Episode 202: All about Eve – Schlangengrube Theater
Margot ist eine 50er Jahre Theaterdiva wie aus dem Bilderbuch: Sie hasst ihre Fans und beschwert sich, dass sie nie “normale nette Hausfrauen spielen darf, die ihren Mann erschießen”.
Die titelgebende Eve ist ein Fan, wie aus dem Bilderbuch: Verpasst nie eine Vorstellung von Margot und stellt ihrem Idol nach.
Margot allerdings findet Gefallen an Eve und lässt sie eine Weile an ihrem Ruhm schnuppern. Eve macht sich unentbehrlich, indem sie alle möglichen Erledigungen für Margot übernimmt und schon drei Schritte im voraus plant, was Margot irgendwann misstrauisch macht. Sie versucht Eve wieder loszuwerden, aber Eve hat sich festgebissen. Sie wird Margot Zweitbesetzung am Theater, fädelt es so ein, dass sie spielen darf und von der Presse hochgelobt wird und macht sich an Margots Freunde und ihren Mann ran. Kurz sie versucht nicht nur Margot nahe zu sein, sie will Margot’s Leben führen.
Der Film schlägt nicht den großen Bogen, indem er zeigt, wie Margot sich an Eve rächt und Eve scheitert. Nein. Eve bekommt ihren prestigeträchtigen Theaterpreis und Margot setzt sich in ihrer Ehe zur Ruhe. Ein zynisches Ende? Vielleicht, aber auch Eve ist nicht vor anderen hinterhältigen Eve-Derivaten gefeit. In einer letzten Szene steht Phoebe bereit, um sie nach dem Film vom Thron zu schubsen.
Plor, wieviel Lust hast du nach dem Film noch, Theaterstücke für 23 jährige Mädchen zu schreiben?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 202: All about Eve – Schlangengrube Theater Publishing Date: 2024-11-13T10:35:56+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/11/13/episode-202-all-about-eve-schlangengrube-theater/
Florian Bayer: Und dass sie elf Takes brauchte für eine Szene, wo nicht viel Text war. Sie hat ihn einfach nicht hingekriegt.
Johannes Franke: Claudia Caswell spielt von
Florian Bayer: Marilyn Monroe.
Johannes Franke: Ich hab sie nicht erkannt. Was?
Florian Bayer: Moment, Moment.
Johannes Franke: Nein, nein.
Florian Bayer: Wir spulen kurz zurück. Moment. Das hast du nie gesagt. Jo, ich freue mich total auf diese Episode. Du kannst dir nicht vorstellen, wie lange ich darauf gewartet habe, diesen Film zu geben.
Johannes Franke: Echt, der kommt irgendwie so wie aus dem Ärmel geschüttelt. Ich glaube, ich habe noch nie gehört, dass du über den Film geredet hast. Nein, natürlich nicht. Das ist total krass, weil offensichtlich ist es ein Film, den du mir schon länger geben wolltest.
Florian Bayer: Naja, so lange auch noch wieder nicht. Okay, ich gebe es zu, ich habe den Film auch erst vor kurzem erst gesehen. Nein,
Johannes Franke: großartig,
Florian Bayer: wirklich. Es war einer der Filme, wo ich davor gesessen habe und gesagt habe, Moment mal, warum habe ich den noch nicht gesehen?
Johannes Franke: kannte ich noch nicht.
Florian Bayer: Was?
Johannes Franke: Aber du hast ihn gesehen, bevor du ihn mir vorgeschlagen hast. Ja,
Florian Bayer: natürlich.
Johannes Franke: Weil du hast mich voll verarscht. Du hast irgendwas von Screwball-Comedy und Leicht-und 50er gesagt und dann habe ich mir das Plakat angeguckt und dachte auch Screwball-Comedy und Leicht-und 50er. Und dann schmeißt du mir so einen tonnenschweren Klotz vor die Wüste. Und das Geile ist ja mit dieser Erwartungshaltung, ich bin froh, dass ich den Film... Also normalerweise ist es bei neueren Filmen öfter so, dass ich denke, es ist geil, wenn ich gar nichts über den Film weiß, wenn ich reingehe. Es ist selten bei alten... alten Film, aber bei dem Film war es so, dass ich danach gedacht habe, es war geil, dass ich nicht wusste, was mich erwartet. Natürlich. Weil der Film, nicht nur du hast mich verarscht, sondern der Film hat mich auch ein paar Mal ganz schön verarscht. Deswegen bin ich auch sehr gespannt auf das Gespräch.
Florian Bayer: Ja, ich auch.
Johannes Franke: Wir reden heute über All About Eve. Aus dem Jahr 1950. Und damit herzlich willkommen, liebes Publikum, zu einer neuen Folge von Muss man sehen Podcast.
Florian Bayer: Der Muss man sehen Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme vor die Füße schmeißen und sagen, du musst jetzt diesen Film gucken, egal ob du möchtest oder nicht, ich möchte deinen Horizont erweitern. Und ich hoffe, dass ich das mit diesem Film geschafft habe, Plor.
Johannes Franke: Wir werden es sehen.
Florian Bayer: Ich werde euch einmal erzählen, worum es in diesem Film überhaupt geht, wenn man keinen Text vorbereitet, wie man das so macht. Und zwar, Margot ist eine... 50er Jahre Theater-Diva, wie man sie sich vorstellt. Sie hasst ihre Fans und beschwert sich, dass sie nie normale, nette Hausfrauen spielen darf, die ihren Mann erschießen. Die titelgebende Eva ist ein Fan, wie man sie sich vorstellt, verpasst nie eine Vorstellung von Margot und stellt ihrem Idol nach. Margot allerdings findet Gefallen an Eva und lässt sie eine Weile an ihrem Ruhm schnuppern. Eve macht sich unentbehrlich, indem sie... alle möglichen Erledigungen für Margot übernimmt und schon drei Schritte im Voraus plant, was Margot irgendwann misstrauisch macht. Sie versucht, Eve wieder loszuwerden, aber Eve hat sich festgebissen. Sie wird Margots Zweitbesetzung am Theater, fädelt es so ein, dass sie spielen darf und von der Presse hochgelobt wird und macht sich an Margots Freunde und ihren Mann ran. Kurz, sie versucht nicht nur Margot nahe zu sein, sondern sie will ihr Leben führen. Der Film schlägt nicht den großen Bogen und zeigt, wie Margot sich an Eve rächt und Eve scheitert. Nein, nein, Eve bekommt ihren prestigeträchtigen Theaterpreis und Margot setzt sich in ihrer Ehe zur Ruhe. Ein zynisches Ende? Vielleicht. Aber auch Eve ist nicht vor anderen hinterhältigen Eve-Derivaten gefeit. In einer letzten Szene steht Phoebe bereit, um sie nach dem Film vom Thron zu schubsen. Plor. Wie viel Lust hast du nach diesem Film noch, Theaterstücke für 23-jährige Mädchen zu schreiben?
Johannes Franke: Da keine mehr. Ich hab tierische Angst vor 23-jährigen Mädchen. Oder 23-jährigen jungen Frauen.
Florian Bayer: Jungen Frauen, genau.
Johannes Franke: Und das gelingt diesem Film ziemlich gut. Vor allem die Angst davor, sehr, sehr, sehr lange hinters Licht geführt zu werden. Mhm. Weil das ist diesem Film gelungen.
Florian Bayer: Und zwar so creepy langsam, dass man es echt teilweise nicht mit... bekommt.
Johannes Franke: Ich hab's aufgeschrieben. Ja. Bei mir gab es den ersten Moment, wo ich dachte, nee, die, die misstrauisch sind, haben recht, war in der 84. Minute.
Florian Bayer: 84 Minuten?
Johannes Franke: Wenn Yves sich an Bill ranmacht, an den Mann von Margot. Davor dachte ich die ganze Zeit, Margot ist paranoid.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Birdie, oh, Birdie ist so toll. Birdie ist eifersüchtig. Ja. Der The Wit hat sie voll in die Pfanne gehauen, hat diesen scheiß Artikel geschrieben, sie konnte nix dafür und so weiter und Ja, nee, das kommt ja danach. Aber selbst da, genau, dann zweifle ich schon wieder dran. Ja. Aber es ist wirklich, der Film schafft es mich. Und das Krasse ist ja, der Film startet ja mit dieser Preisverleihung. Du weißt, du hast es geschafft. Aber dann wird zurückgeblendet und du siehst sie da reinkommen in die Welt und denkst, lauf, du kleines, armes Schäfchen. Das ist alles zu schlimm und zu zönig für dich. Ja. Aber du weißt doch, dass es gut ausgeht. Du vergisst es. Mhm. Und dann erzählen die Leute und du vergisst es immer wieder. Offensichtlich war es gar nicht so intendiert vom Film, aber der hat mich echt lange hinter das Licht geführt. Und Yves hat mich auch echt lange hinter das Licht geführt. Und ich fühle mich fast schon schlecht, dass sich wie die ganzen troddeligen Kerle, die in diesem Film rumlaufen, mich haben verarschen lassen. Und wahrscheinlich, keine Ahnung, wir bräuchten jetzt eigentlich eine Frau in diesem Podcast, die sagt, das weiß man doch ab Minute fünf, dass die ein falsches Miststück ist. Aber nein, ich bin mit den Erwartungen, ich bin natürlich auch mit den Erwartungen rangegangen, weil ich etwas Leichtes sehe. Ich habe nicht so viel Zynismus erwartet. Und vor allem, dass irgendwas... kommt, dass diese Eve cool ist. Und daran habe ich sehr lange geglaubt. Viel zu lange.
Florian Bayer: Das finde ich sehr gut. Und ich glaube, dass der Film das tatsächlich will. Du hast jetzt so ein bisschen eingedeutet, dass der Film es vielleicht nicht unbedingt so die ganze Zeit will, aber ich glaube schon, dass es dem Film wahnsinnig wichtig ist, dass es immer auf einem Niveau bleibt, bis zu einem bestimmten Punkt, wo es dann klar eskaliert, wo du als Zuschauer denkst, oh nein, die arme Eve.
Johannes Franke: Ja, aber Mann! Der Film macht ja am Anfang alles, dass wir eigentlich erzählt kriegen, okay, ich zeige euch jetzt, wie diese Frau aufgestiegen ist. Und wir sehen am Anfang auch schon diesen Tisch von den Leuten, die sie hassen. Da sind die Blicke noch nicht ganz so krass, aber wir sehen schon, da ist irgendwie schlechte Stimmung.
Florian Bayer: Das hättest du alles wissen können, ne?
Johannes Franke: Wir verdrängen das komplett.
Florian Bayer: Total.
Johannes Franke: Wir sind komplett raus und sobald es in diese Rückblenden geht und wir diese Eve sehen, wie sie da steht und sagt, ja, und dann habe ich meinen Mann im Krieg verloren. Und ich bin ja so schüchtern und so bescheiden. Oh,
Florian Bayer: ja.
Johannes Franke: Du bist einfach nur, ah ja, ja, dieses... Arme und jetzt ist er unter diesen fiesen Zynikern und einer ist schlimmer als der andere. Du hasst alle, die in diesem Film sind und denkst, diese arme Eve. Und es dauert wirklich lange, aber am Schluss sitzt du dann da und sagst, ich liebe Margot. Ich liebe Bill. Ich liebe... Ich kann sogar irgendwie eine gewisse Sympathie für diesen Wichser The Wit empfinden. Aber ich hasse Eve.
Florian Bayer: Und es ist so krass, weil du so lange alle möglichen Auswege suchst für sie. Du denkst dir die ganze Zeit... Ja, da ist aber auch der schuld und das ist doch ein Missverständnis damit. Und sie findet ja diese Ausflüchte und sie richtet auch alles so ein. Aber mein Moment ist schon der gleiche Moment, den sie hatte, also den Margot hatte. Sie sitzt im Bett, wird nachts aufgeweckt von einem Telefonat, das sie nicht initiiert hat und bekommt ihren Freund zugestellt. Offensichtlich hat Eve vorher... Das Telefonat bestellt, also konnte man damals, man konnte damals bestellen, dass man angerufen wird, dass man zwei Leute miteinander per Telefon verbindet und dann klingelt es auf beiden Seiten und dann kommen die zusammen. Und sie in einer anderen Timezone als er anscheinend, glaube ich auch, oder? Ja. Wird aus dem Schlaf geweckt und hat vergessen, dass er Geburtstag hat. Eve hat das nicht vergessen. Eve hat das vorher eingefädelt, dass sie da dieses Telefonat bekommt. Und Margot ist in dem Moment auch so ein bisschen, fuck, irgendwie weiß sie doch ein bisschen zu viel über mich. Irgendwie versteht die mich in Zacken zu gut. Die will nicht nur... an mir schnuppern, die will ich sein. Und das creept bei mir schon auch in dem Moment durch. Weil Birdie das auch sehr gut sagt. Birdie sagt in dem Moment, als dieses Telefonat durch ist und Margot das anspricht, sagt sie, sie fragt ja Birdie, was hältst du von Eve? Und Birdie sagt, willst du einen Streit oder willst du eine ehrliche Antwort oder was willst du? Willst du streiten oder willst du, dass ich einfach nur sage, ja, ja, ist okay. Und sie sagt, nein, nein, sag schon, was du willst. Und dann... Sagt sie das ja offensichtlich. Birdie weiß von Anfang an Bescheid.
Johannes Franke: Birdie ist die Einzige, die von Anfang an den Durchblick hat. Birdie ist die. Aber du siehst halt, du lernst halt diese Birdie kennen und merkst halt, die hat natürlich Angst, dass Eve sie ersetzt, weil sie ist das Mädchen für alles für Margot. Und sie haben so ein ganz merkwürdiges Verhältnis. Sie ist wie ein Kindermädchen für eine erwachsene Frau, für eine 40-jährige Frau. Und sie ist auch so ruppig wie ein Kindermädchen. Sie ist die Einzige, die Margot auch mit einem Grund sagt. Birdie total geil zu finden.
Florian Bayer: Ja, und Birdie hat also offensichtlich selber mal im Theater gearbeitet. Ja. Also die war ja selber mal auf der Bühne auch. Erzählt sie irgendwann zu.
Johannes Franke: Aber jetzt ist sie vor allem einfach so die aufopferungsvolle Helferin von Margot. Und natürlich findet sie Eve kacke, ist doch klar. Ja, ja. Und ich bin noch voll dabei, Eve ist das komplett naive Mädchen, das vom Land kommt sozusagen und jetzt in diesem Hexenkessel gelandet ist. Und wie gesagt, obwohl ich davor gesehen habe, dass es anders ausgeht, denke ich, shit, sie sitzt jetzt da und Zwischen diesen Leuten und Margot ist voll die krasse Zynikerin und sie ist echt derb und sie hat kein Problem damit ständig Leute in die Pfanne zu hauen. Der Bill ist so ein bisschen suspekt und irgendwie merkwürdig. Das ist zumindest so, wie ich die Leute am Anfang wahrnehme. Ich finde, okay, diese Karen ist wahrscheinlich noch so die zweite am ehesten Unschuldige da drin. Aber die sind alle irgendwie merkwürdig und ich will eigentlich mit keinem von denen was zu tun haben, aber Eve ist nett.
Florian Bayer: Eve ist nett, ja.
Johannes Franke: Eve ist schüchtern und zurückhaltend und so weiter und ich bin noch voll auf dem Trip. Naja, klar, das ist ein Missverständnis. Eve ist einfach jemand, der sich um Zeug kümmert. Sie wollte was Gutes tun, sie hat das vermasselt. Aber eigentlich hat Margot es vermasselt, weil Margot soll verdammt nochmal an den Geburtstag von ihrem Lover denken und Margot soll sich verdammt nochmal um ihren Shit kümmern und wie eine Vierjährige sich alles nachtragen lassen. Und dann ist sie selbst schuld, wenn sowas passiert. Das ist ihr Problem. Und dann ist ja auch danach die Party, wo ich sage, ey, und dann ist Margot komplett paranoid. Und sagt, okay, und jetzt lasse ich die Sau raus. Und mir tut die ganze Zeit Eve leid. Und ich denke nur, Eve, du musst da raus, Mädchen. Das ist kein guter Umgang für dich.
Florian Bayer: Ah, ich liebe diesen Film dafür. Weil er mich natürlich auch beim ersten gucken, ich war total überfahren davon. Ich war so, what the fuck, was für ein krasser Film ist das, dass der das auch so zusammenbringt, wie so ein Zahnrad, wie ein sehr kompliziertes Uhrwerk. dass man das die ganze Zeit entschuldigt als Zuschauer und die ganze Zeit denkt, ja, aber das ist doch so und das ist doch so und ich kann Margot auch verstehen an der einen Stelle, weil ich ja als Schauspieler, ich habe einen Background, ich kann anknüpfen bei ihr und ich verstehe diese Angst vor diesem Ageism, wer ist zu alt für bestimmte Rollen.
Johannes Franke: Ich kann unter dem Frauen deutlich mehr leiden als Männer. Ja. Er ist 40.
Florian Bayer: Total und das ist mit 40, meine Güte, du bist 40. Was ist das? Das ist doch kein Alter. Und dann kriegst du aber schon mit 40 als Schauspielerin gesagt, du bist zu alt für alle möglichen Zeiten.
Johannes Franke: Sie ist Betty Davis als 40-Jährige. Das kommt noch dazu.
Florian Bayer: Noch dazu.
Johannes Franke: Betty Davis, die mit 40 unfassbares Charisma und gutes Aussehen hat.
Florian Bayer: Müssen wir auch noch besprechen, was für eine Parallele es zu Betty Davis Leben hatte. Ja.
Johannes Franke: Aber von einem anderen Film, den sie gedreht hat, der ein ähnliches Thema hat.
Florian Bayer: Oh, das weiß ich gar nicht genau. Aber machen wir alles noch. Ich will bei dieser Story bleiben, weil die wirklich der Hammer ist. Und die ist auch so gut. gut entwickelt, dass man wirklich eben da so gut durchkommt und so viel Zynismus des Theaters und der Schauspieler irgendwie mitbekommt und da irgendwie das auch als Rodeo begreift und einem das so ein bisschen erzählt wird, was da in der Theaterwelt los ist und Eve da so eben unschuldig reinkommt. Und wie krass ist diese Schauspielerin, dass sie das schafft, diese Rolle so zu spielen und dann den Switch ganz am Ende zu haben, dass man sie wirklich hasst. Es ist so krass, wie das so springelt.
Johannes Franke: Es ist krass,
Florian Bayer: weil es gibt ja so ein paar abrupte Wechsel und Anne Baxter kriegt die irgendwie hin,
Johannes Franke: obwohl man wirklich rausgerissen wird in den Momenten, in denen sie komplett umschlägt, in denen sie so eiskalt wird oder so krass fordernd. Man kauft ihr trotzdem ab, dass das immer noch dieselbe Person ist und dass dieselbe Person einfach perfekt diese Maske getragen hat. Und diese Erkenntnis haut dann natürlich voll rein, weil sie glaubwürdig ist, obwohl es so ein krasser Switch ist. Dadurch, dass es glaubwürdig ist und das ist ganz stark der Verdienst von Anne Baxter, weil sie am Anfang wirklich einfach, unschuldig, naiv, brav und eben als all das herkommt, als das Eve wirken will. Du kaufst ihr das voll ab und dann denkst du, hoppla. Und das Ding ist ja, du bist die ganze Zeit in diesem Film, du merkst, dass da Sachen komisch sind und das eskalieren könnte. Aber du weißt nicht, was passieren wird. Das könnte zur Komödie werden. Eve, die einfach mit Margot irgendwie so ein Duell dann sich abliefert und dann am Schluss gewinnt, weil sie einfach die nettere ist. Es könnte ein Thriller werden. Wir könnten jederzeit die Szene sehen, in der Margot Eve erschlägt oder in der Eve Margot ein Messer in den Rücken sticht, was sie später auch im übertragenen Sinne macht.
Florian Bayer: Es ist super krass.
Johannes Franke: Es bleibt total vage und in sich selbst, was die Genres sind, die diesen Film definieren, der ist ja auch gespalten. Er balanciert die ganze Zeit so zwischen Satire, auch das Theaterbusiness, Und zwar richtig böser Satire mit richtig fiesen Anspielungen, richtig fiesen Gags. Und das zweite ist dann eben das Drama. Und zwar auch das wirklich schwere Drama, in dem es einfach darum geht, wie ein Mensch sein Leben verliert. Und von einem anderen Menschen krass hintergangen wird. Und dann von Menschen, die hinters Licht geführt werden. Und Menschen, die... ständig Entscheidungen treffen, die halt so auch sowas wie immer so an der Klippe sind zwischen Loyalität und Verrat. Und das ist, ich meine, das hat griechische Ausmaßen. Das ist eine griechische Pagödie, was wir da erzählt kriegen.
Florian Bayer: Und man ist tatsächlich auch ganz, ganz lange, bis so die letzten Szenen kommen, so am überlegen, ist das jetzt so schlimm, was sie da gemacht hat? Ist das wirklich so dieser Arschloch-Move? Oder ist das nicht einfach nur, naja, da kommt halt eine junge Schauspielerin und die... hat mal eine Chance bekommen zu spielen und dann, das wünscht sich ja jeder, dass man eine Chance hat mal zu spielen und dass die Leute das sehen können und dass die Presse dann mal kommen kann und sagen kann, ja, du bist eine gute Schauspielerin. Das will ja auch jeder. Und dazu muss man kein Arschloch sein oder kein hinterlistiges Miststück oder was auch immer. Das sind alles so Sachen, die man auch nachvollziehen kann. Aber man merkt dann halt in letzter Instanz, mit welcher Perversion sie das betrieben hat. Und das ist halt das Krasse dann auch.
Johannes Franke: Gibt es immer so diese Psychomovs dazwischen?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dann vor allem gibt es aber auch den Punkt, wo wir merken, dass das wie viel Plan und wie viel Intrige dahinter steckt.
Florian Bayer: Dieses Sinn.
Johannes Franke: Naja, diesen Moment, wo wir dann mitkriegen, okay, sie hat tatsächlich diese ganzen Kritiker da eingeladen. Okay, sie hat sich jetzt komplett an David rangehängt. Okay, sie hat das so eingefädelt, sie lässt ihre Vermieterin, lässt sie da anrufen, damit sie sagen, dass sie Tränen überströmt, da liegt damit Leute zu ihr kommen, damit sie den auch noch verführen kann. Ja. Sie hat sehr genau geplant, wen sie rumkriegen will. Und wenn es bei Bill nicht klappt, dann ist es Lloyd. Und wahrscheinlich wäre der nächste Plan, wäre The Wit oder Max. Der bis zum Ende naiv ist. Der Einzige, der am Schluss nicht böse guckt. Der sich immer noch liebt. Ja,
Florian Bayer: genau. Das ist super süß auch. Bei der Schauspieler auch total süß.
Johannes Franke: Der Typ ist sowieso so eine Erscheinung für sich. Die sind alle so zynisch und verdorben. Und alle haben irgendwie so einen düsteren Blick auf die Welt. Und dann haben wir diesen Max, den Produzenten. Der eigentlich der Schlimmste von allen sein müsste. Und der läuft da eigentlich nur durch sein lila Wunderland, wo alles gut ist und alle glücklich sind.
Florian Bayer: Der hat einmal bei der Probe rastet er, glaube ich, aus so ein bisschen. Aber ganz, ganz wenig.
Johannes Franke: Aber auch eher fast schon so scherzhaft. Ich weiß, wenn er sich mit Margot zofft und wir gegen Margot schießen.
Florian Bayer: Ach Gott. Das Ganze ist übrigens basierend auf einer Kurzgeschichte. Und da kommt schon das nächste böse Ding, was der Film leider falsch macht. Was er ja eigentlich kritisieren will, nämlich, dass niemand ihr Credit dafür gibt,
Johannes Franke: dass sie diese Kurzgeschichte geschrieben hat. Mary Castle Orr, The Wisdom of Eve, das im Cosmopolitan erschienen ist, wirklich eine kurze Geschichte, ist im Magazin erschienen.
Florian Bayer: 1946, also so vier Jahre vorher.
Johannes Franke: Die haben ihr das abgekauft und dann haben sie gesagt, okay, jetzt haben wir es ja, jetzt brauchen wir keine Credits mehr.
Florian Bayer: Sie hat aber irgendwie 5000 Dollar bekommen. Das ist damals schon Fehlgeld gewesen, also 50.000 Euro ungefähr oder sowas.
Johannes Franke: Aber es ist schon hart, also ich meine, sie haben sogar der Titelfigur den gleichen Namen gegeben, um sie gar nicht einmal zu erwähnen, auch wenn die Kurzgeschichte offensichtlich ein bisschen anders ist als der Film.
Florian Bayer: Die ist ja auch nur so zwei, drei Seiten lang und die ist tatsächlich auch anders als der Film und das hat so viel Zeug nach sich gezogen, weil es eine Schauspielerin gab, die sich darin gesehen hat in dieser Rolle, die gesagt hat, ach das bin ja ich, diese Eve und auch eine, die gesagt hat, ach das bin ja ich, diese Margot und das ist also... bisschen schwierig verlaufen auch. Die haben sich ihr Leben lang gegenseitig böse angeschaut.
Johannes Franke: Dabei war es gar nicht so eindeutig. Es wird auch nach wie vor viel spekuliert, wenn über den Film geredet wird, welche Frausspielerinnen jetzt hier wohl persifliert sind und welche anderen Personen. Also im Film haben wir ja das Gefühl, jeder Einzelne, der da zu sehen ist, könnte eine Persiflage sein auf einen echten Menschen.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und da wurde viel drüber spekuliert, aber es ist nicht so 100% eindeutig. Also es gibt keine Antwort. Man weiß nicht, das war jetzt die da. Aber es war so, eine Geschichte war, Elisabeth Bergner hat angeblich Mary Orr diese eine Geschichte erzählt von einem jungen Fan, den sie eingestellt hat als Assistentin und bei der sie dann aber nach ein paar Tagen gesagt hat, nee, das funktioniert ja überhaupt gar nicht, die sind total schräg und sie schleimt sich die ganze Zeit so an mich ran und die sie dann wieder gefeuert hat. Das ist so ein bisschen das, was wir von Orr wissen, was Orr gesagt hat. Und Joseph Mankiewicz, unser Regisseur und E-Buchautor. wollte eigentlich Eine Geschichte über eine Schauspielerin schreiben, die älter wird, um das zu beleuchten. Was passiert mit Personen im Filmbusiness, wenn sie älter werden?
Florian Bayer: Also er hatte schon diese Szene im Kopf, diese Preisverleihung, so ein bisschen in diese Richtung. Und dann hat er das verbunden mit der Geschichte, die er da in diesem Magazin gefunden hat.
Johannes Franke: Und dann hat er den Daryl Sanuk angeschrieben und gesagt, ey, das ist eine gute Geschichte, lass uns das machen. Und Daryl Sanuk war einer der großen Hollywood-Typen. damals. Der war bei 20th Century Fox ganz oben in der Führungsetage. Das heißt, wenn du mit dem befreundet warst, dann konntest du auch Filme machen. Und der hat gesagt, ja, lass uns das machen und lass uns mal gucken, was wir da wie einbauen.
Florian Bayer: Nur kurz zu Menkewitz. Der ist Writer, Producer und Regisseur gewesen. Also er hat geschrieben, produziert und Regie geführt und hat zwei Oscars als Regisseur bekommen und zwei Oscars für so geschriebene Drehbücher. Also er ist schon eine große, große Nummer. Und ich finde, dass man es dem Drehbuch durchaus anmerkt, dass er eine sehr, sehr große Nummer ist, gerade als Writer. Und ich finde ihn als Writer tatsächlich noch einen Spur besser als als Regisseur. Vielleicht hört ihr euch die Episode zu Cleopatra trotzdem an, weil das natürlich interessant ist, weil bei Cleopatra hat er kaum Zeit gehabt zu schreiben und hat dramaturgisch ganz schön daneben gehauen. Auch, ja, naja.
Johannes Franke: Cleopatra war, glaube ich, auch einer seiner letzten, Seiner letzten Filme, oder? Ja,
Florian Bayer: das war ein bisschen Taglage für ihn, glaube ich, ja. Möchtest du Tee ploppen?
Johannes Franke: Oh ja, bitte, sehr gerne. Ich habe ja, also wenn du sagst, dass man das dem Drehbuch ansieht, ich habe ja so eine kleine Theorie, was viele 40er-Jahre-Filme eigentlich betrifft, aber offensichtlich in den 50ern auch. Oder zumindest Anfang der 50er. Aber eigentlich ist so eine Theorie für 40er-Jahre-Filme, auf den Film passt sie perfekt. Und zwar haben, der Talkies sind noch nicht so alt, ne? The Chess Singer, so der erste Talkie. Gemeinhin ist aus dem Jahr 1927, das heißt so in den 30ern haben sie irgendwie angefangen Talkies für sich zu entdecken. Und dann gibt es diesen Moment in der Filmgeschichte, dieses Zeitfenster, wo sie sagen, jetzt haben wir die Talkies raus. Aber sie haben die Talkies noch nicht so ganz raus. Und jetzt haben wir 20 Jahre Kinofilme gemacht, die alle ruhig waren. Jetzt machen wir Talkies. Dann sind das Filme, die nicht die Klappe halten können.
Florian Bayer: Ja, ja, natürlich.
Johannes Franke: Und dieser Film ist so ein Film, wo unglaublich viel geredet wird. Wir haben mehrere Off-Erzähler.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Übrigens, wirklich, wirklich, wirklich elegant, wie hier zwischen Erzählperspektiven geschaltet wird. Nämlich einfach, wir haben, DeWitt ist unser erster Off-Erzähler und wir schwenken einfach um zur Off-Erzählerin Karen. Und es passiert mehrmals in diesem Film, dass die Off-Erzähler so wechseln, dass man das Gefühl hat, man verpasst es fast schon. Und denkt so, Moment, hat vor fünf Minuten nicht jemand anderes die Geschichte erzählt?
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Wir haben Off-Erzähler, wir haben Monologe und wir haben vorgelesene Texte. Und wir haben... unfassbar lange Dialoge. Dieses Drehbuch muss unfassbar lang gewesen sein, dafür, dass sie innerhalb von zwei Stunden dauert, der Film, in zwei Stunden so ein Feuer an Text raushauen. Es wird unfassbar viel geredet. Der Film ist komplett talky, also talky wie er im Buch steht.
Florian Bayer: Und ich finde, dass auch mein Assessment, dass es eine Screwball Komödie ist, gar nicht so ganz verkehrt, weil er viele Screwball-artige Dialoge hat. obwohl er nicht in diese Komödie total abdriftet und man oft das Gefühl hat, okay, jetzt, ich kann nicht mehr lachen.
Johannes Franke: In dem Film ist doch kaum was lustig.
Florian Bayer: Doch, doch, doch,
Johannes Franke: das ist alles zu böse.
Florian Bayer: Ich finde es super, super lustig zwischendurch. Ich muss sehr viel lachen.
Johannes Franke: Das ist eine Screwball-Kragödie am ehesten. Ja,
Florian Bayer: okay, okay. Aber es ist screwballig, oder? Weil die Dialoge sehr schnell sind.
Johannes Franke: Ja, eher weil die Dialoge schnell sind. Und was wir an Screwball-Momenten haben, ist vor allem zwischen Bill und Margot, das ist ja nur... Nur deprimierend? Wenn die sich streiten, dann streiten die sich ja wirklich. Und wenn Margot irgendwie Witze drüber macht, dass er angeblich auf Jüngere steht, dann meint sie das tot ernst. Dann hat sie Angst, dass sie ihn verliert, einer
Florian Bayer: 23-Jährigen. Oh Gott, wir müssen über dieses Thema reden. Das ist das große Thema vielleicht dieses Films. Es gibt mehrere Themen, aber das ist das große Thema. Alter.
Johannes Franke: Alter. Wir sind beide alt.
Florian Bayer: Alter sind wir alt. Nein, wir sind beide in dem Alter von der armen Margot, die jetzt sagt... 40. 4. 0. Und ich muss immer noch 23-Jährige spielen. Alter, kannst du mir nicht mal eine normale, nette Rolle schreiben von einer Frau, die einfach ihren Mann umbringt? Das reicht doch. Ich will ja nicht viel.
Johannes Franke: Und was sagt unser netter Protagonist? Leute, die ich tatsächlich viel zu lange gemocht habe?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Naja, ich will interessante Rollen schreiben und offensichtlich sind Frauen jenseits der 25 Jahre nicht mehr interessant. Deswegen schreibe ich grundsätzlich junge Charaktere.
Florian Bayer: What the fuck? Ich möchte ihm so in die Fresse schlagen. Es ist wirklich krass und ich finde es so toll, dass Menkewitz das tatsächlich anbringt und dass er dem wirklich eine Bühne bereitet, die nicht einfach nur so in einem Nebensatz abgehandelt wird, sondern das ist die Bühne dieses ganzen Films. Es geht darum, was passiert mit einer 40-Jährigen. 40, sagt es nochmal, bitte und als alle im Chor, 40 und 40 ist nicht alt. Warum das so krass in Hollywood ist und auch… Theater,
Johannes Franke: wir sind nicht in Hollywood.
Florian Bayer: Ja, nein, aber er redet über Hollywood.
Johannes Franke: Absolut, ich habe gerade gedacht, der Film… Ist natürlich so, Hollywood macht sich übers Broadway, übers Theater lustig, aber eigentlich hielt es die ganze Zeit in seine Richtung. Definitiv. Und ich hab auch ein paar Mal gedacht, ich kenn mich zu wenig mit Theater aus, aber Max läuft ja als Produzent die ganze Zeit rum. Ist das nicht, also die Rolle von Produzenten im Theater so, das wirkt so voll nach Filmbusiness. Und es wird ja auch über Filmbusiness geredet.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Und sie machen sich auch über den Film lustig, als Theater-Snops.
Johannes Franke: Ganz am Anfang schon. Diese Academy Awards.
Florian Bayer: Eigentlich scheißt dieser Film auf so viele Haufen, inklusive den eigenen so sehr. Ich finde es total toll, weil das auch so viel Selbstironie und so viel Frust über bestimmte Sachen zeigt.
Johannes Franke: Aber kommen wir zurück zum Alter, zu Margot. Die wirklich in der Blüte ihres Lebens spielt und die eine verdammt gute Schauspielerin ist. Dazu gehört offensichtlich, dass man sich dievenhaft verhält und dass man die Sau rauslässt und sich regelmäßig betrinkt und seine Freunde ankackt. Und danach zu sagen, sorry ihr seid meine besten Freunde, das bin mir leider schlecht angekackt habe. Obwohl...
Florian Bayer: Obwohl sie sagen, Margot ist Margot.
Johannes Franke: Margot ist Margot.
Florian Bayer: Sie sagen nicht, Margot ist Schauspielerin, sondern sie sagen, Margot ist Margot.
Johannes Franke: Aber sie ist eine Diva. Sie ist einfach der Sinnbegriff einer Diva.
Florian Bayer: Ja, das schon.
Johannes Franke: Und auch so eine Arschloch-Diva. Sie ist fies zu Leuten, sie schreit sie an, sie hält sich für das Größte. Wenn ein junger Fan kommt, sagt sie dreimal den Namen falsch von dem und so weiter.
Florian Bayer: Sie ist wahnsinnig gut gespielt von Bette Davis. Wahnsinnig gut. Und sie hat so eine raue Stimme. Weißt du warum?
Johannes Franke: Weil sie qualmt ohne Ende?
Florian Bayer: Nein, nein, nein. Das vielleicht auch. Aber sie hat eine Ehe gerade beendet. Und zwar sehr schreiend beendet. Oh. Das heißt, sie hatte eine Blutader, die in ihrem Rachen geplatzt ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Kurz bevor der Dreh losgegangen ist. Und dann hatte sie so eine Stimme. Und dann hat der Regisseur gesagt, ich will diese Stimme auf jeden Fall beibehalten. Selbst wenn das heilt, du musst diese Stimme weitermachen. Und es passt total, finde ich, zu dieser Figur.
Johannes Franke: Ja. Und spannend ist ja, genau, es ist eine 40-Jährige, sie ist alleinstehend, sie hat einen Lover, Bill, aber sie ist nicht mit ihm verheiratet, obwohl er sie gerne heiraten würde. Sie zeigt zu jeder Gelegenheit, dass sie ihm überlegen ist und gleichzeitig zeigt sie zu jeder Gelegenheit, dass sie total abhängig von ihm ist und dass sie, beziehungsweise, dass sie tierisch Angst hat, ihn zu verlieren. Und es ist eine spannende Figur, die hier geschrieben wird, gerade wenn wir daran denken, dass wir Anfang der 50er stehen. Offensichtlich wollte Mankiewicz ursprünglich ihren Ehemann schreiben, Bill sollte ihr Ehemann sein. Das wurde dann nochmal geändert. Und es liegt eine gewisse Stärke in dieser Frau, dass sie so unabhängig ist, dass sie alleine in diesem großen Haus lebt und dass da Leute kommen und gehen, wie sie es will. Weil sie kann mit dem Finger schnippen, um Leute rauszuwerfen. Und dann ist mal Bill da. Birdie ist offensichtlich immer da. Einfach als die, wie auch immer, Amme.
Florian Bayer: Emotional Support, würde ich mal sagen.
Johannes Franke: Aber dann kann sie zum Beispiel so jemanden wie Yves einfach mal einladen und sagen, du wohnst jetzt bei mir. Ich hab den Platz, ich hab das Geld. Hier, du wohnst jetzt bei mir. Das ist Erstaunlich viel Unabhängigkeit für eine 40-jährige Frau, die da in einem Hollywood-Film gezeigt wird, weil normalerweise hattest du solche Figuren, die so unabhängig sind, ja eher jünger und nicht erwartet, dass sie quasi in dem Alter ist, in dem schon das Kinderthema langsam durch ist und man sagt, oh, die werden keine Kinder mehr kriegen.
Florian Bayer: Das ist doch auch die Figur, die in früheren Filmen oder vielleicht sogar noch in dieser Zeit ist. Die Nebenfigur war, auf die alle verächtlich geguckt haben und gesagt haben, das ist doch die alte alleinstehende Frau.
Johannes Franke: Crazy Cat Lady.
Florian Bayer: Crazy Cat Lady, genau, genau.
Johannes Franke: Und sie ist es aber überhaupt nicht in dem Film die ganze Zeit. Sie ist so stark, sie macht auch ihre Partys, nur sie genießt das Leben, sie lebt ausschweifend und sie ist eine gefeierte Schauspielerin. Alle sind, zumindest wenn wir sie kennenlernen, sagen alle, sie ist großartig, sie ist eine fantastische Schauspielerin. Und ich glaube, das ist auch wichtig, weil es diesen Konflikt so... offensichtlich macht, dass hier dieses Thema Alter, dass das total absurd ist, weil es eigentlich nur so, es entsteht aus sich selbst heraus. Sie reden alle darüber, dass sie zu alt ist. Ich zweifle keine Sekunde dran, dass sie auch die 23-Jährigen spielen kann.
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Weil sie einfach saugut ist.
Florian Bayer: Ja. Sie will ja, und das finde ich interessant und wichtig daran, sie will ja selber nicht mehr die Anfang-20-Jährigen spielen. Oder die Mitte-20-Jährigen. Sie hatte selber keine Lust mit. Ja. Was ich so gut nachvollziehen kann.
Johannes Franke: Wenn ihr nicht... Wenn ihr nicht präsent habt, wie Johannes aussieht, Johannes sieht, ich sag's einfach mal so, grundsätzlich jung aus für sein Alter. Und Johannes ist auch 40, so alt wie ich. Und das ist krass, er sieht mindestens 10 Jahre jünger aus als ich, wenn nicht sogar 15. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber Johannes kauft man den 30-Jährigen ab und als Johannes 30 war, hat man ihm auch den 18-Jährigen noch abgekauft. Und Johannes ist Schauspieler, Johannes hat die 18-Jährigen gespielt.
Florian Bayer: Ja, mit 30, mit Mitte 30 teilweise noch. Und das war auf Dauer sehr seltsam. Ja. Muss man sagen. Und es ist immer noch ein bisschen seltsam, weil ich ja immer noch keine 40-Jährigen spiele, sondern immer noch die, vielleicht jetzt die jungen Start-Upper, die mit Ende 20 anfangen, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Das ist, also, es ist wirklich seltsam auf Dauer, weil du nichts spielst, was mit deinem Erfahrungshorizont zu tun hat.
Johannes Franke: Das ist merkwürdig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich muss gerade an so wirklich ein Awkward-Ding denken. Ich weiß nicht mehr, welcher Film es war. Und das ist voll peinlich für einen Filmpodcast. Aber so als kleine Anekdote. Ich habe was gelesen. Ich glaube, es war ein Interview mit einem Darsteller, 25, der in auch irgendeinem Teenager-Film mitgespielt hat und dann romantische Szenen mit einer 14-oder 15-jährigen Schauspielerin hatte. Und der gemeint hat, ja, und es war nicht so schlimm, weil ich habe sie die ganze Zeit als meine kleine Schwester betrachtet. Und es war irgendwie so. Wir sind gut klargekommen und es wurde vorsichtig gemacht. Und ich dachte trotzdem die ganze Zeit, wie awkward muss das für dich sein als erwachsener Schauspieler, wenn du dann romantische Szenen mit einem kleinen Mädchen spielst und du weißt ja, dass das irgendwie nicht cool ist. Aber für deine Rolle ist es cool, weil deine Rolle 16 sein soll oder so. Das war wirklich komisch. Ich weiß leider nicht mehr, was es war. Ist vielleicht auch nicht so wichtig. War, glaube ich, auch kein weltbewegender Film. Das fand ich total schräg. So auch dieser Gedanke. gehört dann ja auch irgendwie dazu, wenn du die 19-Jährigen kennst, dann hast du ja gelegentlich auch MitschauspielerInnen, die in dem Alter sind.
Florian Bayer: Ja, naja, am schlimmsten fand ich immer und finde ich, also schlimmsten, am schwierigsten finde ich tatsächlich, dass ich immer die gleichen Themen habe von Leuten in einem Alter, was ich so lange hinter mir gelassen habe, dass ich, ich habe auch wirklich Castings nicht bekommen, weil die Leute danach angerufen haben und gesagt haben, du bist ein toller Schauspieler, aber... Man merkt dir leider an, dass das nicht mehr stimmt. Also das Alter stimmt einfach nicht. Und das merkt man dann nicht im Aussehen, sondern im Spiel. Und da bin ich vielleicht auch nicht gut genug als Schauspieler, um das hinzubekommen, den 18-Jährigen wieder rauszuholen aus mir. Aber ich hatte auch keine Lust.
Johannes Franke: Vielleicht kann man es dann auch irgendwann abschließen. Wahrscheinlich hast du auch selbst unbewusst schon, ich spiele den 18-Jährigen mal, das wäre 19. Das ist keine 18, das ist 19. Das kauf ich dir nicht mehr ab.
Florian Bayer: Ja, vielleicht so. Aber insofern kann ich so gut mit... Margot mitfühlen in dem Moment.
Johannes Franke: Und was aber auch gleichzeitig das andere Ding ist und das ist vielleicht, ja doch, das ist die 50er, genau, das ist eigentlich auch die Zeit und 50er und 60er, dass Frauen, wenn sie 40 sind, plötzlich die 60-Jährigen spielen müssen und dass sie plötzlich die Omas sind und dass dann einfach das Hollywood die Altersklassen keine Ahnung, 10 bis 20, 20 bis 25, 25 bis 30, 30 bis 35, 35 bis 40, 40 bis 90 kennt. Und wenn du über 40 bist, dann bist du plötzlich in dieser Altersklasse, aber das heißt, du darfst auch mal die Omas spielen, aber du bist komplett raus aus dem Anderen.
Florian Bayer: Eigentlich bist du schon ab Mitte 30 nicht mehr interessant als Frau.
Johannes Franke: Und was ja auch mit dazu gehört, dass sie dann, und das ist irgendwie auch so damit verwandt, dass sie dann die 35-jährigen Schauspielerinnen haben, die mit 60-jährigen Männern flirten. Und dass das als das Normale angesehen wird, einfach weil die 35-jährige Frau halt quasi in diese Alterskategorie schon mit reinrutscht.
Florian Bayer: Ja, also ich meine, wir haben ein bisschen was geändert über die Jahre, aber... Bei weitem nicht genug, habe ich so das Gefühl. Wir müssen uns da noch ein bisschen, wir haben da schon noch dran zu knapsen. Also gerade in so großen Hollywood-Dingern, wo einfach sehr, sehr, sehr viel so hart verwurzelt ist, dass man es ganz schwer rausgerissen kriegt.
Johannes Franke: Dieser Ageism und vor allem in Verbindung mit Sexismus. Es betrifft auch Männer, aber es betrifft vor allem Frauen, dass sie dann ab einem gewissen Alter, wird ihnen gesagt, du spielst jetzt andere Rollen, du darfst jetzt nur noch die Mütter spielen oder die alten Mütterchen.
Florian Bayer: Genau.
Johannes Franke: Oder dass ihnen gesagt wird, naja, sexy geht gar nicht mehr. Ab 40 kannst du nicht mehr sexy sein, das ist unmöglich.
Florian Bayer: Völlig unmöglich.
Johannes Franke: Wenn sich eine Mitte-40-Jährige für einen Playboy oder so auszieht, das ist ein riesiger Skandal. Schaut euch das mal an, ist das nicht der Wahnsinn? Und du denkst nur so,
Florian Bayer: what?
Johannes Franke: Und meistens von 50-jährigen Männern. Ja,
Florian Bayer: ja.
Johannes Franke: Es gibt da noch einiges aufzuarbeiten. Und es ist krass, dass dieses Thema in einem 50er-Jahre-Film beachtet wird.
Florian Bayer: Ja, das Thema ist so uralt.
Johannes Franke: Pun intended.
Florian Bayer: Ja, das Interessante ist natürlich auch, dass Betty Davis in diesem Moment im Grunde in ihrer Karriere an einem solchen Moment stand. Also ihre Karriere war mehr oder weniger am Ausplänkeln. Sie meinte damals wörtlich, er hat mich von den Toten auferweckt und meinte damit den Regisseur. Ja. Dass sie da nochmal hochgeholt wurde, resurrected quasi, das ist auch ein Bild. Das spricht Bände für diese Zeit. Naja, und dann war sie natürlich dankbar, dass sie dann nochmal wieder auf die Bühne geholt wurde und die Leute nochmal sie neu entdecken konnten und sie durfte nochmal tolle Rollen danach spielen. Also jetzt nicht die ganz krassen Sachen, aber sie durfte weiterspielen. Und andere wären vielleicht tatsächlich untergegangen in dem Alter.
Johannes Franke: Sie hat ja noch einiges Großes gespielt danach. Unter anderem, also ich glaube, der bekannteste ist, was geschah mit Baby Jane. Das ist in den 60ern dann, wo sie mit John Crawford gespielt hat. Und was ich vorhin meinte, 1952 hat sie einen Film gespielt, der heißt The Star. Da wurde sie auch für den Oscar nominiert nochmal als beste Hauptdarstellerin. Da spielt sie eine alte Schauspielerin. Ich habe ihn leider nicht gesehen, aber er klang ziemlich interessant. Eine alte Schauspielerin, die irgendwie nicht damit klarkommt, dass ihre Zeit vorbei ist. Und viele haben gesagt, dass das eine Anspielung auf Joan Crawford sein könnte, die ja quasi so neben Betty Davis nebenher gelaufen ist. Und die beiden haben sich offensichtlich gehasst. Also es gibt diese Geschichten von dem... Baby-Jane-Dreh, der wohl ziemlich krass gewesen war. Okay. Und dann hat irgendwann und es gibt diese Anekdote, dass nach dem Tod von John Crawford wurde Betty Davis interviewt und hat gemeint, man soll ja nur Gutes über die Toten sagen.
Florian Bayer: Also sag ich lieber nix?
Johannes Franke: John Crawford ist tot. Gut.
Florian Bayer: Oh nein.
Johannes Franke: Ähm, genau. Oh. Das vielleicht als Filmentfehlung, die ich unbekannterweise empfehle, das da mit Betty Davis aus dem Jahr 1952. Ja. Und das ist vielleicht auch ganz gut, dass sie zeigt, dass man auch Hmm. Auch mit 40 noch was kann und auch Rollen spielen kann, die Leidenschaft haben, wo es um Liebe geht. Ich finde es großartig, dass Bill nicht als ihr Ehemann geschrieben ist, auch wenn ich die Entscheidung, dass die Hochzeit später ihre Rettung ist, nämlich doof finde. Aber grundsätzlich erstmal dieses Grundsetup, dass Bill nicht ihr Mann ist, sondern ihr Lover und dass die diesen Schlagabtausch haben und dass sie wirklich wie junge Liebende auch. sich fetzen und sich lieben und streiten und so weiter. Das ist toll. Das ist auch ungewöhnlich.
Florian Bayer: Und dass er so viel jünger ist.
Johannes Franke: Ja, das kommt noch dazu, genau. Und dass es thematisiert wird.
Florian Bayer: Ja, genau.
Johannes Franke: Dass er auch noch mal sagt und dass sie das Alter dann immer wieder thematisiert und er immer wieder sagt, Dude, ich bin nicht verliebt. Nicht in die jungen 20-Jährigen.
Florian Bayer: Ich find's so schön, wie er darauf besteht und immer wieder darauf besteht. Ich muss sagen, dass ich den Schauspieler leider nicht ganz so gut finde, aber ich find die Rolle. wirklich interessant und dreidimensional und spannend und dass er auch in dem Moment, wo er mitbekommt, okay, fuck, dieses, dieser Artikel ist erschienen, sofort losrennt und sofort zu diesem Theater rennt und sagt, ich bin die ganze Zeit völlig fertig mit den Nerven, ich bin gekommen und bin sofort gerannt.
Johannes Franke: Als der Film angefangen hat, erste Szene, wenn sie in diesem Raum sitzen und Bill wird ja auch etabliert, ich habe ihn für den größten arroganten Arsch von den allen gehalten und dachte, okay. Vor dem Bill musst du dich in Acht nehmen, liebe Eve. Ja, schüchterne Eve und so weiter. Und Bill ist dann so peu à peu gewachsen in meiner Gunst im Film. Und genau diese zwei Szenen. Wenn er nach dem Zeitungsbericht zu ihr läuft und sagt, das ist das Letzte und ich bin für dich da. Und dann die zweite Szene, wenn Eve versucht, ihn zu verführen. Und Bill nallhart ist. Und Bill einfach so ist, Dude, ich bin in Margot verliebt, warum kann das keiner kapieren? Auch wenn sie acht Jahre älter ist, warum muss ich mich jedes Mal erklären? Hallo, habt ihr es nicht geschnallt? Und dann dachte ich nur, okay, Bill ist mein Held. Bill ist geil.
Florian Bayer: Aber wirklich, es ist so krass, dass dieser Film sich das auch leistet. Weil der Film hätte so ganz easy da hineinrennen können, dass Eve ihn einfach verführt und er dann irgendwie auf sie reinfällt und so. Das wäre eine ganz typische Hollywood-Geschichte gewesen. Und ich habe auch echt damit gerechnet, dass das passiert.
Johannes Franke: Ich habe befürchtet, sie erzählen eine Romanze zwischen Eve und ihm. Also wie gesagt, ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Ich dachte, wir erleben das Eve mit ihm, dass einfach eine Romanze palafirmativ erzählt wird. Das ist schön, dass Eve jetzt ihn verliebt und er wird endlich dieses giftige Miststück Margo los.
Florian Bayer: Oh nein!
Johannes Franke: Das wäre absolut denkbar gewesen. Deren Beziehung wirkt ja am Anfang auch sehr toxisch. Und deren Beziehung ist ja auch ein bisschen gibt es ja dieses extrem starke Band zwischen ihnen, was echt schön ist.
Florian Bayer: Es ist super schön, weil er auch so, er hat so viele Fehler, aber auch so viel Liebe und so viel Herz. Und das ist so, das trägt so dazu bei, dass alle Figuren dreidimensional sind.
Johannes Franke: Und gerade Bill ist halt spannend, weil du kannst ihn am Anfang nicht einschätzen. Er ist halt auch dieser Hollywood-Typ. Er ist der Regisseur, er ist der, der jetzt nach Hollywood geht, der das Theater hinter sich lässt, der beim Film sein Glück versucht, seine Karriere. Und der dann auch Margot irgendwie kind of sitzen lässt. Und dann können wir ihn nicht so wirklich einschätzen. Immer wenn er wieder auftaucht, wissen wir nicht genau, was passiert jetzt mit ihm. Wir haben ja auch diese Szenen, wo er mit Margot ziemlich krass umgeht. Also ich meine, in dieser Anfangsszene sitzt er ja schon da und sagt so zu Margot, ey,
Florian Bayer: du siehst so kacke aus. Aber das ist die Basis, die die haben. Ja,
Johannes Franke: das ist die Basis, die die haben. Und sie schlägt ja auch zurück.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Und dann haben wir auch diese Schlafzimmer-Szene, wo es gibt so viele Szenen, in der Männer Frauen aufs Bett schleudern. in der Filmgeschichte.
Florian Bayer: Aber das sind die 50er.
Johannes Franke: Das sind die 50er. Und wir können ihn nie so 100% einschätzen, aber dann gibt es diese zwei Momente, würde ich sagen, und das ist genau, er rennt zu ihr, nimmt sie in den Arm, ich bin für dich da, Babe. Und der zweite...
Florian Bayer: Sie kann es nicht sofort annehmen. Ja. So, sie hat Schwierigkeiten damit. Aber auch das finde ich super, dass das so dreidimensional ist, dass es einfach schwierig ist, dass man da sich erstmal ranhangeln muss und erstmal Widersprüche entstehen und so und man dann nach und nach dahin kommt.
Johannes Franke: Und dann das Zweite ist natürlich, dass er Eve abblitzen lässt. Und er ist damit der einzige Typ, der auf Eve nicht reinfällt. Es dauert zwar auch ein bisschen, wenn man es kapiert, aber er ist der Einzige. Und dann haben wir ja diese Proben auch zum Beispiel, wo Lloyd und Bill sich ziemlich doll streiten. Und wir merken ganz klar, Bill streitet sich so, weil er lieber Margot sehen würde oder jemand anderen, nur nicht diese Eve. Und genau, alle anderen sind auf sie reingefallen. Alle anderen fallen auch bis zum Schluss auf sie rein. Bis auf The Wit, aber der wird ja zu ihrem Verbündeten oder so.
Florian Bayer: Oder so. Da reden wir dann noch drüber.
Johannes Franke: Ja, aber Bill, genau. Viel Herz für Bill. Viel Herz für Margot am Schluss, viel Herz für Bill am Schluss.
Florian Bayer: Margot wurde übrigens erst zwei Wochen vor den Dreharbeiten besetzt.
Johannes Franke: Ja, und einige große Darstellerinnen der damaligen Zeit haben sich überlegt, Marlene Dietrich?
Florian Bayer: Ja, aber die war so zu deutsch. Zu deutsch? Moment, was ist das für eine Begründung, zu deutsch? Aber ich verstehe es.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde, sie ist nicht auf dem Level, muss ich leider sagen.
Johannes Franke: Es wäre vielleicht ganz interessant gewesen, wann war Zeugin der Anklage? War auch ungefähr die Zeit, ne? Ja,
Florian Bayer: irgendwie sowas.
Johannes Franke: Sie hatte das kälter gespielt und weniger hedonistisch. Also ich glaube, diese Margot braucht schon so diesen Hedonismus.
Florian Bayer: Ja, das glaube ich auch.
Johannes Franke: Und für den braucht man Betty Davis. Susan Hayward wurde als zu jung abgelehnt.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Und Gertrude Lawrence, I don't know, die hat es dann nicht gespielt, weil ihr Agent gesagt hat, die darf nicht rauchen und nicht trinken im Film. Ach. Und das hätte der Rolle sehr geschafft. Margot muss rauchen, Margot muss trinken. Und Ingrid Bergmann offensichtlich zumindest kurz, auch im Gespräch, aber alles abgelehnt und dann schließlich Betty Davis.
Florian Bayer: Sie hat 16 Drehtage gebraucht für das. Also 16 Drehtage ist echt nicht viel dafür. Für all das, was sie da anzünden hat, 16 Drehtage, wow. Gerade in der Zeit auch.
Johannes Franke: Also sie spielt das schon großartig und sie hatte ja auch dann die Oscar-Nominierung. Für die beste Hauptdarstellerin.
Florian Bayer: Sie hat wahnsinnig viele Nominierungen bekommen.
Johannes Franke: 14 Nominierungen.
Florian Bayer: 14.
Johannes Franke: Aber ein Rekord bis heute.
Florian Bayer: Mit La La Land zusammen. La La Land hat auch 14 bekommen. Nicht das,
Johannes Franke: sondern noch nie waren so viele Frauen in einem Film gleichzeitig nominiert. Vier Stück, also zweimal beste Hauptdarstellerin und zweimal beste Nebendarstellerin. Und zwar für die Hauptdarstellerin natürlich Anne Baxter und Betty Davis. Für Eve und Margot.
Florian Bayer: Du sagst jetzt selbstverständlich, aber das stimmt ja nicht. Das ist ja nicht selbstverständlich. Die hatten nämlich eigentlich Anne Baxter als Nebendarstellerin. Und Anne Baxter hat dann gesagt, sehr typisch für diese Rolle, die sie da spielt. Nein, nein, ich bin doch Hauptrolle, ich bin nur titelgebend. Bitte nominiert doch bitte mich als Hauptdarstellerin. Und Ironie des Schicksals, wenn sie als Nebendarstellerin nominiert worden wäre, hätte sie wahrscheinlich gewonnen. Als Hauptdarstellerin musste sie mit der Betty Davis konkurrieren und hat nicht gewonnen.
Johannes Franke: Aber weder sie noch Betty haben gewonnen.
Florian Bayer: Betty Davis hat auch nicht gewonnen. Aber ich glaube, die haben sich gegenseitig ausgecancelt.
Johannes Franke: Vielleicht so ein bisschen, aber natürlich muss sie dastehen. Natürlich sind beide Hauptdarstellerinnen. Also es gibt gar keine Frage.
Florian Bayer: Natürlich ist das keine Frage, aber sie hätte einen Oscar haben können als Nebendarstellerin.
Johannes Franke: Und dann aber ganz süß für die beste Nebendarstellerin, Celeste Holm, die die Karen gespielt hat. Was ich nicht so ganz nachvollziehe. Wir können gleich mal zu Karen zu sprechen kommen. Ich fand die Figur vielleicht auch am schwächsten. Und Thelma Ritter. die, wie wir schon festgestellt haben, wir lieben sie alle, Birdie gespielt hat.
Florian Bayer: Sehr, sehr gut.
Johannes Franke: Weil Birdie tatsächlich die Einzige ist, ich meine, Naivität hat das gar nicht mitgerieckt, Birdie ist die, die von Anfang an Eve durchschaut.
Florian Bayer: Ja, ja.
Johannes Franke: Die schon erst, wenn Eve ihren Salmon von ihrem harten Leben erzählt, das steht Birdie schon daneben und sagt so, ja, ja. Oh mein Gott,
Florian Bayer: was ist das für eine Musik?
Johannes Franke: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Florian Bayer: Aber wohin?
Johannes Franke: Oh mein Gott, Johannes. Ich befürchte, wir befinden uns in einer Selbstmord-Oh nein! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Florian Bayer: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Johannes Franke: Beam, whatever,
Florian Bayer: was ihr auch nutzt. abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren.
Johannes Franke: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Florian Bayer: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Johannes Franke: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes.mussmannsehen.de oder florian.mussmannsehen.de Genau,
Florian Bayer: schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das soll schnell durchkommen.
Johannes Franke: Ja, jetzt schnell raus,
Florian Bayer: schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Herr Perrin, ja. Ich fand Karen merkwürdig. Mit Karen konnte ich nicht so viel anfangen, weil Karen ganz lange auch so diese Naive ist, von den Frauen am stärksten auf Eve reinfällt. Also Karen ist die, die ständig Eve verteidigt. Und dann gibt es einen 180-Grad-Schwenk, der sich mir überhaupt nicht erklärt, wenn sie plötzlich sagt, dieses Miststück, Margot, ich bin jetzt voll auf deiner Seite.
Florian Bayer: Also, ich glaube, dass sie sehr, sehr lange an Eve festhält, weil sie diejenige ist, die sie entdeckt hat.
Johannes Franke: Karen macht sowieso alles falsch. Karen ist an allem schuld.
Florian Bayer: Naja, Karen holt sie rein in diese Truppe. Sie ist Backstage und sagt ihr, guck mal, das ist das Theater. Wenn du da die ganze Zeit davor stehst und seufzt, dann gebe ich dir jetzt mal die Chance, du kannst auch mal hinter die Kulissen gucken. Die scheint jede Vorstellung angeguckt zu haben und zwar stehend, weil das günstiger ist. Und dann verstehe ich, dass du dir nicht eingestehen kannst, dass du aufs falsche Pferd gesetzt hast. Dass du erstmal eine Weile länger dran festhältst und sagst, nein, aber ganz so schlimm ist sie jetzt auch nicht und das ist doch alles auch ein Missverständnis und so und dem versuchst irgendwie Futter zu geben. Und dann die 180 Grad Wendung ist dann, wenn du dann einmal, wenn dir einmal der Groschen fällt und dann du sagst, okay, also jetzt hat die mich so lange verarscht und jetzt geht es gar nicht mehr.
Johannes Franke: Ich finde, es war für mich komplett nicht fassbar. Also ich fand die Figur irgendwie so unklar. Und dann hatte ich das Gefühl, sie ist dann vor allem, also dieser 180-Grad-Schwenk ist vor allem, wenn sie mit Lloyd redet, mit ihrem Mann, der dann Eve weiter verteidigt. Und dann gibt es ja aber nochmal dieses Treffen auf dem Klo mit ihr, wo sie dann wieder kurz zumindest sich einlullen lässt. Und sie war für mich irgendwie nicht konsistent in ihrer Entwicklung. Sie hatte einfach keine Entwicklung. Sie war entweder, ach nein, Eve ist doch die Unschuldige und ihr seid alle paranoid. Oder Eve ist die krasseste Bitch ever und sie muss sterben. Aber deswegen gab es nichts und es gab auch keinen Weg von dem einen zum anderen oder von dem anderen zum einen.
Florian Bayer: Ich fand es nachvollziehbar, vor allem durch die Szenen, durch die sie durchgegangen sind, um das dann irgendwie zu... Weil sie ja in der Szene... Jetzt gehen wir mal zu der Powder Room Szene. Ja, übrigens. Was ist das für ein geiler Powder Room?
Johannes Franke: Solche Toiletten gibt es heutzutage nicht mehr, oder?
Florian Bayer: Auf gar keinen Fall.
Johannes Franke: Und Frauen? Ich kann mir vorstellen, Frauen hatten... Ich glaube, wir hatten nie solche Toiletten.
Florian Bayer: Nein, ich glaube auch. Männertoiletten haben nie so ausgesehen. Obwohl, weiß ich nicht, keine Ahnung, vielleicht haben die da Zigarre rauchend gesessen in so einem kleinen Eck auf Toilette.
Johannes Franke: Ich hab noch auf dem Klo geraucht, aber da war so Aschenbecher hängt über Pissoir in Clubs mit der Zigarette auf dem Klo. Oh nein. Und dann Penis raus und dann hast du Zigarette im Mund und dann hoffst du, dass du schnell fertig bist, dass du das... Weil du hast ja das gefährliche Setup, ne? Du hast ihn ausgepackt, du hast die Zigarette im Mund, du hast beide Hände in Benutzung. Was machst du da im Bild auf,
Florian Bayer: Floor?
Johannes Franke: Brauchst mehr Sofas in Toiletten, bitte.
Florian Bayer: Aber ist krass, weil ja auf der Seite wirklich die Leute sich die Hände waschen, während auf der anderen Seite da dieses große Eck ist mit dem Sofa und mit dem Tisch.
Johannes Franke: Und ich sehe das öfter in alten Filmen. Das ist, glaube ich, nicht eine Erfindung, um spannende Dialoge im Klo zu machen. Es ist wirklich geil. Du hast eine kleine Couch, du hast einen kleinen Tisch, du kannst dich hinsetzen, dich unterhalten, eine rauchen.
Florian Bayer: Deswegen kann ich auch verstehen, warum das Ding Powder Room genannt wird teilweise und nicht einfach nur Klo.
Johannes Franke: Ich dachte, Powder Room vor allem wegen dem Koksen, oder? Dafür ist doch der Tisch da. Das ist der Nasepuder. Heißt, du hast hier den Tisch und du hast hier deine wirklich herhaft gedrehte Dollarnote.
Florian Bayer: Okay, wir haben einen anderen Film vor uns.
Johannes Franke: Und genau dieses Gespräch. Und ich finde Eve großartig in dieser Szene. Also, hassenswert. Anne Baxter macht das toll, dieser Wechsel auch. Wo es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft, wenn Karen sie fragt, was kann ich tun? Und sie dann sagt, ja, da gibt es eine Sache. Und dann sagt, ja, und jetzt erpresse ich dich, Baby.
Florian Bayer: Was für ein krasser Turn, ne? Also, sie spielt das wirklich sehr, sehr gut. Krass.
Johannes Franke: Und es ist wirklich dieses Umschalten von, okay, und jetzt muss ich erst mal die Maske fallen lassen und ganz klar sagen, was ich will. und das funktioniert offensichtlich nicht und dann, okay, jetzt muss ich noch einen Schritt weiter gehen, jetzt muss ich Erpressung rausholen. Wo so ganz klar ist, okay, jetzt ist sie einfach plain evil.
Florian Bayer: Ja, ja, genau.
Johannes Franke: Aber auch da zum Beispiel, also Karen reagiert halt in diesem Moment nur.
Florian Bayer: Aber sie reagiert doch total nachvollziehbar, weil Eve es ja irgendwie schafft, ihr dann nochmal Mitleid unterzujubeln. Nochmal zu sagen, oh sorry, das wollte ich alles nicht und das ist alles irgendwie so hingedreht worden von diesen bösen, bösen Journalisten und diese ganze Geschichte drumherum. Und dann zu sagen, ich will das alles nicht verlieren, was ich eigentlich mit euch habe. Und es ist ja nicht so, dass Karen dann sagt, ja komm wieder in unsere Mitte. Das macht sie nicht. Sie sagt, ja du hättest dich vielleicht anders verhalten sollen und vielleicht hättest du das machen sollen und vielleicht sollst du jetzt irgendwie das machen. So ein kleines bisschen in die richtige Richtung schubsen. Und ohne zu sagen, ist das alles wieder gut.
Johannes Franke: Ja, aber es kommt schon so rüber, als ob sie sich direkt wieder einlohnen. Obwohl sie davor am Frühstückstisch saß und gesagt hat, diese Frau gehört getötet. Hol Teer und Federn raus.
Florian Bayer: Aber ich glaube, sie ist einigermaßen nachvollziehbar. Ich kenne das. Wenn man auf der einen Seite über Leute herzieht und sagt, das ist alles scheiße. Vor allem, weil man eine Freundin unterstützen möchte. Und dann auf der anderen Seite denkt, ja, aber irgendwie will ich ja auch die Situation bessern und helfen. Und dann... gebe ich dir vielleicht noch einen kleinen Tipp mit auf den Weg, auch wenn ich dich irgendwie schwierig finde.
Johannes Franke: Ich glaube, ich hätte es greifbarer gefunden, wenn sie davor nicht so krass diesen Turn gemacht hätte, wenn sie nicht da am Frühstückstisch gesessen hätte und mit Lloyd gestritten, weil sie gesagt, indem sie sagt, diese Eve ist das Schlimmste. Die Szene hätte weg sein sollen oder sie hätte es ein bisschen weniger, ein bisschen weniger von 0 auf 100, ein bisschen weniger zurück von 100 auf 0. Das hätte dem...
Florian Bayer: Sie geht nicht auf 0 zurück. Egal, 10,5 von 12, ja. Okay, aber... Ich finde die Powder Room Szene wunderbar.
Johannes Franke: Die ist stark dank Eve.
Florian Bayer: Ja, und Anne Baxter spielt einfach das hervorragend und dann geht sie zurück zu ihrem Typen, der anscheinend nur Spaß im Leben hat, oder? Der Leute? Alle aufeinander hetzt.
Johannes Franke: Achso, du meinst, du bist bei The Wit?
Florian Bayer: Ich bin bei The Wit.
Johannes Franke: Ich liebe The Wit.
Florian Bayer: Der ist doch großartig, oder?
Johannes Franke: The Wit ist der geilste Fiesling überhaupt. Ja. Und ich glaube, eine große Rolle spielt, dass er einfach saugut angezogen ist.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Dieser elegante Mensch.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Und? dass er dieser zynische Dreckser-Kritiker ist, das mag ich ja, der überall ist. Immer wenn irgendwo die Kacke am Dampfen ist, ist der Witt plötzlich da. Und er steht da so und du merkst auch, das ist der Fiesling, der alles im Blick hat und der alle besser kennt, als sie sich selbst kennen. Und das ist der richtige Typ, an den du dich hängst, wenn du intrigieren willst. Der hat das voll drauf. Du musst halt nur aufpassen, er darf halt nichts über dich rausfinden, sonst bist du im Arsch.
Florian Bayer: Das ist blöd. Aber der ist so geil, weil er so Zaungast ist. Wie so der Gaffer. der bei jeder Katastrophe an einem Rand steht, die Arme verschränkt und einmal so genüsslich draufschaut.
Johannes Franke: Und sagt, ich hab's kaum gesehen. Ja,
Florian Bayer: genau.
Johannes Franke: Ich wusste es.
Florian Bayer: So krass. Was für ein Zyniker.
Johannes Franke: The Wit ist wirklich böse und das macht ihn so... Also, The Wit ist so witzig als Figur, weil er so überzeichnend böse ist, dass man im Gegensatz zu anderen Figuren sehr schnell bei ihm weiß, wo man dran ist. Man weiß einfach, das ist ein arroganter Drecksack. Ich habe es überhaupt nicht so gesehen im Film, aber es wird viel darüber geredet, dass er als gay gecodet wäre.
Florian Bayer: Ja, ein bisschen. Ja, finde ich aber auch.
Johannes Franke: Ich finde es nachvollziehbar, wenn ich so Retrospektiv lese. Ich fand es während dem Film gar nicht so krass, weil er halt immer Püppchen dabei hat, beziehungsweise Marilyn.
Florian Bayer: Marilyn, ja.
Johannes Franke: Und ich dachte eigentlich die ganze Zeit, ja, okay, der wird wahrscheinlich noch drei von denen in der Hinterhand haben und mit zwei von denen dann auch das Bett teilen oder so.
Florian Bayer: Ja, weiß ich nicht, keine Ahnung. Ich hatte immer das Gefühl, dass sowohl Eve als auch er sehr asexuell sind.
Johannes Franke: Na, Eve in dem, was sie spielt, was sie vorgibt zu sein auf jeden Fall, aber nicht in dem, was sie wirklich ist, weil dafür ist sie zu, obwohl, na gut, sie macht es natürlich für ihre Karriere, weder Bill noch Lloyd scheint sie verführen zu wollen, um irgendwie Spaß zu haben.
Florian Bayer: Es geht ja nur darum, jemanden, einen Verbündeten zu haben, der sie weiterbringen kann. Und das ist bei The Wit, ich glaube, der hat einfach nur Lust. Spaß zu haben und vielleicht ist er ein bisschen tatsächlich gay-coded, aber also gay-coded ist er glaube ich tatsächlich, also so als unterschwellige Sache, weil auch viele Bösewichte damals gay-coded wurden und das einfach so ein to-go-Ding war, was wir hoffentlich endlich hinter uns gelassen haben. Aber so grundsätzlich als tatsächlich dreidimensionale Figur habe ich den Eindruck, dass er einfach asexuell ist.
Johannes Franke: Ich habe ihn gar nicht so als asexuell wahrgenommen, dafür ist er dann glaube ich doch zu hedonistisch. Also ich glaube, der war's im Bett und der ist gut im Bett.
Florian Bayer: Ich glaube nicht, dass man nicht hedonistisch sein kann, wenn man asexuell ist. Ich glaube, das geht wunderbar. Du hast halt dann das nicht auf dem Bereich des Sexuellen. Naja,
Johannes Franke: so wie er Merlin mitschleppt. Nein, ich glaube, der Mann mag Sex und ich glaube, der Mann mag Frauen und Männer. Ja, okay. Und hat Spaß in allen Lebenslagen.
Florian Bayer: Ja, er nimmt, was sich bietet.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Aber nochmal, es ist eine tolle Figur. Ja, das ist eine sauwitzige Figur und man liebt es natürlich, ihn zu hassen, weil das ist vielleicht so gerade in den letzten Momenten oder in den letzten entscheidenden Szenen, offenbart er sich auch natürlich als die fieseste und böseste Figur.
Florian Bayer: Ja. Weil,
Johannes Franke: also ich meine, okay, er gibt einer Frau eine Ohrfeige, eine richtig harte Ohrfeige.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber dann ist ja auch offensichtlich einfach so ein bisschen so die Rolle des Puppet Master, der sagt, ja, so jetzt gehörst du mir und kontrolliere den Rest deines Lebens. Bis zu dem Punkt, wo man so zumindest kurz... Mitleid mit Ifat wieder und denkt so, ja, wir wissen mittlerweile, sie ist ein Miststück, aber das wünschen wir ihr trotzdem nicht.
Florian Bayer: Die Sache ist die, wenn wir jetzt dabei sind, bei dem Ende. Ich bin mir nicht sicher, ob ich akzeptieren möchte, dass er tatsächlich die Oberhand hat am Ende. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass sie wirklich am Ende geschlagen da liegt. Ich glaube, sie spielt ihm... bis über den Film hinaus irgendwas vor. Wartet auf den richtigen Moment, das wieder umzudrehen.
Johannes Franke: Wie will sie das umdrehen? Er weiß zu viel über sie. Er hat sie in der Hand. Und wie ihre Rolle ist als Frau in dieser Theaterwelt, als Schauspielerin, bei der Image sehr viel zählt, darf das, was er weiß, niemals rauskommen. Und sie ist nicht der Typ, um jemanden umzubringen. Diese Kurve hat der Film nicht genommen.
Florian Bayer: Aber das ist viel zu schlau für das Ende. Ich finde, das würde mir den Film ein bisschen kaputt machen. Ich habe das Gefühl, sie ist zu schlau für das Ende.
Johannes Franke: Ich glaube, du wünschst es dir anders, aber die bittere Realität ist die und das ist auch die bittere Realität, die der Film ist. erzählt. Weil letzten Endes im Grunde genommen erleidet sie dasselbe Schicksal wie Margot. Am Schluss bist du an einen Mann gekettet. Das finde ich den Film echt übel. Margot sagt das mit einem Lächeln. Jetzt bin ich verheiratet, jetzt kann ich Hausfrau sein, muss mich um den ganzen Scheiß mit Theater und Karriere und künstlerischen Ambitionen nicht mehr kümmern. Endlich mein neues Leben, ich muss nicht mehr vor die Tür.
Florian Bayer: Als ob du keine Schauspielerin gewesen wärst, die ein Leben lang eigene Ideen vorangebracht hat und eine Leidenschaft hatte. Plötzlich bist du verheiratet und deine Leidenschaft ist völlig in sich zusammengefallen. Völliger Quatsch.
Johannes Franke: Schatz, hier sind deine Pantoffeln. Ich hab dir Suppe gekocht.
Florian Bayer: Super.
Johannes Franke: Ich find's wirklich übel. Vor allem, weil der Film ist als Happy End erzählt. Margot kriegt dieses scheiß Happy End mit. Sie hat den Mann gefunden. Sie ist Hausfrau, sie ist glücklich.
Florian Bayer: Es ist furchtbar.
Johannes Franke: Und das ist echt hart. Vor allem, weil Margot davor so eine starke Figur war.
Florian Bayer: Total.
Johannes Franke: Genau. Aber dann darin gespiegelt. Dann kann man schon fast wieder so ein bisschen böse deuten. Das ist das harte Schicksal von Margot. Das ist ihre Art von Ketten, in die sie jetzt gelegt wird. Hm. Und Eve wird ziemlich eindeutig, nicht nur im übertragenen Sinne und nicht nur subtil in den Griff gelegt. Eve ist ab sofort in der Hand von The Wit und der wird wahrscheinlich alles machen, um sie so zu lenken, wie er will. Und er sagt ihr, welche Typen sie daten darf und wie sie sich präsentieren muss.
Florian Bayer: Was ich ein bisschen seltsam finde, weil er ist doch eigentlich Kritiker, oder? Er ist doch kein Manager.
Johannes Franke: Ja, was ist er für ein Kritiker? Das ist eine gute Frage.
Florian Bayer: Ja, also weil das gerade eine Personalunion ist, die ich nicht verstehe.
Johannes Franke: Das ist das, und da kommen wir zur nächsten Rolle, das, was er vorher mit Merlin hatte. Stimmt. Er hat, glaube ich, fünf von denen. Junge, Nachwuchstalente, die er so weit unter Kontrolle hat, wahrscheinlich auf unterschiedlichste Art und Weise. Die Rolle, die Merlin spielt, jetzt weiß ich nicht mal ihren Vornamen und den Vornamen der Rolle.
Florian Bayer: Miss Caswell.
Johannes Franke: Miss Caswell. Sie heißt einfach Miss. Sie hat keinen Vornamen. Die Rolle, die die Art, wie er Miss Caswell in der Hand hat, ist eine andere. Aber trotzdem. Hat er offensichtlich gefallen daran, so ein paar junge Nachwuchstalente und dann auch so eine semisymbiotische Beziehung mit denen zu haben. Ich meine, er profitiert von ihnen, weil er über sie schreiben kann und so geile Interviews kriegt. Und sie profitieren natürlich auch von ihm, wenn er gut über sie schreibt.
Florian Bayer: Ja, und vor allem, weil er einfach jeden kennt und alles mögliche einfädeln kann.
Johannes Franke: Und das ist, glaube ich, auch vor allem so ein Gender-Ding. Er ist der Mächtige dabei. Er ist der, der die Strippen zieht. Und wenn er zu ihr sagt, sie darf mit dem und dem nicht ins Bett, dann geht es vielleicht gar nicht so sehr darum, dass er Angst hat, dass sie sie... ihr Image verliert oder so, sondern er will einfach die Kontrolle über die Situation behalten. Was kümmert es ihn, ob sie mit Lloyd vögelt?
Florian Bayer: Ja, gar nicht. Er will nur Macht ausüben und ihr zeigen, dass er die Macht hat.
Johannes Franke: Miss Caswell. Claudia, da steht er. Im englischen Wikipedia-Artikel mit dem Namen Claudia Caswell. Spielt von
Florian Bayer: Marilyn Monroe.
Johannes Franke: Ich hab sie nicht erkannt. Was? Wir spulen kurz zurück.
Florian Bayer: Moment. Das hast du nie gesagt.
Johannes Franke: Ich hab sie nicht erkannt und hab nach fünf Minuten... dieser Party-Szene gesagt, ist sie es? Ist sie es? Und das war der einzige Moment im Film, wo ich pausiert habe, wo ich einmal Wikipedia aufgemacht habe. Ne, ich habe nicht Wikipedia aufgemacht, ich habe Google aufgemacht und ich habe sogar schon eingegeben, All About Eve, Marilyn und dann hat es sich vervollständigt und dann habe ich gesagt, okay, sie ist es tatsächlich.
Florian Bayer: Du hast sie nicht erkannt.
Johannes Franke: Ich weiß es nicht, aber ich glaube, es liegt daran, dass sie einfach, dass sie so jung war und ich sie eher in ihren präsenteren Rollen kenne. Ich erwarte einfach nicht eine Marilyn Monroe in so einer kleinen Nebenrolle in so einem Film.
Florian Bayer: Also das Ding ist, es ist tatsächlich eine ihrer frühen Rollen, als sie noch nicht so wahnsinnig bekannt war. Man kannte sie wirklich noch nicht so. Lass mich das kurz einsortieren. Das ist 1950. Sie hat sich ja irgendwann umgebracht oder wurde umgebracht oder was auch immer da an seltsamen Dingen umher, Theorien umher schwirrt. Aber sie hat... Bis 1961 oder 62 gearbeitet. Das heißt, nur weitere zehn Jahre. Ja. Und vorher hat sie ein, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sechs Filme gemacht.
Johannes Franke: Neun Jahre später war Some Like It Hot. Das sind die Filme, mit denen ich Merlin Monroe verbinde. Da ist sie einfach reifer und da wirkt sie abgeklärter.
Florian Bayer: Ja, aber zehn Jahre. Ja, okay, das kennt man. Ja, gut, okay. Und There's No Business Like Show Business ist früher gewesen und da gibt es auch die anderen, die tollen, Moment mal. Gut, okay, die anderen, so viel kennt man. Ja, okay, okay, Monkey Business vielleicht noch. Ah, ich weiß nicht. Egal.
Johannes Franke: Ich bin jetzt auch nicht der große Melon Monroe Fan, um das dazu zu sagen, aber ich habe ja immerhin gegoogelt. Ich habe ein paar Minuten gebraucht, aber dann habe ich wenigstens gegoogelt, aber ich war mir wirklich unsicher.
Florian Bayer: Sie hat auch ihre Stimme später noch ein bisschen perfekter hauchig hingekriegt. Das ist jetzt aber auch schon, man kann sie schon üben hören, finde ich. Und ich muss sagen, ich sehe da keine Berühmtheit drin. Ich sehe da niemanden mit diesem Potenzial, das sie da am Ende tatsächlich entfaltet hat.
Johannes Franke: Ich würde komplett widersprechen. Ich finde sie ganz toll in dieser Rolle. Und ich finde, sie macht aus, ich kann mir vorstellen, wie diese Rolle geschrieben war. Und sehe in jedem Moment, dass sie da mehr draus macht.
Florian Bayer: Ich nicht. Schade. Ich finde es total schade, weil ich die ganze Zeit denke, oh ja, Marilyn Monroe in so einer kleinen ersten, wo dann alle gesagt haben, ja, aus der müssen wir mehr machen. Und ich denke mir, ich hätte nicht da gesessen und hätte gesagt, da muss man mehr draus machen.
Johannes Franke: Ich versuche mal zu sagen, was ich sehe. Was siehst du? Sie haben diese Rolle geschrieben als dieses Dummschen, dieses naive Dummschen, das irgendwie im Business hoch will und das aber nur Anhängsel ist von The Vid. Und Glück hat, diesen The Vid getroffen zu haben, weil der sagt, du musst hier mit dem Produzenten flirten. Ja. dann geht es dir gut. Das ist das, wie die Rolle geschrieben wurde. Und was ich in dieser Rolle aber sehe im Film, ist, dass sie ganz viel durchschaut und immer so kleine Spitzen loslässt. Und manchmal ist es ganz offensiv so, ich mag diese Menschen nicht. Warum muss ich schon wieder mit so einem reden? Aber auch teilweise so ganz kleine, subtile Sachen, wo sie wirklich einfach, wo man das Gefühl hat, da ist so ein Kommentar, da steckt viel mehr Tiefe drin. Und das liegt nicht an dem Text, weil das, was sie sagt, ist jetzt auch nicht besonders klug. Sie sagt nichts besonders Kluges. Aber es ist eine Art, wie Melon Monroe das spielt. Und das ist eine, die eigentlich viel klüger ist, als die Rolle, die sie hier annehmen muss. Und das scheint durch. Und das finde ich stark an dieser Figur. Ich mag diese Claudia. Das ist echt eine spannende Figur. Auch wenn sie wenig zu tun hat, auch wenn sie ganz selten vorkommt, in den Momenten, in denen sie vorkommt, hat sie dieses, ich bin eigentlich nur das Dummschen, aber ich mache ein bisschen mehr draus.
Florian Bayer: Also ich finde, das ist inszenatorisch ein bisschen... Vom reinen Dummchen weg geht, weil er ihr einfach ein paar Sachen zu tun gibt, wie das mit dem Glas, wo der Typ Max, glaube ich, steht da mit diesem Glas, was er die ganze Zeit ihr eigentlich geben sollte und sie schielt drauf und holt es am Ende und so. Das sind ein paar inszenatorische Ideen dabei, aber irgendwie sehe ich das bei ihr in dem Moment nicht. Und das tut mir total weh, weil ich mich ja gerne sehen würde in der Rolle des Typen, der dann sagt, oh ja, aus dieser Frau wird einmal was. Und ich bin ja im Gegensatz zu dir durchaus. Ein bisschen Marilyn Monroe Fan, weil ich tatsächlich bei ihr, wenn ich mich mit ihr beschäftige und mit den Rollen, die sie gespielt hat und so weiter, tatsächlich genau das sehe, was du jetzt siehst. Aber hier sehe ich es nicht und das ist so schade.
Johannes Franke: Echt schade. Ich fand sie tatsächlich schon stark, die Figur, bevor ich wusste, dass es Marilyn war. Und auch so, weil es so überraschend kommt. Das ist so eine Nebenfigur. Okay, der Wit hat ein Pöppchen dabei, ist ja klar. Oh, die ist hübsch. Das sind die ersten zwei Gedanken, die ich habe. Und dann fängt sie aber an zu reden, dann sagt sie so ein paar Sachen, dann unterhalten sie sich. Und ich denke, huch, da ist ein bisschen mehr in der Rolle. Und das ist auch, glaube ich, der Moment, wo ich denke, Moment, Moment. Ich finde es cool. Und ich kann, es ist natürlich so retrospektiv beurteilt, man ist so Captain Hindsight, man ist immer ein bisschen schlauer. Aber ich habe das Gefühl, ich sehe, was die Leute am Set da gesehen haben und die gesagt haben, gebt ihr mal größere Rollen.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ich weiß nicht. Ich war ein bisschen enttäuscht.
Johannes Franke: Und um das vielleicht nochmal zu sagen, ich bin tatsächlich überhaupt kein Marilyn Monroe Fan. Also ich kenne auch kaum Filme mit ihr. Ich habe nur ganz wenig mit ihr gesehen.
Florian Bayer: Wir haben ein bisschen über sie geredet in den Dörfern, wo sie vorkamen bei uns.
Johannes Franke: Haben wir mehr als Some Like It Hot mit Marilyn Monroe besprochen?
Florian Bayer: Wir hatten noch ein anderes, aber ich bin mir ganz unsicher. Ich weiß es nicht. Ich habe nur das Gefühl, dass wir öfter über sie geredet haben als nur das.
Johannes Franke: Müssen wir aber nochmal nachschauen. Finde ich ganz spannend die Frage.
Florian Bayer: Marilyn Monroe war beim Dreh so nervös, dass sie sich übergeben hatten. Und dass sie elf Takes brauchte für eine Szene, wo nicht viel Text war. Sie hat einfach nicht hingekriegt.
Johannes Franke: Ja, sie war jung.
Florian Bayer: Ja, ist ja auch okay. Ich finde auch das vollkommen in Ordnung, wenn man dann sagt, da muss jemand halt erstmal reinkommen und erstmal rausfinden, wie das funktioniert. Aber es ist nicht ihre erste Rolle, es ist ihre siebte oder achte.
Johannes Franke: Wen findest du denn am unsympathischsten und wen findest du am sympathischsten?
Florian Bayer: Uh, was ist denn für eine Frage?
Johannes Franke: In diesem ganzen Kuddelmuddel an merkwürdigen Figuren.
Florian Bayer: Naja, ich mein, Eve ist natürlich am Ende völlig unsympathisch und unglaublich arschig. Wir lieben es, The Wit zu hassen. Aber ich muss sagen, ich find von Anfang an, und das hast du ja anders erlebt, Margot, total geil, total großartig. Mit ihrem Zynismus und mit ihrer rauen Stimme und mit ihrem, ach ich hasse Fans, sie sind ein Speichellecker oder was auch immer sie sagt. Ich finde sie großartig. Ganz, ganz, ganz tolle Figur. Ich fange natürlich Bill irgendwann an zu lieben. Ich muss dazu sagen, dass ich Bill, das habe ich vorhin schon angedeutet, als Schauspieler nicht so richtig geil finde. Ich muss sagen, dieser Schauspieler wabert in der Gegend rum, ohne dass es Not tut.
Johannes Franke: Autsch. Gary Merrill, der auch nicht sonderlich, also er hat viel gedreht. Ja. Aber das ist einfach seine große Rolle. Und ansonsten hat er viel Fernsehen gespielt.
Florian Bayer: Okay. Er legt so elegische Bewegungen in seine Delivery. Und dann ist die Delivery jetzt auch nicht die geilste. Ich find's nicht gut,
Johannes Franke: muss ich sagen. Ein hüppiger, mittelalterweißer Protagonist der Marke Hollywood der 50er Jahre.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Weder schlecht noch gut. Wir sehen einfach sehr viele von diesen Männern in Filmen um diese Zeit.
Florian Bayer: Ja. Vielleicht ist Lloyd noch ein bisschen arg unsympathisch. zwischendurch. Ja,
Johannes Franke: Lloyd ist krass, weil Lloyd fand ich am Anfang irgendwie so Lloyd und Karen, wo ich dachte, das sind die einzigen, die noch so ein bisschen sympathisch sind in diesem Sauhaufen. Ja. Und Lloyd wird natürlich von Mal zu Mal unsympathischer. Ja. Aber was zwischen Lloyd und... Und Eve dann tatsächlich passiert? Das bleibt alles so ein bisschen nebulös, oder? Weil glauben wir Eve?
Florian Bayer: Achso, nein, wir glauben Eve nicht.
Johannes Franke: Das heißt, haben Lloyd und Eve gefögelt?
Florian Bayer: Nein, ich glaube überhaupt nichts davon. Okay,
Johannes Franke: aber dann ist ja Lloyd relativ unschuldig, oder?
Florian Bayer: Ja, Lloyd ist derjenige, der nur 20-jährige Frauen schreiben will, weil er denkt, das Thema ist interessant. Ja,
Johannes Franke: aber okay, das ist jetzt wirklich, nennen wir es mal künstlerische Differenzen. Willst du ihn dafür hassen?
Florian Bayer: Ja, dafür will ich ihn hassen. That's the hill I wanna die on.
Johannes Franke: Ja, Leute, das ist glaube ich auch einfach so ein Naivling.
Florian Bayer: Aber er hat auch gute Lines. Es gibt diesen geilen Streit zwischen Margot und ihr, wo er sagt, ich werde niemals den Sätze im Prozess verstehen, durch den ein Körper mit einer Stimme, und man damit Schauspielerinnen, denkt, sie hat einen Geist. Moment, das ist eine Bühne.
Johannes Franke: Alter, ja, ich weiß, was du meinst. Dieser Streit nach der Probe, nachdem ihr das erste Mal gelesen habt.
Florian Bayer: Ja. Wann genau entscheidet eine Schauspielerin, dass es ihre Worte sind, die sie sagt und ihre Gedanken, die sie ausdrückt. Und sie sagt normalerweise an dem Punkt, an dem sie umschreiben und überdenken muss, um das Publikum davon abzuhalten, das Theater zu verlassen. Und ich kann sie so gut verstehen in dem Moment.
Johannes Franke: Und das ist das, was ich meinte mit, das ist eine Screwball-Tragödie, weil wenn du diese Dialoge jetzt vorliest, voll witzig. Aber wenn du diesen Streitmoment erlebst. wo es wirklich um alles geht und die sich so elementare Vorwürfe verwerfen. Er bezeichnet sie als Puppe. Ja. Und sie bezeichnet ihn als Langweiler, der nicht schreiben kann. Also sie sind richtig hart zueinander. Das ist nicht lustig. Das ist keine Screwball-Comedy. Das ist einfach nur böse.
Florian Bayer: Aber es ist so massiv gut geschrieben. Es ist so gut geschrieben.
Johannes Franke: Es sind wirklich harte Dialoge.
Florian Bayer: Dialoge sind so, so gut.
Johannes Franke: Und ich sehe auch deinen Punkt, dass es sehr screwballverwandt ist einfach, weil es halt dieses Pickering ist. Ja. Leute. hauen aufeinander ein. Aber sie hauen halt richtig zu, sie tun sich weh.
Florian Bayer: Ja, das stimmt.
Johannes Franke: Und bei Screwball-Comedys tust du dir nicht weh, sondern du verliebst dich ineinander. Und hier stoßen sie sich die ganze Zeit ab. Ich glaube, was Margot für mich so ein bisschen sympathischer gemacht hat, ist halt, dass die Freunde um sie herum, dass du irgendwann merkst, das sind wirklich Menschen, die sich um sie kümmern. Die wollen nicht, dass ihre Sonne abhaben, die haben genug Sonne. Ja. Sondern Karen, Bill, Lloyd, sogar der gute Max. Die mögen sie alle wirklich. Und Birdie erst recht. Birdie zählt vielleicht nicht, weil das nochmal was ganz anderes ist. Aber die mögen sie wirklich. Und das ist ja auch tatsächlich, die machen Scheiße. Das sind zynische Wichser und so weiter. Das ist so Theaterlandschaft, alles ist total verdorben. Aber die sind ein Team. Am Schluss, wenn Eve gelobt wird, dann sitzen die da zusammen, einheitlich am Tisch und gucken sie alle an. Also, wenn Blicke töten könnten, diese Blicke sind tödlich.
Florian Bayer: Diese Freundschaft zu erzählen, das ist nämlich noch die nächste Ebene, die da reinkommt. Nicht nur Alter als großes Thema, alterne Schauspielerinnen, sondern tatsächlich auch dieses Wir halten zusammen als Gruppe, als ewiges Bündnis, das wir uns geschaffen haben durch dieses Theater. Super, ich finde es total toll.
Johannes Franke: Da liegt der Film falsche Fährten. Du guckst das am Anfang und denkst, okay, das sind alles entweder Speichelecker oder Narzissen oder Egomanen und so weiter. Du erwartest nicht, dass sich die Geschichte so entwickelt, dass du verstehst, dass das wirklich ein enger emotionaler Verband ist zwischen denen.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Und das ist schön, weil es ja auch zeigt, okay, wir sind hier in dieser verdorbenen Welt, wo jeder auch so nach seinem Erfolg steht und so weiter. Aber genau deswegen, genau weil das hier so ist, brauchst du Leute, auf die du dich verlassen kannst. Und auf so jemanden wie The Wit kannst du dich nicht verlassen. Deswegen ist der auch nicht Teil von unserem Team. Deswegen steht er außerhalb. Ja. Aber auf... mich kannst du dich verlassen und die Freundschaft zwischen Karen und Margot ist vielleicht was, was viel zu wenig gewürdigt wird, wenn mit ihr geredet wird, weil sie ist wirklich, wirklich stark und diese Realität, die ist schon umwerfend.
Florian Bayer: Ich finde diese Szene so großartig, wie sie im Auto sitzen, das Benzin geht aus und Karen merkt, scheiße,
Johannes Franke: ah,
Florian Bayer: das war nicht gut, was ich da gemacht habe. Ich habe das alles eingefädelt, weil ich gedacht habe, ich muss ihr mal zeigen, dass sie vielleicht auch nicht perfekt ist und dass sie mal ein bisschen drüber nachdenkt. Und dann denkt Margot laut darüber nach in diesem Auto, ohne dass es diesen Trigger hätte gebraucht. Und das ist so eine starke Szene, weil sie da wirklich auch nochmal Menschlichkeit bekommt, Margot. Weil sie darüber nachdenkt, was sie da gerade tut und dass das irgendwie nicht geil ist. Und dass sie ja auch selber einfach eine schwierige Person ist, aber dass sie manchmal nicht aus ihrer Haut raus kann. Aber was das alles bedeutet,
Johannes Franke: das ist super. Aber ganz ehrlich, auch nochmal für diese Szene als Überschrift. Wer solche Freunde wie Karen hat, oder? Sie bringt Yves da rein. Sie sabotiert den Auftritt. Sie ist eigentlich daran schuld. Sie hat Yves groß gemacht. Ja,
Florian Bayer: aber alles aus reinem Herzen. Und auch dieses Gefühl von ich will für meine Freundin da sein auf unkonventionelle Daten. Ich will ihr zeigen. Freunde sind ja nicht dafür da, dass sie einem die ganze Zeit sagen, wie geil sie sind. Ja,
Johannes Franke: aber Freunde sind nicht dafür da, die einen in den Rücken... zu fallen auf diese Art und Weise.
Florian Bayer: Aber man muss schon dazu sagen, ob jetzt Margot diese eine Vorstellung spielt oder nicht. Sie hat ein Understudy. Sie kann das eigentlich mal machen. Wenn dieser Understudy nicht so krass wäre.
Johannes Franke: Aber ausgerechnet in der Phase, in der sie so Angst hat, so paranoid ist, genau wegen dieser Eve.
Florian Bayer: Aber dass halt Karen hat das vielleicht nicht richtig eingeschätzt. Sie hat auch Fehler.
Johannes Franke: Karen ist echt ein dummes Schaf. Also nicht so dumm wie Lloyd, nicht so dumm wie Max, aber sie ist schon ein ziemlich dummes Schaf.
Florian Bayer: Vielleicht ist sie auch ein bisschen ein Plot-Device. Also sie muss halt alle Sachen ins Rollen bringen, damit das klappt.
Johannes Franke: Ich mag die Frauenrollen in diesem Film und ich finde es großartig, dass es schafft, so viele starke und interessante Frauenfiguren zu schreiben. Aber Karen, Birdie, Eve, wie auch immer. Und auch Claudia und natürlich Margot und so weiter. Aber Karen, ich weiß nicht.
Florian Bayer: Ich mag sie. Ich lese mir gerade so ein, zwei Zitate durch. Und ich werde es demnächst sagen.
Johannes Franke: Du verkaufst mir diesen Film nicht als Komödie.
Florian Bayer: Ich liebe es.
Johannes Franke: Da kannst du noch viel lachen. Das ist eine Satire, aber als Satire ist das Ding so zynisch und so verbittert, da ist wenig Comedy da. Ich kann da wirklich nicht drüber lachen, weil es einfach so bitter ist.
Florian Bayer: Dieser Streit. Dann geht es um diese Schriftsteller und sie sagt, als Schriftsteller sollten sie mindestens 300 Jahre lang tot sein. und er sagt, dass es ihnen auch nichts nützen. Schauspielerinnen sterben nie aus oder sowas. Ich weiß nicht. Das ist so großartig.
Johannes Franke: Was halten wir denn davon, dass das Happy End für Margot ist, dass sie heiratet? Mab?
Florian Bayer: Ja, das ist ein Mab, das haben wir schon festgestellt. Also das können wir einmal in die Tonne kloppen.
Johannes Franke: Was halten wir denn davon, ist es ein Happy End, dass das Circle of Life sich vervollständigt und diese Phoebe in das Leben von Eve tritt?
Florian Bayer: Ja, ist ja auch ein gutes Bild am Ende. Wir können es ja mal kurz... reflektieren, weil... Reflektieren. Der Spiegel. Egal. Dass Bibi da im Hotelzimmer sitzt und sie kommt nach Hause, Eve kommt nach Hause und ist überraschend unterwältigt davon, dass plötzlich jemand in ihrem Raum sitzt. Die erschrickt zumindest kurz. Aber akzeptiert sehr, sehr schnell, dass diese Frau da ist. Und ich find's so großartig, dass sich das so schnell entwickelt, dass es an der Tür klopft und Eve nur noch sagt, die Tür. Und erwartet, dass sie jetzt ihre Aufgabe erfüllt. Dass Bibi diese Aufgabe einfach annimmt und sagt, okay, ich mach jetzt dein Zeug.
Johannes Franke: Ist Eve mit Opium vollgepumpt in dem Moment?
Florian Bayer: Nein, ich glaube, Eve hat den Circle of Life schon kommen sehen und weiß ganz genau, wer das ist. Und weiß, okay, alles in Ordnung, wir lösen uns hier ab. Gegenseitig die Klinke in die Hand. Embrace the situation.
Johannes Franke: Ich finde natürlich, also zwei Sachen. Ich finde es natürlich total geil. Dieses Circle of Life Ding und die Ironie und so weiter. Und wir wissen jetzt schon, mit ihr wird genau dasselbe passieren wie mit Margot. Aber es passiert alles zu schnell. Also es ist so unnatürlich. Sie ist ja gerade im Aufstreben. Sie ist das, was Margot vor zehn Jahren war. Wir müssen das Ganze in zehn Jahren nochmal erleben. Aber andererseits, wenn du es jetzt so erzählst, dass du sagst, okay, sie versteht das und sie weiß das schon und sie weiß, dass ihr dieses Schicksal auch blühen wird, dann nehme ich das. dann akzeptiere ich das auch, dass das so flach erzählt wird. Dass wir auch ganz schnell haben, Phoebe vom Spiegel mit dem Brei. Phoebe, die lügt. Phoebe, die sich einen Namen ausdenkt und so weiter. Es ist ja, es funktioniert irgendwie, ist diese Dynamik ja anders als die Dynamik zwischen Eve und Margot, weil sie viel offensichtlicher ist.
Florian Bayer: Ja, klar.
Johannes Franke: Und dann passt das. Ja, dann ist das okay. Dann akzeptiere ich das. Gut. Und sollte man nach Hollywood gehen und da ist alles besser als am Broadway, haben wir das jetzt daraus gelernt, dass der Broadway wirklich verdorben ist? Nein. Hollywood ist... deutlich angenehmer, sonniger sowieso.
Florian Bayer: Sonniger, ja. Aber ich glaube, der Film ist ja nur eine Allegorie auf alles, was mit diesem ganzen... Alle Leute, die irgendwie auf Bühnen stehen, ob es jetzt der Film als Bühne ist oder die tatsächliche Bühne, haben diese Dynamiken. Das ist einfach drin. Und ich glaube, dass der Film da ganz stark allegorisch auf den Film und nicht aufs Theater geht nur. Also das Theater natürlich. Aber eben auch auf Film.
Johannes Franke: Er macht sich halt sehr viel lustig über diesen Snobbismus, den es im Theater gibt. Es wird sehr viel gezeigt, wie Theaterleute über Film reden, aber aus der Perspektive eines Films. Und wir wissen, die reden, das sind solche hochnäsigen Arschlöcher. Allein, wenn sie am Anfang die Academy Awards runtermachen und mit diesem komischen fiktiven Preis, den sie sich ausgedacht haben.
Florian Bayer: Der übrigens wirklich dann vergeben wurde. Der Film hat einmal initiiert, dass irgendwelche Theaterschauspieler sich ausgedacht haben, oh diesen Preis nehmen wir jetzt einfach und vergeben ihn wirklich jedes Jahr. Und er existiert immer noch. Ja,
Johannes Franke: super. Und das wirkt auf mich teilweise schon so ein bisschen auch wie, Film ist noch nicht so ein altes Medium, findet es aber zum Kotzen, dass das alte, erhabene Medium Theater so auf es schimpft und sagt hier verdammtes Hollywood. Nein. Und sagt, guckt euch mal an, was Theater ist. Theater ist Kacke. Seht ihr das? Nein. Auch so ein bisschen. Gemeinheit gegenüber dem alten Konkurrenten.
Florian Bayer: Aber man muss sagen, dass Joseph L. Mankiewicz auch im Theater groß geworden ist. Er hatte einen Theater-Background und er wollte tatsächlich die Filme, die er macht, ein bisschen mehr wie Theater. Weil er die großen Vorbilder aus dem Theater hatte, hat er das ein bisschen in den Film hineingerettet, in seine Inszenierung.
Johannes Franke: Das merkt man ja auch allein dadurch, dass sie so textlastig sind, so dialoglastig. Und auch so so raumgebunden. Du hast immer sehr klar abgeschlossene Räume, in denen jetzt diese eine Szene stattfindet. Es gibt Filme, bei denen das so dynamischer ist, da hast du mehr das Gefühl, du merkst nicht, wie du von Szene zu Szene springst. Hier könntest du sagen, du könntest jede einzelne Szene absolut sehen.
Florian Bayer: Ja. Und ich finde auch, dass er sich zwischendurch durch Bill Samson, der einmal, also ne Bill, der ihr am Anfang erzählt, was Theater ist, da scheint Mankiewicz voll durch. Der sagt ja hier... Du willst wissen, was Theater ist? Ein Flohzirkus, auch Oper, auch Rodeos, Carnival, Ballett, indianische Stammestänze, Punch und Judy, eine Ein-Mann-Band, alles Theater. Wo immer es Magie und Fantasie unter dem Publikum gibt, gibt es Theater. Und das ist ja das Statement, auch eine Liebeserklärung an Theater. Das stimmt,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Und genau dort wirft er das alles in einen Topf. Er sagt, Theater ist nicht nur auf dieser Bühne, sondern eben auch der Film. Was musst du mehr wissen über diesen Film als das?
Johannes Franke: Wollen wir mal... Wollen wir mal Richtung, ähm, zum Top-3-Theater springen?
Florian Bayer: Top-3-Theater. Wir haben eine Top-3. Wir springen rüber. Jingle. Unsere,
Johannes Franke: ähm...
Florian Bayer: Top
Johannes Franke: 3. Top 3. Große Stars in kleinen Rollen wolltest du.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich habe gefunden, sowohl vor ihrer Karriere, also in diesem Fall Merlin, als auch während ihrer Karriere.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und zwar, 50-50 ist unmöglich bei Top 3.
Florian Bayer: Ich habe nach der Karriere.
Johannes Franke: Oh, das ist auch gut. Soll ich mal anfangen?
Florian Bayer: Fang mal an.
Johannes Franke: Mein Platz 3 ist Pulp Fiction. Bruce Wills hat eine Erinnerung, als er ein Kind war und vorm Fernseher sitzt und dann kommt ein... Soldat. Und dieser Soldat erzählt ihm, diese Uhr hat dein Vater mehrere Jahre in seinem Arsch getragen. Dieser Soldat ist Christopher Walken.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: stimmt. Der in einer wirklich kurzen Szene in Pulp Fiction fünf Minuten zu sehen ist. Gar nicht viel macht, außer Christopher Walken zu sein. Ein ganz toller Auftritt.
Florian Bayer: Und das war jetzt vor oder während der Karriere? Während der Karriere. Also, jetzt war ich ruhig durcheinander, weil du gesagt hast, das machst du so vor Karriere.
Johannes Franke: Vor Karriere kommt auch noch.
Florian Bayer: Mein Platz drei ist Matt Damon, der in Thor Ragnarok Erinnerst du dich an Thor Ragnarok, wie sie da diese Szene spielen am Anfang und Thor ist nicht wirklich Thor, sondern Loki. Und Loki guckt sich gerne mal so reenacted Szenen an, wie er der große Held ist.
Johannes Franke: Ich hab die ganze Zeit überlegt, wo kommt denn Matt Damon in Thor Ragnarok vor? Jetzt weiß ich's wieder genau.
Florian Bayer: Und Matt Damon spielt da in dieser Szene, die so total hilarious, ich find's total großartig, wie Loki sich gerne seine eigenen Heldengeschichten hier anguckt, aber als Thor.
Johannes Franke: Ja, schön. Geil. Mein Platz 3. Robin Hood hat endlich den bösen Prinz John besiegt. Und jetzt ist alles gut geworden. Und er steht mit Marion da und will sie heiraten und will ihr noch gerade einen Kuss geben. In diesem Moment kommt Halt! Erst muss ich dem Brautpaar meinen Respekt zollen. Auftritt Richard Löwenherz. Spielt von Sean Connery. Stimmt. Aus dem Jahr 1991. Robin Hood, König der Diebe mit Kevin Costner. Großer Hollywood Abenteuer-Action-Historien-Film, der ziemlich gut ist, den man wirklich gucken kann. Ist halt so ein Hollywood-Schinken. Und John Connery darf drei Minuten lang als Richard Löwenherz auftreten und alle freuen sich, wenn er da ist.
Florian Bayer: Ich habe auf Platz zwei jemanden, der gar nicht so eine kleine Rolle hat, wo er aber davor sitzt und denkt, Wait, what? Das ist jetzt... Wir haben darüber geredet. In Brasil Robert De Niro als Harry Tuttle. Der da in diesem seltsamen... Geflecht an Kabeln und an Rohren da irgendwas reparieren soll in diesem Haus und von der Polizei gejagt wird. Und Robert De Niro in dieser Rolle, wo du auch denkst, hä? Warum spielt er nicht die Hauptrolle oder was ist das überhaupt? Was macht er da? Sehr seltsam, aber sehr, sehr gut.
Johannes Franke: Auf jeden Fall total cool. Schöne schräge Rolle auch für ihn, der sonst eher so ernste Rollen gespielt hat. Mein Platz 1. Zurück in die Zukunft 2. Marty McFly geht in das Café der 90er Jahre. oder das Café der 80er, ich glaube das ist das Café der 80er wahrscheinlich sogar, bestellt sich eine Coke Light und von einem Michael Jackson von einer Michael Jackson KI an einem Monitor und sieht dann in der Ecke einen alten Arcade-Automaten stehen mit so Pistolen, nimmt eine Pistole in die Hand und ballert rein und total gut macht, total viele Punkte. Zwei Achtjährige stehen neben ihm und gucken ihn an und sagen, das muss man mit den Händen spielen? Das ist ja wie Babyspielzeug, so die letzten Arschlochkinder, die man sich vorstellen kann. Einer davon, Elijah Wood. Vor seiner großen Karriere als Odo und als Herr der Ringe spielt Elijah Wood ein wirkliches Arschlochkind. Geil.
Florian Bayer: Okay. Ich hab auf meinem Platz 1 Buster Keaton. Nicht in Sunset Boulevard, sondern in Limelight von Charlie Chaplin. Es gibt einen ganz... Also Leimleitmusik, die irgendwann nochmal geht. Da geht es um einen alternden Clown. Und dieser alternde Clown, Charlie Chaplin, der auch irgendwie sich selbst spielt in dem Moment, weil er ist schon älter und er ist ein Clown gewesen, holt sich noch einmal Leute zusammen, mit denen er eine letzte Tour macht. Letzten Auftritt, letztes großes Ding. Und da ist Buster Keaton. Auf der Bühne als Pianist und Chaplin als Violinist und die versuchen da irgendwie ein Musikstück zu spielen und dann funktioniert das nicht, weil das Klavier irgendwie kaputt geht und jemand tritt auf die Geige. Solche Sachen. Es ist eine ganz, ganz, ganz wunderbare, sehr, sehr lustige, habe ich erst vor kurzem wieder gesehen, lustige Szene aus Limelight.
Johannes Franke: Ist das der letzte Film von Chaplin gewesen?
Florian Bayer: Nein, nein, nein, nein. Danach gab es noch mehr Filme. Toller Film. Aber gebe ich dir bestimmt auch nochmal. So, wollen wir zurück?
Johannes Franke: Wollen wir zurückgehen.
Florian Bayer: In unseren Film.
Johannes Franke: Das war unsere
Florian Bayer: Top 3. Willkommen zurück im Film All About Eve. Und wir kommen zu einem Fazit?
Johannes Franke: Zu einem Fazit.
Florian Bayer: Du darfst gerne anfangen, Floor.
Johannes Franke: Wir hatten ja auch schon ein bisschen länger über Sunset Boulevard geredet. Und da habe ich ja gesagt, dass das so ein bisschen dieser Citizen Kane Effekt ist, der, wie wir festgestellt haben, jetzt ein böses Wort ist, weil Citizen Kane ist... fantastisch, den liebe ich tatsächlich, aber dass ein Film ein Klassiker ist und man sieht ihn und man weiß, es ist ein Klassiker, aber er schafft es nicht so ganz einen mitzureißen und man kann das respektieren, was man da sieht, aber man sagt, oh, das wird nicht mein Lieblingsfilm. Sunset Boulevard war so, selbes Jahr.
Florian Bayer: Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass du denn so so, ja, okay fandst.
Johannes Franke: Ich fand den schon gut, aber es war so, das ist ein Klassiker, sehe ich auch irgendwie, da gibt es fantastische Momente. Ich glaube, es hat extrem gut getan, dass ich, als ich All About Eve gesehen habe, nicht wusste, dass das so ein Klassiker ist, der auch in regelmäßigen Besten-Listen auftaucht. Nachdem ich es weiß, würde ich trotzdem behaupten, dass es der bessere Sunset Boulevard war.
Florian Bayer: Okay, ja, vielleicht. Weiß ich nicht. Kann ich so nicht sagen.
Johannes Franke: Es ist ein extrem guter Film.
Florian Bayer: Danke dir.
Johannes Franke: Es tut mir so leid, das so zu sagen. Es tut mir so weh, das so zu sagen, weil ich dir so zustimme, aber Mann, das war ein wirklich, wirklich, wirklich, wirklich guter Film. Absolut zu Recht ein Klassiker und ich kann auch verstehen, dass der regelmäßig in besten Listen auftaucht. Ach,
Florian Bayer: schön.
Johannes Franke: Und gerade für so einen Film aus den frühen 50er Jahren, wow, krass, zynisch, bitter.
Florian Bayer: Wahnsinn, ne?
Johannes Franke: Und toll gespielt, tolle Dialoge, toller Text, sehr coole Story, die mich lange in das Licht geführt hat. Das gelingen 50er Jahre Filmen eigentlich eher nicht. Weil die dann doch meistens zu schematisch sind. Man weiß, worauf sie hinaus wollen. Bei dem war es wirklich so, wow, krass, okay, Yves ist also böse nach 80 Minuten. Ja, nein, super Film, vielen Dank. Also mach mal weiter.
Florian Bayer: Ich freue mich total, dass du den Film magst. Es ist natürlich immer so ein bisschen so, man zittert so ein bisschen. Wenn ich dir Filme gebe, vor allem solche Filme gebe, bin ich immer am Zittern und überlegen, treffe ich das oder treffe ich es nicht. Und dieser Film ist einfach nicht... Zu Unrecht auf ganz vielen Listen, wie du sagst. Und gerade das Drehbuch. Und zwar wirklich das Beste aus, was wir festgestellt haben, das Beste aus Screwball-Comedian, nur eben wirklich ins absolut Tragische und ins Dramatische gezogen. Und ich kann trotzdem lachen. Wie du nicht.
Johannes Franke: Die Repetierung des Screwball-Prinzips.
Florian Bayer: Aber es ist so, der Film besteht aus so vielen One-Linern. Ohne, dass der Film auseinanderfällt. Was andere Filme tun, wenn sie so viele One-Liner haben, weil dann nur noch für die One-Liner geschrieben wird. Aber dieser Film hat so viele tolle Dialoge und Comebacks und so ein Pay-Off an Gags, die dann vielleicht nicht mehr so zünden bei dir, weil du zu sehr Dramatik drin hast. Aber ich lache so wahnsinnig viel und ich bin so ergriffen von diesem Schicksal, von dieser armen Margot, dass ich auch dieses Thema so wahnsinnig hart... fast schon eingehämmert bekomme vom Film. Diese alternde Schauspielerin, die versteht, was mit ihr ist, die es nicht ändern kann, weil kein anderer ihr Rollen schreiben will, die zu ihrem Alter passen und die dann irgendwann gezwungen ist zu sagen, okay, ich muss mich jetzt halt auf meine Ehe zurückwerfen lassen. Das einzige Zufriedenstellende ist, dass wir am Ende sehen, dass auch sie entthront werden wird. Aber sonst ist das Ende sehr, sehr zynisch und wirklich hart. Und ich liebe das an diesem Film.
Johannes Franke: Es ist ein zynisches Happy End. Also auch wenn wir bedenken, dass das Margos Happy End ist, dass sie in diesem Ehekäfig landet. Bill ist cool, aber ich weiß nicht, ob du vielleicht mit ihm, vielleicht willst du nicht unbedingt mit ihm verheiratet sein, wenn auf der anderen Seite des Regenbogens diese Schauspielkarriere ist, die nicht vorbei sein muss. Ja,
Florian Bayer: genau.
Johannes Franke: Was ich nicht verstanden habe, vielleicht so zum Abschluss, warum ist dieser Film zu so einem Hit in der Queerculture geworden?
Florian Bayer: Also man muss ja auch dazu sagen, dass Yves auch ein kleines bisschen... symbolisiert, dass man als Frau mal was selbst in die Hand nimmt und ein Ziel hat und darauf zuarbeitet. Dass sie das nun leider mit diesen Mitteln macht, ist halt ein bisschen ein Problem. Aber viele Leute sehen darin die Möglichkeit, nach vorne zu gehen in einer Community, die das eigentlich nicht zulässt. Also in diesem Fall auf eine... Jetzt habe ich eher die feministische Seite davon erzählt.
Johannes Franke: Ja, genau das aber auch. Man findet sehr viele, also es wird sehr viel über das Feministische im Moment geredet. Und das sehe ich sogar noch ein bisschen eher, weil es einfach ein Film ist. Ganz banal, weil es ein Film ist, der viele starke Frauenrollen hat. Und weil das ein Film ist, der... im Bestelltest tausende vermeintlich feministische oder vermeintlicher Empowerment-Geschichten sowas von in den Sack schlägt.
Florian Bayer: Naja, ich glaube aber auch, dass natürlich wird eher eben auch als queer gelesen.
Johannes Franke: Genau, wird als schwul gelesen.
Florian Bayer: Und wie gesagt, ich glaube,
Johannes Franke: sie wird teilweise als lesbisch gelesen. Ja. Weil ich das auch nicht so sehe. Ich kann weder das eine noch das andere sehen.
Florian Bayer: Ja, wie gesagt, ich sehe sie eher asexuell.
Johannes Franke: Und ich... Ich glaube, vielleicht so diese Manierismen aus dem Theater, die sind einfach cool. Aber das ist auch nicht, also es ist ja, der Film, also Margot hat das manchmal, aber dieser Film ist jetzt nicht so krass melodramatisch und nicht so exaltiert, dass man sagen könnte, ah, das ist es.
Florian Bayer: Nein, aber auch die queere Community feiert ja nun wirklich Geschichten ab, die irgendwie eine Form von Schicksal selbst in die Hand nehmen haben. So Empowerment-Sachen und so.
Johannes Franke: Aber das ist die Dark Side of Empowerment, oder?
Florian Bayer: Naja, ja, die Art und Weise, wie sie es macht, ist halt irgendwie scheiße. Ja,
Johannes Franke: naja. Ein absoluter Muss-man-sehen-Film. Egal ob ihr Homo, Hetero, Bi oder sonst was seid, guckt euch diesen Film ab. Fantastisch. Ich war wirklich begeistert. Also vielen Dank, Johannes. Ich kann es nur nochmal sagen, es ist wirklich eine Filmlücke, die ich gerne geschlossen habe, von der ich nicht wusste, dass sie existiert.
Florian Bayer: Sehr gut. Sehr, sehr gut. Das freut mich voll. Ja, und ich hatte das gleiche, als ich den das erste Mal gesehen habe, nämlich vor gar nicht so langer Zeit und gedacht habe, meine Güte, warum kenne ich den Film nicht? Ich muss ihn dir auf jeden Fall geben. So, und wir haben ein neues Konzept. Wir öffnen unser Muss-Man-Sehen-Universum und geben anderen Podcasts, die vielleicht über den gleichen Film gesprochen haben oder eine Meinung dazu haben, ein kleines Forum von so zwei, drei Minuten, dass sie uns sagen können, wie sie den Film fanden.
Johannes Franke: Wir brauchen auf jeden Fall einen Jingle dafür. Jingle. And now someone completely different. Hi,
Filmclub-Podcast: hier ist der Jesse vom Filmclub-Podcast All About Eve. Der Film ist leicht, unterhaltsam und dennoch ziemlich facettenreich. Man kann hier eigentlich über so viel sprechen, da reicht eigentlich auch eine Podcast-Folge gar nicht. Da könnte man einen ganzen Podcast machen. Man könnte sprechen über die Kostüme und die Gemälde, weil man sieht ja, was passiert. Die Bildsprache erzählt uns die ganze Geschichte. Man könnte auch einfach nur sprechen über die Augen von Bette Davies, die nochmal viel mehr sagen als ihre Worte. Da gibt es so eine Szene, wo sie im Bett liegt und raucht. Die ist mir einfach eingebrannt im Kopf. Man könnte sprechen über die Rede von Eve, die mich sofort alle Oscar-Reden hinterfragen hat lassen. Man könnte sprechen über... Birdie, die wahrscheinlich beste Assistente, die man sich wünschen kann. Man könnte sprechen über einfach nur das kumulantische Talent von Marilyn Monroe, aber man muss eigentlich sprechen, wie der Film darstellt, wie patriarchale Systeme funktionieren. Der Schriftsteller, der Regisseur, der Kritiker, der Produzent, die ganzen alten Männer bei der Preisverleihung, die phonetisch klatschen und auch alle austauschbar wirken. Der Film zeigt, Frauen werden durch die Augen von Männern gesehen. Insbesondere... Besondere natürlich irgendwie im Theater und im Film, Lloyd kann nur Rollen für Frauen als romantisches Interesse oder als Hexe schreiben. Und Margot sieht dann irgendwann keinen Platz mehr für sich. Und so finde ich das ehrlich gesagt auch ein bisschen traurig, weil es ist ja dann so, dass Margot letztlich aufgibt und ein Leben als Hausfrau irgendwie so anstrebt. Das hätte ich mir natürlich nicht gewünscht und insbesondere die letzte Szene, die passt dann für mich eigentlich nicht mehr, weil es ja dann so ist, dass Fiebe das für Eve zu werden scheint, was Eve für Margot war. Also in der Logik des Films sind dann damit ja eigentlich ambitionierte Frauen das Problem und eben nicht patriarchale Systeme. Das finde ich ein bisschen schade. Aber gut, der Film ist auch von 1950. Von daher, ja, ich bin gespannt, was ihr zu sagen habt. Ich hoffe, es war nicht bumpy und bis zum nächsten Mal.
Johannes Franke: Wenn ihr wissen wollt, womit ich mich nächste Woche bei Johannes remontiere, bleibt noch kurz dran. Ich bin gespannt. Euch danke fürs Zuhören.
Florian Bayer: Ja, ich hoffe, dass du was hast für mich, was nicht wie die letzten Wochen mit irgendwie Horror oder irgendwas zu tun hat.
Johannes Franke: Wir kommen aus dem Halloween-Monat. Wir haben gerade die letzten Folgen vor unserer Jubiläumsepisode, die jetzt zwei Folgen her ist mittlerweile schon, haben wir einfach nur Horrorfilme geguckt.
Florian Bayer: Das war so schrecklich. Die Zeit war echt übel.
Johannes Franke: Kein Horrorfilm nächste Woche. Ja,
Florian Bayer: okay. Also was Schönes, was diesem hier ebenbürtig ist. Ich fass Wuchs. Okay, gut.
Johannes Franke: Bis dahin.
Florian Bayer: Bis dahin. Ciao.
Johannes Franke: Es ist so ein bisschen lame, weil ich einfach anschließe an das, was du gemacht hast. Wenn wir schon so zynisch auseinandersetzen mit Showbiz, muss ich einen meiner absoluten Lieblingsfilme, der das macht, reinwerfen und zwar The Player aus dem Januar 92 von Robert Altman. Eine Abrechnung mit Hollywood auf die bitterböseste Art, wie man sie sich vorstellen kann.
Florian Bayer: Ich habe sofort gewusst, Robert Altman und so, aber ich kann gerade überhaupt... nicht mehr fassen, was für ein Film das ist.
Johannes Franke: Du hast ihn wahrscheinlich gesehen, vielleicht sogar mit mir zusammen.
Florian Bayer: Das kann vielleicht sein.
Johannes Franke: Vielleicht hab ich ihn dir mal gegeben.
Florian Bayer: Aber ich muss echt nachdenken. Ja, okay, dann gucke ich mir den einfach nochmal an oder eben tatsächlich doch zum ersten Mal. Jetzt gerade kann ich nichts in meinem Hirn wachrufen, aber macht nichts. Ihr macht ja auch das gleiche. Ihr schaut euch den Film an und dann kommt ihr zur Diskussion, zur Lecture.
Johannes Franke: Wir sehen uns nächste Woche. Gleiche Stelle, gleiche Zeit. Bis dahin.
Florian Bayer: Gleiche Welle, wolltest du sagen,
Johannes Franke: oder? Nein,
Florian Bayer: nein, nein.
Johannes Franke: Ich habe so wenig mit Radio zu tun, dass ich nicht mal wusste, dass dieser Spruch existiert.
Florian Bayer: Radio 101.04
Johannes Franke: Im Musterhaus Küchenfachgeschäft Ist das nicht geil, dass wenn du Leute auf Radio-Werbung ansprichst, alle kennen diesen einen Wort.
Florian Bayer: Absolut. Okay, aber das ist eher Westen, oder?
Johannes Franke: Keine Ahnung. Ich glaube, ich habe den nicht einmal im Radio gehört, sondern immer nur von Leuten gesungen. Ich habe nie Radio gehört. Ich kenne mich überhaupt nicht aus mit Radio. Hast du Radio gehört?
Florian Bayer: Natürlich habe ich Radio gehört. Ich habe sogar Bulli früher gehört, bevor er im Fernsehen war. Da hat er eine Radiosendung gehabt und hat Leute anrufen lassen und sich mit denen unterhalten. Ich fand das großartig.
Johannes Franke: Aber das ist ja bayerisches Radio, oder? Ist der nicht Bayer?
Florian Bayer: Keine Ahnung. Weiß ich nicht genau.
Johannes Franke: Der hat sowas Bayerisches an sich. Es gibt ja diese ganzen... Comedians, die jetzt so groß sind, die sind doch alle aus dem Nordradio gekommen. Also Klaas und Joko.
Florian Bayer: Böhmermann? Radio Bremen. Ja, Böhmermann auch.
Johannes Franke: Die waren alle zusammen, ne?
Florian Bayer: Ich glaube ja.
Johannes Franke: Eine einzige Klitsche.
Florian Bayer: Warum habe ich nicht mit Radio angefangen? Warum haben wir nie Radio gemacht? Wir sind eh von Mikros.
Johannes Franke: Ja, aber Radio ist so live.
Florian Bayer: Also Radio ist live.
Johannes Franke: Radio ist voll anstrengend.
Florian Bayer: Ja, weil ich die ganzen Sachen, die ich aus dir rausschneiden muss hier bei dem Podcast.
Johannes Franke: Siehst du mal. und Radio ist auch so laut und dann machst du solche Geräusche.
