Episode 139: Pretty Woman – Ein Hollywood Sexwork-Märchen… Geht das?
Wenn wir von den besten Liebesfilmen der 90er Jahre, ja selbst wenn wir von den größten Liebesfilmen aller Zeiten reden, kommen wir an Pretty Woman mit Julia Roberts nicht vorbei.
In unserem Gespräch werfen wir einen Blick auf moderne Märchen, auf den Umgang Hollywoods mit Themen wie Sexwork und Prostitution. Wir schwelgen in unseren Erinnerungen an diesen Romantik-Klassiker, versuchen aber auch seine dunklen Seiten zu durchleuchten. Könnte diese Geschichte so heute überhaupt noch erzählt werden? Wie stehen wir zum Thema Sexwork, und funktioniert eine romantisierte Märchenerzählung made in Hollywood dazu überhaupt?
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 139: Pretty Woman – Ein Hollywood Sexwork-Märchen… Geht das? Publishing Date: 2023-08-30T15:00:58+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/08/30/episode-139-pretty-woman-ein-hollywood-sexwork-maerchen-geht-das/
Johannes Franke: Aber auch hier, die andere Seite ist, dass du vielleicht dann als junges Mädchen diesen Film siehst und denkst, ach, das ist das, was ich machen muss. Okay, verstehe. Ich muss charmant irgendwie in der Gegend rumstolpern und sagen, ich habe keine Ahnung, helft mir. Ich muss dich gleich unterbrechen, ich muss es gleich raushauen. Ich liebe diesen Film, aber ich hasse ihn abgrundtief. Wir werfen uns jede Woche gegenseitig Filme, also einen Film die Woche an den Kopf und hoffen, den Horizont des anderen zu erweitern. Im Idealfall mit einem Film, den der andere noch nicht gesehen hat. Aber wir haben diese Woche einen Film, in dem man einfach nicht drum rum gekommen ist. Was für ein krasses Ding für den Autoren, oder? Ja, total. Der total am struggeln war, als er das Ding geschrieben hat. Und auch ganz anders geschrieben hat, als der Film jetzt ist. Ja, zwei Sachen hat sie vorher gedreht. Und eine davon war noch nicht mal veröffentlicht. Und das war überhaupt nicht abzusehen, dass die wirklich das krasse Ding ist. Ja, das haben die Leute von Disney nicht geschafft, noch genügend hinein zu quetschen. Auch wenn sie versucht haben, einiges an diesem Buch zu machen. Ja. Aber wahrscheinlich ist ihnen dann doch aufgegangen, dass der Stoff einfach eine gewisse Albernheit dann doch nicht verträgt. Ja. Es gibt ja die witzigen Momente. Er hat halt diese Feel-Good-Atmosphäre. Es ist mehr der alltägliche kleine Humor, der zusammenhängt damit, dass zwei Menschen einander lieben lernen. So kleine Sachen, wie Julia Roberts einfach den Film durchkichert, weil sie irgendwie Sachen irgendwie süß findet oder Lust hat an bestimmten Situationen. Ja. Und ich glaube, das ist auch der Grund, warum ich gleich am Anfang sagen musste, ich liebe diesen Film. Weil ansonsten gibt es wirklich viele Sachen, wenn man anfängt darüber nachzudenken, und das werden wir in diesem Podcast, die wirklich schwierig sind. Ja, werden wir drüber reden. Ich würde dem ganzen ein Fragezeichen geben. Ja, das bin ich gespannt. Ja, also sie romantisieren ja nicht so wahnsinnig viel, sondern sie lassen einfach weg. Der hat sich gedacht, das wird nie jemand verfilmen. Ich hau das mal raus als Schriftprobe und ahne nicht, dass Disney tatsächlich sagt, oh ja, gut, nehmen wir, kein Problem. Hä? Was? Der hat wirklich nochmal gefragt, habt ihr den richtigen Film gelesen? Habt ihr das Drehbuch wirklich gelesen? Ihr wollt das haben? Ja, und es gibt durchaus Schwierigkeiten zwischen den beiden. Also es gibt diese Szene, wo sie sich die Zähne nochmal flossst. Und eigentlich ist das eine Szene, wo sie tatsächlich Drogen nimmt, also im ursprünglichen Skript. Und am Ende landet sie mit ihrer Freundin, die auch in dem Film vorkommt, in einem Bus nach Disneyland, aber zugekuckst und mit Drogen oben voll. So wie du das jetzt schon formulierst, frage ich mich echt, wo dein Fragezeichen an der Problematik des Films hängt. Ja, weil jetzt schon klar ist, okay, es ist einfach ein Arschloch-Yuppie, der eine Frau mitnimmt. Ich möchte ja aber gerne einen neuen Begriff dafür etablieren. Es ist keine Redemption-Arc, sondern es ist eine Redemption-180-Grad-Drehung ohne irgendeine Arc drin. Ja, glaubwürdige Entwicklung. Ja. Aber innerhalb von fünf Tagen, man muss das schon sagen. Ja. Und man muss ja auch sagen, wo kommt man her, ne? Sie macht ja den Aufstieg, in Anführungsstrichen, zum Kapitalismus. Das kann man nicht so romantisch erzählen. Ja. Und du hast schon deinen Take rausgehauen. Du liebst den Film und du hast ihn. Ja. Ja, ich finde, das muss man gleich am Anfang sagen, weil wir müssen ja auch wissen, wo wir uns hier lang hangeln. Gerade bei diesem Film. Alles, was ich jetzt an Kritik raushauen werde, spüre ich null, während ich den Film gucke, während des Film guckens, denke ich die ganze Zeit, oh, wie schön. Ich finde, ich sollte keine Haltung haben dazu. Keine große, keine starke zumindest. Weil mich betrifft das nicht. Ich bin nicht derjenige, der es beurteilen sollte. Ich sollte niemandem sagen, na, aber Prostitution ist doch super, weil. Oder ich sollte niemandem sagen, nee, das darfst du auf gar keinen Fall machen, weil. Das ist nicht mein Ding. Ich darf nicht eingreifen in ein Leben, das andere betrifft. Was ich machen könnte, ist Leuten dabei helfen, ein besseres Leben zu führen, innerhalb dessen, was sie machen wollen. Ich muss auf andere hören und ihnen dann vielleicht Leiter sein. Alles andere kann ich nicht richtig beurteilen und ich würde, wenn ich in die eine Richtung argumentiere, einer anderen Richtung genauso in die Magengrube treten wie andersrum. Ich finde, dass es aus der männlichen Perspektive und auch aus der weiblichen Perspektive, wenn sie denn die Kundenseite ist, durchaus Fälle gibt, in denen das okay ist. Das hat dann aber mehr mit therapeutischen Dingen zu tun. Da gehen wir fast schon in Richtung therapeutischer Maßnahme. Es gibt sehr viele Sexworkerinnen, die Menschen mit Behinderungen begleiten und berufsnahe Seiten, Leute, wo man vielleicht nicht unbedingt Behinderungen diagnostizieren würde, wo es aber tatsächlich trotzdem etwas ist, was sei es sozial oder eben einfach psychische Gesundheit förderlich eine Seite gibt, die das notwendig macht. Wer bin ich zu beurteilen, wer das braucht? Das ist nochmal eine ganz andere Geschichte. Wie will man das einsortieren? Meine männliche Perspektive ist, dass ich glaube, dass wir viel besser beraten sind, wenn wir aus der Schmuddelecke rauskommen, was ja auch die Tendenz ist und das als sehr klaren und reglementierten, weil wir Leute schützen müssen, Bereich sehen, der klare Räume dafür schafft. Sodass bestimmte Sachen, die im kriminellen Bereich sich dann eben wiederfinden, einfach weniger passieren oder möglichst nicht mehr passieren. Aber da kommen wir wahrscheinlich nicht so gut hin. Wir sind etwas in einem Feld, das wir nicht trennen können von allen anderen gesellschaftlichen Problemen, die wir haben, weil Leute, die sich aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sehen, da hinein zu gehen, könnten easy abgefangen sein, wenn wir ein System hätten, in dem es diese extreme Armut nicht gibt. Gott sei Dank haben die dann meistens, in den meisten Fällen keine traumatischen Erlebnisse. Ich möchte nicht ausschließen, dass es einen völlig legitimen, kriminell freien Raum gibt, in dem ganz normal, hier, ich habe Geld mitgebracht, ich nehme dich als Mensch wahr und wir machen das wie zwei erwachsene Menschen und alles ist in Ordnung und für beide Seiten vollkommen cool. Will ich nicht ausschließen, die Statistik sagt halt, dass die Häufigkeit eines Problemfalls, der irgendwo abdriftet in eine Richtung, die einfach richtig scheiße ausgeht für einen von beiden, dass die Statistik einfach da ein Risikogebiet sieht. Und wie kriegen wir das in den Griff, ist halt die Frage. Das stimmt. Das würde ich auch sagen. Die Staaten, die das verbieten, haben halt das Problem, dass sie keine andere Lösung gefunden haben. Und ich glaube, dass die Staaten, die das verbieten, auch nicht der Meinung sind, dass man es einfach verbieten muss, sondern dass sie einfach denken, okay, ich bin jetzt gezwungen, weil wir einfach keine andere Möglichkeit mehr gesehen haben. Allerdings passiert dann natürlich alles Mögliche unterm Radar und ist auch nicht geil. Ich glaube, dass es im Einzelfall in kleinen Punkten durchaus eine Besserung darstellt. Also in einzelnen Fällen, in denen man sagt, ja toll, jetzt kann ich nicht mehr arbeiten oder was, sondern sagen zu können, okay, der darf halt nicht mehr Kunde sein. Ja, da gibt es ganz viele Fälle, die man auseinandernehmen könnte und so, wo man sagen könnte, okay, wo man Argumente für beide Seiten finden könnte. Ich habe mal einen langen, langen Podcast dazu gehört, zu diesem nordischen Modell und da gab es echt Leute, die das absolut verteufelt haben und Leute, die es total heilig gesprochen haben. Es gibt einfach Argumente auf beiden Seiten, die absolut legitim sind. Meine Güte, echt. Aber das ist sehr in line mit vielen Sachen, die gerade in Amerika auch passieren, was so Abortion Rights und so weiter betrifft. Ja, total. Voll. Ich hätte es so gerne gehabt, wenn der Film einfach damit endet, dass ein Polizist vorbeikommt und sagt, jo, dann kommen Sie mal mit Frau Roberts. Personalien werden aufgenommen. Und Richard Gere sitzt da und sagt, jo, ich hätte hier noch 100.000 rumliegen, nehmen Sie dir doch auch gleich mit, dann nehmen Sie mich nämlich nicht mit. Und damit ist der Film zu Ende und wir denken alle, Wie mit dem ganzen Geld? Romantisiert wird ja, also mir ist egal, ob der romantisiert, ob das eine Sexworkerin ist oder nicht, aber der Film erzählt einem, dass es als Frau einen reichen Typen finden muss, der dich dann mit Geld zuscheißt. Nein. Und du dann die ganze Zeit sagst, oh ja, und jetzt gehe ich da einkaufen, jetzt mache ich das, jetzt mache ich das. Ja, das ist halt das Problem, weil ich eben das dem nicht so richtig folgen kann, im Sinne von, ich werde gut weitergeführt, halte ich mich halt an die andere Geschichte. Deswegen komme ich die ganze Zeit nur bei dem Geld an. Weil natürlich hast du recht, eigentlich wäre das schöne Makeover bei ihm, wenn der Film das so schön erzählen würde. Aber sein Makeover, Es ist wunderschön. Also, auch wenn du vorhin gesagt hast, das ist keine Komödie in dem Sinne. Ich habe sehr viel gelacht in dem Film. Und zwar über die ganzen unbeholfenen Szenen, die sie eingebaut haben. Oh, und dann gehen sie also auch noch in die Oper und sie findet es total toll. Sie ist eigentlich die ganze Zeit ein sehr zivilisierter Mensch und sie wird dargestellt vorher als Runtergekommene, die überhaupt her. Ach so, Runtergekommen ist sie am Anfang aber auch nicht. dass sie extrem clever ist. Natürlich ist sie extrem clever, aber das ist das, worauf sich der Film dann ausruht, weil er im Grunde nur alles das, was sie ja sowieso schon hat, Zwischen den beiden. Ich gebe dir recht, aber ich gebe dir anders recht, als du denkst. Ich habe die ganze Zeit während des Films, ich habe es auch laut gesagt, weil ich es einfach nicht fassen konnte, ich habe gesagt, die Chemie zwischen Richard Gere und Julia Roberts ist ja phänomenal. Allerdings geht sie nur von Julia Roberts aus. Nein! Es gibt ja diese Anekdote, dass er am Set war, am ersten Tag, und Richard Gere hat viel mehr gemacht, viel mehr Energie reingegeben, viel mehr da und viel mehr dort und so. Und der Regisseur nimmt ihn zur Seite und sagt, du, es gibt einen sehr aktiven Part in diesem Film und einen sehr passiven Part. Ja. Rate mal, wer du bist. Und Richard Gere musste halt dann zurückstecken, immer weiter und immer weniger machen. Was ich verstehe als Idee für den Film, was aber dazu führt, dass ich die ganze Zeit Richard Gere angucke und denke, was ist das? Was passiert da gerade? Gib mir ein paar Hinweise, was da alles. Es ist ein bisschen, ah. Die wollten alle diese Leute, bevor sie Richard Gere dann endlich irgendwann bekommen haben, bei Julia Roberts ganz genau die gleiche Sache. Karen Allen, Das ist so krass. Ein paar davon waren noch viel zu jung, muss man sagen. Und Julia Roberts war wirklich so ganz am Ende der ganzen Liste, weißt du? Und dann spielt die alle an die Wand, nachdem sie die letzte Auswahl war. Wie krass ist das denn? Und sie hat dann das Casting mit Richard Gere gemacht, der eigentlich vorher schon mal abgesagt hatte und steckt ihm dann so einen Zettel zu, als er angerufen wird von dem Produzenten, ob er es denn jetzt machen will, weil die gerade irgendwie die Proben gemacht haben zusammen. Und auf dem Zettel steht einfach nur Please say yes. Und er ist einfach so charmed von ihr und sagt, ja gut, okay, ich mach's. Ja, total. Das hat super gut funktioniert. Ja, absolut. Und es ist sehr privat, weil es einfach improvisiert ist und im Moment keiner vorbereitet ist. Und das Schöne ist, weil er ja auch davon überrascht ist, wie sie dann reagiert, hat er dann auch wieder eine genuine Reaction. Und das Geile ist, an genau dieser Stelle habe ich gedacht, ah, jetzt cuttet er aber sehr schnell weg. Was ist denn los? Bis mir aufgegangen ist, ja, die müssen danach irgendwie in schallendes Gelächter ausgebrochen sein. Das konnte er natürlich nicht drin lassen, sodass er schnell weggutten musste. Ach, es ist sehr süß. Es ist wirklich, du hast vollkommen recht, natürlich ist die Onscreen-Chemie irgendwie dafür verantwortlich, dass man die ganze Zeit denkt, ach, wie schön und man hat Spaß mit denen. Es sind halt auch so die kleinen Momente zwischen ihnen. Was für ein Arschloch-Muff ist es eigentlich beim Abendessen, genau die Sachen zu bestellen, mit denen man überhaupt nicht umgehen kann, wenn man das nicht alles kennt? Ich verstehe das auch nicht, weil er hat sie doch als Begleitung dabei, das Abendessen. Nein, es war einfach nur ein Plot-Device. Es ist einfach nur ein Plot-Device. Und dafür finde ich es halt irgendwie ein bisschen gemein. Ich weiß nicht. Fun Fact, der Kellner, Und wie platt ist es, das La Traviata zu nehmen, wo das Plot-Device von La Traviata auch ist, dass eine Prostituierte sich in reichen findet. die Ergriffenheit einsetzt. Die Kamera ist einfach 100% verliebt in Julia Roberts, muss man sagen. Vollkommen zurecht. Wie alle anderen am Set wahrscheinlich auch und wie wir als Zuschauer auch. Und ich glaube, dass vielleicht so 80% des Films nicht funktionieren würde, wenn es nicht Julia Roberts wäre. Wahrscheinlich. Hector Elizondo. Ich finde, am Chef kann man gut zusammenfassen, welche Positionen man zu dem Film haben kann. Der Chef kann entweder als wirklich süßer, süßer, netter Typ gewertet werden, der sich einfach um sie kümmert und sagt, ja komm, ich sehe in welche Lage du da bist, ich gebe dir so ein bisschen was mit auf den Weg. Oder man kann ihn sehen im Sinne von, ich bin der Chef von diesem scheiß Hotel und wenn die ganze Zeit hier halbnackt in der Gegend rumläuft, dann habe ich einfach keine Kundschaft mehr und ich muss mich jetzt so zusammenreißen, dieser Göre irgendwie beizubringen, wie sie hier in der Gegend rumlaufen soll. Aber wer um alles in der Welt wie kann man das lesen? Das Tolle ist, dass er wirklich so geschrieben ist, dass er nicht sich an sie ran macht, dass er nicht irgendwelche komischen Sachen macht, sagt oder so. Es ist wirklich so knapp dran vorbeigeschrieben, dass man es nicht, dass man es einfach nicht, man kann es eigentlich fast nicht falsch lesen. Aber es gibt die Möglichkeit, ihn so zu lesen und auch den Film entsprechend in diese Richtung zu lesen. Aber auch hier, die andere Seite ist, dass du vielleicht dann als junges Mädchen diesen Film siehst und denkst, ach, das ist das, was ich machen muss. Okay, verstehe. Ich muss einfach charmant in der Gegend rumstolpern und sagen, ich habe keine Ahnung, helft mir. Oh, jetzt, das ist eine spannende Frage. da hat sie einfach eine Stärke. Ja, ja, natürlich, die hat sie ja absolut und das ist auch etwas, was als Role Model absolut taugt, aber die Basis hier in der Geschichte ist halt wirklich ganz, ganz viel, man muss sich irgendwie mit Charme und so irgendwie durchmogeln oder so. Du kannst mit einem Lächeln kannst du viel erreichen, ja. Lächeln, charmant sein, wickel sie um den Finger. Wickel sie um den Finger. Und das ist irgendwie eigentlich für kleine Mädchen kein guter Stab. Nee, das stimmt. Das finde ich nicht gut. Und da stürmt sie dann raus, statt irgendwie wirklich nochmal Stunk zu machen. Genau. Und sie ist, ja, wie gesagt, es gibt viele Szenen, wo sie hätte Trouble machen können, ne, beim Abendessen irgendwie nochmal irgendwie allen einen Stinkefinger zu zeigen und zu sagen, Alter, was soll das hier? Was ist das für eine Kapitalistenscheiße? Hätte sie machen können, hat sie nicht gemacht. Hätte sie kaputt gemacht. Dafür ist sie vielleicht auch zu sehr interessiert an diesem, ja, an diesem Leben, ne, sie will das ja anscheinend irgendwie. Was auch okay ist, soll man auch erzählen können, ne, dass Leute gerne auch ein bisschen Status und Geld haben. Oft wollen. Das ist erstrebenswert. Aber weißt du, was ich damals gedacht habe, beim ersten Mal gucken und was ich jetzt auch wieder gedacht habe, obwohl ich natürlich mehr Kapitalismuskritik im System habe als früher, ich denke, ja komm, wenn du so lange kein Geld hattest, natürlich machst du das und es ist vollkommen in Ordnung. Du darfst da gerne auf die Kacke hauen und dieser Typ scheint so viel zu haben, dass du da wirklich den ausnehmen kannst ohne Probleme, ohne schlechtes Gewissen einfach mal zu sagen, ich mach mal, ich nutze die Gelegenheit, mir was zu gönnen. Warum nicht? Und die Szene ist ja auch
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Er will nicht,
Florian Bayer: Aber ich bin anders.
Johannes Franke: Vor allem bin ich zu lange drin. er hat sich gerade am Telefon von seiner Freundin getrennt. Also, irgendwie, also, es ist nicht der Typ, wo ich denke, der ist, was ich vorhin angeführt habe, Menschen mit Behinderungen, Menschen in besonderen sozialen Situationen, Menschen, ne, wo, wo man sagt, okay, das ist etwas, was der psychischen Gesundheit gut tun würde. Ich glaube nicht, dass der jetzt gerade in einer Verfassung ist, wo es die psychische Gesundheit braucht. So was... Es ist schon richtig. es geht halt an meiner Lebensrealität vorbei und deswegen habe ich mehr Schwierigkeiten damit, irgendwie klar zu kommen. Aber ich weiß und ich sehe das auch liberaler, aber irgendwie habe ich Schwierigkeiten damit. und die sind wenig. Und ich weiß nicht, wie wenig das ist, kann ich nicht beurteilen, das möchte ich nicht beurteilen. Ich will auch keine größere Teile, kleinere Teile aufmachen. Keine Ahnung, es ist nicht mein, mein Cup of Tea. Ich möchte, die Dunkelziffer ist einfach so unpredictable. Unpredictable. Ja, total. Okay. Du weißt es einfach nicht. Selbst wenn du jetzt googeln würdest, Statistiken, die stimmen einfach nicht, weil du es nicht weißt. Ja, wahrscheinlich ist es nicht so blöd. Es ist irgendwie, macht es bei mir einen komischen Beigeschmack. Aber eigentlich sollte es in Ordnung sein. Das stimmt schon. Und ich bin halt auf der anderen Seite auch jemand, starke Meinung zu haben. Der sagt, dass Leute, solange sie einander nicht wehtun, machen können, was sie wollen. Und das fällt damit rein. Absolut. Auch wenn es nicht meine Welt ist, sollte es für andere möglich sein, deren Welt es ist. Insofern hast du recht. Aber es ist halt so, bei mir so ein Widerstreit, wie du sagst. Ja, und ich glaube, Okay, von dort aus gesehen, wie realistisch ist Julia Roberts als Sexworkerin? Also es wird wenigstens erzählt, dass sie relativ neu ist. Ja. Wenn sie jetzt schon mehrere Jahre drin wäre, dann würde ich sofort sagen, keine Chance. Niemand bleibt so naiv und so gilly und weißt du, einfach keine Chance. Vielleicht hat sie jetzt ein halbes Jahr lang Glück gehabt, aber selbst ein halbes Jahr ist schon echt lang dafür, dass man dann Glück hat und nicht so viele Männer gefunden hat, die einem irgendwelchen Scheiß an den Kopf werfen oder Schlimmeres tun, dass man so naiv bleibt. Ja, wahrscheinlich. Aber es gibt ja verschiedene Ebenen, auf denen man naiv sein kann. Ja, er sagt das, weil er sie vergleicht und sagt, wir sind doch gar nicht so unnötig. Wäre auch ein Satz, den sie sagen könnte, glaube ich. Ja, aber ich glaube, sie reagiert nicht positiv darauf. Und die beiden sagen, ach ja, das ist, weiß ich nicht mehr den Namen, Minnie, die hatte sowieso Drogenprobleme, was soll's. Sagt Kitty, Das Problem ist aber, zuckt der Film mit den Schultern? Ja, der Film zuckt mit den Schultern. Das finde ich eben das Problem. Ich verstehe vollkommen, wenn die Figuren das irgendwie so, aber dann erklär mir das und zucke nicht selber mit den Schultern lieber Film. Weil ich das Gefühl habe, wenn es den Film nicht interessiert, dann nimmt er das Milieu nicht ernst. Ich rechne dem Film hoch an, Ja, das stimmt. Das ist absolut richtig. Die Erwartungen waren sehr viel niedriger. Vor allem, wie ich gesagt habe eingangs, die ganze Zeit während des Schauens, wenn ich nicht drüber nachdenken kann, was da gerade passiert, denke ich die ganze Zeit, oh ja, wie schön. Also ich habe schon wirklich sehr viel Spaß und ich liebe es. Ja. Ja. dass er auf die Bremse tritt. Okay, lassen wir uns mal auf seine Entwicklung. Das haben wir vorhin schon ein bisschen versucht, aber ich glaube, wir sollten da genauer reingehen. Es geht im Film, wie du vorhin gesagt hast, ja im Wesentlichen gar nicht um ihre Entwicklung, sondern darum, dass er irgendwann mal an den Punkt kommt, dass ihm etwas am Herzen liegt, was nichts damit zu tun hat, dass er in seine Brieftasche greift und Geld dafür ausgibt. Ja. Was er den ganzen Film übertut. Ja. Er gibt auch für sie Geld aus, also sie ist zu bezahlen. So, und der Film will ja dann an den Punkt ankommen, dass er am Ende etwas hat, was er liebt, was nicht bezahlbar ist. Ja. Wo im Film findet die Entwicklung statt? er hätte gesagt, Das ist süß. Das ist eine süße Szene. Das ist ein ganz wichtiger Moment auch zwischen den beiden, weil da wird es so persönlich. Ja, es wird persönlich, aber das ist ja immer noch keine Charakterentwicklung bei ihm. Er erzählt immer noch, wie ist der Status Quo. Wenn man einen Film macht, erzählt man den ersten Drittel so ein bisschen, also ganz grob, also nicht mal im ersten Drittel, sondern im ersten Drittel muss ich schon was mehr bewegen. Das war das dritte Unternehmen, das er gekauft hat. Egal. Er hat jedenfalls, normalerweise würde man im Film sagen, okay, das ist der Status Quo und dann gehen wir weiter. Und von seiner Person sehen wir den ganzen Film über bis auf die letzten fünf Minuten seinen Status Quo, würde ich sagen. Weil er auch nur, verliebt sich, hat er aber auch schon mal im Leben gehabt. Das ist nicht so, dass er das erste Mal sich verliebt. Es wird dieses Verlieben gezeigt, okay, aber er erzählt sonst immer nur und bleibt Arschloch in ganz vielen Situationen, ohne eine Veränderung durchzumachen. Wenn sie sich zum Beispiel eben erzählen, was sie jeweils gemacht haben und sie sagt, ich hab's nur bis zur elften Klasse geschafft, sagt er im nächsten Satz, I got all the way through und reibt ihn noch mal so richtig aufs Brot, dass er der große, erfolgreiche Typ ist. Was für ein Arschloch-Move. Um ihr noch mal so richtig, dann fühlt sie sich noch richtig schlecht und sie spielt das auch. Ja. schieße hohr. Das ist die gute Erzählung der Beziehung zwischen den beiden. Das finde ich super. Wie es sich entwickelt, wie sie sich ineinander verlieben, ist gut gemacht. Aber er macht persönlich keine Entwicklung durch. Pass auf, Dann haben wir die Badeszene davor. Die Badeszene ist lange davor, ja. Aber dass er sich entschuldigt, ist ja wirklich so, das ist ja der letzte, wie man das so sagt, der Turning Point, den man kurz vorm Ende hat. Mehr habe ich leider nicht für dich. Ja. Big mistake. Das Problem ist bloß, dass sie da rausgeht und die in dem Laden zucken mit den Achseln wahrscheinlich einfach nur und fragen sich, wer war das denn? Alter. Okay, gut. Vergessen wir wieder. Aber da ist uns viel durch die Lappen gegangen. Nein, das kriegen die dadurch nicht. Die sind so überrannt. Da hätte Julia Roberts ihnen schon noch mehr aufs Brot schmieren müssen und sagen müssen, folgendes, ich war gestern hier, ich hätte was gekauft, ich hätte richtig viel Geld durchgegeben lassen. Das hat sie aber nicht gemacht. Gott sei Dank nicht. Aber ich meine, gut, Julia Roberts fühlt sich jetzt besser. Auch gut. Und vor allem will ich auch eher schiefes Gesehn gehören. Ich finde es so geil. Ja, geil. Auf jeden Fall. Ich finde es so schön, dass sie nicht wunderschön singt, sondern dass sie einfach da so mit grölt fast schon. Ja. Und natürlich die Haare, das stimmt, du hast recht. Wenn die da den Morgen dann steht. Ach, diese Haare. Es sieht so aus, als hätten sie drei Stunden nur für dieses eine Bild gebraucht, um sie da hinzustellen mit diesem perfekten Haaren und mit diesem Gesichtsausdruck und dem Licht. Die Haare sind übrigens gefärbt. Ja, ja, sie haben die Haare nochmal gefärbt. Sie hat eigentlich auch so rötliches Haar, aber eben nicht so rote Haar. Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify was ihr auch benutzt. Also abonnieren und anderen sagen, euer Podcatcher anbietet. Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas. Boah, wir sind schnell durchgekommen. Ja, Es gibt noch eine Situation, wo es mir ein bisschen kalt den Rücken runterläuft, wie sie die Reruns von I Love Lucy sieht im Fernsehen. Und sie sitzt da wie so ein 14-jähriges Mädchen. Ja, voll. Es ist wirklich ein bisschen uah, nicht nur in diesem Moment. Schwierig. Das ist halt so der Moment, wo es bei mir richtig so dolle Klick gemacht hat und ich gedacht habe, oh scheiße, nicht, dass sie zu sehr als Lolita inszeniert wird. Also sie ist halt groß. Die Schauspielerin war Anfang 20. 21 haben sie angefangen und dann wurde sie irgendwie 22 noch. Aber das ist wirklich sehr, sehr, sehr jung. Vielleicht ein bisschen zu viel. Ja, also gerade bei dem Fernseher ist mir das halt so aufgefallen. Sonst kann man da, glaube ich, vieles durchgehen lassen, aber da war es wirklich so doll. Und dann auch sein Blick dazu, weißt du, der sitzt sehr erwachsen auf seinem Stuhl und guckt auf dieses Kind hinab. Und fünf Minuten später gibt es einen Plotjob. Genau. Also es ist schon... Achso, ja, ja, ja. Sie gucken Scharade. Sie gucken Scharade. Ja. aber trotzdem. Ja. Aber naja, nicht genug, um das wirklich groß zu spoilern, wenn man gerade den gucken wollte oder sowas. Ich glaube, es ist okay. Aber hört euch die Episode an. Die war auch sehr, sehr schön. Ja. Und man muss schon sagen, deswegen habe ich vorhin so reagiert, das ist schon relativ platt. Die Sachen, die aneinander gereiht sind, die Situationen, wie sie dann da irgendwie auch noch barfuß im Gras und die Oper und dieses Ganze, wo man wirklich denkt, ah, okay, also es ist schön inszeniert und ich habe irgendwie Spaß dran, aber es ist schon, oh, das auch noch und das auch noch. Okay, verstehe. Die einfachen Freunden des Lebens. Oh, wie schön. was für ein schöner Film. Aber wenn man ein zweites Mal darüber nachdenkt, wie sie in der Oper sitzt, finde ich es total schön und weine mit ihr mit und dann gucke ich in sein Gesicht und denke mir, ah ja, der hat keinerlei emotionale Reaktionen mehr, der hat sich einmal zu oft mit Geldscheinen die Tränen weggewischt. Ich bin echt der Letzte, der über Richard Gere Das ist ganz ehrlich viel. den man nur einmal da rausholen muss aus dem Slum. Aber wenn ich den Werkzeugkasten während des Guckens Natürlich, volle Kanne. Absolut. Du musst den Werkzeugkasten auf jeden Fall ignorieren und wegstellen. Aber ich kann es auch, ne? Was ich seltsam finde. Was ich seltsam finde, ist die Art und Weise, wie der Film an sich sehr naiv und sehr platt mit seinen Sachen ist. Und dann aber die Ambiguität mit Richard Gears Figur hat. Weil alle Situationen, in denen er eigentlich sich wie ein Arschloch verhält, so eine romantische Note eigentlich haben. Ich nehme zum Beispiel mal das mit dem Klavier. Der spielt da unten ein Klavier? Er spielt selbst. Er spielt selbst. Richard Gears spielt selbst und hat es auch selbst komponiert. Das ist total krass. Es ist unglaublich. Und irgendwie spielt er für die Leute, die da sind. Warum? Auch immer. Die Arbeiter, oder? Die räumen da auf. Die putzen da. Und dann kommt sie runter und er hat einfach die Macht zu sagen, so und jetzt geht mal bitte alle raus hier, damit wir hier vögeln können. Ja. Was für eine Welt lebt dieser Mensch, dass er glaubt und das auch noch machen kann, dass das geht. Ja. Einfach so. Und es wird auch in dem Moment als Charming verkauft, ne? Als Charming und als romantisch und als what the fuck. Ja. Und das gibt's ganz oft so kleine Situationen, in denen es so ein bisschen so rüberkommt. In denen er eigentlich eine romantische Situation hat oder als Charme das Ganze verkauft, aber das Ganze total arschlochig ist. Der Film macht das viel,
Florian Bayer: Richard Gears cool, er ist intelligent
Johannes Franke: Ich hab mir noch aufgeschrieben an einer Stelle und du wirst wissen, welche, wenn ich's sage, How do you treat a prostitute? Er fragt irgendwann mal, sagt irgendeiner von den beiden, er würde sie halt einfach nur wie eine Prostituierte behandeln. Und ich denke mir, ja, wie behandelt man denn eine Prostituierte? Ist das jetzt der Gegensatz? Wird das als Gegensatz verkauft? Und ja, der Film macht das. Der Film macht auf, die Spannung zwischen einer schlechten und einer guten Prostituierten, Julia Roberts, als gute Prostituierte, die man da rausholen darf und muss, die belohnt werden soll. Und alle anderen dürfen im Mülleimer landen, wie unsere getötete ganz am Anfang. Außer Kit. Ja. Kit ist nämlich auch eigentlich ganz cool. kein Happy End in dem Sinne. Sie kriegt Geld. Ja. Das ist so geil. Und in der nächsten Minute mit Geld. Ja, nachdem der Film zu Ende ist, setzt sie sich einen goldenen Schuss von dem ganzen Geld. Nein. Und Kit endet als Lehrerin. Nein, sie wird sich weiterbilden. Nicht zweiter Bildungsweg, sondern Weiterbildungsweg. Sie wird dann noch andere Sextechniken... Nein. Aber du hast Seinfeld auch geguckt. Ja, und ich habe ihn nicht ernst nehmen können von Anfang an. Einfach wegen der Figur von Seinfeld, wo er einfach der, weiß ich nicht, das ist so ein Tropf. Ja, man sollte es aber trennen, Blor. Ja, bei mir fällt es, mir fällt es wahnsinnig schwer, zu trennen, aber im negativen Sinne bei Mission Impossible, bei Tom Cruise, bei Tom Cruise, den ich immer ekelhaft finde. Egal, wie sympathisch seine Figur sein soll, ich komme nicht davon weg, was das für ein Mensch ist. Ja. Ich finde es so furchtbar schwierig, ich kriege das nicht hin, ich kann diese Filme nicht gut gucken. und ist in der Post-Aberkunfts unterwegs. Die Entwicklung ist wirklich komisch. Naja, gut. Mal gucken, ob er nochmal den Regiestuhl nochmal annimmt. Bestimmt. Hat er nicht bei Quiet Place auch Regie geführt oder kam jetzt vor kurzem Ich hätte noch eine Situation, die ich irgendwie echt seltsam fand. Sie steht auf, das erste Mal, so, und er sagt, ich hab dir einfach alles vom Menü bestellt, weil ich nicht wusste,
Florian Bayer: was du magst.
Johannes Franke: Und da stehen dann zwei crappy Sachen da. Zwei crappy Sachen, die aussehen, als wenn sie von, weiß ich nicht. Grührei mit Speck und Croissant. Ja, genau. Das war's. Und sie nimmt halt die Croissants. Und ich denke, was, das ist ein Fünf-Sterne-Hotel. Warum gibt's auf dem ganzen Menü nur zwei Teller mit crappy Zeug? Müsli, Porridge, alles, was das Herz begehrt. Und wahrscheinlich hat dieses ganze komplette Menü, was er da bestellt hat, kostet als sie zwei Wochen lang. Ja. Davon ist auszugehen. Okay. Also er hat mehr Geld für Essen ausgegeben in dem Film als für sie. Ah, da fühlt man sich aber auch abgespeist mit so Portokasse, oder? Jetzt musst du echt die Stimmung runterziehen, oder? Aber wirklich, Julia Roberts ist einfach der Hammer. Guckt euch's an und ignoriert den Rest. Ihr könnt gerne eine Compilation zusammenstellen, nur Julia Roberts die ganze Zeit. Das ist vollkommen in Ordnung. Ja, und die Reaction Shots, Geil. Ich glaube, es ist ein guter Moment, um die Top 3-Rennen zu gehen. Bitte.
Florian Bayer: Unsere Top 3. So,
Johannes Franke: Verdammt. Flor. Okay, Ah, okay. was wir schon ein paar Mal hatten. Was ist dein Platz 3? Ich muss auch traditionell erstmal sortieren. Also, ich sag jetzt einfach mal Platz 3, Edward Scissorhands. Ja. Das ist sehr nah am Märchen dran. Voll. Also es ist noch nicht mal so richtig modern. Also es ist irgendwie in die Moderne geholt, aber es ist schon sehr, sehr, sehr artifiziell überhöht, dass man sagen könnte, das ist so eine 50er Bonbonfarben. Passt schon. Die zweite Kategorie heißt nicht totale Katastrophe, sondern die heißt, okay, wieder nicht so richtig glaubwürdig, aber sehr entertaining. Ich wollte gerade sagen, ein bisschen düster ist es schon. Auf jeden Fall, ja. Naja, gut. Okay, Platz zwei bei mir. Ich kann es schon fast nicht mehr hören, aber ich liebe diesen Film und täglich grüßt das Mummeltier. Ja, ja. Auf jeden Fall. Eine Liebesgeschichte, ein Liebesmärchen irgendwie, was aber viel größer ist als nur diese Liebes, der Liebesanteil. Aber wir haben da lange drüber geredet und auch in einer anderen Episode später nochmal angefangen darüber zu reden, völlig aus dem Nichts raus. Also häute ich einfach den anderen Rest an. Es ist großartig. Wir haben auch einen interessanten Take auf dem Film. Ja. Ich glaube, fast alle seine Filme lassen sich ins Märchen-Genre irgendwie einsortieren. Ja, auf jeden Fall. Der ist ja wirklich sehr in der Richtung verwurzelt. Gehen wir in meinen Platz eins. Und ich glaube, das habe ich noch nicht zu oft genannt, aber ich frage mich warum. Pushing Daisies. Eine Serie. Wow, die ist alt, ne? Die ist 2000er. Ja, weiß ich nicht ganz genau. Moment, Moment. Das müssen wir jetzt ganz genau rausfinden. Pushing Daisies. Ja, ja, ja. Ja, absolut. Das ist natürlich, wo die Scheunenklappen plötzlich aufgehen und man denkt, oh, okay, das geht also auch. Also volle Kannereien bitte. Und Pushing Daisies hat leider nur zwei Staffeln bekommen. Die sind irgendwann einfach abgesägt worden, weil es irgendwie dann doch zu quietschbunt und nice war. Ja, es war zu speziell. Und die Leute mochten, glaube ich, eher die Breaking Bad Richtung, ne? So dieses düstere und sich da rein fühlen und oh, was für ein Scheißkerl, aber ich mag ihn. Und hier ist, die war halt immer zuckersüß alles, ne? Und das mit Kristen Chenoweth, die ich total liebe, die ein unglaubliches Comedy-Talent hat und eine unglaubliche Gesangsstimme. Und die beiden Figuren, wo einfach die sich nicht berühren können, weil die eine sonst stirbt, weil sie schon mal gestorben ist und der andere sie zum Leben erweckt hat. Und wenn da Berührung nochmal passieren würde, dann würde sie wieder sterben. Es ist so süß und ich liebe es. Und es gab so einen süßen Humor dabei, der auch so ein kleines bisschen nicht nur zuckersüß war, sondern in diesem zuckersüßen Setting immer mal so kleine Seitenhiebe, wo man dachte, oh mein Gott, wie geil. Also es war schon wirklich toll. Ja. Sehr märchenhaft, sehr fairytale. ist mir ein bisschen suspekt. Wieder eine Top 3. Wow. Ja.
Florian Bayer: Das war unsere Top 3.
Johannes Franke: Okay, aber lass uns zurück in den Film gehen, in unser modernes Märchen, das auch teilweise ein bisschen sehr zuckersüß daherkommt. Ich zitiere den Guardian. Okay, zitiere mal den Guardian. Wir wissen es nicht. Das ist auch ein Name, den man sich als non-binary durchaus aussuchen würde, um das ein bisschen zu strecken. Also es ist nicht so klar. Ja, also ich glaube, es ist der schlauere Move, auch wenn man sich nicht immer aussuchen kann, wenn man einen Film guckt, aber der schlauere Move, sich den Film einfach so anzuschauen, dass dieser ganze Kapitalismus-Scheiß und dieses ganze furchtbare, furchtbare, ich bin glücklich, wenn ich Geld habe, endlich oder so, ich werde die große Liebe finden, indem ich aufsteige im sozialen Gefüge. Ich weiß nicht, solche Sachen. Wenn man die sich einfach wegnimmt und einfach nur Spaß an Julia Roberts hat. Oder? Also ich meine, man muss einfach sein Gehirn mal ein bisschen davon lösen. Ausschalten. Nein, richtig ausschalten nicht, aber das wäre zu böse. Aber ich glaube, man nimmt sich zu viel weg, wenn man sich das Vergnügen wegnimmt. Könntest du dir vorstellen, einen Pretty Woman-Film von Werner Herzog zu sehen? Richard Gere hat Werner Herzog einmal angesprochen, ob er, als es noch ein düstereres Drama war, ob er das vielleicht die Regie führen würde. Es wäre ein komplett anderer Film geworden. Daniel Lewis gewesen. Ja. Ja. Würde der Film auch noch funktionieren, jetzt stelle ich die ganzen bösen Fragen, wenn wir eine schwarze Schauspielerin gehabt hätten. Das Ding ist halt, dass der Hypocrite-Ansatz dieses Films dann noch stärker rausfallen würde. Auf jeden Fall, ja. Weil Amerika einfach nicht so funktioniert hat. Ja. Also auch immer noch nicht funktioniert. Ja. Es ist einfach völlig an der Realität vorbei dann. Ja, das stimmt. Und es macht einem das Ganze sehr bitter. Deswegen würde ich, kann ich mir gut vorstellen, glaube ich, dass das nicht so gut funktionieren würde, weil sich Hollywood dann zu sehr da reinsetzen würde in, oh, wir haben da ein Problem, ein gesellschaftliches. Und wir drücken mal richtig schön rein in die Wunde. Hm. Das ist eine schwierige Frage, weil nämlich ich in der heutigen Zeit diesen Film gucken kann und Spaß daran haben kann. Aber natürlich weiß ich, dass der Film sehr alt ist. 1990? Mhm. Das ist lange her und ich sortiere den im Kopf beim Gucken ein in die Zeit. Ich glaube, es funktioniert nicht mehr so gut. Ja, ich glaube auch. Ein Film müsste heute ein bisschen mehr liefern. und ein Film müsste sich anders damit auseinandersetzen. Was ja nicht heißt, dass er nicht trotzdem funktioniert. Aber eben nur aus der Warte raus, dass er eben in dieser Zeit entstanden ist. Und dass die ganzen Verhaltensweisen, wie sie sich zueinander verhalten und so, sind sehr, sehr authentisch diese Zeit. Ja. Und dadurch nehme ich dem Film auch alles das ab. Hm. Okay. Ich habe Oppenheimer noch nicht geguckt.
Florian Bayer: Ah, du musst den Film gucken.
Johannes Franke: Ich habe ihn auch nicht gesehen. Das muss einfach passieren. Ich bin sehr gespannt. Wir haben eigentlich viele Filme zu besprechen. Es gibt jetzt auch Festdingens of Light. Wie heißt das? Egal. Ist jetzt auch auf Disney+. Das müssen wir uns auch irgendwann anschauen. Aber es sind so aktuelle Filme. Wir müssen ein bisschen Varianz reinbringen. Ich habe die tolle Vision davon, wie wir beide Filme, Barbie und Oppenheimer besprechen. Aber ich spreche immer nur über Barbie und so immer nur über Oppenheimer. was in diesem komischen Jingle vorhin gesagt wurde. Genau. Also Reviews und Sterne helfen uns eigentlich am meisten. Wenn ihr uns irgendwie unterstützen wollt, abonnieren. Schreibt uns und irgendwie so eine Review bei Apple und bei Spotify oder sowas und dann könnt ihr Sternchen hinterlassen. Also am besten fünf oder so. Ja. Das Urteil. Okay, toller Film. Guckt ihn euch an. Schaut ihn auch nach 30 Jahren, 40 Jahren, wenn auch in der Zukunft irgendwie. Guckt ihn immer wieder an. Es lohnt sich. Und wenn er auch nur eine Zeitreise ist in eine andere Welt, wo die Dinge noch anders funktioniert haben. Wo man mit Geld alles lösen konnte. So, Plur, ich habe dann noch was für dich. Ja, lass hören. Ich hätte, weil wir seltsamerweise noch gar keinen Tim Burton hatten, wir hatten mal einen Pseudo-Tim Burton, das war Nightmare Before Christmas. Ja, der aber nicht wirklich von Tim Burton ist. Also, der hat Produzent und so. Ja, genau. Der hat sich da voll reinbegeben. Was hast du denn von Burton? Da gibt es ja einiges. Es gibt einiges. Und ich weiß, dass du mit irgendwann mal einen Threshold hattest, wo du sagtest, jetzt nicht noch ein Tim Burton. Irgendwie hat er immer noch den gleichen Stil. Das ist wie bei Wes Anderson bei dir irgendwie ein bisschen. Genau. Ist Big Fish in dieser Phase oder ist der schon, ist der noch früher gewesen? große Erinnerung mehr dran. Jetzt bin ich mal gespannt. Okay, wir verraten es nicht. Ich bin gespannt. Du schaust den Film nochmal und überlegst nochmal, ob der schon drüber ist oder ob das noch okay ist. Ja. Dann bin ich gespannt. Wir gucken Big Fish. Viel Spaß. Nächste Woche sehen wir uns, hören wir uns wieder. Und bleibt gesund. Bis dann. Bis dann. Ciao. Ciao.
