Episode 284: Halt auf freier Strecke – Heute reden wir übers Sterben
Frank, Anfang/Mitte 40, Lagerarbeiter, Familie mit zwei Kindern, mitten im Leben stehend, bekommt die schlimmste Diagnose, die man sich vorstellen kann. Ein Hirntumor, bösartig, ohne Aussicht auf Heilung. Seine Lebenserwartung, vielleicht ein paar Monate. Zusammen mit seiner Frau, der BVG-Fahrerin Simone, muss er darüber nachdenken, wie er dies seinen beiden Kindern Lily und Mika erzählen kann, wie er behandelt werden möchte, und ganz generell, wie seine letzten Wochen auf der Erde aussehen sollen. Neben der belastenden Strahlentherapie versucht die Familie so gut es geht, Alltag zu leben: Schule, Sport, gemeinsame Quality Time und ein Besuch im Tropical Island stehen auf dem Programm. Aber der Tumor macht sich stärker und stärker bemerkbar: Frank wird von Kopfschmerzen geplagt, verliert mehr und mehr die Orientierung und wird immer schneller zum Pflegefall.
Die letzten Tage eines Menschen mit schwerer persönlichkeitsverändernder Krankheit: Andreas Dresen erzählt dies in Halt auf freier Strecke aus dem Jahr 2014 in einem realistischen, lakonischen Ton, der umso brutaler die Tragik der Situation offenbart. Immer dabei das iPhone, das den Familienalltag in intimen Nahaufnahmen einfängt. Auch immer dabei, der Tumor, zuerst als abstrakte Angst, dann als Terror im familiären Alltag, schließlich ganz real als Mann, der im Radio zu hören ist, in der Harald Schmidt Show auftritt und neben Frank im Bett schläft.
Johannes, wir haben im Laufe unseres Podcasts schon so manches Tabuthema angefasst. Aber das größte Tabuthema überhaupt haben wir bisher nur in Liebe von Michael Haneke gestreift, und auch da fast so en passant. Deshalb muss ich dich jetzt erst einmal fragen. Fühlst du dich gewappnet, heute über das Sterben zu reden?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 284: Halt auf freier Strecke – Heute reden wir übers Sterben Publishing Date: 2026-06-10T09:56:15+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/06/10/episode-284-halt-auf-freier-strecke-heute-reden-wir-uebers-sterben/
Florian Bayer: Es fühlt sich absolut merkwürdig an und es fühlt sich an auch so wie ein Moment des schwarzen Humors. Und das habe ich mehrmals in diesem Film, dass Szenen sind, wo ich denke... Ist es jetzt schwarzer Humor? Und dann je mehr ich drüber nachdenke, auch feststelle, nee, das ist realistisch. Sehr realistisch. Man hat das Gefühl, das ist so bitterböser Humor, weil es jetzt diese Awkwardness von bestimmten Situationen gibt.
Johannes Franke: Herzlich willkommen, Plower, hier zu einer neuen, aber etwas gedämpften Stimmung beim Muss-man-sehen-Podcast.
Florian Bayer: Wir werfen uns gegenseitig Filme zu. Und zwar nach dem Motto, Alter, den musst du gesehen haben. Immer abwechselnd mit einem sehr unterschiedlichen verschiedenen Filmgeschmack. Und diese Woche war ich dran und habe Johannes einen Regisseur gegeben, bei dem er zumindest einmal gelächelt hat und gesagt hat, oh, Andreas Tresen, ja, den mag ich.
Johannes Franke: Ja, ich habe Herr Wichmann aus der dritten Reihe gesehen, was ich in phänomenalen Dokumentarfilmen so fand.
Florian Bayer: Hast du beide Wichmann-Filme gesehen? Ja, beide. Das sind großartige Filme.
Johannes Franke: Ganz toll, auch zusammen einfach. Wobei ich den ersten noch ein bisschen besser fand als den zweiten, aber der zweite war auch grandios.
Florian Bayer: Ich fand den ersten auch ein bisschen besser und ich war so überrascht, dass dieser Wichmann, den es wirklich gibt, CDU-Politik. dass der nach diesem ersten Film gesagt hat, klar, neun Jahre später, lass uns einen zweiten Film drehen. Hat er den ersten nicht gesehen?
Johannes Franke: Wahrscheinlich hat er sich gedacht, every publicity is good publicity.
Florian Bayer: Ja, vielleicht... Also ich habe das Gefühl tatsächlich in diesem Herr Wichmann aus der dritten Reihe, dass er auch so ein bisschen gereift ist. Und nicht mehr so nervig ist wie im ersten, woher er wirklich... unangenehm auffällt, teilweise mit seiner Art Populismus zu machen.
Johannes Franke: Vielleicht hat er auch versucht, sich Redeeming Qualities zu geben.
Florian Bayer: Maybe. Aber wir reden heute nicht über Herr Wichmann, sondern über einen Film von Tresen, den du nicht kanntest. Und zwar halt auf freier Strecke aus dem Jahre 2011, der mein Lieblingsfilm von Tresen ist.
Johannes Franke: Warum? Wie kann so ein krasser, harter, schwieriger Film ein Lieblingsfilm sein?
Florian Bayer: Weil er mich emotional bewegt wie nur wenige andere Filme.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Aber mich bewegen auch andere Filme. Da muss es nicht so arg krass werden. Also Leute, ihr habt den Film vielleicht nicht gerade eben gesehen. Der Film ist wirklich sehr, sehr, sehr hart. Wenn ihr ihn noch nicht gesehen habt... Es fällt mir schwer jetzt zu sagen, dann geht erst und guckt euch den Film an, aber um unser Gespräch zu verstehen, ihr vielleicht den Film gesehen haben?
Florian Bayer: Triggerwarnung, es geht um Krankheit, es geht um Sterben und es geht darum, wie ein Mensch sich durch Krankheit verändert und wie seine Familie damit klarkommen muss. Ich Erzähl am besten mal, worum es geht und dann starten wir ins Gespräch. Frank, Anfang, Mitte 40... Lagerarbeiter, Familie mit zwei Kindern mitten im Leben stehend, bekommt die schlimmste Diagnose, die man sich vorstellen kann. Ein Hirntumor, bösartig, ohne Aussicht auf Heilung. Seine Lebenserwartung vielleicht ein paar Monate. Zusammen mit seiner Frau, der BVG-Fahrerin Simone, muss er darüber nachdenken, wie er dies seinen beiden Kindern Lilly und Mika erzählen kann, wie er behandelt werden möchte und ganz generell, wie seine letzten Wochen auf der Erde aussehen sollen. Neben der belastenden Strahlentherapie versucht die Familie, so gut es geht, Alltag zu leben. Schule, Sport, gemeinsame Quality Time und ein Besuch im Tropical Island stehen auf dem Programm. Aber der Tumor macht sich stärker und stärker bemerkbar. Frank wird von Kopfschmerzen geplagt, verliert mehr und mehr die Orientierung und wird immer schneller zum Pflegefall. Die letzten Tage eines Menschen mit schwerer persönlichkeitsverändernder Krankheit Andreas Tresen erzählt dies in Halt auf freier Strecke aus dem Jahr 2014 in einem realistischen, lakonischen Ton, der umso brutaler die Tragik der Situation offenbart. Immer dabei das iPhone, das den Familienalltag in den Team-Nahaufnahmen einfängt. Auch immer dabei der Tumor. Zuerst als abstrakte Angst, dann als Terror im familiären Alltag, schließlich ganz real als Mann, der im Radio zu hören ist, in der Harald-Schmidt-Show auftritt und neben Frank im Bett schläft. Johannes, wir haben im Laufe unseres Podcasts schon so manches Tabuthema angefasst. Aber das größte Tabuthema überhaupt haben wir bisher nur in Liebe von Michael Hannecke gestreift. Und da auch fast nur so en passant. Deshalb muss ich dich jetzt erst einmal fragen. Fühlst du dich gewappnet, heute über das Sterben zu reden?
Johannes Franke: Nie. Wer? Fühlst du dich gewappnet, über das Sterben zu reden?
Florian Bayer: Naja, wir sind in einem Alter, in dem es mehr und mehr Thema wird. Gar nicht... unbedingt für uns selbst, sondern weil unsere Elterngeneration natürlich in das Alter kommt und der Sterben total präsent ist und irgendwie Es ist ein Thema, mit dem wir uns wohl oder übel beschäftigen müssen, weil verdrängen können wir es nicht.
Johannes Franke: Ja, sagt einem der Film ja auch. Verdrängen ist keine Option, es passiert. Aber das heißt nicht, dass ich mich gewappnet fühle. Das heißt nur, dass es halt da ist und dass ich mich damit auseinandersetzen sollte und muss. Und viel mehr wir als Gesellschaft uns damit auseinandersetzen sollten, als wir das tun. Das heißt nicht, dass wir gewappnet sein müssen dadurch oder uns fühlen müssen dadurch. Wir dürfen damit auch schwach sein, finde ich.
Florian Bayer: Das finde ich ist ein guter Punkt, weil wir sind natürlich nicht gewappnet, weil Sterben ist einfach mal so das Radikalste, was passiert im Leben.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: neben der Geburt. Es ist einfach das krasseste, einschneidendste überhaupt natürlich für den, der stirbt. Viel radikaler als für die anderen, aber natürlich auch für dich als Begleitperson ist es irgendwie so... Wenn du anfängst, darüber nachzudenken, also mir geht es zumindest so, wenn ich anfange, darüber nachzudenken, merke ich, wie sich Bauchschmerzen zeigen, wie ich... wie es mir wirklich unangenehm ist und ja, ich habe voll Probleme damit, mich damit auseinanderzusetzen, sowohl mit der eigenen Sterblichkeit, als auch mit der Sterblichkeit von Menschen, die ich mag und Die ich schätze.
Johannes Franke: Also klar, ich will selber nicht sterben. Ich möchte wissen, was in den nächsten 200.000 Jahren passiert. Aber das größere Problem für mich ist tatsächlich, das Sterben anderer zu begreifen und damit klarzukommen, dass das kommt. Ja, das finde ich schwieriger als das eigene Sterben, weil die Leute, die da bleiben, sind diejenigen, die damit leben müssen, dass gestorben wird.
Florian Bayer: Ja, aber so dieses Verzweifelte, ich will nicht sterben. Ich spüre, ich erwische mich total oft bei diesem Gedanken, dass dieses Gefühl, dass das Sterben unausweichlich ist, Ja, es macht mir eine scheiß Angst. Und ja, ich habe keinen Bock drauf. Nicht nur, weil ich sage, ich will... Ich will die 200.000 Jahre, die noch kommen, erleben. Und definitiv, das ist es auch, aber auch einfach, weil... Weil es ein krasses Gefühl ist, diese Hoffnungslosigkeit, dass es irgendwie diesen Moment gibt, wo gesagt wird, und jetzt ist Schluss. Und jetzt kannst du nichts mehr dagegen tun.
Johannes Franke: Das ist interessant, weil genau das ist eigentlich der kleinere Teil bei mir. Ich habe keine große Angst davor. Ich will bloß nicht. Ich will wirklich ganz pur, ich will einfach erleben, was noch passiert. zu neugierig. Und ich glaube, wenn ich diese Neugier verliere, wird die nicht durch Angst ersetzt, sondern dann ist okay.
Florian Bayer: Ich glaube halt, also das Sterben ist ja auch ein Vorgang. Das ist ja so ein Ding und das ist ja auch ein Ding, was dieser Film erzählt. Es ist halt nicht einfach so, dass jemand das Licht ausknippst.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Sondern jeder stirbt irgendwie auf seine Art.
Johannes Franke: Das ist natürlich eine andere Nummer, weil davor kann man echt Angst haben, das stimmt.
Florian Bayer: Und es ist nicht predictable. Ja, absolut. Und es ist alles drin und gerade in unserer hochwissenschaftlichen Zeit, in der die Medizin unglaublich vieles kann, wissen wir, dass wir sehr alt werden können und wissen wir halt auch, dass dann... wenn wir ein gewisses Alter erreicht haben, Krankheiten umso krasser reinkicken können und umso mehr krasses Zeug mit dem Körper passieren kann, was einfach nicht absehbar ist.
Johannes Franke: Ja und so krasser und absurder und bitterer wird es, je mehr man das Gefühl hat, dass es nicht nötig ist, wenn das Schicksal, was es ja hier in dem Fall auch ist, so hart reinkickt, obwohl man ständig zum Arzt geht und sagt, ich habe was. Ich gebe das dem Arzt in der Hand und wenn der Arzt das nicht löst, ist er ein schlechter Arzt.
Florian Bayer: Das sind wir irgendwie gewohnt. Das ist eigentlich so unser Blick auf die Welt und das ist ja auch unser Blick auf schwere Krankheiten.
Johannes Franke: Ja, also es ist genauso. Wir sind daran gewöhnt, dass wir, also ganz abseits von Krankheiten, dass wir ein Problem in einen vorgesehenen Trichter werfen. Das wird pip, pip, pip, pip. einmal gelöst und dann kommt es hinten raus, was ich machen muss, damit das alles wieder weggeht und ich meinen normalen Alltag wieder gehen kann. Und dass es Dinge gibt auf dieser Welt, die wir nicht beeinflussen können, wo wir auch keinen klassischen Schuldigen finden können. Und das macht dieser Film und das hat Dresen selber eben auch als Thema dann mitgegeben in Interviews und so, dass es immer wieder Schicksalsschläge gibt. mit dem wir nicht mehr umgehen können, weil wir der Meinung sind, wir können das alles handeln. Aber wir können es nicht handeln. Es gibt auch keinen Schuldigen für so einen Tumor.
Florian Bayer: Ja, um nochmal so aus dem privaten Nähkästchen zu plaudern. Ich habe eine Autoimmunerkrankung. die hart meine Leber fickt. Also meine Leberwerte sind gerade echt, gerade ist es okay, die sind stabilisiert.
Johannes Franke: Ich wollte gerade fragen, weil du hattest ja neulich gesagt, das ist wieder
Florian Bayer: Es ist ganz okay. Ich bin in Behandlung, ich kriege Medikamente, die auch ziemlich viel Gutes machen und ich versuche ein bisschen auf die Ernährung zu achten. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich vor vier oder fünf Jahren, mittlerweile dürften es fünf Jahre her sein, glaube ich, war ich beim Arzt und der hat Routineuntersuchung, der hat drauf geguckt und hat gesagt, diese Leberwert ist eine Katastrophe, sind sie Alkoholiker? Und ich habe gesagt, ich bin kein Alkoholiker. Und dann hat er drauf geguckt und hat gemeint, naja, sie sehen nicht übergewichtig aus. Das ist irgendwie, das müssen wir checken. Und da hatte ich eine richtig scheiß Angst, weil es war ganz klar, du wirst jetzt in eine Maschine gelegt, diese Maschine wird einmal deinen kompletten... den kompletten Brustbereich scannen und dann werden sie gucken, ob da irgendwas angeschwollen ist, ob sich da irgendein schwarzer Fleck finden und so weiter. Und ich bin damals in diese Untersuchung gegangen. Heute weiß ich, die Autoimmunerkrankung ist dafür verantwortlich. Ich bin damals in die Untersuchung gegangen und dachte, okay, das ist total möglich und wahrscheinlich, dass sie jetzt einen Tumor finden. Und das war wirklich so Das war krass. Das war echt nicht geil. Also zu dieser Untersuchung gehen und dann hast du natürlich irgendwie eine Woche oder so, wo du auf das Ergebnis wartest und dann sitzt du im Wartensystem. Und dann gehst du rein zum Arzt und dann hat er deine, dann ist es wirklich das Klischee, dann hat er deine Mappe vor sich. Man hat die Ergebnisse von dem Scan und liest die vor und machst dich aufs Schlimmste gefasst. Ja, krass. Und das fühlt sich echt krass an. Da hatte ich so einen Vorgeschmack davon, wie sich das anfühlen kann, wenn man Anfang Mitte 40 ist und Und irgendwie Krebs wird zum Thema. Und deswegen sagen ja auch alle, geh zur Vorsorge.
Johannes Franke: Ja, zu Recht. Das sollte ich vielleicht mal machen.
Florian Bayer: Ich bin auch eine Schlampe, wenn ich zum Arzt gehe und ich weiß, ich bin sauer auf meine Elterngeneration, wenn die so schlampt sind, bei sowas und irgendwas haben und sagen, das das wird schon wieder, ich muss jetzt nicht zum Arzt gehen. Und du denkst so, nein, mach das. Und dann machst du es aber selbst auch nicht besser.
Johannes Franke: Ist nicht gut. Nicht gut.
Florian Bayer: Überhaupt nicht gut. Und in dem Film hier haben wir jetzt ja wirklich was extrem. Wir haben wirklich einen Extremfall. Es gibt Interviews mit, ich habe mir zwei Podcasts über Hirntumore angehört. Ich auch. Und Hirntumore in der Art, wie sie Frank, unser Protagonist, hat, sind Gott sei Dank extrem selten.
Johannes Franke: Ja, aber sie sind ein Arschloch.
Florian Bayer: Sie sind ein Arschloch. Und meistens ist die Prognose auch ein bisschen besser... Wir haben ganz am Anfang von diesem Film einen Arzt, der ihm das Diagnoseergebnis... durchgibt. Uwe Träger heißt der Arzt, der den Arzt gespielt hat. Das ist nämlich wirklich ein Arzt.
Johannes Franke: Ein Onkologe.
Florian Bayer: Und der wurde interviewt zum Thema Krebs und so. Und der meinte, unsere Befunde sind Gott sei Dank oft nicht so schlimm wie heute. Und auch diese, du hast einen Hirntumor und du hast nur noch ein paar Monate zu leben, was hier die Diagnose ist. Die ist unglaublich selten. Meistens kann man mittlerweile mit unseren medizinischen Möglichkeiten, lässt sich Gott sei Dank auch bei Hirntumor sehr viel machen. Es wird wohl auch nicht mehr so zwischen bösartig und gutartig, wie das Klischee sagt. Und es wird drauf geguckt, was operativ gemacht werden kann. Und es kann meistens noch relativ viel gemacht werden, ohne Gewebe zu zerstören. Das heißt, diese Diagnose wirklich so, okay, du hast nur ein halbes Jahr, in dieser Absolutheit, das kommt Gott sei Dank selten vor, aber es kann vorkommen.
Johannes Franke: Zwischen gutartig und bösartig wird deswegen nicht mehr unterschieden, um das zu klären, weil das jetzt so eine offene Frage ist. Weil das Endergebnis das gleiche ist. Es ist raumfordernd und es macht im Hirn entweder ein Problem oder nicht. Ob das wiederkommt, gutartige Tumore können genauso wiederkommen wie bösartige Tumore. Es gibt eine Klassifizierung dafür, aber im Endergebnis ändert es einfach nichts. Es muss entweder weg oder nicht weg.
Florian Bayer: Und dann haben wir diese erste Szene, wo Frank erfährt von der Diagnose und wir haben die Kamera, die extrem nah bei Frank und Simone ist und wir haben diesen Arzt, der... wenig redet und extrem viele Pausen lässt. Und ich wusste nicht, dass das ein echter Arzt ist. Als ich das das erste Mal gesehen habe, dachte ich, uff, Ist es richtig, wie er das macht? Es fühlt sich so awkward an, diese Pausen und diese Stille.
Johannes Franke: Absolut. Und dadurch, dass es ein echter Arzt ist, der solche Sachen auch tatsächlich dreimal am Tag... Er hat also solche Gespräche, nicht diese Extremfälle, aber Gespräche, wo er Leuten was sagen muss, was erstmal nicht geil ist. Und dass er das nach Textbuch macht, ich weiß es nicht ganz genau. Aber dieser Film wird benutzt als Beispiel im Unterricht in Unis.
Florian Bayer: Der Uwe Träger hat darüber geredet und der hat Interviews dazu gegeben und hat gesagt, ja, ich mache das so. Das ist nicht so, dass mir das das Drehbuch vorgegeben hat. Andreas Tresen hat im Drehbuch sehr wenig vorgegeben. Es wurde sehr viel improvisiert. Er hat gesagt, ja, ich lasse diese Pausen. Ich lasse das stehen. Die Leute sollen mehr als genug Zeit haben, Fragen zu stellen. Und ich will nicht... Diese Möglichkeit, Fragen zu stellen, unterbinden, indem ich anfange, weiterzureden und schon von Lebenserwartung rede, bevor die diese Frage überhaupt gestellt haben. Die Leute haben das Recht darauf, die Frage selbst zu stellen, wenn sie das wissen wollen.
Johannes Franke: Und was ich, glaube ich, tatsächlich gut finde daran... Ist mir aber auch erst nach sehr langem darüber nachdenken gekommen, weil die Szene sehr awkward ist und wirklich schmerzhaft ist, weil die Pausen so groß sind. dass er seine eigene Hilflosigkeit, die auch rüberkommt, der wirklich nur sagt, ja, das ist dann wirklich scheiße, ne? Ja, so. Dass die eigene Hilflosigkeit dafür sorgt... dass man die eigene Hilflosigkeit mehr annehmen kann. Weil der Profi weiß es auch nicht besser.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich beeindruckend. Diese Erkenntnis als Arzt zu haben, zu sagen, ich gebe meine eigene Hilflosigkeit mit rein und sage quasi damit implizit... Wir als Menschen kommen an Situationen, sehr selten, aber wir kommen an Situationen, wo auch der beste Profi keine Lösung hat. Und da können sie nichts dafür. Niemand ist schuld, dass sie diesen Tumor haben und niemand kann ernsthaft was dagegen unternehmen. Es ist einfach so.
Florian Bayer: Ich finde meine Genese mit dieser Szene so spannend, weil ich habe diese Szene zum ersten Mal gesehen und dachte so, das ist awkward und soll das eine verdeckte Kritik am medizinischen System sein? Es fühlt sich intuitiv falsch an, wie er sich verhält. Man guckt das und denkt so, oh, das ist nicht gut. Und dann klingelt noch das Telefon dazwischen und dann geht ran.
Johannes Franke: So krass.
Florian Bayer: Es ist echt krass. Er wurde wirklich angerufen. Es war sein Zimmer.
Johannes Franke: Ja, es ist ja sein Bereitschaftsdienst gewesen. Er muss immer rangehen, wenn es was gibt. Und er hat die Zeit halt genutzt, diesen Film zu drehen, weil er gedacht hat, na gut, okay, wenn was ist, dann muss ich halt rangehen. Und dann ist was gewesen, er ist rangegangen und das ist für diese Szene so... Ein harter Hammer, der da reinkommt, die Realität und die Art und Weise, wie er das Gespräch führt. ist so hart realistisch, weil es eben einfach realistisch ist, dass diese Szene nochmal 300% mehr reinhaut, finde ich.
Florian Bayer: Die beiden Darsteller von Frank und Simone, Milan Peschel und Steffi Kühnert, haben den Arzt zum ersten Mal bei diesem Dreh getroffen. Krass, ne? Sie haben das dann aufgenommen in diesem Zimmer, dann kam es zu diesem Anruf und dazwischen hat dann Tresen irgendwann zum Kameramann gesagt, du geh mal mehr auf die. Also es ist deutlich weniger Arzt im Bild zu sehen, als am Anfang geplant war. Und dann haben wir halt diesen Moment von diesen Pausen oder wenn der Arzt auch einfach nur sagt, das kommt ja ganz oft vorher in dieser Szene und wir sind einfach nur auf ihren Gesichtern. Und dieser Hilflosigkeit und auch dieser Desorientierung, weil wenn du dich nicht auskennst mit Tumor... Du weißt nicht, was das bedeutet. Du weißt nicht, dass das sechs Monate bedeutet in diesem Moment. Du befürchtest, dass was das Schlimmes bedeutet. Aber dann kommt ja so Schlag auf Schlag Hirntumor und dann erfährst du nicht zehn Jahre, sondern erfährst du sechs Monate.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Es ist total krass und ich finde es so spannend, weil ich diese Szene gesehen habe und gedacht habe, das ist awkward, das ist falsch und so weiter und Dann im Nachhinein so in der Beschäftigung und durch die Interviews mit dem Arzt und so habe ich festgestellt, okay, nein, vielleicht ist es doch genau richtig und so komisch es sich anfühlt als Außenstehender, Vielleicht ist das genau diese Stille, diese Pause, die du in dem Moment brauchst.
Johannes Franke: Ja, also ich finde die Gedanken total gut zu sagen, ich überfahre die Leute nicht mit der Diagnose, mit allem Möglichen, mit allen Infos und so und du musst jetzt das, das, das und das machen. Menschen sowieso teilweise sehr dazu neigen, sich dann überzubeschäftigen. Und sich damit nicht so auseinanderzusetzen, dass sie es wirklich verarbeiten und damit irgendwie eine Haltung finden dazu, sondern sich dann einfach ablenken und hier und da und dort. Was sicherlich auch seinen Platz hat, aber was vielleicht, naja, man braucht eben auch Zeit mit sich selbst und mit seinen Gedanken. Und die dann gleich am Anfang auch drauf, also das mitzugeben, das finde ich ganz gut. Aber du hast recht, es fühlt sich total seltsam an.
Florian Bayer: Es fühlt sich absolut merkwürdig an und es fühlt sich an auch so wie ein Moment des schwarzen Humors. Und das habe ich mehrmals in diesem Film, dass Szenen sind, wo ich denke... Ist es jetzt schwarzer Humor? Und dann je mehr ich drüber nachdenke, auch feststelle, nee, das ist realistisch und sehr realistisch. Man hat das Gefühl, das ist so bitterböser Humor, weil es jetzt diese Awkwardness von bestimmten Situationen gibt. Aber die Realität besteht halt ganz viel aus diesen Awkward Situationen. Das ist halt, die Hilflosigkeit des Menschen führt dazu, dass er sich merkwürdig verhält, dass er komische Sachen sagt. dass er gar nichts sagt, dass er irgendwie hängen bleibt und desorientiert ist. Und davon ist dieser Film voll. Und dann ist es manchmal ein Lachen, was einem im Halse stecken bleibt. Aber auch ein Lachen, was einen danach zu dem Gedanken bringt, nee, es ist gar nicht lustig und es ist auch kein Lachen, was im Halse stecken bleibt, sondern es ist einfach... es ist ein Stück Realität. Das ist dieses unglatte
Johannes Franke: Es gibt aber auch genuin lustige Sachen, muss ich sagen, in dem Film, was ich sehr wichtig finde, weil Menschen auch mit Humor reagieren.
Florian Bayer: Weil Humor ja auch nicht aufhört zu existieren. Du bist ja auch, egal wie verzweifelt du bist oder egal in was für einer krassen Situation du dich befindest, Humor ist ja auch irgendwie ein Teil des Lebens und du strebst ja auch danach. Wir haben gleich darauf ja diese Szene, wo Frank auf dem Bett sitzt mit seinem Handy. Das iPhone als treuer Begleiter, übrigens toll, dieser Film ist so 2014. Und dann dieses Spiel hat, diese App, mit der er seine Stimme verzerren kann und sagt, ich habe Krebs. Das ist nicht lustig. Wie sage ich es meinen Kindern? Die App macht daraus halt diese Schlumpfstimme, die er voll witzig findet.
Johannes Franke: Krass, Mann. Aber 2011, nicht 2014.
Florian Bayer: 2011, Entschuldigung. Nee, der Film ist auch viel mehr 2011 als 2014. Das iPhone ist vier Jahre alt. Es hat gerade so die Iteration erreicht, wo... Wo es sowas wie ein App Store gibt. Und ich bin kein iPhone-User, deswegen benutze ich vielleicht die falschen Begriffe. Aber App Store ist der richtige Begriff bei Apple. Und wo man anfängt... langsam rauszuwachsen aus diesem, guck mal, diese Biertrinker-App, wo ich das iPhone kippe und dann geht Bier in meinen Mund. Und anfängt Apps zu benutzen, die ein bisschen mehr Sinn machen, zum Beispiel deine Stimme zu einer Schlumpfstimme machen.
Johannes Franke: Ja, es ist sehr lustig und ich finde, dass er das super nutzt, eben auch um dem iPhone etwas anzuvertrauen, was er seinen Kindern eben nicht sagen will. Oder überhaupt Fragen zu stellen in die Leere des Raumes hinein, anhand des iPhones, um es überhaupt aussprechen zu können, dass er einfach verzweifelt nicht weiß, Wie sagt man das? Wie kann ich meinen Kindern sowas sagen? Wie kann ich überhaupt selber damit umgehen? Und dann dieses Video-Tagebuch dann auch anfängt mit der Zeit. Es ist ja tatsächlich, weil du das vorne im Raum gestellt hast und ich würde es gerne einmal besprechen, bevor wir in den Rest des Films reingehen, was da passiert. Es ist zu großen Teilen improvisiert. Und das ist vor allem einem Szenarium quasi zu verdanken. Also Kuki Zische, die eine Dramaturgin war, und Andreas Dresen haben sich zusammengesetzt und quasi ein Szenarium entwickelt und gesagt, okay, das und das und das Und das müssen nacheinander passieren, damit es dramaturgisch funktioniert und dann aber den Dialog nicht geschrieben, sondern gesagt, okay, wir gucken mal, was passiert. Vor allem, weil Andreas Dresen sich auch mit den medizinischen Sachen, aber auch in anderen Dingen beschäftigt. nicht in der Lage sah, realistische Dialoge zu schreiben.
Florian Bayer: recherchiert. Die haben sich unglaublich viel beschäftigt mit Sterbebegleitern, mit Medizinern verschiedener Art, Pflegekräften und so weiter. Ja. Und auch mit Leuten, die krank waren und auch mit Hinterbliebenen von Erkrankten, von Gestorbenen. Ja. Aber ich finde diesen Gedanken, nein, ich kann das nicht, ich schaffe diesen Realismus, den ich hier als Anspruch habe, schaffe ich nicht, finde ich total nachvollziehbar.
Johannes Franke: Absolut. Es heißt nicht, dass er ein schlechter Drehbuchautor ist, sondern es heißt einfach nur, dass er sagt, ich habe ein ganz bestimmtes Bild davon, wie das Ganze ablaufen soll, aber nicht... In dem Sinne konkret, als dass ich weiß, was gesagt werden soll, sondern in dem Sinne konkret, als dass ich weiß, welche Stimmung da sein soll. Und die Stimmung, die transportiert sich eben vor allem darüber, dass Leute so echt wie möglich und so nah wie möglich an diese Erfahrung dran sind und das in dem Moment entwickeln. Und das kommt eben auch dadurch zustande, dass er Leute reinholt, die selber in dem Bereich arbeiten und tatsächlich das als echten Fall behandeln. Wie eben der am Anfang, der Arzt. der eben die beiden unterrichtet als würde er tatsächlich seine Patienten unterrichten. Und die haben sich vorher darüber unterhalten, wie reagiert man so oder wie ist das und was ist medizinisch korrekt und so, in welche Richtung geht das. Aber das hätten Schauspieler mit einem Drehbuch so realistisch wahrscheinlich einfach wirklich nicht geschafft.
Florian Bayer: Denke ich auch. Die zweite professionelle, die ganz eine große Rolle spielt und die mein heimlicher Star des Films ist die Palliativärztin Petra Anwar. Die auch interviewt wurde nachher noch und die auch gesagt hat, ja, so mache ich das und die dann so wirklich in den letzten Tagen da ist und wir haben so ein, zwei Gespräche zwischen ihr und Simona. zwischen ihr und Frank und die so ein guter, stabiler Mensch ist. und du siehst sie und merkst, wie sie mit Menschen redet, die kurz vorm Tod stehen oder Menschen, die Menschen begleiten, die kurz vorm Tod stehen und du denkst so, ja, das hätte kein Schauspieler so hingekriegt, diese Und dieses Engagement und dieses Reelle, was dabei durchkommt,
Johannes Franke: Noch bis zu diesem Moment, wo sie auftauchte, habe ich überlegt, ob das vielleicht doch geskriptet ist und ob die Schauspieler einfach nur gut sind, darin diese Texte sozusagen... Aber sobald sie auftaucht, weiß man, diese Frau weiß Bescheid. Die hat das alles erlebt. Die weiß, wovon sie redet. Und das ist nicht geschrieben. Das ist so krass, was diese Frau an Energie rüberbringt und an Wissen.
Florian Bayer: Also man sieht sie und man denkt sich, nachdem man sie 20 Minuten gesehen hat, ja genau, die hätte ich auch gerne dabei, wenn ich sterbe. oder wenn ein Angehöriger von mir stirbt. Weil sie weiß genau, wann sie hart und ehrlich sein muss, wann sie auch mal streng sein muss. sein muss und sie weiß genau, wann sie sanft sein muss und mitfühlend und wie sie Situationen auch auffängt. Es gibt ja diesen einen krassen Moment, wo Simone zusammenbricht, nachdem sie Frank die Spritze gegeben hat, gesagt hat, ich schaffe das nicht mehr. Und dann sitzt diese Frau Anwar neben ihr und sagt ganz ruhig, nein, sie schaffen das. Wir gehen das jetzt ganz genau durch, dass sie das nächste Mal nicht so überfordert sind. und es wird weniger werden und Sie werden sehen es und lassen Sie ihn jetzt und da ist sie streng Lassen sie ihn jetzt hier, damit die Kinder auch sehen. Es ist nicht so, dass ein Mensch Schmerzen hat und dann wegkommt und dann tot ist, sondern dass das Sterben auch irgendwann einen einschlafen.
Johannes Franke: bedeuten kann. Also ich finde es ganz krass und ich weiß gar nicht genau, ob ich mit allem so spontan übereinstimmt gestimmt habe, was sie sagt, aber sie hat so eine natürliche Präsenz und so eine Autorität, dass man ihr relativ viel sofort einfach nimmt und sagt, ja okay, dann ist das wohl so, wenn Sie das jetzt so sagen. Und In dieser Strenge, die sie da hat, schafft sie es, einen so runterzuholen. Weil ich bin ja in dem Moment als Zuschauer voll in der Mutter drin. Ja. Die völlig überfordert ist und ich bin sowieso die ganze Zeit in Tränen aufgelöst während des Films. Und da eben auch überfordert mit ihr zusammen. Das schafft der Film wahnsinnig gut, mich da reinzuziehen, genau in ihre Position zu kommen. Und dann diese Frau, die da kommt mit ihrer Gravitas, die sie mitbringt und ihrer mit diesem Ernst und mit dieser klaren Botschaft, nein, sie schaffen das, wir machen das zusammen. Und du sofort loslässt und sagst, okay, Sag mir, wie es geht. Ich mache einfach das, was du sagst. Das ist krass.
Florian Bayer: Habe ich auch drüber nachgesagt. Stimme ich mir überall ein, weil ich bin tatsächlich, ich bin ein großer Fan davon, auch so erfahrungstechnisch bedingt großer Fan davon zu sagen, wenn jemand stirbt, lieber nicht zu Hause, lieber irgendwo im professionellen Rahmen, lieber in einem
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Ganz schwer sagen.
Florian Bayer: Und deswegen sehe ich das, was sie erzählt, mit einer großen Skepsis, weil ich denke, das kann total überfordern und das ist... extrem belastend zu erleben, wenn jemand stirbt. Vor allem, wenn jemand stirbt mit einer persönlichkeitsverändernden Krankheit. Weil das ist es, was Frank letzten Endes hat, der macht krasse Sachen, der schreit rum, der sagt Sachen, die er vorher nie gesagt hätte, der irrt durchs Haus, der pinkelt ins Zimmer seiner Tochter und ähnliches. Das ist einfach krass. Ich finde sie in dem Moment überzeugend und selbst wenn ich sage, ich bin ein großer Fan davon zu sagen, nee, dann vielleicht doch besser in einer professionellen Einrichtung. Ich kann ihren Gedanken. Absolut, absolut. Also deswegen hat sie auch so eine Autorität in dem Moment.
Johannes Franke: Was ich, wo du gerade bei der Szene bist, ganz, ganz toll finde an dem Film und sehr wichtig, dass wir die Überforderung von der Mutter... so in der ungeschönten Ausprägung sehen, zusammen mit den schönen Momenten, die wahnsinnig wichtig sind, Zusammen mit den Momenten, wo sie so unsicher ist, was sie genau macht, aber sich eben dafür entscheidet, ihn zu Hause zu behalten und so. Alle Emotionen, die da mit dazugehören, alle abgebildet werden, demokratisch abgebildet werden und keine aufopferungsvolle heilige Frau gezeigt wird.
Florian Bayer: demokratisch.
Johannes Franke: Alle Emotionen dürfen gleichberechtigt existieren.
Florian Bayer: Ja, ganz wichtig. Simone wird gezeigt als eine Frau, die genau wie ihr Mann im Leben steht, Sie hat ihren Job. Sie hat ihre Kinder. Sie hat Dinge, die ihr Spaß machen. Sie weiß, wie man das Leben genießt. Sie ist einfach... Sie ist einfach ein normaler, durchschnittlicher Mensch im besten Sinne des Wortes.
Johannes Franke: Ganz genau.
Florian Bayer: Und wir kriegen ja einige... Momente, wo wir einfach nur bei ihr sind, das haben wir bei Frank auch, wo die Kamera ganz dicht bei ihr ist, wenn sie tram fährt. Und einfach nur ihren ruhigen Blick, indem sie sich aber unglaublich viel abspielt, indem wir diese Einsamkeit sehen, die sie in dem Moment hat, diese Traurigkeit, auch diese Überforderung. Und es bleibt aber nicht da stehen. Der Film versucht nicht symbolisch zu sein, sondern... Es wird gezeigt, wie sie das reflektiert, wie sie sagt, ich wünsche mir manchmal, dass er einfach nur einschläft. Weil das das ist, was du in dem Moment sagst. Wie sie unglaublich Stärke zeigt, wenn er sie anschreit, wenn sie zurückschreit, wenn sie zurückblöfft und dann abhaut. Und dann einfach ihren Shit macht, um den Kopf frei zu kriegen.
Johannes Franke: Und dann wieder diese Frau kommt und sagt, sie dürfen auch zurückschimpfen. Ja. Was ich so einen wichtigen Satz finde in dem Moment. Das ist so gut. Sie kriegt das so gut hin.
Florian Bayer: Simone gespielt von, wir haben den Namen vorhin schon gesagt, Steffi Kühnert. Nein, eine große Schauspielerin ist, wie meiner Meinung nach alle, die an diesem Film beteiligt sind, die echte Schauspieler sind. die an der Ernst Busch studiert hat und ich glaube jetzt auch an der Ernst Busch arbeitet als Dozentin. Ich muss kurz gucken, ob ich das richtig zusammenkriege. Ja, auf jeden Fall viel im Theater gearbeitet hat. Genau, sie ist Professorin mittlerweile an der Ernst Busch seit 2009. Möchtest du Tee, Plur? Ja, sehr gerne, bitte. Was ich ja immer eine Herausforderung finde, oder so gefühlt, ich bin kein Schauspieler und kann das deswegen nicht so gut einschätzen. Wenn Schauspieler, die generell aus eher so einem künstlerischen, akademischen Milieu kommen... Menschen spielen, die eher aus dem bürgerlichen oder Arbeitermilieu ist. Und das haben wir hier sowohl bei... Simone als auch bei Frank. Dass es wieder im besten Sinne des Wortes einfache Leute sind. Die haben keinen großen elaborierten Job. Simone ist BVG-Fahrerin, sie haben kein fancy Haus, sie haben keine abgefahrenen Hobbys.
Johannes Franke: Aber sie können sich das leisten. diesen Kredit überhaupt aufzunehmen. Kriegst du das hin, Plur? Könntest du jetzt ein Haus einfach so auf Kredit anfangen in dieser Zeit?
Florian Bayer: Naja gut, also wir sind hier ja 2011, das heißt es ist 15 Jahre in der Vergangenheit.
Johannes Franke: Ja, das ist das, worauf ich hinaus will.
Florian Bayer: Ich glaube, wenn ich mir ein Haus in dem Ort, wo Sie leben, holen würde, ich glaube, ich würde den Kredit kriegen. Ich würde den Kredit zusammen mit meiner Freundin kriegen, ziemlich sicher sogar. Sie ist Beamtin.
Johannes Franke: Ah ja, okay. Aber weißt du, ihr seid... höher gestellt als diese Familie, die wir hier sehen. Ja. Von den Jobs her und von dem Geld und so weiter. Und es wird ja auch gesagt, dass sie quasi das Ding auf Pump irgendwie versuchen zu finanzieren, aber dass das jetzt nicht die gesichertste Variante ist. Es ist ihr Traum, glaube ich.
Florian Bayer: Es wird nicht so groß ausgesprochen im Film, aber die haben schon so einen Lebensplan, wo es irgendwie dazu gehört, dass sie ihr eigenes Haus haben, weil das irgendwie schön ist. Und das haben sie ja offensichtlich gekauft, bevor sie das von der Krankheit wussten. Weil das ist das erste, was wir sehen, dass halt ohne dass irgendjemand weiß, kommen die zu besuchen, gucken sich erst mal das neue Haus an. Ja, es sind einfache Leute. Sie haben keine abgefahrenen Hobbys, die haben keine großen künstlerischen Ambitionen. sind keine großen Intellektuellen und so weiter, sind wirklich einfach Leute im besten Sinne des Wortes. Und Steffi Kühnert spielt das mit so viel Bodenständigkeit, so geerdet. Es wirkt nie aufgesetzt oder unauthentisch.
Johannes Franke: Ja, die machen das beide sehr, sehr, sehr gut. Sogar die Kinder machen das ziemlich gut.
Florian Bayer: Milan Pesche spielt den Frank Langer. Auch Theaterschauspieler, der ewig an der Volksbühne gearbeitet hat. Der hat Frank Kastorf und Dimitar Gottschew kennengelernt. Genau, er ist ein einfacher Lagerarbeiter. Und der spielt das auch mit so einer Ruhe, in der immer wieder diese Verzweiflung rauskommt über den nahen Tod. Und auch diese Hilflosigkeit, es gibt diese krasse Szene, wo er halt wirklich Schmerzen hat, weil seiner Tochter im Arm liegt und sagt, ich will nicht sterben. Ja. Und es ist einfach nur diese pure Verzweiflung. Ich glaube, das ist das, was jeder in diesem Moment denkt und fühlt.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Und genau wie seine Frau überfordert ist mit der Diagnose, der nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Der nicht weiß, wie er es seinen Kindern sagen soll. Der nicht weiß, wie er sich jetzt und ob er sich überhaupt behandeln lassen soll. Der nicht weiß, wie er mit Freunden darüber reden soll.
Johannes Franke: Apropos Kinder. Ich habe keine Kinder, aber das ist ja das Schrecklichste, was du dir vorstellen kannst. Deinen Kindern das zu zumuchen. So was dann. Und dann natürlich kann er das nicht mehr beeinflussen. Er ist einfach so verzweifelt... Es ist egal, ob jetzt seine Tochter da ist oder ob das jemand anders ist. Er hat diese Verzweiflung und er schreit das raus. Aber von außen betrachtet, dass Tochter das zuzumuten, diese Verzweiflung aus... auch diesen nahen Tod so ungeschönt ihr entgegenzuwerfen quasi aus den eigenen Worten. Das ist super krass. Also ich kann mir nicht vorstellen, wie man damit leben kann, dass irgendwie...
Florian Bayer: Also ohne Schuldzuweisung an Frank oder Simone. Gar nicht. Leid um die Kinder, Lilly und Mika. Sie ist 14, er ist 9 oder 15, so um den Dreh irgendwie, die das... miterleben müssen und also überhaupt, dass die damit konfrontiert werden müssen, dass ihr Vater stirbt, allein das ist schon krass. Also da kriege ich einen riesen Kloß im Hals bei diesem Gedanken.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Und die es dann miterleben, die dann das Sterben wirklich miterleben und natürlich wie alle anderen auch so total überfordert sind von der Situation.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Auch finde ich ein ganz wichtiger Punkt in diesem Realismus, dass diese Lilly halt gezeigt wird als pubertierende die das auch einfach mal scheiße findet, die sich dann ein paar Mal einfach zurückzieht, weil sie das nicht ertragen kann.
Johannes Franke: Zurecht, ich finde es ja auch. vollkommen in Ordnung. Natürlich, jede Reaktion ist legit. Also, das ist jetzt, da gibt es nichts in dem Film, wo ich sage, da will ich irgendjemandem einen Strick draus drehen oder so.
Florian Bayer: Das ist wahrscheinlich also, was mich an diesem Film so mitreißt, also er zieht mich halt voll rein, dieses Wertneutrale. Es wird kein Urteil gefällt, weder über die Professionellen, die da sind, noch über die einzelnen Menschen. bei denen man sagen würde, oh, da könnte jetzt ein Werturteil entstehen, also vor allem die Eltern von Frank.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Schafft es der Film meiner Meinung nach trotzdem beim Darstellenden zu bleiben?
Johannes Franke: Also gerade bei den Eltern finde ich es auch total wertfrei, muss ich sagen. Und sogar das Erste. Wo sie mit dem Auto kommen und sagen, du kannst hier nicht mit Tränen in den Augen reingehen, das geht nicht. Und das aber so eine seltsame Szene ist und man dann schon so ein bisschen das Gefühl hat, man könnte sich jetzt anfangen lustig zu machen über die, aber nein, dahin bricht das nicht ab.
Florian Bayer: Und genau das, was ich meinte, dass ich dieses Gefühl immer wieder in diesen Szenen habe, in diesem Moment auch. Und dann aber, wenn ich kurz einmal diese Spule durchgehe, diese Gedanken einmal im Kopf kreißen lasse, denke ich ja, ich verstehe den Vater total gut. Die haben erfahren, dass ihr so ein Tod krank ist. Natürlich will der nicht, dass seine Frau heulend vor seinem Sohn steht, weil er es seinem Sohn auch nicht zumuten will, weil er es irgendwie...
Johannes Franke: Und die Art und Weise, wie er es sagt im Auto, ist total unter aller Sau. Finde ich doof.
Florian Bayer: Und er entschuldigt sich danach.
Johannes Franke: Und er entschuldigt sich danach und es sind ganz normale Menschen. Es sind einfach ganz normale Menschen, die genau diese Emotionen haben. Es ist einfach so.
Florian Bayer: Otto Mellis spielt den Vater von Frank, der ist Synchronstimmersprecher, der hat Christopher Lee und Sean Connery unter anderem gesprochen. Und
Johannes Franke: Ich finde auch die beiden so gute Schauspieler, oder? So realistisch, so wahnsinnig gut. Unglaublich gut. Wahnsinn.
Florian Bayer: Auch hier wieder diese Überforderung, die gezeigt wird und meiner Meinung nach auch wertneutral gezeigt wird. Wir sehen sie dann ja, wir sehen, also ich finde es großartig, dass der Vater, der davor zur Mutter gesagt hat, nicht weinen. Wenn er allein mit Simone ist und sie ihm zum ersten Mal sagt, ja, es sind Monate, es sind nicht Jahre, weil damit hat er wahrscheinlich gerechnet, Wie er anfängt zu weinen?
Johannes Franke: Er ist er derjenige, na klar, natürlich.
Florian Bayer: Und dann haben wir diesen unglaublich intimen Moment zwischen Mutter und Sohn, wenn sie oben ist und will, dass er Gitarre spielt und ihn dann einmal kurz in den Arm nimmt und ihn anläscht und man merkt, wie sie sich zusammensetzt. Und wir erfahren ja später, dass sie die ist, die tatsächlich emotional am stärksten überfordert ist. Sie schafft es nicht, zu ihm zu gehen, um sich zu verabschieden.
Johannes Franke: Ja, das ist hart.
Florian Bayer: Was hart ist und was auch legit ist und was auch nachvollziehbar ist.
Johannes Franke: Natürlich. Aber für ihn auch schon echt hart, oder?
Florian Bayer: Absolut brutal, aber Christine Schorn spielt die Mutter und ja auch hier wieder.
Johannes Franke: Ganz, ganz toll.
Florian Bayer: einfach glaubwürdig in dieser Überforderung. Auch die tragen ja beide so ein bisschen diesen bürgerlichen Habitus. Wir wollen uns zusammenreißen, wir wollen was repräsentieren. Und sie werden nicht unsympathisch darin. Und das ist schwierig. Ich finde, das ist auch so eine Gratwanderung, sowas darzustellen. sowas zu zeigen, eben diesen Vater, der sagt, du reißt dich bitte zusammen und der nicht bitte sagt, sondern der wirklich sagt, du reißt dich jetzt zusammen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und der die ganze Zeit darum bemüht ist, die Fassung zu haben, dabei auch eine gewisse Distanz hat und trotzdem zu denken, ja, das ist aus dem Leben gegriffen, solche Menschen gibt es und das ist halt so.
Johannes Franke: Mal den Schritt kurz zurück in die Metaebene. Schauspieler improvisieren zu lassen, auch so dramatische Sachen improvisieren zu lassen. ist ein riesiges Risiko. Weil Schauspieler dazu neigen, voll ins Drama zu gehen, in die Lautstärke zu gehen, ins Ausdruck. ausrasten zu gehen und die Emotionen groß zu machen, das aber zu schaffen, dann Wahrscheinlich haben die sich viel unterhalten darüber und überlegt, in welchem Ton sie sein wollen. Und die Schauspieler darauf einzuschwören, dass wirklich... so leise zu machen, wie dieser Film das macht. Es ist wahnsinnig gut gemacht. Das Risiko ist aber echt hoch gewesen.
Florian Bayer: Es gibt ja die Momente, die lauteren Momente, hauptsächlich von Frank und Simone.
Johannes Franke: Ja, aber sehr gezielt.
Florian Bayer: Genau, punktuell, sehr gut gesetzt. Also diesen Und auch so dieser Ausraster, wenn ihm die Schrauben runterfallen und er mit dem Bett überfordert ist. Und wenn man merkt zum ersten Mal, er übernimmt sich und er muss es zum ersten Mal sich eingestehen, dass er nicht mehr mit einer einfachen Ikea-Anleitung zurechtkommt. da heulend vor dieser Anleitung und sagt, ich verstehe das einfach alles nicht. Ich verstehe es nicht.
Johannes Franke: Furchtbare Szene. Das tut so weh.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist schön, weil Andreas Dresen gute Situationen findet, an denen er das erzählt. Also es sind absolut alltägliche und deutliche Szenen, an denen man die Stadien, in denen er sich befindet, gut empfinden kann. in denen ihre Überforderung gut rauskommen kann. Er findet wirklich sehr, sehr gute Stellvertreter-Szenen.
Florian Bayer: Na so Alltagsszenen halt vor allem, ne?
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Also der größte Schritt aus dem Alltag raus, kommt ja ziemlich am Anfang, wenn sie ins Tropical Island gehen. Johannes, jetzt kannst du voll aus deinem Erfahrungsschatz berichten. Ist das das Tropical Island, wie du es erlebt hast?
Johannes Franke: Es ist so das Tropical Island, ja, absolut, absolut.
Florian Bayer: Ich habe zu Weihnachten einen Gutschein gekriegt. Johannes war vor kurzem da. Also was ich vorher mitgenommen habe aus seinem Erfahrungsbericht war, es war ein bisschen kühl.
Johannes Franke: Ja, es war kühler, als man so erwartet, wenn es...
Florian Bayer: Was ich echt brutal finde, weil ich mag eigentlich an, also ich gehe gerne ins Schwimmbad, aber einen Standard. Ich mag es wirklich nicht, dass die Luft so kühl ist und ich bin großer Thermalbad-Fan. Mir kann es nicht warm genug sein im Raum und im Wasser. Ich bin eine Umweltsau, wenn es ums Schwimmbad geht.
Johannes Franke: Dann würde das Tropical Island nicht genug, also wenn man sich die Zahl anschaut, die da die ganze Zeit steht. Ja, Luftrempferat, so, so und so viel. Das Klingt erstmal viel, aber es fühlt sich nicht so richtig viel an. Verdammt. Ja, also sowieso. Es ist ein Tropical Island. Also wenn ihr großer Fan seid, sorry dafür, aber es ist wirklich so eine Touristenfalle.
Florian Bayer: Es ist unglaubwürdig leer in diesem Film, oder?
Johannes Franke: Ich war dort und da war es unglaubwürdig leer, weil wir zu einer Zeit gegangen sind, wo einfach keiner hingeht. Wir haben uns extra was ausgesucht, wo wirklich keiner... Ich glaube, es war Ende Januar und niemand hatte Ferien. Es war einfach... Es war wirklich super, super, super leer. Was aber auch bedeutet, dass diese ganzen kleinen Sachen, wo man was kaufen kann, hier noch eine Bar und da noch eine Fressbude und so weiter, viele Sachen waren
Florian Bayer: zu.
Johannes Franke: Weil nicht genug Leute da sind, die da auch wirklich dann einkaufen würden. Also sparen sie Personal ein. Das ist so ein bisschen der Trade-off, aber du hast wahnsinnig viel Platz für dich selber. Du kannst da rumschwimmen. Du kannst diese Rutschen runter und rauf und runter und wieder. Du stehst nichts an, alles gut.
Florian Bayer: Okay. Ich finde tatsächlich, also so stelle ich mir, wie das in einem Film gezeigt wird, so stelle ich mir das Tropical Island vor, nämlich auch so ein bisschen so eine ernüchternde Erfahrung. Du buchst quasi Regenwald. Und kriegst Brandenburger Flughangar.
Johannes Franke: Ja, total, absolut. Du hast hinten diese komische, dieser Druck, der das Meer erweitern soll. Von einem Pool in ein Meer hinein quasi. Und das ist völliger Quatsch. Und das hört viel zu früh auf. Und du hast keine... Du hast keinerlei Illusion. Die Truman Show wäre geil, aber nee.
Florian Bayer: Schwimmt man da dann hin und guckt, ob man einen Ausgang findet? Schwimmt man bis zu der Bahn und fühlt einmal, wie es gemacht ist?
Johannes Franke: Das Problem ist, du bist halt nicht sehr weit davon entfernt. Du schwimmst sowieso dahin, weil du ja sowieso schwimmen willst. Du bist relativ schnell dran. Das ist so ein bisschen, naja...
Florian Bayer: Ich finde es so cool, dass sie dieses Tropical Island natürlich inszenieren als, okay, wir wollen jetzt noch ein bisschen das Leben genießen. Und dann zeigen sie aber das Nüchterne, was dahinter steht. Weil es ist halt sie besuchen halt das Tropical Island. Und dann sitzen sie da und ich finde es so süß, wenn er zu ihr sagt, ich wollte sowieso nie nach, was sagt der, die Karibik oder so. Und dann sagt sie, ich auch nicht.
Johannes Franke: Und das ist noch der Moment, wo ich noch denke, driftet der Film jetzt ab, aber es ist ja Andreas Dresen, also traue ich ihm das nicht zu, dass sie jetzt doch noch dieses Knocking on Heaven's Door Ding machen, ne? Dass sie doch noch losziehen und sagen, komm, lass uns eine letzte Reise machen nach irgendwo. Aber das passt natürlich überhaupt nicht zu Andreas Dresen. Insofern war es eine Hoffnung, die auf einem verlorenen Boden war. Ja.
Florian Bayer: Stattdessen ist es dann einfach ein ernüchternder Besuch im Schwimmband, wo sie sogar einen Tag lang recht viel Spaß haben, aber da müssen sie halt... abends abhauen, weil seine Kopfschmerzen zu schlimm sind. Dazwischen streiten sie sich noch einmal, weil er die Tabletten vergessen hat.
Johannes Franke: Ja, und weil auch die Tochter natürlich irgendwie das alles ätzend findet und so. Und ich verstehe es auch total. Krass, diese Lilli...
Florian Bayer: Das ist Talisa Lilly Lemke, die offensichtlich tatsächlich Springerin ist. Sie kriegt ja ein, zwei Sprungziehen und man denkt, oh, mit 14, 15 kann man sowas?
Johannes Franke: Beeindruckend, beeindruckend.
Florian Bayer: Ich habe eine Kerze vom Dreier gemacht. Und die spielt es so krass, diese Momente der Verzweiflung. Vor allem, sie hat dann ja diesen Wettbewerb. wo sie auch offensichtlich gut abschneidet und dann sitzt sie in der Umkleide und muss heulen. Und sitzt da ganz alleine und eine Freundin kommt kurz vorbei und sagt, oder eine Kollegin aus dem Team und sagt Glückwunsch und sie sitzt da und reagiert nicht drauf, weil sie diese Leere fühlt und davon hat sie so ein, zwei Momente, wo man die Leere in ihr sieht und ja, Wir waren ja alle mal 14, 15 und das ist das Alter, in dem sowas halt besonders reinkickt.
Johannes Franke: Absolut. Und das ist schon krass. Da kommt wieder zu tragen, was ich meinte. Andreas Dresen findet gute Momente, das einzubauen. Weil es ja eigentlich ein Moment des Triumphes ist, der dann einfach leer bleibt. Und das ist einfach besonders hart dadurch.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, ganz krass spielt eine Rolle, dass ihre Familie kommt, sie besuchen zu dem Wettbewerb und dann sieht sie halt ihren Vater in dem Rollstuhl auch so von oben, so diese... diese Perspektive von außen, also ich will jetzt gar nicht zu sehr den Symbolismus abdriften, das würde für mich gerecht werden, aber Du hast so diesen Blick, okay, das ist jetzt meine Familie und da sitzt der Tod im Rollstuhl. Ich glaube, das spielt eine ganz große Rolle. Und man merkt ja auch, dass sie am ehesten die ist, die sich vom Vater immer mal wieder distanziert. Und auch Ganz normales Teenager-Verhalten.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Sie ist genervt von ihrem Vater und die Krankheit ist dann ein Teil ihres Vaters und dann ist sie genervt von der Krankheit und dann sind ihre Reaktionen so... dass sie bockig ist, weil sie jetzt aus dem Schwimmbad nach Hause müssen, weil ihr Vater eine Kopfschmerzattacke hatte.
Johannes Franke: Ach man, als sie da in diesem Zelt sitzen, im Tropical Island. Ich bin ja in diesen Zelten vorbeigelaufen und habe gedacht, oh Gott, oh Gott, oh Gott, muss das schlimm sein. Wir hatten kurz überlegt, ob wir eine Nacht da verbringen.
Florian Bayer: Aber dann lieber in so einer Kabine, oder? Also man kann auch so eine Kabine mieten.
Johannes Franke: Man kann auch tatsächlich ein einfaches Hotelzimmer quasi kriegen. Die sollen jetzt auch nicht so unwerfend gut sein. Aber das hätte ich mir dann schon vorstellen können. Also sie haben auch ein paar schöne Sachen gemacht. So ist es nicht. Es ist auch immer noch der größte Indoor-Regenwald-Verschnitt in Europa.
Florian Bayer: Hast du toll den Promotext zitiert. Diese Episode wird gesponsert von Tropical Island. Danke und jetzt her mit dem Geld. Wenn ihr von eurem Krebs eine Pause braucht. Meine Fresse. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Johannes Franke: Was war das? Wo sind wir?
Florian Bayer: Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurück...
Johannes Franke: Ihr da draußen. Es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.musmansehen.de und Florian.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah, super. Fehlt noch irgendwas?
Johannes Franke: Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes! Diese Versuche, dann noch irgendwas aus dem Leben rauszuholen, sind ja auch relativ schnell vorbei leider.
Florian Bayer: Naja, aber das sind auch nur ein paar Monate. Es gibt diese eine wirklich schöne Szene, Parallelschnitt, Simones Mutter. zu der wir auch gleich noch was sagen müssen, die total cool ist, die auf ihn aufpasst offensichtlich, als der Rest der Familie auf der Kirmes ist.
Johannes Franke: Ja, tolle Schauspielerin. Ganz, ganz, ganz tolle Schauspielerin.
Florian Bayer: Die ist so großartig. Und dann haben sie... Und ich habe das Gefühl, sie ist tatsächlich die mit seiner Krankheit irgendwie am... Geistes umgeht, im idealisierten Sinne. Also wie gesagt, wir verurteilen nicht, wie die anderen damit umgehen, wir werten das nicht. Aber sie hat irgendwie so eine total geile Art, damit umzugehen und dann trinken sie, zaufen sie zusammen und sie rasiert ihm die Haare und er sagt, jetzt gibt es eine Klatze.
Johannes Franke: Und Ursula Werner.
Florian Bayer: Ja, Ursula Werner. Ganz fantastische Schauspielerin ist in Wolke 9 schon mitgespielt hat von Andreas Tresen. Dafür hat sie auch den Deutschen Filmpreis gekriegt.
Johannes Franke: Sie sind auch Anna Ernst Busch groß geworden. Die hat ja auch Anna Ernst Busch.
Florian Bayer: Und sie hat auch Maxim Gorky gespielt. Wir haben hier Andreas Gesenholz Weiß, welche Leute er braucht. Das ist so eine süße Szene. Und dann läuft Love & Mercy, diese unglaublich gute Cover-Gitarren-Version von einem Song, den ich nicht mag. mag, weil ich das Original wirklich nicht schön finde. Mit seinen Synthies und Klimper und so. schrecklich da 80er Jahre Art Rock und von ihm dieses einfache Akustikversion und dann sehen wir halt, wie er mit ihr Spaß hat, während die Familie oft der Kirmesspaß hat. Und es ist so ein wirklich authentisch, fröhlicher, lebensbejahender Moment.
Johannes Franke: Ja. Und das, was ich schön finde, ist auch, die kommen nach Hause, sind erstmal entsetzt, was da passiert ist mit den Haaren. Aber es ist kein ganz, ganz großes Drama mehr. Ja. Sondern, okay, ja, was sollte das denn jetzt? Und dann blenden die schon wieder ab und es geht ins Nächste rein.
Florian Bayer: Natürlich, weil so das Leben ist.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Ich finde sie großartig, vor allem diese Renate heißt sie, Simones Mutter, weil sie wird ja auch, sie wird jetzt auch nicht als ideeller Mensch gezeigt. Es gibt diesen Moment, wo sie mit Simone in der Küche steht und dann sagt Simone an Weihnachten. Und seine Eltern kommen nicht, aber sie haben Geschenke geschickt und sie sagt so sehr herablassend. Ja, ja, Geschenkepakete schicken, das konnten sie ja schon immer. Ein Moment, wo ich die typische Reaktion darauf habe, wenn jemand über jemand anderen lästert, dass ich eher auf der Seite bin, über den gelästert wird, wo ich dann denke, das ist jetzt aber auch ziemlich gemein und so dieses über die Die Schwiegereltern von deiner Tochter zulässt, dann ist es echt so low hanging fruit und das ist echt billig, mach das nicht. Don't be like that. Aber es ist halt einfach, es gibt ihr nochmal so ein bisschen Tiefe und ein bisschen Nuancen.
Johannes Franke: Es ist realistisch.
Florian Bayer: Ja, absolut.
Johannes Franke: Das sind die Verhältnisse, gibt es immer wieder.
Florian Bayer: Weihnachten ist auch ein glücklicher Moment.
Johannes Franke: Weihnachten.
Florian Bayer: Papa ist wach, sie gehen kurz nach oben.
Johannes Franke: Das ist so krass, ne? Weil Weihnachten waren sie sich schon dann einig, okay, der schläft sowieso. Da passiert nichts.
Florian Bayer: Sie haben nicht mit eingeplant.
Johannes Franke: Sie haben überhaupt nicht mit eingeplant. Und die Familienmitglieder haben unterschiedliche Art und Weise, sich darauf einzulassen. dass das jetzt anders ist als geplant. Ich finde es an der Tochter interessant, weil die Tochter eigentlich diejenige ist, die da unten die Botschaft, Papa ist wach, erst mal so... Können wir weiter essen, bitte?
Florian Bayer: Das sagt sie wirklich. Müssen wir jetzt wirklich hochgehen? Können wir nicht zuerst essen?
Johannes Franke: Das ist so krass. Aber total natürlich. Und die Mutter ist natürlich total aufgekratzt und freut sich und ja, komm, lass uns das doch Wir müssen jetzt umbauen, komm, wir gehen da hoch und wir kriegen das hin und so. Und es ist dann so schön. Und natürlich aber auch wieder der nächste Weinkrampf quasi. Absolut. Weil es ist emotional so anstrengend. Ja.
Florian Bayer: Ja, das Krasse ist ja, also es wird immer so in einzelnen Szenen angedeutet, dass... Ja, dass wir eigentlich in dem Stadium der Krankheit sind, wo Frank nur noch als die schreiende Stimme aus dem Nebenzimmer wahrgenommen wird. Was ja auch emotional unglaublich belastend ist, wenn du jemanden hast, du weißt, dessen Persönlichkeit hat sich verändert und der schreit laut Sachen. Aus Wut, aus Verzweiflung, manchmal schreit er einfach nur Namen und du weißt nie, ob du jetzt hingehst oder ob du noch kurz wartest, bis er hoffentlich eingeschlafen ist. Krasse Szene, Simone mit diesem Pfleger, der einmal mit dir checkt, was brauchen wir jetzt, wie oft muss jemand kommen und so weiter. Und dann ist das Schreien im Hintergrund und der Pfleger sagt, wollen Sie gehen oder wollen Sie nicht gehen? Machen Sie, wie Sie es machen würden jetzt? Und sie weiß halt nicht, wie sie reagieren soll, weil der Pfleger da ist. Und wir merken, sie geht für sich gefühlt zu oft wahrscheinlich. Und es ist einfach krass, aber das ist der Sterbende, der liegt im Nebenzimmer, der ist nicht mehr bei sich und der schreit, der macht Geräusche.
Johannes Franke: Aber es ist eine tolle Szene, dadurch, dass ich auch verstehe, wie sie damit umgeht, wie überfordert sie ist und wie sie... Einfach jedes Mal innerlich würfelt, was jetzt die richtige Entscheidung ist. Man gewöhnt sich da nicht dran. Man ist jedes Mal am Überlegen, ist das jetzt richtig? Ist das jetzt falsch? Was muss ich machen? Gehe ich jetzt hin? Gehe ich nicht hin? schreit er, ohne dass er wirklich ein Ziel hat? Wird es wirklich helfen, wenn ich jetzt komme? Muss ich jetzt das unterbrechen, was ich mache oder ist es nicht sinnvoller, das weiterzumachen, was ich tue, weil er sowieso nichts davon hat, dass ich komme? Man kann es nicht mehr einschätzen.
Florian Bayer: Wir können uns vorstellen, dass er 100 Mal am Tag Und dass sie rüber geht und dann ist er so halb im Koma, im Döszustand, weil er ein Morphium kriegt. Und sie ist wieder hingelaufen und wieder emotional belastet. Ohne, dass es zu irgendwas geführt hat. Und sie will, das ist halt das Krasse, sie will auch das Richtige tun, sie will ihm helfen. Und es ist schwer zu ertragen, wenn jemand schreit und du gehst nicht hin und deswegen gehst du dann immer hin und diese Hoffnungslosigkeit darin.
Johannes Franke: Ja, genau. Und da wird es halt nach und nach zermürbend. Der Film zermürbt einem schon sehr stark.
Florian Bayer: Absolut.
Johannes Franke: Und man hat hier das Gefühl, dass man wirklich von Anfang bis Ende in einem Zug sitzt, der einmal aufs Gleis gesetzt wurde. Und es gibt keine Abweichung, es gibt keine Ausfahrt irgendwo, es gibt keine Überraschungen, sondern es gibt einfach nur, unerbittlich fährt dieser Zug an seine Endhaltestelle und dann ist Schluss. Und das ist echt hart.
Florian Bayer: Und er nimmt die Station mit. Wir sehen wirklich diesen Wandel von ein bisschen Kopfschmerzen, ein bisschen Desorientierung hinzu.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Komplette Desorientierung, er weiß gar nicht mehr, wer wer ist, bis hin, er liegt im Bett, er kann nicht mehr reden, er starrt nur noch vor sich hin. macht nur noch Geräusche und ist quasi im Wachkoma und dann ist er tot. Also es ist wirklich dieses einmal, es geht abwärts und du weißt, es wird schlimmer. Fünf Minuten später wird es schlimmer aussehen. Und so halt auch, wie es bei so einer Krankheit ist. Ein Monat später wird es schlimmer aussehen und es gibt vielleicht noch mal kurz so einen lichten Moment wie an Weihnachten. Aber es ändert nichts daran, dass es weiter abwärts geht und dass es dann halt irgendwann vorbei ist.
Johannes Franke: Es gibt so gar keine Romantisierung von irgendwas. Es gibt ja diese Szene, wo er seine Beerdigung organisieren will. Mit dem Sarg und so. Und dann, wo sie dann festlegen, was sie spielen.
Florian Bayer: My boy has a good music taste. Was will er, Neil Young? Neil Young, Deadman, das Album von Deadman, Soundtrack. Und dann sagt er, Nevermind, ist auch ein geiles Album, The Cure. Und der hat einen guten Musikgeschmack.
Johannes Franke: Ja. Was ich so krass finde ist, dass dieses Deadman, ich meine, wer den Film kennt, weiß noch mal was anzufangen. Wir haben viel über den Film Deadman gesprochen. Wir haben eine ganze Episode darüber gemacht. Es ist im Grunde ein Mann, gespielt von Johnny Depp, der... von Anfang des Films quasi bis Ende des Films stirbt. Ist die längste Sterbeszene der Filmgeschichte.
Florian Bayer: So haben wir es benannt. Und auf jeden Fall, das ist sie.
Johannes Franke: Und das ist so krass, weil die Hoffnungslosigkeit im Sinne von, das wird nicht besser. Der wird sterben. Und der schleppt sich als toter Mann eigentlich durch die Szenerie. und wird immer schwächer. Und dann kommt irgendwann so ein Ureinwohner oder ein Indigener aus der Gegend und... begleitet ihn quasi in diesem Sterbeprozess. Und es ist ein super krasser Film. Und dieser Soundtrack... Den müsst ihr euch anhören, der ist großartig, aber er zeigt, wie düster das Ganze ist. Und auch das auf einer Beerdigung zu spielen... ist halt das absolute Gegenteil von der Romantisierung des Lebens dieses Menschen, sondern zeigt einfach, wie sehr diese Krankheit ein Arschloch ist. Und er in diesem Moment eben diese Reflektionsebene hat, zu sagen, ich bin hier sowieso ein Toter, der die ganze Zeit nur noch von einem Termin zum nächsten huscht. Und das dann darauf zu bestehen, zu sagen, ja, und zwar das ganze Album bitte.
Florian Bayer: Der humoristische Moment in dem Film, wo nämlich der Bestattungsunternehmer sagt, ja nee, das passt irgendwie nicht so in unseren Plan rein, dass hier jetzt 60 Minuten Neil Young gespielt wird. Drei Songs sind die Regel. Und dann auch dieses geile, awkward Gespräch. zwischen Frank und Simon und Simon, die sagt, naja, wenn es nicht geht, dann vielleicht halt drei Songs und Frank, ach, das wird doch vielleicht doch schon irgendwie gehen.
Johannes Franke: Und er meint das, er weiß ganz genau, was das bedeutet und dass das nicht geht und so. Er ist bloß einfach so zynisch in dem Moment, er kriegt das einfach, er ist so abgefuckt von dieser Krankheit, dass er sagt,
Florian Bayer: Aber Simone ist, glaube ich, ganz dankbar, dass der Typ vom Beerdigungsinstitut sagt, nee, drei Songs. Ja, natürlich. Du kannst niemandem in einer Beerdigung mit 60 Minuten Neil Young-Gitarre... Deadman-Instrumental antun. Das ist echt brutal. Das ist echt hart.
Johannes Franke: Aber es ist ein geiles Album. Muss man ihm recht geben.
Florian Bayer: Absolut. Geiles Album, genauso wie Nirvana Nevermind und The Cure sagt er glaube ich noch, ich weiß es nicht mehr genau, der hat einen guten Musikgeschmack. Ja, es gibt auch genau Love & Mercy. Es gibt ja davor noch mal ganz relativ früh eine Szene, wo ja Love & Mercy auf Gitarre spielt. Und dann gezeigt wird, wie sie sich diese Zettel überall hinkleben, damit er sich orientiert, weil er wirklich die Orientierung verliert. Er muss wissen, dass das das Badezimmer ist und dass er nicht rausgehen soll.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann kleben sie sich die Zettel auf die Stirn so als gelb und der Papa auf der Stirn kleben.
Johannes Franke: Ja, das ist toll.
Florian Bayer: Diese iPhone-Szenen, ich finde, das ist so eine tolle Entscheidung von Tresen zu sagen, weil das ist ein Film, in dem das noch nicht Standard war, dass man mit so einem Handy filmt. Und es war vor allem eine Zeit, in der die Handykameras das noch nicht geleistet haben, einen fucking Kinofilm zu drehen, was man natürlich auch sieht in den Bildern. Ich finde es so eine gute Entscheidung. Es ist so nah und so intim.
Johannes Franke: Ja, absolut. Und es bedient mehrere psychologische Dinge. Zum einen, ich will das... den Kindern vielleicht Sachen noch nicht sagen oder ich weiß noch nicht, wie ich es ihnen sagen soll und dann sage ich es erst mal an meinem Telefon. Das andere ist auf eine Art und Weise die Bestätigung meiner Existenz auf Video. Ich bin noch da. Ja. Es gibt mich noch. Ich nehme das Ding auf, ich kann mir das angucken, ich könnte mir später nochmal angucken, was ich vor zwei Wochen gesagt habe und habe eine Existenzsicherung quasi. Finde ich ganz beeindruckend.
Florian Bayer: So als Selbstvergewisserungsmoment auch.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Also auch gerade, wenn du so eine Krankheit hast, die dafür sorgt, dass du mehr und mehr abdriftest, dass du dich selbst auch verlierst.
Johannes Franke: Ja, total. Total. Und also damit hat er wahrscheinlich auch nicht gerechnet. Wer weiß das schon, wie... Selbst wenn man im Studium oder sowas was beigebracht bekommt, wie sowas abläuft, wenn es dann passiert, ist es anders. Und er kann nicht damit rechnen, wie er am Ende, wie geistig anwesend oder nicht anwesend er sein wird. Das weiß man einfach nicht. Und dann nimmt er das auf, ohne zu wissen, ob er später noch was davon hat oder nicht. Oder ob das ein... ein Dokument des geistigen Verfalls dann wird, was es ja im Grunde auch wird.
Florian Bayer: Ja, absolut. kommen wir zu dem, was dem Realismus im Film entgegensteht. Wir haben 14 mit dem Tumor als Wir haben ihn einmal als Gast bei der Harald-Schmidt-Show. Wir haben ihn einmal im Radio. Wir haben einmal eine Szene, in der Frank das Handy hat und sich mit der Selfie-Kamera beobachtet und den Tumor sieht statt sich selbst. Und wir haben ganz am Ende, kurz vorm Tod, den Moment, wo er wach wird quasi, sich auch mit der Handykamera anschaut. Vermeintlich, also er ist ja schon so weggetreten, Und neben ihm im Bett liegt der Tumor und schläft ganz friedlich bei ihm. Was macht das mit diesem Film, der ja sonst sehr auf Realismus setzt, dass wir diese traumhaften Szenen drin haben?
Johannes Franke: Ich würde gerne ein kleines bisschen ausholen, aber nur so ein bisschen. Das ist ein sehr deutscher Film.
Florian Bayer: Ja, der Film ist sehr, sehr deutsch. Der Film ist deutsch, auf jeden Fall, absolut. Wegen seiner Trockenheit, wegen seiner Nüchternheit, wegen seiner...
Johannes Franke: Das ist eine Art eines Realismus. Ganz bezeichnenderweise fängt der Film an mit einem Bild, Durch irgendeinen Durchgang durchgefilmt. Hinten sitzen zwei Leute an einem Tisch und sagen nichts. Absolut. Ich bin heute, das ist ein sehr deutscher Film. Das ist ein deutscher Film. Ja, das ist deutsch. Und dann leistet sich Andreas Dresen das einzige was so ein bisschen da rausgeht und einen Kniff gibt. So einen kleinen, fantastischen Kniff. Aber wirklich klein. Es ist Sprittig, was er da macht? Ja, vielleicht ein bisschen, aber wirklich nur so ein ganz kleines bisschen. Und dann kriegt er dafür auf die Fresse.
Florian Bayer: Dafür kriegt er auf die Fresse von der Kritik.
Johannes Franke: Alter, Leute, der Mann hat mal versucht, aus dieser deutschen Scheiße rauszukommen.
Florian Bayer: Aber der Film ist doch sonst nicht deutsche Scheiße. Würdest du diese vier Szenen rausnehmen und sagen, der Film ist jetzt deutsche Scheiße?
Johannes Franke: Nein. Wie brutal?
Florian Bayer: Deutsche Scheiße? Alter.
Johannes Franke: Entschuldigung, aber deutsche Filme haben einen Hang zu einer bestimmten Bildsprache, die einfach auch... oft zu sehr wehtut, wo ich denke, komm, gib dir ein bisschen mehr Fantasterei.
Florian Bayer: Manchmal hat man das Gefühl, deutsche FilmemacherInnen sagen, Und jetzt schaue ich mal, wie ich mein Publikum langweilen kann. Ich bin kein Fan der Berliner Schule übrigens.
Johannes Franke: Ja, genau, das ist es doch, oder?
Florian Bayer: Wie trostlos können wir es machen. Genau. Und dabei aber trotzdem so in einer Form trostlos, dass die Menschen das Bedürfnis haben, dabei einzuschlafen.
Johannes Franke: Oder sich umzubringen.
Florian Bayer: Und das hat nichts mit Andreas Dresen zu tun, weil ich glaube, der sticht da voll heraus.
Johannes Franke: Genau, und das meine ich... Deutsche Scheiße, Berliner Schule.
Florian Bayer: Das ist jetzt auch ein bisschen brutal. Wir müssen mal einen Berliner Schulfilm gucken.
Johannes Franke: Okay, aber dass Andreas Dresen es schafft, da ein bisschen sich rauszuarbeiten und das eben nicht nur so zu machen, sondern da... Darüber hinaus wächst ein bisschen und gerade mit dieser Idee eben das nutzt. Finde ich total gut. Ich finde es total schön. Und es ist nicht unrealistisch.
Florian Bayer: Thorsten Merten spielt den Hirntumor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Auch einen. Natürlich jemand, der vom Theater kommt und der mit Tresen auch schon vorher zusammengearbeitet hat. Und dann haben wir diesen Moment... Zum ersten Mal bist du voll irritiert, wenn Frank vom Fernseher sitzt und er guckt die Harald-Schmidt-Show und dann kommt der Tumor als Person und er ist eine nette Person. Er ist keine böse Person, er ist eine entspannte Person und er redet ganz realistisch, auch ganz nüchtern über die Sachen, die jetzt passieren und mit ein bisschen Galgenhumor und natürlich, ja, Rollstuhl einscheißen. Das würde ich entscheiden.
Johannes Franke: Aber ich finde es Krass, weil das eben ein psychologischer Effekt ist, der auch wichtig ist, um damit klarzukommen, dass du... eine neurologische Dissensation vornimmst. Weil der Tumor keine Person ist, niemanden, den du anschreien kannst. Niemand, den du sehen kannst, den du nicht greifen kannst. Gibst du dieser Person, diesem Tumor eine Persönlichkeit?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es gibt viele Leute, die dann tatsächlich Krankheiten Namen geben und das ganze Stückchen abspalten und sagen, okay, das ist der, der ist schuld an... meinem Leid und ich darf auf diese Person quasi wütend sein und all das, was psychologisch wahnsinnig wichtig ist, dass man auch diese Emotionen durchgeht, auf diese Personen übertragen.
Florian Bayer: Ich finde es total spannend, es gibt ja dann die Frage von Harald Schmidt, hast du nicht ein schlechtes Gewissen, fühlst du dich nicht bösartig? Dass die Frage unbeantwortet bleibt vom Tumor. Und dann, dass Frank halt nicht den Weg wählt, seinen Tumor als Böses zu personifizieren, Sondern fast so eine zärtliche Symbiose mit ihm hat. Ich finde diesen Moment, wenn der Tumor am Schluss bei ihm im Bett liegt. Also Frank ist natürlich verängstigt davon irgendwie, vom Blick, aber dieser... Dieser Moment der Zärtlichkeit, das bricht mit dem Realismus, weil davor haben wir dieses Dreckige und dieses Hässliche und drumherum haben wir dieses Dreckige und Hässliche. Aber wenn der Tumor personifiziert ist, werden wir da rausgerissen. Und es ist nicht genug, um zu sagen, das ist ein magisch-realistischer Film, aber wir haben diese Momente des magischen Realismus. Ich finde diesen Moment, wenn er sich mit dem Handy beobachtet und sich selbst als Tumor sieht, finde ich gar nicht. Ganz großartig, wie er sich damit auseinandersetzt, auch wie er zu einem anderen Menschen wird und wie dieser Mensch jetzt ein Teil seiner Persönlichkeit oder sogar mit ihm identisch ist. Ja, ich finde es gut, dass Andreas Dresen das gemacht hat. Ich glaube nicht, dass der Film doll verlieren würde, wenn das nicht drin wäre. Ich finde, es gibt aber, wie du hast Kniff gesagt... Es gibt dem Film irgendwie nochmal so einen kleinen Kniff Richtung ein ganz kleines Stück Magie in diesen Alltag, in diesen wirklich hart zu ertragenden Alltag reinzubauen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann am Schluss kriegt die Realität ja sowieso wieder rein, wenn sie vor der Leiche sitzen und Lili eigentlich nur sagen kann, ich muss zum Training. Das ist auch so ein realistischer Satz in diesem Moment.
Johannes Franke: Das ist auch ein Ein deutscher Satz vielleicht.
Florian Bayer: Ein sehr deutscher Satz. Pass auf, Andreas Tresen ist ein deutscher Regisseur. Egal ob Wolken 9 oder Herr Wischmann. Andreas Tresen ist deutsch. Und das kriegt er nicht ganz weg. Andreas Tresen verkörpert das Beste, was an diesem Deutschtum im Kino zu finden ist in unserer Zeit.
Johannes Franke: In unserer Zeit, ja.
Florian Bayer: Nämlich als geerdete Nüchternheit. Andreas Tresen wirkt einfach... Deutsche Filme wirken ganz oft so artifiziell in dieser Art, wie sie ein Szenario bauen. Und Andreas Tresen, finde ich, wirkt nicht so. Andreas Tresen wirkt geerdet.
Johannes Franke: Gerade in diesem Film. Ja, absolut.
Florian Bayer: Sehr nüchtern. Ja, nüchtern. Wolke 9 würde ich sogar vielleicht rausnehmen. Wolke 9 hat viel mehr so diese Leidenschaft und diese Größe und Schwere und so. Aber hier Wirkt ja einfach wie jemand, der sich nicht so ernst nimmt und der dieses Szenario nicht so ernst nimmt und der... der darstellt, ohne große Kunst machen zu wollen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: der sich einfach auf das einlässt, was er hier halt so zusammengeworfen hat. Das ist geil. Zwei Podcasts habe ich gehört mit Andreas Dresen Interviews. Einen von Judith Holofernes.
Johannes Franke: Oh, schön.
Florian Bayer: Sehr hörenswert. Julia Tollefern ist großartig. Die Sängerin, Songwriterin von Wir sind Helden. die jetzt offensichtlich Podcast macht. Die hat irgendwann Andreas Gesen zu Gast und die sind anscheinend gut befreundet.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Und das zweite war, weiß ich nicht mehr, ah doch, Nils Buckelberg, glaube ich.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ehemaliger Viva-Moderator. Egal. Auf jeden Fall zwei Podcasts, wo Andreas Tresen zu Gast ist, die sehr hörenswert sind.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Und da finde ich genau das, was für mich diesen Film so groß macht, findet man da auch in dem, wie er über diesen Film redet. Diese Bodenständigkeit, auch dieses sich überhaupt nicht zu wichtig nehmen als Regisseur und zu sagen, ey, das ist eine Teamarbeit und da haben so viele toll dran mitgearbeitet und ich bin so froh, dass ich... die PflegerInnen und die ÄrztInnen und so weiter drumherum hatte und das hat mir so viel geholfen. ganz großartig, wie er sich selbst klein macht. Und das macht er meiner Meinung nach in diesem Film auch. Er macht alles so ein bisschen klein, er spielt alles so ein bisschen runter. Und das unterscheidet das von dieser deutschen Tristesse, die man so oft kennt im Kino, die sich größer macht in ihrer Tristesse und Monotonie, die sagt, ich bin was Großes, ich bin ein Monolith. Und jetzt zeige ich diesen Gang und ganz da hinten seht ihr den Kopf von diesem Menschen und Und ihr hört kaum, was da geredet wird, aber ihr müsst jetzt diese Szene zehn Minuten ertragen und danach seid ihr andere Menschen.
Johannes Franke: Ich habe Andreas Dresen ja erlebt, hier und da. Also ich bin in der Filmszene in Deutschland hier und da bei Veranstaltungen und da gibt es halt auch Andreas Dresen. der irgendwo redet. Das Eindrucksvollste war wahrscheinlich in einer selbstorganisierten Filmschule. in Berlin, wo er quasi einen Vortrag oder Seminar oder sowas gehalten hat, wo man auch öffentlich dazu kommen konnte. Und ich hatte immer den Eindruck, dass er sich komplett in den Dienst des Films stellt. Also sich wirklich unterordnet der Geschichte, die er hat. die zu ihm kommt quasi. Und das finde ich eine gute Perspektive darauf, auf Filme.
Florian Bayer: Hast du Gunnar Mann gesehen? Den würde ich gerne noch gucken. Der wurde ja sehr gefeiert. Der hat ja... ordentlich abgeräumt bei Preisen. 2018, also es war noch einiges zwischen Herr Gundermann und Halterfreier Strecke. Unter anderem Herr Wichmann aus der dritten Reihe. Der soll sehr gut sein. Ich bin jetzt halt, also Liedermacher aus der DDR sind ja nicht mein großes Thema.
Johannes Franke: Nee, nee. Aber Gundermann hat tolle Sachen gemacht, muss man schon sagen.
Florian Bayer: Ich mag Männer und Frauen und dann hört es irgendwie auf. So ein bisschen das Wissen. Ich bin einfach kein großer deutscher Songwriter-Hörer. Andreas Tresen hat aber auch den Brief von der Emma unterschrieben, wo drauf stand, dass Slava Russija, jetzt unterstützen wir Putin bei der Einnahme der Ukraine und Russland. Das gehört vielleicht auch zu diesem Andreas Tresen.
Johannes Franke: Was bitte? Ich habe es nicht mitbekommen.
Florian Bayer: Es gab doch diesen offenen Brief von der Emma. 2022 an den Bundeskanzler von Alice Schwarzer initiiert und Alice Schwarzer zusammen mit, wie heißt unsere liebste Stalinistin? von ehemales Linkspartei, jetzt Bündnis Führerin Sarah Wagenknecht. Alice Schwarzer sagen, wir arbeiten jetzt zusammen und wir wollen, dass Frieden herrscht. Und zu dem Frieden gehört natürlich, dass Russland die Ukraine angreifen darf, ohne dass wir die Ukraine unterstützen. Und dann haben die einen offenen Brief geschrieben, wo stand, lass die Russen mal machen, wir wollen Frieden haben. Und Andreas Triesen hat zu den Unterzeichnern gehört, Erstunterzeichner. Aber da haben sich einige deutsche Intellektuelle nicht mit rumbekleckert. Ah, shit. Egal, anderes Thema. Wir kriegen wieder wütende Fanzuschriften. Ich habe gerade in diesem kurzen Absatz niemanden als Nazi bezeichnet. Das möchte ich nur mal festhalten.
Johannes Franke: Obwohl du gerne gemacht hättest.
Florian Bayer: Und ich habe sehr tiefen Respekt vor Alice Schwarzer und ihren... ihren Errungenschaften für den Feminismus und ich habe sehr tiefen Respekt vor Andreas Tresen und seinen Filmen und ich habe ein bisschen Respekt vor... Für die durchgeknallte Sarah Wagenknecht. Die hat ein paar ganz gute Sachen irgendwann mal gesagt in ihrer früheren politischen Laufbahn.
Johannes Franke: Ja, es gibt tatsächlich eine Phase, wo ich auch gedacht habe, ach, die ist ja interessant.
Florian Bayer: Interessant ist sie auf jeden Fall. Positiv gesehen. Sie ist tatsächlich eine faszinierende Politikerin. in ihrer Radikalität, aber sie steht auch für alles, was für mich die Linkspartei unwählbar gemacht hat.
Johannes Franke: Ja, absolut.
Florian Bayer: Anderes Thema.
Johannes Franke: Andreas Dresen hat ganz viel recherchiert. Kollegen und Freunden geredet und sich wahnsinnig tief in das Thema hineingearbeitet mit Ärzten, mit Hot Speeds Leuten und so weiter und so fort. Und ich möchte ein Zitat vorlesen. Ein bisschen länger. Die Recherche wurde sehr schmerzvoll. Wir haben im Sommer dann tatsächlich erwogen, das ganze Projekt abzubrechen. Ich wusste nicht, ob ich das schaffe. Ich tauche in eine Welt ab, die ich erstmal nicht haben will. Andererseits waren die Arbeiten schon zu weit fortgeschritten und ich war nach wie vor überzeugt, dass das Thema es wert sei. Als wir dann anfingen zu drehen, wurde es interessanterweise immer leichter. Je mehr man sich hineinbegab, auch gemeinsam mit den Schauspielern, gelang es einem dann auch, wieder eine Distanz aufzubauen. Man geht durch dieses Tal durch und am Schluss kommt man in gewisser Weise erlöst wieder heraus. Absolut nachvollziehbar, dass man zwischendurch sagt, um Gottes Willen, ich kann nicht mehr, ich höre auf.
Florian Bayer: Krass, ja.
Johannes Franke: Also zeigt einfach, wie tief man in dieses Thema reingeht, um so einen krassen Film zu machen. Du musst das alles so potenziert durchmachen, damit beim Zuschauer das hängen bleibt, was bei uns hängen geblieben ist. Das ist krass. Top 3. Unsere Top 3. Wir sind in einer Top 3. Thema Sterben. Sterben, natürlich.
Florian Bayer: Und ich stelle gerade fest, dass nichts von dem, was ich habe, so nüchtern ist wie in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, ist auch schwer zu finden.
Florian Bayer: Du fängst an.
Johannes Franke: Ja, ich fange an mit Enter the Void.
Florian Bayer: Uff, ja. Krass, dass du den nimmst. Kurz für die, die es nicht gehört haben, das haben wir vor zehn Episoden oder so gemacht. Ich habe den Film Johannes gegeben, weil ich ihn damit ärgern wollte. Ich mag den Film sehr, aber ich bin niemals davon ausgegangen, was dann passiert ist, dass Johannes nämlich zu mir sagt, oh, ich mochte den Film auch.
Johannes Franke: Ja, was dann passierte, wirst du niemals glauben. Also es ist wirklich seltsam gewesen und natürlich ist der Film drei Stunden zu lang, hat man so das Gefühl, obwohl er unter drei Stunden dauert. Aber nein, er hat so tolle, beeindruckende Ideen und Bildsprache und so. dass ich das nicht missen möchte. Auch wenn er wahnsinnig anstrengend ist. Aber ja. Hört euch gerne die Episode dazu an. Vielleicht auch einen Film, wo man nicht unbedingt den Film gesehen haben muss, um die Episode genießen zu können.
Florian Bayer: Ein krasser Film, einfach ein, wie habe ich es genannt, ein transzendentaler Porno. Eine sterbende Seele, die den Körper verlässt, aus Ich-Perspektive erzählt. Und ja, das ist es wirklich. Mein Platz 3 muss ich einfach nennen, weil es so ein Stück Kindheitserinnerung ist, was mir glaube ich zum ersten Mal in einem Film das Sterben irgendwie so... bildlich vor Augen geführt und echt hängen geblieben ist. Es gibt einen Zeichentrickfilm aus Dänemark aus dem Jahr 1986, der heißt Valhalla. Und er behandelt die germanische, nordische Mythologie mit Thor und... Und Odin und Loki und so weiter. So die großen Geschichten daraus. Und eine der größten Geschichten daraus, nämlich wenn die Götter also Thor und Loki mit den beiden Kindern, die für sie arbeiten, bei einem der großen Riesen-Utgard-Loki zu Besuch sind und der sagt, ihr Götter, Ihr seid stärker als wir Riesen und stellt ihnen dann so ein paar Herausforderungen, die sie eigentlich nicht gewinnen können, weil der immer rumtrickst. Zum Beispiel muss Loki... muss ein Wettessen machen und sein Gegner ist aber das Feuer und er kann gegen das Feuer nicht gewinnen, aber er weiß das nicht. Und dann gibt es den Moment, wo eine Aufgabe davon ist, dass Utgard-Loki zu Thor sagt, du musst meine Mutter im Kampf besiegen. Und zeigt ihm dann diese alte... dürre Frau und Thor sagt, ach geil, kein Problem, mit der kämpfe ich nicht, mit der tanze ich und nimmt sie in die Arme und wirbelt sie herum und hat total viel Spaß. Und dann spürt er, wie er schwächer und schwächer und schwächer wird. Und was wir dann erfahren ist, dass er mit dem Altern, mit der Zeit, mit dem Sterben tanzt. Und wir sehen, wie er langsam immer älter wird und faltiger. Das hat mich als Kind so beeindruckt. Bis zu dem Moment, wo er dann halt wirklich, wir denken, er wäre tot, da liegen bleibt, als so ganz verdorrter alter Mann. Der vorher so muskulöse, lebenslustige Tor mit seinem großen Hammer. Und dann liegt da wirklich einfach nur noch dieses... alte Gerippe, das kaum noch als Mensch zu erkennen ist. Großartiger Moment. Krass. Okay. Hat mich damals wirklich mitgenommen.
Johannes Franke: Glaube ich. Als Kind ist das ja nochmal noch, oh Gott, oh Gott. Auf Platz 2 habe ich eine leichtere Variante und zwar Soul. Ja, von Disney auch. Ein ganz, ganz, ganz toller, jazziger Film, wo er kurz bevor er seinen Durchbruch in Richtung seiner Leidenschaft, endlich Musik so zu machen, wie er es gerne wollte, stirbt, weil er einfach nur in Gullifeld oder so. Und dann kommt er aber aus Versehen nicht ins Jenseits, sondern ins Davorseits. Und dort werden die Seelen auf die neugeborenen Menschen auf der Erde verteilt. Und er versucht irgendwie auf Umwege darüber... wieder in sein Leben zurückzukommen, obwohl er eigentlich gestorben ist, um seinen Traum wieder aufnehmen zu können, den er ja eigentlich verfolgen wollte. Und für so einen Kinderfilm, schwieriges Thema.
Florian Bayer: Ja. Sterben in der Form. Tief auch erzählt.
Johannes Franke: Und sehr philosophisch und tief und vielschichtig erzählt. Und natürlich bekommt nicht jedes Kind nur jede Nuance mit und so. Deswegen ist der Film eben in der Tradition, die Disney irgendwann angefangen hat, sehr gleichberechtigt Filme für Erwachsene und für Kinder zu machen, indem sie Themen... so fehlschichtig aufbauen, dass jeder wirklich was davon hat. Ja, ich finde es ganz toll.
Florian Bayer: Großartig. Mein Platz 2, du magst ihn nicht, du wirst ihn nie mögen. Das siebte Siegel aus dem Jahr 1957 von Ingmar Bergmann. Der Kreuzritter, der mit dem Tod Schach spielt und währenddessen mit seinem Knappen unterwegs ist und noch auf eine junge Theaterfamilie trifft. Pretentious as fuck. Der Tod ist ständig präsent. Das Memento Mori ist genauso präsent wie das Carpe Diem. Großartiger Film, großartiges Sittengemälde aus dem Mittelalter mit ganz vielen Gedanken zum Leben, zum Sterben, zum Glauben, zum Hoffen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Meisterwerk.
Johannes Franke: Toll. Und wir haben einen gleichen Platz und zwar Platz 1. Liebe von Haneke.
Florian Bayer: Ich habe kurz überlegt, ihn zu nehmen, aber ich habe Magnolia.
Johannes Franke: Komm, du nimmst immer Magnolia, was soll das?
Florian Bayer: Aber Magnolia ist halt auch ein fucking Meisterwerk.
Johannes Franke: Was soll ich machen?
Florian Bayer: Es gibt halt diesen Film, wo alles drin ist, was das Kino gut und groß macht. Aber Liebe ist eine tolle Wahl natürlich.
Johannes Franke: Ja, Haneke hat wirklich sich... so ein krasses Thema genommen, was eben auch hier ein Thema ist und macht es aber mit einer intellektualisierten Version. Ja, genau.
Florian Bayer: Und vor allem auch mehr aus der Perspektive vom Sterbebegleiter und weniger vom Sterbenden.
Johannes Franke: Genau. Und es sind zwei intellektuelle Menschen, die einfach alt werden und sie wird irgendwann zum Pflege fallen und er kümmert sich. Okay, kein Spoiler. Kein Spoiler, was am Ende passiert. Aber es ist auch ein harter Film. Es ist auch schwer... zu ertragen. Man muss da mit einer gewissen Kraft reingehen. Aber der lohnt sich auch volle Kanne, muss man sagen.
Florian Bayer: Und wenn du schon gesagt hast, dass Halterfreie Strecke ein sehr deutscher Film ist, Liebe ist ein sehr französischer Film.
Johannes Franke: Obwohl Hannecke auch deutscher ist.
Florian Bayer: Schweizer.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Die Deutschen beanspruchen ihn für sich, wenn es nur um Oscar geht.
Johannes Franke: Ja, natürlich.
Florian Bayer: Aber wenn er irgendwas Provokantes macht, wo ein Serienmörder in die Kamera spricht, dann heißt es, nee, nee, mit dem Treck wenn wir nichts zu tun haben.
Johannes Franke: Nein, das war auch gut. Haben wir auch besprochen. Ja, haben wir besprochen. Funny Games. Okay, Platz 1. Magnolia.
Florian Bayer: Es ist gar nicht so lang in diesem Film, aber es gibt diesen Moment von dem alten sterbenden Menschen, der sehr viel bereut und der vor allem sehr viel im Bett liegt und im Sterben ist und auch so ein bisschen sein Bewusstsein verliert Mit einem großartigen Philip Seymour Hoffman, der ihn begleitet. Toller Film.
Johannes Franke: Und ich dachte, du meinst die Frösche.
Florian Bayer: Die Frösche sterben auch teilweise. Die Frösche sind auch ein Symbol fürs Sterben vielleicht. sie nicht. Meisterwerk. Magnolia unbedingt anschauen. Einer der besten Filme überhaupt ever.
Johannes Franke: Okay. Und damit zurück zu unserem Film Halt auf freier Strecke. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: zu unserem nüchternen deutschen Film über das Sterben, der aber ganz gut abgeräumt hat. Der hat Preise gekriegt.
Johannes Franke: Ja, also der war zu Recht natürlich für Deutschland. Entschuldigung. Die Deutschen mochten den Film.
Florian Bayer: Den bayerischen Filmpreis haben sie ihm gegeben, natürlich die Bayern. Produzentenpreis für Rommel, der das Ding produziert hat und für Milan Peschel und Steffi Kühnert.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und es gab einen Preis der deutschen Filmkritik und vor allem gab es den deutschen Filmpreis 2012 für den besten Film, für den besten Hauptdarsteller, für den besten Nebendarsteller, nämlich unseren Tumor. und für die beste Regie. Und daneben gab es noch einige Auszeichnungen, unter anderem Steffi Kühnert als beste Hauptdarstellerin, bestes Drehbuch und bester Schnitt.
Johannes Franke: Genau. Bestes Drehbuch ist natürlich so eine lustige Sache. Beste Szenarium.
Florian Bayer: Und die Franzosen mochten diesen Film auch, der sehr deutsch ist. Cannes hat er in der Sektion Un certain regard zusammen mit einem koreanischen Film von Kim Ki-duk den Hauptpreis gewonnen. Toll. Siehste? Nicht nur die Deutschen mögen diese Tristesse.
Johannes Franke: Ich möchte noch eine Frage stellen. Ja. Vor Ende. Warum macht man so einen Film? Also kurz ausholen. Es gibt Tumore, Krebs, alles was damit zu tun hat, ist so wahnsinnig verbreitet in unserer Gesellschaft, dass jeder jemanden kennt oder jemanden direkt im Umfeld hat, der jemanden oder was weiß. verloren hat oder eben vielleicht doch mal Krebs besiegt hat und kennt das irgendwie in einer weniger ausgeprägten oder ausgeprägteren Form. Warum brauche ich diesen Film?
Florian Bayer: Ich würde behaupten, so nah kennen es die wenigsten. Diese Nähe zum Tod und zum Sterben erleben die wenigsten. Und da haben die wenigsten erlebt. Und auch ganz unabhängig davon. Und ich sage, ich habe erlebt, wie Angehörige gepflegt wurden, die eine persönlichkeitsverändernde Krankheit haben und die gestorben sind zu Hause.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das habe ich als Teenager miterlebt. Ich bin Lilly quasi. Nicht meine Eltern. Danke.
Johannes Franke: Gott sei Dank.
Florian Bayer: Ich habe das miterlebt und trotzdem würde ich behaupten, ich habe es nicht in dieser Nähe und Intensität als Teenager miterlebt wie in diesem Film. Und ich würde behaupten, dieser Film hat mich zu einem besseren Menschen gemacht und ich bin ihm total dankbar, ihn gesehen zu haben. Ganz davon abgesehen, dass es nichts Reinigenderes gibt, als einfach mal 90 Minuten lang durchzuheulen.
Johannes Franke: Der Film kann halt auch traumatisierend sein, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen das Ding. Also man muss das vorher vielleicht wissen, was da passiert und was auf einen zukommt und wie man das... wie man damit umgeht, ob man damit umgehen kann in der Härte. Andererseits muss man sagen, Ich gucke mir solche Filme nicht an, wenn ich weiß, dass es sowieso ganz schlimm hart wird, weil ich dann immer sage, ja, da muss man in der richtigen Verfassung sein und Und es gibt ja diesen Weltkriegsfilm, der so groß abgeräumt hat in dieser einen Einstellung und der soll auch ganz schön hart sein. Und den habe ich mir einfach nie angeschaut. Weil ich immer gedacht habe, ja, ich muss dann in der Verfassung sein.
Florian Bayer: Welchen Film meinst du? 1919? 1918? Ja, 1919 war kein Krieg mehr. 1917 glaube ich. Wahrscheinlich.
Johannes Franke: wahrscheinlich 17.
Florian Bayer: Wo die beiden Soldaten unterwegs sind und mit so einer gefakten, wir machen keine Schnitte-Kamera.
Johannes Franke: Genau, genau, genau. Und der soll hart sein. Und auch dieser andere Film mit, egal. Jedenfalls, wenn ich vorher weiß, dass der Film hart sein wird, Dann schiebe ich den halt auch vor mich hin und gucke ihn halt nie, weil ich denke, ja, morgen bin ich besser aufgestellt. Morgen kann ich mir das mal zutrauen. Aber das mache ich dann nicht. Morgen ist ja wieder übermorgen und so. Und das... Natürlich ist es dann gut, wenn man dann doch mal auch ein bisschen überrumpelt wird. Aber das will ich niemandem, ich will niemanden überrumpeln. Und ich bin ein bisschen überrumpelt, obwohl ich wusste,
Florian Bayer: Jetzt bin ich der Böse, weil ich dich ständig überrumple mit diesem Film.
Johannes Franke: Nein, es ist ja richtig, dass ich den Film sehe, aber es ist schwer. Es ist wahnsinnig schwer. Und Nicht jeder kommt damit klar. Ich bin damit klar gekommen. Ich habe natürlich dann sofort auch eigene Erfahrungen und so weiter nochmal durchlebt. Das macht halt mit einem was, dass man dann durchaus ein paar Tage lang Schwierigkeiten hat, im Alltag so ein bisschen das zu... Aber es kann auch eine Katharsis natürlich sein, weil ich glaube auch, dass viele Menschen im Alltag nicht in der Lage sind, innezuhalten und dass sie zu bearbeiten, was man da erlebt hat. Und dass so ein Film super gut geeignet ist dafür, sowas anzuholen, Zu stoßen und eine Verarbeitung und andere das durchleben zu lassen für einen, damit man es nicht selber durchleben muss, solche Sachen. Oder eben, dass man darüber nochmal ganz anders nachdenkt und eine andere Perspektive einnimmt und so. Es kann also wirklich tröstlich und so sein, auch für Leute, die vielleicht diese Repräsentation im Alltag nicht finden. Es ist ein Tabuthema. Tod ist ein Tabuthema. Und wenn du sowas erlebt hast und das nirgendwo auftaucht im Rest des Lebens, denkst du, du bist der Einzige. Und dann das in einem Film zu sehen, hilft natürlich auch, weil du merkst, okay, ich bin nicht der Einzige, ich bin nicht allein und anderen geht es auch nicht. Und andere haben auch Schwierigkeiten damit und andere schimpfen auch zurück. wenn ihr Mann, der sich verändert, sie anschreit. Und das ist richtig so und so. Aber es ist halt auch je nachdem, wer es guckt.
Florian Bayer: Mochtest du den Film? Bist du froh, dass du ihn gesehen hast?
Johannes Franke: Ich glaube, ich bin froh, dass ich ihn gesehen habe, aber Mögen weiß ich nicht, ob das eine Kategorie ist, die ich dem Film überhaupt geben kann oder nicht geben kann.
Florian Bayer: Also ich bin voll bei dir. Ich hatte den in extrem guter Erinnerung. Ich habe mich darauf gefreut, den nochmal zu sehen. Er hat diesmal mehr reingekickt als beim letzten Mal, als ich ihn gesehen habe und ich dachte auch zwischendurch, der Film ist teilweise echt schwer erträglich und ich muss da auch pausieren und einmal durchatmen, weil wirklich, es gibt einfach Momente, wo du das Gefühl hast, du hältst es nicht aus. Ich mag diese Art von Kunst im weitesten Sinne, die dich so herausfordert, egal ob emotional oder sonst wie. mag ich sehr, aber ich kann das total nachvollziehen. Ich finde, es ist auf jeden Fall eine Herausforderung und es ist auf jeden Fall krass und Ich kann total verstehen, dass auch jemand sagt, das ist nicht mein Bier. Aber ich liebe ihn genau dafür, dass er so krass ist und dass er so reinhaut. Und Er gehört wirklich zu den Filmen, die emotional bei mir, also es gibt wenige Filme, die emotional so stark reinhauen bei mir wie dieser Film. Und diesmal sogar noch mehr als das erste Mal und dafür liebe ich ihn und ich finde Andreas Dresen hat damit einfach ein Meisterwerk geschafft, weil der Film schafft es.
Johannes Franke: Einmal an euch da draußen, wenn jemand dabei ist, der sich das jetzt anhört und sagt, Leute, ich verstehe es nicht, ich bin emotional nicht so ergriffen gewesen wie alle anderen. macht euch keine Vorwürfe. Solche Filme, die so hart sind und so massiv viel Emotionen triggern, können auch bei einem auslösen, dass man sich Massiv distanziert.
Florian Bayer: Hatten wir auch schon. Wir haben auch schon über Filmen geredet, wo du gesagt hast, dass es nichts anderes als Elendpornografie ist. Weil es zu krass ist. Ich habe Johannes schon öfter mal solche Filme gegeben, tatsächlich nicht um ihn zu ärgern. Das sage ich tatsächlich nur aus Quatsch, weil ich will wirklich... Weil es wirklich Sachen sind, die mich bewegen. Und ich teile gerne Sachen, die mich bewegen. Ich habe ihm schon ein-, zweimal Filme gegeben, die ähnlich waren, die auch ähnlich Emotionen triggern wollten. wo Johannes gesagt hat, nee, ich mach komplett dicht. Oder auch, das ist mir einfach zu drauf gedrückt und das will ich so nicht. Das ist nicht das, was ich von einem Film erwarte und
Johannes Franke: Siehe zum Beispiel Painted Bird.
Florian Bayer: Painted Bird ist das Musterbeispiel dafür. Da warst du ja wirklich so, okay... Es ist einfach zu viel und ich kann das dem Film nicht mehr abkaufen und es ist für mich einfach nur noch so ein... Nur noch so ein ekliges aus dem Elend Profit schlagen. So hast du es nicht ausgedrückt.
Johannes Franke: Aber so in der Richtung geht es ja.
Florian Bayer: Aber das würdest du bei dem Film nicht sagen?
Johannes Franke: Für mich nicht, aber ich kann verstehen, wenn man davor sitzt und sagt, ich kann gar nichts mehr empfinden, weil das zu viel ist.
Florian Bayer: Ich würde gerne mit einem Zitat enden, weil dieser Film endet nämlich auch mit einem Song. mit einem der besten deutschsprachigen Indie-Rock-Songs, die je geschrieben wurden, von Gisbert zu Knipphausen, Sommertag. Den ganzen Unsinn werde ich nie verstehen. Da hilft nur einatmen und vorwärts gehen. Es ist ganz einfach. Das Leben lebt sich. Es ist ein wunderschöner Sommertag. Der Song passt so geil auf diesen Film, auf diesen Abschluss, dass ich jetzt, ich bin wirklich so im Abspann hängen geblieben und hab danach gesagt, ach, Und jetzt muss ich den Song nochmal hören und dann die Tränen wegquischen.
Johannes Franke: Es tut mir wahnsinnig leid. Ich muss noch ein Thema aufmachen.
Florian Bayer: Jetzt machst du nochmal ein Thema auf. Wir haben die perfekt abgeschlossen, die Episode. Okay.
Johannes Franke: Tut mir wahnsinnig leid. Darum komme ich nicht drum rum. Er hat zwischendurch diese selbsternannten Heiler und Pseudopsychologen, die da auftauchen,
Florian Bayer: Ja, ich glaube, er will sie wertneutral zeigen.
Johannes Franke: Er will sie wertneutral zeigen und jeder hat seine eigene Perspektive darauf. Und jeder guckt sich das anders an. Und ich gucke mir das natürlich an und denke mir... Schwierig. In der Rezeption denke ich dann aber auch, jeder hat seine Methode damit umzugehen. Und jeder soll auch so damit umgehen dürfen. Aber ich finde es wahnsinnig schwierig und deswegen will ich es auch nochmal aufbringen. Das, was die Heiler, in Anführungsstrichen, die hier auftauchen machen, ist, in den Raum zu werfen, dass die Energien in deinem Körper nicht in Harmonie sind, Und dass es blockierte Körperenergien gibt, die man irgendwie auflösen muss und so. Und das schiebt die Schuld ab. an diesem Ding, die man nicht zuordnen kann, auf den Patienten. Und das ist wahnsinnig gefährlich und das finde ich richtig scheiße.
Florian Bayer: Ich bin absolut bei dir. Und ich musste bei dieser Szene genau aus demselben Grund auch stoppen. Es ist vor allem diese eine Beraterin, die sagt, Krebs, die Diagnose ist kein Todesurteil, sondern ist eine Alarmglocke. Was mache ich mit meinem Körper, gehe ich mit meinem Körper so um. Ich glaube, es sollen, ich hatte bei beiden das Gefühl, die kommen ja so, werden so zusammen nebeneinander geschnitten, dass das Beraterin sind aus dem christlichen Umfeld?
Johannes Franke: Vielleicht.
Florian Bayer: Also sie schien mir jetzt nicht als Heilerin aufzutreten, sondern eher als so Begleiterin oder so. in der Richtung?
Johannes Franke: Weiß ich nicht. Ja, vielleicht habe ich auch nur die Assoziation gehabt, weil ich das sowieso schon schwierig finde.
Florian Bayer: Aber ich bin genau bei dir, genau aus demselben Grund und da habe ich genau deswegen auch gestockt, weil ich finde das... Gerade was das Thema Krebs betrifft, da sind so viele Scharlatanen unterwegs, die Und die nicht mal Krifter sein müssen, denen ich sogar abkaufe, dass sie wirklich das Beste für die Menschen wollen, mit denen sie reden.
Johannes Franke: Ja, meinetwegen auch das.
Florian Bayer: die aber halt wirklich, die ohne es zu bemerken meinetwegen sogar, aber trotzdem den Inhalt verbreiten, Du bist verantwortlich für die Krankheit und das ist nicht nur Bullshit, sondern auch gefährlicher Bullshit. Und da bin ich komplett bei dir und da musste ich auch extrem zucken. Ich glaube, das Gespräch von der Beraterin ist ja sehr viel geschnitten. Sie sagt dann ja auch nachher nochmal, es ist kein Straf und so weiter, deswegen nicht auf sie bezogen, sondern ganz allgemein. Ich glaube, das ist ein Moment, wo man auch sagen darf, nee, es hat jeder seine eigene Art, damit umzugehen, aber die ist scheiße. Du sagst jemandem, der todkrank ist, nicht, dass er dafür verantwortlich ist. Du sagst jemandem, der ein Kind mit Behinderung kriegt, nicht, dass er schuld ist, weil... dass vielleicht kosmische Energien oder so sind, das ist nicht nur ESO-Bullshit, sondern das ist auch tatsächlich gefährlicher und asozialer ESO-Bullshit.
Johannes Franke: Gut, das wollte ich nur noch sagen. Das war mir wichtig.
Florian Bayer: Ja, finde ich gut, dass wir das noch hinterher geschoben haben.
Johannes Franke: Gut, sehr schön.
Florian Bayer: Vielen Dank, Flor. Danke dir, dass du den Film geguckt hast. Danke, dass du ihn ertragen hast. Und ich hoffe, er hat dir auch ein bisschen was mitgegeben.
Johannes Franke: Ja, durchaus.
Florian Bayer: Und danke euch. Und vielleicht finden wir nächste Woche ja wieder ein bisschen was Leichteres. Mal schauen.
Johannes Franke: Mal gucken, vielleicht revanchiere ich mich auch.
Florian Bayer: Johannes ist dran nächste Woche.
Johannes Franke: Oder machen wir vielleicht mal wieder einen Zuschauerwunsch.
Florian Bayer: Vielleicht auch einen Zuschauerwunsch. Ihr erfahrt es nach dem Jingle. Bis dahin. Danke euch. Tschau.
Johannes Franke: Schöne Woche. Bis dann. So, Plur.
Florian Bayer: So, was haben wir denn?
Johannes Franke: Wir haben uns tatsächlich dazu entschlossen, einen Publikumswunsch zu nehmen. Ja. Und gleich an euch da draußen, macht das. Schickt uns gerne Wünsche. Allerdings ist die Liste sehr lang.
Florian Bayer: Die Liste ist zu lang. Schickt uns auf keinen Fall Wünsche. Wir wollen keine Wünsche mehr. Wir haben viel zu viele Wünsche. Deswegen, wir haben uns auch vorgenommen, wir wollen ein bisschen öfter mal Publikumswünsche besprechen, weil wir haben so eine lange Liste, die wir abarbeiten müssen.
Johannes Franke: Aber es ist ja auch so, dass immer wieder mal wieder die gleichen Wünsche kommen. Bei dem jetzt hier glaube ich nicht, ich glaube das ist nur von einer Person und zwar von, du hast den Namen? Gregor hat sich gewünscht über Spotify. Labyrinth, also das Labyrinth, wie heißt er im Moment?
Florian Bayer: ist der deutsche Titel von, ist es Jim Hansen?
Johannes Franke: Nein. Doch. Nein, natürlich ist es. Terry Jones hat es geschrieben und Jim Hansen hat Regie geführt.
Florian Bayer: Okay, das ist ja eigentlich so ein Instant-Win. Wir haben Monty Python und Jim Henson und fucking David Bowie.
Johannes Franke: Das ist halt das Geile. Wir haben David Bowie. Und ich liebe diesen Film, das muss ich sagen. Und ich muss sagen... Sorry, aber ich habe den Film natürlich genau deswegen aus der Wunschliste von euch gefischt, weil ich diesen Film selber so liebe. Also, Plower, ich weiß nicht, wie du dazu stehst. Du kennst ihn auch, oder?
Florian Bayer: Ich kenn den Film und ich muss sagen, ich liebe diesen Film nicht.
Johannes Franke: Oh!
Florian Bayer: Und ich bin sehr gespannt. Es ist lange her, dass ich ihn gesehen habe.
Johannes Franke: Warum hast du es nicht vorher gesagt, Flor?
Florian Bayer: Das ist umso spannender. Dieser Film hat alles, was dafür spricht, dass ich ihn vergöttern müsste. Und ich meine mich zu erinnern, ich habe für Muss man sehen, für den Blog, also bevor wir diesen Podcast zusammen gemacht haben, habe ich schon den Filmkritik-Snob raushängen lassen und auf mussmansehen.de besten Listen veröffentlicht über die besten Filme aller Zeiten und so weiter. Und ich meine mich zu erinnern, dass ich in den 80ern geschrieben habe, warum Labyrinth nicht zu den besten Filmen der 80er Jahre gehört.
Johannes Franke: Tja, du wirst wohl dich umentscheiden müssen, weil der Film ist einfach ein fucking Meisterwerk.
Florian Bayer: Es kann sein, dass sich meine Meinung total geändert hat. Es ist lange her, dass ich diesen Text geschrieben habe und ich bin auch nicht mehr so versnobbt, wie ich damals war. Umso mehr freue ich mich darauf, ihn zu sehen.
Johannes Franke: Was nicht heißt, dass ihr nicht in diesen Blog reinlesen solltet. Es sind wirklich tolle Texte von Plur drin. Und das sage ich jetzt einfach mal, Flo, noch ein paar Klicks zuzuschustern. Danke dir. Nicht, weil das gut ist, was er geschrieben hat oder sowas.
Florian Bayer: Blog? Das Blog, ja, ich weiß. Als Blog-Urgestein muss ich das einmal korrigieren. Wird nicht mehr wirklich gepflegt. Ich glaube, der letzte Artikel in Diesem Ding ist eine Review zu dem Mario-Film und zwar nicht Mario Galaxy, der jetzt gerade im Kino läuft, sondern zu dem Mario-Film, der damals gemacht wurde.
Johannes Franke: wurde.
Florian Bayer: Und das ist schon sehr lange her.
Johannes Franke: Ja. Ach, Plur. Ach, Plur. Schade, schade, schade. Ich bin froh, dass du noch jede Woche zu mir in die Küche kommst.
Florian Bayer: Dieses Podcast-Ding hat tatsächlich meinen... Filmbloggen übernommen, was aber auch überhaupt nicht schlimm ist, weil ich einfach, wenn ich eine regelmäßige Stelle habe, wo ich über Filme reden kann, das macht mehr Spaß, als über Filme zu schreiben.
Johannes Franke: Oh, wie schön. Jetzt fühle ich mich ein bisschen geehrt.
Florian Bayer: Ja, und das liegt natürlich auch daran, dass ich einen herausragenden Podcast-Partner habe.
Johannes Franke: Das habe ich in deinen Augen gesehen. Ganz ohne geschlagen. Okay, schaltet lieber ab, bevor wir uns hier gegenseitig die Zunge in den Hals stecken. Nächste Woche reden wir über die Reise ins Labyrinth mit David Bowie und ich freue mich drauf. Sehr schön. Bis dann.
Florian Bayer: Ciao.
Johannes Franke: Ciao.
