Episode 99: Singing in the Rain – Das beste Musical aller Zeiten?
Da haben wir es: Mein absolutes Lieblingmusical. Und ich weiß, es ist eine obvious Choice. Aber deswegen habe ich ja auch 99 Episoden gewartet, bis ich ihn eingeworfen habe. Singing in the Rain aus dem Jahr 1952 ist DER Film übers Filmemachen, über den Übergang der Stummfilmzeit in den Tonfilm. Über Hollywoods Macken und sein absurdes Star-System.
Um die Story kurz zu umreißen: Don Lockwood und Lina Lament sind DIE Stummfilmstars ihrer Zeit. Als der Tonfilm aufkommt, wollen sie nicht hinten anstehen und drehen mit neuem Tonequipment, mit dem noch keiner umgehen kann. Durch Lina Laments abschreckende Stimmlage, das übertriebene Schauspiel, sowie schlechte Dialoge, fällt der Film bei einer Testvorführung durch und sie müssen sich was einfallen lassen. Die rettende Idee kommt von Kathy Seldon, der Love-Interest von Don Lockwood. Sie schlägt ein Musical vor und Cosmo Brown, Dons bester Freund schlägt vor, Lina synchronisieren zu lassen. Alle freuen sich, der Film wird ein Erfolg, alle singen und tanzen aus die Maus, nach Haus.
Lieber Plor, auf einer Skala von 10 bis 10, wie großartig findest du diesen Film und wie schwer ist es für dich auszuhalten, dass der beste Film aller Zeiten ausgerechnet ein Musical ist.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 99: Singing in the Rain – Das beste Musical aller Zeiten? Publishing Date: 2022-11-23T11:20:04+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2022/11/23/episode-99-singing-in-the-rain-das-beste-musical-aller-zeiten/
Johannes Franke: Ladies and Gentlemen, live on tape aus dem legendären Muss-Man-Sehen-Studio in Berlin. Die 99. Folge des Muss-Man-Sehen-Podcasts. Und hier sind ihre Gastgeber Florian Bayer und Johannes Franke. Oh mein Gott, Flor, wozu hast du mich hier gezwungen?
Florian Bayer: Herzlichen Glückwunsch, Johannes. Die 99. Episode. Herzlichen Glückwunsch, Flor. Die 99. Episode. Herzlichen Glückwunsch, liebes Publikum. Ihr habt 99 Episoden durchgehalten. Wir wissen, ihr habt zwei oder drei übersprungen.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, nicht eine einzige. Nicht eine einzige habt ihr übersprungen.
Florian Bayer: Aber wir haben sie trotzdem auch alle gemacht, weil ihr es wert seid.
Johannes Franke: Ich freue mich so. Wir haben zwei großartige Jubiläumsfolgen vor uns. Es wird der Wahnsinn. Vor allem haben wir uns Monumente genommen, die wir einfach nicht, also das kann man gar nicht umspannen innerhalb dieses Podcasts. Wir machen fünf Stunden Episoden draus.
Florian Bayer: Für dieses Jubiläum, für die 99. und für die 100. Episode haben wir uns große, große Werke vorgenommen. Wir haben uns die richtigen Brocken rausgesucht. Ein Film von Johannes, allerdings ein bisschen mit der Einschränkung, den habe ich mir von ihm gewünscht, weil ich schon die ganze Zeit warte, dass er ihn endlich mal reinwirft.
Johannes Franke: Naja, ich habe schon auch auf den richtigen Moment gewartet und habe dann einfach sehr lange gewartet. Und du hast mich dann darauf freundlich hingewiesen, dass der richtige Moment vielleicht gekommen ist.
Florian Bayer: Jetzt ist der richtige Moment und es ist wirklich toll. Also für die 99. Episode haben wir für euch Singing in the Rain, hat Johannes mir aufgegeben, nachdem ich ihn immer mal wieder gepikst und gestichelt habe. Aber auch mit dem Hintergrund, es ist der erste Film, den Johannes mindestens in meiner Top 20 gelandet hat, wenn nicht sogar in meiner Top 10 und direkt in meinem Herzen. Damals, als wir noch ganz junge Burschen waren, so Anfang, Mitte 20 und zusammen Filme geguckt haben, kannte ich ihn nicht und ja, wir hatten das Konzept, wir haben uns gegenseitig immer Filme vorgeschlagen. Irgendjemand hat immer was mitgebracht. Damals ist man dann noch in die Videothek gelaufen und hat sich eine DVD ausgeliehen. Und nicht immer war jeder glücklich mit der Auswahl. Genau, und zwar nicht immer jeder glücklich, aber mit diesem Film hatte Johannes damals einen totalen Volltreffer gelandet. Das heißt, ich glaube, ich spoiler nicht zu viel, wenn ich sage, ich liebe diesen Film abgöttisch. Und ich glaube, es wird niemanden überraschen, wenn Johannes jetzt sagt, diesen Film wahrscheinlich auch abgöttisch liebt. Absolut, absolut. Ist er in deiner Top 5?
Johannes Franke: Er ist ganz, ganz, zumindest das beste Musical, aber vielleicht auch der beste Film. Ja. Also vielleicht noch mit Benny und June zusammen, der einfach sehr großen Einfluss auf mein Leben hatte. Ich weiß aber nicht, es ist schon der bessere Film, aber irgendwann ist das schwer, das zu trennen. Denn die Filme, die einen am meisten beeinflusst haben in der Jugend, sind oft vielleicht nicht unbedingt die besten Filme. Aber für einen selbst haben die so viel Einfluss, dass man es nicht mehr trennen kann.
Florian Bayer: Daraus könnte man eine ganz eigene Episode machen. Was heißt es, wenn man eine Liste der besten Filme zusammenstellt? Weil ich würde ja sagen, erstmal, es ist natürlich radikal subjektiv. Und wenn du dann sagst, Benny und June ist der Film, der dich so sehr bewegt hat dein ganzes Leben lang, dann ist es vielleicht auch einfach der bessere Film. Aber, ja.
Johannes Franke: Singing in the Rain hat mich absolut auch mein ganzes Leben lang bewegt, seit ich zumindest, seit ich ihn kenne. Benny und June habe ich, glaube ich, aber vorher gesehen. Also, insofern.
Florian Bayer: Ja, du sollst mein Glücksstern sein, wie er strahlend im Deutschen heißt.
Johannes Franke: Das ist ja ein toller Titel, hör mal. Also, das gehört zu den Sachen, die wir unbedingt mal als Liste machen müssen. Die schlimmsten Übersetzungen der englischen Titel.
Florian Bayer: Englischer Titel ins Deutsche. Es gibt ein paar, wo die deutschen Titel besser sind als die englischen, aber die haben die Ausnahme. Ja, möchtest du einfach mal loslegen, uns den Film kurz vorstellen und dann reden wir darüber und feiern.
Johannes Franke: Sehr, sehr, sehr, sehr gerne. So, da haben wir es. Mein absolutes Lieblingsmusical. Und ich weiß, es ist eine sehr obvious choice. Aber deswegen habe ich ja auch 99 Episoden gewartet, bis ich ihn eingeworfen habe. Singing in the Rain ist der Film übers Filmemachen. Über den Übergang der Stummfilmzeit in den Tonfilm, über Hollywoods Macken und sein absurdes Starsystem. Um die Story kurz zu umreißen. Don Lockwood und Lina Lamont sind die Stummfilmstars ihrer Zeit. Als der Tonfilm aufkommt, wollen sie nicht mit hinten anstehen und drehen mit neuem Tonequipment, mit dem noch keiner so richtig umgehen kann. Durch Lina Lamonts abschreckende Stimmlage und das übertriebene Spiel sowie schlechte Dialoge fällt der Film bei einer Testvorführung durch und sie müssen sich etwas einfallen lassen. Die rettende Idee kommt von Kathy Seldon, die Love Interest von Don Lockwood. Sie schlägt ein Musical vor und Cosimo Brown, Dons bester Freund, schlägt vor, Lina synchronisieren zu lassen. Alle freuen sich, der Film wird ein Erfolg, alle singen und tanzen, aus dem Haus, alle nach Haus. So, lieber Plor, auf einer Skala von 10 bis 10, wie großartig findest du den Film und wie schwer ist es für dich auszuhalten, dass der beste Film aller Zeiten, keine Widerworte, der beste Film aller Zeiten ausgerechnet ein Musical ist? Um die erste Frage zu beantworten. 10!
Florian Bayer: Natürlich, absolutes Meisterwerk. Und du machst Witze drüber, aber dieser Film ist für mich auch ganz oben bei der Liste der besten Filme.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Obvious nicht mein Platz 1, aber er hat definitiv einen Platz in den Top 10 verdient und ich meine, ich wollte ja vor allem, ich hab dich ja genervt, weil ich nochmal drüber reden wollte. Und jetzt hab ich wieder festgestellt, ey, wie geil das wieder war, den zu gucken. Das ist halt auch einer von den Filmen, die man wirklich tausendmal gucken kann und es macht jedes Mal wieder Spaß. Es gibt so Meisterwerke, die guckt man einmal, zweimal, das reicht. Das ist nicht so ein Film, der ist jedes Mal unterhaltsam, man entdeckt auch jedes Mal wieder Neues. Und ja, wir werden uns die ganze Zeit gegenseitig die Bäuche streicheln in dieser Episode. Es geht aber auch nicht anders. Es sind zwei, drei Sachen sind mir aufgefallen, die mir bisher noch nie in dem Film aufgefallen sind, die ich unbedingt zur Sprache bringen muss. Okay. Aber ansonsten erstmal so grundsätzlich unfassbar guter Film.
Johannes Franke: Dann hab ich aber eine Challenge für uns. Wir müssen in dieser Episode mindestens drei Dinge finden, die wir nicht ganz so gelungen finden. Oder die uns stören oder wo wir sagen, im Jennings-Prozess sind wir ganz schön enttäuscht davon oder sowas.
Florian Bayer: Ja, ich finde ja so, zum Beispiel Cosmos, Make him laugh, da fängt mir so ein bisschen die Leidenschaft an. Was? Was? Was? Die Technik ist jetzt nicht... Alter, wenn du da sowas fragst.
Johannes Franke: Ja, Cosmo Brown, ich finde also, der Donald O'Connor, der Schauspieler, der hätte sich ein bisschen mehr anstrengen können. Der hätte vielleicht so weit das treiben können, dass er im Krankenhaus landet für drei Tage.
Florian Bayer: Genau. Und ich weiß nicht, ob Gene Kelly sein Singing in the Rain so gut hingekriegt hätte, wenn er zum Beispiel ein bisschen verschnupft gewesen wäre.
Johannes Franke: Ja, das wäre gut gewesen. Vielleicht so ein 39 Grad Fieber wäre gut gewesen für die Szene.
Florian Bayer: Nein, also nach Schwächen suchen, das ist tatsächlich schwierig bei dem Film. Also erstmal so grundsätzlich, Leute, guckt euch diesen Film an. Es ist unglaublich, oder? Flo hat vor Schreck die Zuckerdose gegen das Mikro. Wir reichen gerade Zucker und wir sind beide jetzt so high energy auf diesem Film.
Johannes Franke: Möchtest du Tee? Ich würde dir Tee eingießen. Oh ja, sehr gerne. Sehr schön. Ein Baldrian-Tee. Macht euch einen Tee, ihr da draußen. Es ist kalt. Uh, es ist kalt da draußen.
Florian Bayer: Wir können es ja versuchen aufzuschlüsseln, was wirklich gut an diesem Film ist. Zum Beispiel fangen wir einfach mal an mit den Musical-Nummern, den Tanz- und Gesangs-Nummern. Okay, hast du eine Lieblingsnummer? Natürlich Make'em Love. Also es ist, und zwar einfach, weil Donald O'Connor das Ding so krass rockt. Also kurz ist relativ früh am Anfang, wenn unser Protagonist, der lustigerweise auch Donald heißt, von Kelly gespielt, so eine kurze Melancholie-Phase hat und dann versucht Cosmo ihn aufzuhalten mit The Show Must Go On und dann überdenken sie darüber nach, wie es weitergehen könnte. Und dann sagt er, hey, du musst witzig sein. Witzig sein ist das, was das Publikum will. Und dann gibt es diesen Song, wo Cosmo Brown einmal sagt, man bringt die Leute zum Lachen und dabei rumtanzt und alles auffährt, was so an Comedy-Tanz möglich ist und an wirklich waghalsige Akrobatik, er läuft im wahrsten Sinne des Wortes, die Wände hoch.
Johannes Franke: Man muss mal dazu sagen, dass dieser Song ein Rip-Off ist, eines anderen Songs, der vorher von Cole Porter, ja genau, Cole Porter, 1948, Be a Clown. 1948 ist nicht lange her, das ist drei Jahre später. Und es wurde dann zugegeben, gerade vom Regisseur von Donan, der meinte, das ist ein 100% Rip-Off. Es ist einfach so.
Florian Bayer: Ja, das Ding ist ja, die Songs in dem Film sind nicht Rip-Offs, sondern Wiederverwertungen.
Johannes Franke: Was sie viel gemacht haben damals, die haben ja Konserve, die haben ja irgendwie was in ihrem Katalog, also man sagt tatsächlich, es ist ein Katalogstück. Sie haben verschiedene Rechte für verschiedene Musiken in ihrem Katalog und dann geht jemand durch und guckt und sagt, ach, was können wir denn mal wieder verwerten? Und dann haben die echt für den Film eine Liste von Songs gemacht, die sie wiederverwerten wollten für einen Film. Das heißt, es waren echt die Songs eher da, bevor irgendjemand auch nur geahnt hat, welche Story drumherum gesponnen werden könnte.
Florian Bayer: Und die ganze Filmidee basiert eigentlich darauf, dass Arthur Fried, seines Zeichens Produzent beim großen Studio MGM, gesagt hat, hey Leute, ich und mein Partner Ignacio Herb-Brown, die haben so viele Songs in unserem Back-Katalog, können wir die nicht mal alle nehmen und daraus irgendwas machen? Wir brauchen irgendwie eine Geschichte drumherum, aber lass uns doch mal da Betty Compton und Adolf Green fragen, ob die ein Drehbuch dazu schreiben können. Wir befinden uns in den frühen 50er Jahren, wir befinden uns voll im amerikanischen großen Studiosystem und so wurden Filme produziert und Arthur Fried hat gesagt, hey Leute, ich will die Songs jetzt endlich nochmal verwerten, lass uns mal gucken, was wir machen könnten.
Johannes Franke: Es gab ja mehrere Ideen, die haben ja irgendwie angefangen mit einer Cowboy-Idee, ein Cowboy, der ein Comeback feiert. Da haben sie auch einen Star schon gehabt, der dafür in Frage gekommen wäre, aber irgendwie sind sie davon wieder losgekommen. Ich weiß nicht genau, was der ausschlaggebende Punkt war, aber sie kamen dann auf Gene Kelly mit dieser Story, die wir da vor uns haben.
Florian Bayer: In meiner Traumvorstellung ist es so, dass sie angefangen haben, Songs aus der frühen Zeit wieder zu verwerten, dann sind sie alle nostalgisch geworden, dann haben sie sich daran erinnert, wie das damals war, ach ja, ist ja noch gar nicht so lange her, als der Tonfilm plötzlich kam und den Stummfilm weggespült hat und die Probleme und hey, jetzt haben wir die alten Songs und Leute, lass uns doch einen Metafilm machen.
Johannes Franke: Ja, es ist so ein bisschen die Nostalgie und man muss ein bisschen beachten, dass 1952 ist nicht so weit weg von der Erfindung des Tonfilms. Die meisten Zuschauer dieser Zeit erinnern sich sehr gut daran, wie damals The Jazz-Sänger, der erste Tonfilm, der große erste Tonfilm war.
Florian Bayer: 1928 und der hat, wie es auch in dem Film dargestellt wird, zu einer unglaublichen Popularität des Tonfilms geführt und viele Stummfilmstars haben genau mit den Problemen zu hadern gehabt, mit denen unsere ProtagonistInnen in dem Film dann auch hadern.
Johannes Franke: Ja, absolut. Es ist wirklich viel Recherche reingegangen und auch, die haben richtig einen Interviewbogen gehabt für die ganzen Mitarbeiter, die da irgendwie im Studio gearbeitet haben. Wie war denn die Zeit damals für euch? Was habt ihr für Probleme gehabt in den ganzen eigenen einzelnen Departments? Und dann haben natürlich die Tonfilmleute all ihre Storys rausgepackt und da gab es einiges. Und dann kann man sich vorstellen, dass die meisten Sachen davon, die im Film vielleicht ein bisschen überspitzt dargestellt werden, aber vielleicht gar nicht so sehr überspitzt, wirklich so passiert sind.
Florian Bayer: Ja, ich liebe immer wieder diese Liebe fürs alte Hollywood, die in dem Film aufblitzt. Es gibt tolle Szenen, wenn sie durch die Studios gehen. So eine ganz großartige Szene, wo sie an mehreren Sets vorbeikommen und eines alberner und absurder als das andere und wirklich so ein Western, der direkt neben einem Abenteuerfilm und neben einer Romanze gedreht wird. Und so war das damals. Die haben in diesem Wechsel von der Stummfilmzeit zur Tonfilmzeit hatten sie das mittlerweile raus, wie sie in den Studios viele Filme gleichzeitig drehen konnten. Und dann hatten die mehrere Sets aufgebaut. Da war ein Studio neben dem anderen. Du konntest wirklich von einem Film in den anderen laufen.
Johannes Franke: Und es war krass. Also ich meine, ich würde das dem Film, ich würde es ihm nicht verzeihen, wenn die Leute da tatsächlich durchlaufen und sich unterhalten. Das würde ich tatsächlich als Schauspieler würde ich die alle zusammen niesen und sagen, Alter, kannst du mal aus meiner Eyeline gehen? Ich möchte gerne mich konzentrieren können und nicht einen Haufen andere Leute, die da durch dieses Set die ganze Zeit laufen. Aber dass das geht, dass du mehrere Filme nebeneinander drehst, ist natürlich unbestreitbar, wenn du einen Stummfilm hast und dich der Ton vom Nachbarset überhaupt nicht stört.
Florian Bayer: Ja, genau. Das war halt, es war halt auch wirklich einfach, weil darüber wird ja auch sehr viel geredet in dem Film. Debbie Reynolds ist so ein bisschen, also die Figur von Debbie Reynolds, Kathy Selden, ist so ein bisschen die Anklägerin des traditionellen Stummfilms. Und sie macht sich in einer Szene im Auto, als sie Don zum ersten Mal kennenlernt, sehr viel über Stummfilme lustig. Aber was sie sagt, stimmt auch alles. Sie macht sich über dieses exaktierte Spiel lustig. Sie sagt, das hat nichts mit Schauspiel zu tun, was ihr da macht. Das ist Pantomime. It's a whole lot of dumb show. Übertrieben. Und Donald ist auch so ein bisschen, fühlt sich dann so ein bisschen runtergemacht, zu verteidigen. Aber merkt auch, dass da schon was dran ist, was sie sagt. Und er knabbert dann ja auch dran, nimmt das ja auch mit, dass sie da eigentlich so eine Shitshow machen, dass das eine Clownerie ist, unfreiwillig. Und er muss echt seinen besten Freunden nochmal fragen, sag mal, glaubst du, ich bin ein guter
Johannes Franke: Schauspieler? Und der natürlich, keine Ahnung, was für ein Film der gerade schiebt und sagt, na komm, natürlich, du bist der, also wenn du schon so fragst, du bist der beste Schauspieler der ganzen Welt.
Florian Bayer: Donald O'Connor als Cosmo Brown, der einfach so den besten, besten Kumpel der ganzen Welt
Johannes Franke: spielt, den man sich vorstellen kann. Der absolute Held meiner Kindheit, also meines ersten Guckens dieses Films. Jetzt überlege ich gerade, ob ich ihn vielleicht doch vor meinem anderen, vor Benni und June gesehen habe. Bin mir nicht mehr so sicher. Aber Cosmo Brown ist ein Staple für Optimismus, für Fröhlichkeit, für einfach nur da sein und alles besser machen, nur durch seine Anwesenheit. Ja. Es ist großartig. Er hat so viele schöne Lines bekommen. Allein, wenn er im Büro von dem Chef ist und dann die Zigarettenbox, Zigarrenboxen nimmt vom Schreibtisch und allen anderen eine Zigarre anbietet, die gar nicht ihm gehören. Und dann beleidigt ihn irgendwie der Chef und er verlangt seine Zigarre zurück, die ihm gar nicht gehörte. Es ist so großartig.
Florian Bayer: Es ist so ein bisschen eine Blaupause, ein Prototyp und gleichzeitig wahrscheinlich der beste Comic-Relief in der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Seine Rolle ist ganz klar gesetzt. Er soll da sein, um immer mal wieder mit Späßen aufzuheitern. Aber er soll auch ein bisschen Support sein für unseren Protagonisten, was er dann auch in den entscheidenden Momenten ist. Und gleichzeitig, du musst jedes Mal lachen, wenn du ihn siehst. Du musst jedes Mal strahlen, weil in jeder Szene, in der er auftritt, geht die Sonne auf. Ja. Selbst wenn es noch so eine kleine Szene ist, wie zum Beispiel, unser Protagonist Donald soll Sprechen üben für den Talkie. Und dann machen sie dieses Moses-Ding. Und dann kommt Cosmo dazu und macht zuerst so Fratzen, um sich über den Sprachlehrer lustig zu machen. Und dann machen sie aus diesem Zungenbrecher-Sprechen, machen sie dann einen großartigen Song. Das Wort großartig werde ich so oft sagen in diesem Podcast.
Johannes Franke: Und es ist der andere Song, der dafür geschrieben wurde. Alle anderen Songs, also Make Him Love und dieser Song wurden extra dafür geschrieben. Aber die anderen Songs existierten alle schon. Die sind ja aus dem Katalog. Moses the Poses von Roger Edens.
Florian Bayer: So toll. Und genau, es ist extra für den Film und es basiert eben auf diesem Zungenbrecher, den ich nicht kannte. Moses the Poses, His Toes are the Roses. Ich bin zu sehr mit deutscher Sprache sozialisiert. Und ich kenne nur Blaukraut bleibt Blaukraut. Weißt du, was sie im Deutschen sagen? Keine Ahnung. Ich nämlich auch nicht. Aber in der deutschen Synchro gibt es offensichtlich auch deutsch
Johannes Franke: synchronisierte Songs. Das stimmt. Aber die haben sie, glaube ich, wieder fallen lassen irgendwann. Weil ich glaube, ich kenne nur eine deutsche Synchro mit den original englischen Songs. Ich habe auch nie die deutschen Songs gehört, aber die erste Synchro hatte die deutschen Songs
Florian Bayer: und die kam wohl auch ganz gut an.
Johannes Franke: Ja, du sollst mein Glücksstern sein.
Florian Bayer: Was dann zum Titel wurde. Und zwar war das Problem, dass die Singing in the Rain haben sie übersetzt mit, ich bin quer im Kopf oder so. Oder ich bin ganz, irgendwie sowas in
Johannes Franke: der Richtung. Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Ich bin ganz durchgedreht oder so. Und dann haben sie selbst festgestellt, dass das ein saudämlicher Titel wäre für den deutschen Film. Und dann haben sie wahrscheinlich so schnell durchgeblättert. Oh mein Gott, welcher Titel passt ganz gut. Ach, der Glücksstern. Das ist doch schön. Das klingt so ein bisschen nach deutschem Heimatfilm.
Johannes Franke: Das stimmt. Ich bin aber froh, dass es die englische Version, also die Titel im Englischen geblieben sind dann in der späteren Veröffentlichung. Und überhaupt muss man schon sagen, die englische Version ist einfach großartig. So viel Witz, gerade bei Cosmo, wenn wir bei Cosmo Brown sind. Er hat so viel Witz, den man nicht übersetzen will. Also wo ich wirklich denke, um Gottes Willen, ich als Übersetzer, ich wäre so verloren und es würde mir so wehtun, da was Deutsches einzusetzen. Jetzt überlege ich gerade, was er sagt vor Make him laugh. The show must go on. Come rain, come shine, come was auch immer. Really? Mariachi! Ja. Oh Gott. Es ist wirklich toll. Und dann sitzt er am Klavier und macht das. Und ich muss da kurz aufräumen mit, ich hab's jetzt gerade reinforced vorhin, aber es stimmt eigentlich anscheinend gar nicht. Er ist nicht im Krankenhaus gelandet danach. Er hat diese Szene, ist wirklich painful gewesen. Es ist einfach schmerzhaft und er hat wirklich keine gute Zeit gehabt, dieses Ding zu drehen, aber es hieß ja auch, dass er das nochmal machen musste, weil der Film kaputt war und es überbelichtet war. Aber es stimmt, glaube ich, nicht. Stimmt das auch nicht mit der Wiederholung? Auch das mit der Wiederholung stimmt, glaube ich, nicht.
Florian Bayer: Und dass er komplett K.O. war allerhand applaudiert. Und Gene Kelly hat dann gesagt, hey, das war super. Kannst du das nochmal machen? Ja.
Johannes Franke: Aber ich glaube, diese Story stimmt einfach nicht. Ich hab nochmal ein bisschen durchrecherchiert und es gab schon, es gibt diese, ein Interview mit der Frau von Gene Kelly, beziehungsweise der Witwe von Gene Kelly, nachdem er gestorben ist, hat sie nochmal ein bisschen was aus dem Nähkästchen geplaudert. Und sie hat da gesagt, alle Aufzeichnungen dieses Films, also es gibt ja dann immer Leute, die da aufschreiben, was passiert ist und wer ins Krankenhaus musste und so weiter. Da ist nichts von drin. Also es steht nicht drin, dass sie es wiederholen mussten und es steht nicht drin, dass er ins Krankenhaus musste.
Florian Bayer: Okay. Interessant, weil ich hab auch das Gefühl, es gibt so ein bisschen so Widersprüchlichkeiten zwischen dem, was die SchauspielerInnen so danach gesagt haben und was es an Legendenbildung gab. Zum Beispiel, was Gene Kellys Charakter betrifft. Es wird ja oft so kolportiert, dass Gene Kelly extrem hart war als Tanztrainer, als Tanzlehrer. Und er hat auch selbst irgendwann später nochmal gesagt, ich war echt hart zu Debbie Reynolds im Besonderen. Um mal zu ihr zu kommen, die weibliche Hauptrolle, sie war 19 zur damaligen Zeit. Der Hammer. Und sie konnte nicht tanzen.
Johannes Franke: Sie war, also sie hat Gymnastik gemacht, also auch beruflich. Also sie hat wirklich das auf einem hohen Level gemacht. Das heißt, sie kannte auch die Art und Weise, wie man mit harter Arbeit wirklich sich Sachen erarbeiten muss, die körperlich einfach sehr schmerzhaft sind. Und deswegen hat sie es auch ausgehalten, glaube ich. Weil innerhalb von zwei Monaten, ich glaube, so viel Zeit hatte sie, haben sie ihr diese Tanznummern beigebracht, gerade dieses Good Morning. Und wenn man sich das anschaut, im Gucken steht sie den beiden in keinem nichts nach.
Florian Bayer: Es ist unglaublich. Sie tanzt mit voller Kanne. Sie tanzt mit Gene Kelly und Donald O'Connor. Und diese großen Nummer, dieses Good Morning, wo sie zu dritter die Treppen runter tanzen, sie hat Stöckelschuhe.
Johannes Franke: Es ist der Hammer. Und sie macht es. Sie macht es unglaublich gut. Und sie war nach den Dreharbeiten am Abend, sie hatte blutige Füße. Ja. Es ist wirklich einiges da unten kaputt gegangen.
Florian Bayer: Sie hatte diese sportliche Vergangenheit, aber trotzdem war sie keine Tänzerin. Und es wurde so kolportiert, dass Gene Kelly sie ordentlich angetrieben hat. Und das bis hin zu Tränen, dass sie teilweise wirklich fertig war. Es gibt diese berühmte Anekdote, wo sie weint am Klavier sitzt. Und dann kommt ausgerechnet Fred Astaire, der zweite große Tänzer der damaligen Zeit.
Johannes Franke: Ja. Und der hat sie dann, das finde ich ganz toll, das ist eine ganz tolle Geschichte, weil er hat sie nicht nur gefunden und gesagt, ja, hier tut mir leid und so und hat sie ein bisschen tüdel-tüdel, sondern er hat ihr erlaubt, ihnen beim Proben zuzusehen. Und seine Proben hat er sonst niemanden gucken lassen, weil man sieht nicht gut aus beim Proben, beim Stepptanz. Man hat so viele Momente, wo man einfach stolpert und das Scheiße findet und alles in die Luft sprengen will. Und er hat sie zuschauen lassen, damit sie ein Gefühl dafür bekommt, dass selbst wenn man ein Riesenprofi ist, wie er, immer noch die gleichen Probleme hat und dass man auch da sitzt und weint und nicht weiß, wie soll das alles funktionieren. Und das hat ihr sehr geholfen. Das finde ich toll, eine tolle Geschichte.
Florian Bayer: Total. Was ich krass finde, also Gene Kelly hat ja gesagt, ich kann überhaupt nicht verstehen, dass Debbie Reynolds überhaupt noch mit mir redet. Ja, ja, genau. Debbie Reynolds hat nur lobende Worte für Gene Kelly übrig gehabt. Die hat später gesagt, das war total toll. Ich habe ganz viel von Gene Kelly gelernt. Sie wurde dann ja auch wirklich Tänzerin. Sie war dann regelmäßig in Las Vegas unterwegs. Es ist wahr. Bis ins hohe Alter hat sie getanzt. Sie ist 2016 gestorben. Das ist krass. Im selben Jahr wie ihre Tochter. Ja, Broken Heart wahrscheinlich. Carrie Fisher ist ihre Tochter und die berühmte Schauspielerin aus Star Wars. Und sie hat über Gene Kelly gesagt, ja, manchmal hat er mich auch zum Weinen gebracht. Aber es war total großartig. Man musste zwar geduldig sein, aber ich meine, es ist auch klar, er musste ja auch geduldig sein mit mir, weil ich vorher nie getanzt hatte und ich wurde ihm vorgesetzt. Das Studio hat halt einfach gesagt, wir haben hier einen jungen Star. Gene, du arbeitest jetzt mit ihr. Auf Studiosystem. Die müssen wir jetzt für diesen Film besetzen, auch wenn sie nicht tanzen kann, weil das ist unser Star, den wir pushen
Johannes Franke: wollen. Beziehungsweise war er natürlich erst mal nicht dagegen am Anfang. Er fand das schon gut. Er hatte bloß irgendwie, glaube ich, entweder hat er mehr Hoffnung gehabt, dass sie es mehr schneller hinkriegt, obwohl er im Nachhinein immer gesagt hat, sie hat das super gemacht, super kopiert und super hingekriegt. Aber ich glaube eher, dass er einfach ein Tampa Mainz-Problem hat.
Florian Bayer: Gut möglich. Ich glaube, er ist auch einfach, also was man so hört, auch von anderen Weggefährten, er ist auch einfach ein Perfektionist. Donald O'Connor hat ja auch gesagt, mit dem zu arbeiten war ganz schön anstrengend. Ich war nervös, ich wollte keinen Fehler machen. Also Gene Kelly scheint einfach der Typ zu sein, dem ist es unglaublich wichtig, dass alles gelingt. Ja, ja, ja, ja. Bei den Tanznummern und das erwartet er dann auch von seinem Gegenüber.
Johannes Franke: Ja, das macht sich auch bemerkbar dann in dem, sie haben ja diese Make-Em-Love-Nummer mit Donald O'Connor, hat ja Gene Kelly, das muss man kurz sagen, Gene Kelly hat die Regie mit übernommen. Also Stanley Donovan war zwar Regisseur, offiziell auf dem Papier, aber die haben zusammen Regie geführt. Das haben die auch vorher schon in American in Paris gemacht, in dem Film davor. Weil Gene Kelly einfach die Choreografien gemacht hat und das ist einfach sehr viel, das ist einfach wichtig für ein Musical, dass das alles irgendwie Hand in Hand läuft.
Florian Bayer: Die waren auch gut befreundet, ne? Stanley Donovan und Gene Kelly haben vorher schon zusammen
Johannes Franke: gearbeitet und waren zumindest so, oder Work Buddies? Ja, Work Buddies eher. Also die haben auch zusammen Choreografie. Donovan hat irgendwie anscheinend auch Choreografie gut beherrscht und hat das mitgemacht. Aber Donovan hatte später, als er gefragt wurde, ob er zum Beispiel für ein Retrospektive über Gene Kelly was sagen möchte, hat er gesagt, lieber nicht, weil ich nicht viel Gutes zu sagen habe, sage ich lieber nichts. Oh, das klingt nicht so schön. Nein. Also die waren mehr Work Buddies, haben sehr gut zusammengearbeitet, aber ich glaube, Donovan war auch von Gene Kelly nicht so richtig begeistert, was die private Sache betrifft. Hat er auch ein bisschen angedeutet, immer mal wieder.
Florian Bayer: Ja. Stanley Donovan übrigens 2019 gestorben. Ja. Und der hat neben Sing in the Rain hat er zum Beispiel Charade-Regie geführt. Ah ja, genau. Den wir ja auch besprochen haben. Genau, einer der Filme, die wir von noch gar nicht so langer Zeit besprochen haben im Podcast und Funny Face. Also ein Profi für Musicals und für lustige Rom-Com-Komödien. Ja. Und in Funny Face hat er ja mit Fred Astor zusammengearbeitet. Genau. Ja, ja. Ein super
Johannes Franke: krasser Typ, muss man mal sagen. Ich weiß gar nicht genau, wie sich das weiterentwickelt hat mit Gene Kelly und ihm. Ich habe nur so ein paar Sachen reingelesen. Ja. Vielleicht
Florian Bayer: ist es auch bei einer späteren Arbeit passiert, weil was ich hier gelesen habe über die Entstehung des Films, ging das wohl relativ gut vonstatten. Ja, ja, ja, ja. Gene Kelly hat das Skript gelesen und hat gesagt, oh, das klingt echt geil, das will ich machen und hat dann auch gleich mit Stanley Don geredet. Genau, genau. Also ihn so ein bisschen damit reingezogen und die haben dann beide zusammen auch am Skript gearbeitet und das ging wohl auch ziemlich gut, weil die sich auch alle irgendwie kannten, auch, wie heißen sie, Betty Compton und Elf Green, die haben irgendwie zusammengearbeitet, die waren im Studio. Genau. Ja. Und dadurch,
Johannes Franke: dass die sich auch schon vorher eben einfach die Zusammenarbeit so funktioniert hat, glaube ich, dass die einfach ein gutes eingespieltes Team waren, was nicht heißt, dass man Freunde
Florian Bayer: ist irgendwie. Ja. Ja, wahrscheinlich war das damals schwierig. Es gibt ja immer diese Geschichten von Leuten, die sich gehasst haben, irgendwann mal eine Zeit lang vor der Kamera. Ja, ja. Ein berühmtes Beispiel hatten wir auch vor kurzem, waren Dean Martin und Jerry Lewis. Ja, genau. Was so traurig ist. Die dann gar nicht mehr miteinander geredet haben, obwohl sie halt auch als Freunde angefangen haben. Das heißt, man kann sich auch gut vorstellen, wie in einer gemeinsamen Zusammenarbeit die Freundschaft zuerst steigen und dann ganz rapide wieder fallen kann, wenn es irgendwelche, wenn Egos aufeinandertreffen wahrscheinlich auch. Ja, ja, genau,
Johannes Franke: definitiv. Und damals in Hollywood waren sehr viele Egos unterwegs. Ja. Oh Gott, ja. Da kann man auch eine ganz eigene Episode drüber machen. Ja. Ego in Hollywood im Laufe der Zeit. Naja. Aber eine tolle Zusammenarbeit irgendwie in dem, was bei rauskommt. Auch wenn Gene Kelly wirklich schwierig war und auch es natürlich immer mal wieder hier und für und wieder gibt, dann gibt es Leute, die sagen, kann ich gar nicht verstehen. Wieso denn? Aber Gene Kelly, das gibt so viele Berichte auch von anderen Leuten, die später mit ihm zusammengearbeitet haben, die im Frühjahr mit ihm zusammengearbeitet haben, die gesagt haben, er ist echt schwieriger Mensch gewesen. Ja. Wirklich, wirklich problematisch. Wie er einfach durch den Perfektionismus und durch, nein, nochmal, nochmal, nochmal, Leute sich einfach auch blutige Füße und alles mögliche
Florian Bayer: geholt haben. Das Krasse ist ja, das ist schwer, das so in Einklang zu bringen, der problematische Kelly im Privatleben und dann diese charmanten Rollen, die er spielt. Ja, man kann ihm gar nichts
Johannes Franke: böse nehmen. Man guckt ihn an und denkt sich, oh mein Gott, wie süß. Und das Ding ist ja auch,
Florian Bayer: das Krasse ist vor allem, dass er das halt auch in den Tanznummern hält. Er macht die absurdesten, krassen Tanznummern, die wirklich anstrengend aussehen und hat immer dieses Lächeln
Johannes Franke: auf den Lippen. Er wirkt immer begeistert. Und es ist nicht eingefroren. Es gibt so viele Tänzer, bei denen man denkt, okay, du hast jetzt das Lächeln einmal festgetackert und das war's und dann ziehst du das Zeug durch. Aber der sieht aus, als hätte er wirklich, wirklich
Florian Bayer: genuine Spaß. Selbst wenn er mit Fieber im Wasser tanzt, seine Kleidung ist vollgesogen und er springt darum, man sieht, das ist anstrengend, das ist schwierig und so. Man stellt sich vor, Gott, wenn die Zähne dann nochmal gedreht werden müssen, dann muss nochmal alles
Johannes Franke: stimmen. Es sieht einfach aus, als ob es ihm Spaß machen würde. Hammer, ne? Und auch wenn wir gerade bei dem Singing in the Rain Ding sind, das ist natürlich das Kernstück des Ganzen. Man sagt immer, dass es irgendwo im Studio aufgenommen wurde, aber ist es gar nicht. Die haben wirklich die Straßen abgesperrt, haben eine riesige Plane drüber gemacht, damit sie am Tag drehen konnten und damit es nach Nacht aussieht. Und er hat sich dann immer in seinem viel zu nassen Anzug in den Drehpausen nach draußen begeben, außerhalb dieser Zone, die mit der Plane überzogen war und konnte dann im Sonnenlicht trocknen und sich ein bisschen erholen und ist dann wieder zurück auf die Straße, Originalstraße ins Set quasi gelaufen und hat dann wieder weiter gedreht. Anderthalb Tage lang haben sie das gemacht. Krass. Und
Florian Bayer: es hat sich total gelohnt. Die Szene ist nicht nur ikonisch, es ist wirklich auch eine der
Johannes Franke: stärksten Tanznummern in der Musicalgeschichte. Dabei ist das gar nicht so die schwierigste Nummer, muss man sagen. Wenn man sich die Schritte anschaut und so und er hat auch ein kleines bisschen dazu improvisiert und so, ist der gar nicht, nicht das krasseste, was du siehst an Steppnummer. Aber die ist einfach so, so toll arrangiert.
Florian Bayer: Ja, was sie auch schafft, ist die Emotionen so rüber zu bringen. Ja, genau. Sie pendelt perfekt zwischen dem Romantischen. Er macht das, weil er verliebt ist und weil er weiß, jetzt gibt es eine Möglichkeit, seinen Film zu retten. Er freut sich einfach über diese beiden Sachen. Ja. Und dann ist aber die ganze Zeit auch dieser unterschwellige und dann auch immer stärker werdende Humor mit dabei, wenn er mit dem Regen flirtet, mit dem Regen spielt und dann kommt irgendwann noch ein Polizist dazu und guckt ihn an, was macht denn der da. Und im Abgang darf er noch einem Passanten seinen Regenschirm reichen, so ach, brauche ich nicht. Es ist einfach toll. Ja. Es gibt dieses Spiel mit den Emotionen, also mit den positiven Emotionen. Ja. Ja, ja, ja. Dieser Film hat sowieso hauptsächlich positive Emotionen an Bord. Und er macht das ganz toll und und er kann wirklich perfekt schwenken von diesem romantischen, charmanten zum albernen Klaunesken. Ja.
Johannes Franke: Er hat auch später gesagt, dass er tatsächlich sich ab einem bestimmten Punkt dafür entschieden hat, das Kind zu spielen, dass es einfach liebt, die Sachen zu machen, wo Mutter früher gesagt hat, nein, das machst du nicht. Du kommst hier viel zu nass und kriegst einen Schlupfen.
Florian Bayer: Das geht nicht. Bis zu der Szene, bis zu dem Moment, der fast gar nicht mehr nach Tanz aussieht, wo er wirklich so mit gespreizten Beinen einfach durch die Pfützen springt. Das hat nichts mehr von Tanz, aber passt trotzdem perfekt in diese Performance.
Johannes Franke: Es ist großartig. Ja, ja. Ja, man ist ein bisschen neidisch, wenn man es anschaut. Ja, man will diesen Spaß auch haben. Ja. Aber trotzdem hat man immer das Gefühl, eigentlich müsste sein Anzug ein bisschen nasser sein. Ja, stimmt. Aber der ist total nass eigentlich. Aber man sieht es nicht so richtig gut. Nee, man sieht es nicht so wahrscheinlich, weil einfach analoge alte Filmaufnahmen. Ja, ja, ja. Aber das hat auch was damit zu tun, dass man Nässe in Filmen bei solchen Sachen sowieso sehr schwer sieht. Ja. Und sie haben auch viel Aufwand betreiben müssen, dass man den Regen überhaupt sieht, während er wieder fällt. Ja. Es ist wirklich nicht leicht, im Film Regen zu zeigen. Man muss es gut beleuchten.
Florian Bayer: Ja. Auch gute Spots rausgesucht, um das noch zu verstärken. Es gibt einfach dieses von Dächern tropft nochmal ein richtig großer Schwall Wasser hinab und darunter darf er dann auch tanzen, damit wir auch einmal sehen, wie das Wasser wirklich auf seinen Hut spritzt. Genau, ja. Er hat großartig inszenierte Szene. Song sowieso. Ja. Ohne jeden Zweifel wunderbar. Und das ist einfach, es ist vollkommen zu Recht, ist diese Szene ikonisch geworden. Ja, absolut.
Johannes Franke: Was haben wir, haben wir noch? Ikonische Szenen, also ikonische Musical-Szenen, damit ich, damit wir die Musik einmal noch durchgehen. Ja. Wo du sagst, das ist jetzt wirklich Make-em-love haben wir jetzt, die Singing in the Rain-Sache. Also Moses the Poses, habe ich schon genannt, toll, einfach witzig, vor allem weil es so
Florian Bayer: improvisiert wirkt und sie machen es ja auch, sie singen und die Musik, die Begleitmusik setzt erst später ein. Man kann sich die Szene vorstellen, dass sie sich gar nicht zu einer Musical-Nummer entwickeln muss, dass es auch kurz so bleiben kann. Genau. Und dann wird es trotzdem nochmal eine richtig große Musical-Nummer. Fantastisch.
Johannes Franke: Da finde ich die Choreografie am fantastischsten, muss ich sagen. Ja. Da finde ich die Choreografie so großartig und so toll, ich habe das echt versucht nachzumachen. Ich habe mir Sachen rausgeschrieben, wir haben mit Maja einen Teil auf der Bühne mal tatsächlich performt, aber natürlich in stark vereinfachter Form und so irgendwie so. Aber es ist auch einfach ein toller Song. Ja, ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Good Morning haben wir schon angesprochen, Debbie Reynolds, großer Auftritt. Hammer, absolut. Es gibt die obligatorische romantische Liebesnummer im großen Studio, wenn er singt, you were meant for me. Was hältst du davon?
Johannes Franke: Weil es ist natürlich Romantik und es trieft vor Kitsch ein bisschen. Ist okay.
Florian Bayer: Es sind nie die Nummern, für die mein Herz schlägt in solchen Filmen. Aber es muss so eine Nummer da drin sein in dem Film. Ganz klar, wir müssen einfach, wir brauchen nochmal so den großen Relief ihrer Romanze, die sich entwickelt, die sich relativ schnell entwickelt. Ja, naja, klar. Aber das ist schon okay. Das ist nicht mein Favorite in dem Film, aber ein solcher Song muss mit drin sein.
Johannes Franke: Ja. Ich finde die Soundstage großartig. Ich bin, ich wirklich, ich sitze dann da und es ist mir fast peinlich, dass ich das so unglaublich romantisch und süß und nett finde. Ich weiß gar nicht warum, aber ich finde es so toll. Ich bin wirklich ein großer Fan davon, von dieser Nummer. Naja, ja, ja.
Florian Bayer: Und dasselbe gilt auch für You're My Lucky Star, der ganz am Schluss gesungen wird, wenn Käfie schon am Fliehen ist und der sagt dann, haltet sie auf.
Johannes Franke: Da sollte übrigens eigentlich nochmal drin sein, das Song. Sie sollte eigentlich vor einem Billboard stehen, wo sein Gesicht drauf plakatiert ist und ihm das vorsingen, also seinem Plakat singen. Und das haben sie aber dann rausgenommen. Aber es gibt eine Aufnahme davon, also eine Audioaufnahme. Mit ihrer Stimme? Wie sie das, genau. Wie ist ihre Stimme beim Gesang? Ich habe sie nicht gehört. Ich habe sie nicht recherchieren können noch rechtzeitig.
Florian Bayer: Dazu kommen wir gleich noch zu der Synchronisation. Oh, die Irony. Oh, die Irony. Aber wenn wir bei den Songs sind, möchte ich noch zwei Songs ansprechen. Einer etwas kürzer und einer etwas länger. Und das ist das, was mir zum ersten Mal aufgefallen ist. Was für Drogen haben die Menschen genommen, um diese beiden Nummern zu machen? Das erste ist kein richtiger Song, sondern eher so eine kurze Montage. Und zwar zum ersten Mal, wenn wir mitkriegen, dass die Musicals jetzt Hollywood erobern. Und dann gibt es diese Montage von verschiedenen Musicals ziemlich schnell aneinander geschnitten. Von verschiedenen Akteuren in Musicals. Ist nicht lang, ist so eine Minute. Und zwar, das kommt nachdem gesagt wird, oh Gott, der Chessinger war so erfolgreich und wir müssen jetzt auch Talkies machen. Und da sagt Mr. Simpson, der übrigens ein ganz großartiger Studioboss ist, okay, die Öffentlichkeit will Talking Pictures. Wir machen jetzt erstmal alles zu und Dueling Cavalier soll auch ein Talking werden. Und dann sehen wir diese Musical-Montage. Zwei Minuten und du denkst, what, bin ich in einem David Lynch-Film gelandet? Das ist voll verängstigend. Und das Krasse ist, dieses Ding, dieses Trippige, wird dann wieder aufgegriffen in der letzten großen Nummer. Und zwar, wenn sie den Film fertig gedreht haben und dann sagt Mr. Simpson, okay, eine Nummer fehlt noch. Und dann sagt Kelly Hale, lass uns was über Broadway machen. Wir haben ja diese Rahmenhandlung, dass ein Broadway-Künstler, neue Rahmenhandlung, Broadway-Künstler kriegt eins auf den Deckel. Und landet deswegen in diesem Traum in der Vergangenheit. Und dann spielt er Broadway-Melody und Broadway-Rhythm. Und du denkst schon wieder, what the fuck, bin ich schon wieder in einem David Lynch-Film gelandet? Was zur Hölle? Weil es wird auch wirklich düster. Und das fällt dir jetzt erst auf? Es ist mir zum ersten Mal so aufgefallen. Es wird düster und es wird freakisch und es passt auch fast nicht so zur anderen, zur Stimmung, zur restlichen Stimmung des Films. Weil alles so schräg und bizarr ist. Möchtest du eine Erklärung dafür haben? Ja, ich möchte eine Erklärung dafür haben. Das macht mich fertig. Also vor allem für diese Musical-Montage am Anfang, aber ich nehme auch gerne Broadway-Melody. Ja.
Johannes Franke: Also, das Ding ist, Broadway-Melody hat eine andere Begründung als die Montage zwischendurch. Aber Broadway-Melody ist Gene Kelly. Hat in fast allen seiner Filme, wo er genug Einfluss hatte, eine völlig absurde Montage oder einen völlig absurden, plötzlich eingefügten Teil. Wo du das Gefühl hast, der gehört nicht zum Film, sondern der ist einfach gemacht. Der steckt da einfach drin, im letzten Drittel, kurz vor Ende, bei jedem seiner Filme, weil er zu wenig Chance hat, zwischendurch seine Fähigkeiten als Balletttänzer darzustellen. Nein. Ja, doch. Dieses Ars. Dieser Typ hat ein bisschen Komplexe, was das betrifft. Ja, offensichtlich. Der will unbedingt nochmal unterbringen, dass er ja nicht nur einfach Stepptanz kann, sondern er kann Jazz oder er kann Ballett oder solche Sachen. Alter, wegen der Komplexe von ihm werden wir in diesen Fiebertraum geschickt. Richtig. Und es hat nichts mit dem Film zu tun. Nein. Und das Tolle ist, dass Stanley Donnan kurz danach den Chef des Studios sagen lässt, ich verstehe es nicht.
Florian Bayer: Ja, das ist großartig. Das stimmt. Und ich sitze auch da und denke, ich verstehe es nicht. Es wirkt, als wäre der Film einfach mal so kurz falsch abgebogen. So dumm, jetzt gehen wir Richtung Ende. Oh, guck mal, was ist denn das? Ein dunkler Wald, ich gehe da mal rein. Und dann bricht die Hölle los und wir sehen Gene Kelly zuerst in dieser Clown-Maskerade, die übrigens toll ist, wo er nochmal sein Comedy-Talent zeigt, wie er als junger Mann zum Broadway kommt und bei verschiedenen Agenten vorsingt. Und dann wird er auf die Bühne geschubst, nachdem er Erfolg hatte und singt vor so einem riesigen Publikum, verliebt sich in eine femme fatale. Da sitzt die Mafia und die wollen nicht, dass er zu der Frau kommt. Und wir stolpern mit Gene Kelly in zwei Tanznummern, fucking zwei Tanznummern, das ist nämlich Broadway Melody und Broadway Rhythm, die direkt aufeinander folgen, stolpern wir durch diesen Fiebertraum eines Künstlers, der eine Mafia-Braut für sich gewinnen will. Und wir denken nur, what? Wann kommt Singing in the Rain zurück?
Johannes Franke: Aber findest du diesen Film, der in dem Film drin ist, nicht auch großartig als Kunstfilm, als Kurzfilm?
Florian Bayer: Es ist total geil, es ist einfach nur halt so, hier hast du einen Cheeseburger und jetzt machen wir noch Schokoladensauce oben drauf.
Johannes Franke: Ja, es ist wirklich, ich find's großartig, ich find die Choreografien großartig. Vor allem mit Sid Charisse oder wie heißt sie, ich weiß nicht, wie sie ausgesprochen wird, aber sie ist so eine großartige Tänzerin. Du musst unbedingt diese... Die, die femme fatale spielt? Ja. Ja, Sid Charisse. Genau. Einfach mal googeln, die hat auch mit Fred Astaire später so Jazz-Nummern getanzt, die der Hammer sind. Ja. Es ist... Und du sitzt davor und denkst dir, what the fuck is happening? Haben die eine Mischung aus Dadaismus und völlig abgefahrenem Kubismus, keine Ahnung, und das in Tanzform? Ich weiß es nicht, was sie sich gedacht haben, aber es ist großartig. Also Fred Astaire und Sid Charisse oder wie sie gesprochen wird. Ja. Und das mal googeln, ganz, ganz tolle Nummern. Und die hat in diesem Film das erste Mal, sie ist ausgebildete Balletttänzerin, Jazz getanzt. Also diese Jazz-Richtung, was auch für sie eine ganz große Herausforderung war und die genauso mit Gene Kelly gekämpft hat, weil Gene Kelly halt eine bestimmte Vorstellung davon hatte, wie das zu sein hat und er nochmal sein Talent zeigen wollte und dann mussten natürlich alle anderen mindestens genauso gut sein wie er. Und sie als ausgebildete Tänzerin genau die gleichen Probleme hatte wie Kathy Seldon, also wie unsere Schauspielerin Debbie Reynolds, die vorher nie getanzt hat, die hatte genau die gleichen Probleme einfach mit Gene Kelly, weil der einfach so demanding ist. Und dann hast du in dieser Choreografie einen Moment, wo die Kamera, wo der Schnitt plötzlich so offensichtlich ist, wo plötzlich irgendwas, irgendwie waren sie doch eben noch in der Position, jetzt sind sie in der Position. Und ich habe jetzt rausgefunden, endlich nach Jahren, warum da dieser fucking Schnitt drin ist, die mussten eine Position rausschneiden, die für die Zensur zu krass war, die war zu sexuell. Und dann mussten sie das rausschneiden und dann ist da plötzlich so ein Cut drin und ich denke, hä, der ganze Film ist so problemlos geschnitten, warum ist da jetzt plötzlich so ein offensichtlicher Cut drin?
Florian Bayer: Face Code, ne? Ja, so ein bisschen. Wir sind voll im Studiosystem des 50er-Hollywood, da haben sie sehr drauf geachtet,
Johannes Franke: dass das nichts zu krasses zu sehen ist. Ich finde, diese Choreografie ist eine der besten Choreografien des Films.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Einfach völlig losgelöst vom Stepptanz, einfach so eine ganz krasse, gute, tolle Jazz-Choreografie. Die Tänzerin ist der Hammer, die müsst ihr auf jeden Fall merken, den Namen. Und dann später das mit dem Tuch, wo sie so ein riesiges Tuch hinten dran hat, dass sie auch ganz viel hat stolpern lassen, weil der Wind, den sie da reingehauen haben, ihr so viel Energie in die falsche Richtung gegeben hat, dass sie da echt ihre Choreografie fast nicht machen konnte. Aber finde ich auch von der Choreografie sehr gut und völlig anders als der Rest des Films.
Florian Bayer: Es ist komplett reingepfropft, es ist ein eigener Film eigentlich. Ja, ja, genau. Wo sie nachher drauf kommen, wie gesagt, sie retten ja diesen Dueling Cavalier und machen daraus dann eben auch so einen Metafilm, wo der junge Typ zum Broadway kommt und das ist eben die Rahmenhandlung für. Und da wird dann einfach mal eine fünf bis zehn Minuten lange Nummer gemacht, um diesen Rahmenhandlung nochmal reinzuwerfen. Und es ist ein eigener Film und man könnte sich vorstellen, dass dieses Gesamtkonzept, was sie da entworfen haben, wirklich geil als Film funktioniert.
Johannes Franke: Absolut.
Florian Bayer: Ich würde das gerne sehen. Ich würde gerne den Cavalier sehen, der plötzlich das Singen, Cavalier ist und ich würde gerne diese Rahmenhandlung sehen, die auch ganz toll diese Broadway-Ästhetik aufgreift. Das ist vor allem, das hebt sie nochmal so ab. Wir haben ganz viele Tanzszenen, die so eindeutig im Studio verortet sind, die viel mit, wo die Kamera auch viel reingeht, nah und einfach filmische Musical-Szenen. Und diese Szene ist eine Broadway-Szene, logischerweise. Das heißt, wir haben dieses Bühnenarrangement, wo sie stattfindet. Und ja, es ist bizarr. Es ist komisch. Und ich habe David Lynch nicht aus Spaß gesagt. David Lynch hat auch manchmal so Tanzeinlagen in seinen Filmen, die auch so Reminiscenzen sind an das klassische Hollywood. Also beim Mulholland Drive kommen einige von diesen Stücken vor, weil es da auch um eine Tänzerin geht.
Johannes Franke: Aber die sind sehr viel absurder und düsterer, dadurch, dass die Stimmung von Anfang an so weird ist.
Florian Bayer: Ja, genau. Ich glaube, durch den Kontext werden sie düsterer. Aber diese Szene könntest du wunderbar auch in einen David-Lynch-Film packen. Und keiner würde sagen, das ist da aber fehl am Platz. Also es passt eher in einen David-Lynch-Film als in Szene. Aber nochmals, sehr viel Liebe für diese Szene. Das ist toll. Aber es ist auch so, es macht total Sinn, dass es so ein Show-Off von Gene Kelly ist. Ja, genau. Aber trotzdem, ja, um das noch mal zu sagen, großartige Nummer, aber what? Gebt mir die Drogen, die ihr hattet, dass ich das entworfen habe.
Johannes Franke: Das wären die Musical-Einlagen für mich. Das sind die Musical-Einlagen für dich. Was ist mit All I Do Is Dream Of You, All Night Through? Ich weiß nicht, wie der Song eigentlich heißt. Aber sie kommt doch am Anfang in dieses, als Job hat sie ja, dass sie da auf der Hollywood-Party tanzen und singen soll. Ja, ja, ja. Und ich liebe diesen Song. Über die Jahre ist mir der so ans Herz gewachsen. Am Anfang, beim ersten Mal gucken, fällt der so, na ja, gut, das machen die da so, das singen die so und tanzen der so. Aber mit jedem Mal gucken, liebe ich diesen Song mehr und mehr und die Choreografie, was da drin steckt. Und da ist auch wieder eine Cutscene eigentlich. Eigentlich hätte Gene Kelly nochmal diesen Song auch singen sollen. Ja. Bevor er dann zu ihr hingeht und sie da irgendwie anspricht und sagt, ach, hm, was machst du denn hier? Die große Tänzer, die ganze, die große Schauspielerin. Was ist denn los? Ich hätte gerne gesehen, wie Gene Kelly das nochmal repriced. Ja.
Florian Bayer: Und dabei versuchen sie aber zumindest so dieses sexistische Element, ohne dass sie es als sexistisch thematisieren, aufzugreifen. Weil es geht eben darum, dass ganz viele Tänzerinnen halt nackt rumspringen. Genau. Und die männlichen Studiobosse freuen sich tierisch darüber.
Johannes Franke: Ja, und sie sprechen es tatsächlich an. Das ist so ein bisschen nebenher läuft das. Aber Cosmo Brown steht mit einer Frau dort, ganz, ganz im Schwenk versteckt. Steht mit einer Frau und sagt ihr, ja, natürlich kann ich dich ins Showbusiness bringen, Baby. Und das ist so krass. Und du denkst dir, wow, what the fuck? Aber das ist ein Level an Selbstironie, den du schon haben musst, um das irgendwie hinzukriegen. Es ist schon wirklich geil.
Florian Bayer: Und es ist ganz gut, dass du die Szene jetzt erwähnst, weil die ist natürlich so schön eingebettet in diese Romanze zwischen Kayfee und Donald. Vielleicht reden wir einfach über die kurz als nächstes. Wie funktioniert Singing in the Rain als traditionelle Rom-Com? Ja. Hat ja alle Elemente davon. Absolut, absolut. Zuerst dieses Pickering, sie mögen sich nicht, weil sie von anderen Seiten des Spektrums kommen. Sie ist eigentlich die Schauspielerin, weil sie macht Kunst. Und er ist halt der Clown, der Stumpfeln macht. Aber er ist der Star und sie ist nicht relevant für ihn. Also so hart ist es nicht.
Johannes Franke: Aber es gibt schon diesen Konflikt. Aber das ist jetzt auch schon deine Interpretation so ein bisschen, ne? Du bist jetzt tatsächlich auf der Seite des, ah, die harte Künstlerin, die wirklich Schauspielerin ist. Und die Stumpfeln-Stars waren ja schon auch Schauspieler. Also es ist jetzt nicht so, dass es wirklich nur a whole lot of dumb show war, wie sie sagt.
Florian Bayer: Nee, das stimmt definitiv. Aber vor allem im amerikanischen Studiosystem. Und gerade zu der Zeit, als der Stumpfeln gestorben ist, ist er vielleicht auch einfach zurecht gestorben. Weil es dann eben diese Filme gab, die einfach nach Schema F immer wieder dasselbe gemacht haben. Also if you have seen one, you have seen them all. Genau das, was sie sagt. Also sie hat schon recht damit. Und dann auch mit Schauspielern, die sich nicht viel Mühe gegeben haben. Und so wie am Fließband von Film zu Film, sie halt schnell so ihre Nummern gemacht haben.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Schauspiel, das eben so ein sehr spezielles Schauspiel ist, dieses exaktierte Stumpfeln-Schauspiel. Und ich beziehe mich jetzt sehr bewusst auf diese letzte Stumpfeln, letzte Ära der Stumpfelnzeit in Hollywood. Weil natürlich hat der Stumpfeln herausragende Filme mit großartigem Schauspiel hervorgebracht. Aber ich glaube, dann guckt man lieber in andere Zeiten, ein bisschen weiter zurück. Und vielleicht auch ein bisschen mehr über den großen Teich hinaus, beziehungsweise bei uns in die Nachbarschaft. Also was Deutschland in der Stumpfelnzeit an Meisterwerken geschaffen hat.
Johannes Franke: Das ist schon krass. Aber wir sehen ja im Film auch, worauf sich der Film bezieht. Nämlich sowas wie The Three Musketeers. Genau. In einer Version, wo man denkt, okay, das ist jetzt wirklich nach Schema F mit der Dame, die sich dann verliebt in den Musketeer. Und man hat irgendwie Kampf und Dramatik und aber irgendwie alles so auf einer Oberfläche, wo nichts stattfindet eigentlich.
Florian Bayer: Aber es ist ein schöner Anfangskonflikt. Und der wird auch interessant erzählt, weil sie macht sich über ihn lustig, er macht sich über sie lustig. Aber dann knabbert er an dem, was sie gesagt hat. Dann merkt man auch, dass sie ein bisschen an dem knabbert, was er gesagt hat, dass sie sich unwohl fühlt. Und dann kommen sie aber trotzdem irgendwie zusammen, weil er einfach ein gutes Herz hat. Und es gibt natürlich die Kontrahentin, zu der wir gleich noch zu sprechen kommen. Ja, da müssen wir auf jeden Fall. Und dann gibt es auch diesen Moment der wirklichen Romance. Sie kommen zusammen, es gibt einen sehr großen Liebesteil. Und dann dieses zumindest kurz angedeutete Missverständnis am Ende, wenn er sie nochmal auf die Bühne schickt und sagt, sie soll jetzt für seine Schauspielkollegin singen. Und sie sagt, danach will ich dich nie wiedersehen. Was auch ein bisschen hergestellt ist. Ja, das ist schon ein bisschen hergestellt. Aber sie haben eine Chemie und ich finde, der Film funktioniert auch als Rom-Com.
Johannes Franke: Absolut, ich finde diese Chemie zwischen den beiden total glaubhaft. Und ich kann so wenig glauben, dass Gene Kelly so blöde war zu ihr. Aber on screen sieht es so toll aus. Ja, also Kayfee Selden macht das natürlich.
Florian Bayer: Absolut, sie ist so gut. Debbie Reynolds macht das hervorragend. Absolut. Sie ist wirklich toll, sympathisch. Sie trägt diesen Traum von einer Karriere mit sich, so die Frau von der Tellerwäscherin zur Millionärin. Und man ist auch die ganze Zeit auf ihrer Seite. Man will, dass sie es schafft. Und man freut sich total für sie, dass sie dann irgendwie in dem Studio ankommt. Dass die Intrigen von Lina nicht funktionieren. Man ist so ein bisschen traurig, dass sie dann so in die zweite Reihe versetzt wird, weil sie plötzlich nur synchronisieren soll. Aber es ist einfach gut, man ist da dabei. Und man wünscht auch einfach, dass sie zusammenkommen.
Johannes Franke: Das ist so charmant inszeniert, dass man die ganze Zeit auf ihrer Seite ist. Wenn wir gerade noch bei Kayfee Selden sind, müssen wir ja die kleinen Synchronsachen noch mit ansprechen. Und ganz kurz noch, bevor wir das machen, die Schauspielerin Debbie Reynolds war 19. Aber sie war nicht, wie man glauben würde, neu im Geschäft. Sondern sie hat tatsächlich vorher schon sehr viel gedreht. Sie war bekannt im Studio und das Studio hat viel mit ihr gemacht vorher. Und hat sie jetzt irgendwie eine Stufe höher. Das war ein logischer Schritt, sie als nächstes in eine Hauptrolle zu setzen. Und sie wohnte aber noch bei ihrer Mama. Ja, süß. Und dann ist sie immer morgens sehr, sehr früh, morgens um vier irgendwie mit dem Bus da hingefahren. Sie musste mehrmals umsteigen und so. Und dann hat sie manchmal echt dort geschlafen am Set.
Florian Bayer: Das ist so süß. Sie ist 19, wie erwachsen sie ihre Rolle dann spielt. Also sie hat auf jeden Fall den Kopf oben. Und man kauft ihr die Rolle, also man kauft ihr eine Rolle ab, die tendenziell eher älter ist als 19. Ich habe diese Kayfee nie als 19-Jährige gesehen.
Johannes Franke: Nie, niemals. Total krass. Ich finde es auch beeindruckend, aber das betrifft viele Filme aus der Zeit, wie alt so 19, 20-Jährige aussehen. Die sehen immer alle schon wie Mitte 30 aus.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist so seltsam. Und spielen auch so. Ja. Woran das wohl liegt.
Florian Bayer: Ja, früher sahen alle L. Es ist auch ganz krass, wenn du dir so Metal-Bands aus den 70ern und 80ern ankommst. Du siehst die und denkst so, was? Und die sollen jetzt so Anfang 20 sein? Die sehen aus wie 40.
Johannes Franke: Die sehen aber, vielleicht ist das einfach Metal. Fußballer aus den... Nein. Metal macht Mitte 40. Egal, ob du 70 bist oder ob du 20 bist, mit Metal bist du immer Mitte 40.
Florian Bayer: Fußballer aus den 90ern, mit ihren Oberlippenbärken, also so deutsche Fußballer, ne?
Johannes Franke: Okay, okay.
Florian Bayer: Falls ihr ein paar Nini-Sammelkarten gesammelt habt als Kind, dann kennt ihr die Bilder von den deutschen Fußballern, von Klaus Augenthaler und Jürgen Klinsmann. Die waren alle 20. Die sehen aus wie 40. Stimmt. Oh Gott, oh Gott. Ja gut. Wizard of Oz Dorothy. Stimmt. Wie alt war Judy Garland? 16.
Johannes Franke: 16. 15, 16.
Florian Bayer: Sieht aus wie eine 25-Jährige, die eine 12-Jährige spielen soll. Ja, das stimmt, ja. Krass. So, jetzt Romanze haben wir hinter uns. Kommen wir zum eigentlichen Star des Films. Nein, wir müssen die Synchronisation machen. Lina Le Mans. Dann kommen wir zur Synchronisation. Lina Le Mans, die Kontrahentin von K. Selten gespielt, von Gene Hagen. Ah ja. Und dann sind wir auch gleich dabei, wie der Film als Komödie funktioniert. Aber kommen wir erst mal zu Lina, die mit der schrecklichen Stimme.
Johannes Franke: Eine der besten Villains der Zeit, würde ich sagen. Also, bold statement, aber sie ist eine der besten Villains überhaupt dieser ganzen 50er, 40er, 50er, 60er Jahre Zeit. Weil sie die richtige Mischung hat aus durchtrieben und gleichzeitig dumm.
Florian Bayer: Absolut. Also, sie versteht nicht, was um sie herum passiert, aber sie ist trotzdem krass intrigant. Ja, ja. Und natürlich, also Gene Kelly muss man auch sehr viel Credits dafür geben, dass sie so ein krasser Willen ist. Ja. Weil diese Momente, wenn Gene Kelly mit ihr ernsthaft redet, zum Beispiel in dieser tollen Liebeszene, die sie spielen. Ja. Und er dann die ganze Zeit sie beleidigt und sagt, du Schlange, du Konstruktor, ich weiß gar nicht, wer wir. Und sie zurückgiftet.
Johannes Franke: Ja, und sie dann aber irgendwann sagt, das kannst du alles nicht ernst meinen. Nein, du liebst mich. Also, du liebst mich doch eigentlich. Und er sagt, I'd rather kiss a tarantula. Und sie, ich meine, das ist so geil.
Florian Bayer: Und sie, genau, dieses Dumme, sie ist fest davon überzeugt, dass er in sie verliebt ist, obwohl er tausendmal gesagt hat, dass er es nicht ist.
Johannes Franke: Das ist so krass. Und am Anfang, weil wir Kathy Selden noch nicht kennen, haben wir so ein bisschen das Gefühl, okay, so geht also ein Film aus dem 50er mit seinen Frauenfiguren um. Aber später wird es ja mit Kathy Selden, ist eine sehr intelligente und sehr clevere Frau und es wird sehr gut dargestellt und so. Aber am Anfang denkt man sich so, oh, okay, ist die Frauenfigur dieser Film, ist das das Frauenbild? Und dann merkt man, okay, nein, das ist es nicht. Aber es ist so schön auch hergeleitet. Sie redet ja ganz lange nicht. Das ist so krass. Sie wird die ganze Zeit stumm neben ihm stehen und man merkt es auch nicht so richtig. Nein. Man fällt, wenn sie das erste Mal ihre Stimme loslässt und man total zusammenzuckt, merkt man, wow, stimmt, die hat die ganze Zeit nicht geredet. Wie kann das denn sein?
Florian Bayer: Dieses Quietschen, das höre ich gerade zum ersten Mal, was ist passiert. Es ist wirklich geil hergeleitet. Es ist so toll gemacht. Und dann gibt es ja diese, okay, jetzt einen ganz kurzen Sprung zurück, weil der Anfang so geil ist, wenn Gene Kelly von seiner Karriere erzählt, with dignity. Always dignity. Und wir sehen die Bilder und einfach eine ganz billige Bildtonschere. Das ist so geil.
Johannes Franke: Das ist super. Ich finde die Idee nach wie vor großartig. Ich habe mich so schlapp gelacht wieder. Ich habe da gesessen und ich habe den Film bestimmt zum 300. Mal gesehen, aber ich habe mich wieder schlapp gelacht. Und ich komme nicht drum rum, diesen Film jedes Mal geil zu finden. Weil so viel Schlag auf Schlag folgt.
Florian Bayer: Er erzählt die ganze Zeit, was er alles mit dignity, mit Würde gemacht hat. Dann sehen wir die Bilder aus, das genaue Gegenteil sind auf den kleinen Bühnen mit den albernen Clownshows. Fiddle is a fiddle, ready for love.
Johannes Franke: Ich finde diesen Fiddle is a fiddle Song so geil. Wie sie das performen ist so großartig. Diese ganze Slapstick-Sache.
Florian Bayer: Und dann, das ist so toll, weil das mündet dann halt irgendwie in diesen Höhepunkt, wo sie hinter der Bühne sind und zum ersten Mal Lina Namont zu hören ist und denkst du, oh fuck, das ist die große, der große Star des Stummfilms, das ist das Sexsymbol, das hier gezeigt wird, das ist ihre Stimme.
Johannes Franke: Und dann bist du ab sofort, weißt du, du hasst sie und du liebst es, sie zu hassen. Vor allem liebst du es, sie zu hassen. Ich finde die Schauspielerin so großartig. Sie war gar nicht die erste Wahl. Sie wollten eigentlich eine andere Schauspielerin, die dann aber irgendwie nicht konnte oder vielleicht nicht wollte. Und dann hat sie ihre Vertretung im Theater vorgeschlagen. Das war ihre Vertretung für ein Theaterstück. Die hat sozusagen, also die Schauspielerin jetzt, Jean Hagen, konnte die, die sie eigentlich wollten, sehr, sehr eng beobachten mit allem, was sie tat. Und das Tolle war eben, dass sie auf der Bühne eine ähnliche Rolle gespielt hat. Die hatte auch so eine High-Pitch-Voice und so ein bisschen doof und so. Das war auch vielleicht ein bisschen zu beliebt als Staple für Frauen auf der Bühne. Aber auf jeden Fall konnte sie diese Rolle sozusagen vorher schon einatmen, bevor sie sie dann vor der Kamera spielen musste. Und das ist toll. Und sie macht das wirklich großartig. Und das Großartige ist ja, sie hat eigentlich eine gute Stimme.
Florian Bayer: Sie hat eine großartige Stimme. Sie hat, bevor sie in dem Film gespielt hat, hat sie am Broadway gespielt und gesungen. Sie war im Radio zu hören. Sie hat eine tolle Stimme. Und sie gibt ihrem Charakter, dieser Lina, so eine krasse High-Voice, die einfach anstrengend und nervig ist. Nicht nur wegen dem quietschigen Hohn, sondern auch wegen den Inhalten. Das passt perfekt zusammen.
Johannes Franke: Und es ist ja so, dass das, manche denken immer, dass das so eine Figur gegeben haben muss, auf die sie sich bezieht. Dass sie sagt, sie ist eine Parodie von einer ganz bestimmten Stummfilmstar, Schauspielerin, die irgendwie dann hinten runtergefallen ist. Es sind ja viele Stummfilmstars eben im Umbruch auf die Tonfilmzeit einfach hinten runtergefallen. Die haben keine Karriere mehr gehabt. Und das lag eben manchmal auch einfach an der Stimme. Und darauf bezieht sich natürlich der Film mit dieser Stimme. Aber es lag eben nicht nur an der Stimme. Es lag halt oft auch daran, und das muss man ein bisschen traurigerweise sagen, die Schauspieler können oft nichts dafür, weil damals, wie dieser Film auch zeigt, die Dialoge einfach schlecht waren. Sie haben sich keine Mühe gegeben.
Florian Bayer: Ich finde es gut, dass sie diese Schwierigkeit bei der Transition zum Tonfilm, dass sie das nicht einfach nur an dem Cheap-Joke festmachen, dass sie eine scheiß Stimme hat, sondern sie bringen dann ja auch die Sachen, dass sie zum Beispiel eine Sprachlehrerin kriegt und mit der übt. Wir sehen auch Gene Kelly mit seinem Sprachlehrer. Und wir sehen auch, dass Gene Kellys Figur struggelt mit dem Übergang zum Tonfilm. Wir sehen die miesen Dialoge und wir sehen, was alles schiefgehen kann. Und es wird eben nicht nur an ihrer Stimme festgemacht, sondern auch sowas wie das bei der Preview, die sie machen, dass alles out of sync ist. Und dann dieses Yes, Yes, No, No. Und dann wird alles nochmal so langsamer, weil sie es versuchen irgendwie zu synchronisieren.
Johannes Franke: Es ist großartig. Und sie zitieren es später auch nochmal. Und ich finde es ein ganz tolles Vehikel dafür, dass sie auf die Idee kommen, sie zu synchronisieren. Also, dass sie dann sagen, okay, Lina Lamont hat eine schreckliche Stimme, also nehmen wir Kathy Selvins Stimme, die dann für sie synchronisiert und Lina Lamont soll das möglichst nicht mitbekommen.
Florian Bayer: Was ja auch in Hollywood passiert ist, dass Leute synchronisiert wurden, was auch in Filmen der, sagen wir mal, 50er Jahre passiert ist.
Johannes Franke: Zum Beispiel in diesem Film, wie hieß der noch, Singing in the Rain, glaube ich, aus den Jahren 1952. Da haben sie auch synchronisiert. Wer wurde da von wem synchronisiert? Ich glaube, da wurde diese eine, Debbie Reynolds wurde doch auch synchronisiert.
Florian Bayer: Ja, von wem nochmal? Die wurde von einer berühmten Schauspielerin.
Johannes Franke: Jeanne Hagen.
Florian Bayer: Jeanne Hagen, genau. Jeanne Hagen, genau. Genau, genau. Das ist, die große Ironie dieses Films ist, dass es Momente gibt, in denen Debbie Reynolds, die Kathy Selvins mit der tollen Stimme spielt, synchronisiert wird. Sie wird nicht von irgendwem synchronisiert, sondern sie wird in einer speziellen Szene von Lina Lamont synchronisiert, während sie vorgibt, in dem Film Lina Lamont zu synchronisieren. Also Jeanne, Jeanne, okay.
Johannes Franke: Es ist ein Triple Thud. Es ist, erst mal sagt der Film, Kathy Selvins gibt ihre Stimme für Lina Lamont. In Wirklichkeit hat aber Lina Lamont, die eine schreckliche Stimme hat, ihre Originalstimme genommen, um sich selbst zu synchronisieren. Beziehungsweise Kathy Selvins zu synchronisieren, wie sie Lina Lamont synchronisiert. Schon verwirrt? Wir auch. Jeanne Hagen synchronisiert, Debbie Reynolds, die Jeanne Hagen synchronisiert. Oh Gott. Und dann gibt es auch noch, und das ist noch eine gemeinere Sache, eine Sängerin, die wiederum Kathy Selvins, also Debbie Reynolds, in manchen Songs synchronisiert, weil die Studios gedacht haben, naja, das ist zu Mädchenhaft, die Stimme, und in diesem Song muss sie ein bisschen erwachsener klingen. Was sie dann auch tut, was aber irgendwie Debbie Reynolds gegenüber auch ein bisschen gemein ist.
Florian Bayer: Ja, total. Ich weiß tatsächlich nicht, ich hatte keine Zeit mehr, mich wirklich viel mit den Stimmen von ihnen zu befassen. Deswegen weiß ich nicht, wie Debbie Reynolds singt, weil man sie einfach in dem Film nicht singt. Doch, natürlich.
Johannes Franke: Sie singt viel. Ganz, ganz viel. Aber es gibt halt so zwei Stellen, wo es wirklich wichtig war. Zum Beispiel in den, also sie haben auch bei einem Song nur die hohen Töne synchronisiert von ihnen. Und in dem anderen Song, das ist glaube ich der, der auch in der Synchro ist. Nämlich, ähm, ähm, jedenfalls der Song, den angeblich Lina Lamont singen soll. Das ist der Song, den, den Kathy Selden dann nicht singt, sondern eben... Betty Neuss heißt übrigens die Sängerin von Would You. Genau.
Florian Bayer: Aber die konnten das schon so gezielt machen, dass sie gesagt haben, sie machen nur die hohen Töne. Ja, das haben die hingekriegt. Wow. Ja, ja. Wow, nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Film aus dem Jahr 1952 ist.
Johannes Franke: Und es ist auch aufwendig. Es ist schon schwierig. Aber das haben sie hingekriegt. Ach krass, interessant. Und ansonsten natürlich, sie singt, du sollst mein Glück sein, also hier Singing in the Rain ganz am Ende, ähm, wenn sie Lina Lamont synchronisieren soll, live on stage.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Da ist sie auch ganz normal, ihre Stimme. Und bei Good Morning ist sie auch ihre Stimme und so. Ja, und Gene Heng, wie gesagt, ich nie, deren wirkliche Stimme ich nicht gehört habe, hat
Florian Bayer: eine tiefe Stimme eigentlich. Ja, ja, eine sehr, sehr, sehr schöne, sonore, tiefe Stimme. Ganz toll. Okay, also muss ich unbedingt jetzt nachholen nochmal, dass ich mir nochmal diese Stimmen anhöre und sie auch nochmal richtig singen, weil in diesem Film zieht sie das halt konsequent durch und zwar für Lacher, aber auch für Willenness. Ja, ja, ja. Wir hassen sie auch. Es ist so albern wegen solcher Sachen, aber man hasst sie auch einfach wegen ihrer Stimme. Und dann auch immer dieses fordernde und quietschige und das kommt natürlich mit rein, dass sie halt so als Prima Donna mit dieser schrecklichen Stimme und dann teilweise genauso ziemlich asozial.
Johannes Franke: Aber ich liebe sie, ich liebe sie als Willen. Fantastisch, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Oscar-nominiert, ne?
Johannes Franke: Beste Filmdarstellerin. Ja, genau. Absolut verdient. Großartig. Hat sie leider später nicht nochmal wiederholen können, diesen Fame. Aber sie hatte ein gutes Leben, glaube ich. Also da sind wir eigentlich schon beim dritten großen Ding.
Florian Bayer: Neben Musical und Romanze funktioniert das ganze Teil natürlich herausragend als Komödie. Also wir haben es die ganze Zeit reingerorfen.
Johannes Franke: Es gibt so viele lustige Stellen in diesem Film. Es ist einfach, es gibt so viele Reminiscenzen an Stumpfelsheit und so viel Augenzwinkern und so viel Selbstironie, was Hollywood und Starsystem und alles das betrifft. Du hast so viele lustige, lustige Situationen. Es ist großartig.
Florian Bayer: Wenn sie, das ganze Talkie-Thema, also zum einen, wenn sie den ersten Talkie sehen, so quasi so eine Tech-Demo, wo jemand mit dem riesigen Teil sagt, und ich rede jetzt. Und sehen sie, dass Bild und Ton gleichzeitig sind und der Ton wurde so aufgenommen. Und der Studio-Boss, Mr. Simpson, der auch immer wieder lustig ist, wenn er auftaucht, sagt so, was soll das? Das ist doch totaler Bullshit. Hä? Das hat keine Zukunft.
Johannes Franke: Das ist ein schlechter Gag. Da steht doch jemand hinterm Vorhang. Und die haben es wirklich abgetan. Und das ist toll, weil das wirklich, es gab natürlich Leute, die gesagt haben, das ist billiger Scheiß, das hat nichts mehr mit Kunst zu tun. Es gab richtig Leute, die groß plakatieren waren. Große Plakate gegen den Tonfilm aufgehängt haben.
Florian Bayer: Der Tonfilm ist das Ende der Kunst. Total krass. Und dann werden auch die Schwierigkeiten gezeigt beim Dreh von den ersten Tonfilmen. Das ist auch super witzig, wenn wir dann sehen, wie sie ihnen das Mikro hinstellen. Und das funktioniert überhaupt nicht, weil eben unsere Antagonistin, womit sie recht hat, Lina Lamont will ihren Kopf bewegen, während sie diese Szene spielt, aber dann bewegt sie sich immer wieder vom Mikro weg.
Johannes Franke: Wir können das hier nachbauen, aber das Problem ist, ich werde danach das alles nachregeln müssen, damit man nicht hören kann. Und nur diese Stelle nicht zu machen, ist ein bisschen schwieriger. Ich weiß nicht, ob ich den Aufwand betreiben will. Ich weiß es nicht, er klappt, er klappt, er klappt, ich hab keine Ahnung.
Florian Bayer: Szene ist toll und dann stecken sie ihr das Mikro an die Brust und dann hören wir ihren Herzschlag. Was offensichtlich auch.
Johannes Franke: Ja, ist auch passiert und ist auch in diesem Film passiert, weil sie Debbie Reynolds auch irgendwann mal ein Mikro angesteckt haben, um das irgendwie, und das hat auch den Herzschlag aufgenommen und wir könnten es auch hören, ich hab aber nicht nochmal nachgehört.
Florian Bayer: Live-Imitating-Art offensichtlich, weil diese Szene war ja schon vorher geplant. Sehr schön. Ja, und ich weiß nicht, wir können jetzt durchscrollen, es gibt einfach so viele riesige Momente.
Johannes Franke: Es gibt so wahnsinnig viel zu sagen, es ist so viele tolle Sachen und ich hab immer wieder aufgeschrieben und ich wollte aber auch nicht Stopp machen, weil ich nicht alleine geguckt habe, wollte ich niemanden nerven, weil ich jetzt jedes Mal aufschreiben will, Stopp zu machen, deswegen hab ich auch ein paar Sachen verpasst.
Florian Bayer: Das sind die Details auch in den Witzen, jede Szene steckt. Toller Witz, sowohl auf der visuellen Ebene als auch im Ton und dann natürlich auch im Acting. Ja. Es ist einfach, es ist ein Humorfest und ja, wenn du kurz zwinkerst, verpasst du irgendeinen kleinen Sidegag über das Studiosystem, irgendwas, was mal kurz durchs Bild geschoben wird, irgendeine schräge Szene.
Johannes Franke: Es ist toll, es ist wirklich toll und einer der größten Highlights ist tatsächlich der Anfang, weswegen der Film es auch schafft, jeden sofort in den Film hineinzuziehen, ist das, was du vorhin angesprochen hast, diese Schere zwischen Bild und Ton. Also er erzählt, wie voller Dignity alles passiert ist und dann sehen wir auf Bild-Ebene, was für Scheiße die alles gemacht haben zusammen. Das ist einfach der perfekte Einstieg für einen Film in dieser Art.
Florian Bayer: Was ich super finde, wir sehen ihn da am Anfang dann so bei seiner Schauspielkarriere, die anfängt als Duntman, er muss die ganze Zeit die Unfälle bauen. Ich finde das schön, weil ich habe in Vorbereitung auch einen Podcast gehört, eine Podcast-Episode über Singing in the Rain, wo eine Tänzerin auch dabei ist, das war spannend. Schön. Und da hat einer von den Hosts gesagt, naja, ich glaube ja schon irgendwie, Gene Kelly ist auch so ein bisschen ein Action-Star. Weil eben wegen seiner krassen Moves und weil das ja wirklich anstrengend ist, was er macht. Ich finde es schön, dass sie ihn am Anfang als Action-Star zeigen, als Stand, wenn er die ganze Zeit die Unfälle bauen muss, weil er halt gut fallen kann. Ja. Das passt, weil das Krasse an Gene Kelly ist ja auch, dass er immer mit vollem Einsatz dabei ist. Das mag ich sowohl an seinem Tanz als auch an seinem Spiel, dass man das Gefühl hat, dieser Mann geht durch die Hölle und nimmt auch Schmerzen in Kauf, um eine große Show abzuliefern.
Johannes Franke: Absolut. Das sieht man auch in jedem Film, den Gene Kelly gemacht hat. Ich weiß nicht, ob du jemals diese Rollerskate-Nummer von ihm gesehen hast. Auch der Hammer. Die hast du mir, glaube ich, mal gezeigt. Die habe ich dir, glaube ich, mal gezeigt. Ja, das ist einfach, ich war so beeindruckt davon, dass man es schafft, auf Rollerskates auch noch steppen zu können.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Völlig abgefahren. Also er hat wirklich krasse Sachen gemacht, obwohl ich größerer Fan von Fred Astaire bin, muss ich sagen, weil Fred Astaire menschlich und innovativ wesentlich besser war. Gene Kelly war halt wirklich dieser Dispot am Set, muss man sagen. Und Fred Astaire war, der war so ein herzensguter Mensch und der hat es geschafft, so viel Innovation in den Stepptanz hineinzubringen und nicht diese ganzen Sachen zu wiederholen, die halt so typisch waren dann für die Zeit. Und schon in der Zeit, in der es noch nicht overused war, schon gemerkt hat, okay, es wird langsam overused und ich muss mir Mühe geben, was anderes zu erfinden und in andere Richtungen einzuschlagen und war so viel spannender. Aber man muss dazu sagen, es ist natürlich der Unterschied zwischen, sagen wir, Impressionismus gegen Kubismus. Viele Leute können mit dem Kubismus dann nichts mehr anfangen, weil das zu jazzy ist. Und Fred Astaire hat halt viele Sachen gemacht, wo dann Zuschauer sagen, ich krieg's nicht mehr hin, ich komm nicht mehr mit. Sein Gedankengang ist mir zu schnell woanders. Das haben wir ja in Funny Face gesehen.
Florian Bayer: Da gibt es ja diese eine Szene, wo sie diese krasse Jazznummer haben, die auch wirklich so ausschlägt aus dem, aus den klassischen Musical-Klischees. In der Kneipe, ne?
Johannes Franke: Ja, genau. In Europa, glaube ich, sogar sind sie da. Ja, stimmt. Und da machen sie diese französische, in Frankreich sind sie da und machen so eine leichte Verarsche von dieser. Ja. Von dem Existenzialistischen. Ja, genau. Es ist so großartig. Ja. Insofern, ihr hört hier gerade einem Fan-Nerd dabei zu, abzunerden, über was Stepptanz betrifft. Finde ich ganz spannend.
Florian Bayer: Ich hab mir nie Gedanken drüber gemacht, wie ich Fred Astaire und Gene Kelly platzieren würde. Aber auch, weil ich von beiden zu wenig kenne. Ja, gut, klar. Ich hab das Gefühl, dass Gene Kelly ein bisschen der sportlichere von beiden ist, wenn ich so, also wo ein bisschen mehr Akrobatik dabei ist.
Johannes Franke: Das könnte vielleicht sein, aber auch nur ein bisschen. Weil, also Fred Astaire hat sowas wie dieses Hexenhaus gemacht. Kennst du das? Das Hexenhaus? Als...
Florian Bayer: Ah, das Hexenhaus kenne ich als Jahrmarkt-Attraktion, wo du denkst, das würde sich drehen, weil sie einfach nur... Also du sitzt in der Gondel und um dich herum wird das Haus getreten und du denkst, dann
Johannes Franke: würde es auf dem Kopf stehen. Meinst du das? Ja, so ein bisschen, genau. Und das ist als filmisches Konzept einmal eingesetzt. Du hast ein Set, was gebaut wird, was einfach wie ein Raum aussieht. Und das ist aber so gebaut, dass man es drehen kann komplett, dass man den ganzen Raum drehen kann. Und dann ist die Kamera so gebaut, dass die Kamera sich mit dem Set mitdreht. Das heißt, die Gravitation ist immer auf einer anderen Seite des Sets, aber das Set sieht immer gleich aus. Ah, nice. Das heißt, du kannst dann als Fred Astaire an der Decke tanzen. Ja, super. Und du hast aber die ganze Zeit das Gefühl, der ist da oben an der Decke, weil du ja nicht weißt, dass das ganze Set gedreht wird.
Florian Bayer: Okay, muss ich mir unbedingt anschauen. Ich habe eine Vorstellung davon, was gemacht wird und dass es für mich total gut funktioniert.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Und diese Filmszene ist einfach so innovativ und so krass und so geil. Und das wurde so oft danach versucht zu wiederholen. Also Christopher Nolan hat das gemacht in diesem Hallway, in diesem Kampf, in dem Hallway. Bei Inception. Da hat er das auch in dieser Art und Weise gemacht. Und es gibt noch andere Szenen, die das so gemacht haben. Hatten Gene Kelly und Fred Astaire ein Verhältnis zueinander? Es wird oft gesagt, dass sie Feinde waren, aber das stimmt überhaupt nicht. Also die haben halt nicht so wahnsinnig viel miteinander zu tun gehabt. Die haben alle ihre eigenen Bereiche gehabt. Und die wussten beide sehr genau, dass sie ihre Alleinstellungsmerkmale haben und deswegen keine Konkurrenz sein müssen. Die waren einfach sehr beide zu selbstbewusst mit sich selbst, als dass sie da eine Feindschaft hätten gebraucht hätten.
Florian Bayer: Es gibt einen Film, den sie zusammen gemacht haben und zwar Sickfeld Follies, Probe Melodie 1950, aus dem Jahr 1945. Das ist offensichtlich ihre einzige gemeinsame Zusammenarbeit.
Johannes Franke: Das stimmt nicht ganz. Sie haben nochmal TV-Specials gemacht zusammen. Aber das ist halt dann so, der Studio-Boss lädt die beiden ein und sagt, kommt, setzt euch mal zusammen für das Fernsehpublikum bei einem TV-Special zusammen und macht mal irgendwas. Ja, es ist ganz spannend, weil die sind natürlich die großen Musicalstars derzeit.
Florian Bayer: Man hört die Namen immer. Und wenn gesagt wird, du magst Fred Astaire, dann magst du natürlich auch Gene Kelly und umgekehrt. Oder zumindest dann ist das irgendwie so, was Spotify an anderen Künstlern vorschlägt. Und spannend, dass die nicht so viel miteinander zu tun hatten. Und offensichtlich auch jeder sein Revier hatte, das er bespielen konnte, obwohl sie beide Rom-Com-Musicals ja auch gemacht haben. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Aber es sind wirklich unterschiedliche Filme und das hat unterschiedliche Leute angesprochen, muss man schon sagen. Und das war schon gut so, dass die das auch beide wussten und denen das auch klar war und die gesagt haben, wir müssen uns nicht gegenseitig das Leben schwer machen deswegen. Also das ist vollkommen okay. Nur wenn wir jetzt gerade noch beim Dubbing waren, was ich mich oft gefragt habe und was ich immer schwierig fand, war, nehmen die die Step-Tanz-Schritte während des Drehs auf oder werden die nachsynchronisiert? Das fand ich immer schwierig. Ich habe nochmal recherchiert und es ist unterschiedlich ausgegangen. Gene Kelly hat seine eigenen Schritte zum Beispiel bei dem Singing in the Rain-Ding selbst nachsynchronisiert, weil er das Gefühl hatte, dass das Wasser besser klingt, wenn man es nochmal getrennt aufnimmt. Ja. Und er hat die Schritte von Debbie Reynolds nachsynchronisiert, weil er das Gefühl hatte, dass sie nicht schnell genug war. Was auch ein bisschen traurig ist, aber gut, wenn das nicht gut klingt, dann muss man das nochmal machen. Aber ansonsten scheint es so zu sein, dass es wirklich on set auch die Schritte mit aufgenommen werden. Was krass ist, weil die Schuhe oft, wenn ich jetzt Steppschuhe anhatte und so, dass ich viele Sachen, viele Schritte nicht machen konnte, weil die Metallplatten mich daran gehindert haben und die machen die in dem Film. Und dann guckt man sich die Schuhe genauer an und denkt sich, ja, da sind aber keine Metallplatten, und ich sehe da gar keine Metallplatten, was ist denn los, wie geht das denn? Und dann sind manche Schritte nicht zu hören, die zu hören wären, wenn du Metallplatten dran hast und so weiter. Das, ja, wir kommen im Kopf des Anfang 20-jährigen Johannes, der gerade Stepptanzunterricht nimmt und sich fragt, oh mein Gott, wie machen sie das? Und ich weiß nicht, ob es irgendjemand von euch interessiert, aber es ist halt unterschiedlich, je nachdem. Und dann muss man sich das halt genau anschauen und überlegen.
Florian Bayer: Und Stepptanz war das große Ding. Also es war klar, wenn eine Tanznummer ist in so einem Musical, dann zumindest wenn Gene Kelly dabei ist, dann muss es gesteppt werden, ne?
Johannes Franke: Ja, dann muss es gesteppt werden, aber wie gesagt, Gene Kelly war ja auch erpicht darauf, seine großen Ballettkünste nach vorne zu bringen. Also er war gar nicht so sehr begeistert davon, dass er immer steppen musste, aber die Studiobosse wollten das natürlich.
Florian Bayer: Das ist interessant, dass ausgerechnet Stepptanz, also so vom Gefühl her würde ich sagen, Stepptanz hat eher so potenziell was Nischigeres zu sein, dass das so der Hype war.
Johannes Franke: Ja, weiß nicht. Aber ich glaube, über die Jahre haben sich schon viele Sachen herausgestellt, die man sich als nischig vorstellt. Wie zum Beispiel A Cappella. Ich meine, A Cappella-Musik ist auch etwas, wo man sagt, das ist ja sehr nischig. A Cappella ist voll Nische. Und dann kommt irgendjemand und macht Pitch Perfect, also, ja.
Florian Bayer: Ja, voll Nische, egal wie viele Leute das gucken. A Cappella, du wirst niemals Mainstream sein. Doch. Okay. Johannes hat sehr viele Talente. Beatboxing gehört nicht dazu.
Johannes Franke: Okay, also, ich würde sagen, wir gehen jetzt dann doch langsam mal in unsere Top 3. Wir sind nämlich schon sehr fortgeschritten in der Zeit. Das sind wir, also. Schinger. Unsere Top 3. Sehr schön. Ach, Plorn.
Florian Bayer: Du wolltest Filme mit Titeln, die so neugierig machen, dass man den Film unbedingt sehen muss.
Johannes Franke: Das ist leider keine Top 3, die mit dem Film zu tun hat. Aber ich dachte dafür, dass wir jetzt unsere 99. Episode. Ich bin übrigens sehr sauer darauf, dass ich nicht die 100. habe. Ich habe nur die 99. Plorn. Du hast die 100. Episode. Es ist ... Deswegen, ja, dachte ich, es wäre mal Zeit für eine Special Top 3, die mir schon sehr lange im Kopf rumgeistert, die einfach irgendwie mit Filmen zu tun hat. Schöne Top 3. Ja.
Florian Bayer: Also, es hat mir Spaß gemacht zu recherchieren. Ich hatte einen Film, den ich tatsächlich auf der Liste habe, den ich unbedingt noch gucken muss, weil ich den Titel zu geil finde und den ich auch sogar ausgeliehen habe von einem Freund. Und der hat auch gemeint, du musst den Film gucken, der ist nicht nur wegen des Titels geil. Aber ansonsten habe ich tatsächlich Google angeworfen und Mutter Google gefragt, was gibt es denn für absurde und merkwürdige Titel?
Johannes Franke: Ja. Ich habe dann angefangen, nicht nur die absurden und merkwürdigen Filme zu machen, weil das Problem bestand darin, weil du gesagt hattest, wir müssen uns dann aber auch zwei Filme anschauen von diesen Listen. Oh shit, ich habe es ganz vergessen. Das hattest du gesagt. Und deswegen habe ich dann gedacht, ah fuck, ich muss von den Trash-Sachen weggehen. Ich muss unbedingt davon weggehen, diese Trash-Filme. Weil die haben natürlich die absurdesten Titel.
Florian Bayer: Ja, absolut. Ich habe zumindest einen Trash-Film in meinen Top 3, einen, über den ich gar nichts gelesen habe, einfach weil ich den Titel cool fand und dachte, ich darf nicht zu viel drüber wissen. Ja. Und jetzt habe ich es gerade bei Wikipedia geöffnet.
Johannes Franke: Ich muss anfangen, ne? Ja, ich würde ganz kurz, vielleicht machen wir die Honorable Mentions jetzt vorher. Okay. Weil wir das sonst nie machen, aber der ist, ich will einmal, ich muss es loswerden. Titanic 2. Was ist das für ein, was? Das ist ein Titel, der macht neugierig, weil du fragst dich, was passiert da noch? Ich habe diesen Film teilweise gesehen. Nein! Flor, was?
Florian Bayer: Was? Titanic 2 ist ein Machwerk von Asylum-Films. Das sind die, die diese Mockbuster machen. Das heißt, immer wenn ein erfolgreicher Film kommt. Transmorphers. Transmorphers, genau. Ah. Machen die einen Film, der fast genauso klingt. In den 90ern mit dem Konzept, mit der Idee dahinter, dass Leute im Videothekenregal daneben greifen und sich dann den ausleihen. Und das war ihr Geschäft. Und die haben es geschafft, billig Filme zu machen und so über die Videotheken-Auswertung, weil das sind keine Kinofilme, zumindest genug reinzukriegen, dass sie weiter Filme machen konnten und ihre Leute bezahlen. Und haben dann auch teilweise wirklich selbstständig Filme gemacht. Am berühmtesten ist wahrscheinlich Chuck Nado. Auch ein toller Titel, den ich leider auch nicht aufnehmen kann, weil ich ihn schon gesehen habe. Okay. Titanic 2 hat nichts mit dem James Cameron Film zu tun, abgesehen vom Titel. Es geht darum, dass eine Titanic 2 gebaut wird. Aha. Ein grüßt, das größte Schiff aller Zeiten, bla bla bla bla, in See sticht. Und dann gibt es, wenn ich mich richtig erinnere, jemanden an Bord, der das Ganze sabotieren will und zum Untergehen bringen will. Und dann ist es so ein, ich glaube, so eine Mischung aus Terrorismus, Action-Thriller und so halbe Liebesgeschichte reingebaut. Aber eigentlich ist es das. Aber es ist vor allem ein Asylum-Film. Das heißt, es ist Trash und es ist langweilig. Oh Gott. Weil Asylum macht tatsächlich eher langweiligen Trash. Hm. Okay. Mit unfassbar schlechten CGI-Effekten. Und eine eurer Männchen habe ich noch. None|Pft. None|Pft. None|Ja. Es gibt einen Film, der hat mich auch drüber gestolpert. Was? 1954? Also. Wöö. Ja. Was ist das für ein Film? Keine Ahnung. Meine Honorable Männchen, die, ich muss einmal schnell googeln, von wann der Film ist. Und einmal richtig. Also. The Incredible Strange Creature Who Stopped Living and Became Mixed-Up Zombies. Ah, Creatures, Plural. The Incredibly Strange Creatures Who Stopped Living and Became Mixed-Up-Up-Zombies. Mixed-Up-Zombies. Wer hat dieses Mixed-Up da noch reingebaut? Aus dem Jahr, man halte sich fest, 1964, bevor. Was? Bevor Night of the Living Dead für diese große, zu diesem großen Zombie-Hype geführt hat, weil Night of the Living Dead ist, Moment. 68 oder sowas? Hätte ich jetzt auch gesagt. Night of the Living Dead ist 1968, genau. Also, der Vorreiter quasi, keine Ahnung, von, produziert von, von Roger Corman. Auf jeden Fall, ja, keine Ahnung. Wie gesagt, es ist aber genau das, was man erwartet. Es ist ein Zombie-Film und ich muss den unbedingt sehen. Vielleicht packe ich den auf die Liste. Genau, wir müssen zwei Filme auswählen, die wir gucken. Ja. Mein Platz drei. Dein Platz drei. Don't worry, we'll think of a title.
Johannes Franke: Nein!
Florian Bayer: Echt? Aus dem Jahr 1966, ich hab's jetzt gerade bei Wikipedia geöffnet und es ist offensichtlich eine Komödie, eine amerikanische Komödie und die Namen der Beteiligten sagen mir nichts, der Regisseur sagt mir auch nichts und ich hab keine Ahnung, ich hab die Beschreibung
Johannes Franke: nicht gelesen und deswegen sag ich, klingt gut, klingt gut, klingt okay, okay, wer weiß, was da kommt. Ich find's auch gut, wenn man tatsächlich den Film dann anguckt, ohne nachzulesen, worum es geht. Ja, auf jeden Fall. Einfach wirklich anmachen und dann rausfinden, okay, totaler Trash oder, oh, okay, der hat drei Oscars gewonnen und ich wusste nichts davon, was unwahrscheinlich ist. Was sehr unwahrscheinlich ist. Egal. Okay, mein Platz drei. Ich hab, ich weiß nicht, die Filme klingen alle so, als wäre sie da doch auch ganz gut. Der Film, von dem ich glaube, dass er vielleicht am schlechtesten von der Liste sein würde, aber trotzdem interessant klang, war Brief Interviews with Hideous Men. Mhm. Interessant. Aktuell? 2009. Okay. Also, Kurzbeschreibung bei RMDB war, dass es einfach wirklich Interviews mit Hideous Men sind. Und ich denke, okay, gut, wenn das wirklich Hideous Men sind, dann ist es bestimmt interessant.
Florian Bayer: Ja, klingt irgendwie, klingt auf jeden Fall interessant und genau, man sollte nicht, man sollte nicht zu viel, ah, es ist eine Buchverfilmung, wenn man danach sucht. Ah, okay. Findet man zuerst das Buch. Keine Ahnung, interessant, klingt, klingt, klingt, klingt interessant. Das ist von David Foster Wallace. What? Aha, das Buch ist von David Foster Wallace. Oh. Der Infinite Jest geschrieben hat, dass ich, nein, ich hab's nicht ganz gelesen. Ich würde gerne damit angeben können, dass ich's ganz gelesen habe. Ich hab's mirmals angefangen und bin bis jetzt immer dran gescheitert, aber ich will's irgendwann mal schaffen. Das ist so mein persönlicher literarischer Mount Everest. Okay. Oh, interessant, okay, cool. Mhm. Ähm, mein Platz zwei, tut mir leid, ich muss das Niveau wieder ein bisschen runterziehen. The man with the smallest penis in existence and the electron microscope technician who loved him. Hui. IMDB sagt, es geht genau darum, was der Titel sagt.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Okay. Aus dem Jahr 1900, aus dem Jahr 2003. Was?
Johannes Franke: Das klingt nach einem 70er-Jahre-Film. Ja, total, ne? Mhm. Okay, ähm, ich hab wirklich mich, es tut mir wahnsinnig leid, aber ich hab mich wirklich versucht, an die besseren Filme zu halten, weil ich wusste, ich muss einen davon gucken. Und deswegen hab ich den Film Der diskrete Charme der Bourgeoisie ausgewählt, weil ich den Titel tatsächlich, und ich hab ihn nicht gesehen, ich hab keine Ahnung, worum es geht. Das ist Louis Bonoel, einer meiner liebsten Surrealisten. Ach du Scheiße. Nein. Fuck.
Florian Bayer: Ich hab noch gedacht, okay, aber wenn wir wirklich so bizarre Titel suchen, dann kommen doch keine Filme raus, die ich gesehen habe. Ich kann nicht bei Johannes jetzt bei seinem Alten sagen, den hab ich gesehen, den hab ich gesehen. Okay, hab ich gerade auch. Oh nein, nein, nein, nein. Fuck, fuck, fuck. Es ist tatsächlich, ähm, also ich will dir nicht zu viel verraten, ne? Ja. Ähm, es ist ein Klassiker des surrealen Films von Louis Bonoel, den man vor allem kennt, weil er zusammen mit Salvador Dalí den ersten großen surrealen Film überhaupt gedreht hat, ein andalusischer Hund. Ja. Und Louis Bonoel gilt seitdem, ich glaube er ist Spanier oder Franzose, äh, Mexikaner. Oh. Aber hat in Spanien und Frankreich vor allem gedreht, gilt er als so the Godfather of klassischer Surrealismus.
Johannes Franke: Ah, okay.
Florian Bayer: Klassische surrealistische Filme. Okay. Ähm, und dementsprechend hab ich relativ viele Filme von ihm gesehen und, ähm, es ist so ein bisschen, also Bonoel ist so ein bisschen wie Monty Python. Oh, okay. In Kunst und weniger, weniger, mit weniger offensichtlichem Humor, aber wenn du so die Flying Circus Dinger kennst und so dieses, dieses bizarre Episoden, die aneinander geploppt sind, die teilweise keinen Sinn ergeben, dann bist du ganz nah bei Bonoel. Also, ich find Bonoel ist immer so ein bisschen die Kunstvariante von Monty Python.
Johannes Franke: Okay. Also, auf jeden Fall fand ich den Titel großartig. Der diskrete Charme der Bourgeoisie ist schon so ein Titel, wo man, okay, gut, ja, ja. Vielleicht könnte es auch einfach nur, ähm, so, naja, Kunstwichse sein. Ist es auch ein bisschen. Aber es ist so, ich weiß nicht, also, als intellektueller 17-Jähriger oder sowas könnte ich mir vorstellen, oh, den muss ich unbedingt sehen.
Florian Bayer: Es ist auch ein Film, der Spaß macht, es ist, also, es ist wenig, es ist wenig politische Anklage, es ist wenig Marxismus darin zu finden, falls du das erhoffst.
Johannes Franke: Ja, das, warum, na.
Florian Bayer: Es ist, es ist zu, zu absurd dafür, also, auf jeden Fall sind da so politische Subtexte drin. Okay. Aber, um, um, um, was, Bonoel, ich weiß, ich glaube, ich weiß nicht, ob es der Film war, Bonoel arbeitet immer mit so Episoden und dann zeigt er Leute, die beim Essen sind zum Beispiel. Und von einer der Episoden von Bonoel, die mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist, ist es, es sitzen Leute beim Essen, aber eigentlich, also, sie sitzen nicht beim Essen, sondern um den Esstisch herum sind Toiletten drapiert. Und dann sitzen sie da und unterhalten sich, haben eine Abendsgesellschaft und kacken. Äh, okay. Und dann sagt irgendwann mal so ein Kind zu seiner Mutter, Mama, ich hab solchen Hunger. Und dann sagt die Mutter, aber Kind, das sagt man doch nicht am Tisch. Und dann irgendwann steht ein Mann auf und sagt, entschuldigt mich bitte, zieht seine Hose hoch und geht in so ein stilles kleines Örtchen, wo er sich hinsetzt und ein Hähnchen nimmt und dann anfängt das Hähnchen zu essen und dann klopft jemand an der Tür und er sagt, besetzt. Das ist ungefähr, das ist, das ist Bonoel.
Johannes Franke: Aber dann ist das Niveau schon ein bisschen seltsam, muss ich sagen, also irgendwie.
Florian Bayer: Aber es ist, du merkst die Ähnlichkeit zu Monty Python.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Ich könnte das auch als Monty Python-Sketch vorstellen. Ja, okay. Ich hab mir mehr erhofft davon. Tut mir leid. Okay. Mein Platz 1, der Film, den ich ausgeliehen gekriegt habe und den ich unbedingt sehen will. Ja. Uncle Boon Me, Who Can Recall His Past Lives. Uncle, es gibt auch einen deutschen Titel, Uncle Boon Me erinnert sich an seine frühere Leben. Aha. Ich weiß nicht so genau, worum es geht, aber Regisseur ist Apichat Pong, Vera Sita Kul, ein thailändischer Regisseur. Okay. Und es geht, glaube ich, um Wiedergeburt, um Tod und Wiedergeburt, um den Sinn des Lebens, um viel mehr weiß ich nicht drüber. Der Titel ist geil.
Johannes Franke: Ja, ja, okay. Aber mein Titel auf Nummer 1 ist besser und ich befürchte, der Film ist zu konsensfähig, als dass er irgendwie jetzt irgendwas lostreten könnte. Es ist halt einfach nur der 100-Jährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand. Was mir die ganzen Jahre seit dieser Film existiert und was ja anscheinend ein Buch eigentlich war. Die ganze Zeit sagt, ich muss diesen Film gucken, aber nur wegen des Titels. Das war auch jahrelang auf den Bestsellerlisten, ne? Ja, es kann sein.
Florian Bayer: Es war sehr lange auf den Bestsellerlisten. Ich bin auch ständig über diesen Titel gestolpert eine Zeit lang. Hast du ihn auch nicht gesehen? Nee, ich habe ihn nicht gesehen, aber ich glaube, ich habe so viel drüber gehört, dass ich weiß, worum es geht, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein und mache gerade, so wie ich das gerne mache, mir eine Story zurecht. Aber ich glaube, es geht tatsächlich darum, dass jemand so ein bisschen diese Abgeschichte, dass jemand sein Leben bereut oder so und dann sagt, ich muss noch einmal, bevor ich jetzt sterbe, richtig leben und dann aus dem Altersheim abhaut. Okay. Aber es kann sein, dass ich das gerade so komplett, dass mein Kopf mir das einredet, dass das wäre. Aber ich meine, mich zu erinnern, dass das so die Handlung ist. Okay. Aber der Titel ist tatsächlich ziemlich cool. Ich finde den Titel großartig. Ich glaube, Buch und Film sind nicht so, also zumindest bei der Kritik nicht so beliebt. Aha. Die haben, glaube ich, den Ruf, so sehr seichte Unterhaltung, Figurunterhaltung zu sein. Aber, who knows?
Johannes Franke: Okay. Dein Platz 1? Mein Platz 1 war Uncle Boon Me. Genau. Dann sag nochmal deine 3, dann wähle ich einen davon aus, den wir gucken müssen und dann musst du bei mir mal einen auswählen, den wir gucken müssen.
Florian Bayer: Also, Don't Worry, We Will Think of a Title. Ja. Du weißt nicht, worum es geht, ne? Du hast keinen... Das ist eine Komödie aus den 60ern. Okay. Entschuldigung. So viel habe ich Wikipedia dann jetzt doch gelesen. Okay. The Man with the Smallest Penis in Existence and the Electron Microscope Technician Who Loved Him. Okay. Okay, ich nehme noch meine Nummer 4 dazu, weil der so toll klingt. The Incredibly Strange Creatures Who Stopped Living and Became Mixed-Up Zombies. Ja, ja, ja, ja. Und Uncle Boon Me Who Can Recall His Past Lives. Ich glaube, die Nummer 3. Was war das? Der, der... The Man with the Smallest Penis. Nee. The Incredibly Strange Zombie Creature Who Became... Don't Worry. Fuck. Uncle Boon Me? Nee. Das war nur die 4, die ich genannt habe. Komm doch mal rum.
Johannes Franke: Don't Worry, We Will Think of a Title. Ich habe befürchtet, dass du den nimmst. Wir nehmen... Okay. Don't Worry, We Will Think of a Title.
Florian Bayer: Don't Worry. Dann sag doch mal deine 3, dann kann ich dir sagen, was ich...
Johannes Franke: Und zwar Brief Interviews with Hideous Men, zweitens der diskrete Charme der Bourgeoisie oder erstens der 100-Jährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand. Ah, schwierige Entscheidung. Und daraus lässt sich jetzt ableiten, wie sehr Plor mich mag. Will er mich quälen mit der diskrete Charme der Bourgeoisie oder will er mir einen Gefallen tun mit der 100-Jährige, der aus dem Fenster sprang und verschwand? Und werden wir das jetzt... Das werden Sie mitbekommen, werden Sie weiter zuhören. Vorher allerdings diese Werbepause. Haben wir Werbung, Plor?
Florian Bayer: Wir haben noch keine Werbung, oder? Diese Episode des Muss man sehen Podcast ist... Im Moment, ich muss noch anders machen. Ihr kennt das bestimmt alle. Ihr seid auf der Straße unterwegs. Ihr habt furchtbar Hunger. Und es ist nichts in der Nähe, wo man was zu essen kaufen kann. Worauf läuft das hinaus, Plor? Diese Episode vom Muss man sehen Podcast ist gesponsort von... Brotbox. Mit einer Brotbox könnt ihr alles, was es an Essen gibt, mitnehmen. Ihr müsst sie einfach nur aufmachen. Meistens mit einem Plastikverschluss kann man sie schließen und öffnen. Und dann kann man nahezu alles reinlegen, was reinpasst. Zum Beispiel ein Brot.
Johannes Franke: Oder ein Stück Apfel. Dieser Podcast ist an Kreativität nicht zu übertrumpfen. Es ist unglaublich, Plor.
Florian Bayer: Um nochmal zu deiner Frage zurückzukommen. Ja. Und du viel zu viel Altruismus unterstellst zu mir. Ich hab total egoistisch gedacht. Die Frage war, will ich einen neuen Film sehen? Ach so. Und wenn ich einen neuen Film sehen will, dann nehme ich nämlich eher die Hideous Man. Aber andererseits denke ich auch, dass Johannes das Meisterwerk des Surrealismus guckt. Ja, siehst du. Und würde ich ihm vielleicht auch einen anderen Film von Louis Bonoel geben?
Johannes Franke: Ich nehme die Hideous Man. Du nimmst die Hideous Man? Ja. Okay, ich bin sehr gespannt. Hideous Man von 2009. Brief Interviews with Hideous Man. Sehr schön. Damit raus aus unserer Liste. Yeah. Das war unsere Top 3. Jubiläum. Und wieder zurück. Uuuuh, Party. Yeah, uuuuh. Wir haben fast unsere 99. Episode abgeschlossen. Und stehen vor unserer 100. Lass uns diesen Film einmal noch rappen. Also ab rappen. Ach, du weißt schon. Wie sagt man das auf Deutsch? Einmal abschließen. Meine Güte, ich bin zu nichts mehr in der Lage. So viel Anglizismen. Ja, möchtest du noch irgendwas zu diesem Film sagen? Hast du noch irgendwas, was du unterbringen möchtest?
Florian Bayer: Ja, dieser Film, also dieser Film hat nicht nur einen Platz in unserem Podcast verdient, das klingt so selbstverliebt.
Johannes Franke: Diesen Film muss man gesehen haben.
Florian Bayer: Der Titel muss man gesehen haben. Muss man sehen, passt zu diesem Film wirklich, wirklich, wirklich. Ein absolutes Meisterwerk. Einer der besten Filme aller Zeiten. Ohne jeden Zweifel. Mein allerliebstes Film Musical, auf jeden Fall. Es gibt kein Musical, das ich mehr liebe. Von vorne bis hinten großartig. Witzig, romantisch. Es wird getanzt. Es wird gelacht. Und dazwischen gibt es auch nochmal so eine absolut bizarre, lüncheske Nummer. Meisterwerk.
Johannes Franke: Ja, absolut. Ich kann gar nicht mehr viel dazu sagen, außer das, was du gesagt hast. Und dass ich finde, dass wir viel mehr von Jean Hagen gucken sollten, die Liliana Mullen gespielt hat. Großartige Schauspielerin. Ich habe sie über die Jahre sehr, sehr lieben gelernt, weil sie einfach sehr viel Selbstironie mitbringt, um diese Rolle spielen zu können, auf diese Art, wie sie es getan hat. Also schaut euch von ihr auch noch mehr an. Schaut euch natürlich diesen Film an, das ist völlig klar. Aber das habt ihr ja sowieso schon.
Florian Bayer: Und wenn ihr wissen wollt, wie es weitergeht, dann müsst ihr nicht nach dem Outro warten, denn das sagen wir jetzt gleich. Nächste Woche gibt es Citizen Kane, den besten Film aller Zeiten.
Johannes Franke: Den besten Film aller Zeiten hatten wir heute. Den besten Film aller Zeiten. Werden wir nächstes Mal. Rose Bart.
Florian Bayer: Johannes, vielen Dank für diese erste Jubiläumsepisode.
Johannes Franke: Ja. Großartig.
Florian Bayer: Es hat so viel Spaß gemacht.
Johannes Franke: Wir haben keine Tröten und kein Konfetti dabei. Nee, aber die kannst du nachher einspielen.
Florian Bayer: Achso. Dafür haben wir ja Special Effects. Ah ja, genau. Die Special Effects. Das gibt es dann in unserer Special Effects Department weiter und die machen das dann. Ah ja, sehr gut. Sehr gut.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt auf Citizen Kane, der ja immer wieder als der beste Film aller Zeiten gehandelt wird. Ob er das wirklich ist. Du hast ihn nicht gesehen, hast du mir vorhin gesagt. Ich habe ihn noch nicht gesehen. Ich habe keine Ahnung. Fantastisch. Ich finde es großartig. Ja. Ich kenne nur immer mal wieder das Wort Rose Bart. Und ich weiß nicht, was das heißen soll, aber gut.
Florian Bayer: Also nächste Woche, wenn ihr was über Filmgeschichte lernen wollt und über den vermeintlich besten Film aller Zeiten.
Johannes Franke: Vermeintlich? Oh, es wird immer interessanter.
Florian Bayer: Den sagen wir mutmaßlich besten Film aller Zeiten. Zumindest, wenn es nach sehr vielen Kritikern geht. Okay. Bleibt dran. Nein. Nein. Schaltet nächste Woche wieder ein. Schaltet jetzt aus und hört euch unsere alten Episoden an. Bis dann. Ciao. None|Ciao. None|Ciao.
