Episode 134: Ziemlich beste Freunde – Der französische Kassenschlager des 21. Jahrhunderts
Üblicherweise läuft es ja bei uns folgendermaßen: Der eine schlägt dem anderen einen Film vor, über den er voll des Lobes ist, und bangt dann dem jeweiligen Gespräch entgegen, in der Hoffnung, dass sein Must-see nicht zerrissen und vielleicht sogar richtig gemocht wird. Warum es im Falle der französischen 2011er Hitkomödie etwas anders gekommen ist, könnt ihr in dieser Episode nachhören.
Wir sprechen über den großen Kassenschlager, über Realismus und Romantik im Kino, sowie die Darstellung von schwarzen und behinderten Menschen im Film.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 134: Ziemlich beste Freunde – Der französische Kassenschlager des 21. Jahrhunderts Publishing Date: 2023-07-26T08:03:39+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/07/26/episode-134-ziemlich-beste-freunde-der-franzoesische-kassenschlager-des-21-jahrhunderts/
Johannes Franke: sich hingeführt hat.
Florian Bayer: Johannes, du hast den Fünf vorgeschlagen, jetzt hör auf, du musst den jetzt verteidigen.
Johannes Franke: Ich fühle mich so schmutzig, dass ich diese Filme so guter Erinnerung und so kontrovers oder sowas, was auch immer in meinem Kopf war, Und dann gucke ich diesen Film und habe Spaß natürlich und freue mich über viele Sachen. Aber am Ende denke ich, Fader Tee, irgendwie war hier nichts dran. Ja, Blau, bist du bereit? Bist du endlich bereit für diese Episode?
Florian Bayer: Ich bin voll bereit, Johannes. Laufen wir schon?
Johannes Franke: Wir laufen schon.
Florian Bayer: Hervorragend.
Johannes Franke: Herzlich willkommen, liebe Zuhörenden, zu einer neuen Episode des Muss-Man-Sehen-Podcasts.
Florian Bayer: Yeah, wo wir uns... gegenseitig Filme zu werfen. Wir haben es schon lange nicht mehr gemacht, dass wir erklären, was wir hier überhaupt machen.
Johannes Franke: Ja, was machen wir hier eigentlich? Ich verstehe es gar nicht.
Florian Bayer: Also es gibt Hausaufgaben. Einmal in der Woche stellt einer dem anderen eine Hausaufgabe in Form eines Films. Und die Woche drauf reden wir dann darüber. Das heißt, ihr habt auch eine Woche Zeit, euch den Film anzugucken. Und im besten Fall entsteht dann eine spannende Diskussion, weil unser Filmgeschmack ja doch manchmal ein bisschen auseinander geht.
Johannes Franke: Ja, das haben wir gerade letzte Woche bemerkt. Ich hoffe, dass es diese Woche ein bisschen... Werden.
Florian Bayer: wir sehen. Oh, du guckst schon so. Diese Woche hat Johannes mir nämlich eine Hausaufgabe aufgegeben und zwar ziemlich beste Freunde, ein
Johannes Franke: Film, der eingeschlagen ist wie eine Bombe aus Frankreich, 2011 erschienen, von den Regisseuren Olivier Nac... Ich kann kein Französisch, Frau, das musst du machen.
Florian Bayer: Olivier Nakash, würde ich sagen, und Eric Toledano.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Ja, genau.
Florian Bayer: Klingt französisch, wenn ich so ausspreche. Ich habe keine Ahnung, ob es richtig ist. Toldano vielleicht auch, weil das E keinen Axon hat. Keine Ahnung. Im Gegensatz zum E von Erik. Das, was Plur sagt. Ja, ein Film, der voll eingeschlagen ist. Ich kann mich erinnern, ich habe den Film bis jetzt nicht gesehen. in dieser Hausaufgabe zum ersten Mal geguckt. Ich kann mich aber erinnern, dass die Plakate überall hingen, als dieser Film im Kino lief.
Johannes Franke: Es ist der Hammer. Und das war nicht nur in Deutschland so. Dieser Film hat in wahnsinnig vielen Ländern den erfolgreichsten französischen Film abgelöst und hat ihn ganz lange dominiert, die Liste.
Florian Bayer: Deutschland ist das bis heute, ne?
Johannes Franke: Bis heute, meine Güte.
Florian Bayer: Er war der erfolgreichste Film im Jahr 2012 und er ist bis zum heutigen Tag der erfolgreichste französische Film in der deutschen Kino.
Johannes Franke: Meine Güte. Also damals bis zum Jahr 2013, da wurde diese Statistik aufgestellt, was danach passiert. Das weiß ich nicht ganz genau, aber war er in Deutschland, in Spanien, in Italien, in den Niederlanden, in der Schweiz, Österreich, Israel, Dänemark. Island, Estland, Südkorea, Mexiko, Brasilien, Kolumbien, Venezuela, Peru, Hongkong, Neuseeland und Norwegen. Der erfolgreichste französische Film aller Zeiten.
Florian Bayer: Alter. Und er wurde oft geremaked. Er hat ein amerikanisches Remake gekriegt. Hast du eins von den Remakes gesehen? Nein, hab ich nicht gesehen. Das ist amerikanisch am ehesten wahrscheinlich. Das hat ziemlich gemischte Kritiken gekriegt aus dem Jahr 2017 mit Bryan Cranston und Kevin Hart.
Johannes Franke: Also eigentlich etwas, was nach Erfolg klingen könnte. Aber irgendwie müssen sie wirklich daneben gehauen haben. Das hat so viel Bashing abbekommen, dieser Film.
Florian Bayer: Also nachdem ich jetzt den Französchen gesehen habe, fällt es mir wirklich schwer, mir Kevin Hart in der Rolle des Protagonisten vorzustellen. Kevin Hart ist nicht das, was Triss in dem französischen Film ist. Triss ist ein großer Typ, der auch einschüchternd wirkt und der eine physische Präsenz hat. Und ich meine, Kevin Hart ist witzig, aber Kevin Hart ist jetzt nicht sonderlich groß.
Johannes Franke: Niemand, den man so ernst nehmen kann.
Florian Bayer: Man hat auch nicht so eine einschüchternde Präsenz, die zu der Rolle ja irgendwie auch dazugehört.
Johannes Franke: Aber wer weiß, wer weiß, vielleicht ist er doch ein besserer Schauspieler, als ich denke, und er schafft diese Präsenz trotzdem irgendwie herzustellen. Weil es ist ja tatsächlich so. Was überrascht? als kleiner Schauspieler sowas herstellen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht spielt das ja auch eigentlich anders. Vielleicht haben sie ja der Geschichte auch andere Seiten abgewonnen als der französische Film. Ich bin ganz froh, dass es kein deutsches Remake gab. Das machen die Deutschen ja auch ganz gerne. Es gab ja diesen einen Film.
Johannes Franke: Christoph Maria Herbst hätte garantiert den im Rollstuhl gespielt.
Florian Bayer: Das klingt schon fiesig. Oh, bitte.
Johannes Franke: Und, und wer wäre der gewesen?
Florian Bayer: Jetzt sind wir ein schwarzen Schauspieler in Deutschland, der immer das Spiel
Johannes Franke: Es muss ja kein Schwarzer sein, wie wir vom Hintergrund wissen.
Florian Bayer: Ja, genau, stimmt.
Johannes Franke: Es könnte Kayayana gewesen sein.
Florian Bayer: Alter, das ist hart.
Johannes Franke: Okay, das Spielchen müssen wir noch später weiter spielen.
Florian Bayer: Lass uns mal überlegen, das schlimmste Remake, das man sich in Deutschland vorstellen könnte von diesem Film.
Johannes Franke: Oh mein Gott. Komm, aber mit Christoph Maria Hebs und Kajana bin ich schon nicht schlecht.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube auch in Deutschland, also du nimmst auf jeden Fall einen Araber, arabisch gelesenen Menschen.
Johannes Franke: Ja, aber Kaya Yanar wird mehr Indisch gelesen, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, okay.
Johannes Franke: Oder türkisch?
Florian Bayer: Ich hätte jetzt türkisch gesagt. Im Laufe dieser Episode überlege ich mir nochmal, welche Darsteller, und es gibt nicht viele in Deutschland.
Johannes Franke: Es gibt jedenfalls auch eine indische Fassung und es gibt auch eine argentinische Fassung.
Florian Bayer: Und Gott sei Dank keine deutsche.
Johannes Franke: Ja, was macht diesen Film so crazy? Lassen wir kurz wenigstens zusammenfassen für diejenigen da draußen, die den Film nicht gesehen haben. Worum geht es? Es gibt eine Vorlage, es gibt also sozusagen eine echte Geschichte, an der sich das entlanghangelt, die wirklich passiert ist. Da hat jemand ein Buch geschrieben, einer der beiden Beteiligten. Und der andere hat auch ein Buch geschrieben. Aus seiner Sicht sehr erfolgreiche Bücher. Die Geschichte ist folgende. Ein sehr reicher Mensch... der für Moëte Jourdan gearbeitet hat und Pomeroy, fällt vom Himmel und ist seitdem vom dritten Halswirbel ab einfach gelähmt. Das erzählt der Film nicht, aber das kriegen wir dann irgendwann erzählt. Der Film setzt ein, als dieser Mensch wieder eine neue Hilfe braucht. Einen Menschen, der ihn durchs Leben begleitet und Dinge für ihn tut, die er nicht mehr machen kann. Und da treffen wir auf Driss. Driss ist Schwarzer aus einem Milieu, das erzählt werden soll. das arm ist und von Kriminalität teilweise lebt.
Florian Bayer: Er kommt aus dem Gefängnis.
Johannes Franke: Er kommt aus dem Gefängnis. Ja, der will den Job eigentlich nicht, braucht nur eine Unterschrift fürs Arbeitsamt, bekommt den Job dann aber und nimmt ihn, weil er... keinen Platz mehr zu Hause hat und irgendwo was braucht, wo er wohnen kann. Und die beiden... kommen irgendwie zusammen und es entwickelt sich eine Freundschaft, die über das professionelle Zusammenarbeiten aus Hilfe Nehmenden und Hilfe Gebenden hinausgeht. Und daran angelt sich der Film entlang und zeigt Episoden aus dem Leben dieser beiden. Und ganz am Ende kriegen wir dann noch die beiden Vorlagen präsentiert mit einer kleinen Einblendung. In 50 Sekunden sehen wir dann, wer tatsächlich diese beiden Personen sind.
Florian Bayer: Posso di Borgo ist der Querschnittsgelähmte, der vor kurzem, es ist wirklich einfach ein Zufall, wir wussten, als Johannes den Film vorgeschlagen hat, hat er noch gelebt. Noch lebendig. Er ist vor einer, zwei Wochen ... Erst am 1. Juni ist er gestorben. Und ich habe in der Recherche gesehen, huch, der ist jetzt gestoppt. Was für ein Zufall, weil es war auch nicht groß in der Presse, ne?
Johannes Franke: Nee, nicht sehr groß. Aber ich fand's total krass und ich steckte genau in dem Moment so tief in der Recherche und hab auch ein... quasi Gefühle für diesen Menschen entwickelt, die man einfach so empathische Gefühle, die man entwickelt, weil man sich mit jemandem beschäftigt länger. Und dann lese ich diese Todesnachricht und ich denke, um Gottes Willen habe ich das gejinxt. Das ist meine Schuld.
Florian Bayer: Und Abdel Yasmin Selou heißt der Algerier, der in der Warenbegebenheit, auf der der Film basiert, sieht. sich um Philipp gekümmert hat. In der Verfilmung ist es kein Algerier, sondern ein Senegalese namens Tries. Der im Rollstuhl heißt aber nach wie vor Philipp.
Johannes Franke: Genau. Ich würde vorschlagen, dass wir uns jetzt nicht unbedingt direkt... Erstmal um die Vorlagen kümmern, wie wir das sonst immer machen, weil ich das Gefühl habe, dass wenn wir während des Films darüber reden, das gut einflechten können. Ohne, dass wir jetzt eine Zäsur machen müssen und sagen müssen, der war eigentlich so und das war eigentlich das. Das hängt wirklich sehr stark ineinander und ich habe das Gefühl, dass der Film sich tatsächlich sehr nah an dem entlanghangelt, was passiert ist. Naja, wenn ich nach dem gehe, was mir so in, es gibt so eine halbstündige Dokumentation nochmal darüber und so, wo sie ihn begleiten, also Philippe vor allem begleiten und dann Abdel. dazu kommt und mit ihm noch ein bisschen geredet wird. Die gucken sich auch den Film nochmal an und reflektieren darüber und sagen ziemlich oft, Ja, das war genau so. Vielleicht ein bisschen überspitzt, aber im Wesentlichen war es so.
Florian Bayer: Hast du so konkret? Makete 10, also zu denen sie das sagen?
Johannes Franke: Diese Autojagd mit der Polizei zum Beispiel, das haben sie tatsächlich gemacht und er hat tatsächlich vorgetäuscht. Er meinte in der Dokumentation, ich habe nie gesabbert. Das war sehr, also das habe ich nicht gemacht, das fand ich ekelhaft, aber wir haben tatsächlich diese Autofahrten.
Florian Bayer: Ist ja das, womit unser Film einsteigt. Wir haben diese Autofahrt von den beiden und die Polizei verfolgt sie und sie witzeln dann ein bisschen und dann beschließen sie halt einmal, die Polizei zu foppen, indem sie sagen ... Philipp, der hatte einen Anfall, wir müssen jetzt ins Krankenhaus und Tries gewinnt noch ein bisschen Geld, indem er drauf wette, dass sie ihm eine Eskorte machen.
Johannes Franke: Und das ist tatsächlich passiert anscheinend. Ah ja. Und auch diese Sache mit dem Falschparken. Man muss dazu sagen, dass auch Abdel eigentlich die ganze Zeit falsch geparkt hat. Dass er eigentlich derjenige war, der so viel, aber er war sehr impulsiv und gewalttätig auch. Und ich habe das Gefühl, dass der Film das ein bisschen abschwächt, aber da kommen wir auch gleich noch dazu. Wir können ja mal gucken, wie die Figuren sich so etablieren und wie der Film uns das erzählt.
Florian Bayer: Also wir haben einen Triest, der tatsächlich unser Protagonist ist. Also was ich erstmal eine coole Entscheidung finde, ist bei so einem Film, ist es ja meistens so, dass entweder... sehr auktoriale Perspektive gewählt wird oder man kann es nicht anders sagen, der Weiße wird eher als Identifikationsfigur Aber wir haben hier Triess tendenziell eher als der, dessen Perspektive gezeigt wird. Wir folgen Triess auch. Wir sehen ihn am Anfang bei diesem Bewerbungsgespräch und dann bleiben wir nicht bei Philipp, obwohl er... Vermeintlich vielleicht auch mit seiner Querschnittslähmung und mit seiner etwas zynischen Art vielleicht der spannende Charakter. sondern wir verfolgen Tries und erleben erst mal, wie er lebt und was er gemacht hat, bevor er da gelandet ist, wo er jetzt war.
Johannes Franke: Wie findest du das denn erzählt? Seine Herkunft und sein Milieu?
Florian Bayer: Finde ich okay. Also es ist halt... Es gibt sowas Grundsätzliches, was ich über den Film denke. Jetzt gehe ich schon sehr ins Urteil.
Johannes Franke: Ja, mach mal, mach mal, mach mal. Komm, gib's mir.
Florian Bayer: Das ist am Anfang noch nicht so ersichtlich. Ich hatte am Anfang, nachdem die Verfolgungsjagd gezeigt wurde, das fand ich voll witzig, hatte ich voll Spaß, fand ich super unterhaltsam. Und dann kommen so die ersten Klischees rein, wenn Tries sich bewirbt und wenn Tries auftritt. Und dann zieht sich das durch. Doch ziemlich durch den Film, dass immer wenn Handlung erzählt wird und immer wenn Entwicklung von den Personen erzählt wird, dass halt schon sehr viele Klischees drin sind. Bis zu dem Punkt, wo du das Gefühl hast, du siehst keine echte Handlung, sondern du siehst irgendwie so Abziehbilder.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Die auch eine gewisse, was erzählen sollen in dieser Funktion, die sie haben. aber die so sehr auf die Funktion reduziert sind, dass mich die emotionalen Momente emotional nicht wirklich catchen können. Weil es dafür einfach zu sehr dieses Klischeehafte ist. Zu sehr diese Figuren, die sich da bewegen. Und das betrifft sowohl Thrice als auch Philipp bis zu dem Punkt, wo ich gedacht habe, okay, geil, der Film hat es geschafft, Zweigliches zu vereinen. Er hat einmal den White Angel, Einmal den White Xavier und den Black Angel. Der Black Angel, der nur dazu dient, dem Weißen zu helfen, wieder zu leben. Und dann gleichzeitig der White Xavier. Der zeigt, hey, die unkultivierten Schwarzen, die schaffen das ohne mich nicht. Aber ich führe sie heran an die Welt der Kunst und der Kultur.
Johannes Franke: Ich meine, es ist ja auch das erklärte Ziel des Films, dass die sich gegenseitig retten.
Florian Bayer: Es ist das erklärte Film, dass die sich gegenseitig retten, aber es ist halt schon so, es sind sehr viele Klischees, mit denen das erzählt wird. Sehr, sehr viele Klischees. Und bis zu dem Punkt, wo ich denke, oh, es ist zu viel.
Johannes Franke: Ich will das nicht mehr aufdrehen. Ich hatte viel mehr in Erinnerung, dass der Schwarze eben in dieses Milieu hineinkommt und da irgendwie... was lernt, okay, ist auch im Film drin, aber dass Philippe eigentlich seinen Rassismus überwinden muss. Aber es ist ja überhaupt nicht so.
Florian Bayer: Nein, nein, überhaupt nicht. Philipp ist auch ...
Johannes Franke: Verdammte Scheiße.
Florian Bayer: Philipp ist Triss gegenüber deutlich offener als Triss Philipp gegenüber. Philipp ist der, der ihn reinholt, der ihm die Chance gibt. Und ich finde es tatsächlich nicht verkehrt, dass der Film Rassismus nicht so groß thematisiert wird. Finde ich gar nicht so schlimm.
Johannes Franke: Ja, wenn er denn wenigstens ein paar andere Probleme hätte. Aber er hat ja gar keine echten Probleme.
Florian Bayer: Das ist so ein bisschen das Ding. Der Film ist in seinen emotionalen, sentimentalen Momenten die Gott sei Dank nicht so viel sind, scheitert er, weil er einfach, weil er schafft es mir nicht, eine emotionale Bindung zu den Figuren zu geben, weil sie halt einfach zu sehr reißbrett sind und weil alles auch so ein bisschen an der Oberfläche bleibt.
Johannes Franke: Es soll zu sehr Spaß machen, oder?
Florian Bayer: Was halt der zweite Punkt ist. Ich war überrascht. Ich habe was anderes erwartet. Das ist erstmal so ein grundsätzliches Ding. Ich habe eine Tragikomödie erwartet. Ich habe erwartet, dass es mehr Konflikte gibt, dass es mehr... mehr gesellschaftliche Aushandlungen gibt. Und dass das einfach Sachen gezeigt werden, die irgendwie emotional mitreißen und die... die das tragisch machen und ich hab damit gerechnet, dass das sehr sentimental wird. Und der Film ist dann doch relativ viel auch einfach eine Aneinanderreihung von witzigen Episoden.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Von denen einige super witzig sind, von denen andere unglaublich redundant sind. Also nach dem dritten Mal, ich mach das nicht, Schnitt, er macht es, dachte ich, okay, ich kann es jetzt nicht mehr sehen.
Johannes Franke: Jetzt ist es ausgelutscht.
Florian Bayer: Auch wenn das Timing gut war.
Johannes Franke: Ja, das ist total krass, weil meine Erinnerung an den Film total vorbeigeht an das, was ich jetzt gesehen habe. Es ist so traurig. Deswegen sage ich das mit dem Rassismus, den ich eigentlich im Kopf hatte, der überhaupt nicht mehr stattfindet. Und so viel mehr, ich habe auch genau wie du gedacht, wo ist dann die ganze Tragik hin, die ich in Erinnerung habe?
Florian Bayer: Es gibt keine große Tragik in diesem Film.
Johannes Franke: Das ist so seltsam, weil der Film das natürlich eigentlich braucht. Also ich meine das Thema, wenn du dieses Thema auf dem Papier liest... Denkst du dir, du musst da eine Tragikomödie machen und nicht nur eine pure Spaßhaben-Komödie, wo man so ein bisschen... kleine Sprenkel von sozialer Kritik drin sind, aber nur so ein bisschen, also wirklich ganz versteckt.
Florian Bayer: Es gibt drei Tragikpfeiler aus. Das ist zum einen diese Liturgie, in der Philipp so ein bisschen ist, dadurch, dass er zum Beispiel sich nicht mit der Frau treffen will, die er Briefe schreibt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dann das zweite, die familiären Probleme, die Tries hat. Und dann das dritte, was eigentlich so ein bisschen daraus resultiert, dass es den Trennungsmoment gibt.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Das ist was Gutes, es ist subtil gemacht, vor allem die Trennung, weil es gibt nicht das Missverständnis. Jeder dieser Filme hat so ein scheiß Missverständnis. Das ist ein glaubwürdiges, hey, jetzt muss ich um seine Sachen kümmern und jetzt sind wir erstmal auseinander. Obwohl auch...
Johannes Franke: diese Szene wirklich nicht gut funktioniert, finde ich.
Florian Bayer: Ich fand es halt gut, dass sie kein... Ich war so dankbar, dass sie in dem Moment kein Missverständnis hatten. Ja, das stimmt. Es hätte so einfach sein können, dass irgendjemand gegen Tries intrigiert. Irgendwas... Irgendwas passiert, wo dann Philipp denkt, er hätte noch mal was geklaut. Und Tries sagt, nein, ich hab's nicht geklaut. Großer Streit und so weiter. Und das machen sie nicht. Ich bin sehr dankbar dafür. Aber ja, die sentimentalen Momente funktionieren einfach nicht gut. Die sind einfach nicht überzeugend, was halt daran liegt, dass ich zumindest die ganze Zeit das Gefühl habe, ich habe hier Figuren... die wie auf so einem Schachbrett bewegt werden, wie sie am besten und immer mit dem Ziel, dann in diesen Momenten die Emotionen nachzufangen. nachdem sie davor die Lacher gefangen haben. Das reicht nicht, um deine Emotionen zu fangen.
Johannes Franke: Und das Krasse daran ist, ich finde den Film trotzdem noch sehr unterhaltsam und freue mich, diesen Film gesehen zu haben. Warum? was ich an anderen Filmen... Wenn ich mit dir über Filme rede und einen Kritikpunkt habe, den du vielleicht nicht verstehen kannst, sind genau diese Dinge, die ich diesem Film wiederum... Auch geben würde, aber irgendwie den Film trotzdem unterhaltsam und lustig.
Florian Bayer: Naja, das ist so der Idee.
Johannes Franke: Mir tut halt nicht weh, ne?
Florian Bayer: Ja, das ist so das Irre an der Filmrezeption. Sehr viele Sachen finden, die dich am Film stören. Und trotzdem kannst du sagen, das Gesamtpaket ist einfach unterhaltsam. Und ich verstehe den Punkt, weil der Film hat ja diese episodische Struktur und deswegen passiert ja ständig was Lustiges. Und es gibt sehr viele gute Witze in diesem Film. Wir haben wirklich witzige, wenn sie kiffen und sich über Sex unterhalten und Kuchen essen, dann ist das einfach witzig, dann ist das einfach unterhaltsam. Oder wenn wir diese Montage haben, wo er mit Tee herum experimentiert, ob Philipp wirklich nichts spürt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Oder wo Trist ihm die Ohrmassage mit den Prostituierten gibt. Das sind einfach witzige Szenen. Das sind amüsante Szenen, das sind viel Gutszenen. Und die unterhalten einen ... Ich habe halt das Problem, dass ich dann am Schluss trotzdem denke, das war aber alles dünn und das war alles substanzlos und das war so eine witzige Szene nach der anderen und Gott sei Dank mehr witzige Szene als sentimentale. Aber halt trotzdem, das ist so wenig.
Johannes Franke: Weißt du, es geht so weit, dass in den USA von vielen Kritikern der Film auseinandergenommen wurde. Und als rassistisch und beschämend beschrieben wurde. Dass der Film katastrophal herablassend sei, weil der schwarze Mann, der Plump ... Aber sexy, großartiger Tänzer, es befreit den weißen Mann.
Florian Bayer: Absolut, jeden Punkt kann man sehen in dem Film.
Johannes Franke: Und ich glaube, dass der Film eben darin schuldig ist, dass er vielleicht die Geschichte so hätte erzählen können, aber wenn er ihm mehr Tiefe gegeben hätte... um den Rassismus unter dieses Plumpe herum hätte kommen können. Genau mit der gleichen Story.
Florian Bayer: Ich glaube, das Ding ist dadurch, dass er so sehr seicht ist, so sehr an der Oberfläche ist, empört mich dieser Rassismus nicht sonderlich, sondern ich Wir sehen den Rassismus einfach als Teil eines Klischee-Rahmens, in dem der Film stattfindet. Es ist halt krass, dass der Film von 2011 ist. Es gibt sehr viele Filme dieser Art. Mit White Xavier, mit Black Angel. Mit diesen Rollenbildern und 2011 kann man vielleicht schon ein bisschen mehr erwarten.
Johannes Franke: Ja, das denke ich absolut.
Florian Bayer: Und andererseits ist diese Art, wie das inszeniert ist, macht mir natürlich total erklärbar, warum der Film so erfolgt. Ja, natürlich. Wenn wir einen Film über einen Behinderten sehen wollen und über einen Schwarzen, dann wollen wir unseren Behinderten gefälligst selbstironisch haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir wollen mehrmals von unserem Behinderten hören, dass er kein Mitleid will und wir wollen mehrmals von ihm hören, dass das witzig ist, wenn ihm der Bart rasiert wird, sodass er aussieht wie Hitler und er sich nicht wehren kann. Das wollen wir sehen. Das fühlt sich gut an. Ich finde die Szene. Natürlich war es eine witzige, uns diese Szene. Und wenn wir unseren Schwarzen sehen, dann wollen wir natürlich, dass er Funk hört, auch wenn er so ein Schwarzer in den 2000er Jahren ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Und wir wollen, dass er ein Verbrecher ist, aber ein gutes Herz hat. Und dass er eine gewisse ruppige Art hat, die aber nie zu bedrohlich wird.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es ist halt alles so auf dem Tablett serviert, wie es für uns angenehm ist. So viel gut im maximalen Sinne.
Johannes Franke: Und ich fühle mich während des Films Wir gucken es nicht so oft, aber durchaus manchmal, wenn ich dann doch dazu komme, weil der Film ja wirklich hat ein Pacing, was mir kaum Zeit gibt nachzudenken, aber wenn ich dazu komme, fühle ich mich dann doch auch echt manipuliert, weil er wirklich viel von einem ins nächste mich hineinziehen will. Man merkt so richtig, auf welche Drüse er gerade drücken will, ob das die Tränendrüse ist oder die Lachmuskeln oder wo er hin will. Der drückt so sehr auf dieses Feel-Good-Ding.
Florian Bayer: Ich glaube, ich hätte den Film schlechter gefunden, wenn er mehr auf die Tränendrüse gedrückt hätte. Das ist das, was den Film so partiell für mich einfach gerettet hat. dass er es nicht so krass mit der Tränendrüse versucht. Weil mit diesen witzigen Episoden... Da tut es so wenig weh. Also da fühle ich mich manipuliert, aber da ist halt jede Comedy-Show irgendwie manipulierend. Jede Point ist im Prinzip eine Manipulation, weil es in der Geschichte einen Twist gibt. der dich zum Lachen bringen soll. Und dieser Film ist halt so von Pointe zu Pointe. Und dann haben wir den Opernbesuch, der witzig ist.
Johannes Franke: Der witzig ist.
Florian Bayer: Das ist einfach genau. Es passieren Sachen, die witzig sind.
Johannes Franke: Aber weißt du was? Das große Problem daran ist, dass dadurch keine echten Charaktere entstehen können.
Florian Bayer: Nein, ja.
Johannes Franke: Weil du wirklich, die kommen da rein, um ein Setup für eine Punchline zu bringen. Ja. Um es zu verkürzen, es stimmt nicht ganz, aber verkürzt dargestellt ist es das. Die kommen in eine Szene rein, um auf eine bestimmte Punchline hinauszukommen. Und in der Oper ist es zwar witzig, aber ich sehe keine echte Person, die wirklich Schwierigkeiten hat, so eine... vierstündige Oper durchzuhalten. Der hat einfach Spaß daran, sich darüber lustig zu machen, aber es kommt nicht von einem echten Gefühl.
Florian Bayer: Und es ist halt auch alles so, es ist so erwartbar. Humor lebt ja auch davon, dass er dich überrascht. Und dass Tries in Gelächter ausbricht, wenn er den Opernsänger sieht, der dieses Blätterkostüm trägt. Es ist nicht überraschend.
Johannes Franke: Nein, überhaupt nicht. Das ist absolut erwartbar.
Florian Bayer: wenn Philipp vor diesem Bild sitzt, irgendwann fragt, was kostet das? Und Philipp sagt so und so viel und Tries sagt, war es so teuer? Das ist nicht überraschend.
Johannes Franke: Überhaupt nicht, nee. Also es ist im Grunde, hast du deine Sachen, die du abarbeiten willst als Filmemacher und sagst dir, ja die Situation gibt so viel her, also die, die, die, die und die Situation. Und dann wird aber nicht weitergedacht. Also dann hast du einmal das alles auf das Whiteboard draufgeschrieben, was du als Writers Room oder so hast. Ja. Und niemand hat über eine Idee nochmal nachgedacht. So vom Gefühl her, weißt du?
Florian Bayer: Ich glaube, der schlimmste Manipulationsmoment war für mich, wenn wir gerade bei der Kunst und der Oper waren, wenn Dries sich dann als Fahrer bewirbt. Und dann hängt das Dali-Bild bei der Personalerin. Ah, der ist so platt gemacht. Und dann trießt ist ein besserer Mensch geworden. Er kann über Kunst reden und deswegen kriegt er auch den Job.
Johannes Franke: Ganz toll.
Florian Bayer: Und das war... Das hat sich wirklich so ein bisschen schmutzig angefühlt.
Johannes Franke: Wirklich, ja, weil nichts da wirklich hingeführt hat.
Florian Bayer: Johannes, du hast den Film vorgeschlagen. Hör auf, wieso musst du den verteidigen?
Johannes Franke: Ich fühle mich so schmutzig, dass ich diese Filme so guter Erinnerung und so als so kontrovers oder sowas, was auch immer in meinem Kopf war. Und dann gucke ich diesen Film und habe Spaß natürlich und freue mich über viele Sachen. Aber am Ende denke ich, Fader Tee, irgendwie war ja nichts dran.
Florian Bayer: Wann hast du den Film denn gesehen? Weißt du das noch?
Johannes Franke: Als er rausgekommen ist.
Florian Bayer: Im Kino?
Johannes Franke: Das weiß ich nicht mehr.
Florian Bayer: Das ist natürlich auch zwölf Jahre her, dass du den Film gesehen hast.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Damals warst du nicht mal 30.
Johannes Franke: Ich war nicht... Ja, Leute, ich war jung und ungebildet. Das tut mir sehr leid. Das ist schlechte Ausrede. Nein, mit Ende 20 kann man das auch verstehen.
Florian Bayer: Aber vielleicht ist die Zeit auch eine andere gewesen. Diese einzelnen witzigen Episoden begeistern ja auch.
Johannes Franke: Ja, das ist das Krasse daran.
Florian Bayer: Es sind ja wirklich lustige Szenen. Also ich hab oft gelacht vorm Fernsehen.
Johannes Franke: Der Schauspieler ist so ursympathisch. Du hast so viel Spaß mit diesem Schauspieler. Der ist so schön. charmant, du willst alles von ihm wissen, du sagst, der kann dir eine Versicherung verkaufen, das funktioniert.
Florian Bayer: Der ist, ja, Und François Clizet als Philippe fand ich so ein bisschen ... Der hat halt die Rolle über die Witze von ... Ja, natürlich. Er macht halt auch nicht viel.
Johannes Franke: Er darf aber auch nicht viel machen. Das ist eine unlangbare Rolle für ihn, glaube ich. Was mich viel mehr stört, ist, dass es einfach gut aussehende Menschen sind. Das sind so Models, die sie da hinstellen. Also Models, die gut spielen können, natürlich, aber es ist so ...
Florian Bayer: Sinne auch, dass Modelle sind.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Modelle für ein spezifisches Menschenbild. ja auch folgen, wir sind ja, also, ne, dem wir so nicht folgen, nicht in dieser Klischeeform, aber zumindest ist der Gedanke gut, wir wollen irgendwie Grenzen einreißen, wir wollen, aber es Wenn ich es schon sage, merke ich schon wieder, wie flach das klingt. Das ist so seicht. Das ist halt so die Pop-Version von Antirassismus und Multikulturalismus. Ich mochte Yvonne. Yvonne war eine Figur, die über das Rollen klischeehaft hinausgeht, die Hausdame. Mit der trieft sich dann auch relativ anfreund und ihr dann immer mal sagt, hey, da mit dem Gärtner willst
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die war witzig.
Johannes Franke: Das stimmt. Aber die hat so wenig Screentime bekommen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht ... Deswegen ist sie vielleicht auch nie ins Klischee abgerutscht. Cool war so ein bisschen Misstrauen am Anfang gegen Dries, aber auch nicht so. wenig und dann irgendwie freunden sie sich an und es entsteht eine wirklich glaubwürdige Freundschaft zwischen den beiden, die nicht so draufgedrückt ist wie die Freundschaft zwischen Tries und Philipp. Jetzt haben wir uns total da rein manövriert. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Also auf der Haben-Seite hat der Film, dass 5% des Filmgewinns an eine Society ging, Simon of Seren oder wie sie heißt. Ich kann es nicht aussprechen. Society, die behinderten Menschen, also Menschen mit Behinderungen hilft.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist doch schön. Eine Million, glaube ich, ging inzwischen dorthin.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Voll gut.
Johannes Franke: Das hat der Film geschafft.
Florian Bayer: Und gerade deswegen fühlt sich der Film noch mehr wie so eine Wohltätigkeitsveranstaltung an, wo Sekt geschlürft wird und Trüffel gegessen.
Johannes Franke: Und nicht wirklich Problem mit diskutiert werden, sondern einfach so auf der Oberfläche. Ja, wir müssen ja mal was machen. Ach fuck, es tut mir so leid. Der Film hat wirklich viel zu bieten auf der komediantischen Seite, wenn er nicht so Themen hätte, die einem sagen, die ganze Zeit, jetzt kümmere dich doch mal um die Themen, die da drin stecken.
Florian Bayer: Leute, das ist wirklich eine schräge Episode. Das hatten wir bis jetzt noch nicht, oder? Dass ein Film vorgeschlagen wird und aus der Erinnerung heraus offensichtlich.
Johannes Franke: Ja. Und es gibt wirklich tolle Szenen.
Florian Bayer: Es gibt Shampoo gegen Fußcreme eingetauscht.
Johannes Franke: Okay, eine super Slapstick-Szene, die ich Mel Brooks oder so geben würde.
Florian Bayer: Die Ohrenmassage, wenn Dries gegangen ist und der Ohrenmasseur kommt und Philippe total frustriert sich den Typen anguckt und sagt, nein, nein, weg. Und der noch so ganz verzweifelt fragt, hab ich was falsch gemacht? Wirklich wie eine Liebhaberin, die jetzt weggescheucht wird.
Johannes Franke: Ja. Was ich ganz nett finde, ist die Nachtszene. Das erste Mal, wenn sie im Restaurant sitzen und sich wirklich viel unterhalten.
Florian Bayer: Wenn sie gekifft haben.
Johannes Franke: Wenn sie gekifft haben.
Florian Bayer: Ja, das ist, und dann gibt's ja auch den, dann gibt's einen der wenigen glaubwürdigen Momente, wo es von Humor zu ernst wächst. Genau. Wenn er von seinem Unfall erzählt.
Johannes Franke: Und von seiner Frau und so. Ja. Und das ist wirklich was, wo ich das erste Mal drinstecke in den Leuten und wirklich mitgehe und das Gefühl habe, okay, wir sind hier an was... an was Wahrhaftigem dran. Aber das wird natürlich wieder eingerissen irgendwann. Der Film geht ja auch weiter. Aber es ist eine gute Szene.
Florian Bayer: Das mit dem Wahrhaftigen trifft es ganz gut. Der Film wirkt öfter mal ein bisschen unehrlich. Und dass das echt ein hartes Urteil für mich weiß. Aber es... Ja, ich würde mir mehr Wahrhaftigkeit wünschen und das würde wahrscheinlich klappen, wenn es ein bisschen weniger auf diese Pointen abziehen würde und in dieser Szene macht er das, in dieser Szene funktioniert das. Du siehst es offensichtlich anders. Ich fand auch die Verabschiedungsziele ... zwischen den beiden gut, weil es eben einfach, weil sie eigentlich hier vermieden haben, mit dem ich voll gerechnet habe, eben dieses Missverständnis mit dem Streit und so, sondern einfach, sie verabschieden sich wie zwei Leute voneinander, die sich immer noch verstehen. Und das ...
Johannes Franke: Es fehlen nur zwei Sätze. Es fehlen nur zwei Sätze oder sowas in dieser Szene, die mir erklären, warum drehst du nicht nochmal einfach... das ganz normale Arbeitsleben und sein Privatleben haben kann. Warum muss er jetzt wegen des Privatlebens aus diesem Job raus?
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Was soll das? Ich meine, muss er in jedem anderen Job auch?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Heißt das, dass er keinen Job haben kann, weil er einen Bruder hat oder was?
Florian Bayer: Er darf halt nicht mehr in diesem Haus wohnen, weil er muss mit seinem... War es sein Neffe?
Johannes Franke: Cousin.
Florian Bayer: Es war der Sohn von seiner Tante, oder?
Johannes Franke: Genau, der Sohn von seiner Tante. Das ist sein Cousin. Genau. Es erklärt sich mir nicht, was soll das? Das heißt, es bräuchte da schon noch eine kleine Motivation für. Und es ist in dieser Szene ja in drei Sätzen abgehandelt, dass er sagt, du solltest nicht dein Leben lang einen behinderten Menschen in die Gegend rumschieben. was der schlechteste Grund ist.
Florian Bayer: Oh ja, stimmt. Es sind manchmal genau, wenn sie versuchen, was mit Substanz zu sagen, dann sind es immer so Sets, die so ein bisschen... daneben hauen, aber so zu dem Punkt, wo es halt schon so ein bisschen zieht. Ja, warum ist das
Johannes Franke: Das ist kein Grund. Das ist ein ganz normaler, sehr, sehr guter Job.
Florian Bayer: Es war auch... Und ich hab mir schon vorgenommen, ich will's eigentlich gar nicht in dieser Episode so stark machen, aber es war was, was dann halt auch aufgefallen ist. Es ist halt schon eine sehr spezifische Art von Humor, die gezeigt wird. Und das sind halt diese Witze über die Behinderung von Philipp.
Johannes Franke: Und
Florian Bayer: immer mit diesem und Philipp versteht das alles und Philipp hat da Spaß dran und findet das lustig. Bis zu dem Punkt, wo du halt irgendwann denkst, oh Leute, jetzt ist es aber mal genug. Ich hab verstanden, Philipp will kein Mitleid haben. Philipp findet es gut, wenn über ihn Witze gemacht werden. Philipp findet es gut, hat offensichtlich kein Problem damit, wenn Trees seine Unfähigkeit, sich zu bewegen, ausnutzt, um Witze auf seine Kosten zu machen. Es gibt den Punkt, wo man das vielleicht auch mal anders erzählen könnte, einfach nur, um eine Abwechslung dazu zu schaffen. Dass Philipp halt mal sagt, ey, fick dich, hör auf damit. Philipp ist so, das ist okay.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Also ich meine... Das gibt ja die ganze große Diskussion immer wieder auch von Menschen mit Behinderung, dass auch... zur Gleichberechtigung dazu gehört, dass auch sich über Menschen mit Behinderung lustig gemacht wird auf eine bestimmte Art und Weise, wie das eben auch über andere sich lustig gemacht wird. Es darf halt nicht von oben herab passieren, sondern es muss... wie man so schön sagt, ein liebendes Auge drinstecken und nicht nach unten treten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und sie geben halt sich selbst den Ausweg, dass Philipp die ganze Zeit sagt, ja, mach das. Aber die Ausrede funktioniert ja nicht einen Film lang.
Florian Bayer: Nee, vor allem nicht, wenn du es universalisierst. Du musst es gar nicht moralisch bewerten, sondern wenn es so ein Main-Concept ist von dem Humor, der hier gezeigt wird. Und dann halt auch wirklich, ich meine, Leute gehen aus dem Kino und denken, okay, so will ein Rollstuhlfahrer behandelt werden.
Johannes Franke: Oh Gott, das ist wirklich ein Problem, weil du natürlich etwas generalisierst und... Das mag sein, dass es in der Situation für die beiden in der Wirklichkeit, also die beiden, die es wirklich betrifft. vollkommen in Ordnung war und dass sie das auch zelebriert haben für sich. Aber dann kennst du genau diese beiden.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Und weißt nicht, wie der Rest der Welt das sieht oder wie der nächste... weiß ich nicht, wenn ich einem kleinen Wüchschen begegne und denke ich, oh, wir sind doch hier Best Friends und dann mache ich irgendwelche Witze. Funktioniert
Florian Bayer: Und dadurch, dass die Rollen so abziehbar sind, so Stereotype oder Archetypen meinetwegen, hat der Film halt die ganze Zeit dieses subtile Generalisieren mit drin irgendwie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil er präsentiert uns ja wirklich einen archetypischen Schwarzen aus dem Pariser Vorort.
Johannes Franke: Ja, total. Das ist halt auch so ein Abziehbild, was ich ... Was mir auch so präsentiert wird, dass ich es als Abziehbild präsentiert bekomme und nicht als wahrhaftige Geschichte. Und das tut mir schon weh, als ich diese ersten Bilder von Dres in seinem Milieu sehe. Wirklich, ich sitze davor und denke mir, irgendwie glaube ich es nicht. Woran hapert es denn? Was ist denn los? Das wird mir so als... so formelhaft erzählt und nicht aus der Wartigkeit raus oder nicht aus der Erfahrung heraus. Und es geht allen viel zu gut eigentlich.
Florian Bayer: Ja, der Film ist halt wirklich, es ist ein viel guter Movie. Und es ist der radikale Entwurf eines viel guter Movies. Es ist Das ist krass, dass ausgerechnet die Franzosen offensichtlich die Amis auf dem Feld schlagen, wo man denken würde, das beherrschen die Amerikaner am besten. Krass, ne? Es ist schon ein radikaler Feelgood-Movie. Ja. Und ... Natürlich ist das ein Grund, dass er so erfolgreich ist. Und das macht ihn halt so ... Naja, dadurch, dass er nicht bissig ist und dass er einfach nur ein gutes Gefühl evozieren will, fühlt man sich dreckig. Man ist ihm auf jeden Fall nicht die ganze Zeit böse, weil er ist einfach zu harmlos auch dafür. Er ist zu harmlos mit seinem Ziel. Er will gute Laune machen. Und er hat ja auch irgendwie das Herz am rechten Fleck. Er will ja das Richtige erzählen. Und dann kannst du ihm nicht böse sein, aber ich sitze dann halt doch davor und denke, wow, gibt mir Substanz, gibt mir ein bisschen Konflikt, die gibt mir ein bisschen mehr.
Johannes Franke: Die beiden Regisseure sind ja zu Philippe gegangen, dem echten, ähm, Und haben ihn lange überreden müssen. Aber die beiden sind so sympathisch.
Florian Bayer: Ja, so wirkt der Film auch.
Johannes Franke: Die sind so voller Energie und Freude und Spaß. dass er gesagt hat, ja, ist okay, komm, wir machen das. Er hat das jahrelang vorher abgelehnt, auch anderen gegenüber, die das machen wollten. Und das ist schon, das erzählt vielleicht auch, warum dieser Film so ist, wie er ist, harmlos. Und irgendwie einfach wie zwei Kinder, die spielen mit dem Thema.
Florian Bayer: Nakaccio und Toldano haben ja offensichtlich schon relativ viel zusammengearbeitet. Also wenn du dir anschaust, was die so seit den 90ern gemacht haben, sind da sehr viel Zusammenarbeiten. Und die sind wahrscheinlich auch gut eingespielt. Und ja, ich frag mich, wie viel ... Ich bin ja immer so, dass ich den Leuten nichts Böses unterstelle, wie viel Kalkül dahinter steckt. So zu sagen, wir inszenieren den Film so, um daraus einen riesigen Box-Office-Hit zu machen. Das ist er geworden. Er hat fast 500 Millionen eingespielt. Ich glaube, das Kalkül sehe ich nicht in dem Film. Ich glaube, das ist kein kalkulierter, böser Film, der Millionen machen will mit diesen Themen. sondern der steht voll hinter den Themen, der steht voll hinter der Art, wie er sich erzählt und hinter der Geschichte. hat dann aber einfach zu sehr diese ganzen Klischees verinnerlicht und schafft es einfach nicht, daraus zu springen.
Johannes Franke: Ja. Was hätte der Film denn, wenn wir die Originale anschauen, also Abdel und Philippe? Was hätte er denn nutzen können, um es besser zu machen? Weil die Sache ist die. Wenn du als Regisseur jetzt hier sitzt, könntest du vielleicht sagen, naja, aber das Leben war so von den beiden. Das war vollkommen in Ordnung für Philippe, dass Abdel auf diese Art und Weise mit ihm umgegangen ist. Das war überhaupt seine Rettung überhaupt erst. Was alles stimmt. Philippe hat das alles so formuliert. Philippe hat gesagt, er hatte kein Mitleid mit mir, er war respektlos, frech und hatte einen unglaublichen Sinn für Humor. Und plötzlich stellte ich fest, dass ich das Leben wieder genoss und das Gefühl hatte, nichts zu wissen, was als nächstes kommen würde. Das ist, was Philippe sagt. Und die Frage ist, muss ich das als Film dann so erzählen? Oder habe ich eine Verantwortung, das zu ergänzen, um eine Ebene, die über diese beiden hinausgeht?
Florian Bayer: Ich glaube, du kannst es total als Film so machen. auch wirklich nur ihre Ebene erzählen, wie sie das erlebt haben, wie das in ihrem Leben war. Aber dann will ich, dass du dass du auch ihr Leben erzählst und das Ganze nicht als Parabel erzählst auf den Umgang mit Behinderung und mit mit Kriminalität oder mit Menschen, die kriminell geworden sind.
Johannes Franke: Was hätten Sie denn dann erzählen? Wie hätten Sie es dann machen müssen, damit es nicht so parabel wird?
Florian Bayer: Na, viel mehr Luft dazwischen. viel mehr Luft zwischen den einzelnen Episoden. Du erzählst viel mehr Alltag. Du gibst dem Film Die hätten ihrem Film einfach ein bisschen mehr Raum zum Atmen geben müssen, einfach mehr Alltag zeigen. Mit Sicherheit wird das Philipp nicht gesagt haben. Deren Alltag sah ja nicht so aus, dass ein Witz nach dem anderen folgte, sondern die hatten auch ganz normale Sachen. Die will ich nicht im Zeitraffer sehen. Er muss nicht langatmig werden. Klar, es muss nicht jeder so einen Kunstfilm machen, der ewig lang ist und langatmig. Einfach ein bisschen mehr Luft, ein bisschen mehr Raum, ein bisschen mehr Dinge zeigen, die einfach alltäglich sind, ohne witzig zu sein. Und du kannst dann ja auch die Witze bringen, aber dadurch wird das Ganze schon so ein bisschen entzerrt. Und dadurch wird das Ganze schon glaubwürdiger, weil wir sehen einfach, okay, zu dem Alltag gehört halt auch einfach, dass du ihn auf die Toilette begleitest, du stehst vor der Toilette und wartest. Gibt das 30 Sekunden dem Publikum und der ganze Film hat viel mehr Luft und viel mehr Raum und die Witze kommen ja auch besser, wenn es dazwischen so ein bisschen Zeit zum Luftholen gab. Das wäre das Erste, was ich machen würde. Einsatz von Musik und von Kameraden. Das ist alles okay. Ein amerikanischer Film, ich kann mir vorstellen, dass das das amerikanische Remake macht, würde das alles viel schlimmer machen. Hält sich angenehm französisch so zurück, was das Drama betrifft. Es gibt zwar so ein, zwei Szenen, wo dann die traurige Musik läuft und wir so ein bisschen Zeitraffer sehen. Aber die meiste Zeit über hält er sich bei dem Sentimentalen auch einfach zurück. Das ist okay. Aber mach das länger. Gib ihm.
Johannes Franke: Also der echte Abdel muss ja wirklich ein schwieriger Mensch gewesen sein. Also sehr lustig, aber... Er war wirklich gewalttätig und sehr impulsiv, hatte acht Geschwister und war sehr arm. Also das war alles... Er hat sich wirklich davon ernährt, Touristenkameras zu klauen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und er war auch dafür im Gefängnis mit 18. Ja. Und als er dann zu Dings gekommen ist, zu Philippe, war er 21 oder sowas.
Florian Bayer: Der war drei Jahre im Gefängnis für Diebstahl?
Johannes Franke: Nee. Ja, weiß ich nicht genau. 18? Krass. Ich glaube nicht, dass er direkt danach zu Philippe gekommen ist. Ich glaube, der Film erzählt das, aber ich glaube, dass es
Florian Bayer: Ja genau, Trisatz wird ja erzählt, als er kommt aus dem Gefängnis. Wir erfahren gar nicht genau, warum er im Gefängnis war.
Johannes Franke: Weiß ich nicht, ob der Film das erzählt. Im Original hat er Touristenkameras geklaut, hat sich davon über Wasser gehalten.
Florian Bayer: Und wir erfahren ja auch nicht so 100 Prozent, wie das mit seinem Cousin slash Stiefbruder ist, was der für Ärger hat. Wir sehen, dass der irgendwie irgendwas mit Kriminellen zu tun hat. Genau. Gefahr drohen könnte, ohne dass es 100% klar ist.
Johannes Franke: Da umschrifft halt der Film wiederum das Abrutschen ins Ernsthafte. und ins Schwierige. Klar passt das jetzt zum Film, dass sie das nicht erzählen, aber es wäre natürlich eine Chance gewesen, naja, ein bisschen Wahrhaftigkeit reinzukriegen.
Florian Bayer: Und dann erzählt er übrigens ganz viel von Philipp, also so sehr die Perspektive von Trisat am Anfang in diesem Trennungsmoment wird vor allem Philipp erzählt, wie er abrutscht. Von Chris sehen wir da relativ wenig.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Ja, natürlich will ich aber auch Philippe sehen, wie er abstürzt. Ja, ja, klar. Wie er in die Depressionen geht.
Florian Bayer: Sich ein Bart wachsen lässt.
Johannes Franke: Sich ein Bart wachsen.
Florian Bayer: Denn wenn es eins gibt, was bei einem Mann, du bist abgestürzt, sagt dann, dass du einen Bart hast.
Johannes Franke: Der auch ein kleines bisschen zugepflegt hat. Auch Abdel war anscheinend wirklich nochmal... Zehn Nummern schlimmer als das, was sie im Film zeigen. Und ich glaube, das wäre vielleicht eine Möglichkeit gewesen, dem Film mehr Wahrhaftigkeit zu geben.
Florian Bayer: Bisschen mehr Aviva Lenz im Charakter.
Johannes Franke: Ja, es gibt eine Szene, wo er einfach ohne Vorwarnung diesen Typen aus dem Auto zieht und gegen die Wand klatscht, weil er falsch geparkt hat.
Florian Bayer: Und das wird uns ja als richtig verkauft.
Johannes Franke: Das finde ich so absurd.
Florian Bayer: Philipp beobachtet das und sagt auch. Ja, genau, das war nötig.
Johannes Franke: Ja, oder die Tochter braucht mal ein bisschen Züchtigung quasi, sagen sie ja. Das sind so Sachen, wo ich denke, Moment mal, wird hier gerade glorifiziert, was an Gewalt da drin steckt, was an... da hat der Film leider Untertöne, die ich wirklich, wirklich kompliziert spiele und es wird nicht adressiert.
Florian Bayer: Ja, überhaupt nicht, genau. Und gerade diese Szene, wo er den Typen aus dem Auto rauszieht und gegen die Wand drückt, da sehen wir ja auch Philipp, wie er reagiert. Und Philipp ist ja sehr, sehr zufrieden damit, dass jemand das so macht.
Johannes Franke: Also das finde ich absolut unmöglich. Das funktioniert nicht. Das muss man irgendwie kommentieren. Da brauchst du einen Kontrapunkt für.
Florian Bayer: Und dann gibt es noch diesen zweiten gewalttätigen Moment, wo er den Typen von der Tochter von Philipp angreift, weil der sie verlassen hat und irgendwas zu ihr gesagt hat.
Johannes Franke: Und ich finde schon, dass der Film da reingehen kann. Der soll eigentlich mit dem Finger in die Wunde und zeigen, was bei Abdel oder Driss in diesem Fall los ist. Also noch stärker an Abdel dran, an dem, was tatsächlich ursprünglich da war, nämlich Philippian ihn auch als unerträglich, eitel und arrogant beschrieben. Das ist er in diesem Fall überhaupt nicht. Und das könnte man echt, man könnte da viel mehr reingehen und viel mehr rausholen.
Florian Bayer: Du müsstest beide Charaktere eigentlich ambivalenter machen. Ich verstehe, du kannst Philipp nicht rassistisch erzählen, weil Philipp stellt Tries ein. Tries landet ja nur, da war Philipp ihn einstellt. Aber du kannst Philipp... Du kannst Philippe hochnäsig machen. Du kannst Philippe so viele Eigenschaften geben, die den Charakter nicht gleich einfach sympathisch machen.
Johannes Franke: Er ist ja erstmal unsympathisch, weil er reich ist, muss ich ihm mal sagen. Aber das ist vielleicht meine Perspektive.
Florian Bayer: Das funktioniert bei mir nicht, du oller Kommunist.
Johannes Franke: Aber es ist schon so, dass man sich fragt, Da ist jemand im Rollstuhl, der massiv reich ist und sich alles leisten kann, um das Leben trotzdem lebenswert zu machen. Wie viel Mitleid kommt da noch beim Zuschauer an?
Florian Bayer: Philipp wird eigentlich nie als mitleidenswerter Charakter wegen seiner Behinderung inszeniert. Was eine Stärke des Films ist. Philipp macht Witze drüber, dass er reich ist und deswegen mit seiner Behinderung keine Probleme hat. in einem Dialog mit Tries. Philipp ist von Anfang an sehr stolz und Wirkt so wie jemand, der sein Leben im Griff hat. Und dann erfahren wir natürlich peu à peu, dass es nicht 100 Prozent so ist und dass es Sachen gibt, die er in seinem Leben verbessern könnte. Aber das wird nie so auf seine Behinderung gemünzt. Also das finde ich tatsächlich okay. Der Film hat natürlich auch ein Bild von Bindungen, was er damit mitbringen will, dieses kein Mitleid. Ja, ganz wichtig. Und das finde ich okay, das gelingt ihm dann auch bei Philipp irgendwie.
Johannes Franke: Genau. Aber es ist halt so, dass es vor allem darauf abgestellt ist.
Florian Bayer: Ja, wir kommen halt auch dadurch einfach nicht ran an Philipp. Philipp bleibt einfach plass. Ich finde, Ja, Triest ist auch einfach der spannende Charakter, weil er ein bisschen mehr kriegt, ein bisschen mehr zu machen, ein bisschen mehr zu tun. Und ein bisschen mehr zu agieren und auch sich zu entwickeln. Philips Entwicklung ist halt, ja...
Johannes Franke: Philipp hatte, also der echte Philipp hatte einen Selbstmordversuch. Er hat sich den Sauerstoffschlauch um den Hals gewickelt und hat versucht sich umzugehen. Warum zeigt man das nicht?
Florian Bayer: Das würde überhaupt nicht in den Film passen.
Johannes Franke: Ja, in diesen Film nicht. Aber warum... entscheidet man sich dafür, diesen Film zu machen, statt den Film zu machen, in dem man zeigen kann, wie er sich versucht umzubringen.
Florian Bayer: Naja, wahrscheinlich würden die Regisseure sagen, wir wollen, dass unser Publikum sich wohlfühlt und etwas mitnimmt und mit einem guten Gefühl und vielleicht auch mit dem Gefühl, etwas gelernt zu haben, aus dem Kino rausgeht. Und da passt das
Johannes Franke: nicht ins Bild.
Florian Bayer: Und da gibt es sehr viel, was nicht ins Bild passt, was sie alles aussparen, sowohl was Tries als auch Philippe trifft. Du hast das Kriminelle schon erwähnt, bei Philipp wären halt auch einfach Sachen zu zeigen, die die alltäglichen Probleme eines Querschnitts gelähmten. Davon sehen wir nur die, die nicht ... Der Film zeigt uns Sachen ... nur bis zum gewissen Unangenehmheitsgrad. Und das ist, wenn es darum geht, wie ein Querschnittsgelähmter lebt,
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Wir sehen halt, dass er diese Stützstrümpfe anzieht. Aber wir erfahren nicht viel darüber, wie er auf die Toilette geht und was für Medikamente er nimmt. was für Schmerzen er hat. Da gibt es halt diese ein, zwei Szenen, aber das ist dann auch so sehr, sehr, sehr seicht. Der Film geht über einen gewissen Level an. Das ist unangenehm nicht hinaus. Und ein Versuch der Selbstmord würde sehr weit darunter liegen. Und deswegen kann der nicht rein.
Johannes Franke: Er sagt einmal beim Rasieren, ein Schnitt würde genügen und es wäre vorbei. Das ist das absolute Maximum, was dieser Film sich traut.
Florian Bayer: Und der Film könnte, so wie der Film so gestaltet ist und strukturiert ist, könnte er den Selbstmord auch nicht zeigen, weil das wäre viel zu drüber. Da müsste er davor noch ganz viele andere Sachen zeigen.
Johannes Franke: Ja, ja, natürlich, klar.
Florian Bayer: Sonst wäre das einfach unpassend.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder...
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-mussmann-sehen.de oder florian-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Es ist ja so, dass die echten Freunde nach zehn Jahren gegenseitiger Kameradschaft quasi sind. sich getrennt haben, weil beide eine Beziehung angefangen haben. In Marokko 2003 haben beide ihre neuen Partner gefunden. Philippe ist in Marokko geblieben mit seiner neuen Partnerin und Abdel ist woanders hingezogen. Aber sie haben sich natürlich trotzdem immer wieder besucht.
Florian Bayer: Was irgendwie schön ist auch so in dieser Undramatik, ne? Dass sie einfach Freunde geblieben sind, nachdem ihre gemeinsame Zeit vorbei war.
Johannes Franke: ganz pragmatischer Grund. Es ist kein großes Drama passiert oder so, sondern es ist einfach, naja, Wie in jeder anderen Beziehung, die vielleicht auseinander geht, entwickeln sich zwei Leben auseinander. Ja, es ist schade, dass der Film das so... Der Film drückt da noch so drauf. Am Ende, wenn er... Wenn er ihm dann das Date verschafft, der Typ, der ihm hilft, seine Liebe wiederzufinden.
Florian Bayer: Ja, total. Das ist dieses Black-Angel-Klischee, dass Dries plötzlich eigentlich vor allem eine Funktion im Film erfüllt, nämlich das... Dass er Philipp hilft, über seinen Schatten zu springen und dann doch noch das Date zu machen mit der Frau, die er vielleicht lieben wird.
Johannes Franke: Und der kriegt mich damit aber auch. Ich bin in dem Moment, sitze ich wirklich in dem Film und denke, ach ja, wie schön. Und erst mal in der Reflexion denke ich dann, ja. Ja, okay. Weißt du, aber das zieht sich durch den ganzen Film durch, dass ich immer da sitze und denke, oh wie schön. Aber danach denke ich, ah ne. Ich muss gut duschen gehen.
Florian Bayer: Er hat mich leider, Gott sei Dank, nur mit seinem Humor gecatcht. Die emotionale Bindung hatte ich auch in diesen Momenten nicht. Ich schon. Lass mich einmal kurz gucken, ob ich einen emotionalen... Ja, wirklich einmal hat er emotional gefangen und das war, wenn... als Tries sich mit Yvonne unterhalten hat. Das war so eine ganz banale Szene, weil sie einfach unterhalten sich halt darüber, dass Yvonne eventuell was mit dem Gärtner anfangen könnte, macht Tries Witze.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: tauschen sie so Banalitäten aus. Das ist eine emotionale Bindung, die da entsteht, die einfach glaubwürdig ist, jenseits von den Klischees.
Johannes Franke: Und später geht es ja mit ihm aus auch.
Florian Bayer: Ja, genau. Und sie ist die, die im herzhaftesten Triest dann auch verabschiedet. Wollen wir zu unserer Top 3 springen?
Johannes Franke: Ja, dann lass uns doch mal in unsere Top-Dye springen. Jingle. Unsere Top 3. So, also ich hab nur Top 3.
Florian Bayer: Best Friends, BFFs hast du gesagt.
Johannes Franke: Best Friends Forever.
Florian Bayer: Ich fühle mich da so ein bisschen beleidigt, dass du mir danach nochmal geschrieben hast, was du damit meinst. Ich kenne das. Ich bin nicht so weit weg von Jugendslang. Keine Ahnung, was ist das für ein Slang?
Johannes Franke: Nein, BFF, es gibt ja auch Best Female Friends Forever oder Best Female Friends. Also das ist ja auch so ein Klischee. Also es gibt zwar unterschiedliche BFFs.
Florian Bayer: Oh, okay, verstehe.
Johannes Franke: Das habe ich jetzt mehr oder weniger erfunden, aber du hast es geschluckt. Sehr gut.
Florian Bayer: BFF, Best Friends Forever. Ja, Forever ist ja ... Man sieht nicht so viele Forever-Freundschaften. Ja, das ist ein bisschen ... Ich bin kreativ mit dem Begriff umgeklangt. Okay. Mein Platz 3. Ein wirklich, wirklich schöner Film aus den 80er Jahren. Und zwar die beste Stephen King-Verfilmung, die es gibt. Stand By Me aus dem Jahre 1986. Das ist ein Film, der eine Gruppe von jungen Freunden... kurz vor der Pubertät zeigt, die sich auf den Weg machen, sich eine Leiche anzugucken. Weil sie gehört haben, dass irgendwo auf den Schienen ein Unglück passiert sein soll, die Leiche von einem Altersgenossen von ihnen liegen soll. sie zu viert los und werden ein bisschen erwachsener auf dieser Reise. Wunderschöner Film, tolles Drama.
Johannes Franke: Aber wir wissen nicht, ob sie Best Friends Forever sind. Doch.
Florian Bayer: wir wissen, dass sie es nicht sind. Der Film wird nämlich erzählt aus der Perspektive von einem von denen, der als Erwachsener rückblickend dahin schreibt und dann schreibt, dass er die dass er zwei komplett aus den Augen verloren hat. Aber die Freundschaft zu dem Dritten, der auch sein bester Freund ist, Gespielt von Rilla Phoenix. Will Wheaton und Rilla Phoenix sind eigentlich die Best Friends in diesem Film. Zudem hat er einen näheren Kontakt und dann wird so im Epilog erzählt, dass sein bester Freund dann gestorben ist vor kurzem. Schöner Film. Also toller Film über Freundschaft.
Johannes Franke: Ich muss auf meinem Platz 3 das abarbeiten, was auf jeden Fall ist, muss. Frodo und Sam.
Florian Bayer: Ja, an die dachte ich auch.
Johannes Franke: Das muss einfach, also keine Liste ist vollständig ohne die.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also Herr der Ringe, die bombastischste Freundschaft überhaupt, die durch alles durchgegangen ist, was man... Also was man durchmachen kann als Freunde. Damit hätte ich das jetzt abgearbeitet und wir können in die anderen interessanteren Teile gehen.
Florian Bayer: Mein Platz 2. Sideways aus dem Jahr 2004, ein Film, der zwei mittelalte Freunde verfolgt, die nach der Scheidung von einem der beiden ... versuchen, einfach einen netten Sommer in Kalifornien zu erleben und ein bisschen Weinverkostung zu machen. Paul Giamatti und Thomas Hayden Church, die als so ein bisschen ungleiches Duo... echt ne tolle Chemie zusammen haben und denen man einfach die ganze Zeit abkauft, dass sie, obwohl sie komplett verschieden sind, schon seit 30 Jahren Best Buddies sind. Und die dann so als mittelalte Männer, die beide so ein bisschen enttäuscht sind vom Leben und irgendwie so ihre Schwierigkeiten gerade haben. Einfach nur einen Sommer zusammen verbringen, inklusive Streitereien, inklusive kleiner Liebschaften, inklusive einfach Vergnügen und es gibt eine tolle Szene, wo sie weinen. Paul Giamatti ist der Weinkenner und sie trinken zusammen Wein und er erzählt irgendwas und dann guckt er seinen Freund an. Er erzählt so, der Wein ist das und das ist das und das ist das. Und dann guckt er seinen Freund irgendwann an und fragt, sag mal, kaust du gerade echt Kaugummi? Tolle Szene.
Johannes Franke: Auf Platz zwei bei mir. Die ist jetzt auf der Straße.
Florian Bayer: Wer?
Johannes Franke: Anne und Bert? Nein, alle. Alle? Alle zusammen sind Freunde. Ja, voll. Das ist das.
Florian Bayer: Samson und Tiffy. Die erste. Ja.
Johannes Franke: Erste tiefe Best Friends Forever Geschichte, die man als Kind überhaupt mitbekommt.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und selbst der Graf Zahl, der eigentlich der Bösewicht mit dem Gewitter ist, ist best friends mit einem irgendwie.
Florian Bayer: Großartig, ja cool.
Johannes Franke: Ich finde es ganz toll und das ist einer der Sachen, die so ein bisschen rückwirkend zur Nostalgie werden, obwohl man selber gar nicht so viel... Ich habe nicht so viel zu dieser Strasse geguckt, aber ich habe so gute Erinnerungen daran, Und es ist alles irgendwie zusammengestückelt aus dem Rest meines Lebens, außerhalb meiner Kindheit. Weil ich dann angefangen habe, Sesame Street zu gucken. Habe ich nie gemacht.
Florian Bayer: Ich habe es nie auf Englisch geguckt. Nicht? Nein.
Johannes Franke: Oh mein Gott, das ist so süß. Das ist wirklich toll. Elmo ist eine der besten Figuren, die es überhaupt gibt. und Big Bird und diese ganzen, ja. ganz, ganz tolle, tolle Geschichten einfach von dieser Straße, wie sie alle miteinander, selbst mit dem in der Tonne, ähm, alle Freunde sind. Es ist wundervoll. Ich kann euch nur empfehlen, immer wieder, wenn ihr schlecht drauf seid, in die Sesamstraße reinzuschauen.
Florian Bayer: Sehr krasse Erinnerungen an eine Episode aus der Sesamstraße.
Johannes Franke: Das hat sie schon mal erzählt, glaube ich.
Florian Bayer: Ich glaube, das gehört zu den Geschichten, die ich immer mal wieder erzähle. Wo sie da sitzen, versuchen nichts. zu tun. Und dann darüber diskutieren, dass sie ja gerade was tun, indem sie da sitzen.
Johannes Franke: Dieses Konzept zu verstehen als Kind, was bedeutet es, nichts zu tun?
Florian Bayer: Aber ich weiß nicht, wie alt ich war, als ich das gesehen habe.
Johannes Franke: Wahrscheinlich so 19, 20.
Florian Bayer: Das ist so eine brockenhafte Erinnerung. Vielleicht auch 15 Jahre. Mein Platz 1. Ich muss mal wieder nach Frankreich in die Nouvelle Vare kreisen, weil ich sie einfach so mag. Jules und Jim. Jules et Jim von François Truffaut, einer der großen Nouvelle Vague-Filme, der die Geschichte erzählt von Jules und Jim, die beste Freunde sind und dann Kathrin kennenlernen. und sich beide in sie verlieben und es wird so eine Art Dreiecksbeziehung erzählt, in der die Freundschaft zwischen Jules und Jim aber immer so ein bisschen der stärkste Faktor ist.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und es gibt dann auch Liebe und Trennung und es gibt auch ein bisschen Dramen. Aber du spürst die ganze Zeit diese extrem enge Verbundenheit, die eigentlich alle drei miteinander haben. Und in der die Freundschaft über die Liebe hinausgeht auch. Ganz, ganz spannend erzählt. Die Freundschaft und Liebe interagieren miteinander.
Johannes Franke: Ja, schön. Bevor ich zu meinem Platz 1 komme, einmal kurz eine Quasi-Empfehlung. The Banshees of Inesherian. Ein Film, dessen Trailer besser ist als der Film, aber ein wahnsinnig interessantes Konstrukt von Freundschaft aufmacht. Also der Film an sich ist leider wirklich nicht so gut, wie ich gehofft habe.
Florian Bayer: Ich will den unbedingt noch schauen, weil der Trailer so gut ist.
Johannes Franke: Der Trailer ist der Hammer. Es ist so geil. Ich weiß nicht, ob ihr den gesehen habt. Banshees of Anisharian. 2022.
Florian Bayer: 2020, 2023, ne? Der kam vor ein paar Monaten erst im Kino raus.
Johannes Franke: Das kann sein, ja. Und der Trailer erzählt halt, wie ... Der eine sich halt fragt, du kannst doch nicht meine Freundschaft aufkündigen, was ist los? Ja doch, kann ich. Und man fragt, wieso kündigt der plötzlich eine Freundschaft? Was steckt da? Was ist dahinter? Was soll das?
Florian Bayer: Das ist nicht großartig eine emotionale Geschichte und ein Mysterium, was irgendwie noch so drangehangen ist.
Johannes Franke: Und es ist so ein kleines Thema, was so groß gemacht wird. Und ich liebe diese Idee von so einer kleinen Freundschaftsgeschichte, wo du nur so eine ganz süße... Und der Film ist halt leider nicht das, was ich gehofft habe, was der Trailer irgendwie einfach mir versprochen hat. Aber ist trotzdem sehenswert. Aber es ist leider, das gehört zu den Filmen, wenn man mit zu viel Erwartung reingeht, man dann denkt, ach schade. Also insofern, vielleicht findest du ihn sogar besser, weil du jetzt weißt, Plur, dass der Film ... Ja, jetzt geh ich mit niedrigen Erwartungen ran.
Florian Bayer: Genau. Vielleicht klappt's dran.
Johannes Franke: Also guck ihn noch.
Florian Bayer: Dein Platz 1.
Johannes Franke: Mein Platz 1 ist Timon und Pumbaa.
Florian Bayer: Geil, dass du die ganzen Kindersachen hast. Aber Kimo und Puma sind auch wirklich Best Buddies.
Johannes Franke: Ist Freundschaft nicht irgendwie so ein ganz eng mit Kindheit verbundenes Ding?
Florian Bayer: Absolut. Ja, es ist ein Thema für Kinderfilme, weil wenn Leute Kinderfilme machen, versuchen sie halt Themen zu finden, die Kinder... begeistern, Kinder begreifen und das ganze Liebesthema ist halt irgendwie draus. Und Freundschaft ist einfach so ein Thema, was schon sehr früh losgeht und wo Kinder sich auch sehr schnell identifizieren können mit Freundschaften.
Johannes Franke: Ich finde fast, dass Freundschaften in einer bestimmten Art und Weise erzählt, im Erwachsenenfernsehen oder im Kino zu wenig vorkommt.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also vor allem dieses Freundschaften anbahnen, neu knüpfen, Schwierigkeiten. Als Erwachsener hat man andere Schwierigkeiten.
Florian Bayer: Es ist ja auch wirklich schwer, Freundschaften zu, also ich finde so jenseits der 30, es ist wirklich schwer, nochmal neue Freundschaften aufzubauen.
Johannes Franke: Ja, tatsächlich. Man hat viel zu sehr mit dem Leben zu tun. Und als Kind hast du einfach die Chance. Du bist auch viel schneller Best Friends.
Florian Bayer: Kinder sind ja auch so unbedarft und so wunderbar leicht da drin. Die sind auf dem Spielplatz und dann spielen sie mit... einen anderen Kind und dann haben sie die beste Zeit ihres Lebens und dann kommen sie und du fragst sie, und wie hieß das Kind? Und sie sagen, keine Ahnung. Ich weiß nicht, wer das ist. Es geht einfach so schnell. Das ist total beeindruckend. Also ich bewundere Kinder dafür, dass sie das können. Dass sie innerhalb von Sekunden sich irgendwie mit jemandem anfreunden können.
Johannes Franke: Ja, ist toll. Und auch die richtigen Werte in Freundschaften zu haben und so. Ich glaube, es ist ein Thema, was Erwachsene viel mehr bräuchten, als es zurzeit vorhanden. verhandelt wird.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich.
Johannes Franke: Naja, bei deinem Platz 1...
Florian Bayer: Das war... Du warst, dein Platz 1 war, mein Platz 1 war, jetzt habe ich einen Fun verloren. Ich hatte meinen Platz 1 schon gesagt, das war Jules und Jim.
Johannes Franke: Ah ja, ja, ja, okay. Gut, dann gehen wir doch mal wieder zurück in den Film. Das war's. Unsere, äh, Top 3...
Florian Bayer: in den Film und zu einem Fazit? Du musst anfangen, du hast den Film vorgeschlagen.
Johannes Franke: Ich muss anfangen. Ist das jetzt eine Regel, Flo?
Florian Bayer: Nein, ich bin ein bisschen ratlos, weil ich eigentlich davon ausgegangen bin, dass ich jetzt mich über diesen Film ärgere und du den Film verteidigst. Das ist sehr irritierend.
Johannes Franke: Also, ich schwebe, wie du das auch vielleicht gerade so ein bisschen im Nichts Vor allem, weil ich eben nicht deinen Gegenpart gespielt habe, wie du es gerne gehabt hättest. Aber ich vor allem, weil ... weil der Film nicht das war, was ich gedacht habe, was er war und irgendwie so viele Chancen verpasst hat, Aber eine Chance wirklich beim Schopf gepackt hat, mich zu unterhalten. Das hat der Film volle Kanne geschafft. Ich gehe durch den Film voll mit, mit allem mit und freue mich über den nächsten Gag und freue mich über Driss, der einfach als Schauspieler, der Schauspieler ist einfach so charismatisch und similisch. durch alles durch. Ich finde es großartig. Das Ding ist halt, dass ich danach denke, ja, aber ihr habt das Thema verfehlt. Also als Lehrer... hätte ich diesem Kind also Thema verfehlt gegeben, draufgeschrieben, reinmal alles durchgestrichen, rot daneben geschrieben, Thema verfehlt, aber ansonsten geil.
Florian Bayer: Ich überlege gerade, dass es auf jeden Fall auch eine Welt geben muss, die erlaubt ist, so ein Thema zu nehmen und so eine Komödie draus zu machen, die relativ flach ist und relativ seicht ist. Ja. relativ brav ist. Er hätte dann ein bisschen variantenreicher sein müssen in seinem Humor. Er hat doch so ein, zwei Witze zu oft wiederholt. Und ja, vielleicht fehlt dann auch einfach die Fallhöhe. Ich bin jetzt halt auch nicht so der größte Komödien-Fan und gerade so Komödien, die so sehr auf Pointen abziehen, sind echt nicht so unbedingt meins. Okay. Und der Film zielt sehr auf Pointen ab. Ja, emotional hat es mich relativ kalt gelassen die meiste Zeit über. Er war auf jeden Fall stellenweise sehr unterhaltsam. Es hat nicht wehgetan, ihn zu gucken, aber das ist das größte Problem dieses Films, dass er halt wirklich überhaupt nicht wehtut.
Johannes Franke: Ach man. Aber ich kann mir vorstellen, dass er doch für die Zeit der richtige Film war. Weil wenn ich mich richtig... erinnere so, es ist immer verschwommen, sowas kann man nicht so richtig sagen, aber vielleicht ist es die Zeit gewesen, in der einfach die Welt bei dieser Botschaft hängen geblieben ist. Bei dieser Botschaft, die Philipp gerne hätte. Dieses, ich will kein Mitleid. Vielleicht ist das ein Einstiegspunkt in der Auseinandersetzung mit Menschen mit Behinderungen. Das ist ja wirklich ein Punkt, den viele haben, den immer noch ganz viel auf der Straße, weißt du, du bist mit dem Rollstuhl. oder bist kleinwächsig und so weiter. Und dann kommen irgendwelche Leute und labern dir einen Knopf ans Ohr und sagen dir wie ... wie betroffen sie sind.
Florian Bayer: Wie schrecklich, ja. Ja, das ist auf jeden Fall sinnvoll. Und das ist auch gut, diese Botschaft einen Film zu packen und diese Botschaft als Film zu erzählen. Er hätte einfach mehr Substanz gebraucht. Das ist alles, letzten Endes kann ich es, glaube ich, runterbrechen, der Film hatte einfach zu wenig Substanz.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Zu wenig Fleisch.
Johannes Franke: Ja. Na gut, na gut, dass ich das als Vegetarier mal sagen würde. So wenig Fleisch.
Florian Bayer: Okay. Gut. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche, für nächste Woche aufgebe. Was ihr euch nächste Woche am besten anschaut, bevor ihr reinhört.
Johannes Franke: Dann bleibt noch dran und hört euch den Jingle nochmal brav an.
Florian Bayer: Ansonsten vielen Dank, Johannes, dass du mir den Film vorgeklangen hast. Danke, dass ich den abhacken durfte von meiner Liste.
Johannes Franke: Danke, dass du ihn geguckt hast und dass wir uns beide darüber auseinandersetzen konnten, was jetzt eigentlich nicht stimmt mit dir. dem Film. Was ist schief gelaufen? Ich war auch so echt, was ist schief gelaufen? Ich wusste es auch nicht so richtig, bis wir angefangen haben, darüber zu reden.
Florian Bayer: Euch wie immer vielen Dank fürs Zuhören. Lasst es euch gut gehen. Habt eine schöne Woche und wir hören uns.
Johannes Franke: Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Ciao.
Florian Bayer: Ich glaube, wir hatten so viele Streitereien und Diskussionen und deprimierende Filme und aufregende ... Dass wir einfach mal Spaß haben zusammen.
Johannes Franke: Weißt du, das Problem ist?
Florian Bayer: Das Problem ist meine Filmauswahl.
Johannes Franke: Nein, das Problem ist... dass du selbst die schlimmsten Filme auf diese Art und Weise angekündigt hast. Auf die schlimmsten Filme, die du mir alle empfohlen hast, hast du angefangen mit, weißt du, es wird mal Zeit, was Schönes mit dir zu gucken. Und dann kommt irgendwelche Scheiße.
Florian Bayer: Du weißt einfach, große Kunst nicht zu würdigen. Deswegen gebe ich dir die größte Kunst überhaupt, die ich finden kann.
Johannes Franke: Oh nein, okay, das klingt schon echt mies.
Florian Bayer: Mit der Musik von Queen.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Ich will Flash Gordon gucken.
Johannes Franke: Flash!
Florian Bayer: Kennst du ihn schon?
Johannes Franke: Ich habe ihn, glaube ich, nie ganz gesehen.
Florian Bayer: Perfekt. Lass uns vielleicht gerne gucken. Lass uns zusammen einfach Spaß haben.
Johannes Franke: Okay, also wir haben eine Trash-Episode.
Florian Bayer: Bis nächste Woche. Ciao.
