacht. Das hast du wirklich gedacht? Ich habe echt gehofft, dass sie es vielleicht war. Ich drüber nachdenke, würde ich es hoffen, aber nie im Leben. Echt? Da wird sie viel zu viel hingeschubst und macht viel zu wenig selbst. Sie rennt doch, sie ist doch die ganze Zeit auf der Flucht und macht das, was andere Leute ihr sagen. So, herzlich willkommen hier zu einer neuen Ausgabe von... Muss man sehen Podcast. Der Podcast von Filmliebhabern für FilmliebhaberInnen. Ja, vor mir sitzt Florian Plorbeier. Und vor mir sitzt der bezaubernde Johannes Franke. Oh, bezaubern, danke. Eigentlich habe ich das Adjektiv bezaubern fest mit dir verankert.
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich, weil ich Zauberer bin. Das könnte der Grund sein. Das könnte sein. Ja, was machen wir denn hier, Johannes? Wir machen folgendes, wir geben uns gegenseitig Filme auf als Hausaufgaben und sagen, wir gucken ihn jetzt, egal ob du willst oder nicht. Und dann reden wir darüber. Und am besten Falle schaffen wir es, den Horizont des anderen zu erweitern.
Florian Bayer: Eigentlich ist das der Den-must-du-sehen-Podcast. Stimmt. Aber vielleicht, wir machen das Ganze natürlich in der Hoffnung, dass ihr da draußen auch ein paar Filminspirationen mitkriegt und vielleicht auch auf den einen oder anderen Film stößt.
Johannes Franke: Ich mache das eigentlich nur für mich und für dich, Plor.
Florian Bayer: Die Leute sind mir egal. Nein, ich mache es ja vor allem in der Hoffnung, dass wir mal wieder Filmvorschläge kriegen.
Johannes Franke: Es ist lange her, dass wir die letzten Filmvorschläge hatten. Ihr müsst uns Mails schreiben an florian-at-mus-mann-sehen.de. Oder an johannes-at-mus-mann-sehen.de.
Florian Bayer: Wir freuen uns über alle Filmvorschläge, vor allem Filme, die wir vielleicht noch gar nicht auf dem Schirm hatten, weil unser für mich Horizont ist natürlich auch irgendwie eingeschränkt. Ja, das ist das, was wir interessant finden, was wir mögen. Und das sind bei Johannes offensichtlich Filme, in denen Audrey Hepburn mitspielt.
Johannes Franke: Ja, irgendwie schon. Habe ich dann auch gemerkt, weil das ist jetzt der, wie viel der zweite Film, glaube ich. Aber es könnten durchaus mehr in der Liste sein bisher. Filme, in denen die 20-jährige Audrey Hepburn Affären mit 90-jährigen Männern hat. Okay, das werden wir noch zu besprechen haben, Plor. Ich habe Plor folgenden Film vorgeschlagen. Scharade aus dem Jahr 1963. Und du hast einen Text vorbereitet. Und ich habe einen Text vorbereitet dazu und den werde ich jetzt einmal zum Besten geben. Und dann werden wir anfangen, über diesen Film zu reden, lästern, diskutieren. Mal gucken, was passiert. Ich hoffe, ihr habt ihn alle gesehen. Wenn ihr ihn nicht gesehen habt, dann wird euch die Hälfte von dem, was wir jetzt sagen, nichts sagen. Aber vielleicht habt ihr ja trotzdem Spaß dran. Dann könnt ihr jetzt Pause drücken und auf YouTube gehen.
Florian Bayer: Da findet man nämlich sowohl eine deutsche als auch eine englische Version davon. Ja.
Johannes Franke: In guter Qualität. In sehr, sehr guter Qualität. Und warum das so ist, werden wir uns auch noch um die Ohren hauen. Erstmal meinen Text. Also, Plor, ich bin schwer enttäuscht, dass du diesen Film noch nicht kanntest. Dieser Film hätte von dir kommen müssen, nicht von mir. Dieser Kriminalfilm aus dem Jahre 1963 hat keine Johannestypischen Tanzeinlagen. Und diese Liebeskomödie mit Cary Grant und Audrey Hepburn hat keine schnellen Dialoge, die mit ihrem Wortwitz über eine dürftige Handlung hinwegtäuschen wollen. Und in diesem Thriller von Dan Lydon singt niemand aus heiterem Himmel los und alle machen mit. Und außerdem, in diesem Agentenfilm werden keine tausend Taschen verwechselt. Und der ist nicht in schwarz-weiß. Und der hat kein Slapstick-Duo. Und der ist auch nicht von Wes Anderson. Also, es ist nicht mein Film, sondern eigentlich dein Film. Denn in diesem Film wird ein Mann ermordet, dessen Frau daraufhin von drei, äh, nein, vier, in dem Moment fünf zwielichtigen Gestalten heimgesucht wird, um sie, um das Vermögen des verstorbenen Mannes zu erleichtern. Das klingt doch nach Hitchcock. Das klingt nach einem Plur-Film, wenn es denn schon Hollywood der 60er sein muss. Plur, wie konnte dieser Film an dir vorübergehen?
Florian Bayer: Also, ich muss dir jetzt erstmal komplett widersprechen. Es ist ein totaler Johannesfilm.
Johannes Franke: Ja, ich weiß.
Florian Bayer: Von Anfang bis Ende. Das werden wir jetzt exploren. Wie konnte dieser Film an mir vorübergehen? Das ist eine total gute Frage. Ich kann mich erinnern, über diesen Film immer mal wieder gestolpert zu sein. Und es gibt ja so ein paar imaginäre, muss ich unbedingt noch sehen, Listen von mir. Und auf einer von dieser taucht er auch auf. Das Problem bei diesen imaginären Listen ist, dass sie nicht auf Papier gebracht sind. Und deshalb bin ich auch immer mal wieder über diesen Film gestolpert, hab das Plakat gesehen oder vielleicht sogar kurz so ein Teaser für die Handlung. Dachte, den hab ich doch schon gesehen. Das klingt doch wie so ein Hitchcock-Thriller, so eine Hitchcock-Thriller-Komödie mit Augenzwinkern. Und so ist er tatsächlich einfach an mir vorbeigegangen. Und um das gleich mal vorweg zu sagen, es ist schade, dass er an mir vorbeigegangen ist, weil es ist ein Film, den man sehr viel abgewinnen kann. Und der sehr viel Spaß macht.
Johannes Franke: Ja, und um das noch mal zu sagen, wir sagen jetzt ganz oft Alfred Hitchcock, aber es ist kein Film von Alfred Hitchcock. Aber es hat sich echt gefestigt, dass alle immer denken, das ist ein Hitchcock-Film, weil der so viele Elemente von Hitchcock-Filmen hat. Und deswegen wird der Film als der beste Hitchcock-Film, den Hitchcock nie gemacht hat, bezeichnet.
Florian Bayer: Wir müssen uns auf jeden Fall für später in dieser Episode im Hinterkopf behalten. Ich möchte mit dir drüber reden, wie würde dieser Film denn aussehen, wenn er von Hitchcock gemacht worden wäre. Weil nachdem ich den Film gesehen habe, dachte ich, okay, ich sehe es irgendwie, dass Leute sagen, das ist doch ein Hitchcock. Ja. Aber eigentlich nicht. Eigentlich hat er so viele Brüche, die Hitchcock nie im Leben so gemacht hätte. Und hat so viele Momente und auch Momente, wo ich sage, das hätte Hitchcock besser gemacht. Dass ich das eigentlich nicht mehr verstehen kann.
Johannes Franke: Er hat aber auch ganz viele Momente, wo ich gedacht habe, das hätte Hitchcock gar nicht so hingekriegt. Oh, interessant. Kannst du gleich mal was nennen? Ja, Humor. Also ich meine, Hitchcock hat viel Humor in seinen Filmen. Aber eine ganz spezielle Art von Humor und manchmal auch eine Art von Humor, wo ich denke, ein bisschen altbacken und sexistisch und so. Definitiv. Und dieser Film hat viele humoreske Einlagen, die Alfred Hitchcock einfach nicht eingefallen wären, glaube ich.
Florian Bayer: Also gerade in seinem 60er-Jahre-Werk, finde ich, hat Hitchcock schon auch so diesen schwarzen Humor oft gebracht. Auch so dieses Augenzwinkern angesichts von Mord und Totschlag, was wir hier sehr oft haben. Was ich dir auf jeden Fall gebe, was Hitchcock nicht so gut kann, ist Screwball-Momente in seine Filme einbauen. Und dieser Film hat natürlich sehr viel von einer Screwball-Comedy. Also es gibt sehr viele Dialoge zwischen Cary Grant und Audrey Hepburn, die gerade zu schreien, ich bin eine Screwball-Komödie und ihr beide haut jetzt aufeinander ein mit Worten. Aber eigentlich wissen wir doch knickknackt, dass ihr eigentlich zusammengehört und dass ihr am Ende des Films auch zusammen sein werdet.
Johannes Franke: Können wir das gleich am Anfang mal klären? Der erste Auftritt von Cary Grant und von Audrey Hepburn, also der Film fängt ja an, Audrey Hepburn sehen wir. Und kurz darauf kommt schon Cary Grant dazu. Das ist doch ein Moment, wo man sofort das Gefühl hat, okay, die müssen irgendwie zusammenkommen, oder?
Florian Bayer: Ja, das große Problem dabei ist, man sieht natürlich in den ersten Momenten, man sieht Audrey Hepburn und Cary Grant. Ja. Es hilft nichts, dass sie wie immer total schick angezogen ist. Und sie hat Givenchy an und das ist so toll.
Johannes Franke: Natürlich. Sie sieht so gut aus.
Florian Bayer: Du siehst sie und denkst, oh, Audrey Hepburn und dann kommt halt Cary Grant auch noch vor so einer Kulisse mit den Bergen. Und er hat dann diese Jacke an und den Schal und sieht auch schick aus. Ja. Und guckt so ein bisschen und denkst, ah, okay, wir haben Audrey Hepburn, wir haben Cary Grant. Natürlich müssen die beiden zusammenkommen. Ja. Das ist ohne jeden Zweifel, auch wenn die Szene so von der Inszenierung ein bisschen so ist, als ob das sowas en passant hätte. Ja, genau. Um die Charaktere, um den Hauptcharakter einzuführen. Eigentlich geht es ja darum, dass wir sie kennenlernen. Ja. Aber es ist trotzdem klar, ey, das kann nicht nur eine Fünf-Minuten-Szene für sie sein. Absolut. Diesem Mann wird sie wieder begegnen und mit diesem Mann wird sie am Ende des Films zusammen sein.
Johannes Franke: Aber es ist auch nicht nur so, dass man erzählerisch denkt, okay, das ist dramaturgisch einfach sinnvoll, dass das so passieren wird. Und ich bin ja jetzt auch in einem Film gelandet mit Cary Grant und mit Audrey Hepburn. Klar werden die gemeinsam in dem Film bestreiten. Aber man will es auch. Natürlich will man es. Die haben so eine Chemie sofort, dass ich das Gefühl habe, da gibt es auch keine anderen Optionen. Es ist so toll. Ich liebe dieses Paar. Ich weiß nicht, es gibt so wenige. Hast du jetzt mal so aus dem Hut, ich habe dich darauf nicht vorbereitet, aber gibt es irgendein Paar in der Filmgeschichte, Filmpaar, wo du sagst, das war Arsch auf Eimer, das passt, das muss unbedingt so sein und die waren irgendwie besonders toll zusammen auf der Leinwand?
Florian Bayer: Das wäre eine tolle Sache mal für einen Top 3.
Johannes Franke: Ah, vielleicht nehmen wir uns das aufmachen.
Florian Bayer: Du hast recht, du erwischst mich gerade so unvorbereitet. Aber es gibt definitiv die Filme, wo ich denke, wow, da wurde echt mal gut gecastet. Weil die beiden sind wirklich toll zusammen, finde ich. Die haben eine super Chemie zusammen. Und diese Chemie, die sie zusammen haben, trägt auch den Film und lässt es auch verschmerzen, dass man irgendwie so ab der Hälfte des Films denkt, okay, hey, wie oft willst du dich von dem Kerl noch anlügen lassen? Wie oft bist du noch über eine Lüge von diesem Kerlstolpern, bis du sagst, verpiss dich.
Johannes Franke: Das ist so großartig, weil sie echt immer wieder und immer wieder. Und das Krasse ist, sie sagt ganz am Anfang, dass sie eigentlich sich von ihrem Mann trennt, weil der nie richtig die Wahrheit erzählt hat. Weil er so geheimnisvoll ist. Weil er so geheimnisvoll ist. Und sie will doch nichts anderes als die Wahrheit. Und dann wird sie den ganzen Film überbelogen.
Florian Bayer: Ja, und sie genießt es auch. Sie scheint es zwischendurch wirklich toll zu finden. Ja. Es gibt mindestens eine Szene, wo sie eben wieder mal auf die Schliche kommt und er ihr eine neue Geschichte aufticht. Ja. Und man ist geflirrt, sie hat sich nicht nur damit arrangiert, sondern sie findet das auch irgendwie heiß. Ja.
Johannes Franke: Okay. Und das erklärt natürlich, warum sie, also sie scheint ein Muster zu haben. Ja, definitiv. Und man muss ein kleines bisschen zugeben, dass das Muster so 60er Jahre typisch ist, dass es ein kleines bisschen ein Frauenbild offenbart, was nicht so richtig geil ist. Aber ich finde es trotzdem für den Film an sich, finde ich es ein folgerichtiges Muster, dass sie halt gleich am Anfang sich von ihrer einen Beziehung trennt, in der sie belogen wurde, um in die nächsten Reihen zu stolpern, in der sie auch belogen wird.
Florian Bayer: Kleine Challenge, wir versuchen, wenn wir zumindest von den Filmfiguren reden, ab sofort die Namen von den Filmfiguren zu sagen. Nein, das wird nichts, das wird nichts, das wird nichts. Wir haben Reggie und Peter. Ja, du hast recht, das wird schwierig. Okay, wir haben Audrey und Carrie. Es ist nicht nur das feministische Moment, was ich jetzt noch sagen muss, wenn du es schon erwähnst, dass sie sich, dass das ein bisschen schwierig ist, dass sie sich so verarschen lässt und die ganze Kontrolle hat. Eine Sache, die mich wirklich bei dem Film so ein bisschen gestört hat, ist, dass wir eine unglaublich passive Protagonistin haben. Ja. Auch von Hitchcock in diesen Thrillern und diesen Thrillerkomödien. Ja. Und es ist tatsächlich in dem Fall auch egal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, dass die Protagonistinnen so rumgeschubst werden vom Film. Und das haben wir in diesem Film sehr krass. Sie hat kaum so ein aktives Momentum auf ihrer Seite, sondern sie wird halt durch diese Geschichte getrieben und sie reagiert immer so ein bisschen. Ja. Aber es gibt nicht diesen wenigstens ein bisschen Empowerment-Moment, der mich dazu bringt zu sagen, hey, ja, jetzt rockst du das Ganze und jetzt ergreifst du die Initiative und jetzt zeigst du denen mal, wo der Hammer hängt. Weil einfach ihre Rolle ist es in dem Film, die ganze Zeit zwischen den Interessensgruppen hin und her geschubst zu werden.
Johannes Franke: Hm. Das ist sehr schade. Das hat auch damit zu tun, dass ich dann am Ende gedacht habe, eigentlich müsste doch der Film so enden, dass sie alles eingefädelt hat. Weil das würde es ein bisschen retten. Aber leider tut es das nicht. Weil wenn sie am Ende diejenige wäre, die irgendwie genau wüsste, wo der Hase langläuft und genau alles irgendwie für sich gesaved hätte, dann wäre es irgendwie cool gewesen. Das ist auf jeden Fall ein interessanter Punkt auch nochmal für die Frage, was hätte Hitchcock aus diesem Stoff gemacht? Weiß ich nicht, ob er das getan hätte. Er ist ja auch nicht unbedingt der beste Fraueninszenierer gewesen.
Florian Bayer: Das ist halt vor allem schade, weil es wird halt sehr konsequent aus ihrer Perspektive erzählt. Das ist zum Beispiel was, was Hitchcock nicht gemacht hätte. Wenn Hitchcock Frauenrollen hat, die ein bisschen eine größere Rolle spielen. Wenn er aus ihrer Perspektive erzählt, wechselt er meistens irgendwann im Laufe des Films oder wie ein Psycho lässt er sie einfach töten. Das ist schon cool, dass es aus ihrer Perspektive erzählt wird. Aber sie ist natürlich eine unglaublich schwache Protagonistin, weil sie ist die, die keinen Durchblick hat. Jetzt sind wir wieder bei Hitchcock. Und die halt hin und her geschubst wird und dann so bröckchenweise erfährt, was da überhaupt passiert ist und warum die Leute überhaupt ihr hinterher sind. Und warum ihr Mann getötet wurde.
Johannes Franke: Aber können wir festhalten, dass sie es irgendwie schafft, trotzdem stark zu wirken, indem sie einfach ganz tolle Lines hat, die sie ganz toll auch rüberbringen darf? Also ich finde schon, dass sie gute Comebacks hat und es ist natürlich Screwball. Dadurch bedingt es natürlich, das Genre bedingt, dass sie ein paar gute Lines hat, dass sie ein paar Sachen hat, wo sie reagiert und ihm ganz schön Paroli bieten kann.
Florian Bayer: Also sie hat manche Momente, wo sie sehr trocken und sehr nüchtern auf den ganzen Wahnsinn reagiert, der da um sie herum passiert. Ja. Das sind tolle Momente. Aber wirklich stark wird sie meiner Meinung nach eigentlich nie. Aber sie ist auch nicht ganz schlimm Damsel in Distress. Nein, sie ist ja schon die Protagonistin. Wir sehen es aus ihrer Perspektive und wir sind auch bei ihr und sie ist auch irgendwie die Identifikationsfigur, auch weil sie die einzige ist, die aus dem bürgerlichen Background kommt. Weil sonst hat sie ja nur mit Kriminellen zu tun. Deswegen sind wir auf jeden Fall bei ihr und sie ist nicht die Damsel, sondern sie ist unsere Protagonistin, ganz klar. Aber sie ist halt so sehr zur Ohnmacht verdammt und sie ist sehr dazu verdammt, sich anzuhören, was die Leute wollen. Und dann entweder vom vermeintlichen CIA Agent oder vom vermeintlichen Peter oder von den Gangstern von Ort A zu Ort B geschubst zu werden.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Ja, das ist ein bisschen schade, ein bisschen traurig, aber es ist halt auch ein bisschen die Zeit so. Gibt es Filme, fällt dir ein Film ein, wo es anders ist mit Frauen? Also ich glaube, Frauen als Hauptfiguren sind in der Zeit einfach nicht so.
Florian Bayer: Auf jeden Fall nicht bei den großen Studioproduktionen. Und das ist natürlich eine Studioproduktion. Und von Universal wirst du sowas in der Zeit nicht finden. Ja, aber wenn du im Independent-Film bist, dann vielleicht schon eher, zumindest wo das ein bisschen besser gelöst ist. Ja, naja gut. Kommen wir mal kurz auf den Regisseur zu sprechen, Stanley Downey, der ja ein Regisseur ist, den du mir, nicht nur, den hast du mir schon mal vorgesetzt. Und wenn man sich seine Filmografie anguckt, ist das ein Johannes-Regisseur.
Johannes Franke: Ja, ein absoluter Johannes-Regisseur. Wo ich das erste Mal drauf gestoßen bin, ist halt Singing in the Rain. Das ist der, der, der Film, der überhaupt meine Liebe entfacht hat zu dem Genre. Und es dürfte auch sein berühmtester Film sein. Ja, wahrscheinlich.
Florian Bayer: Und es ist beileibe nicht sein erster Film, ne?
Johannes Franke: Ja, ja. Obwohl, hier in der großen Liste ist es so sein vierter Film. Und das ist ja dann auch nicht, also wenn man sich den Rest der Liste anschaut, dann hat er noch sehr, sehr viel danach gemacht. Also es ist schon eine seiner Early-Versions.
Florian Bayer: Und er hat aber auch, er hat einen Musical-Background. Also nicht nur, weil Singing in the Rain ein Musical-Film ist, sondern er hat vorher auch am Broadway gearbeitet und er war auch Choreograf. Also er hat schon so diesen Hintergrund, er kann sich auf dem Musical-Parkett bewegen.
Johannes Franke: Deswegen hat er auch mit Gene Kelly so viel gemacht. Und Gene Kelly war ja auch Choreograf. Das heißt, die haben auch viel, muss man dazu sagen, zusammen Regie geführt. Also nicht nur, dass Gene Kelly dann irgendwie die Choreografien gemacht hat und er hat irgendwie den Rest der Regie geführt, sondern die haben wirklich sehr viel zusammen und eng zusammengearbeitet.
Florian Bayer: Ja, eines seiner ersten Filme war eine Leonard-Bernstein-Verfilmung, die er zusammen mit Gene Kelly gemacht hat, On the Town, den ich natürlich nicht kenne. Tja, Plur. Also wir stoßen in seiner Filmografie auf viele Filme, die ich nicht kenne. Aber jedes Mal, wenn ich einen Film anklicke, denke ich, ah, das ist so ein Film, den Johannes mir vorsetzen könnte. Auf jeden Fall, ja. Singing in the Rain kenne ich natürlich. Sehr schön. Ich würde auch behaupten, Singing in the Rain ist mein absolutes liebstes Film-Musical ever.
Johannes Franke: Das ist sehr schön, Plur. Aber du kennst auch nicht sehr viele Musicals. Ich kenne auch nicht so viele Musicals, das stimmt. Aber es ist wirklich ein toller Film. Der hat auch Royal Wedding gemacht, das war sein zweiter Film, 1951. Das war mit Fred Astaire zusammen, der ja auch so ein Genius ist. Und der ist auch großartig, der Film. Also er hat auch natürlich seine Schwächen und seine Probleme für der Zeit und Frauenbild und so weiter. Aber auch ein großartiger Film und das ist sein zweiter. Also es ist schon, er hat schon wirklich tolle Sachen gemacht.
Florian Bayer: Und dann hat er Funny Face gemacht. Das ist ein Film, den wir besprochen haben. Genau, ja. Wo er auch schon Audrey Hepburn dabei hatte und der war mit Fred Astaire auch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also er ist offensichtlich zwischen Gene Kelly und Fred Astaire so ein bisschen hin und her gesprungen.
Johannes Franke: Ja, aber ich meine, man kommt an den beiden nicht vorbei, wenn man Filme in der Zeit macht. Also das ist dann einfach so.
Florian Bayer: Und wie kommt dann so ein Regisseur an so eine wirklich Hitchcock-ähnliche Krimi-Komödie?
Johannes Franke: Ja, ich kann mir vorstellen, dass man dann irgendwie sagt, ah, ich bin, als Regisseur habe ich jetzt schon viel auserzählt, was so auf meinem Bereich liegt. Und ich bin aber Fan noch von anderen Dingen und von Hitchcock und so weiter. Es ist ja nur wirklich sehr auf Hitchcock gemacht, ne? Er hat ja das nicht ohne Absicht, ist da plötzlich was rausgekommen, was so Hitchcock-mäßig ist, sondern er hat das absichtlich so inszeniert und gemacht.
Florian Bayer: Was ich wirklich spannend finde, dass er die Rechte gekauft hat. Er war der, der für Universal gesagt hat, hey, das ist doch interessant, das sollte man doch machen. Ja. Und Peter Storn und Mark Beam waren die Drehbuchautoren von dem Screenplay. Und sie haben es nicht verkauft gekriegt erst mal. Die Unsuspecting Wife hieß es damals noch. Und dann haben sie daraus einen Roman gemacht, den sie Charade genannt haben.
Johannes Franke: Genau. Und das ist toll, weil sie haben irgendwie sieben Studios angeschrieben, die alle kein Interesse hatten. Und dann haben sie diesen Roman rausgebracht. Und alle sieben Studios haben dann sich zurückgemeldet und gesagt, oh, vielleicht nehmen wir es doch. Ja.
Florian Bayer: Das ist schon ziemlich cool. Und das war Peter Storn's Debüt tatsächlich. Und Mark Beam, der dann auch Credits gekriegt hat noch für das Drehbuch, nachdem Stanley Don da ordentlich drüber gegangen ist. Der hat danach das Drehbuch von Help geschrieben, von den Beatles. Oh. Also der war, offensichtlich war das auch so ein kleines Sprungbrett für ihn, dass er dann für die Beatles schreiben durfte.
Johannes Franke: Geil. Schön. Ja, also da sind natürlich viele Leute daran beteiligt gewesen, die wirklich große Größen. Henry Mancini. Der hat ganz viele James Bond Sachen gemacht und dieses ganzen, wenn du einen Film aus der Zeit siehst, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass er Henry Mancini war von der Musik her. Und das ist einfach ein groß, groß, großartiger Musiker. Ja.
Florian Bayer: Es ist halt, es ist schon, es ist ein Universal Kind. Das sieht man. Es ist ein Film von einem großen Studio. Er hat auch mit drei Millionen, das ist auch kein niedriges Budget für so einen Film, ne? Ja. Und war aber auch entsprechend erfolgreich.
Johannes Franke: Ja, sehr erfolgreich. Und sie haben den großen Fehler begangen, das Copyright Symbol nicht unterzubringen. Bis 1989 musstest du halt dieses Symbol da drin haben oder die Abkürzung Copy oder Copyright by oder was auch immer. Da gab es irgendwie ein paar Optionen, die man haben konnte. Und das haben sie verbuzzelt irgendwie. Und seit dem Erscheinen dieses Films ist der in Public Domain, weil sie das nicht geschafft haben, das ordentlich zu berücksichtigen.
Florian Bayer: Was für ein so absurdes Gesetz.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und dass da niemand mal draufgeklopft hat und gesagt hat, Leute, echt jetzt? Ja.
Johannes Franke: Es ist Urheberrecht. Urheberrecht kannst du in Europa überhaupt nicht, das heißt du automatisch. Ja. Da kannst du nichts dran rütteln. Das kannst du nicht mal verkaufen. Du kannst nur Nutzungsrechte verkaufen. Also, ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Es ist unglaublich. Ein sehr seltsames Gesetz.
Florian Bayer: Aber es sorgt dafür, dass wir den in wirklich guter Qualität, wir haben es schon gesagt, jetzt auf YouTube gucken können. Das heißt, wenn ihr Interesse an dem Film jetzt gerade gewinnt, während wir darüber reden, guckt ihn euch auf jeden Fall auf YouTube an. Er hat eine gute Qualität. Es ist nicht so hässliches TV-Rip, sondern es ist wirklich ansehnlich.
Johannes Franke: Ja. Im Internet Archive ist es auch zu kriegen, wenn man den haben will. Also insofern gibt keine Ausreden. Gucken.
Florian Bayer: Okay, springen wir mal rein in die Geschichte. Wollen wir mal rein springen?
Johannes Franke: Wir haben nicht Audrey, sondern Reggie, beziehungsweise Regina als Protagonistin, die am Anfang in ihrem Resort ist und da irgendwie Urlaub macht. Die reichen und schönen, man muss es dazu sagen, es ist natürlich immer, die Zeit ist so, die reichen und schönen Geschichten sind's.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sie ist da irgendwie und denkt darüber nach, sich von ihrem Mann zu trennen, weil der sie eigentlich immer nur im Dunkeln lässt darüber, wer er ist. Und wir werden natürlich im Laufe des Films rausfinden, warum. Weil er nämlich auch ein Gangster war. Mhm. Dann bekommt sie halt irgendwie Kontakt zu Cary Grant. Peter. Ja.
Florian Bayer: In diesem Moment noch unter dem Namen Peter. Peter, genau. Nur schon mal ein bisschen was vorwegzunehmen. Cary Grant wird seinen Namen in diesem Film öfter mal tauschen.
Johannes Franke: Peter Joshua. Und die beiden Kinder für das Regisseur heißen Peter und Joshua. Deswegen heißt dieser Typ Peter Joshua. Was ich süß finde. Und die, da fängt so ein bisschen was Interesse an und so und sie kommt dann wieder nach Hause und stellt aber fest, dass das ganze Haus ausgeräumt ist. Und ihr Mann ist weg. Und ihr Mann ist weg, beziehungsweise stellt sich dann raus, dass er tot ist, umgebracht. Und huch, da steht plötzlich Peter Joshua da und sagt, ach, ich dachte, ich hab davon gehört und ich dachte, ich hol dich mal ab und so. Was irgendwie keinem Suspekt vorkommt.
Florian Bayer: Und gleich neben Peter Joshua wird auch die, ähm, der Film ist voll mit tollen Figuren. Aber ich sag jetzt nicht die tollste Figur, weil das sag ich gleich noch dreimal. Die tollste Figur des Films wird eingeführt, nämlich Inspektor Crampierre, der versucht aufzuklären, was da passiert ist. Der sieht so französisch aus. Wir erfahren nämlich, dass nicht nur, dass ihr Haus in Paris ausgeräumt wurde, sondern auch ihr Mann wurde tot aufgefunden. Offensichtlich auf der Flucht mit nicht viel mehr als einer kleinen Tasche, wo ein bisschen Kram drin ist. Und dieser Inspektor Crampierre, sie vermutet, dass er sie verdächtigt, aber es wird eigentlich nie so richtig krass gemacht. Der befragt sie dazu und der versucht herauszufinden, was passiert ist. Und das ist so ein bisschen unser, also ein Film sehr voll mit lustigen Typen, ist es trotzdem eher so ein bisschen unser Comic Relief, weil er eigentlich der ganze Zeit dem Geschehen hinterher stolpert und verstehen will, was da passiert. Und alle, sogar sie, wissen mehr als er die ganze Zeit über.
Johannes Franke: Das ist schön. Aber ich finde, dass er nicht schlimm übertrieben ist. Also er gehört nicht, der Film allgemein, finde ich, gehört nicht in die Kategorie alberne Scrooge-Komödie mit völlig drüber Figuren. Aber wäre ich ein Franzose, wäre ich sowas von offended wegen dieser Figur. Ja, okay. Aber man sieht es ihm als erstes an. Sobald man ihn sieht, weiß man...
Florian Bayer: Singen ihn sogar Crampierre. Und er wird von Jacques Marien gespielt, von einem französischen Schauspieler. Was hat er sich dabei gedacht?
Johannes Franke: Ja, was soll's. Das ist in den 60er. So ist das. Man braucht da Stereotype. Sonst funktioniert das nicht. Du musst doch als Zuschauer das gleich als erstes sehen und merken. Sonst musst du ja anfangen, was zu erklären oder so. Und dann kommt es zur Beerdigung und wir stoßen auf die beste Figur des ganzen Films.
Florian Bayer: Ich weiß, wer ist jetzt noch die beste Figur des Films? Nämlich Leopold, ein kleines Hutzelmännchen mit Brille, der erstmal ordentlich in den Sarg niest. Es ist so geil. Das ist eine tolle Szene, aber wir haben gar keine Zeit, uns über diese Szene zu freuen, weil wir stoßen kurz darauf auf die beste Figur des Films. Nämlich Tex Benfollo, ein wirklich gruseliger, großer Kerl, der vor allem immer gruselig guckt. Und dann sagt er, aber er ist wenig, kondoliert ihr wenigstens kurz? Ja, wenigstens das. Sind wir noch überrascht, der bleibt dann hier stehen und dann spricht er sein Mitgefühl aus. Wir sind total verwirrt, aber wir haben gar keine Zeit, verwirrt zu sein, weil wir danach auf die beste Figur des Films stoßen. Nämlich Herman Scobie, der mit grimmigem Blick an den Sarg tritt und dem Typen der Leiche im Sarg in die Hand piekst. What the fuck?
Johannes Franke: Kann man mal einmal acknowledgen, dass das eine wunderbare Methode ist, die drei Figuren vorzustellen, die einfach sicher gehen wollen, dass der Tote wirklich tot ist?
Florian Bayer: Die sind so geil. Das ist der Moment, wo der Film mich komplett gewinnt, wenn diese drei Typen auftreten und du siehst, jeder einzelne von ihnen ist so eine Gangster-Karikatur. Und du weißt, jeder einzelne von denen kann nichts Gutes im Schilde führen und in dieser geballten Masse. Und ich habe das jetzt so als Witz gesagt, aber es ist wirklich so, du hast diesen Inspektor und du denkst, wow, jetzt wird es witzig, jetzt kommt eine coole Figur ins Spiel. Und dann kommen Schlag auf Schlag, werden drei coole Figuren eingeführt und kriegen auch nicht besonders viel Raum am Anfang. Und du denkst bei jeder einzelnen Figur, oh, ich will wissen, wer das ist, ich will wissen, was der macht, was hat der damit zu tun. Du bist einfach total hooked, du bist super neugierig, wie es weitergeht.
Johannes Franke: Ich finde, dass dieser Film und ganz viele Filme aus der Zeit es irgendwie schaffen, dich innerhalb von ein paar Minuten voll reinzuziehen und dir sofort hier, hier, das, das, das und das hinzustellen und zu sagen, das ist unser Personal hier und ich will jeden einzelnen kennenlernen.
Florian Bayer: Er macht es halt auch wirklich als Rätsel auf. Ich lege euch jetzt hier ein Rätsel hin und ich hoffe, ich habe genug Elemente für euch, dass ihr Lust habt, das Rätsel zu lösen. Und ja, natürlich hat er das. Du siehst diese drei Figuren und bei jedem einzelnen denkst du, wow, ich möchte wissen, wie er mit dem Toten in Verbindung stand und warum er jetzt hier ist und was er vorhat und was er mit unserer Protagonistin vorhat.
Johannes Franke: Und das Tolle ist halt, dass dieser Film dann eben zwar komödiantische Figuren aufmacht, aber nicht in der Komödie verhaften bleibt. Das ist keine reine Komödie. Ich habe es auch in meinem Text schon so, ich habe ja alle Genres einmal aufgemacht. Das ist halt so viel. Es ist so großartig, wie man es schafft, von einem wirklich suspensvollen Moment in eine komödiantische Situation zu kommen, ohne dass man zu sehr stolpert und denkt, was macht denn der Film da jetzt gerade mit mir?
Florian Bayer: Es bleibt eben auch jeder einzelne dieser Figuren spannend. So albern sie sich verhalten bei dieser Beerdigung. Du spürst bei jedem ein gewisses Bedrohungspotenzial. Du weißt, das sind keine harmlosen Typen. Selbst der kleine Leopold, der in den Sarg niest, der hat sowas, du weißt, der hat irgendwas durchstriebenes.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Der hat irgendwas noch vor. Ja, ja. Und dann kommen wir endlich zur besten Figur des Films. Nämlich zu einem CIA-Sesselpupser. Der gespielt wird von... Walter Matthau als Hamilton Bartholomew.
Johannes Franke: Wie großartig.
Florian Bayer: Der offensichtlich was für Sandwiches übrig hat und versucht, unserer Protagonistin Reggie, den Unterschied zwischen Spionen und Agenten zu erklären, den aber selbst nicht so ganz versteht.
Johannes Franke: Was übrigens ein geiler Hinweis ist auf seine Wendung, weil sie sich dann anfangen gegenseitig zu korrigieren. Spoiler Alert. Heißt das jetzt Spion oder meistens Agent oder was? Und das wird auch so wie eine Komödie aufgemacht, aber hat eben auch seinen Sinn. Ja. Das ist toll.
Florian Bayer: Es ist halt so süß, wie er einfach eingeführt wird, dass er sagt, ey, ich bin hier nur, ich bin nur so ein Schreibtisch-Typ, ich kann eigentlich gar nichts und weiß eigentlich gar nichts, aber du steckst echt in Gefahr. Guck dir mal die Leute an. Kennst du den, kennst du den, kennst du den? Alle drei natürlich waren bei der Hochzeit. Ja, bei der Beerdigung. Alle drei waren bei der Beerdigung und die sind hinter Geld her und zwar Geld von deinem Mann und die glauben, dass du das Geld hast und ehrlich gesagt, ich glaub das auch.
Johannes Franke: Das ist toll, weil die Figur wirklich für uns als Zuschauer ganz ehrlich einfach dieser CIA-Typ ist, der Schreibtisch-Täter, der einfach denkt, ja gut, dann muss ich jetzt da hinterher. Gebt ihr die Aufgabe, das irgendwie hinzukriegen und dann einfach anzurufen, sobald sie das Geld hat.
Florian Bayer: Ja, vor allem der Typ, der es nicht mal zum Schreibtisch-Täter schafft, der einfach nur Schreibtisch-Langweiler ist, der halt fragt, willst du ein Thunfisch-Sandwich oder ein Chicken-Sandwich und ansonsten halt nicht viel zu bieten hat, außer Fotos und dem Verdacht, dass sie irgendwie das Geld hat oder das Geld irgendwo stecken muss.
Johannes Franke: Ja, aber ist krass, weil er wirklich so rein psychologisch da rangeht, während die anderen da so mit Brute-Force-Methode rangehen und ich finde, dass der Film das sehr gut abdeckt dadurch und auch sehr gut die Figur erklärt, die wir ja erst am Ende richtig verstehen, dass der wirklich eigentlich der Schlaue von allen ist und der dann sagt, folgendes, ich versuche jetzt die ganz andere Schiene von hinten psychologisch ranzugehen und ja einfach Angst zu machen vor den anderen, damit ich am Ende derjenige bin, der das bekommt, was ich brauche.
Florian Bayer: Und dann sind wir ja auch in der Tat in einem sehr klassischen Hitchcock-Szenario, nämlich die einfache Bürgerin in diesem Fall, bei Hitchcock ist es meistens der einfache Bürger, der unverhofft in dieses kriminellen Machenschaften reingezogen wird und peu a peu herausfindet, was es damit auf sich hat. Eben, dass die diesen Schatz gestohlen haben, dass ihr Mann offensichtlich den für sich komplett selbst beansprucht hat, dass einer von ihnen dabei hops gegangen ist im Krieg und dass die anderen drei jetzt an den Schatz ran wollen und das natürlich über sie machen, weil sie fest davon ausgehen. Alle gehen davon aus, dass sie das Geld hat und sie ist halt die Einzige, die wirklich nichts damit zu tun hat, die nichts von dem Geld wusste, die nichts von dem Hintergrund ihres Mannes wusste und die jetzt irgendwie versuchen muss, dieses Problem zu lösen. Und das ist wiederum das Problem, dass sie es halt nicht wirklich löst, sondern dass sie dann einfach dabei ist, während die das alle lösen, während die drüber nachdenken, was ist passiert, wie kriegen wir, wie kommen wir ans Geld, wer verarscht hier wen.
Johannes Franke: Wie überraschend war für dich der Moment, als Cary Grant dann zu seinen Leuten da geht und sagt, ich versuche alles, um aus ihr das Geld rauszuholen, aber es tut mir leid, ich brauche noch ein bisschen Zeit, hold your horses, ich brauche ein bisschen Platz, um das zu machen.
Florian Bayer: Für mich war am überraschendsten, wie beiläufig das inszeniert wurde. Es wurde nicht als großer Twist inszeniert, sondern als integraler Bestandteil der Geschichte.
Johannes Franke: Und trotzdem sitze ich da und denke, oh mein Gott, er ist der Böse, nein, tu es nicht.
Florian Bayer: Nee, dafür war es für mich irgendwie so beiläufig. Echt? Oh, okay, ja, okay, erzähl mal weiter, mach mal weiter. Es war kein großer Schock. Auch einfach, weil ich das Gefühl hatte, die Figur braucht irgendwie noch eine Rolle. Die Figur muss, und lustigerweise war die Rolle, die ich eigentlich in der Figur gesehen habe, das hat mich dann am Schluss doch wieder überrascht, war eben genau das, was er ganz am Schluss ist. Als was er sich ganz am Schluss entpuppt. Nämlich als der eigentliche Agent, der die ganze Zeit dem hinterher ist und der das alles für die Regierung vernünftig regeln will. Das war, damit habe ich eigentlich am Anfang gerechnet. Und als er dann Teil der Gangsterbande war, habe ich das akzeptiert und habe darüber nicht mehr nachgedacht. Und deswegen konnte mich der Schluss wiederum überraschen, wenn er dann sich auf seinen eigenen Schreibtischstuhl setzt.
Johannes Franke: Du hast für ein toller Twist. Und es ist ja nicht nur ein Twist, sondern es sind ja so kleine Twists auf dem Weg dahin, was ich ganz toll finde.
Florian Bayer: Der Film hangelt sich dann wirklich von Twist zu Twist. Und die Twists in der Folge sind vor allem die Persönlichkeiten, die Peter annimmt. Also sie findet ziemlich schnell heraus dann auch, dass er mit den Gangstern zusammenhängt und das ist dann auch irgendwie okay für sie.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen seltsam, weil er auch immer wieder auf sie einredet und sagt, nein, naja, ich versuche ja bloß das so irgendwie zu machen und dann für dich und so. Und dann ist er irgendwie Alexander Doyle, der Bruder des verstorbenen Soldaten. Ja, und dann ist er irgendwie dann doch nicht der Bruder, weil sie herausfindet, dass der Verstorbene keinen Bruder hatte. Und irgendwie akzeptiert sie dann seine weitere Ausrede.
Florian Bayer: Er ist Adam Canfield einfach nur ein Profi-Dieb, was eigentlich vorher auch schon Sinn gemacht hätte. Er hätte gar nicht diese Geschichte dazwischen verabschieden müssen. Er hätte einfach gleich sagen können, ja, ich bin ein Dieb und komm, lass uns mal gucken, was wir mit dem Geld irgendwie abhauen.
Johannes Franke: Naja, aber sie hatte ja herausgefunden, dass er zur Gruppe gehört. Und natürlich muss er sich dann was ausdenken. Also es ist natürlich schon folgerichtig, dass er sich along the way irgendwas ausdenkt.
Florian Bayer: Aber macht es das besser, dass er der Bruder des Verstorbenen ist, wenn er trotzdem mit diesen fiesen Gangstern zusammenarbeitet? Na, nee. Weißt du, also ich meine, er erzählt ja immer, dass er sein eigenes Ding macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber eigentlich ist er ab dem Moment, ab dem sie ihn da enttarnt, ist er einfach Teil der Gruppe. Also es ist plötzlich eine Vierergruppe, die sie bedroht. Und der einzige Unterschied ist, dass er sich halt zu dem einen aus der Vierergruppe romantisch hingezogen fühlt. Ja. Aber sonst ist er erstmal nicht besser als die anderen. Das stimmt, ja. Und das bietet uns der Film ja auch, irgendwann am Schluss bietet uns der Film ja diese Option auch an. Er hätte das eigentlich in dem Moment schon ein bisschen stärker machen müssen. Also dass sie mehr Misstrauen ihm gegenüber bringen. Weil es ist so eine merkwürdige Fallhöhe, wenn sie dann, nachdem einer nach dem anderen gestorben ist, schließlich dann doch denkt, okay, er ist die eigentliche Bedrohung und dann von ihm wegrennen. Das ist so eine merkwürdige Fallhöhe. Also ich hätte ja da ein bisschen mehr Ambiguität ihm gegenüber, hätte diesem Mittelteil vielleicht ganz gut getan. Hätte dem vielleicht nochmal ein bisschen mehr Dynamik gegeben.
Johannes Franke: Ja, wobei natürlich der Film in den 60ern als Hollywood-Film versucht natürlich diese Romanze zu stärken. Und das verstehe ich dem, verstehe die Intention dahinter und das Publikum damals irgendwie und so.
Florian Bayer: Es ist halt grundsätzlich merkwürdig, wie sie mit den Gangstern interagiert. Ich meine, sie entführen das Kind. Ja. Und trotzdem ist sie dabei, okay, lass uns mal nochmal hier gucken.
Johannes Franke: Die sitzen halt irgendwann zusammen in einem Raum und plauschen darüber, dass sie sie erpressen. Ja. Und sie ganz beiläufig nebenbei kommen, ich nehme mal das Kind an mich und wie geht es euch denn so und lass uns doch mal darüber reden.
Florian Bayer: Es ist so eine komische Situation von eigentlich ist da was Bedrohliches, aber sie fertigt das alles so recht nüchtern ab und gleichzeitig immer so irritiert und macht dann aber auch mit. Sie wird plötzlich Teil von dieser Gruppe, weil alle wollen nach dem Geld suchen und sie ist halt plötzlich Teil der Gruppe, die nach dem Geld sucht, okay.
Johannes Franke: Aber das finde ich auch spannend, muss ich sagen. Die Situation, wo die dann plötzlich in diesem gleichen Raum sitzen und dann darüber reden und dann sie irgendwie ihren Schlüssel übergibt und sagt, ja, dann guckt halt in meinem Zimmer, ob ich das irgendwo habe. Und wenn wir es finden, umso besser und alle irgendwie gegenseitig die Räume durchsuchen. Ich finde das irgendwie spannend, sie da zu Teil der Gruppe oder zu Teil der Schatzsuche zu machen, die einfach alle anstreben.
Florian Bayer: Ich finde es so komplett unglaubwürdig, wie sie sich verhält, weil sie müsste eigentlich zur Polizei rennen und sagen, übrigens.
Johannes Franke: Aber sie macht es auch.
Florian Bayer: Ja, das stimmt, aber sie arbeitet auch mit ihnen zusammen. Sie ist Teil der Gruppe und sie versucht es dann so ein bisschen mit auch gerissen zu sein. Ja. Aber sie ist nicht gut da drin.
Johannes Franke: Oh Gott, wie sie, oh, diese Szene, wie sie versucht, ihm hinterher zu spionieren und diesen völlig total übertriebenen Trenchcoat anhat, der hell ist und dann diese Sonnenbrille. Und dann wie es mit diesem deutschen Flirt. Ja, Fräulein.
Florian Bayer: Das ist übrigens eine wirklich lustige Szene. Ich liebe diese Szene. Also so auf Hände, die ich mich als Franzose fühlen würde, wegen diesem Polizisten. So toll finde ich diesen Deutschen, der da sitzt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und sie setzt sich halt zu ihm an den Tisch, um diese Beobachtung heimlich machen zu können.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und der ist direkt Feuer und Flamme und denkt so, oh, sie hat Interesse an mir. Und dann steht sie aber auf in dem, ich darf nicht Carrie sagen. Doch, sagt Carrie Grant. Das ist in dem Moment Alexander. Nee, es ist Adam wahrscheinlich schon in dem Moment. Egal, um Carrie zu folgen. Und dann läuft der hier hinterher, der Deutsche, und sagt einfach nur, Fräulein.
Johannes Franke: Er wollte doch eigentlich sich mit ihr unterhalten, der Arme. Und dann, statt dass sie weg geht, setzt sie sich endlich wieder an den Tisch zu ihm, weil der andere sich umdreht. Und fängt das Gespräch wieder von vorne an. Das ist eine sehr lustige Szene.
Florian Bayer: Das ist eine wirklich skurrile Witzsene. Und dann wird tatsächlich dieses lustige Spiel, wird ja doch immer wieder aufgebrochen, weil wir einfach mal plötzlich Leichen in diesem Film haben. Und das kommt unerwartet, damit hätte ich nicht gerechnet. Der hatte so ein... Er ist überraschend brutal auch. Und dann, als wir zum ersten Mal... Schade eigentlich, dass das Herman der Erste ist, der stirbt, weil den fand ich am bedrohlichsten die ganze Zeit mit diesen Klauen. Und dann liegt er plötzlich tot in der Badewanne. Und das fand ich auch überraschend, weil er hatte die ganze Zeit sowas Leichtfüßiges. Obwohl es darum ging, dass ein Kind entführt wird, dass sie bedroht wird, dass sie erpresst wird, dass sie ihr mit Mord drohen. Und er hatte ja die ganze Zeit sowas Leichtfüßiges. Aber dann sehen wir, oh, es ist ernst. Der Herman wurde umgebracht und er ist wahrscheinlich nicht der Einzige, der hier tot sein wird. Wir werden wahrscheinlich noch mehr Leichen sehen.
Johannes Franke: Und das wird auch für sie ernst und so. Vielleicht hätte sie noch ein bisschen mehr ernsthafte Reaktionen bekommen können. Die einzige ernsthafte Reaktion in Anführungsstrichen ist eine, die ich auch sehr feiere. Als ganz am Anfang der, als Hamilton Bartholomew, beziehungsweise der ja eigentlich dann als Carson Dyle rauskommt, Walter Mattau. Ihr erzählt, dass sie in großer Gefahr schwebt und sie schüttelt den Kopf und sagt, also wenn sie mir hier Angst machen wollen, dann machen sie einen sehr guten Job. Ich finde den Moment super. Sie spielt das großartig und es ist wirklich ein toller Moment. Aber so ernsthaft wird es halt eigentlich für sie nicht. Also sie spielt es nie so ernst, ernst, ernst, ernsthaft.
Florian Bayer: Sie ist nie ernsthaft in Gefahr. Der Film balanciert immer zwischen den Genres. Also du sagst, es sind ganz viele Genres drin. Ich habe das Gefühl, er versucht wirklich so einen Balanceakt. Und der gelingt ihm auch die meiste Zeit. Aber es ist ein sehr schwerer Balanceakt. Dieses Crewball Comedy und dieses Hitchcock Thriller unter einen Hut zu bringen. Aber kudos, dass er sich es traut. Dass er die Leute nicht einfach nur verschwinden lässt, sondern dass wir die Leichen sehen. Und dass er das aber auch immer wieder paart mit seinem Humor. Dass der Polizist dann nochmal kommt und dann die Leichen immer im Pyjama gefunden wurden. Und sie halt immer überlegen, was machen wir denn jetzt mit der Leiche. Das ist halt auch sowas. Sie ist einfach Teil der Gruppe dann. Weil sie belügt mit der Gruppe zusammen den Polizisten. Sie sucht nicht mal irgendwie so den Schutz beim Gesetz. Sondern sie ist jetzt einfach auch auf der Jagd nach dem Geld.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist so das Abenteuerbedürfnis ihrer Person. Sie hat sowieso, sie hat ja so ein, weiß nicht, ihre Vibes sind immer sehr neugierig. Und sehr auf, ja, wo ist was? Ich will es lieber selber rausfinden, als dass ich es anderen überlasse. Neugierig, aber auch so dusselig dabei. Sie ist so ein Dussel. Ja, nicht so doll. Findest du, was ist so dusselig an ihr?
Florian Bayer: Na, wie sie redet und wie sie sich verhält. Und dass sie die ganze Zeit bei Peter Alexander Adam bleibt. Egal, wie oft sie herausfindet, dass er sie angelogen hat.
Johannes Franke: Sie ist verliebt. Ich bin, wenn ich verliebt bin, würde ich jetzt auch, würde ich auch, weiß ich, keine Ahnung. Nein, vielleicht würde ich wegrennen. Egal. Ja, auch eine der süßen Szenen. Sie sind im Fahrstuhl. Fahrstuhl und er erzählt ihr was und sie geht an seinen Kinn ran und fragt, how do you shave in there? Ja, das ist, sie hat halt auch wirklich, sie hat auch wirklich sowas Kindliches, ne? Aber das bringt sie mit, muss man sagen. Das bringt nicht nur das Drehbuch mit. Du meinst, Audrey bringt das? Audrey Hepburn. Das, was ich gerade zitiert habe, hat sie selber ad-libbed. Also es stand nicht im Drehbuch, das hat sie selber reingebracht. Und ich glaube, sie hat das auch gesucht in der Figur und spielt das auch.
Florian Bayer: Was für den armen Cary Grant offensichtlich ein großes Problem war, weil er hat ja sowieso mit diesem Altersverschied zu kämpfen gehabt. Und Kudos an Cary Grant, dass er in einer solchen Zeit, in der das üblich war, dass du einfach mal eine 30-Jährige, wie alt war sie damals? Sie war schon Mitte 30. Mitte 30, mit einem 60-Jährigen in der Romanze zusammenbringst und das einfach umgekehrt niemals in Frage kommen würde. Aber in dieser Konstellation halt ständig gemacht.
Johannes Franke: Und er hat vorher schon mal gespielt. Er hat vorher schon größere Unterschiede gespielt. Das sind jetzt 25 Jahre gewesen, aber er hat auch schon mit einer Anfang 20-Jährigen gespielt, als er Mitte 40 war. Und das ist schon, naja, also.
Florian Bayer: Aber er hat diesmal gesagt, oh Leute, ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist. Und hat auch wirklich bei Donan und dem Drehbuchautoren Beam wahrscheinlich zusammen rausgehandelt, dass er sein Alter kommentieren darf. Dass das ein Thema des Films wird, dass er eigentlich viel älter ist als sie.
Johannes Franke: Ja, und auch, dass sie diejenige ist, die sich an ihn ranschmeißt und nicht andersrum. Was ich auch eine ganz tolle Entscheidung finde und auch gut ausgearbeitet. Was aber auch so voll Altherrenfantasie ist.
Florian Bayer: Ich sehe die Motivation dahinter. Die Motivation dahinter ist zu sagen, okay, wir machen sie in dieser Romanze stärker. Sie wird nicht vom Alten verführt, sondern sie darf die Verführerin sein. Aber gleichzeitig bedient das so voll krass.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Du bist 60. Ja. Und dann kommt so ein junges, hübsches Ding. Weil sie sieht ja in den Filmen auch nicht aus wie 35. Also ich meine, das ist Audrey Hepburn.
Johannes Franke: Naja. Jünger aus. Sie sieht zwar jünger aus, aber ich finde, dass sie durchaus so inszeniert ist, dass sie eine Mitte 30-jährige Frau sein kann. Doch, doch, doch. Naja, sie ist halt verheiratet, ne? Ja, sie ist verheiratet, sie ist Witwe. Sie sagt es ja auch in einer Szene. Und er sagt, naja, Juliette war auch mit 15 Witwe, also.
Florian Bayer: Jetzt muss ich, ich muss ganz kurz rauswerfen, weil das halt ein Running Gag des Films ist und das ist wirklich witzig. Jedes Mal, wenn sie auf eine neue Persona von ihm trifft, fragt sie ihn, ob es auch eine Mrs. gibt. Ja. Und dann sagt er, ja, und dann ist so dieser Running Gag, aber sie sind geschieden.
Johannes Franke: Das ist ein sehr, sehr witziger Running Gag. Das ist wirklich sehr, sehr süß. Vor allem, wie er sich am Ende auflöst. Ja. Weil er ja mit seiner letzten Persona sagt, gibt es eine Mrs.? Ja, es gibt eine Mrs. Und ihr seid geschieden. Und er so, nein. Und dann erst mal ganz große Enttäuschung bei Audrey Hepburn. Oh nein. Und dann sagt er, ja, das ist meine Mutter. Hier, da ist Foto. Sie wird sie mögen. Sie wird dich auch mögen.
Florian Bayer: Finde ich schon süß. Ja, das ist süß. Also dieser Running Gag funktioniert in dieser ganzen verqueren Romanze, die echt merkwürdig ist, weil so ein bisschen hat es was von Stockholm-Syndrom einfach, weil sie bei dem Typen bleibt, der sie die ganze Zeit verarscht. Und jedes Mal wieder zugibt, dass er sie verarscht. Ja, ja. Aber trotzdem gibt es diese putzigen Momente da drin. Ja, er ist halt auch die ganze Zeit so sympathisch dabei.
Johannes Franke: Hey, es ist Cary Grant. Er ist verdammt sexy. Es ist unglaublich, oder? Ja. Cary Grant. Ja. Meine Güte. Und seine ganze Karriere durch. Es gibt ja Männer, die sind am Anfang so ein bisschen clumsy und werden dann mit dem Alter irgendwie handsome. Ich denke an Rowan Atkinson, der als Mr. Bean sehr... Rowan Atkinson? Ja. Als handsome würdest du ihn bezeichnen? Ja. Hast du Fotos von ihm gesehen aktuell? Nein. Rowan Atkinson?
Florian Bayer: Jetzt muss ich ganz kurz eine kurze Pause machen. Ich will Rowan Atkinson 2021 sehen. Wie? Ich sah ja letztes... Nein, tut mir leid. Ich sehe zu sehr Mr. Bean im... Ja, ich weiß, was du meinst, aber das liegt nur daran, dass er einen Anzug trägt. Und deinen hochhohen Kragen. Nein. Doch. Ich sehe einfach zu sehr Mr. Bean im Emen. Das ist...
Johannes Franke: Na, das ist alles in deinem Kopf. Da kommt er nicht raus. Ja, und dann gibt's... Ich bin irgendwie... Bin ich... Was mir ein bisschen Sorgen macht. 60er Jahre Romantiker. Dann gibt's solche Szenen. Ich weiß nicht, ob du sowas dann toll findest. Aber wie er irgendeinen Scherz macht und dann sagt, you should see your face. Und sie sagt, was ist falsch damit? Und er sagt, nothing. Ja. Nein. Nein.
Florian Bayer: Da fehlt mir die 60er Jahre Romantik. Ja.
Johannes Franke: Na ja.
Florian Bayer: Es spielt halt so viel damit, dass sie die Unsichere ist, sie die ist, die ihn anhimmelt. Allein in dieser Frage, die wirklich witzig ist, aber trotzdem wird das immer wieder repetiert, dass sie sich so sehr eine Beziehung mit ihrem Menschen anständig, eine schöne Beziehung
Johannes Franke: will. Ja.
Florian Bayer: Das ist so klar. Sie hört schon Hochzeitsglocken. Sie will, dass sie ihren Heiratsantrag macht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Ich weiß, was du meinst. Und in den meisten Filmen dieser Zeit kotzt mich das auch ziemlich an. Aber es gibt einfach Filme, die es schaffen, einfach darüber hinwegzutäuschen, weil sie so intelligente Dialoge haben und so, na ja, eine Form von Romantik, die mir Sorgen macht, gebe ich zu, aber die ich auch irgendwie teile. Ja, und dann wird der MacGuffin aufgelöst, was mit dieser Tasche ist.
Florian Bayer: Die, die, du meinst die Briefmarken? Genau. Ja. Wir erfahren jetzt was, wo das Geld ist und das war einfach auf den Briefen. Hast du das kommen sehen? Nee. Ich habe die ganze Zeit überlegt, also ich bin davon ausgegangen, ob was ist, dass da noch was ist mit der Tasche. Ich finde die Szene auch sehr lustig, wenn sie fragt, Heroin? Ja. Und er dann so kostet, was ist es noch? Mit Pfefferminz-Geschmack Heroin. Genau, die Bonbons. Und er sagt, absolut, 100% Heroin mit Pfefferminz-Geschmack. Das ist toll. Aber es war jetzt einfach, also ich habe einfach diese Tasche, die sie gekriegt hat, es war klar, das spielt noch eine Rolle, aber ich habe es dann einfach so als MacGuffin gelesen, dass ich mir keine großen Gedanken gemacht habe, wo steckt das Geld? Es war klar, es hat irgendwas damit zu tun und das reicht. Deswegen war auch die Überraschung jetzt nicht so eine große Überraschung, weil klar war, irgendwas muss ja kommen. Aber ich habe nicht vorausgesehen, dass es die Briefmarken sind, die sie ja tatsächlich an echten Briefmarken orientiert haben.
Johannes Franke: Ja, ist schön und sie haben immer den Wert jeweils um eins erhöht, damit es nicht genau die ist, sondern irgendwie eine Erfindung quasi.
Florian Bayer: Und dann sind es so drei Briefmarken und zusammen sind sie einfach mal 250.000 Dollar wert. Da ist das Geld, was der Mann geklaut hat, was auch gar nicht so viel klingt.
Johannes Franke: Aber es sind zwei Millionen, also in der heutigen Wertsteigerung. Ja, was viel ist, genau. Ja, ja, genau. Also es ist schon so, hm. Und dann hat das Kind das auf dem Markt veräußert und wie findest du denn, dass das dann der Briefmarkensammler da bekommt? Die hätten ja jetzt noch draus machen können, dass der dann das irgendwie behalten will, der das für sich. Ja, ich finde, das ist eine ganz nette Szene.
Florian Bayer: Ich finde das irgendwie schön. Ja. Es bringt so ein bisschen Menschlichkeit in diesen Film.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Weil alle sind selbstsüchtig, alle sind dem Geld hinterher und so weiter. Und dann haben wir einfach mal diesen ehrlichen Briefmarkenhändler, der einfach mal fillert die Liste ist und sagt, mir reicht es vollkommen, dass ich das einmal in der Hand haben konnte. Genau. Das ist in Ordnung. Hier haben sie sie wieder. Genau. Und sie fragt dann auch noch so süß, wie viel Geld kriegen sie denn jetzt dafür? Oder ja. Und das ist einfach niedlich. Ja. Und er gibt ihnen die Briefmarken, die 250.000 wert sind.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wer ist denn dein Liebster von den dreien? Also von den dreien Gangstern, die bei der Beerdigung auftauchen. Hast du einen Liebling?
Johannes Franke: Habe ich einen Liebling? Nein, ich habe keinen Liebling. Die sind eine Entität so für mich.
Florian Bayer: Mein Liebling war ganz klar Herman, weil ich auch den Schauspieler George Kennedy so toll finde. Naja, okay. Der ja auch sehr umtriebig ist und wenn ich ihn sehe, muss ich ehrlich gesagt eigentlich immer an seine Rolle in die nackte Kanone denken, wo er an der Seite, wo er den Partner von Leslie Neeson gespielt hat. Ach so. Aber der hat natürlich auch unglaublich viel anderes gespielt und genau, das ist einfach ein toller Schauspieler. Das ist auch so ein Gesicht, was man immer mal wieder in Hollywood-Filmen sieht, weil der so oft kleinere und größere Nebenrollen spielt. Und dieser Herman mit seiner Klaue und seinem riesen Blick ist einfach toll. Aber auch, ich habe, also das ist mein Liebling, aber auch James Coburn als dieser Tex ist super.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auch Ned Glass als dieser kleine, etwas verängstigt wirkende Leopold.
Johannes Franke: Von dem hätte ich gerne mehr gesehen, muss ich sagen. Der war so ein bisschen, ist der untergegangen. Ja, vielleicht. Und ich fand ihn schon schön. Ich fand die Figur irgendwie so interessant dann, aber vielleicht auch nur interessant, weil sie nicht so viel bekommen hat und man dann deswegen gedacht hat, ja, zeig mir mehr. Die hätten ein bisschen mehr herausarbeiten können, wie er da wirklich reingehört, weil
Florian Bayer: du siehst ihn nicht so als Soldaten, der Geld klaut und im Krieg kämpft. Das passt erstmal nicht zu dieser kleinen Buchhalterfigur. Gibt es eine Lieblingsszene von dir in diesem Film? Wenn du so spontan, wenn ich so spontan antworten soll, würde ich behaupten, ich mag die Heroin-Szene. Weil das einfach on point ist, wie die sich zwischen den beiden abspielt. Und es ist natürlich nochmal ihre Naivität, wird so ein bisschen betont. Wir haben so einen ganz kurzen Moment so, was? Wenn er sagt Heroin und dann wissen wir, ja.
Johannes Franke: Also es ist eine sehr gut gemachte Szene vom Rhythmus. Ja. Ich liebe die Szene, wie er unter der Dusche steht mit vollen Klamotten an. Und das Geile ist, er hat ja im Vertrag stehen gehabt, dass er nicht mehr nackt gezeigt werden soll, weil er mit 60 gedacht hat, ich habe nicht mehr die Figur, die ich hatte und irgendwie passt das alles nicht mehr. Ich will nicht mehr. Und dann haben sie einfach gedacht, na gut, dann halt in voller Klamotte und dann wird es eine lustige Szene. Ist doch auch schön. Und das ist so eine tolle Szene geworden und er hat sie so gut ad-libbed mit irgendwelchen Kommentaren. Wirklich, wirklich, wirklich toll und sehr charmant. Auch die beiden miteinander dann, wie sie ihn dann anschaut und wie so. Das für mich, obwohl das gar nicht im Drehbuch stand, eigentlich vorgesehen war, das für mich das zentrale Moment dafür ist, dass die Beziehung zwischen den beiden zementiert wird. Und dass die auf jeden Fall zusammengehören, weil die irgendwie sehr romantisch dann am Ende auch ist dadurch.
Florian Bayer: Glaubst du, es gibt irgendjemand, der an diesen Switch glaubt, dass Cary Grant doch der Bösewicht sein könnte? Weil im letzten Drittel haben wir ja diese Option, wenn schließlich mit Text der letzte von den dreien umgebracht wurde und dann fühlt sie sich in Gefahr und dann telefoniert sie noch mal mit dem Hamilton, der ja auch sagt, okay, kommen sie dahin, da sind sie in Sicherheit und dann rennt sie weg und dann wird sie von Adam, vermeintlich in dem Fall, verfolgt. Hast du an den Switch geglaubt? Hast du geglaubt, jetzt ist er böse? Also er könnte auch der Bösewicht sein, die könnten auch die Handlung wirklich in die Richtung lenken?
Johannes Franke: Zwischendurch habe ich gedacht, er könnte der Böse sein, aber an dem Moment schon nicht mehr. Weil er einfach zu oft irgendwie geswitcht ist und dann trotzdem irgendwie der Romantic Lead blieb. Ihre Romanze ist zu stark in diesem Moment. Ja, genau.
Florian Bayer: Und deswegen ist vielleicht auch diese erste Schlussüberraschung, dass sich dann Hamilton, der vermeintliche CIA-Agent, als der aus dem Krieg entpuppt, der doch überlebt hat, ist dann auch nicht so sonderlich schockierend. Also wir wissen ja schon in dem Moment, wenn Adam, Peter, Alexander nicht unser Bösewicht sein kann, dann kann es ja eigentlich nur Hamilton sein. Ja, oder sie. Nein, das habe ich nie gedacht. Das habe ich gedacht. Das hast du wirklich gedacht? Ich habe echt gehofft, dass sie es vielleicht war. Ich hätte es, wenn ich drüber nachdenke, würde ich es hoffen, aber nie im Leben, dass da... Echt? Ich habe nicht darauf hingearbeitet. Dafür wird sie viel zu viel hingeschubst und macht viel zu wenig selbst. Sie rennt doch, sie ist doch die ganze Zeit auf der Flucht und macht das, was andere Leute ihr sagen.
Johannes Franke: Aber genau deswegen habe ich gedacht, das wäre jetzt besonders stark, weil dann würde es bedeuten, dass sie im Hintergrund ganz viele Fäden gezogen hat quasi. Und das wäre schon ein spannendes Ende gewesen. Das hätte ich mir fast gewünscht. Aber so war natürlich der Twist auch geil, dass es dieser Bartholomew war.
Florian Bayer: Nee, dann hätte ich schon eher gedacht, dass das Kind der Bösewicht sein könnte. Ich meine, das ist am Anfang die Pistole in der Hand. Stimmt.
Johannes Franke: Also auch eine geile Situation, wenn du gerade darüber redest. Wir werden ja am Anfang Glauben gemacht, dass diese Pistole irgendwie eine Bedrohung ist. Und es ist gleich am Anfang des Films und man denkt sich, okay, jetzt fängt der mit einem Mord an, der Film oder was? Haben wir nicht gerade schon einen Mord gesehen von einem Typen, der aus dem Zug rausgefallen ist? Dann kommt da halt Wasser raus aus der Pistole. Und ich glaube, das setzt so ein bisschen den Tone für diesen Film, dass man ganz oft Sachen sieht, die sich als was anderes entpuppen, als man Glauben gemacht wird. Und das ist schön. Finde ich eine gute, eine lässige Methode, das so ein bisschen anzuteasern. Ja, passt ja auch voll zum Titel. Das ist eine Scharade.
Florian Bayer: Genau. Und wir sehen, dieser Film ist eine einzige Scharade. Und wir sehen in diesem Film nochmal ganz viele kleine Sub-Scharaden, die mit uns, dem Publikum und mit unserer Protagonistin gespielt werden. Aber ja, diese Abschlussüberraschung ist dann, es fehlt dann so ein bisschen das bedrohliche Moment, weil du weißt einfach, okay, er wird sie nicht umbringen. Er ist eigentlich der Gute. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass sie die Böse ist. Wir wissen, wie unser Bösewicht ist. Wir wissen, sie läuft dem Bösewicht in die Arme. Wir haben so einen Suspense-Moment, der dann aber auch relativ schnell aufgelöst wird.
Johannes Franke: Aber das ist so eine Szene, wo ich dann ganz stark Hitchcock sehe. Ja, also von der Bildsprache, von der Inszenierung. Das ist ein kleines bisschen zu komödiantisch für Hitchcock an der Stelle. Auch dieses, sie versteckt sich, der Bösewicht ist hinterher. Wir sehen, die Aspektive des Bösewichts. Sie in dieser Telefonzelle versteckt, ist ja auch schon so ein bisschen in die Richtung. Und die Beleuchtung und so weiter, das Spiel mit Licht und Schatten, das ist schon sehr stark Hitchcock. Und da freue ich mich dann auch sehr drüber, weil das den Film nicht verrät, sondern weil diesen Suspense, dieses Element, das einfach durch den Film durchgeht, wirklich auslöst.
Florian Bayer: Naja, vor allem das Theater, denke ich. Also das ist so.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Das ist ein Szene, die Hitchcock hätte auch so inszenieren können. Stimmt, ja. Wenn sie dann in der so Fleur-Kammer ist und sich da versteckt. Und wir sehen, sie sieht seine Füße. Ja. Und dann sehen wir ihn. Und dann sehen wir die Perspektive nochmal von Cary Grant, der da irgendwie an den Schaltern rumfummelt und versucht, sie zu retten. Ja. Das ist schon sehr Hitchcock-like.
Johannes Franke: Ja. Und das finde ich schon toll. Also die Idee für diesen Suspense, dass er wirklich hören muss, wo ist der und wo kann ich dann den Hebel ziehen, damit die Falltür entsprechend aufgeht und nicht neben ihm aufgeht, sondern eben wirklich ihn da runterjagt.
Florian Bayer: Aber dann sind wir auch schon an der entscheidenden Frage.
Johannes Franke: Was hätte Hitchcock anders gemacht? Das interessiert mich jetzt. Hast du einen genauen Gedanken? Ja. Audrey Hepburn ist blond.
Florian Bayer: Ich lasse das kurz sacken. Da ist es noch mehr. Audrey Hepburn ist nicht nur blond, sondern sie muss auch viel kälter sein. Ja. Und viel unnahbarer. Ja, absolut. Und das heißt, dieses ganze Pickering zwischen ihr und Cary Grant ist viel reduzierter, dass seine Ansprachen eher so gegen eine Wand prallen bei ihr und vielleicht so kurz abgetan werden. Ja. Das zweite wäre tatsächlich der Rollentausch. Bei Hitchcock wäre wahrscheinlich der Mann der Protagonist, also Cary Grant wäre der Protagonist. Ja. Und der Verdacht, dass er der Mörder sein könnte, nicht für uns, wir haben nicht den Verdacht, aber dass er verdächtigt wird vom Polizisten, vom The Agent und so weiter, das würde viel stärker ausgespielt werden. Ja. Das heißt, wir hätten Cary Grant als Bürger, der mit einer mysteriösen Frau verheiratet war und in dieses ganze Ding gerät und verdächtigt wird, Mörder zu sein und gleichzeitig verdächtigt wird, das Geld zu haben und nicht genau weiß, wie er damit umgehen soll. Und er würde viel mehr in die Bredouille kommen, als sie es tut. Ja. Er würde viel mehr in die Bredouille kommen, auf jeden Fall. Es würden mehrere bedrohliche Szenen geben zwischen ihm und den drei Gangstern. Er würde nicht so mit ihnen zusammenarbeiten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er würde sie mehr so aus Verstecken beobachten, wenn überhaupt. Wenn nicht sogar so ist, dass nur wir als Zuschauer mitkriegen, was sie machen parallel. Also es wird einmal erzählt, was er macht und dann wird erzählt, was sie machen. Und wir kriegen irgendwann auch mit, dass sie mit den Gangstern zusammenhängt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Eigentlich hat Hitchcock nicht so viele Twists in seinen Filmen. Ich glaube, die Twists, es wären diese Persönlichkeitswechsel-Twists, das wäre, glaube ich, zu viel für einen Hitchcock-Film. Hm, vielleicht. Hitchcock würde so einen kleinen einbauen, aber auch nicht am Ende, sondern eher so in der Mitte.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die Frage wäre, würde Hitchcock die Romanze zu einem positiven Ende führen? Kann ich mir vorstellen, aber er würde es nicht so elegant machen wie dieser Film. Vielleicht, ja. Das wäre was, was ich diesem Film geben würde. Was Hitchcock nicht so gut kann, diese Screwroll-Romanze, vor allem mit einer funktionierenden Chemie zwischen den beiden Figuren.
Johannes Franke: Ja. An einem Beispiel mal, die sitzen, erinnerst du dich, die stehen da einmal vor so einem Puppentheater. Mhm. Und im Hintergrund ist der Polizist und beobachtet die und die unterhalten sich über das Puppentheater, aber durch das Puppentheater über ihre eigene Situation. Ja. Im Puppentheater wird der Polizist vermöbelt. Ja. Der im Hintergrund im Grunde auch als Pendant steht und sich angucken muss, wie das Puppentheater seinen Berufsstand vermöbelt. Finde ich sehr schön. Würde Hitchcock das auch so machen? Das finde ich nämlich interessant. Das ist eine gute Situation. Ich fand die wahnsinnig intelligent, weil sie sehr gut über das Puppentheater an ihrer eigenen Situation reden kann. Würde er das auch so machen?
Florian Bayer: Nee, ich glaube bei Hitchcock wäre irgendwie noch so ein subtilerer Symbolismus drin. Wahrscheinlich würde man irgendwann mal so im Vorbeigehen ein Foto von Cary Grants Frau sehen, die ja gestorben ist und würde feststellen, dass die fast genauso aussieht wie der Charakter von Audrey Hepburn. Und dann würde irgendein Philosoph, ein postmoderner, leicht kommunistisch angehauchter Philosoph aus den 90ern, ja, Schi-Jek, dich meine ich, würde dann sagen, und hier übrigens sehen wir, dass eigentlich in Wirklichkeit Audrey Hepburn die Mutter von Cary Grant ist und er diese Leidenschaft zu seiner Mutter einfach nur überwinden kann, indem er versucht sie umzubringen. Keine Ahnung, so irgendwas. Ach ja, und wo wäre der Hitchcock-Kameo? Der Hitchcock-Kameo wäre, Hitchcock hätte am Anfang die Wasserpistole und würde auf sie schießen. So, das ist meine Hitchcock-Version von Charade. Wahrscheinlich ist es ganz, ganz gut, dass wir die nicht erlebt haben.
Johannes Franke: Richtig, genau. Aber ich finde es ganz toll, dass Donan es geschafft hat, all diese Elemente reinzubringen, ohne dass der Film gänzlich in Hitchcock verschwunden ist. Er hat seinen eigenen Spin darauf.
Florian Bayer: Ich kann mich nur nochmal wiederholen, ich finde, nach dem Gucken ist es deutlich weniger Hitchcock, als ihm nachgesagt wird. Was ihn nicht schlechter macht, was ihn wahrscheinlich sogar eher besser macht. Genau, denke ich auch, ja. Hitchcock-Rip-Offs haben wir in den 60ern und vor allem in den 70ern gesehen, haben wir welche gesehen, die deutlich näher an Hitchcock waren, versucht haben, deutlich stärker Hitchcock zu treffen. Also Brian De Palma hat zum Beispiel ganz viele Filme gemacht, wo du einfach merkst, ey, der hat einen Hitchcock-Film zu viel geguckt und versucht das jetzt eins zu eins, diese Atmosphäre auf die Leinwand zu bringen. Und das ist meistens dann doch gescheitert. Einfach, weil man nicht drum herum kommt zu sagen, oh, aber Hitchcock hätte das besser oder anders gemacht. Das passiert bei diesem Film bei mir nicht, weil er eben weit genug weg davon ist und einfach sein eigenes Ding macht. Ich glaube, dieser Mythos, der beste Hitchcock-Film, der nicht von Hitchcock ist, hängt auch ganz damit zusammen, dass man einfach auf dem Filmplakat einen rennenden Cary Grant sieht. Und dass man im Trailer, kann man das natürlich so zusammenschneiden, dass es wirkt wie ein Hitchcock-Film, weil es einfach einzelne Bilder gibt, die so ähnlich sind und einzelne Situationen. Aber ich glaube, diese Hitchcock-Nähe ist ein bisschen überschätzt.
Johannes Franke: Na gut, okay.
Florian Bayer: Und das sage ich zur Ehrenrettung dieses Films.
Johannes Franke: Sehr schön. Okay, cool. Dann könnten wir in unsere Top 3 rüberrutschen.
Florian Bayer: Spielst du den Jingle?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also Johannes, in der Zukunft, kannst du jetzt im Schnitt bitte den Jingle setzen? Danke. Bitte, bitte.
Johannes Franke: Also aus der Zukunft gesprochen.
Florian Bayer: Kein Problem. Du musst dich doch auch bei dem Johannes aus der Zukunft bedanken.
Johannes Franke: Du kannst auch nicht für den Johannes in der Zukunft sprechen. Achso. Danke, Johannes. Oh Gott, das wird ganz awkward, wenn ich das schnell... Du kannst dann ja nochmal so...
Florian Bayer: Schnell so...
Johannes Franke: Unsere... Top 3. Okay, Top 3 Secret Identities. Ich war nicht schnell genug mit meiner Top 3. Das heißt, du hast gesagt, los, komm, wir müssen jetzt eine festlegen und hast die vorgeschlagen und ich fand's ganz gut. Das ist eine gute Idee. Secret Identities. Ich habe jetzt gerade das Gefühl, dass ich zu wenig recherchiert habe und deswegen nur genau die drei Filme auf der Liste habe und aber ganz viele Honorable Mentions hätte finden können. Ich habe auch nur drei. Ich habe keine Honorable Mentions. Es ist aber ein großes Feld.
Florian Bayer: Es gibt so viele Filme. Ja, absolut. Da fallen ja fast alle Superheldenfilme drunter. Ja, zum Beispiel. Die habe ich alle rausgelassen. Und man kann so viel... Man kann natürlich auch so viel machen damit. Man kann damit Thriller inszenieren. Man kann damit Komödien inszenieren. Wie du sagst, Superheldenfilme. Aber auch Tramen, Satiren. Also es ist alles drin mit Secret Identities. Ich habe keinen Born drin. Ja, ich auch nicht. Das wäre so das Naheliegende wahrscheinlich und das, was die meisten Leute kennen, was ein ganz interessanter Twist ist, weil Secret Identity, von der nicht mal der Besitzer etwas weiß. Weil die Bornfilme haben ja den Gehalt, dass er hat irgendeinen Unfall und verliert sein Gedächtnis, also der erste Bornfilm, wird dann gejagt, ohne zu wissen warum. Und während er auf der Flucht ist, stellt er fest, dass er die total geilen Superheldenfähigkeiten hat, dass er total gut Autofahren kann, super gut kämpfen kann und stellt dann fest, dass er offensichtlich ein Geheimagent ist. Das ist ein ganz netter Twist, du musst deiner eigenen Geheimidentität auf die Schliche kommen.
Johannes Franke: Was auf dem Papier total großartig klingt, ist ansonsten leider nur ein mittelmäßiger Actionfilm geworden.
Florian Bayer: Ja, ich bin auch kein großer Born-Fan. Ich habe auch nur die ersten beiden Filme gesehen und fand den ersten Film schon eher so durchschnittlich. Naja. Auch wenn ich Matt Damon mag. Und Franka Potente spielt in dem ersten Film noch mit und dann töten sie sie ganz am Anfang vom zweiten Film, um Platz für eine andere Romanze zu machen. Na toll. Okay, du musst anfangen. Ich muss anfangen. Mein Platz drei ist, diese Liste ist voll mit Spoilern, die üblichen Verdächtigen aus dem Jahre 1995 von Bryan Singer. Und zwar gab es eine Schiffsexplosion mit vielen Toten und der einzige Überlebende, gespielt von Kevin Spacey, ein klein Ganover, wird gefangen genommen von der Polizei und wird verhört und erzählt dann eine irre Geschichte, wie er mit mehreren anderen Gangstern einen großen Kuhplan und wie sie währenddessen auf einen geheimen Obergangster stoßen, der Kaiser Sozi heißt. Und der Film dreht sich natürlich darum, wer dieser Kaiser Sozi ist. Spoilen wir jetzt oder nicht? Nee, ich verzichte mal auf Spoiler. Ich gehe davon aus, dass viele den Film gesehen haben und selbst Leute, die den Film nicht gesehen haben, werden die Pointe kennen. Sie lässt sich auch durchaus erraten. Es ist ein sehr geschicktes Spiel mit Identitäten und mit Rollen und Rollenmustern und es ist einfach ein wirklich unterhaltsamer Thriller. Schön.
Johannes Franke: Mein Platz 3 ist, weil ich ja diese ganzen Superheldenfilme und so weiter alle liegen lassen habe und ein bisschen tiefer gegraben habe, bin ich auf einen Film gestoßen, den ich als Kind sehr mochte, von dem ich nicht weiß, welche Qualität er wirklich hat. Und zwar Der Prinz aus Zamunda. Oh, wow. Okay, ja, definitiv Secret Identity. Oh, krass. Im englischen Original Coming to America.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wo einfach ein Prinz von einem imaginären Land, Zamunda. Dieser Film ist, glaube ich, so voller Klischees. Ja. Exotism und Rassismus. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Uff, ach, ich bin Sorge. Aber die haben eine Fortsetzung gedreht. Ja, ich weiß. Jetzt ganz aktuell, ne? Ja, ich habe sie nicht gesehen bis jetzt, aber sie, oder ist sie noch nicht draußen? Doch. Ich glaube, die ist draußen. Eddie Murphy auch wieder, oder?
Florian Bayer: Ja, genau. Oh, ich weiß nicht, ob ich das sehen will. Also ich habe den als sehr albern in Erinnerung. Ja. Aber halt auch aus der Kindererinnerung, wenn ich ihn als Kind schon albern fand.
Johannes Franke: Oh Mann. Interessant. Aber ich mochte ihn damals sehr. Ich habe mich sehr, sehr, sehr darüber amüsiert. Und der, also Eddie Murphy mit seinen ganzen Rollen, die er da auch in diesem Film hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist unglaublich. Eddie Murphy war halt auch schon. Ja.
Florian Bayer: Der war total, der hat total alberne Filme gedreht. Und er war auch in den 80ern so ein bisschen was wie der Vorzeigeschwarze von Hollywood.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Ja. Aber trotzdem war ein cooler Schauspieler. Witziger Typ. Okay, dein Platz zwei. Mein Platz zwei ist ein sehr aktueller Film aus dem Jahr 2019. Oscar-Gewinner Parasite. Ah. Indem eine arme, verarmte, man könnte sagen gossenproletarische Familie sich peu à peu im Haus einer reichen Familie einschleicht. Indem sie die Rollen annehmen von einer Englischlehrerin, einer Kunstlehrerin, einem Limousinenfahrer und einer Haushälterin. Was sie alle nicht machen, aber sie fälschen halt diverse Unterlagen, um so zu scheinen und schleichen sich so nach und nach in das Haus ein. Ja. Und profitieren dann vom Reichtum der reichen Familie. Und das, was dabei herauskommt, ist eine wirklich bissige, auch düstere Satire. Ja. Mit sehr vielen dunklen, dramatischen Momenten und einigen echt interessanten Plot-Twists.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Sehr cooler Film, absolut. Zu Recht Oscar-Gewinner. Und ein Oscar-Gewinner, der nochmal gezeigt hat, dass das asiatische Kino vom westlichen Publikum viel zu lange ignoriert wurde. Ja.
Johannes Franke: Ja. Ja, wir haben sehr gefeiert, als der da gewonnen hat. Ja. Das war wirklich, wow, das war toll. Weil der ja auch so durchschlagend gewonnen hat, ne? Der hat ja mehrere Preise bekommen.
Florian Bayer: Ja, bester Film, beste Regie, bestes Original-Drehbuch. Wahnsinn. Was bei den Oscars ja oft der Fall ist. Also meistens werden diese großen Auszeichnungen ja so im Pulk vergeben. Also wenn bester Film gewinnt, dann kann man sehr stark davon ausgehen, dass Regie und Drehbuch von diesem Film auch mit ausgezeichnet werden. Hat sich ein bisschen geändert in den letzten Jahren, aber früher war das eigentlich so eine ausgemachte Sache. Es gibt den einen großen Gewinner und das ist dann einfach Film, Regie, Drehbuch und dann noch zwei unbedeutende Oscars und dann hast du irgendwie fünf zusammen und kannst sagen, yeah, der strahlende Gewinner des Abends. Ja, okay. Aber Parasite ist wirklich ein verdammt sehenswerter Film.
Johannes Franke: Wie schön. Mein Platz zwei ist Zurück in die Zukunft. Die Secret Identity des Marty McFly ist, dass er der Sohn der Frau ist.
Florian Bayer: Kevin Klein, weil das in seinen Unterhosen drinsteht. Das ist so geil.
Johannes Franke: Ich finde die Idee so großartig. Der Film ist voller toller Ideen und toller Momente. Fantastischer Film, auf jeden Fall. Es ist natürlich jetzt so ein bisschen ein Obvious Choice, weil es so ein großer Film ist und so ein berühmter und ein Blockbuster, aber er ist einfach großartig. Ja, auf jeden Fall. Toller Film.
Florian Bayer: Jetzt meinen Platz eins. Hohe Spoilerwarnung, weil eigentlich ist dieser, eigentlich, wenn man sagt, dass dieser Film um Secret Identities dreht, dann hat man schon den Film gespoilert. Oh, okay. Sleuth aus dem Jahr 1972, beziehungsweise Mord mit kleinen Fehlern. Der mit Lawrence Oliver und Michael Caine. Lawrence Olivier und Michael Caine. Ja. Und zwar geht es darum, dass ein Kriminalautor einen Friseur zu sich einlädt in das Haus und dann reden sie einfach miteinander und dann kommt irgendwann raus, dass dieser Friseur eine Affäre mit der Frau von dem Kriminalautor hat. Und er treibt dann mit ihm ein wirklich bösartiges Spiel, wo er sagt, hey, du könntest doch bei mir zum Schein einbrechen und meine Diamanten stehlen. Ich kassiere die Versicherungssumme und du hast dann das Geld und kannst dann meine Frau heiraten und mit ihr glücklich werden. Aber natürlich macht er das nur, um ihn als Einbrecher zu erschießen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber dann will er ihn eigentlich nur reinlegen, aber dann verschwindet er wirklich und ist wirklich erschossen und dann taucht bei diesem Autoren, der dann als der Mörder verdächtig wird, ein Inspektor auf, der das Ganze untersucht. Hm. Und ja, an der Stelle kann ich nicht weiterreden, weil es in Spoiler-Territory geht. Es ist ein Film mit mehreren, mit mehreren doppelten Böden.
Johannes Franke: Ja. Okay.
Florian Bayer: Der, kennst du den nicht?
Johannes Franke: Irgendwas sagt er mir, aber ich. Ich glaube, den haben wir zusammen geguckt. Aber es gibt eine Folge von der Olsen-Bande, die auch so ein bisschen in der Richtung läuft.
Florian Bayer: Also es ist eine tolle Krimi-Komödie und die Macher des Films, Joseph Mankiewicz ist der Regisseur, haben auf einer Meta-Ebene versucht zu verhindern, dass man den Plot-Twist errät. Okay. Und ich kann alles nicht sagen, weil das alles so gespoilert wäre. Es ist ein wirklich witziger Film mit einem tollen Plot-Twist und vielen doppelten Böden. Guckt ihn euch auf jeden Fall an. Okay. 1972, Mord mit kleinen Fehlern. Gut. Kommt auf die Liste.
Johannes Franke: Du musst deinen Platz 1 nennen. Ich muss meinen Platz 1 nennen. Und zwar hätten wir auf Platz 1... Trommelwirbel. Darkwing Duck.
Florian Bayer: Natürlich. Du hast doch einen Superhelden reingepackt. Ja, doch. Natürlich. Du hast sogar auf Platz 1 einen Superhelden. Den besten von allen.
Johannes Franke: Der ist so großartig. Ich liebe Darkwing Duck. Es ist einfach das Tollste überhaupt. Ja, so eine schöne Persiflage, aber auch so ein eigenes Universum von Superheld und einer der einfach, der Rächer der Enterbten. Und es ist groß geworden. Also Darkwing Duck eigentlich so eine süße kleine Batman-Parodie von Disney. Ah, so riesiges Universum geworden mit Kiki und mit Gosling, wie sie im Original heißt. Es soll angeblich neue Folgen geben.
Florian Bayer: Sie haben das wieder neu aufgelegt, oder? Also es gibt... Oder sind wir noch bei dem alten 90er Darkwing? Wir sind bei den 90ern. Haben die da nicht davon auch... Weil sie haben ja... Disney hat ja ganz viele von den alten Sachen... Genau. ...neu gedreht.
Johannes Franke: Also Ducktales zum Beispiel. Ducktales, die neuen Ducktales, die jetzt vor ein paar Jahren rausgekommen sind, sind großartig. Müsst ihr alles gucken, auf jeden Fall. Hab ich leider nicht geguckt. Die sind ganz, ganz, ganz, ganz toll. Und vom Zeichenstil noch viel mehr Comic als davor. Ich finde die davor schon schön, aber die sind jetzt wirklich... Die haben so einen tollen Stil entwickelt dafür. Sie waren auch wirklich mutig, ne? Sie haben sich nicht einfach auf das Althergebrachte verlassen, sondern wirklich versucht nochmal was Neues rauszuholen. Sie haben die Eltern von Tick, Trick und Track irgendwie eingeführt. Oh. Ja. Stimmt, die haben nur Onkel sonst. Ja, und die ist ja schon 1937 in einem Comic erwähnt worden, die Mutter. Oh. Und mit Namen und so. Aber die hat echt die ganzen Jahre, also 80 Jahre gab es sie nicht. Und dann haben sie sie eingeführt als tatsächliche Figur. Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Von Duck wegen Duck, ich hab's gerade vor mir liegen, gibt's tatsächlich nur drei Staffeln und 91 Folgen. Das lief von 1991 bis... Genau. ...bis 92.
Johannes Franke: Das ist wirklich, das ist eine kurze Serie. Und die hat aber so viel Eindruck hinterlassen, überall, dass die einfach sehr beliebt ist. Und ich hab sie immer wieder geschaut und auch alle Folgen bis zum Erbrechen eigentlich. Ich liebe es. Und ich hoffe sehr, dass sie es durchziehen und das wirklich nochmal auflegen. Sie haben ja, nachdem die Ducktales neu aufgelegt wurden, hieß es irgendwie, dass sie auch Darkwing Duck neu auflegen. Ja. Aber... Und er taucht im Ducktales Reboot auf, lese ich gerade? Genau, er taucht dort auf, hat zwei Folgen, glaube ich, in denen er auftaucht und dann war's das wieder. Und hier steht also, ja, hier auf der Wikipedia-Seite steht, A Reboot Series is in development for Disney+.
Florian Bayer: Produziert von Seth Rogen.
Johannes Franke: Geil. Evan Goldberg. Nein, wie geil. Uhuhu. Ja, es ist einfach... Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Und Ted Stones, der Künstler, der für die originale Zeichentrickserie verantwortlich war, wird auch involviert sein.
Johannes Franke: Ah, schön. Interessant. Ach Gott, ich hoffe so sehr, dass das toll wird, aber ich gehe davon aus. Weil die einfach, sie sind so großartige Leute.
Florian Bayer: Okay, sehr schön. Schöner Platz 1. Schön. Okay, jetzt haben wir über Ducktales Gerät. Müssen wir nochmal ein Lexikon für Scharade aufmachen? Ich hatte nämlich einmal so quer geguckt, was es zum Thema Scharade zu finden gibt. Das muss man sehen.
Johannes Franke: Lexikon. Äh, was gibt es zum Thema Scharade zu finden?
Florian Bayer: Woran denkst du denn, wenn du Scharade hörst?
Johannes Franke: Ein Spiel. Ja. Weiter? Ja, wo man irgendwie... Moment, wie geht das Spiel? Flor, wie geht das Spiel? Man muss irgendwie Sachen erklären und raten.
Florian Bayer: Ja, also für mich ist die klassische Scharade das Pantomime-Spiel. Dass du ganz traditionell, es steht immer einer flog über das Kokosnest auf dem Zettel, wenn irgendjemand eine Scharade zeigen soll. Und dann wird das Pantomime nicht dargestellt und die anderen müssen raten. Das ist das, was ich unter Scharade verstehe. Und natürlich diese zweite Bedeutung des Wortes, so eine Farce, was für eine Scharade das doch ist, so im übertragenen Sinne. Ursprünglich bezeichnete der Begriff eine Art von literarischem Rätsel, das in Frankreich im 18. Jahrhundert aufgekommen ist. Oh, Plommer fängt wieder an klug zu scheißen, um Gottes Willen. Das ist alles, ich wusste das vorher auch nicht. Und das ist dann rübergeschwappt nach Großbritannien in der Regency-Ära, beziehungsweise im Viktorianismus, wo sie ja ganz viel genommen haben, was als stilvoll gesehen wurde. Und das waren Rätsel, die eben besonders in höheren Kreisen beliebt waren. Und es sind eigentlich, wenn man sie sich anguckt, die Rätsel, also wenn man sich anschaut, was es so für Beispiele gibt, es sind so klassische Rätsel, die man heutzutage in irgendwelchen Abenteuerspielen wie das schwarze Auge finden würde. So Worträtsel, auf deren Lösung man kommen muss. Ich geb dir mal eins. Gib mir eine Scharade. Ein etwas späteres, das angeblich von Theodore Roosevelt das liebste Rätsel war. I talk, but I do not speak my mind. I hear words, but I do not listen to thoughts. When I wake, all see me. When I sleep, all hear me. Many heads are on my shoulders. Many hands are at my feet. The strongest steel cannot break my visage, my face cannot break my face. But the softest whisper can destroy me. The quietest whimper can be heard.
Johannes Franke: Das ist ein sehr langes Rätsel, was man sich einfach öfter durchlesen muss, um rauszukommen. Die Antwort wäre... Moment, wir machen jetzt Pause und dann gucke ich mir das Rätsel an und dann werden wir feststellen, dass ich es nicht rausgefunden habe und dann machen wir weiter. Okay, Moment. Bis gleich.
Florian Bayer: Ich bin immer noch maximal verwirrt. Ich würde hier wahrscheinlich auch nicht drauf kommen. Also ich finde, das softest whisper can destroy me und many hands are at my feet. Das sind ganz gute Hinweise. Das ist natürlich der Schauspieler auf der Bühne. Nein. Der die ganzen Menschen unter sich hat. Aha. Und many heads on his shoulder. Ja. Also viele, viele verkörpert.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und natürlich kann das Strongest Steel cannot break his face.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ein leises Flüstern im Zuschauerraum macht ihn fertig. Geil. Genau, das ist eine traditionelle Scharade. Es gibt auch eine... Ich kann dir noch eine deutsche Scharade vorlesen.
Johannes Franke: Okay. Du hast mir übrigens nicht meinen Shot gegeben. Ich hätte noch was sagen können. Aber ich hätte sowieso das Falsche gesagt.
Florian Bayer: Jetzt kommen noch das schwere Rätsel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Im Deutschen wird es noch ein bisschen, im Deutschen Wikipedia zumindest, wird es noch etwas stärker konkretisiert. Ich gehe mal davon aus, dass es darauf zurückgeht, dass im Deutschen die Scharade noch mal stärker auf das Wortspiel interpretiert wurde. Und wahrscheinlich so im 19. Jahrhundert, weil da waren ja die Romantiker und so waren ja sehr mit diesen Wortspielen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Ironie. Im 19. Jahrhundert waren ja bei den Romantikern Wortspiele und Ironie sehr hoch angesehen. Und ich kann mir vorstellen, dass dann die Gebrüder Krim einfach gesagt haben, okay, eine Scharade muss ein richtiges Wortspiel beinhalten. Okay. Sonst gilt sie nicht als Scharade und das dann ja Wörterbruch getragen haben. Aber kann ich nur raten. Auf jeden Fall ist es im Deutschen noch mal etwas konkretisiert auf Rätsel in Versform, bei denen die Silben eine große Bedeutung haben und bei denen immer so eine sprachliche Meterebene ist. In dem Beispiel findest du das. Die erste Silbe frisst, die andere Silbe isst und die dritte wird gefressen, das Ganze wird gegessen. Kommt man nicht drauf. Deswegen musst du gar nicht überlegen. Frühstück. Ja. Die erste Silbe, die frisst, ist die Sau. Die zweite Silbe, die isst, ist ein R, also sauer. Die dritte wird gefressen, das ist Kraut, also Sauerkraut. Das Ganze wird gegessen. Das Ganze, was gegessen wird, ist das Sauerkraut.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Damit hätten wir die Scharade als Wortspiele abgehandelt und irgendwann hat sich dann im 19. Jahrhundert auch wieder in Frankreich diese zweite Form der Scharade entwickelt, eben als Partyspiel unter adeligen Leuten und bei dem eben mit Gestik, Mimik, ohne gesprochenes Wort, Dinge dargestellt werden und das ist dann auch wiederum nach England und den Rest Europas gewandert und in Literatur ganz oft verarbeitet und dadurch einfach populär geworden.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Scharaden. Spannend. Ein typisches Silvesterspiel für mich. Das ist sowas, wenn man so nachts um drei oder um vier und alle sind schon so ein bisschen K.O. Und man kommt besonders dann nicht drauf. Lass uns doch mal was machen. Ach komm, wir schreiben noch ein paar Wörter auf und spielen Scharade.
Johannes Franke: Ja, was ich ganz toll finde, ist das Lexikon-Spiel. Das ist ein Thema, das machen wir jetzt nicht. Okay. Ja, okay. Cool. Ja, dann hätten wir jetzt auch noch die Scharade erklärt. Sehr gut. Willkommen beim Wissens-Podcast mit Plor und dem Zuhörer Johannes. Das war, das muss man sehen, Lexikon.
Florian Bayer: Wir haben geklärt, was Scharade als Hitchcock-Film wäre und wir haben beide unsere Freude über diesen Film kundgetan.
Johannes Franke: Ich bin sehr froh, dass dir der Film gefällt. Wir haben überhaupt nicht über die Dramaturgie geredet. Das ist auch schwer, dann jetzt auseinanderzunehmen, aber ich finde, der Film ist auch sehr, sehr gut dramaturgisch geschrieben. Vielleicht wäre natürlich das ein oder andere drin gewesen, was wir jetzt besprochen haben, weil wir aus unserer Sicht 2022 sagen, naja, die Frau hätte vielleicht auch mehr Eigen-Action haben können oder eine eigene Intention und so. Aber ich finde, insgesamt ist der Film sehr, sehr, sehr kompakt und sehr gut geschrieben und intelligente Dialoge, die einfach wirklich sprühen vor Freude am Schreiben und am Spielen. Die beiden dann auch zusammen haben eine Chemie, es ist unglaublich toll und ich liebe diesen Ansatz, den die 60er da einfach mit reinbringen. Ich weiß nicht, ich muss mir auch noch North by Northwest noch anschauen und diese ganzen anderen Drum-Rum-Filme, die einfach in die Zeit gehören.
Florian Bayer: Schöner Film. Ihm gelingt dieser Balanceakt zwischen Screwball-Comedy oder Rom-Com und Agenten, Hitchcock-Angehauchten Thriller gelingt ihm wirklich gut. Ich finde es schade, dass die Protagonistin so passiv ist. Aber er ist einfach, er sprüht so viel Sprachwitz und Eleganz aus, dass er die ganze Zeit kurzweilig und unterhaltsam ist. Und ich liebe einfach die Figuren. Also er hat, das ist wahrscheinlich das, was der Film am besten macht. Er hat ein sehr gutes Gespür für witzige, skurrile, absurde Nebenfiguren.
Johannes Franke: Ja. Schön. Kurzes Wort an euch da draußen. Wenn ihr irgendwelche Filme habt, die wir unbedingt gucken sollen, ich scheine ja irgendwie ein bisschen in diesem Audrey Hepburn, Funny Face und Tanzfilme oder eben so Screwball-Comedy festzuhängen. Wenn ihr mich da raus katapultieren wollt, dann schreibt uns gerne und schickt uns Vorschläge, was wir gucken sollen.
Florian Bayer: Johannes fliegt geradezu, weil wenn ihr jetzt nichts schreibt, dann kriegt ihr für nächste Woche von mir wieder so irgendwas total Absurdes vorgesetzt.
Johannes Franke: Ja, das ist so ein bisschen die Hoffnung, dass mal jemand anders so ein paar Sachen rausbringt, wo ich dann nicht davor sitze und denke, oh Gott, Plur schickt mir Gore oder irgendwelchen Trash oder so. Naja. Gore oder Trash willst du beim nächsten Mal. Also nein, nein.
Florian Bayer: Vielen Dank für diese Episode. Rettet mich. Rettet mich. Vielen Dank fürs Zuhören. Wenn ihr wissen wollt, womit Johannes nächste Woche quäle, bleibt kurz dran nach dem Jingle. Erfahrt ja das. Luftplor. Okay. Ich habe einen Film für dich. Du hast einen Film für mich. Ich bin gespannt. Es ist etwas schwieriger, an diesen Film ranzukommen, habe ich gerade festgestellt. Es gibt drei Optionen. Okay. Option Nummer eins ist die DVD direkt bei der Regisseurin des Films zu bestellen.
Johannes Franke: Was? Ist das sowas wie No Exit oder was, was du da hattest? Option Nummer zwei ist der Webshop von Erika Lust. Was?
Florian Bayer: Ich habe einen Film für zehn Euro als digital Download. None|Was? Option Nummer drei. Ich habe jetzt etwas online gucken müssen. Ja? Ist leider Gottes X-Hamster.
Johannes Franke: Nein. Flor, wir gucken ein Porno.
Florian Bayer: Ich habe, ich finde, ich wollte dir ja eigentlich zeigen, dass das, beziehungsweise ich weiß ja, dass du das durchaus dem zustimmen kannst grundsätzlich, dass das Genre der Pornografie durchaus interessante Filme hervorbringen kann. Ich habe das Gefühl, ich habe das so ein bisschen verkackt, indem ich dir diesen Andy Warhol-Porno gezeigt habe vor einiger Zeit. Deswegen wollte ich einen neuen Ansatz wagen und bringe mal einen etwas aktuelleren Porno. Ja. Und zwar vielmehr, wie es von der Regisseurin genannt wurde, ein postpornografisches Experiment. Mhm. Der Film heißt Häppchenweise, ist ein deutscher Film aus dem Jahre, lass mich nichts Falsches sagen, aus dem Jahre 2012. Und zwar hat die Regisseurin ihre Actors, also das sind keine, das sind nicht DarstellerInnen, sondern das sind einfach normale Leute zusammengesetzt und so Big Brother mäßig Kameras draufgerichtet und hat die Flaschentränen spielen lassen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Unter der Vorgabe, lasst uns doch einfach mal gucken, was passiert, nichts muss, alles kann und freie Liebe, aber mit Konsens und alle sollen Spaß haben. Okay. Und ich fand, es ist lange her, dass ich ihn gesehen habe, ich habe ihn auch nur einmal gesehen, ich fand den Film, der herausgekommen ist, damals wunderbar und habe mich total drüber gefreut, weil das Genre kann sehr viel und liefert aber sehr wenig. Ja. Und deswegen freue ich mich immer, wenn mal was in der Richtung kommt und ich wage einen neuen Versuch und sage, hier haben wir etwas, was definitiv pornografisch ist. Mhm. Mhm. Und was man gesehen haben sollte.
Johannes Franke: Okay. Hm. Na, ich bin mal gespannt. Ja, willkommen zum zensierten Podcast. Ja. Der nicht mehr auf Spotify laufen wird und Apple wird uns auch nicht mehr nehmen.
Florian Bayer: Tatsächlich ist dieser Film von der FSK ab 16 freigegeben. Uh, okay. Und von der JMK, Jugendmedienkommission in Österreich, allerdings ab 18. Es wundert mich, dass der ab 16 freigegeben ist, weil er, wenn ich mich richtig erinnere, ganz klar das beinhaltet, was man gemeinhin als Pornografie bezeichnen würde. Also explizit ist. Das heißt, es gibt mindestens erigierte Geschlechtsorgane zu sehen und wenn ich mich richtig erinnere, gibt es auch Filatio. Ja. Ich weiß nicht mehr, ich kann mich nicht erinnern. Ich will es jetzt nicht komplett auseinandernehmen. Ich weiß nicht mehr genau, ob es Penetration zum Beispiel gab. Na, ich bin mal gespannt. Ja, also auf jeden Fall. Also ich fand den Film damals toll. Ich bin mal gespannt, ob ich ihn immer noch toll finde. Okay. Und wir wagen nochmal einen Versuch, muss man sehen, Ghost Porno.
Johannes Franke: Uuuuh. Na dann, ähm, schickt eure Kinder nach Hause, ähm, ins Zimmer und setzt euch Kopfhörer auf und, oder hört es laut in der U-Bahn. Wir hören uns nächste Woche. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao.
