Episode 96: Die Reifeprüfung – Filmklassiker versus Feminismus
Die Reifeprüfung – Originaltitel: The Graduate – aus dem Jahr 1967 erzählt die Geschichte des 21 jährigen Benjamin Braddock, der gerade das College abgeschlossen hat und den Sommer zu Hause bei seinen Eltern verbringt. Aber der junge Absolvent fühlt sich unwohl in der von Oberflächlichkeiten geprägten Welt der oberen Mittelschicht. Er weiß nicht wohin mit sich und hat nur ein vages Gefühl davon, dass sein Leben irgendwie anders aussehen soll.
Mrs. Robinson, die Ehefrau des Geschäftspartners seines Vaters nutzt die Verlorenheit Benjamins gnadenlos aus und verführt ihn. Trotz einigem Widerstand von seiner Seite beginnen die beiden schließlich eine Affäre, die den gesamten Sommer anhält. Aber da gibt es auch noch ihre Tochter Elaine, mit der ihn seine Eltern nur allzu gerne verkuppeln würden. Bei dem von den Älteren arrangierten Date passiert es dann auch noch tatsächlich, dass Ben sich in Elaine verliebt, was nachvollziehbarerweise alles andere als Begeisterungsstürme bei Mrs. Robinson auslöst.
Auf dem Papier eine straight forward erzählte Romcom… und zumindest meiner Meinung nach doch sehr viel mehr. The Graduate ist ein ungemein reicher Film: Reich an Bildsprache, reich an subtilen thematischen Einschüben, reich an satirischen Spitzen und einer dichten Inszenierung, die ihn zu einem Wegbereiter und Musterbeispiel des New Hollywood werden lässt.
Aber vielleicht siehst du es ja doch eher wie der späte Roger Ebert, Johannes, und erblickst hierin nicht mehr als eine nette – mit dem für seine Zeit Skandalösen spielende – Tragikomödie. Ich hoffe doch nicht, und bedenke bei deiner Antwort, dass du hier einer meiner absoluten Lieblingsfilme vor dir hast.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 96: Die Reifeprüfung – Filmklassiker versus Feminismus Publishing Date: 2022-11-04T07:52:40+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/11/04/episode-96-die-reifepruefung-filmklassiker-versus-feminismus/
Johannes Franke: Wir haben ja die Hälfte der Leute verloren, weil sie googeln müssen.
Florian Bayer: Ja, die Hälfte der Leute, die wir davor verloren haben, weil du gesagt hast, dass Benjamin Braddock ein ausgemachter Psychopath ist.
Johannes Franke: Okay, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Plur. Was machen wir jetzt mit diesem Film? And here's to you, Mrs. Robinson Jesus loves you more than you will know Whoa, hey, hey, hey.
Florian Bayer: Danke, Johannes. Und jetzt das Ganze bitte nochmal, um einer großartigen Frau der Geschichtetribut zu zollen, die wegen diesem Film vergessen wurde von Simon und Gafanke. Ich möchte noch mal das Ganze hören mit Mrs. Roosevelt.
Johannes Franke: Stimmt, ich erinnere mich. And here's to you, Mrs. Roosevelt. Jesus loves you more than you will know. God bless you please, Mrs. Roosevelt. Heaven holds a place for those who pray.
Florian Bayer: Eleanor Roosevelt, wir verbeugen uns vor Ihnen. Das tut uns schrecklich leid.
Johannes Franke: Wir haben Ihnen Ihren Platz in der Musikgeschichte genommen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es tut mir zu leid.
Florian Bayer: Aber ich glaube, sie hat sonst so viele Plätze in der Geschichte, dass das okay ist, dass sie auf diesen einen Platz verzichten kann. Ja. Ihr habt es vielleicht schon erraten, was für ein Film drankommt diese Woche.
Johannes Franke: Und zwar die Reifeprüfung.
Florian Bayer: Aus dem Jahr 1967, The Graduate.
Johannes Franke: Möchtest du Tee haben?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne, bitte. Ein, zwei Stück Zucker? Ja, zwei Stück passen.
Johannes Franke: Zwei Stück, ah.
Florian Bayer: Vielen Dank, vielen, vielen Dank. Genau, wir werden uns heute einem weiteren New Hollywood Klassiker widmen, nachdem wir vor einiger Zeit über Bonnie und Clyde geredet haben aus dem selben Jahr. Das ist schon eine Weile her. Und ich glaube, ich habe in der Ankündigung schon gesagt, dass... Das hier der Film auf jeden Fall ist aus dem New Hollywood Bereich, den ich deutlich lieber mag als Bonnie und Clyde und der mich schon sehr lange begleitet. den ich sehr liebe.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Johannes, du kanntest ihn vorher nicht, ne?
Johannes Franke: Ich habe ihn nicht vorher gesehen und alle haben mich immer stirnrunzelnd angeschaut und haben gesagt, aber du magst Film, wieso kennst du diesen Film nicht?
Florian Bayer: Es ist auch total überraschend, weil es ist eigentlich so ein Film, der in dein Beuteschema fallen würde, würde ich meinen, so zumindest vom Thema und vom
Johannes Franke: Weil ich gerne als 21-Jähriger mit meiner Lehrerin, Nachbarin, mit wem auch immer geschlafen hätte?
Florian Bayer: Du meinst als 30-Jähriger mit einer 36-Jährigen? Ah ja. Aber ganz viele Sachen, zu denen wir noch kommen werden. Und ja, spannend. Vor allem, weil ich habe... in Vorbereitung auf diese Folge nochmal, um das vorweg zu schicken, einen Podcast gehört, der Miss Bechtel heißt, der den Bechtel-Test... für alle, die das nicht kennen, auch Filme anwendet, wo geprüft wird, wie ein Film feministischen Standpunkten von heute standhalten kann. Ja. Und dieser Film fällt natürlich krachend durch den Bestelltest. Natürlich. Kurz, um das nochmal zu sagen, für alle, die es nicht kennen.
Johannes Franke: Unterhalten sich irgendwann. Mal zwei Frauen miteinander, ohne über einen anderen Mann zu sprechen.
Florian Bayer: Ohne über einen Mann zu sprechen? überhaupt und ist es plotrelevant?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das sind so die drei großen Fragen und mittlerweile vom Feminismus unserer Zeit so ein bisschen ergänzt, nicht einfach zwei Frauen, sondern zwei Personen eines marginalisierten Geschlechts. Das heißt, es kann auch zum Beispiel sein, dass Non-binäre oder transidentitäre Menschen sich miteinander unterhalten. Und da fällt dieser Film ziemlich durch und ich glaube, es ist auch ganz spannend, den aus dieser Perspektive auch nochmal zu betrachten. Aber wir werden ganz viel anderes rundherum aufzuwühlen haben und ich würde einfach mal starten mit meinem Text.
Johannes Franke: mal, worum es geht und dann können wir reingehen. Plastik. Es geht um Plastik.
Florian Bayer: Die Reifeprüfung. Originaltitel The Graduate aus dem Jahr 1967 erzählt die Geschichte des 21-jährigen Benjamin Braddock, der gerade das College abgeschlossen hat und den Sommer zu Hause bei seinen Eltern verbringt. Aber der junge Absolvent fühlt sich unwohl in der von Oberflächlichkeiten geprägten Welt der oberen Mittelschicht. Er weiß nicht wohin mit sich und hat nur ein vages Gefühl davon, dass sein Leben irgendwie anders aussehen soll. Miss Robinson, die Ehefrau des Geschäftspartners seines Vaters, nutzt die Verlorenheit Benjamins gnadenlos aus und verführt ihn. Trotz einigem Widerstand von seiner Seite beginnen die beiden schließlich eine Affäre, die den gesamten Sommer anhält. Aber da gibt es auch noch ihre Tochter Elaine, mit der ihn seine Eltern nur allzu gerne verkuppeln würden. Bei dem von den Älteren arrangierten Date passiert es dann auch noch tatsächlich, dass Ben sich in Elaine verliebt. was nachvollziehbarerweise alles andere als Begeisterungsstürme bei Mrs. Robinson auslöst. Auf dem Papier eine straightforward erzählte RomCom. Und zumindest meiner Meinung nach sehr viel mehr. The Graduate ist ein ungemein reicher Film, reich an Bildsprache, reich an subtilen thematischen Einschüben, reich an satirischen Spitzen und einer dichten Inszenierung, die ihn zu einem Wegbereiter und Musterbeispiel des New Hollywood werden lässt. Aber vielleicht siehst du es ja doch eher wie der späte Roger Ebert-Johannes und er blickst hierin nicht mehr als eine nette mit dem für seine Zeit skandalösen spielende Tragikomödie. Ich hoffe doch nicht und bedenke bei deiner Antwort. Dass du hier einen meiner absoluten Lieblingsfilme vor dir hast. Bitte.
Johannes Franke: Ich hatte noch nie so viel Spaß bei einem Film, den ich richtig schlecht fand.
Florian Bayer: Oh, interessanter Take. Lass hören.
Johannes Franke: Ich finde alles an diesem Film dated. Es ist alles nicht mehr zu ertragen. Aber macht streckenweise sehr viel Spaß dabei.
Florian Bayer: Du meinst thematisch vor allem dated, oder?
Johannes Franke: Thematisch dated, aber auch... Also natürlich, er hat kameratechnisch viel zu bieten. Ich finde, dass der Kameramann sehr viel gute Arbeit geleistet hat und dass das natürlich nicht großartig dated ist. Also das ist einfach. für gute Arbeit.
Florian Bayer: Ja, Robert Surtees, der als Kameramann hier großartige Bilder findet.
Johannes Franke: viel Arbeit mitgeleistet hat, die der Regisseur hätte leisten sollen, weil der Regisseur einfach mal neu war und keine Ahnung hatte groß. Und der Kameramann dann viel einfach mitarbeiten musste und sagen musste, wir machen das mal lieber so oder wir machen das mal so. Und ich finde auch, dass viel davon sehr darauf hinweist, dass dieser Mensch, der das gemacht hat, der die Regie geführt hat, naiv an bestimmte Sachen rangegangen ist oder sehr diese, das ist auch für ihn eine reife Prüfung muss man einfach sagen.
Florian Bayer: Mike Nichols, um den Namen einmal zu sagen, der vor dem Film schon sehr viel Erfahrung im Theater, Comedy und Broadway gesammelt hat.
Johannes Franke: Ja, was man auch bemerkt.
Florian Bayer: Gerade die Art Humor pointiert zu inszenieren, Timing. ist total von alten Sketchen, die er auch gemacht hat, inspiriert und der davor eigentlich nur einen großen Film hatte und zwar Wer hat Angst vor Virginia Woolf aus dem Jahr 1966, den ich Abgöttich Liebe, eine der besten Theaterverfilmungen überhaupt. Und der seitdem aber eine Menge an Filmen gemacht hat, also Catch-22 aus dem Jahr 1970. Sodbrennen, die Waffen der Frauen hautnah, bis zur heutigen Zeit hat der Film inszeniert und der gilt als großer Regisseur.
Johannes Franke: Ich finde, dass dieser Film, es gibt so viele Momente, wo man sagt, oh Gott, das kannst du nicht sagen, mach das nicht, nein, bitte nicht. Furchtbar. Ganz, ganz schlimm. Es gibt so viele wirklich schlechte Entscheidungen. Des Films. Des Films, der Inszenierung und man muss sich dann auch, selbst wenn das Drehbuch da ist, muss man einfach sich hinsetzen und sagen, wir schreiben das Ding irgendwie sinnvoll. voll um. Aber das war halt in der Zeit so auch nicht angelegt. Man hätte... Man hat bestimmte Sachen noch nicht so gesehen damals, wie ja Roger Ebert das eben auch sagte. Am Anfang hat er ihn total gefeiert als die beste Komödie des Jahres. Und dann 30 Jahre später hat er gesagt, ja gut, okay, da ist vielleicht einiges dann noch nicht mehr so gut gewesen.
Florian Bayer: Es ist total ein Film seiner Zeit. Also das kann man schon mal festhalten. Es ist eine Verfilmung von einem Buch aus den 60ern. Die Reifeprüfung, die literarische Vorlage ist aus dem Jahr 1963 von Charles Webb. Und ich habe es nicht gelesen, aber wenn ich es richtig verstanden habe, ist es doch ein gutes Stück seichter als der Film. Und der Film selbst ist aus dem Jahr 1967 und hat natürlich diese krassen 60er Jahre Themen. Und um das inhaltlich zumindest so einmal mitzugeben, was wir hier betrachten, ist natürlich die Jugend von den Buhmern, ne? Unsere liebsten Feindbilder aus unserer linken Vogue-Bahn. als Millennials oder Generation Z oder was auch immer.
Johannes Franke: Ja, vielleicht finde ich diesen Film deswegen auch so gut. Und das ist ganz
Florian Bayer: spannend auch zu sehen, aus der Perspektive, um nochmal zu dem Bechtel-Test zurückzukommen, da haben sie es ziemlich gut auf den Punkt gebracht, naja, wir sehen hier die Jugend von Buhmann, die Aufbegeben Aber wir wissen ja alle, wie es geendet hat. Und ich glaube, das gibt es teilweise in diesem Film auch. Ich glaube, es gibt einige Entscheidungen von der Inszenierung. die das so ein bisschen mittragen, was man subtil darin entdecken kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: nichts daran erinnert, dass ich deine Position erstmal komplett nachvollziehen kann, wenn man einen Film aus einer heutigen Perspektive betrachtet, aus einem feministischen Standpunkt, aus einem Standpunkt mit der Moral unserer Zeit, sieht man erstmal wow. Da sind einige Sachen, einige Inszenierungsmuster, einiges an Geschichte, was erzählt wird, was schräg ist, was komisch ist. Und was auch nicht dadurch, wie der Film es macht, gerettet wird.
Johannes Franke: Ich würde gerne am positiven Ende starten.
Florian Bayer: Am positiven Ende?
Johannes Franke: Nein, nicht am positiven Ende im physischen Sinne, sondern einfach auf der Skala von schlecht bis gut würde ich gerne die positiven Sachen einmal abhaken. Ja. Damit du ganz viel lästern kannst über den Film. Aber ich finde, die Grundvoraussetzung, den Grundgedanken, den der Regisseur hatte, als er das Buch gelesen hat und gesagt hat, das interessiert mich, den fand ich tatsächlich ziemlich gut. Es geht ihm vor allem um Mrs. Robinson und wie ich das so richtig rausgehört habe, geht es den meisten Zuschauern, zumindest in den 60er, 70er, 80er. Vor allem um ihn. Aber auch mir als Zuschauer geht es eher um Mrs. Robinson. Ja. Finde ich ganz toll. den Gedanken zu sagen, wir haben hier eine Frau vor uns, die sehr wenig von sich selbst hält anscheinend. und ein echtes Problem mit Self-Esteem hat und die sich quasi, wie er es gesagt hat, Und die einfach nichts aus dem Leben gemacht hat, was sie hätte gemacht. machen können. Und das hätte er aber auch viel besser noch nach vorne holen können. Warum hat er die Chance nicht genutzt? Er hat so viele gute Ideen, glaube ich, da drin gesehen, die alle aber nicht ausgearbeitet haben.
Florian Bayer: Es gibt zwei starke Szenen, vielleicht drei, in denen wir diesen Charakter Miss Robinson näher kennenlernen. Die eine ist, als die Affäre gerade läuft. zwischen Benjamin und ihr, wo dieser Benjamin immer mal wieder darauf insistiert, dass sie sich nochmal unterhalten könnten. Und dann liegen sie zusammen im Bett und sie ist so ein bisschen genervt davon, weil er will sie kennenlernen und fragt sie so ein bisschen aus, wie ... Warum sie dann geheiratet hat und was passiert ist. Und dann erfahren wir eben, dass sie sehr jung schwanger war. sehr jung schwanger wurde und deswegen geheiratet hat. Und es gibt einen wirklich traurigen Moment in diesem Dialog. Er will mit ihr über irgendwas reden und sie sagt, ach, ich weiß nicht, dann lass uns über Kunst reden. Und dann fragt er, ja, was wollen Sie über Kunst reden? Sie sagt, ich habe keine Ahnung von Kunst. Und dann geht dieses hin und her noch so ein bisschen weiter und irgendwann kommt es halt zum Thema Studium und dann fragt sie, was haben Sie studiert? Und dann sagt sie Kunst. Und zwar dieses Art haut sie mit so einer unfassbaren Traurigkeit und Resignation in ihrer Stimme raus. Und er ist so ein Nullchecker, er lacht da noch kurz drüber. Das überrascht mich jetzt. Und dann stellt er fest, oh shit. Benjamin, unser Protagonist, ist immer ein bisschen langsam, wenn es darum geht zu verstehen, was Menschen um ihn herum empfinden. Ja. Auf jeden Fall, in diesem Moment sehen wir Miss Robinson als sehr verletzte, sehr verletzbare Frau. Die halt wirklich hier so ein, ja einmal bedauern über ihr ganzes Leben, seit ihr im College rüberbringt und wo man merkt, ihr Leben hätte auch irgendwie anders sein können. Und sie versucht sich so irgendwie offensichtlich mit dieser Affäre so ein Stück Freiheit zu greifen. Es ist ja auch ein anderer Filmkritiker hat darauf hingewiesen, es ist erstaunlich, Ganz am Anfang der Szene, wenn sie zum ersten Mal verführt und sich komplett auszieht und offensichtlich jetzt mit ihm Sex haben will. Da ist er ja so sehr zögernd und sagt so, wenn ihr mal nach Hause kommt und sie meint, ach, der ist stundenlang weg. Der Mann kommt allerdings nach fünf Minuten nach Hause. Wollte sie erwischt werden? dass irgendwas passiert. Und die zweite große traurige Szene ist, wenn sie schon in der Kirche sind. und Elaine geheiratet hat und Miss Robinson so zu ihr sagt, es ist zu spät. Man merkt diese Die tiefe Wut, die sie in sich trägt und diese, ja, so eine Art von gehässigem Wunsch, dass ihre Tochter jetzt genau dasselbe Leben, wie sie führt, weil es halt einfach so bei ihr so schief gelaufen ist. Und diese Frustration, als ihre Tochter dann sagt, nee, nicht für mich, ich mache das irgendwie anders und dann wegrennt.
Johannes Franke: Ja, und ich finde, das ist die Stärke des Films. den der Film nicht auskostet, sondern das passiert in zwei Szenen, in einem Film, der echt lang ist, also sich zumindest lang anfühlt. Und dann hast du so zwei, drei kleine Momente, wo du denkst, oh ja, ja, ja, komm, wühl darin rum, ich will mich da gerne reinpoolen. in diese Teil der Geschichte. Aber nein, er geht in diesen sexistischen Scheiß rein.
Florian Bayer: Im Zentrum steht Benjamin Braddock. Das ist unser Protagonist, ganz klar.
Johannes Franke: Ja, großer Fehler, ganz großer Fehler.
Florian Bayer: Ich würde ihn aber nicht, ich weiß, man kann über diesen Benjamin Pradox sehr viel herziehen. Ich finde ihn einen sehr spannenden Protagonisten. Ich finde, er trägt auch... Er hat mehr in sich, als man auf den ersten Blick sieht. Er ist nicht einfach nur... Um mal dieses Sexistische aufzuwerfen. Das sexistische Narrativ ist, dass er halt dieser junge, unschuldige Typ ist. der von ihr verführt wird. Und sie macht das mit allen Möglichkeiten der Kunst und er kann dem gar nicht entgehen. Und dann verliebt er sich aber unsterblich in ihre Tochter und sie verliebt sich auch in ihn. Und eben geht es dann darum, mit ihrer Tochter zusammenzukommen, trotz aller Widrigkeiten, obwohl es so viel Kraft von außen gibt, die das versucht zu verhindern, vor allem von ihr. Und dann schafft er es am Schluss, Gott sei Dank, und sie heiraten und reiten glücklich in den Sonnenuntergang.
Johannes Franke: Das stimmt ja schon auch nicht, die Beschreibung. Also nichts daran stimmt wirklich.
Florian Bayer: Aber dieses Narrativ, wenn man sagt, das ist das Narrativ des Films, ist das, was ihn sexistisch und outdated wirken lässt, oder?
Johannes Franke: Ja. Ja. Aber eigentlich ist er ja mehr als das, wie du sagst. Er ist nicht nur sexistisch, sondern er ist eigentlich auch noch ein Psychopath. Also es ist schon echt hart.
Florian Bayer: Und in dieser Geschichte, wo er ganz viele Dinge macht, die dann affirmativ begleitet werden. Zum Beispiel, dass er sie voll stalkt und sie total belästigt und sagt, jetzt komm, lass uns heiraten, lass uns heiraten und so. Und sie dann dem irgendwie nachgibt. Aber das ist so dieser große Rahmen. Ich glaube, was dieser Film subtil immer drin trägt, ist... Und was in der Endszene dann nochmal sehr stark nach vorne gekehrt wird, dass er eigentlich total verloren ist, dass er total lost ist. Absolut, ja, ja. dass seine Versuche, sich zu befreien, dass das auch alles so ein bisschen Placebos sind, dass diese Liebe zu Elaine, die er dann empfindet, Dass die auch irgendwie eine Suche nach einem Placebo ist, so wie Miss Robinson ihn benutzt, um sich irgendwie freizufühlen benutzt. Er hat diese Liebe... zu Elaine, diese vermeintliche Liebe. Er hat sie ja einmal gesehen bei einem Date. benutzt die, um irgendwie da ausbrechen zu können. Aber seine Ausbruchsversuche bleiben halt auch immer irgendwie so verloren Ausbrechversuche. Ja, Er ist jemand, der einfach nicht weiß, wohin.
Johannes Franke: Aber ich kann keine Sympathie mit ihm haben. Das ist ein bisschen das Problem.
Florian Bayer: Aber ich glaube, wenn man dieses Narrativ nimmt, wenn man diese Darstellung nimmt, dann geht es gar nicht darum, dass wir uns mit dem identifizieren sollen oder mit ihm Sympathie haben sollen, sondern einfach, dass wir eine Verlorenheit sehen von einer Generation, die eben in diesem … Reichen in diesem Wohlstand groß wird.
Johannes Franke: Ja, das ist natürlich Wohlstandslangeweile, aber ich glaube nicht, dass wir das Und das macht der Film ja diese Generation auf. Er macht eine Stimme einer Generation auf. Aber das stimmt ja auch nicht. Das ist einfach ein Psychopath und nicht die ganze Generation ist psychopathisch. Der ist einfach echt knallhart psychopathisch, dieser Typ. Der liegt die ganze Zeit im Pool. Wenn jemand fragt, was machst du denn, sagt er, nichts, mir ist doch egal, ich bleibe jetzt hier. der Egel wohnt jetzt hier, das ist so ein, weiß ich nicht, das ist so... Er macht diese eine Ehe kaputt, dann spricht die Frau einmal von ihrer Tochter. Und er denkt sich, ach ja, na dann, wenn sie jetzt ihre Tochter schon anspricht und sagt, ich soll das nicht machen, dann mach ich das mal. Völlig absurd und es hat nichts mit Liebe zu tun, weil er sie nicht sieht und sich verlieben kann. Es funktioniert einfach nicht. Die Szene, wie sie erzählt wird... wird nicht so erzählt, dass er sich verliebt.
Florian Bayer: Gehen wir mal kurz in die Pathologie rein. Ich kenne diesen Ansatz der Interpretation, dass Benjamin eigentlich ein Psychopath ist. Finde ich witzig als Gedankenkonstrukt, finde ich aber absolut fehlerhaft. einen Platz bei diesem Film. Ja, also ich meine, das kann man machen, so als satirische Überreizung. Aber ich glaube, also... Psychopathie wird ja als Persönlichkeitsstörung definiert und zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass komplett Empathie fehlt. dass jedes Gefühl von sozialer Verantwortung und von Gewissen fehlt. Oft Teil des Ganzen ist, dass sie sehr charmant wirken, dass sie Beziehungen aufbauen, die aber sehr oberflächlich bleiben und dass sie in diesen Beziehungen manipulativ arbeiten.
Johannes Franke: Genau. Vorgehen.
Florian Bayer: Also offensichtlich hat Benjamin ja von Anfang an irgendwie ein Gefühl von sozialer Verantwortung, weil er das ganze Zeug mitmacht.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Naja, wir sehen, am Anfang lernen wir Benjamin als jemanden kennen, der getrieben wird durch die Handlung von seinen Eltern und er macht es mit.
Johannes Franke: Ja gut, okay, aber das hat ja nichts mit sozialer Verantwortung zu tun, das hat was damit zu tun, mit Abhängigkeit zu tun. Ja, Abhängigkeit. Abhängigkeit von seinen Eltern und dem, dass er da irgendwie Essen auf dem Tisch bekommt und dass er dann ein Dach über dem Kopf hat.
Florian Bayer: Aber er ist ja schon auch jemand, der in so eine Rolle gedrängt wird und er versucht auch irgendwie und er versucht sich irgendwie damit zu arrangieren, aber er ist unglücklich damit. Also wir erleben ihn in seinem Zwischbald, wie er mit dieser Rolle umgeht. Ja. Und wie er die Erwartungen erfüllen kann, aber es klappt nicht so ganz. Also er wird von seinem Vater unter Wasser gedrückt. Ja, ja. Ganz toll übrigens die erste Szene. Wenn er mit diesem leeren Blick auf dem Rollfeld sich bewegt, dann sehen wir auch das Gepäck. Und er wird quasi wie Gepäck auf diesem Rollfeld bewegt. Er kämpft damit irgendwie. Die soziale Verantwortung bringt ihn ja, ist ja auch mit ein Teil, der ihn in diese Affäre mit Miss Robinson bringt, weil sie sagt ja, er soll sie nach Hause fahren, das macht er. weil er sich da irgendwie verantwortlich fühlt. Auch wenn er nicht will, geht er mit rein, weil sie ihn da reinlockt. Naja, wie würdest du das sonst sehen? Also er hat doch, in dem Moment hat er nicht den geringsten Gedanken an eine Affäre oder Lust auf eine Affäre mit ihm.
Johannes Franke: Um Gottes Willen. Aber ich glaube, man ist ja nicht gleich perfekt als Psychopath, ne? Also man muss ja auch erst mal lernen. Man macht die Reifeprüfung als Psychopath.
Florian Bayer: Genau. Das ist ein Abschluss.
Johannes Franke: Er muss ja auch erstmal rausfinden, wie funktionieren Menschen denn? Das ist ja das große Ding von Psychopathen. dass sie versuchen, rauszufinden, erstmal eine ganze Weile, und viele brauchen sehr lange, ihre ganzen 20er, Müssen die 20.000 Beziehungen durchmachen, um herauszufinden, wie Leute funktionieren und was die hören wollen. Und das ist der Anfang einer solchen Sache unter Umständen.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist ein bisschen farfetched. Ich weiß nicht. Dafür gibt es viel zu viele Momente, wo er sich awkward verhält, wo er unsicher ist.
Johannes Franke: Auch nicht, dass das irgendjemand beabsichtigt hat. Das ist das große Problem von dem Film ja auch. Ich glaube nicht, dass der Regisseur das wollte oder der Autor des Buches das wollte. Aber es ist genau so inszeniert und ich sehe die ganze Zeit so einen Psychopathen vor mir und denke mir, what the fuck, Alter.
Florian Bayer: Aber dafür hat er doch viel zu viele Unsicherheiten, bewegt sich doch viel zu oft. Awkward und ist unsicher und hilflos. Es gibt doch kaum eine, es gibt doch eigentlich keine richtige Manipulation.
Johannes Franke: Psychopathen dürfen unsicher sein.
Florian Bayer: Aber es gibt doch keine richtige manipulative Szene von ihm. Wo ist er manipulativ?
Johannes Franke: Ja, der muss ja erstmal lernen, wie man... Also er sitzt aber ganz, ganz viel einfach da und macht nichts dagegen, was da gerade passiert. Oder man hat ganz oft das Gefühl, okay, ich gucke mir jetzt in diesen Kopf rein und versuche herauszufinden, was denkt dieser Typ. Und... Nein. Nein.
Florian Bayer: Er befindet sich doch ständig auf der Flucht. Gibt es einen Moment, wo er eine soziale Situation wirklich beobachtet und versucht, die für seinen... Für seine Sache zu nutzen ... Also ich gebe dir das, wenn er mit ihr mitgeht, also wenn er mit Elaine mitgeht zu ihrem Date mit diesem Jockey-Typen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Da fragt er sie ja aus über ihn. Absolut. Da könnte man das vielleicht reindenken, aber Ich glaube, ich weiß nicht, ich halte das für sehr weit ausgedehnt. Ich finde es halt schon grundsätzlich in dieser Rolle zu sehen.
Johannes Franke: Schon unglaubwürdig, dass er als völlig psychisch gesunder Mensch ... diese fast beinahe Rape-Situation von ihr, von Mrs. Robinson, die wirklich sehr drängend die sich sehr aufdrängt und die wirklich, wo man schon nach der Hälfte sagen möchte, Alter, ruft die Polizei. Das geht so nicht. Dass der dann später bei ihr anruft und sagt, okay, dann lass uns das mal machen. Welcher psychisch gesunde Mensch macht das? Also natürlich, okay, das muss keiner. Ich glaube, das ist eher ein Gegenteil von Psychopathie.
Florian Bayer: Das ist doch was, was sehr oft stattfindet, wo wir auch vollkommen zu Recht kritisch drauf gucken, dass dieses Grooming dazu führt, dass Opfer sich darauf einlassen und dann nachher wird gesagt, okay, du hast ja gesagt, du hast auch mit mir telefoniert.
Johannes Franke: Genau, das könnte auch der andere Ende der ganzen Sache sein, da hast du recht. Nur das andere, wer sich sonst so verhält, passt irgendwie nicht dazu. Ich weiß nicht, ich find's... Vielleicht bin ich auch einfach zu sehr, regt mich das zu sehr auf, dass er Stalking betreibt.
Florian Bayer: Das ist definitiv, das findet ja in der zweiten Hälfte statt. Nachdem diese ganze Affäre dann rausgekommen ist und wenn er dann Elaine hinterher fährt. Und ich sehe darin auch irgendwie so einen Versuch auszubrechen. Aber das Spannende an Benjamin ist ja, dass diese Ausbruchsversuche immer erfolglos bleiben. Also er ist ja vom Anfang bis zum Ende ist er ja eigentlich irgendwie ein Getriebener. dessen Hilflosigkeit den Film diktiert. Und es gibt eigentlich nur diesen einen Moment, wo er wirklich Aktionszeiten zeigt und das ist dann wirklich Ganz am Schluss, wenn er mit dem Auto zur Hochzeit fährt, um die Hochzeit zu verhindern. Und das ist aber auch der Moment, wo er fast nur auf der Straße unterwegs ist. Und wo ihm am Schluss das Benzin ausgeht. Und wo er dann noch mal ... Wo er dann auch mal zu der Kirche zu Fuß rennen muss und dann haben wir diese Einstellung, wo er rennt und rennt und rennt und er scheint gar nicht... anzukommen, weil die Kamera so.
Johannes Franke: Eine gute Kameraführung in dem Moment, ja.
Florian Bayer: Aber auch dieser Moment des versuchten Ausbruchs endet irgendwie im Nichts. Dafür gibt es dann ja diese sehr berühmte Endeinstellung, wenn er mit Elaine zusammen lachend in den Bus gelaufen ist und dann sitzen sie hinten im Bus und dann guckt er so ein bisschen hilflos, dann lacht er nochmal kurz und dann guckt er einfach nach vorne, dann guckt Eleni nochmal an, guckt auch so ein bisschen hilflos und
Johannes Franke: Aber weißt du, wie diese Situation entstanden ist? Der Regisseur hat es nur drin gelassen, obwohl es gar nicht geplant war.
Florian Bayer: Das Tolle, das ist Mike Nichols. Mike Nichols ist einer von den Regisseuren, die sagen, okay, wir sind fertig und lässt grundsätzlich die Kamera dabei noch laufen. Ganz viele Szenen in diesem Film sind so entstanden. Und du kriegst Natürlichkeit heraus aus diesen Momenten, die richtig stark ist.
Johannes Franke: Aber es ist ja von ihm nicht geplant gewesen, dass die dann so ernüchtert gucken. Es ist natürlich ein guter, also wirklich ein guter Move, das drin zu lassen. Absolut. Aber dass er das nicht beabsichtigt hat vorher... zeigt schon so ein bisschen, dass das eigentlich nicht die Richtung ist, die der Film einschlagen wollte.
Florian Bayer: Aber was interessiert mich, was Mike Nichols beabsichtigt hat? Ich beurteile den Film so, wie ich ihn vor mir habe.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und diese Kurzhistorie von Johannes und mir, diese Diskussion haben wir sehr... Sehr, sehr oft. Johannes ist nämlich ein traditioneller Hermeneutiker, um das mal so zu sagen. Und ich bin eher ein Poststrukturalist.
Johannes Franke: Wir haben ja die Hälfte der Leute verloren, weil sie googeln müssen.
Florian Bayer: Ja, die Hälfte der Leute, die wir davor verloren haben, weil du gesagt hast, dass Benjamin Braddock ein ausgemachter Psychopath.
Johannes Franke: Okay, unter Ausschuss der Öffentlichkeit, Plur. Was machen wir jetzt mit diesem Film?
Florian Bayer: Liebe Zurückgebliebenen.
Johannes Franke: Jetzt hast du sie auch noch zurückgeblieben genannt.
Florian Bayer: Verdammt.
Johannes Franke: Nein, also ich finde das Ende natürlich sehr stark. Da hast du vollkommen recht. Ich finde das total gut. Ich bin so froh darum, dass sie am Ende wirklich so verloren und so gut und was machen wir jetzt damit? da sitzen und Ernüchterung einkehrt. Aber das rettet den Film leider nicht. Wenn er so viel auf dem Weg falsch gemacht hat.
Florian Bayer: Also was für mich den Film rettet, ist, dass... Ich gebe dir vollkommen recht, die Geschichte, man kann in der Geschichte sehr viel kritisieren. Also ich würde nicht so weit gehen und Benjamin als Psychopathen bezeichnen, aber es gibt sehr viel von seinem Verhalten, was auch... vermeintlich affirmativ begleitet wird, was kritisierenswert ist. Eben wie zum Beispiel, dass er so... Dass er irgendwann so gar nichts macht, so komplett resigniert hat. Er hat keine Idee von Aufbruch oder revolutionärem Verhalten. Im New Hollywood haben wir das als klassisches Thema, aber in Filmen wie Easy Rider zum Beispiel wird das ja viel deutlicher und viel stärker gezeigt, wie man versucht aus gesellschaftlichen Konventionen auszubrechen. Das versucht er nicht, sondern er wird die ganze Zeit von diesem gesellschaftlichen Konvention getrieben und wenn er dann ausbricht, macht er das teilweise auf absolut ätzende Weise. Also wie er mit Elaine umgeht, ist einfach das Letzte.
Johannes Franke: Absolut das Letzte. Es ist wirklich alles, was er so tut, was er von sich aus wirklich tut.
Florian Bayer: Moment, ich wollte den Film retten. Wir haben ganz viel darüber geredet, dass er Psychopath ist. Was für mich den Film rettet, ist, dass eben die ganze Zeit in der Inszenierung, in jedem Moment diese... manchmal subtilen, manchmal auch etwas stärkeren Momente eingefluchten sind, wo wir einfach durch Erzählung, durch visuelle Erzählung tiefer eintauchen in dieses Milieu, in dem er sich bewegt. Also seien es ganz einfache Bilder, wie dass wir diese Taucherfigur haben, mit der er... parallelisiert wird, wenn er dann im Aquarium ist, in seinem Taucheranzug und fast in so einer surrealen Szene dann ganz weit verloren im Aquarium ist und dann haben wir den Anruf mit Miss Robinson noch so Also gerade die Tonebene von dem Bild danach vorher reingeschaltet, das zum Beispiel. Oder eben sowas wie, dass er sich wie Gepäck auf dem Laufband bewegt. Dass er da sitzt, nachdem er versucht hat, irgendwie an Elaine ranzukommen und wir sehen im Hintergrund diesen Gorilla, der genauso dumm da sitzt wie er. Das ist so geil. Es gibt so viele von diesen Momenten der Bildsprache, dass das für mich einfach eine unglaubliche Ambiguität in dem ganzen Szenario erzeugt. Deswegen eben diese vermeintlich einfache Handlung, er ist der Held, er ist verliebt, er rettet die Frau, dass das eben aufgebrochen wird. Und dass das eben doch mehr ist, dass wir da eben doch mehr an Charakter haben, mehr an psychischer Tiefe, an gesellschaftskritischer Tiefe etc.
Johannes Franke: Ja, ich meine natürlich, es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass dieser Regisseur ein paar sehr, sehr gute Ideen für Momente hatte. Also... Ich kenne das, wenn man so eine Idee hat für eine Szene und sagt, oh ja, das wäre doch jetzt geil und dann... ziehen wir die Schärfe in dem Moment langsam nach hinten auf die Frau, die gemeint ist. Und dann sickert es bei der Tochter durch, dass es die eigene Mutter ist. mit der die Affäre hat. Das ist eine super Idee. Ganz toll, aber es ist halt eine Idee für einen Moment. Und mir fehlt halt die richtige, die gute Idee für den ganzen Film. Also für den Kleister.
Florian Bayer: Naja, der Kleister sind zum Beispiel die Montagen. Wenn wir sehen, wie Benjamin diese Affäre hat in dem Sommer. Und dass es eine vermeintliche Befreiung gibt, eine vermeintliche Selbstbefreiung. Und er dann so hin und her stolpert zwischen dem Hotelzimmer. Und zwischen dem Pool, großartig geschnitten. Also ich weiß ja nicht, ob du… Zwischen dem Hotelzimmer und dem Pool? Ja, wenn wir wirklich sehen, wie er aus dem Pool aufsteht und sich ein Handtuch überwirft und geht dann ins Poolhaus und dann kommt er ins Hotelzimmer und dann springt er ins Wasser. Wasser und dann landet er auf Miss Robinson und sein Vater sagt, was machst du hier? Das sind Momente, wo ich auch einfach sehe, dass die Bildsprache es schafft, diese Dieses Suchende und dieses gleichzeitig komplett Stagnierende sehr schön in Einklang zu bringen. Und das ist eben auch was, was für mich diesen... Charakter ausmacht, dass er eben nicht der strahlende Held ist, der sagt, ich mach jetzt Freiheit. So wie das zum Beispiel ein Film, den ich sehr mag, aber ich würde ihn jetzt kritisieren, American Beauty macht. Mhm. Dass er das auf so einer sehr banalen Ebene macht. Wir haben hier unseren Protagonisten. Und der hat sich jetzt in eine junge Frau verliebt. Und American Beauty ist fast so was wie so ein... Spiegel-invertierte Version von Reifeprüfung, wenn man drüber nachdenkt. Aber wo das total affirmativ gemacht wird und wo es nicht diese Nuancen gibt. Und hier gibt es eben diese Nuancen, dass das... dass es nicht einfach nur affirmativ eine Begleitung von einem Freiheitskampf ist, sondern das zeigt,
Johannes Franke: Aber du sagst, dass er das Suchen mit der Stagnation verheiratet. Aber welches Suchen?
Florian Bayer: Genau, welches suchen. Er weiß es ja selbst nicht.
Johannes Franke: Ja, deswegen. Und deswegen kann er auch nicht wirklich suchen. Ich sehe keinen suchen, ich sehe einfach nur einen, okay, ich nehme die Situation, passt mir gerade, ich nehme die Situation und gehe halt immer mal wieder nachts zu dieser Frau... macht das mit. Und sobald sie ihre Tochter erwenden, nämlich die Tochter...
Florian Bayer: Es gibt auf jeden Fall diese introspektiven Momente. In diesem Film wird sehr oft I don't know gesagt. Sowohl von ihm, später auch von Elaine. Es gibt ganz am Anfang diesen Moment, wenn sein Vater ihn fragt, was er denn macht. Entschuldigung. Und er sagt so, er denkt drüber nach und er weiß es nicht genau und er weiß nicht, was er will, aber er will irgendwie, dass das Leben anders ist. Also sein Vater fragt ihn, was willst du mit deinem Leben machen, was meinst du? Und er sagt, I don't know, I want it to be different. fast schon so eine Entfremdung von den Worten, weil er überhaupt nicht die Begriffe findet, um... um zu sagen, was er genau will. Und es ist eine Suche, komplett ohne zu wissen, wonach man sucht. Und das ist eben auch diese Hilflosigkeit und diese Orientierung. die ja die ganze Zeit mit sich rumträgt. Bis zum Schluss, bis zur letzten Szene. Und die finde ich sehr stark, weil es eben nicht dieses optimistische, revolutionäre Bild von einem Helden ist. der es schafft, sich selbst zu befreien, sondern er bleibt einfach hilflos und orientierungslos.
Johannes Franke: Er bleibt ein Spoiled Rich Kid, das stimmt.
Florian Bayer: Er bleibt auf jeden Fall ein Spoiltridge-Kid. Ich liebe diese Plastik-Zähne. Die ist so banal. Er ist auf seinem Geburtstag, wo übrigens nur Freunde seiner Eltern sind. Und dann kommt dieser Typ auf ihn zu und sagt, Benjamin, one word. Plastics. Und das ist so ein Moment, wo man denkt, wow, jetzt ist einmal das gesamte Szenario aufgedeckt und wir wissen, worum es geht. Es ist alles Plastik, es ist alles falsch, aber es geht... natürlich darum, dass dieser Typ ihm sagen will, investiere in Plastik, Plastik ist die Zukunft. Was wohl tatsächlich ein guter Tipp war damals.
Johannes Franke: Ja, sehr guter Tipp, ja.
Florian Bayer: Also in den 60ern hätte mal jemand, der den Film gesehen hat, drauf gehört, dann wäre er jetzt rein. Und ja, es ist natürlich, wir sehen hier eine verwahrloste obere Mittelschicht und wir sehen die... Kinder, die genauso verwahrlost sind, die versuchen irgendwie rauszukommen. Und was ist seine Art rauszukommen? Er lässt sich mit der Frau ein, die... Die auch komplett durch ist und ihre Affäre ist komplett durch und dann ist es seine Art, dass er sich befreien will, dass das Heiraten von Elaine so eine wichtige Bedeutung hat. Also es geht ihm gar nicht darum, irgendwie mit ihr zusammen zu sein oder so, sondern das Symbol des Heiratens. Und eigentlich läuft er damit ja genau in das Ding rein, was seine Eltern auch machen. Also es bleibt wenig revolutionärer Akt übrig. Und ich glaube, der Film erzählt das auch auf eine etwas subtilere Weise, aber es steckt in diesem Film drin.
Johannes Franke: Naja, habe ich auch ein kleines bisschen Problem mit den ganzen Zooms, die sie da verwenden. Als Kameramann bin ich... Das ist eine persönliche Sache. Ich bin kein großer Fan von Zoom-Aufnahmen, es sei denn, es geht darum, wenn irgendjemand beobachtet wird oder sowas. Es gibt genau eine Einstellung in dem ganzen Film, wo ich den Zoom gerechtfertigt finde. Wenn er ihr hinterher rennt und sie beobachtet, da gibt es einen Zoom auf sie, wie sie aus der Uni kommt.
Florian Bayer: Das ist wirklich der Stalkerblick, meinst du? Der Stalkerblick. Ja.
Johannes Franke: Da funktioniert es super und da gehört er auch hin. Aber ich finde so viele Einstellungen, wo sie einen Zoom haben, wo sie einfach nur von ganz nah auf ganz weit... und man sich denkt, ja, das kannst du technisch. Ich bin ganz beeindruckt, aber ... Was für einen Sinn hat das jetzt?
Florian Bayer: Die New Hollywood Filme schaffen, waren ja sehr stark von der Nouvelle Vague inspiriert. Und viele Szenen in diesem Film sind auch direkte Verbeugungen vor den Inszenierungen von Godard vor allem, aber vor Truffaut. Also vor allem Godard hat ja sehr viel mit diesem lebendigen Raum gearbeitet, dass die Kamera sich viel bewegt, dass die Kamera sich im Raum ihren Ort suchten, dass die Kamera fast so ein Protagonist wird. Das sehe ich auch ganz viel in diesem Film, dass es immer mal wieder diese Dynamiken gibt, die weniger durch die Bewegung der Figuren erzeugt wird und mehr durch die Bewegung der Kamera. Das ist das, was du als störenden Zoom-End findest.
Johannes Franke: Naja, ich finde aber andere Einstellungen wiederum, wo die Kamera sich wirklich physisch bewegt und nicht nur einfach einen Zoom aufzieht, viel besser. Es gibt so lange, ungeschnittene Einstellungen, die tatsächlich ziemlich geil sind. Und die Kamera sich wirklich sehr gut von A nach B bewegt, um bestimmte Sachen zu revealen. Also es hat eine Kamerabewegung einen Sinn.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenn ich aber keinen Sinn hinter der Kamerabewegung sehe, dann frage ich mich, was soll das da?
Florian Bayer: Hast du ein Beispiel für einen Zoom? der dich gestört hat? Meinst du sowas wie, dass er zwischen ihren Beinen durchguckt?
Johannes Franke: Nein, das ist in Ordnung. Das ist eine feste Einstellung. Ich meine aber solche Sachen wie, er sitzt irgendwo im Park, später in einem zweiten Teil, glaube ich, ist das. Und dann... zieht die Kamera langsam den Zoom auf und er sitzt halt irgendwo in der Stadt. Und man... Und es gibt keinen wirklichen Reveal, weil wir wissen vorher schon, er sitzt irgendwo in der Stadt. Raum? Verlorenheit im Raum? Ja, aber das kann man auch mit einem Schnitt machen. Es gibt keinen Sinn darin, ihn immer weiter verloren wirken zu lassen, weil der Film macht das die ganze Zeit schon. Da sind so viele Zoom-Einstellungen drin, dass sie ihre Bedeutung verlieren.
Florian Bayer: Oh, das ist hart.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich, ich habe die ganze Zeit gedacht, wo willst du damit hin? Also natürlich, wenn du es einmal ordentlich einsetzt und mir damit was erzählst, gerne. Aber nicht in der Ausführlichkeit.
Florian Bayer: Okay, habe ich gar nicht als zerstörend wahrgenommen. Also es passiert sehr viel auf einer Kameraebene, auf einer Bildebene.
Johannes Franke: Ja, ja, es gibt ja auch ganz tolle Einstellungen.
Florian Bayer: Macht da wirklich großartige Sachen. Ich hab die Zooms eigentlich, es war eine Handvoll, oder? Also von mehr Zooms reden wir nicht.
Johannes Franke: Ja, weiß ich schon, vielleicht ... Zwei Handvoll. Weiß ich nicht ganz genau. Ich kann es nicht genau sagen. Ja, also da weiß ich nicht. Da hat sich jemand irgendwie in so eine Art und Weise zu filmen verliebt, die aber dann nicht unterlegt ist irgendwie. Finde ich. Vielleicht habe ich es auch noch nicht verstanden. Das kann ja auch sein.
Florian Bayer: Naja, es ist natürlich klar, es ist inspiriert von der experimentelleren Bildsprache aus Frankreich aus der damaligen Zeit oder noch aus Italien. Und das wurde ja im New Hollywood sehr viel gemacht. Also wenn man sich die späteren Filme anschaut, dass sehr viel mit Kamera experimentiert wird, dass mit Schnitt und Montagen experimentiert wird. Ja. Und das macht der Film auf einem sehr hohen Level und sehr viel, also quantitativ sehr viel. Ich finde auch qualitativ sehr viel. Ich glaube aber, ich sehe, was du meinst, dass man das natürlich ab einem gewissen Punkt auch als störend empfinden kann, Wenn so ständig nochmal was Neues ausgepackt wird. Ah, und jetzt hast du noch das aus der Trickkiste.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: machst du, jetzt hast du mal eine ganz lange gehaltene Einstellung, jetzt hast du mal eine Einstellung, die fast komplett dunkel ist und du willst einmal alles so reinpacken, was du an Kamera...
Johannes Franke: Kameramöglichkeit findest. Die anderen Möglichkeiten finde ich eigentlich ganz gut eingesetzt, ehrlich gesagt. Ich fand das Gespräch, was der Typ unbedingt führen wollte mit Mrs. Robinson und das Ganze im Dunkeln... dass der Dunkel stattfindet, fand ich total schön. Hat mir sehr gefallen. Also das ist ein mutiger Moment. Das einfach in der Dunkelheit stattfinden zu lassen, wo jeder TV-Executive sagen würde, die Leute schalten ab, kannst du bitte das Lied anmachen?
Florian Bayer: Es gibt wirklich auch Zähne, also es gibt viel dieses Experimentieren, aber es gibt auch Zähne, die sehr lange gehalten werden. Und diese Zähne kommt, glaube ich, mit zwei Einstellungen aus. Da wird ein bisschen geschnitten. Aber nicht sehr viel und es ist auch nicht so ein krasser Wechsel. Und vielleicht auch ein bisschen grundsätzlich diese Hotel-Szenen so ein bisschen gut da. Natürlich und außer Atem haben wir auch diese Hotel-Szenen. Und Mike Nichols hat gesagt, er hasst Oversholder, weil er findet, dass das so ... belegste Variante ist, Dialoge zu erzählen und in diesem Film kommt auch tatsächlich keine einzige Overshow davor. Dialoge werden immer gezeigt, indem zum Beispiel eine Person im Profil ist und mit der anderen Person redet, indem eine Person im Hintergrund ist, in der Unschärfe.
Johannes Franke: Ist okay. Ein guter Gedanke. Warum nicht?
Florian Bayer: Wie fandst du denn die eingewebte Musik? Weil es ist ja schon sehr auffällig, dass wir diese Popsongs haben, die... den Film als Filmmusik strukturieren und die Montagen und Schnitte begleiten.
Johannes Franke: Okay, kommen wir also zur Musik.
Florian Bayer: Kommen wir zu Simon & Garfunkel.
Johannes Franke: Ich liebe Simon & Garfunkel. Es passt nicht. Es passt überhaupt nicht. Ich finde natürlich Sound of Silence... Absolut genial. Das war auch der erste Gedanke, den er damit hatte und hat gesagt, okay, diesen Song benutzen wir erstmal, um das Pacing im Film im Schnitt zu finden und so. Dieser Song wird immer genau richtig eingesetzt. Aber alle anderen Songs...
Florian Bayer: April Come, She Will. In dieser wunderbaren Pool-Montage, also direkt angeschlossenen Sound of Silence, nicht?
Johannes Franke: Nein. Kein einziger Song sonst.
Florian Bayer: Scarborough Fair?
Johannes Franke: Absolut nicht. Ich liebe Scarborough Fair. Ich liebe diesen Song. Ich finde, er passt überhaupt nicht zur Stimmung des Films an der Stelle.
Florian Bayer: Es ist im Schnitt entstanden. Die haben auf die Musik von Simon Garfunkel geschnitten. Genau. Und haben sich dann erst später dazu entschieden, eigentlich war geplant, dass es einen klassischen traditionellen Score gibt. Ja. Er gehört auch zu den ersten Filmen, die das so konsequent gemacht haben, so Popsongs in einen Film einzuweben. Genau. Und wir haben es am Anfang schon kurz angedeutet, der Song Miss Robinson war eigentlich als Miss Roosevelt Song geplant. Und dann hat Mike Nichols zu... Sag ich garantiert den falschen Namen, Paul Simon oder Adgar Fankel? Zu einem von beiden hat er... Simon. Zu Simon, der wohl der Kopf von den beiden war? Also Paul Simon wird nachgesagt, dass er der weniger umgängliche Mensch, aber dafür der kreativere Künstler war. Während Art Garfunkel wohl der Nette von den beiden war. der auch nicht so gut Musik machen konnte.
Johannes Franke: Der so ein bisschen los mit allem umgegangen ist und alle immer so, ja, ja, alles gut, machen wir, kein Problem, aber irgendwie...
Florian Bayer: Auf jeden Fall, Mike Nichols dann zu Paul Simon gesagt, so, jetzt ist der Song über Miss Robinson, nicht mehr über Miss Roosevelt.
Johannes Franke: Ja. Aber dem ging natürlich voraus und das muss man eigentlich erwähnen, dass Paul Simon gesagt hatte, okay, ich sage zu dir drei Lieder zusammen. die in diesem Film dann vorkommen sollen. Und er hat einen einzigen Song irgendwie gerade so fertiggestellt. Er war halt die ganze Zeit auf Tour, ne? Und hatte eigentlich gar keine Zeit dafür. Und das hat er aber nicht vorher ordentlich kommuniziert, sondern hat es dann währenddessen festgestellt, oh, das wird wohl nix. Und dann hat er eben halt noch diesen... Es ist nicht für den Film. Es ist nicht für den Film.
Florian Bayer: Es geht um Mr. Roosevelt. Es hat nichts mit dem Film zu tun.
Johannes Franke: Und hat ihm ein paar Noten vorgespielt und der hat es wirklich, natürlich, ich hätte als Regisseur auch gesagt, so, das ist jetzt mein Song. Du hast mir drei Songs versprochen, also gib mir diesen verdammten Song.
Florian Bayer: Ich kenne das ja, ich arbeite ja auch manchmal mit Künstlern zusammen und ich will jetzt keine Namen nennen. Aber es ist auch so, man zeigt ihnen was, was einfach ne Tech-Demo ist oder so. Und sagt dann, aber das ist nicht zur Verwertung gedacht. Nochmal. Das ist nicht zur Verwertung gedacht, wirklich. Das ist jetzt nur, damit sie das hier sehen können und guckt nochmal drauf und guckt, ob ihr was euch so... vorstellen könnte, aber das ist nicht zur Verwertung. Und dann hast du mit ziemlicher Sicherheit innerhalb von 24 Stunden einen Anruf, oh, das war ganz toll, das will ich auf jeden Fall da einbauen.
Johannes Franke: Ich will es ganz genau so.
Florian Bayer: Das ist immer riskant, einem Künstler was zu geben und zu sagen, bitte nicht verwerten.
Johannes Franke: Ja, furchtbar. Und ich kann natürlich auch Paul Simon verstehen, dass er irgendwie gesagt hat, ich bin hier unterwegs, ich kann nicht 24-7 für dich hier und mir das alles... Aber irgendwie, ich weiß nicht, ich finde die Songs passen überhaupt nicht ins Pacing und nicht in die Stimmung. Nur Sound of Silence passt 100% an jeder Stelle. Und ich finde es auch overused, er benutzt die ja immer wieder. Sehr viel, ja.
Florian Bayer: Ich finde, mit Scarborough erzeugt er meiner Meinung nach eine sehr interessante Dynamik, wenn er das Lied anspielt, Und dann Benjamins Verlorenheit und dass er irgendwie mit Elaine reden will. Und ja, man kann drüber reden, ob dieser ... die ja Elaine, Elaine, Elaine, Brief kitschig ist. Und dann bringt er das Motiv aber immer wieder auf, während er so Elaine hinterherstalkt und dann nochmal versucht, sie anzusprechen. Und da wird dieser Song einfach drei-, viermal angespielt. Miss Robinson, der Song, der Titelsong quasi ... Der wird die ganze Zeit als Motiv immer mal wieder so reingewoben. Das pfeift jemand, das wird so ein bisschen auf Gitarre angespielt. Und wirklich gespielt.
Johannes Franke: Das bedeutet, dass es in diesem Universum diesen Song gibt.
Florian Bayer: Ja, genau. Denk mal drüber nach. Aber wirklich gespielt wird der ersten Ganz am Ende, wenn Benjamin dann zur Kirche fährt, um Elaine rauszuholen. Eigentlich spielt Miss Robinson in diesem Moment gar keine Rolle mehr, weil er hat kein Verhältnis. Miss Robinson. Nein, nein, nein.
Johannes Franke: Miss Robinson. Nein, stimmt nicht. Sie hat schon Ja gesagt.
Florian Bayer: Oh, nein, dann ist sie aber Mrs. Blond-Hair-Golf-irgendwas-Typ.
Johannes Franke: Mrs. Karl.
Florian Bayer: Was übrigens zur damaligen Zeit wirklich unerhört war, dass er... Dieses Last-Minute-Rettung vorm Altar ist ein klassisches Trope, auch damals schon ein Trope, aber nicht nachdem sie Ja gesagt hat. Wenn sie ja gesagt hat, ist es vorbei.
Johannes Franke: Und in der Romanvorlage ist es davor gewesen. Der Film hat sich entschieden, das dann nachzumachen, was ich ganz okay finde.
Florian Bayer: Nett. Warum nicht? Es gibt diese... skandalöse Komponente, die mit Sicherheit auch stark zu dem Erfolg des Films beigetragen hat. Der war ja ein Überraschungshit. Und ... mehrere Dinge, die damals als skandalös wahrgenommen wurden. Das eine ist auf jeden Fall dieses, dass er sie vom Altar weg holt, nachdem sie Ja gesagt hat. In der gleichen Szene kämpft er mit einem Kreuz.
Johannes Franke: Das ist so geil. Ich find's super.
Florian Bayer: Es gibt ganz viele Leute, die ihn interpretiert haben, wie die Kirche und Gesellschaften, was wird hier gemacht? Ich musste ihm irgendeine Waffe in die Hand geben in dem Moment.
Johannes Franke: Er hat die Dämonen abgewehrt mit dem Kreuz.
Florian Bayer: Übrigens, die Kirche im Allgemeinen fand das nicht so geil, diese Szene.
Johannes Franke: Ja, und der Typ, der da in dieser Kirche war.
Florian Bayer: Diese Kirche im Speziellen auch.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Die waren auch, die fanden es total ätzend, dass Dustin Hoffman an dieser Scheibe steht. die hatten Angst, dass die Scheibe kaputt geht. Deswegen haben sie gesagt, er darf dagegen hauen, aber er muss die Arme ausbreiten, damit die Scheibe nicht kaputt gehen kann. Was dazu führt, dass die Szene wirklich krass aussieht, weil er fast wie so ein Gekreuzigter dasteht mit diesen ausgebreiteten Armen.
Johannes Franke: Die haben sich selbst ein Ei gelegt damit, finde ich, weil es sieht echt aus wie so eine Kreuzigung, wie so ein nochmal religiöses Bild, was irgendwie, naja, dem nicht entgegenkommt. Was die da wollten. Egal.
Florian Bayer: Okay. Ja genau, der zweite Skandal natürlich. Eine ältere verheiratete Frau, die mit einem jungen Mann eine Affäre hat.
Johannes Franke: Ja gut, okay.
Florian Bayer: Kommen wir mal kurz zum Alter. Dustin Hoffman war, als der Film gedreht wurde, 30. Er spielte einen 20, 22-Jährigen. Man sitzt davor und denkt sich...
Johannes Franke: Der ist doch älter als 20.
Florian Bayer: Noch viel krasser als Dustin Hoffman, der einen 30-Jährigen spielt, ist das Anne Bancroft, die seine Affäre spielt, die doppelt so alt sein soll wie er, 36 ist. 35 beim Dreh. 35 beim Dreh.
Johannes Franke: 35 beim Dreh ist fünf Jahre älter als er.
Florian Bayer: Wir haben ja am Anfang schon gesagt, dass der Film aus einer feministischen Perspektive schlecht abschneidet. Die hast du jetzt auch. in großen Teilen eingenommen, was ich super finde. Es ist leider eine Tradition in Hollywood. Mittlerweile hat es sich ein bisschen gebessert. Alte Frauenrollen mit jüngeren Darstellerinnen zu besetzen, weil du ab, wenn du älter als 40 bist in Hollywood, es echt schwer hast als Frau. Und das ist wirklich übel. Und dann haben sie Anne Bancroft offensichtlich so auf alt geschminkt auch ein bisschen. Das Krasse ist ja, es gab... Optionen für ältere Schauspieler. Es waren sogar hoch angesehene Schauspielerinnen.
Johannes Franke: Audrey Hepburn hätte es gerne gespielt.
Florian Bayer: Als kamen in Frage für... Genau, Firmes Robinson, Audrey Hepburn, Doris Day.
Johannes Franke: Ja, genau, aber Doris Day wollte selber dann noch nicht, weil sie die nackten Szenen nicht wollte.
Florian Bayer: Und dann auch Rita Hayworth, Judy Garland, Gene Simmons, um nur ein paar zu nennen. Und Ava Gardner war wohl relativ begeistert und wollte wirklich gerne diese Rolle spielen. Und die war halt auch schon älter. Und das wären viele... Frauen gewesen, die einfach besser gepasst hätten und dann haben sie halt doch wieder diesen klassischen Weg gewählt und haben eine 36-Jährige auf alt geschminkt Und einen 30-Jährigen als 20-Jährigen besetzt und gesagt, so, hier haben wir unsere Altersdifferenz.
Johannes Franke: Und ich meine, sie macht das natürlich großartig, ne? Anne Bancroft ist fantastisch. Unglaublich gut. Die hat diese Abgeklärtheit so dermaßen drauf und so richtig gut rübergebracht und verinnerlicht. Ganz toll. sowieso der Lichtblick des ganzen Films.
Florian Bayer: Es ist krass, auch wie sich ihre Rolle sowohl von der Erscheinung Also von der optischen Erscheinung. Wie auch vom Verhalten ändert. Und zwar ist sie am Anfang fast wie so ein Raubtier.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: ihn verführt, wenn sie bei ihr zu Hause sind, dann macht sie auch diese Musik an, die wie so eine Horrorfilmmusik ist, dann wirkt alles so ein bisschen dschungelhaft. Und sie hat das Heft voll in der Hand.
Johannes Franke: Ja, sie hat auch so Leopardenmuster oder was auch immer.
Florian Bayer: Dann gibt es diese verletzliche Seite, die sie zeigt, in der Benjamin auch richtig ätzend zu ihr ist, wenn er sie so ausfragt und sie offensichtlich das nicht machen will. Und dann in den letzten 10 ist sie wie so eine geschlagene Frau. Also auch wirklich, dann wird sie müde und ausgelaugt gezeigt und auch so ein bisschen, dass sie so ihre Reflexion über ihr eigenes Leben, dass das durchgeschlagen hat. Ich stimme dir absolut zu, es wäre total spannend gewesen, noch mehr von Miss Robinson zu sehen. Weil sie als Figur super interessant ist. Und ich rechne es dem Film schon hoch an, dass er dieser Figur so viel Raum gibt. In den 60ern war das schon viel. Ja.
Johannes Franke: Ich finde, dafür, dass der Regisseur das als Initialzündung hatte, überhaupt den Film machen zu wollen, kommt es halt zu wenig durch. Und ja, 60er hin oder her oder wie viel soll man, darf man, kann man oder nicht, aber sie haben ja offensichtlich an ihrer Figur auch am meisten gearbeitet. Weil sie wirklich, alles, wo sie auftaucht, sitzt einfach. Jede Line sitzt bei ihr. Sie macht das so... Gut und es ist so psychologisch gut aufgearbeitet. Das fehlt mir bei den anderen Figuren total.
Florian Bayer: Jetzt habe ich so viel Benjamin verteidigt. So viele Noten mit dieser Verlorenheit.
Johannes Franke: Ja, schade. Ich weiß nicht, nee.
Florian Bayer: Klar, Elaine, also auch ganz großartig gespielt.
Johannes Franke: Ja, ich finde sie auch gut. Aber ja, weiß nicht, sie wird nicht gut eingeführt. Es wird über sie am Anfang... geredet und plötzlich will er sie irgendwie verstehe ich das Einführen der Figuren nicht Wobei ich aber, wie sie es spielt wiederum, finde ich sie sympathisch und will bei ihr sein.
Florian Bayer: Catherine Ross, total sympathisch. Es gibt auch, um nochmal vielleicht diesen Psychopathen Benjamin zu entschärfen, es gibt ja diese wirklich krasse Szene, wo er sie zum Date... Und Miss Robinson hat zu ihm vorher gesagt, du gehst nicht mit meiner Tochter aus. Und auch ihm ziemlich klargemacht, dass sie ihn für Abschaum hält. und nicht will, dass er mit ihrer Tochter zusammen ist, weil er nicht gut genug ist für ihre Tochter. Und er hat zugestimmt, dass er nicht mit ihr ausgeht. Dann haben die Eltern halt trotzdem das Date arrangiert. Und dann beschließt er offensichtlich, das Date in der Art zu sabotieren, dass er sich wie der letzte Arsch verhält. Und fährt dann zuerst mal wie eine Sau mit dem Auto und ignoriert sie einfach. Und fährt mit ihr dann in einen Stripclub, wo die Stripperin um sie rumtanzt, auch ziemlich krass inszeniert, so sehr bunt und sehr laut und Reizüberflutung und... Sie bricht dann in Tränen aus und dann hat er aber Mitleid damit und dann tut es ihm auch leid, wie er sich verhalten hat. dann ja auch hinterher und entschuldigt sich.
Johannes Franke: Und küsst sie sofort. Was ist das damit?
Florian Bayer: Empathie, aber Empathie, ne? Also... Er zeigt doch Empathie in diesem Moment, weil er fühlt sich wie ein Arsch und er versucht sich dann auch noch zu erklären. Und er erzählt ihr dann ja auch von der Affäre, beziehungsweise sie findet es raus, nachdem er in dem Hotel...
Johannes Franke: Als Mr... Weiß ich nicht mehr genau.
Florian Bayer: Das ist ein Gepäckstück. Ja. Ah! Gladstone. Als Mr. Gladstone angesprochen wurde, da ahnt sie das schon dann ... Erzählt er ja, dass er eine Affäre mit einer älteren Frau hat, ohne ihr zu erzählen, dass es ihre Mutter ist. Ich finde, ja, natürlich ... Aber ich glaube, das will der Film auch da erzählen an diesem Punkt. Es ist komisch, dass er sich innerhalb von einem Date in sie verliebt. Und es ist genauso komisch, dass sie sich innerhalb von einem Date in ihn verlieben soll. Ich finde auch sie ist reservierter bei dieser Romanze, auch wenn es ganz klar ist, es gibt diesen Moment, wo es zwischen ihnen irgendwie klickt. Ich mag diese Szene, wenn sie im Auto sitzen und dann das Dach hochmachen, um der Musik von den Nachbarn zu entkommen und dann sehen wir nicht, worüber sie reden.
Johannes Franke: Ich bleibe aber völlig irritiert zurück, weil er küsst sie einfach so. Und sie tut nichts dagegen oder dafür, lässt es einfach geschehen. Und ist dann aber auch nicht, das wird nie wieder erwähnt und sie hat auch keine Behaltung dazu oder so. Ich find's ganz seltsam.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist wirklich auch was, was da immer wieder gezeigt wird, ist ihre Verlorenheit, also die sie beide haben. dass sich das bei ihr anders äußert, aber sie ist ja genau so ein Spielball von ihren Eltern, von der Elterngeneration wie er. Ja, Auch, dass sie dann offensichtlich sich darauf einlässt, diesen Typen, diesen Karl zu heiraten, den sie quasi gar nicht kennt, der halt irgendwie ein Kommilitone von ihr ist.
Johannes Franke: Den sind mal gedatet.
Florian Bayer: Den sie mal gedatet hat. Genau, wahrscheinlich auch ein-, zweimal. Und ihre Eltern haben ja offensichtlich so ganz schnell eine Hochzeit arrangiert, damit sie bloß von diesem Benjamin wegkommt. Also sie scheint mir da auch so ein bisschen, naja, auch so ein Symbol für diese verlorene Generation zu sein. Und nochmal, es geht in diesem Film gar nicht so sehr um den Aufbruch dieser Generation, sondern einfach um eine Darstellung ihrer Verlorenheit. Das macht ihn für mich eben auch so stark, dass es Es gibt diese witzigen Momente und es gibt auch immer so einen Schuss Optimismus. Aber letzten Endes bleibt es in dieser Verlorenheit stecken. Und dafür ist sie auch ein Symbol. Weil ich meine, was sind ihre große Freiheitsleistungen? Dass er an der Scheibe steht und Elaine, Elaine, Elaine ruft und dass sie dann irgendwann nach vorne tritt und Ben ruft? Und dass sie dann zusammen wegrennen, das sind ihre einzigen Freiheitsleistungen. Das ist nicht sonderlich viel. Das ist kein... Kein soziopolitischer Protest. Das ist kein Generationenschaffen.
Johannes Franke: Überhaupt nicht.
Florian Bayer: Und ich glaube, das will der Film machen.
Johannes Franke: Und warum geht sie dann überhaupt auf ihn ein? Weil sie sagt ja durchaus oft genug... Nein, ich will dich nicht.
Florian Bayer: Sie sagt nein, sie sagt ich weiß nicht, sie sagt ja.
Johannes Franke: Und er bleibt dran?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das reicht offenbar aus, dass sie dann irgendwann irgendwie nachts auftaucht und sich einen Kuss abholt und dann wieder geht? Was ist das denn? Verstehst du nicht?
Florian Bayer: Das ist der unrühmliche Teil dieses, definitiv, auf jeden Fall. Ich glaube, man kann das auch so lesen, dass sie halt wirklich genauso verloren ist wie er und genauso hilflos. Dass ihr Nein ihm gegenüber und ihr Ja ihm gegenüber genauso ... so unmotiviert ist wie sein Nein und sein Ja gegenüber Miss Robinson.
Johannes Franke: Sie sagt irgendwann, I'm confused. Und er sagt, don't be confused, we're getting married.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Was ist das für?
Florian Bayer: Und dann sagt er noch, lass uns den Bluttest machen. Hast du das mitgekriegt? Was? Sie gehen dann so und unterhalten sich über die Hochzeit. Und er sagt immer, können wir heiraten, können wir heiraten? Sie sagt, ja, vielleicht, ich weiß nicht. Dann sagt er, wir können unseren Bluttest machen. War in den 60ern offensichtlich. Und... glaube teilweise in Amerika noch bis heute, dass du irgendeine Erbkrankheit untersuchen musst. mit dem Protest, um heiraten zu dürfen. Du wirst auf irgendwas, irgendeine Erbkrankheit wird gecheckt, ob du die hast.
Johannes Franke: Das habe ich nämlich nicht verstanden, was damit gemeint ist. Okay.
Florian Bayer: Ich mag übrigens diese Szene, wenn er vor dem Klassenraum auf sie wartet und sie geht rein. Er redet auf sie ein, bla bla bla bla bla und dann geht sie rein. Ringen und dann ringen innerhalb von einer Sekunde. Und toll, wie damit Zeit gespielt wird, wie Zeit inszeniert wird. Aber sie ist halt auch verloren. Ihre Befreiungsversuche bleiben irgendwie an dieser Oberfläche. Und es gibt ja tatsächlich eine Fortsetzung. Die 15 Jahre alt ist oder so, irgendwann 2007, von dem Buch, von dem Film.
Johannes Franke: Ach ja, genau, aber das Buch hat er ja schon lange mit sich rumgetragen, ne? Er musste nur die Rechte wieder aus Paris freikaufen.
Florian Bayer: Charles Webb hat eine Fortsetzung geschrieben. sehr, sehr, sehr viel später veröffentlicht unter dem Namen Homeschool. Und das spielt in den 70ern und Unabhängig davon, es gibt auch einen witzigen Pitch für eine Fortsetzung in einem großartigen Robert-Altman-Film, The Player.
Johannes Franke: Ah, ja, ja, stimmt.
Florian Bayer: Unabhängig davon, man kann sich die Fortsetzung vorstellen und die Fortsetzung von ihrer Beziehung. Und ich glaube, das ist auch... liegt auch in dem Film, ist nicht sonderlich positiv. Die heiraten und die werden wahrscheinlich auch, wenn sie hier so eine Art Aufbruch hatten, werden die ein Leben führen wie ihre Eltern. Ich glaube, das liegt in diesem Film drin. Und ich glaube, das ist das, was ihnen auch bewusst ist, wenn sie da im Bus sitzen zusammen. Und wenn man optimistischere Aufbruchsfilme der damaligen Zeit sehen will, dann ist es glaube ich nicht der.
Johannes Franke: Ja, das stimmt vielleicht. Aber er wird so viel gefeiert auch. Es gibt so viele Leute aus der Generation natürlich auch, aber eben auch aus späteren Generationen, die den Film wirklich... Als Stimme der Generation feiern und irgendwie so. Und ich weiß nicht, ob denen allen bewusst ist, dass das so ein deprimierendes Bild ist.
Florian Bayer: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, das gehört zur Stimme auch von der Generation, dass sie auch ihre Verlorenheit zeigt. Ist auch der Grund, warum Anfang der 90er Jahre der Crunch so erfolgreich war. Das war auch keine politische... Das war halt auch, oder der Zynismus, der dann in den 90ern nach dem Tod von Kurt Cobain auch so in der Jugendkultur einheitlich war. in der Jugendkultur ganz präsent war. Das ist halt auch eine Art, Art von Auseinandersetzung einer Generation mit sich selbst. Auch dieses Resignierende und dieses vielleicht auch Zynische und Verlorene, woraus ja auch ein Aufbruch entstehen kann.
Johannes Franke: Ja, gut, natürlich, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Dieser Film bewegt sich ja wirklich so an der Schwelle von ... Vietnam-Protesten. Am Anfang fährt er, als er im Rollfeld ist, fahren zwei Leute an ihm vorbei. Einer ist ein Hippie und einer ist ein Soldat. Und Vietnam-Proteste, Tod von Kennedy ist noch nicht so lange her und dann Lyndon B. Johnson ist an der Regierung und dann kommen die Republikaner wieder und es Es ist eine schwierige Zeit und es gibt irgendwie so diesen Optimismus und es gibt diese Aufbruchsstimmung, aber eben auch noch nicht richtig. Es gibt auch diese Verlorenheit. Macht Comedy. Rettet die Comedy das? Also... Weil ich meine, der Film hat sehr viele lustige Momente und du hast gesagt, du hattest viel Spaß dabei. Wahrscheinlich meintest du das vor allem.
Johannes Franke: Ich meine genau das. Also er hat wirklich ein gutes Gefühl für so lustige Momente und lustige Inszenierungen und Timing und so. Was ich ganz toll fand, war halt wirklich, wie er nervös in dem Hotel nicht weiß, okay, äh, äh, ich stelle jetzt ein Zimmer, mache ich das nicht, wie kann ich mir, Kellner, Kellner.
Florian Bayer: Name ist Robinson. Und er kommt innerhalb von einer Sekunde.
Johannes Franke: Es ist so geil. Also solche Sachen finde ich wirklich sehr gut gemacht und sehr gut inszeniert.
Florian Bayer: Und Buck Henry, der Drehbuchautor, als Portier, der misstrauisch wird, weil Benjamin zuerst den falschen Namen schreibt, also seinen richtigen Namen und dann sagt, nochmal neu. Und dann Mr. Gladstone hinzuschreiben, der ihn dann ab diesem Moment auf dem Kieker hat und immer mal wieder guckt, was macht dieser Typ da?
Johannes Franke: Es ist wirklich toll. Also ich finde die lustigen Situationen, die auch wirklich so inszeniert und gedacht sind, tatsächlich toll.
Florian Bayer: You are the most attractive of my parents' friends.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Miss Robinson fragt ihn, was er von ihr hält und das ist das, was ihm einfällt.
Johannes Franke: geil. Also es gibt wirklich schöne, tolle Momente, wo man auch denkt, okay, ja, ich war, ich glaube, ich war auch echt hilflos, als so 18, 19, 20 Ich war auch einfach echt hilflos mit solchen Sachen.
Florian Bayer: Wenn er sie so küsst und sie dann den Rauch zurückkehlt. Und dann greift er ihr so awkward an die Brust, weil er nicht weiß, was er machen soll und schlägt den Kopf an der Wand an.
Johannes Franke: Aber dann muss ich mal dazu sagen, wie das entstanden ist. Ich finde es nicht so geil, weil Dustin Hoffman hatte diese Idee, ihr an die Brust zu fassen, einfach zwischendurch. Er hat es ihr nicht gesagt. Sie wusste nicht, dass das passieren würde und er hat es einfach gemacht, musste dann lachen. hat sich schnell umgedreht, ist nach hinten gelaufen und hat den Kopf gegen die Wand geschlagen, weil er aufhören sollte zu lachen, weil er wollte für sich das nicht zeigen. Und Und sie ist offensichtlich auch amüsiert privat, weil ich das sehe in ihrem Gesicht, als das passiert. Ja. Aber das nicht abzusprechen, finde ich einfach nicht cool.
Florian Bayer: Ist es nicht. Absolut nicht cool. Nein, definitiv.
Johannes Franke: Und er erzählt das so als Fun-Fact, weißt du, und es ist so ein bisschen ...
Florian Bayer: Nee, definitiv nicht cool. So was macht man nicht als Schauspieler. Du hast definitiv mehr Erfahrung, aber wenn man so irgendwas vorhat, was physisch über Grenzen geht, dann spricht man das vorher ab.
Johannes Franke: Das muss abgesprochen werden. Aber das ist tatsächlich ein Thema, was ganz lange nicht besprochen wurde und wo es einfach gemacht wurde. Es gibt so viele schlimme Storys von Frauen, die Sachen erlebt haben, die willst du nicht wissen. Es ist wirklich hart. Und das alles unter dem Deckmantel des freien Schauspielers, der ja in der Situation sein muss, der ja einfach... Und dann macht er irgendwelchen Scheiß, der über Grenzen geht, die einfach nicht, das geht nicht.
Florian Bayer: Es gibt noch schlimmere Beispiele davon.
Johannes Franke: Ja, viele, viele.
Florian Bayer: Übergriffig im Verhalten.
Johannes Franke: Also das finde ich halt hart und das macht natürlich ein bisschen die Zeit klar, in der das gedreht wurde, wo einfach bestimmte Sachen... nicht so abgesprochen wurden, nicht so klar waren, nicht so darauf geachtet wurde, dass jeder sich wohlfühlt am Set, weil das irgendwie ... konsens war da einfach das einfach zu machen
Florian Bayer: Ja, das sind halt leider auch die 60er Jahre, ohne dass das in irgendeiner Form entschuldigen würde.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Are you here for an affair? Entschuldigung. Dass er in diese Party auch rein stolpert und dann plötzlich auf dieser Geburtstagsparty stehen, die Leute stellen sich ihm vor und er ist halt, er funktioniert halt irgendwie und stellt sich dann auf. dass er dann irgendwann endlich schafft zu sagen, ich bin überhaupt nicht hier, ich kenne sie auch gar nicht.
Johannes Franke: Auch süß, ja. Es gibt also wirklich viele, viele süße Situationen, die irgendwie lustig und gut inszeniert sind, was mich einfach auch dazu führt, dass ich den Film nicht abschneide. ausmache. Aber das ist meistens eher im ersten Teil. Dann sobald es irgendwie in diese Stalking-Geschichte geht, gibt es nicht mehr so viele Momente, die einem den Film schmackhaft machen und sagen, ja, greif nicht zur Fernbedienung.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, diese Stalking-Geschichte, also wie gesagt, man kann beide Narrative lesen. Ich finde, beide Narrative machen auch Sinn. Also er verhält sich einfach scheiße in dieser Situation. Die Frage ist halt eher, wie der Film damit umgeht, ob der Film das rein affirmativ begleitet, was man mit Sicherheit reinlesen kann. Oder, was ich halt eher sehe, dass der Film das auch sehr kritisch kommentiert, wie er sich verhält und wie er plötzlich in ihr die Möglichkeit zur Befreiung sieht. Und für mich ist das stärkste Moment, dass das diese These unterstützt, dass der Film nicht einfach nur affirmativ hier einen Helden darstellt, der seiner Frau hinterherläuft. Eine Frau, die nur oft genug gefragt werden muss, bis ihr zehntes Nein in ein Jahr verwandelt wird, ist diese Abschlussszene.
Johannes Franke: Wenn wir schon darüber reden müssen, ob der Film affirmativ ist oder nicht. finde ich es schon schwierig. Der Film ... Filme können sehr viel im Dunkeln lassen. Finde ich vollkommen in Ordnung, wenn man nicht alles versteht oder nicht alles erklärt oder so. Aber ob jemand affirmativ sexistisch ist, Das sollte nicht eine große Frage für große Debatten werden.
Florian Bayer: Stimme ich dir vollkommen zu, aber wenn man einen Film aus den 60ern betrachtet. dann ist es schon eine Leistung. Aber natürlich, es ist eine Interpretationsfrage und ich denke mir auch so, wie gesagt, mir ist es mir scheißegal, was Mike Nichols damals gedacht hat. Und ich rette das Kunstwerk dann vor ihm auch. Ich glaube, der Film hat so viele gute Momente, so viele starke Momente in der Inszenierung. dass da einfach mehr passiert. Und dass da einfach auch subtil so viel drinsteckt an kleinen Dingen, Wo eben dieses ganze Bild noch mal hinterfragt wird und noch mal gedreht wird. Natürlich gewinnt der Film keine Feminismuspreise auf keinen Fall. Ich kann jeden nachvollziehen, der sagt, dass der Film ... Der Film hat ... ein ordentliches Paket an Sexismus dabei. Und auch diese subtilen Sachen retten das nicht. Und dieser Film ist aus einer feministischen Perspektive, auch selbst wenn man den Bestelltest ignoriert, ist der auf jeden Fall mindestens eine halbe Katastrophe, wenn nicht sogar mehr. Aber es gibt eben auch die andere Seite von ihm. Und das macht ihn für mich immer noch sehr stark. Oder um es mit Anita Sirkisian zu sagen, die ich immer gerne zitiere bei sowas. Ich glaube, es ist beides möglich, Bei einem Medium die kritischen Seiten, die kritikwürdigen Seiten zu sehen und die auch klar zu benennen und zu kritisieren und trotzdem das Medium zu genießen und Spaß daran zu haben.
Johannes Franke: Ambigu. Danke. Anne Blackcroft. Und hat gesagt, dass sie dann doch sehr, sehr, sehr, sehr viele Jahre später immer noch, immer wieder, immer wieder all die Jahre... von ganz vielen Leuten gesagt bekommen hat, du warst meine erste sexuelle Fantasie. Möchte man sowas gesagt bekommen?
Florian Bayer: Wahrscheinlich ja nicht. Wahrscheinlich haben die alle auf das... Buddydouble referiert. Ja, auch das noch. Weil ihre Beine in der berühmten Szene sind...
Johannes Franke: Von einem Model, deren Namen mir jetzt nicht einfällt.
Florian Bayer: Und Nacktszähne, das ist auch nicht...
Johannes Franke: Also auch eine Strupperin von der Straße quasi.
Florian Bayer: Wie das damals halt auch so üblich war, die meisten Schauspielerinnen haben damals Nacktszenen nicht selbst gespielt, sondern hatten Body Doubles, die das übernommen haben. Das heißt, wir sehen in diesem Film nicht ihre Brüste oder ihren Bauch. Wie fandst du denn diese Flashy Zähne? Fandst du das albern? Fandst du das...
Johannes Franke: Ich glaube, es ist in Ordnung für den Moment, weil wir ja auch in seinem Kopf sind und das irgendwie...
Florian Bayer: Ja, wir sehen diese ganz kurzen Klimps-Momente, wo er offensichtlich, also er guckt verlegen weg, wenn sie sich zum ersten Mal vor ihm auszieht. Und dann sehen wir wirklich so in Frames kurz ihren Körper aufblitzen und aber auch ... Brüste, Bauch. Das Skandalöse, was auch mit Sicherheit dazu beigetragen hat, dass der Film sehr erfolgreich war, weil sowas hat sich damals rumgesprochen. Da gibt es wirklich Nacktszenen zu sehen. Der Haze-Code war noch nicht so lange weg vom Fenster. Und damals war Nacktheit im Kino, selbst wenn es so wenig war. Immer noch ein Ereignis.
Johannes Franke: Ich finde lustig, dass Robert Redford unbedingt diese Rolle spielen wollte. Und der Regisseur sich dann mit Robert Redford zusammengesetzt hat und gesagt hat, meinst du wirklich... Dass man dir jemanden abnimmt, der Probleme damit hat, Frauen anzusprechen oder mit Frauen erfolgreich umzugehen.
Florian Bayer: Du bist zu charmant. Das ist ein geiler Korb, oder? Ich würde mich über so einen Korb freuen. Und Dustin Hoffman, der 20.000 Dollar für die Rolle gekriegt hat, war pleite.
Johannes Franke: Es gibt Fotos von Dustin Hoffman.
Florian Bayer: man aus der damaligen Zeit, wie er seinen Arbeitslosencheck nach dem Film ausfüllt.
Johannes Franke: Aber er hat ja relativ schnell wieder... Jobs bekommen. Aber es gab diesen Moment, dass er wirklich danach wieder Arbeitslosengeld bekommen hat und wieder arm war.
Florian Bayer: In New York gelebt mit nicht viel Geld und in einer einfachen Absteiger, wenn man ihm selbst glaubt.
Johannes Franke: Aber er war halt danach wirklich schlagartig sehr bekannt.
Florian Bayer: Ja, war er. Und Dustin Hoffman hat noch zwischendurch so ein paar Geschichten erzählt. Antisemitism is a thing, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es wurde wohl bei Dustin Hoffnummer Jude und einige Kritiker der damaligen Zeit haben wohl sehr Anstoß genommen an seinem Optischen und wie er nicht reinpasst. in diese oberen Mittelklasse-Familien und dann auch so mit bewusster Referenz auf die Nase. Mit Nase und sowas hier. ziemlich eindeutig antisemitische Codes benutzt, um ihn zu kritisieren in dieser Rolle.
Johannes Franke: So dämlich. Ja.
Florian Bayer: Und Jeanne Moreau war übrigens die erste Wahl von Mike Nichols für Miss Robinson. Eine Französin, weil die Franzosen natürlich den Ruf haben, dass sie sich von älteren Damen verführen lassen und älteren französischen Damen auch. reiheweise junge Menschen verführen.
Johannes Franke: Ja, das ist vielleicht auch etwas, was für mich so ein bisschen den Film zusammenfasst. So dieses Klischee und dieses Bild davon und darauf dann einsteigen zu wollen. Meine Güte, Alter. Puh. Mach deine Fantasien in deinem Kopf, aber versuch irgendwie dabei nicht sexistisch zu sein. Meine Güte.
Florian Bayer: Der erfolgreichste Film im Jahre 1967 und als er veröffentlicht wurde, der dritterfolgreichste Film aller Zeiten, was den Ganzen betrifft. Also mit über 104 Millionen Dollar Boxoffice ein totaler Überraschungserfolg. Nike Nichols, Oscar für Beste Regie, nominiert für Bester Film, Bestes Drehbuch. Bester Hauptdarsteller, beste Hauptdarstellerin, beste Kamera und beste Nebendarstellerin.
Johannes Franke: Ja. Das Geile ist, was für mich das kleines bisschen darstellt, wie in der Rezeption, es gibt diese Liste von besten Filmen und so weiter und da war er 1997 auf dem siebenten Platz und 2007, zehn Jahre später, schon auf dem siebzehnten runtergerutscht.
Florian Bayer: Du meinst, das geht jetzt so weiter?
Johannes Franke: Ja, es geht jetzt so weiter. Also es ist halt wirklich... innerhalb von zehn Jahren so zehn Plätze einzubüßen, ist schon krass, weil zehn... Zehn Filme müssen erstmal in zehn Jahren gemacht werden, die wirklich auf so einer absolut besten Liste, besten Filme aller Zeiten, weißt du, da musst du erstmal drauf kommen.
Florian Bayer: Statistik, Pornografie. Der Film versprüht auf jeden Fall total viel. Ich bin 60er. Und ich seh das mittlerweile auch mehr. Ich finde, es ist trotzdem ein ganz großartiger Film, der uns ganz viel zeigen kann. Zum einen, was man machen kann mit Inszenierungstechniken.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Auch der mit seinen Inszenierungstechniken immer mitreist, der ein wunderbares Pacing hat zwischen Comedy und Tragedy. Und der, und ich mache das immer wieder gerne stark, deutlich mehr Substanz hat. als man vielleicht auf den ersten Blick vermuten würde, eben gerade in diesen kleinen Ticks in der Bildsprache. Manchmal ein bisschen größer, manchmal ein bisschen subtiler, aber aus dem man auf jeden Fall mehr rausholen kann als ... Sexistischer Film über einen jungen Typen, der mit einer alten Frau eine Affäre hat und dann zum Stalker wird.
Johannes Franke: Für die Tochter. Und alte Frau ist ja auch so gemein.
Florian Bayer: Alte Frau, alte, alte, alte, Alter. Wir machen jetzt PC mal vollkommen zur Seite. Top 3 bitte.
Johannes Franke: Ich war ein bisschen awkward mit der... Ja, ich auch.
Florian Bayer: Vor allem, weil Old... Also, ich hab... Johannes hat gefragt, was für einen Top 3 haben wir? Und ich saß so, ich weiß nicht mehr, wo ich war. Ich war auf jeden Fall so, keine Ahnung, mach mal Old But Hot. Und dann habe ich gedacht... Dann hab ich danach noch mal drauf geguckt und gedacht so, what? Okay, Flo, warum? Und dann hab ich die ganze Zeit gesagt, okay, ich muss noch mal schreiben, dass wir was anderes nehmen. Ich muss sagen, ja. hier ist der richtige Vorschlag. Und diese Chance habe ich irgendwann verpasst. Und deswegen haben wir jetzt eine All-But-Hot-Liste.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und wir werden versuchen, die mit Würde rüberzubringen. Anne Bancroft ist nicht alt in diesem Film übrigens. Sie ist vier Jahre jünger als ich.
Johannes Franke: Ja. Also, ja.
Florian Bayer: Aber nochmal zu sagen, nennen wir es alt but attractive. Ist das besser?
Johannes Franke: Ja. Ja, weiß nicht. Also, ich habe einfach alles rausgenommen an Private. Ich habe keine einzige... private Präferenz verarbeitet. Außer, dass ich sagen muss, dass Meryl Streep einfach die am würdevollsten gealterte... Schauspielerin dieses Planeten ist und die ich immer noch wahnsinnig großartig attraktiv finde. Auf viele verschiedene Weisen könnte ich auch ganz viele andere Beispiele wie Maggie Smith und so weiter nennen.
Florian Bayer: Die ist bei Filmen, ich will keine Schauspielerinnenamen, ich will ihre
Johannes Franke: Ja, ist vollkommen richtig. Kommen wir auch dazu. Aber ich hätte sozusagen sonst Meryl Streep irgendwie gegoogelt und geguckt, in welchen Filmen ist das dann irgendwie... Thema oder nicht Thema oder was. Aber das habe ich alles gelassen und einfach nur innerhalb des Filmuniversums geguckt, wer findet wen vielleicht hot.
Florian Bayer: Oh, interessant. Okay.
Johannes Franke: Ich habe keine honorable mention, ich bin gerade so auf drei Filme gekommen.
Florian Bayer: Mir ist deutlich schwerer gefallen, als ich gedacht hätte. Aber ich habe nicht viel nachgedacht, als ich das geschrieben habe.
Johannes Franke: Platz 3 stimmt nicht ganz, deswegen fange ich damit an. Sunset Boulevard, weil ich glaube, er findet sie gar nicht so hot. Aber ... Aber er findet das am Anfang hot, was sie zu bieten hat, nämlich Geld für ein Skript. Ähm... Und dann irgendwann will er einfach nur noch weg. Aber das gelingt ihm nicht so richtig.
Florian Bayer: Betty Schäfer, gespielt von ... Nee, warte mal. Nee, das war der falsche Name. Norma Desmond.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Norma Desmond, gespielt von Gloria Swanson. Und zwar ein Film aus dem Jahr 1950. Mal schauen, wie alt sie damals war.
Johannes Franke: Sie spielt eine großartige, stumpfe Stummfilmstar, die über die Jahre einfach in Vergessenheit geraten ist. 51. 51 ist sie da. Oh ja. Natürlich hat sie immer noch einen gewissen Charme und eine gewisse Eleganz und so weiter, die sie natürlich aufrecht... Aber der irre Blick, der sich immer wieder durchdrängelt, den lässt sich nicht leugnen. Der macht diese Hottness ein kleines bisschen kaputt. Mein Platz 3. Fiona Guth.
Florian Bayer: Aus American Horror Story. Coven, der Hexenquil.
Johannes Franke: Oh, still.
Florian Bayer: Jessica Lange. Fantastisch attraktive Frau. Über 60 Jahre, als das gedreht wurde. Und in der Rolle, auch in anderen Ablegern von American Horror Story, das ist ja so eine Anthology-Serie, in dem Sinne, dass eine Staffel eine Geschichte erzählt. Ja. Und sie ist eigentlich so Stammbesetzung und ihre Rollen versprühen eigentlich immer sehr viel Sexappeal.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Keine schlechte Wahl, nicht schlecht. Warum ist das nicht auf Platz 1? Dann bin ich mal gespannt, was da noch kommt. Ja, warte mal, was da noch kommt. Bei mir auf Platz zwei ist, weil man da nicht drum rum kommt, Harold und Maud. Wo es dann auch nicht unbedingt um körperliche Attractiveness geht bei den beiden, beziehungsweise wird das nicht so erzählt groß? Sondern einfach eine intellektuelle Anziehungskraft, die die beiden aufeinander irgendwie zu haben scheinen. Und sie ist einfach großartig. Die Schauspielerin ist auch toll, die das spielt in dem Film. Also Harold Maud, sie soll 70 sein, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, wie alt war die Schauspielerin?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht genau.
Florian Bayer: Fauen wir uns mal an. Harold & Maud aus dem Jahre 1971. Und Ruth Gordon hat Maud gespielt. Der Film ist 1971. Ruth Gordon, geboren 1896. Das heißt, sie war 74. Wow. Sie war 74, 75. Ja, sie war wirklich alt. Sie haben tatsächlich geschafft, eine alte Frauenrolle mit einer alten Frau zu besetzen. gut mein platz zwei und führt auch kein weg dran vorbei Sean Connery ist einfach mal gealtert bei Ruter Wein. Und ich musste dann mal schauen, was hat er denn gedreht in den Jahren, in denen er wirklich alt war. Und im Jahr 1999 hatte er in verlockende Falle auch tatsächlich ein Einbrecher. Gentleman gespielt, der auch so diesen klassischen Sean Connery Sex-Appeal hat im schicken Anzug. Ja, ja, ja. elegant. Und da war er dann über 60 auf jeden Fall. Was habe ich gesagt? 99, dann war er 69. Ja. 69 Jahre alt.
Johannes Franke: Ich muss dazu sagen, dass ich diese ganzen männlichen alten Helden umschifft habe. Weil ich finde, dass wir einfach einen furchtbaren... Sexistischen Ansatz darin haben, viel zu alte Männer mit viel zu jungen Frauen zu paaren. als, uh, guckt mal, hier ist ein Age Gap, der irgendwie spannend ist, sondern als, ja, der ist halt irgendwie eigentlich Mitte 50 und kriegt halt jetzt 20-Jährige an die Seite gestellt, was als völlig normal dargestellt wird. Während jeder Film, in dem eine ältere Frau mit einem jüngeren Mann zu tun hat, plötzlich so ein Thema ist. guck mal, wir erzählen jetzt diese spannende Geschichte von einer älteren Frau mit dem jungen Mann. Warum ist das andersrum so völlig problemlos? Ja. Gut, das Thema ist jetzt auch, es wurde viel besprochen und so, das wird jetzt kein... Kein Überraschen, der jetzt zuhört, aber es ist etwas, was mich immer noch einfach aufregt und wo ich denke, Und deswegen habe ich das einfach komplett ignoriert und finde es natürlich schade, dass ich jetzt keinen Mann drin habe, weil es gibt natürlich wie Sean Connery, absolut. Natürlich wäre dann noch... Wie heißt er?
Florian Bayer: George Clooney.
Johannes Franke: Ja, George Clooney natürlich zu nennen und so weiter. Es gibt natürlich einen Haufen Schauspieler, die sexy sind in einem Alter, in dem das vielleicht nicht mehr selbstverständlich ist.
Florian Bayer: Aber absolut, es ist so, also gerade in Hollywood, aber auch sonst in der Gesellschaft werden an Frauen und Männer da ganz andere Standards angelegt.
Johannes Franke: Und deswegen habe ich das komplett rausgenommen und mein Platz 1 ist The French Dispatch. Die Reporterin... Die mit dem Revoluzzer eine Affäre hat.
Florian Bayer: Ja, gespielt von der großartigen Frances McDormand.
Johannes Franke: Was du alles im Kopf hast, Plot.
Florian Bayer: Das ist nicht unglaublich. So, French Dispatch 2021.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Frances McDormand, 57 geboren. Das heißt, sie war 65, als sie das gespielt hat.
Johannes Franke: Mhm. Ja, schön. Von Wes Anderson würde ich jetzt auch nichts anderes erwarten. Ich glaube nicht, dass er jemand ist, der... 35-Jährige besetzt, um 60-Jährige zu spielen oder so, wie das ja manchmal anders gemacht wird. Ich liebe diese Atmosphäre, die die beiden miteinander irgendwie haben. Also ich... beiden, für beide ein Gewinn. Für beide irgendwie ein intellektuelles Fest. Jeder hat natürlich was anderes davon, aber es ist irgendwie toll. Ich finde, es ist eine super Paarung und beide wissen, okay, das ist jetzt für einen Moment, für den Zeitraum, in dem es passiert, ist das was? Und danach wird es garantiert wieder irgendwie auseinander gehen. Aber für den Moment ist es cool und wir haben was voneinander und können uns gegenseitig irgendwie befruchten.
Florian Bayer: Ja, ich war bei French Dispatch ja eher so ambivalent. Und wenn ich mich richtig erinnere, gehört die Episode eher zu denen, die ich so ein bisschen lame fand.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Sie zu viel darauf konzentrieren, ihm bei seinem Motorradfahren zu folgen und wir relativ wenig über sie erfahren.
Johannes Franke: Wenn ihr wissen wollt und zuhören wollt, wie Plur French Dispatch nicht versteht... Könnt ihr euch diese Folge anhören? Wir haben darüber gesprochen.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Dein Platz 1? Tatsächlich auch, wie ich jetzt feststellen muss, gerade wo ich es auf Wikipedia vor mir sehe, eine Frau, eine Schauspielerin, die jünger ist, als ihre Rolle angelegt ist. Und zwar Claire Underwood. Robin Wright als Claire Underwood in House of Cards. Erst während diese Serie gelaufen ist, die 50 überschritten hat.
Johannes Franke: 2013 hat
Florian Bayer: die Serie gestartet, da war sie 47 und dann ist sie im Laufe der Serie über 50 geworden. Ja. Also natürlich auch unglaublich sexy im Zusammenspiel mit ihrem Mann.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ja, großartige Rolle. Ihr Sexappeal wird sehr stark eingesetzt auf einer Handlungsebene. und wie sie damit umgeht und wie sie als gleichzeitig aber auch starke Frau ist und mächtige Frau. Ein gutes Beispiel dafür, wie man einer Rolle Sexappeal geben kann, einer Frauenrolle, und sie trotzdem nicht zum Objekt macht, sondern sie trotzdem wenn man starke Protagonistin Dinge tun lässt.
Johannes Franke: Ja, und man muss ehrlich sagen, dass ein großer Teil des Sexappeals ihre Person vor allem aus der Stärke kommt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wenn sie nicht diese Stärke hätte und diese Klarheit in der Figur und genau wüsste, wo sie hin will und was sie will und wie sie das erreicht. Dann wäre sie nicht halb so sexy. Und da brauchst du keinen Fetisch für, um das toll zu finden. Das ist einfach... Oh Gott.
Florian Bayer: Wir haben es geschafft bei diesem Top 3 jeglichen Fetisch. Und Ecken, die es so in der Pornregion gibt, so umschiffen. Und darum machen wir zu.
Johannes Franke: Ich möchte auf meinem Platz 1 noch eine Pornodarstellerin unterbringen. Okay, gehen wir wieder zurück in den Film.
Florian Bayer: Ja, wir sind bei unserem Abschluss, würde ich sagen.
Johannes Franke: Ja, es gibt nicht mehr viel zu sagen, glaube ich, oder? Also der Film hat... Sehr unterhaltsame Momente, ich finde ihn sehr, sehr witzig streckenweise, aber natürlich… fällt da ganz oft auf die Schnauze für mich, aus bekannten Gründen. Und ich würde vielleicht trotzdem eine Sehempfehlung ausgeben, um einfach das Stück Geschichte, was es ja geworden ist, irgendwie mitzuerleben. Aber wirklich ... kritisch zu hinterfragen und auch zu wissen, warum Generationen auch danach noch geglaubt haben, ich muss ein Nein einer Frau nicht akzeptieren, sondern ein kann ihr einfach hinterhersteigen und sagen, du willst das doch auch. Ich werde sie heiraten, sie weiß es nur noch nicht. Ach du Scheiße, Kotzbrech.
Florian Bayer: Ich glaube, ein sehr starker Film, der es auch aus unserer moralischen Perspektive wert ist, noch mal neu entdeckt zu werden und vor allem nochmal stärker interpretiert zu werden mit den Fragezeichen, die er mit sich trägt und mit seiner Kritik, die er in sich hat. die manchmal ganz gut unter der Oberfläche verborgen ist. Die ist aber spannend, es herauszukehren, vielleicht auch um ... Ein bisschen mehr zu verstehen, wie diese Generation tickt und was da passiert ist. Und warum viele sagen, dass diese Generation so geendet ist, wie sie jetzt geendet ist. Und der ... Wenn man ein bisschen schaut, was man dann auch rausfinden kann, glaube ich, auch in einem ... Interpretationssetting unserer Zeit noch mal neue Impulse geben kann und tatsächlich noch nochmal spannender in den Diskurs eingebracht werden kann. Trotz und gerade wegen seiner Schwächen.
Johannes Franke: Wir haben ja jetzt einen Diskurs aufgemacht dafür und es hat sich ja schon gelohnt. Also insofern.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Und unabhängig davon auf jeden Fall ein Meisterwerk, was visuelle und auditive Inszenierung betrifft. Ja, das stimmt. wie der Film der damaligen Zeit neue Wege eingeschlagen hat.
Johannes Franke: Johannes, ich danke dir, dass du mir diesen Film empfohlen hast.
Florian Bayer: Das war ein harter Kampf heute.
Johannes Franke: Sorry, ich bin noch ein bisschen krank.
Florian Bayer: Ein sehr harter Kampf war das heute.
Johannes Franke: Aber ich glaube, es hat sich gelohnt. Es hat sich gelohnt. Ich danke für den Film. Ich bin sehr gespannt, was wir als nächstes machen. Habe ich schon was? Ich muss noch ein bisschen überlegen.
Florian Bayer: Ich muss gespannt sein. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes für mich hat, bleibt kurz dran. Wir machen jetzt eine kleine Zigarettenpause. Währenddessen läuft das Outro und danach kommt Johannes mit einem Filmvorschlag für mich für nächste Woche.
Johannes Franke: Sehr schön. Bis dann. Bis dann. Ciao. Bleibt gesund.
Florian Bayer: Ihr habt die Diskussion verpasst, die wir hatten. Johannes, du musst mir sagen, was ein Girls-Night-Film ist.
Johannes Franke: Was ist ein Girls-Night-Film? Ach du Scheiße, jetzt muss ich das definieren. Also nur kurz zur Aufklärung. Ich hatte den Eindruck, dass wir dringend einen Girls' Night Themenabend machen sollten. Und jeder muss einen Girls-Night-Film vorschlagen. Und ich habe eine Liste gemacht von Dingen, die mir... sinnvoll erscheinen für einen Girls Night Abend. Also unter Girls Night Abend stelle ich mir natürlich vor, dass so... vier, fünf Freundinnen sich treffen mit, weiß ich nicht, als... oder so ins Bett kuscheln und sagen, komm, die eine hat am besten noch Liebeskummer oder so und deswegen treffen sie sich überhaupt. Und das ist ein ganz blöder Stereotyp gerade.
Florian Bayer: Ich würde sagen, du klangst noch nie so männlich wie in diesem Moment. Ich bin die Scheinung.
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht. Ich habe gedacht, vielleicht wäre das ganz gut. Und wir als männliche Dudes in Mitte, Ende 30. Wir sollten unbedingt dieses Thema auch noch kapern, damit das... Auch uns so gehört. Ich weiß nicht, keine Ahnung. Wir sollten Girls Night Filme gucken, oder nicht?
Florian Bayer: Du hast schon einen Girls Night Film ausgesucht?
Johannes Franke: Ja, ich würde Pitch Perfect nehmen. Ihr dürft mir gerne widersprechen, wenn ihr das Gefühl habt, dass das kein Girls-Night-Film ist, aber ich habe ihn als Girls-Night-Film erlebt insofern.
Florian Bayer: Ich kämpfe noch ein bisschen. Immer noch mit meiner Wahl. Ich habe zwei Wünsche. Ich will für die Eröffnung beider Episoden, wenn wir das durchziehen, will ich Girls Nights Song Songs haben von dir auf der Ukulele. Und zwar das erste ist Girls Just Want To Have Fun. Und das zweite ist Like A Virgin. Ich möchte, dass die Episoden mit diesen Liedern anfangen. Du darfst selbst entscheiden, welche Episoden mit welchem Lied. Aber du musst die vorher mit Ukulele einstudieren.
Johannes Franke: Oh Mann. Okay, ich gebe dir mal ein paar Filme als Vorschlag. Du kannst auf einen raufspringen. Wie wäre es mit Legally Blonde? Das ist ein Girls Night Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Macht mal weiter. Devil Wears Prada. Du kennst den Film. Ich würde die Powerpuff Girls mit reinnehmen. Das ist eine Serie. Ich fand die total süß als Kind und weiß nicht, wie feministisch wertvoll diese Serie ist, aber ich glaube nicht so sehr.
Florian Bayer: Das wurde ziemlich zerrissen von Feministinnen, soweit ich mich erinnere.
Johannes Franke: Ja, mach mal weiter. Love Actually, eine typische Rom-Com, die sehr in diesem... Nicht schon wieder Richard Curtis. Ja, du hast recht. Sollten wir lassen. Little Woman, bisschen die Empowerment-Version wahrscheinlich. Ich habe den Film allerdings nicht gesehen. Ich weiß nur das, was ich so vom Hörensagen habe. Dann hätten wir Schlaflos in Seattle.
Florian Bayer: Dann sind wir bei den Klassikern.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Lady Bird wurde mir noch anempfohlen. Ich weiß aber nicht, was... der zu bieten hat, groß?
Florian Bayer: Lady Bird ist großartig.
Johannes Franke: Aha, okay. Romeo und Julia wäre noch als Möglichkeit.
Florian Bayer: Schon wieder Shakespeare?
Johannes Franke: Ja, okay. Moulin Rouge. Wie wäre es mit Rouge? Das ist ein Musical, viel Romantik und sehr viel. Das, was am ehesten die Stereotype, die ich gerade entforce.
Florian Bayer: Hätte Shakespeare im 20. Jahrhundert gelebt, hätte er wahrscheinlich Moulin Rouge geschrieben. Weiter.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Das stimmt vielleicht. Twilight. Ja, okay, okay. Ich krieg bestimmt jetzt von ganz, ganz, ganz vielen weiblichen Zuhörerinnen einen auf den Deckel und ganz viel böse Post. Schreibt mir ruhig, kein Problem, ich kann damit klarkommen und es tut mir so leid, was ich hier gerade mache. Und ich hatte auf der Liste Pitch Perfect, was ich nehmen würde, weil ich den wirklich gut fand. Easy A, weiß ich gerade nicht, wie der auf der Liste gelandet ist, ich kenne den nicht. Und When Harry Met Sally.
Florian Bayer: Okay. Also Little Women fände ich ganz spannend, weil das von Krita geht. Görwig ist, aber mir ist gerade noch eine andere Idee gekommen und ich brauche ganz kurz, um den zu finden.
Johannes Franke: Derweil könnt ihr vielleicht eure bösen E-Mails schreiben und so und vielleicht einfach dazu schreiben, was euch denn einfallen würde als Girls' Night. Ah ja, die Stimme aus dem Off sagt Twilight. Twilight.
Florian Bayer: Ich habe Dirty Dancing reingebracht, das ist mit wenig Begeisterung aufgenommen worden. Ja, oh Gott, der ist so... Ich dachte so, Klassiker, Klischee, ich glaube, ich will was nehmen, was so ein bisschen mehr... ein bisschen mehr Empowerment ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und zwar, ah, da ist er. Genau, diese Regisseurin habe ich gesucht. Sally Potter.
Johannes Franke: Weißt du, warum ich gegen Dirty Dancing bin? Weil das schon gemein genug ist, dass man so ein Klischee aufmacht von Girls' Night. Und dann auch noch den Klischee-Film zu nehmen, der wahrscheinlich ganz viele Leute... die Faust gern Himmel recken lässt und sagen, nein, um Gottes Willen, so läuft das nie ab. Deswegen will ich da nicht auch noch raufhüpfen.
Florian Bayer: Wir versuchen einen Gegenentwurf. Wir versuchen es. Und zwar hat Sally Potter im Jahr 2012 einen Film gedreht, der wirklich gut war. Der heißt Ginger and Rosa und handelt von zwei Teenagern in den 60er-Jahren. die im politischen Protest unterwegs sind und dann sich aber entfremden. Ich glaube ... Weil einer eine Affäre mit dem Vater von der anderen anfängt? Es ist auf jeden Fall, es ist also, ja, ich glaube, das ist ein guter Gegenentwurf zum... Zum Klischee von Dirty Dancing, wenn Harry met Sally und so weiter. Ich nehm Ginger and Rosa aus dem Jahr 2012 von Sally Potter.
Johannes Franke: Okay, und das ist aber auch ein Film, den man als Girls' Night, du musst ihn verteidigen, als Girls' Night Film.
Florian Bayer: Ich muss ihn als Girls' Night Film verteidigen. Ich werde es versuchen. Ich weiß es nicht mehr so genau, aber ich glaube schon.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich glaube, das haut hin.
Johannes Franke: Sonst kriegst du Strafarbeiten.
Florian Bayer: Wenn du sagst, dass er nicht hinhaut, dann werde ich für die darauffolgende Episode Dirty Dancing nehmen.
Johannes Franke: Alter, du musst die Schreibarbeiten machen, nicht ich.
Florian Bayer: Aber in der Episode muss ich dann Dirty Dancing verheiraten, warum man den nicht ironisch gucken, also warum man den auch ohne Ironie gucken kann als... großartigen Empowerment-Film.
Johannes Franke: Ja, das wirst du wiederum verlieren und dann musst du wieder irgendwas und dann machst du irgendwelche Scheiße.
Florian Bayer: Aber schlaflos in Seattle? Also antifeministischer geht es glaube ich nicht.
Johannes Franke: Okay, okay. Gut, wir nehmen deinen Vorschlag.
Florian Bayer: Genau, nächste Woche gibt es Pitch Perfect. Die Woche darauf gibt es Ginger and Rosa und Johannes singt für euch. Girls just want to have fun und das habe ich schon vergessen. Okay, bis dann.
Johannes Franke: Bis dann, ciao. Und verzeiht uns diese Idee. Meine Güte, was hat mich geritten.
