Episode 95: Rango – Existenzialismus und Wild West Spektakel
Was passiert wenn Fluch der Karibik Regisseur Gore Verbinski mal ein kleineres, arthausiges Projekt umsetzen will?
Er nimmt sich eine kleine Story, denkt „Ach, das mach ich mit Animation, das is doch nicht so schlimm“, denkt sich dann: ”naja, wenn schon, denn schon” und holt Johnny Depp und Bill Nighy und all die anderen großen Namen ins Boot, stellt fest dass man dann doch Ansprüche hat, was die Animationen betrifft, will dann doch in einem großen Studio eine Liveactionvorlage für die Animatoren drehen und merkt nach und nach, dass das Projekt an den eigenen Ansprüchen immer weiter wächst und viel größer und teurer wird als geplant.
Ach ja, worum geht es? Rango ist ein Haustier Chamäleon, das in der Wüste strandet und sich in neuer Umgebung kurzer Hand als Westernheld inszeniert. Sein Hochmut bringt ihm die ehrenvolle Aufgabe ein, die Stadt Dirt zu retten. Eine Westernparodie, irgendwie Blazing Saddles plus Weirdness, aber ohne Sexismus und Rassismusreenforcement. Oder so. Hm.
Plor, ist es der kleine, feine Arthaus Film geworden, den Gore Verbinski nach Fluch der Karibik haben wollte, oder ist er doch die Blockbustervariante und hat seinen Arthaus Charme verfehlt?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 95: Rango – Existenzialismus und Wild West Spektakel Publishing Date: 2022-10-26T20:17:33+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/10/26/episode-95-rango-existenzialismus-und-wild-west-spektakel/
Florian Bayer: Aber vielleicht beim nächsten Mal. Aber vielleicht beim nächsten Mal. Das ist noch viel schlimmer als so diese herablassenden Kritiken. Er hat sich stets bemüht. Also um das auf den Punkt zu bringen, ich fand den Film...
Johannes Franke: Da sind wir wieder. Herzlich willkommen hier in meiner Küche, Ploa. Herzlich willkommen, Johannes. Und natürlich auch herzlich willkommen, liebe ZuhörerInnen.
Florian Bayer: Ploa hat eine Schonhaltung eingenommen? Oder das Drücken? Was ist los? Ich weiß es nicht genau, aber ich hab das Gefühl, es ist jetzt nicht sinnvoll, wenn ich mich die gesamte Episode lang über meinen Laptop beuge. Deswegen bin ich etwas eher in eine andere Art von Schräge gerückt und sitze jetzt ganz entspannt zurückgelehnt hier. Wir sind auch der Verbund von Invaliden gerade. Ich bin auch krank. Soll aber nicht heißen, dass ich den Film nicht ernst nehme. Ich versuche mich, auch wenn ich diese entspannte Haltung einnehme, versuche ich trotzdem den Film mit voller Ernsthaftigkeit zu begegnen. Ich bin gespannt. Zumal es ein Film ist, den du mir vorgeschlagen hast,
Johannes Franke: weil du warst ja diese Woche dran mit der Hausaufgabe für mich. Und zwar habe ich dir Rango gegeben, einen Animationsfilm aus dem Jahre 2011 von Gore Verbinski.
Florian Bayer: Ich kannte den Film vorher nicht, aber Gore Verbinski war mir ein Name. Ja. Hast du irgendwas von Gore Verbinski gesehen, was dir gefallen hat? Ja. Aber nach diesem Film bin ich auch noch mal so ein bisschen durchgegangen, was mir an seinen Filmen gefallen hat und wie zufrieden ich mit den Filmen war. Gore Verbinski, bekannt vor allem für die Fluch der Karibik-Filme, Pirates of the Caribbean. Drei Stück hat er Regie geführt, die ich aber nicht sonderlich gut finde. Das gleich vorweg zu sagen. Was ich von Gore Verbinski wirklich mochte, war das Ring-Remake aus dem Jahr 2002.
Johannes Franke: Das soll fast besser sein als das Original.
Florian Bayer: Für mich ein Fall, wo das amerikanische Remake besser ist als das Original. Wow. Und das kommt selten vor. Und gerade was die japanischen Horrorfilme betrifft, es gab ja so Anfang der 2000er so ein Craze, wo die Amerikaner die ganzen japanischen Geisterfilme geremaked haben. Und das waren meistens Griffe ins Klo. Aber bei dem hat es gut funktioniert. Und das war auch der Film, der die Initialzündung dafür war. Und A Cure for Wellness aus dem Jahr 2016, so eine Mischung aus Psycho-Thriller und Body-Horror, den ich auch in ganz guter Erinnerung hatte.
Johannes Franke: Ja, den fand ich tatsächlich auch interessant, glaube ich. Aber ich weiß es nicht mehr ganz genau. Ich habe einen kleinen Text vorbereitet, einfach um zum Einstieg, um da reinzukommen. Für die ZuhörerInnen, die nicht wissen, was wir hier tun eigentlich, wer zum ersten Mal uns zuhört, der weiß vielleicht noch nicht, dass wir uns gegenseitig Hausaufgaben geben. Wir drücken uns gegenseitig Filme auf, von denen wir glauben, dass der andere den eigentlich nicht sehen würde oder nicht gesehen hat und den Horizont des anderen erweitert. Hoffentlich. Und das versuche ich diese Woche. Mal sehen, ob das klappt.
Florian Bayer: Das ist fies. Ihr seht nicht, wie Johannes die ganze Zeit zu mir rüberschielt, um schon so ein bisschen Spoiler zu kriegen, wie ich den Film jetzt denn gefunden habe.
Johannes Franke: Und du hast ein Poker-Face, Flo. Ein ganz gemeines Poker-Face. Und ich genieße es, dich zittern zu sehen. Hau raus. Okay. Also, mein kleiner vorbereiteter Text. Was passiert, wenn Fluch der Karibik-Regisseur Gervabinski mal ein kleineres, arthausigeres Projekt umsetzen will? Er nimmt sich eine kleine Story, denkt, ach, das mache ich doch mit Animationen, das ist nicht so schlimm. Denkt sich dann, naja, wenn schon, denn schon. Und holt sich Johnny Depp und Bill Nye und die ganzen anderen großen Namen ins Boot. Stellt fest, dass man dann doch Ansprüche hat an das, was so an Animationen passiert. Will dann doch in einem großen Studio eine Live-Action-Vorlage für die Animatoren drehen. Und merkt nach und nach, dass das Projekt an den eigenen Ansprüchen immer weiter wächst und viel größer und teurer wird als geplant. Ach ja, Moment, worum geht es? Ach so, also, es geht um Rango, ein Haustier-Chameleon. Das in der Wüste strandet und sich in einer neuen Umgebung kurzerhand als Western-Held inszeniert. Sein Hochmut bringt ihm die ehrenvolle Aufgabe ein, die Stadt dort zu retten. Eine Western-Parodie, irgendwie Blazing Saddles plus Weirdness, aber ohne Sexismus und Rassismus-Reinforcement oder sowas? Hm, mal gucken. Das werden wir jetzt rausfinden. Plor, ist dieser kleine, feine Arthouse-Film wirklich ein kleiner, feiner Arthouse-Film geworden, wie Gore Verbinski gerne gehabt hätte? Oder ist es doch eher ein Fluchter-Geribik-Blockbuster geworden?
Florian Bayer: So suggestiv die Frage. Ja, es ist natürlich deutlich mehr geworden als ein kleiner Arthouse-Film. Und ich habe ja schon gesagt, ich habe noch mal auf Gore Verbinski's Filmografie geschaut, nachdem ich den jetzt gesehen habe. Und Gore Verbinski ist einfach jemand, der nicht klein kann. Also wenn der sich einen Stoff nimmt, egal wie klein das im Ansatz ist, man merkt dieses kleine, subtile auch bei diesem Film noch, dass es da einen Versuch gab, einen Animationsfilm zu machen, der irgendwie so ein bisschen zwischen den Stühlen ist, der nicht reine Kinderunterhaltung ist, sondern auch ein erwachsenes Publikum anspricht. Und das sieht man noch, dass es einfach diese ruhigen, ein bisschen philosophischeren Momente gibt, ein bisschen spirituell, dann natürlich die ganzen filmischen Referenzen. Aber man sieht richtig, während man diesen Film guckt, wie das gewachsen ist. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Paramount, die dann ja irgendwie so die Produktion so im letzten Moment gerettet haben, offensichtlich bevor Gore Verbinski das Geld ausging, dass die da wahrscheinlich auch noch mal gesagt haben, hier brauchen wir vielleicht noch eine kleine Action-Szene. Wobei ich da auch vorsichtig wäre, weil ich glaube, Gore Verbinski mag das auch ganz gerne, dieses Spektakel. Definitiv, das kennt man ja. Und ja, es ist mehr geworden als so ein kleiner Indie-Animationsfilm. Ob das gut ist, steht noch mal vielleicht auf einem anderen Blatt. Also offensichtlich war der Film ja bei der Kritik ziemlich gut angekommen.
Johannes Franke: Ja, der ist gut angekommen. Der hat auch gut Geld gemacht und so. Und einen Oscar gewonnen. Ja, und einen Oscar gewonnen, genau. Er hatte ein Budget von 135 Millionen. Und dann am Ende, ich glaube, er hat wirklich nur mit einem Bruchteil gerechnet. Wenn man das so sich durchliest und der denkt sich so, ja, ich fang mal an, ach, ich mach mal hier was Kleines und hat dann irgendwie festgestellt, oh, das dauert doch alles sehr lange. Das ist doch sehr aufwendig, so eine Animation.
Florian Bayer: Ich glaube, der hat das total unterschätzt. Und dann ist er natürlich auch noch mit so einer gewissen Ambitioniertheit rangegangen. Nicht jeder Regisseur stattet seine Schauspieler mit Kostümen aus und stellt sie in die Wüste, um zu sagen, hey, Leute, wenn wir das Voice-Acting haben, dann wollen wir eine echte geführende Atmosphäre. Soll es sich anfühlen wie Wüste, dann muss der Staub auf dem Mikrofon drauf sein. Was gebe ich dem Film auf jeden Fall schon mal? Das ist was, was wirklich gelungen ist. Die Synchro ist sehr stark und hat sehr viel Atmosphäre. Natürlich hat er auch extrem gute, ich sage Voice-Actors und Voice-Actresses, zu sagen ist schon das falsche Wort, er hat sehr gute Actors und Actresses. Also Johnny Depp als Rango und Ayla Fischer als Beans, ganz großartig.
Johannes Franke: Abigail Preslin. Abigail Preslin, ja. Und Bill Nye natürlich. Und Timothy, wie schreibt man Olymp-Fan zu Olymp-Fan? Wie spricht man das aus? Keine Ahnung.
Florian Bayer: Und Harry Dean Stanton, der dann auch noch mal so einen großen Auftritt haben darf, so einen Kult-Schauspieler, könnte man fast sagen. Also das ist ihm wirklich sehr gut gelungen. Diese Atmosphäre im Voice-Acting rüberzubringen. Jetzt kommt das große Aber. Der Film hat mir nicht gefallen. Nein. Es tut mir auch wirklich leid, weil ich sehr viel Ambition dahinter gesehen habe. Und ich bin danach auch noch mal Gore Verbinski so ein bisschen durchgegangen. Und ich habe festgestellt, es gibt so gewisse Quirks in Verbinskis Art zu inszenieren, die mir nicht passen. Und das hat er in jedem Film und in manchen Filmen ein bisschen weniger, in anderen Filmen ein bisschen mehr. In dem Film ist es irgendwie so dazwischen. Also es hat mir besser gefallen als zum Beispiel Pirates of the Caribbean.
Johannes Franke: Okay, liebe ZuhörerInnen, willkommen zur Masterclass. Plur nimmt Gore Verbinski's Meisterwerk auseinander. Hier werden wir jetzt rausfinden, welche Quirks, wie der Fachmann sie nennt, Plur für unangemessen hält. Und bitte.
Florian Bayer: Okay, das ist eine Generalkritik. Und zwar, bei Pirates of the Caribbean dachte ich, als ich den gesehen habe, das war eigentlich so mein erster, bewusster Kontakt mit Gore Verbinski. Ich habe vorher auch schon was von ihm gesehen, aber es war das erste Mal, dass ich ihn als Regisseur wahrgenommen habe. Möchtest du eigentlich Tee? Ja, sehr gerne. Und da habe ich ihn komplett entlastet. Da habe ich gesagt, naja, ich meine, man sieht diesem Film einfach an, dass er in der Geisterbahn nachempfunden ist. Ja. Die Verfilmung von der Geisterbahn und so ist dieser Film. Du erhetzt von einem Spektakel, von einem Fluch, ja, sehr gerne, lieber Johannes, danke. Erhetzt von einem Spektakel, von einer gruseligen, lustigen, actionreichen Szene zur nächsten. Und das ist halt wie eine Geisterbahn, durch die man durchläuft. Und das habe ich nicht Gore Verbinski in die Schuhe geschoben, sondern Disney, die halt ihre Geisterbahn, wie eine Geisterbahn, verfilmt haben wollten. Ich glaube aber, es ist Gore Verbinski. Und ich finde, in dem Film merkt man das nochmal stärker und wenn man nach diesem Film dann nochmal so auf sowas guckt wie Ring oder Cure for Wellness, dann merkt man, ah, da ist das ja auch vorhanden.
Johannes Franke: Sind dir die Filme schlechter geworden jetzt, nachdem du das weißt?
Florian Bayer: Nicht schlechter geworden, aber ich sehe jetzt deutlicher einfach, was für eine Art er hat zu inszenieren. Und das ist halt tatsächlich, er nimmt sich so Spektakel-Szenen, die auch für sich gesehen teilweise wirklich gut sind und grandios sind. Dieser Film steckt voller toller Spektakel-Szenen. Und er baut drumherum ein Story-Gerüst und will auch wirklich eine Geschichte erzählen. Also es ist nicht einfach nur von Spektakel zu Spektakel, aber es fühlt sich eben doch so ein bisschen an, wie ein Sprung von Spektakel zu Spektakel. Der Film wird es nicht ganz los. Was in dem Fall jetzt auch daran liegt, dass er halt so sehr, sehr, sehr traditionelle Top-Boy hat. Also ich meine, ein Kinderfilm, wo irgendein Outsider, irgendwo hinkommt und sich als großer Held ausgibt und dann wird er irgendwann vom Bösewicht enttarnt und dann muss er aber wirklich Held werden. Es ist jetzt nicht die originellste Geschichte.
Johannes Franke: Ja, ich habe den Film natürlich auch nicht ausgewählt, weil die Grundgeschichte irgendwie besonders originell wäre. Ich finde aber, dass der Film so viele Ideen mitbringt, so viele geile, kleine Abweichungen von dem Standard dieser Geschichte, dem man auch folgen könnte. Man könnte diese Standardgeschichte auch Standard erzählen. Aber ich finde, er macht ganz viele schöne Ideen auf, die ich nicht erwartet habe. Ich war total perplex, als ich den Film das erste Mal gesehen habe. Da habe ich gedacht, what? Du machst da jetzt so eine psychodelische Traumsequenz draus? Wie krass ist das denn bitte? Und wie jetzt das arme Gürtel spielte überfahren und sieht furchtbar aus. Es ist echt, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Es ist einfach mal Matsch. Es ist Roadkill. Es ist tot. Es gibt ganz viele Momente, wo ich denke, wow, das ist mutig, was der Film da macht. Hast du eine neue Ukulele? Johannes hat gerade so eine Ukulele zur Seite geräumt, die total geil aussieht. Entschuldigung. Ich will nicht ablenken. Die musst du nachher noch mal kurz allen, die zuhören, vorstellen. Es gibt wirklich so ein paar Momente, wo man merkt, der Film bricht aus dem Schema total aus. Es gibt lange Szenen, die so sehr langsam erzählt sind, die auch so diese Verlorenheit zeigen. Unser Protagonist ist auch ein komplett anonymer Protagonist. Wir lernen ihn kennen in diesem Terrarium. Und dann wird er auf die Straße geschleudert. Er hat keinen Namen. Er ist halt nur ein Haustier. Und er hat seine Beschäftigung im Terrarium war es, Theater zu inszenieren, zusammen mit seinem Freund, dem Fisch.
Johannes Franke: Dieser aufziehbare Fisch, dieses Spielzeugding und diese kaputte Puppe, die da noch irgendwie rumliegt. Ich finde es großartig. Vor allem, weil du am Anfang nicht weißt, dass er in einem Terrarium ist, sondern du hast einfach nur ein Tier, das irgendwie in der Gegend rumstolpert und irgendwelche Scheiße macht. Und du denkst dir, okay, das ist eine Slapstick-Nummer für sich. Und es gibt von Anfang an
Florian Bayer: so ein Gefühl der Verlorenheit. Ja, absolut. Diese Figur, dieses Chamäleon, er hat keinen Namen. Der Name ist einfach, den liest er irgendwo ab nachher, um sich einen Namen zu geben. Ist eigentlich so verloren in einer Welt, die am Anfang sehr klein ist und dann verloren in einer Welt, die viel zu groß ist für ihn. Und das ist schon stark inszeniert. Also ich mochte den Anfang tatsächlich sehr. Auch dieses ganze Setup, dass er halt auf der Straße landet und dann wirklich erst mal so, shit, was mache ich jetzt? Wie geht es jetzt weiter? Wo soll ich hin? Und natürlich wendet er sich dann der Religion zu, wenn man das so macht in solchen Momenten.
Johannes Franke: Aber es ist geil. Ich finde das so, alles so folgerichtig und klug aneinandergebracht und man wird da emotional rangeführt, ohne dass man irgendwie jetzt das Drehbuch dahinter großartig sieht. Ich finde, dass der fast improvisiert wirkt. Was auch ein bisschen der Fall ist, weil die am Set zwar, die hatten ihre Textbücher und so weiter, Johnny Depp und so weiter, die haben sie ja vor wirklich hingesetzt und gesagt, los, ihr spielt das jetzt einfach und wir gucken mal. Und Johnny Depp hat auch angefangen, rumzuimprovisieren.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Also das ist so ein Ding. Das ist halt Johnny Depp.
Johannes Franke: Wenn du Johnny Depp holst, dann holst du halt diesen Menschen, der einfach anfängt rumzuspielen.
Florian Bayer: Obwohl er offensichtlich nur relativ wenig Zeit hatte, ne? 20 Tage.
Johannes Franke: Ja, total krass. Also für diese Verhältnisse, ich meine, natürlich ein Tatort in Deutschland wird auch in 20 Drehtagen durchgekloppt, ne? Aber das ist was anderes. Ja.
Florian Bayer: Und das ist ja auch gerade bei so einem Film, wo das so wichtig ist. Aber um das nochmal zu sagen, diese Atmosphäre kommt total gut durch und gerade am Anfang, wo Rango, ich gebe ihm jetzt einfach den Namen, den er sich nachher selbst gibt, so viel auch so Selbstgespräche führt und mit sich selbst beschäftigt ist. Ja. Man fühlt sich da rein und das ist wirklich spannend, weil es ungewöhnlich ist für eine Kindergeschichte, am Anfang so sehr, so introspektiv zu sein und sich so auf die Psyche des Helden, des vermeintlichen Helden zu konzentrieren und diesen vermeintlichen Helden halt einfach zu einem anonymen, hilflosen Haustier zu machen. Das ist schon stark, das stimmt.
Johannes Franke: Und ich finde, dass die ganze Inszenierung es schafft, an diesen Punkt zu kommen, du hast einen Zoom auf ihn oder sowas oder so ein Stillstehen der Zeit und er reißt die Augen auf und fragt sich, wer bin ich? Ja, es ist krass, es ist wie in die Welt hineingeworfen, wie in der Geburt. Und es ist so richtig krass, weil du als Zuschauer wirklich, es trifft dich halt, es ist alles so gut vorbereitet und so gut inszenatorisch dahin geführt, dass diese Situation, dieser Moment wirklich wirkt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es gibt diese Frage ja nun nicht zum ersten Mal im Film. Es gibt ja nun ganze Filme, die damit darauf runter zu subsumieren sind, dass man sagt, es geht darum, rauszufinden, wer ich bin. Das sind die meisten Coming-of-Age-Geschichten. Ja. Aber ich finde in diesem Fall, diese konkrete Frage in dieser Form in den Raum geworfen, ist so stark noch nie gewesen.
Florian Bayer: Es ist halt total universalisiert, weil es ist eben keine Coming-of-Age-Geschichte. Ja, ja, genau. Wir wissen nichts über ihn. Wir wissen genauso wenig über ihn, wie er selbst über sich weiß. Und wir sind quasi Teil von seiner Geschichte, wie er sich in seiner Geschichte selbst erfindet. Auch er muss sich überhaupt erst mal selbst finden. Er hatte quasi kein Leben. Also er ist wie aus der Gebärmutter herausgeworfen und jetzt steht er in dieser riesigen Welt. Und das sind auch wirklich großartige Aufnahmen. Diese Wüstenlandschaft mit der Straße und sonst nichts. Und ist da einfach verloren und marschiert dann los. Und ja, das hat sehr erwachsene Vibes. Das ist nichts, was ein Kind guckt und denkt so, ah ja, da kann ich mich reinversetzen. Sondern das sieht man als Erwachsener und denkt, ah, okay, wir sind auf einem Selbstfindungstrip. Und das ist gar nicht so despektierlich gemeint, wie ich es gerade gesagt habe. Es ist wirklich die Geschichte eines Helden, eines Charakters, der sich selbst finden muss und keine Ahnung hat, wo er hin soll. Das ist halt auch geil. Also er kriegt dann irgendwie so eine Motivation durch diesen Spirit of the West, von dem ihm erzählt wird. Aber eigentlich macht er sich einfach auf dem Weg keine Ahnung, wohin ihn dieser Weg führen wird.
Johannes Franke: Und ich finde es spannend, weil er genau das macht, was wir ja im Grunde auch als Menschen machen, wenn wir anfangen, Identitätsentwicklung voranzubringen. Als Kinder und Jugendliche und dann als Erwachsener wir auch noch. Er nimmt das, was er aus Popkultur kennt. Offensichtlich kennt er einiges aus Popkultur. Sonst würde er viele Referenzen nicht bringen und würde viele Annahmen nicht machen, die er tut. Und er würde nicht am Anfang eins zu eins aus Singing in the Rain von Donald O'Connor, Connor McDonald, nee, Donald O'Connor, ich weiß, wie heißt er, von Donald O'Connor, der eben diese Slapstick-Nummer da hat und mit dieser Puppe und auf dem Sofa sitzt. Und diese Puppe, er macht das eins zu eins nach. Und es ist großartig. Und ich habe es sofort erkannt. Und ich habe mich so gefreut. Und ich weiß nicht, wer das erkennt oder auch nicht erkennt, aber es ist eine popkulturelle Referenz. Das heißt, er kennt sich aus in der Außenwelt. Er hat bloß halt keine Ahnung von sich. An der Terrarium-Scheibe geklebt
Florian Bayer: und Filme mitgeguckt wahrscheinlich. Absolut, genau. Und natürlich ist es auch ein Part, dass der Film selbst sehr referenzfreudig ist. Ja, natürlich. Ja, ganz am Anfang gibt es ja eine berühmte Fear and Loving in Las Vegas Referenz, wo er einfach mal am Auto von denen kleben bleibt aus dem Terry Gilliam-Film. Den auch Johnny Depp dann gleich wieder selbst voicen durfte. Ja, genau. Das kommt noch dazu. Johnny Depp spielt in diesem Film mit, zusammen mit Benicio del Toro, als ein ziemlich schräges Paar. Und zwar der berühmte Schriftsteller Hunter S. Thompson, der zusammen mit seinem Anwalt nach Las Vegas fährt, um da eigentlich nichts anderes zu machen, als Drogen zu nehmen. Auch keine Kinderfilm-Referenz. Einer der berühmteren Terry Gilliam-Filme aus dem Jahr 1998. Und es ist witzig, weil es einen wirklich schockiert. So, huch, was hat diese Referenz jetzt da verloren? Aber es ist okay, weil das so erwachsen ist, das Setup, dass man das akzeptiert. Absolut.
Johannes Franke: Und ich habe ihn auch nicht als expliziten Kinderfilm wahrgenommen, muss ich sagen. Sowieso nicht. Insgesamt nicht.
Florian Bayer: Naja, es gibt, also ich finde, es gibt nachher so, wenn wir dann zur Action kommen, gibt es schon so sehr klassische Kinderfilm-Tropes.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Es ist halt Slapstick-Tropes, sind es halt größtenteils, oder?
Florian Bayer: Aber es sind die Sachen, wo Kinder eigentlich jubeln. Aber es wäre, glaube ich, ein Film, wenn ich den auch mit meinem Sohn gucken würde, wenn ich mir vorstelle, wie mein Sohn den guckt, der wäre wahrscheinlich eher abgeturnt von vielen Szenen, weil ihm die zu langsam wären und weil er nicht genau wüsste, wo die mit ihm hinwollen. Und spannend auch zu dieser erwachsenen Inszenierung, es gibt auch einen ganz traditionellen, einen griechischen Chor. Wie in der Tragödie, in der Tragödie gehört natürlich ein Chor, das ist in diesem Fall diese Eulen-Band, diese Mariachis, sollen es Mariachis sein?
Johannes Franke: Ja, wahrscheinlich sind es Mariachi. Es ist so großartig, ich finde es ganz toll. Und die machen diese Off-Stimme und die sagen gleich am Anfang, er wird sterben. Und man hat irgendwie, okay, okay.
Florian Bayer: Auch wie es sich für den griechischen Chor gehört, die Tragödie vorauszusehen und dem Helden bringt es allerdings nichts, weil kaum ist er losgegangen, wird er ja auch schon von einem Chaos, Hilflosigkeit in die nächste gejagt.
Johannes Franke: Ja, dieser Vogel, der da über der Wüste kreist und ihn jagt und dann dieser Stein. Was ist das eigentlich? Eine Kröte?
Florian Bayer: Ja, das habe ich mich auch gefragt. Was ist das für ein Tier? Ich finde es super, dass er sich dann zum Kaktus macht und das war auch ein Moment, wo mich der Film sowieso hatte. Ja. Weil nächste große Referenz, die Coens werden zitiert, als diese Bluegrass-Musik anfängt, wenn er vor dem Habicht flieht und dann durch den Wüstensand rein,
Johannes Franke: dann kommt dieses Hiiii,
Florian Bayer: was man aus, wenn man diesen Film kennt, der wirklich nicht besonders bekannt ist, Arizona Junior kennt, wo in den Jagdszenen auch immer diese Bluegrass war und es ist wirklich die Melodie aus Arizona Junior. Wie geil. Da gibt es mehrere Filme von den Coens, 1987, wo Nicolas Cage einen Bankräuber spielt, der versucht anständig zu werden und es nicht schafft. Haben wir auch besprochen, also gerne reinhören. Es gibt eine Episode davon und auf jeden Fall besteht der Film auch oft aus Szenen, in denen Nicolas Cage vor irgendwem wegrennt, mal vor der Polizei, mal vor irgendwelchen anderen Gangstern und das wird immer begleitet von so einer Bluegrass Musik, wo eine sehr hohe, jaulende Männerstimme im Hintergrund singt. Und in diesem Film gibt es auch zwei Szenen, in denen Rango wegrennt. Eben die erste ist das Ganze am Anfang, wo er vor dem Habicht flieht und die Musik, die läuft, ist fast exakt dieselbe. Also ein bisschen variiert, aber man hört ganz klar die Referenz, dass es da her ist. Großartig, ganz toll auch diese Inszenierung dann und plötzlich ist, nachdem wir dieses Wer bin ich hatten, wird es plötzlich wirklich schnell.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja. Überhaupt, ich finde, er hat ein geiles Tempo. Er schafft es wirklich, ganz, ganz langsame Szenen dann in Fahrt zu bringen und richtig, richtig schnelles Tempo an den Tag zu legen.
Florian Bayer: Um nochmal die Vergnügungspark-Attraktion zu zitieren, wir haben diese Momente, wo es dann hochgeht, wo man hochgezogen wird und dann geht es erstmal ganz schnell runter und dann wird man wieder hochgezogen und dann geht es wieder ganz schnell runter und das folgt bei dem Film Schlag auf Schlag.
Johannes Franke: Vielleicht finde ich das auch ganz gut. Ich mag diese Ride-Sache, also dass man wirklich so einen Action-Ride hat.
Florian Bayer: Nein, ich glaube auch, also wie gesagt, das ist mein Geschmack und das, also ich sehe, was der Film will und es ist auch irgendwie, ich verstehe, dass da was dran ist, dass da was drin ist und so und es hat mich einfach diesen, dieser abrupte Wechsel und dieses Gefühl, dass okay, jetzt kommt wieder so ein Spektakel-Szenen, jetzt haben wir wieder fünf Minuten Chase-Scene oder fünf Minuten Shootout oder sonst was, das war mir ein bisschen zu viel so Schlag auf Schlag. Aber es ist kein Marvel-Action-Movie. Nein, überhaupt nicht, überhaupt nicht. Die Action, bei Marvel ist es auch anders. Bei Marvel fließt die Action so ineinander und hier haben wir halt wirklich diese harten Cuts, also du hast schon gesagt, so dieses, es bremst extrem ab und es beschleunigt extrem wieder und dann ist ein drei Minuten Extrem-Spektakel und dann ist es wieder total abgebremst und total ruhig und das ist so ein Rhythmus, auf den man sich einlassen muss und so ein Rhythmus, der auch, glaube ich, nicht jedem passt, weil er herausfordernd ist und weil er auch stressig sein kann.
Johannes Franke: Ja. Ich kann gar nicht sagen, ob das generell ein Rhythmus ist, den ich mag, aber in dem Fall mochte ich ihn tatsächlich sehr. Irgendwie hatte das tatsächlich, jetzt wenn du den Disney-Ride-Vergleich bringst, komme ich nicht drum rum. Ich war ja im Disney-Park in Paris und mochte es tatsächlich sehr, obwohl ich immer gedacht habe, ich setze mich nie in so ein Höllen-Ding, aber dann habe ich mich da reingesetzt und fand es großartig. Ja. Und dieser Vergleich passt gerade so gut. Irgendwie passt er gerade so gut und ich mag das tatsächlich.
Florian Bayer: Und wenn man sich im Hinblick darauf nochmal Pirates of the Caribbean anguckt, merkt man das auch. Der Film, das hat mich von Anfang an in diesem Film gestört. Ich war überhaupt nie ein Fan von Fluch der Karibik, auch den ersten Film mochte ich nicht. Viele sagen ja, der erste ist wirklich gut und die anderen lassen nach. Mich hat das von Anfang an gestört, dass man das Gefühl hat, dass die Szenen so aufgebaut sind wie eine Geisterbahn und zwar wirklich auch so Charaktere, die da hingestellt werden und die wirklich nur so als Staffage dienen und dann werden unsere Protagonisten da halt durchgescheucht und machen und erschrecken und freuen sich und lachen und haben Spaß und das fand ich sehr müdend bei Pirates of the Caribbean. Hier ist es nicht so krass, weil hier auch ein bisschen mehr, hier ist mehr Substanz einfach da. Hier die Geschichte, die erzählt wird, ist erwachsener als bei Fluch der Karibik. Wann warst du das letzte Mal bei einem Freizeitpark? Freizeitpark ist schon ein bisschen länger her. Auf dem Rummel war ich jetzt im letzten Jahr relativ häufig. Da war dann auch Geisterbahn. Zählt das? Achterbahn, Wildwasserbahn? Okay, machst du sowas? Ja, total. Okay. Ich bin großer Fan von Fahrgeschäften und Fahrattraktionen in Freizeitparks. Nicht so von den Shows, aber so Achterbahnen ist schon ziemlich geil. Okay. Ich mag auch Achterbahnen, wenn sie schnell sind und ich mag auch die extremsten und fiessten Achterbahnen.
Johannes Franke: Okay, okay. So Freefall? Ja, Freefall Tower ist großartig. Also das fand ich, da war ich, das war mir dann zu viel. Das habe ich nicht mehr, da war ich dann wirklich, nachdem ich diesen Freefall Tower durch hatte, war ich so fed up und gedacht, nie wieder.
Florian Bayer: Es gibt Compilation Videos auf YouTube von Leuten, die in den Freefall Towers ohnmächtig werden. Ganz großartig. Ich hatte echt Sorge, dass ich ohnmächtig bin. Das war echt krass. Ich muss dazu sagen, das letzte Mal, dass ich auf dem Freefall Tower war, ist bestimmt 20 Jahre her. Das heißt, es kann sein, dass jetzt auch nochmal ein ganz anderes Erlebnis wäre als damals. Ja, bestimmt, bestimmt. Also Freefall Tower ist sehr lange her, aber ich habe es noch in guter Erinnerung. Also Mitte 20 war ich wahrscheinlich. 15 Jahre dürfte es her sein. Okay.
Johannes Franke: Dann kannten wir uns schon. Und du hast mich nicht mitgenommen. Ja. None|Ja. Okay. Es sei dir verziehen. Gehen wir zurück in den Film. Clint Eastwood ist auch so eine Referenz.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Der Film ist voll von Referenzen. Vor allem Western-Referenzen, ne? Ja. Es ist so großartig. Es ist wirklich viel. Und bei Clint Eastwood, finde ich, treibt das sehr, sehr weit. Weil er kommt da rüber, über die Straße, findet diesen Kart und da sind irgendwie diese Golden Guards, wie er sie nennt. Das sind die fünf Oscars, die Clint Eastwood gewonnen hat über die Zeit. Ja. Und das ist schon so ein bisschen, okay, krass.
Florian Bayer: Aber wenn du dich vor einem großen Western verbeugst, vor allem auch vor so einem Western, der eher so im Südlichen spielt und so diese, so an Mexiko auch ran lehnt, dann musst du dich vor Clint Eastwood verbeugen. Einfach dem Star, der Spaghetti-Western und der etwas abgefuckteren Western-Filme.
Johannes Franke: Und der Mann ohne Name, wie er genannt wird, ist ja tatsächlich so animiert. Der hat diesen Poncho und dieses outworn Gesicht und dieses krasse Western-Ding einfach. Sieht eins zu eins aus, wie Clint Eastwood aus diesen Filmen. Aber dann haben wir sowas wie diese Traum-Szene, ne?
Florian Bayer: Ja. Was man nicht unbedingt aus einem Western kennt, sondern eher aus einem
Johannes Franke: surrealen, psychedelischen Drogentrip. Ja.
Florian Bayer: What the fuck?
Johannes Franke: Ich find's großartig, weil das das, was dieser Durst und diese plötzliche Hitze und dieses Verlorensein irgendwie macht. Und ich find's total großartig.
Florian Bayer: Es ist halt einfach so plötzlich so ein Albtraum. Wir kommen aus dieser wilden Jagdszene und er hat sich gerade beruhigt und legt sich dann hin zum Schlafen. Und dann haben wir wirklich diesen wehren Traum, wo er auch seinem Fischfreund nochmal begegnet, der dann riesengroß ist. Und es ist schon so, es ist sehr abgefahren, ne? Also ich war überrascht, dass der Film so sich diese spitzen Momente getraut hat, wo er wirklich, ja, sich aus einer Comfortzone rausbewegt. Absolut. Während er in anderen Sachen halt sehr stark in dieser Comfortzone drin ist. Und das ist am Anfang nicht am Anfang. Es ist ja wirklich, es ist auch so, vielleicht ist das auch ein bisschen. Ich war am Anfang, war ich sehr gehypt, als ich das alles gesehen habe, so wie das Voice-Acting war, wie diese Einsamkeit gezeigt wurde, wie weird das alles war. Und dann war ich ziemlich enttäuscht, als er halt in diese Westernstadt kommt und als dann doch diese sehr traditionelle Geschichte erzählt wird. Er ist ein Großmaul, er wird zum neuen Sheriff gekrönt, es gibt einen Bösewicht, wir haben alles, was dazu gehört. Die Lego-Arnin, die eigentlich total cool ist, macht auch nicht viel mehr als panisch-hysterisch erstarren. Ja, das stimmt. Ja, ich weiß nicht, vielleicht war es auch so, ich war wirklich gehypt in der ersten halben Stunde und dann hat das so nach und nach abgebaut und ich dachte, oh, jetzt kommt Spektakel auf Spektakel und drumherum ist halt doch diese sehr traditionelle Western-Geschichte gebaut.
Johannes Franke: Okay, dann ahne ich jetzt, was das Problem war und kann dir natürlich auch eher folgen. Ich war so ein bisschen enttäuscht, als du gesagt hast, also natürlich war ich enttäuscht, als du gesagt hast, dass du den Film nicht magst, aber jetzt verstehe ich natürlich warum und weiß auch, hättest du dir gewünscht, dass er überhaupt gar nicht so eine traditionelle Geschichte in der Form erzählt oder hättest du gehofft, dass er moderner mit seinen Figuren umgeht, weil die Frauenfiguren sind ja auch, also ich meine, naja.
Florian Bayer: Ah ja, nee, das ist gar nicht so schlimm. Ich hätte mir, glaube ich, gewünscht, dass er ein bisschen mehr beim Thema vom Anfang bleibt, dass er ein bisschen mehr diese Verlorenheit, dieses Selbstsuchen, dieses, dass er das noch ein bisschen mehr ausreizt, ein bisschen mehr Geschichte gibt, weil wenn Rango zu Rango wird, dann kriegt er auch einen viel, viel deutlicheren Charakter aufgesetzt und der ist halt dieser klassische, großspurige Held mit gutem Herzen, aber viel zu großspurig und er kennt selbst nicht, zu welchen Heldentaten er eigentlich in der Lage ist und seine Tollpatschigkeit hilft ihm auch noch und der Zufall hilft ihm und so diese ganzen Tropes eben. Man kennt sie aus sehr vielen Kinderfilmen und aus sehr vielen Animationsfilmen und auch Animationsfilmen, die so die Western-Thematik haben. A Bugs Life wäre das Erste, was mir einfällt, was wirklich zehn Jahre älter ist und das fast exakt so erzählt und sogar auch Western-Referenzen hat und irgendwie die glorreichen Sieben zitiert. Okay. Ja.
Johannes Franke: Das heißt, nach einer halben Stunde, also eigentlich, nachdem er sich Rango nennt, nach dieser großartigen Kneipenszene.
Florian Bayer: Ja, Dirt ist cool. Ja. Die ganze Inszenierung von Dirtz ist toll, auch wie er in die Kneipe kommt, natürlich auch wieder komplett das Klischee, am selten Wasser, alle lachen.
Johannes Franke: Ja, also richtig, richtig typisch, aber ich finde, irgendwie hat er es geschafft, das auf eine Art und Weise zu machen, die diese Parodie natürlich nach vorne stellt und das gut, also zum einen gut inszeniert, also es gibt ja auch schlechte Parodien, die dann schlecht, weil sie es nicht ganz verstehen, was eigentlich da passiert, hat er aber genau verstanden, wie ein Western in diesem Salon funktionieren muss und hat es sehr gut inszeniert und sich gleichzeitig darüber lustig gemacht.
Florian Bayer: Das ist ja auch ein bisschen unfair, muss ich jetzt mal so kritisch zu meiner Kritik sagen, sich über Klischees in einem Film aufzuregen, dessen Essenz es natürlich ist, sich an diesen Klischees hochzuziehen und mit diesen Klischees Spaß zu treiben, das macht der Film ja. Also es ist nicht so, dass er einfach Klischees reproduziert, sondern er weiß sehr wohl, in welchem Kontext er sich da bewegt und macht das auch mit dem Augen zwingen kann.
Johannes Franke: Ja, wobei er sich natürlich trotzdem aussuchen kann, was für eine Geschichte er erzählt und wenn er dann so eine ganz, ganz klassische Heldengeschichte erzählt, dann verstehe ich, was du meinst, das ist für dich nicht so. Jetzt geben wir uns gegenseitig Argumente, was soll das denn?
Florian Bayer: Ja, wir brauchen uns keine Argumente zu geben, es kommt nämlich gleich das nächste Spektakel, wenn er fast in ein Duell gerät und dann denkt man schon, oh nein, und jetzt wird er enttarnt und dann kommt aber der Habicht angeflogen und dann wird die Jagd mit dem Habicht und er schafft es halt irgendwie, den Habicht zu töten, indem er einfach stolpert. Ja, genau. Er stolpert in der Gegend rum. Und diesen Turm dann zufällig umreißt, der den Habicht erschlägt,
Johannes Franke: der dann auch wirklich erschlagen wird einfach mal, der ist tot. Ja, der natürlich sehr comichaft einfach nur da steht und wartet, dass er erschlagen wird, aber gut. Und ich finde auch, dass es gar nicht unwahrscheinlich inszeniert ist dann. Also die Leute rennen ja alle weg und er weiß nicht wohin und wie und was und meistens in solchen Filmen sind die Zufälle dann doch zu stark und zu krass. Und ich finde da, er zieht oft so eine Realismuskarte, die ich ganz geil finde. Also es ist halt wild und laut
Florian Bayer: und es ist kurz und es dient halt vor allem dazu, einmal wieder Bewegung reinzubringen in die ganze Geschichte, nachdem wir kurz in dieser Kneipe so sehr verharrt sind und einmal wirklich uns im wahrsten Sinne des Wortes im Drecksuhlen durften, weil diese Stadt, in der das Wasser ausgeht, ist halt auch so komplett heruntergekommen. Und wir kriegen einmal das Setup präsentiert und dann geht es aber halt gleich wieder los mit der Action, um ihn auch irgendwie zum Sheriff zu machen. Also es ist so klar, was das Ziel ist. Rango soll der Sheriff werden und wir brauchen ein bisschen Action.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich finde es total großartig. Ich mag das ja total. Ich versuche bloß ein bisschen, deinen Punkt zu verstehen.
Florian Bayer: Ich versuche ihn selbst noch zu verstehen, weil ich den Film von seinem Ansatz total sympathisch finde. Ich glaube, das wurmt mich auch selbst so ein bisschen, dass ich eigentlich sehe, dass Gore Binsky hier wirklich mutig rangegangen ist und auch viele Sachen gemacht hat, so gegen den Strich von Hollywood-Animationen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und überhaupt nach dem Film ja die Paramount überhaupt erst ihre eigene Division für Animationen gegründet haben.
Florian Bayer: Ja, um Gottes Willen. Hast du mal geguckt, was die inszeniert haben? Was denn? Oh nein, hast du schlechte Botschaften? Ich habe ganz schlechte Botschaften. Ich habe nichts davon gesehen. Okay. Das Ding ist aber, ich habe einmal quer so I am the Beat, wie man das halt so macht, und Rotten Tomatoed. Und die Filme, die sie gemacht haben, bei der Kritik sind die alle gescheitert. Sie haben einen Film gemacht, der heißt Monster Trucks, wo offensichtlich die Monster Truck-Variante von Disney's Cars. Ja. Sie haben gemacht Sherlock Gnomes, also Gnomes wie die kleinen Gnome, ja. Oh, fuck. Der Film heißt wirklich so. Sie haben zusammen mit der WWE, Wrestling. Nein. Der World Wrestling Entertainment, haben sie einen Film namens Rumble gemacht, einen Animationsfilm über Wrestler. Okay. Und diese Filme sind alle komplett bei der Kritik durchgefallen. Fuck, Alter. Außerdem zwei Spongebob-Filme. Ich bin kein Spongebob-Fan. Ich schon? Die beiden Spongebob-Zeichentrick-Kinofilme sind von denen.
Johannes Franke: Okay. Ja, das rettet es ein bisschen. Also die sind jetzt nicht der absolute Hammer, aber...
Florian Bayer: Der kleine Prinz. Ich habe zum ersten Mal gehört, dass es eine Animationsfilm-Verfilmung von Der kleine Prinz gibt. Habe ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Habe ich die gesehen? Ich bin mir nicht sicher, aber ich wusste, dass es sie gibt.
Florian Bayer: Und, was es so ein bisschen für mich rettet, Anomalisa. Ah ja. Einen ganz großartigen Film von Charlie Kaufman. Hm. Also, ja, aber größtenteils hat das Studio den Spaß an der Animation genutzt, um einen ziemlichen Trash zu produzieren. Ich habe mir ein paar Bilder angeguckt, ein paar Szenen. Ja. Und das ist so, diese Klischees, wenn man so sagt, so, ja, so Animation-B-Movies, denen sieht man das halt sehr schnell an, weil die nicht im Geringsten konkurrieren können mit Pixar, Disney, Dreamworks. Einfach allein vom Budget. Okay. Und das sieht man daran, dass die Animationen weniger Details haben, weniger farbenfroh sind, dass weniger Frames benutzt werden oder so ganz einfache Sachen. Okay, ja. Und ich finde es krass, dass Paramount solche Filme macht.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Aber so sahen die aus. Also vor allem Sherlock Holmes sah echt übel aus. Das sah eigentlich eher aus wie so eine europäische Animationsputze, die für eine Million sagt, ey, wir können auch Animationen machen. Okay, okay, gut.
Johannes Franke: Vielleicht vergessen wir jetzt ganz schnell wieder, dass Paramount überhaupt Animationsfilme macht.
Florian Bayer: Aber ist es nicht wirklich eine schöne Geschichte, dass Gore-Werb Binsky sagt, ey, ich habe keinen Bock, den nächsten Fluch der Karibik zu drehen? Das hat er nämlich gesagt. Ich habe jetzt Bock, einen Animationsfilm zu machen. Ich will mal gucken, wie das überhaupt geht. Ich will das mal ausprobieren und so weiter. Dann irgendwann feststellt, shit, das ist eine Menge Arbeit. Ich habe jetzt hier meine ganzen Gruppen an Bord. Die mögen mich alle, weil ich mit denen schon gearbeitet habe. Aber es ist trotzdem Johnny fucking Dab. Ja. Ich will jetzt nicht, ah, Hilfe. Und dann kommt Paramount und sagt, ach komm, wir geben dir das Geld. Was schon krass ist, weil die haben ja das Drehbuch gelesen. Die haben gesehen, was da gemacht wird. Und haben trotzdem gesagt, ey, wir geben dir das Geld. Und dass dieser Film, der ein Budget hatte von 135 Millionen, was ein ordentliches Budget ist, aber halt Animationsfilm-Budget, dass der fast das Doppelte am Box-Office einspielt, einen Oscar gewinnt als bester Animationsfilm. Und zwar der einzige nicht-Bisney-Pixer-Film, der einen Oscar gewinnt.
Johannes Franke: Seit Ewigkeiten, seit 2006 oder so was, seit irgendeinem anderen Film. Da gab es noch einen.
Florian Bayer: In den 2010ern, genau. 2006 war es irgendein Schreckfilm? Nee, aber bestimmt war es DreamWorks. Keine Ahnung. Und danach, 2018, hat Spider-Man New Universe noch wieder einen Oscar gewonnen. Ist eine tolle Geschichte, ne? Und das ist eine sympathische Geschichte. Ist auch einfach schön. Deswegen ignoriert man wahrscheinlich wirklich besser, was Paramount danach für Animationsfilme gedreht hat. Ja.
Johannes Franke: Nur um das abzurunden, es gibt wahnsinnig viele Anspielungen, wer sie alle gefunden hat. Ich habe auch irgendwo noch mal eine Liste gefunden. Also Fear and Learthing in Las Vegas natürlich. Die Zeitmaschine, Deadwood, zwei gelohrliche Halunken, Chinatown. Donkey Rote de la Mancha wird angeteast, weil dieser Typ, der da über die Straße wollte, so aussieht, sehr stark an das Outfit und so.
Florian Bayer: Und selbst wenn man von den spezifischen Beispielen weggeht, findet man ganz viele allgemeine Referenzen. Also sowas wie zum Beispiel die Präriehunde, die im zweiten Akt zu den vermeintlichen Bösewichtern, die vermeintlichen Bösewichter sind, die kommen wie Zombies aus dem Boden. Das ist eine großartige Szene, weil man wirklich denkt, wow, was kommt denn da jetzt? Und dann sind das diese Präriehunde, die sich halt vergraben haben, um sich zu verstecken. Und die kommen aber raus wie Zombies. Das ist großartig. Super Szene.
Johannes Franke: Ja, solche Sachen. Einfach ein Film, der Filme liebt, habe ich das Gefühl. Ja, auf jeden Fall. Und das kommt mir natürlich entgegen. Und hätte dir auch entgegenkommen sollen. Und anscheinend sind die Firearms, also die Pistolen und so, die sie verwenden, tatsächlich sehr akkurat gezeichnet. Ja. Nach Vorbildern, die tatsächlich verwendet wurden, werden, was auch immer.
Florian Bayer: Ja, um vielleicht nochmal was zur Animation zu sagen. Ich will ja nicht nur über den Film lästern. Die Animation war wirklich stark. Ja, ne? Die Animation ist richtig gut. Auch ein Animationsfilm, der sich viele Nahen traut. Ja. Also vor allem Rangos Gesicht sehen wir öfter sehr nah. Ja. Und der sehr geschickt die Schwierigkeiten für Animationsfilme, die auch in den 2010ern immer noch da waren, die heute immer noch da sind, gut zu umgehen. Also er stolpert nie in Uncanny Valley, obwohl er sehr viel Freude an Details hat. Und auch an realistischen Details. Die Tiere sind teilweise, haben wirklich krasse Narben und Furchen und sehen sehr mitgenommen aus. Also er atmet schon so dieses dreckige Überleben in der Wildnis. Also in diesem Fall in der wüstigen Wildnis. Ja. Aber er bewahrt sich trotzdem so einen gewissen Comic-Charme. Ja. Um halt eben nicht in Uncanny Valley zu stolpern. Sondern es funktioniert. Die Animationen sind sehr gut.
Johannes Franke: Ja. Ich finde es auch wirklich sehr, sehr, sehr gut ausgewählt. Man muss halt wissen, was man kann und was man nicht kann.
Florian Bayer: Industrial Light & Magic. Also die können, die wissen, die können Animationen, die können Computer. Die waren für die Animationen verantwortlich. Also um den Film, um mal an die Substanz des Films zu gehen. Ja. Es geht um ein aktuelles Thema. Es geht um Energie, beziehungsweise in diesem Fall. Es geht um Wasser. Es geht um die Versorgung mit Rohstoffen. Weil das ist das, was in Dirt das große Problem ist, weil das auch das Wichtigste ist. Die brauchen Wasser. Die sind mitten in der Wüste. Und das Wasser geht ihnen aus. Sie haben das Wasser in der Bank gelagert. Was auch eine tolle Idee ist.
Johannes Franke: Wunderbar. Das Zahlungsmittel gegen Wasser auszutauschen. Also das ist wirklich eine gute Idee für die Wüste. Und nicht nur für die Wüste, sondern allgemein ein Kommentar auf unsere Zeit. Ja, genau.
Florian Bayer: Also Rango erzählt dann wirklich auch eine Geschichte, wo es um Korruption geht. Letzten Endes stellt sich heraus, dass der Bürgermeister verantwortlich ist für die Wasserflaute, weil er von den Menschen gelernt hat. Wie man ein Paradies erschafft. Nämlich indem man erstmal das Geschwür oder wie auch immer man es nennen will, abschneidet. Das heißt, die Versorgung von Dirt wird einfach eingestellt, damit er hinter dem Hügel sein eigenes Las Vegas aufbauen kann. Das ist schon cool, weil es halt wirklich ein erwachsenes Thema ist und weil es ein Thema unserer Zeit ist. Wir haben also Rohstoffmangel und in unserem Fall jetzt vor allem, was Energie betrifft. Und auch dieser Kampf um die Hoheit über Rohstoffe, das sind einfach Themen unserer Zeit. Das fand ich ganz spannend, auch weil der Film halt zehn Jahre alt ist, aber in dieser Hinsicht immer noch sehr gut funktioniert.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Naja, aber er macht das auch universell. Also ich meine, natürlich ist das ein Thema, das irgendwie aktuell ist, aber die Art und Weise, das umzusetzen, ist natürlich dann wiederum moralisch universell. Man schneidet nicht einfach die Leute von lebenswichtiger Versorgung ab und sagt, okay, ich mache ja mein eigenes Ding. Kannst du nicht machen.
Florian Bayer: Wenn man sich anschaut, wie in der Geschichte Amerikas Staudämme gebaut wurden und wie da die Natives umgesiedelt wurden, denen wirklich das Wasser gekappt wurde, dann ist das schon einfach eine sehr konkrete, also kann man auch als sehr konkrete Parabel lesen. Stimmt, ja. Die Politik hat Menschen Wasser weggenommen, um ihre Städte aufbauen zu können mit Wasser. Und das findet man nicht nur in Amerika, das findet man überall auf der Welt, vor allem in den Regionen, in denen Wasserknappheit herrscht natürlich.
Johannes Franke: Reden wir also jetzt, kommen wir zu dem Teil, in dem wir über Nestle wettern.
Florian Bayer: Ja, ich habe auch gerade überlegt, wie ich den Sprung mache jetzt zum Wasser, das in Flaschen abgefüllt wird. Also der Film ist natürlich ein sehr allgemeiner Film mit einer sehr einfachen Moral letzten Endes, aber man kann da diese politischen Themen drin sehen. Ja, ja, absolut. Na sowas, in meinem... Ist deine Tür offen? Nee. Wow, die Tür ist hellhörig. Das Treppenhaus ist laut, Wahnsinn. Habt ihr das auch gehört? Da hat jemand, habt ihr das gehört? Da hat sich jemand in unseren Podcast eingeschlichen. Aus Johannes Treppenhaus heraus.
Johannes Franke: Wir werden überfallen. Okay, ähm, ja, also Nestle, gut, setze jede Kritik ein, die dir einfällt, liebe Zuhörer, liebe ZuhörerInnen. Ähm, ich weiß nicht, müssen wir jetzt über Nestle reden? Wahrscheinlich nicht, es weiß einfach jeder, dass es die riesen Arschlöcher, die auf diesen Planeten sind. Neben, neben Monsanto und Co.
Florian Bayer: Wir können ja mal, wir können ja mal zu unseren Bösewichten im Film kommen. Ah! Wir haben nämlich zwei großartige Bösewichte, ähm, also natürlich vor allem, also nichts schlägt Bill Nighy als Rattlesnake Jake.
Johannes Franke: Es ist so großartig, ich liebe Bill Nighy, wir hatten ihn schon ein paar Mal im Podcast besprochen und ich liebe diesen Typen einfach, es ist ein unglaublich großartiger Mensch.
Florian Bayer: Ja, und er ist in diesem Film wirklich eine Erscheinung, also er spielt sich nicht selbst. Ja, ja, ja, ja. Rattlesnake Jake ist, ähm, erstmal großartig inszeniert. Ja. Weil er hat dieses, bringt diese Klugheit mit und dieses physisch extrem Bedrohliche, weil er eine Riesenschlange ist. Mhm. Ja. Und dann mit dieser Stimme von Bill Nighy, der eben nochmal diese, ähm, der so eine gewisse Kultiviertheit in diese Figur reinbringt. Ja. Es ist wirklich, diese Schlange ist wirklich ein cooler Bösewicht und er ist eigentlich nur ein Auftragskiller, ne? Und er hat einen Schnauzer. Er hat einen Schnauzer, ja, natürlich hat er einen Schnauzer. Ich bin so großartig. Und er ist auch eigentlich der coolere Bösewicht, der sich dann im Nachhinein quasi auf die andere Seite schlägt, weil er auch so ein bisschen erkennt, dass Rango irgendwie heldenhaft gehandelt hat.
Johannes Franke: Ja, das ist so ein bisschen dieser Topos von, naja, der Gangster mit seiner eigenen Moral und seinem Bedürfnis, bestimmte moralische Grundwerte zu halten. Und das ist dann halt, wenn er halt sieht, dass Rango tatsächlich auch ein Held sein kann. Und wenn er dann, was er eben ja am Anfang abspricht, dann ändert er sich. Das ist, ich finde es fast ein kleines bisschen zu lame, aber ich akzeptiere das in dem Moment.
Florian Bayer: Ja, und dann haben wir natürlich Ned Batty. Ich weiß nicht, er wird Beatty, glaube ich, ausgesprochen. Ned Beatty, der den Bürgermeister spielt, den wirklichen Bösewichten. Warren Beatty? Nee, Ned Beatty. Okay. Ist er verwandt mit Warren Beatty? Das ist eine gute Frage. Ich glaube aber nicht. Nee, er ist nicht verwandt mit Warren Beatty. Aber Ned Beatty kennt man unter anderem als Lex Luthor aus den alten Superman-Filmen. Mhm, okay. Ah, nee, nicht Lex Luthor, Entschuldigung. Streicht das? Okay. Den kennt man als den Assistenten von Lex Luthor in den alten Superman-Filmen. Und auch eigentlich ein sehr bekanntes Gesicht, der immer mal wieder in Hollywood auftaucht. Und er spielt den Bürgermeister mit genau der richtigen Mischung aus Verschlagenheit, Schwierigkeit. Ja, ja, ja. Wie man sich das halt für so einen Fiesling, der im Hintergrund agiert, der sich erst später als Fiesling entpuppt, erwartet. Ja.
Johannes Franke: Ist dir irgendwie jemand eingefallen, an den dich diese Figur optisch erinnert? Weil dieser Meier, also ich habe die ganze Zeit das Gefühl, ich kenne den irgendwoher. Irgendein Schauspieler muss da Pate gestanden haben optisch.
Florian Bayer: Ich muss mir noch mal kurz das Bild angucken, aber ich hatte, nee.
Johannes Franke: Also auch in der Art und Weise, wie das Gesicht sich bewegt und so.
Florian Bayer: Irgendwie. Ich habe eher das Gefühl, als ich den das erste Mal gesehen habe, habe ich gedacht, das hat sowas Alienhaftes an sich. Ja, ein bisschen stimmt. Weil das so, wenn man dieses Schildkröten-Gesicht sieht unter dem Cowboy-Outfit, dann wirkt das fast so ein bisschen wie ein Alien, das sich getarnt hat, um in menschlicher Umgebung zu funktionieren. Ja.
Johannes Franke: Liebe ZuhörerInnen, wenn euch einfällt, an wen mich diese Figur erinnert, dann schreibt uns bitte. Ich habe vorhin die ganze Zeit gedacht, wer den Film nicht gesehen hat und uns dann reden hört. Ich weiß nicht, ob man uns folgen kann oder ob man dann den Film sehen will oder ob man dann sagt, oh Gott, dann guckt man den Film später an und denkt sich, what the fuck, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich kriege das überein. Liebe ZuhörerInnen, auch das, schreibt uns gerne, mich interessiert es total, wenn ihr einen Film aufgrund dieses Podcastes mal anschaut, ob das irgendwie zusammenpasst, was wir reden und was ihr dann seht.
Florian Bayer: Ja, es kommt wirklich drauf in meinen Fokus. Wir haben zum Beispiel fast noch gar nicht bis darauf, dass das eben dieses Zombie-Meme ist, über die Wüstenhunde gesprochen, die ja wirklich coole Charaktere sind auch. Die vermeintlichen Bösewichte, die dann auch festgenommen werden als die Diebe des Wassers. Und die aber eine leere Flasche geklaut haben. Ja, die haben eine leere Flasche irgendwo gefunden, oder? Ja, sie sind halt Gangster, sie sind Ganoven, aber sie sind nicht das große Problem im Großen und Ganzen. Und die dann sogar fast gelünscht werden von der Dorfbevölkerung. Toll, also wirklich schöne, ambivalente Charaktere. Und wir freuen uns, wenn sie nachher auf der Seite von Rango sind und auf der Seite von Rango kämpfen mit ihren Fledermäusen. Ja, sie reiten Fledermäuse.
Johannes Franke: Ja, und auf dem Boden werden Rennkuckuckuck geritten, wenn ich das richtig sehe. Ich liebe Rennkuckuckuck. Wenn euch das nicht sagt, googeln und ihr kennt Rennkuckuckuck ziemlich sicher von Roadrunner, der dem Koyoten immer wegrennt.
Florian Bayer: Aber das sind Tiere, denen du auch nicht in freier Wildbahn begegnen willst. Oder die sehen aus, als ob die ganz schön hart fies zutreten können. Die sind sehr klein. Ah. Die sind einfach sehr klein. Ich habe gerade so eine Vogelstraußgröße im Kopf. Nope, die sind sehr klein. Okay. Das heißt, man kann ihnen in freier Wildbahn begegnen, ohne dass sie einem nach dem Leben lachen. Beim Vogelstrauß soll man nämlich aufpassen. Ja, das stimmt. Vogelstrauß sind extrem gefährliche Tiere. Ja.
Johannes Franke: Wo waren wir? Star Wars Verfolgungsjagd steht bei mir noch. Ich liebe diese Star Wars Verfolgungsjagd.
Florian Bayer: Welche? Es gibt Szenen im Film.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Es gibt wirklich, also dieser Film ist ständig, Leute rennen vor irgendwas weg.
Johannes Franke: Aber es gibt diese Podracer-Szene. Ah, ja, ja, okay. Wo sie wirklich in der Schlucht hinterher fliegen und rennen und das ist großartig.
Florian Bayer: Es wird sehr viel gerannt. Wir haben auch sehr viel diese, ich sag jetzt schon mal, dreidimensionalen Räume, die eröffnet werden und jemand rennt und auf uns zu und vor uns weg. Und danke, Gorr. Danke, danke, danke. Er hat sich dagegen entschieden, das Ding zum 3D-Film zu machen.
Johannes Franke: Ich find's super. So eine tolle Entscheidung. Und auch wirklich zu sagen, Leute, gerne probiert es, schickt mir ein Sample und schickt mir ein Sample, das auch realistisch ist für das Geld, was wir haben. Und dann hat er es gesehen und gesagt, naja, wir können gerne einen 3D-Film draus machen, wenn ihr noch 44 Millionen draufschlagt. Ansonsten bitte nicht.
Florian Bayer: Ihm war es ganz wichtig, kein halbgarer 3D-Film. Ja. Und trotzdem hat der Film diese Spektakelaufnahmen, in denen viel auch auf uns zukommt und so. Also man kann sich das total gut vorstellen, dass das auch in 3D funktioniert und dass das zum 3D-Film gemacht wird. Und Gott sei Dank hat er es nicht gemacht, weil also so gerade 2011 war wirklich das Letzte, was die Welt gebraucht hat, noch einen durchschnittlichen 3D-Film.
Johannes Franke: Ja, und er hat es wirklich, es sieht so plastisch und so toll aus, in ganz normal Glorious 2D, wie sie es genannt haben. Ist es. Und 3D ist ja auch irgendwie tot mittlerweile, ne? Ich weiß es nicht, keine Ahnung. In der Pornografie gibt es das, glaube ich, noch ganz große.
Florian Bayer: Aber da wird ja We Are das neue Ding dann. Achso, okay. Demnächst. Ich glaube, es werden keine 3D-Fernseher mehr produziert. Und die großen Fernsehhersteller, so wie Samsung und LG und so, die haben alle ihre 3D-Produktionen eingestellt, weil kein Mensch mehr 3D hat.
Johannes Franke: Das waren irgendwie so zehn Jahre, in denen das angedeutet wurde, dass das vielleicht was werden soll.
Florian Bayer: Und jetzt kommt bald Avatar 2 ins Kino und dann fängt der ganze Shit nochmal von vorne an. Weil Avatar war ja verantwortlich dafür.
Johannes Franke: Ja, ja. Oh Gott. Avatar 2. Oh Gott. Jetzt wird es so geblaut. Ich weiß nicht, genau. Es ist so blöd.
Florian Bayer: Avatar ist übrigens auch so ein Film, den ich sehr verachte.
Johannes Franke: Ja, absolut. Ich habe versucht, ihn zu gucken. Und zwar aber nicht im Kino, nicht in 3D, sondern eben dann halt in 2D zu Hause. Und ich habe echt Angst gehabt, vor Langeweile zu sterben.
Florian Bayer: 3D macht es nicht besser. Es waren vor allem so ein paar Sachen. Avatar war ein Film, der ganz viel die Schwächen für mich aufgedeckt hat von dieser 3D-Technik, wie sie halt im Moment zu finden ist. Und eines der größten Probleme für mich ist, dass wenn du einen dreidimensionalen Raum hast, dann willst du selbst den Fokus setzen. Ja, ja. Und ich finde es total verstörend, vor allem bei Realfilmen, die in 3D sind, wenn sie als typisches Filmmittel eben einsetzen, dass sie mit Unschärfen arbeiten. Aber wenn sie das in einem dreidimensionalen Raum machen und du siehst in einem dreidimensionalen Raum, willst du deine eigene Schärfe setzen, du willst eigentlich was fokussieren, was unscharf ist, ist total verstörend. Ja. Das funktioniert einfach nicht. Ich glaube, wenn du 3D machst, dann muss alles scharf sein. Und dann musst du irgendwas schaffen, dass der Mensch die tiefen Schärfe herstellen kann. I don't know. Aber wieso das? Es gibt bestimmt Möglichkeiten, irgendwie. Warte mal, in 20, 30 Jahren.
Johannes Franke: Haben wir noch irgendwelche Anspielungen übersehen? Mad Max oder so? Irgendwelche großen Themen außer das Wasser?
Florian Bayer: Ah, interessant noch. Zumindest noch den zweiten Namen, der an diesem Projekt gearbeitet hat, der auch eine lange Geschichte hat, was Mainstream große Filme betrifft. Der Drehbuchautor John Logan hat Drehbuch geschrieben für Gladiator, The Last Samurai, Aviator, Sweeney Todd, Hugo Capret, James Bond Filme und ist der Entwickler von der Serie Penny Dreadful. Oh, okay. Der wurde 2004 als Drehbuchautor des Jahres ausgezeichnet auf dem Hollywood Film Festival. Krass. Und also ähnlich wie Gore Verbinski, total ein Mann für große Spektakelfilme. Also ich habe das Gefühl, da haben sich auch so zwei gefunden bei dem Projekt. Und die haben sich sehr gut ergänzt und hatten wahrscheinlich auch eine ähnliche Vision.
Johannes Franke: Die haben ja während Flucht der Karibik darüber schon angefangen zu reden. Die hatten da irgendwie, die saßen, das war so eine Kneipen-Idee, glaube ich. Es fühlt sich auch ein bisschen an wie eine Kneipen-Idee, der ganze Film. Das kann sein, ja. Ach, ich liebe diesen Film. Warum noch gleich magst du den Film nicht? Weil du hast jetzt sehr viele Argumente dafür gegeben, muss ich sagen.
Florian Bayer: Es ist einfach dieser abrupte Wechsel von Spektakel zu ruhigen Szenen. Und mit dieser halt eben eher dünnen Grundgeschichte, dass er der verkannte Held ist, der sich selbst auch verkennt, weil er so großspurig daherkommt. Okay. Und die Redemption-Arc dann und dann wird er eben von der Klapperschlange enttarnt als Lügner und dann geht er natürlich weg, nur um dann nochmal eine Vision zu haben, um nochmal zurückzukommen. Und es sind alles so viele Animationsfilms, Film-Dropes, die sehr Stereotyp sind. Das hat es mir einfach madig gemacht. Okay. Und ich hätte diesen Film gerne gemocht. Wie gesagt, die erste halbe Stunde war wirklich sehr gut. Ja. Und ich sehe in dem Film auch immer wieder starke Momente.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die Animation ist toll, das Voice-Acting ist toll. Das reicht nicht. Das reicht nicht ganz.
Johannes Franke: Verdammt. Okay. Lass uns mal flüchten in die Top 3, um dann am Ende nochmal den Film hochzuholen. Ja, machen wir. Tschinger. Unsere Top 3. So, was haben wir denn für eine Top 3? Wir haben die Top 3 Filme, Situationen, in denen eine Figur die Gelegenheit nutzt, sich neu zu erfinden.
Florian Bayer: Ja, super.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Hat mich richtig gefreut. Ich habe das gelesen und dachte, auch cool. Das ist sowas, wo man ein bisschen wühlen muss, ein bisschen suchen muss, wo man nicht so auf Anhieb was findet. Ja. Aber wo sich dann doch Sachen ergeben. Ja.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Du musst anfangen, muss ich anfangen?
Florian Bayer: Ich habe zwei Honorable Mentions. Ja. Und soll ich die raushauen erstmal oder soll ich die auf den Schluss packen, damit ich nicht mit der Honorable Mention eine große Platzierung wegdehebe?
Johannes Franke: Ja, lass uns mal hinten dran sitzen, die Honorable Mentions.
Florian Bayer: Dann würde ich gerne als Platz 3, weil das ist ein Film, den ich wirklich sehr mag, ein Spielberg-Film aus dem Jahr 1991. Und zwar Hook mit Robin Williams als Peter Pan und Dustin Hoffman als Hook. Aber Peter Pan ist in diesem Film am Anfang ein Unternehmer, nämlich Peter Benning, mit Familie und Kindern. Weil er ist halt irgendwann aus dem Nimmerland, nicht ins Nimmerland zurückgekehrt, er ist erwachsen geworden, er hat das alles vergessen. Ja. Und er ist so ein richtiger Unternehmensspießer geworden, der auch sagt, so Zeit ist Geld und Arbeit ist das Wichtigste und man muss was leisten im Leben und so weiter. Ja. Und hat nichts mehr mit dem Peter Pan zu tun. Und dann werden seine Kinder aber von Captain Hook ganz großartig Dustin Hoffman entführt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Julia Roberts als Tinkerbell, man darf darüber streiten, ob das eine gute Wahl war, nimmt dann Peter Benning zurück ins Nimmerland, damit er wieder zu Peter Pan wird. Und es ist eben einfach die Geschichte von einem Kind, das nie erwachsen geworden ist und dann aber sein inneres Kind wieder findet. Und es ist wirklich ein wunderschöner Fantasy-Film, sehr kitschig, sehr albern, aber wirklich ein toller Film, der Spaß macht.
Johannes Franke: Ich habe die ganzen Klassiker und bin nicht drum herum gekommen, weil ich in der modernen Geschichte keine besseren gefunden habe. Aber es tut mir sehr leid. Aber meine Liste ist jetzt sehr klassisch. Okay. Und zwar auf Platz drei hätte ich Some Like It Hot. Manche mögen es heiß. Ja. Die beiden Jungs, die die Möglichkeit ergreifen, eine neue Identität anzunehmen als Frauen in einer klassischen Frauen dominierten Band, die irgendwo in einem Strandbad, wo reiche Männer residieren, die spielen da irgendwie abends immer auf der Bühne und die müssen sich halt anschließen, dieser Band, weil sie von Gangstern gejagt werden. Und ja, seize the opportunity, seize the moment. Sie hören, dass da weibliche Bandmitglieder gesucht werden und schließen sich halt schnell an, weil sie sonst, naja, einen Kopf kürzer werden.
Florian Bayer: Haben wir auch besprochen im Podcast. Ist schon länger her, aber es gibt eine Episode in der guten alten Zeit, als wir noch zwei Filme pro Episode gemacht haben.
Johannes Franke: Als wir drei, vier Stunden über. Oh Gott.
Florian Bayer: Hört mal rein. Auf jeden Fall hörenswert unsere Some Like It Hot Episode. Manche mögen es heiß mit Marilyn Monroe.
Johannes Franke: Ja, großartige Marilyn Monroe. Der neue Film, Blond. Noch nicht gesehen? Noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Nee, ich habe stattdessen Sissy geguckt. Das Sissy geguckt? Kann ich gleich noch was dazu sagen. Na, Isabet, also die Kaiserin. Ach so.
Johannes Franke: Netflix hat Sissy, den Sissy-Stoff neu verfilmt. Ich glaube, ich kenne sogar die Schauspielerin. Devrim, ist das Devrim? Ich weiß nicht genau. Egal. Sollen wir uns kurz gucken? Das ist Devrim Lingnau.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Ah ja, mit der habe ich gedreht, ja. Ah, schön. Die war gut. Die ist auch nett. Ja, ja. Okay, gut. Nein, reden wir nicht drüber. Wir haben, ja, es gibt eine neue Verfilmung, Blond, über Marilyn Monroes Leben und die muss wirklich schlimm sein. Oh. Richtig schlecht sein. Oh, auch Netflix, ne? Netflix, ja. Und ich hatte so Hoffnung, dass ja 2010 warten die schon, versuchen die an diesen Stoff irgendwie ranzukommen und das umzusetzen. Und jetzt haben wir irgendwie zwölf Jahre gewartet und es ist scheiße dabei rausgekommen anscheinend.
Florian Bayer: Ja, Netflix-Filme sind echt ein schwieriges Feld. Netflix verkackt es meistens mit seinen Filmproduktionen. Scheiße. Es gibt so ein paar rühmliche Ausnahmen, aber ... Ist es ein Film oder eine Miniserie? Ja, ein Film. Ein Film.
Johannes Franke: Und die haben halt irgendwie anscheinend es geschafft, die ganzen rechten Leute zu begeistern und was sehr sexistisch ist teilweise daraus zu machen. Oh Gott. Oh Gott. Das verstehe ich überhaupt nicht, weil Marilyn Monroes Leben, du kannst nicht, also das Erste, was du nicht machen willst, ist dich darauf zu setzen, dass Marilyn Monroe dieses Sexsymbol war. Aber das ist das Lameste, was du überhaupt machen kannst als Filmemacher.
Florian Bayer: Ja. Das beste Bild von Marilyn Monroe ist keines von ihren Pin-Ups, sondern das, wo sie am Strand sitzt, glaube ich. Und Ulysses liest. Ja, ja. Das ist sehr süß. Mein Platz zwei. Ja. Es wird bei mir ein bisschen düsterer. Und zwar aus dem Jahr 1997 Lost Highway von David Lynch. Wo ein Mann, nachdem er seine Frau umgebracht hat, die Chance ergreift, jemand anderes zu werden und zwar im wahrsten Sinne des Wortes und wirklich den Körper mit jemand anderem tauschen. Und aus dem 40-jährigen Fred wird der 17-jährige Pete, der dann plötzlich auf eine Frau stößt, die genauso aussieht wie seine Frau und der eine verquere Variante seiner Ehegeschichte nochmal neu erlebt. David Lynch, Meister des Surrealismus der 90er, 80er und 90er Jahre, hat hier eine wirklich krasse Mischung aus Psychothriller, Film, Neonor und Surrealismus gemacht, der einfach großartig ist und das Konzept sich neu erfinden und zu versuchen, sein Leben anders zu leben, auf die Spitze treibt, indem er es einfach in diesem irrealen Setting erzählt.
Johannes Franke: Ja, meine Güte, ewig nicht gesehen. Wahrscheinlich hast du den mir gezeigt, irgendwann, als wir Anfang 20 waren. Sehr gut möglich. Mein Platz zwei ist, ähm, What's Up, Doc? Ja. Den haben wir auch besprochen. Ja, stimmt. Sie gibt sich als seine Frau aus, nutzt den Moment, um zu verhindern, dass die wirkliche Frau da irgendwie auf die Party geht und geht da hin und checkt ein als Mrs., ich hab den Namen vergessen. Barbara Streisand. Barbara Streisand ist es auf jeden Fall. Ja, ist großartig. Ich liebe diesen Film und er ist auch überraschend gut dafür, dass man denkt, es ist eine seichte 60er Jahre Komödie. Okay. Ja. Oder 60er? Ja, ich glaube schon.
Florian Bayer: Na, es ist fast so. Also es hat auf jeden Fall diesen New Hollywood-Vibes, weil der Regisseur Peter Bogdanovic auch zu der New Hollywood-Riege gehört. Aus dem Januar ist er 72. Ach, 72. Und ein Quasi-Remake von irgendeinem älteren Film. Und wir haben auch drüber gesprochen. What's Up, Doc? Es gibt auch eine Episode, in der wir über What's Up, Doc reden. Und ich glaube, es ist auch eine von den guten alten, wo wir drei Stunden lang über zwei Filme reden und streiten. Und versuchen irgendwelche Parallelen zwischen meinem Vorschlag und Johannes-Vorschlag zu ziehen.
Johannes Franke: Ja, das war eine sehr überzogene Idee damals.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Aus dem Jahr 2002 von Aki Kauris-Meki, der Mann ohne Vergangenheit. Ah, cool. Und dass es gar nicht so wichtig ist, dass er herausfindet, wer er eigentlich ist und was er eigentlich gemacht hat, weil er sich selbst gefunden hat. Das ist toll. Würde ich bestimmt mal irgendwann auf die Liste setzen, weil es ist ein total schöner Film. Ja, sehr gerne.
Johannes Franke: Okay, cool. Mein Platz 1 ist Der große Diktator. Ja, Trump erfindet sich als Hitler-Neu. Als Hitler-Neu, ja. Was natürlich auch wirklich der Situation geschuldet ist und er hat überhaupt gar keine Lust darauf und er ist auch nicht wirklich gut darin. verkackt den einzigen Moment, der wirklich sehr easy hätte sein sollen, dass er hingeht, eine Rede hält und sagt, die sind alle doof, die Juden müssen vergast werden und so weiter und sich als Hitler ausgibt. Aber nein, er stellt sich hin und wir wissen genau, danach wird er abgeführt und hält eine Rede über die Menschlichkeit und darüber, dass wir das alles nicht machen sollten, was Hitler da vorhat. Ja. Und großartig, großartiger Film zu einer Zeit, in der es wirklich nicht leicht war, so einen Film zu machen.
Florian Bayer: Ja. Und ähm. Kinos haben gesagt, wir können den Film nicht spielen, bei uns wohnen zu viele Deutsche. Ja, ja. Also in Amerika haben das Kino was gesagt. Charlie Chaplin hat ganz schön kämpfen müssen, diesen Film zu veröffentlichen, weil damals war die Haltung der Amerikaner zum Kriegseintritt, zum Thema Krieg noch ein bisschen anders, als sie dann später war, als sie eingetreten sind.
Johannes Franke: Ja. Ist 41 oder so ist der Geinstellung in dem Film. Es ist krass. Haben wir noch nicht besprochen. Haben wir noch nicht besprochen, das stimmt. Das ist so ein Johannesfilm, so ein bisschen.
Florian Bayer: Ja, da bist du in der Pflicht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Musst du mir irgendwann vorwerfen. Ja.
Johannes Franke: Der letzte Chaplin-Film ist lange her.
Florian Bayer: Ja, wir haben bis jetzt zwei Chaplin-Filme. Wir haben über, ziemlich am Anfang über Monsieur Verdoux geredet und dann irgendwann über... Haben wir noch über den zweiten gehabt?
Johannes Franke: Moderne Zeiten hatten wir nicht. Ach ja, wir haben irgendwas in der Richtung. The Kid? Nee, The Kid hatten wir auch nicht. Hatten wir keinen anderen Chaplin-Film? Nee, Limelight hatten wir auch nicht.
Florian Bayer: Doch, doch, genau, doch hatten wir, genau, Limelight. Limelight? Lichter der Großstadt?
Johannes Franke: Wo er sich in die Blinde verliebt? Ja, genau, genau, genau. Aber das ist nicht Limelight. Das ist nicht Limelight, das ist... Limelight ist das, wo er den alternden Clown spielt. Ja, wir hatten den Film, in dem sich Charlie Chaplin als... In eine, genau, in eine blonde, äh, in eine blinde... Ob blond oder nicht, wissen wir nicht, es ist ein Schwarz-Weiß-Film. In eine blinde Frau, eine blinde Blumenverkäuferin. City Lights, klasse, fast klingt fast wie Limelight.
Florian Bayer: Lichter der Großstadt. Ja. Unsere 57. Episode. Ähm, ja, schön, ähm, um kurz noch zwei Honorable Mentions reinzuwerfen. Ich wollte nicht so zynisch sein, deswegen habe ich den talentierten Mr. Ripley rausgelassen. Ja. Aber auch ein toller Film, Verfilmung des Patricia Highsmith-Roman, wo sich ein junger Mann ein, äh, als, als jemand anderes ausgibt, den er dann auch ermordet hat. Mhm. Und, äh, ein, der sich so als Psychopath und Mörder entpuppt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Spannender Film. Und dann hatte ich noch die Verurteilten, wo sich ein Banker im Gefängnis neu erfinden muss, weil er verurteilt wird, seine Frau umgebracht zu haben.
Johannes Franke: Oh ja.
Florian Bayer: Und er landet im Gefängnis für 30, 40 Jahre oder so. Ja. Mit Tim Robbins, der dann halt versucht, sich irgendwie in dem Gefängnisalltag zurechtzufinden und das nutzt, um sich selbst zu erschaffen in diesem trostlosen Setting. Oh, klingt auch gut. None|Hm.
Johannes Franke: Äh, schön. Vielen Dank für diese tolle Top 3. Ja, ebenso, danke. Voll cool. Ähm, dann gehen wir doch mal zurück, um den Film nochmal kurz zu retten. Das war unsere, ähm, Top 3.
Florian Bayer: Das Schlimme, das ist ja noch viel fieser. Ich hab ja quasi so mitleidvoll mit dem Film gelästert. Ich hab ja die ganze Zeit gesagt, ja, und eigentlich wär's cool, wenn du's schaffen könntest, aber du hast es nicht ganz geschafft, aber fast. Aber vielleicht beim nächsten Mal. Aber vielleicht beim nächsten Mal. Das ist noch viel schlimmer als so diese herablassenden Kritiken. Er hat sich stets bemüht. Also, um das auf den Punkt zu bringen, ich fand den Film durchschnittlich. Und es gibt sehr gute Momente, sehr starke Momente. Es gibt aber so ein sehr schwaches Grundgerüst.
Johannes Franke: Mein Herz blutet.
Florian Bayer: Es gibt so ein grundsätzliches Problem in der Inszenierung, was mich dazu führt, zu sagen,
Johannes Franke: Nein, tu's nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, ich und Gorbierbinski werden in diesem Leben keine Freunde mehr.
Johannes Franke: Warum?
Florian Bayer: Jetzt darfst du den Film retten.
Johannes Franke: Dieser Film ist großartig. Dieser Film hat einen wundervollen Humor. Dieser Film hat ein unglaubliches Pacing. Dieser Film geht so liebevoll mit seinen Figuren um. Es ist unglaublich cool. Und der Film traut sich, Absurditäten reinzuhauen und riesige Themen aufzumachen und nicht oberflächlich aufzumachen, sondern gut aufzumachen. Das habe ich einfach so von einem Animationsfilm nicht erwartet. Sehr guter Film. Angucken auf jeden Fall. Und Plor steinigen, wenn ihr ihn auf der Straße begegnet. Sehr schön. Dann, falls ihr wissen wollt, wie es weitergeht, welchen Film ich Plor auseinandernehmen werde, und uns sagen werde, was spielt so eine schöne Story.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche gebe, bleibt dran nach dem Jingle. Bis dahin. Schöne Woche euch. Bis dann. Ciao. So Plor, was hast du denn für mich? Ich war total schockiert, als du mir irgendwann mal gesagt hast, dass du den noch nicht gesehen hast. Ich würde gerne nochmal ins New Hollywood reisen. Das New Hollywood. Aber diesmal mit einer wirklich coolen Komödie, die dir mit Sicherheit gefallen wird. Die Reifeprüfung von Mike Nichols. Als einer der ersten New Hollywood Filme gilt der auch. Und als einer der wichtigsten New Hollywood Filme. Und es ist eine tolle Komödie halt, in der Dustin Hoffman von einer älteren Frau verführt wird. Ah. Unterlegt von der Musik von Simon & Garfunkel. Das heißt, du musst nächste Woche fürs Intro Miss Robinson einstudieren. Oder Sound of Silence würde ich auch akzeptieren. Okay, Moment. Sound of Silence. Dankeschön, Dankeschön, Dankeschön. Vielen Dank für den Applaus. Wenn ihr Johannes auf der Ukulele Miss Robinson spielen hören wollt, schaltet nächste Woche ein.
Johannes Franke: Mal gucken, ob ich das mache. Okay. Na dann. Bis dann. Ciao. Bis dann. Ciao. None|Ciao.
