Episode 86: Prinzessin Mononoke und die Filme des Studio Ghibli
Mononoke oder auch Yōkai, (Obake) ist in Japan die Bezeichnung für gefährliche übernatürliche Wesen, am ehesten vergleichbar mit den Kreaturen, die wir im Westen als Dämonen bezeichnen. Im Mittelpunkt des Studio Ghibli Animes Mononoke Hime aus dem Jahr 1997 steht also eine Dämonenprinzessin… zumindest ist sie das in den Augen ihrer Antagonist*Innen.
Im Zentrum des Films steht aber vor allem ein junger Emishi-Prinz namens Ashitaka, der sich nach dem Kampf gegen ein rasendes dämonisches Wildschwein auf den Weg macht, um dessen Fluch loszuwerden, der seinen Arm befallen hat und ihn langsam von innen auffrisst. Auf der Suche nach Heilung findet er eine vormoderne Eisenhütten-Stadt, in der ehemalige Prostituierte und Leprakranke für die Herrscherin Eboshi Eisen verarbeiten und Waffen herstellen. Diese sind notwendig, um den Übergriffen der kriegerischen Samurai der Nachbarstädte Einhalt zu gebieten. Aber dafür muss der anliegende Wald gerodet werden, was nicht weniger bedeutet als eine Kriegserklärung an die dort lebenden Natur- und Tiergötter, die von der jungen Kriegerin San – der titelgebenden Mononoke – begleitet werden. Ashitaka findet sich inmitten eines weitreichenden Konfliktes wieder.
Naturgötter, Dämonen, Samurai, der Kampf zwischen Tradition und Moderne in der Vor-Edo-Zeit, klassische japanische Hierarchien… Puh. Wir haben also wieder einen ganzen Batzen an fernöstlicher Kultur und Mythologie, durch den wir uns als halbgebildete Europäer wühlen müssen. Ja müssen, haben wir es hier doch mit dem in seiner Zeit erfolgreichsten Film Japans, einem prototypischen Hayao Miyazaki Meisterwerk und dem wohl epischsten Anime des Studio Ghibli zu tun. Ein Film, der auch ein westliches Publikum für sich gewinnen konnte und sogar von Disney international vertrieben wurde.
Auch dich? Johannes? Oder warst du mal wieder Lost in Translation, Johannes?
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 86: Prinzessin Mononoke und die Filme des Studio Ghibli Publishing Date: 2022-08-24T20:17:32+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/08/24/episode-86-prinzessin-mononoke-und-die-filme-des-studio-ghibli/
Florian Bayer: Das kriegen Filme für Erwachsene teilweise nicht so gut in der ambivalente Charakterzeichnung. Wir müssen darüber reden. Johannes, als ich gesagt habe, ich habe diesen Film mit meinem Sohn geguckt, hast du sehr schockiert reagiert. Nachdem ich jetzt leider feststellen musste, dass ich Yoichineche nicht sagen kann, weil das eher eine Verabschiedung ist, muss ich mit dem Klassischen anfangen. Konnichiwa und herzlich willkommen zu einer neuen Episode beim Muss man sehen Podcast, wo Johannes und ich über Filme reden. Wie viele Leute haben wir jetzt gleich am Anfang verärgert? Ich habe mir wirklich Mühe gegeben. Ich habe es mir jetzt mehrmals angehört. Und ich glaube trotzdem, dass ich es nicht 100 Prozent getroffen habe. Du hast dir von Google erzählen lassen, wie es klingen muss. Ja, aber Google weiß bei sowas Bescheid. Okay. Ja, japanische Sprache, schwere Sprache. Herzlich willkommen zum Muss man sehen Podcast und zu unserer japanischen Filmbesprechung für diesen Monat. Wir stellen das gleich als Disclaimer voran. Tut uns schrecklich, schrecklich leid, wenn wir Namen oder Begriffe falsch aussprechen. Es werden eine Menge von japanischen Namen und Begriffen in dieser Episode fallen. Und wir geben uns wirklich Mühe. Aber wir stoßen an unsere westeuropäischen Grenzen einfach. Ja. Wenn wir irgendwie Cultural Appropriation auf uns laden, bitte sagt uns Bescheid. Wenn wir misstreden, bitte sagt uns Bescheid und schreibt uns. Nochmal, wir haben uns sehr viel Mühe gegeben bei der Recherche. Aber es ist einfach mal, es ist viel. Und es ist schwierig, da auch reinzukommen, das zu verstehen. Anyway, wir reden heute über Prinzessin Mononoke vom Studio Ghibli. Ghibli oder, um das gleich zu sagen, Ghibli, wenn wir es richtig aussprechen wollen. Ghibli ist die japanische Aussprache mit einem stimmhaften J, das ich jetzt auch falsch ausspreche. Allerdings ist es witzig, weil wir sind, wenn wir schon von kultureller Anleitung reden, das ist eigentlich ein italienischer Begriff, der eigentlich aus dem Arabischen kommt. Also wir haben wirklich, was kulturell übereinander fällt, Ghibli im Italienischen, aus dem Arabischen kommt, heißt so viel wie Wüstenwind oder konkreter noch Sahara-Wüstenwind. Auch das noch. Und im Japanischen wird das G allerdings als J ausgesprochen, also stimmhaft Ghibli. Okay. Ich werde einfach bunt mich in dieser Episode, weil ich seit 40 Jahren Ghibli sage. Ja. Ja, wir reden heute über Prinzessin Mononoke aus dem Jahr 1997. Einer der bekanntesten Filme von dem Studio, neben Chihiros Reisen ins Zauberland. Ponyo ist, glaube ich, auch noch relativ bekannt. Totoro? Totoro. Ja, ich würde ja behaupten, Chihiros Reisen ins Zauberland ist ein Film, von dem man auch gehört hat, wenn man jetzt sich nicht so viel damit auseinandersetzt. Ach so. Und dann gibt es sehr viele Filme, die man, glaube ich, erkennt, wenn man schon so eine gewisse Liebe für diese Art von Zeichentrickfilm hat, die aus Japan stammt. Nein, nur Totoro ist älter. Wobei das ja natürlich dazu, wenn wir auch kommen, Veröffentlichungsgeschichte, das ist ziemlich wild bei Ghibli, zumindest außerhalb von Japan, weil die Filme wurden dann teilweise erst ein Jahrzehnt, nachdem sie gedreht wurden, bei uns überhaupt released, weil sich keiner dafür interessiert hatte. Und ein Grund, warum beim westlichen Publikum das Interesse an Ghibli gewachsen ist, ist eben dieser Prinzessin Mononoke, der dann ja auch von Disney vertrieben wurde, international. Aber dazu würden wir auch kommen. Ich würde einfach mal starten und dann gucken wir mal, wo uns die Reise hinführt. Ich bin gespannt. Mononoke oder auch Yokai ist in Japan die Bezeichnung für gefährliche übernatürliche Wesen, am ehesten vergleichbar mit den Kreaturen, die wir im Westen als Dämonen bezeichnen. Im Mittelpunkt des Studio Ghibli-Animes Mononoke Hime steht also eine Dämonenprinzessin. Zumindest ist sie das in den Augen ihrer AntagonistInnen. Im Zentrum des Films steht aber vor allem ein junger Emishi-Prinz namens Ashitaka, der sich nach dem Kampf gegen ein rasendes, dämonisches Wildschwein auf den Weg macht, um dessen Fluch loszuwerden, der seinen Arm befallen hat und ihn langsam von innen auffrisst. Auf der Suche nach Heilung findet er eine vormoderne Eisenhüttenstadt. Ja, Brandenburger werden jetzt schmunzeln. In der ehemalige Prostituierte und Leprakranke für die Herrscherin Eboshi Eisen verarbeiten und Waffen herstellen. Diese sind notwendig, um den Übergriffen der kriegerischen Samurai der Nachbarstädte Einhalt zu gebieten. Aber dafür muss der anliegende Wald gerodet werden, was nicht weniger bedeutet als eine Kriegserklärung an die dort lebenden Natur- und Tiergötter, die von der jungen Kriegerin San, der titelgebenden Mononoke, begleitet werden. Ashitaka findet sich inmitten eines weitreichenden Konflikts wieder. Naturgötter, Dämonen, Samurai, der Kampf zwischen Tradition und Moderne in der Vor-Edo-Zeit, klassische japanische Hierarchien. Puh. Wir haben also wieder einen ganzen Batzen an fernöstlicher Kultur und Mythologie, durch den wir uns als halbgebildete Europäer wühlen müssen. Oh Gott, ja. Ja, müssen. Haben wir es doch hier mit dem in seiner Zeit erfolgreichsten Film Japans, einem prototypischen Hayao Miyazaki-Meisterwerk und dem wohl epischsten Anime des Studio Ghibli zu tun. Ein Film, der auch ein westliches Publikum für sich gewinnen konnte und sogar von Disney international vertrieben wurde. Konnte er auch dich für sich gewinnen, Johannes? Oder warst du mal wieder lost in Translation? Also die letzten asiatischen Filme, die ich dir gegeben habe. Tiger and Dragon. Ich war begeistert. Ausnahme Tiger and Dragon. Der war großartig. Aber so hast du auf die Liste der schrecklichsten Filme gepackt, die ich dir angeboten habe. Das Ding ist ja, das müssen wir dazu sagen, ich halte mich schon zurück, was asiatische Filme betrifft, weil ich immer Angst davor habe, dass du... Also dann, wie konntest du diesen Film würdigen? Es ist ja einfach viel. Es ist wirklich viel. Und wir können ja mal versuchen, das so ein bisschen auseinanderzuziehen und ich werde mal so hier und da Wissen reinhauen, das ich mir angeeignet habe. Ja, das wäre schön. Um überhaupt einen Weg in diesen Film reinzufinden. Ja. Also, um das gleich zu sagen, man muss keine Japanologie studiert haben. Nein. Man muss nicht Experte in japanischen Mythen und der japanischen Geschichte sein, um diesen Film genießen zu können. Aber es hilft. Aber es hilft. Aber die Geschichte, so umrissen habe ich sie ja schon, ist eigentlich ziemlich klar. Wir haben hier einen Prinzen, der von einem Emishi-Stamm kommt. Da haben wir gleich schon mal den ersten Begriff. Ja, so. Und was ist das jetzt? Das waren, also wenn ich jetzt sagen, Indigene, ist das glaube ich schon zu viel gesagt. Die haben in den Osten und Norden Japans gelebt und waren tatsächlich, also gerade in der Zeit, in der der Film spielt, kurzen Moment, dazu kommen wir gleich, wurden die so ein bisschen als die Barbaren angesehen, weil die noch nicht so mit der Moderne, die damals Japan so langsam in den Griff genommen hat, damit noch nicht so Kontakt hatten. Und das waren Menschen, die sehr stark mit der Natur verbunden gelebt haben. Ja. Und dann kommen wir gleich zu einem zweiten sehr wichtigen Begriff, der für den Film, für die Rezeption des Films eine wirklich wesentliche Rolle spielt und das ist der Shintoismus. Das waren nämlich diese Menschen, die eher mit der Natur verbunden gelebt haben, waren meistens noch Anhänger des Shinto oder Shintoismus. Und das ist eigentlich, wenn man es grob zusammenfasst, die japanische Urreligion. Und Naturgeister und so. Genau, das ist eigentlich dieser Shintoismus. In Japan gibt es seit jeher diesen Synkretismus, sagt man auch dazu, dieses Zusammenspiel von Shintoismus und Buddhismus. Der Buddhismus so ein bisschen als chinesisches Import. Eigentlich so sehr früh schon. Also wir reden hier vom, was in Europa das Frühmittelalter gewesen wäre, seit der Völkerwanderung rübergeschwappt ist von China nach Japan. Und der Buddhismus hat dann ja auch einen großen Siegeszug angetreten und hat es geschafft, eigentlich die herrschende Religion in Japan zu werden. Aber der Shintoismus hat immer so ein bisschen unter der Oberfläche existiert. Was der Shintoismus ist, kann man sich so ein bisschen vorstellen mit dem, was man in Europa als heidnische Religion bezeichnen würde. Das heißt die Verehrung von Naturgöttern, aber auch von Geistern und Dämonen. Und ganz wesentlich im Shintoismus sind die sogenannten Kami. Der Begriff wird auch im Film Mononoke hin und wieder erwähnt als Bezeichnung für die Götter, wobei er dem nicht ganz gerecht wird. Also Kami ist so ein sehr universeller Begriff. Damit werden im Japan sowohl Götter bezeichnet als auch Geister, Naturgeister, aber auch Dämonen. Und dann wird der Begriff wohl noch für ganz viele andere Sachen verwendet. Zum Beispiel kann eine plötzliche Epiphanie, eine Idee, eine Erleuchtung kann auch ein Kami sein. Und das Gewissen kann auch ein Kami sein, also ein sehr allgemeiner Begriff. Hängt aber auch damit zusammen, dass der Shintoismus eine sehr diesseitsbezogene Religion ist. Das unterscheidet ihn stark vom Buddhismus. Der Shintoismus ist so eine Religion, die eigentlich nicht die Erlösung in einem Jenseits sucht oder die propagiert, sondern im Westen würde man vielleicht auch Pantheismus dazu sagen, versucht das Göttliche in allem zu finden, in der Natur, in den Bäumen. Und dafür gibt es eben diese Naturgeister und diese Naturgötter, die irgendwie so ein bisschen Platzhalter sind für die Verehrung von natürlichen Phänomenen. Die werden tatsächlich auch personifiziert im Shintoismus und sind allerdings im Gegensatz zu den Göttern, wie wir sie kennen, nicht allmächtig und moralisch oft auch ambivalent. Und Kami hat auch negative Eigenschaften. Und das Dämonische und das Göttliche halten sich immer so die Waage. Und ein Teil des Shinto ist eben auch der Glaube daran, dass das Böse, das Dämonische bei diesen göttlichen Lebewesen erzeugt wird, dadurch, dass der Mensch sie verdirbt. Das ist auch ein Motiv, was wir in dem Film ganz oft sehen werden. Und die wesentlichen ethischen Normen im Shintoismus sind dann, wenn man so will, zum einen die Harmonie mit der Natur, Zusammenleben mit der Natur und Reinheit als erstrebenswerter Zustand. Also die Reinigung, Reinigungsrituale spielen eine sehr große Rolle im Shintoismus, was auch dazu führt, dass es eine Tabuisierung gibt von Krankheiten, die teilweise auch nicht so gesund ist, und auch eine Tabuisierung des Todes. Also zum Beispiel gibt es im Shinto eigentlich nicht so richtige Totenrituale. Das hat dann eher der Buddhismus übernommen. Und dazu gehört eben auch zum Beispiel der Aberglaube, dass du beschmutzt bist, wenn du eine Leiche angefasst hast oder auch wenn du jemand Krankes angefasst hast und dass das den Körper unrein macht und dass der Körper dann gereinigt werden muss in bestimmten Ritualen. Das ist ein Motiv in der japanischen Mythologie, das bis zu dem Ursprungsmythos zurückgeht. Und zwar ist der japanische Schöpfungsmythos, der zu diesem Shintoismus gehört, handelt von Izanaki und Izanami. Das war ein Geschwisterpaar und die waren gleichzeitig auch sowas wie ein Ehepaar. Die Geschwisterpaar, das Ehepaar war, oh nein. Die haben die ganzen, ja, das, mein Gott, griechische Mythologie ist es genauso. Okay, das ist nicht das Schockierende. Die haben die ganzen Götter erschaffen. Allerdings ist die Frau Izanami bei der Geburt des Feuergottes, hat sie tödliche Verbrennungen erlitten und wurde dann und ist dann gestorben und ist in der Unterwelt gelandet. Und ihr Mann slash Bruder war schrecklich wütend, Izanaki, und wollte sie retten und ist ihr dann hinterher in dieses Totenreich Yomi gefolgt. Und er ist dann da hingekommen und dann hat sie zu ihm gesagt, ja, wir schaffen das, wir können zurück ins Leben. Du kannst mich zurück ins Leben nehmen, aber du darfst mich nicht anschauen. Erinnert es dich an was vielleicht, an eine westliche Mythologie? Das ist Game of Thrones. Du brauchst Münzen, um den Fährmann zu bezahlen. Ja, ja. Orpheus in der Unterwelt, der sich nicht umdrehen darf. Orpheus, der seine Frau, seine Geliebte aus der Unterwelt rettet und sich dabei nicht umdrehen darf. Und Orpheus versagt ja auch und Izanaki versagt auch und schaut sie sich an und sieht dann ein zerfressenes Lebewesen von Maden übersät und ein ganz schreckliches Bild und sieht total schrecklich aus. Und dann ist er so erschrocken, dass er geflohen ist. Und sie wurde dadurch zum Dämonen und hat ihn verfolgt, rasend vor Wut. Und er hat dann ganz schnell einen Felsen vor den Ausgang zur Unterwelt geschoben, damit sie ihm nicht weiter folgen kann. Und daraufhin hat sie gesagt, sie wird jetzt ab sofort jeden Tag tausende Menschen töten und ins Totenreich nehmen als Bestrafung dafür. Und das ist der japanische, das ist der Schöpfungsmythos. Das sind die Urgötter sozusagen. Und da ist auch schon dieses Motiv drin, du schaust die Toten nicht an, weil die Toten irgendwie unrein oder irgendwie verdorben sind. Fuck. Und wie gesagt, das hat sich in, also der Shintoismus ist keine besonders starke Religion. Und er hat nicht so viele Anhänger in Japan, aber es gibt immer noch Anhänger davon. Und die überlassen die Totenrituale offensichtlich komplett den Buddhisten, weil die einfach sagen, das ist nicht unsere Stärke. Damit können wir nicht so ganz umgehen. Wir haben irgendwie andere Art, mit dem Tod umzugehen. Und das sind ja in dieser Geschichte auch dieses Motiv. Ganz am Anfang das Wildschwein. Der Keiler, der Dämon, der ankommt, wird ja von der Seherin des Dorfes direkt als Gott identifiziert. Und die sagt, das ist ein Gott. Und dieser Gott ist aber verdorben. Und dafür muss irgendwas oder besser gesagt irgendwer Menschliches verantwortlich sein. Und das ist genauso auch. Die Natur ist beschmutzt worden. Und dadurch wird diese dämonische Kraft in der Natur geweckt. Und diese dämonische Kraft überträgt sich dann auch auf den Menschen. Und jetzt bist du von dieser dämonischen Kraft besessen. Achitaka, jetzt guck mal, dass du da irgendwie rauskommst und schau mal, ob du irgendwo Heilung finden kannst. Naja, beziehungsweise sie sagt ja, du bist verdammt. Finden wir ja auch bei unserer titelgebenden Heldin wieder. Ja, die wird ja als Mononoke bezeichnet, als Dämonin ist sie aber eigentlich nicht. Sie ist einfach, also sie trägt diese Wut in sich, aber sie ist ja keine Dämonin in dem Sinne, auch nicht in dem Sinne von der Handlung, weil da werden Dämonen ja sonst klar benannt und gezeigt. Und das Dämonische wird ja auch sehr stark visualisiert. Immer wenn irgendwas Dämonisches passiert, haben wir ja diese Ursuppe, diese Chaos-Suppe, dieser schwarze, schleimige, alles zerfressende, das, was auch seinen Arm befällt. Der Shintoismus war auch eine Religion, der sehr gerne adaptiert hat. Zum Beispiel wurde sogar teilweise die Buddha, als der Buddhismus dann kam, wurde mit der Sonnengöttin gleichgesetzt, den der Shintoismus hatte. Als das Christentum dann langsam so in Japan Fuß gefasst hat, haben die zuerst gedacht, das wäre auch eine Variante vom Buddhismus. Weil die einfach gesagt haben, ah ja, okay, da haben sie nochmal jemanden, die offensichtlich nur ein Wesen anbeten, die nicht so viele Wesen haben. Und dann haben sie gesagt, okay, der christliche Gott ist auch ein Kami. Packen wir den auch noch rein in unser Pantheon, das passt schon irgendwie. Finde ich tatsächlich auch sehr sympathisch an dieser Religion, aber es ist halt schon eine sehr spezielle Religion. Und ich glaube, es ist auch schwierig, diesem Shintoismus mit westlichen Vorstellungen beizukommen, weil es halt in einigen Punkten sich doch sehr wesentlich unterscheidet. Also die Nähe ist dann doch eher zu heidnischen Naturvorstellungen eben, wo die Welt bevölkert ist von Geistern. Und man gibt diesem Geist noch ein Opfer, damit man gute Ernte hat. Und man gibt diesem Geist ein Opfer, damit es mal regnet. Ja, genau. Das ist wahrscheinlich deutlich passender. Und in Japan wurden diese Naturreligionen nie krass bekämpft. Auch wenn der Buddhismus dann irgendwann Staatsreligion war. Aber zum Beispiel wurde gegen das Christentum deutlich härter geschossen als gegen den Shintoismus. Wahrscheinlich auch nicht bedeutend genug. Und wahrscheinlich war es dann auch so in dieser Zeit, in der der Film spielt, dazu kommen wir jetzt noch, dass der halt auch so beschränkt war auf diese Völker, die eher so belächelt wurden, weil die waren einfach keine Bedrohung. Die haben halt in ihren Dörfern gelebt, während die Städte und vor allem auch die Samurai schon angefangen haben, mit Feuerwaffen zu arbeiten. Diesen, was vielleicht auch irritierend sein könnte für ein westliches Publikum, dass wir hier so einen gefühlten Clash der Zeiten haben. Aber im Japan des 15., 16. Jahrhunderts, in der dieser Film spielt, ungefähr so die Moro-Mashi-Zeit. Aber so sah es damals durchaus aus in Japan. Ja. Das sind natürlich, es fühlt sich, also es ist ein bisschen auch Fantasiezeit, aber die Motive, die aufgegriffen werden und vor allem die Lebensweisen, die wir hier finden, die sind tatsächlich auch die Lebensweisen, die wir in dieser Vor-Edo-Periode finden. Ja. Ich bin nicht gut in japanischer Geschichte. Ich kenne mich wie, ich habe, japanische Geschichte wird in europäischen Schulen nicht unterrichtet, was wirklich ein Jammer ist, weil sie ist super spannend. Und ich habe in der Vorbereitung jetzt für den Podcast mich nochmal ein bisschen mit japanischer Geschichte auseinandergesetzt und habe dann festgestellt, es gibt irgendwann so den Moment, wo ich so weg bin, weil es einfach zu komplex ist und zu viel. Was ich euch mitgeben kann für diesen Film. Wir haben hier ein Japan der frühen Neuzeit, in der die Samurai noch eine sehr große Rolle spielen. Die Samurai waren sowas wie Kriegerfürsten, die verschiedene kriegerische Aufgaben übernommen hatten und sehr hohen Einfluss hatten und sehr viel Macht und gleichzeitig allerdings irgendwie sich diese Macht auch leisten mussten. Die mussten immer ihre Schwerter tragen und die mussten Bedienstete haben. Die hatten ein gewisses Ritual, den sie folgen mussten. Die hatten teilweise nicht das Geld dafür. Daher gab es wirklich viele Samurai, die unter anderem Verbrecher wurden, wenn sie jetzt nicht zu den Reichen ihres Standes gehört haben. Die Ständestruktur in Japan war damals sehr fest. Du warst Samurai, weil du als Samurai geboren warst, weil deine Eltern Samurai waren. Ach so. Und du konntest nichts anderes werden. Du warst dann einfach, du warst dann Samurai. Oh wow. Und dann mussten die halt irgendwie versuchen, ihr Leben, was von sehr vielen Riten geprägt war, zu finanzieren. Und daher haben wir das Phänomen der Samurai, die eben auch, die einfach Verbrecher sind, die Raubritter. Es gab eben das Pendant zu den europäischen Raubrittern, waren Raubsamurai, wie auch immer man die nennen will, die andere Städte überfallen haben, die kriminell waren oder die einfache Wanderer überfallen haben. Und wie gesagt, damals in dieser Vor-Edo-Zeit war das Ständesystem sehr fix in Japan. Es gab, ich glaube, fünf Stände. Ich kriege es nicht mehr ganz zusammen. Ganz spannend, die Händler standen relativ weit unten. Also es gab dann auch nochmal so Ausfächerungen, je nachdem, wie viel Geld man hatte. Aber die Händler galten eher so als die, die ja eigentlich nur mit dem Geld verdienen, was andere geschöpft haben. Aha, okay. Und dann war es eben eine Zeit, in der die, vor allem auch durch europäischen Einfluss, vor allem durch die Portugiesen, neuzeitliche Entwicklungen, insbesondere das Schießpulver und die Gewehre reingekommen sind. Samurai haben sehr viel mit Gewehren gekämpft. Und dann hatten wir tatsächlich diesen Kontrast. Es gab solche, vor allem im Norden und Osten Japan, es gab solche Dörfer wie das, aus dem unser Protagonist kommt, die wirklich als ganz einfache Landwirte gelebt haben, die Reis angebaut hatten und nicht viel hatten. Dann gab es diese vorindustriellen Städte, die Eisenverarbeitung gemacht haben, die davon auch gut gelebt haben. Und dann gab es eben die Samurai. Und dann wird es schon verworren. Und viel mehr will ich dazu auch gar nicht sagen, weil dann verfranz ich mich nur in Geschichte. Aber ich will sagen, das Setup, in dem wir uns bewegen, ist durchaus ein realistisches Setup, was so Gesellschaftsordnung betrifft in der frühen Neuzeit Japans oder im Spendalter. Und dann ist es auch klar, dann gibt es halt diese drei Fraktionen. Wir haben die Naturleute, die in diesem Fall hauptsächlich vertreten werden von Ashitaka. Also San ist ja irgendwie schon eher so ein Geist. Das gehört nicht zu dieser Gesellschaftsordnung. Also Ashitaka vertritt irgendwie diese Emishi, diese einfachen Bauern. Dann haben wir die Samurai, vertreten von Asano, der mit seinem Samurai eben versucht, Eroberungsfeld zugeführt und Macht erlangen will. Und dann haben wir diese vorindustriellen Modernisierer, die vertreten werden durch die Herrscherin Eboshi, die sich ein wirklich spannendes Gesellschaftssystem aufgebaut hat. Und in diesem Film kommt wieder das zum Vorschein, wofür ich das Studio Ghibli unglaublich schätze, dass sie es schaffen, wirklich ambivalente Figuren zu zeichnen. Diese Eboshi ist natürlich Antagonist, aber sie ist trotzdem ein sehr ambivalenter Antagonist. Das ist ein Holzhammer. Jetzt machen wir eine bessere Welt. Es gibt wenig Figurenentwicklung, da hast du vollkommen recht. Sie haben so ihr Setup und es wird so nach und nach aufgebaut. Wir lernen mehr und mehr über sie. Wenn wir Eboshi zum ersten Mal sehen, ist sie halt die fiese Jägerin, die offensichtlich die Waldgötter jagt und den Wald abholzen will. Und wir denken, wow, okay, wir haben es hier mit einem klassischen Willen zu tun, die böse Hexe aus dem Märchen. Und dann ist Ashitaka zum ersten Mal bei ihr. Und dann lernen wir was über diese Eisenhütte kennen, die sie da aufgebaut hat. Und dann hat sie da Prostituierte eingestellt, die sonst nirgendwo landen könnten, die wirklich einen Zuflucht bei ihr gefunden haben. Und dann hat sie daneben eine Lepra-Kolonie und kümmert sich offensichtlich aufopferungsvoll um die Kranken dort. Und das ist total krass, weil das ganze Setup schreit so danach, okay, wir haben hier eine moderne Kritik, wir haben hier eine Kapitalismus-Kritik. Sie ist die ungezügelte Kapitalistin, die alles ausbeutet, alles rodet. Und dann, what? Aber es funktioniert noch so. Ja, ich finde, was es schwierig macht, ist, wenn man mit der Erwartung rangeht, die man halt so kennt aus diesen klassischen Geschichten. Weil der Film hat so ein märchenhaftes Ambiente. Natürlich, weil wir es mit Geistern, Waldgeistern, mit Monstern und so zu tun haben. Und dann erwartet man natürlich sowas wie eine klare Antagonistin. Und man erwartet auch einen Konflikt, der sich ausbreitet. Es ist total irritierend, wenn Ashitaka zum ersten Mal in dieser Eisenhütte von Eboshi ist und wird da freundlich empfangen und von ihr freundlich rumgeführt. Und es gibt nicht dieses Hinterhältige, es gibt nicht dieses Böse, sondern wir haben das Gefühl, plötzlich wird uns die, die vorher als Antagonistin präsentiert wurde, als Protagonistin gezeigt, der unsere Sympathie gelten will. Das geht halt sehr schnell. Man erwartet einfach, der kommt da hin und da gibt es einen Konflikt. Nein, er wird gastfreundlich empfangen und die Leute sind nett zu ihm und sie reden mit ihm, sie erklären ihre Motive, warum sie Angst vor dieser Mononoka haben, vor dieser Sun. Ja, ich weiß, was du meinst. Auf jeden Fall. Es ist, genau, es fällt so ein bisschen aufeinander und wechselt sich auch so teilweise fast so im Stakkator-Rhythmus ab. Auch wenn wir dann Sun zum ersten Mal begegnen. Wir können die ja nicht so richtig einordnen. Aber wir stellen sehr schnell fest, dass die schon so was wie eine Sympathieträgerin ist. Weil sie ist natürlich die, die mit den Tieren zusammen den Wald verteidigt. Ja. Aber sie macht uns von Anfang an auch immer so ein bisschen Angst, ne? Ja, ja. Wenn sie ihn zum ersten Mal, wenn er dann zum ersten Mal bei ihr ist und bewusstlos. Und dann gibt es so den Moment, wo du denkst, okay, jetzt ist sie kurz davor, ihn umzubringen. Und dann gibt es diese wirklich, ich kann es nicht anders sagen, bizarre Szene, wo sie ihn versucht zu füttern und er will dann nicht essen. Und dann macht sie den Vogel-Move und nimmt und frisst das Zeug und kaut es ihm vor und gibt es ihm dann in seinen Mund rein. Und du bist so, wow, wo war ich gerade? Wow, jetzt bin ich hier gelandet. Ah, das machst du jetzt. Verstehe. Okay, ich bleib mal dran. Aber es ist alles nicht so leicht mitzukriegen. Auch wenn die Tiere untereinander diskutieren. Du versuchst die ganze Zeit, du willst dich eigentlich daran festhalten, dass du sagen kannst, boah, der ist jetzt unsympathisch. Den hasse ich jetzt. Genau, es wird aber nichts. Ja, und dann kommt das Wildschwein und du denkst, okay, jetzt frisst es ihn oder frisst es ihn nicht? Und er sagt, nein, friss mich nicht. Und dann schnuppert es an ihm und sagt, ich will dich nicht fressen. Ich will mehr über dich herausfinden. Genau. Und dazu passt dann ja auch, dass der Waldgeist, der der glanzvolle Beschützer des Waldes ist, nachdem er geköpft wurde, plötzlich zur apokalyptischen Bedrohung wird. Ja, ja. Und dass innerhalb von einer Sekunde von Gott, der die Natur bewahrt, zu allem verschlingenden Monster. Ja. Vor allem der Mensch hat das Potenzial, das alles zu verderben. Ja. Das wird halt schon sehr klar geframed, dass das Dämonische wird eigentlich vom Menschen herausgelassen. Der Nago, der Keiler ganz am Anfang, ist so dämonisch, weil er halt von einer Kugel getroffen wurde. Der Mensch hat ihn verdorben und er verflucht dann ja auch die Menschen dafür, dass er sterben musste. Und sie sagen ja noch, oh, das ist ein Gott und irgendwas hat von ihm Besitz ergriffen. Das kann nur sein, dass das ein Mensch war. Und das dann, was dann ja auch später erzählt wird, die in der Eisenhütte, die roden die Wälder und die machen alles kaputt. Und deswegen sind die Wildschweine am Zürnen und wollen Krieg gegen sie führen. Ja. Und dann denkst du, ja, natürlich. Hey, Natur, hey. Und dann kommst du in diese Eisenhütte und siehst da, oh, die armen Prostituierten, die nicht wissen, wo sie hingehen sollen. Ach, die armen Leprakranken. Oh, shit, die sind bedroht von Samurai. Die brauchen die Waffen. Die müssen sich irgendwie verteidigen. Die führen Krieg. Was sollen sie anderes machen? Jeder in dem Film hat eine gute Motivation für das, was er tut. Und das, also wir reden hier wirklich von einem Zeichentrickfilm für Zwölfjährige. Das kriegen Filme für Erwachsene teilweise nicht so gut hin. Wir müssen darüber reden. Johannes, du hast, als ich gesagt habe, ich habe diesen Film mit meinem Sohn geguckt, hast du sehr schockiert reagiert. Sehr schockiert. Es ist brutal, Plur. Der Film hat vorgeschichtet Disney. My Remax haben die Distribution von dem Film übernommen. Die hatten 1996, ein Jahr vorher, hatten die mit dem Studio eine Einigung erzielt, dass sie die Filme weltweit vertreiben. Ja, die wollen das. Es gab eine riesige Debatte darüber, wie wird das von der Sprache geändert? Es wurde Neil Gaiman für das englische Skript engagiert. Und der hat sich wohl ziemlich dafür eingesetzt, das so originalgetreu wie möglich zu machen. Der hat es versucht, so ein bisschen runterzukürzen. Ja, genau. Er hat Worte schon ganz schön eingekürzt. Er hat Worte eingekürzt. Aber er hat versucht, irgendwie den Geist der Vorlage zu wahren. Ja. Also gerade so die Zeichentrickfilmgeschichte ist voll von Filmen, die in der Synchronisation echt krass radikal geändert wurden. Und wenn man sich jetzt den Filmen der Synchronisation anschaut, ist schon so der grundsätzliche Gedanke. Ich meine, ich kenne kein Japan. Ich kann mich dann auch nur auf die Untertitel verlassen und so. Wenn man Leute hört, die sich damit auskennen, sind Grundgedanken erhalten geblieben. Und das merkt man auch beim Gucken, weil die Komplexität da ist. Das ist das, was wir als irritierend empfinden teilweise, wo wir nicht so ganz wissen, wo sind wir jetzt, wo wir uns ein bisschen verloren fühlen, auch in der Mythologie. Das ist irgendwie noch da. Harry Weinstein, der Arsch. Die Arschkrampe, Harry Weinstein. War verantwortlich für den Schnitt von dem Film. Also für die Kürzungen. Für die Kürzungen. Für den amerikanischen Markt. Und einer von den Produzenten von Miyazaki hat ihm ein Samurai-Schwert, ein Katana geschickt. Ich finde es so super. Mit einem eindeutigen Brief, auf dem standen, No Cuts, keine Schnitte. Und Gott sei Dank haben sie es auch nicht gekürzt. Ja. Miyazaki hat zu dem Thema gesagt, da kommen wir jetzt nämlich dazu, klar, die hätten es auch gerne gekürzt, um eine absechsende Freigabe zu kriegen. Man kann sich vorstellen, was so der Schere zum Opfer gefallen wäre, auch in Gewalt. Miyazaki hat gesagt, ihm ist es ganz wichtig, wenn er einen Film erzählt, auch für Kinder, dass Gewalt nicht ohne Konsequenzen gezeigt werden soll. Ja, ist richtig. Dass Gewalt Konsequenzen hat. Und dass gerade in dem Bereich Zeichentrick, Kinder oder auch so ein bisschen ambivalent dazwischen irgendwie, Gewalt konsequenzenlos dargestellt wird, was wiederum deutlich verheerendere Auswirkungen hat auf ein kindliches Gespür dafür, was Gewalt bedeutet und wie Gewalt aussieht. Ich kann verstehen, dass der Film eine Freigabe ab zwölf gekriegt hat. Ich würde mich, was diesen Diskurs betrifft, anlässlich vieler Diskussionen habe ich meine Recherche gemacht, was das betrifft. Medienpädagogik sagt, wenn ein Film ab zwölf ist, kannst du denen auch ein Kind ab sechs zeigen. Du zeigst einem Kind ab sechs nicht alle Filme ab zwölf. Aber es gibt, du darfst mit einem Kind ab, also Gesetz erst mal sagt tatsächlich, du darfst mit einem Kind ab sechs, darfst du einen Film ab zwölf ins Kino gehen. Aha, okay. Was total absurd ist, weil das zu so merkwürdigen Sachen führt, weil du darfst mit einem Kind, das unter sechs ist, darfst du nicht in einen Film ab sechs gehen. Das heißt, ich dürfte mit meinem fünfjährigen Sohn, also er ist mittlerweile sechs, mit meinem fünfjährigen Sohn dürfte ich nicht in, keine Ahnung, das fällt mir gerade nicht ein gutes Beispiel ein, irgendein Disney-Zeichentrick-Film ab sechs gehen. Aber mit meinem sechsjährigen Sohn dürfte ich in Jurassic Park gehen. Das ist krass, ja, okay. Das Rechtliche beiseite geschoben, Medienpädagogik sagt, eigentlich, das kann man machen. Man muss als Eltern verantwortlich genug sein und darauf achten. Da sitzen auch, da sitzen MedienpädagogInnen, aber nicht nur eben, sondern auch, da sitzen Juristen und so. Also das ist halt, ja, die können auch mal daneben liegen. Und man muss selbst schauen, was kann das Kind, was kann das Kind ab, was gefällt dem Kind. Man soll es nicht zu eng sehen. Und gerade so Gewalt, also es gibt ein paar Studien natürlich, relativ wenige, weil das immer schwierig ist. So Gewaltrezeption in Medien hat wohl keinen anhaltenden Impact bei Kindern. Das heißt, das ist einfach, Kinder vergessen das sehr schnell wieder. Als Kind hast du immer Albträume von Gewalt. Albträume sind, glaube ich, so ein festes Stable der Kindheit. Und nicht, weil du das in Filmen siehst oder in Büchern liest, sondern einfach, weil die kindliche Fantasie einfach mal krasse Pirouetten dreht. Ich kann mich halt, also wenn es um den Medienkonsum von meinem Kind geht, erinnere ich mich immer so an meine Kindheit und dass ich mich ganz oft von Sachen, die für mein Alter waren, nicht ernst genommen gefühlt habe. Ich habe auch Horrorfilme gesehen und hat es mir geschadet? Ich finde einfach, wenn man ein Kind ernst nimmt, muss man ihm auch das Recht geben, auch sowas zu sehen. Ja. Und ich glaube, der Film, ich glaube, so ein Film hat einen besseren Einfluss auf mein sechsjähriges Kind als, keine Ahnung, irgendein blödes, ab sechs Jahre runtergedämpftes, runtergeschraubtes Disney-Zeichentrick-Ding. Ich will nicht verallgemeinern. Konflikte, Ambivalenz und so weiter, das findet in Kinderfilmen viel zu wenig statt. Es wird auf Samurai geschossen und ihre Köpfe explodieren. Es ist schon krass. Der Eboshi wird der Arm abgerissen. Ja. Sie köpfen den Waldgott. Es gibt diese eine krasse Szene, wo sie, nachdem die aus der Eisenhütte gegen die Keiler, die angreifen, gekämpft haben, wo sie auf das Schlachtfeld gehen. Und das Schlachtfeld ist voll mit toten Wildschweinen und toten Menschen. Das ist schon krass. Also der Film hat auf jeden Fall einige heftige Bilder. Ja. Und heftige, also sie zeigen auch einfach Krieg. Sie zeigen die Folgen von Krieg. Es gibt den Kampf zwischen der Eisenhütte und den Samurai und es gibt den Kampf zwischen der Eisenhütte und den Keilern. Und in beiden Kämpfen, tatsächlich gegen die Keiler werden überhaupt keine Schlachtenszene gezeigt. Das ist ganz spannend. Man sieht, wie die Keiler auf das Dorf zugehen und man sieht, wie sie losziehen, um gegen sie zu kämpfen. Und dann nachher sieht man erst, wie der Aschitaka, also da sieht man erst das ganze Ausmaß, dieses Konflikt, wenn der Aschitaka über das Schlachtfeld geht, nachdem die Schlacht vorbei ist. Und dann sieht man überall die Leichen liegen. Ja. Und dann sieht man eben diese Kampfszenen, als die Samurai versuchen, die Eisenhütte zu stürmen. Und dann wird ja auch geschossen und da liegen ja auch Leichen rum. Oh, das ist wirklich, oh. Ja. Ja, ich weiß total, was du meinst. Ich glaube sogar, dass es auch Teil der Konflikte ist, die dargestellt werden, dass die Leute eben ihre Positionen haben und sehr auf ihre Positionen verharren. Also es ist definitiv kein Diskursfilm. Und ja, die Positionen werden teilweise auch in Pladitüden rausgehauen. Ja, leider. Also vielleicht zeigt der Film auch drauf und sagt, das sind Pladitüden. Er zeigt halt den Diskurs dann letzten Endes in dieser Urgewalt, die über alles hineinbricht, weil die Positionen, die sie haben, führt zu Kampf und zu Krieg. Und das wird ja auch gezeigt. Wir haben letzten Endes klare Haltungen, die aufgelöst werden, indem sie mit physischer Gewalt gelöst werden. Weißt du, wo ich das am stärksten gesehen habe, was du gerade so gesagt hast, was du dir wünschst? In den Szenen, als die Tiergötter drüber debattieren, was zu tun ist. Das stimmt. Und da gibt es ja offensichtlich auch so zwei Fraktionen, nämlich die Wölfinnen und die Wildschweine. Und die sehr unterschiedlicher Meinung sind, was zu tun ist. Und da wird ja schon so ein Debattenraum eröffnet. Und die Wildschweine wollen kämpfen und wollen angreifen. Und die Wölfe sind dann eher so ein bisschen verhalten. Und da gibt es ja, gibt es so ein Rad der Tiere fast schon, finde ich auch übrigens sehr starke Szenen, wenn diese übergroßen Tiere, die Tiergötter aufeinandertreffen und sich dann miteinander unterhalten. Und dann haben wir eine spannende Art, wie die miteinander reden, also wie das visualisiert wird. Es ist schon so dieses klassische Ding, wenn du ein Tier reden lässt, lässt du es seine Lippen bewegen. Aber es wirkt immer so ein bisschen wie mehr. Es hat so was Telepathisches fast schon, weil sie auch dabei diese Tiergeräusche machen. Und das ist schon stark. Es wird ja auch, die Sun sagt ja zu Ashitaka irgendwann, dass sie sich mit seinem Jakku, mit seinem, was war das, das Tier, das er hat, ist nicht ein Rehntier. Ah, es ist tatsächlich, es gibt kein, es ist kein real existierendes Tier. Nein, nein. Antilope ist am ehesten die Vorlage. Sie sagt, dass sie mit ihm geredet hat. Wir sehen dieses Tier ja nicht reden. Ja, ist richtig. Und wir hören es auch nicht reden. Genau. Und wir haben einfach so, es gibt offensichtlich eine telepathische Verbindung bei den Tieren und diesen Naturgeistern untereinander. Waren diese kleinen Baumgeister nicht großartig? Ich liebe sie so. Ja, und wenn man sie zum ersten Mal sieht, reagiert man auch so, wie die Protagonisten reagieren, dass man sie erst mal gruselig findet. Ja, ja, so ein bisschen. Und dann findet man sie irgendwann aber niedlich. Irgendwann gibt es so diesen Moment, wo man was klickt, gemacht im wahrsten Sinne des Wortes. Ja, ja, genau. Und man denkt so, oh, die sind toll. Und das Studio Ghibli, also vor allem Hayai und Miyazaki, die haben auch so einen Hang dazu, immer in ihren Filmen so irgendwie so kleine Wesen einzubauen, die irgendwie niedlich sind. Bei Chihiros Reisen ins Zauberland zum Beispiel sind das diese Rußmenschen. Da gibt es so einen Kohlenofen. Da gibt es so schwarze, wuschelige Viecher, die da irgendwie die Kohle schaufeln oder so, die Und das macht Miyazaki öfter so diese, naja, diese kleinen Wesen einbauen. Also dass die wirklich so in großer Zahl, die auch so ein bisschen was Geisterhaftes anziehen, auch Kami, aber die irgendwie auch niedlich sind, die man irgendwie mag. Der Tod ist allgegenwärtig. Die Natur ist auch keine, ist nicht der perfekte Gegenentwurf zur Moderne. Ja. Das wird ja auch letzten Endes so in der Konklusion des Films gezeigt, dass die halt trotzdem wieder was aufbauen wollen. Der Wald ist brutal und die Waldgöttinnen und Götter, so wie diese Moro oder so, sind halt auch wilde Bestien. Ja. Und der Waldgott selbst ist halt auch, der nimmt Leben. Das ist auch seine Aufgabe und das gehört einfach dazu, diese Brutalität des Waldes. Und ja, also ich meine, die Keiler führen Krieg, ne, das ist mehr dann, wenn die losziehen. Ja, was vor allem krass ist, ist ja auch, dass so diese, also Tod und Krankheit spielen ja eine große Rolle, aber diese Option der Heilung ist eigentlich immer präsent und die wird ja auch am Ende ganz krass umgesetzt, wenn der, also wir haben ein ganz spannendes Motiv, dass der Waldgott zuerst, nachdem er getötet wurde, voll der Zerstörer ist und dann wiederum ist es fast so, dass er ein Opfer bringt, um wieder alles zu heilen, weil am Ende sagen sie auch, der Waldgott ist tot, ne, also auch, also nachdem er versucht hat, seinen Kopf zu kriegen und, aber er hat in seinem Tod hat er den Ashitaka geheilt und er hat die Eprakranken geheilt und er hat, und die Natur wächst wieder, wir hatten ja diese gerodete Natur und als sein Leichnam quasi über das ganze Gebiet drüber geht, wird alles nochmal gereinigt und kann nochmal wachsen, das heißt, es gibt eben immer so diesen, diese Hoffnung auf Heilung und auf Versöhnung und auch auf Leben, das nach dem Tod stattfindet. Und da hat er ja wirklich was Optimistisches, weil sie hinterlassen ihre Spuren, ne, es wird dann am Schluss gesagt, sie sind nie ganz tot und sogar die Eboshi, die eigentlich die Vertreterin der Moderne war die ganze Zeit, sagt dann, okay, wir machen, wir bauen das jetzt wieder auf, aber wir machen das jetzt anders, wir versuchen es jetzt besser zu machen. Und sie hat ja wirklich so eine Redemption-Arc dadurch auch. Ja, das ist ja keine Arc, das ist ja einfach nur so. Ja, sie hat einen Redemption-Moment. Sie erfüllt halt zwei Rollen, sie ist zum einen die, ähm, die fürsorgende Mutter für ihr Volk. Ja, na klar. Und gleichzeitig ist sie aber auch die Beschützerin des Volkes und da geht sie mal maximal kriegerig vor. Ich finde, man merkt das auch, wenn sie, ähm, relativ am Anfang mit, ähm, Aschitaka redet, dann zeigt sie ihm, was sie macht und wie die Stadt aussieht und wo die Frauen arbeiten, wo die Männer arbeiten und so weiter und dann redet sie ja wirklich so nett und zeigt, was sie alles macht und dann kommen das, äh, Mononoke, San, Moro und so weiter zur Sprache und dann wechselt sie so sehr stark in diesen kriegerischen Ton. Also sie hat diese Ambivalenz die ganze Zeit in sich und man kann sich vorstellen, auch wenn sie da steht und sagt, wir bauen jetzt eine bessere Welt auf, wenn da am Horizont wieder ein paar Samurai auftauchen, die ja das streitig machen wollen, dann wechselt sie auch wieder zum Kriegsherren-Modus. Er ist eigentlich der radikalste Opportunist des Films und damit auch die unsympathischste Figur. Es ist so krass. Ich finde ein ganz, ganz starker Shakespeare-Moment, wir haben Miyazaki, grundsätzlich Miyazaki ist sehr stark inspiriert vom Westen, Miyazaki ist ein Künstler, der sich sehr stark von westlichen Mythen und von westlichen Geschichten inspirieren lässt, der hat auch ganz viele Western-Motive da drin. Es gibt noch so einen Shakespeare-Moment in diesem Film und zwar, wenn das blinde Wildschwein, der blinde Wildschwein-Gott, vermeintlich seine Wildschwein-Armee zurückkommen sieht und sagt, die Toten sind zurückgekehrt, jetzt kann ich gewinnen und das sind in Wirklichkeit Ich hatte da schon so ein bisschen Macbeth-Vibes, der Wald, der sich bewegt, der seinen Untergang ankündigt und auch dieses grundsätzliche Motiv, jetzt fällt mir nichts von Shakespeare dazu ein, jetzt fällt mir nur Goethe als erstes ein, Faust, der blind ist und deswegen nicht mitkriegt, dass die, wo er denkt, sie würden nach Gold graben, in Wirklichkeit seinen Grab schaufeln. Also ich habe auf jeden Fall auch so diese elisabethanischen, romantischen Vibes habe ich in dieser Szene auch gespürt und fand das ein unglaublich starkes Bild. Der blinde Wildschwein-Gott, der sagt, oh meine Krieger kommen zurück und dann bewegen die sich so gruselig und wir wissen, da sitzen Menschen drunter, super Szene und auch so sehr Shakespeare-ig. Obwohl man die ganze Zeit denkt, die sind sehr schnell unterwegs dafür, dass die auf allen Vieren rauchen müssen, aber gut. Die wirken fast unmenschlich in diesem Moment. Ja, Miyazaki ist wirklich stark von westlicher Kultur inspiriert, also er hat sich nach eigenen Aussagen hat er sich bei Western orientiert, also diesen ganzen Konflikt von dieser Eisenhütte gezeigt hat. Er hat auch, Moment, ich muss einmal kurz gucken, er hat nämlich auch einen Namen genannt, John Ford, die Westernfilme von John Ford haben wohl als Inspiration gedient für diese Eisenhütte und zwar, ich kenne mich mit Western noch weniger aus, also mit diesen Western kenne ich mich noch weniger aus als mit japanischer Kultur, in denen es eine Stadt von Außenseitern gibt. Die Leute, die irgendwo nirgendwo mehr hinpassen und irgendwohin fliehen, die Kranken, die Schwachen, die Witwen und Waisen, wenn man so will und dann kommt irgendwie jemand in die Stadt, der dafür sorgt, dass sie beschützt werden. Nein, nein, there is a new sheriff in town. Okay, verstehe. Und das ist wohl so ein bisschen inspiriert. Auch kurze Ergänzung noch, Miyazaki hat mal gesagt, ich bin gar nicht grundsätzlich dagegen, dass meine Filme geschnitten werden. Ich will ja, dass die ein großes Publikum erreichen. Ich bin von ganz vielen westlichen Ideen beeinflusst. Ich finde das okay. Ich will aber mitreden dürfen. Ja, ja, genau. Und die lassen mich nicht mitreden und das ist zum Kotzen. Dann sollen sie lieber gar nichts machen, bevor sie ja hier anfangen rumzuschnippeln, ohne mir was zu sagen, aber weil es auch so zu diesem Diskurs kultureller Aneignung allgemein passt, er ist da offensichtlich deutlich entspannter, als man meinen könnte. Und ihm würde es auch zustehen, weniger entspannt zu sein, aber er ist offensichtlich schon so, dass er sagt, hey, ich bin von westlicher Kultur inspiriert und beeinflusst. Bei dem Film sieht man es vielleicht noch nicht mal so, weil der ja so krass tief in die japanische Mythologie greift. Bei anderen Filmen merkt man es stärker. Und hey, ich habe nichts dagegen. Ich bin froh, wenn meine Filme ein großes Publikum erreichen. Lasst uns, ja, wir müssen keine kulturelle Segregation machen. Lass uns zusammen Kultur erschaffen. Macht Spaß. Ich finde sogar, also ich bin großer Hayao Miyazaki Fan. Ich mag Filme vom Studio Ghibli grundsätzlich, aber natürlich vor allem die von Miyazaki. Ich finde, es ist der, der, was, Exotik ist der falsche Begriff, was kulturelle Fremdheit betrifft, für mich persönlich, mit zu den, zu den krassesten gehört. Ich finde, die anderen Filme von ihm sind deutlich anschmiegsamer an westliche Sehgewohnheiten. Also das Schloss im Himmel zum Beispiel. Nausicaa ist vielleicht auch eher noch komplizierter. Also bei Mononoke ist er schon deutlich tiefer drin in japanischer Kultur und Mythologie und deutlich weniger von westlichen Sehgewohnheiten getroffen als in anderen Filmen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die anderen Filme grundsätzlich ein bisschen weniger komplex sind, weil die eher für Kinder sind. Also seine Filme sind eigentlich alle ab sechs Jahre, wenn nicht sogar teilweise ab null. Und Prinzessin Mononoke stellt da wirklich so eine Ausnahme dar. Wobei man muss auch wiederum sagen, das Wandelnde Schloss oder das Schloss im Himmel oder Nausicaa haben auch ihre brutalen und düsteren Momente. Also so sehr unterscheiden die sich auch nicht, dass ich sagen würde, dass es eine ganze FSK-Stufe gerechtfertigt. Witzigerweise sollte, als der Film gemacht wurde, Mononoke hat Miyazaki überlegt, ob das sein letzter Film sein sollte. Stimmt, ja, ja, aber dann war der sehr erfolgreich. So ein bisschen Running Gag von ihm, dass er immer mal wieder seinen letzten Film dreht. Ich glaube, er hat schon fünfmal seinen letzten Film gedreht. Und dann habe ich glaube wirklich, vor zehn Jahren oder so, hat er wirklich Schluss gemacht. Aber toller Regisseur, also schaut euch die Filme an. Grundsätzlich Studio Ghibli steht für große Zeichentrehkunst. Aber bei Miyazaki macht man nichts falsch. Von Nausica aus dem Jahr 1984 bis zu Ponyo aus dem Jahr 2008. Alles sehenswert. Aber nie so stark wie ein Prinzessin Mononoke. Also da ist es wirklich am stärksten ausgeprägt. Und Mononoke, würde ich sagen, ist auch der Film von ihm, der am appellativsten ist. Ja gut. Der am meisten missionarisch ist und sehr starke Botschaften rüberbringen will. Wenn wir bei Öko-Botschaft sind, wollen wir denn in unsere Top 3 hineinrutschen?
Johannes Franke: Unsere Top 3.
Florian Bayer: Wie viel hast du? Hast du Honorable Mentions? Nein, ich fand es wahnsinnig schwer. Ich fand es auch schwer. Das Problem ist, wenn Filme so missionarisch sind, dass das ganz oft kommt nicht hin. Star Trek hatte schon immer, es gibt ja immer so, die Nerdkultur ist so toxisch. Es gibt ja Leute, die sich furchtbar drüber aufregen, dass Star Trek die neuesten Serien, also Picard und was war das davor? Keine Ahnung. Ich bin kein Trekkie. Dass die so schrecklich divers wären und so Vogue und so weiter. Und ausgerechnet Star Trek ist ja ein Musterbeispiel von einer Franchise, die schon immer krass war, was das betrifft. Die waren eine der ersten, die überhaupt so einen diversen Cast hatten. Der erste kurz zwischen einem weißen und einer schwarzen. Genau. Originalserie. Dann weiblicher Käpt'n in den 90ern bei Voyager. Ja. Ein schwarzer Käpt'n bei Deep Space Nine. Total krass. Und die hatten schon immer so krasse diverse Casts und auch diverse Themen. Auch sowas wie Data. Data kriegt ein Kind und sagt, mein Kind darf sein Geschlecht auswählen. Ich bestimme nicht, ob das Junge oder Mädchen ist. Also Star Trek war schon immer sehr progressiv, was das betrifft. Und ich hasse den Begriff Vogue. Aber auch nur, weil er von Rechten so benutzt wird, um da drauf zu hauen. Es ist so absurd, dass sich dann Trackies darüber aufregen, dass Star Trek auch vieles andere so verdorben wäre, weil es so woke geworden ist. Leute, kennt ihr überhaupt die Franchise? Ja, genau. Egal. Platz drei bei mir, Wall-E. Die Menschen haben die Erde zu einem Planeten gemacht. Ich hab Platz zwei Wall-E. Ja. Mein Platz zwei ... Ich musste einmal die volle, harte Botschaft und missionarisch und alles, weil es wirklich ein guter Film ist und weil es wirklich ein wichtiger Film ist. Und alle haben sich über ihn lustig gemacht, aber er hatte fucking recht. Und zwar vor 15 Jahren. Al Gore. Eine unbequeme Wahrheit. Inconvenient Truth. Der hat alles da schon auf den Tisch gelegt und alle haben Wüsse über ihn gemacht. Guckt euch das an, dann seht ihr, was unsere Generation, die fucking Millennials, versaut haben. Vor 15 Jahren. Und er hat sich auf Infos bezogen, die damals schon 20, 30 Jahre alt waren. Wir hätten es alle kommen sehen müssen. Und jetzt sitzen wir hier und schwitzen. Hat sie dafür nicht zumindest eine Nominierung abgeräumt beim Oscar? Ja, auf jeden Fall interessant. Ja, den könnte man auch mal wieder gucken. Ja. Golden Globe nominiert. Sie hat gewonnen. Yes! Beste Schauspielerin bei den 73. Academy Awards 2001. Ja. Schön. Mein Platz 1. Ja. Ich wollte auf Platz 1, weil die Menschen kapieren es ja anders nicht, dass Badass Motherfucker Nature zurückschlägt. Und deswegen habe ich den Klassiker genommen. Die Vögel von Alfred Hitchcock. Mach die Menschen fertig. Aber wir wissen ja nichts. Also der Film erzählt ja nichts über ... Nein. Ich finde, es gibt so viele Arten, wie man den Film interpretieren kann, aber die ökologische ist natürlich auch eine Möglichkeit. Das stimmt vielleicht, ja. Aber der Film bietet es nicht explizit an. Wenn der Film was explizit anbietet, dann, dass die Vögel eine Verkörperung der Eifersucht der Mutter sind, weil ihr Sohn ihr Nesthäkchen eine romantische Beziehung eingeht mit einer zwielichtigen Dame.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Wir haben jetzt sehr lange darüber geredet. Du hast mir ein Fazit versprochen. Du hast mir eine Bewertung versprochen von 1 bis 10. Es war so witzig, es war in Japan der erfolgreichste Film aller Zeiten. Unglaublich. Ein Jahr lang. Danach kam die Tatek. Ja, genau. Scheiß Leonardo DiCaprio. Ich verstehe es nicht, weil sie haben sich wirklich Mühe gegeben, wenn du dir den Voice-Over-Cast anguckst. Stimmt. Das ist richtig prominent besetzt. Die haben für die Synchronisation ... Clyde Danes war mit dabei. Genau, Claire Danes und Mini Driver war dabei. Jada Pinkett-Smith war dabei. Billy Bob Thornton, der hat den Chico gesprochen. Also es war wirklich prominent besetzt. Sie haben sich wirklich Mühe gegeben, also wie man es halt damals in den 90ern gemacht hat, wenn man für einen Zeichenträger vermarktet hat. Man hat sich gute Synchronisation. Man hat sich bekannte, nicht gute, man hat sich bekannte SynchronsprecherInnen gesucht. Ja. Und in Deutschland wiederum, finde ich, haben sie sich gute SynchronsprecherInnen gesorgt. Ich finde, das ist ein Film, den man sehr gut gucken kann auf Deutsch. Ich finde es tatsächlich eine sehr gute Synchro, muss ich sagen. Ja, ja. Ich bin auch sehr zufrieden damit. Also nicht bekannte SchauspielerInnen, aber bekannte Namen. Also man hört die Stimmen und man weiß, ach, das ist doch die Stimme von irgendeiner Figur aus irgendeiner Zeichentrickserie oder irgendeinem Zeichentrickfilm. Man kennt die Stimmen. Und es sind gute Stimmen, die schon lange im Business sind. Also es ist eine gute Synchronisation. Ich würde einmal kurz werben dafür. Man kann sich die deutsche Synchro angucken. Die englische Synchro kenne ich gar nicht. Vielleicht sollte man da auch mal reinhören. Vielleicht ist das ganz spannend. Der Film wurde von Japan eingereicht. Ja, aber nicht beachtet. Als bester fremdsprachiger Film, weil damals gab es noch nicht den besten Zeichentrickfilm, besten Animated Feature Film als Kategorie und wurde allerdings, hat es allerdings nicht geschafft in die offizielle Nominiertenliste, was wirklich schade ist. Ich finde, das wäre ein Zeichentrickfilm, der auch, es ist einfach ein Zeichentrickfilm, der auch mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als bloß als Zeichentrickfilm rezipiert zu werden. Heute sagt man das vielleicht so ein bisschen selbstverständlicher, dass es auch Animationsfilme für Erwachsene geben kann. In den 90ern war das noch eher ein Novum, vor allem für das westliche Publikum. Also Ghibli hat durchaus schon, die machen ja seit den 80ern schon Filme, die nicht nur an Kinder gerichtet sind. Also auch wenn die Filme, die Ghibli davor gemacht hat, tendenziell eher in die Richtung gehen, das kann man sich mit einem sechsjährigen Kind angucken, sind die deutlich universeller. Ja, und ich mag den Film auch, also mal, natürlich ist die, visuell ist das ein Hochgenuss, also unfassbar gut gezeichnet, unfassbar schöne Bilder, großartige Animationen. Aber ich mag den so sehr, dass ich, ich würde gerne Realfilm sehen davon, ich würde unglaublich gerne Realfilmung davon sehen, weil ich mir vorstellen könnte, da könnte man wirklich nochmal andere spannende Bilder rausziehen. Ja, und der bringt diese, diese Edginess mit, dass er eben auch nicht unbedingt Zeichentrickfilm sein muss. Maybe, vielleicht irgendwann mal, vielleicht, ich meine, Disney macht ja gerade die ganzen Remacks von ihren alten Zeichentrickfilmen, wenn sie damit fertig sind, knöpfen sie sich vielleicht Ghibli vor und dann werde ich bereuen, was ich gerade gesagt habe. Ja, genau, wollte gerade sagen. Nein, großartiger Film von einem fantastischen Richtseur, der es wirklich wert ist, entdeckt zu werden. Schaut ihn euch an. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes für mich nächste Woche hat, aus Japan oder Korea oder USA, bleibt dran. Du weißt, dass das Ding sieben Stunden dauert oder so. Fuck. Bis nächste Woche, bleibt gesund. Ciao. Bis dann, ciao.
Johannes Franke: Jo, Blur.
Florian Bayer: Und jetzt full Transparency. Wir haben da gerade eben auf dem Balkon bei der Nachsprechung drüber geredet. Und ich habe gesagt, ich habe irgendwie als Kind so einen gesehen, so einen Geisterfilm. Aber ich habe keine Erinnerung mehr daran. Ja. Und dann hat Johannes einmal Rotten Tomatoes aufgemacht, wie man das so macht. In dem Fall geguckt, was sind denn so die beliebtesten Jerry Lewis-Filme? Weil der ist so überaktiv und seltsam. Ich bin auch voll gespannt. Auf jeden Fall, ja, Dean Martin, Jerry Lewis, Gerd Stiff, 1953, ab sechs Jahre. Sehr gut. Gruselkomödie. Ich bin, ja, I'm intrigued.
