Episode 261: Ein Butler in Amerika – Mit Matthias von Filmszene.de
Am Pokertisch kann man schon mal sein letztes Hemd verzocken – außer man hat natürlich gerade einen Butler als Wetteinsatz parat. Das ist die Prämisse der wundervollen und leider komplett in Vergessenheit geratenen Komödie „Ein Butler in Amerika“ aus dem Jahr 1935. Nun, nicht ganz vergessen, denn immerhin haben einst die Coen-Brüder in ihrem Werk „Barton Fink“ eine kleine Liebeserklärung an den Film versteckt.
Es ist aber auch ein Traum, mit welcher Leichtfüßigkeit der für seine Improvisationskünste berüchtigte (und bei Schauspieler:innen gefürchtete) Regisseur Leo McCarey hier seine arme Hauptfigur dem größtmöglichen Culture Clash aussetzt. Ausgerechnet einem vulgären amerikanischen Millionär soll der bisher in Paris residierende feine englische Butler Ruggles von nun an gehorchen – und wird dazu auch noch in das amerikanische Provinzkaff Red Gap versetzt. Sehr zur Freude des Publikums, denn mit welcher unglaublichen Leichtigkeit der Film dieses Fish-out-of-Water-Szenario für das größtmögliche Chaos nutzt, ist schlicht großartig.
Und zeigt eindrucksvoll, dass es neben Chaplin, Keaton oder den Marx Brothers noch so viele andere Komödien-Perlen aus der Frühzeit des Kinos zu entdecken gibt.
Matthias Oscar History findet Ihr hier: https://www.filmszene.de/kategorie/matthias-oscar-history
Und hier findet ihr seine Rezension zu Ruggles of Red Gap: https://www.filmszene.de/filme/ein-butler-amerika
Übrigens!
Filmszene.de sucht noch Mitstreiter die hier und da eine Rezension schreiben. Bei Interesse, meldet euch gerne bei Matthias: matthiaskastl@filmszene.de
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 261: Ein Butler in Amerika – Mit Matthias von Filmszene.de Publishing Date: 2025-12-31T09:35:29+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/12/31/episode-261-ein-butler-in-amerika-mit-matthias-von-filmszene-de/
Matthias Kastl: Mehrere Länder, alle diese autokratischen Länder haben den Film verboten, weil die Botschaft natürlich ist, der einfache Mann packt's.
Florian Bayer: Freiheit.
Matthias Kastl: Freiheit, Freiheit.
Florian Bayer: Springen wir nochmal zu unserem Protagonisten zurück. Ja. Herzlich willkommen, liebes Publikum.
Johannes Franke: Wir haben es geschafft. Wir sind durch Weihnachten durch. Flo, was hast du für Geschenke bekommen?
Florian Bayer: Noch mehr. Wir haben es geschafft. Wir sind durch 2025 durch. Und ich ignoriere deine Frage jetzt einfach mal.
Johannes Franke: Zur Erklärung, wir nehmen ein Stückchen vorher auf. Flo hat gar keine Ahnung, was er zu Weihnachten bekommt. Ich will wissen, was du zu Weihnachten bekommen hast.
Florian Bayer: Ich weiß ja tatsächlich, was meine Freundin und ich uns gemeinsam zu Weihnachten gekauft haben. Das möchte ich aber nicht sagen.
Johannes Franke: Oh, okay. So was also. Viel Spaß.
Florian Bayer: Oh nein, das klang jetzt nicht so, wie es klingen sollte. Ich möchte es aus anderen Gründen nicht sagen. Okay. Letzte Episode in diesem Jahr.
Johannes Franke: Juhu!
Florian Bayer: Wahrscheinlich für euch eher die erste Episode im nächsten Jahr. Wir veröffentlichen die nämlich jetzt irgendwann am 31. Wenn ihr vielleicht schon am Vorklühen seid.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ihr könnt euch die Episode auch... gerne am 1. verkatert anhören.
Johannes Franke: Aber die erste Episode kriege ich. Das ist wichtig. Und wir haben heute unsere letzte Episode im Jahr. Und zwar was ganz Besonderes. Wir sind nicht nur zu zweit.
Florian Bayer: Wir sind endlich mal wieder zu dritt. Und das Beste ist, wir haben euch ja schon um die Weihnachtszeit rum haben wir ja schon Episoden zu euren Filmen gemacht. Und auch unsere letzte Episode ist so, dass wir nicht einen Film aussuchen müssen, sondern dass wir das jemand anderem überlassen haben, nämlich unserem Gast. Matthias. Hallo Matthias!
Matthias Kastl: Hallo, hallo! Das ist, wo jetzt der Applaus eingebändet wird wahrscheinlich. Genau, ich darf ihn aus, weil der Oskar verlernt. Ich warte erst noch ein bisschen, will eigentlich reden, aber immer noch weiter Applaus. Ja, ja, ja. Jetzt, ja, jetzt kannst du. Leider schön,
Florian Bayer: dass du da bist.
Matthias Kastl: Danke.
Florian Bayer: Und um das gleich weiterzuführen, Matthias, der wahrscheinlich verantwortlich ist für das größenwahnsinnigste Projekt in der jüngsten deutschen Filmrezensionsgeschichte.
Johannes Franke: Seit 1999. Seit 1999. Das ist die jüngste Geschichte in diesem Zusammenhang.
Florian Bayer: Aber am besten sagst du was dazu. Was machst du da gerade?
Matthias Kastl: Ja, also ich bin seit circa 20 Jahren bei Filmszene. War früher ein ziemlich großes Kinoportal, ist ein bisschen kleiner geschrumpft, weil wir ein bisschen älter geworden sind. Leute kriegen Kinder, Leute sind unterwegs, haben wenig Zeit. Und mir ist halt so, ich schreibe Filmkritiken dort, in den letzten Jahren aufgefallen, dass irgendwie Kinolandschaft, ich war nicht mehr so ganz happy mit den neuen Dingern, geht euch vielleicht auch so. Die ganzen Mittelklasse-Filme, auf die ich so schäle, so dieses typische 60 bis 90 Millionen Ding, fällt ein bisschen weg. Es gibt nur noch die Riesen-Blockbuster. die kleinen Filme. Und da habe ich überlegt, okay, über was kannst du jetzt schreiben, Matthias? Und dann ist mir ein altes Zitat irgendwann von Roger Ebert, dem Filmkritiker, über den Weg gelaufen. Der wurde mal Anfang 2000 gefragt, was ist denn Blödes, die Filme gehen alle in die falsche Richtung. Also es war noch Anfang 2000, ich weiß nicht, was der heute denken würde. Und da meinte er, ist doch gar kein Problem, selbst wenn jetzt nicht mehr produziert wird. Es gibt so viele alte Filme, das kann man gar nicht nachholen.
Johannes Franke: Das stimmt.
Matthias Kastl: Und dann habe ich mir gedacht, ja okay, hat er eigentlich recht. Hab dann gedacht, okay, wie wäre es mal, wenn du mit alten Filmen anfängst, brauchst du natürlich irgendwie ein System. Wir sind ja in Deutschland, da ist alles schön ordentlich. Und da war die Idee erstmal, okay, ich könnte eigentlich mal so von hinten nach vorne machen. Ich fange am Anfang an mit der Entstehung und kriege so ein bisschen mit, wie sich Filme entwickeln. Und die offensichtliche Idee war, okay, ich könnte es an den Oscars aufziehen, also immer den Oscar-Gewinner. Haben jetzt schon viele gemacht. Habe ich mir aber gedacht, okay, aber über ein Jahr was sagen, nicht nur einen Oscar-Gewinner kennen. Also wenn ich jetzt Titanic gesehen habe, weiß ich ja nicht, wie es Jahr 99 oder 98 oder so war. Da habe ich gedacht, okay, dann mache einfach alle Nominierten. Das war noch im naiven Glauben, dass es ist ja jetzt so zehn Stück immer pro Jahr und früher waren es immer fünf. Da dachte ich mir, okay, fünf pro Jahr, von Anfang an ist ja handelbar. Habe ich nicht gewusst, dass sie nach zwei, drei Jahren auf zwölf hochgegangen sind, schon 1932. Und ich da, da dachte ich so, oh Gott. Also es sind insgesamt über 600 Filme. Aber gut, gesagt, getan. Und jetzt rezensiere ich jede Woche ein. Mal gucken, wenn ich das noch durchhalte, weil ich ein paar Monate Vater werde, kann es sein, dass ich den Rhythmus ein bisschen auf zwei Wochen schiebe. Da muss ich mal schauen. Mal gucken, wie der kleine handelbar ist, das sehe ich dann. Aber aktuell ist es einmal pro Woche. Und fang da an, wie gesagt, mit 19 und 29 an. Und das Coole halt, was halt richtig Bock macht, ist, dass du halt sozusagen Stück für Stück mitbekommst und so ein bisschen, wie die Leute damals, wenn sich was entwickelt, da kann ich auch nachher noch zu kommen, wenn du halt 50 Filme aus der Zeit gesehen hast und dann macht Film 51 was anders, sitzt du einfach mal da und so, boah, geil. Und wenn ich den Film nur so gesehen hätte, hätte ich es wahrscheinlich gar nicht gemerkt. Und das ist so die Freude am Projekt und aktuell. bin ich so, das jetzt hier erscheint wahrscheinlich so bei Folge 140 rum grob, fehlen also noch ein paar hundert. Ich bin jetzt Mitte der 40er Jahre angekommen. Bald geht es auf fünf runter, aber ja, also bald steht Casablanca vor der Tür.
Florian Bayer: Hast du mal ausgerechnet, wie lange du beschäftigt wärst, wenn du es schaffst, jede Woche einen zu rezensieren, wann du fertig bist?
Matthias Kastl: Habe ich gemacht und direkt wieder vergessen. Das war mir dann auch. Aber ich sollte noch, also nach der statistischen Lebenswahrscheinlichkeit, sollte ich noch am Leben sein. Deswegen sollte es machbar sein.
Florian Bayer: Ich dachte,
Johannes Franke: es wird ein Generationenprojekt.
Florian Bayer: Ja, Glückwunsch übrigens erstmal dafür, dass du Vater wirst. Ja,
Matthias Kastl: da hätte ich ja jemanden, der übernimmt. Aber da will ich mich jetzt nicht drauf lassen.
Florian Bayer: Es ist auch aus eigener Erfahrung, kann ich sagen, dass es ganz schön schwer ist, Kinder für alte Filme zu begeistern. Und alte Filme in dem Sinne, dass mein Sohn sagt, oh nee, nicht so eine olle Kamelle. Wenn ich ihm einen Film gebe, den ich gesehen habe, als ich 18 war, weil er da rauskam.
Matthias Kastl: Mal eine Frage, was war der erste Film, den du deinem Weißt du das?
Florian Bayer: Also der erste richtige Spielfilm in voller Länge war mit Sicherheit irgendein Disney-Film. Ich weiß, wir haben, als er kleiner war, haben wir auf jeden Fall so Disney geguckt. Die Clips, Musik aus Dschungelbuch und König der Löwen und da habe ich ihm alles Mögliche gezeigt. Und der erste richtig lange Film kann ich dir nicht mehr sagen. Das Problem ist ja, Kinder, wenn sie anfangen zu gucken, gucken sie ja eher kurze Sachen. Das heißt so diese 20 Minuten. Sachen, die speziell für Kinder sind. Und als Cineast schlägt man dann doch öfter mal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man sieht, was da qualitativ produziert wird.
Johannes Franke: Oh Mann. Ich bin sehr gespannt, an welchen Film er sich erinnern wird, wenn er dann, weiß ich, Mitte 20 ist und sagt, das war der Moment, wo ich mich immer daran erinnern werde, weil du den mit mir geguckt hast oder sowas. Hat man ja, oder?
Florian Bayer: Ja. Tatsächlich Wunderbare Jahre gucke ich gerade mit ihm. Also er ist schon ein bisschen älter. Und das funktioniert erstaunlich gut. Und das ist ja auch mittlerweile schon 30 Jahre alt. Und das ist so die erste Serie, die wir wirklich zusammen gucken, in dem Sinne, dass wir beide Freude daran haben. Nicht einfach aus nostalgischen Gründen. Und er, weil er sich offensichtlich auch voll damit identifizieren kann, was da passiert.
Johannes Franke: Hast du denn was, wo du mit deinem Vater zusammengesessen hast als Kind und gedacht hast, ja, das war geil?
Matthias Kastl: Das ist tatsächlich, ich hoffe, mein Vater hört die Episode nicht. Also als Kind, also ganz klein weiß ich das, Sachen wie Bambi. Und ich lasse mir Disney weg, weil das ist ja bei allen das Gleiche. Ich kann mich erst so später erinnern an meinen Vater. Ich weiß, dass ich ihn gezerrt habe irgendwann als 10- oder 12-Jähriger in Monty Python Ritter der Kokosnuss. Das lief nochmal. Und ich weiß, wie ich mich totgelacht habe und mein Vater hat keine Miene verzogen. Und ich war nachher rausgekommen und habe gesagt, okay, das hat sich ein bisschen später wiederholt. Wir haben tatsächlich in der Schule, haben wir im Religionsunterricht unserer Reli-Lehrerin erzählt, dass das ein Film über Jesus ist, dass sie kannte ihn nicht. Wir haben ihn reingelegt. Und da war eine ähnliche Reaktion. Kinder sind toll. Das war auch super damals. Ansonsten habe ich aber, weiß ich nicht mehr, ich weiß tatsächlich noch, der erste richtige Kinofilm, wo ich trotzdem klein war, war Who Framed Roger Rabbit von Sam McKiss. Großartig, ja. Da war ich da acht, neun, keine Ahnung. Das habe ich noch in Erinnerung. Ich glaube, den fand mein Vater auch ganz okay. Meine ich. Oder hat geblufft.
Florian Bayer: Ja, das war so ein frühes Filmerlebnis.
Johannes Franke: Fuck. Jetzt habe ich vergessen, dass ich ja auch in der Runde sitze und auch was fragen muss. Du darfst ja nicht nur Fragesteller sein. Also das Interessante ist, dass mein Vater natürlich der Verantwortliche dafür ist, dass ich der große Chaplin-Fan bin. Ich liebe Chaplin, ich liebe Buster Keaton, ich liebe diese alten Slapstick-Sachen. Und wir waren zwar nicht im Kino, aber wenn ich bei ihm zu Hause war, weil meine Eltern waren geschieden und dann bin ich immer mal wieder zu ihm rüber, dann haben wir die alten Slapstick-Filme geguckt und ich habe es geliebt. Es war wirklich... wirklich großartig und ich bin ihm unendlich dankbar für diese Initialzündung.
Florian Bayer: Und einen älteren Film gucken wir auch heute. Was hast du uns denn mitgebracht, Matthias?
Matthias Kastl: Ich habe euch mitgebracht, also ich habe ja überlegt, was kannst du mitbringen aus der Ausgleichszeit und ich wollte nicht so etwas Offensichtliches nehmen. Ihr habt ja sowieso schon Citizen Kane gemacht, Casablanca glaube ich schon. Und dann bin ich auf eine Komödie gestoßen und was das Schöne an meiner Reihe ist, es gibt manchmal Filme, die überraschen einen, weil man nicht so damit rechnet. Und ich hatte nicht mit so einer Art Komödie gerechnet, wie ich sie in dem Film bekommen habe. Der Film heißt Ein Butler in Amerika, Ruggles of Red Gap, der wie meistens immer coolere, englischere Titel. Und was ich an dem Film so toll finde, ist halt, dass der halt unglaublich, der ist unglaublich entspannt. Also er hat so ein, zwei Szenen drin, die ich immer noch absolut grandios finde, die einfach komplett relaxed, mir jetzt alles egal ist. Und das verbindet man oft nicht mit so alten Filmen. Und das war so der Grund, dass ich gesagt habe, ich nehme das mal mit. Auch, dass man eben nicht nur sagt, altes Kino ist immer angestaubt, etc.
Johannes Franke: Du hast einen Text vorbereitet, um uns einmal einzuführen in dieses Meisterwerk oder auch nicht, das werden wir besprechen. Und du kannst es gerne mal zum Besten geben.
Matthias Kastl: Am Pokertisch kann man schon mal sein letztes Hemd verzocken. Außer man hat natürlich gerade einen Butler, es wird ein Satz parat. Das ist die Prämisse der wundervollen und leider komplett in Vergessenheit geratenen Komödie Ein Butler in Amerika aus dem Jahr 1935. Naja, nicht ganz vergessen, denn immerhin haben einst die Kohnenbrüder in ihrem Werk Barton Fink eine kleine Liebeserklärung an den Film versteckt. Ist aber auch ein Traum, mit welcher Leichtfüßigkeit der für seine Improvisationskünste berüchtigte und bei den SchauspielerInnen dafür teils gefürchtete Regisseur Leo McCary hier seine arme Hauptfigur dem größtmöglichen Culture-Clash aussetzt. Ausgerechnet einem vulgären amerikanischen Millionär soll der bisher in Paris residierende feine englische Butler Wuggles von nun an gehorchen und wird dazu auch noch in das amerikanische Provinzkaff Red Gap versetzt. Sehr zur Freude vom Publikum. Denn mit welcher unglaublichen Leichtigkeit der Film dieses Fish-out-of-water-Szenario für das größtmögliche emotionale Chaos nutzt, ist richtig großartig. Und zeigt eindrucksvoll, dass es neben Chaplin, Keaton, den Marks-Bodders noch so viele andere Komödienperlen aus der Frühzeit des Kinos zu entdecken gibt. und es wirft die Frage auf. Sind also alte Schwarz-Weiß-Streifen gar nicht so hüftsteif, wie man eigentlich denkt?
Johannes Franke: Gute Frage. Also hüftsteif für mich ja sowieso gar nicht, weil ich ja der große Chaplin-Fan bin. Aber ich werde auch regelmäßig seltsam angeschaut, wenn ich das sage. Insofern, ich verstehe, was du meinst.
Florian Bayer: Es ist total cool, weil es ist eigentlich überhaupt nicht meine Zeit. Also das Hollywood der goldenen Ära, wie es genannt wird. Ich habe sehr wenig Filme aus der Zeit gesehen. Ich habe jetzt auch noch mal, als ich geguckt habe, was ist denn so drumherum passiert in den 30er Jahren? drauf geguckt und festgestellt, oh krass, da habe ich wirklich große Wissenslücken. Und wenn, dann würde ich sogar behaupten, es ist eigentlich eher so ein bisschen deine Epoche, Johannes. Weil du stehst ja auch so auf die klassischen amerikanischen Filme, so die ersten Screwball-Komödien und sowas.
Johannes Franke: Total, aber ich muss dazu sagen, dass ich natürlich feststellen muss, wenn ich den Film sehe, dass ich nur, weil ich es mag, dass es nicht heißt, dass ich das auch alles kenne und dass ich auch Bescheid weiß über die ganze Sache. Ich habe in der Recherche überlegt... Wir wollen ja auch ein bisschen mehr über 30er, 40er Jahre Filme, vielleicht über die Zeit und so weiter reden. Um Gottes Willen, wie war denn das noch gleich? Ich kriege noch Haze Code zusammen. Weißt du, solche Sachen. Und dann denke ich, ja, ich bin großer Fan von den Sachen, aber irgendwie erschöpfend über die Zeit Bescheid zu wissen, ist wahnsinnig schwer.
Florian Bayer: Absolut. Ich finde es total spannend, weil wir sind schon so ein bisschen auch in so einer Übergangsphase. Also wir haben irgendwie der... Tonfilm hat sich mittlerweile etabliert, der hat jetzt schon ein paar Jahre auf dem Buckel und wir haben irgendwie den Haze-Code, der entsteht und der wirklich die Filmindustrie für die nächsten Jahre und Jahrzehnte ordentlich prägen wird. Und dann haben wir gefühlt so einen Publikumswunsch nach eskapistischen Filmen, nach Filmen, die so ein bisschen auch helfen, die Zeit der Great Depression ein bisschen zu vergessen. Das wäre so mein Gefühl und da schlägt der Film natürlich voll rein, weil der halt auch ein Film ist. der einfach mal zu den frühen Feel-Good-Movies gehört. Das ist ein Film, den schaut man sich an und man fühlt sich die meiste Zeit über total wohl. Ja, total.
Johannes Franke: Aber du machst eine interessante Frage auf. Was ist denn anders damals in den Filmen? Matthias, was ist dein Gefühl? Was macht die Filme so besonders und anders als heute?
Matthias Kastl: Also, Gott, da machen wir jetzt einen Riesenfass auf. Da gucke ich mal, wie ich das am besten zusammenfasse. Also einmal was... bei dem Film ja noch auffällt oder allgemein mir aufgefallen ist bei der Oscar-Reihe, es gab immer wieder in diesen Jahren, gibt es relativ viel Komödien, die nominiert sind. Also Frank Krupper ist natürlich ganz oft, was du heute gar nicht mehr so hast. Ich weiß gar nicht, wann die letzten Oscar-nominierten Komödien jetzt wirklich sind. Also gefühlt nicht überhaupt ist das Genre eigentlich so halbtot im Kino. Jetzt kommt das Spoof wieder ein bisschen zurück mit hier Spaceballs 2 und Nackte Kanone und Scary Movies 37 oder weiß Gott was. Aber auch nur das. Und das war natürlich noch was, Was einfach ist, also wirklich Dialoghumor ist auch nicht so extrem, kein Fäkal, geht alles auch nicht wegen dem Haste-Code, über den wir nachher noch sprechen. Und ich finde, das ist eine gewisse Naivität, die heute vielleicht auch nicht so rüberkommt. Es ist so ein bisschen naiv, herzlich, ist ein bisschen so ein Message drin, aber auch nicht zu viel. Und was ich da halt finde, der ist halt so unglaublich entspannt. Da komme ich auch nachher noch zu dem Regisseur, weil es an dem liegt. Und du hast das Gefühl, da wird halt die Kamera hingestellt und dann wird irgendwas gemacht. Und du hast einen Hauptdarsteller, den Charles Lofton, den liebe ich sowieso. Der ist großartig. Der hat davor ganz viel so Meute drauf. Der Bounty-Bösewicht, hier Bösewicht, da Bösewicht, Spartakus-Bösewicht. Also er war immer Bösewichte und das war immer seine Lieblingsrolle. Und das merkst du halt auch, das macht ihm einfach Spaß ohne Ende. Also wenn er dann immer allein, er hat dann manchmal, also es gibt ja, er kommt ja zu diesem Amerikaner rüber und der ist immer so schrecklich angezogen, der zu kreierte Kleider und... allein immer, wenn er irgendwas für den machen muss, dann alle in diese Blickbewegung, sein Blick geht immer nach links, er sieht es innerlich, denkt er sich, oh mein Gott, nach rechts, ich muss mich wieder konzentrieren, ja, ich nicke brav. Und das ist einfach wunderschön gemacht und da hast du halt irgendwie eine Lockerheit und ich glaube, was natürlich heute noch ist, du verbindest halt diese alte Zeit oft eher mit, du denkst an Dramen, du denkst an Citizen Kane, du denkst an Melodrama und dass die aber auch damals auch nur Menschen waren und halt auch entspannt waren, das hast du nicht so auf dem Schirm. Und dadurch kommt es so ein bisschen überraschend. Und ich habe auch jetzt immer wieder bei anderen Filmen gemerkt, dass da auf einmal die sind so feinfühlig und so schön und so mit kleinem bisschen Ironie und so. Wo ich mir denke, hey, die waren ja auch alle normal damals, die Leute. Hab ich gar nicht gedacht, aber waren ja auch ganz gechillt drauf.
Florian Bayer: Charles Lorden, ganz krass, war ja wirklich, war ja eigentlich einer für diese dramatischen Rollen, für diese melodramatischen Rollen, wirklich ein großer Charakterdarsteller, ein Shakespeare-Darsteller. Ja, ja, der hat ja viel sehr ernsthaftes Zeug gemacht. Und vor allem hat der... Hat einen Oscar gewonnen, ne? Es war im selben Jahr, aber für einen anderen Film.
Matthias Kastl: Es war Moiterei auf der Bounty. Ich bin grad nicht sicher, ob es jetzt auch für den war. Er war auf jeden Fall nominiert. Bin ich mir grad ein bisschen unsicher.
Florian Bayer: Er war nominiert, stimmt.
Matthias Kastl: Ich meine, er hat später für irgendwas nochmal gewonnen. Er war einmal Regisseur sogar später für Night of the Hunter, den ich unbedingt noch sehen will mit Robert Mitchum. Der soll sehr geil sein. Den hab ich nicht gesehen, aber es war das einzige Mal, wo er Regie gemacht hat. Und leider. Aber wie gesagt, das ist ein toller Schauspieler. Ich werde ab und zu mal so Filme reinwerfen für Leute, die Bock haben, das anzugucken. Also Meuterei auf der Bounty ist auch grandios. Du hast ihn als Bösewicht und hast Clark Gable als Gegenspieler. Und das ist also, wenn du mal wissen willst, was Sex Appeal aufnimmt. Also da guckst du selbst, da guckst du auch als Mann, als Eischen und denkst dir ja, meine Fresse, ist der, ist das, das ist, da bist du verliebt in den. Und es ist auch so ein toller Film. Aber wie gesagt, eigentlich ein Bösewicht, aber wie es oft so ist, du hast ja Leute, die spielen immer eine eine Rolle, dann können sie mal den Clown spielen, umgekehrt gibt es Leute. Die spielen manchmal den Clown und sind, zum Beispiel Robin Williams war sowas, der hat meistens Comedian gemacht, aber dann, weiß nicht, wer One Hour Photo kennt, wo er dann wieder jemanden böse, also oft ist es diese Gegensätze und dann sind die Leute aber besonders gut drin, weil sie mal was anderes spielen. Und das macht halt auch den Film so stark.
Johannes Franke: Lorden war ja für drei, mit drei Filmen bei den Oscars in diesem Jahr, oder? Das war die Bounty, das war das hier und da war doch noch was anderes. Ich weiß es nicht mehr genau.
Matthias Kastl: Das hast du öfters. Also du hast öfters, dass Leute mehrmals, das gibt es ja heute eigentlich kaum noch, aber oft, weil du damals ja auch, du hast einen riesen Output gehabt. Also die Leute haben ja produziert wie Blödfilme. Es war damals Eskapismus, es war neu, das Medium. Und daher kommt ja auch das Ganze mit den Beat Pictures und so. Also die Leute sind ja in die Kinosäle gegangen und waren teilweise den ganzen Tag im Kinosaal, weil es halt wenig Geld gekostet hat, es hat keine Kohle gehabt. Dafür hast du es rausgeworfen.
Johannes Franke: Ja, krass. Die haben teilweise, also gerade diese Produktionsfirma Paramount war es, glaube ich, die das gemacht haben, die haben jede Woche einen Film rausgehauen. Jede Woche einen neuen Film. Wie krass ist das denn? Da hast du also fast jede Woche 40 Filme in diesem Jahr, glaube ich. Total krass.
Matthias Kastl: Also das Heftige ist ja, das ist ja der Erfolg sozusagen von dem Studiosystem. Ich triff immer mal ab, ihr stoppt mich, wenn ich abdrifte. Also du hast ja am Anfang waren jetzt wir, ich sag einfach mal, wir als Patrioten, war ja Deutschland eigentlich die Nation, die hier die Filme gemacht hat. Also wir waren ja weit vorne dabei mit allem. Dann kam der erste Weltkrieg, dann haben wir uns hier alles zerschossen und die USA haben es ja übernommen, haben dann angefangen zu produzieren, haben dann irgendwann gemerkt, okay, wenn wir uns zusammentun als große Studios, wenn wir dann gleichzeitig auch die Kinos kontrollieren und dann wie so eine Fließbandarbeit errichten, dann können wir Filme ohne Ende produzieren und dadurch den ganzen Markt erledigen. Damit haben die alles überflutet. Das heißt später, als Deutschland sich leicht erholt hat, sind die ersten Deutschen aber auch wieder alle Künstler rüber in die USA. Die Hälfte sind ja alles Deutsche. Andauernd stolper ich über deutsche Namen. Überall sind die. Die Produzenten sind ganz viele Jüdische, die aus Deutschland rüber geflüchtet sind oder von Deutschland kamen. Alles Mögliche. Und durch dieses Studiosystem hast du halt einen unglaublichen Output und einfach Massen an Filmen. Und das war also, heute denkt man sich, was für ein Traum. Die Leute wahrscheinlich Produktionsfilm würden sagen, oh mein Gott, die Leute gehen fünf Filme pro Tag. Das kriegst du natürlich nicht mehr hin. Aber damals war das halt neu und aufregend.
Florian Bayer: Entschuldigung. Das ist ganz interessant, weil das ist der zweite Punkt, ich glaube, der ganz wichtig ist, auch für diesen Film, dass so ein... Dass es zusätzlich nach dem Wunsch nach Eskapismus auch so einen Wunsch nach, ich nenne es mal, liberalen Patriotismus gab in Amerika. Du hast gerade von den jüdischen KünstlerInnen erzählt, die rüber sind, weil sie einfach auf der Flucht waren. Weil wir haben jetzt die in den 30ern irgendwie, in Deutschland kommen die Nazis an die Macht, im asiatischen Raum sieht es auch schwierig aus, da gibt es ja auch so diese faschistischen Tendenzen. Und Amerika kämpft noch so ein bisschen mit sich zwischen Isolationismus und wie weit können wir eingreifen? Das wird sich erst später doch... gut fünf Jahre später nochmal in eine andere Richtung schieben. Aber es gibt zumindest so diesen Wunsch auch nochmal hervorzuheben, was macht Amerika eigentlich besonders und warum verstehen wir uns als The Land of the Free? Und ich finde, das ist ein ganz wesentlicher Punkt auch für diesen Film, dass es eben nicht nur dieser Eskapismus ist, sondern dass wir im Herzen und vor allem wirklich auch ganz konkret in seinem Zentrum so diesen ganz starken Patriotismus haben. Amerika ist anders als England in dem Fall, aber natürlich auch so zur Seite geschielt als andere Länder in Europa und wir sind das Land of the Free und wir haben hier einen Film, der auch so ein bisschen zeigen soll, warum wir uns als anders verstehen und was wir unter unserem Freiheitsbegriff verstehen.
Johannes Franke: Um es so konkret zu machen, zwei Jahre, Hitler ist zwei Jahre an der Macht und es war zu sehen. Amerika hat das auch als Aufforderung begriffen, sich abzugrenzen oder zumindest mal was zu sagen.
Matthias Kastl: Ja, aber nein. Aber nein. Ja, aber nein. Ja, aber nein. Weil ich da echt unglaublich viel da noch, also kurz bei meiner Filmreihe mache ich das so, dass ich immer... einmal pro Oscar-Jahrgang mir irgendein Thema raussuche und das ein bisschen ausführlicher noch dazuschreibe. Und da war jetzt auch, weil der Weltkrieg so bestimmt ist, der Zweite Weltkrieg mit drin. Und was faszinierend ist, ist, dass lange Hollywood das Ganze eher ein bisschen vermieden hat, weil, also man müsste sich eigentlich wundern, ich meine, alle von den Studios kommen aus jüdischer Herkunft. Warum zum Teufel gebt ihr nicht Vollgas und macht wirklich harte Antikriegsfilme? Ist nicht passiert, weil Deutschland mit der größte Marktfahrt im Ausland. Und da waren die super vorsichtig. Und gleichzeitig, was auch faszinierend ist, ich bin auch über eine Geschichte gestolpert, Deutschland hat dann auch noch Leute rübergeschickt, die wiederum in den USA so als Filmbotschafter fungiert haben und es teilweise geschafft haben, Filme zu blockieren. Nach dem Motto, wenn ihr das jetzt hier so umsetzt, dann deutscher Markt adieu. Also es waren nicht so viele, aber es ist ein, zwei Mal passiert. Deswegen war da echt eine Vorsicht und es ist eigentlich erst so richtig gefallen mit dem Angriff auf Pearl Harbor, weil auch die amerikanischen, muss ich es vorstellen, heute denkt man jetzt immer, ja klar, die waren ja alle für, wir müssen Deutschland befreien. Das war, bis die nicht angegriffen wurden, waren die Amerikaner da immer noch sehr zwiegespalten. Nach dem Motto, halten uns ein bisschen raus, sehen wir ja heute politisch auch ein bisschen. Deswegen war das gar nicht so eindeutig. Aber klar, es spielt mit rein, dieses Liberale. Was aber noch bei dem Film auch mit rein spielt, ist die Tatsache, dass halt da auch die Wirtschaftskrise noch in den Knochen steckt. Viele vor allem die kleinen Leute, es war also ein Kino der kleinen Leute, und der Film natürlich das aufgreift. Ich habe diesen Diener, diesen Kleinen, und in den USA, da kann ich was bringen, da kann ich was machen, da bin ich der, da bin ich mit, da ist nicht dieses Klassenvoll-Oben-Denken. Also genau das, was du eigentlich hören willst, wenn du auf so einer Wirtschaftskrise, hey, ich packe das American Dream. Und das wird da halt dann transportiert.
Florian Bayer: Das prominenteste Beispiel hatten wir ja auch schon mal im Podcast Charlie Chaplin, 1940, wo sie gesagt hat, haben, ey, den Film, der große Diktator, den kannst du in dem Kino nicht zeigen und in dem Kino kannst du den auch nicht zeigen, da ist einfach, dass die Deutschen werden das Kacke finden, die werden da nicht reingehen. Und das war wirklich kurz vor Pearl Harbor.
Johannes Franke: Dieser Film wurde ja auch in Deutschland verboten. Also sie haben ihn ja nicht veröffentlicht in Deutschland, gerade wegen der Gettysburg-Adress-Szene, worüber wir bestimmt reden werden.
Matthias Kastl: Es sind mehrere Länder sogar. Also es ist nicht nur Deutschland, es sind mehrere Länder. Alle diese autokratischen Länder haben den Film verboten, weil die Botschaft natürlich ist. Da einfach mal ein Pakt.
Florian Bayer: Freiheit.
Matthias Kastl: Freiheit.
Florian Bayer: Verdammt. Springen wir nochmal zu unserem Protagonisten zurück. Ruggles.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: Ruggles. Gespielt von Charles Lawton. Was für eine großartige Figur. Also ich finde, es ist wirklich leicht in den Film reinzukommen, weil man diese Figur von Anfang an ins Herz schließt. Dieser so ein bisschen verkniffene Butler, der ganz genau weiß, was sein Job ist und was er machen muss. und dann aber natürlich versucht, die Kontenance zu bewahren. der aber natürlich komplett aus der Bahn geworfen wird, wenn er mit diesen amerikanischen Raubeinen konfrontiert ist. Und Charles Lawton spielt das einfach großartig. Es ist unglaublich.
Johannes Franke: Es ist wirklich ganz, ganz, ganz toll gespielt. Der ist immer so, was du vorhin gesagt hast mit diesen Blicken. Er hat so einen Kommentar. Er hat immer einen Kommentar im Blick. Und das finde ich ganz großartig, weil man eine dreidimensionale Figur vor sich hat. Der hat viel Untertext.
Matthias Kastl: Ja, also was ich besonders cool finde in dem Moment, Also... Was ich auch wieder meine, der Film ist sehr locker. Irgendwann fangen die an, also man würde jetzt ja denken bei so einem Film, klassisch, okay, es ist Ding und es geht Stück für Stück so langsam, ist die Figur, wird die Figur das vielleicht lernen. Aber es geht eigentlich schon so ziemlich schnell, dass man merkt, diese Amerikaner, die jetzt diesen Butler geholt haben, haben so ein bisschen sich die Katze im Sack bekommen, weil er schon nach dem ersten Betrinken, nach dem ersten Alkohol, eigentlich schon ein bisschen durchdreht. Also unser Butler wird ja am Pokertisch sozusagen weiter geschenkt von unserem reichen Earl. der ihm das leider sagt, hey, ich habe dich verzockt an so ein amerikanisches Couple. Und eigentlich hat er es an die Frau verloren, weil die Frau, die amerikanische Frau, ihren Mann, der sich unglaublich schlecht und typisch albimäßig benimmt, dem will sie Manieren beibringen. Und die hofft, jetzt hole ich mir diesen englischen Budweinshaus. Mein Mann ist sowieso total vulgär, den nehmen wir jetzt mit in die USA und der wird uns da hier stellungsmäßig nach vorne bringen, weil er uns pimpt. Und dann geht unser Butler das erste Mal mit dem Amerikaner einkaufen. Und der ist natürlich schrecklich, will nur suggerierte Hemden und alles. Und lässt sich aber überreden, dann einen zu trinken. Und das ist ein Problem, weil man auch kennt hier von gewissen Silvesterfilmen, wenn Butler Alkohol trinken, dann ist es teilweise eine schlechte Idee. Und dann trifft er das schon ab. Und wenn ihr in den USA seid, dann merkt halt die Frau schnell, okay, dieser Butler, der mag zwar fein gewesen sein, aber wenn er halt ein paar Bier getrunken hat, dann ist er anders drauf. und Und das lässt das Ganze ziemlich schnell eskalieren, was ziemlich geil ist, weil halt das so ein bisschen überraschend kommt, weil man sich denkt, okay, das dauert eigentlich länger. Und so wird das Ganze eigentlich schnell umgedreht.
Florian Bayer: Es ist total krass, weil er wird ja eigentlich als so der Muster-Butler inszeniert am Anfang. Du siehst ihn und denkst, okay, das ist wirklich jemand, der seinen Job beherrscht. Und das ist jemand, der unter allen Umständen die Kontenance wahrt. Auch wenn er zum ersten Mal mit Eggbird zusammentrifft und dann trifft Eggbird seinen alten Freund und dann machen sie ihre Cowboy-Geräusche. Und er sitzt wirklich so sehr verkrampft daneben. und besteht auch sehr lange darauf, stehen zu bleiben. Wenn Eckbert will, dass er sich hinsetzt und selbst wenn er betrunken ist, will er auch, besteht ja unbedingt noch drauf, dass er es ist, der die Tür aufhält. Es gibt diese wirklich witzige Kutschenszene, wo er unbedingt seinem Herrn natürlich den Vortritt lassen muss und auf keinen Fall vortreten darf und deswegen noch einmal aussteigt und um die Kutsche rumrennt mit einem großartigen, siegessicheren Grinsen. Ja, das ist ganz toll. Also ich glaube, das ist das große Geheimnis, wo uns der Film richtig hart reinzieht,
Johannes Franke: nämlich diese... Diskrepanz zwischen diesem Stock im Arsch und aber dem sichtbaren inneren Wunsch auch auszubrechen. Und der natürlich auch immer wieder gefüttert wird von unserem karierten Typen. Übrigens, ich liebe karierte Anzüge. Ich habe auch solche Pferdedecken an.
Matthias Kastl: Aber jetzt gerade leider nicht. Also das Publikum hört dich ja nur, aber ich kann sagen, es sieht leider nicht kariert aus. Da lässt sich noch was machen.
Florian Bayer: Glaubt ihr, er hat es von Anfang an schon in sich drin, dieses Subversive, dieses Rebellische.
Matthias Kastl: Er hat auf sein erstes Bier gewartet. Das ist so meine Theorie. Das war einmal so, aber es ist halt nur, weil ihm keiner was zu saufen angeboten hat. Und dann kommt es und da zieht der Film halt dann viel Charme raus.
Florian Bayer: Es ist krass, weil eigentlich dieser Earl of Bernstead, den man am Anfang gehört, scheint ja auch jemand zu sein, der ganz gerne feiert und der ganz gerne Party macht. Und der hat offensichtlich diese Distanz bewahrt und hat ihm bisher noch kein Bier angeboten. Das sind die Engländer.
Matthias Kastl: Aber die, ich muss sagen, diese Earl-Figur, die liebe ich auch. Ich finde die großartig. Und was halt auch wieder so schön, wo man den Film so ein bisschen versteht, wo man sich identifizieren kann, ist dann auch später, wenn der Earl dann zu Besuch kommt und der ist erstmal oben und seufzt sich mit seinem Kumpel voll, wenn unten die Frauen sind, weil er keinen Bock hat, mit denen abzuhängen. Und das ist auch wieder sowas, wo du denkst, ich habe von so einem alten Film jetzt nicht gerechnet. Ich dachte irgendwie so stocksteifer. Aber die Jungs sind auch nur so, ey komm. Darunter zur Party gehe ich nicht, lass uns hier eins saufen, dann klemmt man aus dem Fenster und dann können wir wieder runter und tun so, als ob wir jetzt neu angekommen sind. Ja, aber auch eine tolle Figur.
Johannes Franke: Ich finde die Figur auch toll, vor allem, weil du sagst, er kommt ja wieder, der kommt ja nach Amerika, um den wieder abzuholen. Und dann gibt es dieses Gespräch und der Butler sagt, ich habe da einen Kampf am Laufen und der Earl fragt, ob er gewinnt. Und wrestelt ja mit sich selbst und er sagt, ja, ich glaube schon. Und er sagt, hab ich ja gar nicht zugetraut. Ich finde diese Ironie, die da drin steckt bei dem Typen, finde ich total super. Weil ja auch so eine Distanz zu seiner eigenen Figur zu haben scheint. Ja, absolut.
Matthias Kastl: Ich finde die Earl-Figur irgendwie faszinierend. Und das ist auch die, also der tut ja auch immer so ein bisschen vor sich hin duscheln, so ein bisschen so nebenher. Und ist irgendwie sowas, wo man denkt, also normalerweise würde man das doch nicht so spielen. Das ist irgendwie so eine komische Figur von der Spielweise. Der nuschelt so vor sich hin und immer so, ja, ja, okay, ja, ja. Und meine absolute Lieblingsszene, oder warum ich den Film wirklich mag, das ist eine ganz kleine Szene, da sitzt eine Frau am Klavier und er ist an so Drums, an so Trommeln. Und das hat überhaupt nichts mit der Handlung zu tun. Und es geht ungefähr so, im Hintergrund ist diese große Party, um was sie es eigentlich dreht. Und der Irr kommt da halt hin, da ist so eine, so ein junges Mädchen, hat natürlich ein Auge drauf geworfen, sitzt neben dir und dann spielt sie so Klavier und er an der Trommel und sie sagt so, hey, du musst jetzt hier bumm machen. Er so, so, bumm. Und sie, ja, gut, ja. und dann nochmal, ja so bumm. und dann spielen die weiter und dann macht er einfach so Bumm und dann sagt er, ich habe einfach mal so Bumm gemacht, schön, mach du nochmal Bumm. Eine Szene, die würde dir jeder aus dem Screenplay raus, du weißt, das muss improvisiert sein. Nie im Leben kommt so eine Szene in den Film rein, weil es macht nichts komplett sinnlos. Aber es ist halt so, du hast eine Kamera hingestellt, da hinten wird vielleicht gedreht, die haben es gar nicht mitbekommen, so wirkt es, also einfach so ein bisschen aber ich finde die so toll, weil sowas findest du ganz selten in Filmen, das einfach kompletter Humbug eigentlich an.
Florian Bayer: Mein Gefühl in dieser Szene war, sie ist ja so eine leichte Lady und die anderen Frauen der Gesellschaft gucken ja auf sie herab, weil sie eine Tänzerin, Sängerin ist. Also ich hatte so das Gefühl, ich finde die Szene auch ganz toll, ich hatte das Gefühl, das ist die Art, wie 1935 Sex inszeniert wurde. Die haben in diesem Moment einfach mal Sex.
Matthias Kastl: Das ist ein sehr guter Punkt. Da kommen wir zu meinem Liebling, zum Haze Code.
Florian Bayer: Ja, okay.
Johannes Franke: Komm, wir reden über den Haze Code.
Florian Bayer: Den Haze Code. Den Haze Code.
Matthias Kastl: Den Haze Code. Ich mache, genau. Es ist ja so, also nochmal kurz zum Hintergrund, habt ihr wahrscheinlich auch schon drüber gesprochen, aber ich sag's trotzdem nochmal. Es ist ja so, es gab in den Mitte 20er Jahren, gab's einen großen Skandal, Fetty Airbuckle war so ein Schauspieler, dem wurde vorgeworfen, er hat eine Frau umgebracht, vergewaltigt etc. Eine Anspielung, ich weiß nicht, habt ihr Babylon von Giselle gesehen? Müsst ihr mal angucken, die erste halbe Stunde ist wirklich perfekt, um die 20er, 30er Jahre zu verstehen. Und da gibt es eine Szene, wo auch, da gibt es am Anfang so ein großes Haus, wo eine Riesenparty ist mit Elefanten, alles durchgeknallt. In dem Fall ist es so, dass da auch jemand auf einer Toilette, ein dickerer Typ jemand vergewaltigt und das ist eine Anspielung genau auf das. Also dieser Film ist voll mit so Anspielungen auf die 20er, 30er Jahre. Und dann gab es einen Aufschrei in den USA und dann gab es eben diese Regeln, die erstmal komplett ignoriert wurden, weil keine Strafe war. Angedroht war so richtig und dann wurde Strafe angedroht und dann haben sie alle dran gehalten. Aber eben versucht zu tricksen. Und da ist Leo McCary auch ein wunderschöner Kandidat. Da gibt es im Film auch eine Szene, die man am Anfang denkt, das ist vielleicht nicht so gemeint, aber ich bin mir sicher, es ist so gemeint. Und zwar die... allerletzte Szene, wenn unser Butler am Schluss mit der Frau hinter der Tür verschwindet. Dann kommt der Eckbart und macht mit seinen Armen so eine Auf- und Abbewegung, wo du schon denken kannst, kann das Sex sein? Nein. Es ist garantiert so gemeint, weil wenige Jahre später gibt es auch von Leo McCary auch einen sehr schönen Film mit Cary Grant, Die schreckliche Wahrheit. Und da ist die Schlussszene und es ist noch besser. Da geht es auch wieder um, Frau Mann, kriegen Sie sich ja rein. Und dann verschwinden die zusammen im Zimmer. Tür geht zu und die Kamera fährt hoch auf eine Kuckucksuhr und aus der Kuckucksuhr kommt der Kuckuck raus, rein, raus, rein, raus, rein, Cut, Film vorbei.
Florian Bayer: Großartig. Und das ist auch,
Matthias Kastl: deswegen, ich liebe den Haze Code eigentlich, also es schließt irgendwie wahr, aber diese kreativen Sachen sind sensationell. Und du hast, wenn ich jetzt, ihr unterbrecht mich, wenn ich hier wieder zu lange rede, aber du hast auch viele andere Sachen, die... die teilweise echt durchknallt sind. Du durftest ja auch nicht, also wenn du nicht verheiratet warst, durftest du nicht im gleichen Bett übernachten. Ja,
Johannes Franke: zwei Betten.
Matthias Kastl: Genau, zwei Betten. Da gibt es diese Wars of Jericho berühmte Szene mit Tagable Inn. Da fällt mir jetzt gerade wieder nicht der Name ein.
Johannes Franke: In die kurze Pause frage ich dich, willst du Tee?
Matthias Kastl: Oh ja, ich will Tee. Ohne Tee.
Johannes Franke: Das haben wir jetzt die ganze Zeit schon verpasst. Wir sind schon irgendwie seit einer halben Stunde am Besprechen.
Matthias Kastl: Deswegen bin ich ja eigentlich hier. Ich bin ja nur für den Tee hier.
Florian Bayer: Ich habe nur eine Nacht.
Matthias Kastl: Ich habe nur eine Nacht, genau. Danke. Das habe ich mir vorhin noch überlegt zu recherchieren, aber ich bin nicht drauf gekommen.
Johannes Franke: Möchtest du Milch? Ich nehme den so, ich vertraue der MT.
Florian Bayer: Der Klassiker ist ja die Hitchcock-Szene mit dem Zug, wo Hitchcock dann später gesagt hat, dass er sich sehr dafür geschämt hat. Ich glaube, es war der unsichtbare Dritte, glaube ich, aber ich bin mir nicht ganz sicher. Wo sie am Schluss, der Film ist quasi schon vorbei und es gibt die letzte romantische Szene zwischen den beiden und Hitchcock bringt einfach nochmal dieser Zug, der in den Tunnel einfährt, als Sexsymbol. ein bisschen später, aber... Ähnlicher Trick. Und ja,
Matthias Kastl: du hast da viele Tricks. Also auch Hitchcock hast du probiert und andere.
Florian Bayer: Es gibt doch diese berühmte, in Notorious glaube ich ist das, diese berühmte Kussszene. Ja, mit Pausen dazwischen. Ich habe es so gefeiert,
Johannes Franke: als ich das gesehen habe. Die fangen an zu knutschen und du denkst dir schon, Moment, Haze Code, Haze Code. Die dürfen nicht länger als drei Sekunden Lippen aufeinander haben. Und dann haben die angefangen zwischendurch immer einfach so Sachen zu murmeln und zu sagen, die irgendwie unwichtig sind, um den Kuss zu unterbrechen, um dann wieder anfangen zu knutschen. Und die ganze Szene geht insgesamt über drei Minuten oder sowas. Und die reden und knutschen und reden und knutschen und so weiter. Es ist so toll.
Matthias Kastl: Ich habe noch zwei Lieblingsszenen, über die ich auch gestolpert bin. Die eine ist, ich glaube, das ist der dünne Mann. Die dürfen ja auch, also wie gesagt, getrennte Betten sowieso. Aber es ist auch so, dass man vermieden hat, dass... nicht verheiratet, auch nicht auf dem gleichen Bett sich befinden. Und da gibt es eine Szene, da sitzt sozusagen sie auf dem Bett, dann kommt er und setzt sich hin und während er sich hinsetzt, steht sie auf, holt was, bringt es zurück, setzt sich hin und dann steht er aber gerade wieder auf und sie setzt sich hin. Also es ist genauso getimt, dass die bloß nicht gleichzeitig auf dem Bett sind. Und du hast ja nicht nur Sex, du hast ja auch Gewalt und du hast auch Moral. Und einer, auch ein Film, den ich nur empfehlen kann, das Geheimnis von Malampur mit Bette Davis, sowieso alles mit Bette Davis ist geil.
Johannes Franke: Absolut, ja.
Matthias Kastl: Da ist es so, also Es war von der Regel so, es muss verbrechen, es muss gesühnt werden, es muss bestraft werden. Alles andere ist die falsche Botschaft. Und in der Originalvorlage zu dem Buch ist es dann so, dass Bette Davies überlebt, obwohl sie eigentlich eine Bitch ist. Und dann aber, in dem Film konnte man es nicht machen, also stirbt sie am Schluss. Das heißt, so ein bisschen randommäßig, letzte Szene, geht wo raus, wird von jemandem erschochen. Jetzt haben sie sich dadurch, haben sie das Problem gelöst, dass sie bestraft ist. Aber sie haben ein neues Problem gemacht, weil sie wird ja von jemandem getötet. Der muss natürlich auch bestraft werden. Das heißt, in der gleichen Szene fährt in dem Moment, wo sie getötet wird, fährt total random ein Polizeiauto zufällig vorbei, steigt aus und verhaftet den, der sie umbringt. Und du siehst diese Szene und denkst dir, was ist denn das für ein Rotz? Aber mit der Erklärung, wenn du halt eben das verstehst mit dem Haysquad, dann weißt du, dass die, ah ja, wir bringen sie um. Moment mal, die haben ja, die müssen ja auch, lass mal Polizei vorbeifahren. Und das ist halt, ja, schon Wahnsinn.
Florian Bayer: Ich kann mich sehr gut erinnern, also es gab ja schon von Anfang an Kritik am Haysquad und es gab dann Texte von Filmkritikern, die geschrieben haben, okay, Das ist euer Ding, was wir da stehen haben. Und genau, Gesetz ist auch ganz wichtig, dass sich an Gesetze gehalten wird. Es darf nicht einfach gezeigt werden, vor allem nicht von Sympathieträgern, dass sie gegen Gesetze verstoßen. Und Reaktion von einigen Kritikern war dann, okay, das heißt die Tea Party, also die Original-Boston-Tea Party, die dürfen wir nicht zeigen, weil die verstoßen gegen das Gesetz, wenn die das Tee ins Wasser kippen. Sprich, wir können auf einmal keine Filme mehr machen, die die amerikanische Geschichte feiern, weil da gegen Gesetze verstoßen wurde, die damals einfach... die damals einfach noch da waren.
Johannes Franke: Ja, es ist absurd. Das Interessante ist natürlich, dass das eine Ära geschaffen hat. Man erinnert sich an diese Filme als ebenso unschuldig. Wenn man sich die alten Filme anschaut, die 50er, die 40er, größter Teil der 30er. Dabei vergisst man dann, dass in den 20er, Anfang 30er die Filme wahnsinnig brutal gewesen sind und wahnsinnig sexuell teilweise. Wenn man es an Scarface als größtes Beispiel denkt.
Florian Bayer: Das sind die Pre-Haze-Code-Filme. Die sind teilweise wirklich düster. Ja, oder so krass.
Johannes Franke: Die sind sehr geil.
Matthias Kastl: Also schaut euch, also Pre-Code ist es ja am Anfang noch, also Anfang Oscar ist ja noch Pre-Code. Und es bricht einem so ein bisschen das Herz. Es gibt auch eine Schauspielerin, die ich sehr cool finde, Norma Schirrer. Und die macht in einem Film mit, der heißt The Divorcee. Und im Wesentlichen läuft es so, ihr Mann geht fremd. und als Konsequenz sagt sie, okay, jetzt gehe ich fremd und geht fremd in dem Film halt dann. Das ist so die Handlung. Geil. Und das ist natürlich später überhaupt nicht mehr umsetzbar. Der Film ist richtig gut, die Frau ist klasse, dann kommt der Haze Code und Norma Schirra macht nur noch Filme mit, ach Schatz, ach dies, ach das. Und du denkst so, ach Mädel, komm, so eine geile Chancenspielerin, so toll gemacht. Ja. Also aber diese Pre-Code-Zeit ist wirklich sehr faszinierend, weil da hast du halt, da hast du dieses Gewaltding, da hast du die bösen Gewinne, da hast du das noch und dann, ja gut, Aber sowas.
Florian Bayer: Aber es ist ganz spannend, es hat nicht komplett aufgehört, sondern es wurde so ein bisschen an die Seitenlinie verdrängt. Es gab schon auch so in den 30ern dann diese, die Filme, die dann beim Oscar einfach keine Rolle mehr gespielt haben, aber diese B-Movies oder quasi die ersten Beispiele von Exploitation-Kino und gerade so diese Gangster-Filme, so die letzten North-Filme hatten noch die Themen Sexualität und Gewalt, die kamen einfach nicht aus dem großen Studiosystem und die kamen einfach von kleineren Studios, unabhängigen Studios und hatten auch ein deutlich niedrigeres Budget. Naja, galt auch einfach als die Schmuddelfilme dann, weil das waren die Filme, die sich noch ein bisschen mehr getraut haben, die sich nicht dran gehalten haben.
Johannes Franke: Für Schmuddelfilme ist immer irgendwo Platz.
Matthias Kastl: Am Ende ist Publikum da, aber wie gesagt, die großen Studios konnten es halt dann nicht machen und deswegen hast du das. Aber wie gesagt, wenn man es weiß, dann hat man trotzdem seinen Spaß mit den Filmen, weil es wie gesagt auch viel versteckte Sachen gibt und du merkst halt auch, die Leute müssen dann ein bisschen kreativ werden manchmal und das ist nicht schlecht bei so einem Medium. Ja,
Florian Bayer: definitiv. Und das ist ja auch nicht so, also das wäre halt so die große Frage, die man dann auch stellen könnte, ist Ruggles of Red Gap ein braver Film, weil er eben genau in diese frühe Hays Code Zeit fällt oder ist er, wie subversiv ist dieser Film, wie wild ist dieser Film?
Johannes Franke: Also jetzt mal ganz kurz, der ist auch nicht nur wegen des Hays Codes sehr brav, der ist auch wegen seiner unendlichen amerikanischen Art so wahnsinnig brav, weil er die ganze Zeit, also auch allein die Gettysburg Address Szene natürlich. die für mich ein kleines bisschen aus dem Nichts kommt, aber dann trotzdem Tränchen verdrückt.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ich finde sie schon auch großartig, aber ich habe so das Gefühl, what, wo kommt das jetzt her? Und dann sehr amerikanisch einfach. Und wo ich denke, ja, das ist so durchsichtig, das will ich eigentlich gar nicht.
Matthias Kastl: Es ist, ich werde trotzdem eine Verteidigungsrede für die Szene halten. Ich bin sehr gespannt. Also vielleicht kurz als Kontext. Es geht ja darum, die Botschaft ist ja, unser Butler lernt, man kann auch frei sein, nie damit im System etc.
Johannes Franke: Ja.
Matthias Kastl: Und dann gibt es eine Szene in der Bar, wo der Eckbert sozusagen die Gettysburg-Adresse, die eben genau sagt, Government for the people, by the people etc. Und dann fragt er so in den Raum, wer kennt eigentlich den Text und keiner der im Raum, die typischen Amerikaner, keiner kennt es. Und unser Butler steht aber auf und zitiert es dann und hält eine große Rede. und was ich aber schön finde, ist einmal, der Film hätte ja auch hingehen können und sagen, der kommt jetzt in die USA, die alle belehren ihn, aber er geht ja hin und macht sich auch über die Amerikaner ein bisschen witzig, ihr macht euch euer Ding, denkt ihr seid frei, aber ihr selbst kennt die Texte gar nicht. Das ist das eine. Und das zweite ist, was der Film auch schön macht, also erstmal, er zieht das lang raus, also wirklich, der geht ja durch das Bad durch und jeder Einzelne wird gefragt. Also er zitiert ja jeder, also ich glaube 30 Leute werden gefühlt gefragt. Und das Tolle ist, die sind alle sehr gut,
Johannes Franke: die sind alle sehr gut gecastet. Der eine, der da betrunken da sitzt, selbst der hat ein richtig gutes Timing in der Antwort.
Matthias Kastl: Also das Timingsbaum, der geht durch und dann kommt eben die Rede und dann am Schluss aber, dann wird so patriotisch und ich so, okay, jetzt ist es ein Stück zu viel. Und dann ist die Rente vorbei, ist Ruhe, aber dann sagt der Barkeeper, ich gebe einen aus. Und das nimmt wieder diese Spannung raus. Und ich finde, das ist cool, wenn du sowas hinbekommst, dass du immer so diesen Pathos rangehst, aber dann irgendwie doch gerade so die Kurve findest, das halt nicht so schlimm ist, sondern nochmal mit einem kurzen, okay, jetzt gehen wir alle wieder saufen nach dem Motto, ist es wieder so ein bisschen abgeschwächt. Und deswegen macht es es für mich erträglich.
Florian Bayer: Also mich trifft diese Szene emotional tatsächlich voll. Und ja, es ist einfach, das Ding ist einfach, was funktioniert, dass sie. Dass er halt nicht zur großen Intonation ausholt, sondern dass er die am Anfang fast schon verschüchtert in sich reinflüstert. Und dass es auch wirklich lange dauert, bis es zu der großen Rede im Raum wird. Natürlich ist das so ein klassisches dramaturgisches Stilmittel und auch so ein bisschen aus dem klassischen Werkzeugkasten, dass er das so aufbaut. Aber es funktioniert für mich in diesem Moment und dadurch, dass es so langsam startet und dass es diesen großen Moment, wo alle zugucken, alle um ihn versammelt sind und hören, was er zu sagen hat, dass der so kurz ist. hingearbeitet wurde, ist der Pathos für mich reduziert. Und du hast letztes Jahr zu Weihnachten, hast du Frank Capra und ist das Leben nicht schön verteidigt. Du darfst nichts mehr gegen Pathos in amerikanischen Filmen sagen.
Johannes Franke: Ich muss das kurz einsortieren. Es ging mir gar nicht so sehr um den Pathos, sondern es ging mir darum, dass er diese Rede hält, ohne dass es vorbereitet ist. Ich habe nicht ein einziges Mal im Film gesehen, wie er sich mit Amerika richtig beschäftigt. Am Anfang hat er sogar diese eine komische Vision von Amerika, von Ureinwohnern. Und du denkst, oh mein Gott, in welche Richtung geht dieser Film? Aber dann ist die Vision schnell wieder vorbei. Und er beschäftigt sich nicht mit irgendwelchen Reden, mit irgendwelchen amerikanischen Werten oder sonst irgendwas. Und plötzlich holt er zu dieser Rede aus. Und ich frage mich, wo kommt das her?
Matthias Kastl: Also Egbert sagt sie mehrmals immer wieder, wenn ich das richtig im Kopf habe auch. Was hier so, du bist frei, du bist etc. Ich dachte, es gibt irgendeine Szene auch, wo vorher sich ein Buch durchliest oder irgendwas.
Florian Bayer: Das ist eine ganz kleine, so viele versteckte Szene. Das ist eine kleine Szene,
Matthias Kastl: wo er sich das Ding durchliest. Okay, dann habe ich das nur verpasst. Das ist mal drin. Aber ja, in dem Sinne wird nicht so ganz ausführlich vorbereitet. Ich fand es trotzdem schön. Und es gibt ja diese Momente in Filmen, die man auch kennt, wo man sich eigentlich denkt, boah, eigentlich so pathetisch, aber irgendwie nimmt es dich doch mit. Und das hast du ja auch in vielen Filmen. Und sowas ist das da auch. Du weißt innerlich irgendwie ja, aber irgendwie... Und es liegt dann wieder an... Ist der Schauspieler gut? Ist die Inszenierung? Also du kriegst so eine Atmosphäre hin. wo dich das mitnimmt und du trotzdem sagen kannst, ja, ich weiß, ein bisschen Pathos, aber irgendwie auch geil.
Florian Bayer: Was halt so ein bisschen auch diesen Gedanken abfedert, dass wir hier so ein sehr patriotisches Schmalzstück vor uns haben, ist, dass die arrogantesten Arschlöcher in dem Film sind Amerikaner. Unser ganz eindeutiger Antagonist, Mr. Belknap Jackson, ist ein Amerikaner, der versucht, einen auf Gentleman zu machen. Und die zweite Antagonistin, die am ehesten da reinfällt, ist dann Effie. Die auch, die als Amerikanerin versucht irgendwie das, was sie als elegant und was sie als edel ansieht, zu kopieren. Und die Briten werden ja eigentlich gar nicht als schlecht dargestellt in dem Film. Wir haben hier keinen einzigen arroganten Briten, außer vielleicht den Kleiderverkäufer, der sagt, ah, jetzt verstehe ich, warum der Gentleman so lächerlich angezogen ist. Ja, genau. Ja,
Matthias Kastl: aber genau, also es ist von dem, also das ist eigentlich schön, weil auch sie, ist ja auch ganz witzig, sie versucht ja immer so Französisch zu sprechen auf schreckliche Art und Weise. Ja, Jolive. Entschuldigung. Tone. Das heißt, der Film macht sich eigentlich über diese Status-Sachen lustig. Und was ja auch witzig ist, dass er ja, also er kommt rüber in die USA und keiner denkt, dass er ein Diener ist. Alle halten ihn für irgendeinen Earl, einfach nur, weil er halt geil gekleidet und Manieren hat. Und das sagt auch wieder was über Rollen und über Gesellschaft, dass du im Wesentlichen ist es reduziert auf, wenn keiner dich kennt und du bist einfach voll angezogen und verhältst dich gut, dann ist so, ah ja klar, der muss High Society sein und so. Und so ist da immer subtil was drin und das finde ich eigentlich schön, dass der Film sich da so... die Freiheit nimmt hier und da mal ein bisschen zu kritisieren und alles so mitnimmt.
Johannes Franke: Wobei die Figuren sonst an Subtilität nicht besonders reich sind. Also man muss schon sagen, der Texaner, also es ist wie, als wenn ich als Berliner einen typischen Deutschen in einem amerikanischen Film sehe, der mit Lederhosen rumläuft. Und ich gucke mir jetzt den Ami in diesem Film an und denke, oh ja, der Texaner, der in der Gegend rumschießt. Sie sind nicht in
Florian Bayer: Texas, sie sind viel weiter nördlich.
Johannes Franke: Nein, aber er wirkt so wie so ein Texaner, wie ich mir Texaner vorstelle, weißt du? wie so eine...
Florian Bayer: typischer alter Cowboy.
Johannes Franke: Mit diesem Anzug, ich finde es so krass, ich finde es so geil und ich finde es so toll, wie sie ihn dann mit dieser, als was hast du für eine Pferdedecke an und so, ich finde es großartig.
Matthias Kastl: Ja, er ist ja irgendwie, er kommt dann ja irgendwie rein und sagt mit seinem neuen Outfit zu der Eckbahn und meint, oh, das ist so wie damals der Hahn, bevor er überfahren wurde und so, du sahst davor aus, wie der Hahn nachdem er überfahren ist und so geht es ja dann hin und her. Im Übrigen, wenn ihr so ein bisschen klischee-mäßig, es gibt einen Film, wo Clark Gable im Wesentlichen ein Oktoberfest-Restaurant leitet. Ja, das müsst ihr euch mal angucken. Es ist grandios, ist nicht Oscar-nominiert, bin ich auch zufällig drauf gestoßen. Gibt's auch im Netz, hab ich irgendwo dann auch bei mir verlinkt gehabt, weiß ich jetzt nicht. Aber da im Wesentlichen gibt's da eine große, und da gibt's so, wo alle mit Humpen rumlaufen und klar, Gable organisiert's. Grandios, grandios. Aber ja, das ist natürlich dann einfacher in dem Hinblick.
Florian Bayer: Aber wir haben ja einen Amerikanischen-Film, der sich über diese Amerikanischen nicht hinsichtlich macht. Natürlich, klar. Und es ist ja auch mehrmals, dass das Also es wird ja auch ganz oft erzählt, dass seine Wahrnehmung so sehr vorurteilsgetrieben ist. Du hast schon gesagt, diese Indianer-Szene, die er so sieht. Und dann hat er ja auch einmal diese Cowboy-Vorstellung. Und dann gibt es noch eine Szene, wo er seinen Herrn fragt, ah, the land of the slavery. Was übrigens auch total witzig ist, weil er hat furchtbar Angst, in das Land der Sklaverei zu kommen. Aber die Art, wie er lebt und wie er dient. Und wie er arbeitet, ist ja voll, also auch so, dass er von Anfang an akzeptiert, dass er jetzt verkauft wurde an dieses amerikanische Paar, dass es da überhaupt keinen Widerspruch gibt und er nicht sagt, nee, nee, dann kündige ich, dann haue ich ab, ich bleibe in England verdammt nochmal.
Johannes Franke: Das ist auch ein gutes Timing in dem Moment, weil er sagt es genau in dem Moment und du kommst sofort auf den Gedanken, ausgerechnet du sagst jetzt, Land der Sklaven, was ist denn hier los?
Matthias Kastl: Und das finde ich hat der Film immer wieder, immer wieder Szenen von Leuten, die irgendwas sagen und man weiß aber ganz genau, Moment mal, aber du? Und das macht den Film dann auch so. Ja, voll. So interessant.
Florian Bayer: Er ist ein Valet, also er ist kein Butler. Ich habe so ein bisschen geguckt, versucht zu verstehen, was er da macht und warum er da so einfach mitgeht. Und die Valets waren die, die für einen einzelnen Herrn gearbeitet haben. Okay. Und ganz traditionell in England. Und es kam aus Frankreich ursprünglich und natürlich auch aus einer höfischen Tradition heraus und hat sich dann im Bürgertum noch ein ganz klein bisschen gehalten. Und er gehört eigentlich so ein bisschen auch zu den Letzten seiner Art. Der Film spielt ja Anfang des 20. Jahrhunderts. Und dieses ganze Viktorianische hat... damals dann auch so langsam aufgehört. Und das waren eigentlich hoch angesehene Menschen. Das ist das, was man auch als Gentleman bezeichnet. Das waren mit die wichtigsten Personen im Haushalt und gerade für so Singles wie diesen Al, den wir da vor uns haben, waren das quasi nicht nur Diener, sondern auch Ratgeber und Zeitgenossen. Ja,
Matthias Kastl: auch schön, dass ihr uns jetzt alle den Tee bringt oder so. Würden wir ja auch sagen. Nicht schlecht, noch ein bisschen Zucker, noch ein bisschen
Johannes Franke: Einer der schönsten Momente für mich ist tatsächlich so, wo er mit seinem alten Herrn dasteht und darüber reflektiert und dann selber sagt, wenn einem ständig gesagt wird, dass man ein feiner Kerl ist, dann glaubt man das irgendwann. Ja. Und das ist so... so ohne Tränen drüsig zu drücken, sitzt man da und denkt sich, ja bitte, bitte komm, du musst das schaffen, komm da raus.
Matthias Kastl: Man will den eigentlich kuscheln so ein bisschen, ich wollte den immer so ein bisschen kuscheln, weil er halt so nett und lieb rüberkommt. Also wie gesagt, es ist ein braver Film, ich würde ja auch nicht jetzt argumentieren, dass das jetzt das zweite Citizen Kane oder Casablanca ist, so weit gehe ich nicht. Aber es ist ein unglaublich entspannter Film und allgemein so ein bisschen auch als Auslöser, dass man sich echt mal die Zeit anguckt. Es gibt auch von Lubitsch Filme. Ich weiß nicht, ob euch Maurice Chevalier sagt, das ist ein französischer Schauspieler mit einem französischen Akzent, super klischeehaft, aber der hat ein paar Filme gemacht, aber unglaublich witzig. Es gibt so eine halbe Stunde in einem Film von ihm, da lag ich echt am Boden und dachte mir, warum gibt es das heute nicht mehr. Also da gibt es echt tolle Sachen noch zu entdecken. Das einzige Problem ist natürlich echt, dass man in die Filme teilweise nicht so gut rankommt. Da muss man dann schon ein bisschen kreativ sein. Ich habe gesehen, dass es Ruggles of Red gibt. Das gibt es als Blu-ray für 150 Euro. Was? Oh Gott. einem auch erstmal mehr Zeit. DVD ist auch schwierig. Meistens sind es irgendwelche Import-Sachen, die man sich holen muss. Ansonsten gibt es aber auch Momente, wo man dann auf das Internet zugreifen muss. Ich habe hier gerade Anführungszeichen mit den Händchen gemacht. Aber wenn es die auch nicht richtig offiziell gibt, ist es dann auch okay.
Florian Bayer: Man findet wirklich viel bei Archive.org. Ruggles habe ich da leider nicht gefunden und ich habe auch ein bisschen länger suchen müssen, weil ich hatte am Anfang eine Version, die wirklich, wirklich, wirklich nicht gut war vom Bild und vom Ton.
Johannes Franke: Ja, ich habe auch ein bisschen gebraucht.
Florian Bayer: Und bis ich dann eine Version gefunden habe, die ganz gut aussah, hat doch ein bisschen länger gedauert. Und das ist schade, weil das ist wirklich ein kleines Juwel, das du da ausgegraben hast.
Matthias Kastl: Was ja eigentlich auch so spannend ist, was ich teilweise auch nicht wusste, wenn man so auf die Filme guckt, warum kriege ich die nicht, etc. Es gibt von den alten Scorsese gibt es so eine Stiftung, die sich um den Erhalt dieser alten Filme kümmert. Und die haben auch mal gesagt, also von den Filmen vor 1929 ist 90 Prozent weg. von denen von 1950 immer noch 50% weg. Was ja verschiedene Gründe hat. Einmal in Glorious Basterds ja gesehen, Film brennt leicht. Die ganzen alten Nitratfilme, da ist ja von 20th Century Fox mal was abgebrannt, alles vernichtet. Und dann hast du natürlich das Ding, dass damals das eine neue Kunstform war und kein Arsch hat es interessiert, ob das überlebt. Und was ich am witzigsten eigentlich fand, ist, dass man sich auch noch gegenseitiges Material kaputt gemacht hat. Weil man halt gesagt hat, es gibt einen Oscar-Beitrag zum Beispiel. die Disraelis, so ein Film aus Anfang 30er. Da gab es halt vorher schon mal einen und der George Arliss, der das produziert hat, hat gesagt, okay, ich kaufe den anderen und vernichte alles. Das ist so, wenn du heute hingehst und sich Villeneuve sagt, June, coole Sache, eine Sekunde, da gibt es noch so eine Lynch-Version, Schatz, hol mal den Flammenwerfer, den will ich weg haben. Und das war damals wirklich Praxis. Es wurde öfters gemacht, dass du halt einfach vom Konkurrent die Dinger gekauft hast und hast sie abgefackelt.
Johannes Franke: Kleines Beispiel von Nosferatu.
Florian Bayer: Wir haben über Nosferatu geredet und da gibt es ja auch diese Bösewicht-Geschichte, dass die Erbin von Bram Stoker losgezogen ist und gesagt hat, dieser Film kommt nicht raus, der verletzt unsere Urheberrechte, womit sie auch Recht hat. Ja, natürlich. Aber dann sind die wirklich los und haben die Filmbänder eingesammelt und der Film wäre auch um ein Haar, wäre der auch komplett verschwunden und wäre heute nicht mehr sehbar.
Matthias Kastl: Was du ja hast bei denen, also es gibt ja auch berühmte Sachen, wo Sachen verschollen sind. Magnificent Ambersons ist das bekannteste Beispiel, ja, glaube ich. Aber was ich auch nicht wusste, dass selbst wenn du jetzt irgendwo noch was findest, also oft gibt es ja so irgendwo im Keller in Argentinien, keine Ahnung, wird irgendwas noch gefunden. Aber du weißt ja auch nicht, was du da findest, weil also in der Stummfilmzeit war es so, dass du die Filme, wenn du die verkauft hast etc., musst sie in die Welt shippen. Macht keinen Sinn, lauter Kopien daheim zu machen, also hast du Originale verschickt. Du hast immer ein Original in den USA gelassen, eins nach Europa und eins irgendwo nach Südamerika oder so. Und wie machst du aber, du kannst ja keine Kopien machen, du brauchst wirklich die Originale, damit es da repliziert ist. Als es ihnen damals hingegangen hat, haben sie drei Kameras nebeneinander gestellt und damit gefilmt. Also es gibt dann so Aufnahmen von Chaplin, wo man sieht, und drei Kameras laufen parallel. Das Problem ist, Anfang Tonfilm ging das nicht mehr. Ja, weil die Tonfilme ja laut sind. Und dann wurde halt das Ganze, die Lösung war halt dann zu sagen, ich mache jede Szene einfach dreimal. Und die beste Version bleibt in den USA, die mittlerste geht nach Europa und die schlechteste Version ist für den Rest. Das heißt, wenn du jetzt irgendwas in Argentinien findest, kannst du sagen, dass jeder Cut die drittschlechteste Szene ist. und man kann sich ja schon vorstellen, dass als Regisseur damals, zwei haben irgendwie funktioniert, du hast einen engen Zeitplan, komm, mach die Schrotzchen da rein oder so. Das heißt, eventuell findest du halt Filme, die eigentlich nur die dritte Variante sind von dem. Und so gesehen weißt du nicht, was du wie findest. Musst dann auch gucken und es gibt einen Film, Der Patriot, den gibt es gar nicht mehr. Also einen Oscar-nominierten Film, das ist der einzige, den es gar nicht gibt. Es gibt einen, den kann man nur in den USA angucken, in L.A. Da war ich glücklich, habe ihn zu Besuch, habe ihn anschauen können. Ansonsten hast du aber auch von der Quali natürlich, gerade die ersten Tonfilme sind von der Quali wirklich manchmal hart, weil es halt keiner aufbereitet. Aber wenn du es aufbereitest, dann ist schwarz-weiß geil. Also ich habe vor kurzem auch How Green Is My Valley, so eine Blu-ray-Version. Das sieht so geil aus, das Bild. Das ist ein Traum. Aber meistens ist es halt, meistens ist die Quali nicht gut.
Florian Bayer: Ja. Und bei Ruggles hast du auch auf Internet zurückgegriffen oder hast du 150 für die Blu-Ray hingeblättert?
Matthias Kastl: Ich habe nicht die Blu-Ray, ich habe tatsächlich eine DVD gekauft, aber die DVD ist auch, da hat irgendeiner das Ding draufgebrannt. Also es ist nichts, da ist nichts offizielles. Ich glaube, es hat sogar noch spanische Untertitel oder sowas. Das kommt halt dann dazu. So hardcoded spanische Untertitel.
Johannes Franke: Habt ihr gerade klingeln gehört? Ich glaube, es war die Polizei.
Matthias Kastl: Ich habe nichts. Das ist hier. Das ist Berlin, die kommt dann hier. So was.
Johannes Franke: Ja. Jetzt habe ich es hart unterbrochen. Scheiße, jetzt gucke ich gerade meine Notizen und als erstes steht hier Werbefilm für Amerika. Ja, toll.
Matthias Kastl: Was auch noch ganz, also wenn jemand sagt, ich will mir den Film angucken, ich habe kein Geld, ich kann mir die Radioversion anhören, weil damals ist ja von allem immer eine Radioversion gab, was auch ziemlich faszinierend ist, dass du die Originalschauspieler nimmst, das gibt es auch mit Lofton und die haben halt davon dann, der hat glaube ich von dem sogar zweimal eine gemacht, irgendwie zwei Jahre später, vier Jahre später, aber oft ist es so, dass direkt danach die Leute dann diese Radioversion produziert haben. Und es ist auch immer witzig, da reinzuhören. Haben sie manchmal noch kleine Sachen verändert, aber oft auch nicht. Aber das war damals halt auch der heiße Scheiß, dass du gesagt hast, okay, ich will Masse haben, ich mache daraus jetzt auch eine Radio-Version.
Florian Bayer: Ich habe da reingehört. Man findet sie auf Spotify, ne?
Johannes Franke: Und sie ist wirklich arg gekürzt, was ich gefunden habe. Und auch man merkt, dass sie so Füller-Dialoge drin haben, um Sachen zu überbrücken, die sie weglassen mussten. Dass jemand was erklärt, warum jemand jemanden anders abholt und so. Und die sind sehr schnell in Amerika in dieser Version. Also noch gar nicht so richtig viel in Europa, Also ein... sehr schnell drüben und dann bei der Party, wo der da die Frau kennenlernt, die seine Love Interest dann wird und so. Das ist ein eigenes Erlebnis. Also man kann das unabhängig vom Film total gut noch konsumieren.
Florian Bayer: Witzigerweise wird das bis heute so gemacht. Mein Kind hört gerne Hörspiele von Filmen. Und es gibt zu allen Marvel-Filmen gibt es Hörspiele. Und das sind dann so 60-Minuten-Versionen von den Filmen. Und auch mit einem Erzähler, der über alles drüberwicht, was jetzt nicht sonderlich gut als Hörspiel funktioniert.
Johannes Franke: Ich denke an meine alten Alf-Kassetten.
Florian Bayer: Ja.
Matthias Kastl: Ach, Alf, da kommen auch wieder Erinnerungen hoch. Ja.
Johannes Franke: Oh mein Gott, Flo, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir?
Johannes Franke: Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit,
Florian Bayer: ganz schnell, damit wir zurückfinden.
Johannes Franke: Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt.
Florian Bayer: Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns. Ja, wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über bei-mir-coffee.com slash muss-man-sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben,
Florian Bayer: gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen... Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.at muss man sehen.de und florian.at muss man sehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas,
Florian Bayer: was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah super, fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes! Das ist ja nicht der erste Ruggles of Red Gap-Film.
Johannes Franke: Ja, muss man auch dazu sagen, ja. Ich finde es total spannend. 1915, glaube ich, ist der Roman rausgekommen. Beziehungsweise auch, das war so ein seriales Format, oder? Die haben ja damals ihre Geschichten immer so in Zeitschriften rausgebracht, die dann... wöchentlich oder monatlich rausgekommen sind und dann kam die nächste Episode von diesem Ding.
Matthias Kastl: Da kam ja auch so Sherlock Holmes und alle alten Geschichten sind ja immer in so Serien erschienen.
Johannes Franke: Harry Leon Wilson hieß der Autor.
Matthias Kastl: Was da auch immer ist, ich hab mir auch immer, man sagt ja immer okay, heute ist alles so unkreativ und Ding, aber also wenn ich auch auf diese ganzen Oscar-Beiträge gucke, 99% sind es war ein Broadway-Stück, es war ein Theaterstück, es war ein Buch, die haben halt Stoffe eingekauft und dann geschaut, was geht. Aber es ist echt selten, dass es da mal wirklich originale Stoffe gibt. Und was du auch hast, du hast echt auch Fortsetzungen oft. Und du merkst auch bei manchen Sachen, da hat irgendwas funktioniert. Es gibt so einen Film mit Claude Wayans, auch ein toller Schauspieler, wo er irgendwie so ein Mädelschor oder so zu tun hat. Also irgendwie die Kombination Claude Wayans, Mädelschor. Und dann funktioniert das und dann macht die andere Studio, die macht dann auch irgendwas ein, irgendein Typ mit einem Mädelschor. Und so wird immer wieder da rumkopiert. Also man muss auch gucken, dass man nicht alles verklärt früher. Das war jetzt nicht so dieses super kreative Ding, sondern da hat man wirklich, wie gesagt, das war ja Massenproduktion. Ja. Man hat sich die Stoffe geholt, hat produziert, produziert, produziert, produziert. Und wenn was wohl lief, dann hat man mehr produziert.
Florian Bayer: Remake-freudig waren sie auch. Also gerade als dann der Tonfilm rauskam, haben sie gesagt, oh krass, wir haben hier ja diesen riesigen Back-Katalog an Stummfilmen. Lass uns das ganze Zeug nochmal drehen als Tonfilm-Variante.
Matthias Kastl: passieren konnte. Was ja auch bei dem Film auch immer, das ist ja heute für die Sehgewohnheiten ein bisschen komisch, dass die Filme ja oft sehr ruhig sind am Anfang der Tonzeit. Also es wird ja kaum, es gibt kaum Musik im Film, also relativ wenig. Und da hatte ich mich auch mal gefragt, ich dachte mir, okay, da kommt Ton rein. Das allererste, was doch jetzt passieren muss, ist, dass die Leute da Sound drunter haben und Musik machen. Aber war nicht der Fall, weil es so ist, dass viele gesagt haben, okay, aber Ton muss aus einer natürlichen Quelle kommen. Das war immer so der Gedanke. Also da gab es dann Radio, da kam Musik raus, aber einfach so Musik, das macht ja keiner.
Florian Bayer: Docma 35.
Johannes Franke: Ja, aber vor allem ist es ja auch so, dass du im Theater jetzt auch nicht die große Tradition, du guckst ja erstmal, was habe ich für Traditionen und wie kann ich das übersetzen ins neue Medium. Und im Theater hast du ja auch nicht Filmmusik, wie wir sie heute kennen, benutzt. Und dann erstmal auf die Idee zu kommen, richtig Filmmusik in der Form einzusetzen, da musst du erstmal hinkommen.
Matthias Kastl: Ja, und was sie halt vor allem gemacht haben, weil sie es kannten vom Theater, von Varieté und so, war halt, dass alle gesungen haben. Also was ich wirklich sagen kann, dieses allererste Ton-Oscar-Jahr, also das war 1930 dann, das ist wirklich das schlechteste von den Filmen. Weil halt einfach, du machst einen Wild-West-Film, irgendwann fangen die Leute an zu singen. Und dann ist ja das, was soll das? Und ganz viele Filme halt, wo natürlich dann Broadway der Hintergrund war, damit auch viel gesungen wird. Und es wird immer, da geht ein Lokal und dann wird erst mal drei Minuten gesungen und du schaust so auf die Uhr und so Leute, bitte nicht. Und du hast ja auch das Problem, und da ist ja auch wieder mit einer meiner Lieblingsfilme, Lieblingsfilme hier, Singing in the Rain etc. Da hast du es ja gut. Viele Schauspieler haben ein Problem natürlich gehabt. Was auch gut ist, du kannst immer noch so alte Interviews auf YouTube nachgucken, wo welche aus der Zeit erzählen und hat eine so auch erzählt, wie hart diese Umstellung war, weil sie halt hingegangen ist und die hat immer für sich, für den Rhythmus, hat sie immer mit ihrem Fuß auf dem Boden so ein bisschen rumgehackt, damit sie im Rhythmus bleibt. Aber ging alles nicht mehr. Die mussten alle ganz vorsichtig laufen und so und alles war anders. Und du merkst in diesen Filmen, wie die Leute, du weißt genau, wo das Mikrofon ist, weil du das Gefühl hast, da gucken die Leute hin und dann so. Yes, I do this. Yes, I do this. Und so geht es die ganze Zeit. Und es ist wirklich schauspielerische Kacke. Und es ist auch von der Inszenierung. Weil vorher hast du Filme gehabt, wo die Kamera noch ein bisschen rumfliegt. Und jetzt war die Kamera ja im Kasten fix drin. Im Wesentlichen sind es vom Theater abgefilmte Filme. Du hast so einen krassen Bruch in diesem ersten Oscarjahr. Also das war hart anzugucken. Da habe ich auch die schlechtesten Wertungen rausgehauen. Weil das ist keine Freude. Sie haben es dann relativ schnell, finde ich, hinbekommen.
Johannes Franke: Das finde ich auch bemerkenswert, muss ich sagen. Weil du hast ja wirklich, dadurch, dass die Kameras noch aufwendiger wurden und dann so laut waren, dass du noch einen Kasten drumherum bauen musstest, um den Ton einzufangen, damit dann nicht die ganze Zeit das Surren von der Kamera auf dem Ton ist. Die ist so unbeweglich. Und das hinzukriegen, innerhalb von drei Jahren, glaube ich, haben die das hingekriegt. Dass die Kamera absolut wieder bewegbar war und du Kamerafahrten machen konntest und so. Ganz tolle Sachen. Das ist schon beeindruckend innerhalb der kürzesten Zeit.
Matthias Kastl: Was ich gerade bei dem Technischen, jetzt hole ich wieder ein bisschen aus, stopp mich. Was schön ist dadurch, dass ich ja immer so pro Jahr dann meine zehn Filme habe, kriegst du immer so ein bisschen diese technischen Entwicklungen mit. Und dann kommen viel so Kleinigkeiten. Also auf einmal fängt es an, du guckst einen Film, auf einmal ist eine Minute in Farbe und dann wieder schwarz-weiß. Und du sitzt da, hä, was war denn das jetzt? Bist du komplett irritiert? Bis du mal danach guckst, auch irgendwie nicht Krisenproduktion, also ein kleinerer Film. Was ist da los? Dann gibt es auch so, die meisten Filme fangen, Also alle Filme fangen eigentlich immer an mit, du hast den Filmtitel, und dann kommen immer diese Credits, die noch so handgezeichnet waren. Und das guckst du an, guckst du an und dann schaue ich von Mäusen und Menschen, Film aus dem 39er und es geht los, Bild auf, Zugtour wird aufgerissen und irgendwelche Leute rennen raus und ich so, Moment mal, was ist denn jetzt hier los? Und es ist echt schön, weil wenn du die ganze Zeit so ein bisschen reinkommst in diesen Flow, dass du so ein Gefühl hast, du bist wie das Publikum damals und du wirst auch überrascht und du bist so drin, was normal ist und wenn jemand was anders macht, dann wird es auf einmal auffälliger. Und das hatte ich auch, also mein Lieblingsbeispiel ist eigentlich Catherine Hepburn. Der erste Film von Hepburn ist, also es heißt ja immer, die ist so eine tolle Schauspielerin und alles. Und dann guckt man sich die Filme an und denkt sich, ja, ist schon ganz geil. Aber wenn man halt vorher, wie jetzt in meinem Fall, du 50 Filme geguckt hast mit anderen Leuten und dann siehst du das erste Mal Hepburn. Also es war wirklich, es war so krass. Also ich habe kurz Stopp gemacht, weil ich durchgeschnauft habe, weil das so ein krasser Levelunterschied ist. In dem Vergleich zu dem, was ich in den 50 Filmen davor geguckt habe, dass ich mir gedacht habe, meine Fresse, die ist nicht einfach anders. Das ist ein Level über... allem anderen, was ich da gesehen habe. Und das ist so krass. Und das ist echt schön, wenn du halt so dieses, das kann natürlich jetzt nicht jeder tun, Lebenszeit, ich weiß. Aber im Idealfall ist es echt schön, um das wirklich wertschätzen zu können, was da an Technik passiert, was da an Sachen ist, wie Schauspieldinger sind. Wenn du da reinkommst ins Umfeld und dann verstehst, okay, ah, Moment mal, das ist jetzt hier was ganz anderes. Und das ist echt faszinierend. Und das ist das, was mir eigentlich am meisten fast Freude an dem Projekt macht. Weil dann auch auf einmal, dann kommt im Hintergrund, dann läuft mal Cary Grant auf einmal rum. Ah, Cary Grant, ist er da? Das ist nur so ein kleiner Ding. Irgendwann hatte ich vor kurzem, letzter Film war Lloyd Bridges von Hotshots. Kennt ihr noch Hotshots? Ja, natürlich. Als ganz junger lief der da einfach kurz im Raum rum. Und ich so, Moment mal, den kenn ich doch. Also, weiß nicht, muss der 20 gewesen sein oder so. Und das macht echt eine unglaubliche Freude. Aber wie gesagt, vor allem, dass du halt siehst, auch inhaltlich, wie sich die Filme entwickeln. Pre-Code, alles irgendwie cool und Gewalt, dann auf einmal nicht mehr, dann das.
Florian Bayer: Du bist jetzt Anfang der 40er, das heißt, du hast gerade so die Technicolor-Geschichte mitgemacht, die ersten großen Farbfilme und das ist wahrscheinlich auch krass, wenn du von so einem Haufen Schwarz-Weiß-Filme kommst und dann plötzlich vom Winde verweht oder Wizard of Oz siehst und denkst, wow, ah,
Matthias Kastl: das stimmt. Das ist so. Ich dachte eigentlich auch immer, ich hab mich ja immer gewundert, warum das nicht, da kommt Farbe, warum die nicht sofort Farbe gemacht haben und wenn du recherchierst und guckst und alles und siehst, wie aufwendig das war und dass du das spezialistische Team brauchst und die Schauspieler dann alle unter Hitze, weil so viel Licht gebraucht wurde, irgendwie gelitten haben und ja, diese ersten Technicolor, also diese Experimente sind schon interessant. Also es gibt, wie gesagt, so einzelne kleine Passagen, die sie mal reinmachen. Da ist dann teilweise noch ein anderes Verfahren manchmal genutzt worden. Da ist es nicht ganz so gut. Aber wenn natürlich, also Robin Hood ist das Extrembeispiel, finde ich immer noch, weil da so extrem knallige Farben sind. Und das ist dann schon geil, aber ist dann wieder komisch, wenn du dann wieder zurückkommst und dann wird es wieder alles schwarz-weiß. Also weil es wirklich ja so ein kurzes Ausprobier ist, mal eine große Produktion. Aber auch jetzt, das wird noch ein bisschen brauchen, bis das Farbding rüber geht. Also das ist echt, weil es finanziell einfach aufwendbar.
Johannes Franke: Es war doch bis in die 90er günstiger, schwarz-weiß zu drehen.
Florian Bayer: Na, die Indie-Filme aus den 80ern und 90ern haben wir. Also gerade so Robert Altman und Jim Jarmusch. Und die haben auch teilweise einfach aus Budgetgründen auf Schwarz-Weiß gesetzt. Ja, ja. Total krass.
Matthias Kastl: Das kaufst du natürlich als künstlerisch. Ja, ja. Wir sagen natürlich, das ist künstlerisch.
Florian Bayer: Aber auch gerade, wenn ich an die Zeit denke, also wir sind ja nicht in der Zeit. Wir springen mal ganz kurz fünf bis zehn Jahre in die Zukunft. Wenn ich sowas, keine Ahnung, wie Robin Hood und Casablanca nebendrin... nebeneinander halte, würde ich mich jederzeit für die Schwarz-Weiß-Ästhetik von Casablanca entscheiden und gegen die auf jeden Fall irgendwie geilen, knalligen Farben von Robin Hood.
Matthias Kastl: Das knallige, gut, Casablanca könnte man nicht so vorstellen. Ich finde, bei Robin Hood geht es dadurch, dass das ja so unglaublich naiver und Eskapismus ist, wo ich mir sage, wenn das knallebunte ist, das passt noch ein bisschen. Aber gerade, finde ich, was so Drama angeht oder alles, ist halt Schwarz-Weiß schon geil. Also ich will es jetzt auch nicht so verklären, dass jetzt nur Schwarz-Weiß hier die Lösung ist, jetzt nicht dieser So als Künstler, schwarz-weiß ist alles.
Johannes Franke: Ich werfe mal nur die roten Schuhe rein. Oh ja. Großartiger Technik-Holorfilm. Da bist du noch nicht, ne?
Matthias Kastl: Doch. Also ich habe gesehen, dass ihr das ja vor kurzem gehabt habt. Ich habe letzte, meine vorletzte Kritik war von 49th Parallel. Das ist ein Kriegsfilm. Unglaublich faszinierend, weil in dem Film sozusagen die Deutschen positiv was dargestellt werden. Das ist ein britischer Film während dem Zweiten Weltkrieg. Und der versucht die Deutschen zu verstehen. Also unglaublich krass. Wie könnt ihr denn so einen Film machen? Die Amis machen eher so... kritische und ihr macht das. Und ich dachte mir, der Film ist sehr künstlerisch, sehr komisch, recherchiere mal. Wer hat das inszeniert? Paul und Pressburger.
Johannes Franke: Die Jungs,
Matthias Kastl: ja. Und dann bin ich da dann drauf gestoßen, da habe ich gedacht, okay, dieser Film, da ist irgendwas anders, die sind irgendwie anders drauf, diese zwei. Und dann angefangen zu recherchieren und dann bin ich auf das gestoßen. Ich habe leider Red Shoes noch nicht gesehen, aber habe bei euch reingehört. bin schon sehr neugierig auch auf diese 15 Minuten Supersequenz. Wahnsinnige Sequenz. Deswegen war es ein bisschen schade, dass ihr mich gespoilert habt. Ja,
Florian Bayer: bloß nicht hören. Übrigens auch an euch da draußen, hört euch nicht unsere Episoden an, wenn ihr den Film nicht gesehen habt. Wir spoilern wirklich alles daraus. Hört uns überhaupt nicht an. Der Podcast ist ein einziges Spoiler. Guckt euch die Filme an.
Matthias Kastl: Aber das ist ja auch tatsächlich was, das habt ihr, glaube ich, auch schon mal drüber gesprochen, was ja schon cool ist bei diesen alten Filmen, weil wenn du das einfach anguckst, du hast ja keine Ahnung. Ich bin ja jetzt heute bisher von allen Trailern übersättigt. Du weißt eigentlich... immer wieder, selbst wenn du es vermeiden willst, was es ist und ich gehe in einen Film rein und manchmal weiß ich nicht mehr das Genre und ich finde es geil. Also das ist halt diese komplette naive Unschuld da reinzugehen, ist schön und dann eben sowas zu entdecken, wie gesagt, jetzt das Paul-und-Press-Burger-Ding war dann auch so, puiich.
Florian Bayer: Also ich fand jetzt bei diesem Film, es waren tatsächlich so ein paar Überraschungsmomente dabei. Der erste war mit Sicherheit so, ah, das war ein Oscar-Film damals, krass, was du am Anfang schon angesprochen hast, dass so eine Komödie, so eine leichte Komödie als Oscar-Film läuft und Das Zweite war, naja gut, ich hätte tatsächlich nicht mit so einem Wechsel gerechnet zwischen Tragikomik. Am Anfang hat es so gewirkt, als ob sie knallhart Komödie durchziehen. Weil er am Anfang ja sehr viel mit Situationskomik spielt und auch sehr viel mit Wortspielereien. Und so ist es wirklich ein witziger Film. Also wir haben so viel über den Pathos geredet, aber es ist auch in ganz vielen Momenten wirklich ein witziger Film. Und dass er dann diesen Turn nochmal nimmt in der Mitte des Films und doch sehr patriotisch wird und sehr melodramatisch, fast bis zum Kitt. Ich hatte so das Gefühl, du bist eher so auf der Seite, kitschig.
Johannes Franke: Naja, vor allem eben dieser amerikanische Traum, der hier sehr stark verkauft wird. Das stört mich immer so ein kleines bisschen, aber naja gut.
Florian Bayer: Ich kaufe es halt einfach, ich kann es total verstehen, dass es dich stört und eigentlich sollte es mich auch nerven, aber bei so einem... Film aus dem Jahr 1935.
Johannes Franke: Ja, ja, ja,
Florian Bayer: okay, okay.
Matthias Kastl: Bisschen altersmildes.
Florian Bayer: Nein, einfach, es trifft mich auch wirklich, wenn dann Lincoln zitiert wird und ich sitze da und ich kriege eine Gänsehaut. Und denke so, ja, ja, die Amis mögen ihre Verfassung, so weiß ich alles, aber ich kriege trotzdem eine Gänsehaut, das funktioniert einfach.
Johannes Franke: Ja, vor allem, weil die Rede ja tatsächlich auch inhaltlich absolut on point ist. Also die ist ja auch wirklich toll und die ist ja auch inhaltlich, wo man sagt, ja, Freiheit für alle und alles mögliche, wir sind alle gleich und so weiter. Außer eben, wo ein... und Frauen, aber ansonsten du kannst in Amerika alles erreichen,
Florian Bayer: was du willst. Es sei denn, du bist schwarz. Oder eine Frau. Oder eine Frau.
Matthias Kastl: Die Rede an sich ist ja, also ist ja alles auch top, ist ja die Praxis, die dann immer das Problem ist. Richtig, genau. Du hast, also Rassismus zum Beispiel habe ich jetzt in den Filmen gar nicht so arg. Also du hast es immer so kleinen Nebenrollen. Es kommt nicht so krass auf. Der Rassismus ist in so Filmen dann meistens dadurch, dass es halt einfach keine schwarzen Schauspieler gibt. Also das ist der Rassismus.
Johannes Franke: Genau, das ist größtenteils Rassismus. Vor allem, weil er sich vorher diesen Also wenn er sich vorher die Indianerszene vorstellt und dann zu sagen, nein, Amerika ist nicht so, guck mal, so ist Amerika und dann nur weiße Schauspieler zu haben, ist schon hart. Also vor allem, weil er es eben vorher zeigt. Der Kontrast ist dann schon hart da.
Florian Bayer: Jetzt muss ich drüber nachdenken. Ich weiß nicht, wie in Washington Anfang des 20. Jahrhunderts die Bevölkerungszusammensetzung war, aber ich kann mir vorstellen, dass es auch tatsächlich, es war einfach eine sehr weiße Gesellschaft, glaube ich. zumindest in der Region.
Johannes Franke: Ja, schreibt uns böse E-Mails. Ihr schreibt nur böse E-Mails.
Florian Bayer: Das könnte man nochmal recherchieren. Was er sich vorstellt, ist ja einfach komplett absurd. Er stellt sich einfach den Wilden Westen vor und wir haben Anfang 20. Jahrhundert, der Wilde Westen ist vorbei. Aber das,
Johannes Franke: was dahinter steckt, ist halt die Vorstellung des Filmemachers, der sich sagt, ja, die haben da eine komische Vorstellung von Amerika, ich zeige euch mal, wie Amerika wirklich ist und dann zeigt er das.
Florian Bayer: Dann zeigt er den Wilden Westen tatsächlich mit Saloons, mit Cowboys, mit Jihar.
Matthias Kastl: Naja. Von den Filmen her, ist es eigentlich, also gerade diese Oscar-Filme sind eigentlich halbwegs erträglich in dem Sinne, es gibt einen Film, der tatsächlich der spielt in Afrika. Ich habe leider den Namen jetzt gerade nicht mehr da, das ist Anfang der 30er. Das ist ja krass, da sind die rüber gefahren und irgendwie ein Kameramann wird von Krokodil getötet, der andere vom Liebherr überrannt. Was? Das ist die gute alte Zeit. Das ist das erste, erste oder zweite oder dritte Jahr. Und da hast du Rassismus, der wirklich hart ist. Also da haben die so einen eingeborenen Stand und da wird so eine blonde Frau befreit. Also man kann sich ungefähr vorstellen, was da rausläuft. Trotzdem fand ich den Film unglaublich faszinierend, wenn du weißt, dass da die Hälfte drauf geht, weil sie vom Hiebfett gefressen wird von den Kameraleuten.
Florian Bayer: Übrigens, um das einmal kurz einzuwerfen, behalte deinen Gedanken zum Thema Tiere. Wir haben so viel über den Haze Code gelästert. Der Haze Code war der erste Regelkatalog, der gesagt hat, Leute, geht ordentlich mit den Tieren am Set um. Ein Detail, was oft übersehen wird. Okay. Da es auch hieß, achtet drauf. Also ob das dann in der Praxis umgesetzt wurde, ist eine andere Frage. Aber dass sie gesagt haben, es werden hier keine Tiere umsetzen, bequält. Okay.
Matthias Kastl: Das hast du ja gerade im Western mit den Pferden, weil das hart war. Immer wenn die Pferde sozusagen die Reiter abschmeißen, du unten an den Beinen sowas reingehauen hast. Und teilweise sind die ja gestorben.
Johannes Franke: Also ja,
Matthias Kastl: gut. Da kann man jetzt nicht sagen, gute alte Zeit.
Johannes Franke: Möchtest du noch Tee? Hier ist noch was.
Matthias Kastl: Ja, gerne. Der ist tatsächlich sehr lecker. Ja, schön.
Johannes Franke: Aus England.
Matthias Kastl: Aus England. Oh ja. Das hat jetzt aber schon was für Sie von Wuckles hier. Du bist mein Wuckles heute. Du bist mein Wuckles. Danke.
Johannes Franke: Dafür ist es doch da. Worüber wir nicht geredet haben, ist McCary selbst. Leo McCary, der das Ganze inszeniert hat. Und der vorher mit den Marx Brothers gearbeitet hat. Zum Beispiel eben Dux Hub, was der größte Erfolg wahrscheinlich von den Marx Brothers war. Und dafür verantwortlich ist, dass Laurel und Hardy zusammengekommen sind.
Matthias Kastl: Und das ist tatsächlich das, was so die große... Leistung ist, die noch wahrscheinlich am meisten bleibt von ihm, dass er halt da angeheuert hat und die Idee hatte, okay, ich hab den Stan, ich hab den Laul, lass die uns zusammentun. Der ist dann auch, der hat am Anfang da einfach nur als Drehbuchschreiber angefangen, war dann ziemlich schnell Vizepräsident, hat dann auch für die, also von der Firma von World Studios und hat dann auch, er hat vor allem die Drehbücher geschrieben, er hat ein paar von denen auch inszeniert, aber vor allem Drehbuch gemacht und das merkt man schon auch mit dem Timing und so und was bei ihm sehr schön ist oder sehr cool ist und es hat viele halt zu Verzweiflung getrieben, er hat halt improvisiert und dazu hat er sich ans Klavier gesetzt immer. Das heißt, Klavier aufgestellt, draufgesetzt, rumgeklimpert, ein bisschen gesungen, während alle gewartet haben und dann überlegt, was ihm so einfällt. Die Leute durften auch mitmachen. Und das hat er immer bei den Filmen gemacht. Und das Schöne ist, wenn man drauf achtet, in den Filmen, die ich gesehen habe, immer irgendwo steht ein Klavier. Es gibt irgendein Set mit einem Klavier in einem Film, weil du genau weißt, es hat ja so reingeschrieben, dass ich da reinsetzen kann, um zu improvisieren. Und es ist dann auch überliefert, dass Cary Grant war wohl ein bisschen angepisst, weil es ihn so aufgeregt hat, dass halt die ganze Zeit improvisiert wird. Aber auch noch eine schöne Nebengeschichte. Es gibt eben die schreckliche Wahrheit. Film von Leo McCauley mit mit Cary Grant. Und da ist es so, dass Grant nicht so ganz gewusst hat, wie er die Figur spielen soll. Und dann hat er angefangen, den Leon McCary zu imitieren, weil der McCary ein ähnliches Aussehen hatte und auch so komische Manieren. Der hat immer so ein bisschen ironisch und so ein bisschen kindlich. Und das ist genau der Stil, mit dem ja Cary Grant später bekannt wurde. Das heißt, man darf es jetzt auch nicht übertreiben, aber zu gewissem Teil ist sozusagen McCary die... Grund dafür, dass Cary Grant so seine Rollen ausgelegt hat.
Johannes Franke: Wie geil.
Matthias Kastl: Und das kann ich mir auch gut vorstellen, weil so wie der Humor auch ist und die Art, wie er inszeniert, das kann ich mir vorstellen, dass der so Cary Grant, der sich auch hinterm Set war, so ein bisschen entspannt, so ein kleines verschmitztes Lächeln. Jetzt setze ich mich ans Computer. Aber es muss, wie gesagt, für die Schauspieler war es wohl teilweise sehr frustrierend. Aber irgendwie halt geil. Ich meine, ich weiß jetzt nicht, wie viele heute jetzt noch so Impro-Sachen machen, aber sowas liebe ich ja. Also, dass du halt hingehst und sagst einfach, komm. Ich glaube, es gibt ein Interview mit... Bing Crosby oder sowas, der hat mal gemeint, also er hat mit McCary gedreht und 75% der Dialoge sind alle komplett an dem Tag entstanden. Krass! Also er hat gemeint, das wäre Wahnsinn gewesen. Wow. Und das merkst du dem Film aber nicht an oder wenn du es anmerkst, wie eben in dieser Szene mit diesem Klavier und diesen Drums, dann ist es aber geil.
Johannes Franke: Ja.
Matthias Kastl: Und deswegen, ich mag den echt und das ist so auch was, du stößt ja auch in diese Ausgleiche auf einmal so auf verschiedene Namen, die du vorher nie kanntest und das ist auch sowas, wo ich mir denke,
Johannes Franke: ah,
Matthias Kastl: geile Nummer.
Johannes Franke: Ja. Aber da clasht ja dann auch mit Lawton. Lawton war ja einer, der so richtig, wie man sich einen Schauspieler in den 20ern vorstellt, vor dem Spiegel übt er seine Mimik ein. Und ich denke, was für ein Schauspieler macht das bitte ernsthaft? Aber er hat das tatsächlich richtig, richtig akribisch vorbereitet. Und dann auf so einen Improvisator zu treffen.
Matthias Kastl: Ich hätte auch gerne Mäuschen gespielt. Ich weiß nicht, wie das gelaufen ist, aber anscheinend war das alles gut. Ich hatte ja noch, für noch als kleines, dass dieser Film nicht ganz vergessen ist, ich hatte es ja am Anfang erwähnt mit den Coen-Brüdern, das fand ich eigentlich auch ganz nett, es gibt eben in Barton Fink eine Szene, ich weiß gar nicht mehr, wie der Hauptdarsteller heißt, aber da gibt es diesen Produzenten, es gibt diesen von Tony Shalhoub, der Monk spielt, der ist so ein Produzent und auf jeden Fall kommt er in das Studio rein und will irgendwie so einen Film vorschlagen und er sagt halt, ey komm, du mit deinem B-Film, es ist kein Meisterwerk, was du machst, du machst doch hier jetzt nicht, du machst nicht Hamlet, du machst nicht Gone with the Wind, du machst nicht Ruggles of Red Gat, und dann... bricht die Szene ab und das war's. Und das ist irgendwie, ich fand es irgendwie geil, dass die das so reinbauen und diesen einfach freaky kleinen Namen, weil die halt den Film wahrscheinlich auch einfach lieben und sich denken, ah, ich kenne keine Sau, das packe ich jetzt da rein.
Johannes Franke: Ich habe ihn gerade erst gesehen, ich war jetzt im Kino, die haben den wieder aufgelegt für den einen Abend, das ist so ein Noir-Abend, den hier das York-Kino macht. Und Lief Barton Fink.
Florian Bayer: Ach, wie cool. Großartig, hat ganz viel Spaß gemacht.
Matthias Kastl: Weil ich gar nicht weiß, was die deutsche Übersetzung dann gemacht hat. Ist das deutsch oder auf Englisch gewesen? Auf Englisch. Ah,
Florian Bayer: okay. Ja, gut möglich, dass sie in der deutschen Synchro irgendwas anderes gemacht haben. Keine Ahnung, ja.
Matthias Kastl: Weil diese ganzen Filme sind ja in Deutschland dann auch meistens später, erst in den 70er und 80er immer rausgekommen. Das hast du ja oft, dass diese ganzen Hollywood, also oft findest du auch keine, manchmal keine deutschen Versionen, weil es das nicht gab. Und vieles kam halt erst später raus.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist tatsächlich nicht den Bogen zu weit gespannt, wenn man sagt, ja, man sieht. Also man kann sich vorstellen, dass die Cones diesen Film gemocht haben, weil die Art, wie sie Amerika inszenieren, gerade mit so diesen Skurrilitäten, mit diesen Schrulligkeiten, das findet man ja auch in diesem Film, mit diesen wirklich schrägen Charakteren, die auch so überdemonstrativ amerikanisch sind. Wir haben noch gar nichts zum Beispiel zu Matt Paddingell gesagt, die Mutter von Agbert, die einfach mal so eine richtig geile Cowboy-Lady ist und die einfach so sauwitzig ist. Wenn man sich anschaut, wie Cone-Figuren funktionieren, also auch gerade so Nebenfiguren. Ja, das ist mit Sicherheit auch inspiriert von den Figuren, die in diesem Film rumstolpern.
Matthias Kastl: Also noch ein Grund, sich den Film anzugucken. Wenn die Coen-Brüder ihn mögen, dann kann das doch nicht so schlecht sein.
Florian Bayer: Wir haben hier ja eine typische Fish-out-of-water-Geschichte. Du willst überleiten. Ich will überleiten.
Matthias Kastl: Schöne Überleitung. Absolut elegant.
Florian Bayer: Wir leiten über in unsere Top 3,
Johannes Franke: wo wir uns mit dem Thema beschäftigen. Unsere Top 3. Fish out of water. Wollen wir einmal kurz klären, was überhaupt Fish out of water ist, wenn wir schon dabei sind, ein Haufen Zeug von null an zu erklären? Freiburger in Berlin. Freiburger in Berlin.
Matthias Kastl: Vielleicht eine kleine Geschichte Freiburger in Berlin, die ich aus Freiburg komme. Das letzte Mal, als ich in Berlin war, war es so, ich komme an, Hauptbahnhof, dann fahre ich rüber, Warschauer Straße, laufe runter die ersten Schritte Berlin sozusagen, rennt an mir einer vorbei, schreit Achtung, wird was in der Mülltonne, rennt weg, dann explodiert die Müllponne, ja, komplette Explosion, alles kaputt. Und ich denke mir so, ach, Hauptstadt, schön, schön hier zu sein, schön hier zu sein. Nein, aber es ist ja eine coole Stadt, bin gerne hier.
Johannes Franke: Ja, wir haben, vor allem hattest du gesagt, du möchtest Fish Out of Water, Top 3, die besten Filme, die irgendwie mit Fish Out of Water sind, vor allem aber in der Richtung Culture Clash.
Matthias Kastl: Ja, weil du ja, also ich habe auch überlegt, Fish Out of Water, theoretisch könnte es... irgendwie alles könnte man irgendwie argumentieren, ist so ein bisschen Fish Out, weil du ja immer einen Underdog hast. Deswegen ist es echt schwierig. Ich habe irgendwie gemerkt, ja eigentlich den Film könnte ich eigentlich, das könnte eigentlich auch, das ist irgendwie auch ein Fish Out of Water.
Johannes Franke: Und genau den Gedanken hatte ich nämlich auch, weil Fish Out of Water anscheinend das Konzept für 90 Prozent der Filme ist. Du brauchst immer eine Person, die irgendwo reinkommt, wo sie sich nicht auskennt, wo sie erst rausfinden muss, wie ist die Mechanik dieser Welt, in die ich da gerate. Damit der Zuschauer eben auch erklärt bekommt, wie die Welt funktioniert. Weil sonst hast du idiotische Exposition-Dialoge zwischen zwei Leuten, die schon wissen, wie die Welt funktioniert.
Florian Bayer: Du meinst quasi den Protagonisten als Stand-In, so ganz traditionell Harry Potter, der nicht weiß, dass er Zauberer ist und dass er in dieser Zauberwelt ist.
Johannes Franke: Genau, damit wir dann erklärt bekommen, was Hogwarts ist, muss er erklärt bekommen, was Hogwarts ist.
Florian Bayer: Ich glaube, zu einer guten Fisch-out-of-Water-Geschichte gehört noch ein bisschen mehr. Nämlich, dass du deinen Fisch auch wirklich Charakterzüge gibst, die darüber hinaus... gehen, bloß ein Avatar für das Publikum zu sein.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also Fisch auf Worte funktioniert halt besonders gut, wenn du auch einen extremen Protagonisten hast, der wirklich clashen kann.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dieses Prinzip, du hast einen Stand-In, dann hast du halt einfach dein Publikum da stehen.
Johannes Franke: Das stimmt, ja. Aber daran erkennst du dann auch den Besseren vom Schlechteren Film, ne? Also, weil das einfach nur als Konzept zu übernehmen und zu sagen, okay, das ist jetzt mein Konzept, damit ich den Zuschauern das verkaufen kann, das hilft halt meistens nicht. Und hier in dem Film machen sie es halt sehr gut, finde ich. Also natürlich, der steife Brite in Amerika, klar, was gibt es denn?
Florian Bayer: Perfektes Beispiel, ja. Ja, absolut. Das ist Blaupause. Wollen wir mal reinspringen? Wir machen es immer so, dass unser Gast darf den letzten finden. Den letzten. Das seine Nummer eins. Also wir gehen von drei zu eins hoch und das seine Nummer eins, das letzte ist, was genannt wird. Und das soll für ewig gelten. Wir müssen anfangen. Und ich nehme dir am Anfang was weg. Tut mir so leid, Johannes. Mir? Ja.
Johannes Franke: Ich bin gespannt.
Florian Bayer: Ich nehme dir Chaplin weg.
Johannes Franke: Aha, was für ein Chaplin denn?
Florian Bayer: King in New York. Ah, schön. Einer der letzten Filme von Charles Chaplin, der damals nur noch Charles Chaplin genannt werden wollte, aus den 50ern, wo er einen König spielt aus irgendeinem osteuropäischen Königreich, der vertrieben wurde und deswegen in Amerika landet und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat wie unser Butler hier. Hast du den nicht in deiner Liste?
Johannes Franke: Den habe ich nicht in meiner Liste.
Florian Bayer: Ich hätte gedacht, es kommt jetzt ein Schmerzensschrei, dass ich diesen Film finde. Ganz großartig und vor allem, wenn man die klassischen Charlie Chaplin Filme kennt, also die 50er Jahre Filme von Chaplin sind sowieso anders als das, was er davor gemacht hat, aber der ist nochmal... ganzes Stück anders und wirklich bizarr und wirklich schräg und dass Chaplin sowas merkwürdiges machen kann, wo er komplett anders agiert als in seiner Tramp-Rolle. Ganz großartiger Film. Ich hab auf Platz 3 Planet der Affen. Oh Gott.
Matthias Kastl: Das ist natürlich gut gewählt, ja. Aber ich hoffe den richtigen, oder?
Johannes Franke: Natürlich, das ist das Original. Und weil er ja im Grunde im gleichen Pond wieder landet. Also er landet ja im gleichen Becken wieder. Aber das kriegen wir halt erst dann wieder. Ich finde es ganz toll. Achtung Spoiler. Ich wollte es mal sagen. Danke hier. Aber der Film, er hatte lange Zeit. Er ist von 68 oder sowas. Also da könnt ihr, wenn ihr den noch nicht gesehen habt, Pech gehabt. Aber ich finde es das ultimative Fish Out of Water, weil er vor allem nicht nur kulturell, sondern auch biologisch quasi da irgendwie reinkommt. Ich finde es toll.
Matthias Kastl: Ich habe mir beim dritten, ich habe Witness von Peter Weir genommen, was ein bisschen auch daran liegt, dass ich ein bisschen Harrison Ford Fan bin, immer als Kind damit aufgewachsen. Und ich einfach das Ganze mit dem Amish Ding damals ziemlich cool fand, dieses Reinkommen in diese ganz andere Gesellschaft. Und als Film ist der einfach stark und einfach, da geht es ja wirklich mehr um dieses Lebensart, wie unterschiedlich das ist und wie man sich da reingewöhnen muss. Und den habe ich bei mir auf die drei gepackt.
Florian Bayer: Ach cool. Den habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen und ich frage mich gerade, wie viel sie mit Klischees spricht. spielen, was die Amy betrifft, weil das lädt ja dazu ein, sehr viele Klischees rauszuholen. Ich muss auch mal,
Matthias Kastl: also habt ihr das auch, dass man manchmal guckt so einen Film und dann denkt man, da guckt man 20 Jahre später oder 10 Jahre später und denkt sich, hä, was hab ich mir da gedacht? Das kann ja, das hab ich so oft und ich hab ja auch manchmal Schiss bei meiner Oscar-Reihe, bei manchen Filmen, wo ich so dachte, boah, fand ich damals nicht so gut, ich hoffe, das kommt jetzt nicht, dass ich hier ein Ding verreiß, was dann, aber gut, da muss man durch.
Florian Bayer: Ich finde das auch, man sollte auch keine Gnade mit Klassikern haben, man sollte auch mal wirklich hart zu, wirklich hart zu Klassikern sein. Ja. Mein Platz 2, die Götter müssen verrückt sein. Ein wirklich niedlicher Film aus den 80ern und auch hier wieder die Frage, es ist schon lange her, dass ich ihn gesehen habe und ich weiß nicht, wie viel Klischee es benutzt, wo aber jemand von einem Spiel in Afrika und jemand, der keinen Kontakt mit unserer westlichen Zivilisation hatte, zieht aus, um eine Colaflasche loszuwerden. Die ist nämlich da gelandet und hat für Unruhe gesorgt bei seinen Leuten und er wird auch sehr cool, an diese Colaflasche loszuwerden, weil die das geschenkt. Böser Götter sein muss. Und er zieht dann halt los und trifft zum ersten Mal auf unsere westliche Zivilisation. Ich hab den als wirklich schöne Tragikomödie in Erinnerung und ich stell mir auch die Frage, wie viele Klischees sind da drin.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Das klingt so ein bisschen so, als könnte man in ganz viele Fettnäpfchen treten.
Florian Bayer: Ich glaube, aber er macht sich vor allem über uns lustig.
Johannes Franke: Okay, okay.
Florian Bayer: Aber natürlich wahrscheinlich auch mit ein bisschen Exotismus und so, kann ich mir total gut vorstellen. Keine Ahnung, es ist wirklich lange her, aber es ist ein wirklich schöner Film. Den hab ich als Kind geliebt.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 2 nicht die ganz klassische Sache, aber die so ein bisschen in die Richtung geht, aber ich dachte, ich muss es mit reinnehmen, weil der zu selten in unsere Listen landet und ich den aber ganz toll fand und wir haben ihn auch toll besprochen und zwar Angst, Essen, Seele auf. Oh ja, wo es um einen Marokkaner geht, jungen Marokkaner, Gastarbeiter, der mit einer Frau zusammenkommt, die eigentlich als Putzfrau glaube ich arbeitet und von Brigitte Mehrer gespielt wird. Ganz großartig, weil die das... große Rassismusproblem, das es 1974 massiv gab in Deutschland und auch leider dann wieder gibt jetzt, das sehr gut aufgreift und fast schon zur Karikatur teilweise muss ich sagen. Ich fand es zwischendurch ein bisschen hart, weil wirklich in jeder Szene massiv Rassismus passiert ist, im Vordergrund und im Hintergrund und überall. Aber das sehr gut, also wahrscheinlich Fassbender das beste Film, weil der Rest vielleicht von seinem Ego ein bisschen zu arg getrieben ist.
Florian Bayer: Hör ich da Fassbender Kritik?
Johannes Franke: Oh ja,
Florian Bayer: wir haben viel über Fassbinder diskutiert. Wir haben viel über Fassbinder diskutiert, ja. Riesenarschloch. Aber gut, Riesenarschloch, aber hat einige wirklich großartige Filme gemacht.
Matthias Kastl: Das möchtest du beim Wikipedia-Eintrag lesen. Riesenarschloch, aber gute Filme gemacht. Ich glaube,
Florian Bayer: das kann man bei sehr vielen Menschen schreiben. Bei sehr vielen Filmen machen. Leider, leider.
Matthias Kastl: Ich habe Platz zwei bei mir. Ich bin so ein bisschen nach persönlich gegangen und habe einen Film genommen, der mich eigentlich zum Durchsagen würde. Jetzt mal ein bisschen. Und pathetisch, Vorsicht, pathetisch, der Film, wo ich mich ins Kino verliebt habe, das war der mit dem Wolf tanzt. Ich weiß noch, das ist der einzige Film, wo ich dreimal im Kino war und so oft gehe ich eigentlich nicht immer in den gleichen Film. Ich weiß noch, der lief damals bei uns in der 50. Woche für 50 Pfennig, kommt mal rein. 50. Woche, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Was für eine andere Zeit. Aber das war für mich halt damals wirklich so. zehn Jahre, wie ich da war, so das Erlebnis, wo ich mich so ins Kino verliebt habe und ich den immer noch einfach super gerne schaue. Hat mich echt ein bisschen angenervt, dass jetzt der neue Costa Vesta nicht so gut ist. Das war ein bisschen frustrierend, aber damals hat er echt einfach einen richtig geilen Film gemacht.
Florian Bayer: Extrem traurige Geschichte. Ich wollte damals mit meinem, mein Onkel wollte damals mit mir in diesen Film gehen und wir wurden an der Kinokasse abgewiesen.
Matthias Kastl: Und warum wurdest du abgewiesen?
Florian Bayer: Weil ich zu jung war. Sie haben zu meinem Onkel gemeint, oh, wollen Sie wirklich mit dem Kleinen da reingehen? Ich glaube nicht, dass der was für ihn ist. Und dann hat mein Onkel gesagt, naja, wenn Sie es sagen. Der war, glaube ich, war der, ich weiß nicht mehr, wie damals die Regeln waren, war der, der war wahrscheinlich FSK ab 12, ich war definitiv noch nicht 12, aber galt es damals schon, dass man in Begleitung Erwachsener unter 12 Jahre in einen Film ab 12 gehen durfte?
Matthias Kastl: Boah, das weiß ich gar nicht mehr. Ich habe immer das Gefühl, früher war alles lockerer. Ja, wahrscheinlich. Ich weiß nicht. Aber wahrscheinlich wärst du ein bisschen traumatisiert rausgekommen, mit dem ganzen Büffel abschlachten, wärst wahrscheinlich in den Zoo gegangen und hättest nicht mehr geheult. Deswegen finde ich für die Entwicklung gar nicht so schlecht, dass du es vielleicht verpasst hast.
Florian Bayer: Aber Plur hat sehr früh sehr schlimme Filme gesehen. Ja, ja. Ich bin wahrscheinlich im Schülerausweis in Scream in den 90ern. Das war wirklich alles ein bisschen lockerer damals. Und niemand hat mich gesehen und geglaubt, dass ich 18 bin. Niemand. Das war eigentlich ein komplettes Unding, dass wir das geschafft haben.
Johannes Franke: Hast du gar nicht eine Tute? Du bist mit 20 schlagartig Mitte 30 geworden.
Florian Bayer: Genau, und davor sah ich auch sie 12. Ach so. Was glaubst du, was für eine harte Pubertät das war? Von 12 auf 30 innerhalb von einem Jahr.
Johannes Franke: Oh Gott. Und seitdem bist du Mitte 30.
Florian Bayer: Ja, schön wär's. Ach so, okay. Letztes Jahr bin ich Mitte 50 geworden. Was? Fühlt sich zumindest so an. Hast dich gut gehalten, finde ich. Danke schön. Mein Platz 1, Sophia Coppola. Lost in Translation. Ah, okay.
Matthias Kastl: Den hatte ich auch auf der Liste, aber habe mir gedacht, wahrscheinlich schnappt ihn einer von euch. Aber ist okay, ist okay. Aber ist auch ein sehr schönes Beispiel.
Florian Bayer: Ganz großartiger Film mit Scarlett Johansson und Bill Murray, die Lost in Translation in Tokio sind und irgendwie den Abend zusammen verbringen und sich aneinander festklammern, weil Gott sei Dank, da ist noch jemand anderes Amerikanisches. Und ein wirklich süßer Film und eine Art platonische Liebesgeschichte, schön subtil erzählt und großartig, ja.
Johannes Franke: Ihr habt zwei honorable Menschen, bevor ich meinen Platz 1 zeige. Das eine ist Willkommen bei den Sties. wo ich nicht mehr weiß, wie der Film wirklich, ob der wirklich so gut ist. Aber damals fand ich ihn toll. 2008 rausgekommen, wo ein Südfranzose in den Norden versetzt wird, als Beamter, glaube ich, und da irgendwie zurechtkommen muss. Und die Vorurteile, die er hat über den Norden, sind total, also er ist völlig verzweifelt, dass er da hin muss. Und dann sieht er überall die Bestätigung seiner Vorurteile und nach und nach kommt er da an. Finde ich eine interessante Fischer-Otto-Worte-Variante. Ich weiß nicht, wie ich ihn heute sehen würde. Keine Ahnung. Weißt du noch? Du hast ihn gesehen,
Florian Bayer: glaube ich. Ja, meine Freundin spricht sehr gut Französisch und die besteht darauf, dass man diesen Film synchronisiert auf keinen Fall gucken kann. Und dass man ihn auch eigentlich nur gucken kann, wenn man Französisch versteht.
Johannes Franke: Ja, okay, verstehe.
Florian Bayer: Ich weiß nicht mehr, aber ich habe so das Gefühl, mit diesen französischen Komödien Mitte der 2000er und 2010er werde ich nicht warm. Wir hatten zum Beispiel, wir haben ja... ziemlich beste Freunde geredet. Den habe ich, glaube ich, ziemlich fies runter gemacht.
Johannes Franke: Ja, da waren wir beide nicht ganz so zufrieden. Nee,
Florian Bayer: da waren wir beide sehr unglücklich. Willkommen im Club,
Matthias Kastl: weil ich mag den Film auch nicht, sondern ich, also, es ging mir genauso, dass ich nicht weiß, warum der so war. Aber gut.
Florian Bayer: Und der schlechteste Film, den ich in den letzten Jahren gesehen habe, war ein deutsches Remake von so einer französischen Komödie, nämlich, ich weiß nicht.
Matthias Kastl: Ach, das ist mit diesem Dinner? Da gibt es irgendwie, ja, ich habe es gar nicht erst angeguckt.
Florian Bayer: Ich habe es ausgemacht nach, nee, warte mal, wie? Was habe ich getan? Ich weiß nicht mehr. Ich habe den Schluss dann noch geguckt, weil mich interessierte, aber es war wirklich... Es war so schlecht. Entschuldigung, das ist komplett out of context, aber ich muss es einfach nochmal sagen, guckt euch diesen Film auf keinen Fall an. Das ist wirklich ein wirklich schlechter Film.
Johannes Franke: Kannst du den Namen nochmal sagen?
Matthias Kastl: Die laden so einen Idioten ein oder so. Ist nicht irgendwas, oder die machen, oder was ist das? Nee,
Florian Bayer: die treffen sich und es sind wirklich alle deutschen Comedy, Dramedy-Schauspieler dabei, die man so heute kennt. Also wirklich auch so Elias M. Barek bis, und dann geht es noch eine Generation runter, Jessica Schwarz, sind alle dabei.
Matthias Kastl: Til Schweiger auch?
Florian Bayer: Nee, Til Schweiger nicht. Dann hätte ich ihn nicht angeguckt. Der hat ihn bestimmt produziert. Und sie reden darüber, dass sie einfach jetzt mal ehrlich sein wollen und alle ihr Handy jetzt auf den Tisch legen und vertauschen. Und natürlich ist einer schwul und versucht das zu verheimlichen. Und natürlich hat einer eine Affäre und versucht das zu verheimlichen. Und es kommt zu Missverständnissen. Und das ist ein Remake von einem französischen Film. Der wurde, glaube ich, in jedem Land geremaked. Es gibt, glaube ich, auch eine amerikanische Version davon. Und der war wirklich wow. Wow.
Johannes Franke: Mein zweiter Eindruck über Menschen. Auch Kindheit. Prinz aus Tamunda. Uh,
Florian Bayer: interessant.
Johannes Franke: Den hätte ich wirklich geliebt, aber als Kind. Ja, ich auch. Ich weiß auch bei diesem Film nicht, wie ich ihn heute gucken würde. Und es ist ja auch ein zweiter Teil irgendwie erschienen oder so.
Matthias Kastl: Und gar nicht so lange her. Nicht gut. Nicht gut. Nicht gut.
Johannes Franke: Schade. Hast du das Original noch im Kopf?
Matthias Kastl: Ja, habe ich mir davor auch geguckt. Der wiederum ist witzig. Den fand ich noch gut. Ich habe auch an so Sachen gedacht, wie so Cockatildande oder Ja. Wenn du in die Hills kommst, das ist ganz im 80er Jahre, hast du ein paar so Dinger. Das ist eine schöne unschuldige Zeit.
Johannes Franke: Oh ja. Einfach damit ihr wisst, worum es geht, Eddie Murphy kommt als afrikanischer Prinz nach New York. Und versucht da irgendwie undercover eine Frau zu finden, die ihm taugt. Weil er sonst zu Hause eine hätte heiraten müssen.
Matthias Kastl: Das ist politisch korrekt. Das ist vielleicht nicht so ganz,
Florian Bayer: aber...
Johannes Franke: Naja. Ja gut, okay. Und natürlich kommt da so ein Prinzessinnen-Dings drunter, liegt da die ganze Zeit drunter, weil die Frau irgendwie so... Den müssen wir mal besprechen.
Florian Bayer: Einfach, weil ich neugierig bin, wie ich den Film heute finde.
Johannes Franke: Stimmt, eigentlich müssen wir... Da müssen wir aber auch in den zweiten Teil einmal gucken, damit wir dann sagen können, was da... Oh mein Gott. Okay, gut. Oh, Entschuldigung. Platz 1 ist bei mir Barbie. Oh ja,
Florian Bayer: natürlich.
Johannes Franke: Ich liebe es, wie Barbie in die reale Welt kommt und feststellt, scheiße, wir haben den Feminismus doch nicht, das Patriarchat doch nicht aufgelöst.
Florian Bayer: Oh, Barbie war... Barbie war echt witzig. Ich fand es großartig. Mit ihm hatte ich sehr viel Spaß.
Matthias Kastl: Ich fand, was schön war, also ich muss ja auch zugeben, dass mir Barbie gefallen hat, dass so eine gute Stimmung im Kino war. Das habe ich auch selten gehabt. Und das hat es gemacht. Ich glaube, es macht einen Unterschied, wie man den Film guckt, glaube ich mir zumindest. Aber wenn du dann ein volles Kino hast und es geht ab und dann kommt Gosling hier und macht die eine Nummer, diesen Song. Das war wirklich, da habe ich auch innerlich einfach applaudiert.
Florian Bayer: Eine der besten Musical-Nummern der letzten Jahre.
Johannes Franke: Wir haben auch über den Film geredet. Also ihr könnt da gerne mal reinhören.
Florian Bayer: Ja, wir haben ja unser Oppenheimer-Barbie-Double-Feature gemacht. Stimmt,
Johannes Franke: ja.
Florian Bayer: Du fandst Oppenheimer, also ich fand Oppenheimer auch okay, aber ich fand Barbie doch sehr viel besser.
Johannes Franke: Ich fand Oppenheimer auch sehr, sehr gut, aber tatsächlich muss die recht geben, dass Barbie tatsächlich mit Oppenheimer den Boden aufwischt. Also es ist schon so ein bisschen...
Florian Bayer: Ich fand Oppenheimer okay. Und dafür, dass er so ambitioniert war, war halt so ein... Ist okay, irgendwie auch ein ziemlich hartes...
Matthias Kastl: Vielleicht muss man es öfters gucken. Ich habe immer mit... Mit Nolan ist natürlich das Problem. Einmal dieses mit den Emotionen, was er nicht so ganz hinkriegt. Und dann manchmal verkomplizierte Sachen. Unnötig, finde ich, mit diesen Zeitdingern und so. Und auch hier dieses ganze Schwarz-Weiß. Es trifft natürlich ab, aber das ganze Schwarz-Weiß das hinten raus, da hättest du alles sparen können, finde ich.
Florian Bayer: Nein. Ich fand auch, also ich finde, Nolans Spiel mit der Zeit macht oft Sinn. In dem Film war es einfach nur Gimmick. Ja, das hast du damals schon gesagt.
Johannes Franke: Ich glaub dir immer noch nicht. Du hast einfach keine Ahnung. Okay, dein Platz 1. Nur Drumroll vorher unterbringen noch. Achso, genau. Sehr gut.
Matthias Kastl: Ich habe auch wieder geguckt, so ein bisschen persönlich Ding. Jetzt hat er so seine Lieblingsfilme und ich habe irgendwann gesagt, ich habe für mich so meine Top 3 und das ist einer meiner Top 3 Lieblingsfilme von allen. Ist ein bisschen getrickst. Es ist Fish Out of Water, ein bisschen umgekehrt, nämlich der Fisch geht ins Water rein und macht da, räumt da auf, Slowance von Arabien. Weil es ja eigentlich umgekehrt ist, also er geht in diese andere Kultur rein, aber eigentlich als der Macker. und er denkt, er kann alles aufziehen und er ist der Größte. Also es ist eine andere Variation auf das Ganze, aber es ist immer noch der Film, also optisch, also was Epos angeht, da knie ich immer noch nieder. Das ist, was Bildkomposition angeht, was den Epos-Faktor angeht, da jedes Mal neu verliebt in den Film. Ich habe es nie geschafft, auf einem großen Leinwand zu sehen. Kino, das ist noch so auf der Bucketlist in meinem Leben. Das muss noch kommen.
Johannes Franke: Geil. Okay. Schön. Ja, cool, danke. Tolle Liste.
Florian Bayer: Super Liste.
Johannes Franke: Sehr schön. Dann Jingle rein und wir zurück in den Film. Ja. Das war unsere Top 3. Haben wir noch größere Baustellen zu Ruggles of Red Gap? Wollt ihr noch Dinge unterbringen, Sachen sagen, die ihr schon immer sagen wolltet, aber euch nie getraut habt? zu sagen.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, ich wollte zumindest noch einmal kurz erwähnen zu Charles Lawton, dass der auch sehr bewegt war von der Gattesburg-Rede.
Johannes Franke: Ja, der hat eineinhalb Tage gebraucht, um seine Tränen zurückzuhalten.
Florian Bayer: Was unter anderem daran lag, dass er in dieser Zeit drüber nachgedacht hat, amerikanischer Staatsbürger zu werden.
Matthias Kastl: Hab ich auch was gelernt, wusste ich nicht.
Florian Bayer: Das war mein Funfact, den ich noch einwerfen wollte oder mein Emo-Fact.
Johannes Franke: Dann könnte ich vielleicht noch ergänzen, dass er das Ganze auch noch auf Platte gebracht hat und eine Single rausgebracht hat mit dieser Rede und sein Leben lang diese Rede immer wieder auf Partys geben musste und auch sehr gerne getan hat. Also nicht, weil alle gesagt haben, hier mach mal, sondern er auch oft genug wahrscheinlich gesagt hat, ich könnte noch da eine Rede zitieren und alle so, ja okay, es ist Jens, es ist Lorden. Das heißt,
Florian Bayer: er konnte sie auch wirklich auswendig.
Johannes Franke: Er konnte sie echt auswendig und er hat sie tatsächlich sehr geliebt und immer wieder zum Besten gegeben.
Matthias Kastl: Und wahrscheinlich war es wie im Film danach, erstmal alle einsaufen. Ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Das vielleicht auch noch zu der Gettysburg-Rede, ein kleiner Funfact. Es waren ja nur zwei Minuten, die Lincoln geredet hat, weil Lincoln galt nicht als guter Redner. Und davor hat jemand anderes, es ging um die Einweihung vom Soldatenfriedhof, hat jemand anderes die eigentliche Rede gehalten, nämlich die zweieinhalb Stunden. Und dann kommt Lincoln, bei dem alle sagen, naja, dann kann ich so viel, lass den mal noch zwei Minuten was sagen kurz. Und der Redner vor ihm hat danach gesagt, ah, danke, dass sie das, was ich in zweieinhalb Stunden gesagt habe, so pointiert in zwei Minuten hingebracht haben.
Johannes Franke: Ja, das ist doch schön. Man hat auch, wenn man weniger Zeit hat, die Chance,
Florian Bayer: wenn man auf dem Punkt ist, mehr Eindruck zu hinterlassen. Edward Everett ist sein Vorredner, der das gesagt hat. Und wir schwafeln hier über eine Stunde. Aber ist ja auch gut. Das können wir gut.
Johannes Franke: Ich habe noch eine Frage an euch. Ich habe jetzt gelernt, dass ihr... Always bring the kettle to the pot und nicht andersrum.
Matthias Kastl: Ganz wichtig.
Johannes Franke: Ganz wichtig.
Matthias Kastl: Ich wollte ja auch nochmal kontrollieren, aber ich habe nicht gesehen, wie du es auch zubereitet hast und alles. Also das wirst du jetzt sofort. Ihr habt auch nicht mitbekommen,
Johannes Franke: dass ich falschrum gesagt habe jetzt gerade.
Matthias Kastl: Nein. Scheiße. Okay, cut, cut, cut.
Florian Bayer: Was für eine fiese Falle. Wir sind ja freundlich zueinander, was soll das? Always bring the pot to the kettle. Und das Geile ist, dir traue ich zu, dass du diese ganzen britischen Höflichkeitsregeln,
Johannes Franke: dass du die alle verinnerlicht hast. Nein, das ist Knicke. Knicke ist deutsch und Knicke ist für mich absolut heilig. Das hat hier einen eigenen Schrein. Den gucke ich mir immer abends mit meinem Karretenanzug an. Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen, oder? Wollt ihr nochmal so ein bisschen eine Fazitrunde machen?
Florian Bayer: Ja, lasst uns eine kleine Fazitrunde machen. Du hast doch auch einen Jingle dafür.
Johannes Franke: Das Urteil. Geil, ich habe endlich wieder diesen Jingle unterbringen können. Blo, möchtest du anfangen?
Florian Bayer: Ja, Matthias. Vielen Dank.
Matthias Kastl: Erstmal würde ich gerne wissen, wie klingt dieser Jingle? Ich höre den ja nicht. Könnt ihr den nachmachen?
Florian Bayer: Das Urteil. Tiefe Stimme von Johannes und im Hintergrund sehr dramatische Musik.
Matthias Kastl: Okay, das brauche ich uns dann. Das Urteil. Mein Urteil ist einfach, es ist ein unglaublich entspannter Film und wenn ihr Zeit habt, geht mal raus, guckt, was für ältere Filme es da gibt vor 1990. Da gibt es Filme auch von 1950, von 1940 bis 1930 zurück. und gerade auch diese alten Komödien, mal Lubitsch gucken, mal Leo McCary. anschauen, genießen, ein bisschen sich auch überlegen, okay, das ist ein Haze-Code, haben sie irgendwo getrickst, was könnte hier Sex bedeuten, was nicht? Hat man auch Spaß mit und man findet, wie gesagt, es gibt vieles auf DVD und wenn nicht, findet man das auch im Internet. Danke,
Florian Bayer: dass du diesen Film mitgebracht hast. Also ich habe vorher noch nie davon gehört, ich kannte den überhaupt nicht, ich kannte den Regisseur nicht und den Ruggles-Darsteller habe ich bestimmt schon gesehen, aber hatte ich nicht so präsent als Darsteller und es war einfach, es war wirklich eine wirklich schöne Komödie, toll gespielt. Absolut sehenswerter Film und auch irgendwie für mich so die richtige Mischung aus Pathos und Comedy, ohne dass es zu sehr in eine Richtung abdriftet und eigentlich ja, good old Hollywood, golden age von seiner schönsten Seite. Absolut.
Johannes Franke: Übrigens, Zeugin der Anklage, Lawton, da haben wir drüber geredet. Das ist der Typ, der da mit seinem Taschentuch die ganze Zeit die Stirn wieder trocken versucht zu kriegen und da sein Alkohol trinkt heimlich. und Eine großartige Szene. Ganz tolle Szene.
Florian Bayer: Muss ich einmal ganz kurz angucken.
Matthias Kastl: War er da der Anwalt? Ich weiß gar nicht mehr. Anwalt? Anwalt. War der Anwalt, gell?
Florian Bayer: Ich hätte ihn nicht erkannt. Ich habe ihn nicht erkannt. Das ist jetzt gerade krass.
Matthias Kastl: Das ist auch 20 Jahre später oder sowas. Ich glaube, er war ein Zeuge der Anklage Mitte 50er. Nein,
Florian Bayer: ich finde, er hatte so ein sehr spezifisches Aussehen. Also man erkennt ihn eigentlich, würde ich behaupten, aber offensichtlich nicht.
Johannes Franke: Krass, ne? Ja, ihr habt schönes Fazit genannt. Ich muss da gar nicht mehr viel dazu erfinden. Ein großartiger Film. Vielleicht wollt ihr noch ein, zwei Empfehlungen aus der Zeit wirklich konkret sagen? Ich würde Lubitsch tatsächlich auch unterstreichen, was du gesagt hattest. Sein oder nicht sein, darüber haben wir auch im Podcast gesprochen. Ganz, ganz toller Film. Citizen Kane natürlich, ja, okay.
Florian Bayer: Als alter Genre-Fan muss ich halt die ganzen Monsterfilme uns sagen. Die ganzen Universal-Monsterfilme sind auch irgendwie so in dem Zeitraum entstanden. Also Frankenstein. Frankenstein, Dracula. Ich glaube, das ist ein bisschen früher sogar noch eher. Und die haben bei den Oscars gar keine Rolle bespielt, oder? Tauchen die mal bei den nominierten Listen auf?
Matthias Kastl: Gar nichts. Was tatsächlich auftaucht in ein, zwei Filmen ist Boris Karloff. Das ist ganz cool, weil man dann immer so denkt, ha? wahrscheinlich der Bösewicht. Also der ist einst mal aufgetaucht, aber ansonsten, Monsterfilme sind raus, das war ja damals schon so B-Picture-mäßig eher. Da hast du gar nichts drin. Habt ihr euch den neuen Frankenstein schon gesehen? Ja,
Florian Bayer: Johannes hat mir davon abgeraten.
Matthias Kastl: Was ich nur gehört habe, ist vor allem CGI-Kacke und irgendwie Film. Ist nicht so.
Johannes Franke: Leider nicht, leider nicht. Ich habe große Hoffnungen gehabt. Aber leider schafft er es nicht ganz. Aber das wäre jetzt zu groß, um das jetzt auszubreiten. Warum nicht? Ich würde noch ganz kurz empfehlen Top Hat, weil ich diese ganzen alten Tanzfilme liebe. Und 1935 war auch so ein Jahr, wo die ganzen Tanzfilme angefangen haben. Wo man mit Top Hat und dann später eben Singing in the Rain in den 50ern, in den 40ern ist wahnsinnig viel passiert, Funny Face und diese ganzen Sachen. Ich liebe es. Und Top Hat ist einfach einer der... ganz großen tollen. Mit
Matthias Kastl: Ginger Rogers und Fred Astaire. Die sind zwei, dreimal nominiert gewesen, Oscar da. Also sind auch dabei. Aber ist auch schön, weil wie gesagt, solche Sachen sind ja heute gut. La La Land wurde mal nominiert. Aber es sind so Filme, die da reingehen, die man heute eigentlich nicht mehr hat.
Florian Bayer: Genau, ja.
Matthias Kastl: Und das macht es dann auch so vielfältig.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, es ist wieder ein bisschen besser geworden. Also es gab ja so eine sehr große Phase, wo man gesagt hat, okay, es gibt einfach diese Oscar-Bate-Filme. Und die Filme, die für den Oscar nominiert sind und auch gewinnen, funktionieren alle nach dem selben Prinzip. Und ich habe das Gefühl, in den letzten Jahren findet man wieder eher sowas wie Everything, Everywhere, All at Once oder Parasite, die wieder so ein bisschen rausfallen, so ein bisschen experimenteller sind und nicht sowas wie, was war das, der letzte große Oscar-Bate-Film, Green Book? Der hieß Green Book, ne? Aber ich glaube, der hat nicht mehr gewonnen. Green Book war schon sehr Oscar-Bate-mäßig. Ist nicht The Whale auch so Oscar-Bate-mäßig gewesen? Oh, The Whale, aber der hat nicht gewonnen. Ja, das stimmt. Gott sei Dank nicht,
Matthias Kastl: den fand ich nicht gut.
Florian Bayer: Hat Brendan Fraser gewonnen? Ja. Okay.
Matthias Kastl: Der hat gewonnen. Ich weiß dieses Jahr gar nicht, was nominiert. Ich habe jetzt nichts, auf was ich mich freue, muss ich sagen. Ich fand House of Dynamite ganz cool, aber auch jetzt so, weiß nicht, sonst bin ich mal gespannt, was da jetzt noch kommt.
Florian Bayer: Ich muss jetzt auch überlegen.
Matthias Kastl: Es kommen dann Wicked und Avatar raus, wahrscheinlich kriegen die was ab. Aber bisher bin ich ein bisschen noch ratlos, was da noch kommt.
Florian Bayer: House of Dynamite hat einen Kinorelease.
Matthias Kastl: Ja, das ist Netflix, die gute alte Netflix-Taktik. Eine Woche und dann...
Florian Bayer: Achso, damit sie da aber ja den...
Johannes Franke: Ja, ja, bei Frankenstein ist das doch auch so. Ja, ja,
Matthias Kastl: das ist dann immer ne.
Johannes Franke: Eine letzte Empfehlung noch, The Lodger. Erste, quasi erste von Hitchcock. So großartig.
Florian Bayer: Das sind wir am Anfang der 30er?
Johannes Franke: 29.
Florian Bayer: 29.
Johannes Franke: So ein sexy Hauptdarsteller, das kannst du dir nicht vorstellen. Hab ihn nochmal gesehen, nachdem wir darüber gesprochen haben, hab ich ihn nochmal gesehen. Und ich find ihn immer noch so groß. Also so ein toller Film. Vielleicht der Beste von Hitchcock, aber das ist ziemlich, oh, das ist jetzt weit aus dem Fanzin. Jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt, jetzt. Jetzt fängt es an so wanky zu werden, aber wirklich, ich liebe ihn sehr.
Matthias Kastl: Dann würde ich vielleicht noch einmal kleine Werbung für einen Minifilm machen, den man kaum findet und der im ersten Oscar nominiert war. Das ist kurz ein Stummfilm, der heißt The Crowd, keine Komödie, kennt keinen Menschen, Regisseur, der heißt King Vidor. Ist ziemlich bekannt, hat auch Ehren, Ehren-Oscar mal bekommen, kennt leider auch keiner mehr. und the crowd ist im Wesentlichen ein kleines Sozialdrama und ist unglaublich toll gespielt und super intensiv und einfach eine Empfehlung. Das findet man aber ganz schwer nur mit französischen Untertiteln irgendwo halblegal. Also ich war ihn schon mal vor, aber das wollte ich einfach mal reinwerfen, weil der echt unglaublich toll ist. Und ansonsten komödienmäßig, wie gesagt, Skubol macht natürlich alles Spaß und Lubitsch anschauen.
Johannes Franke: Ja, voll.
Matthias Kastl: Und Capra. Und dann ist man gut drauf. Das ist vielleicht jetzt gerade so in dem jetzt hier Weihnachts-Neues-Jahr-Ding. Schau, der ist genau die richtige Zeit für einen Capra-Film. Also das ist jetzt genau das Ding. Hingehen, Capra-Film angucken und schön ins neue Jahr starten.
Florian Bayer: Es gibt zwischen uns beiden unterschiedliche Haltungen zum Thema, wie man Frank Capra wahrnimmt. Okay,
Matthias Kastl: ich sehe schon hier, ich sehe, wo der Skeptiker ist.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: It's a Wonderful Life ist großartig. Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: Ich bin kein Capra-Fan. Das ist das, was ich meine. Es gibt von diesen klassischen Hollywood-Filmen, gibt es welche, die sind mir echt zu. zu zuckrig und Capra hat echt ein Händchen dafür, immer noch einen draufzusetzen.
Johannes Franke: Ich habe auch Zahnschmerzen danach, aber es ist trotzdem großartig.
Florian Bayer: Ich liebe es. Na gut. Leute, wenn ihr noch mehr Filmtipps haben wollt aus dieser Zeit, lest bei Filmzine vorbei. Jede Woche kommt eine neue Review raus.
Matthias Kastl: Jede Woche. Es kann sein, wenn wir jetzt ein neues Jahr starten, dass ich, wie gesagt, aufgrund und Papa werden und so auf einen Zweirochenrhythmus gehe, muss ich mal schauen. Ansonsten, ich würde noch eine kleine Mini-Werbung machen, wie ich das reinwerfen kann. Gerne, gerne. Also wenn jemand... Bock hat, Kritiken zu schreiben und dafür kein Geld zu kassieren, aber gute Laune zu haben. Nein, wir wollten uns echt freuen, wenn wir noch ein paar Verstärkungen bekommen und jemand bei uns mitschreibt. Man bekommt auch schönen Zugriff auf Screener und Kino-Sachen, aber es gibt kein Geld. Alles so wie hier. Tee haben wir auch nicht so leckeren, aber wer Lust hat, könnte einfach an mich schreiben. Ich weiß nicht, vielleicht kann man ja in irgendwelche Shownotes irgendwie meine Adresse reinpacken. Wir packen auf jeden Fall die Adresse zur Filmstelle. Dann könnt ihr mir einfach schreiben. Auch wenn ihr sonst irgendwelche Fragen oder Empfehlungen von alten Filmen, schreibt mir gerne.
Florian Bayer: Super. Sehr schön. Vielen Dank, dass du da warst. Das war wirklich großartig. Ein tolles Gespräch. Total schön.
Matthias Kastl: Hat mich sehr gefreut und der Tee war sehr lecker. Und was war es nochmal? Kettle to the Pot oder Pot to the... Ich hab's schon wieder vergessen. Ich auch. Sag's mir noch einmal.
Florian Bayer: Always the Pot to the Kettle. Nicht andersrum. Okay.
Matthias Kastl: Always the Pot to the Kettle.
Florian Bayer: Leute, wir hatten jetzt einen ganzen Monat eure Wunschfilme und jetzt auch noch ein Gast fürs Ende des Jahres, aber nächste Woche und damit nächstes Jahr gibt's endlich wieder einen Film von uns und ich glaube, Johannes ist dran. Ich bin dran, yes! Letztes Jahr hast du das Jahr eingeleitet. Dieses Jahr? Ja, mit Pipe Fiction, ne?
Johannes Franke: Und ich darf dieses Jahr, nächstes Jahr das einleiten. Meine Güte. Nächstes Jahr, letztes Jahr, dieses Jahr. Es ist wieder ein Jahr. Wir haben ein Jahr und ich leite das ein. Und womit wir das einleiten, das hört ihr nach dem Jingle, den wir nochmal einspielen. Da müsst ihr nochmal durch. Noch ein letztes Mal in diesem Jahr. Sagen wir euch, was es nächste Woche gibt.
Florian Bayer: Genau, ansonsten euch wie immer vielen Dank fürs Zuhören. Toll, dass ihr da seid.
Johannes Franke: Ja, es macht sehr viel Spaß mit euch. Vor allem, weil das Social Media Game immer sehr unterhaltsam ist.
Florian Bayer: Habt einen tollen Rutsch ins neue Jahr.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir hören uns 2026 wieder.
Johannes Franke: Tröt, tröt, Party, Party. Ihr wisst schon, habt Spaß,
Florian Bayer: kommt gut rüber. Ciao. Bis dann. Ciao.
Johannes Franke: So, da ist doch noch was.
Florian Bayer: Ja, was gibt's denn? Womit starten wir ins nächste Jahr?
Johannes Franke: Endlich darf ich das Jahr beginnen und wir beginnen natürlich mit meinem absoluten Lieblingsthema, nämlich Charlie Chaplin.
Florian Bayer: Yeah!
Johannes Franke: Ja, wir haben natürlich völlig ihrer Weise noch nicht der große Diktator besprochen.
Florian Bayer: Stimmt.
Johannes Franke: Und das müssen wir tun, vor allem weil ich den... seit meiner Kindheit mit mir rumtrage und immer verstört war vom Ende, weil ich immer nicht so richtig wusste, ja, kommt der jetzt da raus oder nicht? Aber das werden wir alles nächste Woche und damit nächstes Jahr besprechen.
Florian Bayer: Nochmal euch einen guten Rutsch, kommt gut rein beziehungsweise wenn ihr verkatert, dass ihr es jetzt hört, kommt gut aus eurem Kater raus und guckt euch nochmal Charlie Chaplin, der große Diktator an. Wir werden wie immer die Hölle aus dem Film spoilern, auch wenn er fast 100 Jahre alt ist. Naja, ist übertrieben. 80 80...
Johannes Franke: 45 ist er irgendwie rausgekommen.
Florian Bayer: 85 Jahre.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: 86, denn wir haben 2026. Yeah. Tröte. Okay, bis dahin. Wir hören uns nächstes Jahr wieder. Bis dahin. Tschüss. Ciao.
