Episode 140: Big Fish – Wie gut ist der Tim Burton der frühen 2000er Jahre?
Es wurde schon das ein oder andere Mal im Podcast angesprochen: Plor ist nicht der größte Tim Burton Fan. Johannes dagegen liebt den schrulligen Düsterromantiker zwischen Indie- und Popcornkino sehr. Umso spannender die Frage: Wie verhält es sich mit seinem 2003er Film Big Fish, der zu einer Zeit entstand, als Burtons größte Kritikerfolge bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hatten und er mit dem Remake von Planet der Affen einen eher durchwachsen rezipierten Blockbuster gedreht hatte?
Wir sprechen über die Grenzen von Wahrheit und Lüge, Fantasie und Realität, persönliche Verantwortung und Spaß am Geschichtenerzählen… und kommen dabei zu erstaunlichen Urteilen …und sind dabei für unsere Verhältnisse ungewöhnlich salty.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 140: Big Fish – Wie gut ist der Tim Burton der frühen 2000er Jahre? Publishing Date: 2023-09-06T18:52:24+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/09/06/episode-140-big-fish-wie-gut-ist-der-tim-burton-der-fruehen-2000er-jahre/
Johannes Franke: Warum macht er das?
Florian Bayer: It's the American Dream. Das ist das, was der Amerikanische daran verspricht. Du kannst ein großes Haus haben, du kannst eine tolle Frau haben, du kannst toll viele Kinder haben. Du musst dafür natürlich arbeiten und das heißt, dass du nicht zu Hause bist in diesem Haus, dass du deine Frau nicht siehst und dass du deine Kinder nicht siehst. Daniel Elfmann, finde ich, gehört ja zu den Komponisten, der so einen spezifischen Klang hat und das klingt immer wie so ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding ding Mir fällt überhaupt kein guter Einstieg ein. Johannes, du hast den Film vorgeschlagen. Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu einer neuen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Wo wir uns gegenseitig Filme aufgeben als Hausaufgabe und sagen, du guckst den jetzt, egal ob du möchtest oder nicht. Und ich möchte, dass du ihn guckst, weil dein Horizont erweitert werden soll.
Florian Bayer: Diese Woche wollte Johannes mich ärgern und hat gesagt, lass uns Tim Burton gucken, weil er weiß nämlich genau, dass ich so meine Probleme mit Tim Burton habe.
Johannes Franke: Ja, dass du auch wie bei Wes Anderson so ein kleines bisschen das Gefühl hast, dass der einen Stil durchgezogen hat in seinem Leben und den nicht wieder losgelassen hat und den immer noch intensiviert hat.
Florian Bayer: Ja und im Gegensatz zu Wes Anderson vielleicht auch ein Stil, der noch mehr ab einem gewissen Punkt mindestens den Kitsch berührt. Wenn nicht sogar auch ein bisschen oll wird und auch so, okay, muss ich noch mal so eine 90er-Emo-Trantüte von Filmen sehen? Ich weiß ja nicht.
Johannes Franke: Kannst du gute Beispiele nennen für Emotrantüten von Tim Burton?
Florian Bayer: Ja, natürlich. Alice im Wunderland. Sleepy Hollow. Corpse Pride. Reicht das?
Johannes Franke: Ich war jetzt so gespannt, weil du hast abgelesen und dachte, Du hast eine riesige Liste von Filmen, die du erstmal runter machen willst.
Florian Bayer: Die Liste wäre viel größer, wenn ich die Filme von den Trailern, die ich gesehen habe, die ich nicht geguckt habe, auch noch mit aufnehmen würde. Die Dumbo-Verfilmung, genauso wie die Insel der besonderen Kinder und Frankenweenie, das habe ich mir dann halt alles auch schon nicht mehr angeguckt, weil es halt auch alles so danach aussah.
Johannes Franke: Ja, du tust gut darin, denn die Insel Besonderen Kinder war nichts Besonderes und man kann echt... Bei Tim Burton so ein Threshold feststellen, würde ich sagen. Ab wann seine Filme, so wirklich ein Jahr oder sowas. Wir müssten das mal genauer untersuchen. Ein Jahr, ab dem man sagt, nein, nicht mehr.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, es geht bei Tim Burton so ein bisschen... drunter und drüber. Also ja, er wird definitiv schlechter mit der Zeit, aber es gibt Beispiele aus einer Zeit, wo ich sage, oh, der war ja schon über seinem Zenit und hat angefangen, sich zu wiederholen und war nicht nicht mehr aufregend, nicht mehr interessant, wo er trotzdem noch ganz gute Filme gemacht hat, so zwischendurch auch. Ich finde, einer seiner besten Filme. Sweeney Todd ist aus dem Jahr 2007.
Johannes Franke: Oh, das stimmt.
Florian Bayer: Und das ist eigentlich der Zeitpunkt, wo man sagen würde, da ist er schon längst drüber über dem Und hat angefangen, eigentlich ziemlich einen Mist zu produzieren.
Johannes Franke: Ja, das stimmt vielleicht. Ich mochte Sleepy Hollow noch.
Florian Bayer: Ich finde Sleepy Hollow... Aus dem Jahr 1999 ist für mich so das erste Beispiel, wo ich dachte, ja, der Film ist nicht schlecht, aber uff. Es ist schon so ein bisschen ermüdend. Ich brauch das nicht nochmal. Anfang der 2000er ist für mich so ein ganz starker Umschlagpunkt, Pirolle 2001 kam nicht nur der schlechteste Film, den Tim Burton jemals produziert hat, sondern auch das schlechteste was jemals aus dem Planet der Affen-Universum entstanden ist. Und der schlechteste Film, bei dem Mark Wahlberg in die Kamera schaut und ... sagt. Und es hat viel zu heißen, weil ich meine, Mark Wahlberg hat es in einigen sehr schlechten Filmen gemacht.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ja, das Planet der Affen Remake aus dem Jahr 2001. Der Der letzte Film, bevor er Big Fish gedreht hat, war ein komplett Desaster. Das ist so ein schlechter Film. Ich versuche ja immer, Filmen auch was Gutes abzugewinnen. Aber das ist wirklich Schramsch. Dieser Film ist einfach nur schlecht. In allem.
Johannes Franke: Okay. Ja, und dann kam halt Charlie and the Chocolate Factory, wo man wirklich sagte... Okay, jetzt langsam.
Florian Bayer: Und zu Charlie wiederum sage ich, das war ein gutes Remake. Das war okay. Das hat irgendwie natürlich anders angesetzt.
Johannes Franke: Vielleicht ist es aber auch Der Moment, wo ich denke, dass Johnny Depp langsam seine Sachen überzieht. Weil er hat ja auch, Johnny Depp hat auch so ein Rezept, was er immer wieder in Figuren reinholt.
Florian Bayer: Oh ja, oh ja. Und Johnny Depp hat extrem angefangen zu nerven, mich... mit der Fluch der Karibik-Reihe. Echt?
Johannes Franke: Das fand ich in Ordnung, da kam ich mit. Aber Lone Ranger zum Beispiel war furchtbar dann.
Florian Bayer: Ja, Lone Ranger war halt Fluch der Karibik im Wilden Westen. Und Fluch der Karibik ist ein schrecklich überbewerteter Film. Ein Film, den man in jeder Minute ansieht, dass er eigentlich nichts anderes ist als eine Verfilmung, was schon eine Bullshit-Idee ist von einer Geisterbahn. Ja, lass uns eine Geisterbahn verfilmen. Ja, großartige Idee, was soll schief gehen? Nein, also Fluch der Karibik ist so, ja. Nicht meins, auch der erste Teil und viele sagen ja und die Filme wurden immer schlechter und sind jetzt wirklich so Ramschware. Aber ich finde, das fängt eigentlich schon bei dem ersten an. Der erste Fünf der Karibik ist schon das Problem.
Johannes Franke: Ah, da sind wir vielleicht anderer Meinung.
Florian Bayer: Und jetzt kommt starke These. Ist Helena Bonheim-Kater schuld an Tim Burtons Niedergang?
Johannes Franke: Nein. Nein.
Florian Bayer: Planet der Affen hat sie nicht nur ihr Debüt in einem Burton-Film gegeben, sondern auch ihr Debüt in einem Burton'schen Liebesleben.
Johannes Franke: Ist sie nicht vorher schon aufgetaucht?
Florian Bayer: Wow, ich weiß, oh. Planet der Affen war der erste Film mit ihr und in Planet der Affen hat noch seine alte Frau Liza Marie, mit der er damals zusammen war, mit der er sogar verheiratet war, mitgespielt. Dann gab es so einen nahtlosen Übergang von dieser Muse, mit der er verheiratet war, zu Helena Bonheim-Krater. Muse, mit der er nicht verheiratet war, aber immerhin zwei Kinder hatte dann. Und seit 2001 ist sie dann halt auch in jedem seiner Filme dabei.
Johannes Franke: Das stimmt. Aber ich mag sie total. Ich will das nicht ihr auflasten. Das geht nicht. Ich bin mit meinem Herzen nicht überein.
Florian Bayer: Ich habe nichts gegen Helena Bonham Carter, ist eine fantastische Schauspielerin. Aber vielleicht hat sie Tim Burton kaputt gemacht. Also wenn man sie sieht auf der Leinwand, kann man schon verstehen, dass er sie besetzt hat. Natürlich, absolut. spannend, auch in seinen Filmen. Und im Gegensatz zu Johnny Depp spielt sie in seinen Filmen auch unterschiedliche Rollen, nicht immer dasselbe Programm, sondern sie ist wirklich, sie hat so schon ... Großes Repertoire an Dingen, an Rollen, die sie spielen kann, vom Exzentrischen über das Niedliche bis hin zum Bösartigen, Erschreckenden.
Johannes Franke: Aber so ein bisschen exzentrisch ist auch sie immer in diesen Filmen. Aber das ist Tim Burton, glaube ich. Das ist Tim Burton auch, ne? Das hat ja nichts mit ihr zu tun.
Florian Bayer: Das ist genau wie Daniel Elfman. Daniel Elfmans Musik fängt halt auch an, irgendwann... tierisch zu nerven. Und der macht halt auch immer dieselbe Musik, aber auch da wiederum, vielleicht liegt es auch an Burton, weil Burton von Elfman immer Dasselbe haben will. Wobei Big Fish hier vielleicht sogar die große Ausnahme ist. Der einzige Tim Burton Film mit einer Danny Elfman Musik, wo die Danny Elfman Musik nicht so nervig ist.
Johannes Franke: Okay, herzlich willkommen beim großen Rant gegen Tim Burton. Wir haben einen Film ausgesucht, den ich damals total schön fand. Ich habe mich total gefreut über diesen Film. Big Fish als große Verbeugung vom... Geschichten erzählen und dem Bedürfnis, dem Leben mehr abzutrutzen als nur der Langeweile-Alltag, der es halt einfach manchmal ist.
Florian Bayer: ein hoher Lied auf das Lügen.
Johannes Franke: Ja, so ein bisschen.
Florian Bayer: Und gar kein Tim Burton Passion Projekt, sondern eigentlich ein John August Passion Projekt. Genau.
Johannes Franke: Und das Tolle ist, dass irgendwann, nachdem Steven Spielberg gesagt hat, ja, ich habe jetzt andere Sachen zu tun, tut mir leid. er das dann bekommen hat. Tim Burton ist gar nicht der erste Regisseur gewesen, der das Ganze in die Hand bekommen sollte.
Florian Bayer: John August hatte eigentlich Steven Spielberg im Kopf. Also als er... die Rechte gekauft hat. Er hat das Buch gelesen von Daniel Wallace aus dem Jahr 1998 und zwar bevor es veröffentlicht wurde und war richtig angetan. Davon John August, Drehbuchregisseur der relativ viel mit Tim Burton später zusammenarbeiten sollte, aber damals noch gar nicht so auf dem Schirm von Tim Burton, weil er hatte drei Engel für Charlie geschrieben. Was jetzt nicht so die große Referenz ist, aber auch so ein 90er Film, so mehr 90er geht eigentlich nicht. Und der hat das gelesen, das Buch, und hat gesagt, geil, daraus will ich ein Drehbuch machen und ich will das auch an irgendwem verkaufen. Und ist dann quasi mit seinem Drehbuch, wie man das halt... Macht in Hollywood als Regisseur tingeln gegangen und hat Columbia Pictures dafür gewonnen. Und die haben gesagt, lass uns das mit Steven Spielberg machen.
Johannes Franke: Es ist auch gar nicht so abwegig, finde ich. Überhaupt nicht. Steven Spielberg hat so dieses magische Kanne ja durchaus.
Florian Bayer: Ich kann mir total gut einen Steven Spielberg Big Fish vorstellen. Und auch wenn dann nochmal vieles geändert wurde, nachdem Steven Spielberg endgültig abgesagt hat, hat der Film noch so... Er hat in einigen Momenten mehr Spielberg als Burton-Atmosphäre.
Johannes Franke: V.a. in den realistischeren Szenen, wo es um den Sohn geht, diese Tragik des Sohns, die ich bei Burton gar nicht so sehe, wo ich fast ein bisschen untypisch für Burton diesen Film finde. In den Szenen, wo es um den Sohn geht, der sich beschwert und der das irgendwie echt damit nicht umgehen kann und der dann auch mit den... sehr tragischen Szenen im Krankenhaus und so. Sachen, die ich mit Tim Burton nicht verbinde.
Florian Bayer: Ja, was bei Tim Burton ja tatsächlich spannend ist, er ist ein Registrier, der total viel so gerne mit Kitsch spielt. Aber er ist eigentlich kein Regisseur der wahren, ehrlichen, starken Gefühle. Ja. Also seine Filme haben immer sowas Emotionales. Ich habe das Wort Emo benutzt, das muss ich jetzt auch irgendwie verteidigen. Immer so was Düsteres, Tragisches, auch irgendwie so im Hintergrund lauern. Aber die Gefühle sind... immer so ein bisschen exaltiert. Sie fühlen sich oft nicht echt an, was nicht schlecht sein muss. Also ich finde, das sind Beetlejuice ganz großartig. so ernsten Themen wie Tod und Trauer und mit dem Leben abschließend gespielt wird. Und das Ganze auch irgendwie eine gewisse Schwere hat, aber auch einfach so drüber ist, dass du dich nicht so tief reinfühlst. Während Spielberg halt jemand ist, der total gerne auf der Klaviatur der Emotionen spielt. Und ja, du hast recht, bei Big Fish kommen, es ist wahrscheinlich der emotional dramatischste und schwerste Film von Burton, was diese Szenen betrifft.
Johannes Franke: Ja, es
Florian Bayer: Stimmt. Solche Szenen findest du in keinem anderen Burton. Und auch solche echten Emotionen, die auch wirklich einladend sind. dass man daran teilnimmt.
Johannes Franke: Ja, und er kann halt aber auch das Drehbuch nicht komplett negieren. Also das Drehbuch bringt das einfach mit. Das ist ja ein wesentlicher wichtiger Teil. Das Buch ist auch in der Vorlage schon, dass das irgendwie so dramatisch am Ende wird und dass der Sohn irgendwie... diese Wendung oder zumindest den Lerneffekt mitbringen muss über den Schmerz des Verlustes.
Florian Bayer: Ja und Daddy Issues, wenn man es hart sagen will.
Johannes Franke: Jetzt bin ich aber gespannt. Ich möchte gerne von dir, bevor wir jetzt richtig tief reingehen, wenigstens eine kleine Konnotation wissen, dass ich weiß, wie nehme ich denn deine Kritik oder nicht Kritik auf? Wie findest du den Film grundsätzlich?
Florian Bayer: Ich finde es ist grundsätzlich ein guter Film. Also das ist ein Film, der Ich habe es schon gesagt, in einem Zeitfeld, in der Burton meiner Meinung nach nicht nur auf dem absteigenden Ast war, sondern teilweise richtig doll daneben gehauen hat. Ich finde es sehr angenehm, dass er diese Burton-Elemente hat, aber er hat auch vieles anderes. Man könnte fast meinen, Burton hält sich so ein bisschen mit seinem Burton-Stil zurück in diesen Momenten und es tut dem Film gut. Und der Film verliert immer so ein bisschen, für mich einfach persönlich, wenn er in diese Burton-Ästhetik abrutscht. Es gibt aber auch daneben noch so ein paar andere Sachen, die an dem Film, die mich so an dem Film bisschen nerven, die nicht perfekt machen. Aber es ist kein schlechter Film. Also so viel kann ich schon mal sagen. Es ist ein Film, der mich unterhalten hat. Es ist ein Film, der mich auch in den wesentlichen Momenten emotional berührt. Und die haben mich oft genug amüsiert, dass ich über so manches hinwegsehen kann, wo ich denke, ach, das nervt auch so ein bisschen und ich weiß nicht, ob das so gute Storytelling ist und ich weiß nicht, ob das so gute Inszenierung ist. Aber dem können wir ja so langsam auf den Grund gehen, während wir uns jetzt da so reinarbeiten in diesen Film.
Johannes Franke: Möchtest du Tee, Plur?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne, bitte. Es ist halt auch ein bisschen ein tragischer Film, sag ich jetzt während Johannes T. einschenkt, weil Tim Burton wollte ja eigentlich nach Planet der Affen. Budgetproduktion war und auch recht erfolgreich. Also hat das Dreifache von seinem Budget eingespielt. Wollte ja mal wieder einen kleineren Film machen. Und ist dann halt in diesem Projekt auch irgendwie so gelandet, weil ihm das Skript einfach gefallen hat und weil er einfach auf der Liste der Leute stand, die in Frage kamen, um den Film zu inszenieren. Und der Film war ein ziemlicher Flop. Der gehört nicht zu Burtons erfolgreichen Film. Ja, er war jetzt nicht so teuer, aber dann doch mit ... Er war jetzt mit 50 Millionen, glaube ich. Lass mich nichts Falsches sagen. Mit 70 Millionen war er jetzt auch nicht so ein komplettes Leichtgewicht und er fällt so ein bisschen in diese Reihe. Und Hollywood dreht im Studiosystem mit den Indie-Regisseuren, die es irgendwie liebgewonnen hatten, einen Film. Und diese Indie-Rechissiere schaffen es nicht, aus dem Film Erfolg zu machen und Hollywood guckt dann so ein bisschen verächtlich auf sie drauf und sagt, naja, war ja klar. Terry Gilliam ist ein Opfer von diesem Geschehen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, Terry Gilliam.
Florian Bayer: Und bei diesem Film ist Tim Burton auch so ein bisschen Opfer von diesem Geschehen. Es ist nicht so ein monumentaler Fail wie... Nein.
Johannes Franke: Nein, sie haben ihr Geld wieder reingekriegt. Also 200.000, glaube ich, haben sie ja.
Florian Bayer: Mit Ächzen und Stöhnen. Also wenn ein Film wie G70 Millionen hat und... Und 200 Millionen eingespielt wird weltweit, nachdem er im US-Box Office nicht mal eine Null geschrieben hat. ist das schon eher ein Misserfolg. Und dann gucken sich alle an und sagen, ah ja. Ja. Ja, Hollywood mag sein, die Regisseure, aber...
Johannes Franke: Er ist eine Hassliebe, wahrscheinlich eines Produzenten, der gerne Geld hätte. und aber auch Kunst machen will, damit er seine Prestigesachen, das sind so Prestigeprojekte, glaube ich, einfach so.
Florian Bayer: Aber im Gegensatz zu Terry Gilliam hat Tim Burton nicht sonderlich darunter leiden müssen. Und danach auch wieder große Filme und auch Herzensprojekte gedreht und sowas wie Charlie and the Chocolate Factory. War der nächste Film 2005 und das war ja...
Johannes Franke: Das ist ja auch ein Stoff, der so auf ihn passt, welcher Regisseur hätte das machen sollen.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Also zumindest in der Zeit. Ja. Ich muss gestehen, dass mein Blick auf diesen Film sich auch geändert hat.
Florian Bayer: Oha. Ich bin interessiert, ja.
Johannes Franke: Weil ich damals nur dieses magische, tolle Geschichten erzählen und dann diese Tragik von dem Sohn, der irgendwie nicht so richtig damit klarkommt, dass der Vater so ein Geschichtenerzähler ist und das dann nie so richtig Das Gefühl hatte ihn wirklich zu kennen und ich dann immer gedacht habe, ja komm, warum musst du denn aus ihm jetzt die Wahrheit rausholen, das ist doch Blödsinn, das ist doch der... Arme Mensch, der ist doch einfach nur Geschichten erzählen. Lass ihm seine Geschichten. Und dann am Ende ihm seine Geschichte lässt und ins Ende begleitet und ihm dann auch noch eine Geschichte. erzählt. Ach, wie schön. Und heute habe ich irgendwie ein kleines bisschen einen anderen Blick darauf, muss ich sagen.
Florian Bayer: Wir sind älter geworden.
Johannes Franke: Sind wir älter geworden? Ich bin nicht verbittert geworden hoffentlich, aber ich habe das Gefühl, dass ich zwischendurch denke... Ja, aber dann drück doch den Knopf im Krankenhaus. Drück ihn doch bitte. Die Nurse muss schon noch kommen.
Florian Bayer: Also, ich glaube, meine Rezeption von dem Film hat sich auch geändert. Als ich den damals gesehen habe, war ich noch nicht so angenervt von Tim Burton und habe dann doch... mich sehr, sehr davon begeistern lassen, auch weil ich das Thema so mag, so die Verquäkung von Realität und Fiktion. Was mir jetzt wieder aufgefallen ist beim Gucken und das war danach auch schon mal, wo ich dachte, ah ja, er hat so seine Schwächen. Es ist der amerikanischste Film, den Burton jemals produziert hat. unfassbar amerikanischer Film.
Johannes Franke: Das kann man wohl sagen.
Florian Bayer: Es ist daneben auch ein unfassbar konservativer Film, was das gesamte Gesellschaftsbild betrifft,
Johannes Franke: was das Menschenbild betrifft? Voll.
Florian Bayer: Was das Männer- und Frauenbild betrifft?
Johannes Franke: Volle Kanne. Das ist einer der schlimmsten... Dinge, die mir eigentlich aufgefallen sind. So Männer-Frauen-Bilder.
Florian Bayer: Der Konservatismus, der sich durch diesen Film dreht, sorgt halt dafür, es ist auch ein unglaublich kapitalistischer Film. Es ist halt der American Dream. Du wärst bis deines eigenen Glückes Schmied. Und wir erleben mit unserem Protagonisten, der für mich ein ganz großes Problem in dem Film ist, McGregor, der junge Edward, erleben wir einen Mann, der sich zum Erfolg plappert. durchgängig mit Quatsch, den er erzählt. Und das ist eigentlich Thema dieses Films, dass du es in Amerika zu einem wirklich schönen Leben bringen kannst, wenn du es drauf hast, dich zu mehr Erfolg zu quatschen, werde Vertreter, Verkauf, Staubsauger und du wirst ein glücklicher Mensch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist die Fantasy. Das ist das große Märchen, das uns dieser Film aufticht.
Johannes Franke: Das Krasse ist, dass der Film sich ja selbst auch... ein bisschen entlarvt, beziehungsweise diesen Dream ein bisschen entlarvt. Er verkauft ja gerne Staubsauger, die noch nützlich wären. Sondern er verkauft so eine bescheuerte Hand, Wo sie extra keine Schere dran gemacht haben, damit das nicht Scissorhands wird.
Florian Bayer: Das ist so ein geiles Vertreterprodukt. So ein typisches Klischee, Amerika der 70er, 80er Jahre. Irgendjemand fährt durchs Land, um zu sagen, ich habe hier das Produkt, das jeder braucht.
Johannes Franke: Das ist die nächste Glühbirne. Wie doof. Also wirklich. Ja, er wird Vertreter. Man hätte das auch noch. Okay, Vertreter werden ist in Ordnung, will man nicht vielleicht. Aber das ist so... Das kommt alles so zusammen. Weißt du, die ganzen Einzelteile kommen zu einem Bild zusammen von einem Menschen, den ich einfach echt nicht sympathisch finde. Und das ist ein echtes Problem. Während des ganzen Films, man will ja die ganze Zeit mit Ian McGregor, den ich ja auch ganz toll finde als Schauspieler. mitgehen und auch mit Albert Finney oder wie wird da ausgesprochen?
Florian Bayer: Albert Finney ist toll. Albert Finney ist sympathisch.
Johannes Franke: Naja, auch nicht ganz.
Florian Bayer: Aber Albert Finney ist sympathisch, weil seine Schwächen auf dem Tisch liegen, weil sie durch die durch die Wahrnehmung des Sohnes entstehen. Das Schlimme an Ewan McGregor ist, dass er nur geformt wird durch die Erzählung von sich selbst. Und das ist so eine selbstverliebte Scheiß, die da erzählt mir die ganze Zeit.
Johannes Franke: Das ist so krass. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Okay, ich glaube, wir sind auf einem guten...
Johannes Franke: Was haben wir denn alles?
Florian Bayer: Tim Burton, heute bist du dran.
Johannes Franke: Das ist wirklich hart, oder?
Florian Bayer: Und ich bin froh mit meinem Partner in Crime, Johannes Franke, dich hier fertig zu machen.
Johannes Franke: Dieser Versuch, jeder Geschichte nicht die Geschichte zu lassen, sondern sich selbst als Helden dahin zu stellen. Das heißt, du hast nicht das Bedürfnis eines Geschichtenerzählers, denn der Geschichtenerzähler gibt sich selbst in den Service der Geschichte. Aber er liegt völlig daneben damit. Sondern was er macht ist, er stellt sich selbst in die Mitte der Geschichte und versucht der Held zu sein. Die Geschichte dient ihm. Dient nur ihm und das ist so ein Kotzbrocken-Move.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Es ist unglaublich.
Florian Bayer: Grundsätzlich aus so einer narrativen Perspektive beginnt ja die Ursünde schon mit dem Punkt, wo er... die Hexe kennenlernt und dann ins Auge blickt und seinen Tod erfährt. Und das heißt, er weiß den ganzen Film über, dass das nicht der Moment ist, wie er sterben wird. Er kann in jede Gefahr gehen. Es ist nicht nur, dass das thematisiert wird, sondern dass der Film in seiner ganzen Inszenierung, beziehungsweise die Erzählung in ihrer ganzen Inszenierung... immer da drauf sitzen, dass er nichts zu befürchten hat. Es gibt keinen Konflikt, es gibt Es gibt kein Problem. Es gibt nichts zu fürchten, Spannung zu empfinden, nichts zu leiden. Weil er die ganze Zeit mit diesem absoluten Selbstbewusstsein, ich weiß, dass ich nicht sterben werde und ich weiß, dass ich diese Frau für mich gewinnen werde, ich weiß, dass alles gut ausgehen wird, hey, das läuft perfekt. Und immer mit diesem Selbstgefälligen lächelt. Und wir wissen einfach, er schlendert da so erfolgreich durch und es gibt keinen richtigen Konflikt.
Johannes Franke: Ja, das heißt, er kann auch ganz problemlos sich in den Rachen eines Löwens schmeißen. Er kann sich ganz problemlos mit dem Riesen anlegen. Und kann auch ganz problemlos sagen, ich bin zu klein für diese Stadt, ihr könnt mich alle mal, ihr seid niedrige Kreaturen, ich will was Größeres sein. Und einfach sich auf den Weg machen.
Florian Bayer: Und daneben, dass es keine Gefahr gibt, gibt es halt auch kein Versagen. Dieser Film, seine Lebensgeschichte, beginnt damit uns zu erzählen, dass er der coolste Typ war aus der Stadt, aus der er kommt. Er war der coolste Typ da. Und wir haben noch, das ist natürlich eine witzige Zusammenstellung, aber ich bin auf der Seite von unserem Nummer zwei. Ich mag den. Ich bin den sympathisch, der hier als Antagonisten präsentiert werden soll, der beim Basketball daneben sitzt. und total traurig guckt, weil mal wieder Edward den Korb geworfen hat.
Johannes Franke: Ja, und es gibt ja keine Keine Szenen sonst, außer eben diese Prügelszene dann, die ihn als Bully, erst physikonomisch ist er inszeniert als derjenige, der eigentlich der School-Bully sei.
Florian Bayer: Ja, aber er ist es nicht.
Johannes Franke: Aber er ist es überhaupt nicht.
Florian Bayer: Um den Namen einmal zu nennen, wir haben hier Don Price, das ist sein großer Konkurrent, aber er ist nicht wirklich sein Konkurrent. weil Edward in der Stadt immer gegen ihn gewinnt, sowohl beim Wissenschaftswettbewerb als auch beim Basketball, als auch wenn er eine Katze aus einem brennenden Haus rettet. Don Price wird gespielt von David Danman. Kleine Rolle hier. Aber es ist mir aufgefallen, weil der hat schon mal so eine tragische Rolle gespielt, beziehungsweise danach sollte er nochmal so eine tragische Rolle spielen. David Denman spielt in einer meiner liebsten Serien der letzten die ich in den letzten Jahren für mich entdeckt habe mit dem amerikanischen The Office. Und da spielt er in den ersten beiden Staffeln den Verlobten von einer Protagonistin. Und ihm passiert das Gleiche nochmal. Und er ist offensichtlich gemacht für so eine tragische Rolle von dem, der einfach nur... Arsch sein soll, weil er halt so ein bisschen wie ein Bulli aussieht. Er hat ein markantes Kinn und er ist muskulös.
Johannes Franke: So ein amerikanischer Boy, ne?
Florian Bayer: Genau. Auch hier so eine tragische Rolle und bei The Office ist er ein bisschen mehr der Arsch und man ist irgendwie weniger auf seiner Seite. Aber hier sehe ich ihn am Anfang da sitzen. Während Edward von seinen Erfolgen berichtet und denkt, ach der arme Kerl, das muss sich echt kacke anfühlen. Und ja, ich kann verstehen, dass er ihm dann irgendwann auch mal aufs Maul hauen will. Vor allem, wenn er versucht, die Frau auszuspannen. Und zwar so komplett ohne Rücksicht auf ihre Beziehung zu nehmen. Aber wie creepy Edward ist, wenn es darum geht, diese Frau zu gewinnen. Das gleich auch noch.
Johannes Franke: Aber um ihn kurz noch zu Ende zu bringen. Zum einen weiß er, dass er sterben wird. Er hat auch in das Auge geschaut. Er weiß, dass er nicht sehr rühmlich auf dem Klo sterben wird. Das Ding ist, dass ihm unsere Hauptfigur, Edward... dass er ihm auch noch einen Playboy in die Hand gibt, um ihn noch würdeloser sterben zu lassen auf Klo. Was ja alles nur aus seiner Erzählung kommt. Die Wahrheit dahinter sieht ja garantiert weit weniger würdelos aus. Und dann eben diese unglaubliche Prügelei anzudichten, die ihn sozusagen Edward noch heroischer wirken lässt. Ja. Und die Frau dann auch sagt, nein, tu es nicht. Und weil du ihn jetzt verprügelt hast, werde ich dich verlassen. Das ist das Plumpste überhaupt, was man so erzählerisch machen kann. Es wird immer unsympathischer.
Florian Bayer: Und die Tatsache, dass er... Wenn er dann seiner großen Liebe begegnet und sie sagt, ich bin mit diesem Don Price verlobt, dann sagt er, oh, sie war verlobt mit dem größten arroganten Arsch, ich weiß nicht mehr, irgendwie beleidigt die auf jeden Fall da. Wie kommt der darauf? Dieser Don Price hat bis jetzt eigentlich nur eine Rolle in seiner Geschichte gespielt, weil er halt immer die zweite Geige war. Mag dieser Film Leute auf dem zweiten Platz nicht? Ist das die Message, die hier vermittelt werden soll, dass dieser Film Gewinner mag? Und Verlierer, in Anführungszeichen, sind sehr seltsam, ne? Aber so wirkt es ein bisschen. Sehr amerikanisch halt, ne? Genau. Das ist ein ganz krasses amerikanisches Moment, dass wir hier unseren Gewinner haben. Die Geschichte wird aus der Perspektive unseres Gewinneres erzählt und unser Gewinner macht Gewinner-Sachen. Die zweite Geige ist natürlich jemand, der ein Arsch ist, der aggressiv ist und der früh sterben wird, weil es sein Schicksal ist.
Johannes Franke: Liebe ZuhörerInnen, wir werden schon noch dazu kommen, dass wir vielleicht auch ein paar schöne Momente in diesem Film gemocht haben und emotional geworden sind, aber jetzt werden wir erstmal noch eine Mal über diesen Typen herziehen müssen. Es tut mir leid.
Florian Bayer: Er ist halt auch so präsent. Die ganze Geschichte baut sich... Also in allen Erinnerungen baut sich die Geschichte um ihn und wie toll er ist. Egal, ob er sich um den Riesen kümmert, vor dem alle Angst haben, ob er... drei fucking Jahre umsonst im Zirkus arbeitet, nur um zu erfahren, dass die Frau, in die er verliebt ist, Musik mag.
Johannes Franke: Aber das finde ich erzählerisch natürlich sehr süß, dass Danny DeVito sagt, jeden Monat kriegst du einen wichtigen Fakt. Sie mag Musik.
Florian Bayer: Sie geht aufs College.
Johannes Franke: Oh, auf College. Und da macht sich der Film auch ein kleines bisschen über Edward lustig, weil er wirklich so entrückt dasteht. Sie mag Musik.
Florian Bayer: Nee, es verliebt der junge Mann.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Und er ist halt auch... Der, der die Situation löst, die keiner sonst lösen kann. Er schafft es, den Wehrwolf zu besänftigen, indem er ihm ein Stöckchen zuwirft. Er schafft es, den Riesen aus der Stadt heraus zu schaffen. Ja. Er erkennt die Sinnlosigkeit in dem kleinen Dorf Spectre, dass sonst alle für das Glück auf Erden halten und so weiter.
Johannes Franke: Er hat das Dorf zerstört. Er hat das Dorf zerstört. Er hat allen eingeredet, dass man da nicht so leben darf.
Florian Bayer: Aber er rettet es ja wieder. Er hat es nur zerstört, damit er es wieder retten kann. Er macht Steve Buscemi zum Milliardär.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber erstmal zum Kriminellen.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Aber auch nur, damit er ihn zum Militär machen kann.
Johannes Franke: Ja, aber das ist auch kein Widerspruch. Also wahrscheinlich ist er weiterhin ein Krimineller. Aber auf einer anderen Ebene. Er raubt ja die Bank dann wiederum auf andere
Florian Bayer: Er hat sogar ein bisschen Kapitalismuskritik.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Ich hätte mir fast ein bisschen mehr gewünscht davon.
Florian Bayer: Aber er ist dann ja doch der gute Kapitalist, weil sein Handeln dann wiederum wird nicht hinterfragt und es ist ja auch ganz toll, weil dafür kann er ja das Haus dann kaufen für 10.000 Dollar. Damit seine Frau ein Haus hat, wenn er auf Geschäftsreisen unterwegs ist.
Johannes Franke: Auf Geschäftsreisen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Wo das nächste seltsame Problem, natürlich ist in seiner Geschichte das nicht so, dass er mit Jenny eine Affäre hat. Er erzählt das ja so, dass sie keine haben.
Florian Bayer: Sie erzählt, dass sie keine haben. Ich kauf ihr das ab.
Johannes Franke: Nein, ich nicht. Ich bin mir ganz sicher. Der Typ ist jeden Tag dort, um ein ganzes Haus wieder herzurichten. Warum geht er da wohl hin? Nicht um das Haus herzurichten.
Florian Bayer: Wir kommen zum ganz wichtigen Punkt, was Wahrheit und was Fiktion ist in seiner Erzählung. Wir erfahren ja im Laufe des Films, wir erfahren das nur über diese Geschichten, wir erfahren, dass es diesen Konflikt gibt zwischen Vater und Sohn, nämlich William, der irgendwie versucht dahinter zu steigen, was davon geflunkert ist und was echt ist. Und wir als Zuschauer erfahren genauso wie William, peu à peu, dass an jeder von diesen Lügengeschichten auch so ein bisschen was Wahres dran ist. Sprich offensichtlich gab es dieses Dorf, das gerettet wurde von ihm. Und das, was für mich aber da stehen geblieben ist, ist einfach, er ist in ein Dorf zurückgekehrt. Wo er irgendwann mal war als junger Mann. Und er kannte sie noch von damals. Und wahrscheinlich fand er sie auch noch irgendwie anziehend oder attraktiv. Sie fand ihn auf jeden Fall attraktiv. Aber letzten Endes hat er einfach, weil er gut da drin war, mit Leuten zu reden, hat er es geschafft, Investoren zu überreden, das Dorf wieder herzurichten. Ich glaube nicht, dass er jeden Tag da war, die Häuser mit seinen eigenen Händen aufzubauen. Das ist nicht dieser Typ, sondern er ist da rumgefahren und hat gesagt, ah, ich kenne ja diesen einen Typen, dem ich einen paar Tipps gegeben habe an der Börse und der dadurch wirklich reich wurde, der kann doch da rein investieren, ist dann da hingefahren und dann hat der investiert und das hat er gemacht. Er hat nicht Er ist nicht mit dem Riesen da hingefahren und hat denen das Haus geraten lassen, was toll inszeniert ist. War super, sehr süß. Sondern er hat es... halt irgendwie mit Investor gemacht. Das heißt, ich glaube auch, die Art, wie wir sehen, wie viel Zeit er mit ihr verbringt, ist, glaube ich, auch weit übertrieben.
Johannes Franke: Aber... Es wird unterstützt von dem Sohn. Will sagt immer mal wieder, der war nie da.
Florian Bayer: Ja, und weißt du, warum er nie da war?
Johannes Franke: Weil er Staubsauger verkauft.
Florian Bayer: Weil er ein Vertreter ist. Der fährt einfach die ganze Zeit durchs Land und das ist ja wirklich das bittere, tragische Element an dieser Geschichte. Dieser Typ hat eine Familie und kümmert sich einen Scheiß um seine Familie. Und ich bin Voll auf der Seite von William, der ihm das nachträgt. Weil das Einzige, was er von seinem Vater gekriegt hat, waren halt diese Gute-Nacht-Geschichten, weil der Vater eben nur abends mal da war, am Wochenende. Und sonst war der die ganze Zeit unterwegs.
Johannes Franke: Ja, die Frage stellt sich ein bisschen nach der Motivation. Ob das jetzt psychologisierbar ist oder ob der Film einem einfach das vorsetzt und sagt, lass mal, denk mal nicht weiter drüber nach. Aber ich denke da drüber nach. Warum? Macht er das?
Florian Bayer: It's the American Dream. Das ist das, was der amerikanische Traum verspricht. Du kannst ein großes Haus haben, du kannst eine tolle Frau haben, du kannst toll viele Kinder haben. Du musst dafür natürlich arbeiten und das heißt, dass du nicht zu Hause bist in diesem Haus, dass du deine Frau nicht siehst und dass du deine Kinder nicht siehst. Das ist, glaube ich, wie viele Männer. bis heute, aber vor allem in den 60ern, 70ern, 80ern, 90ern in den USA gelebt haben. Die hatten dieses Haus in der Vorstadt. Die sind morgens um sieben raus zu ihrem Job gefahren, sind abends nach Hause gekommen, wenn sie Pech hatten, wenn die Kinder im Bett waren. Wenn sie Glück hatten, haben sie den Kindern auch eine gute Nachtgeschichte vorlesen können. Wenn sie richtig Pech hatten... waren sie irgendwie unterwegs, sind gependelt und waren die Woche über im Hotel und sind dann nur am Wochenende nach Hause gekommen. Das war die Realität für sehr viele Arbeiter in den USA, die sich ihren Traum vom Eigenheim, von der schönen Familie erfüllt haben.
Johannes Franke: Ja, das ist sehr traurig. Und ich glaube, es gibt noch zwei weitere Punkte, die irgendwie damit reinfallen, auch in den American Dream. Und warum das überhaupt... sein muss. Man wird halt irgendwie so reingebullied von der Gesellschaft. Über Jahrhunderte gibt es diese Diesen Tall Tale von American Dream. Und den musst du irgendwie durch dein Leben ziehen. Und ich glaube, das Wesentliche daran ist, dass man auch... Angst entwickelt, nicht genug zu hinterlassen. Dass man seiner Familie und seinem Nachkommen einfach nicht genug... zu bieten hat. Und dann denkt man sich sowas aus und versucht es größer darzustellen, als man ist und irgendwie einen Dann kommt noch dazu, dass ich glaube, dass der Sohn ist ja Journalist geworden, also auch Storyteller, dass er ihm irgendwie das mit auf den Weg geben wollte. immer wieder versucht zu einem noch besseren Storyteller zu machen, in dem er ihm weiter erzählt. Er erzählt ja oft in dem Film seinem Sohn gegenüber, warum etwas nicht funktioniert in in der Art und Weise, wie er das erzählt. Es gibt immer wieder Stellen, wo er sagt, nein, du musst es doch so erzählen. Und ich glaube, er versucht, seinen eigenen Traum seinem Sohn gegenüber noch zu verwirklichen, wie das ja oft Eltern machen. Ich wollte was, also musst du das jetzt machen.
Florian Bayer: Seine Storyteller-Fähigkeiten haben nicht über das Leben als Als Vertreter hinausgereicht. Und ich wette mit dir, er ist ein hervorragender Vertreter. Er hat bestimmt gut verdient, weil er ist jemand, der Leuten Zeug aufquatschen kann. Die Leute mögen seine Geschichten. Also abgesehen von William stehen alle auf seiner Geschichten. Und Ich glaube, da ist auch sehr viel Bitterheit dahinter, die vielleicht nicht von Burton und Orges beabsichtigt waren. die da aber immer wieder drinstecken, die auch eigentlich ganz schön ist tatsächlich in diesen Szenen. Die halt nicht im Fantastischen spielen, sondern im Hier und Jetzt. Wenn wir zum Beispiel diesen Moment haben, wenn er in der Badewanne liegt, er taucht dann so unter Wasser und dann kommen so ein paar Wasserblasen hoch. Und dann kommt ja seine Frau Jessica Lange. Ich liebe Jessica.
Johannes Franke: Eine großartige Scharschülerin.
Florian Bayer: Und redet so mit ihm und redet so ganz sanft mit ihm und setzt sich dann zu ihm in die Badewanne. Und wir sehen, dass es irgendwie so ein Paar am Ende seines gemeinsamen Lebens, weil wir wissen, er wird sterben, sie weiß, er wird sterben, er weiß, er wird sterben. Da steckt sehr viel Liebe und Zuneigung drin. Und das ist eine total schöne Szene. Das ist eine super traurige Szene auch.
Johannes Franke: Aber total schön gemacht.
Florian Bayer: Aber wunderschön inszeniert. Ja. Da gibt es auch diese Szene, wenn der... Arzt, der William auf die Welt gebracht hat, ihm erzählt die wahre Geschichte seiner Geburt, die komplett unspektakulär ist. Und William sagt dann so, naja, ich mag deine Geschichte eigentlich gerade lieber. Ich finde die schöner. Weil es einfach so unprätentiös ist. Wo wir auch merken, dass es bei diesem Edward offensichtlich ganz viel... Bedauern Verbitterung auch gibt über die Gewöhnlichkeit seines Lebens.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: wenn man das ganze Fantastische weglässt, was er so erzählt, letzten Endes eben so ein Leben des amerikanischen Traumes ist. Er macht Bekannte, er macht Geld, Er baut eine Familie, auf der er ein Haus gibt. Aber wie William fragt, es war offensichtlich nicht genug. Wir waren offensichtlich nicht genug für ihn.
Johannes Franke: Ja, das ist halt das Ding. Und ich glaube, wenn man den Film auf die richtige Art und Weise gucken kann, wenn man diese Perspektive nehmen kann, Dann kann einem der Film auch sagen, dein Leben ist genug. Du musst nicht. Du musst nicht diese ganzen Storys drumrum bauen, sondern... Du bist genug so, wie du bist. Du musst nicht den großen Schu-Schu aus deinem Leben machen. Du kannst auch einfach nur ein guter Familienvater sein. reicht auch aus für ein gutes Leben.
Florian Bayer: Ich stehe tatsächlich auf diesen Ansatz von das Leben ausschmücken mit Geschichten. Ich glaube, dass das Problem bei seinen Geschichten ist natürlich, dass die so eine Line überschreiten.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Weil er einfach die erzählt, als ob sie wahr wären. Ich habe ja ein Kind. Und ich erzähle meinem Kind, ich flunkere mein Kind oft an. Aber er weiß, dass ich das mache. Was tatsächlich eine schöne Tradition ist, Ich habe irgendwann, da war er noch jünger, habe ich angefangen ihm zu erzählen, was seine Mutter alles gemacht hat, bevor er auf der Welt war. Und sie war Piratin, sie war Profiboxerin, sie war Gewichtheberin. Geil. Sie war im Gefängnis. Und es gibt mittlerweile so 20 Geschichten über ihr aufregendes Leben. Also eigentlich das, was hier stattfindet. Aber ich erzähle diese Geschichten beim Abendessen. Und wir sitzen da und grinsen und sie ergänzt da noch ein bisschen und mein Sohn fängt mittlerweile auch an, der ist jetzt mittlerweile sieben, fängt auch an zu ergänzen. Und zu sagen, hey, war das nicht so und so? Und alle wissen, dass es ein Spaß ist, dass es eine witzige Geschichte ist. Also ich kann ihm total viel abgewinnen, das Leben mit schönen Geschichten auszuschmücken.
Johannes Franke: Es muss halt allen klar sein und alle müssen irgendwie in on the joke sein und Consent gegeben haben mehr oder weniger.
Florian Bayer: Das Wesentliche ist halt auch, dass seine Geschichten sind halt auch wirklich narzisstische Selbstdarstellungen.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding.
Florian Bayer: Weil die Geschichten, wenn man ihn weglässt als Protagonisten, sind das ja wirklich faszinierende Geschichten. Diese Geschichte vom sanften Riesen. So abgedroschen sie ist. Sie ist toll. Vor allem ist sie auch toll, weil wir einen ganz tollen, fantastischen Riesen haben. Matthew McRory, der den Weltrekord hält der größten Schuhgröße und der sehr dankbar war für die Schuhe, die er am Set tragen durfte. Er hatte die extra für den Film für ihn gemacht worden.
Johannes Franke: Leider zwei Jahre später ist er gestorben.
Florian Bayer: Wegen seiner Gigantomanie. Er hatte dieselbe Krankheit, die auch der Westler, Andrew John.
Johannes Franke: hatte. War nur ein bisschen größer als der Wrestler. Haben sie denn gut hingekriegt, kameratechnisch?
Florian Bayer: Und eigentlich eine Krankheit, die Die es einfach gibt und die Leute, die die haben, waren früher auch bei Zirkusattraktionen dabei und wurden ausgestellt. Und sorgt halt für ein extremes Wachstum der Knochen und der Körper kaum nicht so richtig mit. Und genau, Matthew McCrower ist ein toller sanfter Riese in diesem Film.
Johannes Franke: Total, ja.
Florian Bayer: Und er spielt das ganz großartig, seine Figur ist sympathisch, auch wenn sie gar nicht so eine große Rolle hat. Ist eine tolle Geschichte an und für sich. Und genauso auch diese Spectre, diese Stadt, die fast so was wie so ein Kult ist. Irgendwie so ein bisschen Kult.
Johannes Franke: Du kommst da hin, die Szene fängt an und man merkt sofort, okay, irgendeine Form von Kult ist hier am Laufen.
Florian Bayer: One of Us. Word of Us, Word of Us.
Johannes Franke: Es ist so krass. Und dann habe ich sehr schnell den Eindruck von Heaven.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Der kommt da hin, muss seine Schuhe ausziehen, die brauchst du nicht mehr, solche Sachen und alles, das Gras ist perfekt, die Leute sind alle perfekt, alles ist schön hell und alles ist schick. Und ich denke dann in dem Moment, okay, du bist zu früh dran. Klingt auch total nach Heaven.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Und am Ende löst es sich aber nicht ein. Ich weiß nicht ganz genau, das lässt sich nicht nachvollziehen. Und ich weiß nicht genau, warum das dann so inszeniert ist, damit man dann denkt, das könnte Heaven sein und du bist halt so früh und kommst dann halt am Ende deines Lebens wieder. Das wäre so ein Full Circle gewesen. dann am Ende vielleicht, aber das ist es ja nicht.
Florian Bayer: Nee, und das ist vor allem, es wird ja auch aufgelöst. Wir erfahren ja, dass es offensichtlich wirklich so einen kleinen Ort gab, wo er irgendwann mal war, irgendwann mal kurzzeitig gelebt hat. Ja, ich habe das auch nicht so ganz verstanden, warum er plötzlich diese transzendentale Richtung einschlägt. Auch weil davor ist ja auch, er geht durch diesen gruseligen Wald und es ist quasi der Der Weg in den Tod, er stirbt. Und dann haben wir noch diese Mehrjungfrauenbegegnung. Es ist alles so übernacht. natürlich, übererdig. Und dann wird dieser Ort aber eben doch als relativ profaner Ort enttarnt. Ich mag ihn vor allem wegen Norfolk Winslow, Steve Buscemi. Der übrigens Sizilianer ist und jahrelang nicht wusste, wie sein Name ausgesprochen wird.
Johannes Franke: Ist das geil.
Florian Bayer: Wir wussten es auch nicht. Ich habe das heute zum ersten Mal gehört bei der Recherche nochmal. Wie schreibt man nochmal? Steve Buschemi? Buschemi? Steve Buschemi. Und er hat sich offensichtlich... wie auch seine Eltern, falsch ausgesprochen, bis er dann mal in Sizilien war und festgestellt hat, die werden ja alle geschrieben wie ich. Ah, das wird Buscemi ausgesprochen. Gut zu wissen.
Johannes Franke: Das ist eine sehr süße Geschichte.
Florian Bayer: Aber genauso ist die Geschichte von Norfolk Winslow, der da sitzt. Steve Buscemi und der seit Jahren an seinem Gedicht schreibt mit den großartigen Zeilen, die bis jetzt da sind.
Johannes Franke: Zwölf Jahre.
Florian Bayer: Zwölf Jahre schreibt er daran. Was ist? Ist gut. Spectra, ich müsste einen Moment.
Johannes Franke: Ja, mach mal.
Florian Bayer: The grass, so green. Skies, so blue. Spectra is really great.
Johannes Franke: Toll. Dieser Reim auch.
Florian Bayer: Dieses Reimschema ist so der Hammer. Man muss halt einfach an einem Ort sein, der einen inspiriert. Das finde ich irgendwie witzig und ich finde auch ganz süß, dass die junge Jenny dann, die später von Helena Bonheim-Kater gespielt, wiederkommen wird. Die hier gespielt wird von einer, die dann später in Charlie und die Schokoladenfabrik auch eine Rolle spielen wird, aber ich finde ihren Namen gerade nicht, weil sie wirklich nur so eine kleine Rolle hat. wie die dann zu ihm kommt und sagt, dass sie in ihn verliebt ist. Hayley N. Nelson heißt sie, die Schauspielerin. Und er ist zu früh dran, später ist er dann zu spät dran. Das ist Auch süß, ne? Diese ganze Stadt, diesen Mikrokosmos als Entwurf, der so perfekt aussehen soll, aber nicht perfekt ist. Das ist irgendwie... Nettes Element der Geschichte. Genauso wie der Zirkus irgendwie witzig ist. Idee, dass jemand beim Zirkus arbeitet und dass da ein Wehrwolf ist und es ist alles süß. Aber dadurch, dass diese unsympathische Figur des Edmars in jeder einzelnen in dieser schönen kleinen Episoden gepflanzt ist.
Johannes Franke: Ich finde auch total schön, das Bild zu haben, wenn du der Liebe deines Lebens begegnest, auch wenn das Konzept an sich schon, naja gut, okay, aber es ist in Ordnung, es ist ein Märchen. begegnet, dann steht die Zeit still. Und dann, wenn es wieder losgeht, braucht sie, muss sie aufholen. Also geht es schneller. Ich finde dieses Bild total schön.
Florian Bayer: Es ist wunderbar. Es ist toll inszeniert. Es ist richtig cool gemacht. Ich finde sogar die anschließende, die Inszenierung seiner Sehnsucht nach ihr, Das ist total süß, wenn es halt nicht so creepy wäre.
Johannes Franke: Ja, seine Art und Weise. Ich klopfe jetzt an der Tür bei der Frau, nachdem ich rausgefunden habe, wo sie wohnt und sage, du kennst mich nicht, aber ich bin
Florian Bayer: Es gab wohl im Originalskript eine Szene, wo er wegen Stalking verhaftet
Johannes Franke: Und dann haben sie sich rausgenommen, weil sie Angst hatten, dass er als Creep rüberkommt und ich denke mir, dann müsst ihr den ganzen Film neu machen, damit er nicht als Creep...
Florian Bayer: Er hat das Wort Nein nicht verstanden. Es war ein so höfliches Nein von ihr.
Johannes Franke: Sie war so gut darin. Sie hat es wirklich gut gemacht. Es ist schön, aber leider tut mir leid, ich bin verlobt. Und ich schlagte nicht die Tür vor der Nase zu oder sowas, sondern ich hab's höflich gemacht. Lass uns... Freunde bleiben oder so. Keine Ahnung. Aber nein.
Florian Bayer: Nein. Und dann kämpft er. kauft Blumen für sie, er macht alles, um ihr Herz zu gewinnen, obwohl sie verlobt ist, obwohl sie gesagt hat, nee. Und sie findet es natürlich romantisch, wie das so ist.
Johannes Franke: Ja, natürlich findet sie es total romantisch.
Florian Bayer: American Dream. Kämpf um deine Frau. Gewinne sie für dich.
Johannes Franke: Fuck.
Florian Bayer: Danny DeVito ist toll.
Johannes Franke: Danny DeVito ist total super.
Florian Bayer: Danny DeVito ist so großartig als Zirkusdirektor.
Johannes Franke: Was ich von ihm sehe, ist sehr großartig.
Florian Bayer: Auch ein Stable von Tim Burton, ne?
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Der ganz großartig in Batmans Rückkehr den Pinguin gespielt hat. Der hier wirklich, wirklich toll diesen Zirkusdirektor gibt, der dann sich als Werwolf entpuppt.
Johannes Franke: Ich finde diesen ersten Dialog mit dem Riesen total großartig. Was sagt er genau?
Florian Bayer: Möchtest du mein Sklave sein?
Johannes Franke: Ja, irgendwie im Grunde sagt er genau das. Tell me, Carl. Have you ever heard of the term involuntary servitude? No. Unconscionable contract? No. Great!
Florian Bayer: Ich find's super. Und auch diese Szene wird wieder so ein bisschen kaputt gemacht durch diese arrogante, selbstgefällige Art von Edward. Der während dieser Zirkusvorstellung, wo er mit seinem Riesen zu Gast ist, wenn der große Gigant gezeigt wird, pfeift und sagt, hier...
Johannes Franke: Ich hab's viel besser drauf als du.
Florian Bayer: Sorg mal dafür, dass da vorne der keinen Job mehr hat. What the fuck? Unser Protagonist. Identifiziere dich mit ihm. Finde ihn sympathisch. Whatever.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen seltsam, oder? Weil der Film das wirklich will, oder? Der will ja, dass man sich identifiziert und man will ja, dass der sympathisch ist. Und dann haut er wirklich alle paar Minuten so eine Szene rein, die ja nicht anders lesbar ist groß, oder?
Florian Bayer: Ja, und das Tragische daran ist ja wirklich... Es wäre so wichtig, dass uns dieser Edward aus den Geschichten sympathisch ist, damit es diesen Kontrast gibt. Diesen Kontrast mit dem Konflikt zwischen dem alten Edward und seinem Sohn. Und dieser Kontrast, der kann sich nicht aufbauen, wenn der junge Edward so unsympathisch ist.
Johannes Franke: Und der Alte ist, finde ich, auch unsympathisch. Das siehst du ein bisschen anders. Aber ich finde ihn auch, er hat so Sätze drauf, wo man wirklich sagt ... Alter, eine Nummer kleiner geht auch. Ich meine, du hast eine Meinung, ist in Ordnung oder du hast eine Art und Weise, Geschichten zu erzählen, die du nicht ablegen willst, das ist ausreichend. Auch in Ordnung, aber versucht sich in der Kommunikation ein bisschen besser zu verhalten.
Florian Bayer: Ich finde beim Alten funktioniert es, weil wir das in der Perspektive des Sohnes sehen und weil es dadurch kritisch betrachtet wird. Dieser alte Albert, dieser alte Edward, wird ja nicht als unfehlbar gezeigt, sondern wir sehen, womit sein Sohn zu kämpfen hat und wir sind voll auf der Seite des Sohnes. Wenn er bei der Hochzeit schon wieder diese Geschichte erzählt Und William total genervt ist und rausgeht.
Johannes Franke: Aber drei Jahre nicht mehr miteinander reden, finde ich dann noch ein bisschen übertrieben.
Florian Bayer: Ja, aber das zeigt uns, was für eine Schwere das hat. Dadurch wird uns dieser... Der ist nicht sympathisch, natürlich. Das ist... Aber wir lernen ihn als ein Mensch mit Fehlern kennen, der sich halt so verhält, das sind seine Schwächen. Er kann seine blöden Geschichten nicht lassen. Und er muss sich damit immer in den Mittelpunkt spielen und sein Sohn leidet, seit er im Kind ist darunter. Das wird in dieser Montage am Anfang echt schön erzählt. Das stimmt. Wie er diese Geschichten erzählt und alle gucken. und William sitzt so nebendran und ist gelangweilt, genervt, frustriert und sagt zu seiner Mutter, bitte sorg dafür, dass er aufhört. Das ist eine starke Montage und Ich finde den nicht sympathisch dadurch, aber ich fühle mich da rein. Ich habe mit dieser Figur eine emotionale Verbindung. In ihren Schwächen und in ihren Stärken.
Johannes Franke: Gerade am Anfang finde ich es auch noch vollkommen in Ordnung. Ich kann sogar noch sagen, bei der Hochzeit... Dass die beide einen Punkt haben, dass ich natürlich verstehen kann, dass Will irgendwann sagt, Alter, meine Hochzeit und ich bin nur so eine Fußnote in deiner Story, was soll das? Nicht geil. Auf der anderen Seite das Bedürfnis des Vaters, über eine Geschichte den Abend irgendwie schöner zu machen für alle.
Florian Bayer: Will er das? Oder will er sich in seinen Geschichten...
Johannes Franke: Das weiß ich halt in dem Moment noch nicht. Das ist halt das Ding. Bis dahin, bis zu diesem Punkt des Films, weiß ich noch nicht, wie selbstverliebt dieser Typ ist. Das ist halt das Ding. Und dann später wird es halt problematisch.
Florian Bayer: Ich mag halt Albert Finney tatsächlich. Ich finde, der hat so einfach einen rauen Charme.
Johannes Franke: Ich bin ein toller Schauspieler, ich mag ihn auch total.
Florian Bayer: Ich krieg Albert Finney mit Ian McGregor nicht zusammen. Der junge Edward ist anders als der alte Edward.
Johannes Franke: Und das Absurde ist ja, dass die ihn deswegen besetzt haben... Sie haben ja Ian McGregor nur besetzt, weil auf den Fotos von Albert Finney, wie er jung war, er wirklich zum Verwechseln Ähnliches aussah.
Florian Bayer: Und tut er auch. Aber ich seh's nicht. Ich seh nicht diese Verbindung, weil die vom Verhalten zu unterschiedlich sind.
Johannes Franke: Ja, und dann sind sie beide zum Dialect-Coach gegangen, um die gleiche Art und Weise zu sprechen zu haben.
Florian Bayer: Unser Schottiger Ian McGregor.
Johannes Franke: Hilft trotzdem nicht.
Florian Bayer: Und McGregor hat gesagt, übrigens auch ein Name, wo wir nochmal geguckt haben, wie wird er ausgesprochen? Wir sind uns sicher Ian Ian.
Johannes Franke: Ian McGregor hat gesagt,
Florian Bayer: Er hat sich sehr gefreut darüber, dass er diesen Südstaaten-Akzent machen konnte, weil das deutlich einfacher ist als das amerikanische...
Johannes Franke: Er kommt aus Amerika in Englisch.
Florian Bayer: Und er hat gerade, er war auf dem Weg zum Weltstar. Er hatte die Star Wars- die Star Wars-Episode, die Prequels hat er grade gedreht. Und da war der Zweite abgedreht oder so. Und Moulin Rouge, also der war ein großer Name zu der damaligen Zeit und hat sich dann doch nicht so erfüllt. nicht so zum Weltstar geworden wie...
Johannes Franke: Doch, er ist schon ein krasser Name.
Florian Bayer: Also man kennt ihn. Aber er ist kein Leonardo DiCaprio.
Johannes Franke: Ja, das nicht, das stimmt. Aber dafür hat er einfach, weiß ich nicht,
Florian Bayer: Und nachdem er Moulin Rouge gedreht hat und die Star Wars Prequels, hatte man so das Gefühl, der ist auf dem Sprung, das ist der nächste Leonardo DiCaprio oder Johnny Depp. der Zeit der gleiche Alter.
Johannes Franke: Vielleicht war er auch einfach verdrängt durch Leo und durch Johnny Depp.
Florian Bayer: Aber er hat, na klar, er hat sein Leben lang Filme gedreht. Das klingt so, als wäre er gestorben.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Er hat unfassbar viel gedreht, auch in den letzten Jahren. Aber ich habe das Gefühl, er ist so nicht... B-Promi. Er ist in der A-Riege, gehört ja eher zu der eine Riege unten drunter.
Johannes Franke: Also... A-?
Florian Bayer: Was ist denn hier noch so? Ja, genau. A-. Das würde ich sagen. Er spielt sowas wie Dr. Sleep. Stephen King-Verfilm. So was spielt er.
Johannes Franke: Wollen wir jetzt einen Promi-Flash aufmachen? Ja.
Florian Bayer: Pass auf, wenn du von Hollywood A-Promis ausgehst, von den großen, auf dem roten Teppich, wo alle Kameras drauf gerichtet sind.
Johannes Franke: Hast du schon gehört, was der Jens wieder trägt?
Florian Bayer: Sowas wie Tom Hanks. Ich ignoriere einfach, was du sagst. Ich versuche meinen Punkt zu machen. Sowas wie Tom Hanks, sowas wie Tom Cruise, sowas wie Johnny Depp. Sowas wie Leonardo DiCaprio. In der Riege ist er da nicht, sondern eher so eine Riege drunter, oder? Auf den sind nicht so viele Kameras gerichtet, wenn er auf dem roten Teppich steht wie auf Johnny Depp.
Johannes Franke: Ja, weil er seine Frau nicht schlägt.
Florian Bayer: Wow, bam, Johannes 7. You're on fire today.
Johannes Franke: Okay, also weiter mit dem A-Promi.
Florian Bayer: Wegen sowas werden Leute heutzutage verklagt, das weißt du. Das müssen wir nachher wegpiepen. Wenn das Herr Scherz aus Hamburg erfährt.
Johannes Franke: Okay, wenn wir reinpiepen, dann werde ich gleich noch ein paar Sachen sagen.
Florian Bayer: Was ich schon immer mal zu Till Lindemann sagen wollte.
Johannes Franke: Ja, genau. Sehr schön. Okay.
Florian Bayer: Wo waren wir genau?
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das?
Johannes Franke: Wo sind wir?
Florian Bayer: Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein.
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Ich finde den alten Edward mit seinen Schwächen sympathisch, eben weil er als Mensch mit Schwächen inszeniert wird, der eine Aussöhnung mit seinem Sohn hat. Okay, er lernt nichts aus seinen Fehlern. Er entwickelt sich nicht weiter. Einfach ein Mensch mit Schwächen, zu dem man irgendwie eine Relation haben kann. Und selbst wenn man sagt, das finde ich anstrengend, wie er die ganze Zeit quatscht. Und der junge Edward hat das halt nicht, weil der junge Edward einfach nur so ein Fantasieprodukt ist, der alles kann und nie sich um irgendwas Sorgen machen muss.
Johannes Franke: Das ist auch ein Problem mit dem Storytelling, wenn du das Gefühl hast, okay, der kann sowieso alles, warum folge ich dem Film dann? Das interessiert mich daran.
Florian Bayer: Genau, die Stakes sind nie besonders high.
Johannes Franke: Jetzt haben wir den Film ganz schön auseinandergenommen. Was finden wir denn gut in dem Film? Also ich liebe einfach den grundsätzlichen Gedanken, das Leben spannend zu erzählen. Wie er zwischendurch auch tatsächlich sagt, es gibt Leute, die erzählen straightforward, dann ist das, dann ist das und dann ist das passiert. Es ist vielleicht akkurat, aber nicht besonders spannend. Finde ich okay. Finde ich als Statement vollkommen richtig. Die Frage ist halt, was man draußen macht. Ob man dann eine Show draus macht, die nur um einen selber kreist oder ob man wirklich Interesse hat, eine spannende Story zu erzählen. Und ich finde, dass man im Film nicht gerade abnimmt, dass er das auf die Figur abfällt, sondern der Film hat selber das Problem, dass er es nicht schafft, einer Storytelling sich zu unterwerfen, sondern eben einer Self-Shit-Show unterstellt.
Florian Bayer: Ich mag total die Inszenierung, die ist wirklich gut. Ich finde, Tim Burton inszeniert auch hier stärker als in vielen seiner anderen Filme, weil er ein bisschen mehr Varianz hinlegt.
Johannes Franke: Ich finde, er ist ehrlicher leicht.
Florian Bayer: Ehrlicher? Was meinst du mit ehrlicher?
Johannes Franke: In den Momenten mit Will und seiner Frau zum Beispiel.
Florian Bayer: Achso, nee, ich bin auch beim Fantastischen.
Johannes Franke: Ach so, ja, ja.
Florian Bayer: Ja, zum Drama komme ich gleich. Das finde ich nämlich tatsächlich, das finde ich stark. Das kriegt mich auch emotional. Vor allem auch die letzte... Auch die letzte Szene, auch wenn Will dann sich auf die Erzählung seines Vaters einlässt und dann selbst erzählt und es ist für den Vater wirklich schön, das kriegt mich emotional. Das Drama funktioniert für mich im Hier und Jetzt. Und auch in diesem Punkt die Verknüpfung. Und ich liebe auch diese Szene, wenn er am Schluss bei der Beerdigung ist und dann kommen all diese Figuren aus seiner Geschichte. Super gut. Wie das kleine Bröckchen von Wahrheit aus seinen Flunkergeschichten. Die siamesischen Zwillinge sind einfach Zwillinge, die offensichtlich eng zusammen sind.
Johannes Franke: Die waren einfach immer... Zu zweit zu sehen und immer da zusammen und die besten Freundinnen oder sowas. Und dann macht man sehr mäßige Zwillinge draus. Der Riese ist halt...
Florian Bayer: und ist immer noch beeindruckend. Und es gab den Zirkusdirektor, es gibt den Banker, der vielleicht irgendeine kriminelle Vergangenheit hat, es gibt diese Figuren. Und das ist auch eine sehr große Stärke des Films. Man kann sich zu jeder dieser fantastischen Ereignisse ein plausibles Szenario ausdenken, woraus die entstanden sind. Ja. Und das wird fast nie auserzählt. Es wird eigentlich fast die ganze Zeit offen gelassen. Aber man hat trotzdem das Gefühl, diese plausiblen Szenarien schweben die ganze Zeit unten drunter. Und es lädt quasi dazu ein, zu spekulieren. Wie hat er beim Zirkus gearbeitet? Warum stellt er sich vor, dass er drei Jahre ohne Lohn gearbeitet hat? Was hat er da gemacht? Hat er in der Zeit die Frau kennengelernt? War es schwierig sie kennenzulernen? Wie war die Verbindung zu dem Direktor? Man kann richtig schön mit diesem Film rumspekulieren, wie war sein echtes Leben. Das macht der Film gut. Das stimmt, ja. Der Film bietet uns das wirklich gut an. Hey, überlegt euch doch mal. macht mal weiter, spinnt mal weiter, wie das hätte gewesen sein können.
Johannes Franke: Allerdings muss ich sagen, dass ich in den ersten, bis man sich daran gewöhnt hat und man das nicht mehr hinterfragt, ersten Szenen, die so in diesem Magischen sind, das Konzept zu sehr durchscheint. Man zu sehr das Gefühl hat, okay, da hat jemand einfach... Wie wäre das normalerweise? Und dann mache ich alles größer, stärker, weiter, exaltierter. Und irgendwie ist das Konzept langweilig nach drei Szenen. dann macht der Film genug andere Sachen, als dass mich das nerven könnte. Aber am Anfang dachte ich schon so, wenn das jetzt das ist, worin sich es erschöpft, den ganzen Filmen lang. Dann wird es ein blöder Film.
Florian Bayer: Ich glaube, ich habe einfach so einen totalen Softspot für dieses Grundkonzept, dass Fantasie und Realität so ein bisschen vermischt werden. Deswegen liebe ich auch, wo die wilden Kerle wohnen, den wir ja geguckt haben. The Fall, den ich dir gezeigt habe. Ich habe dir, glaube ich, schon mehrmals Filme gezeigt, die irgendwie in diese Richtung gehen, wo Fantasie und Realität sich so überlappen und verkreuzen und alles ineinander fließt.
Johannes Franke: Mag ich auch total, absolut. Aber ich fand halt, dass das Konzept zu transparent einfach da liegt und man sagt, okay, da war ein großer Mensch und dann war es halt ein Riese.
Florian Bayer: Ja, es ist jetzt nicht so besonders subtil oder besonders kryptisch.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ich find die Inszenierung wirklich gut in den Fantasy-Szenen. Ich mag diese ... Es ist seltsamerweise ... Ich habe einen Film, wo mich die Burton-Inszenierung gar nicht so sehr stört. Ich überlege gerade, woran es liegt. Vielleicht, weil es teilweise fast wie so eine Karikatur des 50er Jahre Amerikas rüberkommt.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Auch so diese Vororte und dann, wenn er erzählt, dass diese Stadt zu klein ist, dann sehen wir diese Rasenmäher im... Im Rhythmus. Und das ist alles so ein bisschen Karikatur und es macht...
Johannes Franke: Aber das ist so Edward Scissorhands-mäßig, das muss man schon sagen. Ja, es ist sehr stark daran gelehnt.
Florian Bayer: Und ich frage mich gerade, warum ich das als ein Burton-Film nehme, wo Burtons Ästhetik nicht so draufgehauen ist, mich nicht so nervt. Vielleicht, weil kein trauriger Protagonist in diesem Szenario rumläuft. Weil unser Protagonist strahlt.
Johannes Franke: Einfach das.
Florian Bayer: Tim Burton baut nämlich immer diese kitschigen Welten und packt dann zwei traurige Figuren rein. Meistens Johnny Depp und Helena Bonham-Krater. und mit diesem Kontrast spielt er. Und das macht ihr hier nicht so. Vielleicht ist es da, dass dieser Emo-Aspekt fehlt.
Johannes Franke: Deswegen ist Ed Wood ja auch großartig, weil Ed Wood die ganze Zeit begeistert ist von allem, was er tut.
Florian Bayer: Ja, Ed Wood ist auch einer der ehrlicheren Burton-Filme, weil es wirklich ein Biopic ist, ohne so viele Schnörkel. Ed Wood ist ein toller Film. Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, die Inszenierung, was die Bildsprache betrifft, es gibt ein bisschen diese Burton-Ermüdung und... Aber es ist genug anderes drin, dass ich sage, das ist eine gute Inszenierung. Die Musik von Daniel Elfman ist bei weitem nicht so nervig, Daniel Elfman.
Johannes Franke: Nein, gar nicht. Nee, das ist schon cool.
Florian Bayer: Und ich stehe halt auch so ein bisschen auf diese American-Dream-Ästhetik, muss ich einfach sagen, so schrecklich. der Idealismus dahinter ist und so kaputt das Konzept dahinter ist, hat's irgendwie so was Schickes, ne?
Johannes Franke: Ja, aber es ist schon sehr plasticky.
Florian Bayer: Auf jeden Fall voll. Aber einfach dieses, du reist durchs Land, du nimmst dein Glück in deine eigene Hand und dann einfach...
Johannes Franke: Und lässt deine Familie allein.
Florian Bayer: Die Sets und die Kostüme. Einfach, wenn er in dieser Bank steht und dann begegnet er Steve Buscemi wieder und Und da überfällt die Bank. Und wie das alles aufgebaut ist, wie diese Bank aussieht, die ihm nirgendwo steht, an der Wüstenstraße. Das ist alles toll.
Johannes Franke: Das stimmt schon.
Florian Bayer: Das ist eine geile American-Ästhetik.
Johannes Franke: Da hast du recht. Ich finde auch die Szene großartig, wie er dann plötzlich die Knarre rausholt und sagt, ja, also ich überfalle jetzt die Bank. Vielen Dank.
Florian Bayer: Also da hat Burton einfach schon alles richtig gemacht, was Inszenierung betrifft. Und wie gesagt, er ist natürlich auch ein bisschen manipulativ, aber er schafft es am Ende... Das ist nämlich das Zweite, was ich an diesem Film stark finde, die Dramenszenen. Er schafft es, mich davon zu überzeugen, dass ich bei dem Sohn bin. Mein Vater war nicht so. Ich habe auch keine großen Daddy-Issues, glaube ich, aber ich kann mich mit dem Sohn irgendwie identifizieren. Der Film schafft es mich da so reinzuziehen, da ich seine Position verstehe und wahrnehmen kann und das aus seiner Perspektive sehe und dass ich da auch mitfiebere und die Momente mag, wenn wieder eine Annäherung zwischen Vater und Sohn stattfindet.
Johannes Franke: Ja, wobei ich zwischendurch sagen muss, verstehe ich den Sohn nur so halb, weil eigentlich liegt ja auf der Hand, dass man versucht, sich über den Sohn über die Geschichten, die der Vater offensichtlich einfach braucht. annähern muss und nicht auf Konfrontation gehen kann. Das funktioniert einfach nicht ein Leben lang. Du kannst es eine Weile versuchen und dann aber musst du aber auch auch in der Lage sein festzustellen, okay, so rumfunktioniert es nicht, ich muss es andersrum probieren. Dass er es erst am Deathbed wirklich irgendwie schafft, ist halt so ein bisschen...
Florian Bayer: Ich finde es aber auch, der Sohn fühlt sich einfach krass ungeliebt. Warum gibt es keine einzige Geschichte von Edward, wo er vorkommt? Warum erzählt Edward nicht mal seine Geschichte mit William und die dann ein bisschen übertrieben ist? Edward liebt sein Leben und zeigt das, indem er tolle Geschichten aus seinem Leben erzählt. In keiner einzigen Geschichte kommt der Sohn vor.
Johannes Franke: Ja, da fällt mir wieder ein, dass ich zwischendurch echt gedacht habe, scheiße, jetzt hat auch noch jede Geschichte so eine dämliche Punchline der Milchmeines umgekippt. Fuck, Alter.
Florian Bayer: Ja, komm, ja.
Johannes Franke: Also wirklich, dass die Geschichten nicht nur dafür da sind, irgendwie das Leben zu größer zu machen, larger than life, sondern auch noch... eine furchtbare Pointe haben müssen, so eine Punchline, die dann am Ende kommt.
Florian Bayer: Das ist halt alles schon auch so im... Im Sinn dieses Episodischen. Du musst diesen Abschluss finden. Wie heißt das beim Porn?
Johannes Franke: Den Golden Shot?
Florian Bayer: Was der Golden Shot? Naja, das ist es. Das, was für den Porno der Golden Shot ist. Ich glaube, es ist tatsächlich, dass das eher okulat gesehen wird. Das ist das Entscheidende. Ist für den billigen Comedy-Film die Pointe am Schluss von der Szene.
Johannes Franke: Warum muss man seine Beteiligung am Krieg als eingezogener Soldat, warum muss man die als... Warum kann man nicht ehrlich sagen, okay, das war traumatisierend und scheiße?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wieso kann man das nicht? Da musst du irgendwie mehr hinterstecken. Da musst du ein Trauma dahinterstecken, um ... das so drüber bügeln zu müssen.
Florian Bayer: Der Film gibt uns ja nicht mal einen Ansatz von, das könnte so sein. Wenn ein bisschen was durchsplitzen würde, wäre super. Aber der Film bietet uns das überhaupt nicht an.
Johannes Franke: Der ist offensichtlich irgendwie im Krieg gefangen genommen worden und musste dann wieder rausgeschmuggelt werden von den beiden.
Florian Bayer: Ja, wenn es überhaupt so groß ist. Ich weiß nicht, ob es so groß ist. Sie dachten, er wäre tot, das sagt die Mutter. Das sagt sie auch den coolen Satz, nicht alles, was dein Vater sagt, ist gelogen oder so.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Er war verschollen im Krieg. Und offensichtlich hat er sie, die beiden, die Zwillinge da kennengelernt. und ist da rausgekommen. Aber viel mehr, ich glaub nicht mit rausschmuggeln und so. Ja, genau. Aber das, was ich meine, lädt natürlich wieder zu Spekulationen ein.
Johannes Franke: Natürlich, auf jeden Fall. Aber das ist schon... Also es muss irgendwas Schlimmes gewesen sein und er ist nicht in der Lage darüber so zu reden, dass man sagt, okay, lass uns mal ernsthaft Dein Leben da untersuchen und deine Gefühlswelt dazu.
Florian Bayer: Ist so ein Moment, wo ich mir von dem Film wünschen würde, dass er das vielleicht ein bisschen mehr hinlegen würde. Ein bisschen mehr so einen Hint darauf geben, dass irgendwas war. Wir auch.
Johannes Franke: Könnte ich den Vater auch viel mehr verstehen. Das sind die beiden Probleme, dass ich den Vater unsympathisch finde und dass ich keinen Ansatz habe, warum... Und ich kann ja auch sagen, er braucht das aus irgendeinem psychologischen Grund, den er nicht bearbeitet hat. Kann ihn vielleicht auch noch dafür verurteilen, dass er es nie geschafft hat in seinem Leben sich darum zu kümmern. Dass er einen Therapeuten sich sucht oder sowas, ist ja auch vollkommen in Ordnung, weil es ist ja auch nicht die Zeit dafür. Das ist auch so eine Generation, wo man es nicht gemacht hat.
Florian Bayer: Ich glaube, es funktioniert nicht, weil er macht ja aus allem so eine Geschichte. Also es ist egal, ob er einen Traum hat oder nicht. Würde so oder so eine Geschichte draus machen, weil er macht aus seinem fucking Wachstumsschub macht er eine kurze Geschichte. Was haben wir noch? Miley Cyrus als Freundin. Destiny. Destiny Cyrus. Rufi, acht Jahre alt. Genau, bei dieser Kinderbande. Ich habe sie nicht erkannt, hast du sie erkannt?
Johannes Franke: Nein, ich habe sie nicht erkannt. Nein, nein, nein.
Florian Bayer: War das vor ihrer Disney-Zeit? Ja, oder?
Johannes Franke: Als Disney, da war sie schon ein bisschen älter.
Florian Bayer: War Disney? Nee, Quatsch, nicht Disney. Hannah Montana.
Johannes Franke: Hannah Montana, ja. Aber es war doch auch Disney, oder nicht?
Florian Bayer: Keine Ahnung. Hannah Montana war von 2006 bis 2011.
Johannes Franke: Aha!
Florian Bayer: Nie gesehen, aber ich weiß, dass sie da eigentlich reingekommen ist, weil ihr Vater... ist Billy Ray Cyrus, der in den 90ern eines der großen Country-One-Hit-Wonder war.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Don't tell my heart. My achy-breaky heart. Okay, du guckst mich an und so, Mann, Johannes.
Johannes Franke: Es liegt nicht daran, dass ich das nicht kenne. Es liegt daran, wie du es summst.
Florian Bayer: Moment.
Johannes Franke: So, hier. Das musst du kennen. Es waren einfach bessere Zeiten. Sie waren anders, sagen wir so.
Florian Bayer: Ja, sehr anders.
Johannes Franke: Also, okay, ich kenne den Song. Ich wusste nicht, dass er nur ein One-Hit-Wunder war. Wie schade eigentlich.
Florian Bayer: Nee, er war klar. Ich glaube, in der Country-Szene war er dann doch ein ein bisschen größer. Aber er war so in der allgemeinen Pop-Szene, hat er diesen einen Song, den jeder kennt. Genau, Hannah Montana, 2006 bis 2011. Drei Jahre nach Big Fish. Und dann, was danach kam, sind ja alle, meine ich, Cyrus auf dem Weg zum Weltstar. Hier hat sie... Nicht ihr Debüt, sondern doch das zweite, der erste Film, in dem sie mitspielt. Ihr Filmdebüt, ihr Kinodebüt.
Johannes Franke: Oh, toll. Okay, also, wir haben Sie nicht erkannt. Eigentlich egal. Gut für Sie. Ja.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Wollen wir uns im Anbetracht der Zeit ein kleines bisschen hinüberrobben in unsere Top 3?
Florian Bayer: Lass uns robben.
Johannes Franke: Los. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Wer ist der Sportlichere von uns beiden? Ich bin schon angekommen. Ich hoffe, du hast einen Jingle gespielt.
Johannes Franke: Flor, warte auf mich.
Florian Bayer: Ja, ja, hier bin ich. Was haben wir denn hier stehen? Moment, ich packe mal den Zettel aus und gucke, was da drauf steht. Johannes, Top 3. Wahre Lügen.
Johannes Franke: Wahre Lügen.
Florian Bayer: Meine Güte. Was haben wir denn da?
Johannes Franke: Ich habe zwei Honorable Mentions. Was? Wirklich? So viel habe ich nicht... Ich habe versucht, ein bisschen vom Konzept her aufzuteilen auf verschiedene Konzepte der Interpretation dieses Themas.
Florian Bayer: Doppeldeutigkeit des Begriffes wahre Lügen. Bei meinen Honorable Mention ist nämlich das, was man einfach nur eins zu eins wörtlich nehmen kann. True Lies muss genannt werden, zumindest als Honorable Mention. Menschen. Ein wirklich schöner Schwarzenegger-Film, der wirklich Spaß macht.
Johannes Franke: Kennst du den? Ich glaube nicht.
Florian Bayer: Schwarzenegger ist ein Geheimagent. Und seine Frau, gespielt von Jamie Lee Curtis, weiß nichts davon. Und er ist halt so ein typischer Schwarzenegger Action-Held, Geheimagent, der rumläuft und böse Buben... umbringt und dann nach Hause kommt und macht, als würde er von seinem langweiligen Versicherungsjob nach Hause kommen. Und dann geschieht allerdings etwas, und zwar genau, ein Typ macht sich an sie ran, sie ist ein bisschen gelangweilt in der Ehe und, äh, Dann macht sich ein Typ an sie ran mit der Story, er wäre Geheimagent. Der hat so eine Masche, dass er einfach ständig erzählt, er wäre Geheimagent und um damit Frauen... Frauen flachzulegen und Schwarzenegger kriegt das dann natürlich mit und ist dann sauer und will ihn verarschen und passieren mehrere Sachen dann auf jeden Fall am Schluss dann erfährt sie dann, dass er Geheimagent ist und sie werden von den wahren Schurken angegriffen und große Action und Ein wirklich witziger, selbst ironischer Schwarzenegger-Film.
Johannes Franke: Sehen Sie, das ist gut.
Florian Bayer: Und eine oder andere Menschen, du hast keine?
Johannes Franke: Ja, ich hätte Catch Me If You Can. Oh ja. Also der einfach... als Hochstapler dann zum Piloten wird und sein ganzes Leben danach ausrichtet und dann irgendwann gefangen wird von der Polizei.
Florian Bayer: Aus dem selben Zeitraum mit Leonardo DiCaprio, der damals einfach der größere Star war als Hugh McGregor. Ich kann es nur nochmal wiederholen. Der dürfte an der Seite von Tom Hanks in einem Spielberg-Film spielen. Bei Ian McGregor hat es nur für Tim Burton gereicht.
Johannes Franke: Tim Burton kommt heute nicht gut weg.
Florian Bayer: Wir sind heute sowieso so ein bisschen fieser als Tanz, oder? Shit. Meine andere honorable mention ist eine Serie, Breaking Bad. Weil da sehr viel mit Lügen operiert wird und Walter White sich sehr viel auch selbst belügt, super interessant finde.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Weil er sich selbst von dem Narrativ überzeugt, dass er das Richtige macht für seine Familie und so. Und das ist echt cool.
Johannes Franke: Zumindest in der ersten Staffel. Ich weiß nicht, wie lange das noch durchzieht.
Florian Bayer: Ich glaube, er beliebt sich auch noch weiterhin. Aber irgendwann merkt man, dass er selbst kapiert, dass er nicht der Gute ist.
Johannes Franke: Also es gibt dann schon Momente, wo man merkt, okay, seine Entscheidung, in seinen Augen sieht man die Entscheidung. fällt er jetzt nicht mehr aufgrund dieses Umstandes, sondern einfach nur, weil es geil ist.
Florian Bayer: I am the one who knocks. Ich liebe Walter White. Also ich liebe nicht Walter White, schreckliche Figur. großartig gespielt.
Johannes Franke: Großartig gespielt von Bryan Cranston. Wahnsinn. Ich hab noch eine Ahnung bei Menschen, ich hab sie nicht in die Liste gepackt, weil zu offensichtlich Truman Show.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, schön. Ist natürlich, sein ganzes Leben ist eine Lüge im Grunde, aber irgendwie auch nicht. Weil es ja sein Leben ist und sein Erleben hat natürlich viel zu viel Wahrheit, als dass man sagen könnte, das ist einfach nur eine Lüge. Insofern, guter Kontrast sozusagen. In sich selbst.
Florian Bayer: Auch ganz spannend. Truman Show von Peter Weir. Könnte man sich gut als Spielberg-Film vorstellen?
Johannes Franke: Stimmt. Stimmt, ja.
Florian Bayer: Und in einer parallelen Realität als Burton-Film, der ganz anders wäre, aber vielleicht auch funktionieren würde. Oh. und kitschig ist in dieser Show und alles ein bisschen schräger und die Leute, die vorm Fernseher sitzen, leben eher in so einer düsteren Dystopie.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Aber vielleicht würde es das auch als Burton-Filmfunktion
Johannes Franke: Ja, dann wäre umso klarer, warum sich diese Hauptfigur dann irgendwann fragt, irgendwas stimmt hier nicht. Naja, okay, dein Platz 3.
Florian Bayer: Mein Platz 3, Lost Highway von David Lynch. Weil in der zweiten Hälfte wird quasi die Geschichte aus der ersten Hälfte einmal durch den Fleischwolf gedreht und plötzlich die Protagonisten getauscht und trotzdem geschieht nochmal was ähnliches. Und man hat so ein bisschen das Gefühl, sie ist auch so eine Art von Verarbeitung des eigentlichen Protagonisten. Mhm. Die Verarbeitung des Umstandes, dass er wahrscheinlich für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Und dann eine Art Flucht in eine Norhandlung, in der das selber aber nochmal stattfindet. Und so eine schöne Verknüpfung von Selbstbelügen und schrecklicher Wahrheit.
Johannes Franke: Ja. schon so ein Film, wo man am Ende genau diese Zusammenfassung noch nicht bringen kann. Nein. Wenn man den halt mal gesehen hat, ist man erstmal so, what?
Florian Bayer: Es bleibt auch ein Wort. Es ist ein surrealer Film. Es macht keinen Sinn, egal wie man es dreht. 1997, wie so ein Möbius-Band. Irgendwie kriegt man es nicht so entdeckt. Richtig entdreht, aber es ist ein toller Film. Ich mag den sehr. David Lynch in den 90ern in seiner Surrealismus-Hochphase.
Johannes Franke: Ich habe auf meinem Platz drei eine andere Interpretation des Ganzen und zwar The Two Popes. Die waren nie in diesem Gespräch. Ja, der kommt sehr dokumentarisch daher, der Film. Wir haben auch darüber gesprochen, aber gesprochen ganz viel, wenn ihr die Episode anhören wollt. Es ist eine tolle Episode geworden. Es ist ein krasser Film, finde ich. Gespräche von zwei... beziehungsweise der eine ist es halt gerade noch und der andere wird es dann sein. Und das ist so großartig gespielt von den beiden Schauspielern, von Price und von Hopkins. Trotzdem wird da sehr viel Wahrheit einfach verhandelt im Gespräch. Und das ist wirklich spannend.
Florian Bayer: Es ist toll, wie Hollywood oder wie Film mit Fiktion Realität kondensieren kann.
Johannes Franke: Ja, genau. Es gibt ja diesen viel gequoteten Satz, du musst lügen, um die Wahrheit zu sagen im Film oder in der Kunst. Natürlich durch Kondensat lässt du irgendwie Sachen weg und musst umbauen dramaturgisch und so weiter. Und das kommt noch mehr in der Liste vor jetzt.
Florian Bayer: Das war ein schönes Gespräch. Ich habe den Film ja erst gesehen, als du ihn mir empfohlen hattest. Beziehungsweise für die Podcast-Episode habe ich den dann gesehen. Sehr spannendes Seherlebnis und ein sehr spannendes Gespräch auch mit dir, wenn ich mich richtig erinnere.
Johannes Franke: Wir hatten vielleicht ein kleines bisschen Problem damit, dass der Film sehr unkritisch am Ende dann doch mit den beiden umgeht. Aber trotzdem, ich finde die Themen, die Sie ansprechen, wahnsinnig spannend.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Nichtsdestotrotz. Definitiv ein sehenswerter Film. Mein Platz 2. Wer hat Angst vor Virginia Woolf aus dem Jahr 1966 von Mike Nichols?
Johannes Franke: Ich habe immer das Bedürfnis, wenn dieser Titel kommt, den Arm zu heben und zu rufen. Ich, ich, ich.
Florian Bayer: Niemand braucht vor Virginia Woolf Angst zu haben.
Johannes Franke: Okay, gut. Danke. Nach Jahren kann ich endlich aufatmen.
Florian Bayer: Großartiger Film. Ein älteres Paar lädt ein jüngeres Paar zum Abendessen ein. Und die streiten sich die ganze Zeit, die haben so ihre eigene... komische, toxische Beziehungen gefunden, dieses ältere Paar. Und dazu gehören ganz viele Lügengeschichten. die sie anderen erzählen und sich selbst erzählen, deren Mittelpunkt unter anderem ein Sohn steht, der gar nicht existiert, ein imaginärer Sohn, der dann im Höhepunkt des Streites vom Vater imaginär getötet wird, indem er halt erzählt, es gab einen Unfall. Und dann hält der ja noch eine bizarre Totenpredigt auf den Sohn, während die Mutter total fertig ist mit den Nerven.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Echt, ey. echt krasser Film über das Thema Beziehung, über das Thema toxische Beziehung und großartig, eines meiner liebsten Dramen auch zum Lesen von Edward Albee ist das Drama und Mike Nichols. Kennt ihr vielleicht als Regisseur von die Reifeprüfung. Großer New Hollywood Regisseur.
Johannes Franke: Ja, den wir auch besprochen haben, der nicht so gut wegkommt bei mir.
Florian Bayer: Ja, ich erinnere mich. Da hast du wirklich einen Klassiker von mir kaputt gemacht. Das habe ich auch bis heute nicht ganz verarbeitet.
Johannes Franke: Jaja, jedes Mal, wenn du herkommst, muss ich dich erstmal eine halbe Stunde lang trösten. Okay, also mein Platz zwei ist I'm Not There.
Florian Bayer: Oh, ja.
Johannes Franke: Also Bob Dylan von fünf Leuten spielen zu lassen, entbehrt jeglicher Wahrheit, um das mal so zu sagen. Und auch die Episoden, wie sie dargestellt werden oder wie sie inszeniert werden. Aber am Ende hast du so ein krasses... Gefühl von einem kompletten Bild von Bob Dylan, obwohl das niemals komplett sein kann, aber du hast irgendwie den Eindruck, okay, Ich habe hier 20 Versionen gefühlt von Bob Dylan im Kopf und jede davon wirkt plausibel. Und gib mir ein Gefühl dafür, wie diese Seite vom Bub Dylan ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist toll.
Florian Bayer: Ja, großartiger Film. Sehr dokumentarisch. Fantastisch rumgesponnen, irgendwie im dokumentarischen, irgendwie im musikalischen, mit tollen DarstellerInnen als Dillen.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Fantastischer Film. Mein Platz 1, die größte Lüge der Hollywood-Filmgeschichte, die tollste Lüge der Hollywood-Filmgeschichte mit einem Fünkchen Wahrheit. Ich zitiere Obi-Wan Kenobi. Ein junger Jedi namens Darth Vader. Der war ein Schüler von mir. Er wurde... Er wurde schweig gemacht. Er hat den Empire geholfen und zerstört die Jedi Knights. Er hat und verletzt deinen Vater geholfen. Star Wars and New Hope. Wir brauchen einen Konflikt. Der beste Konflikt ist natürlich, der Schurke hat den Vater des Helden umgebracht und dann in der Fortsetzung Episode, oh, ist das schwierig. Episode 5, das ist Episode 4. In der Fortsetzung, Episode 5, Return, nee. Der Empire Strikes Back. Erfahren wir dann, dass... Das darf weder der Vater von Luke Skywalker ist. Tada, Spoilerwarnung. Habe ich euch gesagt, dass wir in diesem Podcast spoilern. Und dann wird das im darauffolgenden Film, Episode 6, wird diese Lüge gerechtfertigt von Obi-Wan Kenobi. Naja, dein Vater wurde von der dunklen Seite verführt. Und dann, nachdem das passiert ist, dann war er... War ja nicht mehr dein Vater und so. Hat das schon gestimmt, was ich dir gesagt habe? Bullshit! George Lucas hat sich's einfach auf halbem Weg anders überlegt und versucht, das irgendwie zusammenzubringen.
Johannes Franke: Echt? Meinst du wirklich?
Florian Bayer: Ja, als Star Wars Episode 4 gedreht hat, New Hope war nicht geplant, dass es 5, 6, 7, 8, 9, 1, 2, 3 und so weiter geben wird. Das war einfach nur ein... Film, der als Hommage an diese Pulp-Geschichten einfach mittendrin anfängt und mittendrin aufhört.
Johannes Franke: Ah, ist großartig. Ich finde den Twist einfach toll.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und die Lüge großartig, um den Film voranzutreiben.
Florian Bayer: Und der Twist gibt dem Film natürlich erst diese Tiefe durch die Verschreibung von Gut und Böse. Aber Star Wars hat diese Tiefe, also Episode 4, hat diese Tiefe eigentlich nicht. Das ist ganz banal. Dein Vater wurde ermordet von, du hast meinen Meister getötet, jetzt werde ich dich töten.
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Mein Name ist Inegio Motoria.
Florian Bayer: Genau das.
Johannes Franke: Du hast meinen Vater getötet, jetzt werde ich dich töten.
Florian Bayer: Und das wäre gar nicht notwendig gewesen, weil da... Auch ohne das werden Onkel und Tante von Luke getötet und dann auch noch von Darth Vader getötet und dann auch noch sein Mentor Obi-Wan Kenobi, also eigentlich hat er genug Grund Darth Vader zu hassen, es muss nicht noch sein Vater von ihm ermordet worden sein.
Johannes Franke: Ich hab auf Platz 1 einen Film, den du mir fast madig geredet hättest.
Florian Bayer: Oh, verdammt, ich hab's nicht geschafft.
Johannes Franke: Rango.
Florian Bayer: Ja, das war ein Film.
Johannes Franke: Das fand ich...
Florian Bayer: Den hast du mir auch mal vorgesetzt. Ja, ich erinnere mich.
Johannes Franke: Du hast es doch nie geschafft mit zwei Worten. So devastating. Mit drei Worten. Das war ein Film.
Florian Bayer: Alle Kriterien. Er hat einen Anfang, einen Ende. Er hat einen Vorspann, einen Abspann.
Johannes Franke: Fuck, Alter. Aber ich liebe das, was dieses Tier, ein Chamäleon, das sich selbst... einen Charakter schafft, weil es die ganze Zeit allein in diesem Aquarium oder Terrarium da ist, Und einfach keine Freunde hat und sich dann selbst eine Persona schafft, die er dann, weil er vom Wagen fällt... anderen Tieren gegenüber, denen er zum ersten Mal begegnet, irgendwie rechtfertigen muss. Er quatscht sich da rein, dass er dann der Sheriff der ganzen Geschichte ist, obwohl er nichts ist. Er weiß noch nicht einmal, wer er ist. Und diese Lüge aufrecht zu erhalten und dann zur Wahrheit werden zu lassen, finde ich irgendwie geil.
Florian Bayer: Dieser Film hat ein großes Problem. Und ich muss jetzt schon wieder ranten gegen einen Regisseur. Gore Verbinski ist das große Problem dieses Films. Fluch der Karibik. Fluch der Karibik 2. Fluch der Karibik 3. Lone Ranger.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist, ja, Robert Binsky ist kein guter Regisseur. Ach man.
Johannes Franke: Ich fand auch die Voraussetzungen so schön, weil Gore Verbinski nach Fluchtergärmik da irgendwie mal was mit Kleineres machen wollte.
Florian Bayer: Ja, ist ihm gelungen.
Johannes Franke: Na ja, man, Flur.
Florian Bayer: Lars, mich ein bisschen haten, der Film hat einen fucking Oscar gewonnen.
Johannes Franke: Hat der?
Florian Bayer: Ja, bester animierter Spielfilm 2012.
Johannes Franke: Ja, siehst du, also.
Florian Bayer: Ja, aber, ja. Die Musik von Hans Zimmer ist gut.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Gut, das war Platz 1, unbestritten und du bist völlig meiner Meinung. Schließen wir diesen Teil und gehen zurück in unseren Film.
Florian Bayer: Das war
Johannes Franke: Unsere Top 3.
Florian Bayer: Ich finde ja tatsächlich, Gore Verbinski ist so ein bisschen Tim Burton für Arme.
Johannes Franke: Wir haben das Thema abgeschlossen, Plur.
Florian Bayer: Aber Tim Burton in den 2000er Jahren ist auch so ein bisschen Tim Burton der 90er Jahre für Arme.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ich glaube, ein Tim Burton der 2010er Jahre ist ein Tim Burton der 2000er Jahre für Arme.
Johannes Franke: Oh Gott, das ist ein böser Abstieg. Oh nein.
Florian Bayer: Und Big Fish ist okay. Das ist ein okayer Film.
Johannes Franke: Big Fish ist ein Film, ja?
Florian Bayer: Nein, er ist okay. Er ist wirklich okay. Er ist halt so gut inszeniert, dass er mich an einigen Momenten wirklich ganz gut emotional einfangen kann. Er ist echt gut inszeniert. Das haut vieles raus.
Johannes Franke: Ich kann total verstehen, warum ich ihn in guter Erinnerung hatte. Volle Kanne. Dass ich vielleicht damals noch ein paar Sachen nicht so gesehen habe oder das nicht so meine Themen waren, die jetzt heute meine Themen beim Gucken sind. Insofern kann ich total nachvollziehen, warum man den Film mag und was da drinsteckt und woran man Spaß hat. Und was man daran liebt, was ich auch weiterhin liebe und was ich total schön finde und weswegen ich den Film weiterhin empfehlen würde. Weil er einfach wirklich, wie du sagst, inszeniert einfach so gut ist, dass man sich da reinfallen lassen kann. Ich werde nur halt immer wieder rausgerissen, wenn ich dann wieder diesen selbstverliebten Idioten sprechen höre.
Florian Bayer: Das macht vieles kaputt. Das macht es auch wirklich schwer. den eigentlich schönen, fantastischen Episoden zu folgen, dass immer wieder dieser arrogante Sack da rumläuft. Und Ewan McGregor ist cool. Ein toller Schauspieler. Das Problem ist halt wirklich, was diese Rolle, die er spielt. Hättest du so eine Top 3 von Burton-Filmen? Das hätten wir natürlich auch machen können. Ich glaube, wir haben beide genug Burton-Filme gesehen, um... um irgendwie so eine Top-3-Börten zusammenzustellen. Ich müsste jetzt auch so ein bisschen jonglieren, um das zu finden.
Johannes Franke: Ja, also... Lass uns das probieren. Warum nicht?
Florian Bayer: Warum haben wir nicht Top 3 Burton gemacht? Das hätte vielleicht viel besser gepasst zu dieser Episode.
Johannes Franke: Lass uns mal gucken. Ich habe leider Pee-Wee's Big Adventure nicht gesehen.
Florian Bayer: Habe ich auch nicht gesehen, aber Pee-Wee ist auch eher so ein amerikanisches Phänomen. Also Kinder in Amerika kennen den. Ich kenne den gar nicht.
Johannes Franke: Lass uns das machen, komm. Wir geben uns ein paar Minuten und schalten die Haar ab und dann geht's wieder raus.
Florian Bayer: Achtung! Da sind wir wieder. Bei Audio kann man nicht so coole Transitions machen wie beim Film, weißt du? Beim Video hätte ich jetzt irgendwie so... irgendwas reingeworfen in die Kamera und dann wäre es zurückgeflogen und dann wären wir wieder da gewesen. Das müsst ihr euch jetzt einfach vorstellen. Moment, ich nehme was auf.
Johannes Franke: Zwei Stunden später.
Florian Bayer: Mein Platz drei. Dein Platz drei.
Johannes Franke: Das Problem ist bei mir, ich habe jetzt fünf Filme dastehen, die ich tatsächlich gut finde und die schwer auseinanderzuhalten sind. Ich würde gerne zwei Honorable Mentions quasi reinwerfen, damit die trotzdem irgendwie angenommen werden. Ich würde Sleepy Hollow, ich mag Sleepy Hollow, ich find's einen guten Film. Auch ein bisschen anders, nicht komplett nur Burton, sondern auch ein bisschen mehr.
Florian Bayer: Ich find's Sleepy Holly ist für mich so der erste Film, wo wirklich Burton Müdigkeit einsetzt bei mir.
Johannes Franke: Sweeney Todd finde ich noch sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Das ist mein Platz 3. Sweeney Todd ist... Ein wirklich starker Film. Ich habe total viel Spaß gemacht. Ich mag dieses Musical einfach. Ich mag dieses Musical. das so nicht so perfekt ist, sondern eher so ein bisschen räudig auch.
Johannes Franke: Ja, es ist sehr schmutzig auch. Ich finde es gut. Und eben sehr dicht gefolgt von Edward Scissorhands.
Florian Bayer: Dem will ich auf Platz 3 setzen. Das ist ja wirklich so ein Klassiker. Habe ich nicht in meiner Liste drin, mag ich. Ist wirklich ein schöner Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: habe ich nicht in meiner Liste drin. Ich glaube nämlich auch, dass diese Ermüdung von Burton hat sich dann auch auf andere Filme übertragen, die ich so als sehr Burton-esque nehme. Und ich finde Edward Sis Starhands ist fast schon so ein Burton-Prototyp. Das ist eigentlich der Film, mit dem alles angefangen hat. Mit dieser Burton-Ästhetik, die man als Burton-Ästhetik versteht. Ich habe auf Platz zwei Batmans Rückkehr. Batman Returns. Total unterschätzter Batman-Film würde ich ganz weit oben platzieren bei meinen liebsten Superheldenfilmen. Echt cool, düster, auch kitschig, auch bunt, total Burton. Macht einfach Spaß. Das ist mein Platz zwei, genau.
Johannes Franke: Ich würde auf Platz zwei Ed Wood setzen. Ed Wood ist einfach ein ganz großartiges, fast schon Abenteuerfilm. was der alles macht, um irgendwie Filme zu machen, weil er Filme liebt. Und ich finde es ganz toll, wirklich.
Florian Bayer: Eine der besten Schauspielleistungen von Johnny Depp, würde ich sagen. Ja, auch exaltiert, also wirklich voll exaltiert, aber der Tod war glaube ich auch so.
Johannes Franke: Ja. Das stimmt wohl.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist Beetlejuice.
Johannes Franke: Okay, ja.
Florian Bayer: Absolut. Beetlejuice, Beetlejuice, Beetlejuice. Was für ein fantastischer Film.
Johannes Franke: Ja, habe ich jetzt vergessen, in Listerrein zu tun. Verdammt, auchmals eins ist bei mir der Kurzfilm. Der erste Kurzfilm, den Tim Burton gemacht hat. Winston. Sein erster Film war der beste Film und danach ging es back up.
Florian Bayer: 1982. Ey, du bist der Burton-Fan von uns beiden. Du musst ihn verteidigen.
Johannes Franke: Ich bin kein Burton-Fan. Ich bin voll deiner Meinung, dass Tim Burton einfach nach einer gewissen Weile einfach zu doll, nicht wie Wes Anderson. Wes Anderson hat es geschafft, das auf einem guten Niveau zu halten, während Tim Burton angefangen hat es so auszuschlachten und so zum, weiß ich nicht, ne es funktioniert nicht mehr, über die Jahre nicht mehr.
Florian Bayer: Bei Burton ist halt auch so ein Mitproblem, dass seine Ästhetik voll Mainstream geworden ist in der Zeit. Und er hat die einfach weitergemacht dann, also so Anfang der 2000er, als dieser Emo-Hype war. Ja. rosa mit einem toten Kopf drauf. Das war so voll Burton. Oder schwarz mit rosa Punkten. Und wir hatten das einfach durch die 2000er weiter durchgezogen und hatte voll den Erfolg auch damit. Und dann hat er das aber halt auch Immer noch weiter durchgezogen, als der Zug ist abgefahren.
Johannes Franke: Und hat es vor allem noch mal noch eine Schippe draufgelegt und noch eine Schippe draufgelegt. Irgendwie, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Ach ja, ach Tim.
Johannes Franke: Gut, haben wir ein Fazit, haben wir ein Urteil. Ja, ist okay.
Florian Bayer: Ich glaube, Ich glaube, ich habe das Urteil schon gesagt. Wenn ich ihn in meinen Top-Burton-Film platzieren müsste, wäre er tendenziell eher ein bisschen weiter oben. Ja. Burton hat Filme gemacht, die ich deutlich weniger mag, so wie Planet der Affen, so wie... Sowie auch Sleepy Hollow, auch Mars Attacks. Burton hat aber auch einige Filme gemacht, die deutlich besser sind, wie eben Atwood oder meine Top 3. Okay.
Johannes Franke: Ich gebe ihm drei von fünf Tall Tales.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Würde ich sagen. Ähm... Weil er einfach tatsächlich das Thema toll aufnimmt, aber eben leider die Schwächen, dass er nervt. Der Typ. Um das zu kondensiert mal zu sagen, das ist das Ding.
Florian Bayer: Es gibt so ein, zwei emotionale Momente, die richtig stark sind. Das ist eben das Ende. Das Ende ist so geil. Die letzten fünf bis zehn Minuten sind fantastisch.
Johannes Franke: Aber dass sie fantastisch sind, liegt auch daran, dass er es sich irgendwie doch verdient hat über den Film. Sonst funktioniert so ein Ende nicht. Also er muss was richtig gemacht haben auf dem Weg dahinten.
Florian Bayer: Ja, irgendwie schon.
Johannes Franke: Also, naja.
Florian Bayer: Es hat halt Spaß gemacht auch. Es ist halt ganz viel was so, aber es macht trotzdem Spaß. Ich meine, egal wie wie unsympathisch dieser Edward ist, den wir sehen. Dieser arrogante Scheißer. Es macht einfach Spaß, seinen Abenteuern und Räuberpistolen zu folgen.
Johannes Franke: Tja, was lernen wir daraus? Sollten wir mehr Räuberpistolen in unserem Leben unterbringen, sollten wir das Wort Räuberpistole öfter benutzen?
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Viel mehr das Wort Räuberpistole benutzen, viel mehr Räuberpistolen im Leben anwenden. Allerdings nicht die scharfen, echten, sondern nur die im übertragenen Sinne.
Johannes Franke: Gut, dass du das dazu gesagt hast.
Florian Bayer: Sonst müsst ihr ins Gefängnis, weil das hier in Deutschland nicht geht. In Amerika geht es, dank des amerikanischen Traumes. Da spielen Maffen eine große Rolle. Irgendwas noch vom Ku Klux Klan und damit verabschiede ich euch. Das war toll mit euch. Das war toll mit dir, Johannes. Vielen Dank.
Johannes Franke: Flo wird jetzt auswandern. Okay, ja, es war sehr schön. Vielen Dank, Plot, dass du den Film geguckt hast.
Florian Bayer: Ja, danke, dass du ihn mir gegeben hast und dass ich über Burton herziehen durfte. Und dass du mit gemacht hast. Das war echt das Win.
Johannes Franke: Das Highlight deines Jahres.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn ihr wissen wollt, was ich Johannes nächste Woche gebe, irgendwas Gutes, um mich zu revanchieren. Es wird schrecklich werden. Positive Verstärkung.
Johannes Franke: Ja, okay. Euch da draußen, vielen Dank, dass ihr dabei wart und dass ihr jede unserer Episoden hört. Es gibt ja inzwischen 140. oder sowas.
Florian Bayer: Ja, wir sind bei 140.
Johannes Franke: Uiuiui. Dann Prost auf die nächsten 140. Bis dahin.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Ciao. So, was haben wir denn für nächste Woche Plur?
Florian Bayer: Also ich wollte nochmal in die Zeit schön weit zurückreisen und ich glaube, wir sind mit unserer Hitchcock-Reise noch nicht fertig. Wir haben ja zwei oder drei Hitchcock-Filme schon besprochen. Und ich würde gerne mal einen Hitchcock machen, den ich noch nicht gesehen habe.
Johannes Franke: Wir werden nie fertig werden mit dieser Hitchcock-Reise. Das ist schon... Und wenn es einen Regisseur gibt, bei dem wir irgendwann fertig sind, dann tut mir das sehr leid für den armen Regisseur. Das ist eine traurige Sache.
Florian Bayer: Ähm, ja. Ich dachte mal wirklich weit zurückreisen. Und ich kenn mich mit alten Hitchcocks nicht gut aus. Ich kenn vor allem die Filme aus einer Stummfilmzeit nicht. Und wie ich jetzt gerade gesehen habe, Gelesen habe gilt der Mieter The Lodger aus dem Jahr 1927. Oh mein Gott. Als sein erster richtiger Hitchcock-Film. Er hat davor schon zwei Filme gedreht, die aber ... nicht so erfolgreich waren oder nicht richtig, das erfahren wir dann alles nächste Woche. Da muss ich auch noch mal ein bisschen recherchieren. Auf jeden Fall ist The Lodger 1927, war sein erster großer Erfolg und hat dann auch dazu geführt, dass die zwei Filme, die er da vorgedreht hat, auch mehr Aufmerksamkeit gekriegt haben.
Johannes Franke: Die Hälfte unserer ZuhörerInnen wird wahrscheinlich gerade hinten überkippen und sagen... 1927 und Hitchcock, was ist hier los?
Florian Bayer: Ach komm, wir hatten schon ältere Filme.
Johannes Franke: Nein, aber ich meine, nicht wegen des Alters, sondern dass Hitchcock 1927 Filme gemacht hat, weil wir kennen die ganzen 50er, 60er, 70er Jahre. Das ist krass, ne?
Florian Bayer: Der Mann ist schon so lange unterwegs. Wahnsinn. Unglaublich. Der hat wirklich viele, viele, viele Filme gedreht.
Johannes Franke: Habe ich gerade in den 70ern gesagt, stimmt das?
Florian Bayer: In den 70ern hat er glaube ich auch noch gedreht, so seine Spätwerke. Aber ja genau, bei Hitchcock haben wir einfach 50 Jahre Filmgeschichte vor uns.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Und ich glaube, das ist gut, um das Puzzle weiter zusammenzusetzen. Und Hitchcock ist immer eine Reise wert.
Johannes Franke: Ich glaube, ich bin dir sehr dankbar für diesen Vorschlag. Es ist toll. Ich mag die Zeit ja sowieso, aber dann auch noch Hitchcock. Ich habe ja sonst nur die Comedys gesehen aus der Zeit. Geil.
Florian Bayer: Ja, es wird auf jeden Fall spannend. Ich freue mich sehr.
Johannes Franke: Okay. Sehr schön. Dann bis dann. Schöne Woche noch.
