Episode 206: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel – Märchenhafte Weihnachtsstimmung aus der DDR und Tschechien
Wenn schon Weihnachten sein muss, dann doch wenigstens mit “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”. Ich hab nicht den Eindruck, dass der Film groß erklärt werden muss. Er läuft dieses Jahr mindestens 26 mal im deutschen Fernsehen, zu allen Tages- und Nachtzeiten. Aber weil es die Tradition so will, bitte schön. Worum geht es?
Aschenbrödel lebt mit ihrer bösen Stiefmutter und ihren bösen Stiefschwestern auf dem Gutshof ihres verstorbenen Vaters. Da sie comicly schlecht behandelt wird, hat das Schicksal Mitleid mit ihr und schickt ihr 3 magische Haselnüsse, die zur rechten Zeit die passenden Kleider ausspucken. So kann sie als Jäger verkleidet Eindruck beim Prinzen schinden, zum König auf den Ball gehen, um mit dem Prinzen zu tanzen und vom spontan unsterblich verliebten Prinzen anhand ihres Schuhs identifiziert werden, eine Methode, die noch heute als kriminologisch sehr zuverlässig gilt. Anschließend darf sie im passenden Hochzeitskleid aus der Haselnuss den Prinzen heiraten. Oder zumindest mit ihm in den Horizont reiten.
Ein klassisches Weihnachtsmärchen, ohne Weihnachtsbezug. Plor. Kannst du etwas mit solchen klassischen Märchenverfilmungen anfangen, oder bist du doch lieber bei modernen Märchen wie E. T. und Konsorten?
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 206: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel – Märchenhafte Weihnachtsstimmung aus der DDR und Tschechien Publishing Date: 2024-12-11T08:15:46+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/12/11/episode-206-drei-haselnuesse-fuer-aschenbroedel-maerchenhafte-weihnachtsstimmung-aus-der-ddr-und-tschechien/
Florian Bayer: Um nochmal auf die Homosexualität des Prinzen zu kommen, verliebt er sich in sie in dem Jägerkostüm? Weil da habe ich das Gefühl, dass er sich zum ersten Mal in sie verliebt. Und er hält sie für einen Typen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: okay. Also um das nochmal klar zu machen. Ja. Sie sieht aber auch heiß aus in dem Jägerkostüm. Also ich finde sie sonst jetzt nicht attraktiv, aber in diesem Jägerkostüm denke ich so.
Johannes Franke: Sollen wir eine kurze Pause machen?
Florian Bayer: Alles gut.
Johannes Franke: Herzlich willkommen zu einer klassischen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Florian Bayer: Nicht klassisch.
Johannes Franke: Nein!
Florian Bayer: Eine Weihnachts-Episode! Weihnachts-Episode Nummer zwei in diesem Jahr, diesmal mit einem Film von Weihnachts-Cringe-Johannes.
Johannes Franke: Ja, also ich werde jedes Jahr gezwungen, ich muss mich ja um Weihnachten kümmern. Ich mag Weihnachten nicht, aber ich habe einen Film gefunden, den ich sehr mag, der zu Weihnachten immer wieder läuft. Letztes Jahr habe ich es auch geschafft. Ich habe den Grinch rausgeholt, weil ich einfach gedacht habe, meine Güte, ich identifiziere mich mit dem Grinch so sehr, jetzt müssen wir den Film besprechen. Dieses Jahr habe ich etwas anderes gefunden, wo ich mich nicht so richtig identifizieren kann.
Florian Bayer: Du kannst dich nicht mit Aschenbrödel identifizieren?
Johannes Franke: Also ich muss sagen, als Kind habe ich es ein kleines bisschen getan, aber da kommen wir noch dazu. Aber willkommen zum Muschelmann-Sehnen-Podcast, wo wir uns gegenseitig... Filme an den Kopf schmeißen und sagen, du musst den Film jetzt gucken, egal ob du willst oder nicht. Und auch Filme, wo ich schon weiß, ist vielleicht not your cup of tea oder ahne. Und ich bin bei diesem Film so irgendwo dazwischen, ob du den Film jetzt was abgewinnen kannst oder nicht, weil der ist schon so ein bisschen...
Florian Bayer: Es ist ein Seevermärchenfilm.
Johannes Franke: Sehr zuckersüß, aber wir sind zu schnell. Ich werde euch den Film kurz vorstellen und... dann reden wir sehr ausführlich darüber, was Plora damit anfangen kann oder nicht anfangen kann. Also, wenn schon Weihnachten sein muss, dann doch wenigstens mit drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Ich habe nicht den Eindruck, dass der Film groß erklärt werden muss. Er läuft dieses Jahr mindestens 26 Mal im deutschen Fernsehen zu aller Tages-und Nachtzeit. Aber weil es die Tradition so will, bitteschön, worum geht es? Aschenbrödel lebt mit ihrer bösen Stiefmutter und ihren bösen Stiefschwestern auf dem Gutshof ihres verstorbenen Vaters. Da sie comically schlecht behandelt wird, hat das Schicksal Mitleid mit ihr und schickt ihr drei magische Haselnüsse, die zur rechten Zeit die passenden Kleider ausspucken. Also kann sie als Jäger verkleidet Eindruck beim Prinzen schinden, zum König auf den Ball gehen, um mit dem Prinzen zu tanzen und vom spontan unsterblich verliebten Prinzen zu verlieben. Prinzen anhand ihres Schuhs identifiziert werden. Eine Methode, die noch heute als kriminologisch sehr zuverlässig gilt. Anschließend darf sie im passenden Hochzeitskleid aus der Haselnuss den Prinzen heiraten. Oder zumindest mit ihm in den Horizont reiten. Ein klassisches Weihnachtsmärchen. Ohne Weihnachtsbezug. Aber na egal. Plor, kannst du etwas mit solchen klassischen Märchenverfilmungen anfangen oder bist du doch lieber bei modernen Märchen wie... E.T. und Konsorten. Tiefe einatmen.
Florian Bayer: Das ist so eine schwierige Frage. Nee, ich bin kein Fan von Märchenverfilmungen. Wenn ich sagen müsste, welche Märchenfilme, die klassische Märchenschau verfilme ich mag, könnte ich die wahrscheinlich an der Hand abzählen.
Johannes Franke: Ich bin aber gespannt. Hast du was? Hast du spontan Märchen, die du tatsächlich gut fandest als Verfilmung?
Florian Bayer: Naja, Disney ist so naheliegend, ne? Und die Disney-Märchenfilme gehören nicht zu meinen liebsten Disney-Filmen, sind aber trotzdem... Gut, also ich mag zum Beispiel Ariel, die Meerjungfrau, ist ein großartiger Film.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und Disney ist natürlich bekannt dafür, sehr an den klassischen Märchenrezept rumzuschrauben.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Aber ansonsten, es gab eine Verfilmung von Das kalte Herz, relativ frisch, die mittlerweile auch glaube ich schon so zehn Jahre alt, die fand ich ziemlich gut.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber ansonsten, also gerade so Schneewittchen und Don Röschen oder so, würden mir jetzt keine Verfilmungen einfallen, wo ich sage, wow, das war ein starker Film.
Johannes Franke: Ja, ja. Ich bin gespannt, ob das mit diesem Film ein bisschen anders ist oder ob das... Oh nein, oh Gott, ich hab ein bisschen Angst, Florian. Scheiße. Oh, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Das ist ja ein Film aus einer anderen Zeit. Also er hat erstmal so diesen vollen Nostalgiebonus. Man guckt diesen Film und man sieht, dieser Film trägt die Zeit seiner Entstehung mit sich.
Johannes Franke: Von Václav Volicek aus dem Jahre 1973, um das einmal zu sagen. 1973.
Florian Bayer: Und eine deutsch-tschechische Koproduktion. Ja. Wir haben ja die großen Ostblock-Studios damals, und zwar Barrandoff. Auf tschechischer Seite und die DEFA auf deutscher Seite. Und die haben natürlich so Eigenheiten, die auch in diesem Film drin sind. Und Eigenheiten, die natürlich niedlich sind, die auch witzig sind, über die man sich auch irgendwie freut. Wo man so drauf guckt und denkt, da passieren witzige Sachen. Also ich sehe zum Beispiel, er gehört einfach erstmal... unabhängig davon, wie gut er ist, gehört er in die Riege von Filmen, die man total gut ironisch gucken kann. Weil einfach die ganze Zeit sauwitzige Sachen passieren. Und man guckt und denkt so, oh, guckt dir mal die Mütze der bösen Stiefmutter an. Interessant. Wie hoch kann man einen Kopf stapeln?
Johannes Franke: Das ist doch eigentlich ein Regenschirm. Ja.
Florian Bayer: Fantastisch. Ja. Oder man sieht am Anfang, gleich am Vorspann, diese Freeze-Frames. Ja. Und denkt sich so, geil.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist schön. Ja. Ich finde,
Johannes Franke: dass diese Freeze Frames durchaus was machen mit dem Film. Ich finde, dass er damit eine... Der versucht, sich größer zu machen, als er eigentlich ist. Und ich finde das sehr süß.
Florian Bayer: Ich finde es so corny, cheesy, alber. Das ist einfach komplett drüber. Aber es ist okay, ne? Es ist halt so eine Eigenheit und man sagt yes. Und dann auch so Sachen, dass alle tollpaschig sind. Alle Menschen auf diesem Hof sind tollpaschig. Die ersten fünf Minuten sind einfach nur Menschen, die durch die Gegend stolpern, nicht klarkommen und Sachen fallen lassen und kaputt machen. Es ist witzig, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Aber?
Florian Bayer: Aber dann gibt es natürlich den ernsten Part. Und man kann natürlich über diesen Film auch reden. Man muss diesen Film nicht nur ironisch gucken. Dieser Film hat Momente, die auf jeden Fall voll spannend sind. Und vor allem auch Momente, wie er mit dem klassischen Märchen, mit der klassischen Märchenvorlage umgeht und was er daraus macht. Ja. Und? Das Schöne ist, er macht sowohl Sachen falsch als auch Sachen richtig. Und die Sachen, die er falsch macht, sind so, würde ich fast sagen, teilweise dieselben Sachen falsch, die auch Disney falsch gemacht hat. Disney hat auch Aschenputtel verfilmt und mit Cinderella einen seiner berühmtesten Märchenfilme gedreht.
Johannes Franke: Okay, das heißt, wir teilen die Episode in Was macht der Film falsch und was macht er richtig ein?
Florian Bayer: Das muss auf die falsche Sprache kommen.
Johannes Franke: Also der Teil, was er falsch macht, der wird ja sehr klein werden. Da gehe ich jetzt von aus. Und dann er guckt schon wieder so.
Florian Bayer: Es ist so ein ganz großes, grundsätzliches Ding, was bei ihm auch stattfindet, was gar nicht so weit weg ist von Disney. Nämlich, dass er... Es ist keine Disney-Fizierung, weil es ein Ost-Film ist. Ja,
Johannes Franke: genau. Das finde ich auch so toll daran, muss ich sagen.
Florian Bayer: Aber es ist eine Entschärfung. Und er macht eigentlich Ähnliches, was Disney auch macht mit den Märchen. Nämlich, er entschärft Dinge. Und er nimmt Dinge raus, gerade diese düsteren Seiten. Und ich als Horrorfilm-Fan, wenn ich an klassische Märchen denke, mag ich natürlich die gruseligen und komischen Sachen. Ich mag es, dass am Ende, ich mag es, dass die Töchter sich die Füße abschneiden, um in den Schuh zu passen, dann am Schluss von den Krähen die Augen ausgehackt bekommen als Strafe. Genauso wie ich es bei Schneewittchen mag, dass am Schluss die böse Stiefmutter in den Kohleschuhen tanzen muss, bis sie stirbt. Jämmerlich. Das ist irgendwie...
Johannes Franke: So düster.
Florian Bayer: Das ist ein Teil von diesen Märchen und teilweise auch ein wesentlicher Teil.
Johannes Franke: Aber das Schöne ist ja an Märchen, dass sie über die Jahrhunderte immer wieder verändert wurden und wahnsinnig viele Versionen davon rumgeistern. Und dann ist halt die Version jetzt ohne abgeschnittene Fersen.
Florian Bayer: Es ist halt schon auffällig, dass Filme des 20. Jahrhunderts genau darauf verzichten. Auf die abgeschnittenen Fersen, auf die ausgehackten Augen.
Johannes Franke: Vielleicht sind wir einfach gewachsen als Gesellschaft. Wir brauchen das nicht mehr.
Florian Bayer: Es macht halt alles so ein bisschen softer und so ein bisschen weicher. Was nicht heißt, dass dieser Film soft und weich ist, weil dieser Film wiederum andere Sachen aufgreift.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wo er, ja, Feminismus ist zu viel gesagt, aber wo er auf jeden Fall, wo er das genau, was ganz Wesentliches von dem Märchen nimmt, was furchtbar nervig an diesem Märchen ist, in vielen Märchen, die fromme, passive Bella, die alles über sich ergehen lässt und Ja und Amen sagt und dafür belohnt wird. Ja. No fucking way. Hier haben wir eine aktive, eine polemische, eine sarkastische, eine aktive Cinderella. Großartig.
Johannes Franke: Und du willst da keinen Feminismus drin sehen? Ich will da volle Kanne Feminismus drin sehen.
Florian Bayer: Es ist auf jeden Fall da. Es ist so weit vorhanden, soweit man halt im 70er Jahre DDR keinen Feminismus wahrnehmen kann. Und mehr als im Bundesrepublikanischen, um das dazu zu sagen.
Johannes Franke: Ja, genau. Also ich muss das einmal, wir sind schon dabei, wir sind mittendrin. Wir sind voll drin. Wir sind mittendrin in dieser krassen Figur der... Aschenbrödel, die wirklich sich es nicht gefallen lässt im Rahmen ihrer Möglichkeiten und zurückschlägt und auch im richtigen Moment sagt, mir doch egal, ich gehe jetzt einfach mit meinem Pferd raus und gehe reiten und hole mir meine glücklichen Momente, um das alles durchzustehen. Ich finde das total super, dass sie jedem, der auch nur ein freches Wort ihr gegenüber sagt, die Mütze ins Gesicht zieht und abhaut. Ich finde es großartig.
Florian Bayer: Sie mault sowohl ihre Stiefmutter als auch ihre böse Stiefschwester an. Ja! Und das ist komp... Komplett das Gegenteil von dem, was das ursprüngliche Märchen inspiriert hat. Weil da ging es darum, dass du die ganze Zeit als Frau, als Menschen, fromm und passiv bist. Dafür wirst du belohnt werden. Du erträgst alles einfach.
Johannes Franke: Und dieser Film ist sonst ideologisch. Ideologisch nicht ganz stark irgendwie getrimmt oder sowas. Man hat nicht das Gefühl, hier einen ideologischen Film vor sich zu haben.
Florian Bayer: Überhaupt gar nicht. Da ist kein Stück Sozialismus drin in diesem Film.
Johannes Franke: Aber ich glaube, das kleines bisschen Ideologie, was da drin steckt, ist die Ideologie, die wir in der DDR hatten, was unser Frauenbild betrifft.
Florian Bayer: Das ist nicht Ideologie, das ist gesunder Menschenverstand.
Johannes Franke: Ja, ja, natürlich. Aber... Aber das gehörte auf jeden Fall zur Staatsräson dazu. Das war wahnsinnig wichtig, dass man eine starke, eigenständige Frau darstellt. Dass die am Ende vielleicht trotzdem nicht so... Also man musste sie trotzdem irgendwie unter Kontrolle bringen. Das war damals jetzt nicht vom Staat, sondern einfach von der Gesellschaft. Die waren nicht so weit. Wie der Staat das vorgegeben hat. Du meinst,
Florian Bayer: der Staat war weiter in seinem Feminismus aus der Gesellschaft?
Johannes Franke: Ja, vom Gefühl her schon. Weswegen halt auch in diesem Film sie natürlich am Ende das Ziel haben muss, einen Prinzen zu heiraten. Das ist ja auch dem Märchen immer ein...
Florian Bayer: Das ist halt letzten Endes immer noch ein Märchen. Natürlich. Und es ist immer noch die Geschichte von der Frau, die es irgendwie schafft, ihren Traumprinzen zu finden.
Johannes Franke: Aber sie darf ihm am Ende noch einen Schneeball hinterherwerfen als Zeichen ihrer Widerspenstigkeit in der Ehe. Also es ist schon toll. Ich finde es großartig, dass sie das damit gemacht haben. Und es ist eben auch ein typisches Merkmal von DDR, von DDRisierung oder Defarisierung dieser Sachen. Und das finde ich ist ein gutes Merkmal.
Florian Bayer: Libus Safranková, und ich entschuldige mich bei allen tschechischen HörerInnen für das, was noch kommen wird an Namen.
Johannes Franke: Libusche, glaube ich.
Florian Bayer: Libus ist unser Aschenprödel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und sie... spielt das überzeugend. Sie ist 20, sie spielt das mit einer gewissen Keckheit, die wichtig ist, also für die Figur, wie sie in dem Film angelegt ist. Und sie kriegt das ganz gut hin, auch diesen Rollenwechsel von der wirklich arg gematerten Aschenputtel, die halt da zu Hause auf dem Boden ist und im Dreck wühlt, hin zu diesen Rollen, die sie annimmt. Was auf jeden Fall, was ich wirklich eine tolle Idee von dem Film finde, dass er diese ganze Jagd nach dem Prinzen die im originalen Märchen so kondensiert ist auf diesen Ball. Da gibt es einfach den Ball mehrmals. Es gibt mehrere Amte auf diesem Ball. Dass er das komplett auseinanderzieht und davor setzt und nicht nur die Rolle Prinzessin hat, sondern andere Rollen. Er hat die Rolle Aschenputz, sie selbst, als das Mädchen aus dem Dreck. Und die Rolle Jäger. Und die sind ganz entscheidend, diese beiden Rollen. Früher, auch wenn man sich fragte, ist sie Clark Kent?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist sie Clark Kent? Sind wir im Superman-Universum?
Johannes Franke: Ganz genau das. Aber darüber werden wir uns später bestimmt nochmal richtig lang und breit lustig machen, wie dieser Prinzess einfach nicht schafft, die Puzzleteile zusammenzusetzen.
Florian Bayer: Und sie ist halt, genau, sie schafft es in diesen Rollen. Und diese Rollen sind natürlich mehr als die Prinzessin. Sie darf ein Jäger sein und sie kann besser schießen als der Prinz. Ja.
Johannes Franke: Sie kann alles Mögliche besser als alle anderen. Sie ist schon, wir sind wieder bei Clark Kent. Sie ist einfach Superman in der weiblichen Version. Also sie kann echt viel sehr, sehr gut. Aber das ist auch das Upbringing, was sie von ihrem Vater bekommen hat.
Florian Bayer: Und sie ist von Idioten umgeben.
Johannes Franke: Und sie ist von Idioten, ja, also man kann gut scheinen, wenn alle anderen doof sind.
Florian Bayer: Aber da sind wir schon wieder bei der Dissinifizierung, was sie von ihrem Vater bekommen hat. Das finde ich eigentlich ziemlich stark im Originalmärchen. Es ist total düster, dass der Vater noch lebt.
Johannes Franke: Ja, ich sah.
Florian Bayer: Der Vater ist voll der Wichser im Originalmärchen. Und hier haben sie sich da so ein bisschen drum herum geschlichen, indem sie einfach sagen, dass der Vater tot ist. Und dann haben sie ja diese väterliche Ersatzfigur, Winchek, der übrigens sehr witzig ist mit seinem Knautsaunt. Das ist eine tolle Figur. Winchek ist total cool. Also ganz viel Herz für Winchek.
Johannes Franke: Ja, kommen wir auch noch zu.
Florian Bayer: Ja, der auf jeden Fall so den Ersatzvater spielt. Und sie haben eine Tochter rausgekürzt, was gut ist. Ja. Eine Führung, die absolut Sinn macht. Total. So kann man sich auf... die beiden Bitches konzentrieren, die böse Stiefmutter und die Dora sind und hat da mehr als genug Freude daran, deren Bösartigkeit. Und die sie aufs Maul kriegen dann auch irgendwann.
Johannes Franke: Es ist ja auch eine Mischung, muss man sagen, eben aus Grimms Aschenputtel in der Version von 1819 und einer Version, die ja schon in den Kulturkreis sich entwickelt hat. So eine Version, die heißt im Original Popelke, Popelze, Popelke, von auch einer, oh Gott, eine Frau. Porzhena Nemkova. Entschuldigung. Es tut mir so leid. Aber das existierte sozusagen schon. Ja. Es war eine legit Version davon, die einfach schon existierte. Der Film hat das nicht komplett neu für sich umgebaut, wie Disney das gemacht hat. Um das nur kurz zu entschärfen, was du gesagt hast.
Florian Bayer: Aber Disney hat auch, und das auch nochmal zu entschärfen, was du jetzt gesagt hast, Disney hat sich ja auf den viel älteren Aschenputtel-Mythos bezogen, weil die Aschenputtel-Geschichte der Brüder Grimm, und ich bin jetzt echt kein großer Märchengeschichtsexperte, ist nicht das... Nicht die älteste Variante davon, sondern es gab im 17. Jahrhundert eine französische Variante. Von Charles Perrault, der dasselbe gemacht hat wie die Krims, nur in Frankreich und 200 Jahre früher.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Nämlich Volksgeschichten zusammengetragen. Ja. Und die heißt Centrion. Und da steckt schon das Cinderella drin. Und das ist tatsächlich die Geschichte, die ganz viel von dem hat, was wir bei Disney später sehen. Nämlich die Fee und der Kürbis, der in die Kutsche verwandelt wird. Oh, okay. Und die Mäuschen, die dann zu den Pferden werden für die Kutsche und so weiter. Eigentlich ist das der Cinderella-Vorgänger. Aber diese ganze Frage nach Versionen und nach Authentizität erübrigt sich bei Märchen ja komplett.
Johannes Franke: Ja, komplett, ja.
Florian Bayer: Diese Vorlage, auf die der Film sich bezieht, die verändert er ja auch schon. Also in der Geschichte lebt zum Beispiel der Vater auch noch in dieser Opel-Pelz.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: ja. Und es ist auch noch näher am Krimschen Aschenputtel als das, was dieser Film macht. Aber absolut geschenkt. Ich bin ganz deiner Meinung, Märchen... bei Märchen gehört diese Genese dazu. Bei Märchen gehört das dazu, dass es sich entwickelt und auch verändert. Und dass man auch sagen kann, ey, ich mag die Version von Krims viel lieber oder ich mag die Version von Disney viel lieber. Aber dass man nicht sagen kann, früher war alles besser.
Johannes Franke: Ja, und auch, dass wir tatsächlich die Dinger nehmen und sagen, ja, wir brauchen jetzt das düstere Ende. Im Plur. Nicht unbedingt, weil wir einfach Märchen im Laufe unserer Genese als Gesellschaft auch einfach sehen müssen und sagen müssen, naja, was wollen wir denn erzählen und was wollen wir unseren Kindern geben und was nicht. Und dann braucht es vielleicht wirklich nicht unbedingt, dass man da sich die Fersen abschneidet, obwohl ich mich auch ein bisschen drauf gefreut hatte, ehrlich gesagt, als ich es das erste Mal gesehen habe. Als Kind auch.
Florian Bayer: Ja, naja, Filme sind zum einen Ausdrücke des Zeitgeistes und da war die DDR ähnlich wie die... Bundesrepublik in den 50ern, 60ern, 70ern. Es muss nicht das härteste sein für die Kids. Und so sind wir heute ja auch drauf, wobei sich das auch wieder so ein bisschen verschoben hat. Ja, stimmt. Mittlerweile, die Kinder sind noch nicht wieder bei Strohelpeter angekommen, aber es wird wieder mehr konsumiert, was härter ist, als das, was wir in unserer Kindheit konsumiert haben.
Johannes Franke: Aber ich habe das Gefühl, wir machen es auf eine andere Art und Weise inzwischen, die ich auch viel besser... akzeptieren kann, weil damals die Gewalt, die da passiert, die wird nicht weiter erklärt. Da gibt es nicht die Psychologisierung dahinter. Während wir hier, was wir jetzt machen in unseren Versionen, wo wir Kindern mehr zutrauen, wir nehmen die Kinder besser an die Hand und erzählen ihnen, was ist denn jetzt. der Tod und was macht das mit den Leuten und warum? Und wie kannst du damit umgehen? Und so. Während Märchen das ja einfach nur hingeworfen und gesagt haben, friss oder stirb.
Florian Bayer: Na, bei den Krimsen ist es, glaube ich, wirklich auch einfach ganz banal. Zum einen Freude am Kruse.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: okay. Also das war's auch, was mich damals bei den Krimsmärschen wirklich gepackt hat. Das fand ich wirklich witzig.
Johannes Franke: Okay,
Florian Bayer: verstehe. Diese gruseligen Sachen. Und bei den Krimsen ist es aber auch diese ganz knallharte Bestrafungsmorak.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Also ey, ich meine klar, das waren Miststücke ihrer Schwestern, aber die... müssen jetzt nicht die Füße verlieren und die Augen von Krähen ausgehangen bekommen. Es reicht, wenn sie auf die Hochzeit gehen und sehen, dass ihre Stiefschwester jetzt glücklich ist und dass sie ein bisschen neidisch sein können. Die müssen nicht so bestraft werden. Jesus Christ, sie waren einfach nur Bullys. Ja, aber sie haben sie nicht versucht zu vergiften, wie die böse Hexe in Schneewittchen.
Johannes Franke: Es ist auch wahrscheinlich dem geschuldet, dass man dieses Schwarz-Weiß-Ding, was viel in Märchen eine Rolle spielt. Du hast die wahnsinnig Gute und du hast die wahnsinnig Bösen. Das ist ja alles comically übertrieben. Auch in dieser Verfilmung. Absolut. Und dann ist das natürlich auf elf gedreht nochmal. Die Bösen müssen halt auch massiv bestraft werden. Okay, aber das machen wir heute so nicht mehr. Das ist halt die Erzählweise, da sind wir ein bisschen differenzierter geworden.
Florian Bayer: Du hast in dieser Geschichte ja Gott sei Dank Also eigentlich, ich hätte jetzt gesagt zwei, aber man könnte sogar ein Argument dafür bringen, dass es nur eine ist. Böse Figur und das ist die der Stiefmutter. Und wenn man zwei sagt, dann ist natürlich noch Dora dazu.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber ansonsten haben wir ja durchaus ein gewisses ambivalentes Bild von menschlichen Verhaltensweisen. Wir haben den Prinzen, der am Anfang echt als der arrogante Schnösel rüberkommt. Ja. Den wir auch nicht...
Johannes Franke: Die hellste Leuchte im Kerze ist.
Florian Bayer: Und seine Freunde, die noch arroganter und noch ätzender sind. Die es aber offensichtlich dann doch gutieren können, wenn sie von der kleinen Aschenputtel reingelegt werden. Und wo der Prinz dann einfach mal sagt, sie hat uns voll eingelegt. Und dann haben wir, was ich ganz toll finde, die Eltern vom Prinzen, die Druck machen, dass er heiraten soll, die aber fucking sympathisch sind.
Johannes Franke: Das sind die liebsten Eltern, die liebendsten Eltern. Die beiden sind so vernarrt ineinander und haben so eine tolle Ehe, das kannst du dir nicht vorstellen.
Florian Bayer: Und dieser König ist so ein... So eine tolle Figur von Rolf Hoppe gespielt, einer der deutschen Schauspieler in diesem Film und Karin Lesch, die Schauspielerin ist eine Deutsche. Und die spielen so ein süßes Elternpaar, das sich Gedanken um seinen Sohn macht, dass er jetzt endlich mal ein bisschen ins Leben kommt und mal was macht, auf die eigenen Beine kommt. Und gleichzeitig erfahren wir die ganze Zeit, was der Vater in seiner Jugend alles für Quatsch gemacht hat. Ja,
Johannes Franke: ich find's toll und ich hab's als Kind total geliebt, weil das war, glaube ich, einer der ersten... Perspektivwechsel, die ich in meine Eltern hinein machen konnte, durch den Film. Weil die dann gesagt haben, ja, Ach komm, übertreib nicht. Wann willst du denn diese Schuhe durchtanzt haben, was du mir hier erzählst? Völliger Quatsch, du konntest nicht einen einzigen Tanzschritt, als wir uns kennengelernt haben. Und diese Perspektivwechsel dann als Kind zu machen und zu überlegen, ah ja, meine Eltern waren ja auch mal jung, was haben die denn eigentlich erlebt? Und was erzählen die mir hier, was für gute Noten die hatten? Ich glaub dir kein Wort.
Florian Bayer: Es ist so schön, dass darauf immer wieder referiert wird. Ja, und es ist einfach eine... sympathische Familie.
Johannes Franke: Ja, ich finde es super süß und ich finde es eben auch toll, dass dadurch die Royals, wie man es heute sagen würde, nicht als die nur snobistischen Idioten dargestellt werden.
Florian Bayer: Überhaupt nicht.
Johannes Franke: Sondern es ist einfach eine super Familie, die sich kümmern und die auch Also vielleicht jetzt historisch nicht akkurat unbedingt immer.
Florian Bayer: Da ist nichts historisch akkurat an diesem Ding.
Johannes Franke: Aber darum geht es ja nicht. Es geht ja um ein Märchen, um eine Geschichte, die erzählt werden soll, eine Moral, die erzählt werden soll und Figuren, die interagieren, um was Bestimmtes zu überbringen. Aber ob das jetzt, also historisch akkurat, da sind mindestens 500 Jahre zusammengeworfen in den Kostümen, in den Verhaltensweisen, in den Worten. Also es würde...
Florian Bayer: Es würde nicht viel ausmachen, wenn da noch ein Mercedes vorfahren würde. Es würde in dieses historische, ahistorische Kuddelmuddel, würde das komplett reinpassen.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Ja, aber genau, sie sind total cool und wie sie miteinander umgehen. Und dann sind in dieser Königsfamilie tatsächlich am verschnöselsten, ist am ehesten der Prinz mit seinen Freunden.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Der hält sehr viel auf sich.
Florian Bayer: Aber dann ist es halt auch ganz witzig, dass wir diese Lausbubengeschichte haben, wie sie immer vor diesem Perzeptor wegrennen, der ihnen verzweifelt hinterher rennt.
Johannes Franke: übrigens selber ungefähr 130 kilo wog und sein kostüm 18 kilo und das pferd das alles tragen musste das ist so schrecklich was für eine schreckliche geschichte der regisseur hat es berichtet und meinte es tat ihm auch leid aber es musste halt sein apropos
Florian Bayer: pferd ja es ist schön dass don rösten ach dann müssen es ist schön dass aschen puttel ausreitet und die natur genießt und den schnee ja aber muss ich dabei die ganze Zeit Motion Sickness kriegen.
Johannes Franke: Was wirklich, hast du?
Florian Bayer: Ich konnte die Szene nicht gucken, mir ist schlecht geworden bei dieser Szene, weil ich kam ja nur so eine verwackelte, es ist, du hast diese romantische Musik, die übrigens auch dann etwas, etwas in die Prechreitsrichtung geht, und du hast sie,
Johannes Franke: du hast auch nicht mal die tschechische Version gehört. Die tschechische, oh Gott, dreimal hintereinander tschechien, diese tschechische Version, die ist mit Karel Gott als Sänger.
Florian Bayer: Er singt. Es ist der schlimmste Plager,
Johannes Franke: die da passiert. Und ich bin so dankbar für diesen WDR. Es gab einen Redakteur.
Florian Bayer: WDR? MDR wahrscheinlich, ja.
Johannes Franke: Weiß ich nicht genau. Die sprechen die ganze Zeit von einem WDR-Redakteur. Und ich frage mich jetzt gerade, warum? Aber es gab einen Redakteur. Es gab jemanden, der in Deutschland eine deutsche Version gemacht hat. Der hat gesagt, um Gottes Willen, ich kann hier auf gar keinen Fall jemanden gebrauchen, der hier den Alleinunterhalter spielt. Ich nehme einfach die Orchesterversion und gut, ist Karl Gott in Güehren, aber das geht nicht. Ich bin ihm so dankbar, es ist unglaublich.
Florian Bayer: Und trotzdem ist es saukitschig und dann ist es eine romantische Szene, sie reitet durch den Schnee, sie ist frei und so weiter, sie genießt das. Ich kann das nicht genießen, weil die ganze Zeit ich das Gefühl habe, dass der Kameramann am Herd festgeschnallt ist und sein Leben kämpft. Es ist schrecklich. Wir werden einfach nur übel von diesem Gewackel. Was ist das? Warum tut man sowas?
Johannes Franke: Sie haben das immer nach Drehschluss, wirklich den ganzen Zeitraum, immer noch weitere Bilder für diese Szene eingefangen. Und die Schauspielerin hat das als Belohnung für den Dreh immer wahrgenommen, durfte sie nochmal in das Kostüm auf das Pferd und der Gegend rumreiten und sie haben sie verfolgt und haben alle möglichen Tageszeiten damit auch abgebildet und alle möglichen Situationen und so und haben das zusammengeschnitten dann. Was im Drehbuch zwei Zeilen waren, sie reitet durch den Schnee und durch den Wald, das wurde halt zu dieser wirklich großen und wesentlichen Montage, die dieser Film zu bieten hat. Und ich liebe es, wirklich. Ich finde das so toll. Es macht viel, ganz, ganz, ganz viel davon aus, dass ich an ihr andocken kann, mit ihr mitgehen will und sehe, was für eine Leidenschaft sie im Reiten und in dieser Landschaft und so weiter.
Florian Bayer: Aber tut mir leid, diese First-Person-Perspektive vor allem. Diese Videospiel-Perspektive vom Pferd runter, es ist ein einziges Gewackel. Und das Schlimme ist ja, ich sehe das, die Landschaft ist schön. Ja. Es ist total. Total weihnachtlich. Du siehst allein dieses Szenario und denkst so, natürlich ist es ein Weihnachtsfilm.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Aber dann ist der Kameramann auf keine Ahnung was für Drogen und es ist wirklich anstrengend. Und ich weiß, es ist schwierig sowas zu drehen und er hat in den 70ern auch noch. Aber es ist echt zu viel. Und ich bin froh, wenn das Reiten dann aufhört. Obwohl ich denke, das Reiten hätte total schön sein können. Das Reiten ist total wesentlich.
Johannes Franke: Ich kann mir das die ganze Zeit anschauen. Ich mag das total. Ich hab da keinen Motion Sickness. Ich kriege das super hin und ich liebe es. Ich schaue ja wahnsinnig gern dabei zu und das ist der erste Moment, wo ich denke, ich habe voll die Ronja Räubertochter vor mir und ich liebe es dafür, weil sie auch dieses Feldteil anhat die ganze Zeit da und irgendwie ihren eigenen Kopf durchsetzt und das finde ich super. Das macht mir total das Bild von Ronja Räubertochter an.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, an die Girlpower von Ronja Räubertochter kommt dieser Film nicht ran.
Johannes Franke: Nein, vielleicht nicht ganz, aber es macht... macht bei mir das gleiche Bild erstmal auf.
Florian Bayer: Also es ist auf jeden Fall da, es ist ja auch dieser Freiheitsgedanke, der ganz wesentlich ist.
Johannes Franke: Total. Und das ist in dem Film, worum es darum geht, einen Prinzen zu heiraten. Das muss man erstmal schaffen.
Florian Bayer: Und das ist ja cool, sie ist eine Abenteurerin und sie ist jemand, der die Freiheit sucht und der auch bereit ist, für die Freiheit zu kämpfen.
Johannes Franke: Ja. Und das tut sie ja wirklich massiv. Sie kriegt mehrmals die Möglichkeit, beim Prinzen zu landen und sagt, nee, ich hau nochmal kurz ab. Stell dir vielleicht noch ein Rätsel und dann gucken wir mal, ob das was wird. Sie könnte auch wie die andere Tochter gleich draufspringen und gleich die schlimmsten Versprechungen machen, wo der Prinz dann sagt, lass mal, danke, schönen Tag noch.
Florian Bayer: Es ist halt genau das, was sie weggelassen haben wieder vom krimschen Original. Dass sie sagen, nee, es ist nicht die unwidersprochene Erfüllung, diesen Prinzen zu heiraten, sondern es darf ein Fragezeichen dazugehen. Sie darf auch einfach mal sagen, sie darf selbst am Schluss noch einmal sagen. Und was ist, wenn ich nicht will? Was ist, wenn ich keinen Bock habe? Ja. Werde ich auch gefragt. Und selbst wenn das nur eine subtile Note ist, natürlich alle wissen, dass das mit dem Happy End endet, dass sie mit dem Prinz zusammen reitet. Es ist trotzdem halt schön, dass das hier zur Sprache kommt.
Johannes Franke: Ja, und sie klärt die Verhältnisse für die Ehe. Also wir wissen, dass das nicht wie bei anderen Cinderella-Verfilmungen, wo man dann denkt, ja, vielleicht wird das keine geile Ehe, weil das Machtgefälle durchaus das Ganze schwierig macht am Ende. Kann man hier sehen, dass die... ein auf Augenhöhe Paar sein werden.
Florian Bayer: Er ist ihr total verfallen. Also sie wird ihn komplett im Griff haben. Nein, nein, Augenhöhe.
Johannes Franke: Nein,
Florian Bayer: das ist nichts Augenhöhe. Er ist ihr komplett verfallen. Das ist keine Frage.
Johannes Franke: Aber dafür hat er auf der anderen Seite mehr Macht, weil er Geld hat von seinen Eltern.
Florian Bayer: Das stimmt allerdings.
Johannes Franke: Ja, okay. Aber es ist so schön, wenn wir von ihr mal weitergehen zu ihm. Er ist ja wirklich sehr begriffsstutzig. Es tut einem schon weh, muss man sagen. Oh ja. Vor allem, wenn sie da als Jäger rauskommt. Und er hat sie nun wirklich schon kennengelernt in der Verfolgungsjagd vorher. Oh, auf die wir auch zu sprechen kommen müssen. Aber da kommt sie als Jäger in ihrem Jägerkostüm, das sie bekommen hat von der Haselnuss.
Florian Bayer: Ich war wirklich irritiert, dass das wirklich ein Gender Swap sein soll. Ich weiß, dass es Filme gibt, die das machen. Auch aus der Zeit, die das dann so machen, dass man denkt, ja, okay, man muss ihr den Mann nicht abkaufen oder die Frau. Ja. Aber sie geben sich wenigstens ein bisschen Mühe. Und in diesem Film siehst du einfach, sie hat noch Brüste.
Johannes Franke: Sie hat alles. Es ist alles da. Und er könnte sie problemlos erkennen.
Florian Bayer: Und wenn er sie nicht erkennt, er könnte sie zumindest als Jägerin registrieren.
Johannes Franke: Ja, zumindest das,
Florian Bayer: ja. Das würde mir ja schon reichen, dass er wenigstens, dass diese, dass,
Johannes Franke: dass... Nein, aber er ist ja modern. Er assume nicht einfach. Er sagt nicht einfach, ah, ich kann dein Geschlecht an deinen äußerlichen Merkmalen feststellen. Ich möchte es dir überlassen, mir zu sagen, ob du männlich oder weiblich bist.
Florian Bayer: Er sieht sie und sagt,
Johannes Franke: oh,
Florian Bayer: grüner Hutjäger. Mann,
Johannes Franke: scheiße.
Florian Bayer: Das ist ganz eindeutig. Und ja genau, er erkennt sie nicht. Und sie ist klarkennend. Sie ist einfach mal klarkennend. Weil davor hat sie, es ist nicht so lange her, es ist in der Filmhandlung vielleicht ein Tag. oder so, dass er mit seinen Freunden unterwegs war und Young war. Jesus Christ, bei diesem Film wurden Tiere verletzt.
Johannes Franke: Oh Gott, nein, Moment mal. Können wir das noch ein bisschen für uns herstellen?
Florian Bayer: Nein, das ist immer die Filmtafel, wo man immer dran denkt, bei dem Dreh dieses Films wurden keine Tiere verletzt. Und diesen Film gucke ich und denke mehrmals, da gehört eine Tafel hin, wo draufsteht, bei diesem Film wurden verdammt viele Tiere verletzt. Ja,
Johannes Franke: bitte, bitte, bitte, um Gottes Willen.
Florian Bayer: Fuchs, das ist romantisch. Oh,
Johannes Franke: fuck.
Florian Bayer: Und sie haben den Fuchs, wie er den Pfeil in sich stecken hat und sie jubeln und das ist romantisch.
Johannes Franke: Und er versucht noch diesen Pfeil rauszuholen und ich denke, cut, weg und dreh es gar nicht erst, was machst du da? Und dann später, also es gibt einen Schnitt, Zeitsprung von nicht sehr lange, also er kann gar nicht diesen Frozen-Zustand erreichen, aber egal. Das ist ein echter Fuchs, den ein Jäger bereitgestellt hat und gesagt hat, ja, ja, klar, natürlich, hier Pfeil rein, alles gut, das Ding ist tot.
Florian Bayer: Die haben einfach mal ein Tier gekillt für diesen Film. Ja,
Johannes Franke: fuck,
Florian Bayer: Alter. Und ich meine, sie gehen ja auch sonst nicht zimperlich mit den Tieren um, die in diesem Film vorkommen. Also ich glaube, ein Tierschützer von heute, der auf diesen Film guckt, denkt sich, Hilfe,
Johannes Franke: nein, aufhören. Ja, furchtbar. Also das sind die 70er, die ich nicht wiederhaben will. Also das ist schon hart.
Florian Bayer: Aber dann ist sie da, als kleines Mädchen, mit dem Schneeball. Und es ist wirklich, es ist wirklich... Witzig. Also ich meine, sie ist einfach sie selbst. Sie ist einfach Aschenbrödel.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und das ist wirklich witzig, bis es rapey wird.
Johannes Franke: Ja, aber wirklich, sie kommt dann auf sie zu und sie steht da vor dem Baum und kann nicht weiter zurück. Und ich denke, oh, okay, das sind Sachen, die mir früher nicht aufgefallen sind. Jetzt wird es spannend. Wie weit treiben sie das? Oh, oh, oh, oh, oh.
Florian Bayer: Und es ist ziemlich dark, ne?
Johannes Franke: Aber sie schafft es, ja. Sie schafft es, die Situation zu entschärfen, ihm die Mütze ins Gesicht zu ziehen und abzuhauen.
Florian Bayer: Ja, aber davor beraten sie, was sie mit ihr alles machen wollen. Ja. Und es ist nicht so weit entfernt von und jetzt.
Johannes Franke: Also das sind schon die Teile, die nicht so gut gealtert sind, wo man denkt, ah, aua, nein.
Florian Bayer: Was ist denn schon so ein gekillter Fuchs und eine angedeutete Fastvergewaltigung, wenn man ein bisschen Weihnachtsatmosphäre nie haben kann. Oder Fischmehl.
Johannes Franke: Oder Fischmehl. angeblich hat es doch nicht so gestunken, wie man annehmen möchte. Es wird immer wieder gesagt, dass es massiv gestunken hat am Set, aber es scheint nicht gewesen zu sein. Das liegt aber auch daran, dass viele, viele, viele, viele Szenen in Tschechien gedreht wurden, wo sehr viel Schnee lag, wo sie den nicht brauchten.
Florian Bayer: In Dresden haben sie den Fischmehl gebraucht, tatsächlich vor allem für die Außenaufnahmen von Schloss Moritzburg, wo diese Tanzszenen stattfinden. Und angeblich hat es so gestunken, dass SchauspielerInnen gesagt haben, ey, das geht nicht, wir können hier nicht drehen.
Johannes Franke: Ja, aber das ist übertrieben. Das ist übertrieben. Soweit ich das recherchiert habe, ist das übertrieben. Aber wer weiß.
Florian Bayer: Es gibt eine ganz süße Making-of-Doku, auch 50 Jahre später vom MDR, wo gezeigt wird, was noch übrig ist, wer noch da ist von den Leuten, die das gedreht haben. Das sind ja eigentlich immer so viele. Der Prinz unter anderem, der dann nicht in Dresden, in irgendeiner anderen Stadt ist und da einen Orden erhält.
Johannes Franke: Och, wie süß.
Florian Bayer: Und da eingeladen wird bei den großen Aschenbrödel-Fans und dann wird gezeigt, was Schloss Moritzburg... aus diesem Hype, um das gemacht hat, sehr viel. Die haben einfach mal ein Museum eingedreht, haben gesagt, so, wir haben hier jetzt unser eigenes Wachsfiguren-Kabinett für diesen Film. Und so viel wurde da nicht gedreht.
Johannes Franke: Die haben da noch so einen Schuh hingemacht in Bronze auf diese Stufe, damit sie da irgendwie sagen können, hier, guck mal, hier wurde das berühmte Szene gedreht. Und dann machen die irgendwelche Screenings von dem Film in diesem Teil und schlachten das wirklich voll.
Florian Bayer: Im Schloss wurde, glaube ich, gar nichts gedreht, sondern es war wirklich nur die Ausnahme.
Johannes Franke: Wirklich die Ausnahme, ja, ja, ja.
Florian Bayer: Es ist total krass und sie machen, als ob sie das Zentrum des Films wären. Dabei ist das meiste in Tschechien entstanden, wo es halt wirklich geschneit hat. Minus 17 Grad und die Schauspieler hatten Strumpfhosen an.
Johannes Franke: Der Regisseur hat gesagt, ich weiß nicht, wie wir es geschafft haben, aber wir waren einfach jung und wir haben es irgendwie ausgehalten. Aber es ist schon echt bitter, bitter, bitter kalt gewesen. Und sie haben den Schnee platt treten müssen, damit sie überhaupt drehen konnten an manchen Stellen.
Florian Bayer: Es sollte im Sommer gedreht werden. Die wollten ursprünglich gar nicht im Winter drehen. Und dann haben sie, und das ist so toll, weil es ist total schrecklich für die Schauspieler, weil sie alle diese Sommerklamotten anziehen. Aber das macht natürlich voll viel von dieser winterlichen, angenehmen Atmosphäre, dass du Leute im Schnee rumstapfen siehst, die so angezogen sind, als würden sie an den Strand gehen. Also ein bisschen übertrieben, aber zumindest, also es ist so, es hat so was magisches, Leute in Strumpfhosen im Schnee zu sehen.
Johannes Franke: Aber das Interessante ist ja, es sind ja vor allem die royalen Leute, die da, und die anderen sind ja vollkommen ausgestattet für den Winter. Wenn ich mir die Mutter anschaue, was sie für einen Pelzkragen trägt teilweise. Also es ist schon, also die sind, man denkt sich, in welcher... Zeit sind die denn jetzt? Die einen sehen aus wie Sommer und die anderen sehen aus wie tiefster Winter. Was macht das jetzt? Das meidet euch.
Florian Bayer: Es sind immer so, du siehst, ob jemand ein Statist ist oder eine wichtige Rolle, je nachdem, wie dick angezogen er ist. Und ganz, ganz, ganz viel Herz für den Kostümausstatter oder die Kostümausstatterin. Das muss so viel Spaß geben. Ja,
Johannes Franke: absolut.
Florian Bayer: Diese albernen, tschätschigen, absurden, hässlichen, absolut unmodischen, unpassenden, anachronistischen Kostüme. Ich liebe sie. Dieser Nadia, die die ganze Zeit da rumläuft, der als ob er aus dem Mittelalter rausgestolpert und in dieser Märchenzeit gelandet wäre. Ganz toll, ganz fantastisch.
Johannes Franke: Der Kostümbildner hat für Amadeus später einen Oscar gewonnen, muss man mal sagen.
Florian Bayer: Da hast du recht, er hätte für diesen Film einen Oscar gekriegt, aber wahrscheinlich war die Academy einfach gegen Filme aus dem Ostblock.
Johannes Franke: Vielleicht,
Florian Bayer: ja. Und das Witzige ist, es gibt ja tatsächlich, also es sind viele Kostüme albern. Also sobald du royal wirst, ist alles albern. Alles viel zu bunt und alles viel zu 20. Jahrhundert-Kanalskostüm. Aber ich finde so die Bauern und Hofangestellten und auch Aschenbrödel selbst, das sind durchaus okaye Kostüme, solange sie sich nicht in Prinzessin verwandelt.
Johannes Franke: Okay, also der Prinz, wissen wir jetzt, ist strunzdoof, aber er kriegt es irgendwie hin. Die Figuren, die mit ihm rumschwirren, seine Freunde da, die sind ja auch austauschbar. Da weiß man nicht, wer wer ist.
Florian Bayer: Das sind halt die Kumpels, mit denen er abends ein Bier zicht.
Johannes Franke: Genau. Mit denen er sehr homoerotisch teilweise umschwillt.
Florian Bayer: Oh, der eine vor allem, Kamil, der auch dann einmal diese Frauenrolle übernimmt. Stimmt.
Johannes Franke: Und du denkst so,
Florian Bayer: wow. Ja, okay, ganz eindeutig. Also der... hier ist dein Match. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Lieber Prinz, da bitte. Wie kannst du es denn nicht sehen? Und wenn er dann so beim Ball über die ganzen Mädels lässt, die er nicht gesehen hat, der sieht die zum ersten Mal und sagt, ach, die ganzen blöden Gören, habe kein Interesse. Der ist schwul.
Johannes Franke: Der ist schwul, also in meinem Bild auf jeden Fall. Und er ist 32 offenbar. Es wird irgendwann gesagt, dass er 32 ist.
Florian Bayer: Oh mein Gott.
Johannes Franke: Ich habe mehrere Fragen. Also zum einen, wie kann er in dieser Gesellschaft nicht mit 17 schon zwangsverheiratet sein? Vor allem, wenn es darum geht, royal irgendwie Nachfolger zu sein und Nachfolger zu produzieren und so weiter. Also okay, da traut sich was der König, dass er das nicht schon erzwungen hat. Zum anderen, wie alt soll Aschenputtel sein? Der soll ja irgendwie auch nur 16 oder 17 sein, oder? Alter,
Florian Bayer: der Prinz soll 32 sein.
Johannes Franke: Ja, der sagt das zwischendurch. Ich bin 32 oder sowas sagt er.
Florian Bayer: Also ich dachte noch, dass du gesagt hast, der Prinz ist ganz schön blöd. So, ja, übertreib mal nicht bei so einem kleinen 15-jährigen Jungen. Nein, genau, das ist das Ding. Das,
Johannes Franke: was eigentlich lässig ist, dann hat er schon einiges auch erlebt und weiß auch, wie er Sachen einsortieren soll. Ja,
Florian Bayer: offensichtlich hat er nichts erlebt, außer mit seinen Freunden umzuziehen und vor diesem Perzeptor wegzurennen.
Johannes Franke: Ja, und dann ist er auch inzwischen für sich selbst zumindest out of the closet. Das heißt, er müsste da auch ein bisschen besser wissen, was er jetzt eigentlich will oder nicht will. Aber egal, was mich daran irritiert ist, dass er dann wirklich sehr, sehr jugendlich-kindliche Jagdmethoden für sie hat.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Weil die Szene wird dann umso schlimmer, wenn er sie mit seinen Freunden zusammen jagt und da vor dem Baum da einmal pornert. Das finde ich schon... Die Art und Weise, wie er da redet, mit 16, 17 ist das was anderes als mit 32.
Florian Bayer: Absolut, das ist voll gruselig. Vor allem mit 32 bei einer 16-Jährigen, einer Minderjährigen. Jesus Christ, 32, woher, ist das Kanon? Woher kommt das?
Johannes Franke: Ich weiß nicht, es wird irgendwo im Film gesagt. Scheiße. Ich hab's nur aufgeschrieben.
Florian Bayer: Also ich weiß, es wird gesagt, dass er alt ist und dass der Vater...
Johannes Franke: Dass er alt ist.
Florian Bayer: Nee, der Vater beschwert sich die ganze Zeit, dass der viel zu alt ist und dass der jetzt endlich mal raus muss. Der ist 32, ihr armen Eltern! Der ist seit 14 Jahren, ist der volljährig und lebt bei Ihnen?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Auf dem Schloss? Schläft er bei Ihnen noch im Bett?
Johannes Franke: Ja, oh Gott, oh Gott, oh Gott. Und er hat noch Geschichtsunterricht. Also ich weiß nicht, vielleicht hat das auch irgendwas in der Übersetzung oder irgendwas stimmt da nicht. Oder ich habe das irgendwie falsch verstanden. Auf jeden Fall hat mich das massiv verstört.
Florian Bayer: So ein Typischer wie von Monty Python gibt es doch diese Parodie, diese degenerierten Adeligen, die alle total dumm sind, weil sie... weil sie aus Asselstatt entstanden sind. Ist der so ein Fall? Also, dass sie einfach sagen, er braucht noch ein bisschen? Er hat jetzt das kleine Einmaleins, hat er vor fünf Jahren verstanden. Jetzt geben wir ihm noch fünf Jahre, dann kann er gleich noch ein bisschen mehr. Ja, schräge Figur und auch oft unsympathische Figur. Also nochmal, er ist auf diesem Ball und dann kommen die Frauen rein und ja, ich meine, du willst nicht verheiratet werden. Aber so herablassend wie über die Rede, die sehen einfach alle nett aus. Es ist jetzt nicht so, dass du das Gefühl hast, die sind auch nicht so inszeniert, dass das die Tussen sind von reicher Gesellschaft, sondern Aschenbrödel sieht genauso aus wie alle anderen. Warum guckt er da rein in die Gruppe von Frauen und sagt, diese Hühner, kein Interesse. Und dann sieht er Aschenbrödel und sagt, geil, die ist es.
Johannes Franke: Ich sag dir warum.
Florian Bayer: Oh, jetzt kommt's.
Johannes Franke: Es geht nicht ums Aussehen, überhaupt nicht. Es geht darum, dass er vier Schritte schon an ihr vorbei ist und sie dann noch sagt, vielen Dank für die schöne Berüßung. Lieber Prinz.
Florian Bayer: Den gebe ich dir, ja. Das ist ihr Sarkasmus. Er findet den Sarkasmus geil. Auch wenn es überraschend ist, dass er ihn versteht.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Ich habe gerade mal Chet Chibiti gefragt, wie alt der Prinz ist. Und Chet Chibiti ist der Meinung, dass es nicht explizit erwähnt wird. Und Chet Chibiti... Chet Chippity kann völlig falsch liegen, das wissen wir, halluziniert viel, aber vielleicht ist es auch ein kleiner Hinweis, dass ich das falsch verstanden habe.
Florian Bayer: Chet Chippity ist nicht gut drin, einen Film zu recherchieren.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, ja.
Florian Bayer: Also, darauf würde ich nicht viel geben. Er findet jetzt online einfach nichts. Ja,
Johannes Franke: der Schauspieler soll 23 gewesen sein, also vielleicht ist es auch, ich weiß es nicht genau.
Florian Bayer: Vielleicht ist es nicht ganz so gruselig.
Johannes Franke: Vielleicht ist es nicht ganz so gruselig.
Florian Bayer: Aber selbst wenn er über 20, denke ich schon, dass er sein soll. Es wird öfter thematisiert, dass er zu alt ist, dass er schon so alt ist, dass er jetzt langsam mal so heiraten sollte. Dann ist es immer noch creepy. Ja. Es ist immer noch creepy, wie sie sich stellen und dass einer sagt, oh, ihr gehört der Hintern versohlt? Ja. What the fuck?
Johannes Franke: Oh Gott. Ja gut, okay, es sind die 70er. Ja, aber... Wenn wir weitergehen in den Figuren, haben wir die Eltern ja schon angesprochen. Ich finde die Beziehung super zwischen den beiden. Total süß, ja. Ich finde es auch total toll, wie sie sich necken gegenseitig. Und wie es, es gibt diese eine Szene, wo der Vater dem Sohn sagt, ja, aber du willst ja bloß mit deinen Kumpels da jagen gehen. Dann guckt er raus ins Fenster. Die Kumpels stehen da schon mit Armbrust und wollen jagen gehen. Und dann schickt er die Mutter ans Fenster um, damit sie das auch sieht. Und inzwischen hat aber der... Typ, der ihnen Geschichtsunterricht geben soll, Bücher in die Hand gedrückt und hat gesagt, hier, hier, ihr müsst lernen, müsst lernen. Und die sehen völlig anders aus und bereit zum Lernen, wenn die Mutter rausguckt. Und ich finde es eine total süße, tolle Szene. Das macht total viel für diesen Film, finde ich.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Es gibt ein, zwei Momente, wo das Timing echt ganz gut stimmt. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Ich finde es auch total süß, dass sie dann, sie sind die, die dafür verantwortlich sind, dass die magischen Haselnüsse überhaupt an Aschepudel rankommen. Das ist auch komplett anders. In der Ursprungsgeschichte ist es nämlich so dieses typische, diese
Johannes Franke: Gottesfügung. Und ich kann mir vorstellen,
Florian Bayer: dass das ein DDR-Moment ist oder ein Echtmoment, dass sie die rausgenommen haben. Im Originalmärchen spielt das ganz groß eine Rolle, dass das Schicksal und Gott die ganze Zeit da eingreift. Und hier sind es einfach mal sie, die dem, wie heißt der, Winczek, den Haselnussstrauch, auf den Schuss schießen.
Johannes Franke: Überhaupt, wenn wir jetzt bei Winczek sind. Der hat doch die traurigsten Augen der ganzen Welt, oder?
Florian Bayer: Ey, ich find den so süß. Der ist so eine süße Figur. Und wenn er die ganze Zeit, er ist der, der die ganze Zeit bei Aschenputtel ist und wirklich in der Ersatzfahrt hat. Ja, und dann immer sagt, ich weiß, dass es dir schlecht geht, ich kann's nicht ändern.
Johannes Franke: Es tut mir so leid. Und weißt du was, ich finde, dass diese Figur, die unterschätzt man vielleicht ein bisschen, weil die nicht so viel da ist, aber die macht so viel für die emotionale Tiefe der Figur des Aschenbrödel. Ja. Weil sie kann das nicht alles vermitteln, sie kann das nicht alles sagen, sie kann nicht die ganze Zeit sagen, mir geht es so schlecht. Aber wie er auf sie schaut, sagt mir einfach alles über die Figur und das ist so toll gemacht. Absolut.
Florian Bayer: Ich finde es eine tolle Rolle. Ich finde es auch toll, dass sie grundsätzlich, dass sie diesen proletarischen Hofstaat haben, der mit dem Aschenprudel die ganze Zeit rumhängt, weil dadurch natürlich vielmehr nochmal dieses, ihr Schicksal ist nicht so isoliert wie im griechischen Märchen. Weil wir haben hier einfach mal so einen ganzen... Und es ist ein DEFA-Film, aber sie setzen sich gar nicht so drauf, dass das das Proletariat ist.
Johannes Franke: Ja, aber.
Florian Bayer: Aber du hast hier einfach eine Unterschicht und du hast Leute, die ihr Schicksal teilen und Leute, die auch irgendwie zusammenhalten. Ja. Und das ist total süß, dass es dieses Gruppengefühl gibt. Und auch dieser junge Koch, mit dem sie irgendwie so eine Art Freundschaft hatten und es ist ganz offensichtlich, dass er sie flachlegen will. Es ist witzig, ne?
Johannes Franke: Ja, es ist total süß. Ja, ich habe das Gefühl, dass diese Verbindung zwischen DDR, also DEFA und Tschechien, dass das einfach eine... gute Verbindung war, weil die DDR unter Umständen sehr viel mehr Ideologie reingebracht hätte und die tschechischen Filme damals waren noch viel romantischer und zuckersüßer. Vom Gefühl her. Und vielleicht hat die DDR die Bodenständigkeit reingebracht und Tschechien hat es geschafft, dass er nicht so ideologisch wird.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Ich glaube, also was ich von Märchen, ich kenne nicht so viele von Märchenfilmen aus der damaligen Zeit, aber es gab ja unzählige Märchenfilme. Und ich kenne auch ein paar Tschechische und ich habe das Gefühl, die Tschechischen sind oft nochmal so ein Stück experimenteller als die Deutschen. Also nicht düsterer unbedingt, aber so ein bisschen surrealer und ein bisschen schräger. Aber das trifft total mit dem, was du sagst, nämlich dass die Deutschen so diese Bodenständigkeit haben. Was man auch oft als trocken und tröge kritisieren kann an diesen deutschen Filmen der damaligen Zeit aus der DDR. Das stimmt. Das wird natürlich... Das ergänzt sich dann total gut. Dann haben wir halt so dieses, in dem Fall dieses kitschig-romantische und auch ein bisschen bizarre und dann aber so die deutsche Bodenständigkeit verkörpert in dem Königsternpaar, die da so sehr ruhig sitzen und sich die ganze Zeit etwas genervt unterhalten.
Johannes Franke: Oh, das ist schön. Das macht echt Spaß. Und ich finde es, wie gesagt, die Figur von dem Oberdiener da, finde ich total wichtig dafür und das ist total süß, wie er sich da kümmert und so.
Florian Bayer: Ich mag es halt, es gibt einfach am Schluss auch nochmal diese Szene, wo er ruft, unser Aschenbrödel.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Am Schluss, wenn das Rätsel gelöst ist, dann jubeln alle und es ist so klar. Sie hat hier eine Familie, ne? Ja. Sie hat eine Ersatzfamilie. Im Original gibt es keine Familie mehr. Der Vater ist abwesend, die Mutter ist tot, die Stiefmutter ist arschig zu ihr und dann hat sie ihre beiden Schwestern, die arschig zu ihr sind. Es gibt nichts. Und hier hat sie aber eine Familie, hier hat sie einen Hintergrund. Und das gibt dem einfach mehr Substanz, der Art, wie sie lebt.
Johannes Franke: Total. Eine Gemeinschaft. Das Proletariat. Das Proletariat.
Florian Bayer: Es ist fucking Proletariat.
Johannes Franke: Wir halten zusammen.
Florian Bayer: Es ist einmal das DDR-Winken Richtung Moskau. Seht ihr, seht ihr? Hallo? Josef, du bist nicht mehr am Leben, aber wir sind immer noch...
Johannes Franke: Wir sind füreinander da, oder? Oder? Helft uns! Ja.
Florian Bayer: Jäger ist sie.
Johannes Franke: Jäger ist sie.
Florian Bayer: Jäger ist sie als zweites. Nachdem sie das Mädchen mit dem Schneeball war, ist sie Jäger. Und nochmal Tiere kamen bei diesem Film zu Schaden. Aber es ist auch der feministischste Moment des Films. Seht ihr, Feministinnen töten Tiere. Das ist die Botschaft, die wir da mitnehmen.
Johannes Franke: Sie darf der Jäger sein, der auch, also diese Fähigkeiten. Diese Robin-Hood-like-Fähigkeiten sind ja wirklich... Also dieses, wo man bei Clark Kent war. Ja,
Florian Bayer: auf jeden Fall.
Johannes Franke: Sie kriegt diesen Vogel, der da viel zu weit weg ist für den Prinzen schon, kriegt sie noch aus dem Himmel geschossen und kann auch noch seinen Pfeil, den er da in der Hand hat, auch noch spalten in der Mitte. Meine Güte, übertreibt der Film an der Stelle. Absolut.
Florian Bayer: Die spannende Frage ist, kriegt sie diese Fähigkeiten durch die eine Nuss?
Johannes Franke: Oh, daran habe ich nicht gedacht. Dann ist er entschuldigt.
Florian Bayer: Ist das ein Teil der Magie? oder kann sie das tatsächlich, weil ich meine also so wie sie, ich wünsche mir eigentlich, dass es nicht so ist, weil so wie sie inszeniert wird, ist sie halt jemand, der in der Natur unterwegs ist und sie hat diese Fähigkeiten für mich war es immer das Upbringing vom Vater,
Johannes Franke: es wird ja gesagt und ich finde dass der Film sehr sehr gut macht mit wenigen Worten eine Welt zu kreieren in der man sich sehr gut vorstellen kann, wie es vorher mit dem Vater war, ein gutes Gefühl dafür bekommt, wie der Vater mit der Tochter umgegangen ist und dass die einfach all diese tollen Sachen zusammen gemacht haben, die Abenteuer erlebt haben, schießen gelernt haben und all diese tollen Sachen. Naja,
Florian Bayer: aber so mit wenigen Worten, ich weiß nicht. Also dafür guckt sie dann doch öfter mal in die Kamera und sagt, Vater hat Dora genauso lieb gehabt wie mich, als er noch am Leben war. Danke? Hast du gerade mit mir gespielt? Und es gibt ja ein paar von diesen Erklärbär-Szenen, wo du so das Gefühl hast, okay, naja, und jetzt noch einmal fürs Publikum.
Johannes Franke: Guck mal Nikolaus, jetzt muss ich mit meinem Pferd reden, damit der Zuschauer weiß, wie es mir geht. So wichtig. Also das finde ich wirklich, diese Selbstgespräche in diesem Film sind wirklich so ein Ding für sich, wo ich denke, ja, jetzt red noch mit der Eule und red noch mit der Katze. Sie kann wirklich mit jedem Tier reden und auch wahnsinnig gut mit denen umgehen.
Florian Bayer: Und es ist immer so, in dieser einen Szene ist es wirklich direkt in die Kamera, aber auch in den Szenen, wo es nicht direkt in die Kamera ist, ist es immer so in Richtung Publikum.
Johannes Franke: Es ist immer für uns, natürlich.
Florian Bayer: Es ist nicht voll angesprochen. Ja. Und es ist auch nicht gut versteckt, sondern es ist einfach so. Nein. Also Sie könnten auch einfach die vierte Wand brechen.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Würde keinen Unterschied machen.
Johannes Franke: Und ich kenne das eigentlich so von Theaterstücken, die das als stilistisches Mittel machen, so ein Monolog. der dann nicht innerer Monolog ist, sondern ein geäußerter Monolog, alleine irgendwo. Okay, da finde ich es aber auch schon manchmal schwierig. Aber bei Filmen finde ich es meistens, wenn es nicht gut begründet ist, warum das passiert, finde ich Monologe, Selbstgespräche wirklich... Also das will ich mir nicht anhören.
Florian Bayer: Es macht die Emotion halt meistens kaputt. Es kommt total drauf an, worauf der Film abzielt. Weil ich finde, Monologe können ganz viele tolle Sachen machen. Aber es muss dann halt irgendwie klar sein, es ist im Rahmen, wo der Film sowieso nicht versucht, immersiv zu sein, sondern wo es irgendwie prächtig wird oder wie auch immer. Muss gar nicht so hochtrabend sein. Muss kein großes Theaterkonzept dahinter stehen. Aber wo der Film irgendwie versucht, das Publikum zu adressieren und dann funktioniert das ganz gut. Aber in dem Film ist es halt tatsächlich, es irritiert mich voll. Es reißt mich voll raus.
Johannes Franke: Es sind ja viele Infos, die gar nicht nötig sind. Ich muss ja nur dieser Frau zugucken und weiß, wie es ihr geht.
Florian Bayer: Genau. Ja.
Johannes Franke: Warum muss sie das noch erzählen? Nein.
Florian Bayer: Aber nochmal, um nochmal auf die Homosexualität des Prinzen zu kommen, verliebt er sich in sie in dem Jägerkostüm? Weil da habe ich das Gefühl, dass er sich zum ersten Mal in sie verliebt. Und er hält sich an vielen Typen. Also um das nochmal klar zu machen. Sie sieht aber auch heiß aus in dem Jägerkostüm. Also ich habe ja durchaus so ein Fable für so knabenhaftes Aussehen. Also ich finde sie sonst jetzt nicht attraktiv, aber in diesem Jägerkostüm denke ich so, harr.
Johannes Franke: Ich verstehe das. Ich verstehe total, was du meinst. Ich hab... Okay. Sollen wir eine kurze Pause machen?
Florian Bayer: Alles gut.
Johannes Franke: Wir haben also den Jäger. Wir haben danach, wie sie auf dem Baum hockt, kurz nachdem der Jäger...
Florian Bayer: Fünf Minuten später. Lieber Prinz. Eins plus... eins.
Johannes Franke: Sucht da hoch und sagt, hast du diesen Jäger gesehen? Und sie mit genau der gleichen Stimme, mit genau der gleichen, die Frisur ist ein bisschen anders und die Kleidung. Das war's.
Florian Bayer: Eins plus eins. Es ist nicht so schwer, mein Lieber.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Und dann das Geile ist auch, dann kommen die Freunde und fragen, oh, hast du den Jäger irgendwo gesehen? Und er sagt, nee, nee, ich bin schon längst wo. ganz anders. Ich wollte gerade den Jäger, aber mich interessiert der Jäger nicht mehr. Ich habe da diese Frau-Moment, wo ist die Frau hin? Und ich komme nicht auf die Idee, den Baum mal so im Runden auf der anderen Seite zu gucken.
Florian Bayer: Lieber Prinz, in diesem Universum, in dem du dich befindest, existieren drei Dimensionen. Es gibt die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen. Es ist nicht so schwer.
Johannes Franke: So super, die Szene ist so geil. Okay, also ich finde es sonst immer wirklich sehr anstrengend, einem Film dabei zuzuschauen, wenn er darauf basiert und der ganze Plot darum sich aufbauen muss, weil der Filmemacher sich nichts besseres einfallen lassen hat, als dass die Figur einfach doof ist und das Offensichtliche nicht sieht. Aber in diesem Film habe ich einfach Spaß damit, muss ich sagen. Mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Probe.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch nutzt.
Johannes Franke: abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau. Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes.mussmannsehen.de oder florian.mussmannsehen.de.
Johannes Franke: Genau. Schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das soll schnell durchkommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Kurz bevor wir zum dritten Kostüm kommen. Ja. Die beste Figur des Films. Und eigentlich die, die der Prinz verdient hat. Und ich sag immer doch ein Röschen, ne? Und Aschenpudel macht ihr das voll kaputtes Geschäft. Ja. Prinzessin Dobrena, zumindest laut Castliste. Ich glaub,
Johannes Franke: sie lebt in ihrem eigenen Film. Ich will diesen Film sehen, den sie eigentlich...
Florian Bayer: Kleines Röschen. Sie ist so geil.
Johannes Franke: Es ist großartig.
Florian Bayer: Sie ist so großartig.
Johannes Franke: Wenn sie nicht... Und... Bisschen zu viel Butt of the Joke wäre, wäre es großartiger. Aber sie ist so schon toll.
Florian Bayer: Gar nicht so viel. Sie ist gar nicht Butt of the Joke. Ich finde, sie ist einfach, sie ist die, die... Sie ist nämlich die, die sich greift, was sie will.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Sie ist die, die Dora ganz lange ausspielt, bevor Dora die dumme Stiefschwester dann übernimmt. Sie ist cool.
Johannes Franke: Also wir reden von der... Die tatsächlich wie so ein Röschen, sie hat grüne Unterkleider an und oben was Rotes.
Florian Bayer: Was sehr puschelig Rotes.
Johannes Franke: Ja, und sie ist halt tatsächlich ein bisschen dicker und wird dadurch auch, deswegen glaube ich, so hingestellt, dass sie diejenige ist, die nicht begehrenswert ist.
Florian Bayer: Es wird ja auch, der Köp sagt ja, oh, was hat denn Beinsohn für einen Geschmack?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und man muss dazu sagen, sie ist ein bisschen fülliger. Sie ist nicht, also es ist... Also ja, rechte Arschlöcher würden fett sagen,
Johannes Franke: aber sie ist einfach nur ein bisschen dicker, was soll das? Und das wird aber auch wirklich benutzt und das finde ich, macht der Film nicht gut.
Florian Bayer: Das ist absolut, genau, wir sind wieder bei den 70er Jahren, nachdem die Tiere gequält wurden und die Frau fast vergewaltigt wurde, machen wir noch ein paar Witze über die. Aber sie ist so cool. Wenn wir es schaffen, die Perspektive dieses Films gegen ihn zu verwenden, dann ist sie einfach mal die coolste Socke in diesem Film. Weil sie ist die, die sich den König schnappt, die Dora wegtränkt und sagt... Alter, jetzt tanze ich mit dem.
Johannes Franke: Und geht's hier los. Ich hab meinen Spaß. Und die spielt das, finde ich, auch so toll.
Florian Bayer: Hat voll Spaß.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und deswegen sage ich auch, die lebt in ihrem eigenen Film. Und ich will diesen Film sehen, weil ich das Gefühl habe, dass sie etwas spielt, was der Rest der Inszenierung ein bisschen widerspricht.
Florian Bayer: Ja! Sie kapert den Film.
Johannes Franke: Sie hat einfach Spaß.
Florian Bayer: In diesem Moment kapert sie den Film. Ja. Und sie kapert den Prinzen. Und sie könnte den Film eigentlich für sich gewinnen, wenn der Film nicht so ein Arsch wäre.
Johannes Franke: Aber was ich toll finde, was der Film noch macht, er gibt ihr noch den Moment der Gehässigkeit gegenüber Dora, die dann auch abblitzt. Und dann kommt sie gerade mit jemandem anders vorbeigetanzt, glaube ich, und guckt sie nochmal an und sagt, tja. Und da hat ihre Genugtuung. Und das finde ich schon schön auch.
Florian Bayer: Das Witzige ist ja, dass der Prinz ist von ihr nicht genervter als von den anderen. Ja,
Johannes Franke: das stimmt, das stimmt wohl.
Florian Bayer: So viel nochmal, um nochmal dieses Butt of the Choke ein bisschen zu relativieren. Dem Prinzen ist ja scheißegal, er hat gar keinen Bock auf diese ganze Fleischbeschau. Und ich finde, als Dora plötzlich mit ihm tanzt, wirkt er irritiert und ich glaube, er hätte lieber mit dem Röschen weiter getanzt.
Johannes Franke: Vielleicht ja. Ja doch, das stimmt. Ja, aber Dora ist auch wirklich unerträglich.
Florian Bayer: Alter, Dora geht einem so auf die Nerven. Also es ist ja total gewollt und sie... Genau, es ist Ziel erreicht, Filmherr. Ja, aber natürlich haben wir dann die wirklich, muss man mal dazu sagen, Schloss Moritzburg, wir haben es vorhin schon erwähnt, die wirklich schönen Außenaufnahmen. Ich kann mich erinnern, dass sie dieses Schloss genommen haben.
Johannes Franke: Ja, es gibt diesen See dort und dadurch, dass es nicht so geschneit hat, sie konnten zwar an den Rand des Sees irgendwie so Fischmehl verteilen, damit es nach Schnee aussieht, aber den ganzen See bedecken konnten sie jetzt nicht. Und der sah, als er frisch zugefroren war... einfach nur schwarz aus, wie ein schwarzes Loch. Und dann waren sie am Wochenende davor, also Freitag, bei der Besichtigung und mussten Montag dort drehen und haben festgestellt, scheiße, wir haben da einfach nur ein schwarzes Loch, was sollen wir denn da mitmachen? Und dann sind sie am Montag wiedergekommen, da waren ein Haufen Schlittschuhläufer übers Wochenende und haben die Oberfläche so aufgeraut, dass es total weiß und total geil aussah. Ja,
Florian Bayer: total schön.
Johannes Franke: Und die hatten einfach echt nur Glück damit, dass die Leute da waren und das gemacht haben. Super, super süße Geschichte.
Florian Bayer: zieht auch absolut stimmig aus. Also sie kommt an diesem Schloss an, man merkt so direkt, es ist halt so einer von den Millionen Anachronismen in diesem Film. Okay, wo sind wir gerade? In welchem Jahrhundert? Es ist aber tatsächlich relativ egal, weil es ist einfach ein schöner Ort und ich sehe direkt den Location Scout, der den gesehen hat und gesagt hat, da müssen wir es machen. Das passt. Das ist genau das, was wir haben wollen. Es ist einfach ein wirklich schönes, nicht so prunkvolles, sondern fast schon bescheidenes Barockschloss, das aber an den wichtigen Punkten eben doch so einen gewissen Pomp mitbringt. Und es ist einfach eine schöne Außenaufnahme und dann mit dem Schnee drumherum und auch wirklich dieses drinnen ist die Party und Aschenputtel, die zu spät zur Party kommt, kommt dann halt so langsam angeritten und wir sehen einmal wirklich das Ganze so im Panorama und ich finde, das macht auch wieder einen Punkt, der sehr viel von dieser weihnachtlichen Atmosphäre ausmacht, weil du hast dieses wunderschöne Außen und du hast dieses Gefühl von innen, wo es warm und behaart ist, dass sie jetzt endlich landen, wo gefeiert wird und wo alles schön ist.
Johannes Franke: Hast du übrigens gesehen, dass das Pferd vielleicht doch nicht das gleiche ist?
Florian Bayer: Naja, muss ja so sein, weil das andere war in Tschechien gedreht.
Johannes Franke: Aber die hätten die Pferde auch rüberbringen können. Das hatten sie auch vor. Aber das ging nicht, weil die Maul-und Klauenseuche gerade grassierte. Und da gab es dann Beschränkungen, Tiere über die Grenze zu bringen. War nicht geil. Und dann mussten sie eben einfach andere Tiere finden, die wenigstens halbwegs so aussehen. Aber man sieht es schon trotzdem.
Florian Bayer: Mir wäre es nie im Leben aufgefallen. Ich habe auch nachher gelesen. Das ist halt, ist es ein Pferd. Sie hätte auch weiß, schwarz, das wäre mir tatsächlich egal gewesen. Obwohl, das Pferd ja wie die anderen Tiere. Also die Tiere spielen eine sehr große Rolle für sie. Also die Eule Rosalie und dann Nikolaus, das Pferd.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das sind ihre einzigen Freunde.
Johannes Franke: Oh, nein, nein, nein. Sie hat ja auch noch Pferde.
Florian Bayer: Nein, sie hat ja den Proletariat in ihrer Sache.
Johannes Franke: Genau. Ja, ja. Proletariat, die soll Länder vereinigt euch. Aller Länder, aller Länder ist der eigentliche Spruch. Egal.
Florian Bayer: Und dann haben wir ein Schleierporno.
Johannes Franke: Ich finde es toll, dass hier überhaupt durchgelassen wird. Ich meine, sie ist entsprechend gekleidet. Ja, also gehört sie dazu, also wird sie durchgelassen. Oder? Oder ist das jetzt...
Florian Bayer: Das finde ich total schlüssig, weil sie sieht einfach so aus wie jemand, der da reingelassen wird.
Johannes Franke: Okay. Das ist, wenn es bei der Berlinale klappen würde.
Florian Bayer: Nicht die Zeit der Berlinale, aber damals... Also, weißt du, es ist nicht so leicht, zu dieser Burg zu kommen und dann auch so gekleidet. Natürlich wird sie dann reingelassen. Ja, okay. Wobei sie vielleicht ein bisschen lange zaudert, bis sie reingeht. Es gibt diesen Moment, wo du denkst, jetzt mach schon.
Johannes Franke: Aber ich finde es süß. Weil natürlich stehst du davor und denkst dir, will ich jetzt, will ich nicht, kann ich nicht, darf ich nicht, bin ich hübsch genug, bin ich, gehöre ich da rein, darf ich das und so. Also so Unsicherheiten, auch in dem Alter, finde ich okay.
Florian Bayer: Ja. Und dann, genau, was hab ich gesagt? Schleierporno. Nein, Schleierporno. Und wieder, ja, sie hat einen Schleier.
Johannes Franke: Natürlich, aber sie hat einen, klar, kennt Schleier. Man weiß, man sieht alles.
Florian Bayer: Lieber Prinz, eins plus.
Johannes Franke: Und die Stimme dazu.
Florian Bayer: Ja, das ist exakt ihre Stimme. Ja.
Johannes Franke: Und dann hat sie einen feministischen Moment und darf sagen, ja, also, ich heirate dich jetzt nicht einfach so, nur weil du sagst, du willst mich heiraten. Hast du sie mal gefragt. Also ich meine, was soll das? Ja. Und sagt dann, ja, dann gebe ich dir jetzt erstmal ein Rätsel und dann können wir vielleicht nochmal drüber nachdenken.
Florian Bayer: Mal schauen, ob du einen IQ jenseits der 50 hast.
Johannes Franke: Das Rätsel, muss ich sagen, ist aber auch nicht das Geilste. Sie gibt ja bloß Hinweise. Sie sagt ja bloß... Alter, du hast es immer noch nicht kapiert. Hier übrigens drei Hinweise für dich, wer ich sein könnte.
Florian Bayer: Das Rätsel ist so ein typisches Pseudorätsel. Halt so einen Märchenspruch. Es ist das Bäumchen schüttelt dich, Bäumchen rüttelt dich. Wirf Goldensilber über mich dieses Films. Aber Kudos an den Film, dass im Gegensatz zum Originalmärchen von den Krims der Prinz sich wirklich in sie verliebt und nicht in ihre Schuhgröße. Naja, wirklich, im Original ist es so, im Original ist es so, dass... keine Ahnung wie er das schafft. Er tanzt mit ihr und kennt sie dann nicht wieder. Und der Schuh ist das Entscheidende. Und hier ist es ja doch so, dass er wirklich, also er will sie sehen. Und er fällt auf Dora nur rein, weil sie voll verschleiert und so zusammengekrümmt mit der Mutter auf der Kutsche sitzt und wegfährt.
Johannes Franke: Ja, was voll nachvollziehbar ist in dem Moment.
Florian Bayer: Genau, und sobald er sie dann sieht, sagt er direkt, nein, du bist es nicht. Also es gibt Gott sei Dank diesen Moment, dass es nicht die Schuhgröße, das Entscheidende für das Verlieben ist, sondern einfach die Person, in die er sich... davor verlebt hat. Auch wenn es wiederum dieses echt nervige Märchenmotiv gibt. Ich tanze eine Minute mit dir, du bist die Frau meines Lebens.
Johannes Franke: Es ist der Wahnsinn. Es ist so seltsam, vor allem weil er sich so stark draufsetzt. Es ist ja nicht nur so, dass er sagt, ja, ich will dich wiedersehen oder hier, wie wär's denn mit uns beiden knickknack oder sowas, sondern es ist wirklich, du bist die große Liebe meines Lebens und ich will keine Minute mehr ohne dich sein. Was ist das denn? What?
Florian Bayer: Was? Warum?
Johannes Franke: Also ja, da auch schon ein Moment, wo man denkt, äh, nein.
Florian Bayer: Aber so sind sie halt, die Märchen, ne?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber es gibt den Schuh, ne? Also er reitet da mit dem Schuh los. Ja, genau. Also das Schuhmotiv ist da. Und wir haben auch diese sehr witzige Szene, dass er wirklich den Proletariat, alle auf dem Hof den Schuh anzieht. Nicht der Schwester, nicht den Reichen, sondern er will einmal...
Johannes Franke: Weil sie auch Kurzbe genug haben, mit ihm rumzuscherzen, als wäre einer von ihnen. Ja.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: ich finde die Szene so merkwürdig. Aber dann irgendwann sagt er, ach, die sind der Prinz. Und ich denke die ganze Zeit, ach, das ist euch noch nicht aufgefallen. Und sagt dann den Satz, wir kommen in guten Absichten. Was? Wenn ihr das tut, dann bitte nicht einbrechen.
Florian Bayer: Und niemand von den Leuten hatte Bock auf ihn. Und es ist eigentlich ein Wunder, dass er das überlebt. So haben damals Revolutionen angefangen. Der Film könnte auch gut damit enden, dass Vater, Mutter, Sohn zusammen irgendwo an der Kirchenmauer aufgeknüpft sind.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Die Proletarier übernehmen. Aschenprödel.
Johannes Franke: Uiuiui. Wie diese Verfilmung von Sofia Coppola. Marie Antoinette, die am Ende ja auch dann mit, wo wir aber die ganze Zeit bei diesem Königspaar sind, bei diesen Royals sind.
Florian Bayer: War das das mit Kirsten Dunst?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das war so Pop, ne? Ich hab das nur so ganz vage in Erinnerung.
Johannes Franke: Ich fand das ganz gut, muss ich sagen.
Florian Bayer: Weiß ich nicht mehr genau. Vielleicht machen wir den zu viel Pop.
Johannes Franke: Echt? Ich fand den sehr, sehr gut damit. Vielleicht gucken wir den mal. Ja, können wir machen. Wo waren wir?
Florian Bayer: Genau, er ist am Hof und versucht die Schuhe an und dann ist die Schuhe an. Die Stiefmutter, die Böse, wie das so geil mit dieser Heiratsdrängung, ne? Wir machen hier nichts, bevor du... Du musst hier unterschreiben. Hier unterschreiben.
Johannes Franke: Sie ist so geil in ihrem Drängeln, weil sie wirklich nichts zulässt und sagt, nein, nein, sie hat es gesagt, ihr habt es alle gehört, ihr habt es alle gehört. Wir empfehlen die Heirat. Los, los, los. Da kommst du mir jetzt nicht mehr raus.
Florian Bayer: Das ist auch so geil. Glaubst du, dass das irgendwie gerichtsfest ist?
Johannes Franke: Keine Ahnung. Es ist super. Ich finde die Inszenierung so geil, dass ich dieser Mutter wahnsinnig gerne zugucke, muss ich sagen. Das ist so toll.
Florian Bayer: Aber dann ist natürlich die gerechte Strafe, er sieht sie, sie sind am Ertrinken und sagt, Moment, du bist nicht das Mädchen, in das ich mich verliebt habe. Ertrink mal weiter.
Johannes Franke: Und es ist Winter.
Florian Bayer: Ja. Diese Wasser, sie werden sterben.
Johannes Franke: Definitiv, die sind gestorben am Ende. Aber es wird halt nicht drauf gehalten.
Florian Bayer: Du überlässt sie seinem Schicksal, weil es nicht deine Traumfrau ist?
Johannes Franke: Da hast du aber dein Schicksal. Was du vorhin gesagt hast, dass dieser Film gar nicht so richtig macht, aber er macht's ja eigentlich.
Florian Bayer: Ja, der Film, der lässt sie ja nicht sterben. Sie liegen ja hier nur im Wasser. Witzig.
Johannes Franke: Ja, wir sehen,
Florian Bayer: es ist sehr schnell vorbei.
Johannes Franke: Ja, es ist natürlich sehr schnell vorbei. Sie erfrieren halt einfach.
Florian Bayer: Und dann kommt endlich, wie sagt man, Final Form von Don Rös... Ey, hör mal auf, ständig Don Röschen zu sagen. Von Aschenputtel.
Johannes Franke: Aschenbrödel. Aschenbrödel bekommt ihren letztes Kleid, denn... Achtung, Pann, Kleider machen Bräute. Danke, danke. Ich habe lange dafür gebraucht.
Florian Bayer: Du hast die gesamte Vorbereitung dieser Episode. Zehn Stunden. Ja, genau. Davon neun Stunden diesen Willens arbeiten.
Johannes Franke: So, also Kleider machen Bräute. Und sie kommt da jetzt hin und hat ihr tolles Kleidchen an und nimmt ihn, nachdem er dann irgendwann doch geschnallt hat, dass sie... sowohl der Jäger als auch die auf dem Ball und so weiter war. Och Gott, war das schlimm. Und dann müssen die ja auch noch vorsagen, oder? Das Proletariat muss ja dann rufen, unser Aschenbrödel.
Florian Bayer: Er hat wirklich, er hat wirklich den Schneid, wenn sie ihm dann nochmal das Rätsel stellt und sagt, wie hast du es jetzt verstanden zu fragen? Das warst auch du? Alter, wie oft muss man einen Witz erzählen, bis du ihn begriffen hast? Das wird keine schöne Ehe, oder? Wenn sie ihm irgendwas erzählt, worüber reden sie beim Abendessen?
Johannes Franke: Ja, sie wird wahrscheinlich einfach die Herrschaft übernehmen und er wird, naja,
Florian Bayer: vielleicht knöpft sie ihn doch auf. Und dann kann sie, wie heißt der, den Koch, den jungen Koch, der keinen Namen hat, kann sie heiraten.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Der ist doch sowieso in sie verliebt.
Johannes Franke: Das ist wieder deine Revolutionsfantasie da.
Florian Bayer: Der übrigens total witzig zu dem Prinzen sagt, na guck mal, ich meine eure Majestät, sehen Sie, tolle Szene. Ja,
Johannes Franke: das stimmt. Ich finde, der Regisseur hat sehr, sehr viel Humor. bewiesen in diesem Film. Und ich finde das wirklich eine der wichtigsten Momente für den Film, um Herz zu zeigen. Dass er eben diese Humormomente drin hat, dass nicht alle bierernst versuchen, die Geschichte voranzutreiben, sondern dass es einfach auch Social Comment gibt die ganze Zeit und dass es irgendwie mehr ist, als das ursprüngliche Märchen.
Florian Bayer: Also es ist tatsächlich eine gute Mischung. Viel Humor entsteht durch das ironische Gucken, was wir jetzt auch teilweise gemacht haben. Viel Humor entsteht dadurch, dass man... sich die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, was sie damals gemacht haben. Aber der Film hat tatsächlich wirklich funktionierenden Humor. Der hat Witz, der auch heute noch absolut sehbar ist. Die Königsfamilie, durchgängig. Er hat auch Humor, der überhaupt nicht mehr funktioniert. Zwischen dem Prinz und seinen Freunden ist einfach nicht mehr witzig. Aber er hat Humor, der funktioniert. Und das ist vor allem zum einen das Königselternpaar und Schneewittchen auch so. Alter. Rapunzel im Umgang mit ihrem Politaria-Freunden. Rapunzel? Davor habe ich ein Wittchen gesagt. Jetzt ist es vorbei. Jetzt nehme ich einfach alles, was ich... Also Ariel heiratet am Schluss den Prinzen.
Johannes Franke: Ich wollte gerade sagen Ariel. Scheiße. Okay. Dieser Film hat es wirklich nicht nur in Deutschland geschafft. Der ist im norwegischen Fernsehen, im schweizerischen Fernsehen, im tschechischen Fernsehen, im slowakischen Fernsehen und im deutschen Fernsehen. Das Nummer 1 Ding, was zu Weihnachten immer, immer, immer, immer wieder geholt wird. Das ist der absolute Hammer. Ein Riesenhit,
Florian Bayer: ne?
Johannes Franke: Hier in Deutschland hat die DVD Platinstatus. Alter. Das bedeutet, er ist über 200.000 Mal verkauft worden. Diese DVD. Wahnsinn.
Florian Bayer: Es gehört zu den Dingern aus dem Ostblock, die in die westliche Kultur rübergeschwappt sind. Und die auch einfach so rezipiert wurden, die nicht als Obscurum aus dem Osten rezipiert wurden, sondern einfach als, das ist ein tolles Märchenfilm für die ganze Familie. Und das war auch bei anderen TV-Märchenfilmen so. Wie gesagt, ich habe einige als Kind gesehen. Ich war nie ein großer Märchenfilm-Fan, aber ich habe einige gesehen, weil die waren präsent. sind bei uns im Fernsehen gelaufen. Die sind einfach im Westfernsehen gelaufen. Und nicht, dass hier ist der witzige DDR-Film, sondern hier ist die traumhafte Märchenverfilmung, die beste Aschenputtelverfilmung, die es gibt.
Johannes Franke: Gut, dass du das nochmal dazu sagen musstest. Das spricht Bände dafür, wie ironisch ihr sonst DDR-Filme geguckt habt.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Also wie über DDR-Kultur geredet wurde im Westen. Das war nicht nett. Wir waren echt besser Wessis. Ich war damals noch zu jung dafür, um das zu sagen. Aber es war wirklich so. Es gab einfach dieses riesige Block Kuriosum aus der DDR und das wird ironisch rezipiert. Aber drei Haselnüsse für Aschenbrödel hat nicht dazu gehört. In Tschechien wurde er zum besten Märchenfilm des Jahrhunderts gewählt. Ja,
Johannes Franke: zu Recht. Also zumindest in Tschechien.
Florian Bayer: Es gibt voll spannende tschechische Fantasy-Filme und Märchenfilme aus der damaligen Zeit, die teilweise auch sehr schräg und düster sind. Und ich könnte jetzt nicht mal die Namen nennen, aber die haben manchmal so eine eigene Atmosphäre. Und das haben ja auch diese DEFA-Märchenfilme. Die sind ja auch so drunter und drüber.
Johannes Franke: Es gibt so,
Florian Bayer: es gab zum Beispiel diesen Frau-Holle-Film, der so ganz komisch futuristisch war fast schon. Wo das Haus von Frau Holle irgendwie so so futuristische Momente hatte.
Johannes Franke: Ich weiß es gar nicht mehr.
Florian Bayer: Und dann gab es diesen Froschkönig, der so komplett drüber war, wo sie am Schluss in die Hölle reitet, um den Prinzen zu retten. Also es gibt, DEFA-und DDR-Märchenfilme und diese osteuropäischen Märchenfilme sind teilweise sehr schräg und sehr drunter und drüber.
Johannes Franke: So sehr ich diesen Film liebe, muss ich nämlich sagen, dass ich mit DEFA-Märchen sonst gar nicht so viele in meinem Kopf habe, die ich gesehen habe, die stecken geblieben sind. Dieser Film ist hängen geblieben. Das liegt vielleicht auch an der Umgebung, dass ich auch von anderen Leuten immer wieder einen Anstoß bekommen habe. Ja, den müssen wir mal wieder sehen oder was auch immer. Das ist kulturell einfach stärker drin, während ich bei anderen DEFA-Märchen gar nicht so sehr dieses Attachment habe.
Florian Bayer: Er hat irgendwie diesen Kultstatus. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Und ich weiß gar nicht, ob er ihn unbedingt mehr verdient hat. Ich glaube, er hat wirklich, was bei ihm atmosphärisch passiert, das ist schon besonders für ein Märchen aus der damaligen Zeit. Nicht nur dafür ist es schon was Besonderes, was dieses Winterliche, dieses Weihnachtliche, was einfach entsteht und nicht nur dadurch, dass da Schnee rumliegt, sondern auch wie sich die Menschen in dieser Umgebung bewegen, macht es nachvollziehbar, dass das ein Film ist, den du einfach um die Weihnachtszeit gerne rauskramst.
Johannes Franke: Ja, ich weiß nicht, ob der Film sonst weihnachtlich für mich, ich bin, ich habe mit Weihnachten so wenig zu tun, dass ich das vielleicht auch nicht so sehen kann wie du, aber ich habe nicht. Ich sehe nicht mehr darin, als da ist Schnee und da sind erleuchtete Fenster, die versprechen, dass man aus der Kälte in die Wärme kommt. Was halt eine winterliche Sache macht. Für mich ist das nicht unbedingt per se weihnachtlich als Film. Aber es wird halt immer in diese Zeit gepackt und ist natürlich dann irgendwann kulturell so stark verbunden, dass man das nicht mehr trennen kann.
Florian Bayer: Vielleicht genau auch. Also ich würde halt den Rahmen auch größer fassen, wenn ich Weihnachten sage, meine ich ja vom 1. Dezember an bis zum, meinetwegen auch schon im Oktober, wenn ich das erste Mal Marzipankartoffeln und Lebkuchen kaufe.
Johannes Franke: Also du meinst Anfang September?
Florian Bayer: Ja, Anfang September eher. Dann fängt die Weihnachtszeit an. Ne, also auch so wirklich die erweiterte Weihnachtszeit, einfach dieses Adventszeiten und dazu gehört das genau das, was du gerade gesagt hast. Das ist dieses, es ist kalt draußen, es liegt Schnee und dann kommt man rein und es ist wohlig warm, es gibt was Gutes zu essen. Es läuft Musik.
Johannes Franke: Vielleicht ist es noch, fällt mir jetzt gerade ein, das, was Weihnachtsfilm braucht, dieses herzerwärmende Wir sind füreinander da, dann doch auch. Also was der Chefdiener da mit Aschenbrödel hat.
Florian Bayer: Das
Johannes Franke: Proletariat, was als Familie da ist. Und vielleicht ist es das, weil auch Kevin allein zu Hause macht ja auch vieles davon, genau in diese Richtung. Und deswegen ist das vielleicht auch einfach ein Merkmal für so einen Weihnachtsfilm, weil alle immer irgendwie sagen, Weihnachten ist das Fest der Liebe. Also ich, ja, wenn es das wenigstens wäre, dann wäre ja schön. Aber nein. Absolut,
Florian Bayer: nein, genau das ist es. Du hast den Geist, endlich, nach drei Jahren, du hast den Geist von Weihnachten gefunden. Halt ihn fest! Lass ihn nicht los! Lass uns unsere Top 3 sprechen.
Johannes Franke: Unsere Top 3. Ups, wo ist er hin? Ich hab den ganz schön wieder vergessen. Wo ist er?
Florian Bayer: Okay, wir haben es versucht, Leute.
Johannes Franke: Da hinten fliegt er, da hinten.
Florian Bayer: Tut mir leid, ich hab wirklich alles versucht. Dann kommen wir jetzt zur Top 3. Die Top 3 zynischsten und deprimierendsten Filme. Was hast du Top 3?
Johannes Franke: Selbstgespräche.
Florian Bayer: Ja, die gibt es in diesem Film zwar oft.
Johannes Franke: Wir haben ja vorhin darüber geredet, wie nervig auch Selbstgespräche sein können. Und ich möchte gerne... drei gute Beispiele haben. Hast du gute Beispiele für Selbstgespräche? Ja. Okay, bin sehr gespannt.
Florian Bayer: Meinen Platz drei, den hast du auch, tut mir leid, ich muss ihn einfach nennen. Adaptation.
Johannes Franke: Hm, den hab ich nicht.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: genau. Aber ja, das ist ein guter Punkt.
Florian Bayer: Charlie Kaufman, der quasi sich selbst in einen Film hineinschreibt, wie er versucht, sich in einen Film hineinzuschreiben, der die ganze Zeit innere Monologe hat, in denen er darüber mit sich selbst debattiert, wie hässlich und wie dumm er ist und dass ihn niemand mag und dass er nichts auf die Reihe kriegt und voll der Loser ist und... Ja. Ganz großartiger Metafilm. Wir haben hier im Podcast auch drüber geredet. Guckt euch den Film zuerst an, aber hört auch gerne unsere Folge dazu.
Johannes Franke: Man muss ein bisschen sagen, dass das ein grenzwertig ist, dieser Platz, weil es mehr ein innerer Monolog ist.
Florian Bayer: Ach ja. Du meinst, du willst, dass die Lippen sich bewegen und Töne aus dem Mund kommen.
Johannes Franke: Genau. Ich will, dass die Leute da wirklich awkward alleine in einem Raum stehen und reden, obwohl keiner da ist.
Florian Bayer: Dann die nächsten beiden werden in diese Richtung gehen.
Johannes Franke: Ich habe... In eine sehr langweilige Liste, glaube ich. Weil das einfach die Sachen sind, die einem sofort einfallen. Aber das sind tatsächlich die Sachen, die alle entschuldbar gut sind für so einen Film. Wo Selbstgespräche sonst für mich einfach gar nicht gehen. Ich habe auf Platz 3 Gollum. Weil der einfach irre ist. Smear-Goll. Weil der mit sich selbst in so einem Zwiegespräch ist, was seine böse Seite und seine gute Seite miteinander einfach die ganze Zeit im Clinch sind.
Florian Bayer: Sie haben es durch die... simpelste Methode visuell umgesetzt, indem sie einfach die, indem sie eine goldene Kameraregel verletzt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und es ist toll.
Johannes Franke: Es ist so großartig. Es ist wirklich ganz, ganz toll. Und es war für damalige Verhältnisse, für mich als Zuschauer, ein Erweckungserlebnis an führerischen Möglichkeiten. Vielleicht auch, weil ich Anfang 20 war, aber oder sogar noch jünger. Wie alt war ich, als das rausgekommen ist? 17 vielleicht?
Florian Bayer: Nee,
Johannes Franke: so 18.
Florian Bayer: Ich bin bis nicht so alt. Der Film ist nach 2000 entstanden. Also ich glaube, ja, ich war es schon.
Johannes Franke: Okay. Auf jeden Fall fand ich es wirklich toll, wie sie Gollum dann einfach mit sich selbst reden lassen und das wirklich auch sinnvoll eingebettet ist.
Florian Bayer: Ist auch gut inszeniert, ist wirklich gut inszeniert. Wir haben über Herr der Ringe geredet im Podcast. Das ist schon sehr lange her. Wir haben nur über die Gefährten geredet. Das heißt, wir haben nicht viel zu Gollum sagen können. Toll gespielt und toll animiert und eine wirklich gute... Gute, in Handlung eingebettete, in Realfilm eingebettete Computeranimation. Nicht nur dafür, dass sie 20 Jahre alt ist. Ja. Funktioniert immer noch.
Johannes Franke: Ja, man guckt das immer noch und denkt sich, wow, geil.
Florian Bayer: Mein Platz 2 ist so ein bisschen Thai, aber nee, ich nehme ein Thai-Feige. Weil es ist zweimal Martin Scorsese. Und zwar in Taxi Driver gibt es natürlich diese Selbstgespräche von Robert De Niro.
Johannes Franke: Ja, das habe ich auf Platz 2.
Florian Bayer: Aber ich habe King of Comedy genommen.
Johannes Franke: Ach, sehr schön. Scheiße. Aber auch toll. Also King of Comedy ist ein ganz tolles Beispiel, auch wieder.
Florian Bayer: Weil er da auf dieser Couch sitzt und diese Talkshow-Runden mit seinem Idol und seiner Auftritte als Comedian spielt. Und dann sehr laut ist und dann manchmal von seiner Mutter unterbrochen wird. Die sagt, mach mal leiser. Und es ist wirklich awkward, wenn er da sitzt und sich selbst interviewt und sich selbst erzählt, dass er der Größte und Coolste ist. Und genauso awkward ist es auch bei
Johannes Franke: Taxi Driver. Wie er vor diesem Spiegel steht. Are you talking to me? Es ist so großartig. Es ist einfach krass und es ist in beiden Fällen etwas, was auch bei Gollung zum Tragen kommt. Wenn wir jemanden haben, der mit sich selbst spricht, ist der zur größten Wahrscheinlichkeit irre. Ja, also es gibt dann einfach diese Begründung, dass man mit sich selbst redet, um vielleicht auch ein Stückchen Sanity wiederherzustellen oder zu versuchen, irgendwie mit sich selbst klarzukommen oder etwas zu proben, wie zum Beispiel bei Taxi Driver, diese Probe. Eine Konfrontation. Das finde ich durchaus eine gute, legit Möglichkeit, ein Selbstgespräch einzubauen.
Florian Bayer: Ja, es ist schwierig. Also ich finde, Selbstgespräche sind Herausforderungen im Film.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Aber sie können halt auch wirklich was zur Atmosphäre beitragen. Mein Platz 1 ist so sehr atmosphärisch vor allem True Romance aus dem Jahr 1993, wo unser Protagonist Selbstgespräche in Form von Gesprächen mit Elvis Presley führt.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Er unterhält sich mit seinen imaginären Helden Elvis Presley. Christian Schläger spielt den Protagonisten und Val Kilmer spielt den Elvis. Okay. Und es sind gar nicht so viele Szenen in diesem Film, aber sie machen sehr viel von der Atmosphäre aus. Und ein bisschen sind sie immer so auf dem Sprung. Man denkt, okay, ist er jetzt verrückt oder finde ich ihn witzig und cool dadurch. Okay. Von Tarantino ist das Drehbuch.
Johannes Franke: Aber es ist auch wieder jemand, der mit jemandem anders im Raum spricht. Ja. Der aber, der zwar nicht da ist. Aber ja,
Florian Bayer: es ist ein bisschen gecheatet.
Johannes Franke: Es ist ein bisschen gecheatet.
Florian Bayer: Du hättest es näher definieren müssen. Ja,
Johannes Franke: Mist. Das fand ich so das Spannende daran. Mein Platz 1 ist einfach der Grinch, der in seiner Höhle sehr viel mit sich selbst redet.
Florian Bayer: Oh ja, der Grinch redet sehr viel mit sich selbst.
Johannes Franke: Wahnsinn. Oh,
Florian Bayer: das ist schrecklich. Das hasse ich.
Johannes Franke: Es gibt nur um drei oder vier Beispiele zu nennen, wie er... da in seiner Höhle ist und die Entscheidung trifft, Weihnachten für alle zu ruinieren. Das ist ja auch ein Zwiegespräch mit sich selbst.
Florian Bayer: Denkst du an Jim Carrey Cringe? Natürlich. Das finde ich ganz schrecklich. Ich finde es grundsätzlich gut, dass der Cringe redet, aber Jim Carrey Cringe geht gar nicht.
Johannes Franke: Wir haben darüber lange geredet und so schrecklich fandest du ihn, als wir darüber geredet haben, auch nicht, aber du warst schon ein bisschen dagegen. Aber vielleicht habe ich dich auch einfach totgequatscht mit meinem Fandom. Für diesen Film.
Florian Bayer: Ich war froh, dass du dich mal für was von Weihnachten begeistern kannst. Und wenn es so ein grüner Motzkopf ist, der Weihnachten kaputt machen will.
Johannes Franke: Ja, das war toll. Aber wir fanden ja auch die Trickfilmverfilmung nicht toll.
Florian Bayer: Nee, die war auch nicht besonders gut.
Johannes Franke: Also irgendwas mussten wir ja gut finden, außer das Original.
Florian Bayer: Der Original-Zeichen-Trickfilm ist toll.
Johannes Franke: Na gut. Und ein zweites Beispiel wäre sein Outfit-Dilemma. Es steht auch vorm Spiegel. probiert Sachen an und so und will da, er ist eingeladen worden und geht oder geht nicht und wenn ich nichts zu anziehen finde, dann gehe ich nicht. Das ist total süß. Ja gut, okay, okay, die anderen Beispiele brauche ich ja nicht jetzt bringen. Machen wir weiter. Kleine honorable mention, wo wir gerade bei Jim Carrey sind, Truman Show. Da steht er vorm Spiegel und führt Selbstgespräche.
Florian Bayer: Und da funktioniert es, dass er trotzdem wie ein Allerwelts-Typ wirkt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, das stimmt. Und das ist einer der wenigen Beispiele, wo eben nicht einfach nur jemand irre ist. Okay.
Florian Bayer: Ja, schnell ist das.
Johannes Franke: Schön, dann gehen wir wieder zurück in unseren Film. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Weißt du noch, wie alt du warst, dass du den Film zum ersten Mal gesehen hast?
Johannes Franke: Nein, er ist einfach in meinem Gedächtnis. Einfach so. Plötzlich taucht er auf und ich denke, ja, der war schon immer da.
Florian Bayer: Wie oft hast du den Film denn gesehen?
Johannes Franke: Das weiß ich auch nicht. Es ist ja auch so, dass der eine Geschichte hat in einer Zeit, wo man einfach so ins Fernsehen eingeschaltet hat. Und dann ist der irgendwo, hat der angefangen. Und dann habe ich vielleicht den Anfang... zweimal in meinem Leben gesehen und den Rest 50 Mal oder sowas. Ich weiß es einfach nicht.
Florian Bayer: Gehört auch zu den Filmen, die ich oft so, genau, als Kind im Fernseher angeschaltet um die Weihnachtszeit und dann irgendwie ein bisschen was davon mitgekriegt und dann auch im gewissen Alter auch mal ausgemacht, weil es genervt hat und so, Gott ist das kitschig.
Johannes Franke: Aber nicht übertrieben,
Florian Bayer: Jugendlicher. Ich war kein Kind, ich war Jugendlicher. Keine Ahnung, ich war wahrscheinlich 15, 16, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe und wenn nicht, dann noch älter.
Johannes Franke: Na ja, dann kann er dir ja auch nicht so kindlich ins Herz gewachsen sein. Nein,
Florian Bayer: ist er auch nicht. Überhaupt nicht. Aber es ist ein Film, den ich sehe und ich denke, ja, ich kann mir das vorstellen.
Johannes Franke: Das ist schön, danke. Wenigstens das. Und du findest ihn ja auch nicht so kacke. Jetzt mach mal ein Fazit.
Florian Bayer: Nein, es ist halt, er bietet sich halt total an, ironisch geguckt zu werden und das macht voll Spaß. Aber er hat auch mehr drauf.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Und ich sehe ihn absolut als Weihnachtsfilm und er schafft die Weihnachtsatmosphäre, die ich haben wollte. Weißt du, du hast, du, wenn ich von dir einen Weihnachtsfilm... will, dann habe ich immer ein bisschen Angst, was kommt. Weil du doch etwas Destruktives hast.
Johannes Franke: Aber wenn wir in die Geschichte unseres Podcasts gucken, ich habe dir nie schlimme Weihnachtsfilme gegeben.
Florian Bayer: Nee, aber die Gefahr ist immer da.
Johannes Franke: Das stimmt, die Gefahr ist ein bisschen da, bis ich irgendwann austicke und dir irgendeinen richtig schlimmen...
Florian Bayer: Ich bin sehr froh, dass du mir gegeben hast. Ich fand es auch schön, den nochmal zu gucken und mich vor allem mehr damit zu beschäftigen, weil es ist als Wessi, als Besser-Wessi, habe ich mich nicht intensiv mit diesem Film auseinandergesetzt. Und das war schön, dass ich das jetzt mal nachholen konnte.
Johannes Franke: Ja. Und es ist tatsächlich ein Gefühl von längst vergangener Zeit, so ein DDR, altes großrussisches Reich, wollte ich gerade sagen, um Gottes Willen. Du weißt schon, CSSR, dieses Gefühl, was einfach mich noch in den 80ern, als ich geboren wurde, tatsächlich noch geprägt hat. Und es ist schön, das mal wieder zu spüren, ein Gefühl dafür zu haben. Das hattest du jetzt nicht, aber schön, dass du trotzdem dem Film ein bisschen was abgewinnen konntest.
Florian Bayer: Und du bist voll in Weihnachtsstimmung gekommen, hoffe ich.
Johannes Franke: Ich bin trotz dieses Films, äh, trotz der Weihnachtsstimmung, die dieser Film anstößt, mag ich diesen Film. Weihnachten, ich weiß nicht, ich krieg's nicht, es tut mir wahnsinnig leid. Irgendwann vielleicht werden wir mal eine Podcast-Folge aufnehmen, in der ich sage, okay. Ich ergebe mich. Ich habe es geschafft. Du hast es geschafft. Du hast mich überzeugt. Aber leider wird sich das noch ein bisschen hinziehen.
Florian Bayer: Verdammt. Aber gut, trotzdem, ich werde weiter kämpfen. Sehr schön. Für Weihnachten.
Johannes Franke: Und mit was für einem Film du das machen wirst beim nächsten Mal. Weil es geht ja weiter. Wir müssen ja noch mehr Weihnachtsfilme gucken. Aber ich habe ja auch noch einen offen.
Florian Bayer: Ja, bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, was das wird.
Johannes Franke: Genau. Und ansonsten danke dir, Pro. Danke dir.
Florian Bayer: Euch noch eine schöne Woche. Vielen Dank fürs Zuhören, wie immer. Ja. und wir hören uns nächste Woche.
Johannes Franke: Bleibt gesund und freut euch auf nächstes Jahr, wenn Weihnachten vorbei ist.
Florian Bayer: Süß, da die Glocken nie klingen.
Johannes Franke: Nee, niemals. Okay, bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: So, Ploer, was gibt's denn dann von dir für mich nächste Woche?
Florian Bayer: Ich schummele.
Johannes Franke: Du schummelst?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie, dich hab ich umgemüllt?
Florian Bayer: Ich bin nochmal in mich gegangen und hab...
Johannes Franke: Du hast gesagt, es soll Weihnachten sein und es soll weihnachtlich sein. Es wird weihnachtlich. War wahnsinnig wichtig.
Florian Bayer: Es wird weihnachtlich. Okay. Ich bin nochmal in mich gegangen und hab überlegt, welche guten Weihnachtsfilme kenn ich denn noch? Ja. Und dann ist mir nichts mehr eingefallen.
Johannes Franke: Wie, jetzt ist dir nichts mehr eingefallen?
Florian Bayer: Es gibt zu wenig gute Weihnachtsfilme. Ja, Stirb langsam oder so könnte ich noch nehmen, aber ich hab keinen Bock auf Stirb langsam in der Weihnachtszeit. Das ist kein Weihnachtsfilm.
Johannes Franke: Es ist kein Weihnachtsfilm. Ich verstehe nicht, wieso irgendwann mal die Fernsehlandschaft entschieden hat, dass das ein Weihnachtsfilm ist und jedes Mal im Dezember gezeigt werden muss.
Florian Bayer: Es ist, zumindest er spielt an Weihnachten, Bruce Willis ist als Weihnachtsmann verkleidet. Ach,
Johannes Franke: okay, danke.
Florian Bayer: Ich hatte, ich habe das gemacht, was man in so einem Fall dann immer macht. Ich bin zu Rotten Tomatoes gegangen und habe gesagt, sag mal, was gibt es denn noch für gute Weihnachtsfilme? Okay. Und Rotten Tomatoes hat gesagt, Leute, ihr müsst unbedingt Tokyo Godfathers sehen. Was? Was? Genau, das habe ich mich auch gefragt. Vor allem was, den kenne ich nicht, das klingt nämlich total interessant. Ein Anime aus dem Jahr 2003, wo offensichtlich so eine moderne Weihnachtsgeschichte erzählt wird und zwar Leute, die auf der Straße leben, finden ein Baby oder so und müssen sich darum kümmern. Ähm, zahllose Preise abgeräumt, wird als großer, toller Anime gehandelt, aber kein Fantasy-Film, kein Thriller oder sowas, sondern wirklich so ein, wahrscheinlich so eine Tragikomödie.
Johannes Franke: Am ehesten, das hier war als Clickbait gedacht. Dass wir endlich mal Filme haben, die alle kennen und anklicken und unsere Zuschauerzahlen in die Höhe schießen. Und jetzt kommst du mit einem asiatischen Film mit japanischen Untertiteln,
Florian Bayer: den keiner kennt. Ich bin total gespannt drauf. Es klingt wie ein Film, den man sehen muss. Und ich will nicht der Blanksam machen. Du hast auch, als wir auf Rackwart geredet haben, hast du gesagt, kein Stirb langsam.
Johannes Franke: Wir wollen reich werden mit dem Podcast. Das war doch unser Ziel. Okay, wir machen den völlig unbekannten Weihnachtsfilm. Ich bin gespannt.
Florian Bayer: Tschüss.
