Episode 146: Victoria – One Shot Gimmick oder zurecht junger deutscher Kultfilm?
In dieser Episode reden wir über einen der jüngsten deutschen Kultfilme, Victoria aus dem Jahr 2015, dessen 140 Minuten in einem einzigen Take, ohne Schnitte, gedreht wurden. Handelt es sich dadurch bei Sebastian Schippers Werk um einen reinen Gimmick-Film oder hat er mehr zu bieten als seinen beeindruckenden Entstehungsprozess? Dem gehen wir auf den Grund, während wir über Berliner Nächte, Improvisationskunst, glaubhafte Charaktere und Coolness im deutschen Film plaudern.
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 146: Victoria – One Shot Gimmick oder zurecht junger deutscher Kultfilm? Publishing Date: 2023-10-18T15:28:23+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/10/18/episode-146-victoria-one-shot-gimmick-oder-zurecht-junger-deutscher-kultfilm/
Johannes Franke: Das ist so ein ganz spannender Prozess. Ich stelle mir das so geil vor, weil du wie so ein Maler vor einer Leinwand stehst und da noch einen Strich und da noch einen Strich und dann am Ende feststellst, da fehlt noch ein Blau, genau an der Stelle. Das war voll Bob Ross. Herzlich willkommen, ihr da draußen und du hier, Plur, zu einer neuen Ausgabe des...
Florian Bayer: Muss man sehen, Podcast. Auch ein herzliches Willkommen von mir. Hallo Johannes, schön dich wiederzusehen in deiner Küche. Ja, immer noch die gleiche Küche, sowas. Immer noch die gleiche Küche und immer noch die gleiche Teekanne?
Johannes Franke: Du fielst schon die ganze Zeit auf den Tee. Ja, okay, du kriegst Tee, wenn du möchtest.
Florian Bayer: Ich habe so einen trockenen Mund. Danke, Johannes. Ja, hallo und herzlich willkommen. Wir reden heute über Viktoria aus dem Jahr 2015, den ich Johannes vorgeschlagen habe, den Johannes auch davor noch nicht gesehen hatte, wenn ich mich richtig erinnere.
Johannes Franke: Richtig, ich habe diesen Film noch nie gesehen und es gibt auch eine Geschichte dazu, aber erst muss ich dir den Tee zu Ende eingießen. Danke dir. Gott sei Dank. Es gibt eine Geschichte dazu und zwar... Keinen Zucker? Oh Gott, ja, okay, Plur, es gibt auch Zucker. Wir sind ein bisschen das alte Ehepaar geworden, das wir letzte Woche besprochen haben. Ich mache das schon, Plur, kein Problem. Kannst du bitte die Tasse auf den Coaster stellen? So, wie viele Löffel hättest du denn gerne? Zehn? Dankeschön. Okay. Soll ich dir einen Löffel geben, damit du umrühren kannst oder geht das so? Der Zucker muss immer unten liegen bei dir. Ja, perfekt. Früher war es süßer. Früher war es mehr Lametta. Okay, gut. Also, es gibt eine Geschichte zu diesem Film, wie ich ihn erlebt habe, beziehungsweise nicht erlebt habe, weil ich mir habe reinreden lassen. Als dieser Film rauskam, war ich gerade bei Dreharbeiten mit einem Regisseur, dessen Namen ich jetzt nicht nennen werde, der damals sagte, ach, kannst du skippen, der Film, das lohnt sich. Dieses ein einziges Gimmick, das haben auch viele andere Leute vorher schon gemacht, die ruhen sich da jetzt darauf aus, das lohnt sich nicht. Guck lieber was anderes. Und dann habe ich gedacht, okay, dann gucke ich halt lieber was anderes, was soll's. Es gibt so viele Filme, die man sehen muss. Und habe ihn seitdem nicht gesehen und als Gimmickfilm abgespeichert. Wie hast du diesen Film wahrgenommen als erstes?
Florian Bayer: Man kann ja über diesen Film nicht reden, ohne über sein großes Gimmick zu reden, was allein schon schuld der Produktion und auch der ganzen Beteiligten des Films ist, weil das einfach immer Thema war und weil das auch benutzt wurde, um diesen Film zu promoten. Also, hauen wir das einmal erstmal raus. Ja, das ist ein One-Take-Film. Sebastian Schipper hat 140 Minuten mit nur einer Kamera, und zwar geführt von Sturla Brandkrölen, einem norwegischen Kameramann, diesen Film gedreht. Es gibt drei Versionen, die dritte hat dann endlich geklappt und es gab das Failover, eine geschnittene Version zu veröffentlichen, wenn die dritte Version auch nicht funktioniert, weil das Geld wurde dann knapp. Das war wirklich der letzte Versuch. Zumindest will es die Legende so. Insofern, ja, natürlich habe ich diesen Film, ich bin, als ich ihn geguckt habe, habe ich ihn geguckt wegen des Gimmicks. Der Film hat mich wegen seines Gimmicks neugierig gemacht. Okay. Ich habe mehr rausgekriegt als dieses Gimmick. Ich habe viel mehr aus diesem Film gewonnen, aber natürlich spielt das Gimmick dabei auch eine Rolle. Ich glaube, es gibt sehr viele Filme, die sowas machen, irgendwie so eine Besonderheit haben und die, bei denen man das Gefühl hat, es trägt ästhetisch zum Filmgenuss bei, aber es gibt dem Film inhaltlich nicht mehr. In dem Fall würde ich sagen, es ist ein bisschen anders. Da funktioniert das Gimmick nicht nur, um den Film zu promoten und nicht nur, um ihn als technisches Meisterstück zu sehen, sondern auch, um ihn inhaltlich gewinnen zu lassen. Aber keine Ahnung, wie siehst du das denn?
Johannes Franke: Das Schöne ist, dass der Regisseur ja sehr redselig war danach und sehr viel darüber geredet hat, wie dieser Film entstanden ist und warum der Film entstanden ist und was seine ersten Gedanken waren dazu und so. Und auch den Prozess beschrieben hat. Und er hat selbst gesagt, dass die geschnittene Version, die sie zwischendurch auch hatten, um zu schauen, wie würde das funktionieren, katastrophal war. Grausam. Nicht anzugucken. Gleich verbrennen und wegsperren.
Florian Bayer: Und das war der Plan B, ne? Er wusste, das Ding wird veröffentlicht, wenn es nicht klappt.
Johannes Franke: Genau. Entsprechend hoch war der Druck, dass der dritte Take wirklich klappen muss. Und das gibt einen kleinen Hinweis darauf, dass dieser One-Take essentiell für den Film ist. Dass sozusagen durch die geschnittene Variante die ganze Essenz des Films, der Charme des Films und die Intensität des Films verloren geht.
Florian Bayer: Sebastian Schipper hat ja auch gesagt im anderen Gespräch, dass er hätte den Film auf jeden Fall veröffentlicht geschnitten. Er hätte, war ich ihm ein bisschen dankbar dafür, dass er das so gesagt hat, weil ich glaube, also nehmen wir mal diesen Take, den wir jetzt haben. Würde man das mit Schnitten machen? Ich glaube, es würde trotzdem funktionieren. Ich glaube, das würde auch ohne Gimmick klappen. Ich weiß nicht, wie diese geschnittene Variante aussieht, die sie da vorgetreten haben. Ich kann mir vorstellen, dass die Mist ist. Also da war ja ziemlich eindeutig. Aber das, was ich hier an Bildern sehe, teilweise ist es so rasant inszeniert, dass es sich anfühlt wie ein Schnitt. Also es fühlt sich gar nicht wie so ein, es fühlt sich nicht so sehr wie One-Take an, wie zum Beispiel Cocktail für eine Leiche von Hitchcock. Das ist auch ein gemeines Beispiel. Der Fake, der da noch nicht mal ein echter One-Take ist. Ich glaube, das würde auch mit Schnitten funktionieren, weil es gibt einfach diese Nähe, die natürlich dem One-Take geschuldet ist, dass der Kameramann die ganze Zeit den Schauspielenden hinterherlaufen muss. Aber diese Nähe würde auch mit Schnitten bestehen bleiben. Und wenn jetzt zum Beispiel aus dem Nachtclub ein Schnitt weg wäre mal, ich glaube, es würde dem Film nicht schaden. Also insofern ja, das Gimmick ist natürlich wichtig für die Intensität des Films, aber eher in der Entstehung und weniger in der Veröffentlichung.
Johannes Franke: Da bin ich anderer Meinung, aber ich würde dem Film nicht anlasten, dass das Gimmick dafür verantwortlich ist, dass der Film überhaupt erst funktioniert oder überhaupt erst zu einem Film wird. Das würde nämlich bedeuten, dass die Story und das Schauspiel und alle anderen Gewerke, die daran beteiligt sind, nur Müll gemacht haben. Und dass das Gimmick das alles tragen muss. Das stimmt ja nicht. Aber ich glaube, dass dieser One-Take doch ganz, ganz stark uns reinzieht als Zuschauer. Und durch diese Sogwirkung, die der Film entfaltet, durch diesen One-Take, kommen wir in viele Situationen rein, die wir vielleicht in einer geschnittenen Version dem Film nicht abnehmen würden.
Florian Bayer: Ja, also ich glaube, Authentizität ist ganz wichtig. Auch weil man merkt, dass in diesem, es ist dieses Bühnending, die Schauspieler und Schauspielerinnen merken, machen auch Fehler, verhaspeln sich und müssen das dann irgendwie ausgleichen. Das ist ja das, was viele sagen, die Theater sehr schätzen, was Theater so lebendig macht. Kein Abend ist wie der andere und es können Fehler passieren. Und dann ist es die Aufgabe der Leute, die auf der Bühne stehen, damit umzugehen. Und wir haben diese Momente auch in diesem Film, wo es natürlich auch sehr gut zu den Rollen passt, dass sie so ein bisschen schnottrig sind und so ein bisschen daneben manchmal. Aber es gibt halt einfach Momente, wo Frederik Laus sich verhaspelt, wo er Sachen sagt, die einfach keinen Sinn ergeben und sich dann korrigiert, aber das halt in seiner Rolle macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und das macht es auch nochmal ein Stück lebendiger.
Johannes Franke: Wobei ich behaupten möchte, dass du nicht auseinanderhalten kannst zuverlässig, was tatsächlich ein Fehler ist und was wirklich wichtig für die Figur ist.
Florian Bayer: Was ist ein Fehler von Sonne und was ist ein Fehler von Frederik? Und es fließt ineinander über zwölf Seiten.
Johannes Franke: Okay, Elephant in the Room. Wir haben zwölf Seiten Drehbuch, mehr nicht. Es gibt einfach keine ordentlichen Dialoge, die aufgeschrieben wurden. Es gab Dialogfetzen darin, aber vor allem, um zu illustrieren, dass das Englisch, was die sprechen, doch recht, naja, schlecht ist. Und wie das einfach so ein paar Straßenjungs in Berlin 2015 einfach drauf haben. Ja.
Florian Bayer: Aber wenn ich mich so zurückerinnere, wenn ich als 20-Jähriger irgendwie auf irgendwelchen Studentenpartys waren und getrunken habe, dann klang mein Englisch genauso.
Johannes Franke: Ganz genauso. Ganz, ganz genauso. Meins auch. Absolut. Und ich finde es so geil, dass sie das wirklich so gut repliziert haben. Frederik kann tatsächlich ein bisschen ein besseres Englisch als das, was er da im Film sagt. Und ich finde, dass er das, ohne draufzudrücken, einfach runterbricht auf das, was es einfach ist, wenn man in seiner Lage ist. Street-Englisch.
Florian Bayer: Ja, aber um ganz kurz zum Drehbuch zurückzugehen. Wunderschönes Gespräch. Sebastian Schipper und Laia Costa sitzt daneben. Und Sebastian Schipper sagt, und dann habe ich festgestellt, die haben das teilweise nicht gelesen. Und Laia Costa daneben, unsere Hauptdarstellerin, ich habe es nicht gelesen.
Johannes Franke: Die hat das Ding, es gab ja eine deutsche Version davon, zwölf Seiten deutsche Beschreibung für Produzenten, für Präsentationen hier und da und auch, um sich selbst klar zu werden, was man da macht. Diese zwölf Seiten wurden in drei Seiten englische Übersetzung gequetscht für Laia Costa. Ja. Und auch die hat sie nicht richtig gelesen. Das heißt, dass auch tatsächlich viele Sachen am Drehort selbst bei den Proben erst klar wurden. Und natürlich, was noch dazu kommt, durch Improvisationen und Annäherungen an die Figuren der Schauspieler und so weiter, auch in der Geschichte sich vieles verändert hat.
Florian Bayer: Es hat sich vieles verändert. Der Banküberfall, der Grund für den Banküberfall, der war offensichtlich im Original gar nicht angelegt, sondern hat sich später bei den Dreharbeiten entwickelt.
Johannes Franke: Beziehungsweise in der Probenphase, in der sie noch nicht gedreht haben. Sie haben ja heiße Proben gemacht. Das heißt, sie haben tatsächlich Kamera immer mitlaufen lassen, wenn sie wirklich geprobt haben. Allerdings gab es vorher noch eine zweiwöchige Phase, wo sie nur geredet haben, wo sie einfach zusammengesessen haben und geredet haben, was sind das für Figuren, was wollen die vom Leben, wo kommen die her, wo wollen die hin und was soll das alles. Und irgendwann hat Freddy, wie sie ihn alle nennen, Frederik Lau. Er ist auch ein Freddy. Hat angerufen und hat gesagt, Leute, so wie es jetzt ist, ich würde niemals eine Bank überfallen und ich kann einfach mir gerade nicht vorstellen, wie aus dem, was wir bis jetzt haben, ich die Entscheidung treffen würde, als Sonne wirklich diese Bank zu überfallen. Wir müssen darüber nochmal reden. Und dann haben die sich ins Auto gesetzt, haben irgendwie die Leute zusammengerufen. Das ist wohl öfter vorgekommen, dass die einfach nur die Leute zusammengerufen haben, ganz spontan und gesagt haben, komm, wir fahren jetzt zu Freddy rüber und setzen uns nochmal hin und reden und reden und reden und reden und reden. Und dann sind eben einfach die Sachen nach und nach entstanden darüber, dass man über Motivationen der Figuren redet und überlegt, was würden die machen und was würden sie nicht machen. Und noch nicht mal die Dialoge festzulegen, sondern nur zu sagen, was passiert und warum.
Florian Bayer: Die Menschen, die wir hier sehen und natürlich, sie haben, ich meine, hey, sie hatten nur drei Drehtage. Ja. Und im Idealfall hätten sie sich wahrscheinlich nur einen Drehtag gewünscht. Und klar, dann gibt es halt einfach, das kann man dann kompensieren, indem man sagt, okay, wir haben nicht so viele Drehtage, dann lasst uns mal eine ausgedehnte Probenzeit machen und ja, eine ausgedehnte Kennenlernzeit und um die Charaktere zu verstehen und um alles zu arrangieren. Es gibt, auf YouTube findet man eine verwackelte Handy-Kamera-Aufnahme von irgendeinem Anwohner vom Dach, der eine dieser Proben offensichtlich filmt. Oh. Es ist definitiv nicht unser Final Cut und ich glaube, es ist auch keiner von den früheren Takes. Ja. Weil es ist Boxer, also beziehungsweise Franz Rogowski, der den Boxer spielt, hat da noch Haare und es ist am helllichten Tag, wenn ich das richtig sehe und zwar die Szene, wenn sie von der Polizei wegrennen und sich die Schießerei mit der Polizei in diesem Innenhof liefern.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Und müsst ihr mal gucken auf YouTube, wenn ihr Viktoria-Dreharbeiten oder so eingibt, dann findet ihr so ein verwackeltes Handy-Video von einem der Anwohner, der offensichtlich gesagt hat, oh geil, ich halte mal die Kamera drauf, was sie da unten machen. Ist ganz spannend, weil man sieht auch in diesem Ein-Minüter, Zwei-Minüter ganz gut, was der Kameramann machen musste da, was der leisten musste, der die ganze Zeit hinterher krabbelt, hinterher rennt, hinterher springt. Wahnsinn. Und es verdeutlicht nochmal ganz gut, wie sehr die Vorbereitung da eine Rolle gespielt hat, wie wichtig die war.
Johannes Franke: Ja. Es ist ja tatsächlich nicht so, wie man sich das dann vielleicht vorstellt, wenn man nie mit Dreharbeiten zu tun hat oder sowas und dann hört, die improvisieren den Film, dass man sich einfach trifft und sagt, okay, wir gehen jetzt von der Szene zu der Szene und improvisiert mal und macht mal irgendwie Dialoge und irgendwas wird sich schon ergeben, sondern es ist so wahnsinnig viel Vorbereitung und so viel Überlegung für Motivation. Warum macht wer was und wie kommen wir zu diesem Banküberfall? Wie vorhin schon gesagt, dass man wirklich darüber redet, was ist die Motivation, warum sollte ich das überhaupt tun? Und Lücken zu füllen, die in einem zwölfseitigen Drehbuch einfach da sein müssen, weil es sind nur zwölf Seiten. Ja, das ist kein Drehbuch. Das ist keine Skizze. Und natürlich haben die auch in der Vorbereitung, während sie diese zwölf Seiten geschrieben haben, schon wahnsinnig viel Recherche gehabt. Sie haben sich Leute rangeholt und sie haben nicht erzählt, wie sie es geschafft haben. Das sollte wohl ein Geheimnis bleiben, weil es gefährlich sein könnte, das zu erzählen. Sie haben Bankräuber gefunden, die ihnen erzählt haben, wie der Banküberfall aussehen würde. Die Probeszene unten in diesem Parkhaus, die ist heavily influenced von Bankräubern, die erzählt haben, wie das funktioniert. Und der eine Typ fragt ja, wer macht die Ansagen bei euch? Und das ist eine ganz, ganz klare Regel bei solchen Banküberfällen. Wer macht die Ansagen? Es muss ganz klar sein, dass auch jeder in dieser Bank versteht, was gewünscht ist und damit das möglichst in einer kurzen Zeit passieren kann. Und ganz viele solche Sachen und so ganz, ganz viele Kleinigkeiten auch, die dann wiederum nicht dazu geführt haben, dass man Text festgelegt hat, weil das die Authentizität wieder eingebüßt hätte, aber festgelegt hat, welche Informationen vermittelt werden müssen. Ja. Und es ist trotzdem also alles minutiös geplant und genau abgeklopft auf Plausibilität und so weiter.
Florian Bayer: Es ist ähnlich wie beim Free-Jazz. Menschen, die sich nicht gut mit Jazz auskennen oder mit Free-Jazz, ich bin jetzt auch kein Experte auf dem Gebiet, denken oft Free-Jazz würde bedeuten, einfach nur Chaos, jeder spielt was er will, es ist komplett durcheinander. Aber das stimmt ja gar nicht. Es gibt ja Arrangement drumherum, es gibt auch Absprachen unter den Musikern und es gibt natürlich diese freien Improvisationen dazwischen, aber das Grundgerüst muss trotzdem ein sehr stabiles musikalisches Grundgerüst sein und nicht einfach jeder macht, was er will und Schlagzeug und Sachskling machen komplett auseinander, sondern es muss ja auch immer wieder zusammenfließen und es muss ja einfach diese Harmonie im Chaos geben.
Johannes Franke: Ich finde es total geil, dass du das gerade sagst, weil ich als allererstes hier in meinen Notizen stehen habe, es ist a lot like Jazz. Dieser Film ist Jazz und ich finde es total geil.
Florian Bayer: Vielleicht ist der Film auch ein bisschen Techno?
Johannes Franke: Nein, ja, weil das dieses Milieu ist, aber nein, er ist einfach Jazz. Der Film ist volle Kanne Jazz und ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich den Film mag, weil ich sonst mit improvisierten Sachen so meine Schwierigkeiten habe.
Florian Bayer: Hatten wir auch schon ein paar Mal zum Thema. Wir haben vor einigen Episoden über die Impro-TV-Sendung von Anke Engelke und Olli Dietrich gesprochen. Blind Date hieß das Ding. Blind Date, genau. Und da haben wir uns einige Episoden angeschaut und sind wir beide eigentlich ziemlich einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass wir keine großen Impro-Fans sind, dass wir Impro-Theater, ich glaube, ich noch ein bisschen extremer als du, aber dass wir beide nicht so große Impro-Theater-Fans sind und dass schon einiges dazugehört, um Improvisation gelingen zu lassen. Ich glaube, ich tue mich mit Impro-Theater auch oft schwer, weil es auf den Gag abzielt. Das tut dieser Film halt überhaupt nicht.
Johannes Franke: Ja, das ist das Tolle daran, weil alle Leute ihre Figuren total ernst nehmen und es geht nicht darum, irgendwelche Effekte zu erhaschen. Und das führt ein bisschen zu dem, worüber ich wahnsinnig viel gerne reden möchte, nämlich diese Vorbereitung und die Überlegungen, die die beiden angestellt haben, die drei angestellt haben. Wir haben hier drei Drehbuchautoren in Anführungsstrichen, die nur mit Story gecredited sind, nicht mit Screenplay, weil sie einfach nicht die Dialoge geschrieben haben, sondern nur diese zwölf Seiten. Und zwar Sebastian Schipper, der Regisseur, dann Eike Frederik Schulz und Olivia Nergard-Home. Olivia ist eigentlich Editorin, die hätte den Film schneiden sollen, wenn es denn dazu gekommen wäre. Ja. Die hat aber während der Dreharbeiten ganz, ganz viel immer wieder sich die Dailies angeschaut und was habt ihr in den Proben gemacht, weil die ja alle mitgedreht wurden und immer wieder gesagt, ah, ich verstehe diese Figur noch nicht, ich weiß noch nicht, was das soll und warum und wie und wo und hat ganz, ganz, ganz viel Arbeit mit reingesteckt, diese Story wirklich nochmal rund zu machen und während der Dreharbeiten zu klarer zu machen. Und dann gab es in dieser Phase vorher schon so ein Probenskript. Das hatte mit dem, mit der Handlung dieses Films nichts zu tun. Aber sie haben sich gedacht, wir müssen es einmal probieren, ob das geht. Wir nehmen uns ein paar Schauspieler, gehen los, haben drei Seiten Skript, kein zwölf Seiten Skript und drehen einfach irgendwas und gucken, ob das funktioniert. Der erste Versuch ist dermaßen in die Hose gegangen, dass sie gedacht haben, wir geben auf, es geht nicht. Dann haben wir festgestellt, wir haben jetzt so viel Arbeit reingestellt, wir können nicht einfach aufgeben jetzt. Das funktioniert nicht. Wir haben so viele Gedanken da reingesteckt. Wir müssen einen zweiten Versuch starten. Haben sie geguckt, was hat nicht funktioniert und warum hat das nicht funktioniert? Und er meinte, also Sebastian Schipper meinte, beziehungsweise Eike Frederik Schulz in einem Interview meinte auch, dass die zu viel versucht haben reinzubringen. Wenn du so einen improvisierten Film machst, dann haben die sich irgendwo eine Location genommen, haben die versucht, viel zu viel in sowas reinzupacken, viel zu viel zu erzählen und haben so viel Angst vor ruhigen Momenten gehabt, weil es improvisiert ist. Und du denkst, ich muss die Leute ja beschäftigen, ich muss ja irgendwas passieren lassen. Gerade mit so kurzer Zeit.
Florian Bayer: Wenn du nur so zehn Minuten hast, dann denkst du natürlich, okay, jetzt muss aber auch Action sein. Ich habe nicht viel Zeit, meine Charakter auszuerzählen. Die anderen wollen
Johannes Franke: auch mal. Und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber in einem fertigen Film sind es halt auch die ruhigen Momente, die wahnsinnig viel Kraft entwickeln.
Florian Bayer: Ja, total. Ich würde ja sogar behaupten, dass die Momente, die Story transportieren, nicht immer, aber öfter mal auch zu den schwächeren Momenten des Films gehören. Und dass die Momente, wo man das Gefühl hat, dass alle sich frei bewegen in diesem Groove, in diesem Jazz-Groove, dass die eigentlich am stärksten sind. Wo man das Gefühl hat, niemand hat das Gefühl, oh shit, jetzt müssen wir aber dahin kommen irgendwie. Oder oh shit, jetzt muss ich aber noch was droppen von meinem Hintergrund, damit die Leute nachher wissen, was für mich wichtig ist. Und die Emotionen entstehen eigentlich eher so in diesem freien Zusammenspiel. Einfach, wenn sie auf der Straße sind und auf dem Fahrrad sitzen und zusammen lachen und so. Und es gibt ja auch diese paar Momente, wo der Dialog dann komplett überstrahlt wird von der Musik, wo einfach mal Musik läuft. Wo man merkt, das funktioniert jetzt auch extrem gut, einfach ohne überhaupt was zu hören, ohne überhaupt was zu verstehen.
Johannes Franke: Ja. Und genau diese Momente der Ruhe und so haben sie sich dann in einem zweiten Versuch, zweiten Versuchsdreh mit tatsächlich dann auch den Schauspielern, die es dann geworden sind, haben sie es nochmal gemacht. Sie haben sich ein Hotelzimmer genommen und haben dort dann wiederum auch eine ganz andere Story als hier, damit sie sich nichts vorwegnehmen, einen Versuchsdreh gemacht. Und der hat funktioniert. Und der hat vor allem deswegen funktioniert, weil sie im ersten Versuch festgestellt haben, okay, das geht nicht, das können wir nicht machen, wir müssen uns mehr Zeit leisten, wir müssen, wir dürfen nicht zu verkrampft daran gehen, wir müssen nicht versuchen zu performen und so weiter. All diese Sachen. Ja. Und der hat sehr gut funktioniert, offenbar. Und dann war Laia noch nicht dabei, also unsere Viktoria. Die Jungs waren dabei und dann haben sie sich auf die Suche gemacht nach Laia, haben die dann irgendwo in Barcelona gefunden, waren total begeistert von im Casting. Laia Costa, die davor nicht viel gemacht hat, eine spanische Schauspielerin.
Florian Bayer: Aber die hat auch Fernsehen gemacht. Die genau, die vor allem viel TV gedreht hat. Eine von 2011 bis 2012 Bandolera, eine relativ große TV-Serie offensichtlich mit zwölf Folgen. Und dann verschiedene Kurzfilme und noch The Red Band Society. Und den einzigen größeren Kinofilm, den sie auch auf ihrer Vita vor Viktoria hat, war Tenko Ganasdeti von Fernando González Molina. Und sie waren begeistert von ihr und wie kann man nicht von ihr begeistert sein?
Johannes Franke: Sie ist großartig, oder? Das ist eine ganz, ganz, ganz tolle Schauspielerin. Fantastisch. Sie hat so viel Charme und sie zieht so die Sympathien an sich. Es ist unglaublich. Du willst, dass sie alles durchsteht.
Florian Bayer: Und sie schafft es, eine Figur mit einer ungeheuerlichen Ambivalenz zu spielen, die sich so nach und nach er in dem Film offenbart. Weil das Grundgerüst des Skripts, was man so vor sich hat, könnte ja sehr leicht dieses Klischee bringen. Naives Mädchen vom Land wird verführt von bösen Jungs aus der Stadt und gerät so irgendwie in die Scheiße. Aber der Charakter, der Viktoria, wie er letzten Endes im Film vorkommt, arbeitet da so dagegen und sie kriegt so viele Facetten bis zu dem Punkt, wo sie die Kontrolle übernimmt und die sagt, wir machen das jetzt so und dann sogar in diese einen Szenen Sonne ohrfeigt und sagt, jetzt beruhig dich mal, wir müssen das jetzt lösen, das Problem.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dass es nie zu so einer naiven Klischee-Rolle wird, sondern immer genug Facetten besitzt.
Johannes Franke: Auch eine der wichtigsten Entscheidungen, glaube ich, für diesen Film. Auch, es ist evident, auf dem Dach, die Dachszene ist tatsächlich erst sehr, sehr spät, sogar nach dem ersten vollständigen Take erst dazugekommen. Da mussten die noch irgendwie eine weitere Location hinzubuchen.
Florian Bayer: Dass diese Szene, dass diese so wundervolle und so wichtige Szene erst dann dazugekommen
Johannes Franke: ist. Ja. Ich meine, wenn man so einmal komplett durch ist und es einmal komplett gespielt hat und dann sich das anschaut und denkt, scheiße, da fehlt noch was. Das ist so ein ganz spannender Prozess. Ja. Ich stelle mir das so geil vor, weil du wie so ein Maler vor einer Leinwand stehst und da noch einen Strich und da noch einen Strich und dann am Ende feststellst, ah, da fehlt noch ein Blau, genau an der Stelle.
Florian Bayer: Das war voll Bob Ross. Hier noch ein paar schöne Berge. Ganz vorsichtig, wir tupfeln ein bisschen. Und dann macht er so mit so zwei, drei Sachen. Little happy trees. Und es sieht bei ihm immer aus wie Bäume und bei mir sieht es immer aus wie Flecken.
Johannes Franke: Schön. Gott. Ja, das ist der Unterschied zwischen Bob Ross und Pollock. Bei dir. Bei Pollock sollen es Flecken sein. Bei mir sollen es auch Flecken sein. Ja, aber so stelle ich mir das vor. Und so ein ganz inniger kreativer Prozess, den man sonst beim Filmemachen so gar nicht hat. Also ich finde es ganz toll. Also ich könnte ihm die ganze Zeit dabei zuhören, darüber zu reden, weil das so eine schöne Momentaufnahme ist eines kreativen Prozesses. Ja. Und um den Gedanken noch zu Ende zu bringen mit Laia, also mit der Figur Victoria, dass die auf dem Dach diejenige ist, die sich an die Kante wahrt. Sie ist die crazy Person in diesem Fall. Genau, die auch dann da drüber steigt. Ja. Und mir wirklich schlecht wird in dem Moment als Zuschauer. Vor allem, ich weiß es nicht, hatten sie da Sicherheitsvorkehrungen? Ja, ja, da war ein Balkon dahinter. Das war, sie hätten, wenn sie gefallen wären, wären sie auf dem Balkon gefallen. Alles gut. Man hätte sich schon auch wehtun können noch. Ich weiß nicht, ob sie noch irgendwas hingelegt haben. Ich finde es
Florian Bayer: so schrecklich. Und ich kann es da so nachvollziehen, wie ihr da steht und sagt, hör auf, bitte geht
Johannes Franke: da runter. Und sie waren diejenigen, die eigentlich im Knast mal waren und so weiter, ne? Aber sie ist dann diejenige, die immer wieder im Film so kleine Momente hat, wie das auf dem Dach oder andere Sachen, wo man merkt, okay, die sucht den Thrill auch ein bisschen. Ja, total. Auf jeden Fall. Und das ist es so ein bisschen, was mir Viktoria dann auch erklärt und mir dann auch sagt, warum die den ganzen Scheiß überhaupt mitmacht. Das ist nämlich ein großer Kritikpunkt. Ja, ich weiß. Viele Leute, die das nicht verstehen, warum die überhaupt den ganzen Scheiß mitmachen. Und ich finde es so gut und so wichtig,
Florian Bayer: auch dass sie es mit Initiative macht. Ja. Dass es nie den Moment gibt, wo man das Gefühl hat, sie ist gezwungen. Die Jungs würden sie gehen lassen, wenn sie sagen würde. Die Jungs hätten sie auch am Anfang hätten sie nicht mitgenommen, wenn sie gesagt hätte, ich mache es nicht. Es hätte da kein Problem gegeben, die hätten sich gegenseitig angestenkt. Sie haben auch so große Probleme, sie zu fragen, ob sie diesen Wagen
Johannes Franke: fährt. Ja. Ich finde die Szene so, so geil, weil sie immer wieder, nein, wir machen das nicht. Wir ziehen uns wieder zurück und lassen die mal in Ruhe. Und dann erst wirklich, wenn es gar nicht anders geht, fragen sie sie. Ja. Und das auch mit Bauchschmerzen. Viel Vorbereitung, um dann schließlich drei Drehtage zu haben. Version 1. Moment. Moment. Du willst die zehn Drehtage. Zehn Drehtage. Zehn Drehtage zurück. Sie haben den Film in zehn Teile geteilt, um dann diese zehn Teile jeweils an dem Tag zu proben. Ist einmal durchgedreht, also gehen wir zurück und machen es nochmal. Und sie haben jedes Mal die Kamera mitlaufen lassen, um dann aus diesen Sachen den fertigen Film noch schneiden zu können, falls es mit dem One-Take nicht funktioniert. Wer ist schuld,
Florian Bayer: die Geldgeber? Sebastian Schipper hätte überhaupt kein Geld gekriegt, wenn er nicht gesagt hätte, hey Leute, ich habe hier ein Failover. Wenn gar nichts geht, wir kriegen eine geschnittene Variante
Johannes Franke: hin, wenn die One-Takes nicht funktionieren. Und man muss sagen, 443.300 Euro ist nicht viel Geld. Es ist unglaublich wenig. Unglaublich wenig Geld, um sowas hinzukriegen. Für einen Film, der über zwei Stunden geht. Ja. Und sie mussten die ganzen Locations alle zehn Drehtage und drei Komplettdrehtage die ganze Zeit offen halten. Die konnten ja nicht an dem One-Take-Tag dem Club sagen, hier, wir brauchen dich am Anfang fünf Minuten, dann kannst du zumachen. Die wollten ja wiederkommen. Das musste alles da bleiben und auf Halde bleiben. Und auch das Café, das musste die ganzen Tage für die Dreharbeiten da sein. Das ist teuer.
Florian Bayer: Ja. Genau. Und dann haben sie in zehn Drehtagen erstmal diesen Rough Cut gemacht, den Sebastian Schipper als richtig schlecht bewertet hat. Man kann es nicht anders sagen. Er war verzweifelt. Der hat das gesehen und hat gesagt, okay, shit, die One-Takes müssen funktionieren. Und dann haben sie dreimal diesen One-Take gemacht. Der erste, da war Sebastian Schipper offensichtlich unzufrieden, weil die Leute zu verkrampft waren und sich zu sehr an das Erarbeitete gehalten haben, zu wenig improvisiert haben. Es hatte kein Leben. Es war irgendwie, es war nicht, es war, es hatte einfach, es hat so ein bisschen das Gefühl und die Energie gefehlt. Ja. Die Ansage
Johannes Franke: für den zweiten aufgrund der Erfahrung vom ersten war, macht nicht ein Best-of-Rehearsal. Ja. Nimmt nicht einfach das, was schon funktioniert hat. Ja. Woraufhin die beim zweiten Take
Florian Bayer: alle am Rad gedreht haben. Ja. Und alle Regeln über Bord geworfen haben.
Johannes Franke: Laia Costa sagt, das war ihre liebste Version. Ja. Und sie weiß bis heute nicht, warum die nicht genommen wurde, weil sie auch nicht die gesehen hat und einfach nur aus dem inneren Gefühl als Schauspieler, und ich kenne das so gut, gesagt hat, das hat sich so gut angefühlt. Warum haben wir das nicht genommen? Und ich das oft genug erlebt habe, dass ich am Set war und gesagt habe, das fühlte sich sehr gut an. Und der Regisseur dann gesagt hat, ja, sonst mal lieber noch einen machen. Und ich nach dem Take dann vielleicht gesagt habe, es fühlte sich überhaupt nicht gut an. Können wir noch einen machen? Und der Regisseur gesagt hat, nein, das war perfekt. Genau richtig. Und seitdem das immer wieder passiert, denke ich, ich habe einfach, ich kann auf meine inneren Gefühle als Schauspieler überhaupt
Florian Bayer: nicht hören. Ja. Und Schipper hat es auch offensichtlich anders gesehen als Costa. Der war nämlich ziemlich fertig mit den Nerven, als er den zweiten Take gesehen hat. Und auch ziemlich angespannt, weil er wusste, jetzt reicht es nur noch für einen Take. Und dann wohl auch ziemlich wütend. Er hat das auch den Leuten gesagt, mit denen er gearbeitet
Johannes Franke: hat. Leute, so geht es nicht. Ja. Er hat auf den Tisch gehauen. Ja, er hat richtig auf den Tisch gehauen. Und ich will nicht in der Haut der Schauspieler gesteckt haben. Überhaupt nicht. Und man muss dazu sagen, und ich weiß nicht, wie gut das ist, dass er das im Nachhinein immer alles erzählt hat. Aber er hat nur die Jungs zur Seite genommen. Laia hat davon überhaupt nichts mitbekommen. Und er hat auch immer wieder in Interviews erzählt, nein, Laia war bei jedem Take super. Die war großartig. Es hat immer funktioniert, war alles perfekt. Und ich glaube es ihm sofort. Ja, ich auch. Aber die Jungs müssen so freigedreht haben beim zweiten Take. Das ist einfach überhaupt, das ist auseinandergeflogen, das Ding.
Florian Bayer: Kann sich das auch so gut vorstellen. Ich glaube, im dritten sind auch, zu dem wir gleich kommen, sind auch noch genug von diesem Freidrehen. Ja. Moment von diesem Go crazy und jetzt noch mal ein bisschen wilder und jetzt noch mal ein bisschen mehr Action. Versuch Nummer drei nach dieser harten Ansage, die offensichtlich auch was in den Schauspielern ausgelöst hat. Schipper hat gesagt, er glaubt, dass da so eine Wut oder eine Aggression mit reingegangen ist in den letzten Dreh, die wichtig war, die gefehlt hat. Und dann haben wir Take Nummer 3, der gedreht wurde am 27. April 2014 zwischen 4.30 Uhr und 7 Uhr in Berlin-Kreuzberg und
Johannes Franke: Berlin-Mitte. Ja, das muss wohl der perfekte Take gewesen sein. Also, worum geht es in diesem perfekten Take? Wir haben Minute 30 oder was auch immer bei unserem Podcast und wir haben noch nicht erzählt, worum es geht. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das?
Florian Bayer: Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen? Wir müssen
Johannes Franke: den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas. iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt. Also abonnieren und anderen
Florian Bayer: sagen, dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet. Genau, und wenn sie
Johannes Franke: euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn
Florian Bayer: oder sowas. Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder
Johannes Franke: zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Viktoria ist eine Spanierin, die seit einiger Zeit in Berlin lebt und offensichtlich Probleme hat, Anschluss zu finden, beziehungsweise noch keinen Anschluss gefunden hat. Sie tanzt allein in einem Club, versucht ein bisschen mit dem Barmann zu reden, nicht mal zu flirten und wird da ziemlich abgewatschen. Und beim Verlassen des Klubs trifft sie dann auf eine Gruppe von Ur-Berlinern, von Berliner Kleinkriminellen, die wir sehr schnell erfahren, und zwar Sonne, gespielt von Frederik Lau, Boxer, gespielt von Franz Rogowski, Plenka, gespielt von Burad Jigit, und Fuß, gespielt von Maximilian Mauf. Und sie beschließt, mit denen zusammen loszuziehen. Die wollen ihr das echte Berlin zeigen. Sie ziehen um die Häuser und machen das halt, was man nachts, wenn man aus einem Club kommt, in Berlin macht. Sie gehen in Späti, klauen da Bier. Sie gehen in irgendein Haus, wo sie wissen, wie man aufs Dach kommt und setzen sich da aufs Dach und feiern zusammen. Und es beginnt schon so eine kleine romantische Anwandlung zwischen Sonne und Viktoria. Und schließlich sagt sie, ich muss arbeiten, in ein paar Stunden. Wie man das auch in Berlin so macht. Ich gehe jetzt in meinen Café, das ich nachher aufschließen muss und schlafe dann noch zwei Stunden oder so. Und Sonne begleitet sie dann halt noch. Sie sind im Café. Und dann kippt allerdings die Stimmung, wenn Boxer noch wieder zurückkommt mit einem Auto. Und es wird klar, in dem Moment weiß Viktoria noch nicht so genau, was los ist, aber die wollen irgendwo hinfahren. Und eigentlich sollte Fuß fahren, weil er ein ziemlich guter Fahrer ist. Als Kind hat er ein Auto geklaut. Auf jeden Fall sollte er eigentlich Fuß fahren, aber der ist so besoffen und so fertig, dass er nicht mehr fahren kann. Und deswegen brauchen sie irgendwie eine Fahrerin. Viktoria weiß nicht genau, was los ist, aber sagt, Leute, ich helfe euch. Ich fahre euch jetzt dahin. Allerdings führt diese Fahrt in eine Tiefgarage, wo ein Haufen Großgangster warten. Die einfach kleinen Kriminalitzen, die wir haben, die offensichtlich den Boxer noch was schuldet. Er soll für sie deswegen eine Bank ausrauben. Und zwar schuldet er ihnen was, weil er, der Obermacker von diesen Gangstern ihm im Knast Schutz geboten hat. Und deswegen sollen sie jetzt für ihn eine Bank ausrauben. Und Viktoria wird dann eigentlich ziemlich freiwillig, wie wir festgestellt haben, zur Fahrerin, zur Fluchtwagenfahrerin. Sie fährt die Jungs zur Bank, die rauben die Bank aus. Und es geht erstaunlicherweise gut. Wir sehen nichts von dem Bankraub, sondern wir sehen nur Viktoria, wie sie im Auto wartet. Und dann ziehen sie los, um zu feiern. Und aus der sich anbandelnden Romanze zwischen Sonne und und Viktoria wird dann eine richtige Romanze. Allerdings stellen sie dann fest, dass die Polizei das Gebiet abgeriegelt hat und nach ihnen sucht und befinden sich plötzlich auf der Flucht vor der Polizei. Es sterben Menschen. Ja. Und Viktoria ist am Ende allein. Viktoria ist am Ende allein, nachdem Sonne als Letzter gestorben ist von den Berliner kleinen Kriminellen.
Johannes Franke: Und da verlassen wir sie und den Film und wissen natürlich nicht, wie es jetzt mit Viktoria weitergeht. Aber es wird angedeutet, dass sie da rauskommt. Ja. In den kalten Berliner Morgen.
Florian Bayer: Wir haben schon gesagt, dass wir Laia Costa so toll finden. Ja. Ich muss es auch nochmal sagen, ich bin ja schon so ein kleiner Frederik-Lau-Fanboy. Wirklich, ja? Ich mag den total. Ja. Ich sehe den echt immer gerne. Und ich weiß, er ist so ein bisschen, mittlerweile so ein bisschen festgefahren auf die Rolle des Typen, den er da auch spielt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: So der Berliner Kleingangster. Aber er kann auch so viel mehr. Also ich habe ihn vor kurzem gesehen in das Kalte Herz. Das ist, glaube ich, nach diesem Film entstanden.
Johannes Franke: Genau, das hat er direkt danach gedreht.
Florian Bayer: Märchenverfilmung. Spielt er auch ganz großartig. Toller deutscher Märchenfilm übrigens. Kann ich auch nur empfehlen. Schön. Und ich finde, Frederik Lau hat halt einfach, ja, man hat manchmal das Gefühl, er spielt sich auch so ein bisschen selbst.
Johannes Franke: Ja. Entschuldigung, aber das kommt jetzt sehr schnell, aber ja.
Florian Bayer: Aber er hat auch so eine coole Berliner Art und als dieser Berliner Kleinkrimineller, als dieser Sonne, er ist einfach geil. Ich finde ihn wirklich cool.
Johannes Franke: Ja, er ist sehr charmant und man weiß sofort, warum diese Energie entsteht zwischen Laia und Frederik.
Florian Bayer: Und Leute, die im Berliner Nachtleben unterwegs waren, also ich war jetzt nicht der große Clubgänger oder so, aber ich war halt auch irgendwie als Student abends und nachts in Berlin unterwegs und man kennt das. Man trifft Leute auf der Straße und man findet sich irgendwie sympathisch und es kann sowas passieren. Also ich finde es auch glaubwürdig, auch dass sie mit ihnen mitfeiert, dass sie mitgeht. Ja. Es ist, es ist, es fühlt sich nie, es fühlt, also ich hatte nie den Moment, wo ich denke, hä, warum macht sie das jetzt? Warum geht sie mit diesen Gangstern mit, die offensichtlich so gefährlich sind? Sondern es ist einfach natürlich, wie sich das entwickelt.
Johannes Franke: Die Maxime, die die Drehbuchautoren immer, also die Storyautoren immer rausgeben ist, dass jeder Einzelne von der Gruppe nicht besonders vertrauenswürdig ist, aber als Gruppe sind sie irgendwie unwiderstehlich. Ja. Und das finde ich, kommt volle Kanne rüber in den Film. Ja, total. Weil, weil diese Interaktionen und dieses, dieses Spaß haben und dieses Lachen und der eine macht nur seine Bracktance-Moves. Es ist super, es ist eine tolle Gruppe.
Florian Bayer: Ja, voll. Es sind auch wirklich gute Schauspieler, ne? Also Franz Rogowski, der Boxer, auch ganz toll. So gut. Wahrscheinlich die beste männliche Schauspielleistung in dem Film dann doch, wenn man es runterbricht. Also dieser Gebrochene, der irgendwie so eine schwere Last mitschleppt.
Johannes Franke: Ja, das kann sein. Weißt du, was das Schöne ist, was ich ganz toll finde und warum du vielleicht recht hast, dass es die beste männliche Schauspielleistung ist? Im Storybuch von den zwölf Seiten war er eigentlich derjenige, der so die Ansagen machte in der Gruppe, der so das Alpha-Männchen ist, der auch im Knast war, ne? Und so groß. Und jetzt im Film ist er die schwächste Figur. Total. Und eine tragische Figur dadurch und das ist alles dem Schauspieler zuzurechnen, weil der es geschafft hat, der Figur mehr Tiefe und damit mehr Schwäche und damit mehr Tragik zu geben.
Florian Bayer: Ich finde es unglaublich stark, was er sagt zu dem, was er getan hat. Wenn wir langsam erfahren, warum er im Gefängnis war, aber noch stärker, was er nicht sagt. Wie er mit Viktoria redet, also sie fragt ihn, also es kommt halt irgendwie raus, er war im Knast, wenn sie auf dem Balkon sitzen und sie fragt ihn dann, was war los. Und dann windet er sich so und sagt, naja, ich habe jemanden zusammengeschlagen und bricht dann aber auch so ganz schnell ab und sagt, ich bin kein schlechter Mensch. Bitte glaub nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin. Und das ist dieses Weglassen von Informationen, zum einen, weil wir dadurch so einen sehr großen Gedankenspielraum haben, was ist mit dieser Person und einfach über ihn nachdenken können. Aber zum anderen auch, weil es zeigt, wie sehr er leidet darunter, was passiert ist und wie er versucht, irgendwie mit seinem Leben klarzukommen und irgendwie was aus seinem Leben zu machen und einfach dieses Kreuz zu tragen hat, gibt der Figur eine unglaubliche Tiefe, weil er so sensibel wirkt auch in dem Moment. Ja, absolut. Wie so ein verletztes Reh. Du sagst, er ist der Schwächste der Gruppe. Ja, er wirkt ganz wie so ein Reh, obwohl er ja eigentlich der Starke ist. Er ist der taffe Berliner Junge.
Johannes Franke: Ja, genau. Und er schafft es, diese Ambivalenz, dieses nach draußen hin zu versuchen, stark zu wirken, aber eigentlich so dieses Verletzliche, Schwache in sich zu tragen. Wir hätten dann noch Fuß von Max Mauf gespielt, der leider ein kleines bisschen zurückfällt in der Screamtime, sagen wir so, der an sich ein guter Schauspieler ist. Ich bin mir nicht ganz sicher. In manchen Rollen, wo ich ihn sehe, denke ich mir, ja, knapp daneben. Aber in dem Film funktioniert er sehr, sehr gut, aber er hat relativ wenig Screentime und wenig Aufmerksamkeit. Er spielt halt vor allem den Betrunkenen, ne? Ja, das ist ein bisschen das Ding.
Florian Bayer: Es ist ja auch seine Aufgabe, irgendwie so zu spielen, dass seine Betrunkenheit so eskaliert, dass er unfähig sein wird, den Wagen zu fahren. Genau. Und dementsprechend ist er, naja, die ganze Zeit eher so am Wanken und etwas kaputt gucken. Ich mag Max Mauf, also ich bin ja mit deutschen Schauspielern, ich gucke ja so wenig deutsche Serien, deswegen kenne ich die alle nicht so richtig. Maximilian Mauf kenne ich vor allem aus Stromberg, wo er eine ganz kleine Rolle nur hatte. Irgendwann mal einen Praktikanten spielt in irgendeiner Staffel für ein paar Folgen. Also keine große Rolle. Aber daher kenne ich sein Gesicht und er hat halt auch so ein Gesicht, das sich sehr stark einprägt, weil er so sehr auffällige Physikonomie hat. Und ich finde, er passt einfach zu diesem Fuß. Der halt offensichtlich der Nerd der Gruppe ist, aber doch genug Street Credibility hat, dass er einen fucking Fluchtwagen fahren darf. Man kauft es ihm ab und das reicht für diese Figur.
Johannes Franke: Ich finde die Story wirklich sehr, sehr süß, wie er den Wagen mit elf geklaut hat und damit los, also den LKW. Er hat einen LKW geklaut.
Florian Bayer: Und damit losgefahren ist und dann irgendwie aufgegriffen wurde. Und dann haben wir noch Blinker, der, ich finde, der noch fast mehr zurückfällt als Fuß. Der Burak Jigit, der so ein bisschen der Chameur der Gruppe ist am ehesten. Ja. Der aber nicht viel mehr macht, außer ständig zu zeigen, dass sie leise sein sollen, indem er sich den Finger vor den Mund hält.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und immer mal wieder versucht, Viktoria anzuflirten, aber auch eher so halbherzig. Stimmt.
Johannes Franke: Naja, aber ich glaube, dass die beiden ja vor allem in den Gruppensachen dazu beitragen, dass die Gruppe funktioniert. Und das ist, glaube ich, der große Credit, den man den beiden geben kann. Ja. Dass die einfach in diesem Durcheinander, was da teilweise passiert, wer geht vor, wer bleibt zurück, wer geht Bier klauen und wer zeigt nochmal seine Moves. Dass diese Gruppenszenen am Anfang leben einfach auch davon, dass die beiden sehr gut mit dabei sind.
Florian Bayer: Und es ist ein so lebendiges Durcheinander, wenn sie auf der Straße unterwegs sind, weil es auch wirklich, und dann sind sie plötzlich nur noch zu zweit und plötzlich nur noch zu dritten. Dann sieht man, da hinten ist der eine und der macht gerade irgendwas noch. Ja. Und der haut gegen den Wagen, damit die Alarmanlage losgeht. Es ist einfach so ein Gruppen-auf-der-Straße-Chaos.
Johannes Franke: Ja. Und die spielen alle immer mit und weiter. Egal, ob sie jetzt zu sehen sind in der Kamera oder nicht. Vor allem, weil die ja auch nicht wissen, ob die Kamera nicht jederzeit umschwenkt und auf sie geht. Ja. Naja. Über die Kamera reden wir später noch.
Florian Bayer: Ja, müssen wir. Und dann haben wir wirklich diesen Abend, der, obwohl er so chaotisch ist, obwohl er so auch energiegeladen ist und voller Bewegung ist, halt auch sehr viel diese romantischen Momente hat. Diese wirklich schönen, fast schon wehmütigen Momente, wenn einfach dann diese Klaviermusik zu hören ist und wir sehen, wie sie hochgehen auf den Balkon und im Fahrstuhl sind.
Johannes Franke: Also, ich bin sehr, sehr froh gewesen um diesen ersten Einsatz von Musik.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weil ich, am Anfang muss ich sagen, ich hab so nach fünf Minuten das Gefühl gehabt, okay, jetzt, wann hört der Trailer auf? Wann fängt der Film an? Ja. So, das Gefühl schlich sich dann so langsam raus, aber eben erst dadurch, dass auch die erste Musikszene kam. Das wie so eine Montage. Ja. Ohne eine Montage zu haben.
Florian Bayer: Das ist doch krass. Ich hab ganz oft das Gefühl, ich spüre schnell. Es gibt keine Schnitte in diesem Film. Ja. Aber ich kann nicht so negativ. Also, man soll ja den Schnitt nicht sehen. Der Schnitt muss unsichtbar sein. Hier sind keine Schnitte und sie sind sichtbar. Ganz schrecklich. Nein, ich spüre aber so eine filmische Dynamik, die ist, wie wenn ein Schnitt wäre.
Johannes Franke: Genau. Und die Musikszene, es gab irgendjemanden, der im Internet geschrieben hat, dass er das Gefühl hatte, da haben die halt in dem Moment schlechte Sachen improvisiert, also mussten sie die Musik drüberlegen, wo ich denke, boah, du hast keine Ahnung von nix. Und es könnte sogar sein, dass sie sich in dem Moment entschieden haben dafür. Ja, aber es ist timingmäßig genau an der richtigen Stelle. An der richtigen Stelle, auf jeden Fall. Und es ist so wichtig an der Stelle. Und es ist der dritte Take. Natürlich ist das nicht die Stelle, wo die irgendwie dann irgendwelchen Blödsinn erzählt haben. Nein, der Weg dahin ist wichtig und richtig genau für diesen Einsatz von Musik und der Einsatz von diesem Gefühl von Montage zum nächsten Gespräch.
Florian Bayer: Es ist genau der richtige Moment, um den Film dann doch wieder filmig zu machen.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Dass wir nicht das Gefühl haben, dass wir nur diesem Berliner Nachtleben-Chaos beiwohnen, sondern dass wir halt doch in eine Geschichte auch reingezogen werden und in Emotionen reingezogen werden. Und es ist ja auch sehr, sehr klar gesetzt vor diesen zwei großen emotionalen Momenten, vor den ersten zwei großen emotionalen Momenten. Und zwar Viktoria, die auf dem Dach herum balanciert und die Jungs haben Angst davor. Und dann Boxer, der aus seiner Vergangenheit erzählt und mit seiner Knastgeschichte um die Ecke kommt.
Johannes Franke: Ja. Überhaupt, diese ganzen Exposition-Sachen, die überhaupt nicht als Exposition-Dialoge rüberkommen. Ja. Das ist beeindruckend, oder? Also ich verstehe jede Figur, aber wie ich da reinkomme. Manche Filme versuchen dann irgendwie Dialoge herzustellen, um zu sagen, ja, ich war dann da und ich war dann da und ach du mein Schwager, um dann Verhältnisse herzustellen und sowas. So ganz hölzern. Und hier ist es so nebenbei und ich weiß so, natürlich nicht sofort immer alles über alle Figuren, aber es darf wachsen, es darf sich entwickeln und es ist total gut.
Florian Bayer: Es ist gut, dass der Film keine Angst, oder nicht der Film, sondern die Beteiligten keine Angst haben vor trivialem Zeug, das die ganze Zeit dazwischen rumgeschrien wird. Ja, ja. Die pöbeln sich die ganze Zeit an, wir hören so viel alter und dicker und irgendwelches Zeug, was einfach halt so runtergerotzt ist, was keinen Inhalt hat.
Johannes Franke: Welcher Drehbuchautor würde in ein Skript den Satz reinschreiben, ey, wir sind auf einem Zebrastreifen und es kann nichts passieren? Was?
Florian Bayer: Was für ein geiler Satz. Absolute Tiefe. Johannes, analysier diesen Satz bitte für uns.
Johannes Franke: Ich liebe diesen Satz, weil der so aus dem Herzen kommt in dem Moment und ich kann mir vorstellen, dass der Schauspieler den ausgesprochen hat und danach gesagt hat, was habe ich da gerade gesagt? Aber der ist so gut.
Florian Bayer: Ich finde es tatsächlich unglaublich mutig von dem Film, dass er sich traut, wenn er schon, sind wir schon wieder bei der Technik, aber wenn es so ein One-Tech-Film ist, dass er sowas einbaut wie diesen Konflikt, den sie kurz auf der Straße haben, wo so viel schief gehen kann. Bei dem Konflikt auf der Straße, welcher Konflikt? Also sie haben diese Typen, sie pöbeln sich irgendwann mit diesen Typen an kurz. Ach so, ja. Und es ist so eine Szene, wo so viel schief gehen kann und wo ich denke, ey, ihr seid jetzt 15 Minuten im Film drin und das ist so ein Knackpunkt, wo man denken könnte, jetzt könnte was passieren, wo man sagt, okay, wir fangen wieder von vorne an, dass sie sich trauen, so eine Szene da einzubauen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber das sind ganz viele solcher Szenen, wo man denkt, oh Gott, die kommen da nicht rechtzeitig hin. Also Laia hat sich verfahren, ne? Ja. Vom Weg von einem Set zum anderen sitzen sie im Auto und sie muss fahren und dann nimmt sie den falschen Weg und alle so, ne, ne, hier, hier, links, hier, links. Oder rechts, keine Ahnung. Und hinten im Kofferraum sitzt der Regisseur und schreit wild, total verzweifelt, nein, nein, falsch, na, da lang.
Florian Bayer: Und das haben sie irgendwie geschafft rauszuschneiden. Hatten sie irgendwie Kopfhörer oder sowas, wo sie, hatten sie, das weiß ich nicht genau,
Johannes Franke: die hier Anweisung gekriegt haben? Ne, ne, ne, ne, sie haben keine Kopfhörer gehabt, die Schauspieler meinst du. Ne, ne, keine In-Ears oder sonst irgendwas, sondern der Regisseur hat tatsächlich immer wieder, und es ist relativ viel passiert, gesagt, los zur nächsten Szene, ihr müsst wrap up und ihr müsst vom Dach wieder rund und solche Sachen reingerufen tatsächlich. Und das haben sie geschafft, im Audio-Nachbearbeitung dann alles rauszukannen.
Florian Bayer: Es gibt wohl ganz am Anfang diese Szene, ich wollte da nochmal drauf gucken, wo Sebastian Schipper über die Straße geht und sich nochmal Kaugummis aus seinem Auto holt, naja, sieht ihn offensichtlich und registriert ihn auch und es gibt diesen eindeutigen Blick.
Johannes Franke: Aber es ist sehr süß, weil, also ich meine, es erklärt uns als Zuschauer natürlich nicht, dass das der Regisseur ist und dass der jetzt irgendwie, das ist alles in Ordnung.
Florian Bayer: Aber, ich habe ihn ja jetzt zum dritten Mal gesehen, ich habe dieses Mal, obwohl ich weiß, was alles passiert, ich hatte richtig Ängste ständig bei diesen Auto-Szenen, wenn sie ja in Autos ein- und aussteigen, weil ich den Kameramann gesehen habe, wie dieser Kameramann und was für eine scheiß Verantwortung. Du hast diese Kamera geschultert und dann musst du aus dem Auto aussteigen und das irgendwie so, dass das vernünftig aussieht und du darfst nichts gegen Blech stoßen, du darfst die Kamera nicht fallen lassen und es gibt viele von diesen Szenen, es gibt so viele Momente, wo du als Kameramann denkst, nicht stolpern, du musst diese fucking Leiter hoch.
Johannes Franke: Die fucking Leiter, das war so krass und ich habe die ganze Zeit gedacht, okay, die machen irgendwann mal eine Übergabe zu einem anderen Typen. Nein, keine Übergabe. Es war dieser eine Kameramann. Unglaublich. Sie haben mehrere Ton-Crews gehabt, das muss man sagen. Sie haben an verschiedenen Locations, ich glaube drei Stück hatten sie, Leute, die den Ton genommen haben, teilweise eben, also zum großen Teil anscheinend mit einfach geangelt tatsächlich. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass sie überall auch Ton versteckt haben.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich. Ziemlich sicher. Sie haben mit einer Canon C300 gedreht, die jetzt auch keine Handy-Kamera ist, also die ist schon, die ist nicht so eine Riesen-Kamera, aber die ist…
Johannes Franke: Ja, es ist schon, wenn man jetzt so zwei oder drei moderne Digital-Fotokameras zusammen denken würde, dann wird das ungefähr den C300 ergeben.
Florian Bayer: Und dann, also ich finde wirklich gerade so diese Auto-Szenen und teilweise, wie er es schafft, aus dem Auto auszusteigen, ohne dass man das Gefühl hat, da steigt jemand mit einer Kamera aus dem Auto aus, sondern die Kamera folgt den Leuten.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist unglaublich.
Johannes Franke: Ich habe total Angst gehabt, als die da aus dem Taxi ausgestiegen sind und die Straße runtergelaufen sind und den Kameramann im Taxi haben sitzen lassen und ich gedacht habe, wie kommt der denn jetzt raus? Und dann ist der einfach ganz mühelos da am Taxi vorbei und ich dachte, wann ist der ausgestiegen? Ja, genau. Der ist einfach nur, plötzlich ist der Rahmen im Bild und er schwenkt drüber und ich denke, hä, der ist doch gerade noch im Taxi drin gewesen. Ja, es ist wirklich, wow. Unglaublich. Wirklich krass.
Florian Bayer: Und ich kann es nochmal sagen, guckt euch diese Szene auf YouTube an, wo man sieht, wie der Kameramann den Schauspielern hinterherläuft.
Johannes Franke: Das habe ich nicht gesehen, ich kenne es nicht. Ich muss das unbedingt angucken. Krass, Mann. Ja, also wirklich, man guckt den Film und hat den Kameramann als Hauptfigur des Films mit im Kopf irgendwie. Nur wenn man so technisch denkt, wie wir. Ja, das vielleicht schon. Ich weiß nicht, wenn ihr nicht so viel damit zu tun habt, aber diesen Film gesehen habt, mich würde wahnsinnig interessieren, schreibt uns, wie ihr diesen Film wahrgenommen habt im Sinne von dieser technischen Seite. Ob ihr überhaupt gemerkt habt, dass es keinen Schnitt gibt. Weil es kann ja auch sein, dass man damit überhaupt nichts zu tun hat und dann denkt, ja, es ist halt ein Film. Was interessiert mich, ob da ein Schnitt drin ist oder nicht und das gar nicht bemerkt habt. Oder ob das irgendwas macht mit euch oder ob ihr das eher störend fandet. Also ich gehe da immer mit einem technischen Blick ran und mir fehlt das halt leider.
Florian Bayer: Ja. Dieser frische Blick. Ich glaube, es ist schwer, den Film zu sehen, ohne zu wissen, dass es ein One-Take ist.
Johannes Franke: Ja. Das ist einfach so präsent gewesen bei der Promotion des Films. Das stimmt, das stimmt. Und dann, was die technische Seite betrifft, würde ich gerne noch das Color-Grading anbringen. Ich habe nichts darüber gefunden, aber wenn du von einer Location in die andere gehst und dann immer wieder Lichtwechsel hast, immer wieder andere Qualitäten von Licht, weil du unter Umständen auf der Straße nur nicht jede Lampe austauschen kannst und auf dein Licht einschwören kannst, dann musst du irgendwie es schaffen, ohne Schnitte verschiedene Szenen unterschiedlich zu graden, also Farben zu korrigieren, dass es gut aussieht.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und da einen Übergang zu finden, der irgendwie ohne irgendwelche, ohne sichtbare Veränderungen vonstattet geht, das stelle ich mir sehr seltsam vor. Ich habe nichts darüber gefunden. Vielleicht ist es gar nicht so schwierig gewesen. Vielleicht hat der Kameramann etwas geschaffen in seinen Einstellungen in der Kamera, das das nicht so nötig gemacht hat. Und auch überhaupt, dass diese ganzen Lichtveränderungen von helleren Szenen auf dunklere Szenen und wieder zurück. Ich habe ein Interview gesehen mit Laia und mit den anderen, mit dem Regisseur Schipper und noch Frederik Lau. Der hat es versucht, eine Stunde 15 dieses Interview ohne Schnitt durchlaufen zu lassen, hat einfach gesagt, wir gehen mal dem Konzept nach. Und es ist eine Katastrophe. Es sieht schrecklich aus. Und es ist statisch, oder? Beim Interview hast du jetzt nicht viele Ortwechsel. Nein, nein, die sind rumgelaufen. Ach so, okay. Die sind sozusagen die Wege nachgelaufen, die im Film gegangen sind. Ah, nicht die Idee. Ich finde die Idee total geil. Aber der Kameramann hat sehr gestruggelt. Der hatte auch eine Kamera, wo er alle ein paar Minuten, eigentlich alle zwölf Minuten auf Stopp und wieder Rekord drücken musste, weil das ein Fotoapparat war, der nicht länger als das kann. Trotzdem haben sie es gemacht. Er hat einfach immer wirklich nur draufgedrückt und schnell wieder draufgedrückt und haben dann kleine Einblendungen drunter gelegt. Aber im Grunde war es ein One-Take ohne große Schnitte oder sowas. Und das heißt, die sind auch von dunkleren Szenen in hellere Szenen gekommen. Und das sah so scheiße aus. Ja. Weil die helleren Szenen natürlich alles sofort ausgeblurrt haben. Also du hast, alles ist ausgebrannt.
Florian Bayer: Und dann hast du so Auto-Weißabgleich und Auto-Iso und dann merkst du, dass sich alles zurecht zieht. Und wie es sich langsam, und du ziehst einfach so amateurisch aus.
Johannes Franke: Ja, und dann kam der ND-Filter rein, der sozusagen ausgleichen soll, dass es zu hell ist. Also wird eine Sonnenbrille davor gesetzt, damit es wieder dunkler ist. Und es sieht so unbeholfen crappy aus. Und im Film hat der Kameramann alles dafür getan, dass man nicht ein einziges Mal sieht, dass man sich an neue Umgebungen anpassen muss. Nicht ein einziges Mal. Und es ist so gut. Ja. Und wie gesagt, das Color Grading. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie es gemacht haben. Es ist krass. Okay, technischer Teil einmal abgeschlossen.
Florian Bayer: Das war mein Ding. Kommen wir zurück zur Geschichte, zum zweiten großen emotionalen Moment. Und zwar im Café. Wenn sie sich eigentlich verabschieden wollen, aber es gibt dann diesen Moment, wo Viktoria Sonne was auf dem Klavier vorspielt, nachdem er ein bisschen albern angegeben hat. Und wir stellen fest, dass sie unglaublich gut Klavier spielen kann. Oh mein fucking Gott. Und erfahren etwas aus ihrer Hintergrundgeschichte. Ist es da zu viel?
Johannes Franke: Ist es da zu viel Exposition? Überhaupt nicht. Erfahren wir zu viel über sie? Nein, nein, nein, nein. Sie macht das sehr gut. Sie spielt das so gut. Auf dem Papier kann es sein, dass es zu viel Exposition ist, aber sie spielt das einfach so gut, dass das alles vollkommen legit oder okay ist.
Florian Bayer: Wie sie mit den Tränen kämpft, ne? Wirklich krass.
Johannes Franke: Das ist wirklich beeindruckend. Sie spielt das nicht selbst. Also das Klavier spielt sie nicht selbst. Sie spielt das zwar, aber wenn man das Original hören würde, das würde nicht gut klingen. Sie haben ihr das beigebracht, das Klavierstück. Das ist ein Mephisto Walls. Also das ist schon ein krasses Stück. Das hört man auch. Und man hört es auch, dass es ein sehr krasses Stück ist. Und ich liebe es. Also es klingt wirklich richtig toll. Das ist schön, ja. Beeindruckt. Und habe gedacht, wow, sie haben eine gefunden, die richtig gut spielen kann. Und sie konnte es eigentlich nicht. Und dann haben sie ihr auch diese Backstory gegeben, die für mich die große Motivation dafür ist, dass sie überhaupt das tut, was sie tut. Weil sie erzählt, dass sie als Kind und Jugendliche im Grunde auch immer nur auf dem Konservatorium getan hat, was von ihr verlangt wurde. Und das war richtig hartes Training ohne Ausrutscher in irgendeine Richtung im Sinne von, ich genieße mal mein Leben. Ich genieße mein Leben als Kind ab einer Kindheit oder genieße mein Leben als Jugendliche, indem ich mal freidrehe oder sowas. Nichts. Null. Und dann vom Konservatorium abgelehnt zu werden, zu sagen, du wirst es nie schaffen, du bist nicht gut genug. Natürlich drehst du dann erstmal frei und sagst, ich muss hier raus, ich gehe nach Berlin und dann nutze ich die erste beste Gelegenheit, um Spaß zu haben. Und das hat sie genutzt.
Florian Bayer: Was ich auch ganz wichtig finde, was sie zum Thema Freundschaft sagt dort, dass man seine Freunde vernichten will, dass sie die Feinde und Konkurrenten sind. Und das ist halt so ein krasser Gegenentwurf zu dem, was wir hier über Freundschaft lernen. Die Jungs, die die ganze Zeit echt ruppig miteinander umgehen, die sich gegenseitig anpülen und so, du weißt genau, die würden füreinander durchs Feuer gehen. Und das ist ganz cool, dass das in diesem Moment halt auch aufgemacht wird, wie sie von diesem elitären, musikelitären Kreis erzählt, wo man Freunde hat, aber eigentlich ist klar, man ist Konkurrenz, man kann keine wirklichen Freundschaften aufbauen und dann als Gegenentwurf hier diese Jungs von der Straße, die es wirklich schwer haben und wo du weißt, sie gehen wirklich füreinander durchs Feuer, weil sie machen diesen Banküberfall für Boxer. Ja. Genau, das fand ich auch wichtig und erklärt auch, warum sie so begeistert von ihnen ist, also warum sie sie so cool findet, einfach weil sie eine andere Art des Umgangs miteinander da sieht, den sie sich wahrscheinlich auch wünscht, irgendwie halt mehr Nähe und eine andere Form von Nähe. Ja. Findest du es denn zu sehr Exposition? Ich finde im Text ein bisschen zu viel. Ich glaube, sie hätten auf ein oder zwei Sätze verzichten können, also Laia hätte da auch ein bisschen weniger sagen können, also ich fand das von Boxer vorher ein bisschen stärker, aber natürlich ist es von ihr saugut gespielt und das macht auch vieles weg, da bin ich ganz bei dir, dass sie einfach sich so dann die Tränen verkneift und dass sie... Ja, die kommen ja auch irgendwann, ja.
Johannes Franke: Ah, Mann, das ist wirklich, da fühle ich voll mit ihr mit und was ich so geil finde, ist auch der Moment, wo sie anfängt zu spielen, ne, also er etabliert die Szene ja so, dass sie einfach Spaß mit diesem Klavier haben und sagen, wir sind voll die Profis und ich kann da, ich spiele dir mal was vor und dann spielt da voll das Crappy, ein paar Noten und das ist gut und da ist ja dieses Flirten viel wichtiger, zwischen den beiden dieses Flirten und umso krasser macht's dann Rums und sie spielt dieses riesige, krasse Stück und du bist sofort so von Wolke 9 auf einem krassen Niveau von Kunst, Klavierspielkunst.
Florian Bayer: Und so sehr es auch Klischee ist, ich mag einfach auch, dass sie dann den Reaction-Shot von Fredrik, von Sonne drin haben, wie er guckt und wie er wirklich, und er sagt danach, das war das Schönste, was ich hier gehört habe oder so. Er ist total erschlagen. Und Frederik Lau spielt das halt auch echt saugut, diesen Blick, wie er wirklich so ganz ernst wird auf einmal und das macht natürlich die Musik nochmal ein Stück stärker, dass wir ihn sehen, wie er darauf reagiert und es ist so ein filmisches Klischee, das so zu machen, aber es funktioniert echt gut in dieser Szene, auch wie die Stimmung dann einfach kippt, also wirklich ins Melancholische. Ja, krass, ne? Ja. Aber dann kommen wir eigentlich zu meiner Meinung nach der schwächsten Szene des Films, nämlich die Tiefgaragen-Szene.
Johannes Franke: Ja, ich kann mir vorstellen, dass es die Überlegung gab, wir zeigen den Banküberfall selbst nicht, also lass uns das doch vorher einmal zeigen, damit wir ein Gefühl dafür bekommen, was da passieren soll. Und ich finde interessant, was der Typ sagt, ne? Der versucht, sie darauf einzuschwören und sie in innerhalb von fünf Minuten zu erklären, was irgendwie das machen müssen, damit der Banküberfall funktioniert. Das finde ich relativ stark tatsächlich, weil das so Anweisungen sind, die irgendwie dem Ganzen eine Ernsthaftigkeit geben und auch uns in die Situation hineinbringt und uns die Angst macht vor der Situation, die wir brauchen für diese Figuren. Aber vielleicht hast du recht, dass es insgesamt dann doch die schwächste Szene ist.
Florian Bayer: Es war wirklich der einzige Moment, aber dafür dann unangenehm, der mich so ein bisschen an deutsche Krimi-Kultur und deutsche Krimi-Klischees erinnert hat. Auch André Hennecke, der einfach ein bisschen zu drüber ist als Gangster-Boss. Ja, vielleicht. Also zu sehr Klischee und dann dieses, ja, und er spielt halt wirklich den Bösewicht und der dann auch noch die Frau greift und sagt, ja, dann behalten wir die Bitch halt hier und ich fand, das war so, diese ganze Szene wollte cool sein, wollte irgendwie auch so ein bisschen, also wollte die Coolness haben, die davor einfach entstanden ist, natürlich. Und auch so ein bisschen mit Schielen nach Amerika, aber hat sich dadurch halt sehr deutsch angefühlt. Ich finde, es fühlt sich nichts Deutscher an als ein deutscher Krimi, der versucht amerikanische, der versucht Tarantino zu sein. Ja, ja, genau. Das ist so deutsch und das alle versuchen es. Der Tatort hat es schon versucht, irgendwie tausend Krimi-Komödien da draußen aus Deutschland, die irgendwie Tarantino sein wollen und es fühlt sich immer unangenehm an und ich weiß nicht, wie man es hätte besser lösen können. Ich finde es gut, dass sie eine Motivation kriegen, dass sie nicht einfach die Bank überfallen. Und dass sie auch lange widerstehen. Und dass sie lange widerstehen. Ich finde auch dieses Training ganz gut, wo gezeigt wird, sie sind halt Kleinkriminelle. Sie haben, sie trauen sich sowas zu machen, aber sie sind keine Profis darin. Sie können mit Waffen umgehen, aber sie sind jetzt nicht sehr geübt da drin. Und das hat ihrem Charakter auch ein bisschen Tiefe gegeben. Ich glaube, ich fand einfach dieses Setup, dieser Obergangster, der mit seinen Henchmen da steht, das fand ich ein bisschen drüber. Und in dieser Tiefgarage dann auch noch. Echt in der Tiefgarage. Ja, ja. Oh, komm. Und er hat das schicke Auto, sie haben das geklaute Auto und es war vielleicht ein bisschen viel.
Johannes Franke: Ja. Der Moment, wie sie dann draußen sitzt im Auto und wir nicht mit reingehen in die Bank und sehen, wie der Überfall passiert ist. Von ihnen ist es eine sehr, sehr gute Entscheidung.
Florian Bayer: Sehr stark. Absolut. Ganz toll, dass sie den Banküberfall nicht zeigen, dass sie da die ganze Zeit bei ihr sind.
Johannes Franke: Ja. Die Entscheidung haben sie auch sehr früh gefällt. Man muss sagen, dass die Entstehungsgeschichte des Films ja auch über diesen Banküberfall überhaupt erst losgetreten wurde. Schipper hat sich wirklich irgendwann gedacht, wir müssen mal einen Banküberfall zeigen, der nicht der größte Banküberfall aller Zeiten ist, wo man nicht irgendwie die krassesten Vorbereitungen sieht oder sonst irgendwas, sondern ein durchschnittlicher Banküberfall, der trotzdem noch sehr aufregend ist, weil es ein Banküberfall ist. Ja. Es geht ja auch um gar nicht so viel Geld.
Florian Bayer: Also 50.000 sind es. Ja. Wovon eher 10.000 haben wir.
Johannes Franke: Und das ist halt, was ist das für eine Summe? Wieso sollte man für so eine Summe so viel Scheiße machen? Ja. Es gibt auch tatsächlich Banküberfälle, sind kein großes Ding mehr, ne?
Florian Bayer: Ne, weil einfach nicht genug Geld da ist. Es ist nicht genug Geld da und es lohnt sich einfach nicht. Im Jahr 2022, 42 in Deutschland. Ja, verzweifelte arme Würstchen wahrscheinlich, die es gemacht haben. Ja, wahrscheinlich, genau. Und ich weiß gar nicht, wie es ist. Ich finde den Banküberfall, so wie er inszeniert ist, finde ich glaubwürdig. Also ich finde es auch glaubwürdig, dass sie davon kommen. Die Polizei ist nicht so schnell vor Ort. Die schaffen das.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja.
Florian Bayer: So wie die das machen und wie sie da reingehen und dann im richtigen Moment und sie sind zu dritt und genauso würde das wahrscheinlich ablaufen und ohne Schuss.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie, ja, also ich finde es authentisch. Ich hatte nicht das Gefühl, das ist unglaubwürdig, dass sie das schaffen und dass sie da rauskommen.
Johannes Franke: Ja, nee, absolut. Was ich total krass fand, war die Situation, dass das Auto nicht mehr anspringt und habe gedacht, okay, wie lösen sie das jetzt? Und ich finde, sie lösen es dann halt mit einfach einer, der das Auto geklaut hat, kriegt es halt wieder hin und lässt es wieder anspringen. Ein bisschen, naja, gut, okay, straightforward. Was, ja, was hätte man auch sonst machen sollen, aber dass die Situation entsteht und dich dann irgendwie wirklich hart mit ihr mitfieber dieses Auto wieder anspringen zu lassen, ist schon krass.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Die Sache ist die, die fahren dann los und die fahren nicht lang und stellen das Auto dann wieder ab und gehen auf diese Party, was ich vielleicht noch abkaufen kann, weil sie unter Drogeneinfluss sind und erstmal hyped sind und erstmal so eine krasse Sache verarbeiten müssen oder eine krasse Sache irgendwie mit einem, was macht natürlich, was Irrationales. Herzschlag, Adrenalin. Absolut. Aber dass sie wirklich nur so ein paar Minuten mit dem Auto fahren und denken, ja, jetzt sind wir soweit, jetzt können wir wieder aussteigen, ist ein bisschen dämlich. Das glaube ich dem Film nicht. Man spürt so ein bisschen das Budget an der Stelle, ne? Ja, natürlich. So viel können wir nicht absperren. Ja, vor allem auch die Zeit. Du willst ja in dem Auto jetzt nicht drei Stunden verbringen, sondern du willst in dem Auto irgendwie erzählen, okay, wir fahren weg, aber wir wollen ja auch mit der Story wieder weiterkommen.
Florian Bayer: Ich habe zu wenig Ahnung von Banküberfällen. Ich sollte das mal öfter machen, dann wüsste ich, da könnte ich mehr dazu sagen. Du kannst ja berichten, mach mal, bis nächste Woche hast du eine Hausaufgabe. Ich hatte das Gefühl, es ging weniger darum, so weit wie möglich vom Tatort wegzukommen und mehr darum. Sollte es, aber möglichst, oder? Ne, das Auto irgendwo sicher abzustellen. Hey, wenn es was gibt, was gesehen, sie hat Masken an und Klamotten, okay, sie hat Klamotten. Aber das Auto ist natürlich das, was wahrscheinlich irgendwie jemand durch ein Fenster oder so gesehen hat. Ja. Das willst du loswerden und du willst, und ich glaube, je länger du mit dem Auto das gesucht wird, auf der Straße bist, umso eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du gefasst wirst. Das habe ich so Klischeebel da im Kopf von Hubschraubern, die über Autos schweben auf der amerikanischen Autobahn. Ich bin nicht mehr in Deutschland offensichtlich. Ja. Aber naja, gut, es gibt ja viele Streifenpolizisten. Das stimmt. Ich glaube, je länger du mit dem Auto unterwegs bist, umso wahrscheinlicher ist, dass du gefasst wirst oder dass du plötzlich eine Streife hinter dir hast.
Johannes Franke: Das ist richtig. Aber ich glaube, wenn du nur zwei Minuten mit dem Auto fährst ...
Florian Bayer: Dann kommst du nicht weit. Vor allem, wenn du dreimal um die Kurve fährst.
Johannes Franke: Ja, genau. Also das war nicht, das, nee. Also das ist ein bisschen ... Aber ansonsten, ich verstehe tatsächlich, das ist auch ein großer Kritikpunkt im Internet, Leute sagen, warum sollten die dann zur Party gehen? Ich finde es vollkommen nachvollziehbar. Absolut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Ich finde es halt auch großartig, weil wirklich gezeigt wird, wie dieses Adrenalin sich auflöst. Diese ganze Zeit, dieses wirklich schönen Flirten von Sonne und Viktoria kommt ... Sie knutchen endlich miteinander. Und davor war es schon immer, wo man so gemerkt hat, es sind so Momente, wo sie gleich ... Es ist einfach so schön, man denkt so, ja, genau, das ist echt gut, das ist echt glaubwürdig. Ja. Und dann gehen sie voll ab, dann lecken sie die ganze Zeit aneinander rum. Ja. Auch, ja, genau, das ist so voll glaubwürdig. Genauso läuft das. Du wirst erst gehemmt und dann gehst du voll ab. Und unter Droheneinfluss einfach. Ja, natürlich. Die haben ja vorher richtig ... Wir haben noch gar nicht so viel zu diesen Clubzählen gesagt. Sie haben das echt gut gemacht mit diesem Club. Ein Club ist ja voll chaotisch und du am Anfang hast ja das Gefühl, oh Gott, hoffentlich kriege ich keinen epileptischen Anfall, wenn du die ganze Zeit die Lichtblitze hast.
Johannes Franke: Kurze Epilepsie-Warnung, ne? Wenn ihr den Film seht, die ersten zwei Minuten vielleicht skippen oder so.
Florian Bayer: Die sind echt hart.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann dieses Feiern im Club, was ja auch unübersichtlich ist, wo auch die Statisten, die meisten Statisten rumhängen und irgendwie so. Das haben sie wirklich ganz gut gelöst und wir sind auch immer so ein bisschen verloren und alles dreht sich so ein bisschen. Bei den Dreharbeiten sind drei betrunkene britische Touristen vorbeigekommen und wollten
Johannes Franke: Bier trinken. Man muss dazu sagen, das ist kein echter Club gewesen. Sie haben den da hingebaut. Aber das war offensichtlich sehr authentisch in diesem Moment. Und beim Film denkt man sich die ganze Zeit, was ist, wenn einer der Scharspieler auf Toilette muss? Ja, zwei Stunden sind ganz schön lange. Und turns out, sie musste wirklich auf Toilette. Oh. Im Club ist sie auf Toilette gegangen. Während des Films. Ja, geil. Wir haben es nicht gesehen. Sie ist einfach abgehauen. Die haben einfach weiter gefilmt mit diesen anderen Typen. Und dann ist sie kurz auf Toilette, die auch keine echte Toilette ist. Au. Hat dort einfach mal schnell sich leert und ist wieder zum Dreh zurück. Wow. Ja. Das ist ein Satz. Krass. Ja. Naja, also ja, ich finde tatsächlich die Club-Szenen auch sehr gut gemacht. Absolut glaubwürdig und sehr gut. Auch der Einstieg in den Film, dass Sonne da steht und kein Geld hat, aber unbedingt rein will und dann fragt, und ist es ein guter Club, lohnt sich's, lohnt sich's. Und sie dann irgendwie nochmal auf Toilette geht und dann erst sich annähert alles.
Florian Bayer: Und dann haben wir aber, ja, sie fliegen aus dem Club raus.
Johannes Franke: Ja. Natürlich, wenn man sich so benutzt.
Florian Bayer: Wegen Viktoria, weil die sich am meisten daneben nimmt. Ja. Ja, auch echt dann nochmal so Mumm hat, so vor den Türstehen wegzurennen quasi.
Johannes Franke: Und sich da irgendwo hinsetzt und rein irgendwo anders versteckt. Das ist echt super süß. Also man hat echt Spaß mit denen, muss man dazu sagen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie gut ich das finde, dass man mit Kleinkriminellen so viel Spaß hat. Aber die sollen ja auch sympathisch sein. Natürlich. Also, hey, es sind Berliner Jungs. Ja. Es sind tatsächlich Leute, denen ich, wenn ich real mit ihnen zu tun hätte, sofort abhauen würde. Also es ist wirklich nicht meine Welt. Auch nicht meine. Jeder Betrunkene, dem ihr entgegenkommt in Berlin, jedem ist auszuweichen. Aber wenn ich mir das so aus der Erfernung anschaue, denke ich die ganze Zeit, you go girl, you go, also auch die anderen Jungs, you go girl, mach einfach, hab Spaß. Es ist schön. Es ist, solange ihr niemandem wehtut und da wird es dann eben schwierig. Ja. Da ist, die Eskalationsstufe ist halt das Problem.
Florian Bayer: Ja. Ich habe gerade überlegt, dass es natürlich gibt es auch so, ich finde, der Film schafft es ganz gut, was zu erzählen, was halt auch in Berlin passieren kann, jenseits von Standesdünkel. Ich hatte wirklich, also nicht viele, aber ich hatte gute Momente, wo ich, nicht mit Kleinkriminellen, aber eher mit so dem einfachen Mann von der Straße getrunken habe.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Das geht, das funktioniert auch und ich finde, der Film hat halt auch einfach einen guten Job, da zu zeigen, dass es einfach Menschen sind, die halt mehr sind als nur das Brollige, was man als erstes von ihnen wahrnimmt, wenn sie einem auf der Straße entgegenkommen und gegen Laternen treten oder Autos. Ja, aber dann kommt halt, dann eskaliert es halt jetzt, weil sie fliegen raus aus dem Club und die Polizei wartet draußen und sie müssen wegrennen und sie sind noch bewaffnet und sie machen, ich verstehe nicht, warum sie schießen, weil es wirklich dumm ist.
Johannes Franke: Es ist unglaublich dumm, das bin ich auch, da bin ich nicht überzeugt von. Überhaupt in der Sequenz kommen mir ein paar Sachen, von denen ich nicht überzeugt bin, leider.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Zum Beispiel, dass die sich dann da in dieser Wohnung von dem einen Typen, den sie im Tappenhaus begegnen, verschanzen und das Baby entführen. Was ich noch gut finde, ist, dass Frederik Lau dann dieses Baby sieht und sagt, fucking, was lässt du mich in eine Wohnung, wo ein Baby ist? Ja. Fucking scheiße. Und dann auch Angst vor dem hat, was sie selber tun werden. Und sie dann aber auf die Idee kommt, dieses Baby zu benutzen, um da rauszukommen.
Florian Bayer: Und es ist halt wirklich die beste Möglichkeit, rauszukommen?
Johannes Franke: Ja, aber ich weiß nicht, wer hat die vorausschauende Sicht auf die Dinge in so einer Situation, um rauszufinden, welchen Weg man dann nimmt mit so einem Baby? Das kommt mir zu sehr Hollywood-Wendung vor, für diesen Film. Ja, verstehe ich. Ich weiß, was du meinst. Das kann mir nicht vorstellen, dass sie das dann in dem Moment versteht und denkt, okay, um hier rauszukommen, müssen wir uns andere Klamotten anziehen und sein Baby vor den Bauch schnallen und das, ja. Das ist machend. Nein.
Florian Bayer: Ich mag die Szene, weil sie mit zu den Szene gehört, die ihren Charakter, die die starke Seite oder die harte und auch erbarmungslose Seite ihres Charakters zeigen. Auch, dass sie halt die ist, die in dem Moment weiß, okay, wir machen das so jetzt. Und dazu gehört, dass wir ein Baby entführen.
Johannes Franke: Ja, und er ist nur hilflos und sagt, halt die Schnauze und hält ihnen die Waffe an die Schläfe, was überhaupt nichts bringt. Und sie bringt das Ganze natürlich voran und in einem konstruktiven Kanal.
Florian Bayer: Und sie bringt dann ihn ja auch zur Ruhe. Sie schafft es ja auch, ihm zu sagen, ey Junge, jetzt komm mal klar, wir müssen das jetzt lösen, das Problem. Und deswegen, finde ich, hat die Szene ihren tieferen Sinn, der irgendwie gut ist. Ja. Aber ja, natürlich ist es so ein bisschen konstruiert. Das ist halt, ich finde, es ist chaotisch genug, dass es nicht in diese deutschen Krimi-Klischees läuft, wie die Szenen davor. Und deswegen, dafür bin ich dankbar. Weil ich finde, diese Garagen-Szenen davor ist halt so Klischee, weil die so sehr arrangiert ist. Allein, wenn die Gangster so stehen und auf sie warten. Das ist hier halt nicht, hier ist Chaos, hier ist dasselbe Chaos wie vorher. Und deswegen, ja, es ist nicht so glaubwürdig, auch dass sie dann durchkommen damit, dass die wirklich die Polizisten sie durchlassen, ohne, dass sie da nicht abgefangen werden, ohne wirklich eine Personenbeschreibung zu haben.
Johannes Franke: Ja. Und Personalien aufzunehmen.
Florian Bayer: Oder Personalien aufzunehmen, genau, dass sie einfach durchgewunken werden. Das ist alles nicht so glaubwürdig. Aber wahrscheinlich ist davor auch schon nicht so glaubwürdig, dass sie, dass sie überhaupt schießenderweise in das Haus reinkommen, so wie die Polizei ist, glaube ich, gut genug, um sie in dem Moment zu stoppen, bevor sie in dem Haus landen.
Johannes Franke: Ja, oder die Polizei würde nicht in der Form dann sich den Schusswechsel hingeben. Ich glaube nicht, dass das passiert.
Florian Bayer: Nee, genau, das ist so Krimi-Klischee, ne, Rennen und Schießen gleichzeitig. Ja, solche Sachen. Naja, wir kommen zum größten Klischee des gesamten Films. Nachdem sie ins Hotel gefahren sind mit dem Taxi, man macht den Fernseher an. Und live im TV ist genau das, was gerade zu sehen sein muss.
Johannes Franke: Es ist blöde. Es ist so blöde. Das ist das Einzige, was nicht in live passiert, ne. Das ist das, was sie vorproduziert haben. Und das ist so, nee, warum?
Florian Bayer: Und wozu auch? Welcher Fernsehsender zeigt das? Welcher Fernsehsender zeigt das? Ich bitte dich. Wir können ja nichts anderes mehr im Fernsehen gucken.
Johannes Franke: Wir kommen bei N24.
Florian Bayer: Nicht mal wirklich die effektheicherichsten, dummen Nachrichtensender zeigen das.
Johannes Franke: Nix, null. Also insofern, das sind so Sachen, wo man sagt, ja, da hat jemand versucht, das zu sehr auf Hollywood zu münzen und so. Vor allem, weil es nichts beiträgt in dem Moment. Aber das Ende ist an sich natürlich trotzdem sehr glaubwürdig. Auch, dass er die ganze Zeit versucht, das irgendwie zu verstecken und ihr irgendwie voranzuhelfen. Weil er eigentlich weiß, wahrscheinlich, okay, mit mir wird es nichts mehr.
Florian Bayer: Ich hab das Gefühl, als ich den das erste Mal gesehen habe, dachte ich, sie wäre verletzt. Weil wir sehen ja das Blut, wir sehen ja, dass da offensichtlich noch irgendeine Verletzung da ist. Ja. Und ich hatte das Gefühl, sie ist irgendwo verletzt. Ich hab gar nicht mitgekriegt, dass er so doll angeschossen ist, wie wir dann später sehen, wenn er im Hotelzimmer liegt. Ja. Und auch hier wieder eine schöne Szene, wo wir nicht genau wissen, was passiert, wenn sie zu ihm sagt, ich besorge jetzt ein Zimmer für uns. Und dann Richtung Rezeption verschwindet und wir sind bei ihm und sie kommt mit den Schlüsseln wieder. Und dann sehen wir halt wirklich, dass er ihn richtig hart erwischt hat und er gerade am Verbluten ist.
Johannes Franke: Was allerdings wiederum so ein bisschen so, wenn er wirklich am Verbluten ist, wenn es ihn so hart erwischt hätte, dann wäre da mehr, hätten wir früher schon mehr Blut gesehen. Ja. Ja, aber was soll's. Es ist okay. Macht mir den Film natürlich nicht kaputt. Er liegt dann da im Hotelzimmer und verblutet halt einfach. Und ich finde es vollkommen richtig für ihn in dem Moment, weil er einfach, glaube ich, schon drei Szenen vorher festgestellt hat, ich komm da nicht lebend raus. Ja. Das war's. Und ich versuche ihr jetzt noch rauszuhelfen.
Florian Bayer: Ja, das ist natürlich auch wieder sowas, wo man denken würde, das ist eigentlich ein Klischee-Moment aus jedem Krimi. So, nimm das Geld, mach dir ein glückliches Leben, lass mich zurück. Er schafft es in der Inszenierung, im Spiel von Laia mit Frederik, schafft er es, diese Klischees so zu erzählen, dass sie genug Authentizität haben, dass er damit durchkommt. Ja. Und das finde ich wirklich erstaunlich, wenn man das Skript, also nicht, es gibt ja kein Skript, wenn man die Beschreibung des Films liest, könnte man auch einen deutschen Klischee-Krimi sehen. Ja, das stimmt. Ne, Frau ist nachts im Club unterwegs, trifft Jungsbande, wird in einen Banküberfall mitgezogen, sie fliehen vor der Polizei. Das ist eigentlich so voll der deutsche Krimi. Ja. Und er schafft es aber mit diesen, durch diese Authentizität, damit kommen wir wieder zurück zur Technik und zu dem One-Shot, er schafft es, er schafft es so reinzuziehen und so authentisch zu wirken. Also, dass die Parkliches, die da sind, ignoriert werden können und dass der Rest halt einfach dich wirklich mit reinreißt. Du bist einfach dabei in dieser Nacht.
Johannes Franke: Haben wir es gerade geschafft, eine Stunde lang, alle fünf Minuten das Wort Authentizität fehlerfrei zu sprechen und jetzt habe ich es nicht mehr geschafft?
Florian Bayer: Ja, haben wir. Du hast es jetzt versaut. Ja. Jetzt müssen wir nochmal von vorne anfangen. Du hast gesagt, der Kameramann ist der weitere Dasch, der, ich habe ganz oft das Gefühl, wir sind der Kameramann. Ja, ja, absolut. Wir hetzen den Leuten hinterher und wollen Schritt halten mit ihnen. Ich bin voll in der Gang drin.
Johannes Franke: Ja. Ich bin als Zuschauer Mitglied der Gang. Es ist unglaublich, total krass. Das habe ich nicht, ich habe nicht damit gerechnet. Und ich glaube, das ist einer der Gründe, warum der One-Take so wichtig ist. Ja. In diesem Fall. Weil wir wirklich dadurch da reingezogen werden als Mitglied der Sache.
Florian Bayer: POV, wir stolpern mit ihnen mit. Wir stolpern auch manchmal hinterher und versuchen Schritt zu halten.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und das wirkt, aber genau dieses Gefühl ist ja auch da. Du bist die ganze Zeit angetrieben, weil du willst wissen, worüber sie reden, was da passiert, was er macht. Du willst wissen, was passiert. Ja.
Johannes Franke: Krass. Okay, also wir sind ein bisschen blown away von vielen krassen Dingen, also wie Kamera und auch inszenatorisch. Wollen wir, bevor wir uns nochmal das Ganze abrunden und ein Fazit geben, in unsere Top 3 hinüberrutschen? Ja. Okay. Wir brauchen eine kleine Ruhe-Pause auch. Schnitt. Unsere Top 3. Okay, unser erster Schnitt in dieser Folge. Ja. Ist das der erste Schnitt? Ich weiß nicht. Habt ihr einen gehört? Ich nicht. Wollen wir in unsere Top 3 gehen? Unsere Top 3 heißt in diesem Fall. Was? Und das alles in einer Nacht? Ja, so ungefähr. Mir ist nichts eingefallen. Tut mir leid. Ich höre an, es legt los. Ja, ich habe Schwierigkeiten gehabt mit der Top 3, weil es gibt immer mal so ein paar Filme, die das machen, aber das sind solche Sachen wie Hangover, Hangover 2, Hangover 3. Das sind alles Filme, mit denen ich nichts anfangen kann. Das sind so Dude-Filme tatsächlich ganz viel. Oder eben die weiblichen Versionen, die ja auch gedreht wurden, die sicherlich genauso ihre Berechtigung haben, aber die auch immer noch nichts für mich sind. Und insofern, aber ich hätte vielleicht einen Film auf Platz 3, den wir schon besprochen haben, und zwar A Christmas Carol, die Muppet-Version. Ah, nice. Ja, sehr cool. Hab ich noch gar nicht dran gedacht, aber natürlich, Christmas Carol ist eine Nacht. Eine Nacht, in der Scrooge immer wieder Geisterbesuch bekommt, die ihm erzählen, warum Christmas vielleicht gar nicht so verachtenswert ist.
Florian Bayer: Ja, toll. Und einmal durch die Zeitreis, wir leben eine Nacht in der Vergangenheit, in der Gegenwart in der Zukunft. Ja. Cool. Mein Platz 3 ist Night of the Living Dead, der Zombiefilm-Klassiker von George A. Romero aus dem Jahre 1968, der erste richtige moderne Zombiefilm, der halt auch nur in einer Nacht spielt und sich auch so anfühlt und dann am Morgen endet. Super inszeniert, Klassiker, immer noch einer der faszinierendsten Zombiefilme, gerade wegen diesem beklemmenden Setup von Wir haben halt nur ein paar Stunden und wir haben einen Ort.
Johannes Franke: Ich möchte eine Vorhersage machen. Wir haben den gleichen Platz 1.
Florian Bayer: Nope, haben wir nicht. Oh, verdammt. Schade, okay.
Johannes Franke: Aber ich glaube, unser gemeinsamer Platz 1 ist mein Platz 2, deswegen werde ich den vorziehen vielleicht. Okay. Mein Platz 2 ist, obwohl es lange her ist, dass ich ihn gesehen habe und es gar nicht mehr so genau weiß, Night on Earth.
Florian Bayer: Ah, nein, dann haben wir einen gemeinsamen Platz 2. Das ist nämlich auch mein Platz 2. Uh, schön. Ja, sehr schön. Jim Jarmusch.
Johannes Franke: Jim Jarmusch, ja. 1991. Also in einem Taxi. In mehreren Taxis. Mehreren Taxis, mehrere Geschichten erzählt.
Florian Bayer: Von der ganzen Welt tatsächlich. Also L.A., New York, Paris, Rom. mit ganz vielen tollen DarstellerInnen, wie zum Beispiel Wynonna Ryder, Armin Müller-Stahl, Rosi Perez, Roberto Benigni und so weiter. Toller Film. Ja, mein Platz 2 auch. Ja, sehr schön. Ja, cool.
Johannes Franke: Dann meine Vorhersage hat beinahe zugetroffen. Dann kannst du mit deinem Platz 1 kommen. Dann kann ich mit deinem Platz 1 kommen. Vielleicht irre ich mich, aber ist Magnolia nicht auch eine Nacht?
Florian Bayer: Uh. Ja, der fängt ja eher so mittags an. Ja, okay.
Johannes Franke: Was soll's.
Florian Bayer: Egal.
Johannes Franke: Das war schwer genug.
Florian Bayer: Aber trotzdem, ja, okay. Oh, dann nehm ich den auch auf meinen Platz 1. Und jetzt ist mir mein Platz 1 schon fast peinlich. Oh, oh. Willst du noch kurz was zu Magnolia sagen? Das ist auf jeden Fall auch so ein Film, der sich wie Echtzeit anguckt. Ja, ich möchte ganz dringend sagen, es regnen Frösche.
Johannes Franke: Spoiler-Warnung.
Florian Bayer: Autsch. Mein Platz 1 ist ein, ich glaub, man könnte ihn leicht als Trash-Up tun, aber ein wirklich düster-apokalyptischer Film über eine Jugendgang, die Warriors. Okay. Eine Jugendgang, die nachts unterwegs ist und gejagt wird von allen möglichen anderen Gangs und sich irgendwie durchschlägt. Und ja, es ist ein ziemlich düsterer, knallharter End-70er-Action-Film. Okay. Der irgendwie so eine apokalyptische Quintessenz hat, die ihn über das Alberne hinaushebt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und er hat viele, er hat viele B-Movie-Momente, aber trotzdem, er hat auch so eine gewisse Stärke.
Johannes Franke: Okay. Klingt nach einem Film, der mir sehr egal sein könnte.
Florian Bayer: Du würdest ihn hassen.
Johannes Franke: Okay. Du würdest ihn so sehr hassen, dass ich nicht mehr weiß, ob ich ihn dir irgendwann mal geben werde. Oh, okay. Na gut, das ist der Podcast, in dem Plur mich quält. Kommen wir zu unserem Fazit. Oh, ja, zurück aus unserer Top 3 hinaus. Das war unsere Top 3. Diesmal habe ich dich nicht gequält. Offensichtlich. Nein, diesmal hast du mich nicht gequält. Ich finde es tatsächlich einen überraschend guten Film, weil auch die Voraussetzungen für mich so unmöglich klangen. Das eine ist halt dieses One-Take-Ding, wo ich denke, na, ist das vielleicht nur als Gimmick gemeint, was überhaupt nicht der Fall ist in dem Fall. Oder diese improvisierten Sachen, wo ich denke, ah, das ist das Beste, was du machen konntest für diesen One-Take. Vor allem kannst du dir vorstellen, dass für einen One-Take die Schauspieler einen Text lernen und dann irgendwie für zweieinhalb Stunden den Text im Kopf haben und nichts verdatteln dürfen. Natürlich brauchst du improvisierte Texte, damit das geht.
Florian Bayer: BühnenschauspielerInnen machen das auch sehr viel, auch über einen längeren Zeitraum. Ist schon richtig.
Johannes Franke: Und das sind Shakespeare-Texte, das sind nicht deutsche Krimi-Texte. Ja, ja, ich weiß. Aber habe ich auch selber gemacht, alles richtig. Aber es ist für so einen Film, für diesen Film die beste Entscheidung.
Florian Bayer: Wahnsinn, ja. Ja, ich glaube, es ist einer der besten deutschen Filme der 2010er Jahre. Steht für mich so ein bisschen so eine Reihe von Filmen, die zeigen gerade, die Deutschen können doch was. Ja, ja, ja. So Genre-Filme und interessante Filme. Wurde ja leider nicht als bester fremdsprachiger Film für den Oscar zugelassen.
Johannes Franke: Was für ein Arschloch-Move. Zu viel englisch. Alter, ihr könnt mich mal am Popo schmatzen. Das gibt es ja wohl nicht. Nur weil die Englisch sprechen müssen, weil der Film das halt will, die Voraussetzungen, das braucht, sagen die bescheuerten Oscars, dass es kein fremdsprachiger Film ist. Alter, du kannst mir am Popo schmatzen.
Florian Bayer: Und wir haben vorhin noch mal kurz drüber geredet, um das auch noch mal reinzuwerfen. Wir waren uns selbst nicht mehr ganz sicher. Ich habe gemeint, ich würde gerne die zweite Version sehen, wo sie alle durchdrehen. Ja, stimmt. Das würde ich auch gerne sehen. Du meintest, sie sind wahrscheinlich vernichtet. Also es gibt ein, sie sind nicht veröffentlicht. Ich habe noch mal geguckt, auch nicht bei der DVD als Bonusmaterial oder so. Es gibt einen Weltartikel, wo ein Weltredakteur, Hans-Georg Rodek, die gesehen hat. Was? Oder zumindest ausschnittweise gesehen hat, zusammen mit Sebastian Schipper, der hat ihm das wohl gezeigt. Wow. Und er sagt, dieser Weltautor kann offensichtlich verstehen, warum die beiden Versionen nicht genommen wurden. Aber es klingt eher danach, als ob er nur Ausschnitte gesehen hätte. Deswegen empfehle ich mal jetzt, was ich sonst nicht mache, ein Axel-Springer-Medium zu lesen. Und zwar diesen Artikel in der Welt, der heißt die geheimen Versionen des Kultfilms Viktoria. Weil es wirklich ein ganz interessanter Text ist. Einfach wie Sebastian Schipper und jemand Außenstehendes auf Version 1 und 2 gucken. Krass. Und ich würde sie wirklich gerne sehen. Ich würde mich freuen, wenn unser Herr Schipper die irgendwann veröffentlichen würde und sagen würde, okay, kommt Leute, das ist Kulturgut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er es komplett vernichtet. Einfach auch, weil es so ein Teil des Entstehungsprozesses ist, der ganz spannend ist. Wie deine ersten Formen des Drehbuchs. Und die geschnittene Variante muss ich nicht unbedingt sehen. Aber ich würde wirklich gerne die zweite Version sehen, wo sie offensichtlich am Rad gedreht haben.
Johannes Franke: Ja, ich auch natürlich. Klar, man ist neugierig. Aber ich kann ihn verstehen, wenn er sagt, das wird niemals das Licht der Welt erblicken. Weil das ist auch so eine Sache von, nein, der Film ist heilig, das ist das Ding, das hat geklappt. Wir sind alle heilfroh, dass es geklappt hat. Ich möchte nicht, dass dieser Scheiß, der davor passiert ist, den vielleicht nicht alle als Scheiß betrachten. Und dann wird darüber geredet, warum es diese Version und nicht diese Version geworden ist. Und dann muss ich mich rechtfertigen und dann muss das ganze Ding einmal hochgekocht werden. Will ich nicht. Verstehe ich total, wenn er das sagt. Ich weiß nicht, ob er das sagt. Aber ich kann es verstehen, wenn er es tut.
Florian Bayer: Ja, mal schauen, was die Zukunft bringt. Plor, ich danke dir für diesen Film. Danke, dass du ihn geguckt hast. Es freut mich wirklich, dass er dir gefallen hat. Wir machen ja immer Witze drüber, dass ich dich quäle. Aber ich freue mich, wenn mich ein Film begeistert und dich dann auch begeistert. Das macht mich wirklich glücklich.
Johannes Franke: Ja, ich suche jetzt einen Film, der dich nicht begeistert, um dich zu quälen. Mal gucken. Mal schauen. Ich weiß gar nicht genau, was ich als nächstes mache.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was Johannes mir nächste Woche aufgibt, dann müsst ihr jetzt noch kurz dranbleiben nach dem Outro, während wir da kurz drüber sprechen. Dann kriegt ihr auch eure Hausaufgabe, weil wir reden so über den Film. Das kriegt ihr bestimmt mit, dass wir davon ausgehen, dass ihr den Film auch geguckt habt. Ja, und wenn nicht, naja, gutes Fehler. Eigentlich ist das richtig fies. Wir sind so ein kleiner Literaturkreis, beziehungsweise Filmkreis, aber in dem nur zwei Leute quatschen dürfen.
Johannes Franke: Alle anderen müssen die Schnauze halten. Insofern, wenn ihr wollt, schreibt uns einfach. Aber das wisst ihr ja alles. Okay. Danke, Johannes. Danke, Flora. Ich freue mich auf nächstes Mal. Bis zum nächsten Mal. Dann bleibt gesund. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao. So, wir müssen dir noch Hausaufgaben geben, Flora. Ja, bitte. Ich bin gespannt. Ich hätte gerne von dir, ich hätte gerne von dir Charles Chaplin, und ich sage Charles Chaplin, weil es eines seiner späteren Werke ist und nicht dieser Charlie Chaplin, wie wir ihn aus den Stummfilmen kennen. Und zwar hätte ich gerne A King in New York von 1957. Ein Film, von dem ich gerade zum ersten Mal höre. Interessant. Ja. Interessant. Michael Chaplin, der eine sehr große und sehr gute Rolle spielt. Also jetzt in meiner Erinnerung. Aber Charles in der Hauptrolle? Ähm, ja.
Florian Bayer: Und, oh, das ist krass. Wir haben nämlich, also wir hatten über Monsieur Verdoux geredet, ganz am Anfang dieses Podcasts, eine der ersten Episoden. Und das war 1947, sehe ich gerade bei Wikipedia. Das heißt, der ist nochmal zehn Jahre später und ich dachte schon, das wäre eigentlich so das Spätwerk und danach kam nichts mehr.
Johannes Franke: Es kam auch nicht mehr viel. Dieser Film ist auch der letzte Film, in dem er noch eine Hauptrolle übernommen hat. Danach hat er noch was inszeniert, das ich noch nicht gesehen habe, seltsamerweise. Wo er ja nur so ein Caretaker spielt, der mit dem Besen in der Gegend rumläuft. Aber eigentlich Marlon Brando, glaube ich, inszeniert.
Florian Bayer: Und Wikipedia verrät mir gerade, dass das die Gräfin von Hongkong ist, aus dem Jahr 1967. Nochmal zehn Jahre später. Genau, Marlon Brando in der Hauptrolle und Charles Chaplin als Regisseur und Drehbuchautor. Genau.
Johannes Franke: Und danach hat er zehn Jahre lang noch einfach ein Leben geführt und ist dann gestorben. 1977 ist er ja gestorben. Das heißt, er hat nicht bis zum allerletzten Moment noch inszeniert und so. Oh, der ist alt geworden. Ja, ein glückliches Leben in der Schweiz geführt noch am Ende. Cool. Ja, total schön. Und ich freue mich darauf, den wiederzusehen und irgendwann Accounters auf Hongkong noch mit dir zu sehen.
Florian Bayer: Oh ja, ich freue mich immer. Also ich finde es schön, dass du mir mal wieder einen Chaplin-Film gibst. Wir haben bis jetzt Monsieur Verdoux gesehen als erstes und dann sind wir weit zurückgesprungen und haben Lichter der Großstadt, glaube ich, war es. Ja, genau.
Johannes Franke: Ja, genau. Den hatten wir geguckt. Und auch ein ganz toller Film, aber ein Klassiker von ihm, wo er noch den Tramp spielt.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, nochmal über den späten Charles Chaplin zu reden, von dem ich relativ wenig weiß.
Johannes Franke: Nur, dass er Ärger mit der USA hatte. Ja, ja. Und dann in der Schweiz bleiben musste, um, naja, ja. Er war Kommunist angeblich. Und das ist das dunkle Kapitel. Welcher Schauspieler war das damals nicht? Ja, ja, genau. Das dunkle Kapitel dieser McCarthy-Ära. Oh, cool. Ich freue mich sehr drauf. Ja, ich mich auch. Auch auf diese McCarthy-Ära geht dieser Film ein im Subtext. Ich bin sehr gespannt, wie du ihn findest. Und ihr da draußen guckt euch den Film an. Leute, guckt euch den Film an und nächste Woche reden wir darüber. Bis dann. Bis dann. Ciao.
