Episode 133: Johnny Got His Gun – Dalton Trumbos Pazifismus und die dunklen Seiten Hollywoods
Für Episode 133 hat Plor Johannes wieder einen echten Feel Good Movie mitgebracht: Im Zentrum von Johnny Got His Gun aus dem Jahr 1971 steht ein Soldat, der durch eine massive Kriegsverletzung zum Gefangenen seines eigenen Körpers wird. Seiner Arme, Beine und Sinne beraubt, unfähig mit der Außenwelt zu kommunizieren befindet er sich in einem permanenten Zustand zwischen Leere, Erinnerung und Alptraum.
Mindestens genau so faszinierend wie die Handlung von Johnny Got His Gun ist das Schicksal seines Schöpfers, Dalton Trumbo, der zu den prominentesten Hollywood-Opfern des McCarthyism zählt und als Mitglied der Hollywood Ten sogar im Gefängnis saß.
Wir reden also nicht nur über den Pazifismus in „Johnny zieht in den Krieg“ sondern auch das Blacklisting im traditionellen, konservativen Hollywood, über deprimierende Filme und den deprimierenden Umgang der USA mit ihren kontroverseren Künstler*Innen.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 133: Johnny Got His Gun – Dalton Trumbos Pazifismus und die dunklen Seiten Hollywoods Publishing Date: 2023-07-18T09:06:48+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/07/18/episode-133-johnny-got-his-gun-dalton-trumbos-pazifismus-und-die-dunklen-seiten-hollywoods/
Florian Bayer: Deinen ausgekübelten Hass auf Dalton Trumbo und auf die linke Filmindustrie und auf den Pazifismus, ich verstehe das, ich verstehe das.
Johannes Franke: Dulce et decorum est pro patria mori. Wie gut ist es mit deinem Latein? Wie gut ist es mit deinem Latein? Hast du verstanden, was ich gesagt habe?
Florian Bayer: Ich habe verstanden, was du gesagt hast, nee, ich habe es ehrlich gesagt nicht verstanden, aber ich weiß, was du gesagt hast, weil das natürlich ein direkter Bezug ist zu unserem Film, den wir heute besprechen, dessen literarische Vorlage im Deutschen eine Zeit lang untertitelt. Bei der Übersetzung süß und ehrenvoll gehandelt wurde. Und süß und ehrenvoll ist natürlich ein direkter Bezug zu einem Spruch von einem römischen Philosophen und Historiker. Und die haben ganz gerne in Latein geredet, die alten Römer, die ollen Römer, die konnten ja nichts anderes. Und zwar von Horas, der das damals geschrieben hat, süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben.
Johannes Franke: Und was es mit unserer Folge zu tun hat, das werden wir jetzt rausfinden. Flor, was hast du uns mitgebracht für einen Film?
Florian Bayer: Also, ich habe dir diese Woche und dem ganzen Publikum als Aufgabe Johnny Gattis Gunn gegeben. Ein Film aus dem Jahre 1971 von Dalton Trumbo, der hier Drehbuch und Regie geführt hat. Basierend auf einer Vorlage von Dalton Trumbo. Ein Roman, der gut 30 Jahre, mehr als 30 Jahre vor dem Film veröffentlicht wurde. Nämlich im Jahre 1939. 39, genau. Und der eben in Deutschland lang unter süß und ehrenvoll verkauft wurde. Ich habe sogar noch zu Hause eine Ausgabe, wo drauf steht süß und ehrenvoll und dann untertitelt Johnny zieht in den Krieg. Und dann später wörtlich übersetzt wurde, nein nicht wörtlich übersetzt wurde, sondern Johnny zieht in den Krieg genannt wurde. Was aber zumindest ein bisschen näher dran ist am Originaltitel. Aber immer noch nicht so ganz dessen Sarkasmus trifft. Dieses Johnny Gattis Gunn ist ja eine Referenz auf Johnny Get Your Gunn. Ja. Was so ein bisschen der Spruch war, um junge Leute zu kriegen, mobilisiert euch, zieht für euer Land in den Krieg. Also gar nicht so weit weg von dem süß und ehrenvoll. Ja. Und es ist ein bisschen schade, weil der Titel allein hat schon düsteren Sarkasmus. Einfach dadurch, dass wir hier ein Präteritum haben, wo er ja in Präsenz war. Und das aus dem Imperativ, aus der Aufforderung an Get Your Gunn, dass daraus dann ein Feststellungssatz wurde. Okay, jetzt hat er seine Waffe gekriegt und jetzt seht ihr, was daraus geworden ist. Ja.
Johannes Franke: War harter Tobak, den du uns da vorgeschlagen hast. Ich hoffe, ihr habt alle reingeschaut. Ich hoffe, ihr habt den auch zu Ende geschaut. Und harter Tobak, ich liebe es, dir harten Tobak zu geben, um das mal so zu sagen. Warum, Plur? Ich weiß es nicht. Woran liegt es? Was sagst du, eine masochistische Ader an dir?
Florian Bayer: Nein, ich mag es dich vielleicht ein bisschen mit diesen Filmen zu reizen. Und du weißt, ich mag tatsächlich sehr gerne Filme, die irgendwie eine tragische, düstere Komponente haben.
Johannes Franke: Es ist ja, tragisch und düster ist ja ein kleines bisschen untertrieben, wenn du das so sagst. Weil das, was du mir gerne gibst, ist ja eher das, sagen wir es vereinfacht, mich herausfordert. Das ist eigentlich der Hintergrund. Du willst, eigentlich willst du mich herausfordern. Auf jeden Fall. Weil in deinem Kopf ich nur singende und tanzende Leute anschaue in Filmen. Du sagst immer, es braucht doch diese Komik und es braucht doch diese Hoffnung. Wo ist die denn? Ja, die Hoffnung. Gib mir Hoffnung. Ey, auch dieser Film hat sehr viel Hoffnung, wie wir feststellen werden. Oh, fuck. Ja, das werden wir noch feststellen, ob dieser Film Hoffnung hat.
Florian Bayer: Ja. Johnny Gattes Gunn aus dem Jahr 1971. Worum geht's? Es geht um einen jungen Soldaten namens Joe, der in den Ersten Weltkrieg gezogen ist und dort verletzt wurde. Und zwar ganz erheblich. Und zwar hat er alle vier Extremitäten verloren. Er hat keine Arme, keine Beine mehr. Und die Unterseite seines Gesichts wurde offensichtlich weggesprengt. Wir erfahren nicht so genau, wie es aussieht, aber wir wissen, dass er nicht mehr reden kann. Dass er nicht mehr riechen kann, dass er nicht mehr schmecken kann und dass er auch kein Kinn hat. Er kann nicht reden. Und sein Gehirn wurde offensichtlich auch beschädigt. Und zwar so sehr, dass die Ärzte am Anfang davon ausgehen, dass er gehirntot ist. Dass er keinerlei, dass er einfach nicht mehr denken kann, nicht mehr wahrnehmen kann. Und dass er nicht wie ein Mensch behandelt werden muss, sondern einfach ein Stück Fleisch ist, an dem man Experimente machen kann. Dass man sich anschauen kann, dass man untersuchen kann. Und dementsprechend wird er dann in ein Hospital verlegt, wo er sogar in der Kammer abgestellt. Weil sie sagen, okay, er braucht kein Patientenzimmer, er muss ja nicht behandelt werden. Und er macht diese Kopfbewegungen und sie sagen halt, das sind noch irgendwelche Reflexe. Aber wir können nicht davon ausgehen, dass das irgendwie mehr ist als unwillkürliche Bewegungen. Und dann erfahren wir aber ziemlich schnell, dass dieser Joe doch noch wahrnimmt. Und dass dieser Joe versucht zu verstehen, was mit ihm geschehen ist und wo er ist. Und er kann, wie gesagt, er kann nicht kommunizieren, er kann nichts sehen, er kann nichts riechen, er kann nichts hören. Seine Ohren, seine Augen sind auch beschädigt. Er realisiert so nach und nach, was ihm alles im Krieg genommen wurde. Und im Laufe des Films sehen wir dann eben sein Leben, sein jetziges Leben zwischen der Tristesse des Krankenbets, in dem er liegt, unfähig irgendwas zu machen, in Schwarz-Weiß dargestellt. Und den Erinnerungen und den Träumen, in die er sich flieht, die dann auch teilweise zu sehr merkwürdigen Visionen werden, die in Farbe dargestellt sind.
Johannes Franke: Also ein sehr deprimierender Film. Danke, Flo, erstmal dafür. Ich brauche ja jede Woche, brauche ich ja mindestens einen Tiefpunkt. Ich finde, das hast du sehr gut erkannt. Dass du mich damit versorgst, da bin ich sehr dankbar.
Florian Bayer: Ich verspreche dir, ich gebe dir die nächsten Mal ein bisschen optimistischere und fröhlichere Sachen.
Johannes Franke: Ich traue dir nicht mehr, Flo.
Florian Bayer: Es ist keine Korketterie, wenn ich sage, hey, aber diese Filme haben doch optimistische Momente. Bei diesem Film, kann ich das nicht sagen? Es ist tatsächlich so, zum Beispiel, wir haben harte Filme geguckt, wirklich schwerverdauliche Filme wie The Painted Bird. Ja. Wo ich immer gesagt habe, ja, da gibt es aber auch diesen... Es gibt Hoffnungsvolle Momente, ja, ja, ja. Und in diesem Film, dieser Film hat was sehr Zynisches. Das Buch hat das noch viel krasser, die Vorlage. Und es ist wenig Platz für Hoffnung in dieser ganzen Geschichte. Vor allem eben auch durch das ungeheuer deprimierende Ende, das dann unseren Protagonisten einfach so weiter vor sich hinvegetieren lässt. Es gibt keine Erlösung. Sein Leben geht weiter. Und er fantasiert dann nochmal und sagt so, naja, ich werde jetzt einfach hier liegen gelassen und dann werde ich alt werden. Und dann irgendwann werde ich es schaffen, sneaking away oder so, sagt er. Und sterben, wenn ich ein alter Mann bin. Und wir erfahren während des Films schon, der Film spielt über einen längeren Handlungszeitraum. Wir erfahren, dass der mehrere Jahre da einfach so liegt und nichts machen kann.
Johannes Franke: Er weiß auch nicht, wie lange er da liegt, weil er auch keine Referenz hat. Bis auf die Referenzen, die ihm gegeben werden von der Nurse, die da ihm hilft und die sich um ihn kümmert. Aber das können wir alles gleich besprechen, wenn wir ein bisschen genauer in die Geschichte reingehen. Lass uns mal, ich würde gerne über Dorton Trumbo reden. Das erstmal abhaken, bevor wir in die Geschichte gehen, weil ich glaube, dass einiges besser verstanden werden kann, wenn wir wissen, wen wir vor uns haben. Das muss man sehen. Lexikon. Du hast ein bisschen mehr Info über ihn, glaube ich, als ich. Er ist, also soweit ich weiß, ist Dorton Trumbo 1905 geboren und ist einfach ein amerikanischer Schriftsteller gewesen, der Drehbücher und vor allem eben auch Novels geschrieben hat.
Florian Bayer: Ja, viele Drehbücher, mehr Drehbücher letzten Endes als Novels einfach, weil er in den 30ern und auch schon in den 20ern angefangen hat, in den 30ern vor allem für die Filmindustrie zu arbeiten. Und wirklich, er war bei allen großen Studios angestellt. Er war bei Warner Brothers, dann war er bei MGM und bei, lass mich nichts Falsches sagen, er war auf jeden Fall bei mehreren großen Studios. Und er war sehr erfolgreich als Drehbuchautor in den 30ern und hat auch, also er hat davor als Bäcker gearbeitet. Und es ist wirklich so eine Traumgeschichte eigentlich, dass er in den 30ern anfängt zu schreiben und versucht, seine Geschichten, Essays und Drehbücher irgendwie an den Mann zu bringen. Und lange keinen Erfolg hatten dann irgendwie so durch einfach glückliche Umstände und richtig veröffentlicht, zur richtigen Zeit Aufmerksamkeit auf sich zieht und dann sehr schnell bei den Studios landet. Und wir befinden uns in den 30ern, wir sind so Post-Depression-Ära, das heißt, es war schwierig damals wirtschaftlich und Dalton Trumbo kommt von einem wirklich minimalen Gehalt, arbeitet er sich nach oben. Er war dann eine Zeit lang bei Warner Brothers nur als Reader eingestellt, also Lektor und hat sich dann hochgearbeitet zum Autoren und sein Gehalt steigt nach und nach. Und gegen Ende der 30er Jahre gehört er zu den wirklich gut bezahlten Drehbuchautoren Hollywoods. Und wie das so war damals im Studio, du wurdest nicht pro Film bezahlt, sondern du wurdest vom Studio angestellt und du kriegst dann dein wöchentliches Gehalt. Sprich, er hat sehr viele Filme geschrieben und er hat ein richtig gutes Gehalt gekriegt. Er war eigentlich an der Spitze.
Johannes Franke: Seiner Meinung nach ist das, was er in der Phase geschrieben hat, wo er wirklich nur angestellt war, sehr viel Scheiße dabei gewesen.
Florian Bayer: Ich kenne keinen von diesen Filmen. Ich glaube, es ist ziemlich viel Mist dabei, weil es war halt einfach wie damals in dem Studiosystem gearbeitet wurde. Und wie geschrieben wurde, die meisten sagen, dazu kommen wir gleich, seine beste Phase war eigentlich die, in der er blacklisted war, in der er keinen Job gekriegt hat und deswegen unter Pseudonym schreiben musste. Aber ich will nicht vorweggreifen. Oh, du hast doch so viel vor der Blacklist-Ära. Bleiben wir in den 30ern, weil ein Grund für die Blacklist ist, dass er in den 30ern anfängt, sich zu engagieren und zwar aus ganz egoistischen Gründen bei Gewerkschaften für Autoren. Die Screenwriter-Guild, die dann später die Writer-Guild wurde, der ist ja beigetreten. Und Warner Brothers, wir wissen, die Warners waren keine guten Leute, haben gewarnt. Die haben gesagt, Leute, wenn ihr in diese Gilde geht, dann kriegt ihr Probleme und dann kriegt ihr keinen Job mehr bei uns. Und dadurch hat er dann auch das Studio nachher gewechselt. Und gleichzeitig war er da seitdem auch auf dem Schirm vom FBI. Das FBI hat seit dem Ende der 30er hatte ihn das auf dem Schirm. Zum einen, weil er eben als Mitglied von einer Gewerkschaft grundsätzlich schon mal verdächtigt war, irgendwie in kommunistische Umtriebe verwickelt zu sein. Und zum zweiten eben auch wegen Johnny Gattes Gun, was so ein ganz klar pazifistisches Werk war.
Johannes Franke: Ja, aber gefeiert. Gefeiert, total. Das war ein großes Ding, großer Erfolg, dieses Buch. Und kam ja auch zu einer guten Zeit. Also ich meine, das war kurz vor Hitlers Kriegsangegriff, bevor Hitler den Krieg angefangen hat. Und es war schon zu erkennen. Und er hat das aus seiner Sicht des Ersten Weltkriegs eben geschrieben, aus der Erfahrung. Und er hatte irgendwo einen Zeitungsartikel gelesen über den Prince of Wales, der einen Kanadier besucht hat, der im Krankenhaus lag. Genau eben mit... Quadruple amputees. Genau, also wo wirklich keine Arbe und Beine mehr zu retten waren. und hat halt das und noch einen weiteren Artikel wohl als Inspiration genommen, um dieses Buch zu schreiben, dieses Novel. Ich weiß nicht, ob das richtig groß ist. Wie dick ist denn das Ding? Weißt du das?
Florian Bayer: Das sind so... Ich hab's nur auf Deutsch gelesen. Da waren es, glaube ich, so 250 Seiten vielleicht.
Johannes Franke: Ja, doch, immerhin.
Florian Bayer: Ja, in meiner Vorstellung war es weniger, deswegen... Ich würde es schon eher als Roman bezeichnen. Ah ja, okay, gut. Ich kann auch gleich noch kurz was zur Vorlage sagen. Müssen wir aber gar nicht so viel machen. Ich finde es immer ein bisschen doof, so einen Film an der Vorlage zu messen. Möchtest du Tee, Flo? Sehr gerne, bitte. Dass wir da mal einmal kurz so ein bisschen Zucker... Ja, bitte. Einfach reichlich. Ich danke dir sehr. Ja, es hat halt auch einen anderen Grund, dass das Buch gut angekommen ist. Es hat unter anderem den National Book Award gewonnen. Und damals war ja Pazifismus, oder zumindest gegen den Krieg zu sein, war auch nicht komplett verpönt, weder in der amerikanischen Öffentlichkeit noch in der amerikanischen Politik. Wir haben ja in Amerika, und darüber haben wir auch schon öfter geredet, immer wenn wir so amerikanische Politik streifen, diesen Konflikt zwischen den Interventionalisten und den Isolationisten. Und gerade in der Zeit, bevor Amerika in den Zweiten Weltkrieg eingetreten ist, waren die Isolationisten durchaus eine Stärke, die gesagt haben, ey, lass die Europäer ihren Shit selbst aushandeln. Ja, deswegen haben die auch so lange gebraucht, um in den Krieg einzutreten. Auch aus dem Grund, ey, wir haben unsere schlechten Erfahrungen gemacht aus dem Ersten Weltkrieg. Es gab, die Amerikaner hatten wirklich mit viel Hoffnung den Ersten Weltkrieg eingegriffen. Und dann gab es ja auch diese Wilson-Pläne und wie wir alles umstrukturieren können und so weiter. Und dann haben sie sehr schnell festgestellt, dass die Ideen, die sie nach Europa gebracht haben, auf sehr viel Ablehnung gestoßen sind. Vor allem in Deutschland, wo es dann halt einfach so eine Ablehnung gegen diese Wilson-Pläne gab und gegen die Amerikaner. Also es gab Gründe, gegen den Krieg zu sein und Pazifismus war per se nichts, was dich zwingend verdächtig gemacht hat. Ein zweiter Grund von diesem Buch, der dazu geführt hat, dass Dalton Trumbo auf dem Radar des FBIs war, war, dass er unter anderem auch von der Kommunistischen Partei veröffentlicht wurde. Und zwar wurde das Ganze im Daily Worker veröffentlicht im März 1940. Das war eine Zeitschrift und das heißt, da wurden dann immer Teile veröffentlicht, so über einen längeren Zeitraum hinweg. Und diese Zeitschrift war von der Kommunistischen Partei. Und die Kommunistische Partei hat zu diesem Zeitpunkt auch um Trumbo gebuhlt. Die haben gesagt, hey, du hast doch irgendwie diese pazifistischen Ideale, du hast doch auch so soziale, sozialistische Ideale. Ey, du bist wirklich nicht weit weg von uns, willst du nicht Mitglied werden? Und Trumbo hat ihm lange widerstanden. Also er hatte Freunde, die in der Partei waren und er hat die auch wohlwollend wahrgenommen. Und er fand es auch ein Unding, wie es grundsätzlich so eine Ablehnung und so ein Paranoia vor Kommunisten gab. Aber er hat sich nicht entschlossen, Mitglied zu werden. Weil Trumbo war Pazifist und auch Idealist, aber er war auch Pragmatiker. Der hat zum Beispiel zusammen mit seinen Herausgebern beschlossen, als dann die USA in den Krieg eingegriffen haben, wir werden jetzt erstmal Johnny Gattes gar nicht weiter veröffentlichen. Es gibt dazu auch ein Zitat von ihm, er hat nämlich gesagt, ja, für Frieden sein ist die eine Sache, aber wir können trotzdem nicht zulassen, dass ganz Europa, wenn nicht sogar die ganze Welt, in ein Konzentrationslager verwandelt wird von den Nazis, die Juden vergasen.
Johannes Franke: Es ist ja so, dass dadurch, durch diese Aktion, durchaus er als, wie sagt man das höflich, er hängt seine Fahne nach dem Wind. Nein. Das wurde ihm vorgeworfen. Ja, aber das hat er nicht gemacht. Naja, gut, das kann ich nicht beurteilen so richtig, nachdem, was ich gelesen habe, kann ich nicht urteilen, dazu müsste ich ihn kennen oder müsste ich mit, also das ist eine sehr private Geschichte. Ich will bloß sagen, dass es das gibt, ich glaube es auch nicht. Aber ich will sagen, es gibt doch immer wieder Kommentare online, die sehr großen, naja, Hass ist auch zu viel gesagt, aber doch sehr kritisch gegenüber sind.
Florian Bayer: Ich finde, was absolut dagegen spricht, ist, dass er keinen Konflikt gescheut hat. Also nachher, wenn er vor dem Kongress aussagen muss, sehen wir das noch stärker. Aber auch schon in dieser Anfangszeit, er wurde dann ja wirklich Mitglied der Kommunistischen Partei. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei und es gibt Geschichten davon, dass er selten zu den Versammlungen da gegangen ist. Und wenn, war er betrunken und hat angefangen rumzuschreien, was alles falsch am Kommunismus ist. Also es war nicht so, dass er da versucht hat, sich mit allen gutzustellen und dass er Angst hatte, sondern er hat dann irgendwann gesagt, okay, jetzt werde ich Mitglied von der Kommunistischen Partei. Aber er war da keineswegs so eingebundenes Schäfchen, sondern der hat da ordentlich Radau gemacht und der war auch nicht besonders beliebt in der Kommunistischen Partei. Der galt so als Störenfried, ne?
Johannes Franke: Ja, aber ob das jetzt für ihn oder gegen ihn spricht, weiß ich auch noch nicht genau. Weiß ich nicht, ob das, also erstmal zu stören, finde ich immer, spricht einem erstmal für einen. Aber ich weiß nicht, ob das einen Rückschluss zulässt auf seine eigentlichen Intentionen und seinen Charakter, was das betrifft.
Florian Bayer: Naja, Fähnchen nach dem Wind hängen kann es dann doch nicht mehr sein, oder? Wenn du in einer Partei bist und du gliederst dich da nicht ein, sondern du machst da Randale und du bist noch in der Außenseiterpartei.
Johannes Franke: Aber ist es trotzdem der richtige Move, dieses Buch vom Markt zu nehmen? Weil das Buch ist ja nun auch nicht unbedingt, also ich meine, es ist natürlich ein klares Statement gegen den Krieg. Ja. Bedeutet aber doch nicht, dass man, ich meine, das ist wieder die Ambiguitätstoleranz, dass man sagen kann, okay, natürlich sind wir alle gegen Krieg und dieses Buch ist da sehr eindeutig in der Hinsicht, die Botschaft. Aber ich kann auch trotzdem sagen, wir müssen in diesem Fall in den Krieg eintreten, damit wir das Ganze beenden können.
Florian Bayer: Du meinst, es wäre der bessere Move gewesen, das Buch weiter dazulassen und zu sagen, hey, wir haben hier das pazifistische Statement, aber ich bin trotzdem für diesen Krieg. Ja, vielleicht. Ich glaube, es war einfach auch eine pragmatische Entscheidung zu sagen, hey, das Buch wird gelesen und die Leute entscheiden sich dagegen zu kämpfen.
Johannes Franke: Das hat ihn wirklich in ein seltsames Licht gestellt, weil er angefangen hat, etwas zurückzunehmen quasi, was er, also für manche Menschen, also einfach das, was ich gelesen habe.
Florian Bayer: Ach bitte, er hat es nicht veröffentlicht. Er hat es eine Zeit lang nicht veröffentlicht. Das ist was anderes, als zu sagen, ich nehme mein Statement zurück und ich dehne nicht mehr dazu. Ich finde, das ist schon ein deutlicher Unterschied.
Johannes Franke: Aber es ist schon, ihm muss klar sein, dass das so gelesen werden kann von Leuten.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, er würde sagen, scheiß auf die Leute, die das so lesen. Wer das böswillig interpretieren will, der soll es meinetwegen böswillig interpretieren. Und er war weiter in der Kommunistischen Partei aktiv, aber wie gesagt, von denen wurde er so ein bisschen kritisch gesehen. Er wurde dann auch irgendwie abgestellt zu den Hollywood-Leuten. Es wurde gesagt, okay, wir haben hier unseren Hollywood-Vertreter. Er hat ja auch Drehbücher geschrieben, was ihm auch zum Verhängnis wurde, die keine kommunistische Propaganda droppen, aber die zumindest so Klassenkampfgeschichten erzählen. Ja, ja, ja. Sein erster Oscar-nominierter Film war über eine Frau, die zur Arbeiterklasse gehört und den Arbeiterkampf da.
Johannes Franke: Aber auch das war schon in der Liste, oder? Da hat er ja auch schon als Pseudonym gearbeitet, oder? Nee, nee, das war davor. Ach, das war davor. Sorry, da bringe ich schon was durcheinander.
Florian Bayer: Fräulein Kitty, glaube ich, genau. Okay. Fräulein Kitty wurde für den Oscar nominiert als bestes Drehbuch nach einer Vorlage und das war im Jahr 1940. Aha. Und das war die Geschichte von einer Arbeiterin, also irgendwie vom Klassenkampf und das war ein riesiger Hit. Hat mehrere Oscar-Nominierungen, war auch nominiert für den besten Film, für die beste Regie, für bester Ton und für die beste Hauptdarstellerin, Ginger Rogers übrigens. Also er war schon groß und er hat das auch genutzt, nicht um kommunistische Propaganda zu machen, aber auch um Geschichten zu schreiben, die eben den Klassenkampf thematisiert haben, die eben das Schicksal der Arbeiterschaft thematisiert haben. Insofern, was das betrifft, war er ja durchaus ein fähiger Kommunist, der seine Ideen auch nach Hollywood gebracht hat. Und dann haben wir die Geschichte, die müssen wir jetzt einfach dranklatschen, die so ein bisschen parallel abläuft, vom UAC, H-U-A-C, was so viel heißt wie House of Un-American Activities Committee. Das Haus, ein Komitee, das unamerikanische Umtriebe untersucht. Das war 1934 schon gegründet worden.
Johannes Franke: Wenn schon sowas so heißt, ne? Also wenn du in Deutschland was gründen würdest. Komitee für undeutsche Aktivitäten. Was ist das bitte? Ja. Also es ist schon hart.
Florian Bayer: Und ich wette mit dir, die AfD hat sowas. Garantiert. So irgendwie so eine Splittergruppe bei sich. Wurde 1934 von Samuel Stigstein gegründet und war eigentlich geplant gegen die Nationalsozialisten. Weil es war halt die 30er und da hatte man halt das Gefühl, die Nationalsozialisten versuchen auch, Ideen nach Amerika zu bringen. Und war es auch sehr lange, aber dann so Mitte, Ende der 30er haben sie angefangen, sich auch mit Kommunisten und auch mit japanischen Kaiserreich-Anhängern zu beschäftigen. Ja. Und da wurden auch Ausschüsse gemacht und die haben Leute untersucht und die haben halt auch Listen geführt. Die haben geguckt, wer ist da irgendwie, wer ist da gefährlich, wer könnte da ein Problem sein und lasst uns mal Listen machen, lasst uns mal Akten anlegen, lasst uns das mal genau untersuchen. Unter anderem auch den Ku Klux Klan, das noch reinzuwerfen. Ja, ja, ja. Und dann aber sehr schnell mit einer erhöhten Konzentration auf den Kommunismus, einfach weil wir haben jetzt Ende des Zweiten Weltkrieges oder die Endzeit des Zweiten Weltkrieges. Und während dieser Krieg noch läuft, bilden sich schon die Blöcke in der Welt und es zeigt sich so ein bisschen, wo die Fahrt im 20. Jahrhundert hingehen wird. Nämlich in die Zeit des Ost-West-Konflikts und des Kalten Krieges und der großen Dichotomie zwischen Kapitalismus und Kommunismus.
Johannes Franke: Also das ist sowieso eine ganz, ganz gruselige Zeit. Ich kenne das vor allem aus Chaplins Perspektive, Charlie Chaplin, der mit J. Edgar Hoover eben auch einfach aneinander geraten ist, auch wegen kommunistischer Aktivitäten und so. Deswegen habe ich mich damit von der Seite mal eine Zeit lang beschäftigt und es ist einfach sehr, sehr bitter, was da passiert ist und was alles einfach totgetrampelt wurde quasi.
Florian Bayer: Ja, es wurde, es waren gar nicht so wenige Künstler in Hollywood, die zumindest mal irgendwie genannt wurden, da die unter Beobachtung standen, die kritisch gesehen wurden. Viele haben dann auch zurückgerudert und gesagt, nee, ich bin kein Kommunist, ich halte mich da raus. Humphrey Bogart war einer, wir haben vor kurzem Jahr über Humphrey Bogart gesprochen. Stimmt. Catherine Hepburn, glaube ich. Es waren auf jeden Fall, du findest Namen von sehr prominenten Hollywood-Leuten, die irgendwie mit diesem Komitee Probleme hatten, die irgendwie in der Beobachtung standen und die sich irgendwie auch öffentlichkeitswirksam vom Kommunismus lossagen musste. Die berühmtesten für uns aus Deutschland waren Ende der 40er Jahre Thomas Mann, Bertolt Brecht und Hans Eisler, die nicht nur im Fokus standen, sondern auch vor das Komitee vorgeladen wurden, was unter anderem Brecht dazu bewegt hat, die USA zu verlassen. Ah, meine Güte. Sein Leben lang irgendwie von einem Ort zum anderen, weißt du, ist auch wirklich scheiße. Der berühmte Fall, von dem wir jetzt reden, wo auch Dalton Drumbo direkt involviert ist. Drumbo hat in den 40er Jahren schon gegen dieses Komitee geschossen, hat gesagt, das sind Rassisten, das sind Antisemiten und die sind zudem, wollen sie den Künstler ruhigstellen und Redefreiheit einschränken. Der hat ordentlich gegen die geschossen. Manche sagen, er hat zu dieser Zeit auch schon merkwürdiges Falten an den Tag gelegt, dass er zum Beispiel, immer wenn er telefoniert hat, hat er am Anfang des Telefonats des FBI angeschrien, wie sie es wagen könnten, amerikanische Mitbürger zu überwachen. Geil. Also es muss schon fast so in die Richtung Paranoia gewesen sein. Ja, okay. Allerdings nur, weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind. Genau. Wir hatten ja die Listen von ihm. Genau. Und der hat schon ein bisschen geahnt, dass es irgendwann Ärger geben könnte. 1947 war es dann soweit. Da wurde er zusammen mit insgesamt 79 Personen vorgeladen, mit diesem Komitee zu reden. Er hat zu den wenigen gehört, das waren insgesamt nur 19, die gesagt haben, wir wollen da nicht kooperativ sein. Was dieses Komitee natürlich wollte, war, andere Kommunisten sollten genannt werden und es sollte eine Entsagung stattfinden von dem Kommunismus. Im besten Fall haben sie sich halt irgendwie Informationen erhofft. Es gab wohl auch einige, die wirklich mit denen kooperiert haben. Wir haben dann halt dieses klassische Denunziantentum auch, wo man es teilweise in der DDR hatte, dass Leute angeklagt waren. Vor allem, um dazu gebracht zu werden, mehr zu nennen, die man anklagen kann. Und wohlgemerkt, der Kommunismus an für sich war nicht illegal. Also es gab eine kommunistische Partei. Es war nicht verboten, Kommunist zu sein. Was die vor allem wollten, eigentlich wollten sie Leute dazu bewegen, ihnen Informationen zu verschaffen, wer sich nicht amerikanisch verhält. Und die Drohung, die im Raum stammt, war Content of Conquerors, was so viel heißt wie Missachtung, was man heute als Missachtung des Gerichts nennen würde. Darauf wurde gezielt, wenn du nicht kooperierst vor uns, wir sind eine staatliche Institution, so wie der Senat. Und wenn du nicht mit uns kooperierst, dann ist das Missachtung und dafür kann es Haftstrafen geben. Das war die Drohung, die im Raum stand. Und die Haftstrafe gab es ja dann auch. Die Haftstrafe gab es auch von den 19, die vorgelagten wurden, die gesagt haben, wir kooperieren nicht, sind dann 9 eingeklickt und zurückbleiben die berühmten Hollywood Ten, von denen Dalton Trumbo auch einer war. Das waren die, die gesagt haben, nee, wir lassen das nicht zu, wir lassen das nicht mit uns machen und wir leisten Widerstand. Und der Widerstand hat sich darin geäußert, dass sie teilweise laut wurden gegen den Kongress, teilweise gegen das Komitee, teilweise aggressiv waren auch, das teilweise verspottet haben, Gegenfragen gestellt haben. Es gibt Tonaufnahmen davon, wo dann erboste Vorsteher des Komitees sagen, wir stellen hier die Fragen, was soll das, du hast das nicht verstanden, wie das funktioniert. Einige haben gar nichts gesagt und alle hatten aber auch so ein bisschen die Hoffnung, dass ihnen die Studios den Rücken decken. Es gab da wohl auch Aussagen, dass es hieß, ey, keine Sorge, ihr kriegt keinen Ärger, wir stehen hinter euch, ihr kommt nicht auf Blacklists und das klappt schon irgendwie. Die haben sich ja auch auf die Verfassung berufen, die haben dann so auch Strategien entwickelt, die haben sich zusammen getroffen und haben gesagt, okay, lasst uns das so machen, erster Zusatzartikel, Recht auf Meinungsfreiheit, Privatsphäre und so weiter und wir boxen das irgendwie durch. Aber Trumbo wusste, dass das mit einer Haftstrafe enden kann. Der hat das schon vorher zu seiner Familie gesagt, Leute, es kann sein, dass ich ins Gefängnis komme. Und so viel Geld er verdient hat in den Jahren davor, er hat es auch gerne ausgegeben.
Johannes Franke: Ja, das ist auch der andere Teil der ganzen Geschichte, die von vielen Leuten damals kritisiert wurden, dass er so wahnsinnig stark diesen kommunistischen Gedanken quasi irgendwie nach vorne gebracht hat, diesen sozialen Gedanken nach vorne gebracht hat. Und aber auf der anderen Seite sehr gerne auf großem Fuß gelebt hat.
Florian Bayer: Ja, ich finde dieses Argument immer doof, dieses Salonkommunismus-Argument, weil du kannst Sozialist sein oder meinetwegen auch demokratischer Sozialist oder Sozialdemokrat oder wie auch immer du es nennen willst und für eine gerechte Gesellschaft sein, in der alle irgendwie ihren Teil leisten und die, die mehr haben, auch mehr leisten als die, die weniger haben. Und trotzdem kannst du konsumieren und das Leben genießen, das widerspricht sich nicht.
Johannes Franke: Ja, es fängt ein bisschen davon ab, was man propagiert. Bei ihm weiß ich es jetzt nicht ganz genau. Ich finde es vollkommen in Ordnung.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also jeder soll denen die Früchte ernten, seine Arbeit, die er geleistet hat. Vollkommen okay.
Florian Bayer: Dalton Trumbo war auch kein radikaler Kommunist. Ich glaube, der würde heute eher als Sozialdemokrat bezeichnet werden. Ja, genau. Er hat bei den Kommunisten rumgestänkert. Er hatte wenig Respekt vom Stalinismus. Er hat sich immer mal wieder mit denen gezofft und ja, ich glaube, den würde man heute eher als Sozialdemokrat bezeichnen. Naja, auf jeden Fall wurde er verurteilt. Er hat gekämpft und er hat wie viele andere verloren. Also aus diesen Hollywood Ten sind mehrere Haftstrafen rausgegangen, eben wegen diesem Contempt of Congress. Er wurde von der Writers Guild, von seiner Gewerkschaft, wurde er fallen gelassen. Ah, fuck. Vom Studio wurde er fallen gelassen. Kurz davor hatte er bei MGM seinen Vertrag verlängert. Er hat wirklich geglaubt, er wäre auf der sicheren Seite und die würden hinter ihm stehen. Und die haben ihm dann außerordentlich gekündigt. Und zwar gab es die Vorgeschichte, die PR-Abteilung von denen hat ihm dann nochmal geschrieben und hat gesagt, du darfst bei uns bleiben, aber du musst dich öffentlichkeitswirksam vom Kommunismus lossagen. Wir wollen, dass du was schreibst, wo du sagst, ich bin kein Kommunist. Und er hat gesagt, nee, das mache ich nicht. Und dann war er für zehn Monate, glaube ich, im Gefängnis. Er hatte wirklich Sorge um seine Familie. Sie hatten wenig Geld. Und wie gesagt, er hatte zu viel ausgegeben und sie hatten halt auch ein teures Haus gekauft. Und das hat er dann auch verkauft nach seiner Haftstrafe und ist mit seiner Familie nach Mexiko gezogen. Und er war zwar am Boden in dem Moment, aber er hat angefangen, wieder zu arbeiten. Und das, was er auch schon in den 30ern gemacht hat, okay, wenn mir der Erfolg nicht geschenkt wird, dann kümmere ich mich drum. Und dann hat er wie manig geschrieben. Und das hat er in den 30ern auch schon gemacht. Und wie gesagt, geblacklistet. Der durfte für kein Studio arbeiten. Und dann hat er angefangen, ein Pseudonym zu schreiben. Unfassbar viele B-Movies, aber auch richtig, richtig große Sachen. Ja, Oscar-Nominierung. Oscar-Nominierung. Oscar-Nominierung waren. 1956 hat er Brave One geschrieben, dass den Oscar für die beste Story gekriegt hat. Und Hollywood wusste nicht, dass es in diesem Moment Dalton Drummond auszeichnet. Das wurde später, wurde es akzeptiert. Ja, ja. Dann durfte er ihn entgegennehmen. Und er hat in den 50ern große Sachen geschrieben. Und es war auch so ein bisschen die Zeit, in der diese... Spartakus. Spartakus, genau. Dazu kommen wir jetzt. Das ist nämlich so der Wechsel, der so langsam stattgefunden hat. Dieses geblacklistete, das ist so ausgefaded irgendwie in den 50ern. Er hat erfolgreich geschrieben und dann irgendwann durfte auch sein Name mal wieder genannt werden. Und bei Spartakus von Stanley Kubrick, das war einer der beiden Filme, wo er endlich wieder in den Credits auftauchen durfte. Endlich wieder gewürdigt werden durfte als Autor. Unter anderem auch, weil... Moment, jetzt lass mich nichts Falsches sagen. Weil Kirk Douglas, der Hauptdarsteller aus Spartakus, sich sehr dafür stark gemacht hat. Und gesagt hat, ey Leute, wir haben hier so ein geiles Skript. Wie lange wollen wir das noch spielen, dieses Spiel? Ja. Davor gab es nämlich schon Momente, wo Filme sehr gelobt wurden. Und er hat halt immer unter Pseudonym geschrieben. Und die Presse hatte schon so ein bisschen das Gefühl... Na ahnung. Ey, das könnte doch sein. Dann haben sie ihn sogar daraufhin angesprochen und gesagt... Und er hat wohl auch so ein bisschen damit kokettiert und gemeint, naja, keine Ahnung, wer weiß. Also es war schon in den 50ern, wurde das so ein bisschen gelichtet. Und dann spätestens mit Spartakus war er eigentlich wieder so ein bisschen in Hollywood aufgenommen und wieder akzeptiert.
Johannes Franke: Hat dann auch später seinen Oscar gekriegt. Aber man muss sagen, 1993 hat er dann nach seinem Tod nochmal einen Oscar bekommen für Roman Holiday, was 1953 gewesen ist.
Florian Bayer: Ja, das ist schon bitter. Ist das nicht ein bisschen spät? Das ist schon echt hart. Das ist voll düster. Ja, das stimmt. Allerdings war er, wie gesagt, es waren dann so 50er, 60er Jahre. Er ist mittlerweile auch 60. Genau. Und es geht irgendwie... Es geht wieder aufwärts. Und es sieht wieder gut aus. Wie gesagt, er hat die erfolgreichen Filme, er hat die tollen Filme geschrieben. Er hat selbst gesagt, es war cool, diese Zeit, in der ich geblacklistet und Pseudonym geschrieben habe. Einfach, weil ich mich mit dem ganzen Öffentlichkeitsscheiß nicht auseinandersetzen musste. Ich konnte einfach gute Arbeit abliefern. Und dann in den 60ern kommt nach und nach so ans Licht, was er alles geschrieben hat. Und dann als 70-Jähriger, fast 70-Jähriger, schreibt er seinen erfolgreichen Roman. Vielleicht das Buch, mit dem alles angefangen hat, um zu dem Film Johnny zieht in den Krieg. Papillon hat er danach noch geschrieben. Und er ist dann im Alter von 71 Jahren, 72 Jahren ist er 1976 gestorben.
Johannes Franke: Und er hat seinen Körper der Wissenschaft überlassen. Ja, wie der gute Joe. Damit wären wir wieder im Film, oder? Ja. Das war, das muss man sehen, Lexikon. Springen wir in unserem Film. Du hast das Buch wahrscheinlich nicht gelesen. Ich habe das Buch nicht gelesen. Was ich darüber gelesen habe, gibt mir den kleinen Hinweis, dass ich das Buch wahrscheinlich besser finden würde als den Film. Glaube ich auch.
Florian Bayer: Das Buch ist deutlich sarkastischer, deutlich wütender als der Film. Ja, und auch, ich glaube, einfach auch konsequenter. Natürlich. Du hast halt diesen inneren Monolog. Ja. Das Buch. Der Film hat das Grundproblem, dass das Buch davon handelt, dass wir die ganze Zeit in der Perspektive unseres Protagonisten sind. Ja. Und das kannst du als Film nicht umsetzen, sonst zeigst du halt die ganze Zeit schwarz. Ja. Das ist halt das Ding. Das ist das Hörbuch. Ja, als Hörbuch zum Beispiel könnte man das machen. Ich finde so grundsätzlich, um das einmal zu machen, Buch und Film nebeneinander zu halten. Ja. Das Buch ist anders. Das Buch ist weniger sentimental. Das Buch ist sarkastischer und das Buch ist definitiv auch wilder. Also, wenn man den Film sieht, hat man das Gefühl, es ist so ein bisschen, was er reingenommen hat, was er rausgelassen hat, was er erweitert hat. Es ist so ein bisschen eine altersmilde Variante des Buches vielleicht.
Johannes Franke: Das wollte ich nämlich gerade fragen. Ist er einfach übers Alter dann zu seicht geworden, zu sanft? Das kann man auch nicht sagen, weil die Filme, die er nachher geschrieben hat, sind jetzt auch nicht unbedingt alles sanft. Ich würde den Film ja auch nicht als seicht bezeichnen. Also ich glaube, es ist schwer, den Film als seicht zu bezeichnen. Das stimmt, aber im Vergleich.
Florian Bayer: Er hat den Fokus auf andere Dinge gelegt. Er hat den Fokus eher auf das individuelle Leid gelegt und weniger auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Das ist vielleicht auch der Unterschied zwischen dem Dalton Drummond, der Ende der 30er Jahre aus einem pazifistischen Idealismus ein Buch für den Frieden schreibt und dem Dalton Drummond, der im gesetzten Alter von über 60 Jahre, fast 70, halt das alles mitgemacht hat und auch erlebt hat, wie sehr man unter die Räder geraten kann und bestimmt auch existenzielle Ängste hatte in der Zeit. Und der dann einfach nochmal ein bisschen anders verarbeitet und vielleicht auch versucht nochmal ein bisschen mehr Emotionen zu verarbeiten, ein bisschen emotionaler das Ganze zu schreiben, mehr Fokus auf die Befindlichkeiten des Protagonisten zu legen.
Johannes Franke: Ich habe leider noch einen ganz anderen Ansatz, warum der Film so anders ist. Es ist sein erster Film und sein letzter Film und vielleicht auch zu Recht sein letzter Film. Es tut mir sehr leid. Du meinst, er ist kein guter Regisseur? Ich glaube, er ist einfach kein guter Regisseur. Okay, woran machst du das fest? Jetzt wird es spannend. Jetzt reden wir über den Film. Jetzt sind wir voll drin. Meine größten Probleme sind, und das werden wir dann, wenn wir durch die Story vielleicht ein bisschen so ein paar Highlights rausnehmen oder sowas, gut sehen. Ich finde, dass das alles sehr, sehr hölzern abgearbeitet ist, was er sich an Stationen ausgedacht hat. Er will das und das zeigen, also muss ich jetzt das und das und das. Und natürlich brauche ich eine Aufstimme und die muss irgendwie emotional sein und so. Und das Problem ist, dass ich glaube, dass er ein paar Filme hätte machen müssen vorher, um das Timing dafür zu finden. Ich glaube, das Timing ist off und die Schauspieler sind off. Die meisten Schauspieler sind auch nicht besonders gut. Und es ist sehr hölzern inszeniert einfach. Ich glaube auch, dass er noch einen besseren Lichtmensch hätte können und vielleicht auch noch einen besseren Kameramann, obwohl der Kameramann vielleicht ganz okay gewesen ist.
Florian Bayer: Arbeiten wir jetzt mal Punkt für Punkt durch. Du musst mir Hölzern erklären. Was meinst du mit Hölzern? Meinst du die Art, wie Sachen aneinandergesetzt sind? Weil wir haben so sehr klare Episoden, die zwar ineinander übergehen, aber man kann irgendwie so sagen, okay und jetzt kommt das und jetzt kommt das. Und dann ist halt auch sehr, nicht streng, aber doch relativ einheitlich dieser Wechsel von Vision, Traum zu Realität. Meinst du das? Nee.
Johannes Franke: Ja, auch, aber gar nicht so das größte Problem. Lustigerweise, während des Films und im Nachhinein erklärt sich das vielleicht ein kleines bisschen, die Szenen mit Jesus. Donald Sutherland.
Florian Bayer: Donald Sutherland als Jesus, der einmal wirklich geil aus dem Zug raus hängt und ja, während er die Leute ins Jenseits befördert.
Johannes Franke: Die Szenen funktionieren fast am besten von den Erinnerungen. Ich rede vor allem von den Erinnerungen, muss ich dazu sagen. Ich glaube, dass die Szenen in Schwarz-Weiß im Krankenhaus in seiner Art und Weise inszeniert zu sein, auch ein bisschen Hölzern inszeniert zu sein, besser funktionieren. Aber ich hätte mir von den Erinnerungen was Realisterisches erwartet.
Florian Bayer: Oh, aber es sind ja fast keine Erinnerungen. Es sind ja fast nur Visionen, die er hat.
Johannes Franke: Also wie der Mix dann ist und was davon Erinnerungen und was davon Visionen ist und so, da können wir dann nochmal drüber reden. Aber ich hätte mir davon eher gewünscht, dass der Kontrast zu den Schwarz-Weiß-Bildern, die man gerne Hölzern und Tod inszenieren kann, also nicht Tod im eigentlichen Sinne, aber Hölzern und Formal fast, dass man die kontrastiert. Er macht das ja mit der Farbe. Und warum hat er es mit der Inszenierung nicht auch geschafft? Und ich glaube, das liegt daran, dass er nicht der beste Regisseur ist. Weil ich glaube, so ein richtig realistisches Szenario, wie er zum Beispiel mit seiner Freundin ist, das ist schön awkward gedacht und auch schön awkward geschrieben, aber es ist trotzdem sehr Hölzern.
Florian Bayer: Springen wir doch mal rein in dieses Szenario. Das ist ja auch tatsächlich die erste Erinnerung, die wir haben, wie er sich von seiner Freundin am Abend verabschiedet. Kareen heißt sie. Und er sitzt mit ihr auf der Couch und sie will nicht, dass er in den Krieg zieht. Also eigentlich so eine sehr klassische, glicheehafte Darstellung. Ja, genau. Das ist schon mal das erste Problem. Und dann kommt ihr Vater vorbei, macht das Licht an und macht sie zuerst zur Sau, aber dann ist ziemlich klar, dass er sagt so, ey, komm, hier. Geht schlachsern. Genau. Schnapp dir meine Tochter.
Johannes Franke: Das finde ich ganz süß. Das Problem ist bloß, dass auch das schon relativ Hölzern inszeniert ist und mir von Anfang an erklärt wird, ich höre jetzt den Film über immer wieder, wie sie und vielleicht auch noch andere, ich weiß gar nicht, ob noch andere das groß sagen, aber sie sagt es vor allem, geh nicht in den Krieg.
Florian Bayer: Aber das ist doch der einzige Moment, wo das stattfindet.
Johannes Franke: Nein, das ist nicht das Einzige. Immer wieder sagt sie, warum bist du in den Krieg gegangen, geh nicht in den Krieg, geh nicht in den Krieg, du hast mich zurückgelassen.
Florian Bayer: Jetzt nennst du die Szene, die ganz am Schluss kommt, wo sie sagt, du hast mich zurückgelassen und das ist eine Vision, in der sie sieht.
Johannes Franke: Es ist ja egal, ob es eine Vision ist oder nicht, darum geht es ja nicht. Es geht ja darum, dass ich das immer wieder hören soll jetzt von ihr. Naja, es gibt diese zwei Momente von ihr. Es gibt diesen einen Moment, wo sie sagt, geh nicht in den Krieg. Das nervt mich schon beim ersten Mal. Ich habe schon beim ersten Mal verstanden, dass sie es nicht mal ein einziges Mal sagen müssen und mir ist schon klar, dass sie nicht will, dass er in den Krieg geht.
Florian Bayer: Und das zweite ist das, was er sich zusammenträumt. Es gibt kaum noch Erinnerungen in diesem Film. Ich glaube, du vermisst den Realismus in Szenen, die gar nicht als realistisch gedacht sind.
Johannes Franke: Ist mir egal. Wenn er eine Vision hat, dann soll er die verdammt nochmal in einem guten Kontrast zu dem haben, was er da real gerade hat. Er sagt ja auch selber, das eine ist der Albtraum und das andere ist die Realität und ich wünschte, es wäre andersrum. Und dann soll er mir das andersrum auch ordentlich inszenieren, damit ich als Zuschauer...
Florian Bayer: Johannes, wirfst du gerade einen Mann ohne Arme und ohne Beine vor? Boah, dass seine Visionen nicht vernünftig sind, nicht so wie du sie dir wünschst, mit deinen zwei Beinen und deinen zwei Armen. Ist es das? Sind wir da gelandet? Flo, das ist ein Film. Ist das die Art, wie wir jetzt über Menschen reden?
Johannes Franke: Wir reden nicht über einen echten Menschen, der irgendwo echt liegt und wirklich, dass es ein Problem hat. Ich wüsste ja gar nicht, wie seine Visionen aussehen. Ich hätte gerne, dass der Regisseur diesen Kontrast, wenn er ihn schon machen will mit Farbe, dann auch in der Inszenierung ordentlich hinkriegt. Weil ich merke, dass er es eigentlich will, aber er schafft es nicht.
Florian Bayer: Ich mag diese Erinnerung, diese erste, diese Awkwardness, wenn sie dann zusammen im Bett liegen, wenn sie sich im Bett auszieht unter der Decke und dann sagt so und jetzt bist du dran und dann steht er da und zieht sich aus und sie guckt natürlich und dann springt er zu ihr unter die Bettdecke und es ist einfach voll putzig. Es ist wirklich süß in dieser Unschuld und das ist ja auch, was ein Motiv ist in diesen Erinnerungen, die ich auch dadurch immer so ein bisschen drüber kitschig finde, dass alles so weich gezeichnet ist und alles in diesem Schummrigen ist. Ich glaube, das ist ein Versuch, so ein bisschen Kontrast zu schaffen zu diesen sehr harten, kalten Schwarz-Weiß-Bildern, aber es ist, da stimme ich dir zu, immer so ein bisschen drüber. Ich kann es verschmerzen, weil ich würde behaupten, das und dann noch eine Szene danach sind die einzigen wirklichen Erinnerungen, die wir haben und der Rest ist irgendwie, was er sich so zusammenspinnt. Und dann passt es auch wieder, dass alles so unter dem Schleier der Drogen ist, er ist ja auch die ganze Zeit sediert, er sagt ja auch, oh nee, nicht schon wieder diese Drogen und dann driftet er wieder weg. Das passt schon irgendwie, das finde ich gut.
Johannes Franke: Es passt schon irgendwie, aber ich finde, dass es von der Inszenierung, meinetwegen soll er den Weichzeichner drauflegen auf alles, das ist vollkommen in Ordnung. Ich finde bloß, dass er nicht gut genug eingesetzt ist und ich finde, dass er es nicht schafft, das Timing hinzukriegen und dass alles so voll auf die Zwölf ist. Alles, was die sagen, trägt so viel Botschaft mit sich und sagt, hier, das will ich dir sagen. Es gibt mir wirklich den Staffelstab in die Hand immer und immer und immer und immer wieder. Wo ich dann denke, ja, gib mir wenigstens ein bisschen Raum, selber mitzudenken oder was selber zu entdecken. Ich sehe das nicht.
Florian Bayer: Also vor allem diese, ich kann verstehen, wenn du sagst, okay, mir ist das ein bisschen zu hölzern inszeniert, aber diese Repetition in der Botschaft, die finde ich gar nicht so stark. Also in den Erinnerungen, ich meine, was haben wir denn noch für Erinnerungen? Wir haben eine Erinnerung daran, dass er erfährt, wie sein Vater stirbt. Wir haben die Erinnerung an seine Kindheit, wo es so einen awkward Moment mit seinem Vater gibt. Irgendwie so eine Vision von einer Kirche. Spirit is real, man is not material. Es sind alles so, es sind so Ausschnitte und die haben immer was Fantastisches. Das sind für mich keine Erinnerungen mehr und es sind immer so Sachen, die einfach nur so Eindrücke sind, ohne tiefere Botschaft. Es gibt noch diesen einen Dialog mit seinem Vater, wo er sich so als Kind zieht und mit seinem Vater redet und dann fragt, was Demokratie wäre. Und der Vater sagt, naja, für Demokratie heißt es, wenn Leute im Krieg sterben. Und er fragt, ich auch? Und der Vater sagt dann, nein, natürlich würde ich meinen Sohn in den Krieg geben und sterben lassen für die Demokratie. Das ist alles so merkwürdig.
Johannes Franke: Aber das ist genau wieder die gleiche Botschaft. Er haut da voll drauf. Das Ding ist, der Film bringt ja die Botschaft mit, ohne dass er das, er muss nichts davon aussprechen. Und wir wissen, was die Botschaft des Films ist. Und dass es tut, ist für mich einfach so ein, schon ein einziges Mal, ist schon fast drüber. Okay, ich glaube, du würdest das Buch doch hassen.
Florian Bayer: Ich glaube, du solltest das Buch nicht lesen, weil das Buch hat definitiv viel mehr Botschaft und hat viel mehr auch Wiederholung von dieser pazifistischen Botschaft.
Johannes Franke: Weil eigentlich, naja, aber im Buch, weißt du, im Buch hast du die visuelle Komponente nicht. Hier hast du die visuelle Komponente. Du siehst diesen, den Körper, der nicht mehr wiederzuerkennen ist und hast sofort die Botschaft drin. Dann reicht im Grunde, wenn du dann noch seine Visionen, seine Erinnerungen und so weiter so unterbringst, ohne dass du da noch irgendwie versuchst, diese Botschaft, die du allein schon durch das Angesicht der Krankenhaus-Szenen hast, nochmal zu wiederholen. Also das brauchst du einfach nicht.
Florian Bayer: Ein Problem dabei ist, also in dieser Diskussion, dass ich bei dem Film in diesen Krankenhaus-Szenen viel weniger die pazifistische Botschaft wahrnehme und viel mehr reingezogen bin. Und da funktioniert für mich die Immersion total gut. In dieses Gefühl, oh shit, der arme Typ. Und oh shit, stell dir mal vor, wie das wäre, wenn du jahrelang da liegen würdest. Du hast kein Gefühl für Zeit und Raum. Auch dieses, ich schreie und werde nicht gehört. Er schreit ja in seinen Gedanken, oh mein Gott, ihr habt mir meine Arme genommen. Das kann man in dem Moment auch unfreiwillig komisch finden. Hat auch ein bisschen was davon, wenn er so sehr viel schreit und nicht gehört wird. Aber vor allem, finde ich, werde ich da erstmal emotional total reingezogen. Ja, das ist krass. Und diese Vorstellung, krass, stell dir mal vor, du liegst da, du siehst nichts, du hörst nichts. Und es gibt ja wirklich diese Black-Scenes, ich freue mich auch, wenn die immer mal wieder kommen, wo wir wirklich nur schwarz haben. Und er fragt, warum ist es so dunkel, was ist los? Wo wir uns wirklich damit konfrontiert sehen, wie wäre es, wenn du in diesem Zustand wärst und wie würde sich das anfühlen? Ist absolut so. Und da ist der Pazifismus gar nicht so stark in diesen Szenen, sondern da ist es vor allem eben einfach dieses Gefühl, krass, was aus dir geworden ist. Aber das ist doch volle Kanne implizit. Also da kommst du ja gar nicht drum rum beim Gucken. Es geht um die emotionale Ebene. In dem Moment ist es komplett rausgefiltert, weil ich einfach total bei diesem emotionalen Zustand bin.
Johannes Franke: Ja, auch vollkommen in Ordnung, aber du guckst den Film ja nicht ohne Vorerfahrung. Du weißt ja trotzdem, du hast ja dieses Implizite, ist ja trotzdem drin. Das heißt, wenn du den Film gucken würdest, ohne diese ganze ausgesprochene Botschaft, würdest du die Botschaft trotzdem verstehen, oder nicht? Ja, aber ich, nochmal, ich glaube, die Botschaft wird nicht so viel ausgesprochen, wie du behauptest. Also, es muss ja nicht nur von ihr kommen, indem sie sagt, geh nicht zum Krieg. Ja, von wem kommt sie dann noch? Sie kommen noch von dem Vater, der dieses Gespräch mit ihm führt. Sie kommen noch von dem Gespräch mit Jesus, wo auch immer wieder implizit gesagt wird, weil Jesus irgendwann auch irgendwann die Schulter zuckt und sagt, tja, Pech gehabt.
Florian Bayer: Ja, aber Jesus kommentiert auch die ganze Zeit seinen Zustand. Er versucht mit Jesus irgendwie zusammen herauszufinden, wie er da rauskommen kann. Ja, ja, klar. Seine Diskussionen mit Jesus sind doch vor allem so, ey, ich hab einen Albtraum und kann nicht wach werden. Und dann sagt Jesus, versuch die Augen aufzumachen. Geht nicht, hab keine Augen. Das sind die Gespräche mit Jesus. Und dann am Schluss sagt Jesus auch irgendwann, was ich übrigens sehr schön finde, Donald Sutherland, der so Schulter zuckt und sagt, okay, du hast hier echt ein Dilemma. Tut mir leid, jetzt komme ich auch nicht mehr weit. Ich fahre dann mal mit den anderen weiter. Genau. Also, ist schon krass. Und auch dazwischen, also wir haben so viele Momente, wo es letzten Endes vor allem um diesen Körper, Körperlosigkeit, Wahrnehmung und Wahrnehmungslosigkeit geht. Zum Beispiel die Szene, wenn wir die Ratte haben. Also, die vermeintliche Ratte. Die vermeintliche Ratte, ja. Wo er das Gefühl hat, da krabbelt eine Ratte über ihn und frisst an ihm rum. Ja, sehr, sehr gute Szene. Und dann sehen wir diese Verarztung. Und wir merken mehr und mehr, dass nicht mehr klar ist, was traumend real ist. Das ist was, was im Buch natürlich besser funktioniert, weil im Buch bleibt es komplett offen. Im Buch gibt es dann wirklich so seitenweise, wie er da liegt und spürt, wie ein Tier über ihn krabbelt. Ja. Und dann ist es weg und er weiß nicht, was los ist. Und dann merkt er, dass jemand im Zimmer ist und er fragt sich, ob diese Person das Tier vertrieben hat oder ob das Tier überhaupt nicht da war. Und er bleibt, wie wir als LeserInnen mit diesem Fragezeichen einfach stehen. Ja. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind.
Florian Bayer: Also auf Spotify oder Apple oder sowas. iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer
Johannes Franke: Podcatcher anbietet. Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah. Oh, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Ich glaube, dass dieser Film ein einziger großer pazifistischer, ein Manifest ist quasi. Und ein pazifistisches Manifest hat vor allem eben ein, genau ein großes Thema und darin erschöpft es sich. Und das finde ich vollkommen in Ordnung für ein pazifistisches Manifest. Aber für einen Film hätte er vielleicht noch ein paar mehr Themen machen können. Weil er wirklich jede Szene, echt für mich, fährt jede Szene die gleiche Botschaft nach Hause.
Florian Bayer: Ach, das ist schade. Dass du außerhalb, natürlich hat der Film diese pazifistische Botschaft, die ist ja auch wichtig, die ist zentral, die war ja im Buch auch zentral. Aber dass du außerhalb von dieser Botschaft nicht diese Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und mit Körperlichkeit gesehen hast, das finde ich echt schade.
Johannes Franke: Nein, das stimmt schon. Vor allem eben einfach in den Krankenhaus-Szenen. Da bin ich auch voll in ihm und da habe ich auch das Gefühl, mit der Ratte ist eine ganz großartige, gruselige Szene. Und gegen Ende wird es auch wieder interessanter mit dem Morse-Code und so weiter. Das kriegt er auch gut hin, auch wenn ich die ganze Zeit, bis er irgendwann auf diesen blöden Morse-Code kommt, mich frage, warum zur Hölle liegt er da irgendwie mehrere Jahre, ohne dass irgendjemand auf irgendeinen Gedanken kommt, mit ihm kommunizieren zu wollen. Also offensichtlich sind die Nurses ja irgendwie ein bisschen näher an ihm dran und versuchen schon eher, was mit ihm anzufangen.
Florian Bayer: Die versuchen es ja auch teilweise. Also wir haben ja so zwei, drei Momente von Menschlichkeit, wenn zum Beispiel die Ältere sagt, okay, wir machen jetzt hier das Fenster auf und wir lassen hier mal Sonnenlicht rein.
Johannes Franke: Voll gut, ja. Was für ihn so voll der Moment ist, oh krass, Sonnenlicht, ich kann Tage zählen. Ja, wo ich fast ein bisschen lachen musste, weil das wirklich seine Reaktion sehr drüber ist. Aber es ist in Ordnung.
Florian Bayer: Naja, wir haben auch diese Schrei-Situation. Aber auch da wieder, es ist diese Verzweiflung, die ich irgendwie nachvollziehen kann. Ja, ja, natürlich. Also ich meine, das ist einfach krass, in welchem Zustand er ist. Und dann haben wir natürlich, die später eingeführt wird, die auch keinen Namen kriegt, sondern einfach Nurse No. 4 ist, die reinkommt und ihm Hand auf den Bauch. Wolltest du? Ja, sie gibt ihm einen Handjob. Aber es ist gut für ihn. Er darf aus dem Wasser auftauchen, ist total toll. Es ist zwar schwer, Konsent zu kriegen. Und die dann ja auch noch mehr für ihn macht. Sie legt ja die Hand auch auf den Bauch, sie legt die Hand auf die Stirn und sie schreibt ihm Merry Christmas auf die Stirn. Ja. Und die dann auch. Nicht auf die Stirn, auf die Brust. Auf die Brust. Die dann auch, sie küsst ihn auf die Stirn. Die dann auch Auslöser dafür ist, dass überhaupt mal geguckt wird, dass es mehr ist als nur Bewegungen, Reflexe. Das ist ja das, was die ganze Zeit gesagt wird. Das ist ja das Narrativ, was sie immer wieder sagen. Das sind nur Reflexe, das soll man nicht ernst nehmen, das soll man ignorieren. Und das wird ja im Film auch mehrmals thematisiert, dass sie gucken, was macht der da? Na, der Arzt hat gesagt, es sind nur Reflexe. Okay, abgehakt. Ignorieren wir einfach weiter. Und wir haben ja immer wieder Szenen von ihm, wie er darum kämpft, wahrgenommen zu werden. Ja. Und dann immer wieder dieser Moment, wo er sagt, oh nein, nicht schon
Johannes Franke: wieder diese scheiß Sedative. Aber dass er nicht auf die Idee mit dem Morse-Code
Florian Bayer: kommt vorher. Noch mal, Johannes. Du wirfst jetzt einen Mann ohne Arme, ohne Beine, ohne Wahrnehmung, gefangen in seinem Körper vor, dass er nicht auf die Idee kommt, Morse-Code
Johannes Franke: zu machen. Da sind wir gelandet. Das sind mehrere Jahre. Ja. Jahre. Und er kommt nach Jahren irgendwann auf die Idee Morse-Code, den er gelernt hat offensichtlich. Er ist jahrelang
Florian Bayer: verzweifelt. Jeder einzelne Moment der Realisierung, shit, ich werde hier, das kann ich auch nicht, das fehlt mir auch, das fehlt mir auch. Also du sagst, die Krankenhaus-Szenen, die Inszenierung
Johannes Franke: funktioniert für dich. Ja, also die haben ihre ganz eigene Atmosphäre und ihre eigene Dynamik und so weiter. Und die machen das, was ich mir vorstellen würde, als Kontrast zum vorherigen Leben. Ja. Also das, was an Eindruck da ist, für mich als Mensch, der sich hineinversetzt in ein Opfer, diesen Ausmaßes, das kann ich mir gut vorstellen, dass das der Kontrast ist, den man machen muss, um das zu inszenieren. Also ich finde die Krankenhaus-Szenen unglaublich
Florian Bayer: stark. Und natürlich auch durch den Wechsel zu den Träumen, Visionen, Erinnerungen. Ja, es ist so ein bisschen obvious, das zu machen, das Krankenhaus schwarz-weiß dargestellt und die Erinnerungen in dieser Farbe, die so ein bisschen entsättigt ist und in einem Weichzeichner. Aber es funktioniert einfach verdammt gut. Und ich mag auch die Licht- und Schattensetzung im Krankenhaus. Das hat sowas sehr Beklemmendes. Wir haben hier sehr viel Dunkelheit. Wir haben auch ständig dieses klaustrophobische Gefühl, auch wenn wir nicht komplett in ihm drin sind, so sind wir zumindest mit ihm in diesem Raum, der halt so der triste Raum ist, den man sich vorstellen kann. Wir haben wirklich viele Bilder, wo wir einfach nur ihn unter dieser Maske sehen, die aussieht wie so ein Nurse-Tuch, Hut. Und es sind ja auch Bilder, wo nicht viel passiert. Wir haben Leute, die rein und raus gehen aus dem Zimmer und wir haben ihn, wie er seinen inneren Monolog führt. Und er braucht einige Zeit, bis er versteht, dass sie ihn nicht hören können, weil er versucht, auch mit den Leuten zu reden. Das ist im Buch übrigens auch ziemlich krass. Das ist im Buch wirklich gut beschrieben. Wie er versucht, mit den Leuten zu reden und so nach und nach. Und dann immer mal wieder fragt, hören sie mich nicht? Ich höre doch, dass sie da sind. Und ich merke doch, dass sie da sind. Ich merke doch Erschütterung. Ja. Und dann irgendwann begreift, ach, sie hören mich nicht, weil ich gar nicht rede. Und dann versucht irgendwie so seinen Mund zu fühlen. Ich finde, das ist schon sehr gut von der Beklemmung getroffen. Und dann dieser Wechsel zu den Traumbildern. Ja, die Traumbilder sind auch ein bisschen Hölzern. Definitiv. Bin ich ganz bei dir. Danke. Und die sind auch, meine Kritik an den Traumbildern wäre tatsächlich nicht das Hölzern, sondern eher, dass sie so ein bisschen sehr sentimental sind in diesem Weichzeichner-Look. Ja. Und sie haben ja auch diese Musik und der Darsteller von ihm. Das ist ja auch, Timothy Bottoms ist ja auch so, der hat die ganze Zeit diesen naiven, verträumten Blick. Ja. Ich finde seine Stimme richtig gut in dem Film. Ich finde ihn als Schauspieler, wenn er... Mir geht's andersrum. Geil. Ich finde ihn in der Stimme, finde
Johannes Franke: ich ihn nervig am Anfang. Irgendwann gewöhnt man sich dran. Irgendwann kommt man über den Punkt wieder hinaus und kann damit wieder klarkommen. Aber ich habe ihn am Anfang sehr nervig empfunden, die Stimme. Und da als Schauspieler fand ich ihn irgendwie... Ich wollte wissen, wie es ihm geht. Ich finde ihn... Er setzt zu sehr auf dieses naive Jünglinge-Ding. Immer
Florian Bayer: wenn wir ihn sehen, wirkt er wie so ein ratloser, planloser, naiver Jüngling. Ja. Aber er macht das... Aber das ist er ja am Anfang auch. Das soll er auch sein. Es ist vielleicht ein bisschen... Es ist einfach ein bisschen zu viel vielleicht davon. Ja, vielleicht. Auch weil es natürlich dieser Kontrast zu dem sein soll, was wir im Krankenhaus von ihm sehen, beziehungsweise mehr hören. Und da finde ich es schon krass. Seine Stimme klingt anders. Und es ist schwer, seine Stimme zusammenzukriegen mit diesem Jüngling, den wir da sehen. Und das macht er schon sehr überzeugend. Und ja, er schreit manchmal ein bisschen drüber. Meine Arme, meine Arme, jetzt nicht auch noch meine Arme. Was soll ein Mann ohne Arme machen? Also wir haben wirklich diese Hysterie ganz oft in der Stimme. Ich finde es aber... Ich finde es passend zu der Situation, in der er ist. Und ich mag den Wechsel in seiner Stimme von dem lauten, hysterischen, ängstlichen zum wütenden und dann auch einfach zum komplett lethargischen, resignierten. Immer wenn er unter Drogen gesetzt wird und dann auch so wegfädelt. Das macht er echt gut. Und ja, die sind Hölzern, diese Zähne, diese Erinnerungen. Darauf wollte ich eigentlich hinaus, diese Vision. Aber dafür sind sie für mich auch einfach immer genug Traum, um nicht realistisch sein zu müssen. Er hat zum Beispiel dieses komische Gespräch mit seinem Vater. Das ist wirklich merkwürdig. Das macht keinen Sinn. Sein Vater sagt ihm, dass die Angelrute ihm wichtiger ist als der Sohn. Und dann sagt sein Vater ihm, dass er ihn töten würde im Krieg. Und dann sagt er, jetzt umarme ich aber. Und dann gibt es diese ganz merkwürdige Umarmung. Das ist so abgehoben und so eindeutig nicht einfach nur Erinnerung, sondern das Bild, was er von seinem Vater hat, vermischt mit seinen Ängsten und Hoffnungen, dass das für mich ein rundes Ganzes ergibt. Und ich gehe total mit dir. Buñuel hat übrigens teilweise die Erinnerungen, diese Jesus-Dinger. Und das hat natürlich, das versprüht auch den Geist des Surrealismus. Auch wenn er sich dann diese Freakshow vorstellt, wo er sich wünscht, dass er da mitziehen könnte. Und dann haben wir diese Blenden. Du weißt, ich bin kein Fan von Blenden. Blenden sind Kindchen. Und die haben wir in diesem Film öfter, wo Sachen so übereinander geblendet sind. Das funktioniert für mich, weil es eben keine realistische Darstellung seiner Erinnerung sein soll. Sondern dieses, ich bin sediert und triffte unter Drogen weg. Irgendwas zwischen Traumerinnerung und Albtraum.
Johannes Franke: Ja. Ich finde, bei dem Karneval, da komme ich auch sehr gut mit. Das finde ich sehr gut. Auch, dass dein Vater dann dieser Thymus ist, der die Leute ranholt und so.
Florian Bayer: Und seine Mutter ist auch nochmal kurz zu sehen. Die sagt dann auch irgendwas. Und da kommt dieser Humor, das wirklich ein düsterer, abgefuckter Humor ist, der Vorlage durch. Dieser Monolog, wo er am Schluss, wo sie ihn fragen, was er will. Und er sagt, schick mich mit dem Karneval raus. Hat meiner Erinnerung nach im Buch einen sehr großen Teil eingenommen. Und da geht er wirklich ab. Noch im Buch deutlich mehr als im Film. Und das hat so was unfassbar Zynisches. Wenn er sich vorstellt, wie er im Zirkus sein könnte. Und wie er da vorgeführt werden könnte. Und wie er den Leuten dann mit Morse-Code Fragen beantworten könnte. Finde ich krass. Und zeigt halt auch so seine komplette Entrückung in diesem Moment. Und er redet dann ja auch ganz manig und ganz viel. Und versucht so viel wie möglich rauszulassen. Er will ja auch einfach nur eine Zeit lang kommunizieren. Ja, ja, natürlich. Wie fandst du denn seinen Vater? Jason Roberts.
Johannes Franke: Ja, wie fand ich seinen Vater? Ja, okay, I guess. Ich weiß nicht.
Florian Bayer: Der zweimal den Oscar gewonnen hat, als bester Nebendarsteller. Okay. Der unter anderem, ich spiele mir, das Lied vom Tod mitgespielt hat. Okay. Und in Magnolia. Huch. Ja. Das habe ich nicht übereingebracht. In Magnolia spielt er, glaube ich, den Alten, der kurz vorm Tod ist. Okay. Ich finde ihn super. Ich finde, er ist, er ist, er kommt ja gar nicht so oft vor. Er ist neben Donald Sutherland der stärkste Schauspieler im Film. Ja, ja, genau. Und auch ganz spannend, die beiden so im Kontrast. Wir haben hier zwei Vaterfiguren. Also er hält sich dann ja irgendwann ziemlich lange an Jesus und wird ja so angedeutet. Das finde ich auch schön in Erinnerung, dass alles so angedeutet wird, was er für eine Vergangenheit hat. Er hat offensichtlich irgendwie ein problematisches Verhältnis zu seinem Vater. Und vielleicht so diese Unsicherheit, ob er vom Vater geliebt wird. Vielleicht ist er sogar in den Krieg gezogen, um seinen Vater posthum stolz zu machen. Und dann diese zweite Vaterfigur, die eingeführt wird mit dem Jesus, der so sehr pragmatisch mit ihm redet und einfach Problemlösungen versucht anzubieten. Finde ich einen schönen Kontrast.
Johannes Franke: Ich finde es auch gut, dass Jesus keine Lösung hat. Ja. Also das macht natürlich die Hoffnungslosigkeit umso stärker. Aber ich finde es super, dass Jesus ja nicht sagt, ja komm, dann machen wir folgendes. Und die da irgendwie eine Lösung parat hat. Jesus ist einfach ein Dude, der mit den Soldaten Karten spielt, kurz bevor sie ins Totenreich geführt werden. Ja, ja, ja. Ich finde es super. Ich finde es eine gute Darstellung. Die Frage ist so ein bisschen nach der Hoffnungslosigkeit, die wir vorhin angedeutet haben. Du findest, dass in diesem Film wenig Raum für Hoffnung ist. Ich finde, dass dieser Film vor allem deswegen funktioniert, weil viel Raum für Hoffnung existiert für diesen, für die Figur, also wie er sich spielt. Weil er das immer wieder versucht und am Ende verliert er. Aber er behält uns als Zuschauer überhaupt erst dran, weil er immer wieder was versucht. Und das ist die Hoffnung, mit der er spielt. Das, was er am Ende, was es umso schlimmer und tragischer macht, dass die Hoffnung verliert. Ja. Aber die Hoffnung ist das, was uns weiter trägt.
Florian Bayer: Das ist übrigens krass. Also da bin ich auch ganz bei dir. Du magst keine passiven Protagonisten. Nein, ganz wenig. Wir erleben das so oft in Filmen, die eigentlich so auf sympathische Protagonisten oder Protagonistinnen setzen, die eigentlich Handlungstreiber sein sollen, dass sie nicht handeln. Dass sie nur hin und her geschubst werden, einfach weil das Drehbuch ihnen keine Option gibt zum Handeln. Ja, genau. Und dann haben wir diesen Film, wo unser Protagonist keine Chance hat zu handeln. Gar nichts machen kann, ja. Und er macht
Johannes Franke: doch ziemlich viel dafür. Ja, naja. Ich meine, er ist zurückgeworfen auf seinen Geist und alles, was passiert, alles, was wir sehen, passiert in seinem Geist. Und also nicht alles, weil wir die Krankenhaus-Szenen von außen auktorial sehen, aber im Wesentlichen ist es ja seine Innenperspektive. Und er bemüht sich. Ja. Er entwickelt sich auch, ne? Er entwickelt auch ein System, Zeit zu messen und all das, was alles Sachen sind, wo ich sage, ja, genau das brauche ich. Auch am immobilsten Charakter in einem Film. Jemand, der sich darum kümmert, dass etwas passiert. Darum kümmert, dass es vorangeht und dass die Situation besser wird als die Sekunde vorher.
Florian Bayer: Dann hast du aber keine Hoffnung für den Protagonisten, sondern Hoffnung für die Fähigkeit, eines Plots mit einem noch so handlungsunfähigen Protagonisten trotzdem Handlung zu inszenieren. Du hast so eine Meta-Hoffnung, habe ich das Gefühl. Was? Nein, weißt du, was ich meine? Du findest, dass es die Hoffnung gibt, dass der Protagonist handelt. Aber das ist ja eigentlich nur so, krass, wir haben hier so ein Skript, so eine Prämisse. Und trotzdem kann der Protagonist handeln. Ja, Film, Medium, du bist toll.
Johannes Franke: Das sind zwei unterschiedliche Ebenen. Natürlich finde ich es bewundernswert, einen Film zu schaffen, indem du einen Charakter hast, der keinerlei Mobilität hat und keine Chance hat, irgendwas voranzutreiben und es trotzdem tut. Aber ich find's trotzdem auch für den Charakter, ich will ja diesem Typen trotzdem folgen. Das ist ja wichtig. Ich möchte ja da sitzen als Zuschauer und aus einer Hoffnungslosigkeit trotzdem Hoffnung schöpfen. Weil sonst müsste ich den Film nicht angucken. Sonst würde ich den Film ausmachen. Und deswegen schwinge ich an der Liane der Hoffnung bei ihm von einem Baum zum nächsten und denke, okay, jetzt haben wir da vielleicht einen kleinen Zweig, an dem wir uns festhalten können. Jetzt ist vielleicht der Nächste. Jetzt kann er seine Zeit messen. Okay, das beschäftigt ihn und das rettet ihn vielleicht vom völligen Abdriften in den Wahnsinn. Wie fandst du den Zeitraffer, wenn er anfängt, die Zeit zu messen und diese Jump Cuts? Ich glaube, ein kleines bisschen off vom Timing, aber an sich von der Idee her gut. Also ich fand die Idee gut und die Umsetzung war ein kleines bisschen off vom Timing. Aber an sich gut. Wieso? Was bei dir ist dein Eindruck?
Florian Bayer: Also es war ein bisschen unpassend, weil wir die ganze Zeit diese Kälte haben und diese sehr monotone und dieses Kammerspielartige. Und dann springt es plötzlich. Aber es passt auch wiederum irgendwie, weil es zum ersten Mal ist, dass er irgendein Gefühl für Zeit hat. Und dann lassen wir halt einfach mal Zeit vergehen. Und davor ist auch viel Zeit vergangen, aber es hat sich wie Stillstand angefühlt. Deswegen passt es einfach, weil es so eine krasse Fallhöhe ist. Und er singt dann für sich so sein Silvester-Lied. Ich glaube, ich hätte mir ein bisschen mehr das Bizarre noch in den Visionen gewünscht. Also ich finde Visionen immer dann am stärksten, wenn sie nicht sentimental, sondern Bizarre sind. Zum Beispiel, wenn er seiner Freundin begegnet in einer der letzten Visionen und sie fragt, wo warst du und sowas, was dich ja genervt hat. Da ist mir alles so ein bisschen zu sentimental. Aber wenn er mit Jesus redet oder wenn Jesus mit diesem Jubeln wegläuft oder wenn Dalton Trumbo selbst seinen Cameo-Auftritt hat als Professor, der sagt, schaut euch diesen Mann an, was wir von ihm lernen können. Und jetzt können wir innerhalb weniger Tage können wir komplett zerstörte Soldaten wiederherstellen, dass sie weiterkämpfen können. Das sind wirklich starke Momente.
Johannes Franke: Das stimmt. Da gebe ich dir absolut recht. In der Richtung, da fängt es dann auch an, von dieser hölzernen Inszenierung so ein bisschen wegzugehen und Leben zu bekommen. Ein wirkliche, vielleicht das, was das Buch eigentlich hat. Diesen Biss und diesen lebendigen Biss und dieser Tiere und dieser, was hattest du vorhin gesagt? Du hattest einen guten Begriff dafür. Surrealismus? Nee. Für diesen Biss und diese Bösartigkeit. Zynismus. Dieser Zynismus. Zynismus hätte mich auch interessiert. Absolut. Natürlich.
Florian Bayer: Ich glaube, dafür hat Trumbo dann eben doch, im Gegensatz zum Buch, vielleicht in dieser Zeit auch einen stärkeren Fokus auf die Emotionen legen wollen. Weil das gelingt dem Film wirklich besser als dem Buch. Diese Ohnmacht. Diese Ohnmacht darzustellen und uns in diese Ohnmacht reinzuziehen. Auch in diesen, das Buch hat es nicht. Diesen Schluss, der so wirklich hoffnungslos ist, wo er einfach nur noch sagt, tötet mich und es wird nicht gestattet und sie versucht ihn dann ja noch zu töten, aber dann wird er rausgelassen. Und diese radikale Ohnmacht, das macht der Film schon verdammt gut. Auch sowohl auf einer parabolischen als auch auf einer emotionalen Ebene. Da bin ich voll drin. Da fühle ich einfach mit und muss auch echt schlucken.
Johannes Franke: Naja, also der Film macht viele Sachen richtig und gut, aber eben macht es mir schwer, ihm zu folgen, weil er eben so hellzern und sehr, ja, auch so sentimental, wie du sagst, inszeniert ist.
Florian Bayer: Ich glaube, was viel ausmacht, ist, dass Dalton Trumbo wirklich exzellent schreiben kann. Wahrscheinlich bin ich sogar bei dir, dass er, er ist ein Regieanfänger. Auch wenn er viel mit Regisseuren zusammengearbeitet hat in seiner Filmzeit. Ist er ein Regieanfänger?
Johannes Franke: Und das versteht mich nicht falsch, es ist ein gutes Erstlingswerk, was ich hier von ganz vielen Erstlingen kenne, in der Berliner Szene, wo man einfach Filme dreht. Er war 66 damals. Ich glaube, ich finde das ein bisschen hart. Dafür ist er ja 66 und deswegen ist er vielleicht auch ein bisschen besser als die meisten Anfänger hier.
Florian Bayer: Es ist mehr als nur ein Erstlingswerk. Es ist mehr als nur ein Anfängerwerk. Er spielt wirklich geschickt zwischen den Ebenen. Wir haben diesen starken Kontrast zwischen den Schwarz-Weiß-Szenen und den Farb-Szenen, zwischen den sentimental verkitschten, surrealen Erinnerungen, Visionen und dem eiskalten Ist-Zustand. Aber ich glaube, den Film doch anzusehen, dass das Wissen theoretisch ist. Und das Wissen theoretisch ist. Das kann gut sein. Dalton Trumbo war natürlich auch ein Theoretiker. Der wurde ja für Drehbücher überhaupt erst entdeckt, weil er diverse Texte geschrieben hat für Essays, für Zeitschriften. Und er war ein Vielschreiber. Also ich finde, das Drehbuch ist wirklich gut. Das Drehbuch ist wirklich stark. Wie er es geschafft hat, diesen Roman, der alles andere als leicht umzusetzen ist, in ein Drehbuch zu adaptieren, das finde ich schon verdammt stark. Ist er in der Inszenierung ein bisschen daneben? Ja. Ja, vielleicht. Ein bisschen zu sentimental, vielleicht auch ein bisschen zu hölzern. Aber er macht trotzdem was Rundes draus. Und angesichts dieser Mammutaufgabe, die er damit hat, kann ich davor doch nur meinen Hut ziehen.
Johannes Franke: Und um versöhnlich zu sein, das Thema ist natürlich wahnsinnig wichtig. Und er hat den Gedanken, den Grundgedanken, diesen Menschen zu begleiten, der wirklich gar nicht mehr kommunizieren kann mit der Außenwelt. Was nur das Schlimmste ist, was man sich vorstellen kann, was überhaupt irgendjemandem passiert und was das beste Argument gegen Krieg überhaupt darstellen kann. Sehr gute Idee einfach, das zu machen und diesen inneren Monolog zu schreiben. Also insofern, natürlich ein sehenswerter Film. Also so ist es nicht. Oder vielleicht eben das lesenswerte Buch, vielleicht. Wollen wir mal zu unserer Top 3 springen, bevor wir ein Fazit machen? Ja, das sollten wir. Eigentlich habe ich schon gerade gefazitet, das tut mir sehr leid.
Florian Bayer: Ja, alles gut. Solange du nicht wieder den Jingle einfach irgendwo mitten rein... Unsere Top 3. Paust, um mich zu nerven.
Johannes Franke: Dir ist schon klar, dass ich ihn gerade reingespielt habe, oder? Natürlich hast du das. Ich habe extra eine Pause gelassen dafür. So, wir haben eine Top 3. Du hast eine festgelegt. Und zwar... Welche Top 3? Oh, ich bin so unzufrieden mit mir. Warum habe ich das gemacht?
Florian Bayer: Warum hast du das gemacht, Plur? Ich weiß nicht. Ich hatte das Gefühl, mir fällt sonst nichts so wirklich ein für den Film.
Johannes Franke: Was? Es gibt so viele Möglichkeiten für diesen Film?
Florian Bayer: Dann schlag du mir jetzt eine bessere Top 3 vor. Dann machen wir das on the fly. Top 3 gibt so viele Möglichkeiten. Als ich dir den Vorschlag gemacht hatte, war ich gerade so mitten im Dalton Trumbo. Rechercherausch. Und deswegen... Hast du den Trumbo-Film übrigens gesehen? Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich will ihn noch gucken. Ich will ihn auch noch gucken. Vielleicht packen wir ihn irgendwann mal. Genau, Brian Cranston als Dalton Trumbo. 2015, 2016. Ist noch nicht so lange her, ne? Ja. Ich war auf jeden Fall im Trumbo-Recherchercherausch und dachte dann, ach komm, Johannes, lass uns eine Top 3 machen, der Momente, in denen Hollywood sich wie ein Fiesling verhalten hat. Davor habe ich gesagt, die Top 3 der Menschen, mit denen Hollywood am gemeinsten umgegangen ist. Aber dann dachte ich, das ist irgendwie merkwürdig eine Top 3 von Leuten, denen übel mitgespielt wurde. Das habe ich jetzt aber mehr oder weniger. Egal.
Johannes Franke: Ich bin mit meiner Liste auch total unzufrieden. Wir hätten machen können Lebensabend. Wir hätten machen können Antikriegsfilme. Wir hätten machen können... Hatten wir schon Antikriegsfilme. Ja gut, okay. Menschen mit Behinderung hatten wir auch schon. Ja, Menschen, die... Hoffnungslosigkeit. Einfach Hoffnungslosigkeit hätte eine Möglichkeit sein können. Ja, dann nimmst du jeden Film, den ich dir vorgeschlagen habe. Ja, genau. Boring. Nein, okay. Wir haben jetzt die Liste der Situationen oder so, in denen Hollywood sich wie ein Arsch verhalten hat. Du musst anfangen. Ich muss anfangen. Ich fange an mit Todd Browning, weil wir den gerade hatten und ich das echt scheiße fand. Und Todd Browning war ein großartiger Horrorfilmregisseur der 20er, 30er, 40er, 40er noch? Nee, nee, 40er nicht mehr, weil Freaks war ja 32. Und mit Freaks und seinem Ansinnen mit diesem Film, die haben ihn so zerstückelt, weil das Publikum gesagt hat, ah, Hilfe, igidigit. Und dann einfach eine halbe Stunde aus dem Film rauszukürzen und den neu rauszubringen. Und Todd Browning, nichts zu fragen, ist eine Arschnummer, die, ah, totaler Scheiß. Ja. Und das ist nicht selten gewesen damals, aber ich nehme jetzt mal Todd Browning, weil wir gerade darüber geredet hatten.
Florian Bayer: Ja, finde ich gut. Hört euch die Episode an. Es ist letzte Woche, haben wir über Freaks geredet, von Johannes vorgeschlagen aus dem Jahr 1932. Total tolles Gespräch, glaube ich.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und über einen spannenden Film. Mein Platz 2 ist Jan Sieberg, die, nachdem sie gefeierte amerikanische Schauspielerin war und in Frankreich unter anderem mal in Außeratem mitgespielt hat, in Hollywood in den 60er Jahren mit den Black Panther sympathisiert hat und mit denen auf Rallys gegangen ist und deren Arbeit unterstützt hat und dann auch vom FBI überwacht wurde. Und dann haben sie irgendwann angefangen, eine Schmutzkampagne gegen sie zu fahren, um, naja, um einfach ihre Karriere zu zerstören. Du Scheiße. Und dann gab es mehrere, also die Presse hat ordentlich mitgemacht, ne, so. Und zwar haben sie ihr eine Affäre mit einem von Black Panther Aktivisten angedichtet und sie war schwanger. Ja, okay. Und das, äh, sie hat dann auch, hatte auch eine Frühgeburt und das Kind starb. Ach du Scheiße. Und, ähm, dann hat die Presse war natürlich, das ist so ätzend, diese Monster. Dann haben die Fotos von dem toten Baby gemacht, weil natürlich alle wissen wollten, ist das Baby jetzt schwarz oder weiß. Weil, ne, hat sie, hat sie mir dann weg. Also es ist wirklich düsterer, abgefuckter Scheiß.
Johannes Franke: Alter. Okay. Das, das will man nicht erleben. Okay, äh, ich hätte auf Platz zwei, eigentlich auf Platz eins, aber ich hätte gerne dann auf Platz eins, das wirst du dann feststellen, warum, eine Sammelklage. Ja, ich, ich hab zwei Sammelklagen, nehmen wir uns wahrscheinlich gegenseitig. Okay, ich hab die, auf meinem Platz zwei, keine Sammelklage, geht in die gleiche Richtung wie hier, Dalton Trumbo, der eben als Kommunist, äh, verschrien wurde und, und angeklagt wurde, beziehungsweise, ne, äh, so seine Probleme hatte. Charlie Chaplin, der auch immer wieder Steine in den Weg gelegt bekommen hat und, äh, J. Edgar Hoover, äh, die größte Sau aller Zeiten, äh, ähm, den, den Kommunismus angehängt hat und, äh, Chaplin aus dem Land verwiesen hat. Chaplin ist irgendwann mal zu einer Reise nach Europa gefahren und durfte nicht wieder einreisen und das war's. Ja. War's das für eine krasse Nummer, Alter. Ja, das ist echt übel.
Florian Bayer: Ja. Amerika.
Johannes Franke: Yay.
Florian Bayer: Land of the Free. Ähm, mein Platz zwei ist mein erster Sammelklagepunkt, every child actor ever. Von Julie Garland über Macaulay Culkin bis zu, äh, keine Ahnung, jüngeren Datums. Es ist ausgenutzt, missbraucht von den Eltern, von den, äh, Leuten, mit denen sie zusammengearbeitet haben, von der Industrie. Ja. Und es gibt so viele traurige Beispiele, die dann auch in Drogen oder Selbstmord enden und, äh, ja, Hollywood war nie nett zu seinen Kindern.
Johannes Franke: Scheiße. Jo, äh, mein Platz eins Sammelklage, ich nehme als Beispiel Marilyn Monroe, also, dass wir Sexismus nicht von Anfang an, äh, irgendwie bekämpft haben, ist mir immer noch rätselhaft, ich versteh's nicht. Vor allem, weil's so viele Beispiele gab von Frauen, die damit untergegangen sind und die wirklich, äh, kein Schönes im Leben mehr hatten. Ja. Und dann eben Marilyn Monroe, die sich umgebracht hat, die, ähm, einfach wie ein Stück Scheiße behandelt wurde, ganz oft.
Florian Bayer: Ich hab, ich hab eine Teilmenge von Schauspielerinnen oder Künstlerinnen, die Scheiße behandelt wurden, ähm, und zwar ganz klar, ähm, und man kann's so geil, ist es toll, ist es nicht viel, wenn man einfach einen Bösewicht hat, an dem man's festmachen kann, nicht sagen muss, ist das System, ist die Struktur. Harvey Weinstein. Ja, natürlich, Weinstein. Der Name, der Opfer ist lang, ähm, ja, Drecksack. Und davon gibt's einfach seit Beginn von Hollywood wahnsinnig viele Menschen. Genau, deswegen ist vielleicht auch ganz gut, wie du's gesagt hast, wir brauchen's gar nicht an einer Person festzumachen, weil dann macht man sich's halt auch zu bequem, wenn man sagt, äh, ja, Harvey Weinstein, jetzt haben wir ihn, jetzt, jetzt ist ja das Monster weg und jetzt, jetzt wird alles gut.
Johannes Franke: Nein, es spürt sich immer wieder.
Florian Bayer: Es sind Strukturen, die dahinter stecken und es sind, ähm, Frauenbilder, die dahinter stecken und es sind Machtstrukturen, die dahinter stecken. Und so leicht kommen wir da nicht raus.
Johannes Franke: Ja. Jetzt müssen wir einmal den Namen Till Lindemann sagen, was sich gerade eben nach oben spült. Ja, aktuelles, aktuelles Ding, genau. Pff, ich hab gestern ein bisschen recherchiert, ähm, und es war die Hölle. Man will dann nicht wieder, man will dann nicht tiefer reingehen, weil man sonst sein Leben nicht mehr glücklich wird. Ja. Das war unsere, ähm, Top 3. Jo, okay. Ah, raus aus der Niste. Wir haben ja so schöne Themen, hör mal. Ja, Hollywood, yay. Mit dem schönsten Film überhaupt, der auch so hoffnungsvoll ist.
Florian Bayer: Ah. Einen Take hab ich noch, bevor du mir noch einmal den Film madig machen darfst. Du hast schon das Wort Antikriegsfilm gesagt. Ja. Ich würde behaupten, das ist der einzige Antikriegsfilm, der es schafft, ähm, Krieg als schrecklich darzustellen, ohne auch nur eine Sekunde der Faszination an ihm zu verfallen. Ja. Kein anderer Kriegsfilm kriegt das hin. Auch, auch, auch, auch den, den wir besprochen haben vor einiger Zeit von Kubrick von Metal Jacket, der kriegt das nicht hin. Platoon kriegt das nicht hin. Saving Private rein kriegt das erst recht nicht hin. Und dem Film gelingt es einfach, weil er keine Kriegshandlungen zeigt und weil er kein Nichts-Klorreiches zeigt.
Johannes Franke: Ja, wirklich sehr gut. In dieser Hinsicht hat der Film alles richtig gemacht, das stimmt. Deswegen finde ich ja den Grundgedanken auch so toll. Also, das wirklich von der Seite zu zeigen. Nicht ins Kriegsgeschehen zu gehen, sondern wirklich nur die Auswirkungen zu zeigen. Und das, was menschlich an Verzweiflung hinten rauskommt. Vollkommen richtiger Ansatz. Leider, leider nicht der richtige Regisseur. Er hätte es vielleicht, das Skript noch schreiben sollen und dann weitergeben an einen anderen Regisseur. Es tut mir sehr leid. Und es tut mir auch in der Seele weh, wenn ich den Film gucke. Alter, spuck nur auf das Grab von jemandem, der vom FBI verfolgt wurde, geblacklistet und ins Gefängnis kam. Der hat so viel Ruhm auch und so viel Geld gehabt. Oh nein, nein, nein. Alles in Ordnung. Also nicht, das, was passiert ist, ist nicht in Ordnung, aber er hat es gut überlebt. Ja, das hat er, das stimmt.
Florian Bayer: Und er ist gut rausgekommen und Gott sei Dank auch schon vor seinem Tod Gerechtigkeit widerfahren, dass er einen Oscar, dass der ihm erreicht wurde, dass er anerkannt wurde. Hey, du hast für diese ganzen Filme geschrieben, das hat er alles noch miterleben dürfen, bevor er gestorben ist. Das ist eigentlich schön. Und ich finde es toll, dass er es geschafft hat, dieses Buch zu verfilmen. Ja, natürlich. Nach so langer Zeit, dass er das dann nochmal in Angriff genommen hat und auch mit all dem, was er erlebt hat, ja.
Johannes Franke: Ja, und dann ist es halt ein bisschen zu unsinnig aus, aber was soll's. Aber er ist gut angekommen auch in Cannes, ne?
Florian Bayer: Also er wurde begeistert empfangen und es war kein großer, erfolgreicher Film letzten Endes, weil eine Million hat er, glaube ich, gekostet.
Johannes Franke: Ja, und er hat 700.000 irgendwas eingespielt, also nicht ganz seinen Preis wieder reingekriegt.
Florian Bayer: Aber es ist halt auch irgendwie so ein Film, der von dem, was zu erwarten ist. Also auch in der New Hollywood Ära ist das kein Film, der große Publikumsmassen anzieht. Auch verständlich. Und auch solche Filme muss es geben und müssen finanziert werden. Es ist vollkommen richtig. Johannes, danke, dass du den Film geguckt hast und danke für deine ehrlichen Worte und deinen ausgekübelten Hass auf Dalton Trumbo und auf die linke Filmindustrie. Und auf den Pazifismus. Ich verstehe das. Ich verstehe das. Das ist in Ordnung. Ich bin die linkeste Socke, die ich in dieser Küche kenne. Als Anhänger von Eisenhower und als Fan der republikanischen Partei und dann ist das schon okay. Dann hat man so eine Haltung zu dem Film.
Johannes Franke: Ich gehe mal jetzt wieder rüber zu meinem J. Edgar Hoover Schrein und bete zum großen Donald Trump.
Florian Bayer: Ich kann deine Kritikpunkte an dem Film gut nachvollziehen. Danke. Ich habe, glaube ich, gefunden, was du an dem Film vermisst. Okay. Und vielleicht habe ich jetzt auch noch mal gedacht beim Gucken, das ist eigentlich ein Film, der ein Remake verdient hätte. Das wäre ein spannenden Remake.
Johannes Franke: Das denke ich auch. Absolut. Eigentlich wäre das mal dran. Na, wer weiß. Vielleicht kommt das mal noch.
Florian Bayer: Ja. Aber ich habe so Angst davor, wenn jemand ein Remake dreht, dass er den Body-Horror-Verlockungen nicht widerstehen könnte und einmal so das Gesicht zeigt. Und das will ich nicht. Ich finde es gut, dass dieser Film das alles auslässt. Wir sehen nichts von dem Körper. Ja. Also nichts von dem, was entstellt wurde, sehen wir. Und das finde ich, ja. Und ich befürchte, ein Remake wird das vielleicht kaputt machen. Ja. Das wäre ein A24-Film. Ja. Wäre es. Wir sollten irgendwo, irgendwo sollten wir hinschreiben und sagen, Leute, guck euch das mal an. Kein Problem. Die Rechte des Films hat Metallica gekauft, ne? Ja. Damals habe ich auch von dem Buch, das ich vor dem Film gelesen habe, habe ich auch erfahren durch diesen Videoclip. Ich war in den 90ern großer Metallica-Fan und in den 80ern haben die das Musikvideo zu One, ein Song, der sich auch ganz explizit lyrisch um diesen Film dreht, haben sie Szenen aus dem Film gezeigt und das auch ziemlich gut zusammengeschnitten. Also das Musikvideo von One, von Metallica ist ziemlich gut, fast nur die Krankenhaus-Szenen.
Johannes Franke: Und es ist krass, weil sie natürlich eine Haufen Royalties zahlen mussten und irgendwann hat sie keine Lust mehr, die Royalties zu zahlen, sondern haben einfach die Rechte an dem Film gekauft.
Florian Bayer: Was auch mal so ein Rockstar-Move ist und das passt so zu Metallica, ne? Voll, ja. Und der Song ist klasse, das Musikvideo ist klasse, die Lyriks von dem Song sind, naja, Metallica waren nie gute Lyriker. Aber der Song ist trotzdem gut und wenn ihr einen Vorgeschmack von dem Film haben wollt, ich glaube, das Musikvideo kann man auch gucken, ohne zu sehr zu dem Film gespoilert zu sein. Guckt euch das an, Metallica One trifft die Atmosphäre des Films ganz gut.
Johannes Franke: Gut, schönes Schlusswort, viel Spaß damit, Spaß in Anführungsstrichen und vielleicht gibt's nächste Woche ein bisschen mehr Spaß, das werden wir sehen.
Florian Bayer: Ja, mal schauen, wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir nächste Woche aufgebt, für euch natürlich auch, dann müsst ihr noch kurz dranbleiben, nach dem Outro erfahrt ihr, was es geben wird.
Johannes Franke: Also dann bleibt gesund und eine schöne Woche, bis dahin. Vielen Dank fürs Zuhören, ciao. Ciao. Jo, Plor, dann wollen wir mal festlegen, was wir nächste Woche sehen. Wir haben ja quasi schon mal darüber geredet, weil es gab da mal eine Bestenliste, Ziemlich Beste Freunde ist in dieser Liste aufgetaucht und ich sag jetzt einfach, wir gucken uns Ziemlich Beste Freunde an. Ja, das ist gut. Weil du gesagt hast, ich kenne den Film nicht und ich dachte, what the fuck is happening.
Florian Bayer: Das ist sehr gut, das ist nämlich so einer, den ich schon lange auf der Liste habe und den ich mal irgendwie abhaken muss, weil ich weiß, dass der unfassbar erfolgreich war und gerade hierzulande und offensichtlich eine der großen französischen Tragikomödie der letzten 10, 15 Jahre, 200 Jahre, ich weiß es nicht.
Johannes Franke: Von 2011 ist er. Von 2011, ja, aber er ist wirklich, man muss sagen, sehr erfolgreich gewesen und nicht nur hierzulande, sondern es gibt wirklich, dass du den Film nicht gesehen hast, das fand ich sehr, sehr seltsam. Gut, ich freue mich drauf, ich bin sehr gespannt. Dann ihr da draußen, guckt euch den Film an, Ziemlich Beste Freunde, 2011. Wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin. Bis dann, ciao. Ciao.
