Episode 160: Chaplin (1992) – Legendäres Biopic oder aufgehübschter Wikipediaartikel?
Johannes hat heute seinen – zumindest aus autobiografischer Sicht – vermutlich wichtigsten Film im Gepäck: Die Biografie von Charlie Chaplin, gespielt von Robert Downey Jr. unter der Regie von Richard Attenborough. Kann er damit Plor überzeugen?
Wir reden ausführlich über das Leben und Wirken Charlie Chaplins, über Zentrales, Kontroverses, Vergessenes und Anekdotisches, und versuchen dabei immer auch im Auge zu halten, ob es dem Film gelingt, der Persönlichkeit und dem künstlerischen Genie Chaplins gerecht zu werden.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 160: Chaplin (1992) – Legendäres Biopic oder aufgehübschter Wikipediaartikel? Publishing Date: 2024-01-24T06:43:15+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/01/24/episode-160-chaplin-1992-legendaeres-biopic-oder-aufgehuebschter-wikipediaartikel/
Johannes Franke: Dann haben sie zusammen die United Artists gegründet, was im Film auch viel zu kurz kommt. Komplett. Dass Chaplin so ein wichtiger Typ war, was Produktion betrifft. Das geht komplett verloren. Ich möchte einmal kurz erzählen, wie es dazu kam. Herzlichen Glückwunsch ihr da draußen, dass ihr es auch geschafft habt, den mir am wichtigsten Filmemacher in einem Biopic zu sehen. Wenn ihr den Film nicht gesehen habt, dann geht und guckt den Film, bevor ihr euch diese Folge anhört. Und wenn ihr dann glaubt, dass wir alle Lücken füllen werden, die dieser Film gelassen hat im Leben von Charlie Chaplin, das werden wir in anderthalb Stunden, die wir haben, auch nicht schaffen, oder, Blor? Ich weiß es nicht. Ich verlasse mich ja auf dich, dass du die Lücken füllen kannst, weil ich kann die Lücken nicht so gut füllen. Ja, ich habe mir noch einmal die Autobiografie von Chaplin zu Gemüte geführt. Im Dreifachvorlaufgeschwindigkeit, weil ich das in einer Woche sonst nicht geschafft hätte, hat mir das jemand vorgelesen. Und ich muss dazu sagen, vorweg, ich bin als kleines Kind damit, ich weiß nicht, wie alt ich war. Ich habe keine Ahnung. Solange ich denken kann, habe ich Chaplin geliebt. Und ich habe diese Autobiografie wahnsinnig früh gelesen. Und ich verbinde mit dem, wie er schreibt, was er schreibt, eine Heimat irgendwie, aus irgendwelchen komischen Gründen. Als Kind habe ich immer gedacht, ja, ich muss ja wiedergeboren sein. Also Chaplin ist 77 gestorben, habe ich mir ausgerechnet, okay, hat er jetzt sechs Jahre Zeit gehabt und dann bin ich das geworden. Sechs Jahre ist die Seele herummeandert, bis sie endlich den Körper gefunden hat, zu dem sie passt. Das war meine Überzeugung als Kind, weil ich gedacht habe, das muss doch irgendwo herkommen, dass ich so eine Verbindung dazu spüre. Und ich habe vielleicht beim ersten Lesen nicht alles verstanden, was er geschrieben hat. Aber ich habe so eine Verbindung aufgebaut und ich habe die jetzt beim Hören wieder so gespürt, obwohl ich damals Deutsch gelesen habe und jetzt Englisch gehört habe. Es ist unglaublich. Deswegen musst du leider, Plur, derjenige sein, der die ganze Zeit sagt, das funktioniert alles nicht, das stimmt alles nicht. Ich muss der Grinch sein. Was ist denn das eigentlich für ein bitte vieler Arsch? Solche Sachen musst du alle bringen, während ich die ganze Zeit sagen werde, aber guck dir doch an, was für ein großartiger Mensch dieser Mensch war.
Florian Bayer: Aber vielleicht als Vorwort, wir sind ja auch nicht hier, um Chaplins Autobiografie zu bewerten, was ich gar nicht kann, weil ich sie nicht gelesen habe. Ja, ja, ja, ist richtig. Wir sind auch nicht hier, was wir aber trotzdem machen werden, um Chaplins Leben zu beurteilen, was einem ziemlich schwer fällt aus der Distanz. Es soll heute wirklich um den Film gehen, Chaplin aus dem Jahr 1992, ein Biopic von Richard Attenborough. Der einmal das komplette Leben von Chaplin verfilmt hat und zwar wirklich komplett. Also es gibt ja zwei Arten von Biopics, die einen, die zeigen so einen Ausschnitt, der sehr zentral ist für den gesamten Lebensweg. Zum Beispiel der Film über Truman Capote, der sich wirklich nur diesen Abschnitt nimmt, wo Capote Cold Blood geschrieben hat und dann einfach daraus quasi seine ganze Person ableitet. Und dann gibt es die filmischen Biografien, die sagen, okay, wir gehen einmal von der Kindheit bis ins hohe Alter, so wie unter anderem auch die Koffernbiografie das gemacht hat, die wir vor zwei Wochen besprochen haben. Oder Molière oder so. Molière kenne ich nicht, aber genau. Und Chaplin gehört definitiv in zweite Kategorie, der beginnt, der zeichnet einmal den kompletten Lebensweg von Chaplin nach, natürlich mit Fokus auf bestimmte Sachen, natürlich mit Gewicht auf bestimmte Episoden aus seinem Leben und Episoden werden weggelassen und vielleicht auch wichtige Sachen werden weggelassen, aber er versucht sich so einmal durch das gesamte Leben von Chaplin zu kämpfen. Und damit herzlich willkommen zu Muss-Man-Sehen-Podcast, zu einer neuen Episode von Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Wo wir uns gegenseitig Filme empfehlen und sagen, du musst dir jetzt gucken, egal ob du willst oder nicht, ich will deinen Horizont erweitern. Genau, das ist das Ziel. Die Filme sollen den Horizont des anderen erweitern. Und habe ich das geschafft, Blur? Was? Ich habe deinen Horizont nicht erweitert?
Florian Bayer: Johannes. Ja? Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr meine Bekanntschaft zu dir meinen filmischen Horizont erweitert hat, insbesondere was eben sowas betrifft wie Chaplin. Ja. Ich mochte Chaplin auch schon, bevor ich dich kannte, aber was ich durch dich alles über Chaplin gelernt habe, ist unmöglich, irgendwie irgendwo rein zu quetschen und dafür bin ich dir auf jeden Fall auch voll dankbar, dafür würde ich dir immer dankbar sein. Was für ein Drück für diese Episode, dass ihr da draußen auch was davon lernt. Und dementsprechend bin ich mit einem gewissen Chaplin-Vorwissen schon an diesen Film rangegangen und dementsprechend konnte dieser Chaplin-Film meinen filmischen Horizont nicht erweitern, weil er dafür als Biopic meiner Meinung nach einfach zu sehr, generisch ist so ein fieses Wort, aber doch zu sehr Standardformeln folgt. Und zum Zweiten auch, weil ich finde, er scheitert in ganz zentralen Punkten. Also er scheitert in zwei Sachen, die ich eigentlich von ihm erwartet hätte, dass er zumindest eines von beidem macht und eins hätte gereicht. Und zwar entweder mir den Künstler Chaplin zu präsentieren und zu zeigen, was seine Kunst besonders macht. Ja. Oder eben zu erzählen, was die Person hinter dem Künstler ausmacht, was in dem Gemüt von Chaplin vorgeht.
Johannes Franke: Also die zwei Sachen, die ein Biopic überhaupt erst zur Aufgabe macht. Ja. Okay.
Florian Bayer: Und ich finde, er ist leider in beidem nicht erfolgreich. Und ich glaube, wir werden in dieser Episode, werden wir versuchen zu erkunden, warum er meiner Meinung nach darin nicht erfolgreich ist. Aber das will ich hinterher schieben noch. Das ändert überhaupt nichts an meiner Einstellung zu Charlie Chaplin. Okay. Ich halte Charlie Chaplin für einen der wichtigsten Filmmenschen des 20. Jahrhunderts. Und für einen der größten Filmkünstler des 20. Jahrhunderts. Und ganz viel, was ich davon habe, habe ich auch, um es nochmal zu betonen, dank dir. Weil ich durch dich viel über Chaplin gelernt habe. Und deswegen, alle meine Kritik an diesem Film kannst du auch immer so rückspiegeln als Lob an dich, weil du das tausendmal besser gemacht hast als dieser Film.
Johannes Franke: Okay, ich hatte 10 Jahre, 20 Jahre Zeit, dich die ganze Zeit zu nerven mit Chaplin. Aber ich muss dazu sagen, ich habe natürlich einen vernebelten Blick. Neben mir saß die ganze Zeit eine meckernde Schari, die sagte, erzähl mir doch mal was, Film, was soll denn das? Und ich sehe genau das, was du jetzt gerade sagst, saß direkt neben mir die ganze Zeit beim Gucken. Und dann habe ich erst mal gemerkt, okay, ja, vielleicht fehlt hier was, hier fehlt vielleicht dort was. Und ich habe den Film trotzdem geliebt, weil er dort andockt, wo meine Liebe hängt bei Chaplin. Und deswegen habe ich einfach keine Chance, diesen Film auch nur im Ansatz für das zu kritisieren, was vielleicht tatsächlich kritisierbar wäre. Nämlich, dass er tatsächlich sehr viele Punkte, die er eigentlich machen müsste, nicht macht, sondern eigentlich nur so Stationen abarbeitet, ohne dir ein Gefühl dafür zu geben, wer Chaplin war. Aber das Gefühl bringe ich halt schon mit, leider. Deswegen kann ich das nicht sehen.
Florian Bayer: Das Merkwürdige an diesem Film ist ja, dass er unfassbar aufgebläht ist. Also rein quantitativ, das Ding geht zweieinhalb Stunden. Es gab einen Rough Cut von vier Stunden. Ja, ich hätte gerne den Rough Cut gesehen. Er geht zweieinhalb Stunden. Er hat unglaublich viel Masse an Filmen. Und er erzählt unglaublich viel. Also er versucht unglaublich viel zu erzählen. Er hat Chaplins Verhältnis zur Kunst, zum Film, zu den Frauen, vor allem zu den Frauen. Er hat so viel da drin. Und dafür, dass er so aufgebläht ist und dafür, dass zugleich sein Sujet so groß ist, weil Chaplin hat einfach mal ein verdammt langes Leben und da ist verdammt viel passiert, fühlt er sich erschreckend dünn an. Und ich saß danach und dachte die ganze Zeit, das fühlt sich wirklich komisch an, weil dieser Film ist so vollgestopft und das Leben von Chaplin ist so vollgestopft. Und wenn ich den Film fertig geguckt habe, habe ich trotzdem das Gefühl, ich nehme da überhaupt nicht mit, was über das Filmische hinausgeht. Und er hat ja seine Stärken im Filmischen selbst. Er ist ja sehr solide inszeniert, er hat tolle Kostüme. Das Schauspiel ist durch die Bank stark und so weiter. Wir werden auf das alles eingehen. Aber darüber hinaus, was so Tiefe betrifft, gibt er irgendwie nichts, um es mal ganz hart zu sagen.
Johannes Franke: Hat er vielleicht versucht, also in Chaplins Leben ist so viel passiert, wahnsinnig viel passiert. Tatsächlich gibt es für jedes Jahrzehnt mindestens zehn große Dinge, die man erzählen kann, die man auch auf einen kompletten Film aufblähen kann. Also noch nicht mal aufblähen muss, sondern einfach das runterkürzen wahrscheinlich dann sogar schon. Und Richard Attenborough wollte eigentlich eine Miniserie machen. Ja. Das heißt, er wollte eigentlich die Geschichte natürlich viel, und das zeigt auch der Vier Stunden Rough Cut, viel ausführlicher zeigen. Er wollte alles erzählen, das war sein Ding. Und das Ganze, wenn möglich, irgendwie in einer Miniserie. Dann hat das nicht geklappt. Und er hat dann nicht angefangen zu sagen, okay, ich konzentriere mich auf die paar wichtigen Sachen, die mir wichtig sind. Und, sondern er hat immer noch versucht, alles unterzubringen. Und ich glaube, das ist das große Problem. Wenn man so ein Herr der Ringe im Kopf hat, aber dann nur so ein TV-Special bekommt, also, gemeiner Vergleich, dann funktioniert das nicht mehr. Das Konzept funktioniert dann nicht mehr.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja, dass sich Attenborough selbst um die Produktion gekümmert hat, zusammen mit Mario Kassler, der jetzt auch kein Unbekannter ist, was Produktion von großen Filmen oder von Hits Anfang der 90er betrifft. Neben den Rambo-Filmen hat er Anfang der 90er zum Beispiel Total Recall und Basic Instinct produziert. Die beide ja so als Paul Verhoeven-Skandalfilme ziemlich erfolgreich waren. Und, also, eigentlich hatte Richard Attenborough das sehr viel in der Hand. Der war Produzent und Regisseur Anfang der 90er. Der war ein großer Name. Also, um kurz auf ihn einzugehen, er hat unter anderem Gandhi gedreht. Das heißt, er hatte auch Erfahrungen, was Biopics betrifft. Und Gandhi war zum Beispiel auch ein episodisch erzähltes Biopic, was einmal durchs gesamte Leben springt. Und abgesehen von den Romantisierungen der Hauptfigur gegenüber hat er getroffen. Der hat gesessen. Man hatte danach das Gefühl, okay, ich verstehe ein bisschen mehr von diesem Mahatma Gandhi. Okay. Der hatte damit irgendwie Erfahrung auch. Und dann ist ihm das Projekt aber irgendwie entglitten. Und ich glaube, es liegt daran, wie du schon gesagt hast, dass wenn man versucht, das ganze Leben von Charlie Chaplin in zweieinhalb Stunden Film zu quetschen, dann kann einem das nur entgleiten.
Johannes Franke: Was hättest du genommen? Also, wenn du gesagt hättest, ich muss mir drei Sachen raussuchen. Welche drei Sachen sind die wichtigen Sachen, die man größer erzählen könnte?
Florian Bayer: Also, der Film bietet ja so ein bisschen an, dass Chaplins Geschichte auch immer so ein bisschen als die Suche nach Liebe und Geborgenheit erzählt wird. Versucht er vor allem in den Schlussminuten, wenn Chaplin seinen Ehrenoscar erhält und dann hinter der Bühne sitzt und die Szenen aus seinen Keystone-Dingern sieht und eher so ein bisschen gelangweilt und genervt reagiert. Aber dann kommt diese eine Szene aus The Kid, der schönsten Szene der Filmgeschichte. Absolut, absolut. Wenn das kleine Kind auf dem Auto ist und, kannst du mir das Jahr automatisch nennen? Ich müsste immer nochmal googeln, wann ein Kind produziert wurde. Wo das kleine Kind aus dem Jahr, nein, 1921, wo das kleine Kind auf dem Auto ist und um Hilfe schreit, weil es vom Trump gerade weggenommen wurde und dann kommt der Trump rausgerannt und kämpft und schafft es auf das Auto und umarmt das Kind und es ist einfach eine schöne Szene, wenn sie wieder vereint sind.
Johannes Franke: Und was übrigens nicht sofort funktioniert hat, Jackie Coogan, der Junge, der konnte nicht weinen, der hat es irgendwie partout nicht hingekriegt und dann Chaplin war am Verzweifeln, was mache ich jetzt, was mache ich jetzt, ich kriege es nicht hin und ich weiß auch nicht, wie ich es machen soll. Der Vater ist ans Set gekommen, also er war die ganze Zeit am Set natürlich und hat dann den Jungen zur Seite genommen und Chaplin hat schon gedacht, oh Gott, was macht er jetzt mit dem? Ich gehe lieber da drüben in diesen Raum, in dem ich nicht mitbekommen muss, was da passiert. Dann ist er wieder rausgekommen, der Junge hat geweint, die haben die Szene gedreht und danach hat er ihn umarmt und getröstet und hat gefragt, was hast du denn mit dem Jungen gemacht, dass der jetzt so geweint hat? Dann hat der Vater gesagt, ich habe ihm gesagt, wenn du jetzt nicht sofort weinst, dann nehmen wir dich mit nach Hause und du darfst nie wieder hier ans Set.
Florian Bayer: Heartwarming und gleichzeitig ziemlich gruselig. Oh Mann. Genau, mit dieser Szene aus The Kid wird ja auch so ein bisschen erzählt, dass Chaplin sich da selbst wieder drin findet, als der, der eben gesucht hat und irgendwie Zuneigung und Liebe wollte. Die Geschichte seiner Mutter wird ja auch am Anfang relativ lange erzählt im Vergleich zu anderen. Und ich glaube, darauf ein bisschen Fokus zu setzen, hätte ich spannend gefunden, wenn es um die Person Chaplins geht. Aber tatsächlich hätte ich mir auch ganz banal mehr Künstlerisches gewünscht. Wir sehen so wenig Künstlerisches von Chaplin. Wir sehen kaum was von The Kid, wir sehen kaum was von Gold Rush, wir sehen kaum was von... Wir sehen so technische Prozesse, ne? Ja, aber auch so kurz und nicht mal... Also vor zwei Wochen haben wir über Man on the Moon gesprochen, der vieles falsch macht. Was wir auch dann festgestellt haben, dass das auch nicht 100% funktioniert als Biopic. Aber wenn Man on the Moon etwas gelungen ist, dann eben mir zu zeigen, worin das künstlerische Genie von Kaufmann liegt. Ja, das stimmt. Was ihn so besonders macht. Und das fehlt ja halt. Ich hätte mir öfter mal so gewünscht, zeig mir mal ein paar Drehs, ein bisschen länger, ein paar Filmzehen, zeig mir auch wie Chaplin seine Persönlichkeit da mit reinbringt und was er da macht. Menschen, die Chaplins Karriere nicht kennen, die erkennen kaum, dass da, oh jetzt wird gerade The Kid gedreht, oh jetzt kommt Gold Rush. Oh, okay. Beim Diktator ist es was anderes. Beim Diktator nehmen sie sich ein bisschen mehr Zeit, aber auch da ist es nur so die Hitler-Obsession, die sie einmal ausspielen. Und dann um einmal seine Rede, um zu zeigen, wie Hoover drauf reagiert. Das ist ja auch der wichtige Moment, um zu erzählen, dass er rausgeschmissen wird. Genau, aber es ist der wichtige Moment, um zu erzählen, was dann als nächstes passiert ist. Aber es ist nicht der wichtige Moment, um zu zeigen, was Chaplin mit diesem Projekt verbunden hat, was ihm darin wichtig war, wie es für ihn war, den Tramp sprechen zu lassen, ein Talkie mit dem Tramp zu machen und den auch so ein bisschen zu verabschieden. Und das alles ist komplett verloren, weil sie halt drumherum so viel anderes erzählen.
Johannes Franke: Wobei ich trotzdem die Szene schön finde, wo er das erzählt, wo er sagt, stell dir das vor, Nijinsky, glaube ich, nimmt er als Beispiel, der auf der Bühne steht und tanzt, also großer Tänzer und dann tritt er an die Bühnenkante und erzählt mit Fizzle-Stimme irgendwelche Anekdoten. Das funktioniert nicht, die Magie ist weg und es ist vorbei. Und das ist genauso mit dem Tramp, der kann nicht reden. Und das macht er auch seine ganze Autobiografie lang stark, dass das irgendwie echt ein Problem ist, auch weil Chaplin einen britischen Akzent hatte und immer als Amerikaner wahrgenommen wurde. Ja, er war ja auch sehr amerikanisch. Ja.
Florian Bayer: Auch mit seiner ganzen Karriere war er sehr amerikanisch. Aber genau, da wird mir halt auch nur erzählt, da werden mir halt auch nur so die Fakten genannt, warum war Chaplin gegen Talkies, wie stand Chaplin dazu. Aber es fehlt mir einfach so dieser Bezug zu seiner Kunst. Ich meine, wenn ich sehen will, wie ein alter Mann gegen Talkies anschreit, dann muss ich das nicht von Chaplin sehen. Ich will wissen, ich will viel mehr davon sehen, wie Chaplin dann eben damit umgeht. Und es gibt ja diese kurze Szene, wo er dann auf die Idee kommt, wie er Geräusche reinbringen kann. Aber es wird alles so abgehandelt. Das sind auch alles Sachen, die ich schon wusste. Also ich meine, in dem Fall über City Lights haben wir halt gesprochen, dass es so lustig ist. Und es sind ganz viele Sachen, die ich über dich weiß. Aber es sind halt Sachen, die ich weiß. Der Film gibt mir dann einfach nicht mehr. Und wenn ich Chaplin nicht so kennen würde, wie ich ihn kenne, wäre ich ganz oft lost in dem Film. Und das war ich auch unter anderem bei seinen Frauengeschichten. Ich habe dann doch mal wieder schnell aufgemacht und geguckt, welche Frau ist es gerade? Ah, auch noch eine Schülerin. Interessant. Wie alt ist die jetzt? 15. Okay, kann man machen? Ja? Nein.
Johannes Franke: Das ist wirklich ein großes, schlimmes Thema. Wollen wir das hinter uns bringen? Das große Thema Frauen?
Florian Bayer: Also ich hatte das nicht so in Erinnerung, dass Chaplin eine solche Vorliebe für Minderjährige hatte. Ich wusste, dass es diese eine Affäre gab, die er geheiratet hat. Ich wusste nicht, dass es fünf davon gab.
Johannes Franke: Scheiße. Ja, leider. Es tut mir wahnsinnig leid. Das ist wirklich ein großes Problem, was Chaplin auch in seiner Reflexion und so nie groß problematisiert. Und auch nie so richtig so erzählt, als wäre das wirklich ein Problem. Oder könnte man da irgendwas drin sehen oder sowas.
Florian Bayer: Es ist ja nicht Pädophilie, es gibt ja einen extra Begriff dafür, für diese Zuneigung zu Mädchen, die in der Pubertät sind. Und es wird auch tatsächlich, ich glaube es wird auch, es wird irgendwie anders behandelt als Pädophilie im Klinischen. Es wird nicht, weil es wird gesagt, es ist irgendwie, es hat, es ist natürliche, irgendwie eine Art natürliche sexuelle Reaktion, weil die Frauen halt schon so weit entwickelt sind, dass sie geschlechtsreif sind und dass sie körperlich etwas weiter entwickelt sind. Aber natürlich ist es trotzdem hochproblematisch.
Johannes Franke: Ja, völlig.
Florian Bayer: Wenn ein 25-Jähriger, 30-Jähriger, 40-Jähriger, 50-Jähriger. 53, als er wen? Ach fuck. Affären mit jungen Mädchen hat, die einfach noch nicht volljährig sind. Ja. Und offensichtlich hatte Chaplin das einfach. Chaplin hat sich zu jugendlichen Mädchen hingezogen gefühlt. Ich glaube, das ist so, wenn man sich seine Vita anschaut und die Frauen, mit denen er zusammen war und die er geheiratet hat oder mit denen er Affären hatte. Offensichtlich hatte Chaplin da eine Zuneigung zu jungen Frauen. Und offensichtlich auch ohne schlechtes Gewissen. Es sei denn, du sagst mir jetzt was anderes aus der Autobiografie. Was ist die Frage? Hatte er ein schlechtes Gewissen deswegen? Hat er das irgendwann mal reflektiert?
Johannes Franke: Nein, nicht, dass ich das gerade aus den Untiefen meines Gehirns rausholen könnte. Nein, ich habe kein Gefühl dafür, dass Chaplin irgendwann mal das so als Thema für sich reflektieren würde und sagen würde, das war vielleicht nicht so geil oder sowas. Was er macht ist, im Buch, wenn die Anbahnung einer Beziehung stattfindet, die er erzählen will, mit einer jungen Dame, was sie ja immer waren, dann hat er tatsächlich so Gespräche mit reingebracht. Mit Douglas Fairbanks, der gesagt hat, komm, die kann ja noch nicht mal einen Satz gerade ausreden. Genau. So haben die miteinander geredet. So was passiert. Aber Chaplin hat das irgendwie sonst nicht problematisiert und sonst nicht so reflektiert, dass man sagt, er wusste einzusortieren, was da passiert eigentlich. Ich finde es ziemlich krass. Ich finde es halt auch krass, weil der Film das nicht reflektiert und auch nicht kritisiert. Weil er auch eine 16-Jährige tatsächlich vor die Kamera holt. Mila Jovovich als Mildred Harris. Ja. Und die hat eine Nacktszene.
Florian Bayer: Die hat eine Nacktszene. Mit 16, was ist das denn? Und ich fand das auch tatsächlich eine wirklich unangenehme Szene, weil das ist dieser Moment, wenn man begreift, weil es ist ja tatsächlich diese Mary, diese Hollywood-Darling, die mit Chaplin so eine eigentlich ganz witzige Beziehung hat, freundschaftliche Beziehung oder feindschaftliche Beziehung oder wie auch immer. Die sagt zu ihm, do you know the term Jailbait? Als er zum ersten Mal dieser Mildred hinterher hechelt. Ja. Und das bedeutet offensichtlich, also Jailbait ist so Knastköder. Heißt quasi, du darfst natürlich auch in den USA des frühen 20. Jahrhunderts darfst du keinen Sex mit Minderjährigen haben. Sprich, du siehst eine Frau und denkst, aha, die ist attraktiv, aber eigentlich kannst du dich in den Knast bringen, weil du nicht siehst, dass sie jugendlich ist. Und es gibt auch in diesem Film, wahrscheinlich auch gar nicht so beabsichtigt, gibt es wieder diese unangenehme Szene, wo wir merken, oh fuck, die ist richtig jung. Weil wenn wir sie sehen, so wenn sie dann auch so sitzt, so halb bekleidet, denkt man, okay, das könnte auch eine 20-Jährige sein, die da spielt. Aber dann haben wir diese Nahaufnahme von ihr, wie sie ihr Lippen schminkt und dann sehen wir diese kindlichen Hände oder diese jugendlichen Hände mit den abgeknabberten Fingernägeln. Ja, voll. Wo du diesen Moment hast und denkst, oh shit, ich sehe die Hände und weiß direkt, die ist wirklich jung und es gab in Taxi Driver auch so ein, zwei Szenen mit Jodie Foster, deswegen ist mir das jetzt wieder so stark aufgefallen, wo man halt so sehr aufgetakelte, geschminkte Frauen sieht, Mädchen sieht und die halt schon reif sind für ihr Alter und denkt so, die sehen aus, als ob sie schon fast volljährig wären. Und dann gibt es aber diesen verstörenden Moment, wo man versteht, shit, die sind jung und da Finger weg. Und dieser Moment hat dieser Film auch, aber eben nicht wie bei Taxi Driver, diese kritische Auseinandersetzung damit, sondern das wird ja einfach romantisiert. Sie wird ja wirklich, sie wird ja auch sexualisiert in dem Film und sie wird ja auch, das ganze Ding wird ja auch so als romantisch dargestellt. Und ja, es ist echt schwierig. Es ist schwierig sowohl in Chaplin's Vita, als auch wie der Film damit umgeht.
Johannes Franke: Absolut. Nun kommt natürlich dazu die Frage, ob das jetzt Predator-Vibes hat oder nicht, weil das ja auch nochmal ein kleines bisschen einen Unterschied macht, ob man danach jagt und das sucht und so oder ob das etwas ist, was in seinem Leben einfach, naja, er hat sein Leben so eingerichtet, dass immer wieder junge Schauspielerinnen zu ihm kommen müssen.
Florian Bayer: Ja, aber er sucht, also er hat wahrscheinlich mehr als genug Frauen mit denen er in einer Beziehung, eine Affäre oder eine Ehe anfangen könnte und er sucht sich ja sehr gezielt die jungen Frauen raus, die minderjährigen. Und Predator ist vielleicht das falsche Wort dafür auch, worauf wir vielleicht auch nochmal zu sprechen kommen können, wie abusive Chaplin in seinen Partnerschaften war, weil da gibt es ja offensichtlich auch Sachen, die man dann erfährt, wenn man tiefer in das Sujet eintaucht, die, ich gehe mal davon aus, die Autobiografie auch nicht thematisiert. Jetzt bin ich mal gespannt, erzähl mal. Aber auch überhaupt nicht, nein, dass Chaplin ein ziemliches Arschloch war mit seinen Frauen, dass er ziemlich hässlich sich gegenüber Mildred verhalten hat nach ihrer Eheschließung, unter anderem auch permanent eben mit diesem Vorwurf, dass sie, was ja in dem Film auch gemacht wird, dass sie ihn quasi in diese Ehe reingetrickst hat, indem sie sich in der Schwangerschaft ausgedacht hat. Aber auch zu seiner zweiten Frau Lita, die ja auch minderjährig war, dass er da einfach wirklich böse war und die dann auch im Nachhinein gesagt haben, das war keine schöne Ehe, der hat mich beleidigt, der hat mir gedroht, das war übergriffig und sowohl psychisch als auch physisch und das wird halt von dem Film auch so ziemlich ausgespart und stattdessen werden die Geschichten halt immer so gedreht, dass Chaplin schon irgendwie als der Gute rauskommt. Wir haben die hinterhältige Mildred, die ihn in die Ehe lotst, wir haben die Verrückte, mit der er eine Affäre hat, die dann auch wirklich die Verrückte ist einfach und nichts anderes. Da kann man bestimmt auch nochmal eine andere Perspektive auf diese Geschichte werfen. Ja, also ich meine, das ist natürlich hoch spekulativ. Total, aber wie der Film das macht, ist halt auch, also der Film erzählt es hoch spekulativ im Sinne von Chaplin. Und wenn du sagst, du hast die Autobiografie jetzt nochmal ganz frisch gehört und du hast die ein paar Mal gelesen, ich hatte das Gefühl während des Films, die ist sehr nah dran an der Autobiografie. Also sie haben sich eigentlich da bedient, eigentlich ist das ihre Hauptquelle. Das stimmt, ja. Und das vielleicht, was diese problematischen Aspekte betrifft, auch ein Fehler, weil da gibt es ja offensichtlich mehr Perspektiven.
Johannes Franke: Das ist ein kleines bisschen das, was man von der Biografie natürlich erwartet, dass man einen Blick wirft auf jemanden, der nicht, wo nicht einfach die ganze Zeit derjenige, der porträtiert wird, daneben stehen könnte und sagen könnte, ja, ist ein gutes Licht für mich, das segne ich ab. Sondern du willst ja eigentlich auch ein bisschen dreidimensionaler rangehen. Wenn du nur prayst, dann hast du natürlich auch ein eindimensionales Bild, was nicht stimmen kann. Und tut der Film natürlich auch nicht ganz, weil er eben diese Frauengeschichten durchaus auch zwischendurch ab und zu mal kommentieren lässt von Figuren und auch zeigt, aber ja.
Florian Bayer: Ich finde die Idee, dass sie ihm einen fiktiven Partner für seine Autobiografie zur Seite stellen, gespielt von Anthony Hopkins, finde ich eine total gute Idee.
Johannes Franke: Das Tolle ist, um das aufzuweichen, dass ich glaube, dass Chaplin diesen Film, wenn er den sehen würde, sagen würde, diese Figur streicht dir bitte sofort. Ich habe alles selbst geschrieben, ich habe niemanden herangelassen, auch nur irgendein Wort zu ändern. Das hat er nämlich tatsächlich. Der war so protektiv, was diesen Stoff betrifft. Der hat sich Stunden um Stunden immer wieder eingesperrt, hat geschrieben, geschrieben, geschrieben. Zum einen hatte er große Angst, dass irgendwelche Leute kommen und sagen, wir müssen das aber hier und da ändern. Das heißt, er war extra protektiv. Und zum anderen war ihm Sprache besonders wichtig. Man muss dazu wissen, dass Chaplin sehr spät erst richtig schreiben und lesen gelernt hat. Weil er einfach so arm war, die Familie war so arm, dass andere Sachen wichtiger waren. Dass er keine richtige Bildung genossen hat im klassischen Schulsinne. Es gab diese Workhouse-Episoden zweimal. Im Film ist nur einmal, aber es gab sie zweimal in seinem Leben, dass er da längere Zeit im Workhouse war. Und da gab es dann so Minimalbildung für Kinder. So ab sieben ist man in die Schule gegangen, aber naja. Ja, und Sidney, sein großer Bruder, war bei der Marine, da hat er auch ein bisschen was gelernt. Das war, der hatte, glaube ich, ein bisschen mehr Bildung genossen. Und Chaplin hat immer ein Buch mit sich rumgetragen, um jeden Tag ein neues Wort zu lernen. Er hat Bücher-Worte reingeschrieben und gesagt, ich lerne jeden Tag ein neues englisches Wort, um meinen Wortschatz zu erweitern.
Florian Bayer: Siehste, warum zeigt mir der Film das nicht?
Johannes Franke: Wirklich, solche Sachen hätte ich sehen wollen. Das stimmt, du hast vollkommen recht, natürlich.
Florian Bayer: Und es steht bestimmt auch in seiner Autobiografie, wenn du das so jetzt gerade... Nein, das steht da nicht. Auch nicht in der Autobiografie, okay. Also, um darauf nochmal zurückzukommen. Ich finde die Idee gut, so eine Person da hinzustellen. Also zum einen, ich habe das Gefühl, es gibt halt so einen Rahmen für den Film natürlich, dass sie sich über die Autobiografie unterhalten. Ich freue mich auch sehr, dass Anthony Hopkins das spielt. Ich finde es vor allem gut, weil das die Möglichkeit gäbe, nur das, was Japlin erzählt, kritisch zu hinterfragen. Und das setzt er ja auch an, aber das macht er ja nicht wirklich. Er macht es nicht wirklich. Die kritische Hinterfragung findet ja auf sehr oberflächliche Art und Weise statt. Ja, ja. Und das ist schade, das ist einfach eine verpasste Chance, weil das ist, auch wenn es wirkt so ein bisschen, als hätten sie das als Rahmen gewählt, weil sie festgestellt haben, oh Gott, wir haben zu viele Episoden, wir müssen das irgendwie so ein bisschen framen.
Johannes Franke: Aber die Idee ist trotzdem gut. Die Idee ist gut, aber die kam nicht von Richard Attenborough. Die kam von der Produktion oder von einer Person, die damit zu tun hatte, mit der Produktion. Also der hat darauf bestanden, weil der Film ja eigentlich woanders gedreht werden sollte, der hat dann inzwischen die Produktionsfirma gewechselt, weil Richard Attenborough darauf bestanden hat, Robert Downey Jr. den spielen zu lassen. Dann hat die Produktionsfirma gesagt, nee, machen wir nicht. Wer sollte ihn noch alles spielen?
Florian Bayer: Es gab einige Namen, die da rumgeschwärzt sind. Robin Williams unter anderem oder Billy Crystal. Und Attenborough wollte von Anfang an Robert Downey Jr.
Johannes Franke: Ja, und dann haben sie die Produktionsfirma gewechselt. Und die neue Produktionsfirma hat gesagt, wir müssen da drumherum diese Interviewsache bauen. Das heißt, Attenborough hat... Das sagt die Rollco dann wahrscheinlich, ne? Das weiß ich gerade nicht genau. Aber Attenborough hat das quasi nur mit reingenommen, aber es kam nicht von ihm aus. Und ich glaube, das ist ein Punkt, warum das auch nicht so ausgestaltet ist, wie es sein könnte.
Florian Bayer: Ja, es wäre auf jeden Fall eine gute Chance gewesen und die wird natürlich so ein bisschen vertan. Aber die Idee wäre es sich trotzdem zu schätzen, dem Film irgendwie nochmal so eine zweite Stimme nehmen, der Stimme von Chaplin zu geben. Weil wenn wir uns den Film betrachten, sehen wir ja natürlich vor allem Chaplin, der aus seinem Leben erzählt. Also ganz banal, dadurch, dass wir immer wieder diesen Schnitt zurück zu ihm haben, als alter Mann. Und eben auch ihn als Voice-Over über den Sachen, die in seiner Kindheit passieren, in seiner Jugend passieren und darüber hinaus. Und das Witzige ist, dass der Film ja in der Kindheit wirklich mit der Anekdote startet, die jeder kennt von Chaplin. Selbst Menschen, die Chaplin nicht kennen, kennen diese Anekdote. Dass seine Mutter auf der Bühne steht und versagt, scheitert und dann Chaplin auf die Bühne geschubst wird. Und Chaplin mit seiner wirklich süßen Nummer und mit den Münzen auf ihm das Publikum innerhalb kürzester Zeit für sich gewinnt. Und dass es ab diesem Moment besiegelt ist, dass er zum Entertainer wird.
Johannes Franke: Die Geschichte ist tatsächlich noch ein bisschen süßer als im Film. Ist ja immer mit seiner Mutter im Theater gewesen. Das heißt, er konnte ihre Nummern tatsächlich auswendig, einfach bei Sheer Presence. Und ihre Stimme war sowieso schon immer so ein bisschen dünn. Jede kleine Erkältung konnte sie irgendwie einfach verstummen lassen. Und dann gab es eben diesen Moment, wo wirklich auf der Bühne die Katastrophe passiert ist. Und dann hat der Chef des Theaters den Kleinen auf die Bühne gebracht und ihn da einfach alleine gelassen. Und er hat dann angefangen zu singen und zu tanzen. Genau die Nummer gemacht und genau imitiert. und hat dann genau an der gleichen Stelle wie die Mutter auch imitiert, dass er seine Stimme verliert. Einfach aus Innocence heraus. Einfach weil er dachte, okay, so passiert das jetzt. Und die Leute sind so ausgeflippt und haben gelacht und haben sich gefreut. Und deswegen haben die angefangen, dann Münzen zu werfen und so tatsächlich. Und Chaplin an genau dieser Stelle, wo die Münzen geworfen wurden, hat aufgehört, hat angefangen, die Dinger zusammenzusammeln. Der Chef hat geholfen, die Sachen zusammenzusammeln. Und dann hat Chaplin gedacht, wenn der jetzt die Sachen einsammelt, die Münzen, dann muss ich jetzt aber aufpassen, dass er die wirklich zu meiner Mama bringt. Sonst steckt er das in seine eigene Tasche. Das heißt, er ist dann diesem Typen hinterhergelaufen, hat ihm über die Schulter geguckt, die Leute sind noch weiter ausgerastet und haben noch mehr gelacht. Und erst als klar war, dass okay, Mama hat alles an Geld, ist er wieder zurück und hat weitergemacht.
Florian Bayer: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein! Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Genau. Also abonnieren und anderen sagen,
Florian Bayer: dass sie uns abonnieren sollen. Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das... Oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Ja, und sie haben jeden Penny brauchen können, ne? Ja, natürlich. Was für eine harte Kindheit der hatte.
Johannes Franke: Das ist wirklich krass. Jetzt sind wir so ein bisschen in der Geschichte von Chaplin und da sind so viele heartbreaking Geschichten dabei. Das ist wirklich hart.
Florian Bayer: Und du kannst mir die auch erzählen, aber können wir einmal kurz festhalten, dass der Film das sehr dünn und sehr knapp erzählt?
Johannes Franke: Ja, das stimmt natürlich. Wie gesagt, bei mir dockt das immer nur an die Geschichten an, die ich im Kopf habe. Und ich gleiche das beim Gucken nicht so sehr ab, ob das jetzt reicht oder nicht reicht. Bei mir macht das halt einfach mein Bild wieder auf und ich freue mich darüber, das zu sehen. Aber es stimmt schon, wenn ich mich jetzt an den Film so erinnere, dann ist da nicht viel Zeit drin. Einen starken Moment.
Florian Bayer: Und das ist halt, in den Film versprenkelt gibt es immer mal wieder so ein paar wirklich starke Momente. Wenn sie in ein Asylum kommt und der eine zu ihm sagt, Junge, also er ist schon ein Jugendlicher in dem Moment, willst du dich jetzt nicht einfach mal von ihr verabschieden? Das war es eigentlich. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Und das ist schon eine ziemlich harte Szene. Es wird so angeteasert, aber es wird uns nicht wirklich erzählt. Also ich bin total bei Shari, die sagt, Film, erzähl mir was. Es ist einfach nicht da. Und ich kenne ja die Geschichten auch und bitte erzähl uns irgendeine Geschichte aus der Kindheit und wir werden direkt beide feststellen, dass es schade ist, dass die im Film fehlt. Die zeigt, dass er ein hartes Leben hatte.
Johannes Franke: Das hatte er, das weiß ich. Man hat im Nachhinein festgestellt, dass sie Syphilis hatte. Also es gab, beziehungsweise damals hatte man das irgendwie schon festgestellt. Es gibt einen Medical Record von 1883 oder sowas, wo das schon klar war, dass sie das hat. Und dann hat sich das irgendwie, sie ist nicht daran gestorben, aber sie hat tatsächlich, die Auswirkungen von Syphilis waren irgendwie anscheinend so, dass man da von Mental Conditions bekommt. Friedrich Nietzsche ist auch ein berühmter Fall.
Florian Bayer: Also man weiß es nicht 100 Prozent, aber der hatte sehr wahrscheinlich auch Syphilis und das hat ihn auch in den Wahnsinn getrieben. Es war eine sehr krassierende Geschlechtskrankheit Anfang des 20. Jahrhunderts, Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Vor allem für Menschen, die promiskuitiv gelebt haben.
Johannes Franke: Ja, man glaubt, dass es der Vater war, der ihr das gegeben hat. Ja, Chaplins Vater. Der sehr umtriebig war und sehr betrunken und mit 37 auch gestorben ist an seiner Trunksucht. Also wirklich nicht mehr gut aussah, aber der war eine große Nummer in der What Will Bubble und hat dort viel gemacht, hat viel aufgetreten, hat Ansehen genossen, war aber auch nicht der reicheste. Der hat so ein bisschen die Familie unterstützt, hat zwischendurch gesagt, naja, ich unterstütze euch nicht mehr. Dann mussten die echt so ein Lawsuit anberaumen, um irgendwie ihn zu verklagen, dass sie weiter Geld bekommen. Und es war auch nicht besonders erfolgreich und das heißt, sie haben wirklich wenig Tenshilling bekommen von ihm. Nichts davon erfahren wir in diesem Film. Ja, ja, ja, ist richtig. Wissen wir was über Sydneys Vater? Nee, über Sydneys Vater weiß ich nicht viel. Keine Ahnung. Weil er, Sydney war ja offensichtlich Halbbruder. Halbbruder, genau. Und es gibt auch noch einen kleineren Bruder übrigens. Ah, der wird in dem Film und vorgeschlagen. Der wird im Film überhaupt nicht erwähnt, im Buch auch nicht viel, weil der gleich aus der Familie rausgenommen wurde, weil er zu einer Zeit geboren wurde, wo dann schon die Workhouse-Sachen existierten und so, dass man irgendwie ins Armenhaus kam und dann haben sie ihn aus der Familie rausgeholt, den Kleinen, den Jüngsten, und haben ihn zum Vater gegeben. Und der ist dann wo ganz anders weiter aufgewachsen und ist dann ganz, ganz spät erst nach Amerika und hat sich dann mit seinen Halbbrüdern wieder zusammengetan.
Florian Bayer: Ich fand tatsächlich die jüdische Herkunft von Sidney ganz spannend, weil Charlie Chaplin ja öfter mal gesagt, er wurde öfter als Jude benannt und wurde für einen Juden gehalten und so reicher Typ aus Hollywood, der beim Film erfolgreich ist und der hat ja noch schwarze Haare, das kann ja nur ein Jude sein. Und er ist damit ja auch sehr locker umgegangen und spannend finde ich, und das wird auch in dem Film thematisiert, Sidney hatte einen jüdischen Vater und bei dem, wenn es dann später zum großen Diktator kommt und Sidney total dagegen ist, dass Chaplin das macht, dann wird das in dem Film angeteasert. Das ist einer der Momente, die ich stark finde in dem Film, dass Chaplin dann zu ihm sagt, ey, aber du bist Jude und du... Gerade du müsstest doch eigentlich... Wir müssen dagegen kämpfen.
Johannes Franke: Ja, das wird immer stärker. Das ist eine Phase in Chaplains Leben, wo er wirklich sich ganz, ganz stark auf eben seine Erfahrungen aus der Kindheit bezieht, wo er wirklich plötzlich so politisch wird, wie er das, glaube ich, selber nie gedacht hätte, dass das werden würde, weil er immer in einem Feld gearbeitet hat, in so einem Comedy-Umfeld, wo man einfach nicht politisch war, weil man hat so ein bisschen vielleicht ein paar Side-Gags auf der Bühne gehabt, die ein bisschen politisch waren, aber eigentlich Slapstick-Comedy ist nicht politisch.
Florian Bayer: Es ist dem Film auch tatsächlich ganz gut gelungen, zu zeigen, wie Chaplin sehr lange apolitisch war, zum Beispiel in dieser Szene, wo wir Hoover zum ersten Mal hören und er dann mit dem Brötchen spielt. Und dann aber zu zeigen, wie er so zumindest durch diese Bedrohung mit dem Nationalsozialismus irgendwie auch eine Art von politischer Stimme findet, die naiv ist und die sehr allgemein ist und die einfach an die Menschlichkeit appelliert, aber eben trotzdem da ist und trotzdem auch stark ist.
Johannes Franke: Ja, naja, er hat sich ja auch nicht umsonst, auch im Ersten Weltkrieg schon, darum gekümmert, dass Amerika eintritt in den Krieg, um das zu beenden, hat Liberty Bonds verkauft und so. Das war ihm schon auch wichtig. Er hat auch Reden, es gab dann so im Zweiten Weltkrieg, gab es für Russland als Verbündeten, gab es auch Spendensammlungen und so. Und da hat er Reden gehalten, große Reden gehalten, die zwar auch mehr so Unfall waren, weil irgendjemand krank war und dann wurde er gebeten zu reden, hat er keine Ahnung gehabt, was soll ich sagen und hat gedacht, na gut, dann sage ich mal eine Viertelstunde lang was und hat sich dann so in Rage geredet, dass er 40 Minuten geredet hat, vor Russen, den er mit Comrades angesprochen hat. Das war schon, ich glaube, es ist nicht verwunderlich gewesen, dass Leute gedacht haben, dass er Kommunist ist. Ja. Also so wie er sich zwischendurch verhalten hat, was er an Reden geschwungen hat. Aber er ist halt immer einfach Non-Conformist gewesen und immer Humanist einfach.
Florian Bayer: Wir erfahren dann auf jeden Fall, wie der jugendliche Chaplin zuerst zum Theater kommt, zusammen mit seinem Bruder Sid, der ihn bei Mr. Kano vorstellt, in dessen Ensemble er dann landet und auch eine wirklich witzige Rolle spielt. Ist das so ein Prototyp des Trams, was er da spielt, als er diesen Betrunkenen spielt, der das Theater aufmischt?
Johannes Franke: Prototyp würde ich nicht sagen. Das ist eine Nummer gewesen, die haben viele gespielt vorher. Ah. Das ist nichts Neues. Das ist total witzig,
Florian Bayer: weil es ist ja tatsächlich so dieses, worüber wir auch bei Kaufmann geredet haben, dieses Crashen der vierten Wand, in dem er als ein Betrunkener aus dem Publikum anfängt und es gibt diesen Moment der Unsicherheit, bevor das Publikum realisiert, dass das Teil der Show ist, dass dieser Betrunkene das Theater aufmischt und sich mit dem Direktor prügelt.
Johannes Franke: Was übrigens eine Stelle im Film ist, wo ich das erste Mal denke, fuck, hier fehlt mir ganz viel. Oha. Der wird zwar, Chaplin wird von seinem großen Bruder Sidney reingeholt in die Gruppe, aber es wird überhaupt nichts darüber sonst erzählt, weil du hast einen Sprung von dem Fünfjährigen zu dem Jugendlichen. Ja. Und das ist so, ah nein, das stimmt nicht. Die haben beide gesucht, nach irgendwie Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Es war wahnsinnig schwierig. Mama war zwischendurch wieder im Krankenhaus und so und dann haben die sich auf irgendwelche Stellen beworben und haben dann auch alles Mögliche gemacht. Zeitungen verkauft oder sonst irgendwas und dann gab es irgendwo eine Anzeige, man kann sich in eine Agentur eintragen lassen für Schauspieler. Die haben sich eintragen lassen als Kinderschauspieler und dann hatte, glaube ich, Sidney das erste Mal Glück und hatte da irgendwie Zeug und Chaplin, also Charlie hatte dann irgendwie auch zwischendurch mal Glück und es hatte noch gar nichts mit Sidney zu tun, glaube ich. Und er hat dann als Billy in der Inszenierung von Sherlock Holmes so eine ganz kleine Rolle, die sich immer größer gemacht hat mit der Zeit, weil er einfach so viel Talent hatte, die kleinen lustigen Gags zu finden. Wir sind noch beim Kind Chaplin oder ist er da schon Jugendlicher? Ja, also irgendwo auf der Grenze sozusagen und hat sich wirklich selber super lustige kleine Gags ausgedacht für etwas, was gar nicht dafür gemacht war und hat sich da quasi selber noch mit hochgearbeitet. Dass Sidney ihn jetzt in diese Truppe mit reingeholt hat, das ist eine Verkürzung, die ich tatsächlich sehr traurig fand.
Florian Bayer: Aber hat Sidney ihn mit Fred Kano bekannt gemacht, der ja offensichtlich eine ganz wesentliche Rolle gespielt hat bei seiner Theater- und Bühnenkarriere? Ja, ich glaube, ich glaube, das kann schon sein. Ich weiß es nicht mehr ganz genau. Und das ist ja auch, das ist eigentlich ein ganz witziger Moment, wenn gezeigt wird, wie Chaplin dann versucht, seine, zu zeigen, dass er es drauf hat. Das Letztik nun mal improvisiert.
Johannes Franke: Ja. Und ich finde es an der Stelle allerdings da so hingestellt. Ja, ja, total. Also das Boot und ich weiß nicht, die Situation stimmt so nicht.
Florian Bayer: Es geht alles sehr schnell. Wir springen dann ja auch zum Ensemble und wir sehen ihn dann umgeben von Frauen, die offensichtlich ihn alle nicht als sexuell wahrnehmen, weil keiner hat damit Probleme, ihre nackten Brüste zu zeigen. Und muss ich aber sagen,
Johannes Franke: ist sehr akkurat. Also wirklich, wenn ich irgendwo Backstage bin, ich mache ja auch Burlesque-Shows und so weiter, es interessiert keine Sau mehr. Ja. Wir sind alle Backstage und wir ziehen uns alle um. Was soll das? Die zwei schon wieder. Auch im Theater früher, bevor ich mit Burlesque zu tun hatte, es ist einfach am Ende, wir müssen uns alle einfach umziehen und zur nächsten Szene übergehen. Was soll das? Mir ist doch egal, ob du jetzt daneben stehst. Aber ganz interessant ist dann natürlich
Florian Bayer: seine erste Liebe, Hattie, die wirklich existiert hat, dass sie eben schon, dass ihr das unangenehm ist, dass er sie nackt sieht und es wird auch so ein bisschen erzählt, dass er dadurch an ihr Interesse gewinnt, dass sie anders reagiert als die anderen. Und diese Hattie ist ja offensichtlich, also so seine große Liebe, die er irgendwie als Jugendlicher hat und dann sehr schnell aus den Augen verliert und dann erfährt er immer mal wieder so Brocken über sie aus ihrem Leben und sie heiratet dann und er freut sich auch irgendwie für sie, auch wenn er ein bisschen melancholisch ist. Er erfährt dann allerdings auch, dass sie 1918 gestorben ist.
Johannes Franke: Ja, spanische Grippe, glaube ich. Es war, ja, devastating. Und ich glaube, also es ist auch der Konsensus so ein bisschen, dass diese Figur, also dass Hattie im Grunde immer als Role Model für alle seine jungen Hauptfiguren in seinen Filmen herhalten musste. Dass es seine Idealvorstellung immer wieder von Figuren, von Love Interests war. Und ich glaube auch, dass dieses Interesse an jungen Frauen, das er sein Leben lang hatte, auch immer mit ihr zu tun hatte. Dass sein Bild von ihr in seinem Kopf so stark war, dass er das nicht loslassen konnte und sein Leben lang genau das gesucht hat. Und die deswegen auch nicht älter geworden sind, die in seinem Interesse waren, weil die alle ihr ähnlich sein mussten. Und das hat sich bis zum Ende bis Ona und Neil durchgezogen. Und Ona und Neil wird nicht umsonst von der gleichen Schauspielerin gespielt in diesem Film. Weil sie einfach sehr ähnlich sah ihr anscheinend.
Florian Bayer: Also diese Beziehung zur Ona, die dann ziemlich spät in seinem Leben schon kommt und mit der er ja am längsten verheiratet war bis zu seinem Tod. Und die meisten Kinder hatte fünf? Nein. Acht? Acht? Alter! Ich weiß, dass es viele Kinder waren, aber es waren wirklich so viele. Es waren wirklich acht Kinder. Ich glaube sieben oder acht. Er hat insgesamt zehn. Ja.
Johannes Franke: Zumindest zehn zählt das alles nicht. Zehn von denen, wir wissen. Ja, und eins ist gestorben. Ach, der ist nicht lange gelebt. Das war sehr traurig.
Florian Bayer: Kommen wir, glaube ich, gleich noch dazu. Du meinst das von Mildred, das Kind, das... Ist das von Mildred gewesen?
Johannes Franke: Ich weiß es gar nicht. Ich bin ein bisschen durcheinander.
Florian Bayer: Nee, es war Hita. Ja, das kann sein. Na, auf jeden Fall. Genau, es wird kurz diese Romanze mit Hattie angeteasert. Aber eben auch, wir müssen vorwärts springen, vorwärts springen, vorwärts springen. Und dann wird halt auch sehr schnell erzählt, wie er zum Film kommt. Und das ist so ein bisschen konstruiert, dass er da sitzt und sich diese Filme anguckt. Und sie inszenieren es so, als würde er zum ersten Mal einen fucking Film sehen. Und es macht keinen Sinn. Es macht überhaupt gar keinen Sinn. Und dann kriegt er die Szene diesen Brief, in dem steht, dass die ihn wollen in Kalifornien. Und ich habe nur hingeschrieben, ja, es ist ganz schön, aber how convenient. Ja.
Johannes Franke: Und dass er von Stan Laurel überreicht wird, der Brief. Ja. Das ist schade, dass der Film dann nicht darauf eingeht, weil Stan Laurel mit ihm ja auch unterwegs war.
Florian Bayer: Stan Laurel. Das habe ich auch mitgenommen, wo ich dachte, Mann, Stan Laurel und Charlie Chaplin hatten eine wirklich innige Beziehung. Die haben viel miteinander gemacht, die haben miteinander gearbeitet, die haben miteinander gewohnt. Tja, erzählt nichts davon. Ja, nichts. Stan Laurel kommt in diesem Film praktisch nicht vor.
Johannes Franke: Tja, schade. Aber im Buch kommt da auch nicht viel vor. Ja. Muss man auch sagen. Irgendwie. Stan Laurel übrigens für alle, die nicht so drin sind. Dick und doof. Verkennt ihr Dick und doof noch? Kennt ihr, wie heißen sie? Stan Laurel und Oliver Hardy. Stan Laurel war doof. Der lange Dünne. Der lange Dünne. Stan Laurel war der lange Dünne. Und der übergibt ihm den Brief von Max Sanit, der ihm sagt, ja, komm doch mal zu uns, wir wollen mit dir arbeiten. Es ist tatsächlich so, dass er einen Brief bekommen hat. Also Chaplin hat tatsächlich irgendwann auf Tour einen Brief von Max Sanit bekommen, hier, wir wollen gerne für 150 mit dir arbeiten. Ihnen ist jemand abgesprungen, ne? Ja, genau.
Florian Bayer: Und er war, Chaplin war mit seinen Nummern offensichtlich ein großes Talent schon. Also wurde auch schon wahrgenommen als wirklich großer V-Spieler.
Johannes Franke: Weil 150 Dollar, das war verdammt viel Geld. Ja, die haben sich auch vorher schon getroffen. Es ist, also wirklich, er ist nicht einfach ans Set gekommen und Max Sanit hat gesagt, du bist Chaplin, das kann ich mir nicht vorstellen. Sondern der war im Theater, hat ihn da als Betrunkenen gesehen, hat ihn dann später im Backstage getroffen und hat dort dann festgestellt, ah ja, er sieht doch ein bisschen jünger aus. Und hat trotzdem dieses Angebot gemacht.
Florian Bayer: Und Max Sanit wird in diesem Film von Dan Aykroyd gespielt. Ich finde Dan Aykroyd total gut. Wie jede Schauspielleistung eigentlich in diesem Film. Ich müsste jetzt erstmal mit der Lupe suchen, um zu sagen, der gefällt mir nicht so gut, er spielt das fantastisch. Ja. Diesen ruppigen, mauligen Typen, der sehr schnell bemerkt, was er an Chaplin hat, was wohl auch wirklich so war. Chaplin hat, obwohl er aus so armen Verhältnissen kam, obwohl das seine erste Chance war, sehr schnell die Diva raushängen lassen an den Filmsätzen. Es wird ja auch gezeigt, in dem Film wird dieser Konflikt, den er mit der einen Regisseurin hat, gezeigt. Und das war wohl wirklich so, dass er mit ihr extrem ruppig umgesprungen ist und gesagt hat, was er macht und was er nicht macht.
Johannes Franke: Er hat sie auch beleidigt. Er hat keine Lust gehabt, mit ihr irgendwie zu arbeiten. Er hat auch wirklich gesagt, sie hat kein Talent. Es geht alles überhaupt gar nicht. Und ungewöhnlich für dieses ganze Studiosystem,
Florian Bayer: in dem er sich da bewegt hat, für dieses Keystone-Studiosystem, Max Sanit hat auf ihn gehört. Er durfte die Diva sein und er durfte seinen eigenen Scheiß machen, einfach weil Max Sanit wusste, was er an ihm hat und wie gut er war und wie wichtig er war.
Johannes Franke: Das Tolle ist, wenn man so kurze Sachen produziert, das waren ja immer nur so zwei Reels oder so. Wie lange war ein Reel? Weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall war es, nee, zwei Reels sind schon zu viel. Man hat so irgendwie fünf Minuten, sieben Minuten, 15 Minuten, 20 Minuten gemacht. Das war's. Ich glaube, 20 Minuten war ein Reel. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. The Kid wird beworben mit six Reels of Joy. Das sind so 50 Minuten. Das stimmt das? Ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Also The Kid waren, es sind irgendwas zwischen 50 und 60 Minuten, das heißt, irgendwas knapp unter zehn Minuten wird es gewesen sein in Reel.
Johannes Franke: Okay. Und wenn man das raushaut, in dem Tempo, wie sie das rausgehauen haben, wie viele haben die in der Woche geproduziert? Ich weiß die Zahlen nicht mehr. Zu viel. Aber sehr, sehr viele. Das wirkt im Film gesagt. Dann hast du aber auch schnell das Feedback. Du kannst dann schnell sagen, okay, ich habe das rausgehauen, nächste Woche kriege ich die Zahlen dafür, wie viele verkauft wurden und so weiter. Und das ist natürlich dann ganz schnell sichtbar, wenn jemand ein großer Verkaufsschlager ist.
Florian Bayer: Ja. Wir haben ja diese wirklich coole Schnittraumszene. Die ist toll. Nach der ersten Begegnung mit Max Sennett, wo wir jetzt sehen, wie Chaplin, der ja zufällig aufs Set gelaufen ist, aus dieser Szene rausgeschnitten wird. Und dann landet dieser Filmstreifen mit ihm drauf auf dem Boden und Max Sennett sagt, da willst du eigentlich nicht landen. Und wir sehen auch nochmal diesen Blick von Chaplin auf den Boden und wir wissen, okay, er wird dann nie wieder landen. Das ist das letzte Mal, dass er aus was rausgeschnitten wurde.
Johannes Franke: Das stimmt leider nicht. Okay. Er wurde sehr viel rausgeschnitten, weil niemand verstanden hat, was er macht. Wirklich ganz lange. Also er hat, dadurch, dass sie so viele rausgeworfen haben in der Woche, hat er halt gearbeitet und hat immer wieder hier einen Gag und da einen Gag und dort einen Gag. Und dann hat ihm irgendwann der Cutter mal gebeichtet, dass er einfach fand, dass er zu hochnäsig war. Und dass die Gags zwar gut sind, aber ich fand ihn doof. Chaplin ist doof. Also schneide ich ihn raus. Oh, ouch. Ja, weil es irgendwie, er kam da hin und hat gesagt, ich weiß, wie es geht.
Florian Bayer: Aber er hat dann, also ab dem Moment, wo er von Max Sennett eingestellt wurde für 150 Dollar und das nur für die ersten drei Monate danach, gab es ja schon mehr, waren es irgendwie so 200 Dollar oder so.
Johannes Franke: Das stimmt, vier Monate, glaube ich, waren es.
Florian Bayer: Und da war er doch eigentlich ein gemachter Mann. Ja,
Johannes Franke: dann ja.
Florian Bayer: Er hat zu den wirklich gut verdienenden Schauspielern gehört in Kalifornien.
Johannes Franke: Ja. Aber wenn wir von vier Wochen reden, dann reden wir von 50 Filmen. Aber weißt du, und dann hast du die ersten Wochen, wirst du rausgeschnitten und dann hat Chaplin festgestellt, okay, wie ist der Schnittprozess? Wo muss ich meine Gags unterbringen, damit er mich nicht rausschneiden kann, weil er ja von einer Szene in die nächste muss. Also mache ich meine Gags, wenn ich reinkomme ins Bild und wenn ich rausgehe aus dem Bild. Er hat wirklich genau geguckt, wo ich strategisch seine Gags unterbringen muss.
Florian Bayer: Das passt so zu ihm. Das ist so krass. Übrigens, by the way, wir sind jetzt bei einem Fünftel dieses Films, um nochmal zu verbrechen, wie viel dieser Film, in seine Laufzeit packt von zweieinhalb Stunden. Das stimmt, ja. Die ersten 30 Minuten sind vorbei und wir haben die Mutter, die arm ist, die an Syphilis leidet. Wir haben die Kinder, die versuchen irgendwie an Geld zu kommen. Wir haben die ersten Erfolge auf der Bühne. Wir haben das Kennenlernen von Hattie. Wir haben den ersten Heiratsantrag. Wir haben den Weg zum Film. Wir haben die Schnittraumszene. Wir haben die ersten 30 Minuten und die sind so vollgestopft und jetzt wird der Tramp erfunden. Ja, was natürlich sehr romantisch erzählt wird. Ich fand es nicht gut. Ich finde es gut, dass es diesen Moment gibt, wo Anthony Hopkins sagt, das ist doch Bullshit, was du da erzählst und er dann sagt, okay, ja, die Realität ist auch ziemlich langweilig.
Johannes Franke: Aber das gehört dazu und deswegen finde ich es wieder gut. Weil, also du kannst natürlich nicht ihn sagen lassen, das ist Bullshit, wenn du nicht vorher irgendwie völlig übertreibst. Genau. Ne, ne, das ist okay.
Florian Bayer: Aber dann wird auch die Realität irgendwie so, ne, ich weiß es nicht.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wie es wirklich passiert ist. Also, Charlie Chaplin erzählt es in seiner Autobiografie schon auch relativ romantisch magisch. Natürlich macht er das. Deswegen wissen wir auch in seiner Autobiografie wahrscheinlich nicht, wie es wirklich passiert ist. Nein, das Schöne ist, dass er genau das macht, was der Film auch macht. Er schreibt da kurz danach, okay, aber eigentlich habe ich nur irgendwelche Sachen zusammengesammelt. Das finde ich sehr süß, weil er das im Film, im Buch schon andeutet und sagt, okay, ich wollte einfach alles, was muss ich widersprechen. Die Hosen müssen zu groß sein, die Schuhe müssen zu groß sein, dafür muss die Weste zu klein sein, der Hut zu klein sein und den Bart hatte sich dann im letzten Moment noch gekrallt und draufgeklebt. Einfach, weil er gedacht hat, okay, der kennt mich jetzt als älter aussehenden Typen, also muss ich mir irgendwie, vielleicht muss ich meine Figur ein bisschen älter machen, als ich eigentlich bin. Der war ja dann, wie alt war der? 19? Ich weiß es nicht genau. Oh Gott.
Florian Bayer: Das ist das Alter von Chaplin. Wann war er geboren? Wie Hitler? Ja, ja, genau. Vier Tage auseinander sind die. Also 1889 ist Chaplin geboren und wir sind jetzt bei seiner Keystone-Phase, das heißt, er wird schon Ende 20 gewesen sein, so um den Tritt. Echt? Nee, 1913 hat er bei Keystone angefangen, das heißt, nee, dann war er jünger, er hat den Tramp relativ schnell da gemacht. Ja, ja. Nee, dann war er Mitte 20. Okay. Und das Problem ist mit dieser Romantisierung, dass die halt gleich weitergeht, weil dann haben wir diesen ersten Dreh des Tramps und du sitzt halt die ganze Zeit da und denkst, really? Weil, wenn wir nach diesem Film gehen, war so ein Keystone-Ding komplett improvisiert. Es ist so. Nein. Doch. Wirklich. Natürlich. Die haben das so gemacht. Die haben das so gemacht. Aber wie kriegst du so ein Timing hin dann? Das klappt doch nie im Leben. Die haben natürlich auch ein bisschen geprobt vorher. Das kann ich, so wie die das erzählen, die haben den ersten Take und dann sagen sie und jetzt mach das und jetzt mach das und die fallen alle genau, wie sie fallen müssen und springen, wie sie richtig springen müssen. Das kaufe ich dem Film nicht ab und wenn es wirklich so war, kaufe ich das der Realität nicht ab.
Johannes Franke: Also, es gab natürlich Proben, aber es gibt kein Drehbuch aus der Zeit. Es gibt eine Outline. Aber es gibt keine Drehbücher, weil niemand je aufgeschrieben hat, was sie da vorhaben, weil keiner wusste, was passieren wird. Die haben sich gedacht, ah okay, wie wäre es denn, wenn der Trump jetzt in einem Leihhaus arbeitet und dann gucken wir mal, was da alles passieren könnte. Und natürlich wird vorher so ein bisschen durchgeprobt und die Ideen werden genauer festgeklopft, aber am Set und dann, wenn es darauf ankommt, weil Film ist teuer damals gewesen, dann, wenn man dann weiß, was man macht, dann wird gedreht. Aber es ist schon so, dass man, dass man nicht vorher alles aufgeschrieben und vorher überlegt hätte. Chaplin hat tatsächlich das erste Mal sein richtiges, komplettes Drehbuch geschrieben, als er, als er, ich glaube, den großen Diktator gemacht hat. Really? Ja, sein erstes vollständiges Dialogbuch.
Florian Bayer: Krass. Okay, das finde ich sehr schräg. Also ja, okay, bei diesen, bei diesen Dingern, bei diesen fünf Minütern und zehn Minütern ist es ja auch, aber trotzdem, weil das sind ja auch Sachen, die eine Choreografie eigentlich erfordern. Die machen ja auch Stunts, die machen ja Slapstick. Du kannst ja nicht, du musst dich, gerade wenn du in einer großen Gruppe Slapstick machst, dann musst du dich doch auf deine KollegInnen verlassen können, dass die das Zeug mitmachen, dass du halt nicht in die falsche Richtung fällst. Nicht mal wegen Verletzung, sondern einfach, weil es scheiße aussieht.
Johannes Franke: Naja, wenn du dir die alten Filme anguckst, es passiert auch viel so, dass man es nicht richtig sehen kann und das hat viel mit der Improvisation zu tun. Das ist nicht so, dass die Kameramänner nicht in der Lage gewesen wären, die Kamera so zu stellen, dass man alles sieht, sondern die Schauspieler, die waren auch einfach mal out of frame, weil sie sich nicht anders gehalten haben, was man da vielleicht festgelegt hat. Zandt, aber merkwürdig.
Florian Bayer: Wir lernen ja auch seine wichtigen Freundschaften beziehungsweise seine wichtigen Bezugspersonen in der Filmwelt kennen und zwar zum einen die Schauspielerin Edna Purvians, die hier eine relativ kleine Rolle hat insgesamt in dem Film, aber die ja für Chaplin unglaublich wichtig war. Ja, total. Die ja sowas wie eine künstlerische Muse war und seine Freundschaft, von der ich übrigens nichts wusste, nicht viel wusste, mit Douglas Furbank, der hier von Kevin Klein gespielt wird und ich bin kein großer Douglas Furbank-Experte, ich wusste überhaupt nicht, dass er mit Chaplin befreundet war, aber offensichtlich waren die richtig dicke und das wird auch in dem Film sehr schön ausgeschlachtet und sehr lange erzählt. Ich finde, dass Kevin Klein Douglas Furbank
Johannes Franke: unglaublich gut spielt. Er trifft ihn halt optisch auch saugut. Es ist wundervoll, ich liebe es und Douglas Furbank ist eine große schildernde Figur gewesen in der Zeit. Ja. Der war der große Held der Actionstreifen der Zeit damals. Ja. Und diese Freundschaft mit Chaplin und auch mit Mary Pickford und so, dann haben sie zusammen die United Artists gegründet, was im Film auch viel zu kurz kommt. Komplett. Dieses,
Florian Bayer: dass Chaplin so ein wichtiger Typ war, was Produktion betrifft, das geht komplett verloren.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Er war einer der mächtigsten Menschen in Hollywood, das erfahren wir überhaupt nicht. Du musst trotzdem entscheiden, was nimmst du in den Film rein und der ist schon zweieinhalb Stunden rein. Ja, aber wir müssen doch wenigstens erfahren, dass er nicht nur reich war, das erfahren wir, dass er reich ist, das erfahren wir, weil er sich dann ja auch diese riesige Villa kauft, die er wirklich hatte, diese monströse Anwesen, aber auch, dass er so mächtig war, dass er unabhängig war von anderen Filmstudios im Gegensatz zu allen anderen, die irgendwie immer in diesem Studiosystem waren, dass er sein eigenes Ding machen konnte, Filmstudios gegründet hat und einfach mal einer war, wenn du es dir mit dem verscherzt hast, dann hattest du in Hollywood nichts mehr zu suchen.
Johannes Franke: Ich möchte einmal kurz erzählen, wie es dazu kam. Er hat ja tatsächlich so Jahresverträge gehabt. In diesem Jahr machst du für uns zwölf Filme oder in diesem Jahr machst du für uns 24 Filme. Das waren die kürzeren und dann wurden es weniger Filme, aber dafür längere Filme. Und hat dann immer nach dem Jahr neu verhandeln können und gesagt, ja, jetzt gehe ich mal zu der Produktionsfirma oder ich gehe mal zu der Produktionsfirma und hat immer wieder mehr Geld verlangt. Und das Geld vor allem dadurch begründet, dass er genau, genau im Blick hatte, wer wie viel hinkauft, welches Geld da in den Produktionsfirmen dann landet und so. Er hat es irgendwie geschafft, immer sein Auge drauf zu halten, obwohl die Produktionsfirmen auch protektiv waren, was die Zahlen betrifft. Aber er hat auch teilweise Privatdetektive drauf angesetzt. Und dann weiß er natürlich ganz genau, was für Geld die da machen und hat wirklich immer gesagt, ich will meinen Fair Share. Ich gebe mir das Geld. Ich will das alles haben. Und er hat immer Angst gehabt, wieder arm zu sein und unter der Brücke schlafen zu müssen. War wirklich eine aktive Angst, die ihn jeden Tag getrieben hat, muss man dazu sagen. Deswegen hat er auch wahnsinnig darauf geachtet, dass er immer Geld hat und dass das Geld auch mehr wird. Chaplin war so verfluchtreich. Ja. Der hat dann irgendwann,
Florian Bayer: also bevor er noch sein eigenes Studio gegründet hat, hat er plötzlich tausend Dollar pro Monat gekriegt, was mehrere hunderttausend heute wären oder so. Unfassbar,
Johannes Franke: wie viel Geld der gemacht hat in Hollywood. Also das ist wirklich nicht mehr im Verhältnis, weil die anderen Schauspieler im Studio, die haben irgendwie immer noch so 50 oder 100 in der Woche bekommen. Ja. Das ist wirklich hart. Und er hat dann irgendwann Wind bekommen davon, durch glaube ich auch einen dieser Privatdetektiven, die er mal engagiert hat, dass die Produktionsfirmen sich zusammentun wollen, um den Hahn zuzudrehen, damit solche Leute wie Chaplin nicht mehr so viel Geld verlangen können. Sich zusammenzutun und zu sagen, okay, wir sitzen jetzt alle zusammen am größeren Hebel. Solange wir einzeln sind, kann Chaplin zu einer anderen Firma oder zu der Firma gehen, die mehr Geld bietet und wenn wir uns zusammentun, geht das nicht mehr. Und dann hat Chaplin es geheim gehalten, aber mit Douglas Fairbanks und eben mit Mary Pickford glaube ich zusammen. Und Griffith. Genau. D.W. Griffith. Ja, unser netter Südstaaten-Romantiker. Ja, oh Gott, so schwierige Person. Und dann haben die gedacht, okay, um den ganzen den Wind aus den Segeln zu nehmen, müssen wir einfach selbst eine Produktionsfirma gründen. Und der Name ist halt auch toll, ne? United Artists. Ja.
Florian Bayer: Das ist so fast so, fast ein sozialistischer Gedanke. Wir arbeiten, wir die Arbeiter, wir stehen zusammen. Genau. Und dann waren die zu viert, waren die wirklich ein unfassbar mächtiges Gespann. Ja. Und ich finde es so ein bisschen schade, dass wir die Beziehung von Chaplin zu... Mary Pickford? Ne, zu Fairbanks sehr viel mitnehmen. Und zu Mary... Zu Mary... Zu Mary Pickford, die eigentlich viel spannender zu sein scheint, so wenig. Sie ist großartig. Sie ist eine unglaublich starke Person, ne? Die hat sich... Absolut. Sie war eine der mächtigsten... Sie war die mächtigste Frau in Hollywood in der Zeit. Ja. Und sie hatte auch... Sie war auch eine, die... Sie hat auch künstlerisch sehr stark eingegriffen, Sie hat bei ihren Produktionen hat sie... hat sie das Heft in der Hand gehabt und hat sich nicht so leicht reinreden lassen. Und ich finde, in dem Film wird immer so ein bisschen angeteasert, dass es eine sehr komplizierte Beziehung zwischen Chaplin und ihr ist. Ja. Die was Freundschaftliches hat, aber eben auch was... Ja, so auch was Feindschaftliches. Ich weiß es nicht genau. Es wird halt zu wenig erzählt. Ich würde es gerne wissen.
Johannes Franke: Ja. Also soweit ich das raushöre aus dem Buch, hat er sich halt durchaus immer mal wieder mit ihr gestritten einfach, weil sie unterschiedliche Meinungen hatten und weil sie irgendwie in der... Gemeinsam in United Artists irgendwie darum sich kümmern mussten, was da passiert. Und sie war oft der Meinung, okay, wir müssen langsam diese Produktionsfirma öffnen für andere Shareholder, damit wir sicherer sind als Firma. Und er hat immer gesagt, um Gottes Willen, mein nächster Film steht an, der wird uns wieder Milliarden reinspülen und dann sind wir wieder safe. Er war immer sehr eigenbrötlerisch, wollte niemanden reinlassen. Also sie haben schon gestritten viel, aber eigentlich war das wirklich eine tiefe Freundschaft.
Florian Bayer: Sie hat ihn zwei Jahre überlebt. Und um vielleicht noch mal auf den Sexismus im amerikanischen, im Hollywood-Studiosystem einzugehen. Sie war als American Sweetheart bekannt. Sie war so verflucht mächtig und das ist so ein bisschen, wie man sagt, Mutti Merkel. Ja, genau. Wenn man eine mächtige Frau einfach mal dadurch degradiert, dass man sagt, ach, ist sie nicht süß? Ist sie sweet, sweet. Das war sie nämlich nicht. Sie war nämlich eine mächtige Frau und sie hatte extrem viel Einfluss und das ist ein ganz schönes Beispiel dafür, wie Sexismus in so einer Industrie funktioniert, einfach mit solchen Begriffen degradiert wird, unbewusst.
Johannes Franke: Jeder, der das gesagt hat, meinte das total nett. Total nett. Und Chaplin meinte das auch ganz total nett. Der hat das nämlich in seinem Buch auch viel drin. Ja. Und in dem Buch kommt eine ganze Spur zu oft, dass die Wortgruppe blanke Brüste vor, weil er irgendwie erzählt, ja, wir waren auf Bali und dann die schönen Frauen mit ihren blanken Brüsten und so und hat ganz viel so über schöne Frauen und aber eben nicht über die anderen Qualitäten so viel geredet. Also schon auch bei Mary Pickford, schon auch, muss man sagen. Aber eben viel Frauen auch darüber definiert und das fand ich ein bisschen schwierig.
Florian Bayer: Wir kommen jetzt tatsächlich zu den Frauengeschichten und zwar mit Mildred, seine erste Ehe, die von Mila Jovovich gespielt wird, die das super macht, die minderjährig ist in dem Film, die eine Minderjährige spielt, die älter ist als die Rolle, die sie spielt. Aber wir haben es ja schon gesagt, dass es so nicht problematisch ist, wie der Film diese Beziehung inszeniert, wie er überhaupt, wie nonchalant er mit der sexuellen Beziehung eines erwachsenen Mannes mit einer Minderjährigen umgeht. Und das ist eigentlich so ein bisschen auch, diese Beziehung zu Mildred ist dann so ein bisschen der Einstieg in Erzählungen von sehr vielen Frauengeschichten, die sich weiter durch diesen Film ziehen. Und Mildred wird eben einfach auch so wirklich als eine hinterlistige Frau inszeniert, die ihn halt reinlegt. Es gibt diesen Moment, wo dann Mary zu ihm sagt, ey Charlie, jeder sagt hier, du wurdest voll reingelegt, weil Mildred hat gesagt, sie ist schwanger. Und dann war es entweder, entweder war es, das ist so, da ist eine Narrativ von ihren erfundenen Schwangerschaft, um Chaplin an den Traualtar zu kriegen, oder es war eine eingebildete Schwangerschaft, oder vielleicht sogar war es eine Fehlgeburt, über die da nicht geredet wurde. Und der Film macht aber sehr stark, dass es das Erste war. Ja, Chaplin hat das auch immer stark gemacht. Das ist halt das Ding. Und der hinterfragt es dann auch nicht. Und mit Mildred, da gibt es zum Beispiel Geschichten, dass Chaplin echt ätzend und echt eklig war in dieser Ehe, die quasi seine erste Not-Ehe war. Er wird noch eine Not-Ehe schließen später, auch mit einer Minderjährigen. Und es ist fast nicht geil.
Johannes Franke: Nee, es ist nicht geil. Er hat seine eigene Form von Sexismus da drin, die ich ein bisschen seltsam finde, weil sie nicht mit dem Rest seiner Persönlichkeit übereingeht, die ich von ihm sehe, was ich für ein Bild habe von ihm. Weil er sehr humanistisch ist und sehr an den Menschen rangeht und sehr für alle Menschen, egal, es gibt keine Minderheiten, die er nicht mit einbeziehen will. Weißt du, das ist irgendwie... Humanismus galt damals nicht für Frauen. Ach Gott. Ja, und es ist seine Zeit, muss man sagen, weil auch der Film miterzählt, dass die anderen sich jetzt nicht großartig, außer eben Mary Pickford mal, darüber äußern. Also sie dulden das oder sagen, ja, normal, wie halt so das so ist, statt irgendwie sich mal mit ihm zusammenzusetzen und zu sagen, du, vielleicht ist das keine gute Idee.
Florian Bayer: Oder so wie Douglas Furbank das macht, dass es das Problematische daran nicht ist, dass es hier ein Machtgefälle gibt, sondern das Problematische ist, ey Mann, die ist doch noch... Guck mal, worüber willst du dich denn mit der unterhalten? Genau. Bei Pokémon.
Johannes Franke: Und Chaplin schreibt in seinem Buch, dass es nicht das ist, wonach er sucht. In seiner Arbeit gibt es seine intellektuelle Stimulation, aber in einer Beziehung sucht er nicht nach Intellektuellem. Das ist seine Erklärung dafür.
Florian Bayer: Das erzählt der Film ja auch ziemlich eindeutig. Ja. Also was für Chaplin das Wesentliche ist für den Beginn von Beziehungen oder besser gesagt von Affären, die zu Beziehungen werden, ist in dem Film eigentlich ziemlich klar. Es ist einfach die Optik. Ja, absolut. Absolut, ja. Wir lernen auch zum ersten Mal Hoover kennen, der halt auch eingeführt wird mit so seiner ersten großen Rede bei einem Bankett und Chaplin ignoriert das und spielt dann mit den Brötchen rum und Hoover beginnt ihn zu hassen und der Film erzählt uns dann auch so ganz eindeutig, Hoover hatte von Anfang an einen Hass auf Chaplin, der sich durch die ganze Geschichte seiner Amtszeit gezogen hat und Hoover war ein Arschloch. Also darüber müssen wir nicht diskutieren. Das kann man auf jeden Fall so festhalten. Aber der Film hat ja noch sehr viel Spaß, ihn als konstanten Bösewicht in Chaplins Leben zu inszenieren. Ich glaube, Hoover hatte auch viel anderes zu tun, als sich um diesen Charlie zu kümmern. Der hatte deutlich härtere Fälle, um die er sich kümmern musste. Also härtere Fälle in seinem Kopf zumindest. Ja, oder er hatte Leute, mit denen er deutlich härter umgesprungen ist auch. Also es wird so ein bisschen inszeniert, als ob Hoover eine, ja fast schon manig versucht hätte, gegen Chaplin zu kämpfen und sonst an nichts anderes gedacht hätte. Weil wenn wir Hoover sehen, dann kümmert er sich immer darum. Das stimmt. Aber Hoover hatte Millionen Feinde und er hatte deutlich härtere Feinde, deutlich stärkere, größere Feinde als Chaplin.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Aber er hatte wirklich eine große Akte für Chaplin. Wirklich 1900 Seiten. Also es ist nicht von der Hand zu weisen, dass da ein Problem existierte. Und Chaplin beschreibt auch immer mal wieder Begegnungen mit Hoover. Es ist dem Film ein bisschen anzulassen, dass er das wirklich singulär auf dieses Ereignis, dass das Ganze lostreten soll, irgendwie runtersublimiert. Die gekränkte Seele Hoovers, dem nicht ordentlich zugehört wird. Ja, ich glaube, Hoover hatte ganz andere Probleme in seinem Kopf, die dazu geführt haben, dass er einen Haufen Leuten Dinge unterstellt haben, die im Nachhinein sehr große Probleme und Schicksale gemacht haben.
Florian Bayer: Aber Kevin Dunn, der Schauspieler von Hoover, spielt das auch wieder, um es nochmal zu betonen, Hervorragend. Spielt das sehr stark. Ja. Und dann wird uns eben auch erzählt, wie er seine Mutter nach Kalifornien holt und wie er wirklich erstmal dieses reiche Leben in Kalifornien hat. Und dann gibt es aber auch diesen Moment, der auch sehr bekannt ist, auch so anekdotisch bekannt ist, von seiner Rückkehr nach London, wo er von jubelnden Menschenmassen empfangen wird und dann diese Menschen hinter sich herzieht und in diesem Luxushotel ist und da aber auch irgendwie raus will und dann raus geht, aber feststellt, dass er ist einfach, er kann einfach nicht mehr inkognito durch London gehen. Er zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Er ist der große Star Charlie Chaplin.
Johannes Franke: Der absolute Wahnsinn. Er hat das irgendwann mal im Buch beschrieben. Ich glaube, es ist nicht die London-Tour gewesen, sondern es gab das halt vorher schon mal, dass er von seinem Studio, ich glaube, nach New York gereist ist und dann im Zug eben von einer Station zur nächsten und hier und da umsteigen musste. und er war das nicht gewohnt, dass es irgendjemand interessiert. Aber dann hatte die Presse mitbekommen, welche Route er nimmt und wo er Halt macht. Und dann hat plötzlich wirklich an jeder Haltestelle eine Riesenmenge gewartet. Presse hat ihn versucht zu interviewen und er stand da irgendwie völlig fassungslos, was ist das? Und hat sich natürlich auch gefreut. Es hat ihn wahnsinnig gepusht, aber es hat ihn auch sehr beunruhigt. Und es gibt eine Geschichte, wie er am Zug da steht und zu irgendeiner kleinen Dankesrede ausholt und dann fällt der Zug wieder los und er wird immer lauter und versucht weiter, die Menge zu erreichen und die Menge versucht ihm hinterher zu kommen und das ist irgendwie eine komische Szene für sich, die natürlich zu Chaplin total gut passt.
Florian Bayer: Ja, total. Und das ist wohl auch der Moment, wo er feststellt, dass er in England eigentlich irgendwie nicht mehr nach England passt und er sagt dann auch im Film ganz konkret, okay, dann habe ich beschlossen, ich werde jetzt in Amerika, das ist jetzt mein Land, da werde ich Wurzeln schlagen. Ich glaube, er benutzt das Wort Roots. Ja, stimmt. Und dann geht es halt weiter mit seiner Hollywood-Karriere mit Fairbank. Es gibt eine wirklich nette Szene, wo sie am Hollywood-Zeichen rumstehen und drüber diskutieren, wie es aussieht gerade, wie es politisch aussieht und wie es künstlerisch aussieht. Und ich mag das Hollywood-Zeichen. Es ist sehr on the nose. Nee, ich mag nicht in dem Film, aber ich mag das Hollywood-Zeichen. Ich mag Bilder von Menschen, die da direkt davor stehen. Wenn wir quasi das Gerüst hinter den großen Buchstaben sehen, die wir sonst immer nur auf den Hollywood-Hills aus der Ferne betrachten. Weil es zeigt, weil es so ein bisschen entlarvt, wie banal das ist, was wir da sehen. Wenn du Beverly Hills siehst und du siehst Hollywood da stehen, dann wirkt das gigantisch. Du hast hier den größten Schriftzug der Welt auf diesem Hügel. Und dann siehst du zwei Leute da stehen und stellst fest, okay, das sind auch nur so ein paar Holzpfähle, die das zusammenhalten. Ja. Ja, ich finde, das hat... Es hat was. Es hat was von einem Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik. Ja.
Johannes Franke: Was mir fehlt, ist ein bisschen die ganzen Treffen mit irgendwelchen krassen, großen Leuten. Einstein allein. Es wäre so schön gewesen. Es gibt so schöne, süße Anekdoten von Chaplin und Einstein, wie sie sich treffen und wie sie reden und wie Einstein Chaplin dann einlädt, nach Berlin zu kommen, wie sie dann in dem sehr bescheidenen Haus von Einstein in Berlin sind und so. Es gibt sehr süße Anekdoten, auch wie Einstein bei einer Party einen Haufen Musiker mitgebracht hat, weil er Geige spielen konnte so ein bisschen und mit denen Musik gemacht hat und der Schlechteste der Runde war, seine Frau dann einmal nach jedem Musikstück gesagt hat, Schatz, du bist der Beste von allen. Du machst das sehr gut. Und dann hat er zwischendurch mal Pause gemacht. Die Musiker haben das so ein bisschen forciert, haben gesagt, setz dich mal da hin, wir spielen mal ohne dich weiter. Und er war wohl wirklich nicht so richtig gut. Aber es sind so süße Anekdoten. Es ist alles nicht in dem Film drin. Die Anekdoten geben natürlich Seele und Leben rein. Das wäre vielleicht eine Option gewesen für den Film. Es ist witzig, dass der Film so anekdotisch er ist,
Florian Bayer: zu wenig Anekdoten hat. Er hat sich nicht auf die Sidequests komplett weggelassen. Um mal in Videospielsprache zu sprechen. Und sich stattdessen voll auf die Mainquest konzentriert. Und da macht er dann aber fast so einen Speedrun. Du hast gesagt, wow, das ist eine tolle Videospielmetapher. Und das ist halt einfach so, es ist ein Let's Play. Und dann ist er plötzlich halt mit Lita verheiratet. Das ist auch so ein Ding. Und wir sehen seine beiden Söhne, die dann, keine Ahnung, zehn sind, auf einmal wie sie am Strand sind. Du denkst so, oh wow, okay, da ist was in der Zwischenzeit passiert. Ah, er hat nochmal eine Minderjährige geheiratet. Und ja, genau, diese Lita, zu der er wohl auch ziemlich ätzend war und zwar unmittelbar nach dieser Hochzeit in Mexiko, zu der er eigentlich auch nur gedrängt wurde, damit er nicht in den Knast muss, weil er mit einer 14-Jährigen gefögelt hat. Dieser Arsch. Mann, Mann, Mann, Mann. Du bist Chaplin, bist du Chaplin-Bewunderer für sein Leben oder für seine Kunst oder bringst du das beides zusammen? Was hältst du denn von Chaplin als Person? Weil das fließt ja dann doch auch immer so ein bisschen miteinander über. Findest du, dass es ein Arschloch ist? Ganz banal, vulgär gesagt.
Johannes Franke: Ich glaube, so sehr er global gesehen gedacht hat und gedacht hat, okay, wir müssen Menschen wieder helfen, Menschen sein zu können, ihnen die Macht in die Hand zurückgeben und so weiter. Typische sozialistische Gedanken, die ja immer wohl dann nicht, keine Communist Party, was ich, das ist der Teil, den ich bewundere, aber dann auf der anderen Seite und das ist halt die, die Spaltung, die in der Persönlichkeit passiert, die auch ganz viele Menschen haben. Auf der einen Seite dieses Preaching und auf der anderen Seite im privaten Leben dann doch sehr egoistisch zu sein und zu sagen, ich mache jetzt, worauf ich Lust habe, ich musste als Kind genug rumgeschubst werden, jetzt bin ich mal derjenige, der entscheidet, was passiert. Lässt sich alles psychologisch wunderbar erklären, aber ist halt ein Arschloch. Ist halt ein Problem. Ist schwierig. Und das hat ihnen reich gemacht, was ich okay finde, das darf man ruhig, wenn man sagt, okay, die verdienen alle Geld an mir, ich will auch Geld an mir verdienen, aber wenn es im privaten sich durchzieht und ein Arschloch an der Beziehung zu sein oder eben Minderjährige zu pimpern, ist das halt nicht geil. Wir sind dann auch tatsächlich in so einem
Florian Bayer: Mittelteil, wo diese Ehen sich auch abwechseln. Wir haben die Ehe von Lita, die gezeigt wird, er macht Gold Rush und dann wird irgendwie so übergegangen zu dieser Ehe mit Paulette, die auch relativ kurz war, die sieben Jahre oder so gehalten hat, wo ich kurz wirklich verloren bin und einmal gucke, ah, okay, jetzt ist er mit der verheiratet, ah, jetzt ist er mit der verheiratet, wo ich mir einfach ganz banal nochmal Wiki aufmache und gucke, wie viele Ehen hatte der Mensch eigentlich und wie viele Frauen hat er so verschleißt und wie viele Affären hatte er und da wird halt echt, wirklich durchgerauscht. Ich habe da rushed stehen in diesem ganzen Mittelteil mit von quasi von Gold Rush über City Light zu jetzt beginnt der Nationalsozialismus und er hat wieder einen Kampfplatz zum ersten Mal offensichtlich außerhalb
Johannes Franke: seiner Liebesgeschichten. Ich meine, der Film hätte das natürlich auch nochmal humoristisch machen können. Er hätte ja wirklich von einer Frau zur nächsten schneiden können, wie die Begegnung und die Trennungen passieren. Und es wäre natürlich
Florian Bayer: interessant gewesen. Es fühlt sich aber ein bisschen auch so an, also er macht es nicht, es fühlt sich so an, als ob er das hätte machen müssen, weil er irgendwie so hinterher stolpert. Und dann ist nochmal diese Ehe und die geht jetzt auch in die Brüche, weil du zu viel am Klavier sitzt und du denkst so, okay, finde irgendwie einen Punkt mal kurz anzuhalten. Es reicht jetzt, ich brauche kurz ein bisschen Ruhe, um das zu verstehen, was in dieser Zeit, in der er sehr viel Geld hat und sehr viel produziert und Meisterwerke erschafft. Ich brauche irgendwie jetzt einen Moment, wo ich entweder seine Kunst genießen kann oder über sein Leben nachdenken kann. Und beides gibt mir der Film nicht,
Johannes Franke: weil er da einfach so voll durchrast. Ich hätte an der Stelle gerne mehr über sein Leben erfahren, weil Paulette wahnsinnig wichtig war für die Zeit für ihn. Also Paulette war wirklich eine, also die natürlich, eine junge Frau, die wollte sich bei ihm vorstellen und bei ihm unter Vertrag sein, als Schauspielerin, hat er sich sie angeschaut, hat festgestellt, ja, ist ein schöner Ausschnitt, photogenic, steht gut aus, kann man vor die Kamera lassen, kann einigermaßen spielen, alles gut. Und dann hat sich da aber wirklich eine Beziehung entwickelt, die auch im Buch sehr schön beschrieben ist und die ich auch als eine der wichtigsten seines Lebens wahrnehme. Im Film wird das überhaupt nicht erzählt. Überhaupt nicht. Das kommt,
Florian Bayer: diese Ehe mit Paulette, die ja, wie du sagst, offensichtlich wichtig war, die kurz war, aber die anscheinend trotzdem eine Relevanz für sein Leben hatte, die wird komplett übergangen. Wie oft sehen wir Paulette? Sehen wir sie einmal, zweimal?
Johannes Franke: Naja, dreimal, viermal vielleicht schon. Aber mainly dann natürlich, wenn er da am Klavier sitzt und dieses Smile, versucht zu komponieren. Das ist die Zeit übrigens vor City Lights und während City Lights. Ja. Nee, nicht City Lights, Modern Times. Ja. Paulette ist diejenige, die dann in Modern Times die Frau spielt, seine Love Interest.
Florian Bayer: Siehst du, Modern Times zum Beispiel, das wird so abgefrühstückt auch. Wir sehen dieses, dass er sich damit beschäftigt, mit was die Moderne macht und dass er sich damit auseinandersetzen will. Aber es wird genau wie City Lights. Das Einzige, was wir von City Lights erfahren, der wirklich ein schöner Film ist, ist halt, dass er das Geräusch gebraucht hat für die Autotür, um zu erzählen, dass die blinde Blumenverkäuferin den Tram für einen reichen Menschen hält. Ja. Das ist alles, was wir von City Lights hören
Johannes Franke: und nachher gibt es noch eine Boxszene. Aber immerhin das. Das fand ich nämlich nicht schlecht. Das ist ein interessanter Gedankengang. Den hätte man vielleicht noch weiter ausbauen können, aber den Gedankengang, wie komme ich denn künstlerisch überhaupt auf Dinge und wie komme ich dazu? Chaplin hat in seinem Buch geschrieben, wie kommt man auf Ideen? Du musst einfach nur durchhalten. Kaue so lange auf einer D rum, bis sich irgendwas offenbart. Das ist sein Motto gewesen. Und dann erklärt sich natürlich auch, warum der die ganze Zeit im Studio sitzt und nicht mehr für seine Familie da ist. Und die Zeit vorher vor Modern Times war für ihn so eine Reflexionszeit. Er hat dann 18 Monate im Ausland verbracht, irgendwo auf der Welt. Geschichte ist er rumgereist und hat sich einfach mal erholt und hat rumgeschaut, was passiert denn eigentlich außerhalb meines Dunstkreises? Und hat dann eben festgestellt, dass die Welt in einem Zustand ist, der total ätzend findet. Und das sieht man in Modern Times eben an. So diese Automatisierung. Modern Times ist ja auch schon
Florian Bayer: ein bisschen ein Aufschrei von dem Konservativen gegen die Moderne, ne? Ja, schon. Das muss man schon sagen. Also natürlich geht es auch darum, was mit dem Arbeiter passiert in der Moderne. Und das ist sicher spannend, auch nochmal nachzuvollziehen, wie Chaplin hier vielleicht nicht als Sozialist argumentiert, aber zumindest als jemand, der verstanden hat, was die Industrialisierung mit dem Proletariat macht. Um es mal wirklich marxistisch auszudrücken. Das kommt in dem Film natürlich überhaupt nicht vor. Aber das ist ja total spannend, das auch nochmal zu analysieren. Was sehen wir in Modern Times für Spuren von Marxismus, von Humanismus, von grundsätzlicher moderne Kritik und auch von Konservatismus wahrscheinlich. Weil Modern Times besitzt ja auch so eine ganz tiefe Romantik für das Einfache, das unter die Räder kommt, im wahrsten Sinne des Wortes, in dieser technologisierten Gesellschaft.
Johannes Franke: Und es ist ein erster Film, wo er Ton mit eingebaut hat, ohne dass der Trump geredet hat. Der Ton in Modern Times,
Florian Bayer: in City Light ist ja diese eine Szene mit dem Auto. In Modern Times macht der sehr viel mit Geräuschen, ne? Ja, ja, ja. Und das ist ziemlich geil und ziemlich krass, wie er so dieses Industrielle mit Geräuschen darstellt und mit diesem Takt und das hämmern wir zum Rhythmus
Johannes Franke: und das ist schon ziemlich geil. Und auch kleine Dialogfetzen vom Chef und so, der dann, glaube ich, sogar auf Toilette noch irgendwie sagt, los, weiter, weiter arbeiten.
Florian Bayer: Also es sind auch ganz viele diese Durchsagen, die so wie aus dem Nichts zu kommen scheinen, weil wir haben die Musik und dann haben wir Stimmen, aber die Stimmen kommen irgendwie auch so aus dem Off, sind nicht so direkt verbunden mit der Szene, aber sie hämmern auch.
Johannes Franke: Das ist schon innovativ. Chaplin ist einer derjenigen, der sich wirklich überlegt hat, was kann man mit dem Ton machen. Man muss nicht einfach nur, wir machen ein Musical, damit wir den Ton ausschlachten, sondern wir machen uns wirklich Gedanken, wofür ist Ton wirklich nützlich?
Florian Bayer: Und gleichzeitig, um diese Ambivalenz nochmal zu betonen, es ist halt auch konservativ. Also Chaplin hat sich lange gegen den Tonfilm gewehrt und es hat beides. Es hat dieses Innovative und es hat dieses Konservative. Genau wie der Film auch inhaltlich dieses Innovative hat und auch dieses Konservative, weil es eben diese Sehnsucht gibt nach einem vormodernen Ort.
Johannes Franke: Ja, vor allem in der Armut aber auch, muss man sagen, es ist in der Armut verborgen. Weil die Außennutzung der Arbeiterschaft hat ja vor allem mit der Armut zu tun und wenn sie nicht arm wären, sondern eben diejenigen wären, die das nutzen könnten, was modern existiert, dann würde die Geschichte eine andere werden.
Florian Bayer: Ja, total. Und wir haben jetzt, jetzt kommen die Nazis aufs Parkett. Wir haben diese Cocktailparty und diesen Deutschen, der redet, der seine Nazireder hält.
Johannes Franke: Die das auch sehr gut auf den Punkt bringt, muss ich sagen. Chaplins, es deckt sich ganz gut mit dem Buch, Chaplins Haltung. Chaplin hat sehr, sehr früh herausgefunden, wofür Hitler da steht, wo Hitler da hin will. Und das wollte Amerika ganz lange nicht wissen. Die haben immer gesagt, wir mischen uns ja nicht ein, das ist alles euer Ding. Und dann haben sich tatsächlich auch so rechtsradikale Gruppen in Debattierclubs in Amerika mitgegründet. Und man dachte, was ist denn jetzt hier los? Wollen die das auch noch expandieren? Hierher? Was ist die Absicht? Es war ja unter anderem
Florian Bayer: ein Grund, warum dieses Haus dann gegründet wurde, die unamerikanische Umtriebe. Es gab auch eine Angst in der amerikanischen Politik vor zu großem Einfluss von Nazi-Deutschland und von der nationalsozialistischen Ideologie. Also zumindest in dem Bereich hatten die Geheimdienste und die Parlamente hatten schon so die Augen offen und die Ohren gespitzt, weil das sollte natürlich nicht passieren, auch wenn wir uns raushalten, auch wenn wir Isolationisten sind. Wir wollen nicht, dass der Nationalsozialismus zu uns rüberschwappt. Naja. Und Chaplin konfrontiert einfach diesen Nazi, der da diese Rede hält, unwidersprochen. Und es gehört auch zu den starken Szenen, wie wir dann sehen, wie Chaplin sich einfach aus einem so sehr reinen Humanismus mit den Nazis anlegt und dann auch eine Obsession für Hitler entwickelt. Wirklich schöne Szenen, wie er vor der Leinwand ist und dann Hitler versucht zu imitieren und sich das Bild anguckt von Hitler und sagt, ich weiß, wer du bist. Die anderen wissen das vielleicht nicht, aber ich weiß, wer du bist.
Johannes Franke: Ja. Genau. Diese Ähnlichkeit zwischen ihm und Hitler wurde schon Jahre vorher ihm mal unterbreitet. Ich glaube, es war Douglas Fairbanks. Es wird im Film auch kurz erzählt, dass Fairbanks sagt,
Florian Bayer: weißt du, wenn du nicht, mit dem Schnauzer als Trump siehst du aus wie er. Das hat er von dir. Und wahrscheinlich sahen sich Chaplin und Hitler gar nicht so ähnlich, aber der Schnauzer macht sehr viel aus. Ja.
Johannes Franke: Und damals hat halt Chaplin gesagt, ja, okay, aber das bringt mir ja nichts. Ich glaube, es gab sogar die Idee schon, so eine Verwechslungskomödie zu machen, aber das war noch so früh, dass sich da keiner Gedanken drum gemacht hat und Chaplin das einfach zur Seite gewischt hat. Und dann hat er sich halt erinnert, als es dann so weit war, als dann wirklich das Ganze hochkam. Und der große Diktator wurde gedreht und dann ging der Krieg los. Das hat sich alles irgendwie ineinander gegriffen und man dachte, oh mein Gott, wie aktuell wird dieser Film? Wie krass? Welche Richtung geht das alles?
Florian Bayer: Er war so ein bisschen so eine Kassandra in dem Moment. Er hat die ganze Zeit das Unglück gesehen und hat seinen Mitmenschen in Amerika gesagt, das Unglück kommt. Hier, ich leg's euch als Film hin, guckt's euch an. Und es wurde abgelehnt. Wir haben ja diese Szene, wo Sidney sagt, du kannst das nicht drehen, das will kein Mensch sehen. Und es wurde auch teilweise, haben die Kinos ja auch dagegen rebelliert. Der große Diktator war ja wirklich, wo Kinos gesagt haben, ey, bei uns in der Gegend wohnen zu viele Deutsche, wir können das nicht zeigen, wo die Deutschen so verarscht werden. Und ja, auch die Amerikaner, die wollten ja auch nicht in den Krieg. Genau, es gab der Isolationismus, der war noch sehr stark. Und niemand hat Chaplin so wirklich ernst genommen oder fand das sogar richtig kacke, was er macht. Es gab Angst vor diplomatischen Querelen mit Deutschland deswegen. Und dann fängt der Krieg an und plötzlich sieht jeder, verdammt, der war ein Prophet.
Johannes Franke: Chaplin hat das vor uns gesehen. Als er Premiere hatte, haben ganz viele Kritiker immer noch eben irgendwie seine Rede da am Ende, das ist doch alles Schmus und wir hier, das ist doch alles geht nicht und so. Und das war so gemischte Kritiken und der Erfolg, der dann aber folgte, also der Film war wirklich groß. Er hat wirklich viel Geld eingespielt auch. Es ist ja auch ein unglaublich guter Film, muss man sagen. Ja, also wir reden ja
Florian Bayer: die ganze Zeit über Filme, die besser sind als dieser Film. Tut mir leid, der große Diktator. Wollen wir nachher eine Top 3 Chaplin-Filme machen? Oh, sehr gerne. Ich muss nämlich kurz drüber nachdenken, wie ich Chaplin-Filme sortieren würde. Ja. Und ich weiß es noch nicht, wir müssen uns, ich muss mir Gedanken drüber machen. Ja, okay, okay. Wir machen gleich eine Top 3 Chaplin-Filme. Geil, oh, ich freue mich drauf. Johannes mit 20 Honorable Mentions.
Johannes Franke: Ja, genau. Mit 80. 80 Honorable Mentions. Und der eine, der nicht vorkommt, ist der, wo er nicht lustig war.
Florian Bayer: Ja, der große Diktator ist einfach ein Meisterwerk. Und was auch immer man von Chaplin als Privatperson hält, dieser Mann hat so gute Filme gemacht,
Johannes Franke: so wichtige Filme. Ich muss auch sagen, Chaplin hat immer gesagt, wenn ihr wissen wollt, wer ich bin, guckt meine Filme. Und ich verstehe es total, bis auf dieses private Problem in so Liebessachen und so, was wirklich ein großes Ding ist. Aber wenn ich den Blick zur Seite schwenke, dann ist da ein riesiger Haufen an Dingen, die wirklich wichtig und wirklich gut sind. Ja. Und ich würde mir das ungern kaputt machen lassen von diesem, diesem Scheiß, der da passiert ist
Florian Bayer: mit den Frauen. Wie ordnest du als Chaplin-Fan denn seine Beziehung beziehungsweise seine Affäre mit, wie hieß sie nochmal? Vor Ona, bevor er Ona geheiratet hat, die Affäre mit John Barry? Oder wen meinst du? Die Verrückte. Ich weiß nicht mehr, die gesagt hat, das Kind ist von ihm. Ah ja, John Barry. Ja. Wie ordnest du die Affäre ein? John Barry, die von Nancy Travis gespielt wird. Gut. Inwiefern einsortieren? Hat sie, er ist nicht Vater, würdest du sagen, von dem Kind. Weil sie hat ihn ja verklagt und er hat einen Bluttest gemacht
Johannes Franke: und es gibt so viele Gerüchte um irgendwas. Ich glaube, dass er in seinem Leben zu oft anderen Geld in die Hand gedrückt hat und gesagt hat, mir ist wurscht, wie viel Geld ich dir jetzt geben muss, aber hier habt das Geld und hau ab. Ja. Das hätte er mit ihr genauso machen können. Es war sein Stolz, dass er endlich mal tatsächlich nicht schuld ist. Würde ich jetzt mal sagen.
Florian Bayer: Der Film inszeniert es ja auch so ein bisschen so, dass er es Ona zuliebe macht, dass quasi ihre Ehe nicht befleckt wird mit diesem Gedanken, er könnte eine Affäre mit Joan gehabt haben, nachdem sie verheiratet waren.
Johannes Franke: Das ist vielleicht auch ein Grund gewesen, aber ich glaube, es war vor allem sein Stolz. Ich glaube, es war wirklich sein Stolz. Er war wirklich nicht Vater, denke ich. Es gibt natürlich die Geschichte, ja, und er hat das gekauft, also diesen Bluttest, dass der negativ für ihn ausgeht, also positiv für ihn ausgeht, ist gekauft und so, aber ich glaube es einfach nicht. Ich glaube es, weil er hat auch eigentlich seit zwei Jahren nichts mehr mit ihr zu tun gehabt. Es gab vorher so Probleme, Schwierigkeiten, die haben sich kennengelernt und sie hat so viel mit ihm irgendwie, so viel versucht, bei ihm irgendwie zu landen und das irgendwie, ja. Und auch da,
Florian Bayer: wenn man Quellen außerhalb, neben denen von Chaplin selbst hört, erfährt man halt auch, dass er wirklich übel mit ihr umgesprungen sein muss und natürlich auch von ihrem Narrativ, was sie so erzählt hat und das Ding war ja, das war, also er hatte davor ja schon seine Affären, die auch so durch die Presse gegangen sind, aber das war wirklich so ein handfester, großer Skandal wegen der Gerichtsverhandlung, auch weil Chaplin damals dann auch eben im Visier vom FBI war, dass das ausschlachten konnte.
Johannes Franke: Die haben richtig ihr gesagt, was sie machen soll, damit das alles möglichst fürs FBI gut ausgeht, ne? Also die haben sie wirklich instrumentalisiert gegen Chaplin.
Florian Bayer: Aber das ist auch dieses Narrativ des Films, da kommt wieder dieser Bösewicht Hoover ins Spiel und es wird so ein bisschen gemacht, das ist so ein bisschen, ich finde das ist so ähnlich wie das Narrativ, ja das FBI war scheiße gegen ihm gegenüber, zweifellos, aber das ist so ein bisschen wie das Narrativ, naja die Frauen, die sagen, hier Julian Assange hat uns vergewaltigt, die sind ja eigentlich auch nur Maulwürfe vom FBI, die ihn schlecht dastehen lassen, damit er in London festgesetzt werden kann. Es muss möglich sein, das so ambivalent auch zu betrachten, dass man sagen kann, nee, es gibt hier keine große Verschwörung, sondern wahrscheinlich hat sich hier jemand daneben genommen. Vollkommen egal wie krass und ätzend das ist, wie die Politik, wie von politischer Seite gegen ihn kämpft wird, ist es eben nicht nur eine Instrumentalisierung, sondern vielleicht ist da wirklich was.
Johannes Franke: Also die Möglichkeit besteht natürlich immer, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Wir können es nicht beurteilen. Nee, wir können es nicht beurteilen. Ich glaube, man ist dann zu sehr schnell geneigt, jemanden freizusprechen und vielleicht in dem Fall auch, vielleicht ist es tatsächlich sehr ähnlich wie dieses Julian Assange Ding, dass das natürlich ein gefundenes Fressen für das FBI ist, aber das heißt nicht, dass das Ding von vorne bis hinten erstunken und erlogen und instrumentalisiert ist. Vor allem, es geht um eine junge Schauspielerin, die eine Affäre mit ihm hatte und das hat ja auch Chaplin zugegeben und mit einem Machtgefälle und dann offensichtlich Ärger darin und dann ist sie schwanger und es ist schwer, da einfach zu sagen, ja, genauso.
Johannes Franke: Ja. Chaplin hat das natürlich ganz anders erzählt, das ist klar. Natürlich hat er das. Er hat erzählt, er hat ihr Geld gegeben, damit sie da beim Max-Reinhard-Seminar Schauspielerin werden kann, damit er sie dann einsetzen kann in einem Film, der da nichts geworden ist und das war es im Grunde. Also er hat das ein bisschen ausführlicher erzählt, aber das ist seine Geschichte. Er hat sie kennengelernt, hat sie da hingeschickt und irgendwann tauchte sie auf und es stellte sich heraus, dass sie schon seit Wochen nicht mehr beim Max-Reinhard-Seminar war, dass sie keine Lust mehr hatte, dass sie nicht Schauspielerin werden will, dann doch lieber und hat ihn um einen Haufen Zeug erpressen wollen. Herzlich willkommen beim Taploid-Podcast
Florian Bayer: mussmandiskutieren.de heutiges Thema Julian Assange, Sexoffender oder politischer Gefangener. Charles Chaplin, Opfer des FBI oder Pederast?
Johannes Franke: Ja, das ist wohl die Ambiguitäts-Toleranz.
Florian Bayer: Alles das gleichzeitig. Und dann haben wir aber wirklich diese Ehe mit Ona, die erzählt wird und zum ersten Mal wohl der Film sich ein bisschen mehr Zeit nimmt, eine Frauenfigur zu erzählen, nicht nur aus der Sicht von Chaplin.
Johannes Franke: Ja, sie bleibt ja auch den Rest des Lebens bei ihr und da nicht drauf einzugehen, wäre natürlich auch sträflich gewesen. Aber auch hier natürlich
Florian Bayer: eine Frauenfigur, die vor allem dadurch glänzt, dass sie so supportive ihrem Mann gegenüber ist.
Johannes Franke: Das ist halt ein bisschen das Ding, aber das war die Rolle, die glaube ich Chaplin auch seinen Frauen zugedacht hat. Insofern ist der Film vielleicht dem auch einfach auf den Leim gegangen, zu sagen, okay, wir zeigen halt das, was Chaplin von seinen Frauen wollte. Die war immer sehr, sehr, sehr supportive ihm gegenüber und auch über seinen Tod hinaus. Ich finde,
Florian Bayer: die Idee, sie von derselben Darstellerin wie Hattie Kelly spielen zu lassen, Maura Kelly, um den Namen nochmal zu sagen, super und ich finde auch Maura Kelly spielt das ganz toll mit diesem, das ist nicht, es wird nicht flach gemacht.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Sie ist ein anderer Mensch, aber trotzdem fließt halt so mit, dass er diese Hattie in ihr so ein bisschen wieder erkennt. Aber es ist eine erwachsene Frau jetzt. Sie wirkt ja auch, sie wirkt nicht so jung wie Hattie Kelly, obwohl sie dieselbe Schauspielerin ist. Und obwohl sie wahrscheinlich sogar hat Ona, hat er Ona dasselbe Alter wie Hattie als Chaplin. Ja, also kennengelernt haben
Johannes Franke: sie sich Ona und Chaplin, als sie 17 war. Natürlich war sie 17. Wäre sie 18 gewesen, wäre sie nicht ins Beuteschema gefallen. Und? Ich weiß nicht, wie man das deuten kann. Vielleicht nicht gerade im Sinne von Chaplin, aber Chaplin schreibt, dass er sie ja eigentlich für einen Film haben wollte, wo die Rolle sehr viel jünger sein sollte. Und als er erfährt, dass sie 17 ist, war er schon enttäuscht. Zu alt. Und vielleicht war das nicht nur den Film zu schulden. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Und als sie 18 war,
Florian Bayer: haben sie geheiratet. Maura Kelly wird ja auch über eine Zeitspanne erzählt. Ona wird über eine Zeitspanne erklärt. Ich finde, Maura Kelly spielt das echt gut. Ja, ich finde auch. Ich kaufe ihr die 17-Jährige, 18-Jährige, die er heiratet, ab. Ich kaufe ihr aber auch die 20 Jahre ältere Frau ab, der verheiratet ist und in der Schweiz lebt.
Johannes Franke: Ja, voll. Aber sie hat wieder nicht viel zu tun. Sie ist diejenige, die fragt, willst du noch Tee oder willst du hier, wollen wir hier rüber gehen? Lass uns mal reingehen.
Florian Bayer: Ja, die ihn in den Arm nimmt und sagt, ja, wir stehen das zusammen durch. Ich bin da für dich. Ja. Und dann haben wir halt diese, auch gerusht, total diese Geschichte, dass er aus Amerika rausgeschmissen wird. Aus verboten Amerika. Edgar hat gesagt, du kommst hier nicht mehr rein, Alter.
Johannes Franke: Der Türsteher. Es ist devastating, wenn man das Buch gelesen hat, weil er das wirklich sehr lebendig beschreibt. Überhaupt, ich muss einmal kurz sagen, wie gut das Buch geschrieben ist. Das Buch, Chaplin hat einen wahnsinnig guten Schreibstil. Es ist unglaublich. Und auch seine Art und Weise, das aufzubauen, die Geschichten zu erzählen. Er ist Geschichtenerzähler, natürlich. Aber er schafft es nicht nur im Film, er schafft es auch in schriftlicher Form. Es ist großartig. Ich kann jedem nur empfehlen, dieses Buch zu lesen. Egal, ob es jetzt um Chaplin geht, sondern es geht eher darum, einfach ein gutes Buch zu lesen.
Florian Bayer: Es hat ihn wirklich hart getroffen, weil er hat Amerika als seine Heimat begriffen. Er wurde aus seiner Heimat verbannt.
Johannes Franke: Und es war noch nicht mal so, dass er nun auf Lebenszeit verbannt werden sollte. Es ging darum, dass sie erstmal seine Genehmigung, wieder reinzukommen, nicht erneuert haben. Also es war ja immer so ein ongoing process, weil er einfach nicht Amerikaner geworden ist. Obwohl er seit wie lange hat in Amerika gelebt? Ja, also seit Mitte 2011 oder Anfang 20 hat er in Amerika gelebt. 30 Jahre. Ja. Und er ist nie Amerikaner geworden, sondern er hat einfach immer seinen, und er hat immer gesagt, ja, ich bin Bürger der Welt, nicht Bürger Amerikas. Und das haben viele ihm übel genommen. Und deswegen gab es eben immer diese Renewment, also dass man seine Genehmigung, wieder reinzukommen, immer wieder erneuern musste. Und das haben sie diesmal nicht getan. Und haben gesagt, wenn du kommen willst, mach das, aber dann müssen wir uns mal ernsthaft über Sachen unterhalten. Und er war dann halt auch beleidigt. Er hat gesagt, ja, wenn ihr mich nicht wiederhaben wollt, dann komme ich auch nicht wieder zurück. Und das sagt der Film dann später in dem kleinen Satz, you never invited me. Also wenn Amerika mich nicht einlädt, explizit zurückzukommen, dann komme ich auch nicht zurück. Und ist er deswegen auch wirklich erst gekommen, als eben die Nominierung für den Oscar kam. Ja. Und ich finde es ein bisschen schade,
Florian Bayer: dass da auch wieder das, das ist die filmische Zeit, die filmische Periode von Chaplin, über die wir im Podcast bisher am meisten geredet haben. Weil wir nämlich noch zwei Filme aus dieser Zeit, wir haben auch noch andere Filme von Chaplin besprochen, aber wir haben zwei Filme aus dieser Zeit sehr ausführlich besprochen, nämlich King in New York und Monsieur Verdoux, die er im Exil... Nee, Monsieur Verdoux nicht. Monsieur Verdoux war vorher. Aber war er dann schon im Exil, als er den gedreht hat? Soweit ich das jetzt... Ah nee, stimmt, Monsieur Verdoux wurde ihm ja auch der Sozialismus wieder vorgeworfen in seinem Schlussstatement. Genau. Aber wir haben sehr viel über King in New York gesprochen, der im Exil entstanden ist. Genau, das war der erste Film, den er in diesem Exil gedreht hat. Und ich finde es schade, dass das so ein bisschen auch mehr, ich finde es schade, dass auch Monsieur Verdoux darauf nicht eingegangen wird. Es sind etwas obskurere Kapitel in Chaplins Lebensgeschichte, weil jeder denkt an den Trump, wenn er an seine filmische Vita denkt. Aber diese beiden Filme, Verdoux und King in New York, sind total spannend, weil sie eben halt diese Auseinandersetzung sind mit seinen Problemen, mit dem Amerika der Hoover-Zeit. Und kommt überhaupt nicht vor, diese beiden Filme existieren in diesem Film nicht. Also neben ganz vielen anderen, die nicht da existieren. Aber da tut es mir besonders weh, weil ich denke, oh, das ist eine spannende Zeit, wo natürlich Kunst und Leben ineinander fließen. Wo Chaplin in seiner Kunst sein Leben verarbeitet hat.
Johannes Franke: Ja, wo auch das tatsächlich passiert, was ich so allgemein sehe in der Filmgeschichte. Wenn man anfängt, so mit den ganzen Anfängen der Filmzeit überhaupt. 1880, wir haben irgendwann mal ausführlich darüber geredet, wie Film entstanden ist. 1880 bis, sagen wir, 1910 oder sowas. Das sind alles, fast alles so ganz, ganz kleine Snippets von Slapstick, von mal so kleineren dramatischen Überlegungen, aber vor allem eben so Spielereien. Wo man das Gefühl hat, okay, da versucht jemand rauszufinden, wie es funktioniert. Das ist bei Chaplin genauso. Und dann, nach und nach, wird das Ganze dramatischer, länger und dramaturgisch spannender. Und dann finde ich diese Konsequenz, die dann bei Monsieur Verdoux entsteht, dass man wirklich einen richtigen Spielfilm mit einer Dramaturgie und mit einem ernsthaften Thema, das zwar satirisch aufgearbeitet ist, dass das irgendwann, dass Chaplin dort landen würde, ist ja eigentlich irgendwie klar. Dass er in der öffentlichen Wahrnehmung, aber immer noch der kleine fünf Minuten Slapstick-Filmmacher ist, finde ich eben ja einfach schade. Ja, ja, total.
Florian Bayer: Ja, dann ist halt wirklich, dann ist dieser harte Cut eigentlich. Wir sehen Chaplin noch einmal in der Schweiz auf der Veranda sitzen mit seinem Autobiografie-Helfer reden und dann schneiden wir einfach mal ganz galant zu einer Oscar-Verleihung, die wann war? 73, 72. Wir sind halt einfach mal so 20 Jahre. Wer kümmert sich, müssen wir nicht genauer. Wann hat er die Autobiografie geschrieben? Entschuldigung, jetzt verlange ich von dir die ganze Zeit, dass du mir Angst anzu gehst. Ich glaube, 62. 62. Dann springen wir nur zehn Jahre, aber davor haben wir ja auch schon zehn Jahre übersprungen und dann sind wir halt bei dieser Oscar-Verleihung, die unsere Schlussszene ist. Hast du dir das angeschaut? Online? Du meinst die echte Oscar-Verleihung von damals? Nee, ich finde aber auch Award-Veranstaltung furchtbar tröge.
Johannes Franke: Ist ja furchtbar, egal. Du siehst ja nur, Chaplin, wie er dasteht. Einen Haufen Leute aufstehen, klatschen, klatschen, klatschen, klatschen und du irgendwann denkst, das wird jetzt ein zweistündiges Video, wie Leute klatschen. Ja, krass. Es hört nicht mehr auf und dieser Mensch ist völlig überfordert, das ist im Film sehr akkurat dargestellt, steht da und denkt sich, ich dachte, ihr habt mich alle vergessen. Ich wusste nicht, dass es irgendjemanden interessiert. Und dann ist das, wird mir vielleicht noch so ein Oscar hinterhergeworfen, als ja, ja, das hat auch mal existiert, aber das Gefühl, was er da bekommen hat von so einem Publikum, das ist unglaublich. Ich würde jedem raten, diesen Ausschnitt auf YouTube einfach mal zu googeln und anzuschauen. Oscar Verleihung, Charlie Chaplin, es ist Wahnsinn.
Florian Bayer: Wir hauen sie auf jeden Fall nochmal in die Shownotes, könnt ihr nochmal reingucken. Ja, und dann endet es damit, dass wir noch einmal sehen, was ihn auch so bewegt hat, als er diese The Kid-Vorführung sieht. Das ist ja dieser Moment, wo er wirklich dann schwach wird. Ja. Und das ist auch tatsächlich eine sehr schöne Szene. Ich mag die Szene. Wo der Film vielleicht versucht, noch einmal schnell in den letzten Sekunden das zu erzählen, was er verpennt hat, zu erzählen. In den 195.000 Minuten davor.
Johannes Franke: Auch zu zeigen, was ihm wichtig ist. Ich glaube, weil es ist nicht umsonst, dass er die ganzen Slapstick-Sachen mit Wohlwollen anschaut, aber dann emotional wird, wenn es um The Kid geht. Weil Chaplin immer von der Sentimentalität gelebt hat in seinen Filmen. Seine Filme waren, so lustig sie waren, immer emotional. Und das ist, glaube ich, auch das Geheimnis von Chaplin gewesen. Das ist das, was ich bin.
Florian Bayer: Ich bin kein Slapstick-Fan. Also weißt du ja, dass ich kein großer Slapstick-Fan bin. Ich finde Slapstick bis zum gewissen Punkt immer ganz nett und witzig, aber ich bin niemand, der laut über Slapstick lachen kann. Ich finde, was Chaplin auszeigt und was Chaplin hervorhebt gegenüber all diesen anderen Slapstick-Künstlern aus der damaligen Zeit, ist eben, dass es ihm gelingt, dieses melancholische, im albernen körperlichen Humor hervorzuheben. Und dass er die, seine Figur, vor allem des Tramps, ich kenne ihn halt vor allem als Tramp, ich kann es nicht ändern, dass er die mit, dass er die mit so viel Melancholie ausstattet, dass man hinter dem Lachen eben immer, es war Chaplin, mit dem Lächeln und der Träne, war das The Kid? Mit einem Lächeln und vielleicht auch einer Träne? Ja. Das war The Kid, ne? Ja. Dass er das schafft und er ist, was das betrifft, seiner Zeit
Johannes Franke: so weit voraus. Es ist auch das, muss man sagen, wenn wir jetzt den großen Bogen schließen, zurück zu den Keystone-Cops. Keystone damals, Max Sennett, die haben alles auf irgendwelche Verfolgungsjagden ausgelegt. Ja. Vor diesen geilen Endlosbändern.
Florian Bayer: Ja, genau. Ich liebe das zu sehen, wie es inszeniert wurde,
Johannes Franke: wenn die auf der Stelle rennen vor diesen Bändern, die gedreht werden. Ja, es ist großartig. Aber noch viel schlimmer ist es natürlich, wenn sie tatsächlich in diese Autos reingehen, die Polizisten, die immer irgendjemanden jagen und dann siehst du Autos, die wahnsinnig schnell irgendwo lang rasen und gerade so noch über die Schienen, wenn der große Zug kommt und so. Es sind waghalsige Sachen. Aber es geht immer nur darum und das hat Max Sennett immer groß gemacht, hat gesagt, das ist unser wichtiges Verkaufsargument, dass wir, egal was passiert, wir müssen, es ist alles nur ein Excuse dafür, dass wir einander jagen am Ende und das ist unser Verkaufsargument. Deswegen gehen die Leute in unsere Filme. Ja, weil Menschen Menschen hinterher rennen oder hinterher fahren. Ganz genau das. Und ich habe gedacht, das ist ein Verkaufsargument. Das ist etwas, weswegen Leute da hingehen. Aber es war so. Und Chaplin war nicht einverstanden damit. Und das finde ich spannend. Es geht nämlich eigentlich nicht nur um die Diva am Set, sondern es geht wirklich eigentlich darum und Chaplin hat das ganz eindrücklich geschrieben, ich hätte auch gesagt, ich gehe wieder zurück auf die Bühne. Mir ist es nicht wichtig, ob ich vor der Kamera stehe oder nicht oder ob ich Millionen Leute erreiche. Ich will meine Idee davon, wie das zu sein hat, wie erzählt werden muss, das will ich leben. Und Max Sennett war halt nicht einverstanden am Anfang. Max Sennett hat sich nur durchs Geld überzeugen lassen. Und Chaplin war am Anfang gar nicht das Geldproblem, sondern der hatte wirklich das Gefühl, ich will nicht alles auf irgendeinen Chase hin haben, sondern ich will eine Dramaturgie, ich will was erzählen und ich will einen tieferen Unterbau drunter haben. Sonst funktioniert das für mich nicht, dann kann ich auch wieder auf die Bühne gehen und dort meine Sachen machen. Und das ist ihm gelungen.
Florian Bayer: Und das ist das Geheimnis auch. Und meiner Meinung nach auch je mehr er sich selbstständig gemacht hat und seine Vision umgesetzt hat, umso stärker. Und es ist schön, dass er die Möglichkeit hatte, in diesem eigentlich sehr verbohrten und sehr engen Studiosystem seine Vision zu verwirklichen und sowas wie The Kids zu machen. Ich glaube, wir sind an dem richtigen Moment, wo wir sagen können, wir switchen jetzt zu unserer Top 3 und schauen mal, was uns an Chaplin begeistert. Ja, bin sehr gespannt.
Johannes Franke: das ist also dann jetzt unsere Top 3. Chaplin-Filme und ich sehe, du hast vielleicht vier davon gesehen überhaupt von den 81, die Chaplin gemacht hat.
Florian Bayer: Also, ich glaube, weniger als zehn. Ich habe einige von seinen Keystone-Sachen gesehen. Du hast mir auch damals einige gezeigt. Ah, ja, ja, ja. Ich kann die Keystone-Sachen titeltechnisch überhaupt nicht einordnen. Das heißt, ich weiß nicht, wie die heißen und er hat halt so viele da gemacht. Das heißt, da könnte ich keine benennen und deswegen wird meine Liste, glaube ich, ziemlich langweilig sein und einfach, es werden einfach drei große Chaplin-Filme sein. Niemand wird durch diese Liste, niemand, der Chaplin ein bisschen kennt, wird durch diese Liste sagen, oh, da muss ich nochmal reinschauen. Das sind die Filme, die man kennt. Ich muss sogar anfangen, ne? Du musst anfangen. Mein Platz 3 ist der Tramp-Talkie, der große Diktator, weil er es wirklich geschafft hat, finde ich, er hat es geschafft, den Tramp reden zu lassen. Auch wenn er die ganze Zeit sich dagegen gewehrt hat und gesagt hat, er kann das nicht. Und natürlich durch das Thema, durch die damals politische Wichtigkeit, durch die Gravitas, die er dadurch hat, ein wirklich wichtiger Film und natürlich auch mit einer sehr, sehr simplen humanistischen Rede am Schluss, die aber so unglaublich gut ist. Ja. Und aber auch davor alles. Also tolle Szenen, wie er Hitler parodiert, wie der mit Mussolini zusammen versucht, wie jeder versucht, die Oberhand zu behalten. Wie er das zusammenbringt, diese Geschichte von dem einfachen Mann, der aus dem Knast kommt. Ne, aus dem Knast? Woher kommt der? Ne, aus dem Krankenhaus. Aus dem Krankenhaus. Er hat sein Gedächtnis verloren. Genau, der nicht klarkommt mit dieser Nazi-Welt und es ist einfach ein toller Film.
Johannes Franke: Ja, unglaublich guter Film. Die Rede am Ende musste Chaplin immer wieder für Radioaufzeichnungen wiederholen. Er ist dann irgendwo hingegangen, hat dann nochmal, ja, hier, willkommen im Studio, hier haben wir Sir Charles Chaplin, der wird uns nochmal hier einmal erzählen, was er im Film gesagt hat. Ah, spiel deinen größten Hit, bitte. Ja, genau. Bei der Endaufzeichnung war er so nervös, dass er nach dem Wasser gefragt hat. Und die hatten aber kein Wasser da. Sie haben zwei Minuten gebraucht, irgendwie Wasser zu organisieren, damit er weitermachen konnte. Okay, keine Abschweifungen mein Platz drei ist, ja, ist ein bisschen gemein, aber die alten Sachen sind nicht so, haben nicht so viel Gravitas, deswegen sind die jetzt auf den unteren Plätzen. Ich habe The Porn Shop auf dem dritten Platz. Porn Shop ist aus dem Jahr 1916, aus seiner Phase, wo er für Mutual, oder wie die heißen, Mutual, gearbeitet haben. Das war, glaube ich, die dritte oder vierte Produktionsfirma, für die er gearbeitet hat. Und ich nehme ausgerechnet das raus, weil er einfach mit einem Porn Shop, also einem Ort, wo man hingeht, um Sachen zu hinterlegen, Geld dafür zu bekommen und im Idealfall das Geld wieder zurückbringt irgendwann, also so eine Anleihe. Und er hat als Kind in seiner Familie so viel Erfahrung damit gehabt. Die sind so oft zum Porn Shop gegangen. Es gab eine Phase, wo die Mutter, die hat ihre Nähmaschine versucht, die Familie zu ernähren, hat hier und da Aufträge gehabt, natürlich nicht genug, aber sie hat auch die Sonntagsanzüge für die Kinder genäht. Und Sidney, der große Halbbruder, war bei der Marine teilweise und dann hat er einen Sonntagsanzug gehabt, den sie montags zum Porn Shop gebracht hat. Um dann über die Woche irgendwie genug Geld zusammen zu bekommen, um ihn Freitag wieder abzuholen, damit er ihn das Wochenende tragen kann. Und das über Wochen und Wochen und Wochen. Und irgendwann war der Stoff so dünn, dass der Porn Shop Typ gesagt hat, wir können ja nicht mehr das Geld geben, was du die ganze Zeit kriegst. Das ist einfach inzwischen, die Qualität ist so schlecht geworden. Es geht nicht mehr. Und das war einer der Momente, wo sie wirklich in ein tiefes Loch gefallen ist, weil es einfach nicht mehr ging. Das ist eine harte Geschichte. Aber das ist das, was ich mit The Porn Shop verbinde, seine Verbindung in seine Kindheit, seine Verarbeitung seiner ganzen schwierigen Vergangenheit. Und trotzdem sehr, sehr lustig. Sehr süß und sehr, sehr lustig, wie er da in diesem Porn Shop arbeitet. 25 Minuten,
Florian Bayer: ich kann einfach nicht in Reels denken, tut mir leid. 25 Minuten, interessant, habe ich nicht gesehen. Hast du mir vielleicht irgendwann mal gezeigt, aber wie gesagt, bei Chaplin drunter und drüber, was seine alten Filme betrifft, cool. Also Empfehlung, The Porn Shop, ist glaube ich ein Film, den man nicht unbedingt kennt. Nicht unbedingt, nee, nee, nee, nee. Aber da gibt es ganz viele, also 80 Filme, was soll das? Mein Platz 2, auch wieder einer von den bekannten Filmen. Ich habe in unserer letzten Chaplin-Episode, hat Johannes mir King in New York gegeben und da habe ich gesagt, oh krass, wie bizarr Chaplin werden kann in seiner Slapstick. Aber jetzt, als ich mich mit Chaplin wieder mehr beschäftigt habe, habe ich festgestellt, natürlich hat er das schon viel früher vor seinen Talkies, nämlich in Modern Times, der so aufgeladen ist und so schräg ist und unser Protagonist aus Modern Times, der Trump natürlich schon wieder, kommt ja von einer Situation in die nächste und landet dann im Knast und dann gibt es noch Knast-Ausbruchsgeschichten, dann versenkt er noch ein Schiff und so weiter und es passieren so viele krasse Sachen, immer wieder mit Bezug auf die Moderne, dass man fast sagen könnte, das ist Chaplins expressionistischer Entwurf und der hat schon sehr viel Groteskes und Bizarres und treibt dadurch dieses ganze Slapstick-Ding auf Höhen, die man vorher nicht kannte und ist auch heute noch total sehenswert. Wir haben über den Sound gesprochen kurz, der Sound ist fantastisch und die Bilder sind aber auch fantastisch. Es ist einer der Chaplin-Filme, der mit den schönsten Bildern oder den krassesten Bildern die Chaplin je produziert hat. Natürlich kennt jeder die Szene, wo er in die Zahnräder gerät, das bekannteste Bild, aber dieser Film hat noch so viel mehr Bilder, wo man denkt, wow, das ist krass, das ist schräg, was da passiert und das ist auch von der Kamera gut gemacht, was man sonst bei Chaplin nicht unbedingt sagen kann. Oh, du bist so gemein. Wir haben da über lange geredet, wir haben uns diskutiert. Bei King in New York haben wir festgestellt, dass Chaplin jemand war, der die Kamera aufgestellt hat und gesagt hat, so jetzt machen wir. Wir beleuchten hier nicht.
Johannes Franke: Macht die verdammten Lichter an, ich will sehen,
Florian Bayer: Wir beleuchten hier alles.
Johannes Franke: Wir brauchen keine Schatten. Oh Mann, das war in anderen Filmen nicht so, aber du hast widersprochen. Also, ich möchte eine kleine Honorable Mention inzwischen schauen, weil ich einfach nicht anders kann. The Pilgrim aus dem Jahr 1923. Auch ein Stummfilm und zwar mit Edna Purvians, die wir ja auch jetzt hier besprochen haben. Der ist ein großartiger Film, der so ein bisschen vorbeischrammt an harter Kritik an Kirche und so, der einfach als, ich glaube, als Geistlicher Geistlicher in der Gegend rumläuft oder sich zumindest ausgibt oder ich weiß es nicht mehr ganz genau. Ich habe aber so viele tolle Bilder im Kopf. Allein wie er David gegen Goliath als Stummfilm inszeniert, aber nur er allein das erzählt als Pilgrim. Also er steht da vor der Menge und erzählt in Stummfilm-Manier David gegen Goliath. Es ist großartig. Geil. Klingt total cool.
Florian Bayer: Kenne das auch nicht. Ganz tolle Sachen dabei. Cool, cool. Also der ist auf jeden Fall vermerkt in meiner Liste und den solltet ihr wahrscheinlich auch in eurer Liste vermerken.
Johannes Franke: Aber das ist nicht nur Platz 2, sondern eine Honorable Mention. Ist eine Honorable Mention. Das ist 46 Minuten. Das geht so ein bisschen langsam in die längeren Filme hinein und deswegen kommt jetzt auch mein Platz 2 The Kid. The Kid ist einfach unglaublich emotional. Einer der ersten Filme, wo man so voll auf die Nase gehauen bekommt, was Chaplin eigentlich so an Botschaft vermitteln will. So humanitäre Botschaften. Und das Kind ist einfach großartig. Man kann es nicht anders sagen. Das Kind ist einfach der Hammer. Ja, total. Jackie Coogan. Der sollte später bei der Original Addams Family fester sein, ne? Ei. Ja. Gut zu wissen. Das ist Jackie Coogan. Okay, ich hätte ihn nicht wiedererkannt. Ja gut, okay. Logisch.
Florian Bayer: Mein Platz 1. Ich kann direkt anschließen mit einem Lächeln und vielleicht auch mit einer Träne. Ja. Einer der schönsten Filme, die je produziert wurden. The Kid. Ach, schön. Absolutes Meisterwerk. Und als ich diese Szene gesehen habe im Film, in Chaplin jetzt, wie er vor dieser Leinwand sitzt und das guckt und dann meint und ich hab pausiert und hab The Kid diese Szene nochmal mit etwas mehr Vor- und Rücklauf nochmal angemacht, weil ich sie ganz gucken wollte, weil ich dachte auch, ja ich weiß, macht man nicht vor allem nicht 5 Minuten bevor der Film zu Ende ist, aber es hat mich so gedrängt in diesem Moment, dass ich wirklich Pause gedrückt habe, einmal auf YouTube gegangen bin, auch einmal geguckt habe nach einer guten Qualität. Ich hab mehrere Videos angeklickt, bis ich sie gefunden habe in guter Qualität und hab sie angeguckt und einfach nochmal genossen und dann auch nochmal drüber nachgedacht, oh ich muss unbedingt The Kid nochmal sehen, weil diese Traumsequenz, dieses Spiel zwischen Tramp und Kind, so viele Momente, so fantastisch, weit, weit, weit über das Slapstick-Genre und selbst über das tragikomödiantische Genre der damaligen Zeit hinausgehen und mit einem wirklich stolzen Alter von über 100 Jahren, ne, über 100 Jahre sind's noch nicht, von über 100 Jahren, 1921, mit einem stolzen Alter von über 100 Jahren, auch heute noch emotional berührend. Wahnsinn,
Johannes Franke: total krass. Ah, ja, was kann das toppen? Also, wir haben ja über Monsieur Verdoux geredet, ich fand ich ganz toll, ist halt kein typischer Chaplin, sondern eben wirklich in den Talk hier hinein, ganz andere Figur und so und hat sich mit ganz anderen Themen beschäftigt, aber es ist trotzdem sehr Chaplin-like, hat man das Gefühl, von der moralischen Seite kommend. Aber den Film, den ich vielleicht noch eine Spur besser finde, aber ich entscheide das nach Tageslaune, ist Limelight, wo es um einen alternden Clown geht, der vielleicht nochmal auf die Bühne geht oder nicht, aber irgendwie hat das Publikumsinteresse an ihm verloren und so weiter und es ist natürlich total biografisch, autobiografisch von ihm irgendwie und er hat da das erste Mal und das einzige Mal in einem Film Buster Keaton dabei gehabt. Es gibt eine ganz tolle Buster Keaton und Charlie Chaplin Szene. Der dritte Film aus deiner Liste,
Florian Bayer: den ich nicht gesehen habe und den ich auch gerne sehen würde. Mein Chaplin-Wissen zu vertiefen, aber auch einfach, weil ich jetzt nicht durch Chaplin, nicht durch den Film von 1992, sondern durch das Gespräch mit dir wieder voll Bock habe auf Chaplin.
Johannes Franke: Chaplin lohnt sich immer. Es ist unglaublich. Er hat so tolle Botschaften drin und so viel. Also ich meine, man kann ihm auch vorwerfen, dass er sehr, sehr emotional da reingeht und das einfach teilweise sehr stark einem versucht, zu empfehlen, um das vorsichtig auszudrücken, aber er ist einfach der Meister darin. Er kriegt das sehr, sehr gut hin. Das ist wirklich toll.
Florian Bayer: Und damit zurück in den Film, bei dem wir relativ wenig geredet haben. Und damit aber auch jetzt wirklich in den Film zurück mit unserem Fazit. Wir urteilen jetzt mal nicht über Charlie Chaplin. Wir urteilen nicht über seine Autobiografie, über sein Leben und über seine Kunst, sondern wir urteilen über diesen Film. Ach. Und du darfst das gerne gleich wieder hochholen, wenn du willst. Das Urteil. Dieser Film geht zweieinhalb Stunden. In dieser Zeit hätte ich The Kid gucken können, Gold Rush und wahrscheinlich noch fünf von seinen Reels und hätte mehr über die Kunst von Chaplin erfahren. Oder ich hätte in diesen zweieinhalb Stunden mit dir reden können. Wie lange geht unsere Episode jetzt? Keine zwei Stunden, oder? Ja, bald sind es zwei Stunden, wenn wir nicht aufpassen. Ich hätte mit dir anderthalb Stunden über Chaplin reden können und mehr über Chaplin erfahren. Und deswegen muss ich leider das Urteil fällen, diesen Film muss man nicht gesehen haben, sondern man, und das sage ich mit aller Bewunderung, man sollte sich lieber zweieinhalb Stunden mit Johannes über Charlie Chaplin unterhalten.
Johannes Franke: Danke dir. Vielen, vielen Dank. Ich sage lieber, schaut euch lieber zwei Stunden lang Chaplin-Filme an. Das ist es doch eigentlich, oder? Also ich finde, dass Robert Downey Jr., was wir nie gesagt haben, das hervorragend macht. Robert Downey Jr. ist das Herzstück dieses Films
Florian Bayer: und er hat ja auch eine Oscar-Nominierung dafür erhalten. Absolut zu Recht. Robert Downey Jr., der junge Robert Downey Jr. damals noch. Mitte 20. Macht das ganz hervorragend.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde das Make-up für den Alten nicht so gut und deswegen leidet das ein kleines bisschen. Das Make-up hat das Problem, dass sehr viele frühe 90er-Filme haben, die mit Alterungs-Make-up an Kanye-Wellis erschaffen, die heutzutage echt nicht mehr gut zu ertragen sind.
Johannes Franke: Ja, ist schwierig. Auch hat er die Mannerismen von Chaplin im alten Chaplin nicht so ganz drauf. Bis auf eine Szene, wo ich dann sehe, okay, jetzt hat er es aber volle Kanne drin. Das muss er irgendwie am Ende gedreht haben. Jetzt ist es wirklich Chaplin. Aber vorher war es eher so ein bisschen, naja. Aber ich finde tatsächlich, Robert Downey Jr. hat das sehr gut gemacht. Er hat sich 15 Monate lang vorbereitet und hat ganz viel gelernt. Er hat linkshändig Tennis spielen und Violine spielen gelernt. und das muss man erst mal, das ist Dedication. Das finde ich sehr gut. Und er macht diese Transition zum Slapstick-Chaplin, zum Tramp sehr, sehr gut. Und ja, das hilft mir. Das hilft mir, den Film zu mögen. Aber ich gebe dir recht, wenn ich jetzt so drüber nachdenke und auch nachdem ich schon mit Shari drüber geredet hatte. Ja, der Film hat wohl seine Shortcomings.
Florian Bayer: Viel zu überambitioniert, ne? 31 Millionen Dollar hat er gekostet, 12 Millionen Dollar Box Office US und UK. Ja, das hat nicht so. Und Carolco Pictures, die ihn dann letzten Endes finanziert haben, sind nicht wegen diesem Film, aber weil sie öfter mal sowas gemacht haben, kurz darauf, also nicht kurz darauf, ein paar Jahre später pleite gegangen. Und naja, er hatte Probleme, die viele Biopics haben, aber es gibt halt auch viele Biopics,
Johannes Franke: die das besser können. Ja, also man hätte sich vielleicht wirklich eine Phase nehmen müssen, dass man wirklich sagt, okay, oder ein ganz bestimmtes Thema, nämlich zum Beispiel, was mich sehr interessiert hätte, vielleicht, vielleicht muss ich irgendwann mal anstoßen, dass das gemacht wird, dass man wirklich seinen Bezug zum Kommunismus einmal nimmt und gar nicht klärt, ob er jetzt in irgendeiner Partei war oder so, sondern seinen humanistischen Ansatz nimmt und den herleitet von seiner Kindheit, was hat alles dazu geführt und dann die ganzen Filme, seine Arbeit, seine Art und Weise zu arbeiten, sein Bestehen darauf, dass Filme eine Story haben müssen, dass sie etwas rüberbringen müssen und dem Zuschauer was sagen wollen müssen, rüber in seine ganzen Probleme mit der Ausweisung aus Amerika und wie das dazu gekommen ist. Das fände ich spannend. Ich glaube mit der ganzen Idee,
Florian Bayer: mit diesem Konzept, das ist grundsätzlich nicht verkehrt, allerdings ist das meiner Meinung nach, wie es ja auch Richard Ayrton Morrow angedacht hatte, tendenziell mehr Serienstoff und dieser Stoff in der Netflix-Zeit in der Hand von, keine Ahnung, die, die Queen's Gambit inszeniert haben, in deren Hand als Miniserie könnte das auch funktionieren in dieser Fülle. Ja, das stimmt. Aber halt auch in dem, was Queen's Gambit macht, eben mehr in die Tiefe gehen, mehr in die Psyche gehen, mehr versuchen herauszufiltern, was zum einen das künstlerische Genie ausmacht und zum anderen, was das Leben dahinter ausmacht mit allen Schattenseiten. Das würde heute wahrscheinlich besser funktionieren und vielleicht wäre es auch, es klingt wie so ein Netflix-Projekt, hey, mach doch nochmal eine Miniserie über das Leben von Chaplin.
Johannes Franke: Ja, voll, volle Kanne. Da musst du auch den richtigen Typen für finden, das ist so das Ding. Sogar Jim Carrey wurde mal angefragt, ob er Chaplin spielen will, aber das hat alles nicht. Ja, nee, nee, ich würde, Jim Carrey würde ich nicht. Nein.
Florian Bayer: Der hat als Kaufmann, er hatte seine Chance.
Johannes Franke: Jetzt mag ihn niemand mehr. Ja, also den richtigen Typen zu finden, der das dann spielen kann, ist natürlich auch so eine Frage. Johannes, danke. Also vor allem danke für dieses Gespräch. Danke, Flo, dass du den Film angeschaut hast und dass du dich auch selber nochmal ein bisschen mit Chaplin beschäftigt hast. Dann können wir nämlich, wenn wir das nächste Mal wieder über Chaplin reden, kannst du aus dem Vollen schöpfen, weißt jetzt ganz genau Bescheid, was mit Chaplin war. Ich freue mich total auf den nächsten Chaplin-Film, der von dir vorgeschlagen wird.
Florian Bayer: Vielleicht muss ich ein bisschen warten, bevor das so fällt. Ja, vielleicht. Nächste Woche revanchiere ich mich erstmal mit einem anderen Film. Euch vielen Dank fürs Zuhören. Ja. Bleibt gesund. Wenn ihr wissen wollt, was für einen Film ich Johannes aufgebe und damit auch euch, bleibt noch kurz dran. Das kommt nämlich nach unserem Jingle und ansonsten, ja, euch weiterhin ein gutes 2024. Das Jahr ist jetzt schon etwas fortgeschritten. Etwas fortgeschritten. Und wir sehen uns, wir hören uns nächste Woche. Bis dahin. Ciao.
Johannes Franke: So, jetzt gibt's die Hausaufgaben.
Florian Bayer: Mach an, hab ich gesagt. Und jetzt bin ich immer noch überfordert. Ich will dir auf jeden Fall einen Takashi-Mike-Film aufgeben für das nächste Mal. Takashi-Mike. Ein absolutes Monster aus Japan, der so viel inszeniert hat und ich hab, keine Ahnung, wahrscheinlich nicht mal zehn Prozent seiner Filme gesehen und es sind so unterschiedliche Filme und ich gehe jetzt gerade durch die Liste. Ich hab so ein paar als Überlegung und
Johannes Franke: also. Ich muss dazu sagen, ich glaube, ich habe keinen einzigen Takashi-Mike gesehen. Zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte und du hast vorhin so ein bisschen angedeutet, dass wir vielleicht mal einen zusammengesehen haben, weil wir ja vor zehn, 15, 20 Jahren, oh Gott, wie alt sind wir inzwischen? Keine Ahnung. Haben wir ja dieses Konzept, was wir hier im Podcast fahren, auch schon mal gefahren, sodass wir uns gegenseitig immer wieder Filme vorgesetzt haben und gesagt haben, du guckst den jetzt, egal ob du willst oder nicht. Da könnte vielleicht ein Takashi-Mike dabei gewesen sein. Ja,
Florian Bayer: kann ich mir auch gut vorstellen. Nee, ich glaube, also pass auf, der hat halt alles gedreht. Witzige Sachen, brutale Sachen, Horror, viel Surreales, viel, was man wahrscheinlich nur so halb versteht, was auch so um die japanische Mythologie dreht. Und immer so an der Grenze vom Trash und immer so an der Grenze von der Kunst und ich glaube, du wirst es ganz schrecklich finden, egal was ich dir geben will. Okay. Ich glaube, ich würde es versuchen mit Gozu aus dem Jahr 2003. Okay.
Johannes Franke: Ich kämpfe noch kurz mit mir. Also das Plakat, was ich hier sehe, sieht furchtbar aus. Ja. Es sieht schon sehr trashig aus.
Florian Bayer: Das ist halt, das ist tiefer als, also Mika hat immer so seine Trash-Momente. Also ISO lasse ich mal außen vor, weil der ist einfach nur Gemetzel. Danke. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Ichi the Killer würde ich auch außen vor lassen, weil das zu viel einfach nur Yakuza-Thriller ist, fast schon konventionell, mit viel Gewalt. Visitor Q ist komplett drüber. Der ist vielleicht, ich will ja auch, dass du den Film magst oder zumindest dem Film was abgewinnen kannst. Nee, wir bleiben bei Gozu. Den habe ich auch schon länger nicht mehr gesehen. Und du meinst,
Johannes Franke: dass Gozu, wenn du ihn lange nicht gesehen hast, eine gute Wahl ist, um einfach mal das Risiko einzugehen, dass ich ihn mögen könnte, wo du nicht mehr genau weißt, ob der jetzt.
Florian Bayer: Nee, ich weiß noch, was passiert und ich kann mir vorstellen, dass du vielleicht gewissen Themen was abgewinnen kannst. Nee, pass auf, wir machen das ja auch als so ein bisschen, es ist eine Takashi-Mike-Einstiegsrunde. Danach gebe ich dir noch zehn weitere Takashi-Mike-Filme. 2024 wird einfach das Jahr, wo ich jede Woche Johannes einen Takashi-Mike-Film aufgebe und alle am Verzweifeln sind, weil dann wieder über irgendwas mit japanischen Superhelden, die Sex mit Gorillas haben, während irgendein Kopf weggeschossen wird.
Johannes Franke: Du weißt, dass da gleich mehrere Ingredienzien dabei sind, die schwierig für mich sind. Horror, es ist ein Horror-Crime-Comedy-Film, sagt Wikipedia. Das Plakat sagt Trash, das ist nicht mein Ding, genauso wie Horror. Und es wird einen Haufen Anspielungen geben auf japanische Kultur, die ich nicht teile. Das heißt, ich werde nichts davon auf sehr vielen Ebenen verstehen. Ich verstehe das auch nur zu heftig, aber es hat was. Also nicht nur es hat was, es ist total faszinierend. Okay. Man muss dazu sagen, dass dieser Typ in der Liste der Filme anscheinend zwölf Filme im Jahr macht
Florian Bayer: oder so. Der macht unfassbar viel. Der hat auch Filme gemacht, die eher für ein Mainstream-Publikum sind. Warum gibst du mir nicht den? Das ist ja langweilig. Oh Gott. Okay. Nee, ich glaube, wir versuchen es, warte mal, ich gehe einmal ganz kurz rein. Gebt uns fünf Minuten live. Ihr seht, wir sind voll gut vorbereitet, wie immer. Gebt mir ganz kurz
Johannes Franke: ein paar Sekunden. Ich bin froh, dass wir das am Ende machen und nicht am Anfang. Es werden jetzt alle weg. Aber ich kann euch ja währenddessen ein bisschen entertainen, während Plur hier so ein bisschen versucht rauszufinden, was er machen will. Plur sieht sehr verzweifelt aus. Er weiß nicht genau, wohin soll es gehen. Vielleicht wird es doch ein Woody Allen-Film. Ich bin mir nicht sicher. Was meinst du? Wir gucken uns Gozu an. Okay. Also,
Florian Bayer: es bleibt dabei.
Johannes Franke: Fuck off Gozu.
Florian Bayer: Und euch da draußen, guckt euch den Film an. Am besten, ohne zu wissen, was auf euch zukommt, weil es ist wirklich ein Trip. Okay. Also, holt die Pilze raus und los geht's. Und wir hören uns dann nächste Woche und wir reden endlich mal wieder über das asiatische Kino. Gut. Sehr gut. Dann bis dahin.
Johannes Franke: Bleibt gesund. Tschüss. Tschüss.
