Episode 98: Ginger & Rosa …und die Frage ob so ein Film etwas bei einer Girl’s Night zu suchen hat
London 1962, die Welt befindet sich am Rande eines atomaren Schlagabtauschs zwischen Ost und West und das geht auch an Großbritannien nicht spurlos vorbei. Die beiden 16jährigen Mädchen Ginger und Rosa sind praktisch seit ihrer Geburt miteinander befreundet und versuchen in dem soziopolitischen Chaos der Zeit irgendwie zurecht zu finden. Während Rosa dies tut, indem sie sich entweder purem Hedonismus oder ihrem tiefen christlichen Glauben hingibt, schreibt die sensible Ginger Gedichte und fühlt sich zum politischen Aktivismus hingezogen.
Die Freundschaft der beiden wird auf die Probe gestellt, als Rosa eine Affäre mit Gingers unkonventionell lebenden Vater beginnt. Ginger fühlt sich hin- und hergerissen zwischen der Angst vor einem nuklearen Holocaust und den emotionalen Herausforderungen des fragilen sozialen Gefüges, in dem sie sich bewegt.
Sally Potters “Ginger & Rosa” aus dem Jahr 2012 ist ein einfacher Film, ein kleiner Film, der dennoch die ganze Wucht der damaligen Zeit in sich trägt: Ambivalente Charaktere, komplexe Konflikte und ein berührendes Mäandern zwischen intimem Coming of Age und universellem Blick auf den politischen Aktivismus der Jugend. Vor allem getragen von seinen faszinierenden Protagonistinnen und dem hervorragenden Spiel ihrer Schauspielerinnen.
Johannes, passt das zu einer Girls Night? Oder ist das zu wenig Party, zu wenig Lebensfreude und zu viel emotionaler Ballast?
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 98: Ginger & Rosa …und die Frage ob so ein Film etwas bei einer Girl’s Night zu suchen hat Publishing Date: 2022-11-17T09:28:29+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/11/17/episode-98-ginger-rosa-und-die-frage-ob-so-ein-film-etwas-bei-einer-girls-night-zu-suchen-hat/
Johannes Franke: Oh, girls just wanna have fun, oh, girls just wanna have fun, oh, they just wanna, just wanna, they just wanna, wanna have fun, fun, fun, fun, fun, fun, fun, fun.
Florian Bayer: Danke, Johannes, vielen Dank, er hat es für mich gespielt. Er hat es sich noch reingeprügelt mit dieser tollen neuen Ukulele, willst du ganz kurz was dazu sagen, weil du hast die seit einer Woche, zwei Wochen da stehen. Und ich staune immer drüber, aber wir haben sie im Podcast noch gar nicht thematisiert.
Johannes Franke: Ja, also ich meine, ich habe ja schon öfter Ukulelen gespielt und so, aber das, was ich hier habe, ist eine klassische Zigarbox, wie man das so sagt. Und Zigarbox ist manchmal ein bisschen verschmäht von Musik, von echten Musikern, weil die Form der Zigarbox jetzt nicht unbedingt dazu einlädt, die besten Gitarren oder die besten Ukulelen zu bauen, weil das ist halt im eckigen Format, wie so eine Zigarrenbox eben ist. Da kann man vielleicht nicht unbedingt den besten Schallraum herstellen, habe ich so den Eindruck. Aber vielleicht irre ich mich auch, weil ich kein Musiker bin.
Florian Bayer: Sagt ihr was dazu? Hat sich die Soundqualität von den Songs, die er jetzt neu eingespielt hat, mit dieser Ukulele, verschlechtert im Vergleich zu unserem klassischen Intro? Schreibt uns Florian at muss man sehen.de oder Johannes at muss man sehen.de.
Johannes Franke: Also ich mag diese Ukulele sehr und die ist auch recht voluminös vom Ton her, finde ich, besser als meine alte Ukulele, aber meine alte war jetzt auch nicht so wahnsinnig teuer, muss man sagen. Vielleicht könnten da andere teurere Instrumente noch mehr besseren Sound rausholen, aber ich finde die sehr schön und ich finde sie klingt auch sehr gut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall und ich stehe total drauf, wenn wir unsere Episoden mit neuen Liedern starten. Also wir haben ja dieses Universal-Intro, an dem sich vor allem Stammgäste wahrscheinlich mittlerweile echt satt gehört haben. Deshalb finde ich es immer ganz erfrischend, auch mal so ein neues Intro zu haben und wir sind immer noch in der Girls'Night. Girls'Night, wuhu! Yay, Girls'Night! Wir haben letzte Woche über Pitch Perfect gesprochen, den perfekten Girls'Night-Film wahrscheinlich. Ja, und ich hoffe, du schämst dich ein bisschen.
Johannes Franke: Zu wenig Girls'Night für dich, was ich dir gegeben habe. Ich möchte dich zurück ans Reißbrett schicken, das geht so nicht. Moment, Moment, Moment. Nein, nein, nein, nein, nein, nein, du hast keine Chance, es ist einfach wirklich überhaupt gar kein Girls'Night-Film. Ein Girls'Night-Film ist folgendes, der ist positiv, der hat viel Gutmomente, du sitzt dann vielleicht mal fünf Minuten da und heulst und schniefst und hast noch irgendwie so eine Box mit Taschentüchern, die du alle machst, aber am Ende geht alles gut aus, die beiden kriegen sich oder sonst irgendwie was und es muss irgendwie so insgesamt Action und Spaß machen. Und dann gibst du mir sowas, Plur.
Florian Bayer: Also pass auf, ich bin nochmal in die Analyse reingegangen, was Girls'Night-Filme überhaupt sind und ein Begriff, der ganz oft genannt wird dabei ist, Achtung, wir sind nämlich bei dem Grundkonzept Girls'Night, das sehr sexistisch ist grundsätzlich. Ja, es ist. Es gibt den Begriff des Chick-Flicks, das sind die Filme, wenn du Girls'Night eingibst, Filme für die Girls'Night, dann kommst du sehr schnell auf den Begriff Chick-Flick. Wir haben extra nicht Chick-Flick gesagt. Ja, genau, aber das ist der Rahmen, den du mir hier gegeben hast. Ich hab dir nicht den Rahmen Chick-Flick gegeben, ich hab dir den Rahmen Girls'Night gegeben. Und es ist tatsächlich schwer zu definieren. Was man auf jeden Fall in den Definitionen findet, ist, dass es halt wirklich erstmal so einfach grundsätzlich sich um Filme handelt, die sich an ein weibliches Publikum richten. Und dann wird manchmal noch so ein bisschen mehr reingegangen, dass es mehr Dialoge gibt als Special-Effekte, dass es mehr um Beziehungen geht, um Zwischenmenschliches und dass eben die ProtagonistInnen weiblich sind. Und das heißt, dass der Blick von, dezidiert von Frauen genommen wird. Vielleicht ist auch sowas wie, wenn man sagt, was sind klassische Girls'Night-Filme, sowas wie E-Mail für dich oder Harry und Sally. Ja. Das sind vielleicht auch ein bisschen Beleidigungen von Frauen, die halt nur so komplett Eskapismus, der meistens dann doch noch krass die männliche Perspektive dominant hat. Ja, das ist der Problem, ja. Und ich glaube, da kann man auch mal so einen Kontrapunkt setzen und sagen, hey.
Johannes Franke: Ja, aber dann kannst du vielleicht Empowerment-Filme mit reinnehmen, aus Sicht von Frauen erzählt, die trotzdem Action und Spaß haben. Aber was hast du? Du hast ja hier keinen Action und keinen Spaß. Also wirklich, du hast keinen Action, du hast keinen Spaß. Aber Action gehört nicht zu Chick-Flicks dazu. Naja, aber zumindest mal so ein bisschen was schneller Erzähltes oder mal so ein paar, ein bisschen was, wo du ein bisschen Aufregung hast, wo du mal sagst, ja, okay, hier und da und dort und kriegt er sie, kriegt er sie nicht. Oder es muss auch nicht mal unbedingt ein romantisches Ding sein, es kann auch irgendwas anderes sein. Aber es muss irgendwas sein, gib mir was mit Sandra Bullock, die wieder...
Florian Bayer: Und kriegt er sie oder kriegt er sie nicht? Das sind die Filme, die durch die, obwohl sie als Chick-Flicks gelten, durch die Bestell-Tests durchfallen.
Johannes Franke: Ja, das ist natürlich bekloppt, das ist richtig. Deswegen haben wir ja Pitch Perfect gehabt. Ja. Der war wirklich ein richtiger, ordentlicher, ja, Chick-Flick im positiven Sinne.
Florian Bayer: Wo aber auch das Wesentliche wiederum war, dass am Schluss, dass das uns ganz wichtig sein soll, dass die Beziehung zwischen der Protagonistin und der Love Interest...
Johannes Franke: Das ist so schlecht und so hinten runter erzählt, das interessiert keinen am Ende mehr. Es ist so egal, ob die sich kriegen oder nicht. Das hast du selber festgestellt letzte Woche.
Florian Bayer: Ich hab Johannes, weil er Dirty Dancing nicht wollte, der wahrscheinlich genauso ein komplett klassischer Klischee-Chick-Flick ist, habe ich ihm Ginger and Rosa vorgeworfen von einer Regisseurin. Ja, sehr gut. Mit Protagonistinnen. Sehr gut. Und mit sehr vielen Szenen und sehr vielen Thematiken, die locker durch den Bestell-Test kommen. Ja. Take that.
Johannes Franke: Aber das ist ja nicht das, was so einen Girls-Night-Film ausmacht. Meine Güte Blor.
Florian Bayer: Was du dir nicht unter einem Girls-Night-Film vorstellst, als Experte, der schon bei sehr vielen Girls-Nights dabei war.
Johannes Franke: Du bist doof.
Florian Bayer: Okay, Ginger and Rosa, wir springen einfach ein. Ich hab auch einen kleinen Text dazu geschrieben. Ja. Und vielleicht schaffen wir es ja trotzdem, die Girls-Night-Qualitäten dieses Films zu finden oder eben die Qualitäten, die neben der Girls-Night liegen.
Johannes Franke: Also an alle Zuhörerinnen. Wenn ihr diese Episode hört und diesen Film kennt oder aufgrund der Episode einmal guckt, bitte schreibt uns. Bitte schreibt uns. Blor, du hast Unrecht. Es ist totale Scheiße. Das ist kein Flick für einen Girls-Night-Abend. Egal, ob die Qualität des Films sonst ausreicht oder nicht. Aber es ist nicht für... Also stell dir vor, du hast dich gerade getrennt und dann sagen deine Freundinnen zu dir, komm, wir setzen uns zusammen hin und gucken, was uns ablenkt.
Florian Bayer: Aber das ist ja schon ein sehr spezifisches Girls-Night-Szenario. Ja, das stimmt. Ich stelle mir eher vor, hey, wir haben uns lange nicht mehr gesehen, lass uns mal einen wirklich guten Film gucken, der für Frauen gemacht ist und in dem eben nicht die ganze Zeit der männliche Blick im Mittelpunkt steht, der eben nicht ein männliches Zielpublikum hat, sondern der gemacht ist, um uns zu interessieren, um uns starke Charaktere zu geben. Und los geht's. London 1962. Die Welt befindet sich am Rande eines atomaren Schlagabtauschs zwischen Ost und West. Und das geht auch an Großbritannien nicht spurlos vorbei. Die beiden 16-jährigen Mädchen Ginger und Rosa sind praktisch seit ihrer Geburt miteinander befreundet und versuchen, in dem soziopolitischen Chaos der Zeit irgendwie zurechtzukommen. Während Rosa dies tut, indem sie sich entweder purem Hedonismus oder ihrem tiefen christlichen Glauben hingibt, schreibt die sensible Ginger Gedichte und fühlt sich zum politischen Aktivismus hingezogen. Die Freundschaft der beiden wird auf die Probe gestellt, als Rosa eine Affäre mit Gingers unkonventionell lebendem Vater beginnt. Ginger fühlt sich hin- und hergerissen zwischen der Angst vor einem nuklearen Holocaust und den emotionalen Herausforderungen des fragilen sozialen Gefüges, in dem sie sich bewegt. Sally Potters Ginger und Rosa aus dem Jahr 2012 ist ein einfacher Film. Ein kleiner Film, der dennoch die ganze Wucht der damaligen Zeit in sich trägt. Ambivalente Charaktere, komplexe Konflikte und ein berührendes Meandern zwischen intimem Coming-of-Age und universellem Blick auf den politischen Aktivismus der Jugend. Vor allem getragen von seinen faszinierenden Protagonistinnen und dem hervorragenden Spiel ihrer Schauspielerin. Jetzt habe ich den Satz noch drin in meinem Text und ich möchte ihn dir nicht vorenthalten. Johannes, passt das zu einer Girls' Night? Ja. Oder ist das zu wenig Party, zu wenig Lebensfreude und zu viel emotionaler Ballast? Bitteschön, sag's noch einmal.
Johannes Franke: Es ist zu viel emotionaler Ballast. Ich will Party an einem Girls' Night Abend. Ich will gerne mit allen meinen Freundinnen zusammensitzen und Spaß haben. Und nicht deprimiert am Ende schniefend da sitzen und uns gegenseitig von der Schlechtigkeit dieser Welt erzählen.
Florian Bayer: Ich stelle mir ja vor, wie ich zu einem Männerfilmabend eingeladen werde und mich total drüber freue, wenn eher ein Film kommt, in dem ein bisschen mehr Dialog ist, in dem ein bisschen mehr Substanz ist und halt nicht so ein dumpfer Actionfilm. So stelle ich mir das vor.
Johannes Franke: Aber das Problem ist, dumpfe Actionfilme gibt es seit den 40ern, naja, nicht ganz, aber weißt du, dumpfe Filme für Männer gibt es wie Sand am Meer.
Florian Bayer: Dumpfe Filme für Frauen gibt es auch wie Sand am Meer. Und gerade Filme mit so sexistischen Themen, doch, die gibt es auch schon ewig. Auch Chick-Flicks gibt es auch seit den 40ern und 50ern. Und dann wird halt gesagt, liebe Frauen, guckt euch diesen Film an, wo ihr lernt, dass die Vervollkommnung eures Lebens ist, wenn ihr den Mann eurer Träume findet. Deswegen hatte ich ja Pitch Perfect. Aber auch da, auch da lebt dieses Stereotyp fort.
Johannes Franke: Naja, aber nicht so vordergründig. Nicht so vordergründig, ja. Es ist so ein bisschen weggespielt und irgendwie hat man so das Gefühl, dass der Autor dachte, naja, das muss man auch noch unterbringen, weil das immer alle unterbringen. Aber das wurde so weggespielt, dass es egal wurde.
Florian Bayer: Okay, halten wir fest, für Johannes ist Ginger und Rosa für die Girls Night durchgefallen. Völlig durchgefallen. Wie fandst du denn den Film, unabhängig davon?
Johannes Franke: Ich hatte Schwierigkeiten, darüber hinwegzukommen. Ich wollte, ich habe mich hingesetzt und habe mich richtig gefreut. Weißt du, ich saß da mit Eis und habe Taschentücher bereitgelegt für die romantischen Szenen. Hey, Taschentücher sind gut für diesen Film. Ja, das hat super gefunktioniert. Aber ich dachte, es ist irgendwie so ein bisschen Rom-Com oder vielleicht irgendwas, wo man so ein bisschen Revenge, Empowerment, irgendwas. Krass. Aber, aber, da ist ja, da ist ja nur deprimierend. Findest du tatsächlich? Ich fand ihn so unendlich traurig am Ende. Ja. Dass ich, das ist so ein Klischee von älter werdenden Männern, die dann sagen, ich kann den Krimi nicht gucken, ich kann dann nicht mehr schlafen. Ich konnte nicht schlafen. Wow. Ich war so, ich dachte die ganze Zeit, was hat mich an dem Film so aufgewühlt, dass ich nicht richtig, dass ich einfach nicht davon loskomme. Ich, der Film hat mich echt, echt, echt lange beschäftigt.
Florian Bayer: Okay, das ist jetzt erstmal ein krasses Statement. Klingt für mich erstmal wie ein Qualitätsmerkmal von dem Film.
Johannes Franke: Ja, natürlich. Es ist auch ein Qualitätsmerkmal. Es ist bloß, dass ich andere Erwartungen hatte, als ich den Filmabend begann habe.
Florian Bayer: Du hast offensichtlich auch, was ich auch wow finde, den Optimismus, der in dem Film auch drin steckt, dann sehr wenig wahrgenommen oder gar nicht wahrgenommen. Weil ich finde, der Film trägt sehr viel Optimismus auch in sich. Das musst du mir genauer erklären. Darüber müssen wir wahrscheinlich reden. Kommen wir erstmal so zum grundsätzlichen Regie- und Drehbuch Sally Potter. Wir haben über Sally Potter schon mal geredet in diesem Podcast und zwar über Orlando.
Johannes Franke: Man kann es nicht anders sagen, Sally Potter ist einfach eine großartige Regisseurin, die nicht einen Film nach dem anderen gedreht hat, sondern irgendwie immer mal Jahre dazwischen hat und sich einfach wirklich anscheinend Zeit nimmt, sich auszudenken, was sie nun eigentlich als nächstes machen will. Und Orlando fand ich so großartig. Wir haben darüber geredet. Hört euch die Episode an. Es ist einfach ein ganz, ganz, ganz toller Film. Sehr, sehr gut inszeniert. Und das findet sich natürlich auch in diesem Film wieder. So viel Sensibilität in der Inszenierung und in der Auswahl der Bilder mit der Zusammenarbeit mit dem Kamerateam. Es ist wirklich toll.
Florian Bayer: Ja, was an Sally Potter ja spannend ist, sie tendenziell eher aus dem Experimentellen kommt, dass sie sehr viele, sehr experimentelle und sehr verkopfte Filme gemacht hat. Ja. Ich finde, Ginger und Rosa sticht so ein bisschen raus aus ihrem Oeuvre, weil er eben, weil er nicht so verkopft ist, weil er sich mehr wirklich auf das Emotionale stürzt. Sally Potter ist eigentlich eine Experimentalfilmerin und Orlando ist als ihr erfolgreichster langer Film. Immer noch ein sehr gutes Beispiel dafür, weil das ja eine Verfilmung von der Virginia-Wulff-Geschichte ist und weil es eben surreale Momente hat und weil es durch die Zeiten geht und es werden Geschlechter gewechselt und Identitäten getauscht und sehr verträumt und sehr verspielt. Und Ginger und Rosa ist schon anders, weil es wirklich sehr ehren ist. Ich finde, das merkt man auch schon in den Bildern, die alle so diese sehr braunen Töne, die dominieren. Es gibt diese Kamera, um gleich die nächste Person, die daran beteiligt war, hinter der Kamera zu nennen, Robbie Ryan, der unter anderem bei Marriage Story Kamera gemacht hat. Oh. Genau das getroffen hat, was sie schaffen wollte. So ein bisschen so eine romantische Atmosphäre, die so ein bisschen verträumt ist, ein bisschen nostalgisch, aber eben trotzdem nah an den Personen und sehr intim.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, absolut. Er trifft das total. Volle Kanne. Und das ist kein verwackelter Film, ne? Make no mistake. Es ist nicht so, dass man im Kino sitzt und denkt, oh, mir wird gleich schlecht, weil die Verfolgungsjagd so verwackelt ist. Das ist nicht die Art von verwackelter Kamera, sondern es ist einfach wirklich eine Kamera, die atmet mit dem Schauspieler, mit der vor der Kamera steht. Und das finde ich ganz toll. Sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Und vielleicht noch, um eine Person hinter der Kamera zu nennen, ich kann es schon kaum erwarten, zu den Personen vor der Kamera zu kommen. Der Schnitt ist von Anders Raffin, das ist der Vater von Nicholas Winding Raffin, den kennt man vielleicht, das ist ein Experimentalfilm-Regisseur, der immer mal wieder in den letzten Jahren, Jahrzehnten für Aufsehen gesorgt hat mit sehr, sehr speziellen Filmen. Und Anders Raffin hat sehr viel mit Lars von Trier gearbeitet. Der hat so Filme wie Antichrist und Melancholia und so geschnitten. Ah, okay. Und ja, ich meine, der Schnitt ist ein einfacher Schnitt, aber ein sehr, sehr gezielgerichter und sehr treffender Schnitt. Und ich halte es nicht aus, ich muss zu dem Personenspieler kommen. Ja, sag schon. Elle Fanning ist vielleicht, vielleicht die beste Schauspielerin unserer Zeit. Um das mal, um mal ganz high stakes zu sein. Ja, also. Ich finde sie, also in diesem Film besonders, aber es gibt so viele Filme mit ihr, die ich gesehen habe in den letzten Jahren und sie ist immer krass und immer groß.
Johannes Franke: Sie hat vor allem, habe ich das Gefühl, über die Jahre, sie hat ja sehr früh angefangen, es geschafft, so richtig reinzuwachsen und in jedem Alter genau das immer perfekt zu bedienen, was gerade wichtig war für das Alter, das, was sie gespielt hat. Sie hat eine unglaubliche Naivität noch drin, aber das eben irgendwie schon so reflektiert, dass man das Gefühl hat, da ist genau der Punkt abgepasst, der der Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein irgendwie bedeutet. Und da hat sie genau den Sweetspot gefunden und das finde ich so krass für eine in dem Moment, in den beiden Dreharbeiten, 13-, 14-Jährige, die eine 17-Jährige spielt.
Florian Bayer: Man hat es ja ganz oft in den Filmen, auch in den letzten Wochen besprochenen Filmen, dass du eben Leute hast, die zehn Jahre älter sind als die jugendlichen Protagonistinnen, die sie spielen. Und hier hat Sally Potter eine 13-, 14-Jährige für eine 16-, 17-Jährige Rolle besetzt. Es ist unglaublich. Und sie spielt das und sie steht das. Voll, volle Kanne.
Johannes Franke: Was ich sagte, dieser Übergang von kindlicher Naivität und kindlicher Sicht auf die Welt und dieser Reflexion, die trotzdem stattfindet und die schon auf einem Level stattfindet, die man oft dem gar nicht zutrauen will oder gar nicht wahrhaben will, dass da schon irgendwie was passiert, dass irgendwie eine Persönlichkeitsbildung einfach stattfindet. Und sie spielt das so wahnsinnig gut und ich kann mir gar nicht vorstellen, das zu spielen, ohne ein wahnsinniges Maß an Selbstreflexion zu haben.
Florian Bayer: Ja, ihre Schwester ist eigentlich die bekanntere von beiden Dakota Fanning, ihre ältere Schwester. Und Al Fanning ist mir das erste Mal aufgefallen in Super 8. Das war so ein Spielberg-Film, der nicht von Spielberg war, sondern von J.J. Abrams, wenn ich mich richtig erinnere. Also aber so eine Mischung aus E.T., unheimliche Begegnung der dritten Art und Alien und wo Jugend, Kinder, Jugendliche über ein Weltraummonster stolpern. Und da in dem Film dachte ich schon, wow, die ist eigentlich viel zu gut für diesen Film, weil sie halt in ihren emotionalen Momenten da so krass gespielt hat. Und ja, also seitdem habe ich sie in vielen Filmen gesehen und ich finde, sie trifft es immer. Und sie, mittlerweile ist sie eine junge Erwachsene und hat dann auch sowas wie Neon Demon gespielt, zum Beispiel von Nicholas Winding Refn, den ich kurz erwähnt habe, dessen Vater diesen Film geschnitten hat, wo sie dann auch nochmal erwachsenere Rollen spielt und die auch unglaublich gefüllt hat. 2017 hat sie Mary Shelley gespielt. Ah, ja. Aber auch sowas wie Maleficent, wo sie die Prinzessin spielt mit 16 und sie ist nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch darüber hinaus. Sie ist einfach eine unglaublich starke Schauspielerin und in diesem Film gibt es einfach so ein paar Szenen, wo sie so krass ihre Emotionen rauslässt.
Johannes Franke: Es ist unglaublich, weil sie auch keine Barrieren mehr hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also man hat ja oft das Problem und vielleicht hat sie dieses Problem auch irgendwann gehabt, aber in dem Moment spürt man gar nichts davon. Dass man im Übergang von Kinderschauspielern, wo man sich gar keine Gedanken um irgendwas macht, sondern einfach ist, da ist und auch es noch gar nicht so richtig, man sagen kann, dass Kinder spielen, sondern dass Kinder eigentlich nur in ihrem eigentlichen Sinne spielen. Nicht Schauspiel, sondern einfach ein Spiel haben für sich. Das, was man eigentlich als Schauspiel für Erwachsene bezeichnet, da muss man sich lange ranarbeiten als Schauspieler. Wenn man ein Kind zum Erwachsenenalter, man hat so Barrieren, man hat irgendwie so Charme und man plötzlich, wenn man so ein guter Kinderdarsteller war, kann man nicht mehr spielen. Weil man plötzlich keine Ahnung mehr hat, was sind das für Emotionen, stehe ich dazu, darf ich dazu stehen, kann ich dazu stehen, ich muss ja awkward komische Sachen machen vor der Kamera, ist alles nicht meins. Und plötzlich muss man das Spiel neu lernen und diese Barriere spüre ich bei ihr so null. Sie lässt einfach raus, sie ist so durchlässig, wie man sagt als Schauspieler, so durchlässig, dass man komplett durch sie durchgucken kann und alles sieht. Und das ist so selten, in dem Alter ist das so selten und das muss man sich so hart erarbeiten eigentlich.
Florian Bayer: Es gibt ja diese krasse Szene, die sind ja am Schluss des Films, wo sie mit ihrem Verhalten konfrontiert wird und dann eben irgendwie und die Bella, so eine ältere Frau, die auch Aktivistin ist und die sowas wie eine Freundin, eine Mentorin von ihr geworden ist, auch wenn wir die relativ wenig sehen, sticht immer so ein bisschen nach, damit sie endlich sagt, was jetzt eigentlich los ist und dann gibt es einfach diesen Moment, wo sie jetzt wissen wollen, was los ist. Und wir wissen, Ginger trägt das mit sich rum, dass ihr Vater eine Affäre mit ihrer besten Freundin hat. Und dann bricht sie so in Tränen aus und versucht das zu sagen und sagt, ich kann es nicht sagen, I might explode if I say it. Und dann heult sie die Wahrheit so raus. Und das ist so eine krasse Gänsehautszene. Absolut, ja. Also, weil sie diese Verzweiflung und dieses Nicht-reden-können, dieses Überwältigt-Sein von den Gefühlen und ich glaube, jeder kennt das, dass es das mal gab, dass man irgendwas gesagt hat und dass man so verletzt war und so fertig, dass man die Wörter einfach nicht rausgekriegt hat, weil man zu sehr mit Weinen beschäftigt war oder mit Schreien. Und das spielt sie so krass in diesem Moment. Dann ist die Kamera halt wirklich dicht an ihr dran und wir haben sie, wie sie nach Luft schnappt, wie sie heult, wie sie versucht, irgendwie die Wörter rauszuwerfen. Und dann kommen sie so nach und nach raus und es ist wirklich ein krasser Moment. Es ist so ein totaler Gänsehautmoment, der wirklich Schmerz auslöst. Ich glaube, das war bestimmt auch einer der Momente, der dich mitgenommen hat.
Johannes Franke: Absolut, natürlich. Sie spielt das wahnsinnig gut und sie triggert dabei auch in jedem, der zuschaut, der auch nur irgendwann mal in seinem Leben solche Situationen hatte. Du bist unweigerlich bei ihr. Du hast einfach keine Chance. Du kannst nicht da sitzen und nicht berührt sein. Es geht einfach nicht. Sie ergreift dich so mit so einer Wucht und es ist so krass, weil die Situation auch so krass ist mit diesem Typen, auf dem man so schnell so wütend wird. Den ganzen Film über teasert er ja schon an und man denkt ganz oft schon, passiert da nicht irgendwie was? Und da ist der Typ nicht irgendwie seltsam und hat ja nicht irgendwie komische Blicke. Der Film erzählt ja so wahnsinnig viel über Blicken, ohne dass irgendwas gesagt wird. Und er wird so oft so komisch angeteasert, dass man den Finger oft nur so ganz vage reinlegen kann. Und dann irgendwann ist die Wunde so groß, dass man feststellt, ah fuck, jetzt passiert es tatsächlich. Und man ahnt es schon und man ist so wütend auf diesen Typen.
Florian Bayer: Es gibt halt vorher auch schon immer so ein bisschen diese subtilen Momente, wo man merkt einfach, wie toxisch das ist, wie er mit seiner Frau umgeht. Ja, das ist, ja. Er gefällt sich ja so in dieser Rolle des liberalen Dandys, der einfach anders und unkonventionell leben will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann gibt es einfach die Situation, wo Ned für ihn Essen kocht und er dann da sitzt und gar nichts dazu sagt. Und sie so, ey, ich habe gerade was gekocht, kannst du nicht wenigstens mal Danke sagen oder so?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er dann so, ah, ich mag dieses Konzept nicht und was ist das, warum versuchst du die Hausfrau zu spielen? Und er macht sie einfach mal so krass mit Worten fertig.
Johannes Franke: Ja, und zwar auf eine Art, dass er anfängt, es moralisch zu unterlegen, irgendwie seine Arschlochhaftigkeit zu entschuldigen mit einer Moral, die da nichts zu suchen hat, die völlig daneben ist eigentlich. Aber sie erzählt es natürlich so wahnsinnig gut. Also Sally Potter hat da so einen guten Ton gefunden und genau den richtigen Ansatz gefunden, um zu zeigen, wie man sich hinter sowas verstecken kann, hinter einer Rebellion verstecken kann. Ja, ja. Das ist so krass. Ja. Das habe ich noch nie gesehen in einem Film so.
Florian Bayer: Es gibt ja diese eine Figur, die leider ein bisschen zu wenig Leinwandzeit hat, von der ich gerne mehr gesehen hätte, das ist diese Bella, die übrigens auch ganz hervorragend gespielt wird von Annette Banning. Ja, Annette Banning ist großartig, einfach eine tolle Schauspielerin. Und die ist gut darin, auch so den Finger auf die Wunde zu legen, die ist einfach eine unglaublich gute Beobachterin. Immer wenn man sie sieht, sie wird eingeführt als politische Aktivistin und man denkt vielleicht am Anfang schon so, oh, ob das der richtige Umgang für Ginger ist, die sowieso schon die ganze Zeit so Angst hat und so nach vorne strebt. Aber die entpuppt sich dann als wirklich gute Beobachterin auch, was das persönliche Emotionale ist und Roland, also der Vater von Ginger, versucht sich dann irgendwie rauszureden und zu sagen, hey, ich glaube nicht an die klassischen Konzepte von Beziehungen und dann sagt sie so, hey, how convenient.
Johannes Franke: Ich hab den Dialog hier, ich find's, ich find den so gut geschrieben und so, so hard on point. Also zum einen sagt er autonomous thought, personal truth, freedom of action, das sind Sachen, die mir wichtig waren und bezieht das aber auf eine fucking Beziehung mit einer 17-Jährigen. Ja, und, und, und, und, okay, das ist wahrscheinlich der Punkt, der mir einfach den Film nicht so wahnsinnig hat reinhauen lassen und mich so wahnsinnig lange beschäftigt hat, weil der Typ so gut geschrieben und so fucking scheiße ist. Wir müssen über Gaslighting reden.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall, ganz, ganz viel, dass es von Anfang an ist das, wie in der Beziehung von ihm und Ned, wie er mit seinen Fehlern umgeht. Und zwar, willst du den Begriff definieren? Müssen wir ein Lexikon, sollen wir ein Lexikon dafür aufmachen?
Johannes Franke: Machen wir gerne ein Lexikon dafür auf. Einmal für Gaslighting, wer es noch nicht verstanden hat in unserer heutigen Zeit, was Gaslighting ist.
Florian Bayer: Ja, ein wirklich spannender Begriff. Also, Lexikon, bitte, öffnen. Das muss man sehen, Lexikon. Gaslighting, quasi Gasbeleuchtung, um es einfach mal zu übersetzen. Und zwar geht es um eine spezifische Art, wie vor allem in Beziehungen, also es muss noch nicht mal eine romantische Beziehung sein, es können auch Freundschaften sein, Kommunikation betrieben wird. Und zwar Kommunikation, die eine Form von psychischer Gewalt ist und zwar nichts anderes.
Johannes Franke: Und es gibt es auch im Berufsleben, also es ist noch nicht mal Freundschaft. Genau. Es gibt es in jeder Form von, wenn zwei Menschen in Interaktion miteinander sind. In politischen Diskussionen auch ganz viel. Ganz viel, ganz viel.
Florian Bayer: Und zwar geht es um einen bestimmten spezifischen Kommunikationsstil. Ich finde es wirklich schwer zu definieren und weil es ist auch so ein Begriff, der schwer zu packen ist. Es geht auf jeden Fall um Manipulation und die Manipulation, die vor allem darauf abzielt, die Person, das Gegenüber irgendwie zu verunsichern, dass die das in Frage stellt, was sie als richtig betrachtet und wie sie sich verhält. Und zwar kann das mit ganz kleinen Stichen stattfinden, dass das Opfer immer wieder das Gefühl hat, ich mache das falsch, ich bin der, der alles falsch macht, ich bin der, der daneben liegt. Und in diesem Film, Roland, der Vater von Ginger, benutzt sehr oft diese Strategien, sowohl im Dialog mit seiner Frau, als auch im Dialog mit seiner Tochter, als auch im Dialog mit anderen Leuten, weil es ist ein sehr intelligenter Mann. Ich glaube, für Gaslighting muss man intelligent sein, weil es auch so was Strategisches hat.
Johannes Franke: Ja, obwohl es gibt Leute, denen das so anerzogen wird. Ich glaube, dass Donald Trump ein ganz guter Gaslighter ist, obwohl er ziemlich doof ist.
Florian Bayer: Ja, glaubst du, er ist ein guter Gaslighter?
Johannes Franke: Naja, also vielleicht jetzt nicht unbedingt in Beziehungen mit schlaueren Menschen, aber es gibt, ich meine, die Beziehungen, die ja, naja. Das kann ich nicht sagen. Ich habe Donald Trump privat nicht erlebt, aber ich kann mir vorstellen, dass Donald Trump das sehr viel macht.
Florian Bayer: Ja, ich finde, also zum Gaslighting gehört für mich immer so ein was, das so Hinterrücksmanipulativ sein. Also Donald Trump ist, glaube ich, also ich finde, Donald Trump ist, um wirklich so ein Gaslighting-Täter zu sein, also zumindest im öffentlichen Diskurs, ist der zu poltern und zu gerade raus und so mit, also nicht um Donald Trump zu verteidigen. Aber der schimpft ja und redet laut über seine Opfer, während ich glaube, beim Gaslighting findet das eher so ein bisschen subtil statt. Oft ist es auch so, dass die Täter und TäterInnen beim Gaslighting sagen, ich bin doch der, der rational redet, denk doch nochmal nach. Du bist hier emotional aufgewühlt, du bist überhaupt nicht mehr rational, du kannst überhaupt nicht verstehen, worum es geht, weil du viel zu sehr dich in deine Emotionen stürzt und das dann so als Vorwand nutzen, um eben so sehr subtil ihre Botschaften zu bringen, bis das Opfer halt wirklich davon überzeugt ist, dass der Täter oder die Täterin recht hat. Und das ist eben auch ganz oft verknüpft mit Missbrauchsgeschichten, mit sowohl physischer Gewalt als auch sexueller Gewalt, psychischer Gewalt, dass die Täter Rechtfertigungen finden.
Johannes Franke: Ja, also ganz klassischer Fall wäre bei sexueller Gewalt, dass Täter oft ihren Opfern suggerieren, dass sie das selber herbeigeführt haben. Ja, genau. Was der Täter da tut. Also, du hast ja das gewollt so, du hast dich ja, sonst hättest du dich nicht so angezogen, sonst hättest du sowas, dich nicht so verhalten. Und im Grunde auf perfide Art und Weise die Schuld rüberzuspielen auf den anderen, auf das Opfer. Ja. Das ist für mich der klassische Fall von Gaslighting.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, was wichtig ist noch zu betonen bei dem Begriff, Gaslighting kann sowohl sehr bewusst manipulativ stattfinden. Also es gibt Täter, die sich sehr bewusst sind, wie sie das machen und die das auch wirklich einsetzen als Strategie, um eben sexuellen Missbrauch begehen zu können, um sexuellen Missbrauch vor dem Opfer rechtfertigen zu können und um das Opfer daran zu hindern, dem sexuellen Missbrauch irgendjemandem zu erzählen. Gaslighting kann aber auch etwas sein, was unbewusst stattfindet, oft auch bei, das ist ein großes Spektrum, aber narzisstischen Persönlichkeitsstörungen, dass sich die Täter in selbst nicht bewusst sind, wie weit sie jetzt Gaslighting betreiben, wie weit sie hier gerade manipulieren und Menschen verletzen.
Johannes Franke: Ja, und es ist, man muss auch dazu sagen, gesellschaftlich irgendwie auch anerzogen, streckenweise. Es gibt ganz viele so Managerpositionen und so, die sich gegenseitig erzählen, also dem Nachwuchs dann erzählen, wie sie mit ihren Leuten umgehen müssen und da ist Gaslighting einfach ein großer strategischer Punkt gewesen. Und das haben wir uns gegenseitig anerzogen, das so zu machen, so Kommunikationsformen.
Florian Bayer: Ja, dominiere den Narrativ, dann kriegst du schon das, was du willst. Solche Sachen, genau, ja. Und ich wollte das nochmal betonen, auch mit dem Unabsichtlichen, weil ich glaube, das ist so ein bisschen das, worin sich auch dieser Roland, diese Figur bewegt, die wird ja nicht als das reine Böse gezeichnet. Also es gibt da natürlich, klar, unsere Sympathien sind irgendwie bei Ginger, weil das die Person ist, bei der wir am nächsten sind. Aber Sally Potter macht es sich nicht so leicht, sie versucht diesen Roland zu verstehen und sie versucht diesem Roland irgendwie einen Charakter zu geben, der eine gewisse Ambivalenz in sich trägt.
Johannes Franke: Ja, darum geht es ja natürlich. Also ich meine, das ist ja der wichtige Punkt des ganzen Films im Grunde, dass wir eine Ambivalenz drin haben, dass unsere, wie sagst du das schön, eine Ambiguitätstoleranz hart geprüft wird. Ja. Weil wir, weil wir natürlich beides in einer Person haben, der ist, zum einen ist er der Rebell, der natürlich nur das Gute will und irgendwie sich verweigert, Krieg gegenüber und so weiter, was ja eine ehrenhafte Sache ist und sich dann darin aber versteckt. Ja. Und dann musst du irgendwie aushalten können, dass der gleichzeitig ein paar gute Sachen gemacht hat, aber eben auch einfach ein echtes Arsch ist.
Florian Bayer: Ja. Es gibt halt immer wieder diese Momente, wo wir, wo dieser Konflikt zwischen Ned und Roland ausgespielt wird. Oder dann auch zum Beispiel Ned, die offensichtlich viel aufgegeben hat für die Familie. Auch so ein klassisches Motiv und gerade in der Zeit viel anzutreffen, dass Frauen ihre Ambitionen aufgeben, wenn eine Familie gegründet wird. Und wo Ned das irgendwie, irgendwie auch sowas will wie eine Normalität. Sie sagt einmal zu Roland, kannst du nicht einfach normal sein? Und dann fragt er nochmal, ja, welche Normalitäten? Das ist auch so ein Moment, wo unsere Sympathien bei ihm sein können. Weil wir sehen, dass er tatsächlich dieses bürgerliche Leben nicht will. Und dass die Neds sich offensichtlich danach sehen, das ist ja auch so einer der wesentlichen Konfliktpunkte zwischen Ginger und Ned. Dass Ginger ganz am Anfang relativ spät nach Hause kommt und dann fragt Ned, wo bist du gewesen? Was hast du gemacht? Und so. Und sie sagt so, ach, ich war nur unterwegs. Und dann sagt Ned zu Roland, ey, sag du doch auch mal was? Und Roland sagt so, naja, du bist schon ein bisschen spät geworden, ne? Geh mal ins Bett. Und wo dann auch wieder unsere Sympathien schon auch bei ihm sind, weil er offensichtlich vermeintlich mehr Verständnis hat für den Wunsch seiner Tochter zu leben und sich auszuprobieren.
Johannes Franke: Ja. Was aber dann sich umkehrt irgendwann, weil es irgendwann dieses Gespräch gibt zwischen Vater und Tochter. Und dieses Gespräch am Tisch irgendwie. Und er versucht ihr immer wieder und nochmal und nochmal auf verschiedene Art und Weisen dieses Rebellending einzuimpfen. Ja. Es ist so, es geht so weit über die normale, das normale Vorleben von Hinterfragen von Dingen hinaus. Ja. Er versucht sie wirklich zu indoktrinieren.
Florian Bayer: Er hat halt auch diesen krassen Hochschullehrer-Komplex. Ja. Also er ist einfach so, er muss immer dozieren und er ist immer dabei, die Welt zu erklären. Eigentlich ist er ja ein alter, weißer Mann. Ja. So das Klischee des alten, weißen Mannes, der eben seiner jungen Tochter die Welt erklärt und der genau weiß, wie es abgeht und sie versteht es einfach noch nicht. Also auch wirklich dieser unangenehme Moment, wo er, wo sie dann erlebt, das dazu zu sagen, er lebt die Beziehung mit Rosa offen. Es gibt dann diesen wirklich hässlichen Moment, wo Rosa und Ginger gekocht haben und dann ist noch ein Freund von ihm da und dann fängt er an mit Rosa zu tanzen und Ginger sitzt da und ihr läuft dann irgendwann eine Träne runter. Und weil sie damit überhaupt nicht klarkommt, was da passiert und die das einfach so offen machen und dann setzt er sich zu ihr und sagt so, ach Rosa. So nach dem Motto, so kleine, du kommst nicht klar emotional, was meine ich jetzt? Also so nach dem Motto, jetzt stell dich mal nicht so an und ach, jetzt bist du schon wieder so bewegt davon, es passiert doch gerade gar nichts. Kurz nachdem er ihre beste Freundin mit ihr getanzt hat. Ihre 17-jährige. Ihre 17-jährige beste Freundin. Ich könnte ihn so in die Fresse schlagen die ganze Zeit. Es ist unglaublich. Ja. Okay, wir bleiben mal ganz kurz noch bei der Beziehung von Roland und Ginger. Ich will aber gleich noch zu anderen Themen kommen. Ja, also nachdem sie das gesagt hat, versucht ja Netz sich umzubringen, nimmt diese Tabletten und dann sitzen Ginger und Roland sitzen zusammen im Krankenhaus und warten irgendwie auf eine Nachricht und Ginger schreibt dann eben dieses Gedicht an Rosa, wo sie sich drüber Gedanken macht, ob sie ihr vergeben kann. Und dann haben wir Roland so im Hintergrund, der irgendwann sagt, dass es ihm leid tut und ist es ernst? Also ganz kurz, wie bewertest du seine Entschuldigung?
Johannes Franke: Ja, naja, das kann in dem Moment durchaus ernst sein. Das ist ja auch das Perfide bei vielen solcher Menschen, dass die das in dem Moment, wo sie sich entschuldigen, wirklich ernst meinen. Das Problem ist bloß, dass es ihnen nicht hilft. Die werden genauso weitermachen. Das ist ein Lebenskonzept, das sich nicht einfach so mit einer Entschuldigung und einer kurzen Einsicht ändern lässt. Das ist etwas, was, da hast du eine kurze Einsicht und das nächste Mal, wenn du an der Situation bist, merkst du es entweder nicht mal, dass du da wieder an der gleichen Situation bist oder du bist einfach nicht stark genug, das zu ändern. Ich traue ihm null, dass er da irgendwas ändert. Ich kann mich überhaupt nicht vorstellen, weil er auch, ich glaube, nicht reflektiert genug ist oder nicht gewillt ist, das tatsächlich zu tun. Sonst hätte er nämlich viel mehr Konflikt mit sich selbst rumtragen müssen, den Film über.
Florian Bayer: Es gibt ja immer diese Momente, wo er zum Beispiel sagt, er sagt einmal zu ihr, I'm not father material. Wenn sie sie überlegt, ja zu ihm zu ziehen, nachdem sie sich mit ihrer Mutter gestritten hat. Und er, sie weiß schon von der Beziehung von ihm und Rosa und dann redet er relativ lang mit ihr und sagt, ich bin eigentlich, ich bin eigentlich kein guter Vater und ich weiß, dass ich bin nicht Vater material. Und wo man zumindest das Gefühl hat, es gibt diese wachen Momente bei ihm, wo er merkt, dass er totalen Mist baut. Das Problem ist, dass er sein Verhalten daran nicht anpasst, dass er nicht sagt, okay, dann muss ich das irgendwie anders machen.
Johannes Franke: Ich glaube auch nicht, dass er das so bewertet, dass er totalen Mist baut. Ich glaube nur, dass er weiß, okay, das ist kein Vaterumgang, den ich hier pflege. Das ist nicht, dass irgendwie fühle ich mich nicht wohl in der Rolle und nicht richtig in der Rolle und das muss ich einmal sagen. Das ist eine selbstgerechte Sache.
Florian Bayer: Wahrscheinlich schon. Er akzeptiert ja auch nicht ihre Jugendlichkeit. Er sagt ihr die ganze Zeit, ich nehme sie als Erwachsene wahr und ich glaube, dass sie selbstständig ist. Und da gräbt er komplett, wie sie sich fühlt. Weil sie fühlt sich in diesem Moment nicht erwachsen. Sie fühlt sich verletzt, sie fühlt sich hilflos, sie braucht Hilfe und Unterstützung. Und dann zu sagen, du bist ein selbstständiger, erwachsener Mensch, ist einfach mal ein Arschloch-Move. Was für ein schöner Girls-Night-Film. Es geht ja nicht nur um den Konflikt von Ginger mit ihrem Vater. Wir haben ja die ganze Zeit diesen doppelten Boden. Diese Angst von Ginger, also zum einen, dass sie wirklich fertig ist darüber, dass... Nuklearer Katastrophe. Genau. Die Angst vor der nuklearen Katastrophe und die Angst, dass sie irgendwie nicht klarkommt mit dieser Art, wie Rowland sich zu Rosa verhält. Und ich bin sehr glücklich darüber, dass der Film nicht versucht, auch wenn er immer ein bisschen gefalleigt hat, dass er das tut, einfach ihre Angst, ihre politische Angst, damit zu erklären, dass das nichts anderes ist, als ein Spiegelbild ihrer emotionalen, persönlichen Angst, sondern er nimmt diese politische Haltung von ihr schon ernst. Und Sally Potter hat auch gesagt, I wanted to make a film about who we are in the world and also about how the world is in us. Und diese Doppelbildlichkeit spielt die ganze Zeit mit. Und ich finde das sehr stark, wie er, naja, halt eben diesen politischen Aktivismus von Ginger zeigt, als was, was total gerechtfertigt ist. Und trotzdem immer wieder zu diesen Spiegelungen zurückkommt, ihre Angst eben davor, dass ihre Welt explodiert und die Angst davor, dass die Welt außenrum explodiert. Und beides ist sehr real und beides ist sehr nachvollziehbar, weil wir befinden uns im Jahr 1962 und es ist wirklich, die Welt schrammt irgendwie so am Atomkrieg vorbei und es könnte auch anders ausgehen. Und dann haben wir ja sehr viel, sie hat ja sehr viel mit politischen Aktivisten zu tun, ihre beiden Paten, sind ja auch politische Aktivisten.
Johannes Franke: Die ich so super finde, so tolle Rollen, ich liebe diese beiden Marks, heißen Mark, ne?
Florian Bayer: Genau, heißen beide Mark und sind gespielt von, die ja auch ganz toll spielen.
Johannes Franke: Ja, die sind super, ganz toll.
Florian Bayer: Timothy Spall und Oliver Platt, kennt man beide aus vielen Filmen. Das ist jetzt so ein bisschen viel gesagt, aber...
Johannes Franke: Das sind so die ewigen Nebenrollen. Ich habe, glaube ich, der eine ist bei Harry Potter die Ratte und der andere ist bei Benny und June, da kenne ich ihn ja auch aus einer schönen Nebenrolle, die ich sehr mag.
Florian Bayer: Oliver Platt ist in so vielen Filmen zu sehen als Nebenrolle. Also es ist eine unendlich lange Liste. Ich habe ihn vor allem in den 90ern sehr oft wahrgenommen, wo er immer, immer irgendwelche Nebenrollen gespielt hat, egal ob Benny und June oder Jury oder Dr. Doolittle. Kommt einfach überall vor. Und die beiden spielen ganz toll diese Parten, die sich wirklich um Ginger Gedanken machen und auch für sie da sind und sie aber auch bestärken in ihren politischen Idealen. Absolut. Und dann kommt sie durch die beiden, kommt sie dann ja auch in Kontakt mit Bella, von Anna and Benning gespielt. Und dann gibt es einfach diese großen, starken Momente, wo sie gar nicht viel macht, wo sie einfach bei diesen Rallys ist, wo sie bei den Demonstrationen mitläuft und bei den Versammlungen ist. Ja, und auch mal verhaftet wird und nicht so zimperlich mit ihr umgegangen wird. Das ist krass, aber das war auch die Zeit damals und das ist auch teilweise die Zeit noch heute. Was ich tatsächlich stark machen will, weswegen ich finde, dass der Film, obwohl er die 60er darstellt, was Universelles hat, es geht natürlich um die Angst der Jugend vor dem, was die Erwachsenen verbocken. Und dann sind wir ja voll in unserer Zeit, in Friday-for-Future-Proteste.
Johannes Franke: Wir sind voll, wir sind sowas von in unserer Zeit. Ich finde, der Film hat, der atmet nicht unbedingt die 60er für mich. Also tut er natürlich, er spielt in den 60er und er bildet die ganz gut ab, soweit ich das beurteilen kann. Aber er könnte, so wie er gedreht ist, ganz genauso heute spielen. Also es gibt keine großen Notwendigkeiten, das in den 60ern zu sehen und zu sagen, naja, das war damals so. Sondern du hast alles, was da passiert, könnte genauso heute passieren. Und es ist mit Fridays-for-Future genau das gleiche Problem. Die haben alle genau die gleichen Ängste. Ich verstehe das total und natürlich habe ich die auch in anderer Form, weil ich mit fast 40, mit den Ängsten anders umgehe vielleicht. Aber es ist halt, ja, wir gehen vor die Hunde, wenn wir uns nicht kümmern.
Florian Bayer: Und es sind Ängste, die man ernst nehmen muss und vor allem auch ein Aktivismus, der daraus entwächst, den man auch ernst nehmen muss und vor dem man vor allem auch Respekt haben muss. Dass die Jugendlichen aufstehen, die Kinder und Jugendlichen aufstehen und sagen, hey, wir müssen was ändern, sonst sieht es richtig kacke aus. Und ja, wir haben Angst und vielleicht sind wir auch, vielleicht sind wir ein bisschen empfänglicher für Angst, weil wir jung sind und weil bei uns die Hormone zurückspielen. Aber die Angst ist trotzdem real und die Bedrohung ist trotzdem real. Ja, absolut. Ja, also ich finde, der Film kehrt das wirklich schön hervor, dass er eben zeigt, wie wichtig dieser Aktivismus und diese Auseinandersetzung ist. Und dass er gleichzeitig zeigt, im Leben von Jugendlichen und Kindern geht so viel vor sich. Vielleicht gibt es Punkte, an denen wir ansetzen können. Wenn wir Eltern sind, können wir ihnen zum Beispiel nicht das Leben zur Hölle machen, indem wir uns arschig verhalten, wie auch immer. Indem wir hässlich zu unseren Partnern sind oder so. Und als Gesellschaft können wir versuchen, auf sie zu hören und die Welt nicht vor die Hunde fahren zu lassen. Das ist unsere Aufgabe als Erwachsene, diese Ängste in beiden Richtungen ernst zu nehmen, sowohl die persönlichen, emotionalen als auch die politischen und uns daran auch zu orientieren. Weil wenn sie erwachsen sind, ich meine, wir sind ja irgendwann tot. Aber die haben dann noch ein paar Jahre vor sich. Und die müssen mit der Welt klarkommen, die wir ihnen hinterlassen haben. Ja gut, das ist jetzt...
Johannes Franke: We could all die tomorrow. Ja, das ist das große, große Thema unserer Zeit sowieso. We could all die tomorrow und wir wollen irgendwie nicht die Welt verhunzen für die, die danach noch was damit anfangen müssen. Aber gut, da können wir natürlich eine riesige politische Debatte, da können wir einmal Luisa Neubauer einladen und uns hier fünf Stunden lang über die Scheiße auslassen, die gerade passiert. Gut, was macht der Film sonst? Ich finde, dass der Film so wenig erzählt und trotzdem so viel anteasert, dass er viele Sachen auch übersehbar macht. Also wenn man auch nur einmal zwinkert, kann man einen Schnitt auf einen Blick verpassen, der eigentlich gerade die ganze Szene erzählt. Es ist schon wirklich krass. Es ist so viel nur mit Blicken und mit Kameraeinstellungen erzählt, dass man wirklich sehr aufmerksam gucken muss. Und viel über Gefühle und so, die du einfach verpasst, wenn du das Ganze als Audiobook einfach rausbringen würdest oder sowas. Das geht halt einfach überhaupt nicht.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Die Kamera ist halt genau immer sehr nah an den Gesichtern. Wir haben auch oft so in der Unschärfe dann nochmal Bewegungen und Blicke, auch wertende Blicke, auch nachdenkliche Blicke. Diese ganze Beziehung zwischen Ginger und Rosa, die ja den Titel gibt und über die wir noch gar nicht geredet haben, wird sehr viel in Blicken erzählt und sehr wenigen Dialogen. Die beiden unterhalten sich relativ wenig miteinander, aber die beiden haben immer irgendwie eine Art von Connection. Es gibt ja ganz am Anfang diese Szene, wo sie beide Jungs küssen und dann Rosa ein bisschen tiefer geht, etwas weiter geht, während Ginger so ein bisschen unsicher ist und dann immer so den Blick zu ihr hat. Es ist eine sehr starke Szene, um zu zeigen, wie unterschiedlich die beiden ticken. Übrigens, Alf Hennings erster Kuss vor der Kamera.
Johannes Franke: Oh Mann, das ist immer irgendwie komisch und awkward. Aber ich finde das natürlich sehr gut erzählt. Das sind so gute Montagen quasi von Freundschaft, Ausleben von Freundschaft, Spaß haben. Kamera ganz oft ganz nah dran und einfach nur an glücklichen Blicken zweier Freundinnen, die zusammen einfach Spaß haben. Oder zwei Freundinnen, die gerade mal in ein Auto gesprungen sind und dann doch mal Angst haben, weil irgendwie die Jungs, die das Auto fahren, ein bisschen irre sind und irre fahren.
Florian Bayer: Das ist eine krasse Szene, die sehr lange ist und ohne Dialog auskommt, wo sie ins Auto einsteigen, dann fahren die Jungs irre, dann steigen sie irgendwann aus, dann rennen sie zum Wasser, sie rennen am Meer rum und haben Spaß. Und es gibt keine Musik dahinter, sondern sie sind einfach nur, die Kamera ist hinter ihnen. Haben Sie nicht ein bisschen Jazz gehört drunter? Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Ja, im Auto läuft ja die Musik. Das kann sein, ich weiß es nicht mehr genau. Und dann, sie haben immer mal wieder so ein bisschen Jazz gehört, aber es gibt sehr viele Szenen, die auch wirklich so einfach ruhig sind und auch wirklich Banalitäten zeigen, Trivialitäten. Also gerade so diese Freundschaftsszenen zwischen ihnen sind auch einfach, sie sind zusammen unterwegs, sie halten Händchen, sie springen am Wasser rum, sie sitzen da und rauchen zusammen eine Zigarette und einer muss husten, so ganz triviale Sachen. Sie lassen Jeans eingehen, in denen sie den Baden sitzen.
Johannes Franke: Ja, ganz tolle erzählte Freundschaft natürlich und auch von Anfang, von Geburt im Grunde an und dann irgendwie Jugend und so. Was ich, wo ich die Schwierigkeiten habe, ist, dass er dann doch anfängt, ein, zwei Klischees aufzumachen, wie zum Beispiel die Schwangerschaft. Ja. Dann ist sie auch noch schwanger und dann versucht auch noch die Mutter sich umzubringen. Ich finde, dass der Film das gar nicht braucht. Ich finde, der Film geht da ein Stückchen zu weit, weil ich dann, dann verliert er mich so ein kleines bisschen und ich bin ein bisschen genervt davon, weil ich denke, der ist so tiefgehend und er hat so viele, nimmt sich so viel Zeit, die Themen zu beackern, die er hat, dass er für Klischees einfach keinen Platz hat. Das macht es nur schwächer.
Florian Bayer: Ja. Glaubst du, dass sie wirklich schwanger ist? Ich glaube, also für mich blieb das sehr offen. Ja, das stimmt schon. Und Rosa. Es gibt ja diesen Konflikt zwischen Ginger und Rosa, wo Ginger zu ihr sagt, naja, ey, wenn irgendwie, der wird dich fallen lassen, wenn du älter wirst, genauso wie er meine Mutter hat fallen lassen. Und dann sagt Rosa, nein, unsere Liebe ist ewig und jetzt kriegen wir auch noch ein Kind. Also für mich bleibt es offen, ob sie tatsächlich schwanger ist. Ja, das, ja, ja. Chances are, würde ich sagen, eher nicht. Das stimmt vielleicht, ja. Ja, ja.
Johannes Franke: Also, wir sehen, wie er zu Schubert weint und solche Sachen. Das sind halt alles so Sachen, die dazu führen, dass wir das Gefühl haben, dass es eine geschundene Seele ist. Der Künstler. Man kann es sehr ins Lächerliche ziehen, aber die Tochter hat natürlich ein Gefühl dazu. Und dann kommen natürlich diese ganzen Sätze, wo man sie packen will und sagen will, nein, du es nicht. Wo er sagt, he's wounded, I think I can help him. Das tut dir richtig weh als Zuschauer. Und ich verstehe es aber, ich kenne diese Sätze und die sind nicht nur pure Klischees, sondern es ist halt eine Gefühlswelt, die da erwacht, die auf so eine sensible Art und Weise irgendwie sich einer Person nähern will und irgendwie helfen will und da sein will. Und das ist auch, ja, auch das Tochterische dieser Beziehung aus dieser Zeit.
Florian Bayer: Wir haben sehr viel über Ginger geredet. Rosa ist natürlich auch eine super spannende Figur. Ja, ja, genau. Wir verstehen sehr viel von ihrem Verhalten. Sie sucht irgendwie die Lebensfreude, da wo Ginger eher das Politische sucht. Und gleichzeitig hat sie ja immer diesen religiösen Hang. Das ist ziemlich krass, weil das sich fast zu widersprechen scheint, dass sie ihre Reaktion darauf ist, die Welt könnte untergehen. Wir müssen beten. Wir müssen in die Kirche gehen. Und sie nimmt das ja wirklich auch ernst. Ja. Und wir haben das Gefühl, auch Rosa ist halt einfach ein unsicheres, jugendliches Mädchen. Ja, ja. Und damit auch ein sehr leichtes Opfer für Roland, weil sie sich sehr schnell davon begeistern lässt. Sie ist ohne Vater groß geworden. Sie sieht ihm wahrscheinlich irgendwie so eine Mischung aus Vaterfigur und potenziellem Liebhaber schon sehr früh. Ja. Und fühlt sich sehr schnell zu dem hingezogen, wie er sich gibt und wie er sich auch selbst sieht.
Johannes Franke: Ja, und wie er sich auch inszeniert. Am schlimmsten wird es ja, wenn er das wirklich ausspricht und als Entschuldigung nimmt für das, was er tut, dass er sagt, ich bin immer der Rebell gewesen. Und das ist total wichtig für die Gesellschaft und so. Und ich habe der Gesellschaft damit gedient und sich als Helden wirklich inszeniert. So als sensiblen Helden. Ja, ja. Was mich so ankotzt, weil du damit so einen wichtigen Männertypen kaputt machst. Also sensible Männer sind wichtig für diese Welt. Und wenn du dann das benutzt, um Scheiße zu bauen, wahrscheinlich noch so ein Grund, warum ich mit dem Film so krass emotional, warum der mich so fertig gemacht hat.
Florian Bayer: Weil es eben auch so dieser Gegensatz auch ist zwischen der Art, wie er sich inszeniert und wie er sich auch selbst sieht und dem, was er letzten Endes verkörpert. Weil er hat natürlich ganz viele von diesen patriarchalischen Sachen in sich drin, die er vermeintlich kritisiert. Er ist eben nicht einfach der Rebell, sondern er trägt die ganz klassischen toxischen Männigkeitsmerkmale mit sich. Absolut. Jetzt reden wir schon wieder über diesen Typen. Um vielleicht nochmal zu was Positives zu kommen. Wir lernen Rosa auch kennen. Wir lernen kennen, wie sie sich in ihn verliebt und warum sie sich in ihn verliebt. Wir verstehen das auch irgendwie, warum sie sich dazu hingezogen fühlt. Und diese Bande zwischen Ginger und Rosa, die geht nie ganz kaputt. Und das sehe ich halt in dieser Endeinstellung auch, wo Ginger dann das Gedicht an ihre beste Freundin schreibt und wo sie nochmal sehr drüber nachdenkt, dass sie sie liebt und dass sie unterschiedlich sind. Und dann sagt sie ja, but we are different. You dream of everlasting love, not me, because what really matters is to live. And if we do, there will be nothing to forgive. Also in der Frage, ob sie ihr vergeben kann, sagt sie schon, hey, wenn das weitergeht, das Leben, es gibt eigentlich nichts zu vergeben, weil das Leben irgendwie da ist und weil unsere Freundschaft stark genug ist. Und dann schließt sie mit dem Satz, but I'll forgive you anyway, was einfach nochmal betont, wie stark ihre Freundschaft ist. Und das glauben wir ihr auch, weil das einfach in diesen Momenten, die wir von ihnen zusammen gesehen haben, so trivial die teilweise waren, weil das total rübergekommen ist, dass die beiden wirklich eng zusammenhängen und dass die beiden wirklich ein ganz besonderes Band verbindet. Und wollen wir damit vielleicht rüberschwenken zu unserer Top 3?
Johannes Franke: Oh ja, unsere Top 3 Female Friendships, sag ich jetzt mal so.
Florian Bayer: Freundschaft zwischen Mädchen und Frauen. Ich hab extra Mädchen slash Frauen, weil beides spannend ist. Absolut. Und ich hab auch, ich hab's geschafft, beides zu finden. Ja, hab ich, Gott sei Dank.
Johannes Franke: Na, ich bin mal gespannt. Haben wir unseren Jingle schon gespricht? Noch nicht. Los, komm, Jingle!
Florian Bayer: Unsere Top 3 Ja, Freundschaften zwischen Mädchen und Frauen. Es gibt so viel. Und wieder einmal, wie auch schon letzte Woche bei dem Thema weibliche Nerds, ist es ein Thema, was tendenziell eher besser geworden ist. Wir haben oft, also ich hab oft das Gefühl, in unseren Listen decken wir so sehr große Zeitspannen ab. Wir haben Listen aus den 50ern, aus den 70ern, aus den 90ern, weil jede Epoche großartige Filme hervorgebracht hat. Aber gerade wenn es um feministische Themen geht, wenn es um das Thema Frauen geht. Oder überhaupt zwei Frauen, die miteinander reden, ohne dass es über Männer und Männer geht. Ja, muss man einfach mal sagen, das Kino unserer Zeit ist da deutlich stärker aufgestellt als das Kino vor 20, 30, 40, 50 Jahren.
Johannes Franke: Ja, definitiv.
Florian Bayer: Und deswegen sind auch die Sachen, die ich drin habe, wieder tendenziell eher aktuell. Hast du Honorable Mentions? Ich hab viele Honorable Mentions, aber wir fangen vielleicht einfach mal mit der Top 3 an und arbeiten uns dann vor.
Johannes Franke: Aber wir gucken mal, dass wir, weil ich hab wieder, wieder, wieder, wieder, ihr kennt das schon von mir, die Platzierung noch nicht festgelegt, weil ich einfach denke, scheiße, was nehme ich jetzt, wie, wo? Ja, dann fangen wir an mit deiner 3. Du musst dich festlegen. Ich würde anfangen mit den Gilmore Girls.
Florian Bayer: Toll, ja, auf jeden Fall, warum nicht?
Johannes Franke: Gehört auch so ein bisschen zu Girls' Night, oder? Auf jeden Fall, Gilmore Girls ist Girls' Night Programm, ich glaube, da sind wir uns einig. Ja, absolut. Und ich hab's hier, die Dialoge, die schnellen Dialoge, natürlich, man ist erstmal überfordert und denkt sich mal, was, was, was, was ist das hier gerade für eine Art und Weise, Serie zu drehen und zu erzählen und zu machen? Ich komm nicht mit. Aber ich mochte das Tempo irgendwann sehr. Und auch den Humor, der da drin steckt und so. Und ich hab das ziemlich viel geguckt. Ich auch, ich hab das komplett geguckt.
Florian Bayer: Ich mochte das tatsächlich sehr gerne. Und es steckt voller toller Freundschaften. Also, man kann sich gar keine rauspicken, weil die Freundschaft zwischen Lorelei und Suki, die zusammen im Hotel arbeiten, ist super.
Johannes Franke: Also, ich würde am besten natürlich die Mutter-Tochter-Beziehung rauspicken, weil das ist das Grundlegende der Serie und ich finde diese Freundschaft so wahnsinnig großartig erzählt.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Weil's eben auch immer an diesen Konfliktlinien läuft. Mutter, Tochter, beste Freundin. Manchmal übernimmt die Tochter die Mutterrolle, wenn die Mutter mal wieder irgendwie aus dem Rahmen läuft. Ja, ja. Aber auch andere Freundschaften in der Serie, wie eben Rory mit mit Lane, ihrer besten Freundin. Ja. Und dann später Rory mit Paris, die so eine sehr merkwürdige Beziehung zueinander haben. Also, es ist eine Serie mit sehr vielen tollen Frauenrollen und sehr vielen tollen Beziehungen zwischen diesen Frauenrollen. Schön. Hattest du den auch irgendwie in deiner Liste? Nee, hab ich nicht, aber ... Weil du jetzt so wahnsinnig gut vorbereitet warst, was die Rollennamen und so betrifft. Ich hab die Serie mehr als einmal geguckt. Ich liebe diese Serie, wirklich. Okay. Die gehört zu den großen Serien der 2000er Jahre, bevor dann die richtig großen Serien angefangen haben. So ein letztes Stück episodisch erzählte Serie, bevor Serien versucht haben, Kino zu imitieren. Ja, okay. Mein Platz 3 ist ein zufälliger älterer Film, der zufällig reingerutscht ist. Wie gesagt, auch frühere filmische Epochen haben manchmal doch getroffen. Ja. Und zwar relativ unbekannt Now and Den aus dem Jahr 1995, der so ein bisschen das weibliche Gegenstück zu dem Film Stand by Me ist. Auch hier geht es um eine Clique von Kindern, die kurz vor der Jugend stehen, die extrem gut befreundet sind. Und auch hier geht es darum, wie sie mit dem Alltag fertig werden und wie ihre Freundschaft auf die Probe gestellt wird und gleichzeitig stärker wird. Unter anderem mit Christina Ritchie, mit Tora Birch, die ganz jung eben damals noch wirklich diese Kinderrollen spielen. Und Christina Ritchie war ja eine großartige Schauspielerin, ist immer noch eine großartige Schauspielerin. Ja, absolut. Ganz toller, liebenswerter Film, dem es auch gelingt, die Freundschaft der Kinder zu erzählen, parallel zu der Freundschaft der Erwachsenen, die sich dann irgendwann wieder treffen und versuchen, die Geschichten ihrer Kindheit wieder aufleben zu lassen. Ein kleiner Film, ein Film, der ein bisschen untergegangen ist, aber absolut sehenswert.
Johannes Franke: Okay. Mein Platz zwei, ich lege jetzt einfach mal fest. Ja, Pitch Perfect hatten wir jetzt gerade erst. Aber der ist einfach listenwürdig. Aber ich nehme ihn mal trotzdem in die Honorable Mentions rein und packe stattdessen Buffy mit rein. Buffy, schon wieder Buffy. Hatten wir den nicht letzte Woche zumindest auch erwähnt? Ich glaube, ja. Willow hatten wir erwähnt bei Buffy. Als weiblichen Nerd, ne? Als weiblichen Nerd. Stimmt, aber Buffy, es sind tolle Freundschaften unter Frauen dabei.
Florian Bayer: Ich bin ja bei Buffy komplett raus. Ich kenne nicht viel außer ein, zwei Episoden. Steht die Freundschaft so im Mittelpunkt? Ich dachte immer, es geht darum, Vampire zu köpfen und Geister zu lieben.
Johannes Franke: Ja, natürlich geht es darum und es geht um so viel mehr. Aber eben auch schöne Freundschaften dabei. Und es geht nicht nur um Liebe zwischen heteronormativen Leuten, sondern eben auch um einfach Freundschaften und füreinander da sein und so.
Florian Bayer: Okay, cool.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Ganz frisch, ganz jung. 2019, wir haben auch drüber gesprochen im Podcast, Hustlers mit Constance Wu und Jennifer Lopez, die als Tripperin zusammenarbeiten und dann irgendwie so ein Scheme zusammen machen, wo sie Leute ausnehmen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und neben diesem Verbrechen, die sie machen wird, aber eben auch eine ganz tolle Frauenfreundschaft, der zählt auch sehr ambivalent, die auch durch Höhen und Tiefen geht und trotzdem sehr stark und sehr beständig ist. Nicht nur zwischen unseren beiden Protagonistinnen, sondern auch in dieser gesamten Gruppe, wo sehr unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen und die sich alle zusammenraffen. Und natürlich geht es so ein bisschen auch darum, sich an der Männerwelt zu rächen und vor allem an einen spezifischen Typmann. Wir haben darüber geredet übrigens lange, also wenn ihr euch die Episode anhören wollt. Es geht auch einfach darum, zusammen Freude zu haben und irgendwie das Leben zu genießen und das Beste aus den Umständen zu machen. Und das gelingt den Darstellern ganz toll umzusetzen. Und es gibt sehr viel Chemie, vor allem zwischen Constance Wu und Jennifer Lopez, zwischen denen ja doch ein großer Altersunterschied ist. Das stimmt. Toller Film.
Johannes Franke: Mein Platz 1 ist eine Serie, Derry Girls, die ich immer wieder erwähne in diesem Podcast, weil die einfach großartig ist. Ich weiß nicht, ob du sie gesehen hast, nur inzwischen. Nein, immer noch nicht. Plor, es gibt so viele Sachen, die ich dir immer wieder anempfehle. Ja, ich weiß, ich weiß, ich weiß. Hast du die Get Back Doku inzwischen geguckt? Nein.
Florian Bayer: Das ist noch nicht lange genug her. Selbst wenn ich mich darum bemüht hätte, hätte ich das niemals in der Zeit schaffen können.
Johannes Franke: Okay, also Derry Girls, ganz, ganz großartige Comedy-Serie auf Netflix. Das ist der Konflikt Nordirland, England und vor diesem Hintergrund wird einfach auf dem Mädcheninternat oder ist das eine Mädchenschule oder weiß ich nicht. Auf jeden Fall in Derry, glaube ich, heißt die Stadt einfach und deswegen Derry Girls und die Freundschaft ist einfach von den Mädchen, ist einfach wundervoll erzählt. Und nicht nur Comedy, sondern auch einfach, wie sie es für eine gute Serie, Comedy-Serie gehört, auch emotional ergreifend zwischendurch und einfach wahnsinnig lustig.
Florian Bayer: Ich habe auch eine Serie auf Platz 1. Offensichtlich sind es vor allem Serien vielleicht auch einfach, weil die mehr Möglichkeit haben, freundschaftliche Bande länger auszubreiten und genug Zeit haben, einfach schöne Momente darzustellen. Und in meiner Serie ist es auch so, dass es gar nicht so einfach ist, sich was rauszupicken, weil es so viele tolle Frauenfreundschaften gibt, die erzählt werden. Denn Orange is the New Black aus dem Jahr 2013, sieben Staffeln, mittlerweile zu Ende erzählt. Ah, okay, haben sie es geschafft. Vor ein paar Jahren zu Ende gegangen und hat es auch geschafft, die Qualität fast über die gesamte Laufzeit zu halten. Gefängnis, Tragikomödie in einem Frauengefängnis und es werden so viele tolle Freundschaften erzählt. Also zum Beispiel, um eine hervorzuheben, das ist die Freundschaft zwischen Tasty und Posay. Tasty ist auch in die Posay verliebt, aber trotzdem, obwohl die Liebe nicht gegenseitig ist, schaffen sie es trotzdem, eine Freundschaft daraus entstehen zu lassen, die auch sehr lange hält. Natürlich auch die Freundschaft zwischen unserer Protagonistin Piper und ihrer Ex, Alex, die dann auch später wieder zur Romanze wird, aber auch ganz lange auf so einem freundschaftlichen Level tolle erzählt wird. Und ja, ich meine, es ist ein sozialer Mikrokosmos, das heißt, es leben sehr viele Frauen auf engstem Raum zusammen, sie sind eingesperrt und es entstehen ganz viele Freundschaften und die Serie hat das Herz einfach am rechten Fleck. Und sobald sie irgendeine emotionale Beziehung zwischen Frauen erzählt, macht sie da sehr vieles sehr richtig. Großartige Serie, tolle verschiedenste Arten von Freundschaften, die ihr erzählt werden. Geil.
Johannes Franke: Ja, ich habe Orange to the New Black immer, ich habe es versucht, erst ein paar Folgen und dann habe ich irgendwann gedacht, ach, irgendwie ist es nichts für mich. Aber ich kann nicht sagen, warum. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Ich würde gerne als Honorable Mention noch Felma und Louise in den Raum schmeißen, einfach weil das der Klassiker ist, auch ein Film, der in den 90ern schon sehr viel richtig gemacht hat. So ein Musterbeispiel des feministischen Films wird ja gerne genannt. Einfach die Freundschaft zwischen Felma und Louise, die auf der Flucht vor der Polizei sind und zusammenhalten. Booksmart habe ich letzte Woche erwähnt, als Film mit weiblichen Nerds, der auch eine ganz tolle Freundschaft erzählt. Und auch Lady Bird, Frances Haar, alles tolle Beispiele in den letzten Jahren, Filme über Freundschaft zwischen Frauen. Und um vielleicht noch so einen etwas weniger bekannten Film zu nennen, Blue My Mind. Ein höchstreichischer Film oder ein deutscher Film? Moment, jetzt muss ich kurz gucken. Also deutschsprachig ist er auf jeden Fall. Schweiz, ein Schweizer Film, Mischung aus Coming of Age and Horror, wo sich eine Jugendliche peu à peu in eine Nixe verwandelt. Und das wird gerahmt von einer Freundschaft zwischen der Protagonistin mit einem anderen Mädchen, das so gar nicht zu ihr zu passen scheint, aber es wird trotzdem eine sehr enge Freundschaft. Super erzählt, sehr interessanter Film aus dem Jahr 2018. Und um noch einen etwas älteren Film zu nennen, den wahrscheinlich auch die meisten kennen werden, zumindest vom Namen, Grüne Tomaten, der die Freundschaft von zwei Frauen erzählt, die in den Südstaaten leben. Und hier vielleicht auch ganz spannend, weil es etwas ältere Frauenfiguren sind, die eine Freundschaft miteinander führen. Ja.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Ach, wieder eine tolle Liste. Ich muss wieder Filme gucken. Okay. Und ich muss offensichtlich mal Serie gucken. Aha. Aber ich habe mir die Derry Girls jetzt gemerkt. Jetzt endlich? Ich mache meine Hausaufgaben.
Johannes Franke: Ich bin gespannt.
Florian Bayer: Ich versuche es zumindest.
Johannes Franke: Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Zurück zu Ginger und Rosa. Du hast gesagt, du bist vor allem deprimiert zurückgeblieben. Ja. Ich habe es ja schon gerade so ein bisschen angeteasert mit diesem Gedicht, dass auch wenn wirklich traurige Dinge passieren, sehen wir, dass die Angst von Ginger vor allem daherkommt, dass sie das Leben liebt. Sie sagt ganz oft, dass sie leben will und dass ihr das Leben wirklich wichtig ist. Ja. Und dass sie eigentlich leben will. Und es bleibt eben am Schluss der Gedanke und das schafft sie auch irgendwie. Und die Freundschaft mit Rosa, die schafft das auch irgendwie. Und das ist so ein Stück Hoffnung, dass ich da irgendwie sehe.
Johannes Franke: Aber es ist nicht genug, um mich daran festzuhalten. Also ich verstehe schon klar, das ist so das Maximum Happy End, was man dem geben kann. Und es ist auch sweet und nett, dass sie das am Ende noch irgendwie sagt, dass sie ihr sowieso verzeihen wird. Hätte vielleicht sogar nicht, hätte man, naja gut, vielleicht hätte man, muss man es schon sagen, es ist nicht erspielt worden, dass das auf jeden Fall der Fall ist. Vielleicht hätte sie sich stärker gefunden, wenn das, wenn es nicht hätte aussprechen müssen. Wenn sie wirklich das so sich erspielt hätte, dass man als Zuschauer weiß, ja, das wird schon, die Freundschaft wird das überleben. Aber das ist jetzt Netpicking. Ja. Aber ich bin zu deprimiert. Zu deprimiert. Ich bin wirklich zu deprimiert aus der ganzen Sache rausgegangen. Ich war wirklich, wirklich hart getroffen. Ich habe lange, lange nachgedacht und auch lange versucht rauszufinden, was mich überhaupt so fertig macht an dem Film. Und ich bin, glaube ich, auch immer noch nicht fertig mit Nachdenken darüber.
Florian Bayer: Oh Mann, das tut mir echt leid. Also ich meine, ich finde es gut natürlich, weil ich sage, gutes Kino muss einen emotional herausfordern. Ja. Oder ein guter Film, ein Film ist gut, wenn er dich emotional herausfordert. Das ist natürlich krass, dass dieses Negative so bei dir hängen geblieben ist. Ich habe für mich vor allem mitgenommen, es passiert viel Schlimmes in der Welt, aber die Welt ist es wert, dass man darum kämpft. Und gerade als Teenager, wo man mit so vielem konfrontiert ist, was man nicht versteht oder was einen fertig macht, dann trotzdem den Kopf gerade zu halten, nach vorne zu schauen, das ist trotzdem möglich. Und es gibt Dinge, an denen man sich festhalten kann.
Johannes Franke: Weißt du, was das Problem ist, warum es besonders trifft? Es ist nichts Außergewöhnliches passiert. Ja. Es ist nichts passiert, wo man sagt, oh wow, okay, da ist jetzt aber mal ein riesiger Unfall passiert, das ist sehr deprimierend und es tut mir wahnsinnig leid, dass ausgerechnet das jetzt dieser Frau passieren muss oder sowas. Nee, das sind Sachen, die immer, immer, immer wieder im Kleinen passieren, die bis heute ein Problem sind, die bis heute so viele psychische Herausforderungen darstellen für junge Menschen, die dann jahrelang bis zum Lebensende teilweise daran zu knabbern haben, solche Dinge zu erleben. Und ich kann mir auch vorstellen, dass Rosa genau das gleiche, und das finde ich ein bisschen traurig, dass sie so ein bisschen fallen gelassen wird am Ende, weil sie nicht, sie bekommt diese Geschichte nicht ausreichend noch mit erzählt, die wird auch daran zu knabbern haben, so ewig und so lange. Und es wird so wahnsinnig schwierig sein, zu verstehen, was da passiert ist und, und dass sie nicht diejenige ist, die schuld ist, weil das sagt sie. Ja. Sie, sie, sie, sie gibt sich die Schuld und sagt, äh, tut mir leid, was ich gemacht habe und es ist eigentlich seine Schuld. Ja. Und das muss miterzählt werden und das, das... Aber da findet der Film ja die klare Botschaft.
Florian Bayer: Ja, der Film. Wenn der Vater sich entschuldigt und, und Ginger dreht sich einfach weg, um das Gedicht für Rosa fertig zu schreiben.
Johannes Franke: Absolut, du hast recht. Ähm, natürlich, das tut er, aber, aber, ähm. Man verliert Rosa so ein bisschen. Ja. Ihre Tragik steckt da ja auch ganz tief drin und nicht nur in, in Ginger. Das stimmt.
Florian Bayer: Ginger steht einfach dann auch im Mittelpunkt. Ja, ja. Also, der, der emotionale Anker dieses Films ist Ginger und, äh, wir kriegen sehr viel Empathie für sie. Und die anderen Figuren können dabei vielleicht so ein bisschen unterholen. Gerade bei Rosa ist es natürlich auch schade, weil sie, ähm, die titelgebende Figur ist die zweite.
Johannes Franke: Ja, der Film hätte auch nur Ginger heißen können, habe ich so. Das Gefühl, weil Rosa wirklich viel hinten runterfällt. Das ist ein bisschen traurig.
Florian Bayer: Aber ihre Freundschaft ist so stark. Und gerade diese, diese, diesen ersten 20, 30 Minuten, die uns darauf vorbereiten, was dann später kommt. Wo wir einfach nur erleben, wie sie unbeschwert so zwischen Kindheit und Jugend. Ja, ja. Auch, auch so, die es noch nicht genau wissen, wo spielen wir, wo machen wir jugendliche Sachen. Ja, genau. Weil es wechselt quasi zwischen dem Fangspielen und dem Rauchen und mit Jungs rumknutschen. Ja, ja. Und was ja auch eine total schöne Phase ist. Ja, na klar. Und das wird ja auch am Anfang gezeigt. Also ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, die ist irgendwie aufregend, wenn man irgendwie so dazwischen ist und in beiden Welten so ein bisschen steht. Ja. Und dann passieren mal Dinge, die einen sich plötzlich sehr erwachsen fühlen lassen. Ja, ja. Und dann passieren Dinge, die einen sich sehr klein fühlen, wieder wie so ein Kind fühlen lassen. Und diese Spannung ist so stark in den ersten 20, 30 Minuten, da ich eben doch am Schluss rausgehe mit dem Gedanken, ja, die Jugend ist ein Arsch, aber das Leben ist trotzdem schön.
Johannes Franke: Naja, du hast halt nostalgische Gefühle, ne? Nostalgie ist immer so zwischen, also wie Melancholie, so zwischen schöner Erinnerung und trauriger Erinnerung. Und das ist so ein Mix.
Florian Bayer: Sally Potter hat den Film ihrer Mutter gewidmet.
Johannes Franke: Ja. Die er 2010 gestorben ist. Und auch das macht bei mir so eine Welt auf von, oh Gott, was hat die arme Mutter erlebt. Ich weiß nicht, was die, also sicherlich solche Sachen wie einfach Figuren aus der Zeit zu Hausfrau verdammt und nicht, die Welt stand einem nicht offen, sondern wurde klein gehalten oder sowas. Solche Sachen kann ich mir gut vorstellen, dass das, weil das ist ja das Thema des Films auch eine Streckenweise. Ja.
Florian Bayer: Sally Potter hat selbst gesagt, dass sie in einem linken Milieu groß geworden ist, während der Kuba-Krise. Also sie hat, sie war damals ein bisschen jünger als Ginger and Rosa, sie war eher so 12, 13. Mhm. Aber sie hat gemeint, sonst hätte sie keine Ähnlichkeiten zum Ginger-Charakter. Mhm. Okay. Wollen wir es ihr wünschen? Ja, ja.
Johannes Franke: Naja, gut. Okay. Also für mich kein Girls-Night-Film, sagen wir so. Ich würde gerne diese Challenge weitertragen, Plur. Nicht unbedingt bis zum nächsten Mal. Du musst nicht nächstes Mal irgendwie nochmal versuchen, das irgendwie hinzukriegen. Aber ich bitte dich irgendwann mal in den nächsten Episoden es zu schaffen, mir einen wirklichen Feel-Good-Feel-Good-Girls-Night-Film zu geben.
Florian Bayer: Na, dann schmeiß ich dir doch irgendwann mal Dirty Dancing vor die Füße.
Johannes Franke: Ach nein, es gibt noch mehr als nur Dirty Dancing, als Feel-Good-Movie in Girls-Night-Thematik. Es gibt noch mehr.
Florian Bayer: Ja, ich finde eben diese Nora Ephron-Filme, finde ich auch alle ganz schrecklich. Pride and Prejudice, was ist damit? Ja, könnte ich mir vorstellen. Ich finde vielleicht auch einen Film mit weiblichen Themen, weiblicher Perspektive, der mehr viel gut ist, aber trotzdem nicht ganz so oberflächlich wie ... Ja, das wäre natürlich gut. Das ist natürlich ... Und sowas wie ... Ich will halt nicht sowas wie Pretty Woman nehmen, der auch auf allen Girls-Night-Filmen steht. Und das sind halt diese typischen Männerfilme mit klarem Auftrag und klarem Ziel. Und ja, ich weiß nicht, ich überlege noch mal. Aber tatsächlich, liebe ZuhörerInnen, bei uns stehen Jubiläumsfolgen an. Oh mein Gott, ja stimmt. Nächste Woche Episode 99, eine Hausaufgabe von Johannes für mich. Und die Woche darauf Episode 100, eine Aufgabe von mir an Johannes. Und ich habe auch schon so ein bisschen eine Ahnung, was ich für die Hundertste machen will. Auch wenn Johannes nochmal gesagt hat, ja, eigentlich könnte es ja auch so ein Geburtstagsfilm sein. Ja, weiß bloß nicht. Gibt es typische Geburtstagsfilme? Ich kenne keinen typischen Geburtstagsfilm. Es gibt bestimmt so alberne Komödien, die irgendwie so ... Ein Geburtstag, an dem alles schiefläuft bei den Chris Woods oder so irgendwas in der Richtung. Aber du kannst dir auch mal überlegen. Also 99, große Schnapszahl, 1 vor 100. Es klingt auch voll nach Jubiläum. Ja. Und 100 natürlich erst recht. Das heißt, wir machen jetzt zwei aufeinanderfolgende Jubiläumsepisoden. Und um das Girls' Night nochmal zurückzuwerfen, du hast mir die Aufgabe Girls' Night gegeben. Die Aufgabe für die nächsten Episoden ist, was zu finden, was diesem großen Anlass. 100 Jahre muss man sehen, Podcast gerecht wird. 100 Jahre muss man sehen. Okay. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes dafür auswählt, dann bleibt kurz dran. Nach dem Jingle. Bis dahin. Bis dahin.
Johannes Franke: Vielen Dank fürs Zuhören. Vielen Dank, Flor, dass du diesen Film mir gezeigt hast. Schön, dass du offen darüber geredet hast, wie du dich dabei gefühlt hast. Ja, ja, ja. Ganz toll. Okay. Dann bis nächste Woche. Bleibt gesund. Und wir hören uns dann wieder.
Florian Bayer: Bis dann. Ciao. Ich hab einen Girls' Night Film. Anmachen, nochmal anmachen, nochmal anmachen, nochmal anmachen, nochmal anmachen. Ihr habt jetzt ein Störgeräusch gehört und ich sag nochmal anmachen, nochmal anmachen. Ich hab einen Girls' Night Film. Aber nicht für die 100. Episode. Das passt überhaupt nicht. Ich will mit dir Spice World gucken. Lass uns das für die 102. Episode revieren. Dieser Film ist besser als sein Ruf. Oh mein Gott. Dieser Film gehört für mich zu den Filmen, der wird regelmäßig aufgezählt bei den schlechtesten Filmen der 90er Jahre. Okay. Und ich freu mich immer, wenn ich mal einen Film, weil klassisch ist ja, man findet einen Film, den alle mögen und man selbst hasst ihn. Dann fühlt man sich so als richtig toller Kritiker. Weil man erkannt hat, dass was schlecht ist, was andere gut finden. Ich find's viel cooler, was zu finden, was andere schlecht finden. Was ich gut finde. Und Spice World gehört dazu. Spice World ist ein Film, der viel besser ist als ein Ruf. Das ist der perfekte Chick-Flick, aber nicht nächste Woche, sondern irgendwann demnächst. None|Okay. Gut. Sehr schön. Bis nächste Woche. Ciao. Ciao. Ja, wie angekündigt, haben wir vor uns zwei Jubiläumsepisoden. Die 99 und die 100. Johannes, was hast du für mich für die 99?
Johannes Franke: Jetzt haben wir schon wieder irgendwie die Situation, dass wir beide schon zwei Episoden im Voraus wissen, was wir machen werden. Das ist so ungewohnt.
Florian Bayer: Ja, aber passt schon. Ich hab sogar eine Top 3 für dich, für die, die kann ich auch gleich schon mal ankündigen.
Johannes Franke: Also, ich hätte erstmal einen Film für dich. Plur. Okay. Welchen Film hast du für mich? Ich hätte für dich meinen, naja, absoluten Lieblingsfilm, das ist fast ein bisschen zu groß gegriffen, weil es einfach so viele Filme gibt, die ich gut finde, die ich toll finde. Aber das ist so ein Staple-Film für mich, ein Johannesfilm, ganz typischer Johannesfilm für die 99. Episode, Singing in the Rain.
Florian Bayer: Worüber ich mich sehr freue. Ich warte seit Anfang dieses Podcasts drauf, dass du endlich diesen Film mir als Hausaufgabe aufgibst. Nicht zuletzt auch, weil ich diesen Film zum ersten Mal mit dir gesehen habe. Ah, wirklich? Ja, also ich kannte den so ein bisschen, ich hab den, ich hab da auch Szenen gesehen und ich glaube, ich hab den auch so im Hintergrund als Kind einfach, weil Erwachsene den geguckt haben, so mitgeguckt halb, aber richtig bewusst geguckt von Anfang bis Ende, inklusive Gespräch danach, hab ich den zum ersten Mal mit dir, weil du den zeigen wolltest bei so einem typischen WG-Filmabend. Aha, also mit Maya und Co. Ich glaube ja, ich weiß nicht mehr genau, wie die Zusammensetzung war, aber du hast den Film angeschleppt und ich kann mich auch erinnern, dass du dabei mehr uns angeguckt hast als den Film. Weil du Reaktionen wolltest, was ich total toll finde, was ich ja auch gerne mache, wenn ich Leuten Filme zeige und deswegen, ich freue mich total drüber. Und naja, ich meine, es ist jetzt ein bisschen gespoilert, aber ich finde den Film natürlich auch großartig und was Musicals betrifft, für mich so ganz klar zur ganz oberen Garde. Sehr schön. Möchtest du schon spoilern, was du mir geben wirst? Ich spoilere auch, weil, ja, wenn wir schon wieder ein Paket schnüren, dann können wir auch gleich beide Filme nennen. Ich dachte, für eine Episode, für eine 100 passt natürlich so ein Lieblingsfilm. Ja. Und aber dann dachte ich vielleicht, eigentlich habe ich dir schon meinen Lieblingsfilm gezeigt, das war Magnolia, das war einer der ersten Film, die wir zusammen geschaut haben. Stimmt. Ja, genau. Wegen seiner filmhistorischen Bedeutung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber bestimmt können wir nochmal drüber reden. Ich glaube, ich habe schon mal im Podcast den Citizen Kane-Effekt genannt, dass es so einen Film gibt, wo man sagt, oh ja, ich sehe, warum der so einflussreich war und warum der so gut und wichtig war. Aber er ist halt auch, man sieht ihm auch sein Alter an. Und ich glaube, Citizen Kane ist so ein Musterbeispiel für einen solchen Film. Großer Klassiker, man sieht sehr viel große Kunst dahinter. Aber es gibt auch so dieses Gefühl, naja, die Zeiten haben sich weiter bewegt. Aha. Also ein Film, der vielleicht schlecht gealtert ist. Nicht schlecht gealtert ist, zu viel gesagt, aber ein Film, der gealtert ist. Okay. Was auch kein Wunder ist bei einem Film, der fast 100 Jahre alt ist. Okay. Ich bin gespannt. Ja. Und meine Top 3, um das gleich zu sagen. Ah. Die kann ich reinwerfen. Ich habe es jetzt ganz schnell noch aufgeschrieben. Wir schicken uns die immer per WhatsApp. Konsensfilme. Ich hätte gerne Top 3 der Filme, bei denen man das Gefühl hat, die gefallen wirklich allen. Citizen Kane ist wahrscheinlich gar nicht so ein Film.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ich glaube, es ist als Liste einfach mal super spannend zu sagen, welche drei Filme. Ja. Und es muss gar nicht ein Lieblingsfilm von dir sein, sondern die so umfassend unterhaltsam sind, dass irgendwie jeder was für sich mitnehmen kann und es wirklich schwer ist, jemanden zu finden, der sagt, ach nee, der Film ist aber doof.
Johannes Franke: Dann habe ich auch eine Top 3 für dich. Oh, ja? Der nichts mit dem Film Singing in the Rain zu tun hat, sondern einfach Filme, die wir nicht gesehen haben, wo wir aber vom Titel her sagen, den muss ich mir unbedingt mal antworten. Oh ja, das finde ich gut. Wo man einfach so IMDB-Listen durchgeht und plötzlich kommt einem der Film unter ihre langen Beine und die Atombombe.
Florian Bayer: Und man denkt sich, äh, was ist das für ein Film? Okay, also gar nicht wegen seiner filmhistorischen Bedeutung, sondern wegen seines Titels. Ja, ja, genau. Weil es gibt, also ich habe einfach so ein Pile of Shame von Filmen, die ich noch nicht gesehen habe. Nein, nein, das ist was anderes. Wo ich denke, oh Gott, die muss man gesehen haben, die passen perfekt in diesen Podcast auch. Aber das ist noch spannender. Filme, die einfach einen Titel haben, der sagt, du musst diesen Film sehen. Genau. Und man hat es einfach noch nicht geschafft. Ja. Geil. Und daran anschließend, wenn das Filme sind, die wir beide noch nicht gesehen haben, dann muss sich jeder aus diesen beiden Listen einen Film rauspicken und die machen wir dann vielleicht die Woche drauf oder die übernächste Woche.
Johannes Franke: Okay. Also in meinem Kopf sind das alles trashige Filme, weil die Titel... Die so absurde Titel haben. Ja, wahrscheinlich, wahrscheinlich, vielleicht kommt es, ja, könnte es sein. Oder, ja, mal gucken, mal gucken. Ich bin gespannt. Okay, schön, ja, gut, dann freue ich mich auf die nächsten beiden Episoden.
Florian Bayer: Tolle Jubiläumsepisoden. Wir brauchen Konfetti, wir brauchen Tröten, wir müssen feiern. Stimmt, ja, wir müssen feiern. Wir brauchen so ein bisschen Partystimmung. Wir sollten auf jeden Fall keinen Tee trinken, sondern Champagner oder wenigstens Sekt.
Johannes Franke: Okay. Oh, ich werde die guten Gläser rausholen müssen. Ja. Sehr schön.
Florian Bayer: Also in den nächsten beiden Wochen wird bei Muss man sehen Podcast gefeiert. Wir haben Jubiläum, wir haben es tatsächlich geschafft. Fucking 100 Episoden zu produzieren.
Johannes Franke: 100 Episoden, ich habe es echt, ich hätte, also ich habe nicht gewagt, an die hundertste Episode zu denken. Ja, krass, ne? Das ist schon krass. Ja, wir machen das jetzt seit zwei Jahren fast. Wahnsinn. Okay, ja, plötzlich ist alles so schnell gegangen, wie man so sagt, die werden zu schnell erwachsen. Okay, gut, dann freue ich mich auf unsere Jubiläen und wir sehen uns nächste Woche wieder. Und wir hören uns, liebe Zuhörer und HörerInnen und bleibt gesund. Ciao. Ciao. Ciao. None|Ciao. None|Ciao. None|Ciao. None|Ciao. None|Ciao. None|Ciao.
