Episode 97: Pitch Perfect – Zwei Dudes machen Girl’s Night
Beca Mitchell ist neu an der Barden University und fällt der A Capella Gruppe “The Barden Bellas” durch ihre wunderschöne Singstimme auf. Beca hat eigentlich keinen Bock auf die sehr traditionelle Truppe. Sie lässt sich zwar überreden, dabei zu sein, um die Existenz der Gruppe zu sichern, aber sie versucht natürlich neue Ideen umzusetzen und das Konzept der Gruppe umzukrempeln, was der dienstältesten Aubrey nicht besonders schmeckt.
Hui, wenn ich das so sage, klingt das sehr 0815 und man könnte das auch sehr langweilig inszenieren, aber irgendwie haben Drehbuchautor Kay Cannon und Regisseur Jason Moore ein echt gutes Händchen für Musik, einen ordentlichen Schuss Selbstironie und überbordenden Größenwahn. Es geht hier schließlich eigentlich um A Capella und nicht American Football.
Aber ich war ja eh immer mehr für Musicals zu haben, als für Football. Plor, wie stehts um dich? lieber A Capella oder Football?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 97: Pitch Perfect – Zwei Dudes machen Girl’s Night Publishing Date: 2022-11-09T09:57:22+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/11/09/episode-97-pitch-perfect-zwei-dudes-machen-girls-night/
Florian Bayer: Got my ticket for the long way round, a bottle of whiskey for the way, and I sure would like some sweet company, and I'm leaving tomorrow, what you say, when I'm gone, oh, when I'm gone, you're gonna miss me, when I'm gone, you're gonna miss me, by my hair, gonna miss me everywhere, oh, I know you're gonna miss me, when I'm gone. Woohoo, danke Johannes, das ist so großartig, also um ganz kurz, dass ihr das auch wirklich zu würdigen wisst, wir haben, also Johannes hat mich schon komplett überrascht, ich wusste nicht, dass er das macht, ich hab letzte Woche gesagt, hey, wenn wir Girls Night machen, dann will ich auch ein paar Girls Songs haben, zum Beispiel, eigentlich will ich Girls Just Wanna Have Fun, oder Like A Virgin, oder Barbie Girl, oder sowas, und jetzt hat Johannes gerade die Setup aufgebaut, mit dem Becher, und hat das live gemacht, also Percussion, und Gesang kam gerade live von Johannes, beides gleichzeitig zusammen, wir haben hier nichts getrickst, da ist nichts geschnitten, das war einfach eine wunderbare, perfekte Interpretation von Anna Kendricks Cups, das ja ein wesentliches Stück in dem Film ist, über den wir heute reden werden.
Johannes Franke: Was auch, ja vorher schon eine Internetsensation war, und ich mich geärgert habe, als ich den Film gesehen habe, dass ich damals nicht auf den Zug aufgesprungen bin, weil dann, jetzt musste ich es extra neu lernen, sonst hätte ich es schon gehabt. Ja, und ich hab das auch erst vor ein paar Stunden entschieden. Oh, wow, okay. Ich hab erst heute Morgen beschlossen, ah, vielleicht musst du es doch probieren, und dann hab ich jetzt so drei Stunden, glaube ich, irgendwie gesessen, und das ist echt gemacht, gemacht, gemacht, gemacht, gemacht, oh mein Gott.
Florian Bayer: Krass, also ich find das total beeindruckend, weil dieses Klopfen auf den Becher, den Becher drehen, also wenn ihr den Film auch gesehen habt, ihr habt ja letzte Woche gehört, was wir heute machen, dann wart ihr mit Sicherheit auch beeindruckt davon, dann wisst ihr, wie das aussieht, und ich find das ist sauschwer. Ja, und ich kann mir vorstellen, dass Anna Kendricks auch sehr viele Takes gebraucht hat, bis das so gesessen hat.
Johannes Franke: Ich glaube, sie hat gar keine Takes gebraucht, außer diesen einen oder vielleicht noch ein paar zweite, dritte für die Sicherheit, aber die hat den Song für ihr Casting gehabt. Ja, krass. Das heißt, die konnte den schon. Die hat den einstudiert. Die hat den einstudiert, um allein schon beim Casting für den Film irgendwie was singen zu können, und das war ja vorher schon eine Internetsensation, das Ding.
Florian Bayer: Und Anna Kendrick ist natürlich auch ein Profi, also ich meine, mit mehreren MTV Awards ausgezeichnet.
Johannes Franke: Ja, Emmy-Nominierungen und so, also die hat ja, die war auch schon für einen Oscar nominiert und so, das heißt, die war auch eine sichere Nummer überhaupt für das ganze Ding. Aber lass uns mal erstmal so ein bisschen überhaupt rausfinden, was wir machen. Wir besprechen heute einen Film, der heißt Pitch Perfect.
Florian Bayer: Und wir haben aber einen Rahmen, das ist ganz wichtig heute zu sagen, normalerweise haben wir ja nicht so einen großen Rahmen, aber wir haben für diese und nächste Woche auf den Wunsch von Johannes. Girls' Night! Girls' Night! Wir schauen uns Mädchenfilme an, weil wenn zwei Dudes schon über Filme reden, dann sollten es doch auch bitte Girls' Night Filme sein, was sonst? Auf jeden Fall, ich fand, das fehlte uns noch, Plur.
Johannes Franke: Ja, vielleicht. Also ich meine, wir haben vielleicht mit Ten Things I Hate About You so ein bisschen einen, der so, naja, der so ein bisschen für Girls' Night geeignet ist, aber ich als Profi für Girls' Night habe gedacht, wir brauchen das mal dringend.
Florian Bayer: Hey, komm, wir haben so viele Girls' Night Filme, wir haben How's U. Das ist kein Girls' Night Film, nur weil Mädchen drin vorkommen. Wir haben die Eiskönigin. Okay, okay, okay. Ja, aber dazu müssen wir auch gleich kommen, wir müssen auch in diesen beiden Episoden, also sowohl heute als auch nächste Woche versuchen, dem Phänomen der Girls' Night überhaupt auf den Grund zu gehen. Wir müssen versuchen, das zu verstehen, trotz all des Testosterons, was zwischen uns beiden in diesem Raum weht, müssen wir verstehen, was ist eine Girls' Night und was macht einen richtig starken Girls' Night Film aus? Ich scroll mal durch, was wir noch in Girls' Night Filmen haben. Was haben wir denn noch so? Ja, es wird dünn. Ja, ne, siehst du das? Ich sehe sehr viele, naja, sehr viele Schwänze und XY-Chromosome auf unserer Seite.
Johannes Franke: Das heißt, das ist das Schönste, was du je gesagt hast über unsere Seite. Wir haben Cats, geht Cats als Girls' Night Film durch? Nein, Cats geht nur als Unfall durch, den man sich anguckt. Hustlers? Hustlers, ja, das stimmt. Den könnte ich mir vorstellen als Girls' Night Film.
Florian Bayer: Aber du hast natürlich so an die traditionelle Girls' Night Filme gedacht. Ich kann ja auch mal ganz kurz...
Johannes Franke: Also die Definition für mich, für Girls' Night Filme ist, dass man eine Art Feel-Good-Movie hat, also dass das irgendwie alles irgendwie cool ist. Das ist entweder so ein Girls' Revenge Film oder Empowerment Film oder eben Liebesschnulze, wenn man darauf steht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber das ist inzwischen... Also die Liebesschnulzen-Phasen sind ja bei Girls' Nights inzwischen so ein bisschen rausgewachsen. Das war in den 90ern so groß, aber das hat sich dann irgendwann erledigt. Also es sind mehr die Empowerment-Filme, wie zum Beispiel Devil Weas Prada oder sowas.
Florian Bayer: Was ich tatsächlich als traditionell Girls' Night Film interpretiert hätte, wäre eben so auch ganz krass mit so einem Klischee und Stereotyp verbunden, dass die Mädchen oder jungen Frauen halt zusammen auf dem Bett sitzen, Eis essen, am besten auch in den Pyjamas. Und dann Filme gucken aus der Liste, die du mir gekriegt hast. Und zwar, ich lese einfach mal vor, was dir so als erstes in den Sinn gekommen ist. Jan Austin, Bright and Prejudice, Legally Blond, Devil Weas Prada, Powerpuff Girls, Love Actually, Little Women, Schlaflos in Seattle, Lady Bird, Romeo und Julia, Moulin Rouge, Twilight, It's Perfect, Easy A und When Harry Met Sally. Und ich habe dann letzte Woche noch zusätzlich gekontert mit Dirty Dancing. Oh, fuck ja. Und die Reaktion von Johannes war so krass, dass ich dachte, okay, Dirty Dancing kann ich auf keinen Fall nehmen. Und habe mich deswegen für Ginger and Rosa entschieden, den wir nächste Woche besprechen werden.
Johannes Franke: Also, für alle, an alle, die Dirty Dancing jetzt verteidigen wollen, schickt uns gerne Mails mit Verteidigung dieses Films. Aber für mich war es dann doch zu dolle, dieses furchtbare Klischee. Wie hieß dieser Film Ghosts, Nachricht von Sam? Das ist auch so einer, wo man denkt, irgendwie so totgelutscht und am Ende eigentlich nicht wirklich gut.
Florian Bayer: Ich glaube, das Problem ist ja, dass Girls' Night an und für sich diese Vorstellung von einem Mädchenfilmabend hat ja schon so was Sexistisches. Zumindest dieses Bild, womit wir groß geworden sind, womit wir sozialisiert wurden. Und das ist eben auch so oberflächliche Filme. Und auch Eskapismus und Girls Just Want to Have Fun und so.
Johannes Franke: Ja, ja. Naja, und irgendwie versucht man natürlich dann so ein bisschen drumherum zu kommen. Deswegen habe ich gesagt, Empowerment-Filme. Devil Wears Prada zum Beispiel ist für mich nicht nur so ein Hirnausschalten- und Spaßhaben-Film, sondern irgendwie ist es so ein Empowerment-Film. Widersprich mir, wenn du das Gefühl hast, dass das...
Florian Bayer: Ich kenne Devil Wears Prada tatsächlich nicht. Den hast du nicht gesehen? Nee. Oh mein Gott! Obwohl ich totaler Meryl Streep-Fan bin. Ja, die ist großartig da drin. Aber also das ist halt auch so ein Film, der von der Thematik so überhaupt nicht bei mir geklickt hat. Ah, ja, ja. Mode-Welt. Ja. Und es geht um... Es unterbricht mich, wenn ich was Falsches sage, ich habe ich nicht gesagt, aber es geht ja offensichtlich um irgendwie so ein Arbeitsverhältnis, wo die Chefin total böse ist. Ja. Und dann raufen sie sich aber doch zusammen und bestimmt lernen wir auch ganz viel über die versteckte Traurigkeit der Chefin kennen und warum sie so geworden ist, wie sie ist. Und dann gibt es ganz viel Verständnis. Und am Schluss ist die, die die ganze Zeit gequält wurde von ihr, die wird zur... Entweder erbt sie das Unternehmen von ihr, also übernimmt den Vorsitz, weil die Chefin abdankt, oder sie wird die wichtigste Frau für sie und die Vertrauensperson. Also ich habe so das Gefühl, ich habe die Story schon komplett im Kopf.
Johannes Franke: Ich sehe da ein neues Podcast-Format auf uns zu rennen. Flor bespricht Filme, die er nicht gesehen hat. Na jetzt, aber wie nah war ich dran? Relativ nah. Also natürlich, sie übernimmt das nicht, das Ganze. Aber es ist schon natürlich so ein... Redemption-Arc, oder? Und am Schluss sympathisieren wir mit der Chefin auch. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie sehr wir mit der Chefin sympathisieren. Nicht unbedingt. Ein bisschen. Aber sie wird nicht so krass Redemption-Arc-ed wie bei anderen Filmen.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Vielleicht schaue ich mir den mal an, wenn es schon eine Empfehlung von dir ist, dann...
Florian Bayer: Ich habe ihn lange nicht gesehen. Ich weiß nicht. Damals fand ich ihn ganz gut. Und es fällt mir schwer, den als Empowerment-Film mir vorzustellen, höchstens so auf so einer ganz seichten, einfachen Ebene.
Johannes Franke: Ja, vor allem für die Frau, die ihre Angestellte ist. Ja, ja, klar. Also, ja, ja. Aber, ähm... Ja, doch, doch, doch. Doch, doch. Okay. Du musst ihn ja einfach mal sehen. Okay. Und ich muss ihn mal wieder sehen, um sicherzugehen, dass das, was ich in Erinnerung habe, stimmt.
Florian Bayer: Aber über Devil Wears Prada reden wir ja heute nicht, sondern über einen anderen Film, von dessen Existenz ich nicht wusste. Du wusstest gar nichts von seiner Existenz? Nee, ich muss auch sagen, ich bin echt eine Niete und es ist nicht so, dass ich darauf stolz bin, was die aktuelle Pop-Landschaft betrifft. Das heißt, Anna Kendrick zum Beispiel ist mir natürlich ein Begriff. Ja, okay, hoffentlich. Aber genau, aber es geht auch nicht weit darüber hinaus. Ich habe noch nie ein Album oder so von Anna Kendrick gehört. Die hat auch gar keine Alben gemacht, sehe ich gerade. Nein, Anna Kendrick ist ja keine Musikerin. Sie ist Schauspielerin. Ich habe sie halt einfach so in dieser MTV-Bubble als Star wahrgenommen. Okay. Und nie bewusst als große Schauspielerin in einem Film. Sie ist nur Schauspielerin, einfach nur Schauspielerin.
Johannes Franke: Sie ist großartige, einfach nur Schauspielerin.
Florian Bayer: Ich weiß, dass sie Twilight gespielt hat. Was? Nein? Ja, so. Sie hat in der Twilight-Serie mitgespielt. Wirklich? Ja. Frag mich nicht, was sie gespielt hat, aber offensichtlich hat sie in allen Teilen mitgespielt. Das heißt, sie war eine von den wesentlichen Rollen. Anna Kendrick? Ja.
Johannes Franke: Jetzt bin ich total verwirrt. Okay.
Florian Bayer: Und ich muss auch zu meiner Schande gestehen, viele der Songs aus dem Film waren mir auch kein Begriff. Ich bin einfach, was so aktuelle Poplandschaft betrifft, das gehört leider echt nicht zu meinen Stärken.
Johannes Franke: Es ist ja auch eigentlich vollkommen wurscht, ob du die Musik kennst, also die einzelnen Songs. Weil ich auch nicht, ehrlich gesagt. Also, die meisten davon sagen mir auch nichts. Außer eben, don't you forget about me. Natürlich.
Florian Bayer: Weil du ein Kind der 80er bist. Genau. Und ja, let's talk about sex und Like a Virgin und so die großen Hits von früher, die sie reinwerfen, die kannte ich. Aber viele Sachen, so Kelly Clarkson. Ja, gut, okay. Das ist einfach, nicht die musikalische Welt, in der ich mich bewege. Miley Cyrus. Ich hab, glaub ich, noch nie einen Song von Miley Cyrus gehört. Ich kann überhaupt nichts zu ihr sagen. Ich weiß, ob ich auch nicht cool finde. Ich bin auf dem gleichen Niveau, wie du, was das betrifft.
Johannes Franke: Das beruhigt mich ja schon mal. Überhaupt nicht. Ich hab auch keine Ahnung von dem ganzen Kram. Lass uns mal, ich lese mal meinen Text vor. Und dann gehen wir in die ganze Sache rein, nach fast 20 Minuten. Nein, stimmt nicht. Aber ich lese mal vor und dann können wir ja mal diskutieren. Becca Mitchell ist neu an der Baden University und fällt der A Cappella-Gruppe The Baden Bellas durch ihre wunderschöne Singstimme auf. Becca hat eigentlich keinen Bock auf die sehr traditionelle Truppe. Sie lässt sich zwar überreden, dabei zu sein, um die Existenz der Gruppe zu sichern. Aber sie versucht natürlich, neue Ideen umzusetzen und das Konzept der Gruppe umzukrempeln. Was der dienstältesten Aubrey nicht gerade schmeckt. Hui, wenn ich das so sage, klingt das sehr 0815 und man könnte das Ganze auch sehr langweilig inszenieren. Aber irgendwie haben Drehbuchautor Kay Cannon und Regisseur Jason Moore ein echt gutes Händchen für Musik. Einen ordentlichen Schuss Selbstironie und überbordenden Größenwahn. Es geht hier schließlich eigentlich um A Cappella und nicht um American Football. Aber ich war ja eh immer mehr für Musicals zu haben als für Football. Plur, wie steht es denn um dich? Lieber A Cappella oder Football?
Florian Bayer: Beides nicht, das ist natürlich eine doofe Antwort. Aber es ist ganz interessant, dass du das sagst, weil der Film hat natürlich so viele Motive von Highschool-Sportfilmen. Und ich finde es super witzig, dass sie sowas nehmen, was so komplett uncool ist. Wenn du irgendwas suchst, was du in einem Film als den uncoolen Part eines Colleges oder einer Highschool zeigen willst, dann nimmst du entweder den Schachverein oder die A Cappella-Gruppe. Ja, irgendwie schon, oder? Und dann nimmt er das und baut darum eine Story, in der es so aussieht, als wäre das das Coolste der Welt und als würde sich alles darum drehen. Also wir haben auch wirklich so, es sind nicht nur die Nerds, sondern auch der Proll, der Bulli, der ist auch der Star einer A Cappella-Gruppe. Und es ist wirklich, das ist das Wesentliche und das ganze Leben dieses Colleges findet anscheinend in diesem A Cappella-Milieu statt und es gibt nichts anderes.
Johannes Franke: Nein, natürlich nicht. Also ich meine, wir sehen ganz am Anfang, es gibt diesen University Fair, wo es mehrere Gruppierungen gibt, Leute, die alle möglichen Sachen machen, unter anderem Quidditch. Und dann landen wir natürlich bei den A Cappella-Leuten und dann gibt es eben nicht nur eine Gruppe, sondern es gibt die rein weibliche Gruppe, die rein männliche Gruppe. Die Kiffer. Es gibt noch die Kiffer, ja, also das ist sozusagen das, worauf wir uns einlassen, aber natürlich wissen wir, es gibt eigentlich ein größeres Universum mit mehr Leuten, die auch andere Interessen haben, aber sie werden uns nicht mehr gezeigt.
Florian Bayer: Nee, es spielt keine Rolle und es ist auch so ganz eindeutig, die sind das Zentrum dieses Colleges. Also wer das Leben genießen will, der muss sich einer A Cappella-Gruppe anschließen. Die interessieren sich auch, wenn die Leute auf dem Campus ansprechen, überhaupt nicht dafür, ob die singen können. Die Leute stolpern an denen vorbei und die sagen, ey, du, du willst doch garantiert zur coolsten A Cappella-Gruppe gehören und geh bloß nicht zu denen. Das ist die fiese A Cappella-Gruppe, das sind die Bösewichte, komm zu uns. Und what? Ihr wisst überhaupt nicht, ob die Leute singen können. Und ich meine, ich habe nicht viel Ahnung von A Cappella, aber Gesangstalent ist, soweit ich mich erinnere, eine relativ große Voraussetzung, um A Cappella zu machen. Sie machen dann ja auch noch ein Casting, so ist es nicht. Ja, aber sie sprechen wahllos Leute an. Die Becca wird angesprochen, bevor es diese traditionelle, klicheerhafte Duschszene gibt, wo alle sagen, oh, sie kann ja tatsächlich singen. Sie wird einfach angesprochen, weil sie vorbeigeht. Und sie sieht auch genauso aus, wie sie aussehen soll, als ob sie überhaupt keinen Bock auf den Scheiß hat. Und trotzdem sprechen sie sie an. Es ist verblüffend, aber ich finde die Idee witzig. Also es passt auch irgendwie, weil du weißt gleich, dass es alles so over the top sein wird.
Johannes Franke: Ja, und ich finde genau in diesen ersten Momenten merkt man sofort, dass das nicht ernst gemeint ist. Also dass die sich nicht ernst nehmen, dass sie das Thema, dass sie genau wissen, dass sie aus einem Nerd-Thema ein Football-Ding machen wollen. Und der Film kommentiert das für sich selbst immer wieder.
Florian Bayer: Ich finde es großartig. Ja, es gibt auf jeden Fall dieses Augenzwinkern, was die ganze Zeit präsent ist. Auch in den großen und kleinen Dramen, die dann so stattfinden. Es hat immer so einen Hauch von was total Absurdem, Albernem. Und ich meine, das große Thema ist, die Bellas, um die es geht, haben verloren, weil Opry, ihre Frontfrau, beim letzten Jahr bei diesem großen Wettbewerb, den ICCA-Finals, wer es noch nie gehört hat, wo habt ihr unter einem Stein gelebt, weil die auf der Bühne gekotzt hat. Und davon gibt es auch wunderbare Videos, die kursieren und alle machen sich drüber lustig. Und deswegen müssen sie dieses Jahr ihre größten Feinde, die Treblemakers, schlagen. Es führt nichts daran vorbei. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Es geht um die Ehre. Aber es geht vor allem um alles im Leben. Man hat das Gefühl, dass das lebensentscheidend ist.
Johannes Franke: Auch was den Rest deines Lebens betrifft. Du musst genau diesen Weg gehen, damit du im Rest des Lebens irgendwie vorankommst und finanziell abgesichert bist. Weiß ich nicht, keine Ahnung, aber es klingt alles so entscheidend.
Florian Bayer: Also erstmal Big Points dafür, dass der Film so ein kleines Thema nimmt, das so unglaublich groß macht und gleichzeitig aber mit diesem Augenzwinkern garniert. Du weißt genau, es ist total albern und worüber sie sich aufregen. Und dann haben sie dieses Initiationsritual, was fast wie bei so einem satanischen Kult ist, wo sie schwören müssen, dass sie sich niemals mit einem von den Treblemakers einlassen werden.
Johannes Franke: Es ist so geil. Die haben dann da Tuch auf dem Kopf und dann wird das so runtergerissen und du bist dabei. Und irgendwie sind Haufen Kerzen überall und es ist alles sehr, als wenn sie jetzt jemanden opfern. Gleich. Großes Blutritual gleich.
Florian Bayer: Aber eine ganz wesentliche Frage, die sich mir von Anfang an gestellt hat. Wie viele schlechte Pants kann man mit dem Wort Akapella machen? Akafile? Ja, danke. Moment. Nein, ich, ähm, I can't believe it. Sehr schön, danke. Und es ist so, dass es mich wirklich ab einem gewissen Punkt aggressiv gemacht hat, weil dieser Film ist voll mit den Pants und er setzt sich total drauf auf dieses Akapella-Ding. Sie machen die ganze Zeit, es ist wie bei den Schlümpfen. Habt ihr die Schlümpfe gesehen? Wisst ihr das noch? Die Schlümpfe schlumpfen alles. Ja, ja, ja. Und hier wird alles mit Akapella irgendwie zusammengebracht, was nur geht. Aber auch darüber hinaus, der Film ist so unfassbar pannverliebt. Ja, total. Also es ist so ein Karlauer auf den Nächsten.
Johannes Franke: Man muss aber dazu sagen, jetzt mal nicht um die Karlauer gesprochen, sondern um das Thema an sich, Akapella. Es war ja 2009 schon, dass Glee ins Fernsehen kam, diese Fox-Serie über Highschool-Core und die war sehr populär. Es war schon 2009 so, dass es auch das Thema an sich im Fernsehen jetzt ein bisschen größer gab. Und es gab auch The Sing of, eine Akapella-Competition-Series an NBC. Das war auch 2009. Und so hat sich das so ein bisschen auch schon entwickelt, dass man jetzt nicht gänzlich aus dem Nichts so eine Akapella-Sache rausgeholt hat. Ich glaube, das wäre auch schiefgegangen.
Florian Bayer: Ja, woran ich mich erinnere, es gab tatsächlich mal auf YouTube diesen Hype, dass sehr viele klassische, bekannte Popsongs von Leuten Akapella gemacht wurden, gerne auch Solo-KünstlerInnen, die sich dann so in so sechs Fenstern gezeigt haben und Beatboxing und Akapella-Gesang gemacht haben. Und es war immer so ein A und O. Und das ist natürlich beeindruckend, wenn man sieht, was Menschen mit ihrer Stimme alles machen können und wie beeindruckend das ist. Gleichzeitig ist es eigentlich gar nicht so meine Musik. Also über dieses Beeindruckende hinaus. Mag ich es doch, wenn Instrumente zu hören sind.
Johannes Franke: Ja, das ist halt so ein bisschen das Problem an der Akapella. Man kann es so ein, zwei Songs hören, aber ich glaube nicht, dass ich mir einen ganzen Abend davon reinziehen will.
Florian Bayer: Es ist ähnlich wie mit Kindern, die total beeindruckend Musik machen oder so oder beeindruckend malen für ihr Alter. Das sieht man und denkt so, wow, das ist cool und das ist toll. Aber sobald sich dieser Wow-Effekt abgenutzt hat, dieses Wow, das machen die nur mit ihrem Mund. Krass, die machen nur Beatbox und Gesang und es gibt quasi keine Instrumente. Sobald das vorbei ist, beurteilt es man halt einfach nur noch nach dem Musikalischen. Und dann ist es vielleicht doch oft ein bisschen dünn, vielleicht auch ein bisschen albern und kitschig auch gerne.
Johannes Franke: Sie haben sich aber viel Mühe gegeben, wenn wir schon bei der Musik sind, das alles sehr cool und alles sehr, sehr dynamisch zu gestalten.
Florian Bayer: Das müssen sie ja auch. Ihr Narrativ ist ja, Akapella ist das Coolste auf der Welt. Und sie spielen damit auch. Also ich fand zum Beispiel, das Grundsätzliche ist auch was, was ich nicht weiß, weil ich mich mit Akapella-Performance nicht so gut auskenne. Aber das sind ja fast alles Remixes, was die machen. Und so Mashups, also dass sie mehrere Songs ineinander faden lassen, quasi so eine DJ-Arbeit übernehmen. Und dann manchmal so ein bisschen stotternd, manchmal auch so sehr ineinander fließend. Und das finde ich cool, dass du halt einfach mal vier Popsongs in einer Nummer hast und die so ineinander übergehen, dass daraus ein Gesamtwerk entsteht. Das ist schon ziemlich geil.
Johannes Franke: Wo das ja eher das Medley ist. Das ist ja das, was wir am Anfang haben, wo dann sozusagen auch von den Kommentatoren, über die wir auch noch reden können, das auch erklärt wird, dass die ja relativ langweilig sind. Weil du dann ein Medley hast von, erst kommt der Song, dann gibt's einen seichten Übergang zum nächsten Song, ein sechter Übergang zum nächsten Song. Und die haben eine sehr traditionelle Choreografie dazu und diese Kostüme. Oh mein Gott. So, und ich finde, dass der Film das sehr gut macht, uns das zu erklären. Und selbst wenn du neu bist mit Akapella und keine Ahnung davon hast, dass du dann schnell merkst, ah ja, okay, das ist aber auch ganz schön abgenutzt.
Florian Bayer: Obwohl du das noch nie gesehen hast, hast du jetzt schon das Gefühl, dass es abgenutzt ist. Ja, die beiden Kommentatoren, die sind ja mit ihrer trockenen Art, mit ihrer komischen Art, die sind ganz gut darin, uns zu sagen, warum die Bellas eigentlich ziemlich scheiße sind. Und die halten da auch nicht hinterm Berg damit, dass sie das total nervig finden, dass die dann im Jahr darauf wieder eigentlich mit demselben Song auftreten, den sie letztes Jahr schon gemacht haben. Elisabeth Banks, die ich by the way großartig finde.
Johannes Franke: Das ist eine großartige Frau. Es ist unglaublich. Was die, also, die spielt ja so ein bisschen so eine sexuell frustrierte Frau, die da sich bei den Kommentaren nicht zurückhalten kann und sich selbst noch so ein bisschen ihr Privatleben unterbringt. Und sie ist Produzentin des Films.
Florian Bayer: Ja, sie hat mitproduziert, genau. Und, also, ich kannte sie bisher nur als Schauspielerin, ich meine, in diesem Film ist sie auch wieder Schauspielerin. Aber ich finde sie jedes Mal toll, wenn sie zu sehen ist, weil sie schafft es, so diese, diese kaputten Rollen zu spielen, die auch immer so, immer so Hangen dazu haben, einen total zu nerven. Und trotzdem schafft sie es halt nur, nur in dem fiktionalen Rahmen zu nerven und als Zuschauer erträgt man sie sehr gut. Ja, ja, genau. Also, ganz großartig ist sie zum Beispiel in Modern Family ist sie ganz toll. Da spielt sie keine große Rolle. Da ist sie die beste Freundin von Cameron und Mitch und sie hasst deren Tochter. Okay. Cameron und Mitch haben eine Tochter adoptiert und davor waren sie immer mit ihrer besten Freundin saufen und haben Partys gefeiert. Und jetzt haben sie halt die Tochter und sie findet das total kack und sie feiert halt immer noch Partys und will immer noch saufen und sie kommt dann immer und legt sich mit der Tochter an. Die Tochter findet sie auch total schlimm und versucht eben ihre beiden ehemaligen Kumpels dazu zu überreden, endlich mal wieder Spaß zu haben, endlich wieder mal Party zu machen. Furchtbar nervige Rolle, großartig gespielt von Elisabeth Banks. Okay.
Johannes Franke: Ja, ich wusste nicht, woher ich sie kenne, aber ich kannte sie halt vor allem aus diesem Film. Ihren fantastischen Kommentaren mit dem Typen zusammen.
Florian Bayer: Ja, sie hat ganz viel in diesem, darf ich nicht die falschen Namen sagen, in diesem Comedy-Umfeld mit Seth Rogen, in der Clique war sie so drin. Also 40-Year-Old Virgin zum Beispiel hat sie mitgespielt und Second Miri Make a Porno.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Beides Filme mit Seth Rogen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ich hab sie immer so in dieser Clique wahrgenommen, in diesen albernen Komödien, die auch immer so ein bisschen drüber sind. Ja. Und da hat sie eigentlich immer nervige, aber gleichzeitig auch sehr coole Figuren verkörpert. Ja. Und ergänzt wird sie durch, den ich vorher gar nicht kannte, John Michael Higgins, der den Kommentator spielt, den misogynen Drecksack.
Johannes Franke: Was der Film super kommentiert irgendwie.
Florian Bayer: Was sie auch direkt kommentiert, irgendwann am Schluss, ne?
Johannes Franke: So misogyne Charaktere im Film sind immer so ein Risiko, finde ich. Ja. Dass man das auch ordentlich versteht als Zuschauer, dass das jetzt nicht, dass man eine Haltung dazu hat, auch als Film.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das hat der Film auf jeden Fall.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, definitiv. Ich kannte den Schauspieler gar nicht zumindest, also er hat ja unglaublich viel gespielt, aber mir ist ja zum ersten Mal jetzt in diesem Film tatsächlich aufgefallen. Ja, er macht das großartig. Die Rolle ist auch so eine furchtbar unsympathische Figur und du freust dich jedes Mal, wenn man ihn zusammen mit Elisabeth Banks in dieser Kommentatorenputze da sitzen sieht und über die Leute lästern.
Johannes Franke: Großartig. Wer es nicht weiß, die ICCA Finals, blablabla, das gibt's alles. Das ist Championship of Collegiate A Cappella. International Championship, ICCA. Es ist, keine Ahnung, warum das so groß geworden ist, aber das scheint es bei denen wirklich zu geben und die haben echt ihre Finals im Lincoln Center und so. Ja. Es ist riesig.
Florian Bayer: Die Vorlage des Films ist ja auch ein Buch, das tatsächlich sich damit beschäftigt hat und zwar von Mickey Rapkin und der hat 2008 ein dokumentarisches Buch geschrieben, Pitch Perfect, The Quest for Collegiate at A Cappella Glory, Autor vom CQ Magazin, der zusammen mit A Cappella Gruppen zu diesen Aufführungen gefahren ist und die beobachtet hat und seine Erfahrungen, seine Beobachtungen aufgeschrieben hat. Und da gibt's wohl auch sowas wie Real-Life-Vorbilder für die beiden Hauptgruppen, für die Troublemakers und die Bellas.
Johannes Franke: Ja. Und es ist irgendwie schon ein Move, sich dieses Buch zu nehmen und zu sagen, okay, wir machen jetzt einen Film über A Cappella und die haben auch echt nicht viel Geld gehabt dafür. Das waren so 17 Millionen, das klingt jetzt erstmal viel, in Deutschland kriegen wir einen Tatort für drei Millionen zusammengeklöppelt und eine Soko für eine Million und so. Aber 17 Millionen für so einen großen Film, der sieht echt nach viel aus, muss man sagen. Ja. Und die mussten sich echt viel überlegen und haben alle möglichen Locations rausgesucht, um irgendwie das Lincoln Center hinzukriegen, um auch die Größe hinzukriegen und so. Und man sieht das im Film nicht an, dass der so wenig Budget hatte.
Florian Bayer: Das ist ganz spannend. Paul Brooks, der Hauptproduzent, der hat ja viele so Mit-Tier-Filme gemacht, eher die mit niedrigem Budget versucht haben, so Mittelklasse-Filme zu sein. Also nicht den totalen Trash, auch nicht die B-Movies, auch nicht Low-Budgy-Indie-Hits, sondern irgendwie so dazwischen. Das gibt es mittlerweile viel zu selten, diese, durch Netflix wird es vielleicht wieder so ein bisschen wiederbelebt, diese Filme, die halt eben nicht die großen Kassenschlager sind, aber die auch nicht in der Indie-Section spielen, sondern die schon so Studioproduktionen sind, aber halt irgendwie, ja, Mit-Tier passt am besten dazu als Bezeichnung. My Big Fat Creek Wedding war, glaube ich, so Paul Brooks größter Hit. Und das war zumindest schon so eine Braumcom, die groß rezipiert wurde. Aber 115 Millionen hat er damit eingespielt dann. Es ist der Wahnsinn.
Johannes Franke: Also fast verzehnfacht das Budget. Ja, und der war am Anfang, gleich am Anfang, als er rauskam, gar nicht so erfolgreich. Er wurde sozusagen ein, wie man so sagt, ein Sleeper-Hit. Also einer, der so nach und nach sich dann zum Klassiker fast gemausert hat.
Florian Bayer: Ich glaube, also er fühlt sich auch an wie so ein Film, der durch Mund-zu-Mund-Propaganda einfach bekannt wird. Ja, den musst du sehen. Ja, krass, voll witzig. Und dann singen die und dann fliegt ein Burrito durch die Luft und dann kotzt die auf der Bühne. Super.
Johannes Franke: Auf das Kotzen hätte ich echt verzichten können. Oh Mann. Das fand ich irgendwie, weiß nicht, da hätten sie auch was anderes finden können.
Florian Bayer: Es ist also für mich tatsächlich ein Film, ich fand vieles an der Hauptstory nervig. Für mich ist es ein Film, der ganz stark lebt durch die Nebenfiguren, die nicht der Hauptstory zugehörig sind. Um das vielleicht mal ganz kurz zu sagen, um das als Kritik, als harte Kritik in den Raum zu werfen. Ja. Die Chemie zwischen unseren beiden Protagonisten, die sich finden sollen, und zwar Becker, gespielt von Anna Kentrick, und Jesse, gespielt von Skylar Aston, die funktioniert für mich nicht. Und die ganze Liebesgeschichte funktioniert für mich nicht. Ich finde diesen Jesse unglaublich nervig. Und es gibt für mich nicht so wirklich einen großen Klickmoment, wo man das Gefühl hat, ja, die gehören zusammen und die sollen sich finden, sondern sie stolpern eher so übereinander und so, naja, wir arbeiten jetzt halt für denselben DJ da in dem Plattenladen. Na ja, komm, lass uns mal eine Romanze anfangen. Ich meine, du bist eine A Cappella-Sängerin, ich bin ein A Cappella-Sänger. Was sagt da? We'll have a car babies.
Johannes Franke: Also er versucht es halt immer wieder und sie bleibt sehr zurückhaltend, was das betrifft. Und ich glaube, die Entscheidung zu sagen, er geht immer wieder auf sie ein und versucht immer wieder irgendwie was zu starten und sie bleibt aber sehr zurückhaltend, irgendwie macht die das Ganze sehr distanziert. Und auch an ihn komme ich dann dadurch nicht ran. Ich finde ihn nervig.
Florian Bayer: Ich fand ihn gar nicht so nervig. Ich hatte keine Sympathie für ihn. Also wirklich so, dass jeder andere wäre mir lieber gewesen als männlicher Protagonist. Sie ist okay. Ich finde Anna Kendrick tatsächlich auch, also ihre Rolle, auch eher ein bisschen plus, weil es auch so eine sehr stereotype Rolle ist. So diese halbgare Rebellin, die sehen wir gerne mal in Teenager-Filmen aus den 2000ern. So geben wir ihr vielleicht ein Piercing und kein Tattoo, das würde zu weit gehen. Aber schon so ein bisschen so rebellische Kleidung. Aber bevor ich jetzt anfange, zu viel darüber zu lästern, für mich lebt der Film von den Figuren, die eben nicht im Vordergrund stehen. Jetzt bin ich gespannt. Na, also Rebel Wilson als Fat Amy ist das großartig. Von vorne bis hinten. Von vorne bis hinten. Und jedes Mal, wenn man sie sieht, ich liebe es. Gleich im Anschluss daran genannt, Adam DeWine als Bumper Ellen, der so, irgendwann gibt es so diesen Punkt, das ist die glaubwürdige Beziehung. Von der Beziehung will ich was sehen. Ich will sehen, wie Fat Amy mit dem Anführer, dem Arschlochanführer der Treblemakers zusammenkommt, weil die haben Chemie als Rivalen großartig.
Johannes Franke: Da musst du jetzt den zweiten und den dritten Teil sehen.
Florian Bayer: Grundsätzlich alle Figuren, die eher entweder Comedy-Comic-Reliefs sind oder unsympathisch sein sollen. Ich fand Aubrey großartig. Ja, die ist so großartig. Anna Camp ganz fantastisch, weil sie ja die unsympathische Figur spielen und sie macht so viel Spaß als unsympathische Figur. Die bände ich natürlich, den Nerd, der, ich bin nicht nur ein Nerd, ich bin übrigens auch ein Magier. Oh Gott, ja, der hat absolut meine Sympathie. Volle Kanne. Und es ist so ein bisschen schade, dass dessen Geschichte dann so erstmal komplett am Rand steht, das Ganze am Schluss, wo er wieder in die Band darf. Ja, und unser Kommentatoren-Duo, eigentlich alle Figuren, die entweder unsympathisch sind oder einfach nur albern und witzig sein sollen, die retten den Film für mich. Die machen den Film richtig großartig. Also die machen die Szenen, in denen sie sind, richtig großartig. Komplett retten schaffen sie nicht mit dem Film. Oh nein, der Film ist nicht zu retten? Nein, nein, nein. Ich hatte sehr viel Spaß dabei. Der Film ist total doof, aber ich hab mich prächtig unterhalten die ganze Zeit. Okay. Aber vor allem, Fett Amy, um vielleicht gleich nochmal zurückzuspringen zum ersten Charakter, der ohne den der Film nicht mal halb so viel wert wäre. Ja. Oh mein Gott, Rebel Wilson ist so großartig und so witzig.
Johannes Franke: Ich glaub, die hat einfach alles, was sie macht im Leben. Sie hat so eine scheiß Egalhaltung. Es ist ihr vollkommen wurscht, was Leute denken. Sie ist vollkommen fein damit, dass Leute sie einfach überhaupt nicht mögen könnten oder so, sondern sie zieht einfach durch. Und beim Casting scheint das irgendwie so gewesen zu sein, dass sie echt, sie hat da irgendwas gesungen von Lady Gaga und sich dabei auf die Brust geschlagen und da irgendwie irgendwelchen Scheiß gemacht. Und es ist einfach großartig. Sie hat einfach auch während des Drehs die größten Teile ihrer Lines improvisiert. Und ist einfach nur Berserk gegangen quasi mit der Rolle und hat irgendwelchen Scheiß gemacht.
Florian Bayer: Die ganze Romanze zwischen ihr und Bampa ist nur auf Impro entstanden, weil die beiden sich so geil verstanden haben und miteinander improvisiert haben. Ewig lange Takes. Die konnten einfach nicht aufhören.
Johannes Franke: Und es ist so traurig, dass so viel davon wieder weggefallen ist. Sie mussten natürlich viel rausschneiden wieder, weil du hast viel zu viel mitgenommen. Wenn die da improvisieren, dann ist das zu viel. Aber ich hätte echt gerne gesehen, wie die sich da gegenseitig hochschaukeln.
Florian Bayer: Also wenn ich Produzent oder Produzentin gewesen wäre, hätte ich irgendwann gesagt, okay Leute, wir sehen doch ganz eindeutig, was hier die geilere Romanze ist. Und wir haben ja sogar ein Vorbild. Wir haben drüber geredet, über das Shakespeare-Stück.
Johannes Franke: Ah, ja, ja. Much ado but nothing.
Florian Bayer: Genau. Viel Lärm um nichts. Wo genau das auch passiert, wo die Romanze aus der zweiten Reihe viel cooler ist als die Hauptromanze, die erzählt wird. Und das haben wir hier auch wieder. Und nicht mal die Romanze, sondern einfach diese beiden Charaktere. Die Charaktere sind viel cooler als die Hauptcharaktere.
Johannes Franke: Ja, also ich mag Anna Kendrick schon sehr, muss ich sagen. Wenn ich mir diesen Film angucke, ich bin einfach voll bei ihr und freue mich über alles, was sie tut. Weiß nicht, woran das liegt, ob der Film nur daran schuld ist oder ob die Schauspielerin daran schuld ist. Aber ich glaube, es ist ja die Schauspielerin, weil wenn ich mir andere Filme anschaue mit ihr, dann bin ich auch genauso investiert. Ich glaube, es gibt eine Handvoll Schauspieler auf dieser Welt, die das Telefonbuch vorlesen könnten und das wäre noch toll.
Florian Bayer: Die Rolle kann es ja eigentlich nicht sein. Die Rolle ist ja doch sehr eindimensional. Eben so diese Rebellin, die sich so ein bisschen missverstanden fühlt, die deswegen sehr ablehnend und kalt gegenüber Menschen ist und damit auch Fehler macht. Und die aber nicht nur das Herz am rechten Fleck hat, sondern auch Ideen hat, die total cool sind und wenn ihre Ideen mal gehört werden, dann kann sie damit Erfolg haben. Und das ist ja der große Konflikt des Films, dass sie eben ihre großen Ideen, ihre Neuerungen in die A Cappella Band reinbringen will und die ganze Zeit eben gegen Wendel läuft, weil die Opry, die Anführerin der Bellas sagt, Nee, wir haben letztes Jahr mit diesem Song haben wir es bis ins Finale geschafft. Da kommt nichts Neues rein. Erst recht nichts, was von Männern gesungen ist.
Johannes Franke: Die haben ja auch wirklich sehr, sehr viel Arbeit reingesteckt, überhaupt das schaffen zu können, da irgendwie diese Choreografien zu machen und die Gesangsnummern. Die haben vorher echt so ein Bootcamp gehabt. Die haben vier Wochen lang sich zusammengerauft und mit Coaches, Gesangscoaches und Choreografiecoaches einfach dagestanden und getanzt und gesungen und verzweifelt. Das sind ja nicht alle so beruflich Musiker gewesen. Da waren ein paar Leute dabei, die schon sehr viel Erfahrung mit Musik hatten, die vielleicht aber schauspielerisch nicht ganz so erfahren waren und andersrum. Und das zusammenzubringen, boah. Und der Vocal Coach hat echt zugegeben dann, als er angefangen hat, die ersten ein, zwei Wochen, hat er gedacht, das wird nichts. Also es war wirklich schwierig.
Florian Bayer: Sie haben auch tendenziell eher nach Comedy-Performance ausgewählt, als nach Gesangsleistung. Sie wollten vor allem witzige Darsteller, um diesen Comedy-Ton zu treffen.
Johannes Franke: Ja, es ist halt wichtig, alles irgendwie abzudecken. Und man muss schon sagen, dass die musikalisch jetzt, die haben sie zwar hinbringen müssen, aber die sind wirklich alle gut. Die sind stark, ja. Also es ist schon cool.
Florian Bayer: Ja. Am stärksten merkt man es meiner Meinung nach in diesem, was auch so geil ist. Natürlich, wenn A Cappella das Coolste ist überhaupt, dann muss es auch irgendwie sowas wie ein Battle-Rap-Pondor geben. Und da gibt es wirklich diese Backyard-Szene, wo die einzelnen A Cappella-Gruppen da stehen und sich battlen mit Songs wie, was haben wir da, die, genau, Songs about Ladies of the 80s, wo sie dann Like a Virgin singen und It Must Have Been Love. Und dann Songs about Sex mit Let's Talk about Sex und No Diggity. Das ist super. Wenn sie da wirklich in den Hinterhöfen rumspringen und sich battlen und sich die Songs so entgegenwerfen und dann wie im Battle-Rap. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei A Cappella sowas gibt, aber wenn man die Szene gesehen hat, glaubt man es.
Johannes Franke: Ja, absolut. Volle Kanne. Und ich bin beeindruckt, dass sie es geschafft haben, die ganze Szene, die ist ja relativ lang. Die erste, große. Größtenteils ohne Dialog durchzustehen. Wirklich über Gesang alles gemacht und zwar emotional auch was zu erzählen. Also über die ganze Szene einen Bogen zu haben und das nur über die Songauswahl und über das Spiel, was sie miteinander haben. Es ist wirklich, ich fand es ganz toll.
Florian Bayer: Ja, der Film erzählt auch sehr viel Gruppendynamik in den Songs. Wir haben ja immer diese Momente, wenn Becker eben ausbricht aus dem, was eigentlich üblich ist. Und dann sehen wir diese Konfliktlinien, wo die einen das total cool finden und mitmachen wollen und die anderen das richtig kacke finden und dann manche auch mal so überfordert sind. Das wird ja auch ganz, ganz nett thematisiert, was ich in so einem Film überraschend finde. Und möglicherweise ist es ja so, die Progressive kommen dann einfach durch damit und alle sagen, hey, cool. Aber wenn sie einfach so bei einer Meisterschaft dann improvisiert, fühlen sich auch die anderen, die das eigentlich cool finden, vor den Kopf gestoßen. Und das, ja, also es gibt sehr, in diesen Gesangsnummern gibt es sehr viel Gruppendynamik. Das macht das auch sehr lebendig, diesen Blick auf die Gruppe. Gerade weil wir auch viele Charaktere haben, über die wir nur wenig erfahren. Ja. Außer, dass sie sehr gerne Sex haben und Glücksspielabhängig sind. Und eine ganz leise Stimme haben.
Johannes Franke: Weißt du, was Lilly sagt während der ganzen Sache? Ich hab's mal rausgesucht. Sie sagt zum einen, my name is Lilly and I was born with gills like a fish. Dann sagt sie, what happened last year and do guys want to see a dead body? Sie sagt sehr seltsame Dinge zwischendurch. I set fires to feel joy und I ate my twin in the womb.
Florian Bayer: Das war das Beste. Oh my God. Das war diese Confession-Runde. Ja, genau. Wenn sie sich am Schluss vertragen, machen sie so eine Runde zusammen und jede mitgesteht, was sie sagen. Dann gibt's diese eine, die so ganz offensichtlich lesbisch ist. Und die sagt dann, okay, ich muss auch was sagen. Und Fat Amy, okay, ähm, Pun, Moment. Wie war der Pun nochmal? Let's be, okay, let's be real. Oder let's be honest. Let's be honest. Und dann sagt sie, ich habe ein Glücksspielproblem. Und Fat Amy so, was? Es hat angefangen, als ich mich von meiner Freundin getrennt habe. Here we go. There it is.
Johannes Franke: Oh man. Es ist, wenn wir bei Fat Amy sind, wollen wir einmal über Fat Shamming und so weiter reden. Ja. Der Film ist noch nicht so richtig sensitiv damit, aber er ist auch nicht ganz so schlimm damit.
Florian Bayer: Nee, ich find's toll, wie sie, ähm, wie sie sich selbst vorstellt. Weil sie heißt Fat Amy, weil sie sich selbst den Namen gegeben hat. Ja. Und dann fragen die beiden Liederinnen von der Gruppe, warum nennst du dich selbst Fat Amy? Und dann sagt sie halt, damit so Bitches wie ihr das nicht hinter meinem Rücken über mich machen können. Und das find ich schon cool. Also das ist einfach mal so ein Treffer. Rebel Wilson ist ja auch tatsächlich sehr bekannt dafür, dass sie in der damaligen Zeit so sehr viel diese Body-Positivity-Movement nach vorne gebracht hat und sich sehr viel dafür eingesetzt hat, dass jeder darf so aussehen, wie er möchte. Ja, genau.
Johannes Franke: Ja, aber der Film schrammt so an ein paar Gags vorbei, die so ein bisschen so, okay, okay, okay. Da kommt ihr kurz ins Straucheln, aber fangt euch wieder. Es ist so ein bisschen, es ist nicht immer einwandfrei, finde ich.
Florian Bayer: Ja, ich fand, also es gab keinen Moment, den ich wirklich krass unangenehm fand, weil auch einfach, weil sie, weil es ganz klar ist, dass sie immer, wenn es darum geht, wenn es um das Gewicht geht, sie ist immer der Sympathieträger, sie ist immer die Figur, die stolz und selbstbewusst mit ihrem Körper umgeht und die keine Probleme hat, den zu zeigen und mit ihm zu arbeiten. Ja, diese Sportsachen zum Beispiel gehen vielleicht schon so ein bisschen in die Richtung, wenn sie so als Erste aus der Puste ist und dann sagt, ich hätte das Training ernster nehmen sollen. Ja, obwohl das geht auch noch. Ja, aber so gerade diese Momente, wo sie mit ihrem Körper agiert, und das macht sie ja viel, sie ist einfach, sie ist sehr präsent, sobald sie da ist, ich fand, das hat das alles aufgefangen, weil sie einfach die Selbstbewusste und Coole ist, die das im Griff hat zu jeder Zeit. Ja. Also kein Punktabzug für Fat Amy. Kein Punktabzug für Fat Shaming, ohne Fat Amy wäre der Film Kacke. Ich kann ja wiederholen. Vielleicht, um nochmal auf ihr Gegenstück einzugehen, den Schauspieler des Bumpers, den Antagonisten quasi, der Anführer von den Troublemakers, gespielt von Adam DeWine und ich hab Adam DeWine noch nicht in so vielen Filmen gesehen, aber es ist auch so jemand, wenn ich ihn sehe, freue ich mich irgendwie immer, auch Modern Family übrigens. Ah ja, stimmt. Da spielt er einen Babysitter, eine ganz andere Rolle, und zwar einen Babysitter, der so sehr zart ist und sehr sensibel ist und in den sich dann ausgerechnet die Tochter verliebt, die so sehr, eigentlich so auf so coole Macker steht und die beginnen dann so eine eher ungewöhnliche Romanze. Aber wie es dazu kommt, ist auch egal. Wir müssen jetzt nicht über Modern Family reden, ich finde Modern Family ziemlich geil. Ich mag Modern Family auch sehr gerne. Auf jeden Fall ist er in Modern Family, war ja eine tolle Rolle und ich hab mich immer über, er war eher eine Nebenrolle, aber ich hab mich über jede Episode gefreut, in der er vorgekommen ist. Um noch eine, um noch eine Person zu nennen, aus der wirklich kleinen Nebenrollenriege, die ich ganz großartig finde. Ja. Wahrscheinlich sogar die beste Figur des gesamten Films, ohne jeden Zweifel. Die Mitbewohnerin von Becca, die, Kimmy Jim, die nur ein paar Mal zu sehen ist. Und immer so voll abweisend. Ja, ja, ja. Und ihre Mitbewohnerin abgrundtief hasst offensichtlich. Und es ist jedes Mal ein Ereignis, wenn man sie sieht und sie einfach nur so abwertend, herablassend, genervt guckt, so, oh, das ist die schon wieder.
Johannes Franke: Ist da, einmal kommt doch Papa zu Besuch und sagt, du musst Freunde finden. Und Anna Kendry sagt, ich hab eine Freundin hier, das ist hier meine Mitbewohnerin. Und die sagt, nope, nope, nope, nope. Es ist wirklich gut. Ja. Es stimmt. Ich komm nicht darüber hinweg, dass du Anna Kendrick gar nicht so richtig geil findest als Hauptfigur. Ich mag sie so. Es ist irgendwie ... Ich find die Figur einfach so schwach.
Florian Bayer: Die Figur ist so, ähm, so nichtsagend und schon so oft gesehen. Es ist halt einfach diese, ja, seichte Rebellen trifft's, glaub ich, ganz gut. Einfach diese Figur, die man aus Coming-of-Age-Filmen kennt, die so den halben Weg gehen, um Rebellion im High-School- und College-Milieu zu zeigen. Also sie hätte mehr rebellieren sollen? Sie hätte einfach mehr Format gebraucht.
Johannes Franke: Hätte sie die Schule in die Luft springen sollen?
Florian Bayer: Nein, einfach ein bisschen mehr Format, ein bisschen mehr Charakter und Persönlichkeit. Und nicht so, ah, du hast, du wurdest so oft von Menschen enttäuscht, dass du jetzt niemanden an dich heranlässt. Oh, ja, kennen wir. I can accuse me, please.
Johannes Franke: Nichts gegen Anna Kendrick, okay.
Florian Bayer: Dann bin ich gegen diese wundervolle Hauptfigur. Dann halt lieber die Dynamik zwischen Opry und Chloe, die irgendwie so als die Schwestern, die Herrscherinnen über die Bellas, eine ganz merkwürdige Dynamik haben. Opry, die Chefin, und Chloe, die die irgendwann aufgegeben hat, die einfach resigniert hat und halt alles mitmacht, was Opry vorhat, obwohl sie sie total nervig findet. Großartig. Wirklich toll. Das ist die Geschichte, die ich richtig toll finde. Aber die Romanze zwischen Becker und Jessie, dieser Film steckt vor so voller liebevoller Charaktere und toller Geschichten.
Johannes Franke: Vielleicht ist es auch einfach die Herangehensweise des Drehbuchautoren, dass er sagt, okay, ich brauche, ich will einen massentauglichen Film machen. Ich nehme mir also eine Story, die einigermaßen geradeaus ist und statte das Ganze dann aber links und rechts mit tollen kleinen Ideen aus, die das Ganze ein bisschen leben lassen und nicht so tot sein lässt, wie ganz viele Highschool-Filme so sind.
Florian Bayer: Ja, es ist oft in diesem Milieu, in diesem Highschool-College-Filmmilieu sind es auch so die Nebensachen, die was wirklich stark machen. Wir hatten eine Episode sehr am Anfang, haben wir über zehn Dinge, die ich an dir hasse, gesprochen. Ja. Der das auch wirklich gut macht, dass er diese recht simple Geschichte, kriegt er sie, kriegt sie ihn und es gibt irgendwann noch ein Missverständnis, wo sie sich nochmal verlieren und alles verloren scheint, anreichert mit so kleinen Nebengeschichten, mit kleinen Comic-Relief-Charakteren und viel drumherum, was einfach so eine Art Worldbuilding macht, dass das gut funktioniert.
Johannes Franke: Aber bei zehn Dingern, die ich an dir hasse, sind die Hauptfiguren auch großartig. Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Die Hauptfiguren bei zehn Dingern, die ich an dir hasse. Genau. Vielleicht als Gegenbeispiel. Zehn Dingern, die ich an dir hasse, ist unsere Protagonistin, die ja auch so als Rebellin inszeniert wird, deutlich stärker, deutlich präsenter und hat viel mehr Format und auch viel mehr Persönlichkeit. Und ich würde nicht mal sagen, dass Julia Stiles eine bessere Schauspielerin ist als Anna Kendrick, sondern es ist einfach die Rolle, wie sie geschrieben ist und wie sie
Johannes Franke: inszeniert ist. Wobei die Personalie, die wir haben, natürlich größer ist als bei zehn Dingen, die ich an dir hasse. Und bei zehn Dingen, die ich an dir hasse, kann man mehr Zeit darauf verwenden, die einzelnen Figuren kennenzulernen, weil es sind im Wesentlichen vier. Das stimmt. Ja.
Florian Bayer: Wobei der Film ja sich trotzdem, also auch wenn es hier eigentlich um das Erzählen von der Gruppendynamik geht, hat der Film schon ganz klar seinen Fokus auf Becker. Und auf ihrer Geschichte, nicht einmal so sehr auf der Romanze mit Jessie, die ja wirklich sehr, sehr dünn erzählt ist, sondern eher auf ihrem Weg sich selbst zu finden, wie sie eben zwischen diesem Anspruch, was Neues zu schaffen und zwischen den sozialen Rahmenbedingungen irgendwie so hin und her balanciert und dann ihren Weg findet.
Johannes Franke: Und dann ist es vielleicht auch, vergessen wir vielleicht auch einfach, dass es ein Musical-Film ist. Man muss schon sagen, es ist ein Musical. So einen ganz, ganz großen Teil davon nehmen einfach Musiknummern ein. Ja, definitiv. Du hast, die Lauflänge ist ja im Grunde so, Geschichte erzählen ist die Hälfte des Films, die andere Hälfte der Musik.
Florian Bayer: Ja, es ist vielleicht auch ein bisschen das, was ich als MTV-Musical bezeichnen würde, weil die einzelnen Performances gar nicht so sehr die Story vorantreiben, sondern in sich auch wie Videoclips sind und auch wie Videoclips inszeniert sind. Und ohne groß Ahnung von Filmen wie Highschool Musical zum Beispiel zu haben, ich glaube, das geht in eine ähnliche Richtung. Also es gibt so eine neue Art von Musical, die irgendwie in diesem MTV-Rahmen entstanden ist und wir befinden uns hier ja im Jahr 2011, also lange hinter der Peak-Zeit von MTV. Aber ich meine mich zu erinnern, dass es noch mehr Filme in diese Richtung gab in der Zeit, so die 90er bis zu den 2000er, wo sehr viel Musik drin war. Aber es war deutlich mehr orientiert an der Videoclip-Ästhetik oder an dieser einfachen Pop-Videoclip-Ästhetik, wo du halt einfach Leute hast, die singen und tanzen, als an traditionellen Musicals wie Singing in the Rain.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Das sieht man schon allein daran, dass die Musiknummern, wie du sagst, in diesem Film die Story an sich nicht voranbringen. Im klassischen Musical hast du halt jemanden, der über ein Problem singt und vielleicht über den Song an eine Problemlösung kommt oder eine Situation besinkt, was ja der große Kritikpunkt von vielen Leuten ist, die mit Musicals nichts anfangen können, weil sie sich fragen, warum brechen die jetzt den Gesang aus? Sie ist gerade mega traurig und dann reflektiert sie ihre Situation in einem Song. Was soll das? Und ich finde es natürlich großartig, weil ich großer Musical-Fan bin, aber ich verstehe, dass das sozusagen vom klassischen Musical weg eher zum Musikfilm. Vielleicht ist das so zwei verschiedene...
Florian Bayer: Ja, es wäre auf jeden Fall interessant, mal grundsätzlich nochmal zu gucken. Ich hatte ja so gesagt, also Musical, wesentlich für ein Musical ist, dass die Musik die Story vorantreibt. Das heißt, Charaktere singen über ihre Motive oder es geschehen sogar wirkliche Ereignisse in Musical-Form.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann gibt es Filme, die einfach viele Musikeinlagen haben, wie vielleicht dieser Film, die einfach, weil sie zum Beispiel das Thema Musik haben und es basiert einfach viel Musikalisches, ohne dass das in die Handlung eingebettet ist und es ergibt auch Sinn. Jede Musik, jede musikalische Szene ist logisch, weil sie üben, sie machen ein Battle und so weiter. Vielleicht sowas wie Eight Mile auch als Beispiel. Auf jeden Fall. Und dann gibt es sehr viele dazwischen und sehr viele Abstufungen und das findet irgendwie auf so einem Spektrum statt. Wo fängt der Musikfilm an? Wo fängt das Musical an? Ja.
Johannes Franke: Ich habe einen großen Kritikpunkt. Und zwar Aubrey sagt irgendwann mal, Becker wäre alt, also Stimmlage alt. Sie singt aber am Ende ein Mezzo-Sopran. Das ist musikalisch durchaus ein Unterschied. Ich kann das dem Film nicht verzeihen, dass das so einen eklatanten...
Florian Bayer: Gut, dass du es jetzt sagst. Ich hatte es mir auch notiert, aber wenn du es jetzt ansprichst, dann... Genau. Und als du, der von uns beiden der Gesang-Experte ist, was ist das mit den Nodes? Kannst du mir das erklären? Weil diese...
Johannes Franke: Auf ihre Stimme?
Florian Bayer: Genau. Es sind Knoten nennt man das. Ja. Und das heißt, ist das wirklich ein Ding?
Johannes Franke: Ja, natürlich. Also es gibt es. Also es gibt Knötchen auf den Stimmbändern, die dazu führen können, dass man nicht mehr richtig professionell singen kann. Also was unter Umständen nur einen kleinen Unterschied macht bei großen Sängern, allerdings dann wirklich in der Stimmlage oben des Berufs ausbedeuten kann.
Florian Bayer: Wir reden von Chloe, der zweiten Anführerin der Band, die dann sich operieren lässt. Ist das auch ein Ding? Ja, ich glaube ja.
Johannes Franke: Du kannst diese Knoten entfernen lassen? Ich glaube ja, aber da bin ich mir ganz... da weiß ich nicht ganz genau. Da habe ich nicht nochmal recherchiert oder sowas. Und dann kann sie Bass singen.
Florian Bayer: Und ich denke so, okay, ich habe zu wenig Ahnung von Gesang und von verschiedenen Stimmlagen und Stimmhöhen und aber okay, yay, gut für dich.
Johannes Franke: Plur, das ist wirklich... Also man kann dann Bass singen als Frau, das ist völlig klar. Ja. Das ist natürlich...
Florian Bayer: Okay, ich wusste auch, dass das absolut passt.
Johannes Franke: Natürlich.
Florian Bayer: Ich finde es auch großartig, ihre Confession-Rede, als sie so sagt, ja, ich habe Knoten. Und dann unterhalten sie sich wirklich sehr lange drüber. Es geht einfach mal so ein 5-Minuten, 10-Minuten-Blog, wo... ...dieses große, große, emotionale Thema wirklich sehr emotional durchgehandelt wird, dass sie Knoten auf den Stimmbändern hat. Ja. Also es ist tatsächlich ein Ding.
Johannes Franke: Natürlich wirst du keinen Bass werden. Aber ich finde es witzig. Es ist ein schöner, lustiger Kommentar und einfach eine schöne, alberne Geschichte. Überhaupt, der ganze Film hat sehr viele, sehr alberne Momente. Absolut. Die ich sehr zu schätzen weiß. Ich bin ein großer Fan von Albernheiten.
Florian Bayer: Okay, das erklärt auch sehr, sehr stark, warum du diesen Film magst. Weil es passieren ständig alberne Sachen, ja. Jeder einzelne... Also die sind sympathisch, diese Figuren. Ja. Aber jeder einzelne dieser Figuren bei den Bellas hat irgendwelche albernen Ticks.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es gibt keine einzige Figur, die normal wäre im weitesten Sinne. Ja. Und zwar Ticks, auf denen dann auch rumgeritten wird. Es werden immer wieder Anspielungen drauf gemacht und Witze drauf gemacht. Und es ist ganz süß, wenn dann in der Confession-Runde sie alle so sagen, was für Ticks sie haben. Obwohl wir genau wissen, was los ist. Also ich meine, dass die Lilly ihren Zwillingsfötus gegessen hat im Mutterleib, macht total Sinn. Das ist einfach, das passt zu ihrem Charakter. Oh Mann. Und das Fett Amy Priscilla? Nee, wie heißt sie? Sie hat einen anderen Namen. Stimmt. Ich weiß es nicht mehr. In der Confession-Runde sagt dann Fett Amy plötzlich, ach so, und ich bin übrigens nicht Amy, sondern Patricia heiße ich.
Johannes Franke: What? Okay, gut. Okay. Ich finde auch, dass es ja nun in den 50ern zum Beispiel, wo die ganzen Musicals groß geworden sind, 40ern, 50ern, nun keine großen Musicals über Frauengruppen oder Frauenfreundschaften oder sowas gab. Und dass das ja eher so eine neuere Errungenschaft ist. Und in der Recherche für unsere Top 3 ist mir das nochmal aufgefallen. Und das ist vielleicht jetzt so eine Überleitung in der Top 3. Sehr gut. Jingle. Top 3. Top 3. Top 3. Wir haben eine Top 3 über... Chlor? Nerds.
Florian Bayer: Also weibliche Nerds.
Johannes Franke: Also weibliche Nerds. Das ist eine neuere Erfindung. Es gab ja früher keine weiblichen Nerds. Das ist ja alles irgendwie erst seit den, weiß ich nicht, 80ern oder so.
Florian Bayer: Ich würde behaupten, viel später noch.
Johannes Franke: Echt, ja?
Florian Bayer: Also wenn du in der Filmgeschichte oder auch TV-Geschichte, ich habe zwei Serien drin, weibliche Nerds hast, dann musst du klauen. Es gibt mal so Ausrutscher in den 80ern und 90ern, wo so eine Rolle gezeigt wurde als wirklich interessante Rolle und nicht einfach nur als Comic-Relief. Aber eigentlich hast du die coolen Rollen in den 2000ern und 2010ern sogar eher.
Johannes Franke: Ja. Ja. Wenn ich mir gerade durchgucke, dann hast du natürlich vollkommen recht. Einen Ausrutscher nach unten vielleicht, aber auch nur so ein bisschen?
Florian Bayer: Ja, ich habe auch einen Ausrutscher nach unten, aber genau auch eher so ein bisschen so eher Zufall.
Johannes Franke: Ich habe ein paar aufgeschrieben und ich muss noch überlegen, was ich als erstes, zweites, drittes mache und den Rest, der kommt in die Honorable Mention. Aber das machen wir dann wieder am Ende.
Florian Bayer: Gott sei Dank muss ich ja anfangen. Du bist fein raus. Ich muss meinen Platz drei raushauen und ich möchte auch gleich als Platz drei mit einer Serie starten. Und ich muss dazu sagen, dass ich die Serie eigentlich gar nicht so absolut mag. Es gehört nicht zu meinen Lieblingsserien. Es ist eher so ein Wegguckprogramm. Okay. Und die Serie hatte immer eine große Schwäche. Die Serie war unglaublich sexistisch und auch so maskulinistisch. auf eine sehr spezifische Art, eben auf die Nerdart, weil es eine Nerdserie ist. Und jetzt habe ich schon fast verraten, was es ist. Es geht um Big Bang Theory. Ja, ja, ja. Die Serie, die wirklich diese drei Männerrollen hatte und versucht hat, was eigentlich ganz cool war als Idee grundsätzlich. Wir erzählen mal wirklich, wie Nerds sind. Und dann auch tatsächlich mit vielen wissenschaftlichen Fakten, die immer mal wieder ausgetauscht wurden, weil unsere Protagonisten sind ja auch Wissenschaftler. Und dann aber in unglaublich viele Klischeefallen getappt ist. Zum einen, was die Darstellung der Nerds betrifft. Das ging noch, weil die ja immer sympathisch gezeigt wurden. Aber das Frauenbild der Serie war ganz schrecklich. Und es ging immer darum, dass die Nerds halt irgendwie den hübschen Frauen hinterher hängen, die aber überhaupt keinen Plan haben und eigentlich dumm sind. Im schlimmsten Fall wurde es so inszeniert. und auf die coolen Sportler stehen und aber die Nerds lieben sie doch so und so weiter. Und 2007 war das, als diese Serie angefangen hat. Und eine wirklich, wirklich, wirklich gute Entscheidung von den Serienmachern war es, dann irgendwann den Nerds, weibliche Nerds, an die Seite zu stellen, in denen eingeführt wurden zwei wirklich großartige Rollen, die eigentlich viel zu gut sind für diese Serie. Ja, und zwar Amy, die die Freundin von Sheldon wird. Amy Farrah Fowler. Die Schauspielerin ist auch großartig. Genau, ich sag den Namen falsch. Mayim Bialik. Und Bernadette oder Bernie, Melissa Rauch, die die Freundin von Howard wird. Und die beiden Nerdfrauen wurden dann auch wirklich als Wissenschaftlerinnen gezeigt. Und die werden dann einfach Teil dieser Gruppe. Und dann darf auch die ursprüngliche Protagonistin Penny, die halt so wirklich die hübsche Frauenrolle war, die mit den doofen Typen und Sportlern rumhängt, die durfte dann auch ein bisschen nerdiger werden. Und dann hatte die Serie plötzlich Herzen. Das hat die Serie gerettet und hat einige tolle Staffeln produziert. Echt, es gibt tolle Staffeln? Also richtig Staffeln, nicht nur Folgen? Naja, das ist vielleicht ein bisschen viel gesagt. Ich hab die nie von Anfang bis Ende geguckt, deswegen. Aber ich weiß, die Folgen, die mir am besten gefallen, sind definitiv, wo die Frauen reinkommen und wo sie einen größeren Part spielen und auch mehr Geschichte haben dürfen. Weil die Dynamik zwischen den Jungs zeigt ganz oft, wie toxisch auch Nerdkultur sein kann. Ja, absolut. Und wie sexistisch Nerdkultur sein kann. Das ist manchmal richtig unangenehm. Aber da hatte die Serie ihre wirklich starken Momente. Und Amy Faller... Amy ist einfach ein großartiger Charakter. Und deswegen möchte ich sie auf Platz drei haben.
Johannes Franke: Okay. Okay. Ich möchte auf Platz drei abhaken, was alle denken und was in den letzten Jahren einfach seit J.K. Rowling rausgekommen ist mit ihren Büchern. Einfach Hermine. Absoluter Vorzeigenerd. Eine so liebenswerte Person, aber auch so naseweiß. Natürlich gerade in den ersten Büchern, wo sie noch jung ist und einfach nur Brad ist quasi. Ja. Und immer alles weiß und besser weiß. Aber man liebt sie einfach irgendwie. Auch wenn sie zwischendurch sehr nervig sein kann. Aber es ist toll. Und natürlich auch sehr viel Herz gewonnen durch die Schauspielerinnen in den Filmen. Muss man auch dazu sagen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Emma Watson hat Hermine wirklich toll gespielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Manchmal wird ja kritisiert, dass sie eigentlich zu gut aussieht, um diese Hermine-Rolle zu spielen. Ja, aber... War schwer vorauszusehen, als sie mit acht oder neun oder zehn das gestartet hat.
Johannes Franke: Und außerdem weiß ich nicht genau, ob man dann nicht so ein blödes Klischee von der Trennung zwischen gut aussehenden Menschen und Nerds. Weißt du, das ist ja auch eine Trennung, die völliger Ratsch ist. Ja, ganz, ganz schrecklich. Ja, das stimmt. Insofern würde ich das nicht anfangen, dieses Thema zu beackern groß. Weil ich denke, naja, wie du nur aussiehst oder nicht, dafür kannst du nichts. Ob du schlau bist oder nicht, das ist was anderes.
Florian Bayer: Ja. Mein Platz zwei. Ja. Jetzt nehme ich doch den Film. Ich habe nämlich die ganze Zeit überlegt, ob ich die Serie oder den Film nehme. Die Serie kann ich nachher nochmal als Honorable Mention nennen. Ghost World. Ein ganz toller Film aus dem Jahr 2001. Eine Tragikomödie am ehesten mit Tora Birch und Scarlett Johansson, die damals noch sehr jung war. Die einfach so zwei nerdige Freundinnen sind und Außenseiterinnen sind und dann einen Typen eigentlich reinlegen. Und die eine freundet sich aber mit dem an. Und ein toller Film über Freundschaft und über Mädchen, junge Erwachsene, Jugendliche, die irgendwie halt so Outsider sind und trotzdem cool.
Johannes Franke: Cool. Wir sind uns ja sowieso einig, oder? Dass die Zeit, dass Nerds uncool waren, ja schon längst vorbei ist. Ja, auf jeden Fall. Seit mindestens zehn Jahren. Und dass eigentlich Nerds auch nie uncool waren, dass sich das nur immer so dargestellt hat.
Florian Bayer: Tatsächlich sind Nerds wieder so ein bisschen uncool geworden, dadurch, dass sich einfach in den letzten Jahren, und daran sind die Rechten schuld, die toxischen Momente der Nerdkultur offenbart haben. Und manchmal zeigen sich Nerds von ihrer hässlichen Seite, wenn sie anfangen, massenhaft einen Trailer down zu voten, weil ihre geliebten Ghostbusters von Frauen gespielt werden. Und das ist vielleicht, es gibt eine hässliche Seite der Nerdkultur. Ja. Und auch dieses Gatekeeping, was auch betrieben wird. Ja, das ist nur bei Herr der Ringe und so weiter, ne? Ja. Das ist ganz schlimm gerade. Naja, auch was so, das Gatekeeping haben wir halt auch einfach dazu geführt, dass Frauen sich abgeturnt fühlen von der Kultur. Weil wenn irgendwie eine Frau sagt, ich bin Gamerin, und der Typ sagt, ach was, was spielst du denn auf deinem Handy? Da, äh, Jules Blitz. Dann ist es vielleicht eine arschige arrogante Haltung von dem Typen. Ja.
Johannes Franke: Hm, hm, hm. Hm, naja, weißt du, da gibt's dann eben auch so ein paar Typen, die sozial vielleicht nicht so kompetent sind, die das Ganze ein bisschen runterziehen. Ja, ja. Das ist vielleicht auch ein bisschen das grundsätzliche Problem von Nerdkultur, die oft damit flirtet, dass man sehr viel alleine vorm Rechner sitzt. Und dann auch nicht so leicht soziale Kompetenzen ausbilden kann. Naja, Platz zwei bei mir. Cat Stratford, gespielt von Julia Stiles in Ten Things I Hate About You. Natürlich, den musst du nennen. Ich mag den Film, wir haben vorhin gerade kurz darüber gesprochen, ich liebe diese Rolle, die ist auch so, so wundervoll gespielt von Julia Stiles. Ja. Da gibt's kaum was, da geht kaum was drüber. Wenn ihr euch anhören wollt, was wir dazu drüber zu sagen haben, wir haben eine ganze Folge darüber gemacht, Ten Things I Hate About You, aus dem Jahre 1999.
Florian Bayer: Großartige Figur, ganz toll auch so der, als sie zum ersten Mal in dem Film auftauchten, wir hören Bad Reputation von John Shad und sehen, wie sie die Bilder bemalt und irgendwie ihre Kunst macht.
Johannes Franke: Habe ich das gar nicht mehr? Habe ich die Erinnerung? Weiß ich nicht genau. Okay. Das habe ich nicht so, das weiß ich gar nicht. Aber auf jeden Fall großartig, nochmal angucken, lohnt sich auf jeden Fall. Absolut zähnenswert, ja.
Florian Bayer: Mein Platz 1, ich konnte mich nicht entscheiden, ich habe einen Teil. Oh nein! Also um es einmal abzuhaken, noch die zweite Serie, die ich hier in meinem Rahmen habe, Beth Harmon aus Queen's Gambit.
Johannes Franke: Ah, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Großartiger Schach-Nerd und sie, gespielt von Anya Taylor-Joy, sie verkörpert all das, was Nerd ausmacht, nämlich, dass sie sich komplett reinfrisst in ein Thema und das ist in ihrem Fall Schach. Und es ist das Wichtigste in ihrem Leben und alles dreht sich um Schach und sie spielt das ganz großartig, wie jemand so eine Leidenschaft für so ein einfaches Spiel haben kann und alles danach ausrichtet. Super. Ja, stimmt. Und ein Film, der auch, glaube ich, viel genannt wird, wenn es um weibliche Nerds geht in den letzten Jahren im Kino, ist, muss genannt werden, Booksmart.
Johannes Franke: Ah, ja, ja.
Florian Bayer: Eine wirklich großartige Teenager-Komödie über zwei Freundinnen, die einen Highschool-Abschluss machen und dann feststellen, dass sie die ganze Zeit so cool gearbeitet haben für die Schule und sich wirklich um wichtige Dinge gekümmert haben. Dass sie letzten Endes auch nur auf dieselbe College gehen, wie die Leute, die Party gefeiert haben und sich um nichts gekümmert haben und dann beschließen sie, okay, wir müssen jetzt wenigstens für den Schluss noch einmal unser Leben genießen, bevor die Highschool endgültig zu Ende ist. Und dann ziehen sie los in eine wilde Partynacht und großartiger Film, macht total viel Spaß und ist eigentlich so eine ganz traditionelle Teenager-Komödie mit Fäkalhumor, mit Ekelszenen, mit absolut derben Albernheiten und was leider wirklich bis zu dem Zeitpunkt, wo dieser Film gedreht wurde, hauptsächlich im männlichen Film stattgefunden hat. Das waren eigentlich immer Protagonisten und es ist schön, dass diese ganzen Klischees, die man so kennt, so auch mit, ich will jemanden flachlegen und so weiter, dass sie komplett einfach gedreht werden und auf die Frauen drauf und es passt perfekt, toller Film, lohnt sich auf jeden Fall.
Johannes Franke: Okay, mein Platz eins ist einfach, ich muss den Klassiker nehmen, der schon immer da war, also soweit ich mich erinnern kann, soweit ich Film, also Fernsehen gucke, Lisa Simpson. Ja, natürlich, auf jeden Fall. Sehr Vorzeigenerd, weibliche Vorzeigenerd überhaupt. Und in dem Rahmen möchte ich gleich noch zwei Unruhbe Mentions hinterherwerfen. Carla Kolumna, die ich als Nerd kennengelernt habe als Kind. Carla Kolumna, das ist doch die von Benjamin Blümchen, die Journalistin. Genau, die Journalistin bei Benjamin Blümchen. Okay. Was ich ganz toll fand immer als Kind und April O'Neill, die bei den Turtles.
Florian Bayer: Ja, mit ihrem geilen Jump-Suit, ne? So einen gelben Jump-Suit hat sie an, aber sie wird auch oft entführt. Also, ich weiß nicht, ob Nerds so oft entführt werden von böse Wichtern.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber das, naja gut, das war auch so eine sehr männliche Serie, muss man sagen. Und sie war so ein bisschen der ...
Florian Bayer: Wenn du schon in die 90er springst, dann müssen wir zumindest einmal noch kurz Daria erwähnen. Die coole, zynische, trockene Nerd-Dame in dieser Zeichentrickserie war. Selber Titel, Daria hieß die Zeichentrickserie. Und sie lief immer mit so genervtem Blick rum, hat immer zynische, herablassende Kommentare von sich gegeben. Und war wahrscheinlich so das erste Role Model für Mädchen, die einfach das machen, was sonst Mädchen nicht machen dürfen. Nämlich sarkastisch sein, zynisch sein und Leute runtermachen und ganz viel am Computer rumhängen und ähnliche Sachen. Und mir fällt noch ein von Scooby-Doo, die ... Oh ja. Felma oder wie sie heißt? Die wird auch oft genannt. Ich habe Scooby-Doo zu wenig gesehen, um die wirklich würdigen zu können. Das war auf jeden Fall die mit der Brille und der ... Ja, die Nörz haben Brille. Tut mir leid, so ist das. Ja, lass mich nochmal kurz gucken. Ich habe nie viel Scooby-Doo geguckt. Ich bin kein Scooby-Doo-Experte. Aber die Rolle hieß ...
Johannes Franke: Ich bin ein bisschen traurig, dass ich sehr wenig Scooby-Doo geguckt habe, auch als Kind. Weil ich irgendwie das Gefühl habe, ich habe da was verpasst. Ich habe da irgendwie so ein Stück Insider-Kultur, Nerd-Kultur verpasst.
Florian Bayer: Na, Scooby-Doo war, glaube ich, war vielleicht auch eher so ein amerikanisches Phänomen.
Johannes Franke: Ja. Aber das lief auch rauf und runter im Kinderfernsehen in Deutschland, oder?
Florian Bayer: Velma hieß sie. Velma, nicht?
Johannes Franke: Ja, ja. Okay.
Florian Bayer: Ja, ich habe davon auch ein, zwei Folgen gesehen. Aber nie so sehr, dass ich es mich richtig gekriegt hätte. War vielleicht auch zu viel Detektivgeschichte. Wir hatten das ja schon öfter, dass ich eigentlich kein Fan von Detektivgeschichten bin.
Johannes Franke: Ja, du hast ja auch meine Sherlock-Coms-Begeisterung nie teilen können. Nee, überhaupt nicht. Hm. Also sowas. Ja, und dann hätte ich noch Willow so ein bisschen gehabt von Buffy. Beziehungsweise Buffy ist ja voll von Nerds, weil die ja alle irgendwie sich einfach auf Vampire spezialisiert haben. Ist Buffy selbst auch ein Nerd? Ja, muss man schon sagen. Okay. Obwohl sie natürlich die coolere ist und die auch so ein bisschen so mehr Action hat. Normalerweise haben ja Nerds nicht so viel Action. Und deswegen eher Willow rausgezogen. Aber die kriegt ja auch irgendwann Action. Aber die ist diejenige, die so inszeniert wird, dass sie immer wieder in Büchern und so weiter rumstöbert und schaut und lernt und sich da rein versenkt und so. Ja. Ja. Okay. Das war eine schöne Top 3. Dann bitte Chingle. Das war unsere Top 3. Und wir sind zurück im Film.
Florian Bayer: Wir sind zurück im Film und wir können, glaube ich, so zum Fazit übergehen, oder? Lass uns zum Fazit übergehen.
Johannes Franke: Möchtest du, bevor ich den Film wieder rette, deine Kritik loswerden oder deine Zusammenfassung?
Florian Bayer: Ja, meine Zusammenfassung. Also der Film war doof. Aber der Film war doof und dabei extrem unterhaltsam. Und ein ausgezeichneter Cast. Und eine witzige, dynamische Inszenierung. Dumme Gags. Eine blöde, wirklich klischeehafte Hauptgeschichte. Das sind alles Qualitätsmerkmale, ne? Die Atmosphäre und der tolle Cast, die haben einfach einen runden Film draus gemacht. Der hat Spaß gemacht. Ich hatte total viel Spaß die ganze Zeit dabei. Und ich glaube, es ist wirklich ein Girls Night Film. Also es ist so ein Film, wo man sich vorstellen kann, man setzt sich aufs Bett zusammen, man isst Popcorn, man isst Eis, man lacht, man will ein Pyjama tragen, während man diesen Film guckt. Ja, genau. Man will vielleicht eine Freundin aufbauen, die gerade sich getrennt hat. Genau, genau. Ja, lass uns ein bisschen Eskapismus betreiben, ein bisschen Spaß haben. Das Leben ist schön. Genau. Und das ist er auch nicht neben den Filmen als das, was er in diesem Sinne ist.
Johannes Franke: Schön. Okay, ja, ich möchte mich natürlich da irgendwie so ein bisschen einreihen, weil das stimmt schon. Es ist einfach ein Film, der viel Eskapismus zu bieten hat und der einfach so drüber ist an vielen Dingen und so viele Themen einfach so viel größer macht, als die jemals sein könnten. Und so viel Bedeutung in kleine Dinge legt, die nie wieder eine Bedeutung im Leben haben werden, die aber in dem Moment einfach gefühlt wahnsinnig wichtig sind. Und wie so ein Auftritt mit einer A Cappella-Band. Und ich liebe es dafür. Ich liebe diese Leute dafür, dass sie sich da reingeworfen haben und dass die Produzentin auch einfach gesagt hat, macht alles. Ich zitiere mal kurz kurz. Please don't pull any punches. Also nehmt nichts weg. Make as much fun of a Cappella-Bands and me and the whole thing as possible. Because if you don't, we don't have a great movie. Und ich glaube, das ist genau das, was den Film zusammenfasst. Die haben einfach gesagt, wir machen uns sowas von lustig über uns selbst, über das ganze Thema, über das ganze Ding und ziehen es auf ein absurdes Scalen, das hoch auf ein absurdes Maß, dass es einfach Spaß macht.
Florian Bayer: Diese Kombi aus Hochscalen und gleichzeitig trotzdem Augen zwinkern und sich drüber lustig machen. Das funktioniert sehr gut. Hast du die Fortsetzung gesehen, um das vielleicht noch kurz einzuhören?
Johannes Franke: Ich hab alle drei Filme gesehen, aber es ist jetzt schon so lange her, dass ich nicht mehr ganz genau weiß, worum es geht. Aber die machen immer noch Spaß. Also es ist jetzt, natürlich versuchen sie dann einen draufzusetzen, die sind dann viel unterwegs und draußen und dann gibt's nochmal, die haben natürlich ein größeres Budget, das heißt, das könnt ihr dann auch nutzen mit größeren Sachen noch. Das heißt, der Charme dieser doch recht kleinen Geschichte, weil sie nicht so viel Geld hatten, wirklich die ganz, ganz großen Sets immer wieder rauszuholen, der Charme geht ein kleines bisschen verloren, hab ich das Gefühl. Aber trotzdem haben die immer noch sehr viel Spaß. Ich glaube, das liegt auch vor allem daran, dass die Leute, diese Schauspieler, miteinander so eine fette Freundschaft entwickelt haben über diese Zeit. Und auch die Proben vorher und so, die haben ja viel geweint und auch sehr viel, weil die einfach völlig fertig waren, weil das einfach ein Riesenakt ist, eine riesige Aufgabe. Die haben da, ich glaube, die wurden sehr stark zusammengeschweißt durch das ganze Ding, weil das echt viel und anstrengend und schwierig war. Aber eben auch so viel Spaß gemacht hat und allein Rebel Wilson und dieser Typ, in dem Jumper hier Bumper gespielt hat, das ist, die haben sowieso tolle Freundschaften gehabt. Und das sieht man in den Filmen an.
Florian Bayer: Das spielt man auch schon in diesem Film, dass es wirklich eine tolle Chemie gibt zwischen den einzelnen Protagonisten. Das ist einfach eine coole Gruppe. Also für mich wäre es allein schon wert, die Fortsetzung zu gucken, wenn mehr von den Nebenfiguren erzählt wird. Ja. Und ja, also guckt ihn euch an. Es ist, wie gesagt, der Film ist ein bisschen doof, aber er macht wirklich Spaß, er ist wirklich unterhaltsam. Und wenn ihr was für eure nächste Girls Night braucht, ich glaube, den kann man da nehmen.
Johannes Franke: Und an alle, die keine Girls sind, guckt ihn euch auf jeden Fall trotzdem an. Es lohnt sich volle Kanne, selbst wenn man so ein bisschen, ja, ich will jetzt niemanden auf den Schlips treten, aber wenn man so ein kleines bisschen männlich-toxisch erzogen wurde und das noch nicht ganz abgelegt hat, versucht euch einfach mal dran. Geht einfach mal raus und sucht euch ein paar Filme raus, die allgemein so als Girls-Filme gelten und guckt sie euch an. Einfach mal umzuschauen. Und dann kommen vielleicht solche Überraschungen bei rum, die vielleicht doch nochmal den Horizont erweitern. Horizont erweitern, Plur, unser Ziel, erklärtes Ziel für den Podcast.
Florian Bayer: Habe ich deinen Horizont erweitert? Auf jeden Fall. Allein schon, weil es ein Film wäre, den ich mir ohne diese Empfehlung nicht angeguckt hätte. Weil, wenn man das Plakat sieht, dann denkt man ja auch. Man hat eine sehr genaue Vorstellung von dem Film, wie er ist. Und in vielen Sachen matcht er das auch. Aber es gibt genug andere Sachen, wo er drüber hinausgeht. Sehr gut. Eben in seiner Bescheuertheit. Ich habe mich sehr gefreut, als ich den Film gesehen habe. Vielen Dank.
Johannes Franke: Schön, das freut mich. Dann bin ich mal gespannt, was du für mich das nächste Mal hast. Weißt du doch schon.
Florian Bayer: Haben ja letztes Mal schon gesagt. Wir haben beide Filme das letzte Mal bei der Ankündigung genannt. Verdammt. Wenn ihr wissen wollt, was ich nächste Woche für Johannes habe. Johannes weiß es schon. Bleibt kurz dran. Dann werden wir das noch einmal ganz kurz sagen, was nächste Woche drankommt. Die Girls' Night geht weiter.
Johannes Franke: Und dann sehen wir uns, hören wir uns nächste Woche. Bis dahin. Bis dann. Ciao. Ciao.
Florian Bayer: So, dann erzähl doch mal, was hast du für mich. Ginger and Rosa, um es kurz zu fassen. Ein Film von Sally Potter, von der Zeit, gar nicht so weit weg von unserem Film jetzt, von Pitch Perfect, aus dem Jahr 2012. Und ein Kontrastprogramm, weil Girls' Night kann natürlich Eskapismus sein, aber auch Filme mit weiblichen Themen und wo es wirklich starke Protagonistinnen gibt und vielleicht ein bisschen mehr die ernstere Seite der Girls' Night. Inklusive Empowerment. Also ich bin gespannt.
Johannes Franke: Also ich hoffe, er bleibt trotzdem beim Girls' Night, weil das ist schon wichtig. Aber Empowerment ist ja genauso Girls' Night. Ja. Sehr schön.
Florian Bayer: Okay. Bis dann. Bis dann. Tschüss. None|Bis dann.
