Episode 283: Ein Königreich für ein Lama – Anarchie in Disneyland
Kusco – Der Herrscher eines alten Inka-Reiches findet sich in ein Lama verwandelt im Schlamm eines verregneten Waldes wieder. Wie konnte es DAZU kommen?
Er beteuert unschuldig zu sein und keine Fliege etwas zu leide tun zu können, aber wir merken schnell: dieser spätpubertierende Diktator ist das schlimmste was je einem Land passieren könnte: Ein Idiot, der nicht mal versteht, was er tut, als er seine Pläne offenbart, ein komplettes Dorf auszurotten um ein Disneyland dorthin zu bauen. Japp. Ein Disneyland als Evil-Plan in einem… Disneyfilm.
Also braucht es die faltige Yzma und den treudoofen Kronk, die ihn in ein Lama verwandeln, und dann den einfachen Lama-Hirte Patcha, der ihm zeigt, was es bedeutet, eine echte Verbindung zu einem anderen Lebewesen zu haben, um ihm das Leben zu retten und schließlich zurück in einen Menschen zu verwandeln. Diesmal einen mit echten Gefühlen, die über sein eigenes Ego hinausgehen.
The Emporer’s New Groove lebt vom Tempo und seinen überdrehten Figuren und markiert eine Abkehr vom „König der Löwen“-Drama hin zu einer Komödie mit einer Gagdichte, die es sicherlich vorher so nie gab und die auch später wieder seltener wurde. Für die Zuschauer im Jahr 2000 sicherlich ein bis zu Unkenntlichkeit verändertes Disney, was nicht sofort zum Erfolg geführt hat.
Plor, konntest und kannst du mit dieser 180 Grad-Wendung von Disney etwas anfangen?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 283: Ein Königreich für ein Lama – Anarchie in Disneyland Publishing Date: 2026-06-03T06:58:29+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/06/03/episode-283-ein-koenigreich-fuer-ein-lama-anarchie-in-disneyland/
Johannes Franke: Ich glaube, sie haben die Haltung entwickelt, jetzt ist es auch egal, jetzt machen wir einfach und werfen alles Mögliche rein an Absurditäten, die uns einfallen. Flo, ich hab meine eigene Melodie. Steig ein.
Florian Bayer: Ich will deinen Groove nicht kaputt machen.
Johannes Franke: Sonst fliegst du aus dem Fenster.
Florian Bayer: Weil wir wissen, was mit Menschen passiert, die den Groove eines Emperors kaputt machen.
Johannes Franke: Jawohl. Ja, herzlich willkommen ihr da draußen bei einer neuen Ausgabe des Muss-man-sehen-Podcasts.
Florian Bayer: Lass uns einen Disney-Film machen. Da gibt's nicht so viel zu recherchieren, hat er gesagt. Da wärst du schnell fertig mit den Produktionsnotizen, hat er gesagt.
Johannes Franke: Stimmt, ich hatte es letztes Mal gesagt, wir sollten mal wieder einen Film machen, der nicht so viel Recherche braucht. Möp, möp. Was hast du mir vorgeschlagen für diese Woche? Wir machen heute Kingdom of the Sun. Ach nee, Moment. Königreich für einen Lama. The Emperor's New Groove aus dem Jahre 2000. Der 40. Abendfüllende Zeichentrickfilm von Walt Disney. Wahnsinn, kannst du alle 40 aus dem Kopf aufzählen?
Florian Bayer: Schneewittchen.
Johannes Franke: Okay, gut. Also, wir haben The Emporers New Groove und ich nehme einfach mal an, dass ihr den alle irgendwie gesehen habt, oder? Nein, würde ich behaupten. Verdammt nochmal.
Florian Bayer: Also bei Lion King, wir wissen ja ungefähr, wie unser Publikum demografisch zusammengesetzt ist. Ja. Deswegen würde ich behaupten, wenn du sowas wie Lion King oder Aladdin oder die kleine Mähungfrau Ariel machst, hast du einen sicheren Treffer. Aber ich würde behaupten, Königreich für ein Lama gehört neben den Späten. später 90er Jahre Film, als erster 2000er Film, nicht unbedingt zu dem Film, den unsere Kernzielgruppe zwingend gesehen hat.
Johannes Franke: Stimmt ab, online, das war nur ein Clickbait.
Florian Bayer: Absolut. Und ich habe diesen Film ja auch nicht als Kind gesehen, weil ich einfach nicht mehr Kind war, als er rausgekommen ist, sondern als junger Erwachsener in unserer WG-Zeit, weil ihn jemand in die WG mitgebracht hat.
Johannes Franke: Aber das Geile ist, dieser Film ist gar nicht der Film, den ich auch mit meiner Kindheit verbinden würde, sondern das ist so... Da sind so viele Erwachsenengags drin, dass ich den tatsächlich eher als Disney-Film für Erwachsene gesehen habe.
Florian Bayer: Ja, es ist auf jeden Fall ein Film, der das gemacht hat, was viele Filme, viele Zeichentrickfilme und auch viele Kinderfilme in den 2000ern gemacht haben, wie zum Beispiel Shrek.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dass sie extrem selbstreferenziell sind, extrem viele Anspielungen haben auf Pop und Kultur und Politik und dementsprechend trotzdem für ein kindliches Publikum. ansehbar sind und auch Spaß machen, aber Erwachsenen nochmal einen Mehrwert bieten.
Johannes Franke: Ja, lass uns mal gleich in die Geschichte reingehen. Spoiler-Warnung, wir reden über alles Mögliche, was in dem Film passiert. Also wenn ihr noch nicht gesehen habt, geht gerne rüber und guckt ihn nochmal kurz. Er ist gar nicht so lang, er ist ja nur 70 Minuten lang. Ich sag euch nochmal kurz, worum es geht, dann könnt ihr eure Erinnerungen auffrischen und dann geht's in die Diskussion rein. Cusco, der Herrscher eines alten Inka-Reiches, findet sich in ein Lama verwandelt, im Schlamm. eines verregneten Waldes wieder. Wie konnte es dazu kommen? Er beteuert, unschuldig zu sein und keiner Fliege etwas zu leide tun zu können. Aber wir merken schnell, dieser spätpubertierende Diktator ist das Schlimmste, was je einem Land passieren könnte. Ein Idiot, der nicht mal versteht, was er da tut, als er seine Pläne offenbart, ein komplettes Dorf auszurotten, um ein Disneyland hinzubauen. Jupp, ein Disneyland als Evil Plan in einem Disney-Film. Also braucht es die faltige Isma und den treudofen Kronk, die ihn in einen Lama verwandeln und dann den einfachen Lama-Hirten Pacha, der ihm zeigt, was es bedeutet, eine echte Verbindung zu einem anderen Lebewesen zu haben, um ihm das Leben zu retten und schließlich zurück in einen Menschen zu verwandeln, diesmal einen mit echten Gefühlen, der über sein eigenes Ego hinausgeht. Der Film lebt vom Tempo und seinen überdrehten Figuren und markiert eine Ab- Abkehr von so König der Löwendramen hin zu einer Komödie mit einer Gagdichte, die es sicherlich vorher nie gab und auch später wieder seltener wurde. Für die Zuschauer im Jahr 2000 sicherlich ein bis zur Unkenntlichkeit verändertes Disney, was nicht sofort zum Erfolg des Films führte. Plor, konntest und kannst du etwas mit dieser 180-Grad-Wendung von Disney anfangen?
Florian Bayer: Wir müssen auf jeden Fall über die Produktion reden. Die ist nämlich wirklich ein Thema für sich. Und die Produktionsgeschichte von diesem Film ist komplett irre.
Johannes Franke: Und es macht sehr viel Spaß.
Florian Bayer: Um so einen First Take zu bringen. Dieser Film ist komplett anders als all die großen Disney-Meisterwerke, die wir in den 90ern hatten. Und manche sagen auch, das ist das Ende der Disney-Renaissance. Der großen Disney-Renaissance, die mit Ariel angefangen hat. Ich glaube, das ist Quatsch. Echt? Ich glaube, die Disney-Renaissance hat vorher schon aufgehört. Die 180-Grad-Wende in diesem Film erklärt sich dadurch, dass wir in den 90ern so ein Decline haben, sowohl bei den Kritikerreaktionen als auch bei den Publikumsreaktionen auf diese klassischen großen Disney-Ebenen. Und deswegen ist mein Hot-Take auf diesen Film, eigentlich hatten alle, die daran beteiligt waren, die dafür gesorgt haben, dass dieser Film das geworden ist, was er jetzt ist, den richtigen Riecher.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir müssen weg von diesen großen Disney-Ebenen. Wir können nicht nochmal einen Tarzan machen oder nochmal einen Glöckner von Notre Dame. Das werden immer weniger, die das gucken wollen. Es ist natürlich total traurig für den, der am Anfang hauptverantwortlich war, Roger Ellis. Aber ich glaube, es hatten alle den richtigen Riecher. Umso erstaunlicher finde ich es, dass dieser Film sich dann einreiht in den decline von Disney-Filmen, weil der war auch kein großer Erfolg beim Publikum.
Johannes Franke: Zumindest nicht initial.
Florian Bayer: Zumindest nicht initial, aber das ist das Entscheidende. Die Disney-Bosse gucken auf den Box-Office und da war er eher ein totaler Flop. Was ich wirklich überraschend finde, weil was dieser Film definitiv macht, ist frischer Wind in einem festgefahrenen Disney-Konzept aus der damaligen Zeit. Wir haben keine großen Musical-Nummern, wir haben keine große epische Handlung, kein großes Drama, wir haben kein Shakespeare, wir haben keinen Klöckner von Notre Dame, sondern wir haben eine Katastrophe. Cartoon-Geschichte,
Johannes Franke: was auch dazu führt, dass ich tatsächlich in diesem Film weniger emotional drin bin, wie bei, was weiß ich, in der König der Löwen-Straßparade-Beispiel. Bei König der Löwen heult man zwischendurch und bei diesem Film nicht ein einziges Mal. Es hat überhaupt gar keine gefühlige Note.
Florian Bayer: Und gleichzeitig würde ich sagen, es ist der beste Zeichentrickfilm seit König der Löwen. Es wurden danach noch andere gute wieder gemacht und so, aber ich finde dieses, was in den 90ern passiert ist mit Disney, was ja auch meiner Meinung nach dazu geführt hat, dass sie gesagt haben, wir machen jetzt diese 180-Grad-Wende. Ich glaube, es war gar nicht so sehr, dass sie unglücklich waren mit dem, was sie in den Screenings gesehen haben, sondern es war einfach, dass sie auf den Box-Office geguckt haben von den Filmen, die nach König der Löwen kamen und festgestellt haben, shit, das wird von Jahr zu Jahr weniger. Und die Kritiker sind auch nicht glücklich.
Johannes Franke: Ich glaube auch, dass es nicht nur damit zusammenhängt, dass es weniger am Box-Office wurde, dass schon auch, vor allem dann eben von ganz oben die Order, ihr müsst irgendwas besser machen als vorher oder anders. Aber diese beiden Menschen, die dafür gesorgt haben, dass das Ding immer wieder neu überdacht wurde.
Florian Bayer: Peter Schneider und Thomas Schumacher.
Johannes Franke: Genau, über die werden wir ausführlich reden, als das Projekt noch Kingdom of the Sun hieß. Aber die beiden, um das mal zusammenzufassen schon vorher, stolpern da genauso durch und wissen nicht, was es eigentlich werden soll und wie es eigentlich besser ist oder anders ist. Die wissen nur, irgendwas müssen wir anders machen. Aber was wir wollen, wissen wir auch nicht.
Florian Bayer: Und damit springen wir zurück ins Jahr 1994 zum erfolgreichsten Disney-Film der damaligen Zeit, König der Löwen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Regie Roger Ellis.
Johannes Franke: Ganz, ganz großartiger Film. Aber zwei Regisseure oft bei Disney, also meistens bei Disney, weil so einen Animationsfilm zu machen in dieser Größe ist ein Job für zwei Personen mindestens.
Florian Bayer: Und deswegen war Roger Ellis auch tatsächlich nur Co-Director.
Johannes Franke: Genau. Und das war auch sein erster großer Co-Director.
Florian Bayer: Erster großer Co-Director, er hat davor schon viel bei Disney gemacht, er war Storyboard-Artist in den 80ern, er hat ganz stark an der Geschichte von Little Mermaid mitgearbeitet, er hat an Allardien mitgearbeitet. Er war jemand, der tief involviert war in dieses Studio und er hatte mit Lion King diesen großen Erfolg. Und es war nach seiner Aussage, der ich glaube, weil ich finde, das ist ein unglaublich sympathischer und bodenständiger Mensch, wenn man Interviews hört, ging es einfach darum. dass er jetzt so ein bisschen Freiheiten hatte und dass sie gesagt haben, du machst uns den nächsten großen Hit. Dazu muss man sagen, nächster großer Hit heißt, zwischen Lion King und diesem nächsten großen Hit liegen noch ein paar andere Filme. Das ist einfach so. Disney-Filme brauchen immer viel Zeit in der Vorbereitung. Das heißt zwar, klar, er arbeitet fünf Jahre an diesem Film.
Johannes Franke: Natürlich. Bloß zur Vollständigkeit halber, damit der arme Regisseur von Lion King, der nicht genannt wurde, dass er auch noch einen Namen bekommt, Rob Minkoff. Und das ist der große Name bei König der Löwen. Roger Ellis ist ein kleines bisschen dann untergegangen und wirklich als Co-Regisseur an zweite Stelle gerückt oder an dritte, vierte, fünfte, weil so viele andere Leute noch genannt werden. Und hier hatte er eben seine Chance, seinen großen Namen darauf zu werfen.
Florian Bayer: Und er hat ein Projekt im Kopf und zwar Kingdom of the Sun.
Johannes Franke: Das übrigens total geil klingt.
Florian Bayer: Das total geil klingt. Und er hat das Michael Eisner, dem damaligen Disney-CEO, gepitcht. Und Eisner hat gesagt, geil, mach's. Das ist der neue große Disney-Film. Nach, was haben wir noch in der Pipeline? Okay, da kommen noch Pocahontas und wir haben noch Glöckner von Notre Dame, woran wir arbeiten.
Johannes Franke: Mit den Dinosauriern ist doch noch irgendwas.
Florian Bayer: Wir haben noch ein paar andere große Filme, aber lass dir Zeit. Du kriegst deine paar Jahre, die jeder Disney-Film kriegt.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und du machst den nächsten großen Film. Leg los Großartig. Roger Ellis hat gesagt, natürlich lege ich los. Voll geil. Also die grundsätzliche Idee ist ja
Johannes Franke: Inka-Kultur gewesen.
Florian Bayer: Und zwar auch ein Trend bei Disney damals, dass sie gesagt haben in den 90ern, wir können nicht immer auf diese europäischen Stoffe gehen. Wir müssen irgendwie unser Repertoire erweitern. Und es geht darum gar nicht, was jetzt in den 2020ern oder 2010ern Disney vorgeworfen werden würde, dass sie so woke geworden sind oder so. Es ging wirklich einfach nur darum zu sagen, wir brauchen Abwechslung. Und ein Ergebnis war ja unter anderem König der Löwen, das halt diesen kenianischen Einschlag hatte.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und ein Ergebnis war Pocahontas, wo sie gesagt haben, wir gucken uns mal so Native-Geschichten an. Und ein Ergebnis sollten dann später auch nochmal andere Filme werden, die in anderen Setups spielen.
Johannes Franke: Die auch heute, finde ich, das viel besser drauf haben, muss ich sagen, als die in den 90ern.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Also da merkt man schon eine Entwicklung und auch so eine Diskussionskultur darum, was jetzt Repräsentation eigentlich wirklich bedeutet.
Florian Bayer: Aber die Idee war, wir machen Inka. Wir machen irgendwie Südamerika. Wir reisen dahin und beschäftigen uns mit Machu Picchu und den Inka und den ganzen Cusco und alles, was damit irgendwie zusammenhängt. Und das haben die auch tatsächlich gemacht, wie das Disney-Leute machen, wenn sie recherchieren. Sie bezahlen sich teure Reisen.
Johannes Franke: Und dann sind die da rum hingeflogen und dann haben die sich Sachen angeguckt. Genau. Und die haben natürlich alles Mögliche da mitgebracht. Die haben Muster mitgebracht, die haben Farben mitgebracht, die haben... viel Kultur mitgebracht, die sie sich dann einverleibt haben. Sagen wir es so. Wie Disney das damals gemacht hat. Wie sie es beim König der Löwen gemacht haben und bei Aladdin.
Florian Bayer: Und ich finde, sie haben es damals schon, sie machen es heute besser, sie haben es damals schon okay gemacht.
Johannes Franke: Es ist okay, aber wenn man sich jetzt das Endprodukt von diesem Film anschaut, müssen wir da nochmal genauer drüber reden. Aber die Absicht, die ursprüngliche Absicht war ein bisschen besser als das, was der Film quasi dann macht. Zumindest was Repräsentation von Kulturen betrifft. Und nur um das kurz zu sagen, ganz viel Informationen darüber findet ihr auch in dem Film The Sweatbox. Den habe ich mir angeschaut und Plora hat auch angeschaut, ne?
Florian Bayer: Ja. Sweatbox erzählt die Entstehungskirche des Films, aber so weit sind wir noch nicht.
Johannes Franke: Bloß, dass ihr das wisst, es gibt diesen Film und viel davon kommt aus diesem Film auch. Unter anderem gibt es eben dort auch Ausschnitte, wie sie dort gewesen sind, Camcorder-Aufnahmen. wie sie da in Peru rumrennen und sich Sachen anschauen.
Florian Bayer: Und total fasziniert sind und dann auf die Lamas stoßen. Auch irgendwie so die Lamas, als sie den Kopf haben.
Johannes Franke: Es war einfach klassische Story-Entwicklung bei Disney.
Florian Bayer: Passt auf, wir versuchen die Timeline einigermaßen hinzukriegen. Es sind nämlich immer wieder während dieser Produktion Sachen passiert, die ich kurz einwerfen werde, die auch in Sweatbox nicht erwähnt werden, die aber ganz spannend sind. Und wir sind jetzt im Zeitraum 1995, 1996. 1995 ist was passiert. Pocahontas kommt raus, der eigentlich als der große Film geplant war. The Lion King war eigentlich als das kleine Side-Project geplant. nicht so viel Budget, nicht so großen Leuten und so weiter. Pocahontas war eigentlich der große Film. Pocahontas kommt raus, gemischte Kritiken, 55 Millionen Budget, 346 Millionen Box-Office. Was war das für eine verdorbene Zeit, in der dieses Ergebnis am Box-Office als kleine Enttäuschung galt. Die haben 55 Millionen in den Film investiert, haben 346 Millionen gemacht,
Johannes Franke: die waren enttäuscht. Pocahontas war nicht das,
Florian Bayer: was sie erwartet haben an Geld, was sie eingespielt haben.
Johannes Franke: Also Disney ist gewohnt, mindestens das Fünffache rauszuholen aus dem, was sie da reingeworfen haben an Geld. Back to Kingdom of the Sun. Ja,
Florian Bayer: sie kommen mit Ideen zurück und sie entwickeln die erste Story für diesen Film.
Johannes Franke: Die erste Story ist runtergebrochen, was auch dieser Film noch ein bisschen macht. Ein einfacher Mann aus dem Volke bringt dem arroganten Herrscher bei, wie das eigentlich geht mit dem Herrschen. Im Wesentlichen ist es das.
Florian Bayer: Dazwischen wird der Herrscher in einen Lama verwandelt, verliebt sich in eine Lama-Hirtin, während sich der einfache Hirte, der übrigens ein exakter Zwilling des Königs ist, als Scheinkönig im Palast zurechtfinden muss, weil er von der bösen Isma dazu gezwungen wird, den König zu spielen, weil ihm gedroht wird, dass er umgebracht wird. Sie will übrigens die Sonne zerstören, die angebetet wird von den Ismars. Inkas.
Johannes Franke: Ja, Isma ist auch hier in dieser Version sehr alt und faltig und macht die Sonne dafür verantwortlich, dass sie so alt und faltig aussieht und will deswegen die Sonne zerstören. Einfach aus. Ich will wieder jung aussehen.
Florian Bayer: Der Scheinkönig, also der einfache Hirte, verliebt sich auf jeden Fall in die Frau des Königs, während der König sich als Lama in diese Lama-Hirten verliebt. Und beide lernen, dass das Leben doch eigentlich lebenswert ist, dass sie nett zueinander sein müssen und es gibt natürlich das große Disney Happy End. Ein großes Epos. Wie sich's für Disney gehört, mit coolen Songs. Es gibt einen unfassbar geilen Willensong von Isma.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Den wir in diesem, in The Sweatbox auch hören können, der es auch auf den Soundtrack geschafft hat. Gesungen von Urfa Kid, die ganz großartig ist. Ganz großartige Urfa Kid. Der es nicht in den fertigen Filmen schaffen wird, wie viel es nicht. 1996 ist passiert was zweites. Der Glöckner von Notre Dame kommt raus. Der nächste große Disney-Film. Glöckner von Notre Dame. Ich sage euch ganz kurz die Zahlen, damit wir einmal auf derselben Wellenlänge sind. Budget 70 Millionen, Box-Office 325 Millionen. Was war das für eine Enttäuschung? Riesige Enttäuschung, noch größere Enttäuschung als Pocahontas.
Johannes Franke: Übrigens, möchtest du Tee, Flor? Oh ja. Während du Zahlen verliest.
Florian Bayer: Und währenddessen arbeiten aber Roger Ellis und Matthew Jacobs, der einer von seinen Autoren war, gemeinsam weiter an dem Skript. und sie haben auch eine Idee. Idee, wer die Musik zu diesem Film beisteuern könnte. Sie wissen natürlich, Tatsachen wird von Phil Collins gesungen, König der Löwen wurde von Elton John gesungen. Es gibt nur einen Logischen, der jetzt diesen Film singen muss.
Johannes Franke: Und wenn ihr den Abspann gehört habt, dann wisst ihr das auch. Aber wenn ihr den nicht im Kopf habt, dann weiß das keine Sau mehr. Es war Sting. Es ist so schlüssig. Wenn du für deine vorherigen Filme Elton John und Phil Collins hast,
Florian Bayer: kannst du nur an einen Namen denken und zwar Sting. Unseren großen 80er-Helden Das Alien in New York, der Englishman, der lieber Tee trinkt als Kaffee.
Johannes Franke: Und man darf nicht vergessen, was für eine große Nummer Sting zu der Zeit war. Wirklich eine riesige Nummer. Und wenn wir dann gleich dazu kommen, was alles auf dem Produktionswege passiert ist und wie viel Sting dafür gearbeitet hat, ohne dass das alles wirklich Verwendung gefunden hätte, dann ist das wirklich hart, wie Disney mit diesem unglaublichen Popstar umgegangen ist.
Florian Bayer: Sting sagt, geil, ich mache euch die Musik für diesen Disney-Film. Natürlich, Elton John hat einen Oscar gekriegt für den Shit. Ich mache euch total gerne die Filmmusik. Passt mal auf meine Frau, Trudy. Trudy Styler, die ist Regisseurin.
Johannes Franke: Ja, und die könnte doch einen Dokumentarfilm machen.
Florian Bayer: Ja, und Trudy Styler packt sich die Kamera auf die Schultern. Sting fährt ins Studio und nimmt Songs auf. Übrigens auch ganz typisch Disney. Die haben sowohl Songs als auch Voice-Acting haben die meistens vor den Zeichnungen aufgenommen. Das heißt, es wurde extrem viel gemacht, damals noch mit Owen Wilson, der eigentlich den Hirten spielen sollte.
Johannes Franke: Weil der Hirte halt damals 18 sein sollte, wie eben der Prinz auch, damit die Verwechslungsgemüde irgendwie gespielt werden kann.
Florian Bayer: Das heißt, wir haben jetzt einen Moment, wo eine Kamera dabei ist bei dieser Produktion und das ist einzigartig für einen Disney-Film. Johannes hat das Wort gesagt, The Sweatbox. Wir werden über diesen Film nachher noch kurz sprechen. Das, was sie aufzeichnet, wird zu diesem Dokumentarfilm The Sweat. Redbox werden. Dieser Dokumentarfilm wird von Disney natürlich vertrieben, weil Disney für sowas verantwortlich ist, weil Disney sagt, klar darfst du den Film machen, aber der gehört uns.
Johannes Franke: Und vertrieben ist leider ein Euphemismus für in den Giftschrank gesteckt, weil in diesem Film nicht unbedingt alle Leute in Disney richtig gut wegkommen. Disney macht mit diesem Film das... was George Lucas gemacht hat mit dem Star Wars Christmas Special.
Florian Bayer: Sie sagen, wenn wir weiterhin ernst genommen werden wollen, darf niemand davon erfahren, was bei dieser Produktion passiert ist.
Johannes Franke: Dabei ist es eigentlich eher süß als alles andere. Ich finde es total süß.
Florian Bayer: Ich verstehe es nicht. Du schaust dir das an und siehst, ja, dieser Film wird sich sehr verändern im Laufe der Produktion. Und alle, außer Sting, alle gehen unglaublich erwachsen damit um.
Johannes Franke: Also ich finde Sting als Musiker, als Künstler, finde ich es vollkommen okay, auch wie er reagiert. Ich finde es natürlich geil, dass er irgendwie fünfmal, glaube ich, in der ganzen Zeit gesagt hat, ich mache nicht mehr mit und sich dann wieder überzeugen lassen, weiterzumachen. Aber es ist auch für das, was ihm alles so weggenommen wurde wieder, ist es schon auch bitter. Und da würde ich, glaube ich, auch ein, zweimal sagen, Leute, also entweder hopp oder flopp.
Florian Bayer: Also hier ist, was passiert ist. 1997. Herkules kommt raus. Der nächste große Disney-Film. Flop,
Johannes Franke: meinst du?
Florian Bayer: Der nächste große Disney-Film aus dem Jahr 1997. Hercules, 85 Millionen Dollar Budget, teurer, 30 Millionen teurer als die Filme davor. Box Office, 252 Millionen. Merkt ihr es, wie die Kurven von dem Box Office runtergehen, während die Budgets hochgehen?
Johannes Franke: Sie versuchen es. Sie werfen immer mehr rein, um zu hoffen, dass es noch besser wird, aber es wird einfach immer schlechter am Box Office. Es gibt weniger Geld.
Florian Bayer: Und dann gucken Produzenten auf die Geschichte? Und zwar unter anderem Randy Filmer. Die gucken auf die Geschichte von Kingdom of the Sun. Die machen die ersten Screenings. Die gucken da drauf und sagen, it's a mess.
Johannes Franke: Irgendwas funktioniert nicht. Irgendwie passiert hier was und passiert dort was. Es sind zu viele Sachen auf einmal. Was ist mit der blöden Sonne los? Warum sind die beiden Figuren gleich? Ach so, das soll eine Verwechslungs-Comedy sein. Nee, irgendwie passt das nicht. Ich weiß nicht genau, ob ich die Kritikpunkte überhaupt gut finde, ehrlich gesagt. Aber ich verstehe, dass man eben... diffuse Bedürfnisse hat, etwas anders zu machen. Und dann versucht man, Stellvertreterkriege zu führen. Hier an der Stelle muss doch irgendwas falsch sein, damit wir endlich was anders machen. Aber sucht doch bitte, sucht was anderes. Warum heißt der Film von Trudy Styler Sweatbox? Der Film Sweatbox heißt deswegen so, weil... die in einem Raum gesessen haben für das Feedback, in dem kein Air-Conditioning war. Die haben da gesessen und haben sich zu Tode geschwitzt, wenn draußen warm war, weil einfach kein Air-Conditioning drin war. Und das Schöne ist, man schwitzt halt auch, wenn einem die ganze Zeit gesagt wird, Alter, das ist totaler Scheiß, den du da gemacht hast. Und die sind wirklich nicht zurückhaltend mit ihrer Kritik, muss man sagen.
Florian Bayer: Also, Michael Eisner setzt zwei Leute ein, die bei diesem Film... mitarbeiten sollen und die ein bisschen gucken sollen, was man verbessern könnte. Und zwar ist es auch so ein typisches Disney-Film. Es ist ein Disney-Prozedere. Der Film wird gescreent in einer frühen Version.
Johannes Franke: Und deswegen sind die auch so teuer, weil die nämlich für ein Screening schon so weit gebracht werden, dass man sie angucken kann. Also es ist schon arschteuer überhaupt dahin zu kommen, dass sich Leute aus dem Unternehmen Disney das angucken können und auch legit sagen können, okay, ist geil oder ist nicht geil.
Florian Bayer: Es gucken sich mehrere Leute an und das sind wirklich nicht einfach nur Spin Doctors, die sind da, um dich und dein Werk fertig zu machen. In dem Film des Wetbox vergleicht es jemand damit, dass du mit runtergelassener Hose und abgeschnittenen Händen in diesem Raum stehst. Dein Film wird gezeigt, du kannst deine Hosen nicht hochziehen. Es ist total awkward, du bist hilflos und dann werden so Sachen gesagt wie, ich finde vor allem Thomas Schumacher ist brutal. Der sagt danach, ich hatte keinen Spaß an diesem Film. Dieser Film ist kacke. Der sagt das so direkt. Keine Sandwich-Kritik oder sowas. Da sind gerade 80 Minuten gelaufen, auf die alle stolz sind und alle glücklich sind. Und dann guckt Schumacher da drauf und sagt, ich bin der Arschätz in dieser Runde. Passt auf, das ist alles Mist. Das geht alles gar nicht. Ich will sowas nicht sehen.
Johannes Franke: Ich habe nicht ein einziges Mal gelacht. Wobei wir nicht wissen, wie viel Sandwich da wirklich drin war. Weil es ist ein fucking Dokumentarfilm. Natürlich schneidet sie vorne und hinten was weg. Also wir wissen nicht, wie die Gespräche nun hundertprozentig gelaufen sind.
Florian Bayer: Natürlich. Es ist die Frau von Sting wohlgemerkt, die diesen Film gemacht hat. Genau. Und Sting hatte am Schluss am meisten Beef mit der ganzen Produktion, weil Sting der war, der unter der Schere am meisten mitgelitten hat.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was passiert? Mac Dinder wird angeheuert, um als zweiter Regisseur mit drauf zu gucken und mit Roger Ellers zusammenzuarbeiten, um den Film zu verbessern. Der Film wird in diesen Screenings fertig gemacht und Bis zu dem Punkt, dass irgendwann Thomas Schumacher und Peter Schneider sagen, okay, Tabula Rasa, es ist echt nicht geil, was wir hier haben. Wir müssen was komplett Neues finden. Wir machen jetzt einfach mal zwei Gruppen und jeder entwirft komplett neue Ideen. Seid kreativ mit dem Material, was wir bisher haben. Versucht, irgendwas draus zu machen. Versucht, komplett neu zu denken. Out of the box. Überlegt euch, was ihr tun solltet. Und das ist so geil. Es gibt dann diese Räume, wo die arbeiten, die Writers. Und die Crew, die draußen steht, sagt... Es sind ganz viele Gerüchte im Umlauf. Wir wissen nicht, was davon stimmt. Es heißt, es soll raus aus der Inka-Welt. Es soll nach Jamaika gelegt werden. Und wir haben gehört, Sting ist raus. Was viele öfter mal gehört haben. Nebraska? Es sollen Schafe statt Lama sein? Es sind Gerüchte rumgeflogen. Es war auf jeden Fall klar, was in diesen Writers Rooms passiert ist, dass der Film komplett neu gedacht wird.
Johannes Franke: Es gibt einen ganz tollen Zusammenschnitt, finde ich. wie die kurz vorher richtig fertig gemacht wurden. Die haben ein Interview mit den Regisseuren, die noch selbstbewusst sagen, ja, ist ganz geil, was wir bis jetzt haben. Ich hoffe, dass das jetzt nicht zu schlimm wird, weil normalerweise wird man fertig gemacht, aber so schlimm wird es schon nicht werden. Dann werden die fertig gemacht, dann wird festgelegt, da kommen noch andere Leute rein und erzählen denen, wie es eigentlich geht. Und dann sitzen wir in diesem Raum voller Leute, die gerade fertig gemacht wurden und andere sagen, oh, ich habe die Idee, ich habe die Idee, ich habe die Idee und ich habe die Idee. Und man denkt sich, Die... armen Säue. Die sitzen da und denen wird alles um die Ohren gehauen.
Florian Bayer: Roger Ellers vor allem. Wir haben diese eine Szene, wie Roger Ellers da steht vor einer Meute von Autoren, die ihre Ideen reinwerfen und es sieht aus wie ein Häufchen Elend.
Johannes Franke: Absolut. Und dann muss sie ja direkt nach diesem Fertigmachen ein Interview geben und sagen, nee, nee, alles gut. Das gehört zum Prozess dazu. Ich komme schon klar. Und versucht so optimistisch wie möglich zu bleiben.
Florian Bayer: Es haben sich wohl zwei Schulen herausgebildet in diesen Writer Rooms. Und zwar die eine Schule, die sehr an Roger Ellers ursprünglicher Idee hing und versuchte davon so viel wie möglich zu retten. Und die zweite Schule, so wird es jetzt kolportiert, die stark an Martin Dell hing, die gesagt hat, wir machen mehr Comedy, mehr Cartoon, mehr Action, weniger Disney Epos. Und wie wir erfahren werden, wenn wir diesen Film gucken, ziemlich schnell, die zweite Schule hat ganz eindeutig gewonnen.
Johannes Franke: Ja, aber es ist kein... Kein schneller, gradliniger Prozess, sondern ständig passiert irgendwas anderes und ständig bekommt irgendjemand gesagt, der irgendeinen Charakter zeichnet, ach übrigens, eine Figur ist raus. Nächste Woche kommt er wieder und sagt, eine Figur ist wieder drin und ist viel größer als vorher. Und nächste Woche kommt wieder jemand, ah. Wir haben ihn wieder umgebracht, sorry. Und so ständig ändert sich das. Und Sting sagt irgendwann zwischendurch, ich will mein Leben zurück, was ist los?
Florian Bayer: Sting hat vor allem Arbeit. Sting sagt, ey, ich bin Musiker, ich weiß nicht, ich sitze hier gerade und ich weiß überhaupt nicht, was abgeht.
Johannes Franke: Ich will auch mein nächstes Album vorbereiten. Und ich kann nicht gleichzeitig Album vorbereiten und für euch irgendwelchen Scheiß schreiben.
Florian Bayer: Das Ergebnis des Prozesses ist auf jeden Fall, die zweite Schule gewinnt. Und sie sagen, okay, wir machen jetzt diese... absolut absurde Comedy-Version und Roger Ellis sagt, Leute, mit allem Respekt, total geil, macht das euer Ding, ich will euch nicht im Weg stehen, aber das ist nicht mehr mein Film. Und Roger Ellis, was für ein gerader Typ, mit einem Lächeln auf den Lippen, was nicht falsch ist, sagt, ich bin raus hier. Das ist nicht mehr mein Film, es ist total okay und ohne böses Blut.
Johannes Franke: Nein, der wünscht denen wirklich, wirklich alles Gute. Es ist halt nicht seine Vision und dann macht er lieber Sachen, die irgendwie mehr zu ihm passen, aber er wünscht dem Film trotzdem Dass der erfolgreich wird und dass er wirklich das wird, was sie sich wünschen am Ende.
Florian Bayer: Wer nicht so reagiert, ist Sting, als er am Telefon erfährt, dass seine Songs zu 99% gestrichen wurden.
Johannes Franke: Der sitzt zwischendurch da und sagt so einen Satz wie, I've never been fired before. Und ist völlig irre, weil er überhaupt nicht weiß, was passiert hier, was mache ich hier jetzt eigentlich noch? Bin ich noch drin? Bin ich draußen? Was von meinem Zeug wird verwendet und was nicht? Und am Ende... Wenn wir den Film sehen, es gibt einen Abschlusssong und der Anfangssong, der nicht nach Sting klingt, ist aber auch von ihm geschrieben.
Florian Bayer: Ist von ihm geschrieben,
Johannes Franke: aber nicht von ihm gesungen, weil er selber gesagt hat, ich bin für diesen Song zu alt, den muss jemand anders singen. Und dann haben sie Tom Jones genommen. Sie haben fucking Las Vegas genommen.
Florian Bayer: Und es passt natürlich total. Sie haben aus dem großen Sting-Pathos einen... Las-Vegas-Song gemacht.
Johannes Franke: Aber Tom Jones ist älter als Sting.
Florian Bayer: Aber Tom Jones ist gleichzeitig auch alterslos. Ja, das stimmt vielleicht. Wenn ihr ein wirklich awkward Telefonat gucken wollt, in dem Film Sweatbox sieht man das Telefonat, wie Fulmer von Disney mit Sting telefoniert und ihm sagt,
Johannes Franke: du pass auf, was deine Songs betrifft, die du da geschrieben und gesungen hast. Oh, es ist so gut. Es könnte keiner besser inszenieren. Die Realität ist in diesem Fall einfach das unterhaltsamste überhaupt. Weil es so furchtbar awkward ist, wie er verzweifelt versucht, die Worte zu finden, stinkt, zu sagen, es ist alles aus. Es gibt nichts mehr von diesem Film.
Florian Bayer: Wir haben übrigens dazwischen noch Mulan, der noch recht erfolgreich ist. Zumindest im Vergleich zu Klöckner von Notre Dame und Herkules, aber auch als Enttäuschung wahrgenommen wird. Und dann haben wir 1999 Tarzan, unseren Phil Collins Film, der auch ganz gut erfolgreich ist, aber das sollte wirklich... der letzte große, das letzte große Disney-Renaissance-Epos seit langer Zeit sein. Übrigens, alle diese Filme, von denen ich jetzt rede, abgesehen von Herkules, Herkules mag ich, finde ich sehr durchschnittlich. Tarzan, Pocahontas ist wirklich, Pocahontas ist kein guter Film, also er ist auch schlecht gealtert.
Johannes Franke: Ich kann es nicht genau sagen, weil ich tatsächlich damals auch so unterwältigt war, dass ich nichts davon in Erinnerung habe und deswegen weiß ich nicht genau, wie ich es fand. Es gibt ja so viele Leute, die ihn auch toll finden, Pocahontas. Es gibt so viele Fans von Pocahontas.
Florian Bayer: Mulan ist noch ganz cool. Übrigens, Mulan ist auch so ein schönes Beispiel dafür, wie Sie sagen, jetzt gucken wir mal in die asiatische Kultur.
Johannes Franke: Gleiches Problem für mich leider. Ich habe Mulan auch so wenig Erinnerungen, dass ich überhaupt nicht mehr weiß, ob der jetzt gut war oder nicht.
Florian Bayer: Aber ansonsten ist diese zweite Hälfte der Disney-Renaissance nach König der Löwen, finde ich, nicht nur Box-Office-technisch, sondern auch als Zuschauer. Ein bisschen unterwältigend, wenn man sich anguckt, woher wir kommen. Wenn wir von Die Schöne und das Biest, von Aladdin, von Ariel kommen. Und dann haben wir den Klöckner von Notre Dame. Es ist kein schlechter Film, aber echt, es ist einfach nicht.
Johannes Franke: Das krasse ist, wir haben ja vorhin schon ein bisschen angesprochen, wie teuer dieser Prozess ist, in dem nämlich tatsächlich wahnsinnig viel gemacht wird. Die Musik wird komponiert, während die Animation noch nicht einmal steht und alles überhaupt erst an den Geschichten rumdoktert. Also es wird wahnsinnig viel Produktionsaufwand betrieben, bevor überhaupt klar ist, ob wir das jetzt so machen oder nicht. Das heißt, wir haben bis zu diesem Punkt, an dem wir jetzt sind. Der ursprüngliche Regisseur ist raus, Mark Dindle ist übrig. Sie haben schon 100 Millionen US-Dollar verbraten. Und an dem Moment sagen sie, wir haben noch anderthalb Jahre Zeit, um es komplett neu zu machen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Völlig absurd.
Florian Bayer: Und dann guckt Disney drauf, also Eisner vor allem, und sagt, Leute, wir haben einen Deal mit McDonald's. Und McDonald's versteht keinen Spaß, wenn sie Merchandise rausbringen und der Film nicht läuft. Wir müssen diesen Film fertig kriegen.
Johannes Franke: Es koste es, was es wolle. Ich glaube, sie haben die Haltung entwickelt, jetzt ist es auch egal, jetzt machen wir einfach und werfen alles mögliche rein an Absurditäten, die uns einfallen. Weil im Grunde haben sie jetzt einen Freifahrtschein. Die zwei Leute, die jetzt die ganze Zeit gesagt haben, nee, das funktioniert nicht. Das kannst du nicht, das kann nicht mehr. Die sind auch so unter Druck, dass überhaupt was passiert, dass sie eigentlich sagen, okay, ihr habt jetzt einen Freifahrtschein und den nutzen die.
Florian Bayer: Die Animationsarbeiten haben im Mai 1999 begonnen, die eigentlichen. Das ist extrem spät, wenn man bedenkt, dass das Ding ein Jahr später rauskommen sollte. 400 Künstler haben sie beschäftigt, 300 Techniker und die haben einfach wie wild gemacht und wie wild geklöppelt. Und ich finde diese Eile. Diese Hektik, die es im Schlussprozess der Produktion gibt, die spürt man in diesem Film auch. Es gab dazwischen noch Eisner, der auf den Tisch gehauen hat und gesagt hat, ey Leute, gleich habt ihr gar kein Projekt mehr und dann sitzt ihr alle auf der Straße. Weil Eisner war nicht dafür bekannt, ein umgängiger Typ zu sein, wenn es darum ging. Und Eisner war sowieso angespannt, weil der wurde 1999 von Katzenberg verklagt.
Johannes Franke: Ach Gott, ja stimmt.
Florian Bayer: Der Disney verlassen hatte 1994 und der dann gesagt hat, ich will von euch 200 Millionen Dollar oder sogar noch mehr.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann Dreamworks mit Steven Spielberg gegründet hat, gesagt hat, jetzt mache ich einfach mein eigenes Animationsstudio. Da hatten plötzlich alle Panik. Es war ja auch so harte Erinnerungen an die 80er, als Don Pluth gesagt hat, ich mache mein eigenes Animationsstudio. Und Disney am Boxoffice mit sowas wie Fiebel der Mauswanderer geschlagen hat. Es war keine gute Stimmung.
Johannes Franke: Ich muss sagen, und jetzt kommen wir zum großen Block der Änderungen und des visuellen Designs und so. und der Geschichtenänderung. Sie haben 100% die richtigen Entscheidungen für dieses Budget getroffen. Ich bin wahnsinnig beeindruckt davon, dass sie unter Druck es geschafft haben, all diese richtigen Entscheidungen zu treffen. Es gibt nicht mehr diese ganze Geschichte mit die Sonne einfangen und so und diese Zwillingsgeschichte ist komplett weg, sondern sie haben wirklich, ich habe das Gefühl, sich ein bisschen am Dschungelbuch orientiert.
Florian Bayer: Mit dem episodischen meinst du?
Johannes Franke: Mit diesem, wir konzentrieren uns auf die Figuren. Gucken, wie sind die drauf und wie können die miteinander bickern und da den Humor rausholen und der Rest der Story ist relativ gerade. Du hast einen Roadmovie von das Lama ist bei Pacha gelandet und der muss zurück in seinen Palast. Das war's. Und das ist es ja im Grunde und da bewegen wir uns und das finde ich total geil, weil ich auch... Das Dschungelbuch total geil finde dafür, dass die Story eigentlich nicht das große Ding ist, sondern dass die Figureninteraktion den ganzen Humor und die ganze Liebe ausmachen von dem Film.
Florian Bayer: Ich finde, man merkt es ganz krass auch in der Art, wie gezeichnet es ist. Wir haben Karikaturen von Figuren, es sind alle Figuren drüber. Wir haben eine Reihe an Facial Expressions, die man so in Disney-Filmen nicht gesehen hat, die man eher aus TV-Cartoons kennt. Es ist auch so, diese... Dadurch entsteht ja auch diese Reminiscenz an die klassische Trickfilmzeit. Viel Slapstick, viel irre und viel schnelle Bewegung, viel Hektik, viel Panik. Der Film scheint die ganze Zeit irgendwie so in Bewegung zu sein. Es gibt einfach diesen Groove. Ich meine, der Film heißt Emperor's New Groove letzten Endes, nicht Kingdom of the Sun. Und das merkt man auch, dass dieser Film, der hat einfach so ein Tempo. Und obwohl praktisch keine Songs drin sind, außer dem Tom-Jones-Stück am Anfang, das ja ein Stink-Stück ist eigentlich, haben wir einfach einen Rhythmus, der entsteht durch dieses Papa, Papa, Papa. Bar der Action-Szenen. Das ist ein unglaublich actionreicher Film.
Johannes Franke: Kennst du die UPA? United Productions of America? Das scheint ein Studio gewesen zu sein, das mir nicht so richtig viel sagt, aber in den 40ern von ehemaligen Disney-Animatoren gegründet worden ist. Von John Habley. Das war nach dem Autorenstreik 1941 und die wollten dem Bestreben von Disney in den Realismus mehr reinzugehen. Dem wollten sie entgegen gehen. Und die haben eine Limited Animation betrieben. Also sie haben stark abstrahiert mit flachen Designs gearbeitet. Und daran hat sich dieser Film orientiert.
Florian Bayer: Spannend, ja.
Johannes Franke: Und das finde ich auch total spannend, weil sie wirklich in die Vergangenheit geguckt haben, okay, wo haben wir mit heutigen Mitteln mehr Chancen, das in kürzester Zeit hinzukriegen. Und dann haben die halt dorthin geguckt. Und dann haben die gemerkt, aha, okay, wir brauchen Hintergründe, die relativ minimalistisch gehalten sind, aber trotzdem imposant aussehen auf eine gewisse Art und Weise. Und wir lassen alles in diesen Figuren passieren und haben viel so eine abstrakte Bildsprache. Total geil. Außerdem der Einsatz von sogenannten Smear Frames, um den Humor zu bringen, indem sie nämlich schnelle Bewegungen nicht... mit vielen einzelnen Frames gemacht haben, sondern schnelle Bewegungen. Da hast du ein oder zwei Frames dazwischen, wo die Figuren total langgezogen sind oder wo sie einfach ihre Dimensionen verlieren, die sie normalerweise haben. Und dadurch so eine Schnelligkeit entsteht, die du sonst mit einzelnen Frames, realistischen Einzelframes nicht hinbekommst. Das ist das typische alte Cartoon-Ding. Wenn jemand irgendwo losrennt, dann bleibt der Kopf noch ganz lange an der Einzelne. Endenstelle, während die Beine schon vorne sind und der Körper wird langgezogen. Das ist ein typischer Smear-Frame. Und das ist super geil. Und das haben die hier tatsächlich auch benutzt. Allerdings wirklich nur mit so ein, zwei Frames, um dieses Gefühl zu haben. Und dadurch entsteht so ein krasser Effekt. Ich weiß nicht, ob dir das aufgefallen ist in der Animation, aber ganz oft hast du so einen langsamen Start in die eine Richtung, um dann wahnsinnig schnell in die andere Richtung loszurennen. Finde ich total geil. Ich liebe diese Animationstechnik.
Florian Bayer: Es hat einfach so einen ganz eigenen Charme. Es ist komplett weg von diesem, was wir aus der Disney-Renaissance kennen, diese detailreichen Hintergründe, diese Szenarien. Wir haben hier stattdessen Farbwände, egal ob im Cuscus-Palast oder in der Natur. Wir haben wirklich einfach einfarbige Hintergründe mit so ein bisschen Schattierung, aber da passiert nicht viel, da gibt es nicht viele Details. Und dann haben wir die Figuren, die ganz viel machen, so mit sehr verzerrten Farbwänden. Kartenbewegungen, auf jeden Fall genau. Ich hätte es jetzt nicht so benennen können, aber genau das, diese Pausen, dieses Stop and Go. Und wir haben unglaublich viel Kameraarbeit. Dieser Film hat für einen Disney-Film unglaublich viel dynamische Kameraarbeit. Dollyfahrten, Zoom-ins, Zoom-outs, auch bis ins Extrem, zum Beispiel diese Szene, wenn Kronk, das Lama, den Wasserfall runterwerfen will und dann fährt die Kamera ganz weit raus. Und wir sehen diesen riesigen Palast und dann bleibt die Kamera stehen an diesem Ast, wo der Affe kommt.
Johannes Franke: Super geil. Ich finde, dass das ganz großartig, aber auch theaterhaft ist dadurch. Du hast so wie gemalte Hintergründe bei einer alten Theaterbühne aus dem Barock Rokoko oder so diese Dynamik, die dadurch entsteht, finde ich großartig. Peter Pan ist, glaube ich, auch so ein bisschen in die Richtung gemacht, dass es ein bisschen mehr theaterhafter ist. Und dann gibt es eben ganz klare Stellen, wo viel Licht ist. wo man dann hinguckt und der Rest ist mehr Hintergrundgespiele.
Florian Bayer: Ja, ich finde tatsächlich, also ich würde noch den Expressivismus reinwerfen.
Johannes Franke: Ja, absolut. Kein Witz, wirklich. Würde ich noch mit rein, ja.
Florian Bayer: Diese extremen Bilder, die sehr viel auch einfach mit Formen arbeiten. Wir haben wirklich sehr einfache geometrische Formen teilweise und dadurch gar nicht so ein, was man vielleicht erwarten würde, wenn man ein Inka-Reich hat, gar nicht so ein Dschungelsetting, wo alles lebendig wirkt, sondern es wirkt alles sehr stilisiert.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es wirkt sehr, sehr artifiziell. und nicht traumhaft, aber so aufgekratzt. Und dieses Expressionistische hast du ja auch in klassischen Cartoons teilweise drin. Wir haben über Fantasia geredet. Stimmt. Von Disney. Da haben wir ja auch dieses Abstrahieren. Und damit arbeitet der Film auch total viel.
Johannes Franke: Also tatsächlich auch etwas, was ich bei Fantasia total geil fand. Insofern, ich finde diese Referenz, die sich die Animatoren da gesucht haben, eigentlich um Geld zu sparen, ich finde es total großartig.
Florian Bayer: Na was halt. Und das ist einfach ein Ding, was Disney kann. Und darüber reden wir immer wieder, wenn wir über Disney-Filme reden. Disney-Filme sind, auch wenn wir einen Regie-Namen haben, wie Dindle oder Alice, sind kein Ein-Mann-Produkt. Nein. Sondern Disney-Filme sind ein Team-Effort. Und wenn Disney was drauf hat, ist es im Team so was Kohärentes zu erschaffen. Krass, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil dieser Film hat so seinen ganz eigenen Stil. Und er aber ist in sich absolut geschlossen. Es gibt nicht das Gefühl, dass du sagst, oh Gott, was ist denn das für ein Stilbruch? Das ist ja merkwürdig, das passt überhaupt nicht. Es ist in sich eine runde Sache, in diesem irren Rahmen, in dem er sich bewegt.
Johannes Franke: Und das ist sogar möglich, obwohl das Beispiel von sieben Animatoren, die in Paris waren. Europäische Animatoren mussten Kronk malen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es waren sieben Leute in Paris und die haben im Grunde sich nur über Telefon dann irgendwie darüber ausgetauscht. Und das über sowas hinweg zu schaffen, so wirklich so eine Einheitlichkeit, dass du nicht das Gefühl hast, der Kronk sieht aber... Ganz schön europäisch aus. Oder sowas. Wir brauchen mehr Kinn. Mehr Kinn, bitteschön, mehr Kinn. Und die waren nicht alle einverstanden mit diesem Kinn. Es gab echt Diskussionen über dieses Kinn. Aber ist das nicht großartig? Kronk ist wirklich auch ganz großartig gezeichnet. Ich finde die ganz, ganz, ganz toll. Absolut.
Florian Bayer: Und so ein Stil funktioniert natürlich auch nur, wenn es irgendwie die inhaltliche Entsprechung findet. Genau. Was Disney hier macht, ist nämlich die inhaltliche Entsprechung. Sie erzählen keine große, epische Disney-Geschichte, sondern sie machen das, was man am ehesten mit End-90er, Anfang 2000er Attitude-Esch beschreiben könnte. Viel Sarkasmus, viel Ironie, viel Selbstreflexion, ganz viele Momente von Moment. Das macht überhaupt keinen Sinn, was wir hier machen.
Johannes Franke: Und das dann anzusprechen. Und Cusco als unzuverlässiger, zynischer Erzähler. Ja, ist doch großartig.
Florian Bayer: Absolut. Es ist komplett dieses 90er-Ironie-Ding aufs... Beat. Wir haben so viele Momente, in denen die vierte Wand gebrochen wird. Cusco, der wirklich reinguckt und sagt, Leute, was machen wir hier? Ihr guckt euch gerade den traurigen Patscher an. Es ist meine Geschichte. Und dann nimmt er wirklich ein Edding und streicht auf der Leinwand den traurigen Patscher durch und sagt, nein. Nein, hier bin ich, hier und kreist sich nochmal ein. Das ist der Fokus.
Johannes Franke: Wenn ihr die Selbstreferenzialität von Deadpool mögt, hier nimmt das seinen Anfang.
Florian Bayer: Wirklich,
Johannes Franke: ganz ernsthaft.
Florian Bayer: Ich würde nicht sagen, in diesem Film seinen Anfang. Ich würde Wayne's World reinwerfen.
Johannes Franke: Nein, das darfst du nicht.
Florian Bayer: Aber er hat das total. Es ist eine Zeit, in der das auch sehr beliebt war. Wir haben Simpsons, South Park, das ist der Humor,
Johannes Franke: auf den sie sich hier beziehen und bei dem sie sich hier auch bedienen. Eine der ersten Sachen, die ich aufgeschrieben habe, nachdem ich wieder voll drin war im Humor, dass ich gedacht habe, das ist doch die alte, gute, alte Simpsons-Zeit. Absolut.
Florian Bayer: Und ich bin als Kind der 90er, ich stehe natürlich total drauf und ich bin total leicht zu kriegen mit ein bisschen Selbstreferenzialität, mit so ein bisschen Meta-Ironie. Auch so, wenn wir diese Karte haben, wenn sie ganz am Schluss die Verfolgungsjagd haben und dann haben wir das auf der Karte gezeichnet und dann laufen sie und sehen diese Spuren neben sich von der Karte. Und machen einfach nur ein Schulterzucken. Diese Reaction-Shots sind so wichtig in diesem Kontext, dass du nicht nur die Meta-Ironie hast, sondern dass du das nochmal reflektierst, nochmal in den Bogen gehst. Und dass sie dann am Schluss dastehen und sagen, Moment, wie habt ihr es so schnell hierher geschafft? Und Gronkh guckt sich die Karte nochmal an und sagt, ja, nee, das macht keinen Sinn. Weiter geht's.
Johannes Franke: Es ist so schön und es fühlt sich so frisch und so jung an. Immer noch. Aber das hat vielleicht was damit zu tun, dass wir damals jung waren. Aber ich weiß nicht, ob das auch immer noch... Ob der Ansatz einfach grundsätzlich jung ist.
Florian Bayer: Ich glaube, es konnte deswegen so viel Meme werden. Also viele Sachen aus diesem Film sind ja wirklich Meme geworden. Weil es unglaublich gut auch wieder auf unsere Zeit passt. Weil es in unserer Zeit auch wieder sehr beliebt ist. Diese Meta-Ebenen und diese Selbstreflexion und dieser selbstreflexive Humor. Was ich gut finde, ist, dass der Film sich nicht darauf ausruht. Sondern dass er auch Humor ganz genuin in den Figuren findet. Und natürlich müssen wir den... Star des Films nennen? Kronk? Kronk,
Johannes Franke: natürlich.
Florian Bayer: Kronk ist einfach der geilste.
Johannes Franke: Lass uns die ganze Episode nur über Kronk reden. Was für eine großartige Figur. Oh, ist das schön.
Florian Bayer: Also wer Kronk nicht liebt, hat kein Herz.
Johannes Franke: Nein, absolut. Ich muss kurz zu den Figuren, wo ich das aufgeschrieben habe, hier alles. Kronk. Ah, riesiger, riesiger Abschnitt bei mir.
Florian Bayer: Großer Mann mit Herz.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Meisterkoch. Ja, ich höre ein Flüsterer.
Johannes Franke: Ja, und er Er ist einfach nur, und das finde ich total toll, die tollste Erfindung dieses Films, er ist als gutmütiger Mensch einfach nur im falschen Job. Und das ist so schön, weil er ist so treu. Er hat das einmal angefangen bei Ismar und denkt sich jetzt, gut, okay, das ist jetzt mein Job und ich mache das jetzt so. Und ich mache den Job so gut wie möglich, aber eigentlich habe ich ein gutes Herz und deswegen kommen ständig Engelchen und Teufelchen und reden darüber, was jetzt eigentlich muss und was nicht.
Florian Bayer: ist das so geil, dass Engelchen und Teufelchen bei ihm...
Johannes Franke: auch überhaupt keinen Plan über das moralische Dilemma haben, in dem er sich befindet. Stattdessen sagt der Teufel, hör auf mich und macht dann eine geile Aktion und sagt, guck mal, was ich kann. Der Engel kann das nicht. Und der Engel guckt dann auch noch drauf. Während Kronk sagt, was hat das mit irgendwas zu tun, sagt der Engel dann auch noch, nein, nein, er hat einen Punkt. Er hat einen Punkt. Ja. So absurd. Und das Schöne ist,
Florian Bayer: dass Kronk auch einfach nur das Leben genießen will. Kronk ist einfach... eine absolut gute Seele mit dem IQ von einem trockenen Brötchen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber er hat so viel Spaß. Ja. Er ist so gut, wenn er für etwas Leidenschaft hat. Wie er in der Küche aufgeht. Wie er alles direkt, er steht in der Küche von diesem Lokal, wo er noch nie war, kriegt die Bestellung, weiß direkt,
Johannes Franke: was getan werden muss und macht sich ran, weil er einfach kochen liebt. Das ist toll. Ich finde das auch schon allein von der Optik. Sie haben ihm eigentlich nur Dreiecke gegeben. Er besteht ja nur aus Dreiecken. Ein einziges Muskelpaket und dann irgendwann kommt ja jemand und will Maße nehmen für irgendein Kostüm und dann sagt er auch noch seine Maße, seine eigenen und wenn man da ein bisschen zuhört, dann denkt man sich, okay, wenn ich mir das jetzt versuche als realistische Person vorzustellen, keine Chance. Diese Waist und diese Schulterbreite, also das wird überhaupt... Und diese geile Mütze, die er dabei auf dem Kopf hat,
Florian Bayer: die viel zu klein ist und es fehlt eigentlich nur so ein Propeller oben drauf.
Johannes Franke: Also ich finde, dass sie das gut hingekriegt haben und dass sie die Farben gut hinkriegen, weil Isma ist ja sehr lila. Sehr lila. Lila ist immer so evil coded, hat man so das Gefühl. Bei Disney öfter mal.
Florian Bayer: Wissen wir spätestens seit Ariel Ursula.
Johannes Franke: Und er bekommt so helles Blau, Gold und so ganz anders als Isma von den Farben. Und dann sieht man schon an den Farben, nee, der ist eigentlich fehl am Platze. Sie hat einfach den falschen Typen erwischt für diesen Job.
Florian Bayer: Und man denkt sich von Anfang an, wenn man ihn zum ersten Mal sieht, denkt man, oh Gott, hoffentlich kriegt er seinen Redemption-Ark. Dieser Charakter darf nicht der böse Charakter sein, der bestraft wird. Wenn Cusco fragt, wer sitzt auf meinem... Und er so rumhüpft. Oh, ich weiß es, ich weiß es, Isma, Isma, Isma. Wir lieben ihn.
Johannes Franke: Er ist halt so ein Hund, weißt du, der die ganze Zeit hechelt und mit dem Schwanz wedelt und sagt
Florian Bayer: Übrigens, um das noch kurz reinzuwerfen, Kronk gesprochen von Patrick Warburton.
Johannes Franke: Patrick Warburton.
Florian Bayer: Entschuldigung. Der vor allem aus Seinfeld bekannt ist. Und wenn ihr ihn einmal gesehen habt und sagt, das Kinn von Kronk ist doch unrealistisch, guckt euch Patrick Warburton an. So ein männliches Kinn kommt auch in der Realität vor.
Johannes Franke: Ich finde sowieso, dass alle das wahnsinnig gut machen, was die Stimmen betrifft. Und ich finde auch, dass er das wahnsinnig, wahnsinnig gut macht.
Florian Bayer: Er macht das so fantastisch.
Johannes Franke: Er hat so einen extremen, so einen tiefen, trockenen Ton drauf. So ein Understatement, das wirklich toll ist.
Florian Bayer: Und dann... blitzt aber immer diese Leidenschaft aus. Wenn er plötzlich den Vogel sieht, den er unbedingt noch fotografieren muss, während Ismail mit dem Dschungel kämpft und er dann aber ganz begeistert dahin geht und seine Fotos macht, der kleine Pfadfinder. Wunderbar.
Johannes Franke: Auch wenn sie die ganze Zeit sagt, hier das mit dem Gift und so. Ah ja, das Gift für diesen Typen, das Gift für Cusco, Cuscos Gift. Meinst du das? Ja, natürlich Was sonst? Weil er die ganze Zeit eigentlich nur beim Kochen ist oder bei anderen Sachen.
Florian Bayer: Und er ist so enttäuscht, dass sie ihn vergiften vorm Nachtisch.
Johannes Franke: Ja, auch nein. Er hat sich so viel Mühe mit dem Essen gegeben. Und dann essen sie aber auch Nachtisch noch. Und das ist auch schön bei Ismar, weil Ismar sich immer wieder einfangen lässt von ihm mit seinen Dingen. Und dann zu ihm sagt, okay, dann essen wir halt noch Nachtisch. Was ich total süß finde. Auch wenn sie bei der Familie zu Besuch sind und er da Springseil spielt mit den Kindern. Sie geht in seine Welt hinein und rennt mit rein und springt mit ihm und macht ja dieses Klatschspiel. Es ist großartig. Absolut.
Florian Bayer: Wenn Kronk der Hund ist, dann ist Isma wirklich keine gemeine Halterin, sondern sie hat ihre lieben Seiten.
Johannes Franke: Ja, beziehungsweise manchmal kriegt er schon auch einen auf den Deckel von ihr. Gerade am Ende. Aber das ist dramaturgisch nötig, damit er dann...
Florian Bayer: Natürlich. Es muss diesen Moment geben, dass er seinen Faceturn macht. Ja,
Johannes Franke: genau. Isma.
Florian Bayer: Unsere faltige, mit großartigen Gesichtszügen ausgestattete Isma.
Johannes Franke: Der Beweis, dass Dinosaurier auf dieser Welt existieren.
Florian Bayer: Ganz fantastischer Willen. Vor allem, weil sie machen die richtige Entscheidung für einen Willen in diesem Szenario. Sie ist nicht die Weltenzerstörerin. Sie ist nicht die große Bedrohung. Sie ist genervt von der Arbeit für Cusco. Wer wäre das nicht? Und sie hat einen diabolischen Plan, der Mord beinhaltet. Aber sie ist nie so, dass man komplett verängstigt ist von ihr, dass man nicht auch irgendwie ein bisschen Sympathie für sie haben könnte.
Johannes Franke: Isma hat einen guten Grund. Isma wird gefeuert, nachdem sie 50 Jahre für den Herrscher oder den davor eben gearbeitet hat. Und einfach so, ohne Vorwarnung, ohne irgendwas. Es ist nicht die dritte Verwarnung oder sowas, sondern es ist einfach nur so, ja, ich habe keine Lust mehr auf dich. Krass. Und das ist schon krass.
Florian Bayer: Und Isma ist eine grandiose Wissenschaftlerin.
Johannes Franke: Und sie muss in ihrem Alter noch arbeiten.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Meine Fresse, wie alt ist die? Ist doch 100. Und dann muss sie noch arbeiten.
Florian Bayer: 150?
Johannes Franke: Das ist gemein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und du hast recht, sie hat wahrscheinlich irgendeinen ganz krassen Abschluss in Chemie.
Florian Bayer: Ja. Und sie hat dieses irre Labor gebaut mit dieser Achterbahn, die sie hinführt. Wahrscheinlich nur, um Leute wie Cronk glücklich zu machen, weil sie hat ja keinen Spaß dran. Die Achterbahn ist komplett überflüssig.
Johannes Franke: Aber es ist Fanservice einfach, ne Disney?
Florian Bayer: Natürlich. Es ist ein Disney Ride.
Johannes Franke: Ja, es ist ein Disney Ride.
Florian Bayer: Und Gronkh natürlich, Isma, du musst dir doch reden, wenn wir fahren. Isma ist ein toller Villain. Vor allem, weil jede Form von epischer Bösartigkeit, wo du denkst, oh krass, jetzt wird es ernst, wird direkt gebrochen. Schönste Szene in ihrer finalen Mutation. Jeder Bösewicht kriegt bei Disney nochmal so einen Second Face, kurz vorm Ende.
Johannes Franke: Wenn sie diesen Trank trinkt und dann... Ruff, Miau. Und dann ist sie diese kleine niedliche Katze. Ist das meine Stimme? Oh, das ist so schön. Es gibt übrigens auch wirklich eine gute deutsche Synchro. Die habe ich nicht mehr geguckt.
Florian Bayer: Hast du die nochmal geguckt?
Johannes Franke: Ich habe sie nicht nochmal geguckt, aber damals habe ich sie gesehen und ich habe sie einfach sehr gut in Erinnerung.
Florian Bayer: Disney kann seine deutschen Synchros. Disney hat sich immer viel Mühe gegeben mit der Synchronisation von den großen Zeichentrickfilmen und großen Animationsfilmen. Und als Vater. von einem Kind. Und als der früher mal Kind war und kein Englisch konnte, kenne ich die Disney-Filme natürlich auch alle in der deutschen Synchro. Und ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal draufgeguckt habe und gesagt habe, was ist denn das? Das ist aber lazy.
Johannes Franke: Übrigens, was mir aufgefallen ist, wenn Isma, übrigens Irita Kidd, also wirklich ganz tolle Synchronsprecherin. Und Sängerin. Und Sängerin, genau. Oh mein Gott, Plur, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo Nein, shit Ganz schnell, damit wir zurückfinden Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns Ja,
Florian Bayer: wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash, muss man sehen... Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug. Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen...
Florian Bayer: Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.mussmansehen.de und florian.mussmansehen.de Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement,
Florian Bayer: egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so 5 Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah super, fehlt noch irgendwas? Ne, ich glaube wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode. Yes Die Isma, die diesen Cusco großgezogen hat. Wie verwunderlich ist es, dass Cusco so ist, wie er ist?
Florian Bayer: Nein, Cusco ist so, weil er ein verwöhnter, blöder Bengel ist.
Johannes Franke: Ja, aber von ihr verwöhnt.
Florian Bayer: Nein, nicht von ihr, von allen anderen.
Johannes Franke: Nein, sie hat gesagt, sie hat ihn praktisch großgezogen.
Florian Bayer: Ja, das sagt sie, weil sie irgendwie sauer ist und so. Nein,
Johannes Franke: nein, nein. Ich glaube ihr das voll, Kanne. Und sie ist schuld, dass er so ist, wie er ist.
Florian Bayer: Wir sehen doch am Anfang Szenen aus seiner Kindheit, wo irgendwie nicht eine Hand von ihr, eine alte Hand von ihr, das Kuscheltier hinsteckt, sondern hundert Hände von allen möglichen. Er wird einfach von allen verwöhnt. Er ist ein verwöhnter Bänger. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ich habe eine neue Theorie. Ich glaube, sie ist gar nicht 100. Ich glaube, sie ist 36. Und ist einfach in der Zeit, in der Cusco groß geworden ist, so hart gealtert, weil er so anstrengend war.
Florian Bayer: Das ist gut möglich. Aber wenn wir uns Cusco, wir sehen ja relativ wenig von Cuscos Herkunft, wenn wir ihn uns anschauen, sehen wir vor allem, dass unzählige Leute um ihn herum irgendwie Zeug machen, damit er irgendwie glücklich und zufrieden ist. Es sind immer Hände, die reinreichen, immer Hände, die ihm irgendwas geben, immer Hände, die ihm irgendwas machen und er ist komplett desinteressiert an seinem Job und macht vielleicht gerade mal so das Minimum.
Johannes Franke: Bzw. er ist neidisch, wenn andere den Job für ihn machen wollen. Nämlich Isma, die am Anfang auf dem Thron sitzt und sagt, was, da hättest du dir vorher überlegen müssen, bevor du untertan geworden bist.
Florian Bayer: Das ist der Grund für das Feuer. Er entlässt sie, weil sie ihm ein bisschen zu oft auf seinem Thron sitzt. Aber er macht einen scheiß Job als König. Er ist kein Herrscher, sondern er ist nur damit beschäftigt. Zu Tom Jones zu tanzen, okay, wer würde das nicht?
Johannes Franke: Ja, wer würde das nicht?
Florian Bayer: Sich mit Essen voll zu stopfen und gelangweilt zu sein.
Johannes Franke: Und Frauen zu sagen, ach, lass mich raten, du hast einen guten Charakter. Boah, was für eine brutale Szene. Ich finde die aber so krass, weil der Film das wirklich schafft, so kondensiert so viele schlimme Sachen ihm in den Mund zu legen. Das ist ja absolut absurd, wie krass. Ich war so am Boden, ich habe teilweise den Film nicht mehr mitbekommen, weil ich so gelacht habe. Und dieser Anfang ist unglaublich, wie er den Typen auch rauswirft aus dem Fenster und der dann auch ganz, ganz untertänig wiederkommt und sagt, nein, ich habe den Emperor's Groove unterbrochen, das sollte man nicht machen. Beware, beware.
Florian Bayer: Es ist halt wirklich, genau, kondensierter Wahnsinn. Wir haben diesen total verrückten Herrscher, der nicht herrscht, der kein Despot ist, weil er einfach mit anderen beschäftigt ist. Das kümmert ihn, was in der Stadt unten passiert. Und er hat seinen Palast und er ist glücklich und er will noch seinen Wasserpark bauen.
Johannes Franke: Und was kümmert ihn, dass sein Disneyland, was er da bauen will, wahrscheinlich seine Nahrungsgrundlage zerstören wird? Weil dort, wie wir dann erfahren, werden die ganzen Crops, also Weizen und so weiter, angebaut für sein Essen. Und wenn er das da wegsprengt, dann war es das. Dann kriegt er wahrscheinlich nie mehr so viel. David Spade als Cusco macht er auch großartig. Meine Fresse, diese Stimme klingt schon so. Wie diese Figur ist, ist es unglaublich. Ja,
Florian Bayer: absolut. Dieser versnobte, arrogante, selbstgefällige Ton. Fantastisch.
Johannes Franke: Ein wahnsinniges Timing. Die haben alle ein unglaubliches Timing.
Florian Bayer: Und dann haben wir die eine große Umbesetzung. Patscher sollte ursprünglich gesprochen werden von Owen Wilson, weil sie eine junge Stimme brauchten. Hat sich geändert. Und dann haben sie draufgeguckt und gesagt, okay, wir haben jetzt diesen breiten, väterlichen Patscher. Und wer wäre denn ein guter Vater?
Johannes Franke: Natürlich John Goodman.
Florian Bayer: John Goodman. als Patscher.
Johannes Franke: Ja, ganz, ganz, ganz toll auch. Er macht genau das, was diese Figur machen muss. Dieses sehr geerdete, sehr ruhige und fast ein bisschen zu gutmütige.
Florian Bayer: Absolut gutmütig.
Johannes Franke: Weil ich das Gefühl habe, dass man fast dem Zuschauer jetzt vermittelt, du musst halt nur lang genug Scheiße fressen von dem Typen. Du da gerade unterwegs bist und immer freundlich und nett bleiben, irgendwann wird der sich schon ändern. Nee, wird er nicht. Ist ein bisschen, weiß ich nicht genau. Doch,
Florian Bayer: er ändert sich ja.
Johannes Franke: Ja, ja, toll. Aber, mh. Was tatsächlich, also,
Florian Bayer: ich finde Patscha die Figur total süß. Patscha ist auch so ein bisschen der Serious Man in diesem ganzen Geschehen, weil Patscha die wenigste Slapstick kriegt. Er kriegt auch so ein bisschen Slapstick, aber Patscha ist irgendwie so der geerdete Typ, der relativ normal ist bei diesen ganzen Wahnsinnigen. Ja. Aber sie drehen tatsächlich ein oder zwei Schleifen zu viel mit. Diese Gutmütigkeit von Patscha wird Cusco schon dazu bringen, ein guter Mensch zu sein. Wir haben zwei, drei emotionale Szenen, wo du denkst, ja, wir haben es verstanden, dass Patscha absolut gutmütig ist, selbst wenn ihm nichts Gutes widerfährt. Ihr müsst es jetzt nicht nochmal erzählen. Ihr müsst jetzt nicht nochmal erzählen, wie Cusco da drauf guckt und denkt so, oh, vielleicht sollte ich mein Leben ändern.
Johannes Franke: Bad Lama.
Florian Bayer: Ja. Aber das ist halt auch, das ist wieder dieses... runtergerissen, was sie mit der Geschichte machen, es bleibt in dieser Geschichte nicht viel Raum für irgendeine Form von emotionaler Tiefe. Auch wenn man vergleicht mit den Filmen, wo ich jetzt gesagt habe, die waren alle eher durchschnittlich und ich finde diesen Film den besten, auch diese durchschnittlichen Disney-Filme wie Klöckner von Notre Dame oder Pocahontas haben mehr emotionale Tiefe und mehr Gravitas, weil einfach mehr passiert, bevor es zu einer Versöhnung kommt, weil es einen größeren Konflikt gibt. Hier ist es so, dass Das ist das. Hier ist es wirklich so, im wahrsten Sinne des Wortes, dass Cusco abends allein da sitzt, im Regen als Lama und traurig ist, am nächsten Morgen auf die Lamawiese geht und da ist schon wieder Patscha und sagt, okay, komm, hey, alles vergeben und vergessen. Wir machen das jetzt, wir schaffen das. Da ist nichts.
Johannes Franke: Ja, finde ich eben auch. Wie kommst du mit der Familie klar, mit der Darstellung der Kinder? Ich habe zwei Herzen in meiner Brust, was das betrifft. Ich finde die eigentlich sehr sweet gemacht.
Florian Bayer: Die sind voll süß.
Johannes Franke: Die sind voll süß. Aber ein kleines bisschen fühlt es sich generisch an. Also dieses Gespräch, hier miss mich nochmal, bin ich schon gewachsen, bin ich schon gewachsen. So dieser Versuch, einfach süße Kinder dahin zu stellen. Ich fand es total sweet gemacht, aber zwischendurch habe ich gedacht, ach, vielleicht ist es doch ein kleines bisschen zu generisch.
Florian Bayer: Ja, die Familie erfüllt natürlich zwei Zwecke. Und zwar wirklich viel mehr macht sie nicht. Einmal haben wir einfach, um zu zeigen, was für Patsche auf dem Spiel steht. seine Frau ist schwanger, die die ganze Zeit einfach schwanger ist.
Johannes Franke: Die ist einer der ersten schwangeren Figuren in Disney, oder?
Florian Bayer: Really? Sie ist hochschwanger, oder?
Johannes Franke: Oder fallen die andere hochschwangere Figuren in Disney? Nee.
Florian Bayer: Großer Tabubruch. Und dann die beiden Kinder natürlich, um zu zeigen, er hat dieses Trauteheim und das darf er auf keinen Fall verlieren. Sie leben total glücklich auf diesem Hügel. Ich finde es wirklich witzig, dass diesen Kindern einmal so ein, wie sagt man, nicht so ein zweites Gesicht, so ein Shining gegeben wird, wenn sie aus ihren Träumen hochschrecken und sagen, oh mein Gott, ich habe geträumt, dass Papa ein Lama ist und er wäre fast ertrunken.
Johannes Franke: Das wird ihnen später viel helfen, wenn die Kinder das können. Die Familie wird reich, allein weil die das Shining haben.
Florian Bayer: Ich finde es total witzig, wenn sie die Bösewichte aufhalten müssen, wenn wir diesen Moment haben, dass sie einfach... wirklich clever sind und Ismar festhalten und ablenken. Und es ist natürlich toll, weil Gronkh seinen Spielmoment kriegt.
Johannes Franke: Und weil das natürlich auch die Familie stärkt. Das, was sie da erzählen, wie sie es gemeinsam schaffen, Ismar aufzuhalten, das ist sehr, sehr süß, weil das ein Familienmoment ist. Die Familie funktioniert zusammen. Die müssen nicht viel sagen und sie wissen, was zu tun ist.
Florian Bayer: Aber ansonsten würde ich dir zustimmen. Ja, es ist vielleicht ein bisschen generisch. Es gibt diese generischen Momente in dem Film und ich habe das Gefühl, die passieren vor allem dann, Ahem. wenn der Film versucht, so ein bisschen mit Herz zu erzählen und so ein bisschen Drama reinzubringen, so ein bisschen diese klassische Disney-Energie doch noch runterzuschmuggeln, das sind eigentlich die Momente, die weniger funktionieren. Diese Momente, wenn Cusco plötzlich so eine Erkenntnis hat, oh scheiße, ich hab mich blöd verhalten. Diese Momente, wenn Pacha Cusco nochmal zudeckt und Cusco kurz hochguckt und so ein bisschen niedergeschlagen ist. Das sind nicht die stärksten Momente von diesem Film. Das ist nicht das, wofür ich diesen Film mag.
Johannes Franke: Ja, wobei das nicht heißt, dass es den Film zu Fall bringt oder sowas. Nein, also es ist überhaupt nicht das. Ich habe damit keinen Beef oder sowas. Aber man hat so das Gefühl, okay, da hätte man vielleicht noch was machen können. Oder vielleicht ein bisschen mehr Zeit da noch mit einigen investieren, um sich das zu verdienen.
Florian Bayer: Für mich das deutlichste Zeichen, dass diese Szenen emotional nicht funktionieren, ist, dass mein Herz halt am ehesten bei Kronk hängt. Und dass die Zähne... Die Szenen, meine Fresse, ich muss das Wort Szenen üben, hat mir das Publikum gesagt. Dass die Szenen, in denen Kronk irgendwie aufleben kann, dass die es sind, die mich emotional berühren tatsächlich am ehesten, wären mir diese Sachen ziemlich allerwerte. vorbeigehen. Das ist jetzt so hart gesagt, aber Gronkh ist das Herz des Films. Und das ist halt eigentlich ein Zeichen dafür, dass bei dem, was das Herz des Films sein sollte, nämlich diese Body-Movie- Komponente, dass da irgendwas schiefläuft.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Wobei ich finde, dass es einen Pay-Off gibt in einem der Aspekte, was ich nett finde. Sie fallen ja dann irgendwie von dieser Brücke runter in diese Schlucht, wo sie dann feststecken bleiben, weil sie dann nicht beide durchpassen und müssen sich dann gegenseitig hochdrücken und dann später eben Müssen sie das wieder tun, um an das Getränk da ranzukommen? Das ist ein Moment, der ist sehr geschrieben. Das ist eine Schreibtischtat. Aber ich finde, dass sie halbwegs funktioniert.
Florian Bayer: Ich hätte das jetzt voll bei den generischen Momenten eingeordnet. Dieses, wir arbeiten zusammen, Reprise. Ja, genau. Ist wirklich so, okay, du weißt, was zu tun ist. Ja, wir sind Freunde geworden. Fand ich ein bisschen flach. Ich weiß nicht. Ich habe es nämlich heute, kurz bevor du gekommen bist, habe ich den Film nochmal angemacht. Und da habe ich in dem Moment gedacht, auch eigentlich ganz schön. Nein, wenn Kronk in seinem Zelt liegt, das viel zu klein für ihn ist und diesen Teddy auf dem Bauch hat und schnarscht. Das ist ein besonders emotionaler Moment.
Johannes Franke: Ich könnte so quietschen.
Florian Bayer: Weil ich in diesem Moment denke, Kronk hat alles Glück der Welt verdient. Ja,
Johannes Franke: absolut, absolut. Und dann wacht er auf und denkt, oh nein, da war doch was. Der hat seine Rechnung nicht bezahlt und schläft direkt wieder ein. Und da kommt wieder dieses Tempo mit den Smear Frames. zum Tragen. Wie der da wieder zurückplumpst und schläft. Ist doch wirklich, was für ein krasses Timing ist das denn? Ist das super geil.
Florian Bayer: Ganz großartig.
Johannes Franke: Ja, das Herzstück finde ich von dem Film ist diese Restaurantszene. Die ist sehr sweet. Oder die ist doch wirklich, vor allem ist die auch tatsächlich gezeichnet worden oder geschrieben worden von jemandem in einer Phase, wo es darum ging, Kronk überhaupt einzuführen. Weil die gesagt haben, du kannst nicht einen Charakter hinzufügen. Wir haben doch gerade erst gesagt, wir wollen entschlacken. Wir wollen ganz viele Charaktere rausnehmen aus der Geschichte, damit das funktioniert. Und jetzt willst du den neuen Charakter einführen? Das geht nicht. Und dann hat er diese Geschichte geschrieben, also diese, einfach diese Szene, diese Restaurantszene. Und dann haben plötzlich alle gesagt, jo, Kronk ist drin und baut es ruhig noch aus. Weil das ist wirklich gut gemacht.
Florian Bayer: Absolut. Wir haben ja in dieser Szene auch wirklich so einen ganz klassischen Comedy-Moment, wenn Kronke in der Küche steht und dann Cusco. und ist mal nach und nach durch diese Tür gehen und immer wieder die Bestellung von dem jeweils anderen ändern und Gronkh nicht so ganz mitkommt.
Johannes Franke: Ganz fantastisch inszeniert. Er kommt volle Kanne mit, halt nur für eine Person. Aber er kann das ja alles aufnehmen.
Florian Bayer: Naja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Was ich geil finde ist, wie sie sagt, kann ich noch Brot dabei haben? Dann sagt er, da muss ich aber abrechnen. Das ist ganz toll, weil er so voll in dieser Rolle des Chefkochs aufgeht, die er erst vor zwei Sekunden angenommen hat. Es ist ganz toll, vor allem wie auch der Koch, der vorher da war, sagt, Leute, ich will raus und seinen Koffer packt, das Essen, was er gerade gekocht hat, in den Koffer hineinschüttet, alles draufwirft.
Florian Bayer: Es ist so absurd.
Johannes Franke: Ach, es ist toll. Dafür liebe ich das, wirklich.
Florian Bayer: Diese absurden Momente, die eigentlich sind ja die absurden Momente, das Herzstück. Ja. Es gibt so viele Momente, wo du einfach glücklich bist. Wenn die Getränke mit den Tierverwandlungstabern auf Ismars Armee geschossen werden und dann sagt der eine, oh, ich bin jetzt eine Kuh. Darf ich nach Hause gehen? Du bist entschuldigt. Du bist entschuldigt. Ganz großartig. Sonst noch jemand? Nö, nö, alles gut. Der Rest geht los.
Johannes Franke: Ach, Mann,
Florian Bayer: Und diese absurden Momente haben wir ja wirklich ganz oft. Auch so, dass einfach Erwartungen gebrochen werden. Dass diese Rettungsaktion, wenn Cusco bei den Pantern steht und dann kommt zur Rettung, ja, mit einem Tarzan-Schrei kommt Pacha und die Rettung misslingt so komplett. Das ist toll.
Johannes Franke: Ich habe noch eine große Frage aufgeschrieben, auf die ich noch keine richtige Antwort habe, weil ich einfach nur gedacht habe, werfe ich mal rein. Ismar ist ja großartig. Vor allem auch mit der Kombination mit Kronk. Aber bei Ismar geblieben. Warum lieben wir als Zuschauer so sehr einen tollen Bösewicht? Warum ist das überhaupt so? Vielleicht, weil unsere düstersten inneren Seiten In diesem Bösewicht-Gezei... Keine Ahnung. Also bei Disney ist es ja wirklich so,
Florian Bayer: die Bösewichte sind eigentlich immer am coolsten animiert. Und haben auch immer die coolsten Songs.
Johannes Franke: Die haben die coolsten Songs auf jeden Fall, aber in diesem Film haben wir kaum keinen Song. Wir haben am Anfang Tom Jones, aber das war's.
Florian Bayer: Wir haben keinen Song. Und was im Fall von Ismars Song wirklich schade ist, also den hätte ich gerne auch im Film gesehen.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Also um vielleicht ganz kurz noch was dazu zu sagen, Eartha Kitt, die ist unglaublich. Die hat so eine geile Stimme.
Johannes Franke: Eine Naturgewalt.
Florian Bayer: Und die kann so gut singen.
Johannes Franke: Wenn ihr euch da draußen vielleicht wirklich The Sweatbox mal anschaut. Allein die Szenen mit ihr, wie sie vorm Mikro steht und... singt oder eben ihre Dialogzeilen einspricht. Es ist der absolute Wahnsinn.
Florian Bayer: Ja, großartig.
Johannes Franke: Richtig,
Florian Bayer: richtig geil. Ja, das sind auch die Momente, wo ich denke, ja, vielleicht den Song hätte man reinbringen können. Der hätte vielleicht auch in diesen Film noch gepasst. Aber natürlich wäre es komisch, wenn du einen Villains-Song hast und dann keinen Helden-Song. Das funktioniert irgendwie nicht. Vielleicht ist es auch so eine Erwachsenensache. Die Erwachsenen mögen die Bösewichter mehr, weil die Bösewichter eher so die sarkastischen Seiten des Films sind. Und so ein bisschen diesen, ein bisschen mehr edgy Humor reinbringen. Wenn wir uns anschauen, wie Scar drauf ist in König der Löwen, der hat ja auch so diesen Sarkasmus und diesen Dekadenten, diese Dekadenten-Vibes und diesen trockenen Humor dabei. Und Ursula bei Ariel genauso, die hat einfach diese böse Energie, die eine Wohltat ist, wenn man davor diese gelackten und sehr glatt gebügelten klassischen Disney-Helden oder Disney-Prinzessinnen gesehen hat.
Johannes Franke: Ist das die... Also Psychologie sozusagen, also dass ich eine Figur sehe, die offensichtlich Kriegswunden mit sich rumträgt, also in Anführungsstrichen Kriegswunden, also du hast irgendwie psychische Besonderheiten, die sind alle ein bisschen verwundet und man sieht sich darin gerne selber und okay, ich will auch mal ausrasten, ich will auch mal das oder ich will auch mal das machen können, aber ich weiß, es ist falsch und jetzt gucke ich lieber jemand anders dabei zu, wie er das für mich macht.
Florian Bayer: Vielleicht. dass sie auch wirklich einfach die realistischeren Charaktere sind. Weil jeder Mensch, der jenseits der 20 ist, weiß, ich bin nicht perfekt. Ich habe meine Schwächen und ich habe Schwächen, die irgendwie in einer gewissen Potenzierung auch wirklich als böse angesehen werden, gesellschaftlich geächtet sind und an denen ich vielleicht auch arbeiten will. Und die Disney-Helden und Disney-Prinzessinnen haben ja auch meistens Schwächen, aber die sind so maßgeschneidert. Dass sie halt nicht wirklich, so die Neugier von Ariel gegenüber der Menschenwelt, wer kann es ihr übel nehmen, es ist keine richtige Schwäche, es ist nicht so, dass du sagst, oh das sind typische menschliche Schwächen und dann haben die Bösewichter halt doch einfach ein bisschen mehr Fleisch, die rachsüchtige Ursula, die sich verraten fühlt, die sich verbannt fühlt, die das nicht versteht, da kann man eher andocken.
Johannes Franke: Und auch dieses sich für solche Sachen dann nicht zu entschuldigen, für die Gefühle, die man hat, die Rache-Gefühle, die negativen Gefühle. Zu sagen, nein, ich gehe da jetzt voll rein und sage, okay, ich darf auch wütend sein, ich darf auch Rache-Gefühle haben und so.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und das ist hier natürlich ganz spannend, weil Pacha ist diese sehr glatt gebügelte Figur. Aber Pacha ist nicht die Hauptfigur, nicht wie im Originalskript, sondern Cusco steht deutlich mehr im Zentrum und Cusco ist ja alles andere als ein glatt gebügelter Figur. glatt gebügelter Disney-Helden. Cusco ist sehr lange alles andere als ein Sympathieträger. Ganz interessant, wir haben ja unser Happy End. Dass Cusco dann sagt, okay, nachdem du mir geholfen hast, Patscha, und nachdem ich ein besserer Mensch geworden bin, baue ich meinen Waterpark nicht auf deinem Hügel, sondern auf dem Hügel nebendran. Yay, Party Sting Mochte dieses Ende nicht.
Johannes Franke: Nein, es ist auch nicht das Ende, was jetzt im Film ist. Auch wenn es für mich, muss ich sagen, beim Gucken so ein bisschen so rüberkam, als ob er wirklich seinen Waterpark auf dem Hügel daneben baut. Aber wenn man nochmal guckt, dann ist es ja nur so ein für Vögel ein kleines Häuschen, was dann irgendwie das ist. Und er hat einen viel bescheideneren, einfach eine Wasserrutsche und das war's. I call it bullshit.
Florian Bayer: Ich glaube. Und Sting hat gesagt, ich will nicht, dass der diesen Wasserpark baut. Das ist total, ich bin Umweltschützer und so. Wir kennen das,
Johannes Franke: Sting ist sehr krass für Umweltschutz und gut vor Himmel und so weiter.
Florian Bayer: Und dann haben die von Disney gesagt, okay, pass auf Sting, wir machen das, wir kriegen das hin. Guck mal, es ist ein Paradies für Vögel und für die Natur. Es ist totaler Quatsch. Die haben einen Vogel da rein animiert und das war es dann. Und Sting war in dem Moment so abgefressen und so fertig mit diesem Projekt, dass er nicht genau hingeguckt hat. Er baut einfach mal seinen Vergnügungspack auf den Nügel nebendran. Ich finde nicht, dass sie da was groß geändert haben, gefühlt.
Johannes Franke: Das Ding ist, wir wissen natürlich nicht, was vorher drin gewesen ist, weil eigentlich hieß es ja auch, dass er den Regenwald auf diesem anderen Hügel dafür roden muss. Und das wird jetzt natürlich im Film jetzt nicht ausgespielt oder sowas. Vielleicht haben sie da schon auch nochmal ein bisschen was geändert fürs Ding. Aber das Ding war wirklich pisst. Der hat wirklich gesagt, Leute, ihr wisst doch, welche Werte ich von mir her trage. Warum müsst ihr mir so ein Ende von Latz knallen?
Florian Bayer: Und eine Frage, die sich Sting gefallen lassen muss, warum arbeitest du dann für Disney? Wirklich mal? Glaubst du, sie haben eine Betonplatte abgerissen, um Disney World bauen zu können? Naja, aber Ja genau Nein, es gibt man kann glaube ich nur mit reagieren es gibt keine andere Möglichkeit und dieses natürlich zu dem Film, wie er jetzt ist Auch dieses Waterpark-Ende, ne? Der ganze Film ist ein fucking Vergnügungspark. Der Film kümmert sich nicht um seine Natur. Es ist nicht so wie Pocahontas so und wir leben eins mit der Natur und wir retten den Urwald und so. Nein, nein, nein, dieser Film ist eine Freakshow? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist dieser Film kein Film, der irgendwie dafür wirbt, dass wir die Natur bewahren sollten.
Johannes Franke: Ja, wo wir zum nächsten Thema kommen, wo wir so ein kleines bisschen einen Kritikpunkt sehen könnten, nämlich Thema kulturelle Aneignung. Spannende Frage. Ich sehe wenig Inka-Kultur in diesem Film. Ich sehe einen Haufen Formsprache aus der Inka-Kultur, einen Haufen Embleme, einen Haufen Ikonografie, die da tatsächlich drin verarbeitet ist, die dann aber eben nicht weiter ausgearbeitet wird, wo dann wirklich einfach nur gesagt wird, okay, das ist unser Backdrop. Und es wurde von anderen Leuten als Disneyland der Anden bezeichnet. Was auch... viel böse gemeint ist. Also es ist nicht als, yeah, in den Anden beginnen, sondern es ist wirklich, ja, was für ein Scheiß. Ich verstehe diese Perspektive. Ich sehe sie nicht so richtig, wenn ich den Film gucke.
Florian Bayer: Es fällt mir sehr, sehr schwer, über kulturelle Aneignung zu reden, wenn wir von einem Volk reden, das vor 500 Jahren quasi ausgestorben ist.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: aber es ist nicht so, dass wir, wir haben, wir haben ja nicht, wir haben ja nicht irgendwie eine reiche Inka-Kultur heute, die da ausgenutzt wurde, sondern wir haben eine historische Kultur.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist kulturelle Aneignung, wenn wir auf die griechische Philosophie irgendwas, also ich weiß nicht, das ist einfach zu historisch, um irgendwie,
Johannes Franke: um irgendwas anderes zu sein als historische Fiction. Wobei man schon noch sagen muss, dass die ganzen Lamas gibt es da immer noch und da gibt es auch eine bestimmte Kultur und die Kultur ist schon auch noch recht ähnlich. Nein. Man muss schon sagen, dass die da hingefahren sind. Und da eben nicht umsonst Sachen gefunden haben, die sie tatsächlich auch in ihre Zeichnungen und so weiter übernommen haben. Es ist ja nicht so, dass sie in der Zeit gereist sind, sondern sie sind in den Ort gereist. Ja,
Florian Bayer: aber sie sind zu den Ruinen gereist. Die Inka sind zu 90 Prozent ausgerottet worden, als die Briten und die, nee, weg kamen die Portugiesen, als die kamen und ihre Masern, Moms und Tröteln eingeschleppt haben. Die Inka, es ist nicht so, dass wir, es ist nicht wie bei einem indigenen Stamm, es ist nicht so was wie bei den Aborigines, wo es heute noch eine reiche Kultur gibt, wo wir sagen, oh Gott. Die haben im 20. Jahrhundert ganz viel Unrecht erlebt und so weiter und wurden vertrieben. Und es ist nicht so wie bei den Shu oder anderen nordamerikanischen Indigenen. Es ist einfach, es ist was anderes, finde ich.
Johannes Franke: Wie viel kennst du dich denn mit den Leuten aus, die da leben? Und wie viel Kultur kennst du von denen und von dem, was sie vielleicht an Tradition übernommen haben von alten Inka?
Florian Bayer: Ich glaube nicht, dass da viel Inka ist. Ich kenne mich tatsächlich nicht so weit aus, aber ich glaube, Inka ist vor allem was für Touristen mittlerweile. Die Menschen, die da heute leben, das ist einfach, es ist nicht Inka-Kultur. Es funktioniert irgendwie anders. Die Inka sind vor 500 Jahren quasi ausgerottet worden. Die existieren nicht mehr. Deswegen sind es ja nur Ruinen, die wir da sehen. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Ich freue mich sehr auf Zuschriften zum Thema Sensibilität gegenüber der Inka-Kultur und Inka-Kultur heute. Ich habe zu dem Thema nicht viel gefunden. Die Inka sind, alles was ich dazu finde, ist, die Inka sind ein historisches Phänomen. Die Inka existieren quasi nicht mehr.
Johannes Franke: Naja, dazu gehören dann halt auch noch andere Sachen, sowas wie man... Hätte vielleicht Leute von dort irgendwie mit ins Projekt einbinden können. Bei den Stimmen zum Beispiel. Leute, die Synchronsprecher für die Stimmen sind, die vielleicht aus der Gegend auch kommen oder so. Solche Sachen hätte man machen können.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. 20 Jahre zu früh. Disney hat gelernt. Disney macht es heute wirklich besser. Wir haben auch bei Lion King drüber geredet und uns die Frage gestellt, was passiert hier? Wie wird hier mit afrikanischer Kultur umgegangen? Ich finde, hier ist es einfach nochmal ein bisschen was anderes. einfach so so historisch ist, es fällt mir schwer, da irgendwas zu sehen, außer da wird Fiction gemacht mit der kulturellen Überlieferung, mit Dingen, die 500 Jahre alt sind.
Johannes Franke: Wenn wir an alte Ägypter denken,
Florian Bayer: hätten wir genau das gleiche auch? Genau, das wäre genau dasselbe. Ich kann keinem Film, der sich mit der, ich kann keiner Mumie oder keinem Film mit Pharaonen kulturelle Aneignung vorwerfen. Das fällt mir sehr schwer. Das ist ja noch krasser, das ist ja 2000 Jahre her. Über 2000 Jahre. Als die Pyramiden gebaut wurden, haben die Mammuts noch gelebt. Und Kleopatra war näher an unserer Zeit als am Bau der Pyramiden. Entschuldigung, ich musste einmal kurz zwei Fun Facts reinwerfen. Ich habe zu wenig zu den Inka recherchiert, das muss ich jetzt irgendwie kompensieren.
Johannes Franke: Ja, aber ich weiß nicht, also ich bin dem Film nicht böse oder sowas und ich sehe das darin auch nicht großartig, aber... Ich kann mir vorstellen, dass es Leute draußen gibt, die damit ein Problem haben und ich will denen das nicht wegnehmen. Sondern ich kann sagen, okay, ich habe davon zu wenig Ahnung, aber wenn jemand das da drin sieht, ich verstehe es.
Florian Bayer: Ich glaube, wenn du heutzutage in Chile oder Peru irgendwelche Inka-Sachen kriegst, dann ist das mehr quasi kulturelle Aneignung, als das, was Disney hier macht.
Johannes Franke: Das sind doch die Erben dieser ganzen Sache, die wirklich...
Florian Bayer: Das sind nicht die Erben dieser ganzen Sache. Die haben nichts mehr... Sie sind gestorben. Die wurden wirklich... Die sind... Das ist die Zahl, die ich mir gemerkt habe. Zu 90% wurden die ausgerottet. Die Europäer sind da gelandet und haben gesagt, hey, wir haben hier ein bisschen Viren und Bakterien im Gepäck. Der Hunter-Virus ist nichts dagegen.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Oh Gott, wir nehmen diese Episode im Voraus auf. Ich hoffe, ich bereue das nicht. Ja,
Johannes Franke: ich wollte gerade sagen, wer weiß, was noch passiert. Oh oh. 15.
Florian Bayer: Dezember 2000.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ein Königreich für ein Lama wird released, gleichzeitig mit dem... Mit einem Dreamworks-Film, nämlich Road to El Dorado. Und alle gucken drauf und sagen, scheiße, haben die sich das gegenseitig abgeguckt. Wer hat hier von wem geklaut?
Johannes Franke: Ja, der war auch nicht, also Road to El Dorado war auch nicht besonders erfolgreich.
Florian Bayer: 169 Millionen hat der Film eingenommen. Königreich für den Lava.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: 100 Millionen war das Budget letzten Endes. Und das war natürlich eine riesige Enttäuschung. Der Film hat an seinem Eröffnungswochenende knapp 10 Millionen eingenommen. und platzierte sich auf vierter Stelle von den Filmen, die damals veröffentlicht wurden. Achtung, ich lese es jetzt vor. Das ist wirklich eine Liste der Schande. Wohlgemerkt, dieser Film wurde am Box-Office in seinem Eröffnungswochenende von diesen vier Filmen geschlagen. Was Frauen wollen mit Mel Gibson, wo Mel Gibson Gedanken von Frauen lesen kann. Dude, Where's My Car? Der Niedergang des Slacker-Kinos und How the Grinch Stole Christmas mit einem grünen Jim Carrey, der in Wraithland rumrennt.
Johannes Franke: Also, das kann ich verstehen. Wir haben darüber geredet, du findest den Film nicht so geil, ich finde ihn richtig gut.
Florian Bayer: Also, ich finde, das ist wirklich peinlich, nach diesen drei Filmen auf Platz vier zu landen.
Johannes Franke: Ja, also ich glaube auch, dass er vielleicht gleich auch mit How the Grinch Stole Christmas sein sollte.
Florian Bayer: Nein, also dieser Film ist so viel besser als How the Grinch Stole Christmas. Du kannst mir nicht erzählen, dass Jim Carrey, der in... krassesten 90er-Rave-Setting rumläuft, das man sich vorstellen kann, auch nur irgendwie ansatzweise mit diesem Film konkurrieren kann.
Johannes Franke: Absolut, hundertprozentig.
Florian Bayer: 102 Dalmatiner kam übrigens auch in der Zeit raus. Ein bisschen früher wurde der veröffentlicht. Das heißt, es war irgendwie alles unglücklich. Es war der niedrigste Box-Office von einem Disney-Film seit den 80ern. Und wir wissen, die 80er waren eine wirklich dunkle Phase. Und alle haben draufgeguckt und gesagt, ja, damit hört diese große Disney-Renaissance die mit Arielle angefangen hat, endgültig auf. Meiner Meinung nach hat sie schon vorher aufgehört und die Entscheidungen, die für diesen Film getroffen wurden, die ihm letzten Endes nicht gut getan haben, zumindest was Box-Office betrifft. Kritik ist was anderes. Diese Entscheidungen waren glaube ich durchaus richtige Entscheidungen, auch wenn sie nicht zu einem Box-Office-Erfolg geführt haben. Und ich finde es schade, dass sie das nicht haben. Weil ich finde, es gibt so ein großes Was-Wäre-Wenn, wenn man auf diesen Film guckt. Und wenn ich mir Kingdom of the Sun durchlese, denke ich, ja, das wäre ein geiles Disney-Epos geworden. Vielleicht besser als die Disney-Ebenen davor. Und gleichzeitig gucke ich auf diesen Film und sage, Gott sei Dank haben sie nicht noch so ein Disney-Epos gedreht.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja, ja. Also ich muss auch sagen, ich bin total glücklich damit, dass sie diese Kehrtwende gemacht haben. Die Art und Weise ist wirklich wahnsinnig interessant und tut mir so echt ein bisschen weh für so ein paar Leute. Und ich finde es auch wahnsinnig spannend, dass alle so im Dunkeln getappert sind und gesagt haben, wir müssen irgendwas anders machen und dann versucht haben, aber das zu verstecken hinter... Ich fand den Film nicht lustig, du müsst das nochmal machen. Natürlich fand er den Film lustig. Komm, kann ich mir nicht vorstellen, dass er den Film wirklich so schlecht fand, wie er gesagt hat. Er wollte bloß, dass die Leute nochmal drüber gucken und nochmal andere Ideen entwickeln, weil sie irgendwas Neues brauchen. Und ich finde, dass die Art und Weise, wie man das dann macht, nicht geil gelaufen ist, aber dass der grundsätzliche Instinkt zu sagen, wir müssen was Neues machen und eine neue Form finden, total gut.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Roger Ellis, um das nochmal zu sagen, der... wirklich ein sympathischer Mensch ist.
Johannes Franke: Total.
Florian Bayer: Ist ohne böses Blut aus diesem Projekt ausgeschieden, hat noch eine Zeit lang für Disney gearbeitet und hat unter anderem auch eine Oscar-Nominierung gekriegt für den besten animierten Kurzfilm, das Mädchen mit den Schwefelhäusern.
Johannes Franke: Ah.
Florian Bayer: Und ist dann aber irgendwann zu Sony Pictures gewechselt und hat dort den ersten großen Sony-Animationsfilm, nämlich Jagdfieber, gedreht. Und er ist gestorben. Dieses Jahr.
Johannes Franke: Am 17.
Florian Bayer: Januar diesen Jahres ist er gestorben. Ich finde, wenn man ihn in diesem Film The Sweatbox sieht, er ist ein unglaublich sympathischer und bodenständiger Mensch. Wer über das Projekt spricht, über seine Ideen und auch wie er über diesen Prozess spricht, in dem seine Ideen auseinandergenommen werden, finde ich verdient total Hochachtung, weil es ein Musterbeispiel an Bescheidenheit ist und er zieht ja auch die richtigen Schlüsse.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: absolut. dass die nicht umgesetzt wurde. Ich hätte sie gerne gesehen. Ich glaube, der hätte was Gutes gemacht damit.
Johannes Franke: Ich glaube auch. Aber wenn seine Sache umgesetzt worden wäre, dann hätten wir den jetzt nicht. Und ich würde ihn schon vermissen, muss ich sagen. Er trifft voll meinen Humor. Vielleicht ist es einfach nur, weil ich in der Zeit, in dem Alter war. Aber er trifft voll meinen Humor. Und ich habe diesen Humor weitergetragen in andere Dinge, die ich gemacht habe.
Florian Bayer: Als ich den Film gesehen habe, und ich glaube, dir ging es aber auch so, es ist ja ein Humor, den man dann schon irgendwie kannte. Also in den 2000ern. Dieser Humor wurde ja sehr viel in Zeichentricksgenre benutzt und in Animationsfilmen. Ich finde Shrek ist auch so ein super Beispiel dafür. Der große Dreamworks-Film, der ein Jahr später rauskam, 2001.
Johannes Franke: Bin mir nicht sicher.
Florian Bayer: Und wir sehen es heute nicht mehr als so etwas Besonderes, dieses Selbstreflexive. Königreich für einen Lama fällt halt wirklich auf, weil es ein Disney-Film ist, der sich das in dieser Dichte traut. Das ist schon ungewöhnlich. Vor allem, wenn wir bedenken, wir kommen von Pocahontas und von Tarzan und sind jetzt da. Das ist krass.
Johannes Franke: Ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus. Das ist eine absolute Höchstleistung an Gagdichte, muss man sagen.
Florian Bayer: Und er sticht da wirklich raus aus den Disney-Filmen aus der damaligen Zeit. Auch was danach kam. Also Atlantis war ja der nächste große Flop von Disney. Und Treasure Planet. Lilo und Stitch war so ein bisschen die Ausnahme.
Johannes Franke: Ja, Lilo und Stitch ist auch mit dem Humor in der Richtung.
Florian Bayer: Lilo und Stitch hat auch diesen Humor, wobei Lilo und Stitch nicht ganz so krass selbstreferenziell ist wie dieser Film. Und ansonsten haben wir ja wirklich eine Zeit, wo Disney in den frühen 2000ern wirklich in so einem Tiefpunkt war. Ah genau, du hast die Dinosaurier erwähnt, die kamen auch 2000 raus. Ja, genau. Zeitgleich. Es war nicht so eine gute Zeit für Disney. Die Renaissance war vorbei und es hat lange gedauert, bis sie sich mit... Puh, das ist eine gute Frage mit was... Also ich würde ja bei... Also wenn man radikal ist, könnte man sagen, es hat bis Frozen gedauert, bis 2013, bis sie sich wieder erholt haben.
Johannes Franke: Kann sein, ja, absolut.
Florian Bayer: Aber sie hatten davor schon ein bisschen was. Also sie hatten den Froschkönig 2009 gemacht, der war klassische Zeichentrick, Disney-Zeichentrick, Unterhaltung der alten Schule. Aber zehn Jahre waren es.
Johannes Franke: Sie haben auch nicht das Vertrauen in dieses Projekt gehabt. Sie haben ja gar kein richtiges Budget für die Werbung rausgehauen. Die Werbung haben sie in den Dinosaurier gesteckt, der da zeitgleich rauskam. Absolute Fehlentscheidung. Furchtbar, furchtbar Fehlentscheidung.
Florian Bayer: Ich glaube, sie haben das Vertrauen in das Projekt nach und nach verloren. Ich kaufe absolut, ich kaufe... Er las absolut ab, dass Michael Eisner, unser Disney-CEO, begeistert war von der Idee. Und dass der den nächsten König der Löwen da drin gesehen hat. Und ich glaube, dass die 90er, die Mitte 90er, das war einfach eine unglückliche Zeit, um diesen Film zu produzieren. Dass die halt nach und nach das Vertrauen in diese klassischen Disney-Ebenen aufgelöst haben.
Johannes Franke: Wollen wir in unsere Top 3 hineingehen? Auf geht's Wir haben eine Top 3. Und zwar Überdrehte Herrscher.
Florian Bayer: Wir haben den gleichen Platz 1.
Johannes Franke: Wir haben... Nein.
Florian Bayer: Oh nein, dann nimmst du mir meinen Platz 1 weg.
Johannes Franke: Nein, ich glaube... Weiß nicht, keine Ahnung. Achso, ja, nehme ich dir auf Platz 3 weg. Und zwar Masters of the Universe und Flash Gordon in einem
Florian Bayer: Tie. Oh, wie schön.
Johannes Franke: Danke dir. Ja, ja, finde ich super. Diese großartige Überdrehte Herrscher. Skeletor. Skeletor, der Shakespeare spielt. Und man hat auch das Gefühl bei Flash Gordon, dass auch Max von Sydow absolut Shakespeare spielt.
Florian Bayer: Reden wir nochmal über kulturelle Aneignungen. Unser Emperor Ming.
Johannes Franke: Ja, oh Mann,
Florian Bayer: Ja, er hat einen Kajalschatten, der eine bestimmte Form von Augen simulieren soll.
Johannes Franke: Ja. Also, ja, asiatisch. Egal. Ganz großartig. Es macht sehr viel Spaß, aber es hat auch seine problematischen Seiten. Aber es sind die 80er. Ja.
Florian Bayer: Ich habe auf Platz 3 Pilatus aus Das Leben des Prine.
Johannes Franke: Ah Franzus Pilatus, der Bigustikus. Genau.
Florian Bayer: Schwanzus, Longus. Großartig, unser wirklich, ja, toller Herrscher.
Johannes Franke: Ich habe auf Platz 2 Hamilton. Und zwar Jonathan Groff als King George III.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: Der wahnsinnig passiv-aggressiv und spuckend, ins Publikum spuckend, da seinen Song singt. You'll be back soon you see. Großartig. Was für ein toller Emperor. Ich liebe es. Hamilton, wir haben lange über Hamilton geredet. Es ist eigentlich ein wahnsinnig trockenes Thema, nämlich die Staatswerdung von den USA, wie sie ihre eigene, ihre Unabhängigkeit gefunden haben und wie sie den Staat draus gebastelt haben. Und das klingt so nach wahnsinnig vielen Staatstexten und ganz langweiligem Zeug. Und er macht da so eine ganz krasse Rap-Oper draus, die unglaublich ist. Richtig, richtig gut.
Florian Bayer: Richtig gut. Auf jeden Fall sehenswert. Mein Platz 2 ist so ein bisschen so ein schräger Kandidat. Ich muss ihn einfach raushauen. Den gebe ich dir irgendwann mal. Wenn ich dir wieder was geben will, wo ich weiß, dass du es schrecklich finden wirst. Und wo ich selbst nicht weiß, ob ich es gut finde. Aber es ist einfach bemerkenswert. Zu viel Vorrede. Caligula aus dem Jahr 1979 von Tinto Brass. Und zwar spielt Malcolm McDowell, unser Alex aus Clockwork Orange, spielt den Kaiser Caligula, der nach und nach in den Wahnsinn abdriftet, irgendwann ein Pferd zum Senator macht und mit seiner Schwester vögelt.
Johannes Franke: Ja stimmt, dann war ja was.
Florian Bayer: Und dann irgendwann umgebracht wird von den aufgebrachten Senatoren. Und dieser Film ist ein opulentes Sittengemälde über einen total Wahnsinnigen.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und es ist ein Irra-Film, der auch so eine ganz krasse Entstehungsgeschichte hat, wo dann irgendwann Porno-Szenen reingeschnitten wurden und es riesige Streitereien gab zwischen den Visionen von dem einen und den Visionen von dem anderen. Krass. Und finanziert vom Penthouse-Magazin, wenn ich mich richtig erinnere. Und ein total Irra-Film über einen Irrenherrscher, den wir uns irgendwann mal angucken müssen. Ich glaube, es ist kein guter Film, aber ich glaube, es ist ein großartiger Film.
Johannes Franke: Es klingt sehr trashig. Du hast auf Platz 1 der große Diktator?
Florian Bayer: Hab ich.
Johannes Franke: Ja. Ich nicht.
Florian Bayer: Oh,
Johannes Franke: ich habe auf Platz 1 Blackadder. Yes Und zwar, es gibt mehrere Auswahlmöglichkeiten, aber ich habe natürlich bei Blackadder die Queen Elizabeth, die erste, die wahnsinnig gut gespielt wird. Die wird die ganze Zeit Queenie genannt. Miranda Richardson spielt das und die macht das wahnsinnig gut. Extrem kindisch, extrem launisch. Von einem Moment auf den anderen kann sie irgendwie sagen, ja, köpft diesen Menschen. Und es ist so gut gespielt. Es ist irre.
Florian Bayer: In der Urzeit unseres Podcasts gibt es eine Episode, in der wir über alle Black-Edder-Episoden reden. Damals hast du mich wirklich überredet, eine ganze Serie zu gucken. Es ist der absolute Hammer gewesen, dass wir die Zeit hatten.
Johannes Franke: Aber es war auch Corona vielleicht. Oder war es kurz nach Corona? Ich bin mir nicht ganz sicher.
Florian Bayer: Es war das Beste, was Ron Atkinson je gemacht hat.
Johannes Franke: Das lasse ich mal so stehen. Es war das Beste,
Florian Bayer: was Hugh Laurie je gemacht hat.
Johannes Franke: Oh, da weiß ich nicht genau. Es ist eine großartige Serie, Black Adder. Einfach britische Serie, Rowan Atkinson nicht in seiner typischen Rolle als Mr. Bean, sondern einfach vorher was, also wirklich... Großartiges geschaffen. Mit drei Staffeln, glaube ich, oder vier? Vier, glaube ich sogar. Vier, die erste Staffel ist so ein bisschen wonky, da weiß man ja nicht so richtig, wo man ist und was das sein soll und so. Und dann haben sie es in der zweiten Staffel richtig gut gepackt, was es eigentlich ist.
Florian Bayer: Wir reisen durch die britische Geschichte, vom 100-jährigen Krieg bis zum Ersten Weltkrieg.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ganz großartig. Und immer dabei, Ron Atkinson als komplett degenerierter Adliger.
Johannes Franke: Ja. Eulorie taucht auch wieder auf, glaube ich, in mehreren. Ja,
Florian Bayer: Eulorie kommt in mehreren Staffeln vor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich kriege es auch nicht mehr 100% zusammen, aber es ist eine tolle Serie. Ich glaube, ich muss die mal wieder gucken. Es hat echt Spaß gemacht.
Johannes Franke: Es hat richtig Spaß gemacht, ja.
Florian Bayer: Guck da mal rein. Ich glaube, die zweite und dritte Staffel sind die besten.
Johannes Franke: Ja, würde ich auch sagen.
Florian Bayer: Ja, ich habe den großen Diktator. Chaplin tanzt mit der Weltkugel. Was soll ich groß dazu sagen? Er ist ein toller, toller, überdrehter Herrscher. Absolut.
Johannes Franke: Okay, schöne Top 3.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dann gehen wir zurück in unseren Film, der da ist.
Florian Bayer: Immer noch ein Königreich für einen Lama. Emperor's New Groove.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Johannes, wo würdest du diesen Film so in deiner Top Disney Film Liste einsortieren?
Johannes Franke: Der ist bestimmt unter den Top 5.
Florian Bayer: Wow.
Johannes Franke: Ja, wirklich. Obwohl ich das vielleicht... Ich habe darüber auch schon nachgedacht und habe dann gedacht, das ist fies, weil das so anders ist als andere Disney-Filme, dass man das eigentlich gar nicht in eine Liste packen kann. Also 101 Darmatina finde ich ganz, ganz großartig, ist bei mir ganz weit vorne. König der Löwen natürlich ganz weit vorne. Aber das hier auf eine ganz andere Art und Weise wahnsinnig weit vorne. Einfach, weil es meinen Humor trifft. Einfach, weil ich es total großartig finde, was für eine Gag-Dichte sich die trauen auch einfach.
Florian Bayer: Er sticht echt ein bisschen raus.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich finde es auch unglaublich schwierig, ihn einzuordnen. Also in den Top 5 sehe ich ihn bei mir überhaupt nicht. Aber er ist ein ganz fantastischer Film und ist ein unglaublich spaßiger Film. Ich bin so glücklich, dass es so eine Merkwürdigkeit im Disney-Katalog gibt. Gerade in dieser Zeit, die viele auch wirklich schwache Filme hervorgebracht hat. Und doch sehe ich ihn immer mit diesem, ab sofort, seitdem ich das weiß, mit diesem Was wäre wenn? Was wäre gewesen, wenn wir Kingdom of the Sun gesehen hätten?
Johannes Franke: Ja. Es wäre halt ein weiteres Epos gewesen, wo man so denkt, ja, okay, cool, ja, wir haben gelacht, wir haben geweint, aber der Verlust dieses Films im Austausch, den hätte ich nicht haben wollen.
Florian Bayer: Ich glaube, Roger Aller hätte den besten großen epischen Disney-Film seit König der Löwen gemacht. Ich glaube an diesen Mann.
Johannes Franke: Denke ich auch, ja,
Florian Bayer: Und deswegen hätte ich ihn gerne gesehen, aber ja, ich bin sehr glücklich, dass es diesen Film hier gibt und ich bin sehr glücklich, dass es den Film Sweatbox gibt. Natürlich hat Disney es nicht geschafft, den im Giftschrank verschwinden zu lassen. Diesen Film findet ihr, so wie er intendiert war. Es gibt auch eine gekürzte Version von Disney, die auf irgendeiner DVD oder Blu-ray ist.
Johannes Franke: Echt, wirklich? Gibt es?
Florian Bayer: Krass. Aber sehr zusammengestaucht. So wie der Film intendiert war, den findet ihr online.
Johannes Franke: Internet Archive habe ich ihn gefunden.
Florian Bayer: Ah, da gibt es den auch. Okay, ihr seid irgendeine Piraterie. Ihr könnt diesen Film gucken. Disney will nicht, dass ihr diesen Film guckt. Guckt diesen Film.
Johannes Franke: Auf jeden Fall gucken. Großartig. Kleiner Fun-Fact. Der Prinz hieß vorher Manko. Und dann haben sie irgendwann herausgefunden, dass es in Japanisch oder sowas heißt es . Und dann haben sie gesagt, nein, wir ändern den Namen vielleicht auch wieder.
Florian Bayer: Hast du noch kurz überlegt, ob du es anders ausdrückst und hast gesagt, ach scheiß drauf.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Fun Fact, Michael Eisner, als er den fertigen Film gesehen hat, hat gesagt, das ist total geil, aber er hatte wirklich Angst davor, dass das zu ähnlich wie Herkules ist. Er hat recht. Es hat sehr viel mit Herkules gemeint. Ja, aus der Zeit auch einer von den... besseren Disney-Filmen ist. Der auch ein bisschen Selbstreferenzialität hatte, der auch ein bisschen abstrakter gezeichnet war, ein bisschen expressionistischer.
Johannes Franke: Ich hoffe, dass unsere Zahlen, also wir haben ja eine quasi Statistik, in der wir so ein bisschen ablesen können, wie bekannt die Filme sind, die wir eigentlich besprechen, weil doch das eine Korrelation besteht. Wie viele Leute hören sich die Episode an, zeigt so ein bisschen, wie bekannt der Film überhaupt in Deutschland ist. So vom Gefühl her. Ich weiß nicht, wie statistisch signifikant wir als kleiner Podcast wirklich sind. Aber es gibt durchaus ein Gefühl damit. Und ich hoffe, dass dieser Film bekannter ist, als ich befürchte. Weil ich will, dass Leute diesen Film kennen.
Florian Bayer: Ja, ihr könnt es gerne nachholen, wenn ihr diesen Film nicht kennt. Er gehört zu den Disney-Filmen aus der damaligen Zeit, die nicht in Vergessenheit geraten sind, aber nicht so viele Leute gesehen haben wie König der Löwen.
Johannes Franke: Ja, das ist klar.
Florian Bayer: Wenn ihr diesen Film noch nicht gesehen habt, guckt ihn euch an. Es lohnt sich wirklich. Es ist wirklich ein grandioser, sehr unterhaltsamer Film. witziger Film. Schlank 70 Minuten, die gehen vorbei wie nix.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Macht Spaß.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Johannes, danke, dass du dir mir gegeben hast und dass ich nochmal gucken konnte.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass du ihn geguckt hast und dass wir uns darauf einigen konnten, endlich wieder einen Disney-Film zu machen, obwohl wir gerade erst quasi das Dschungelbuch hatten. Es ist ja nicht so lange her, dass wir das besprochen haben.
Florian Bayer: Euch wie immer vielen Dank fürs Zuhören. Toll,
Johannes Franke: dass ihr da seid. Wenn ihr wissen wollt, was es nächstes Mal gibt, dann hört einfach nochmal den Jingle an und danach unterhalten Plor und ich uns darüber, was es als nächstes gibt. Dann ist nämlich Plor darin, mir was zu geben, aufzudrücken. Es ist ja immer so ein bisschen Pflichtprogramm dann. Ach du Scheiße, du guckst schon so, was ist denn los? Es gibt Hausaufgaben für dich,
Florian Bayer: Johannes, und für euch. Bleibt dran. Bis dann. Ciao. Okay, Flo, was gibt es? Ja, jetzt hatten wir so viel Spaß, jetzt müssen wir ein bisschen die Stimmung runterdrücken.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Ich will, dass wir meinen Lieblingsfilm von Andreas Dresen gucken.
Johannes Franke: Andreas Dresen? Herr Wichmann?
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Nicht Herr Wichmann? Halt auf freier Strecke.
Florian Bayer: Halt auf freier Strecke. Herr Wichmann ist ein toller Film, aber Halt auf freier Strecke ist der Film von Andreas Dresen, der mich am meisten zum Weinen bringt. Und wo er meiner Meinung nach voll trifft. Alles. Meisterwerk. Okay. Kennst du?
Johannes Franke: Nein, Halt auf freier Strecke habe ich nicht gesehen. Und ich bringe die immer die Titel auch durcheinander. Halbe Trippe, Halt auf freier Strecke. Das sind so Titel, wo man denkt, ja, okay. Absolut. Krebs, Sterben. Oh. Viel Spaß. Bis dann. Ciao. Danke.
