Episode 95: Rango – Existenzialismus und Wild West Spektakel
Was passiert wenn Fluch der Karibik Regisseur Gore Verbinski mal ein kleineres, arthausiges Projekt umsetzen will?
Er nimmt sich eine kleine Story, denkt „Ach, das mach ich mit Animation, das is doch nicht so schlimm“, denkt sich dann: ”naja, wenn schon, denn schon” und holt Johnny Depp und Bill Nighy und all die anderen großen Namen ins Boot, stellt fest dass man dann doch Ansprüche hat, was die Animationen betrifft, will dann doch in einem großen Studio eine Liveactionvorlage für die Animatoren drehen und merkt nach und nach, dass das Projekt an den eigenen Ansprüchen immer weiter wächst und viel größer und teurer wird als geplant.
Ach ja, worum geht es? Rango ist ein Haustier Chamäleon, das in der Wüste strandet und sich in neuer Umgebung kurzer Hand als Westernheld inszeniert. Sein Hochmut bringt ihm die ehrenvolle Aufgabe ein, die Stadt Dirt zu retten. Eine Westernparodie, irgendwie Blazing Saddles plus Weirdness, aber ohne Sexismus und Rassismusreenforcement. Oder so. Hm.
Plor, ist es der kleine, feine Arthaus Film geworden, den Gore Verbinski nach Fluch der Karibik haben wollte, oder ist er doch die Blockbustervariante und hat seinen Arthaus Charme verfehlt?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 95: Rango – Existenzialismus und Wild West Spektakel Publishing Date: 2022-10-26T20:17:33+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/10/26/episode-95-rango-existenzialismus-und-wild-west-spektakel/
Florian Bayer: Aber vielleicht beim nächsten Mal. Das ist noch viel schlimmer als diese herablassenden Kritiken. Er hat sich stets bemüht. Also um das auf den Punkt zu bringen, ich fand den Vielen Dank.
Johannes Franke: Da sind wir wieder. Herzlich willkommen hier in meiner Küche, Plower.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, Johannes. Und natürlich auch herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen.
Johannes Franke: eine Schonhaltung eingenommen oder das Rücken? Was ist los?
Florian Bayer: Ich weiß es nicht genau, aber ich habe das Gefühl, es ist jetzt nicht sinnvoll, wenn ich mich die gesamte Episode lang über meinen Laptop beuge. Deswegen bin ich etwas eher in die in eine andere Art von Schräge gerückt und sitze jetzt ganz entspannt zurückgelehnt hier.
Johannes Franke: Wir sind auch der Verbund von Invaliden gerade. Ich bin auch krank.
Florian Bayer: Soll aber nicht heißen, dass ich den Film nicht ernst nehme. Ich versuche mich, auch wenn ich diese entspannte Haltung einnehme, versuche ich trotzdem den Film mit voller Ernsthaftigkeit zu begegnen.
Johannes Franke: Ich bin nie gespannt.
Florian Bayer: Zumal es ein Film ist, den du mir... vorgeschlagen hast, weil du warst ja diese Woche dran mit der Hausaufgabe für mich.
Johannes Franke: Und zwar habe ich dir Rango gegeben, einen Animationsfilm aus dem Jahre...
Florian Bayer: 2011 von Gore Verbinski. Ich kannte den Film vorher nicht, aber Gore Verbinski war mir ein Name.
Johannes Franke: Ja. Hast du irgendwas von Gore Verbinski gesehen, was dir gefallen hat? Ja.
Florian Bayer: Aber nach diesem Film bin ich auch nochmal so ein bisschen durchgegangen, was mir an seinen Filmen gefallen hat und wie zufrieden ich mit den Filmen war. Gore Verbinski, bekannt vor allem für die Fluch der Karibik-Filme, Pirates of the Caribbean. Drei Stück hat er Regie geführt. Und die ich aber nicht sonderlich gut finde. Um das gleich vorweg zu sagen. Was ich von Gorwell Binsky wirklich mochte, war das Ring-Remake aus dem Jahr 2002.
Johannes Franke: Es soll fast besser sein als das Original.
Florian Bayer: Für mich ein Fall, wo das amerikanische Remake besser ist als das Original. Wow. Und das kommt selten vor. die japanischen Horrorfilme betrifft. Es gab ja so Anfang der 2000er so ein Craze, wo die Amerikaner die ganzen japanischen Geisterfilme geremaked haben. Und das waren meistens Griffe ins Klo. Aber bei dem hat es gut funktioniert. Und das war auch der Film, der die Initialzündung dafür war.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und A Cure for Wellness aus dem Jahr 2016, so eine Mischung aus Psychothriller und Bodyhorror, den ich auch in ganz guter Erinnerung hatte.
Johannes Franke: Ja, den fand ich tatsächlich auch interessant, glaube ich. Aber ich weiß es nicht mehr ganz genau. Ich habe einen kleinen Text vorbereitet, einfach um zum Einstieg da reinzukommen. Für die ZuhörerInnen, die nicht wissen, was wir hier tun eigentlich, wer zum ersten Mal uns zuhört. Der weiß vielleicht noch nicht, dass wir uns gegenseitig Hausaufgaben geben. Wir drücken uns gegenseitig Filme auf. von denen wir glauben, dass der andere den eigentlich nicht sehen würde oder nicht gesehen hat und den Horizont des anderen erweitert. Hoffentlich. Und das versuche ich diese Woche. Mal sehen, ob das klappt.
Florian Bayer: Das ist fies. Ihr seht nicht, wie Johannes die ganze Zeit zu mir rüberschielt. Um schon so ein bisschen Spoiler zu kriegen, wie ich den Film jetzt denn gefunden habe.
Johannes Franke: Und du hast ein Pokerface, Flora. Ein ganz gemeines Pokerface.
Florian Bayer: Und ich genieße es, dich zittern zu sehen. Hau raus.
Johannes Franke: Okay. Also, mein kleiner vorbereiteter Text. Was passiert, wenn... Fluch der Karibik-Regisseur Gerwebinski mal ein kleineres, arthausigeres Projekt umsetzen will. Er nimmt sich eine kleine Story, denkt, ach, das mache ich doch mit Animationen, das ist nicht so schlimm. Denkt sich dann, naja, wenn schon, denn schon und holt sich Johnny Depp und Bill Nye und die ganzen anderen großen Namen ins Boot. stellt fest, dass man dann doch Ansprüche hat an das, was so an Animationen passiert. Will dann doch in einem großen Studio eine Live-Action-Vorlage für die Animatoren drehen... Und merkt nach und nach, dass das Projekt an den eigenen Ansprüchen immer weiter wächst und viel größer und teurer wird als geplant. Ach ja, Moment, worum geht es? Achso, also, es geht um Rango? Ein Haustier-Chameleon, das in der Wüste strandet und sich in einer neuen Umgebung kurzerhand als Westernheld inszeniert. Sein Hochmut bringt ihm die ehrenvolle Aufgabe ein, die Stadt dort zu retten. Eine Westernparodie, irgendwie Blazing Saddles plus Weirdness, aber ohne Sexismus und Rassismus-Reinforcement oder sowas. Mal gucken, das werden wir jetzt rausfinden. Plur, ist dieser kleine, feine Arthouse-Film wirklich ein kleiner, feiner Arthouse-Film geworden, wie Gör Wierbinski gerne gehabt hätte oder ist es doch eher ein Fluch der Garibik-Blockbuster geworden?
Florian Bayer: So suggestiv die Frage. Ja, es ist natürlich deutlich mehr geworden als ein kleiner Arthouse-Film. Und ich habe ja schon gesagt, ich habe nochmal auf Gorwebinski's Filmografie geschaut, nachdem ich den jetzt gesehen habe und Gorwebinski ist einfach jemand, der nicht klein kann. Also wenn der sich einen Stoff nimmt, egal wie klein das im Ansatz ist, man merkt dieses kleine, subtile auch bei diesem Film noch, dass es da... einen Versuch gab, einen Animationsfilm zu machen, der irgendwie so ein bisschen zwischen den Stühlen ist, der nicht reine Kinderunterhaltung ist, sondern auch ein erwachsenes Publikum anspricht. Und das sieht man noch, dass es einfach diese ruhigen, ein bisschen philosophischeren Momente gibt, ein bisschen... dann natürlich die ganzen filmischen Referenzen. Aber man sieht richtig, während man diesen Film guckt, wie das gewachsen ist. Mhm. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Paramount die Produktion im letzten Moment gerettet haben. Hinsichtlich, bevor Gorbensky das Geld ausging, dass die da wahrscheinlich auch nochmal gesagt haben, hier brauchen wir vielleicht noch eine kleine Actionszene. Wobei ich da auch vorsichtig wäre, weil ich glaube, Grover Binsky mag das auch ganz gerne, dieses Spektakel.
Johannes Franke: Definitiv, das kennt man ja.
Florian Bayer: es ist mehr geworden als so ein kleiner Indie-Animationsfilm. Ob das gut ist, steht nochmal vielleicht auf einem anderen Blatt. Also offensichtlich war der Film ja bei der Kritik Ziemlich gut angekommen.
Johannes Franke: Ja, der ist gut angekommen. Der hat auch gut Geld gemacht und so.
Florian Bayer: Und den Oscar gewonnen.
Johannes Franke: Ja, genau. Er hatte ein Budget von 135 Millionen dann am Ende. Ich glaube, er hat wirklich nur mit einem Bruchteil gerechnet. Wenn man das so sich durchliest und der denkt sich so, ich fang mal an, ich mach mal hier was Kleines und hat dann irgendwie festgestellt, oh, das dauert doch alles sehr lange. Das ist doch sehr aufwendig, so eine Animation.
Florian Bayer: Ich glaub, der hat das total unterschätzt. Und dann ist er natürlich auch noch mit einer gewissen Ambitioniertheit rangegangen. Nicht jeder Regisseur stattet seine Schauspieler mit Kostümen aus und stellt sie in die Wüste, um zu sagen, hey Leute, wenn wir das Voice-Acting haben, dann wollen Soll es sich anfühlen wie Wüste? Dann muss der Staub auf dem Mikrofon drauf sein. Was gebe ich dem Film auf jeden Fall schon mal? Das ist was, was wirklich gelungen ist, die Synchro- Ist sehr stark und hat sehr viel Atmosphäre. Natürlich hat er auch extrem gute, ich sag voice actors und voice actors. Actresses zu sagen, ist schon das falsche Wort. Er hat sehr gute Actresses. Also Johnny Depp als Rango und jetzt mal einmal durchzugehen. Ayla Fischer als Beans, ganz großartig. Abigail Preslin.
Johannes Franke: Und Bill Nye natürlich. Und Timothy, wie schreibt man Olymp-Fan zu Olymp-Fan? Wie spricht man das aus? Keine Ahnung.
Florian Bayer: Und Harry Dean Stanton, der dann Auch nochmal so einen großen Auftritt haben darf, so ein Kult-Schauspieler könnte man fast sagen. Also das ist ihm wirklich sehr gut gelungen. Ja. diese Atmosphäre im Voice-Acting rüberzubringen.
Johannes Franke: Jetzt kommt das große Aber.
Florian Bayer: Der Film hat mir nicht gefallen. Es tut mir auch wirklich leid, weil ich sehr viel Ambitionen dahinter gesehen habe und ich bin danach auch nochmal Gorwerbinski so ein bisschen durchgegangen und ich hab festgestellt, es gibt so gewisse Quirks, in Verbinski's Art zu inszenieren, die mir nicht passen. Und das hat ja in jedem Film und in manchen Filmen ein bisschen weniger, in anderen Filmen ein bisschen mehr. In dem Film ist es irgendwie so dazwischen. Also es hat mir besser gefallen als zum Beispiel Pirates of the Caribbean.
Johannes Franke: Mhm. Okay, liebe ZuhörerInnen, willkommen zur Masterclass. Plur nimmt Gauwabinskis Meisterwerk auseinander. Hier werden wir jetzt rausfinden, welche Quirks, wie der Fachmann sie nennt, Flora für unangemessen hält. Und bitte.
Florian Bayer: Okay, das ist eine Generalkritik. Und zwar, bei Pirates of the Caribbean dachte ich, als ich den gesehen habe, das war eigentlich so mein erster... bewusster Kontakt mit Gore Verbinski. Ich habe vorher auch schon was von ihm gesehen, aber es war das erste Mal, dass ich ihn als Regisseur wahrgenommen habe.
Johannes Franke: Möchtest du eigentlich Tee?
Florian Bayer: Ja, sehr gerne. Und da habe ich ihn komplett entlastet. Da habe ich gesagt, naja, ich meine, man sieht diesem Film einfach an, dass er in der Geisterbahn nachempfunden ist. Ja. Die Verfilmung von einer Geisterbahn. Und so ist dieser Film. Du erhetzt von einem Spektakel, von einem Fluch. Ja, sehr gerne, lieber Johannes. Danke. Er hetzt von einem Spektakel, von einer gruseligen, lustigen, actionreichen Szene zur nächsten. Und es ist halt wie eine Geisterbahn, durch die man durchläuft. Und das habe ich nicht Gorbinski in die Schuhe geschoben, sondern Disney, die halt ihre Geisterbahn wie eine Geisterbahn... Band verfilmt haben wollten. Aha. Ich glaube aber, es ist Gowabinski. Und ich finde, in dem Film merkt man das nochmal stärker und wenn man nach diesem Film dann nochmal so auf sowas guckt wie Ring, Oder Cure for Wellness, dann merkt man, ah, da ist das ja auch vorhanden.
Johannes Franke: Sind dir die Filme schlechter geworden jetzt, nachdem du das weißt?
Florian Bayer: Nicht schlechter geworden, aber ich sehe jetzt deutlicher einfach, was für eine Art er hat zu inszenieren. Und das ist halt tatsächlich, er nimmt sich so Spektakels hin. Die auch für sich gesehen teilweise wirklich gut sind und grandios sind. Dieser Film steckt voller toller Spektakelszenen. Und er baut drumherum ein Storygerüst. Und will auch wirklich eine Geschichte erzählen. Also es ist nicht einfach nur von Spektakel zu Spektakel. Aber ... Es fühlt sich eben doch so ein bisschen an wie ein Sprung von Spektakel zu Spektakel. Der Film wird es nicht ganz los. Okay. Was in dem Fall jetzt auch daran liegt, dass er halt so sehr, sehr, sehr traditionelle Top-Boy hat. Ja. Kinderfilm, wo irgendein Outsider irgendwo hinkommt und sich als großer Held ausgibt und Dann wird er irgendwann vom Bösewicht enttarnt und dann muss er aber wirklich Held werden. Es ist jetzt nicht die originellste Geschichte.
Johannes Franke: Ja... Ich habe den Film natürlich auch nicht ausgewählt, weil die Grundgeschichte irgendwie besonders originell wäre. Ich finde aber, dass der Film so viele Ideen mitbringt, so viele geile, kleine... von dem Standard dieser Geschichte, dem man auch folgen könnte. Man könnte diese Standardgeschichte auch Standard erzählen. Aber ich finde... Er macht ganz viele schöne Ideen auf, die ich nicht erwartet habe. Ich war total perplex, als ich den Film das erste Mal gesehen habe. Da habe ich gedacht, what? Du machst da jetzt so eine psychodelische Traumsequenz draus? Wie krass ist das denn bitte? Und wie jetzt der... Das arme Gürtelspiel Thea ist überfahren und sieht furchtbar aus. Das ist echt... Oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Es ist einfach mal Matsch, es ist Roadkill, es ist tot. Es gibt ganz viele Momente, wo ich denke, wow. Das ist mutig, was der Film da macht. Hast du eine neue Ukulele? Johannes hat gerade so eine Ukulele zur Seite geräumt, die total geil aussieht. Entschuldigung. Ich will nicht ablenken. Die musst du nachher noch mal kurz allen, die zuhören, vorstellen. Es gibt wirklich so ein paar Momente, wo man merkt, Der Film bricht aus dem Schema total aus. Es gibt lange Szenen, die so sehr langsam erzählt sind, die auch so diese Verlorenheit zeigen. Unser Protagonist ist auch... ein komplett anonymer Protagonist. Wir lernen ihn kennen in diesem Terrarium. Und dann wird er auf die Straße geschleudert. Er hat keinen Namen, er ist halt nur ein Haustier. Und er hat... Seine Beschäftigung im Terrarium war es, Theater zu inszenieren, zusammen mit seinem Freund, dem Fisch.
Johannes Franke: Dieser aufziehbare Fisch, dieses Spielzeugding und diese kaputte Puppe, die da noch irgendwie rumliegt. Ich finde es großartig. Vor allem, weil du am Anfang nicht weißt, dass er in einem Terrarium ist, sondern du hast einfach nur ein Tier, das irgendwie in der Gegend rumstolpert und irgendwelche Scheiß- Und du denkst dir, okay, das ist eine Slapstick-Nummer für sich.
Florian Bayer: Und es gibt von Anfang an so ein Gefühl der Verlorenheit. Ja, absolut. Diese Figur, dieses Chameleon, er hat keinen Namen. Der Name ist einfach, den liest er irgendwo ab nachher, um sich einen Namen zu geben. Ja. ist eigentlich so verloren in einer Welt, die am Anfang sehr klein ist und dann verloren in einer Welt, die viel zu groß ist für ihn. Und das ist schon stark inszeniert. Also ich mochte den Anfang tatsächlich sehr. Auch ... Ja, dieses ganze Setup, dass er halt auf der Straße landet und dann wirklich erst mal so, shit, was mache ich jetzt? Wie geht es jetzt weiter? Wo soll ich hin? Und natürlich wendet er sich dann der Religion zu, wenn man das so macht in solchen Momenten.
Johannes Franke: Aber es ist geil. Ich finde das alles so folgerichtig und klug aneinandergebracht. Und man wird da emotional herangeführt, ohne dass man irgendwie jetzt das Drehbuch dahinter großartig sieht. Ich finde, dass der fast improvisiert wirkt. Was auch ein bisschen der Fall ist, weil die am Set zwar, die hatten ihre Textbücher und so weiter, Johnny Depp und so weiter, die haben sie ja vor... wirklich hingesetzt und gesagt, los, ihr spielt das jetzt einfach und wir gucken mal. Und Johnny Depp hat auch angefangen rumzuimprovisieren.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Das ist halt Johnny Depp.
Johannes Franke: Wenn du Johnny Depp holst, dann holst du halt diesen Menschen, der einfach anfängt rumzubringen.
Florian Bayer: Obwohl er offensichtlich nur relativ wenig Zeit hatte, ne?
Johannes Franke: 20 Tage.
Florian Bayer: Ja, total krass.
Johannes Franke: Also für diese Verhältnisse, ich meine natürlich ein Tatort in Deutschland wird auch in 20 Drehtagen durch. Ja. Aber das ist was anderes.
Florian Bayer: Und es ist ja auch gerade bei so einem Film, wo das so wichtig ist. Aber um das nochmal zu sagen, diese Atmosphäre kommt total gut durch und gerade am Anfang, wo Rango, ich gebe ihm jetzt einfach den Namen, den er sich nachher selbst gibt, so viel auch so Selbstgespräche führt und mit sich selbst beschäftigt ist. Man Fühlt sich da rein und das ist wirklich spannend, weil es ungewöhnlich ist für eine Kindergeschichte am Anfang so sehr, so introspektiv zu sein und sich so auf die Psyche drehen. das Helden, das vermeintlichen Helden zu konzentrieren und diesen vermeintlichen Helden halt einfach zu einem anonymen hilflosen Haustier zu machen. Das ist schon stark, das stimmt.
Johannes Franke: Und ich finde, dass die ganze Inszenierung es schafft, an diesen Punkt zu kommen, Du hast einen Zoom auf ihn oder so was oder so ein Stillstehen der Zeit und er reißt die Augen auf und fragt sich, wer bin ich?
Florian Bayer: Ja, es ist krass. Es ist wie in die Welt hineingeworfen, wie in einer Geburt.
Johannes Franke: Und es ist so richtig krass, weil du als Zuschauer wirklich... Es trifft dich halt. Es ist alles so gut vorbereitet und so gut inszenatorisch dahin geführt, dass diese Situation, dieser Moment wirklich wirkt. Und es gibt diese Frage ja nun nicht zum ersten Mal im Film. Es gibt ja nun ganze Filme, die damit darauf runter zu subsumieren sind, dass man sagt, es geht darum, rauszufinden, wer ich bin. Das sind die meisten Coming-of-Age-Geschichten. Aber ich finde in diesem Fall, diese konkrete Frage in dieser Form in den Raum geworfen, ist so stark noch nie gewesen.
Florian Bayer: Es ist halt total universalisiert, weil es ist eben keine Coming-of-Age-Geschichte. Wir wissen nicht, Wir wissen genauso wenig über ihn, wie er selbst über sich weiß. Und wir sind quasi Teil von... von seiner Geschichte, wie er sich in seiner Geschichte selbst erfindet. Auch er muss sich überhaupt erst mal selbst finden bisher. Ja, ja. Er hatte quasi kein Leben. Er ist wie aus der Gebärmutter herausgeworfen und jetzt steht er in dieser riesigen Welt. Und das sind auch wirklich großartige Aufnahmen, diese Wüstenlandschaft mit der Straße und sonst nichts. Und ist da einfach verloren und marschiert dann los. Und ja, das hat sehr erwachsene Vibes. Das ist nichts, was ein Kind guckt und denkt so, ah ja, da kann ich mich reinversetzen. Sondern das sieht man als Erwachsener und denkt, ah ... Okay, wir sind auf einem Selbstfindungstrip. Das ist gar nicht so despektierlich gemeint, wie ich es gerade gesagt habe. Es ist wirklich die Geschichte eines Helden, eines Charakters, der sich selbst... finden muss und keine Ahnung hat, wo er hin soll. Das ist halt auch geil. Also er kriegt dann irgendwie so eine Motivation durch diesen Spirit of the West. Mhm. von dem ihm erzählt wird. Aber eigentlich macht er sich einfach auf dem Weg keine Ahnung, wohin ihn dieser Weg führen wird.
Johannes Franke: Und ich finde es spannend... Weil er genau das macht, was wir ja im Grunde auch als Menschen machen, wenn wir anfangen Identitätsentwicklung voranzubringen. Als Kinder und Jugendliche und dann als Erwachsener ja auch noch, er nimmt das, was er aus Popkultur kennt. Offensichtlich kennt er. einiges aus Popkultur, sonst würde er viele Referenzen nicht bringen und würde viele Annahmen nicht machen, die er tut. Und er würde nicht am Anfang eins zu eins aus Singing in the Rain von Donald McCona... Connor... Connor McDonald? Nee, Donald McCona... Ich weiß... Ah, wie heißt er? Von Donald O'Connor, der eben diese Slapstick-Nummer da hat und mit dieser Puppe auf dem Sofa sitzt. Und diese Puppe, er macht das eins zu eins nach und es ist großartig. Und ich habe es sofort erkannt und ich habe mich so gefreut. Und ich weiß nicht, wer das erkennt oder auch nicht erkennt, aber es ist eine popkulturelle Referenz. Das heißt, er kennt sich aus in der Außenwelt. Er hat bloß halt keine Ahnung von sich.
Florian Bayer: Eine Terrariumscheibe? geklebt und Filme mitgeguckt wahrscheinlich.
Johannes Franke: Absolut, genau.
Florian Bayer: Und natürlich ist es auch ein Part, dass der Film selbst sehr referenzfreudig ist. Ja, natürlich. Eine berühmte Fear and Laughing in Las Vegas Referenz, wo er einfach mal am Auto von denen kleben bleibt, aus dem Terry Gilliam Film.
Johannes Franke: Den auch Johnny Depp dann gleich wieder selbst voicen durfte. Ja.
Florian Bayer: Genau, das kommt noch dazu. Johnny Depp spielt in diesem Film mit, zusammen mit Benicio del Toro, als ein... Ziemlich schräges Paar, und zwar der berühmte Schriftsteller ... Hunter S. Thompson, der zusammen mit seinem Anwalt nach Las Vegas fährt, um da eigentlich nichts anderes zu machen, als Drogen zu nehmen. Auch keine Kinderfilmreferenz. einer der berühmteren Terry-Gilliam-Filme aus dem Jahr 1998. Es ist witzig, weil es einen wirklich schockiert, so huch ... Was hat diese Referenz jetzt da verloren? Aber so ist okay, weil das so erwachsen ist, das Setup, dass man das akzeptiert.
Johannes Franke: Absolut. Und ich habe ihn auch nicht als expliziten Kinderfilm wahrgenommen, muss ich sagen. Sowieso nicht. Insgesamt nicht.
Florian Bayer: Naja, es gibt, also ich finde, es gibt nachher so, wenn wir dann zur Action kommen, gibt es schon so sehr klassische Kinderfilmtropes.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Slapstick-Tropes sind es halt größtenteils, oder?
Florian Bayer: Ja, aber es sind die Sachen, wo Kinder eigentlich jubeln. Aber es wäre, glaube ich, ein Film, wenn ich den auch mit meinem Sohn gucken würde, wenn ich mir vorstelle, wie mein Sohn den guckt, der wäre wahrscheinlich eher abgetörnt von vielen Szenen, weil ihm die zu langsam wären und weil er nicht genau wüsste, Wo die mit ihm hinwollen. Und spannend auch zu dieser erwachsenen Inszenierung. Es gibt auch einen ganz traditionellen, einen griechischen Chor. Wie eine Tragödie gehört natürlich ein Chor. Das ist in diesem Fall diese Eulenband. Diese Mariachis, sollen es Mariachis sein?
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich sind es Mariachi. Es ist so großartig, ich finde es ganz toll. Und die machen diese Aufstimme und die sagen gleich am Anfang, er wird sterben. Man hat irgendwie, okay, okay.
Florian Bayer: Auch wie es sich für den griechischen Chor gehört, die Tragödie vorauszusehen und dem Helden bringt es allerdings nichts, weil kaum ist er losgegangen, wird er ja auch schon von... von einem Chaos, Hilflosigkeit in die nächste gejagt haben.
Johannes Franke: Ja, dieser Vogel, der da über der Wüste kreist und ihn jagt. Dieser Stein, was ist das eigentlich?
Florian Bayer: Eine Kröte? Ja, das habe ich mich auch gefragt. Was ist das für ein Tier? es super, dass er sich dann zum Kaktus macht und das war auch ein Moment, wo mich der Film sowieso hatte, weil nächste große Referenz Die Coens werden zitiert, als diese Bluegrass-Musik anfängt, wenn er vor dem Habicht flieht und dann durch den Wüstensand rein, dann kommt dieses... Dass man aus, wenn man diesen Film kennt, der wirklich nicht besonders bekannt ist, Arizona Junior kennt, wo in den Jagdszenen auch immer diese Bluegrass war. Und es ist wirklich die Melodie. Aus Arizona Junior. Wie geil. Da gibt es mehrere Filme von den Cones 1987, wo Nicolas Cage einen Backräuber spielt, der versucht anständig zu werden und es nicht schafft.
Johannes Franke: Haben wir auch besprochen, also gerne reinhören.
Florian Bayer: Es gibt eine Episode davon und auf jeden Fall besteht der Film auch oft aus Szenen, in denen Nicolas Cage vor irgendjemandem wegrennt. mal vor der Polizei, mal vor irgendwelchen anderen Gangstern. Und das wird immer begleitet von so einer Bluegrass-Musik, wo eine sehr hohe, jaulende Männerstimme im Hintergrund... singt. Und in diesem Film gibt es auch zwei Szenen, in denen Rango wegrennt. Eben die erste ist das ganz am Anfang, wo er vor dem Habisch flieht. Und die Musik, die läuft, ist fast exakt die Also ein bisschen variiert, aber man hört ganz klar die Referenz, dass es da her ist. Großartig, ganz toll auch diese Inszenierung dann und plötzlich ist, nachdem wir dieses... Wer bin ich hatten? Wird's plötzlich wirklich schnell.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja. Überhaupt, ich finde, er hat einen geiles Tempo. Er schafft es wirklich ganz, ganz langsame Szenen dann in Fahrt zu bringen und richtig, richtig schnelles Tempo an den Tag zu legen.
Florian Bayer: Um nochmal die Vergnügungspark-Attraktion zu zitieren, wir haben diese Momente, wo es dann hochgeht, wo man hochgezogen wird und dann geht es erstmal ganz schnell runter und dann wird man wieder hochgezogen und dann geht es wieder ganz schnell runter. Und das folgt bei dem Film Schlag auf Schlag.
Johannes Franke: Vielleicht finde ich das auch ganz gut. Ich mag diese Ride-Sache. Also, dass man wirklich so ein Action-Ride hat.
Florian Bayer: Wie gesagt, das ist mein Geschmack. Ich sehe, was der Film will und ich verstehe, dass da was dran ist. Dass da was drin ist und so. Und es hat mich einfach dieser abrupte Wechsel und dieses Gefühl, dass okay, jetzt kommt wieder so ein Spektakel, jetzt haben wir wieder fünf Minuten. oder fünf Minuten Shootout oder sonst was. Das war mir ein bisschen zu viel, so Schlag auf Schlag.
Johannes Franke: Aber es ist kein Marvel-Action.
Florian Bayer: Nein, überhaupt nicht. Bei Marvel ist es auch anders. Bei Marvel fließt die Action so ineinander. Und hier haben wir halt wirklich diese harten Cuts, also du hast schon gesagt, es bremst extrem ab und es beschleunigt. extrem wieder. Und dann ist ein drei Minuten Extremspektakel und dann ist es wieder total abgebremst und total ruhig. Und das ist so ein Rhythmus, auf den man sich einlassen muss und Und so ein Rhythmus, der auch, glaube ich, nicht jedem passt, weil er herausfordernd ist und weil er auch stressig sein kann.
Johannes Franke: Ich kann gar nicht sagen, ob das generell ein Rhythmus ist, den ich mag, aber in dem Fall mochte ich ihn tatsächlich sehr. Irgendwie hatte das tatsächlich, jetzt wenn du den Disney-Ride-Vergleich bringst, komme ich nicht. nicht drum herum. Ich war ja im Disney-Park in Paris und mochte es tatsächlich sehr, obwohl ich immer gedacht habe, ich setze mich nie in so ein Höllending. Aber dann habe ich mich da reingesetzt. Und fand es großartig. Und dieser Vergleich passt gerade so gut. Irgendwie passt er gerade so gut und ich mag das tatsächlich.
Florian Bayer: Und wenn man sich im Hinblick darauf nochmal Pirates of the Caribbean anguckt, merkt man das auch. Das hat mich von Anfang an in diesem Film gestört. Ich war überhaupt nie ein Fan von Fluch der Karibik. Auch den ersten Teil mochte ich nicht. Viele sagen ja, der erste ist wirklich gut und die anderen lassen nach. Mich hat das von Anfang an gestört, dass man das Gefühl hat, dass die Szenen so aufgebaut sind, wie eine Geisterbahn. Und zwar wirklich auch so Charaktere, die da hingestellt werden und die wirklich nur so als Staffage dienen. Und dann werden unsere Protagonisten da halt durchgescheucht und machen und erschrecken und freuen sich und lachen und haben Spaß. Und das fand ich sehr ermüdend bei Paris of the Caribbean. Hier ist es nicht so krass, weil hier auch ein bisschen mehr, hier ist mehr Substanz einfach da. Hier die Geschichte, die erzählt wird, ist erwachsener als bei Flucht der Karibik.
Johannes Franke: Wann warst du das letzte Mal bei einem Freizeitpark?
Florian Bayer: Freizeitpark ist schon ein bisschen länger her. Auf dem Rummel war ich jetzt im letzten Jahr relativ häufig. Da waren auch Geisterbahn. Zählt das? Achterbahn, Wildwasserbahn?
Johannes Franke: Okay, machst du sowas?
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich bin großer Fan von Fahrgeschäften und Fahrattraktionen in Freizeitparks. Nicht so von den Shows, aber so Achterbahn ist schon ziemlich geil. Okay. Ich mag auch Achterbahnen, wenn sie schnell sind und ich mag auch die extremsten und fiessten Achterbahnen.
Johannes Franke: So Freefall?
Florian Bayer: Ja. Freefall Tower großartig.
Johannes Franke: Also das fand ich, da war ich, das war mir dann zu viel. Das habe ich nicht mehr... Da war ich dann wirklich, nachdem ich diesen Freefall Tower durch hatte, war ich so fed up und gedacht, nie wieder.
Florian Bayer: Es gibt Compilation-Videos auf YouTube von Leuten, die in den Freefall-Towers ohnmächtig werden. Ganz großartig.
Johannes Franke: Ich hatte echt Sorge, dass ich ohnmächtig bin. Das war echt krass.
Florian Bayer: Ich muss dazu sagen, das letzte Mal, dass ich auf dem Freefall Tower war, ist bestimmt 20 Jahre her. Das heißt, es kann sein, dass jetzt auch nochmal ein ganz anderes Erlebnis wäre als damals.
Johannes Franke: Ja, bestimmt, bestimmt.
Florian Bayer: Also Freefall Tower ist sehr lange her, aber ich habe es noch in guter Erinnerung. Also Mitte 20 war ich wahrscheinlich. 15 Jahre dürfte es her sein.
Johannes Franke: Okay, dann kannten wir uns schon. Und du hast mich nicht mitgenommen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Okay, es sei dir verziehen. Gehen wir zurück in den Film. Clint Eastwood ist auch so eine Referenz. Ja, total. voll von Referenzen. Vor allem Western-Referenzen. Ja, es ist so großartig. Es ist wirklich viel. Und bei Clint Eastwood, finde ich, treibt das sehr, sehr weit.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Weil er kommt da rüber über die Straße, findet diesen Kart und da sind irgendwie diese Golden Guards, wie er sie nennt. Das sind die fünf Oscars, die Clint Eastwood gewonnen hat über die Zeit. Und das ist schon so ein bisschen, okay, krass.
Florian Bayer: Aber wenn du dich vor einem großen Western verbeugst, vor allem auch vor so einem Western, der eher so im Südlichen spielt und so diese So an Mexiko auch ran lehnt, dann musst du dich vor Clint Eastwood verbeugen. Einfach dem Star, der Spaghetti-Western und der etwas abgefuckteren Western-Filme.
Johannes Franke: Und der Mann ohne Name, wie er genannt wird, ist ja tatsächlich so animiert. Der hat diesen Poncho und dieses outwornen Gesicht und dieses... Krasse Western-Ding einfach. Sieht eins zu eins aus wie Eastwood aus diesen Filmen.
Florian Bayer: Aber dann haben wir sowas wie diese Traumszene, ne? Was man nicht unbedingt aus dem Western kennt, sondern eher aus einem surrealen psychedelischen Drogentrip.
Johannes Franke: What the fuck? Ich finde es großartig, weil das das, was dieser Durst und diese plötzliche Hitze und dieses Verlorensein irgendwie macht und ich finde es total großartig.
Florian Bayer: Es ist halt einfach so plötzlich so ein Albtraum, wir kommen aus dieser wilden Jagdszene und er hat sich gerade beruhigt und legt sich dann hin zum Schlafen und dann haben wir wirklich diesen wehren Traum, wo er auch seinen Fischfreund… noch mal begegnet, der dann riesengroß ist. Und es ist schon so, es ist sehr abgefahren. Ich war überrascht, dass der Film sich diese spitzen Momente getraut hat, wo er wirklich ... Ja, sich aus einer Komfortzone rausbewegt.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Während er in anderen Sachen halt sehr stark in dieser Komfortzone drin ist. Und das ist am Anfang nicht am Anfang. Es ist auch so... Vielleicht ist das auch ein bisschen, ich war am Anfang, war ich sehr gehypt, als ich das alles gesehen habe, so wie das Voice-Acting war, wie diese Einsamkeit gezeigt wurde, wie weird das alles war. Und dann war ich ziemlich enttäuscht, als er halt in diese Westernstadt kommt und als auch als dann doch diese sehr traditionelle Geschichte erzählt wird. Er ist ein Großmaul, er wird zum neuen Sheriff gegrönt, es gibt einen Bösewicht, wir haben alles, was dazu gehört, die... Leguanien, die eigentlich total cool ist, macht auch nicht viel mehr als panisch-hysterisch-erstarren.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ja, ich weiß nicht, vielleicht war es auch so, ich war wirklich gehypt in der ersten halben Stunde und dann hat das so nach und nach abgebaut und ich dachte, oh, jetzt ... Und jetzt kommt Spektakel auf Spektakel und drumherum ist halt doch diese sehr traditionelle Western-Geschichte gebaut.
Johannes Franke: Okay, dann ahne ich jetzt ... Was das Problem war und kann dir natürlich auch eher folgen. Ich war so ein bisschen enttäuscht, als du gesagt hast. Also natürlich war ich enttäuscht. als du gesagt hast, dass du den Film nicht magst. Aber jetzt verstehe ich natürlich warum und weiß auch... Hättest du dir gewünscht, dass er überhaupt gar nicht so eine traditionelle Geschichte in der Form erzählt? Oder hättest du gehofft, dass er moderner mit seinen Figuren umgeht? Weil die Frauenfiguren sind ja auch, also ich meine, naja...
Florian Bayer: Ja, nee, das ist gar nicht so schlimm. Ich hätte mir, glaube ich, gewünscht, dass er ein bisschen mehr beim Thema vom Anfang bleibt. Dass er ein bisschen mehr diese Verlorenheit, Selbstsuchen, dass er das noch ein bisschen mehr ausreizt, ein bisschen mehr Geschichte gibt, weil wenn Rango zu Rango wird... Dann kriegt der auch einen viel deutlicheren Charakter aufgesetzt. Und der ist halt dieser klassische, großspurige Held. mit gutem Herzen, aber viel zu groß spürig und erkennt selbst nicht, zu welchen Heldentaten er eigentlich in der Lage ist. Und seine Tollpatschigkeit hilft ihm auch noch und der Zufall hilft ihm. So diese ganzen Tropes eben. Man kennt sie aus sehr vielen Kinderfilmen. Und aus sehr vielen Animationsfilmen und auch Animationsfilmen, die so die Western-Thematik haben. Bugs Life wäre das Erste, was mir einfällt, was wirklich... zehn Jahre älter ist und das fast exakt so erzählt und sogar auch Western-Referenzen hat und irgendwie die glorreichen Sieben zitiert.
Johannes Franke: Okay. Ja. Das heißt, nach einer halben Stunde, also eigentlich nachdem er sich Rango nennt, nach dieser großartigen Kneipenszene. Ja, Dirt.
Florian Bayer: Dirt ist cool. Ja. Die ganze Inszenierung von Dirt ist toll, auch wie er in die Kneipe kommt. Natürlich auch wieder komplett das Klischee. Natürlich. Alle lachen.
Johannes Franke: Ja, also richtig, richtig typisch. Aber ich finde, irgendwie hat er es geschafft, das auf eine Art und Weise zu machen, die diese... Parodie natürlich nach vorne stellt und das gut, also zum einen gut inszeniert, also es gibt ja auch schlechte Parodies. Die dann schlecht, weil sie es nicht ganz verstehen, was eigentlich da passiert, aber genau verstanden, wie ein Western in diesem Salon funktionieren muss. Und hat es sehr gut inszeniert und sich gleichzeitig drüber lustig gemacht.
Florian Bayer: Das ist ja auch möglich. ein bisschen unfair muss ich jetzt mal so kritisch zu meiner Kritik sagen, sich über Klischees in einem Film aufzuregen, dessen Essenz es natürlich ist, sich an diesen Klischees hochzuziehen und mit diesen Klischees Spaß zu treiben, das macht der Film ja. Also es ist nicht so, dass er einfach Klischees reproduziert, sondern er Er weiß sehr wohl, in welchem Kontext er sich da bewegt und macht das auch mit dem Augenzwing kann.
Johannes Franke: Ja, wobei er sich natürlich trotzdem aussuchen kann, was für eine Geschichte er erzählt. Und wenn er dann so eine ganz, ganz klassische Heldengeschichte erzählt, dann verstehe ich, was du meinst. Das ist für dich nicht so... Jetzt geben wir uns gegenseitig Argumente, was soll das denn sein?
Florian Bayer: Ja, wir brauchen uns keine Argumente zu geben, es kommt nämlich gleich das nächste Spektakel, wenn er fast in ein Duell gerät und dann denkt man schon, oh nein, und jetzt wird er enttarnt und dann kommt aber der Habicht. Und er schafft es halt irgendwie den Habicht zu töten, indem er einfach stolpert. Ja, genau.
Johannes Franke: Er stolpert in der Gegend rum.
Florian Bayer: Und diesen Turm dann zufällig umreißt, der den Habicht erschlägt, der dann auch wirklich erschlagen wird einfach mal, der ist tot.
Johannes Franke: Der natürlich sehr comichaft einfach nur da steht und wartet, dass er erschlagen wird. Aber gut. Ich finde auch, dass es gar nicht unwahrscheinlich inszeniert ist dann. Also die Leute... Rennen ja alle weg und er weiß nicht wohin und wie und was und meistens in solchen Filmen sind die Zufälle dann doch zu stark und zu krass. Und ich finde, er zieht oft so eine Realismuskarte, die ich ganz geil finde.
Florian Bayer: Also es ist halt wild und laut. Und es ist kurz und es dient halt vor allem dazu, einmal wieder Bewegung reinzubringen in die ganze Geschichte, nachdem wir kurz in dieser Kneipe so sehr verharrt sind. Und einmal wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes, im Drecksuhlen durften, weil diese Stadt, in der das Wasser ausgeht, ist halt auch so komplett heruntergekommen. Und wir kriegen einmal das Setup präsentiert und dann geht es aber halt gleich wieder los mit der Action. Um ihn auch irgendwie zum Sheriff zu machen. Also es ist so klar, was das Ziel ist. Rango soll der Sheriff werden. Wir brauchen ein bisschen Action.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich finde es total großartig. Ich mag das ja total. Ich versuche nur ein bisschen deinen Punkt zu verstehen.
Florian Bayer: Ich versuche ihn selbst noch zu verstehen, weil ich den Film von seinem Ansatz total sympathisch finde. Ich glaube, das wurmt mich auch selbst so ein bisschen, dass ich eigentlich sehe... dass Gore Binsky hier wirklich mutig rangegangen ist und auch viele Sachen gemacht hat, so gegen den Strich von Hollywood-Animationen.
Johannes Franke: Und überhaupt nach dem Film ja die Paramount überhaupt erst ihre eigene Division für Animationen gegründet haben.
Florian Bayer: Mal geguckt, was die inszeniert haben. Was denn?
Johannes Franke: Oh nein, hast du schlechte Botschaften.
Florian Bayer: Ich habe ganz schlechte Botschaften. Ich habe nichts davon gesehen. Das Ding ist aber, ich habe einmal quer so I am the Beat, wie man das halt so macht. und Rotten Tomatoes. Und die Filme, die sie gemacht haben, bei der Kritik sind die alle gescheitert. Sie haben einen Film gemacht, der heißt Monster Trucks. Wo offensichtlich die Monster Truck Variante von Disney's Cars. Sie haben gemacht Sherlock Gnomes. Also Gnomes wie die kleinen Gnome, ja. Der Film heißt wirklich so. Sie haben zusammen mit der WWE, Wrestling,
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Der World Wrestling Entertainment haben sie einen Film namens Rumble gemacht, einen Animationsfilm über Wrestler. Und diese Filme sind alle komplett bei der... Kritik durchgefallen. Fuck, Alter. Außerdem zwei SpongeBob-Filme. Ich bin kein SpongeBob-Fan.
Johannes Franke: Ich schon?
Florian Bayer: Die beiden Spongebob-Zeichentrick-Kinofilme sind von denen.
Johannes Franke: Okay, ja, das rettet es ein bisschen. Also die sind jetzt nicht der absolute Hammer, aber...
Florian Bayer: Der kleine Prinz. Ich habe zum ersten Mal gehört, dass es eine Animationsverfilmung von Der kleine Prinz gibt. Habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Habe ich die gesehen? Ich bin mir nicht sicher, aber ich wusste, dass es sie gibt.
Florian Bayer: Und, was so ein bisschen für mich rettet, Anomalisa. Einen ganz großartigen Film von Charlie Kaufman.
Johannes Franke: Hm.
Florian Bayer: Also, ja, aber größtenteils hat das Studio den Spaß an der Animation genutzt, um einen ziemlichen Trash zu produzieren. Ich hab mir ein paar Bilder angeschaut. angeguckt, ein paar Szenen. Und das ist so diese Klischees, wenn man so sagt, ja, so Animationen, B-Movies.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Den sieht man das halt sehr schnell an, weil die nicht im geringsten konkurrieren können mit Pixar, Disney, Dreamworks. Einfach allein vom Budget. Und das sieht man daran, dass die Animationen weniger Details haben, weniger farbenfroh sind, weniger Frames benutzt werden oder so ganz einfache Sachen. Und ich finde es krass, dass Paramount solche Filme macht.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber so sahen die aus. Also vor allem Sherlock Holmes sah echt übel aus. Das sah eigentlich eher aus wie so eine europäische Animationsputze, die für eine Million sagt, ey, wir können auch Animationen machen.
Johannes Franke: Okay, gut. Vielleicht vergessen wir jetzt ganz schnell wieder, dass Paramount überhaupt Animationsfilme macht.
Florian Bayer: Aber ist es nicht wirklich eine schöne Geschichte, dass Gorbert Binsky sagt, ey, ich habe keinen Bock, den nächsten Fluch der Karibik zu drehen? Das hat er nämlich gesagt. sagt, ich hab jetzt Bock, einen Animationsfilm zu machen. Ich will mal gucken, wie das überhaupt geht. Ich will das mal ausprobieren und so weiter. Dann irgendwann feststellt, shit, das ist eine Menge Arbeit. Ich hab jetzt hier meine ganzen Gruppe zu Geld. an Bord, die mögen mich alle, weil ich mit denen schon gearbeitet habe, aber es ist trotzdem Johnny fucking Depp. Ich will jetzt nicht, ah, Hilfe! Und dann kommt Paramount und sagt, ah, komm, wir geben dir das Geld, was schon krass ist, weil die haben ja das Drehbuch gelesen, die haben gesehen, was da gemacht wird und haben trotzdem gesagt, okay, wir geben dir das Geld. Und dass dieser Film, der ein Budget hatte von 135 Millionen, was ein ordentliches Budget ist, aber halt Animationsfilmbudget, dass der ... fast das Doppelte am Box-Office einspielt, einen Oscar gewinnt als bester Animationsfilm. Und zwar der einzige Disney-Pixar-Film, der einen Oscar gewinnt.
Johannes Franke: Seit Ewigkeiten, seit 2006 oder sowas, seit irgendeinem anderen Film, da gab es noch einen.
Florian Bayer: In den 2010ern, genau. 2006 war es irgendein Schreckfilm? Nee, aber bestimmt war Streamworks.
Johannes Franke: Mhm. Keine Ahnung.
Florian Bayer: Und danach, 2018, hat Spider-Man New Universe wieder einen Oscar gewonnen. ist eine tolle Geschichte. Und das ist eine sympathische Geschichte. Die ist auch einfach schön. Deswegen ignoriert man wahrscheinlich wirklich besser, was Paramount danach für Animationsfilme gedreht hat.
Johannes Franke: Nur um das abzurunden, es gibt wahnsinnig viele Anspielungen, wer sie alle gefunden hat. Ich habe auch irgendwo noch meine Liste gefunden. Also Fear and Nothing in Las Vegas natürlich, die Zeitmaschine, Deadwood, zwei gelohrreiche Halunken, Chinatown. Don Quixote de la Mancha wird angeteast, weil dieser Typ, der da über die Straße wollte, so aussieht, sehr stark an das Outfit und so.
Florian Bayer: Und selbst wenn man von den spezifischen Beispielen weggeht, findet man ganz viele allgemeine Referenzen. Also sowas wie zum Beispiel die Präriehunde, die im zweiten Akt... zu den vermeintlichen Bösewichtern, die vermeintlichen Bösewichter sind, die kommen wie Zombies aus dem Boden.
Johannes Franke: Das ist eine große...
Florian Bayer: Das ist eine großartige Szene, weil man wirklich denkt, wow, was kommt denn da jetzt? Und dann sind das diese Präriehunde, die sich halt verkraben haben, um sich zu verstecken und die kommen aber raus wie Zombies.
Johannes Franke: Es ist großartig.
Florian Bayer: Super Szene.
Johannes Franke: Ja, solche Sachen. Einfach ein Film, der Filme liebt.
Florian Bayer: Habe ich so das Gefühl.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Und das kommt mir natürlich entgegen. Und hättet ihr auch entgegenkommen sollen. Ja. Und anscheinend sind die Firearms, also die Pistolen und so, die sie verwenden, tatsächlich sehr akkurat gezeichnet. Vorbildern, die tatsächlich verwendet wurden, werden, was auch immer.
Florian Bayer: Ja, um vielleicht nochmal was zur Animation zu sagen. Ich will ja nicht nur über den Filmlestern. Die Animation war wirklich stark. Die Animation ist richtig gut. Auch ein Animationsfilm, der sich viele Nahen traut. Also vor allem Rangos Gesicht sehen wir öfter sehr nah. Und der sehr geschickt die Schwierigkeiten für Animationsfilme, die auch in den 2010ern immer noch da waren, die heute immer noch da sind. gut zu umgehen, also er stolpert nie in Uncanny Valley, obwohl er sehr viel Freude an Details hat. Und auch an realistischen Details. Die Tiere haben teilweise wirklich krasse Narben und Furchen. Sehen sehr mitgenommen aus. Er atmet schon so dieses dreckige Überleben in der Wildnis. Also in diesem Fall in der wüstigen Wildnis. Aber er bewahrt sich trotzdem so einen gewissen Comic-Charme, um halt eben nicht an Connie Welle zu stolpern, sondern es funktioniert. Die Animationen sind sehr gut.
Johannes Franke: Ja, ich finde es auch wirklich sehr, sehr, sehr gut ausgewählt. Man muss halt wissen, was man kann und was man nicht kann.
Florian Bayer: Industrial Light & Magic. Also, die können Animationen, die können Computer. Die waren für die Animation verantwortlich. Also um mal an die Substanz des Films zu gehen. Es geht um ein aktuelles Thema. Es geht um Energie. Es geht um Wasser, es geht um die Versorgung mit Rohstoffen. Weil das ist das, was... Das große Problem ist, weil das auch das Wichtigste ist, die brauchen Wasser. Die sind mitten in der Wüste und das Wasser geht ihnen aus. Sie haben das Wasser in der Bank gelagert.
Johannes Franke: Was auch eine tolle Idee ist. Wunderbar. Zahlungsmittel gegen Wasser auszutauschen, also Das ist wirklich eine gute Idee für die Wüste und nicht nur für die Wüste, sondern allgemein ein Kommentar auf unsere Zeit.
Florian Bayer: Genau, also Rango erzählt dann wirklich auch eine Geschichte, wo es um Korruption geht. Letzten Endes stellt sich heraus, dass der Bürgermeister verantwortlich ist für die Wasserflaute, weil er... von den Menschen gelernt hat, wie man ein Paradies erschafft, nämlich indem man erstmal das Geschwür oder wie auch immer man es nennen will, abschneidet. Das heißt, die Versorgung von Dirt wird einfach eingestellt, damit er hinter dem Hügel sein eigenes Las Vegas aufbauen kann. Das ist schon cool, weil es halt wirklich ein erwachsenes Thema ist und weil es ein Thema unserer Zeit ist. Wir haben... Also Rohstoffmangel und vor allem in unserem Fall jetzt vor allem, was Energie betrifft. Und auch dieser Kampf um die Hoheit über Rohstoffe, das ist einfach Das sind einfach Themen unserer Zeit. Das fand ich ganz spannend, auch weil der Film halt zehn Jahre alt ist, aber in dieser Hinsicht immer noch sehr gut funktioniert.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Naja, aber er macht das auch universell. Also ich meine, natürlich ist es ein Thema, das irgendwie aktuell ist, aber die Art und Weise, das umzusetzen, ist natürlich dann wiederum moralisch universell. Man schneidet nicht einfach die Leute von lebenswichtiger Versorgung ab und sagt, okay, ich mache ja mein eigenes Ding. Das kannst du nicht machen.
Florian Bayer: Wenn man sich anschaut, wie in der Geschichte Amerikas Staudämme gebaut wurden und wieder die Natives umgesiedelt wurden... denen wirklich das Wasser gekappt wurde, dann ist das schon einfach eine sehr konkrete, also auch ein Kann man auch als sehr konkrete Parabel lesen. Stimmt, ja. Die Politik hat Menschen Wasser weggenommen, um ihre Städte aufbauen zu können mit Wasser. Und das findet man nicht nur in Amerika, das findet man überall auf der Welt, vor allem in den Regionen, in denen Wasserknappheit herrscht natürlich.
Johannes Franke: Reden wir also jetzt, kommen wir zu dem Teil, in dem wir über Nestle wettern.
Florian Bayer: Ja, ich habe auch gerade überlegt, wie ich den Sprung mache jetzt zum Wasser, das in Flaschen abgefüllt wird. Also der Film ist natürlich ein sehr allgemeiner Film mit einer sehr einfachen Moral letzten Endes, aber man kann da diese... politischen Themen drin sehen.
Johannes Franke: Ja, absolut. Na sowas.
Florian Bayer: Ist deine Tür offen?
Johannes Franke: Nee. Wow, das ist hellhörig.
Florian Bayer: Das Treppenhaus ist laut. Wahnsinn. Habt ihr das auch gehört? Da hat jemand, habt ihr das gehört? Da hat sich jemand in unseren Podcast eingeschlichen. Aus Johannes Treppenhaus heraus.
Johannes Franke: Wir werden überfallen. Okay, ja, also Nestle, gut, setze jede Kritik ein, die dir einfällt, liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen. Ich weiß nicht, müssen wir jetzt über Nestle reden? Wahrscheinlich nicht. Das weiß einfach jeder, dass das die riesen Arschlöcher, die auf diesen Planeten sind. Neben Monsanto und Co.
Florian Bayer: Wir können ja mal zu unseren Bösewichten im Film kommen.
Johannes Franke: Ah!
Florian Bayer: Wir haben nämlich zwei großartige Bösewichte. Also natürlich vor allem ... Also nichts schlägt Bill Nighy als Rattlesnake Jake.
Johannes Franke: Es ist so großartig. Ich liebe Bill Nae. Wir hatten ihn schon ein paar Mal im Podcast besprochen und ich liebe diesen Typen einfach. Es ist unglaublich. Großartiger Mensch.
Florian Bayer: Ja, und er ist in diesem Film wirklich eine Erscheinung. Also er spielt sich nicht selbst. Ja, ja, ja. Rattlesnake Jake ist erstmal großartig inszeniert. Ja. Weil er hat dieses, bringt diese Klugheit mit und dieses physisch extrem Bedrohliche, weil er eine Riesenschlange ist.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: Dann mit dieser Stimme von Bill Nighy, der eben nochmal diese... so eine gewisse Kultiviertheit in diese Figur reinbringt. Es ist wirklich, diese Schlange ist wirklich ein cooler Bösewicht und er ist eigentlich nur ein Auftragskiller.
Johannes Franke: Und er hat einen Schnauzer.
Florian Bayer: Ja, natürlich hat er einen Schnauzer.
Johannes Franke: Ich bin so großartig.
Florian Bayer: Und er ist auch eigentlich der coolere Bösewicht, der sich dann im Nachhinein quasi auf die andere Seite schlägt, weil er auch so ein bisschen erkennt, dass Rango irgendwie heldenhaft gehandelt hat.
Johannes Franke: Ja, das ist so ein bisschen dieser Topaz von, naja, der Gangster mit seiner eigenen Moral und seinem Bedürfnis... bestimmte moralische Grundwerte zu halten. Und das ist dann halt, wenn er halt sieht, dass Rango tatsächlich auch ein Held sein kann, was er eben ja am Anfang abspricht, dann ändert er sich. Ich finde es fast ein kleines bisschen zu lame, aber... Aber ich akzeptiere das in dem Moment.
Florian Bayer: Ja, und dann haben wir natürlich Ned Beatty. Ich weiß nicht, er wird Beatty, glaube ich, ausgesprochen. Ned Beatty, der den Bürgermeister spielt. Den wirklichen Bösewichten.
Johannes Franke: Warren Beatty?
Florian Bayer: Nee, Ned Beatty. Ist er verwandt mit Warren Beatty? Das ist eine gute Frage. Ich glaube aber nicht... Nee, er ist nicht verwandt mit Warren Beatty, aber Ned Beatty kennt man unter anderem als Lex Luthor aus den alten Superman-Filmen.
Johannes Franke: Mhm, okay.
Florian Bayer: Ah, nee, nicht Lex Lufat, Entschuldigung. Streicht das. Okay. Den kennt man als ... Als den Assistenten von Lex Luthor in den alten Superman-Filmen. Und auch eigentlich ein sehr bekanntes Gesicht, der immer mal wieder in Hollywood auftaucht. spielt den Bürgermeister mit genau der richtigen Mischung aus Verschlagenheit, Schwierigkeit.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: wie man sich das halt für so einen Fiesling, der im Hintergrund agiert, der sich erst später als Fiesling erwartet.
Johannes Franke: Ja. Ist dir irgendwie jemand eingefallen, an den dich diese Figur optisch erinnert, weil dieser Meyer, also... Ich habe die ganze Zeit das Gefühl, ich kenne den irgendwoher. Irgendein Schauspieler muss da Pate gestanden haben, optisch.
Florian Bayer: Ich muss mir noch mal ein kurzes Bild angucken, aber ich hatte ... Nee ...
Johannes Franke: Also auch in der Art und Weise, wie das Gesicht sich bewegt und so. Irgendwie...
Florian Bayer: Ich habe eher das Gefühl, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, habe ich gedacht, das hat sowas alienhaftes an sich. Ja, ein bisschen stimmt. Weil das so... Wenn man dieses Schildkröten-Gesicht sieht unter dem Cowboy-Outfit ... Dann wirkt das fast so ein bisschen wie ein Alien, das sich getarnt hat, um in menschlicher Umgebung zu funktionieren.
Johannes Franke: Ja. Liebe ZuhörerInnen, wenn euch einfällt, an wen mich diese Figur erinnert, dann schreibt uns bitte. Ich habe vorhin die ganze Zeit gedacht, wer den Film nicht gesehen hat und uns dann reden hört. ich weiß nicht, ob man uns folgen kann oder ob man dann den Film sehen will oder ob man dann sagt, oh Gott, Dann guckt man den Film später an und denkt sich, what the fuck, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich kriege das überein. Liebe Zuhörerinnen, auch das schreibt uns gerne. Mich interessiert es total, wenn ihr einen Film aufgrund dieses Podcastes mal anschaut, ob das irgendwie zusammenpasst, was wir reden und was ihr dann seht.
Florian Bayer: Ja, es kommt wirklich drauf an, wenn man Fokus setzt. Wir haben zum Beispiel fast noch gar nicht bis darauf, dass... dass das eben dieses Zombie-Meme ist. Über die Wüstenhunde gesprochen, die ja wirklich coole Charaktere sind auch. Die vermeintlichen Bösewichte, die dann auch festgenommen werden als die Diebe des Wassers. Und die aber eine leere Flasche geklaut haben.
Johannes Franke: Ja, die haben eine leere Flasche irgendwo gefunden, oder?
Florian Bayer: Ja, sie sind halt Gangster, sie sind Ganoven, aber sie sind nicht das große Problem im Großen und Ganzen. Und die dann sogar fast gelünscht werden von der Dorfbevölkerung. Toll, also wirklich... schöne, ambivalente Charaktere und wir freuen uns wenn sie nachher auf der Seite von Rango sind und auf der Seite von Rango kämpfen mit ihren Fledermäusen. Sie halten Fledermäuse.
Johannes Franke: Ja, und auf dem Boden werden Rennkuckucke geritten, wenn ich das richtig sehe. Ich liebe Rennkuckucke. Wenn euch das nicht sagt, googeln und ihr kennt Ren Koko ziemlich sicher von Miep Miep. Roadrunner, der dem Koyoten immer wegrennt.
Florian Bayer: Aber das sind Tiere, denen du auch nicht in freier Wildbahn begegnen willst oder die sehen aus, als ob die ganz schön hart fies zutreten können.
Johannes Franke: Die sind sehr klein. Die sind einfach sehr klein.
Florian Bayer: Ich habe gerade so eine Vogelstraußgröße im Kopf.
Johannes Franke: Die sind sehr klein.
Florian Bayer: Okay. Das heißt, man kann ihnen eine freie Wildbahn begegnen, ohne dass sie einem nach dem Leben trachten. Beim Vogelstrauß soll man nämlich aufpassen. Ja, das stimmt. Das sind extrem gefährliche Tiere.
Johannes Franke: Buh waren wir. Star Wars Verfolgungsjagd steht bei mir noch. Ich liebe diese Star Wars Verfolgungsjagd. Welche? Es gibt Zähnenipfel. Ja, okay.
Florian Bayer: Es gibt wirklich... Dieser Film ist ständig, Leute rennen vor irgendwas weg.
Johannes Franke: Aber es gibt diese Podracer-Szene.
Florian Bayer: Ah, ja, ja, okay.
Johannes Franke: Wo sie wirklich in der Schlucht hinterher... fliegen und rennen. Das ist großartig.
Florian Bayer: Es wird sehr viel gerannt. Wir haben auch sehr viel diese ich sag's jetzt schon mal, dreidimensionalen Räume, die eröffnet werden und jemand rennt und auf uns zu und vor uns weg und, ähm, Danke, Gorr. Danke, danke, danke. Er hat sich dagegen entschieden, das Ding zum 3D-Film zu machen.
Johannes Franke: Ich find's super. So eine tolle Entscheidung. Und auch wirklich zu sagen, Leute, gerne, probiert es. Schickt mir ein Sample und schickt mir ein Sample, das auch realistisch ist für das Geld, was wir haben. Und dann hat er es gesehen und gesagt, naja, wir können gerne einen 3D-Film draus machen, wenn ihr noch 44 Millionen draufschlagt. Ansonsten bitte nicht.
Florian Bayer: Immer das ganz wichtig, kein Halb-Gara-3D-Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und trotzdem hat der Film diese Spektakelaufnahmen. Das ist Wahnsinn, ja. Die nehmen viel auf uns zu. kommt und so. Also man kann sich das total gut vorstellen, dass das auch in 3D funktioniert und dass das zum 3D-Film gemacht wird. Und Gott sei Dank hat er es nicht gemacht, weil also so gerade 2011 war wirklich das letzte, was die Welt gebraucht hat, noch einen durchschnittlichen 3D-Film.
Johannes Franke: Ja, und er hat es wirklich, es sieht so plastisch und so toll aus, in ganz normal Glorious 2D, wie sie es genannt haben. Ist es.
Florian Bayer: Und 3D ist ja auch irgendwie tot mittlerweile, ne?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht, keine Ahnung. In der Pornografie gibt es das glaube ich noch ganz große.
Florian Bayer: Aber da wird ja We Are das neue Ding dann demnächst. Ich glaube, so dieses... Also es werden keine 3D-Fernseher mehr produziert. Die großen Fernsehhersteller, so wie Samsung und LG und so, die haben alle ihre 3D-Produktion eingestellt, weil kein Mensch mehr 3D.
Johannes Franke: Es waren irgendwie so zehn Jahre, in denen das angedeutet wurde, dass das vielleicht was werden soll.
Florian Bayer: Und jetzt kommt bald Avatar 2 ins Kino und dann fängt der ganze Shit nochmal von vorne an, weil Weil Avatar war ja verantwortlich dafür.
Johannes Franke: Ja, ja. Oh Gott. Avatar 2. Oh Gott. Jetzt wird's zurückgeblaut. Ich weiß nicht. Es ist so blöd.
Florian Bayer: Avatar ist übrigens auch so ein Film, den ich sehr verachte.
Johannes Franke: Ja, absolut. Ich habe versucht, ihn zu gucken. Und zwar aber nicht im Kino, nicht in 3D, sondern eben dann halt in 2D zu Hause. Und ich habe echt Angst gehabt vor Langeweile zu sterben.
Florian Bayer: 3D macht es nicht besser. Es waren vor allem so ein paar Sachen. Avatar war ein Film, der ganz viel die Schwächen für mich aufgedeckt hat von dieser 3D-Technik, wie sie halt im Moment zu finden ist. Und eines der größten Probleme für mich ist, dass wenn du einen dreidimensionalen Raum hast, dann willst du selbst den Fokus setzen. Ich finde es total verstörend, vor allem bei Realfilmen, die in 3D sind, wenn sie als typisches Filmmittel einsetzen, dass sie mit Unschärfen arbeiten. Aber wenn sie das in einem dreidimensionalen Raum machen und du siehst in einem dreidimensionalen Raum, willst deine eigene Schärfe setzen, du willst eigentlich was fokussieren, was unscharf ist, ist total verstörend. Das funktioniert einfach nicht. Ich glaube, wenn du 3D machst, dann muss alles scharf sein. Und dann musst du irgendwas schaffen, dass der Mensch die Tiefenschärfe herstellen kann. I don't know.
Johannes Franke: Aber wieso das? Es gibt bestimmt Möglichkeiten.
Florian Bayer: Warte mal in 20, 30 Jahren.
Johannes Franke: Haben wir noch irgendwelche Anspielungen übersehen, Mad Max oder so? Irgendwelche großen Themen außer das Wasser?
Florian Bayer: Ah, interessant noch. Und zumindest noch den zweiten Namen, der an diesem Projekt gearbeitet hat, der auch eine lange Geschichte hat, was Mainstream große Filme betrifft, der Drehbuchautor John Logan. Hat Drehbuch geschrieben für Gladiator, Last Samurai, Aviator, Sweeney Todd. Hugo Capret, James Bond-Filme und ist der Entwickler von der Serie Penny Dreadful.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Der wurde 2004 als Drehbuchautor des Jahres ausgezeichnet auf dem Hollywood Film Festival. Krass. Und also ähnlich wie Gore Verbinski, total ein Mann für große Spektakelfilme. Also ich habe das Gefühl, da haben sich auch so zwei gefunden bei dem Projekt. Und die haben sich sehr gut ergänzt und hatten wahrscheinlich auch eine ähnliche Vision.
Johannes Franke: Die haben ja während Flucht der Karibik darüber schon angefangen zu reden. Die hatten da irgendwie, die saßen... Das war so eine Kneipen-Idee, glaube ich.
Florian Bayer: Es fühlt sich auch ein bisschen an wie eine Kneipen-Idee, der ganze Film.
Johannes Franke: Ach, ich liebe diesen Film. Warum noch gleich magst du den Film nicht? Weil du hast jetzt sehr viele Argumente dafür gegeben, muss ich sagen.
Florian Bayer: Es ist einfach... dieser abrupte Wechsel von Spektakel zu ruhigen Szenen mit dieser halt eben eher dünnen Grundgeschichte, dass er der verkannte Held ist, der sich selbst auch verkennt, weil er so großspurig daherkommt. okay und diese ganze und die redemption arc dann und dann wird er eben von Von der Klapperschlange wird er dann enttarnt als Lügner und dann geht er natürlich weg, nur um dann nochmal eine Vision zu haben, um nochmal zurückzukommen. Es sind alles so viele Animationsfilms, Filmdropes, die sehr stereotyp sind. Das hat es mir einfach madig gemacht. Und ich hätte diesen Film gerne gemacht. Wie gesagt, die erste halbe Stunde war wirklich sehr gut. Und ich sehe in dem Film auch immer wieder starke Momente. Die Animation ist toll, das Voice Acting ist toll. Es reicht nicht. Es reicht nicht ganz. Verdammt.
Johannes Franke: Okay, lass uns mal flüchten in die Top 3, um dann am Ende nochmal den Film hochzuholen.
Florian Bayer: Ja, machen wir.
Johannes Franke: So, was haben wir denn für eine Top 3? Wir haben die Top 3... Filme, Situationen, in denen eine Figur die Gelegenheit nutzt, sich neu zu erfinden.
Florian Bayer: Ja, super. Toll. Hat mich richtig gefreut. Ich hab das gelesen und dachte, oh cool. Das ist sowas, wo man ein bisschen wühlen muss, ein bisschen suchen muss, wo man nicht so auf Anhieb was findet, aber wo sich dann doch Sachen ergeben.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Du musst anfangen.
Florian Bayer: Ich habe zwei Honorable Mentions und Und soll ich die raushauen erst mal oder soll ich die auf den Schluss packen, damit ich eben nicht mit der Honorable Mention eine große Platzierung wegnehme?
Johannes Franke: Hinten dran sitzen, die unheimliche Menschen.
Florian Bayer: Dann würde ich gerne als Platz 3 Weil das ist ein Film, den ich wirklich sehr mag. Ein Spielberg-Film aus dem Jahr 1991. Und zwar Hook mit... Robin Williams als Peter Pan und Dustin Hoffman als Hook. Aber Peter Pan ist in diesem Film am Anfang ein Unternehmer, nämlich Peter Benning. mit Familie und Kindern, weil er ist halt irgendwann aus dem Nimmerland, nicht ins Nimmerland zurückgekehrt, er ist erwachsen geworden, er hat das alles vergessen. Und er ist so ein richtiger Unternehmensspießer geworden, der auch sagt, Zeit ist Geld und Arbeit ist das Wichtigste und man muss was leisten im Leben und so weiter. Ja. Und hat nichts mehr mit dem Peter Pan zu tun. Und dann werden seine Kinder aber von Captain Hook ganz großartig Dustin Hoffmann entführt. Und Julia Roberts als Tinkerbell, man darf darüber streiten, ob das eine gute Wahl war, nimmt dann Peter Benning zurück ins Nimmerland, damit er wieder zu Peter Pan wird. Und Es ist eben einfach die Geschichte von einem Kind, das nie erwachsen werden wollte, erwachsen geworden ist und dann aber sein inneres Kind wiederfindet. Und es ist wirklich ein wunderschöner Fantasy-Film. Sehr kitschig, sehr albern, aber wirklich ein toller Film, der Spaß macht.
Johannes Franke: Ich habe die ganzen Klassiker und bin nicht drum herum gekommen, weil ich... in der modernen Geschichte keine besseren gefunden habe. Es tut mir sehr leid. Aber meine Liste ist jetzt sehr klassisch.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Und zwar auf Platz 3 hätte ich Some Like It Hot. Manche mögen es heißen. Die beiden Jungs, die die Möglichkeit ergreifen, eine neue Identität anzunehmen als Frauen in einer... klassischen frauendominierten band die irgendwo in einem strandbad wo reiche männer residieren Die spielen da irgendwie abends immer auf der Bühne und die müssen sich halt anschließen dieser Band, weil sie von Gangstern gejagt werden. Und ja, seize the opportunity, seize the moment. dass da weibliche Bandmitglieder gesucht werden und schließen sich halt schnell an, weil sie sonst... naja, einen Kopf kürzer werden.
Florian Bayer: Haben wir auch besprochen im Podcast, ist schon länger her, aber es gibt eine Episode in der guten alten Zeit, dass wir noch zwei Filme vor Episode gemacht haben.
Johannes Franke: für drei, vier Stunden über. Oh Gott. Hört mal rein.
Florian Bayer: Auf jeden Fall hörenswert unsere Sum Like It Haupt Episode. Manche mögen es heiß mit Merlin Monroe.
Johannes Franke: Ja, großartige Marilyn Monroe. Der neue Film, Blond. Noch nicht gesehen? Noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Nee, ich hab stattdessen Sissy geguckt. Ist das Sissy? Kann ich gleich noch was dazu sagen? Na, Isabet, also die Kaiserin.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Netflix hat Sissy, den Sissy-Stoff neu verfilmt.
Johannes Franke: Ähm, Ich glaube, ich kenne sogar die Schauspielerin. Devrim, ist das Devrim? Ich weiß nicht genau. Egal.
Florian Bayer: Da muss ich kurz gucken. Das ist Devrim Lingnau.
Johannes Franke: Ja, genau. Mit der habe ich gedreht, ja.
Florian Bayer: Ah, schön. Die war gut.
Johannes Franke: Die ist auch nett. Okay, gut. Nein, reden wir nicht drüber. Wir haben... Ja, es gibt eine neue Verfilmung Blond über Marilyn Monroe's Leben und die muss wirklich schlimm sein. Die muss richtig schlecht sein.
Florian Bayer: Auch Netflix, ne?
Johannes Franke: Netflix, ja. Und ich hatte so Hoffnung, Das Jahr 2010 warten die schon, versuchen die an diesen Stoff irgendwie ranzukommen und das umzusetzen. Und jetzt haben wir irgendwie zwölf Jahre gewartet und es ist scheiße dabei rausgekommen anscheinend.
Florian Bayer: Ja, Netflix-Filme sind echt ein schwieriges Feld. Netflix verkackt es meistens mit seinen Filmproduktionen.
Johannes Franke: Scheiße.
Florian Bayer: Es gibt so ein paar rühmliche Ausnahmen, aber ist es ein Film oder eine Miniserie? Ein Film.
Johannes Franke: Und die haben halt irgendwie anscheinend es geschafft, die ganzen rechten Leute zu begeistern. Und was sehr sexistisch ist teilweise draus zu machen.
Florian Bayer: Oh Gott. Oh Gott.
Johannes Franke: Verstehe ich überhaupt nicht, weil Marilyn Monroes Leben, du kannst nicht, also das erste, was du nicht machen willst, ist dich darauf zu setzen, dass Marilyn Monroe dieses Sexsymbol war. Das ist das Lameste, was du überhaupt machen kannst als Filmemacher.
Florian Bayer: Das beste Bild von Marilyn Monroe ist keines von ihren Pin-Ups, sondern das, wo sie am Strand sitzt, glaube ich. Und Ulysses liest.
Johannes Franke: Das ist sehr süß.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Es wird bei mir ein bisschen düsterer. Und zwar aus dem Jahr 1997 Lost Highway von David Lynch. Wo ein Mann, nachdem er seine Frau umgebracht hat, die Chance ergreift, jemand anderes zu werden und zwar im wahrsten Sinne des Wortes und wirklich den Körper mit jemand anderem tauschen. Aus dem 40-jährigen Fred wird der 17-jährige Pete, der dann plötzlich auf eine Frau stößt, die genauso aussieht wie seine Frau und der eine verquere Variante seiner Ehegeschichte nochmal neu erlebt. David Lynch, Meister des Surrealismus. Der 90er, 80er und 90er Jahre hat hier eine wirklich krasse Mischung aus Psychothriller, Film, Neonor und Surrealismus gemacht, der einfach großartig ist und das Konzept sich neu erfinden und zu versuchen, sein Leben anders zu leben, auf die Spitze treibt, indem er es einfach in diesem
Johannes Franke: irrealen Setting erzählt. Meine Güte. Ewig nicht gesehen. Wahrscheinlich hast du den mir gezeigt irgendwann, als wir Anfang 20 waren.
Florian Bayer: Sehr gut möglich.
Johannes Franke: Mein Platz zwei ist, what's up, Doc? Den haben wir auch besprochen. Ja, stimmt. Sie gibt sich als seine Frau aus... Nutzt den Moment, um zu verhindern, dass die wirkliche Frau da irgendwie auf die Party geht und geht da hin und... Checkt ein als Mrs. Ich hab den Namen vergessen.
Florian Bayer: Barbara Streisand. Barbara Streisand.
Johannes Franke: Streisand ist es auf jeden Fall. Ja, ist großartig. Ich liebe diesen Film und er ist auch überraschend gut dafür, dass man denkt, es ist eine seichte 60er Jahre Komödie. 60er? Ja, ich glaube schon.
Florian Bayer: Es ist fast so. Es hat auf jeden Fall diesen New Hollywood- Weil der Regisseur Peter Bogdanovich auch zu der New Hollywood-Riege gehört. Aus dem Jahr 1972.
Johannes Franke: Ach, 72.
Florian Bayer: Und ein Quasi-Remake von irgendeinem älteren Film. Und wir haben auch drüber gesprochen. WhatsApp-Doc. Es gibt auch eine Episode, in der wir über WhatsApp-Doc reden. Und ich glaube, es ist auch eine von den guten Alten. Ja, ich glaube. Drei Stunden lang über zwei Filme reden und streiten und versuchen irgendwelche Parallelen zwischen meinem Vorschlag und Johannes Vorschlag zu ziehen.
Johannes Franke: Das war eine sehr überzogene Idee damals.
Florian Bayer: Mein Platz 1 aus dem Jahr 2002 von Aki Kaurismäki, der Mann ohne Vergangenheit. Ein Mann wird überfallen in Helsinki. und verliert komplett sein Gedächtnis und fängt dann ein Leben in einer Containersiedlung für Obdachlose an. Und kommt da total gut rein und verliebt sich auch und findet Freunde und lebt dann einfach mit diesen Obdachlosen als Obdachloser zusammen, ohne zu wissen, wie sein Leben vorher war. Spannend, Neuerfindung. Weil wir irgendwie so ein bisschen ahnen, dass der Mann ein Leben hatte, das nicht so aussah. Und gleichzeitig... irgendwie das Gefühl haben, dass sein Leben, wie er es gerade führt, viel besser ist und dass es gar nicht so wichtig ist, dass er herausfindet, wer er eigentlich ist und was er eigentlich gemacht hat. Weil er sich selbst gefunden hat.
Johannes Franke: Das ist toll.
Florian Bayer: Würde ich bestimmt mal irgendwann auf die Liste setzen, weil es ist ein total schöner Film.
Johannes Franke: Okay, cool. Mein Platz 1 ist der große Diktator.
Florian Bayer: Ja, Trump erfindet sich als Hitler neu.
Johannes Franke: Was natürlich auch wirklich der Situation geschuldet ist und er hat überhaupt gar keine Lust darauf und er ist auch nicht wirklich gut darin. verkackt den einzigen Moment, der wirklich sehr easy hätte sein sollen, dass er hingeht, eine Rede hält und sagt, die sind alle doof, die Juden müssen vergast werden und so weiter und sich als Hitler ausgibt, aber nein, er stellt sich hin und wir wissen genau, danach wird er abgeführt und hält eine Rede über die Menschlichkeit und darüber, dass wir das alles nicht machen sollten, was Hitler da vorhat. Und großartiger Film zu einer Zeit, in der es wirklich nicht leicht war, so einen Film zu machen.
Florian Bayer: Ja. Kinos haben gesagt, wir können den Film nicht spielen, bei uns wohnen zu viele Deutsche. Also in Amerika haben das gesagt. Charlie Chaplin hat ganz schön kämpfen müssen, diesen Film zu veröffentlichen, weil damals war die... der Amerikaner zum Kriegseintritt, zum Thema Krieg, noch ein bisschen anders, als sie dann später war, als sie eingetreten sind.
Johannes Franke: 41 oder so ist der Glitzstörner in der Film. Es ist krass.
Florian Bayer: Haben wir noch nicht besprochen.
Johannes Franke: Haben wir noch nicht besprochen, das stimmt. Das ist so ein Johannesfilm so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, da bist du in der Pflicht. Den musst du mir irgendwann vorwerfen.
Johannes Franke: Der letzte Chaplin-Film ist lange her.
Florian Bayer: Ja, wir haben bis jetzt zwei Chaplin-Filme. Wir haben ziemlich am Anfang über Monsieur Verdoux geredet. Und dann irgendwann über...
Johannes Franke: Haben wir noch über den zweiten gehabt?
Florian Bayer: Moderne Zeiten hatten wir noch.
Johannes Franke: Ach ja, wir haben irgendwas in der Richtung. The Kid? Nee, The Kid hatten wir auch nicht.
Florian Bayer: Hatten wir keinen anderen Chaplin-Film? Doch, doch, genau, doch hatten wir, genau, LimeLight.
Johannes Franke: LimeLight?
Florian Bayer: Lichter der Großstadt?
Johannes Franke: Äh, äh,
Florian Bayer: Wo er sich in die Blinde verliebt?
Johannes Franke: Ja, genau. Aber das ist nicht Limelight.
Florian Bayer: Das ist nicht Limelight, das ist...
Johannes Franke: Limelight ist das, wo er den alternden Clown spielt.
Florian Bayer: Ja, wir hatten den Film, in dem sich Charlie Chaplin als Tramp...
Johannes Franke: Genau, in eine Blonde, in eine Blinde... Ob blond oder nicht, wissen wir nicht. Es ist ein Schwarz-Weiß-Film. In eine blinde Frau, eine blinde Blumenverkäufer.
Florian Bayer: City Lights. Klass, fast klingt fast wie Leimlights. Lichter der Großstadt.
Johannes Franke: Unsere 57.
Florian Bayer: Episode. Ja, schön. Um kurz noch zwei Honorable Mentions reinzuwerfen. Ich wollte nicht so zynisch sein, deswegen habe ich den talentierten Mr. Ripley rausgelassen. Aber auch ein toller Film, Verfilmung des Patricia Highsmith Roman, wo sich ein Junger Mann als jemand anderes ausgibt, den er dann auch ermordet hat. und einen, der sich so als Psychopath und Mörder entpuppt. Spannender Film und dann hatte ich noch die Verurteilten, wo sich ein Banker im Gefängnis neu erfinden muss, weil er verurteilt wird, seine Frau umgebracht zu haben. Und er landet im Gefängnis für 30, 40 Jahre oder so. Mit Tim Robbins, der dann halt versucht sich irgendwie in dem Gefängnisalltag zurechtzufinden und das nutzt, um sich selbst zu erschaffen in diesem trostlosen Setting.
Johannes Franke: Oh, klingt auch gut. Schön, vielen Dank für diese tolle Top 3.
Florian Bayer: Ja, ebenso, danke.
Johannes Franke: Voll cool. Dann gehen wir doch mal zurück, um den Film nochmal kurz zu retten.
Florian Bayer: Das Schlimme, das ist ja noch viel fieser. Ich habe ja quasi so mitleidvoll mit dem Film gelästert. Ich habe ja die ganze Zeit gesagt, ja und eigentlich wäre es cool, wenn du es schaffen könntest, aber du hast es nicht ganz geschafft, aber fast. Aber vielleicht beim nächsten Mal.
Johannes Franke: Aber vielleicht beim nächsten Mal.
Florian Bayer: Das ist noch viel schlimmer als diese herablassenden Kritiken. Er hat sich stets bemüht. Also um das auf den Punkt zu bringen, ich fand den Film durchschnittlich. Und es gibt sehr gute Momente, sehr starke Momente. Es gibt aber so ein sehr schwaches Grundgerüst. Mein Herzblut. Es gibt so ein grundsätzliches Problem in der Inszenierung, was mich dazu führt zu sagen, ich glaube, ich und Gorberg Binsky werden in diesem Leben keine Freunde mehr.
Johannes Franke: Warum?
Florian Bayer: Jetzt darfst du den Film retten.
Johannes Franke: Dieser Film ist großartig. Dieser Film hat einen wundervollen Humor, dieser Film hat ein unglaubliches Pacing. Dieser Film geht so liebevoll mit seinen Figuren um. Es ist unglaublich cool. Und der Film traut sich, Absurditäten reinzuhauen und riesige Themen aufzumachen und nicht oberflächlich aufzumachen, sondern gut aufzumachen. Das habe ich einfach so von einem Animationsfilm nicht erwartet. Sehr guter Film, angucken auf jeden Fall und plorsteinigen, wenn ihr ihn auf der Straße begegnet. Sehr schön. Dann, falls ihr wissen wollt, wie es weitergeht ... welchen Film ich auseinandernehmen werde und sagen werde, was spielt so eine tünne Story.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche gebe, bleibt dran, nach dem Jingle. Bis dahin. Schöne Woche euch.
Johannes Franke: Bis dann. Ciao. So, Plur, was hast du denn für mich?
Florian Bayer: Ich war total schockiert, als du mir irgendwann mal gesagt hast, dass du den noch nicht gesehen hast. Ich würde gerne nochmal ins New Hollywood reisen.
Johannes Franke: Das New Hollywood.
Florian Bayer: Aber diesmal mit einer wirklich coolen Komödie, die mit Sicherheit gefallen wird. Die Reifeprüfung von Mike Nichols. als einer der ersten New Hollywood Filme gilt er auch und als einer der wichtigsten New Hollywood Filme und das ist Eine tolle Komödie, in der Dustin Hoffman von einer älteren Frau verführt wird. Unterlegt von der Musik von Simon & Garfunkel. Das heißt, du musst nächste Woche fürs Intro Miss Robinson einstudieren. Oder Sound of Silence würde ich auch akzeptieren.
Johannes Franke: Okay, Moment. Sound of Silence. Dankeschön, Dankeschön, Dankeschön. Vielen Dank für den Applaus.
Florian Bayer: Wenn ihr Johannes auf der Ukulele Miss Robinson spielen hören wollt, schaltet nächste Woche ein.
Johannes Franke: Mal gucken, ob ich das mache. Okay, na dann.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Ciao.
