Episode 138: M – Eine Stadt sucht einen Mörder und Fritz Lang sucht den Tonfilm
Wir haben endlich mal wieder Besuch. Aus Zürich ist uns Weinkenner und Filmliebhaber Christian zugeschaltet, der mit seinem eigenen Podcast 101 Jahre des Filmes durch die komplette Filmgeschichte wandert. Uns hat er den Fritz Lang Klassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ aus dem Jahr 1931 mitgebracht.
Gemeinsam sprechen wir über Fritz Langs Wechsel vom Stumm- zum Tonfilm, über die Darstellung von Stadt und Milieu in diesem dokumentarischen Film und über die Verschränkungen von Thriller und Drama, Realismus und Fiktion, Expressivität und Sachlichkeit.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 138: M – Eine Stadt sucht einen Mörder und Fritz Lang sucht den Tonfilm Publishing Date: 2023-08-23T08:27:34+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/08/23/episode-138-m-eine-stadt-sucht-einen-moerder-und-fritz-lang-sucht-den-tonfilm/
Florian Bayer: Ich stelle mir ganz gerne so eine alternative Realität vor, in der Fritz Lang Goebbels Angebot annimmt. und Deutschland im Jahr 1936 pleite ist, weil er den großen Propagandafilm für die NSDAP dreht und die Reichsfilmkammer alles an Geldern da reinpulbern muss, so Metropolis-Style und dann der Nationalsozialismus beendet wird, weil sie einfach kein Geld mehr haben, weil Fritz Lang alles für seinen großen Film gebraucht Touch.
Johannes Franke: Es ist wieder Mittwoch. Mittwoch, Mittwoch. Wir veröffentlichen Mittwoch, richtig? Ja, jeden Mittwoch. Herzlich willkommen, Plor, hier in meiner Küche. Und wir haben... einen Gast hier. Herzlich willkommen, Christian. Hallo.
Florian Bayer: Christian, der leider nicht in deiner Küche sitzt, sondern wo sitzt du, Christian? In welcher schönen Stadt? Zürich.
Johannes Franke: Man hört das gar nicht. Du hast keinen typischen Züricher. Kannst du den rausholen? Ja.
Florian Bayer: Wann hat es sich dann in die Schweiz verschlagen? Das heißt, wir haben einen Klobetrotter heute zu Gast. Du warst in Deutschland und dann in UK und jetzt bist du in der Schweiz.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, wie man das so macht. Ich war auch, ich war zehn Jahre in Berlin. Du bist wirklich ein Berliner Urgestein, ne? Nein, ich bin ja in Leipzig geboren. Aber das heißt, du bist nicht nur Globetrotter im geografischen Sinne, sondern du bist auch filmischer Globetrotter? Wir haben uns heute von dir verführen lassen. M. Eine Stadt sucht einen Mörder zu gucken von Fritz Lang. Ein Langfilm.
Florian Bayer: Oh mein Gott. Ich habe den Watz schon den ganzen Tag, oder?
Johannes Franke: Ach, okay, verdammt.
Florian Bayer: Um das vielleicht noch abzurunden, du machst ja auch selbst einen Podcast. Wie heißt denn der? Das heißt, du hast angefangen, 101 Jahre, das heißt, du hast 2022 angefangen?
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist schon ein Jahr her. Moment, ich hab's ja tatsächlich vor mir. Aber viel spannender ist die Frage, wie weit bist du denn mittlerweile? Bist du schon im... 21. Jahrhundert angekommen? Oh, noch nicht mal im Zweiten Weltkrieg angekommen. Das Tolle ist ja, wenn du dann fertig bist mit dem 20. Jahrhundert, dann ist das 21. Jahrhundert. Jahrhundert schon so weit fortgeschritten, dass du dann wahrscheinlich als Klassiker Oppenheimer machen kannst. Und weiß, dass noch 20 weitere Filme kommen, wirst du überhaupt irgendwie in unserer Zeit der dann...
Johannes Franke: Zum Beispiel, ja.
Florian Bayer: Nur echt mit schickem Schnauzer. Also Leute, wenn ihr mehr von Christian hören wollt, sucht nach 101 Jahren des Films. Also man findet ihn auf Instagram, man findet ihn auf... auf Amazon Music und überall sonst, wo es Podcasts gibt und hört mal rein, es lohnt sich auf jeden Fall und Reisen in die Filmgeschichte sind natürlich immer
Johannes Franke: Immer hörenswert. Und das machen wir auch heute. Ich nehme an, wir werden viele Querverweise von dir hören. In M, eine Stadt sucht einen Mörder. Wir haben ja durchaus mit Fritz Lang jemanden, der eine sehr bedeutsame Filmgeschichte hat, da werden wir vielleicht auch drauf eingehen, naja, den einen oder anderen. Darsteller des Films.
Florian Bayer: Wir haben total spannende Geschichten eigentlich rund um die ganzen Leute, die an dem Film beteiligt waren, weil es ist natürlich auch eine spannende Zeit und Es ist viel passiert und wir haben eigentlich alles. Wir haben die Kollaborateure genauso wie die Emigranten. die die um ihr Leben gefürchtet haben, die die dann irgendwie mitgemacht haben. Das ist alles vorhanden in diesem Film so. Was Carsten Crew betrifft. Aber vielleicht ganz kurz, warum hast du denn M ausgesucht für uns als Film für heute? Ja, stimmt.
Johannes Franke: Okay, über Fritz Lang werden wir sagen, was wir wollen. Aber wir können ja mal in den Film so ein bisschen reingehen, was den Film denn genau so sehenswert macht oder vielleicht, wo die auch Probleme liegen vielleicht. Aber bevor wir das tun, ich möchte euch gerne Tee anbieten. Dir, Christian, kann ich leider keinen Tee anbieten. Es tut mir leid. Flor, möchtest du Tee?
Florian Bayer: Ja, bitte. Womit wir auch während Johannes Tieren schenkt noch mal zu einem ganz wichtigen Fakt kommen können. Christian ist nämlich nicht nur Filmliebhaber, sondern auch Weinliebhaber. Du arbeitest nämlich auch als... Ich arbeite als Sommelier. Welchen Wein würdest du denn empfehlen? Was müssen wir trinken, um diesen Film gut genießen zu können? Berliner Wein? Gibt es gute Berliner Weine? Es gibt keinen Berliner Wein, oder?
Johannes Franke: Aber passt auch wirklich besser als ein Wein vielleicht zum Filmen, muss man schon sagen. Und der Alex spielt eine Rolle und so, ne?
Florian Bayer: Aber vielleicht so ein guter Wein zu einem zu einem Mörderfilm oder zu einem Thriller? Irgendwie, keine Ahnung, ich bin echt kein Weinexperte. So ein schwerer Rotwein?
Johannes Franke: Okay, wir machen ein Trinkspiel draus. Also nicht für uns, sondern für die Zuhörenden. Wenn immer das Wort, welches Wort nehmen wir? Lang fällt. Wird getrunken. Okay. Ich verlasse mich auf euch da draußen. Gut. Nulljährigermaßen. Okay. Oh, okay.
Florian Bayer: Gut, dann wollen wir durch den Film durchgehen oder haben wir irgendwie, vielleicht einmal kurz so die Handlung zusammenfassen, worum geht es denn in dem Film so in ein paar Worten? auf der Handlungsebene ist es ja tatsächlich ein relativ überschaubarer Film. Wir haben die Geschichte von einer Stadt, die schon ziemlich eindeutig Berlin ist, wenn wir nach Einwohnerzahlen gehen, die von einem Kindesmörder terrorisiert wird. Die Menschen haben Angst. Die Polizei versucht ihn zu fangen, wird ihm nicht habhaft. Und was dann gezeigt wird, eigentlich so als großes Panorama, wie die Öffentlichkeit damit umgeht, welche Paranoia entstehen, wie die Leute sich gegenseitig beschuldigen. Und neben dem Panorama werden sehr viele polizeiliche Ermittlungen gezeigt und auch dieser Kindermörder, wie er sich in der Öffentlichkeit bewegt und wie er mit seiner Krankheit umgeht. Und dann kommt ein großes Plottelement hinzu, und das ist die Berliner Unterwelt. Das sind die Kriminellen. die nämlich so überhaupt nicht glücklich darüber sind, dass der Mörder nicht nur, dass der Mörder Kinder tötet, sondern auch, dass er ihnen das Geschäft kaputt macht, weil die Polizei eben deutlich mehr kontrolliert, deutlich mehr festnimmt, deutlich mehr in der Unterwelt sucht und dementsprechend beschließen die Kriminellen dann zusammen mit den Bettlern den Mörder selbst zu fangen, weil sie sagen, die Polizei kriegt das sowieso nicht hin. Und die zweite Hälfte des Films fasst sich dann vor allem damit, wie die Kriminellen Jagd auf den Mörder machen, wie sie ihm versuchen, habhaft zu werden. Und das mündet in einem ziemlich bizarren Schauprozess, wo der Mörder sich vor dem Gericht der Unterwelt verantworten muss.
Johannes Franke: Sag mal gleich als erstes, was mir so ein bisschen einfällt, ist, wie kommt dir damit klar, dass dieser Film eigentlich keine... wirkliche Hauptfigur hat. Vom Gefühl her.
Florian Bayer: Ich find's großartig.
Johannes Franke: Christian, was meinst du? Aber wir sehen den relativ früh eigentlich. Ich finde... Also sein Gesicht nicht, aber wir sehen über seinen Rücken sehr, sehr früh, wir sehen seinen Schatten sehr, sehr früh. Aber sehr, sehr früh, auch wenn er den Brief schreibt, sehr, sehr früh seine Perspektive ein. Ist schon so.
Florian Bayer: Und vielleicht da mal so... vermittelnd einzugreifen. Wir sehen ihn zum ersten Mal vom Spiegel nach 17 Minuten. Spannend finde ich, Ich geb dir total recht, Christian, und dir auch Johannes, dass wir eher so ein Panorama haben, dass es diese Personen gibt. Aber es gibt meiner Meinung nach schon irgendwie einen Protagonisten und das ist tatsächlich das Berlin. Aber nicht einfach nur Berlin als große Stadt, sondern vielmehr das... Sondern vielmehr das Berlin der kleinen Leute. Wir sehen die Arbeiter, wir sehen die Gebrochenen, wir sehen die Kriminellen, die Proletarier, die Bettler, die Gauner. Das ist für mich so ein bisschen der Protagonist von dem Film.
Johannes Franke: Das Berliner Unterwelt. Ja, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich hatte das Gefühl, dass es schon so eine Konzentration auf die Gassen gibt. Ich hatte ganz oft auch so einen Kleinstadt-Flair. Kleinstadt-Flair, aber so ein Gassen-Flair, so eine Beklemmung, dass gar nicht so sehr diese großen Räume gezeigt werden. Wir sehen nicht sowas wie den Alexanderplatz. Genau. Wir sehen nicht sowas wie die Friedrichstraße. sondern wir bleiben irgendwie ganz oft in diesen Häusern, in diesen Gassen, in diesen einfachen Hinterhöfen und das finde ich macht sehr viel von der Spannung aus, dass wir immer dieses Narrativ von der Großstadt drum herum haben. Aber dass wir eigentlich auch so, naja, dass wir wirklich bei den Leuten sind, die in dieser Großstadt leben. Dass wir halt nicht bei dieser glänzenden Fassade sind, sondern wir sind eben bei denen, die so eine kleine, schäbige Mietwohnung haben. Und die irgendwie so über die Runden kommen und wir sind bei denen, die ihr Geld mit dem Betteln verdienen und abends in so einer Kaschem irgendwo im Hinterhof sitzen, um noch ein Bier zu trinken.
Johannes Franke: Ja, ich würde sogar noch weiter gehen. Ich habe fast das Gefühl von einem Dorf. Aber eben nur durch die Art und Weise, wie es gefilmt ist, gar nicht so sehr durch die Themen oder durch... Durch das, was mit der Polizei passiert, ist ja ein großes Aufgebot und dann wird gezeigt, wo die alles lang gehen, aber es sind nicht die ganz großen Totalen, die die Rolle spielen, sondern das sind tatsächlich die kleinen Schicksale, die kleinen Geschichten, die kleinen Interaktionen, die für mich bedeutender sind in dem Film als jetzt das große Großstadtfeeling da irgendwie. Deswegen widerspricht sich das für mich ein klitzekleines bisschen. Aber es ist halt auch im Studio entstanden, muss man dazu sagen. Obwohl es sehr nach Also es sieht nicht so sehr nach Studio aus, oder? Es ist schon cool.
Florian Bayer: Außerhalb der Kartrage ist dabei natürlich auch spannend. Du hast gerade Rupen gesagt, wir haben ja diese Szene, wo wir das Auto hupen hören, außerhalb des Bildes. Ich finde das total krass. Das ist Fritz Langs erster Tonfilm. Der Tonfilm ist noch wirklich jung. Der allgemeine als erste Tonfilm genannte Film ist ja Jazz-Singer. Der war vier Jahre vorher. Und es ist unglaublich, was Fritz Lang in diesem jungen Medium oder in dieser jungen Art von Film alles schon macht, um mit Ton und Bild zu spielen. Und dabei spielt zum Beispiel auch eine Rolle, dass er ganz oft außerhalb des Bildes mit Tönen irgendwie so eine Größe suggeriert. Dass er sagt, da ist mehr. Ihr seht die Autos jetzt nicht, aber das sind Autos, hört ihr das Hupen? Ihr seht die Leute jetzt nicht, aber da sind Geräusche, da passieren Dinge außerhalb des Bildes. Und das ist schon krass, wie er das macht. Also es ist wirklich, Tonfilm ist jung. Er zeigt, was mit Ton möglich ist, wie man mit Ton über das auf der Leinwand gezeigt hinausgehen kann.
Johannes Franke: Allerdings muss man dazu sagen, dass ich nicht das Gefühl habe, dass er in die absolut Vollen gegriffen hat, was Großstadt Sound betrifft. Er hat das sehr ausgewählt gemacht. Man hört das Hupen, man hört Kinder in bestimmten Momenten. Und zwei Drittel des Films sind ja auf Stummfilmen gedreht, gar nicht auf Tonfilmen. Und es hat natürlich Kostengründe und so, wie auch das Studio Kostengründe hatte und all das. Aber es hat natürlich eine ganz bestimmte Stimmung, die ich sehr gut finde. Was zwar wieder von dem Großstadtding, von dem Feeling für mich wieder ein bisschen was wegnimmt, was aber dem Film eine Einer sehr eerie Stimmung gibt, also so sehr, sehr, halt im wahrsten Sinne des Wortes der Horror in der Stille. der da irgendwie stattfindet.
Florian Bayer: Ja. Dieser radikale Verzicht auf Musik und auf Ton in ganz vielen Momenten, der macht gerade die Momente, in denen dann der Sound auch eine wesentliche Rolle spielt und davon gibt es sehr viele, wo der Sound wirklich ganz Was ganz wichtig ist, allein schon das Leitmotiv von dem Bergkönig, von dem Kriegsstück. das immer wieder gepfiffen wird, macht die umso eindringlicher.
Johannes Franke: Ja, absolut. Man muss aber dazu sagen, dass wir... natürlich über die letzten Jahrzehnte voll daran gewöhnt sind, dass immer wieder Filmmusik drunter liegt. Es gibt ja tatsächlich eine komplette... Wenn man sich die ganzen Marvel Cinematic Universe Filme anguckt, eigentlich ist keine einzige Minute da, in der nicht Filmmusik drunter liegt.
Florian Bayer: Aber die Leute von damals waren es auch gewohnt durch die Stummfilme, weil die Stummfilme kennen auch keine Stille, ne? Stummfilme sind eigentlich viel lauter als dieser Film, weil da auch permanent ein musikalisches Thema drüber liegt. Und ja, natürlich, Stummfilme haben auch diese Momente, wo keine Musik zu hören ist, aber die sind sehr spärlich. Das stimmt, ja. Eigentlich immer, wenn was passiert, hast du musikalisch unterwegs.
Johannes Franke: Aber es kommt drauf an, in welcher Vorstellung du sitzt.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Also ich meine, es gab die kleinen Kinos, die sich das nicht leisten konnten, irgendwie mehrere Musiker zu beschäftigen. Die haben maximal jemanden am Klavier gehabt vielleicht. Oder der war krank. Und dann, weißt du, ich denke nur, wie war das praktisch umzusetzen?
Florian Bayer: Du hast Caligari als einen von deinen, du hast gesagt Caligari war der erste Film, den du besprochen hast und dass du den Film liebst und von Caligari gibt es ja unzählig viele und es gab eine zum Beispiel, das ist meine Lieblingsfassung, die jetzt Müsste ich googeln, um es genau zu wissen. Irgendeine Experimental Jazz Band aus den 60ern und 70ern hat den mal vertont.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Wir haben drüber geredet. Ja, Moment. Das suche ich ganz kurz.
Johannes Franke: Wir haben Caligari einmal besprochen, also hört euch die Episode gerne an, da ist alles an Facts sofort da. Man muss Plur gar nicht erst suchen.
Florian Bayer: Das ist so traurig, weil das wirklich meine liebste Fassung ist.
Johannes Franke: Oh nein. Und es gab damals ja auch die Sheet-Music, muss man sagen. Es gab ja ganz lange einfach den... Du hast hier improvisiert was Schönes, Musikalisches. Dann gab es Leute, die wirklich gut waren, darin spontan das Richtige zu spielen. Aber es gab dann ja auch irgendwann diese Sheet-Music, dass man wirklich auf Papier die Noten rausgegeben hat und gesagt hat, okay, wenn ihr ein Orchester habt, macht das, wenn ihr einen Pianisten habt, macht das. Wirklich mit Timing und damit die vor Ort live das Richtige spielen.
Florian Bayer: Ich bin zurück aus dem Google-Rapital, in das ich reingeklettert bin. John Thorn war's. John Zorn, ein ziemlich bekannter Jazzmusiker, Komponist und auch Instrumentalist, hatte verschiedene Bands. Hat aber auch so Solo-Musik gemacht und hat auch gerade in den 90ern ganz viel mit Industrial und Experimental-Bands zusammengearbeitet. Genau, der hat einmal eine, mit Naked City zum Beispiel, ist glaube ich eine seiner bekannteren Bands, muss man nicht unbedingt kennen, ist großartig, Genau, und der hat auf jeden Fall eine musikalische Untermalung gemacht für den Film. Aber ich glaube, es war doch in den 80ern oder 90ern, also etwas später. Und total großartig. Und wir sind hier gelandet, weil wir gesagt haben, dass Musik ganz viel ausmacht bei Filmen. Wir müssen irgendwie wieder zurückklettern zu M. Zum Ton, wie M mit Ton arbeitet. Vielleicht eine kleine Sache. Es ist so banal. Aber es ist für mich ein großartiges Beispiel für das, was Fritz Lang hier mit Ton macht. Wenn er uns Texte lesen lässt im Film, dann lesen wir die Texte. Dann werden die nicht vorgelesen, sondern wir lesen die Texte mit den Protagonisten. Da gibt es diese großartige Szene wie unser Lohmann, unser Kommissar. eine Mitteilung liest der Polizei und wir lesen mit ihm mit, dann stolpert er genauso wie wir über einen Rechtschreibfehler. Und wie gesagt, wir sehen einfach nur diesen Text vor uns. Und wir sind dann an dieser Stelle, wo dieser Rechtschreibfehler steht und hören ihn dann einfach nur ganz trocken sagen, Idiot. und den Fehler korrigieren. Und es ist fantastisch. Es ist wirklich eine meiner liebsten Szenen. Es macht es so lebendig. Also man sieht davon, dass es auch wirklich so ein kleines Augenzwinkern hat und witzig ist. Es ist auch einfach wirklich ein Moment, wo wir uns voll reingezogen fühlen.
Johannes Franke: Also man muss schon sagen, gerade Lohmann ist ja wirklich der Archetyp geworden für einen Kommissar im deutschen Fernsehen, oder?
Florian Bayer: So ein bisschen, ja.
Johannes Franke: Mit dieser trockenen, etwas zynischen Art? Ja, und dieses breite Grinsen manchmal. Schifisant, selbstgefällig auch ein bisschen. wenn man an Babylon Berlin denkt, sind auch Figuren davon angelehnt, Aber auch im deutschen Fernsehen, wenn man sich einfach die Krimis anschaut. Tatort. Ja, Tatort. Wenn man sich das alles anschaut. Ich habe das Gefühl, das kommt alles daher. Es ist krass. Und dann kommen wir natürlich zum anderen großen Namen, neben Peter Lorre, Gustav Gründgens. Als Goebbels. Oder zumindest als SRS-Verschnitt, als dieser fantastische Schränker. Das ist so krass als Goebbels, ja, muss man schon sagen. Ich bin Schauspieler und Gustav Gründgens kennt man Vom Namen her, bevor man ihn wirklich irgendwo gesehen hat. Als Schauspieler muss man den Namen Gustav Gründgens kennen und man darf nicht sagen, dass man... keinen Film gesehen hat und immer mitgespielt hat. Weil es der große Schauspieler dieser Zeit ist. Ja, aber Peter Lorre, die meisten wissen auch gar nicht mehr so richtig, dass Peter Lorre eigentlich in Deutschland gearbeitet hat. Österreicher glaube ich ursprünglich. Österreich-Ungarn. Österreich-Ungarn, genau, ja. Aber Deutsch auf Und du bist dann nach Berlin gekommen, war in Berlin der große Theaterschauspieler, innerhalb kürzester Zeit, muss man dazu sagen, die ist gekommen und hat dann innerhalb kürzester Zeit die Theaterszene dominiert. Und dann hat ihn halt kurz lange dazu geholt.
Florian Bayer: Und M war eigentlich sein großer Durchbruch?
Johannes Franke: Genau, sein erster großer Durchbruch.
Florian Bayer: Und dann durfte er nur noch Bösewichte.
Johannes Franke: Ja, genau, das hat ihn echt sein Leben lang begleitet, die Rolle.
Florian Bayer: Das ist total krass. Wenn man über M redet, redet man darüber, wie großartig Peter Lorre ist hier als Kindermörder. Und er ist in so wenigen Szenen zu sehen. Wenn man es zusammenfassen würde, wären es vielleicht zusammen 10, 20 Minuten vielleicht.
Johannes Franke: Ja, höchstens, oder?
Florian Bayer: Allein sein erster Auftritt, wenn er vorm Spiegel steht und diese Grimassen macht. Und wir hören halt aus dem Off auch wieder so großartig irgendwie mit Ton gearbeitet wird. Das ist der Beginn. Des Off-Erzählers, des Voice-Overs. Und es wird über ihn geredet als Mörder und wir sehen ihn dann vorm Spiegel, wie er diese Krimassen macht. Und das ist beängstigend. Faszinierend zugleich.
Johannes Franke: Absolut. Und die Szene, wo er dann vorm Schaufenster steht und das Mädchen in der Spiegelung sieht, Und da wirklich, man merkt, dass es über ihn kommt und dass er eigentlich... gegen sich kämpfen will, aber auch schon weiß, dass er verlieren wird und dass es ihn wirklich treibt und dass er diese Not in sich hat. Das ist hart. Also das Thema ist hart. Und das ist bis heute nicht in der Ausführlichkeit so richtig behandelt, oder? Fällt euch ein Film ein, wo das so... Paritätisch beide Seiten irgendwie erzählt werden in der Not.
Florian Bayer: Das krass ist halt tatsächlich, dass wir, wenn wir emotional bei einer Person sind in dem Film, Dann ist es am ehesten die Figur des Beckert, also Peter Lorres, der von Peter Lorre gespielte Mörder. Wir haben sonst sehr viel Panorama. Und sehr viel professionell näher. Also zum Beispiel zu Lohmann haben wir sehr viel professionell näher. Aber wenn es wirklich darum geht, in den Geist oder in die Emotionen für jemanden einzutauchen, dann ist es am ehesten. Das krass ist ja, dass wenn wir was von ihm wahrnehmen, Wir sehen ein bisschen was von seiner verschlagenen Seite, wenn er Kinder anspricht. Also gerade am Anfang, es gibt ja so irgendwie nur zwei Szenen gezeigt, wo er geht. wo er mit Kindern interagiert. Und da sehen wir so seine verschlagene Seite, wie er so dieses Grooming macht. Aber ansonsten sehen wir ihn ja eigentlich nur in den Zuständen angsthilflos, verzweifelt. Und ja, natürlich wird da auch irgendwie Empathie geweckt. Also ich finde... Der Film macht es halt auch so. Es ist, glaube ich, schon eine sehr bewusste Entscheidung von Fritz Lang, dass wir nicht Sympathie, aber Empathie mit ihm empfinden. Ja, dass wir auch mitleiden, wenn er Angst hat, ganz banal, wenn er sich versteckt in diesem Bürogebäude. und weiß, dass die kommen, um ihn zu holen und er hat Angst um sein Leben.
Johannes Franke: Man muss sagen, filmemacherisch ist das natürlich total clever, weil alles, was mit ihm passiert, ist das, was wir normalerweise Helden passieren lassen, mit denen wir mitfiebern sollen. Es ist wirklich... Es ist quasi eine Heldenreise irgendwie, auch wenn es ein Anti-Held ist. Aber es ist so formuliert und so inszeniert, dass wir natürlich, wenn er da wie so eine Ratte in dem Verschlag sitzt und hofft nicht entdeckt zu werden, Es ist einfach krass inszeniert. Und dann eben seine Not in seinem Monolog ist natürlich krass. Man muss natürlich dazu sagen... Schauspielerisch ist das alles, wir kommen aus der Theaterzeit. Und Peter Lore kommt vom Theater und so. Also das heißt, wenn man sowas nicht gewohnt ist als Zuschauer... Es geht an euch da draußen, liebe ZuhörerInnen. Falls ihr das nicht gewohnt seid, dann lasst euch einfach auf dieses Spiel ein. Das ist ein bisschen anders als das, was wir heute kennen. Ist aber ein Stilmittel, mit dem man absolut mitgehen kann, wenn man sich darauf einlässt.
Florian Bayer: Du meinst ein bisschen Overacting?
Johannes Franke: Ja, natürlich. Einfach größer gespielt und es wird anders produziert. Als Schauspieler hat man das damals anders produziert, als man das heute machen würde. Also insofern, man hat da einen anderen Zugang vielleicht zu. Man muss sich ein bisschen umstellen.
Florian Bayer: Aber es wird nicht unrealistisch dadurch, oder?
Johannes Franke: Nein, es wird nicht wirklich unrealistisch. Aber du musst dir schon vorstellen, dass du im Zuschauerraum eines Theaters sitzt. Ja.
Florian Bayer: Also ich finde schon, wenn ich an Overacting denke, dann habe ich immer das Gefühl, dass so ein Stück Immersion, ein Stück Realismus verloren geht. Und das habe ich in diesem Film eigentlich Ich hab nicht das Gefühl, dass ich hier jemanden sehe, der was darbietet, sondern ich habe das Gefühl, ich sehe hier wirklich einen Menschen am Rande seiner Verzweiflung.
Johannes Franke: Okay, bisschen Schauspieltheorie.
Florian Bayer: Folgendes Klugscheißen mit Johannes
Johannes Franke: Das Wichtige ist ja, dass das, was du spielst, von einem Platz in deinem Körper kommt, der Wahrhaftigkeit mit sich bringt. Und die Wahrhaftigkeit... ist die Grundlage, die dann dafür sorgt, dass der Zuschauer das glaubt. Das ist im Theater so und das ist im Film so. Wenn du ein Theaterschauspieler bist und die Wahrhaftigkeit weglässt und einfach nur laut deklamierst, dann kannst du immer noch das Publikum irgendwie erreichen und vielleicht einen lustigen Abend haben, aber er ist nicht wahrhaftig. Sobald du das allerdings im Film machst und nicht wahrhaftig wirst, und dann auch noch groß bist, dann hast du ein Problem. Dann glaubt dir keiner. Aber Peter Lorre ist natürlich ein guter Schauspieler und schafft es, seine Wahrhaftigkeit trotzdem zu behalten und größer zu spielen, Und dadurch glauben wir ihm trotzdem noch. Auch wenn es größer ist und vielleicht viel größer, als wir es gewohnt sind heute. Was ich aber auch noch wichtig finde, ist, dass es nicht nur um das Schauspiel an sich geht, sondern schon auch noch um die Inszenierung, die es auch natürlich dem... in den 20er, 30ern, anders als heute. Heute ist sie wesentlich subtiler und sehr viel mehr Subtext den du in diesem Film oft in Dialogen nicht so richtig hast? In den Bildern schon? Ich finde, dass man viel in den Bildern, wo kein Text gesprochen wird, sehr viel Subtext hat. Also im Spiel, in den Augen der Leute, in den Bildern, sehr viel Subtext steckt in der Visualisierung. Aber im Textbuch an sich, in dem Text, der gesprochen wird, steckt nicht viel Subtext. Da wird gesagt, was gedacht wird.
Florian Bayer: Ich finde es total spannend in diesem Film, wie sich das Bild zum Ton verhält. Weil wir haben noch sehr viele Momente des Stummfilms drin. Ich glaube, das ist das, was du auch damit meinst. Ich sehe den Film immer und denke, der würde auch eigentlich grundsätzlich als Stummfilm funktionieren. Ganz viele Szenen. Kannst du dir mit Musik untermalt in einer kleinen Texttafel vorstellen? Was dieser Film halt macht dann mit dem Ton ist, nicht den Subtext. Aber erfüllt die leeren Stellen, die man im stummen Film sonst hatte und erfüllt die wirklich geschickt. Also wir haben so zum Beispiel sehr... sehr detailreiche Schilderungen von Polizeiarbeit, von Forensik, von Kriminalistik, was so im Stumpf nicht möglich wäre. Und das finde ich, das ist schon eine interessante Art, wie Tonfilm. mit so einem Stummfilm-Gerüst, sag ich jetzt mal, umgeht. Und ich seh da irgendwie noch das Stummfilm-Gerüst. Man könnte diesen Film zusammenkürzen, hätte irgendwie einen funktionierenden Stummfilm. Wo irgendwie, wo das Wesentliche da wäre. Mit den paar Texttafeln, die man halt bräuchte für das, was er sagt zum Beispiel am Schluss. Und was der Ton damit macht, dann ist halt wirklich eine faszinierende Ergänzung, die irgendwie Lücken füllt und die dem Ganzen dokumentarische Substanz gibt.
Johannes Franke: Vielleicht. Aber das Wichtige ist ja trotzdem das Pfeifen, oder? Wie siehst du das?
Florian Bayer: Also ich glaube auch, dass Bilder ganz viel dieses expressionistische Erbe in sich tragen. Und um das nochmal stark zu machen, der Ton macht dann halt dieses mehr. Und ich komme ja schon mal als Literaturwissenschaftler daher. Wir haben ja so Ende der 20er in der Kunst diese... ist immer so krass, von diesem Wandel zu sprechen, weil natürlich ist das alles so ein Kontinuum. schwer zu sagen, danach kommt das, danach kommt das, danach kommt das. Anyway, gerne wird das aufgemacht, dass nach dem Expressionismus auch als Gegenbewegung die neue Sachlichkeit kam. Und die sehe ich ganz stark in diesem Film. Durch diesen dokumentarischen Ansatz und ganz viel durch das Voice-Over. Dadurch, dass wir so Zum Beispiel eine Szene haben, wo erklärt wird, was machen die Polizisten gerade und dann sehen wir wirklich diese Montage von Bildern, was die Polizei macht, wie eingekreist wird. wie Leute befragt werden, wie Sachen untersucht werden. Und das passt voll in dieses literarische Genre der neuen Sachlichkeit. Deswegen würde ich mich auch mit Händen und Füßen dagegen werden, diesen Film als expressionistisch zu bezeichnen. Ich bin total bei dir, dass dieser Expressionismus mit drin ist bei den Bildern. Diese Schatten und so, dass es ganz viel Expressionistisches ist. Und das war in der Literatur genauso. Die Neuesachlichkeit hat da auch ganz viel noch so Expressionismus mitgezogen, expressionistische Stilmittel. Und Fritz Lang kommt ja auch irgendwie vom expressionistischen Film, also Mabuse und Metropolis waren ja eher so im Geist von diesem expressionistischen Stummfilm. Und ich glaube, ganz stark auch dank des Tons schafft er es hier, dieses Sachlichkeit-Ding reinzubringen. Und irgendwie zu zeigen, wie man halt auch Kino weiterdenkt, dadurch, dass es jetzt Tonfilm gibt. Also ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Beitrag für den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm, weil er jetzt sagt, okay, wir haben jetzt hier diesen Werkzeugkasten, was können wir alles damit machen? Und dann legt der los mit dem Leitmotiv, dann legt der los mit den Voice-Overs, dann legt der los mit ganz großartigen Textbildscheren und so weiter. Und wahrscheinlich gäbe es noch zehn andere Sachen, die man aufführen könnte.
Johannes Franke: Es ist ja doch ein bisschen Zeit ins Land gegangen, bevor Fritz Lang dann angefangen hat, wirklich Tonfilme zu machen. Also Tonfilm gibt es seit vier Jahren sehr beliebt. Also mit dem Jazz-Singer hat es halt irgendwie angefangen, dass wirklich Leute gesagt haben, ich will keinen Stummfilm mehr sehen. wirklich Tonfilme haben. Und wenn Fritz Lang dann wirklich vier Jahre braucht, wenn ich das auf heute übertrage, 3D-Filme oder was auch immer, irgendwas, was neu ist, alle stürzen sich drauf. Und Fritz Lang sagt erstmal, okay, ich muss erstmal darüber nachdenken, warum das überhaupt sinnvoll ist. Und das finde ich gut, gut zu sagen, okay, ich stürze mich nicht einfach so darauf und sage, okay, es gibt jetzt Tonfilm, also mache ich das, weil es sein muss, weil alle das machen. Sondern ich überlege mir, was ist der Mehrwert des Tonfilms?
Florian Bayer: Müssen wir jetzt ein Zitat vorlesen?
Johannes Franke: Ja, wir müssen jetzt ein Zitat vorlesen. Bitte lese ein Zitat vorlesen.
Florian Bayer: Trotz jahrelanger intensiver Forschungsarbeit, die in technischer und künstlerischer Hinsicht den Tonfilm zur Vollendung führen will. stehen wir heute noch an der Wiege einer neuen Kunst, die sich aber noch in keiner Weise ihre Existenzberechtigung gesichert hat. Man hat vorläufig erst durch negative Erfolge die Grundfläche zur Aufbauarbeit geschaffen. Man hat gelernt, wie man es nicht machen soll. Der Tonfilm ist eine neue Kunst und verlangt als solche neue Formen. Ich würde das so gerne in der Stimme von Fritz Lang vorlesen. Lang hat so eine tolle Stimme. Kleine Empfehlung. Leute, schaut euch mal die Interviews mit Fritz Lang aus den 50ern, 60ern, 70ern an. Man findet sie auf YouTube. Und der Typ ist schon eine Erscheinung. Er hat so einen trockenen Pathos in der Stimme. Was überhaupt nicht zusammenpasst. Aber hört ihn euch mal an.
Johannes Franke: Ein trockener Pathos. Jetzt bin ich sehr neugierig. Fritz Lang talks a lot of Bullshit. Es ist geil, weil man irgendwie so viele conflicting material findet. Wo Leute dann sagen, ja, nein, das war so nicht. Insofern scheue ich mich die ganze Zeit davor, wirklich irgendwie Facts rauszuhauen über Fritz Lang und was gemeint war oder wann was gemacht wurde oder wie er... sich vielleicht doch mit Goebbels oder nicht getroffen hat oder auf welche Art und Weise.
Florian Bayer: Weil die einzige Quelle immer Fritz Lang ist. Und verschiedene Fritz Langs aus verschiedenen Zeiten.
Johannes Franke: Ja, und das Tagebuch von Goebbels, in dem es nicht drin steht. Obwohl er eigentlich peinlich genau alles aufgeschrieben hat. Also, naja. Es ist also schwierig, einige Geschichten Wahrheitsgehalt abzuringen.
Florian Bayer: Er ist als Tyrann bekannt. Also Peter Lorre zum Beispiel wollte dann auch nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten. Irgendwann so in den 50ern, 60ern wollte er nochmal Peter Lorre für einen Film haben und der hat gesagt, nee, lang. Nee, muss nicht sein.
Johannes Franke: Und das in den 50ern, wirklich 30 Jahre nachdem das Ding hier passiert ist, dann immer noch zu sagen, nee, lass mal, da muss schon einiges passiert sein. Er musste ja diese Treppe runterfallen, da in diesem Keller, wo das Tribunal stattfindet. Und das haben sie echt ein Dutzend Mal gemacht. Und das tut weh. Das tut einfach weh. Sie musste ja auch mit Strohhelmen irgendwie da... Luft und so weiter... versorgt werden mit Wasser und so. Das muss nicht gut gewesen sein, da die Dreharbeiten, das stimmt.
Florian Bayer: Können wir das mal ganz kurz, weil dieses Gespräch mit Goebbels, ich dachte das hätte stattgefunden. Zumindest das wüsste man, dass das stattgefunden hat und dass Goebbels ihm das angeboten hat. Oder ist selbst das ein Reiberpist? Es ist unklar. Also ...
Johannes Franke: Ich bin auch ein bisschen geneigt, das zu glauben, weil ich wirklich vorstellen kann, weil Goebbels hat reingeschrieben, er hat den Film gesehen und fand ihn ganz toll. Goebbels mochte den Film. Super, ohne irgendwelche humanitären, äh, äh, was?
Florian Bayer: Ich glaube, es hat den Film nicht verstanden.
Johannes Franke: Ja, der hat überhaupt nicht verstanden, was der Film soll. Es ist so geil. Dabei hat aber Goebbels doch immer so viele Filme angeguckt und so tief analysiert und für sich irgendwie überlegt, ob man das nutzen kann. Und vielleicht hat er schon auch verstanden, dass das nicht so ist und hat versucht, den irgendwie umzudrehen.
Florian Bayer: Was man ihm geben kann, Fritz Lang bleibt, also er positioniert sich nicht eindeutig, auch in diesem Trial und auch wenn der, wenn der, wenn der Schrenker so ein bisschen wirkt wie eine Karikatur von einem SS-Schergen oder SA-Schergen damals. Es ist doch trotzdem so, dass Fritz Lang beiden Positionen also einmal lynchen und einmal freilassen und behandeln, also bei den Extrempositionen vielleicht auch, Raum gibt und sich nicht eindeutig positioniert. Oder wie seht ihr das? wie er geflohen ist und wie er dann Angst hatte und sich versteckt hat und schlafend gestellt hat, um den allen zu entkommen, weil die alle auf der Jagd nach ihm waren. Das ist, glaube ich, Quatsch. Ich meine, hey, er verdient mit Geschichten sein Geld. Er macht tolle Geschichten und Ich stelle mir ganz gerne so eine alternative Realität vor, in der Fritz Lang Goebbels Angebot annimmt und und Deutschland im Jahr 1936 pleite ist, weil er den großen Propagandafilm für die NSDAP dreht und die Reichsfilmkammer Alles an Geldern da reinpulbern muss, so Metropolis-Style und dann der Nationalsozialismus beendet wird, weil sie einfach kein Geld mehr haben, weil Fritz Lang alles für seinen großen Film gebraucht hat.
Johannes Franke: Oh Gott, das wäre so geil gewesen. Pleite Nazis. Ach, wie schön. Stell ich mir sehr gut vor. Was hast du?
Florian Bayer: Das drehen wir nicht im Studio. Sehr gut. Ja, diese Unterwelt. Also, um mal so eine Hattenkatze zu machen. Ich find's fun. Tastig, wie Fritz Lang die Unterwelt darstellt und es gab ja offensichtlich wirklich diese Vereinigung. Ja. die auch mit einer gewissen Professionalität so was wie Betteln und kriminelle Akte wie Diebstahl verwaltet haben. Aber ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie realistisch ist das, wie lange das darstellt, weil das ist ja unfassbar, mit welcher Akribie. Allein die Bettler da sitzen und Notizen machen und Zeug sammeln und das sortieren. Und ich denke die ganze Zeit so, Wow, die sind viel professioneller als die Polizei. Kein Wunder, dass die ihn zuerst kriegen.
Johannes Franke: Also das Gegenüberstellen von Polizei und Kriminalbande, Die beenden jeweils den Satz des anderen in dem einen Zusammenschnitt. Ich finde den Zusammenschnitt großartig, richtig gut. Unglaublich gute Idee und gut umgesetzt. Aber was will uns Lang damit sagen? Also er hat nicht viel übrig für die Polizei, habe ich so das Gefühl. Und auch vor allem nicht für die upcoming Polizei der Nazis, oder?
Florian Bayer: Was ich oft gespürt habe in dem Film, ist nicht nur, dass die Unterwelt im Kontrast zu der Polizei als professioneller dargestellt wird, Sondern auch, dass Fritz Lang fasziniert zu sein scheint, wie die sich organisiert und auch wie die zusammenhält. Also ich fand dieses, als die Verbrecher beschließen, okay wir müssen die Bettler mit einspannen und dann gibt es den Schnitt zu den Bettlern. Und ich finde es richtig sympathisch, wie die da zusammensitzen und dann das Brot sortieren und so. Die sagt ja, oh, voll Deibel, dieser Käse riecht aber großartig. Und dann sitzen die da und haben Freude daran, machen wirklich einen guten Job. Richtig.
Johannes Franke: Es ist aber auch ein bisschen Karikatur, oder? Also die sortieren sehr deutsch. Sowohl die Brote als auch die Stummel von den Zigaretten, die sie da irgendwo aufgesammelt haben. Es ist... Die Bettler so darzustellen als organisiertes, sehr deutsches... Fast schon nach Archiven vorgehen.
Florian Bayer: Sie haben ja dieses Buch, wo sie dann die Leute die Namen eintragen und genau gucken, die Reviere zuteilen.
Johannes Franke: Die scheinen organisierter zu sein als die Polizei.
Florian Bayer: Ja!
Johannes Franke: Und das ist schon, also ich weiß nicht, ob es vielleicht in beide Richtungen irgendwie so ein kleiner Tritt ist, oder?
Florian Bayer: Aber sie stehen auch füreinander ein. Also es gibt in diesen Verbrecherkreisen auch so einen sehr starken Zusammenhalt. Wenn wir zum Beispiel sehen, der blinde Ballonverkäufer, der... wie der so direkt seine Leute organisiert kriegt und die das erledigen und Wir haben, wie die in der Kneipe zusammensitzen, die Verbrecher. Und es ist irgendwie sympathisch, wie sie sich unterhalten. Und der Kontrast. dazu ist ganz am Anfang der Stammtisch von den guten Bürgern, die sich gegenseitig vorwerfen, Mörder zu sein. Und aufeinander losgehen.
Johannes Franke: Können wir einmal acknowledgen, dass es diese tolle Kamerafahrt gibt bei den Bettlern, wenn er in diese Bettler reingeht? Es ist ja unglaublich. Total lang, einfach so eine Plansequenz über die Sachen drüber, wie er das mit den Broten macht, rüber zu den anderen. Es ist wirklich beeindruckend und er geht auch einmal in einen anderen Shot. nach oben die Wand hoch und dann ist da ein Fenster durch, das Fenster durch. Dass wir so ganz, wenn man gut aufpasst, sehen, wie jemand auf Kamera die Glasscheibe zur Seite schiebt, damit die Kamera durchgehen kann. Aber unglaublich, oder? Das ist schon toll. Das ist ja krass. Also man muss sagen, er ist für die Zeit wahnsinnig modern. Sowohl in der Kamera als auch im Thema. als auch in der Umsetzung, auch dass es ein psychologisches Gutachten für einen Täter gibt. Das ist ja auch nicht, das war ja bei Kürten, den du vorhin erwähnt hast, auf den das Ganze vielleicht so ein bisschen basieren könnte. Da war es auch das erste Mal, dass man ein richtiges psychologisches Täterprofil entwickelt hat, um ihn zu fangen. Und das ist in dem Film eben einmal sehr modern und sehr zeitnah an dem, was es tatsächlich... gab, erzählt. Das ist schon beeindruckend.
Florian Bayer: Ja, so krass dieser Diskurs, was mit dem Täter geschieht und wie er verantwortlich ist. Ich fand es teilweise, ich finde es so krass am Puls der Zeit, dass ich es wirklich überraschend fand nach dem Motto, ach krass, so weit waren die Anfang der 30er schon, dass die auch... dass auch dieser Diskurs geführt wurde, ist dieser Mensch krank, muss er behandelt werden, kann er für seine Taten verantwortlich gemacht werden. Wie geht die Gesellschaft mit sowas um? Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass selbst, also auch wenn ich lang als progressiv wahrnehme, dass das überhaupt auch unter progressiven schon Thema war. Also total, total krass, ja.
Johannes Franke: Weiß jemand, wie das wahrgenommen wurde damals? Also, weil das ja wirklich so ein progressives Thema ist und das sicherlich nicht jeder auf der Straße... sich mit diesem Thema irgendwie auseinandergesetzt hat und sicherlich auch ganz viele gedacht haben, wieso soll ich jetzt Mitleid mit ihm haben? Weil sie eben nie darüber nachgedacht haben. Weiß jemand, was damals gedacht wurde? Ich habe nämlich nichts gefunden gerade.
Florian Bayer: Na, Goebbels war ja offensichtlich angetan.
Johannes Franke: Ja, Goebbels war jetzt toll. Super. Weil es so ausgelegt hat.
Florian Bayer: Warum wird ausgerechnet so ein Film smashet, der jetzt wirklich ein schwieriges Thema hat? Es geht um einen Kindermörder. der nicht klare, sympathische Protagonisten hat, denen wir folgen können. Der, wie wir schon festgestellt haben, mit Musik sehr spärlich umgeht. Was ist das, was die Menschen damals an dem Film begeistert hat? Ist es dasselbe, was uns heute an dem Film fasziniert? Ist es einfach, dass er als Thriller besonders ... Einfach ein cooles Thema hatte. Einfach Mord macht Spaß. Diese Faszination am Morbiden wird ja eigentlich schon in der Eröffnungsszene gezeigt, wenn die Kinder diesen Abzellreim vortragen, wo es um den Killer geht, der an der nächsten Ecke dauert.
Johannes Franke: Kinder sind da gnadenlos.
Florian Bayer: Und dann schreit ja die Mutter noch runter, er soll doch diesen Abzahlereim nicht sagen. Ich finde die Kontrastierung halt total stark, weil wir haben hier so dieses fast schon romantisierte Bild von der wartenden Mutter. Sie hört die Die Glocken schlagen, guckt auf die Uhr und freut sich, dass ihr Kind nach Hause kommt. Und dann parallel den Weg des Kindes zusammen mit dem Mörder verfolgen und wissen, oh shit. Da passiert was Schlimmes und das sorgt einfach dafür, dass du deine Fingernägel in den in den Kinosessel bohrst. Und dann natürlich auch, wie die Szene endet. Wir sehen ja nicht den Mord. Wir sehen gar keinen Mord. Sondern wir sehen einfach nur dieses Gelände und den Ball da rollen und es ist schon krass.
Johannes Franke: Krass. Also Fritz Lang macht da die magische Kiste ganz weit auf. Er sagt wirklich, okay, ich mach... Ganz große Kontraste auf. Zum einen den Kontrast zwischen der Mutter, die so liebend auf ihr Kind wartet und sich freut, wie keine Mutter. Keine Mutter.
Florian Bayer: Ich habe ein Kind und ich kann sagen, wenn die Schule zu Ende ist, gucke ich nicht so zufrieden auf die Uhr.
Johannes Franke: Nein. Und dann den Kontrast eben dazu, dass das Kind nicht kommt und natürlich die Kontraste, indem man einfach ganz viele leere Bilder zeigt. Dort wäre das Kind jetzt glücklich. Dort könnte es jetzt am Tisch essen. Also das ist schon auch plakativ, muss man sagen. So gemacht, aber auf eine sehr effektive Art und Weise. Schon wirklich toll. Aber er greift da wirklich tief in diese Kiste rein, habe ich so das Gefühl.
Florian Bayer: Ich würde gerne, weil ich glaube, es passt dazu, über die Szene reden, die mir überhaupt nicht gefällt an dem Film. Ja, bitte.
Johannes Franke: Wir haben so viel dem Film Honig ums Maul geschmiert.
Florian Bayer: Es gibt eine. Ich liebe diesen Film. Aber ich hasse die letzte Einstellung. Diese beiden Frauen, die da sitzen und sagen... Wir müssen ein bisschen besser auf die Kinder aufpassen. Und ich frag mich, Fritz ... Musstest du uns das wirklich jetzt noch erzählen?
Johannes Franke: Das geht voll in das Pacing. des Films rein. Natürlich, Fritz Lang haut einem, wie gesagt, es hat keinen Subtext groß, in dem was ausgesprochen wird. Er haut einfach nochmal raus, was die Frauen da denken. Und man muss dazu sagen, dass das Gesicht natürlich auch sehr entrückt ist von dieser Frau. Es ist nicht so, dass Fritz Lang sagt, ich mache hier nochmal eine realistische Szene mit einem realistischen Appell wie Chaplin jetzt beim großen Diktator am Ende. Die Effizienz hat dieser Monolog da nicht. Das ist ja auch kein richtiger Monolog, sondern nur nochmal, wir müssen halt nochmals auf unsere Kinder aufpassen.
Florian Bayer: den Helikopter-Eltern geboren.
Johannes Franke: Oder Christian, wie siehst du das? Ich meine, es ist ja kein richtig realistisches Bild.
Florian Bayer: Ich finde die erste Hälfte von dem Text ja auch gar nicht schlimm. Dieses, davon werden unsere Kinder auch nicht lebendig, ist super, ist okay. Aber warum sagt sie dann, also, und das sagt sie fast so an uns, als ob das eine Lea ist. Warum gibt es plötzlich noch mal diese Botschaft, wo der Film die ganze Zeit so eine tolle Ambiguität hatte und die ganze Zeit so unsicher ist? Wo stehen wir jetzt? Wie gehen wir damit um? Und dann kommt aber nochmal, als ob es die ganze Zeit in dem Film nur darum gehen würde. Und das Schlimme ist, Fritz Lang sagt das ja sogar. Fritz Lang sagt über den Film, er hat den gedreht, jetzt muss ich das Zitat suchen, damit Frauen mehr auf ihre Kinder aufpassen oder so. Und Fritz Lang wird seinem Film dann nicht gerecht, wenn er das sagt. Weil der Film hat so viel Ambivalenz, so viel Diskurs, so viel Moderne. Und ich weiß nicht, ob es diese letzten drei Sekunden gebraucht hätte.
Johannes Franke: Exaktives Moralstück geworden. Aber ich glaube, dass der Film sowieso von Genre zu Genre wechselt. Und wenn er dann am Ende zum Moralstück-Genre wechselt, dann ist das halt nur ein weiterer Wechsel in einem sehr umtriebigen Film, was das betrifft.
Florian Bayer: Er ist ja nicht nur Thriller, ne?
Johannes Franke: Ja, er ist nicht nur Thriller. Die Kriminalarbeit wird ja wirklich sehr dokumentarisch gezeigt. Da hätte ich mir fast vorstellen können, dass man im Kino sitzt in einer Wochenschau wie damals. Psychologisches Drama. Ja, psychologisches Drama, genau, solche Sachen. Aber da muss man an dieses komische Gespräch denken. Die Männer an dem runden Tisch da, der Stammtisch. Und wie schnell... Genell entwickelt sich das dahin, dass der eine sagt, aber ich hab dich auch mal mit so einem Mädchen gesehen. Oh, du Schwein, du. Ich prügge mich gleich mit dir. Ich finde es total geil, auch wenn sie den Typen aus dem Bus rausholen und er sagt, ja, da, den Mörder sollten sie doch verhaften.
Florian Bayer: Und irgendjemand, und was, das ist der Mörder? Das ist der Mörder?
Johannes Franke: Das ist der Mörder. Es ist schon sehr schnell und eine Entwicklung sehr plakativ.
Florian Bayer: Aber es ist so geil, weil allein der Sound ist so großartig, diese Berliner Stimmen in diesem Dialekt und mit diesen schnoddrigen Sachen, das ist toll. Das ist der letzte Dialekt, den ich gesehen habe und ich musste die ganze Zeit Untertitel drauf haben, weil ich es nicht verstanden habe.
Johannes Franke: Ja, richtig. Aber international ist das viel besser gehandelt, finde ich. Es gibt ja so viele amerikanische unterschiedliche Dialekte, die in... Filmen vorkommen, britische Dialekte. Wenn du jemanden posch dastehen willst, dann hast du einen ganz anderen Londoner Dialekt, als wenn es so eine Arbeiterklasse ist.
Florian Bayer: Die faken auch viel mehr. Ja, du musst das lernen. Also gerade wenn du einen großen Hollywoodstar hast oder einen großen Star aus New York, der dann plötzlich im Südstaaten Redneck-Akzent redet, ist das manchmal auch etwas irritiert.
Johannes Franke: Ja, es kommen auch oft genug Sachen vor, wo man denkt, oh, der Ami versucht unbedingt den Briten darzustellen und es funktioniert überhaupt nicht. Also es gibt solche Unfälle gibt es durchaus.
Florian Bayer: Ich stehe ja voll drauf, wenn amerikanische Schauspieler versuchen, Deutsche zu machen, indem sie in so einen deutschen Aktivismus... Ich liebe es. Wirklich. Ich finde es wirklich schön, weil der deutsche Akzent ist ja echt hart. Englisch von Deutschen gesprochen. Also vor allem von mir. Ja. Ist immer schrecklich und brutal. Und ich liebe es, wenn Amerikaner versuchen, das nachzumachen.
Johannes Franke: Wie schmutzig kommt man sich denn dabei vor, jetzt dem Mörder Mitgefühl entgegenzubringen. Um mal wieder zu den ernsthaften Themen zurückzukommen. Das ist ja Schauspieler. Klar. Wie schmutzig fühlst du dich?
Florian Bayer: Ich fühl mich nicht schmutzig. Ich bin bei Christian. Ich glaube, wir ... Wir sind halt auch einfach im gesellschaftlichen kriminologischen Diskurs weiter, als sie es damals waren. Also es gibt immer noch sehr viele Menschen, die für die Todesstrafe sind in Deutschland, aber die ist ja Gott sei Dank abgeschafft. Es ist wirklich spannend, dass hier genau zumindest der Diskurs auch aufgemacht wird. Ja, das sind eigentlich auch Menschen, die Heilung brauchen. Menschen, die krank sind. Und was kann man machen? Es geht vielleicht gar nicht im Sinne von Resozialisierung an, Aber im Sinne von zu verhindern, dass er weitere Straftaten macht und gleichzeitig nicht die Menschenrechte komplett ignorieren.
Johannes Franke: Aber es ist natürlich hypothetisch, ne? wie realistisch das alles erzählt wird, was für Aktionen er fährt. was er macht. Es gibt diese eine Szene, wo das Mädchen dran ist, weil er angefangen hat zu pfeifen und dann kommt die Mutter und rettet das Kind gerade noch so. Und dann stellt er sich da in die Ecke ganz verschämt und versucht irgendwie unsichtbar zu werden und ist danach ... Völlig fertig mit den Nerven. Setzt sich da hin in diese Kneipe und trinkt erstmal zwei Korn oder was auch immer. Er ist bestellt und ist wirklich hart getrieben. Und das sind Sachen, die tatsächlich... viel beobachtet werden bei so Triebtätern slash Kindermördern. die aus sexuellen Motiven sowas machen, wo auch das einfach drin ist dieses Getriebene drin ist. Es gibt einen Fall von einem Kindermörder aus Leipzig, der über die Jahre aus den 80ern bis in die 90er immer wieder gemordet hat und sexuellen Missbrauch betrieben hat, wo man so viele Parallelen sieht. zu dem, was hier gezeigt wird, was mir nicht so bewusst war. Also auch gerade dieses sich Mut antrinken mit Alkohol und dieses... Getriebene, wie das dargestellt wird, ist einfach sehr realistisch. Das finde ich sehr spannend. Was mich dann rausreißt, ist ein kleines bisschen... Dass er diesen Brief schreibt, weil ein Brief eigentlich ja etwas ist, was eine Selbstgefälligkeit darstellt. Und der ist nicht so. Er ist nicht so selbstgefällig und er hat auch kein Geltungsbedürfnis in dem Sinne. Und das reißt mich ein bisschen raus. Wie kann man das begründen? Wo kommt das her?
Florian Bayer: Aber es ist in dem Moment auch so ein bisschen ein narratives Mittel. Weil sie versuchen irgendwie... Der Film gibt dadurch den Polizisten ein bisschen mehr in die Hand als... Kinder werden umgebracht und das ist natürlich nicht geil. Ich fand es okay in dem Zusammenhang, weil ich das Gefühl hatte, sein Brief ist auch ein bisschen Hilfeschrei. Ich glaube, er will auch irgendwie gefasst werden. In diesen Momenten, in denen er sagt ja, in diesem Schauprozess sagt er ja und dann frag ich mich, war ich das wirklich? Hab ich das getan? Und es scheint Momente zu geben, in denen er sich eigentlich wünscht, gefasst zu werden.
Johannes Franke: Ja, okay, dann in dem Zusammenhang würde es vielleicht Sinn ergeben, vor allem weil er reinschreibt, es ist noch nicht zu Ende. um den Leuten zu sagen, hey, wenn ihr mich nicht bald mal einsperrt, dann gibt es hier ein Problem. Aber dafür geht der Film natürlich sehr wenig darauf weiterhin ein.
Florian Bayer: Ja. Und wir sehen es ja auch vor dieser Kaffee-Szene, wie zerrissen er ist, ne? Wenn er in die Schaufensterscheibe schaut und dann sieht er die Spiegelung von dem Kind. Und sein erster Impuls ist, oh mein Gott, Hilfe. Und also es ist nicht nur einfach so, ah, Opfer, da ist ein neues Opfer, sondern er hat Angst davor, er fühlt sich hin und her gerissen. Er kämpft dagegen. Ja, er kämpft im wahrsten Sinne des Wortes.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir ihn zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Facebook.
Florian Bayer: oder iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Wir sind schnell durchgekommen. So, Leute, die Zeit ist relativ fortgeschritten. Normalerweise haben wir an dieser Stelle dann unsere Top 3. Wir haben jetzt keine richtige festgelegt, aber... Ich würde dich gerne nach einer Top 3 fragen, aber erst machen wir unseren Jingle. Unsere Top 3. So, wir sind wieder zurück.
Florian Bayer: Nach dieser kurzen Unterbrechung von Johannes braucht für alles einen Schengel.
Johannes Franke: Egal. Jedenfalls würden wir gerne von dir einmal... Deine Top 3 Filme ever, also deine Lieblingsfilme aller Zeiten.
Florian Bayer: Die für die Insel.
Johannes Franke: Die für die Insel, genau. Was du mitnehmen würdest, wenn du auf die Insel gehst und nichts anderes mehr hättest, außer diese drei Filme? Absolut fantastischer Film. Wow.
Florian Bayer: Man kann ja viel über ihn lästern, aber ich glaube, es gibt unzählige Menschen, die ihre Liebe zum Film über Steven Spielberg entdeckt haben. Und wahrscheinlich hat er für meine Sozialisation auch eine wahnsinnig große Rolle gespielt.
Johannes Franke: Ja, krass.
Florian Bayer: Wenn das schon dein Lieblingsfilm ist, musst du ganz kurz noch sagen, was du von dem sehr viel späteren Sequel hältst. Letzte Episode haben wir Indiana Jones besprochen, nicht letzte, vorletzte. Das ist länger her. Ja, stimmt.
Johannes Franke: Okay. Okay, dann gehen wir jetzt wieder aus unserer Top 3 raus. Das war unsere Top 3. Und damit natürlich jetzt die Frage, haben wir noch große Baustellen, die wir bearbeiten müssen? Hast du noch? Christian, Themen, die du gerne auf den Tisch bringen würdest, was dir viel zu kurz gekommen ist in so einem Gespräch oder gibt es noch irgendwas?
Florian Bayer: Das musst du jetzt genauer erklären. Ja, das musst du sagen. Ich weiß es wirklich nicht mehr.
Johannes Franke: Okay, geil. Okay, das ist vielleicht ein großer Stretch, oder?
Florian Bayer: Naja, das war ja schon sehr stark beeinflusst. Es gibt ja durchaus Leute, die sagen, mit M haben wir eigentlich so einen der ersten Filmnores auch vor uns. Und gerne wird ja auch darauf dass der Film-Noor sehr inspiriert war vom expressionistischen Film. Vielleicht ist er zumindest so ein bisschen Scharnier. mit seiner Bildsprache, nicht mit seinem Inhaltlichen, sondern einfach nur mit der Bildsprache, wie das vom Expressionistischen weitergetragen wird, ein realistischeres Setting. Weil diese Gassen, diese Beklemmung in der Stadt, diese engen Räume und so, das sind ja alles so typische Filmmerkmale.
Johannes Franke: Und Peter Loche durfte dann ja auch im Film nur, durfte der ja auch nochmal ein paar Mal ran, ne? Mhm, ja. Sehr, sehr gut in die Spur des Falken. Ja. Toller Bösewicht. Wirklich sehr gut gespielt, muss man sagen. Ja, Peter Lorre hat natürlich sehr viel große Karriere gemacht, nicht zu Unrecht, aber leider immer diese Bösewichte.
Florian Bayer: Oh ja, er hat einmal ganz fies Yellow Facing gemacht. Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott. Nee, nee, es war was anderes. Ich weiß, was du meinst. Und er hat im ersten Bond-Film gedreht, ne? Er war der erste Bond-Bösewicht, wenn man's genau nimmt. Weil er hat einen Casino Royale 1954 den Bösewicht gespielt. Barry Nelson als James Bond.
Johannes Franke: Okay, ich gehe mal kurz dazwischen. Wir wollten eigentlich abschließen.
Florian Bayer: Oh ja, wir müssen zu unserem Urteil kommen. Spiel den Urteil Jingle ein.
Johannes Franke: Ich spiel den Jingle ein.
Florian Bayer: Das Urteil.
Johannes Franke: Was für ein Jingle. Großartig, ich liebe ihn. Christian, hast du das Urteil schon gegeben, aber... Aber ich würde sagen, dir gebührt das letzte Wort. Das heißt, erst muss Plur, dann mache ich und dann darfst du noch mal was sagen. Also Plur.
Florian Bayer: M ist ein fantastischer Film. M ist ein wirklich großer Film. Unglaublich wichtiger Film für die Entwicklung des Tonfilms und für die Entwicklung auch von visueller Erzählung, von der Arbeit mit Text, mit Bild und Ton. Wie man das zusammen denken kann, wie man es auseinanderdenken kann. Und hat wirklich einen Pionier, was das betrifft, seiner Zeit weit voraus. Aber er funktioniert nicht nur als Pionier und nicht nur als Anschauungsmaterial für das Filmseminar. sondern er ist auch einfach an und für sich ein wirklich guter Film, den man auch heute noch genießen kann, der einfach immer noch spannend ist und immer noch mitreißt.
Johannes Franke: Na, ich habe immer noch das Ding, dass ich natürlich sehe, dass dieser Film in einer anderen Zeit entstanden ist und sehr stark aus dem Theater rauskommt. Und auch in der Inszenierung sehr, weiß ich nicht, wie will man das einsortieren? im Brechtschen Sinne fast arbeitet. Weiß ich nicht genau, ob das zu weit aus dem Fenster gelehnt ist. Aber irgendwie ist es sehr geradeaus und sehr ausgesprochen und da stellt sich jemand hin und hat fast schon ein Seminar.
Florian Bayer: Precht und Fritz Lang konnten überhaupt nichts miteinander. Die wollten was zusammen machen in den USA dann und die sind so aneinander geraten, weil der... episches Theater Precht und der große Filmmacher Fritz Lang.
Johannes Franke: Aber ich hab manchmal das Gefühl, dass er doch sehr geradeaus alles erzählt und mir ein bisschen mehr verstecktes Spiel... mich das interessieren würde. Aber es ist auch der Zeit geschuldet und ich finde es eine tolle Methode auch für sich. gesehen, man muss sich halt drauf einlassen. Ja, also... Ist ein ganz toller Film, natürlich. Er hat viel zu bieten und ich will dem jetzt nichts in Abrede stellen. Ich will bloß das einsortieren. Und ja, habe ich mir jetzt im Kopf reingeredet? Habe ich. Verdammt. Christian, rette die Episode.
Florian Bayer: Dein Urteil zu dem Film? Und sich auf die Zeit einlassen. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Man kann ganz viel, also gilt für alle Hörenden da draußen, man kann unglaublich viel für sich selbst gewinnen, wenn man ein paar Bedenken über Bord wirft und sich auf die alten Schinken einlässt, weil da gibt es auch heute noch sehr viel zu entdecken.
Johannes Franke: Ja, ich finde gerade, dass man an diesem Film sieht, dass Menschen immer Menschen waren, also dass wir... zwar im modernen Zeitalter irgendwie leben und immer, wenn man so im Kopf zurückdenkt, an eine ganz andere Gesellschaft im Kopf hat, Und eine Schwarz-Weiß-Gesellschaft. Aber dass man daran sieht, dass Menschen einfach immer ... gleich funktioniert haben und sich immer die gleichen Gedanken gemacht haben und auf die gleiche Art und Weise vielleicht in einer anderen leicht anderen Sprechweise oder Sprache genutzt haben, aber es ist einfach, der Mensch ist der Mensch und mit all seinen Nöten und all seinen Problemen und Ja, es ist wirklich spannend, so ein altes Ding zu sehen und trotzdem den Menschen so von heute quasi hinterzusehen.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du dabei warst. Leute, hört euch den Podcast von Christian an. macht. Ja, war schön, dich da zu haben und genau, hört euch den Podcast an 101 Jahre des Films. Wenn euch das gefallen hat, was Christian erzählt hat, da gibt es noch Ganz viel mehr zu hören, gerade noch zu den Klassikern, also zu allem, was vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Und in ein paar Jahren dann wahrscheinlich auch so die 50er und 60er. Aber da gibt es jetzt schon total viel zu entdecken zum Stummfilm und zu großen Klassikern.
Johannes Franke: Christian, vielen Dank, dass du dabei warst. Das war großartig.
Florian Bayer: Ja, wäre total cool. Voll gut. Ja, gerne. Wenn ihr wissen wollt, welchen Film es nächste Woche gibt, ich glaube, ich bin dran. Ich glaube, ich mache Johannes einen Vorschlag. ran. Nach dem Outro reden wir einmal drüber, was es nächste Woche gibt. Ansonsten nochmal vielen Dank Christian, vielen Dank euch fürs Zuhören.
Johannes Franke: Vielen Dank Flor.
Florian Bayer: Vielen Dank Johannes.
Johannes Franke: Bleibt gesund da draußen und hört nächste Woche wieder rein, wenn es wieder heißt. Ach, egal. Ihr wisst schon. Bis dann. Ciao. Ciao. Tschüss.
Florian Bayer: So, Johannes. Ich muss dir ja noch was geben.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und ich muss ehrlich sagen, es nagt an mir. Es zerreißt mich innerlich.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ich hab dich nämlich mal vor einiger Zeit sehr enttäuscht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Und das will ich wieder gut machen.
Johannes Franke: Welches der vielen Male meinst du denn?
Florian Bayer: Es ging darum, als wir gesagt haben, wir machen eine Girls' Night. Und ich habe dir einen wundervollen Film gegeben, der auch tatsächlich seine Frauen ernst nimmt. Und dieser Film war dir zu feministisch, um zu einer Girls Night zu passen. Nein, der war mir nicht zu feministisch.
Johannes Franke: Nein, der war einfach nur todtraurig.
Florian Bayer: Du hast gesagt, ich will sexistischen Kackscheiß haben, hast du da
Johannes Franke: Nein, Flor, ich wollte bloß nicht depressiv aus so einem Girls' Night rausgehen.
Florian Bayer: Wie auch immer, ich schulde dir eine Girls' Night. Du sollst deine Girls' Night haben. Und zwar Pretty Woman.
Johannes Franke: Das ist sexistischer Kackscheiß.
Florian Bayer: Jetzt ist es zu spät. Wir gucken ein... Es ist, glaube ich, gar nicht mal eine Rom-Com, sondern eher ein Liebesfilm. Einen echten Liebesfilm-Klassiker, der aber auch sehr viele amüsante Momente hat und ziemlich viel Gut ist mit Julia Roberts und Richard Gere. Und yay, Prostitution und greif dir deinen Märchenprinzen. Pretty Woman aus dem Jahr 1980er, Anfang 1990er. Ich freue mich sehr drauf. Dann your homework. Ist ja erst nächste Woche dran. Bis dahin habe ich die Veröffentlichung drauf. Bis dann. Ciao.
