Episode 124: Exit Through the Gift Shop – Banksy Prank als Dokumentarfilm
Wir sprechen über die „Prankumentary“ und den ultimativen Street-Art-Film „Exit Through the Gift Shop“ von Banksy aus dem Jahr 2010. Der Legende nach eigentlich als Dokumentation des Exzentrikers Thierry Guetta geplant, kapert Banksy den Film, der eigentlich von ihm handeln sollte, und macht ihn zu einem bizarren Meta-Film über die Urban Art Szene, die Kulturindustrie und das Wechselspiel von Kunstproduktion und -Rezeption.
Auch wenn wir, was die Qualität des Films betrifft, der gleichen Meinung sind, so gibt es doch einiges zu diskutieren. Wie gut ist die Kunst des eigentlichen Protagonisten dieses Films, Thierry Guetta? Wer verarscht hier wen, und inwiefern wird der Urban Art Kulturbetrieb gefeiert oder veralbert?
Passend zum Thema des vermeintlichen Dokumentarfilms hauen wir bei unseren Top 3 Listen ausnahmsweise mal keine Filme raus, sondern diskutieren über unsere Geheimtipps der besten Künstler*Innen jüngster Zeit.
Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 124: Exit Through the Gift Shop – Banksy Prank als Dokumentarfilm Publishing Date: 2023-05-17T13:19:19+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/05/17/episode-124-exit-through-the-gift-shop-banksy-prank-als-dokumentarfilm/
Florian Bayer: Ich glaube, du gehst ein bisschen dem Film auf den Leim. Ich glaube, du gehst der Narration des Films auf den Leim.
Johannes Franke: Das ist billig, Flor. Das ist jetzt sehr billig von dir.
Florian Bayer: Ich glaube, du fällst da rein. Natürlich inszeniert der Film das so, dass du genau darauf sollst dir gestoßen werden. Lass dich nicht von dem Film verarschen.
Johannes Franke: Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Pass auf.
Johannes Franke: Egal, ob du fertig bist, Plur oder nicht, ich starte jetzt einfach. Plur, herzlich willkommen hier in meiner Küche.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, Johannes. Herzlich willkommen, liebes Publikum, zu einer neuen Episode vom Muss-Man-Sehen-Podcast.
Johannes Franke: Wo wir uns gegenseitig Filme anempfehlen und sagen, du guckst jetzt diesen Film, egal ob du willst oder nicht und danach reden wir darüber.
Florian Bayer: Genau und diese Woche hat... Johannes einen Film vorgeschlagen.
Johannes Franke: Und zwar Exit Through the Gift Shop. Ich hoffe, ihr da draußen habt den Film auch gesehen, weil sonst ergibt vieles von dem, was wir sagen werden können.
Florian Bayer: Ach Quatsch, ich glaube, das ist ein Film, über den man auch ganz gut reden kann, wenn man ihn nicht gesehen hat. Das stimmt. Vor allem, wenn einem Streetart und Banksy was sagen, wobei, wenn man mit beidem irgendwie Kontakt hat oder beidem wohlwollend gegenübersteht, ist die Wahrscheinlichkeit auch relativ hoch, dass man diesen Film gesehen hat. Der so ein bisschen, würde ich fast sagen, so der ultimative Streetart-Film ist, oder? Ja.
Johannes Franke: Der ultimative Street Art Film, das stimmt, das trifft es ziemlich gut. Und was ich beeindruckend finde, ist, dass die... Academy diesen Film als besten Dokumentarfilm nominiert hat zumindest. Er hat ihn nicht bekommen, aber er wurde nominiert. Was so ein bisschen crazy ist, finde ich, weil das ja doch ein sehr starker Untergrundfilm ist. ihn warm genommen hast.
Florian Bayer: Naja, bei Banksy ist natürlich so ein bisschen das Ding, Banksy ist die Mainstream-Variante des Untergrunds. Gut, also wenn du bei, wie heißt das, Familienduell bist und sagst, nennen sie, wir haben 100 Leute gefragt, nennen sie einen Street-Artist. Banksy. Yeah, top Antwort. Also Banksy gehört einfach zu den Ikonen des Street Arts und spätestens seit 2018, seit dieser Aktion mit dem Match mit dem Ballon, das zerschreddert wurde bei der Auktion kennt auch die Bild-Zeitungsleserin Banksy. Und neben Basquiat und vielleicht Keith Haring, Dürfte er wahrscheinlich so der bekannteste Urban Artist überhaupt sein.
Johannes Franke: Wobei Keith Haring wirklich einen riesengroßen Fußabdruck hinterlassen hat.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, aber das Besondere ist, dass Banksy viel mehr als Street Artist wahrgenommen wird. Keith Haring ist halt der, der... man sich zu Hause aufhängt. Ich glaube, viele haben Keith Haring zu Hause hängen, ohne den als Street Artist wahrzunehmen, einfach weil der
Johannes Franke: Aber das ist auch länger her. Ich glaube, der hatte einfach mehr Zeit, in das kulturelle Gedächtnis als Künstler aufgenommen zu werden. Ja. Und das passiert ja jetzt mit Banksy auch schon seit ein paar Jahren. Der ist ja inzwischen einfach nur als Künstler bekannt und nicht nur als Street Artist, der nervt, weil er einen Haufen Wände beschmiert.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall und zumal wir auch das Phänomen haben, dass Banksy von der Straße in den Galerien gelandet ist. Wie allerdings auch viele Street-Artists in den 90ern und 2000ern. Banksy hat halt doch mal so eine Sonderstellung, weil bei ihm immer auch so Performance eine ganz große Rolle spielt. Und weil er wirklich sowas wie ein Promi ist, ohne dass man sein Gesicht kennt.
Johannes Franke: Das ist vielleicht auch der Trick an der ganzen Geschichte. Man weiß einfach nicht, wer es ist. Es gibt Spekulationen, aber ich würde gerne das komplett rauslassen. Ich würde überhaupt nicht darüber reden, wer Banksy, wie die Identität von Banksy ist.
Florian Bayer: Deine Mutter ist Banksy.
Johannes Franke: Genau. Ich will das nicht entmystifizieren. Ich respektiere volle Kanne, dass er sagt, okay, ich habe ein schwarzes Gesicht, keiner soll wissen, wer es ist. Das würde sonst meine Kunst verwässern. Und natürlich den Mythos ein bisschen entschärfen.
Florian Bayer: Wir müssen auf jeden Fall drüber reden, inwieweit das dieses sich anonym halten bei Banksy auch Show ist. Ja, es ist, also tatsächlich ist diese Anonymität bei Streetart, ja, spielt ja auch durchaus eine gewisse Rolle. Wir haben das in diesem Film ganz deutlich, sehen wir das einfach dadurch, dass sehr viele Projekte, Weil sie nicht gesehen werden wollen. Und Banksy ist nochmal vielleicht so eine Ausnahme, weil bei ihm dieses Anonymisieren eben auch zu mystifizieren. dient. Der lebt ganz gut davon, dass man spekuliert, wer er ist.
Johannes Franke: Da können wir auch nochmal drüber reden. Das Ding ist, warum reden wir eigentlich über Banksy? Es geht doch eigentlich um Thierry Guetta, der laut Banksy auch die viel interessantere Persönlichkeit ist. Und was ich ganz toll finde, ganz am Anfang tritt einfach mal Banksy auf und sagt, ja, eigentlich soll es ein Film über mich werden, aber jetzt... geht's doch irgendwie um Terry, der ist irgendwie die interessantere Persönlichkeit. Was ich irgendwie lässig finde als Einstieg für einen Film. Und dann geht es halt den ganzen Film tatsächlich eigentlich um Terry. Und wie er, also ich spreche ihn jetzt einfach mal amerikanisch aus, Terry, weil die ganzen Leute dort... Können keinen französischen Thierry. Thierry ist die ganze Zeit unterwegs und versucht an diese Street-Art-Szene anzudocken. weil er einfach fasziniert davon ist und es gibt ein bisschen Background von ihm und so und man sieht einfach, die ganze Zeit seinen Struggle da irgendwie reinzukommen und hat irgendwie seine Filmkamera die ganze Zeit dabei, Wir finden auch ein bisschen psychologisch quasi raus, warum er die ganze Zeit mit seiner Videokamera unterwegs ist und über diese Videokamera tauchen wir halt einfach in die Szene ein. Ja. Was ich total schön finde. Und es geht auch gar nicht die ganze Zeit am Anfang um Banksy, sondern wir sehen die ganzen anderen Street Artists wie die ihre Sachen machen. Wie Space Invader, der der Cousin anscheinend ist von Terry... wie das alles irgendwie passiert und sehen ganz viele Einsätze und dann entwickelt sich das und dann will er natürlich irgendwie doch auch Banksy vor die Kamera bekommen.
Florian Bayer: Es gibt ja so eine gewisse Eskalation. Wir sehen Terry. Am Anfang wird Terry wirklich lange vorgestellt. Ja. Es wird sehr viel thematisiert, dass er mit dieser Kamera unterwegs ist und dass er einfach alles filmt. Und wir sehen auch sehr schnell, dieser Mensch hat... Eine Obsession, was Filmen betrifft. Der muss nämlich wirklich alles filmen. Und es gibt unzählige Aufnahmen aus seiner Familie, aus seinem Alltag. Wir sehen eine Kamerafahrt durch. durch den Supermarkt, so total bizarr, einfach am Einkaufswagen und er hat halt gefilmt, er hat halt die Kamera ständig dabei. Und das ist so ein bisschen Zufall auch, dass er in diese Street-Art-Szene reinrutscht. Und man könnte sich gut vorstellen, eine alternative Realität, in der sein Cousin Skater ist. Und dann passiert das Ganze mit Tony Hawk.
Johannes Franke: Absolut, ganz genau das. Aber wirklich, man hat so das Gefühl, dass der sich einfach da so reinwirft. Es hat ein bisschen autistische Züge. Ich glaube, das würde dem nicht gerecht werden, was Terry ausmacht.
Florian Bayer: Autismus wäre die falsche Diagnose.
Johannes Franke: Sehr falsch, ja.
Florian Bayer: Er ist exzentrisch. Er hat irgendwie auch für sich eine Begründung dafür, warum er das so macht, wie er es macht. Und wir sind noch nicht an dem Punkt, wo wir darüber reden, wie viel ist echt an Terry.
Johannes Franke: Lass uns was am Ende erst anschneiden. Aber ihr da draußen, es gibt... nochmal eine zweite Ebene, in die man reingehen könnte, in der alles nochmal ein Prank wird. Aber das gucken wir uns später an.
Florian Bayer: Auf jeden Fall ist Terry sehr begeistert dabei, alles Mögliche zu filmen. Und dann stolperte er halt so Anfang der 2000er, stolperte er halt irgendwie so über diese Street Artists rein. Und was auch wirklich eine spannende Zeit ist für Street Art, weil das auch die Zeit ist, in der Banksy groß wird. Also im Underground, aber er kriegt dann ja auch seine erste Ausstellung war 2002 in LA, ne?
Johannes Franke: Also zumindest eine erste große Verkaufsausstellung, dass er auch ein bisschen Geld daraus zieht.
Florian Bayer: Und so in den frühen 2000ern ist Banksy immer mal wieder aufgefallen durch Aktionen, zum Beispiel durch diese... Buchbanknoten, die er gedruckt hat. Oh Gott, ja. Mit Lady Diana statt der Königin drauf.
Johannes Franke: Mhm. Was man auch sehr eindrucksvoll im Film sieht, wo er dann einmal feststellt, ja wir haben hier da irgendwie dann doch Fälschungen betrieben, was sehr schnell im Gefängnis landen
Florian Bayer: könnte. Und Terry hinter der Kamera, der sich das Ganze anguckt, versteht den Gag nicht. Hast du das gefunden?
Johannes Franke: Was sehr süßes. Das ist wirklich eine sehr süße Szene. Ich finde auch Terry an ganz vielen Stellen, muss ich sagen, sehr süß.
Florian Bayer: Terry ist ein total sympathischer Mensch.
Johannes Franke: Einer der sweetesten Momente, finde ich, ist, wie er bei Disneyland an der Kasse steht und fragt, wird Mickey Mouse auch da sein? Bei Disneyland.
Florian Bayer: Und Terry ist irgendwie so ein Typ Mensch. Man kennt diese Menschen. Ich glaube, jeder hat in seinem Freund... Freundes- oder weiteren Bekanntenkreis, irgendwie so ein Menschen. Er ist so ein sehr spezieller Typ. Er hat so eine unglaublich herzlich naive Art. Er ist Sehr oft. Er geht auf alle Leute zu, schüttelt ihnen die Hände, redet mit ihnen. Das sehen wir am Anfang auch sehr eindrucksvoll, dass das auch nervig sein kann für viele. Wenn er nämlich mit seiner Kamera irgendwann auf Promi geht, und dann Shaquille O'Neal und vor allem Oasis. Das ist so super. Er filmt Oasis und diesen sogenannten... Nerv von ihm.
Johannes Franke: Das ist super geil. Ich finde die ganzen Promi-Zusammenstellungen da am Anfang großartig. Ganz toll.
Florian Bayer: Und er meint nichts davon Bösen. Er ist einfach ein gutherziger, offener Typ, der Spaß daran hat, neue Leute kennenzulernen. Und der sich gerne inspirieren lässt. Das ist auch ganz wesentlich. Er ist jemand, der sich immer wieder inspirieren lässt von anderen Menschen und versucht das so zu adaptieren und zu verstehen.
Johannes Franke: Begeisterungsfähig.
Florian Bayer: Begeisterungsfähig, genau. Und es sind halt wirklich sympathische Eigenschaften. Und ja, das kann man dann auch ein bisschen nervig finden und ein bisschen schräg. Und ich glaube, das ist auch so... Wenn man mit diesem Typen sehr lange unterwegs ist, findet man ihn wahrscheinlich auch anstrengend ab einem gewissen Punkt. ist es natürlich erstmal so voll sympathisch, weil es einfach ein offener, netter Mensch ist.
Johannes Franke: Und Man muss dazu sagen, was der Film auch explizit erwähnt, ist, dass Terry einfach ein Door-Opener ist. Dadurch, dass er überall mit allen reden kann und sich überall einbringt, hat er Kontakte überall hin und kennt all die guten Plätze, wo man alles möglich machen kann. Gerade für Street-Artists ist das Gold wert.
Florian Bayer: Das ist ja auch so ein bisschen seine Art, wie er es dann schafft, von den Street-Artists irgendwie akzeptiert zu werden. Weil er hat eine Kamera dabei. Das heißt, er ist eigentlich
Johannes Franke: Es ist ein Gift. Eine Gefahr.
Florian Bayer: Es ist eine Gefahr. Sowohl, dass er die Sachen veröffentlichen könnte Gesichter von denen zeigt, aber auch ganz banal, wenn er auf der Straße steht und filmt, wie jemand was macht, wie man ein Kunstwerk auf der Straße macht, das illegal ist. Dann könnte die Polizei ihn sehen. Und es gibt auch diese eine Szene, wo er mit Shepard Ferry unterwegs ist. Und der zu ihm sagt, ey ... Du musst dich woanders hinstellen. Alle sehen dich. Alle sehen, dass hier gerade was gemacht wird. Lass das.
Johannes Franke: Es gibt wirklich sehr viele lustige Szenen, muss man sagen in der ganzen Geschichte, in der ganzen Zusammenstellung. Wo man so seine Unbedarftheit so ein bisschen sieht, aber dass es auch irgendwie süß ist und so. etwas dunklere Seite der ganzen Geschichte von Terry sehen wir ja dann wirklich erst sehr viel später. Was ich spannend finde an der Doku, schon im ersten Teil, ist, dass Banksy es irgendwie schafft, eine Dokumentation über Terry zu machen und durch diese Dokumentation eine Dokumentation über Banksy zu machen.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Eigentlich sagt der Film als erstes, das ist eine Dokumentation über Banksy. Banksy tritt dann auf und sagt, das ist eine Dokumentation über Terry. Und diese Dokumentation, die dann gezeigt wird, ist dann aber dort wieder irgendwie über eine Schleife eine Dokumentation über Banksy.
Florian Bayer: Der Film sagt ja ganz am Anfang erstmal, ich bin eine Liebeserklärung an die Streetart, weil der fängt ja an mit diesen... mit diesen Bildern von den Street Artists und dann läuft Tonight the Streets are ours und wir haben diese harmonische, romantische Musik. Und wir sehen einfach zusammengeschnitten aus dem Archiv von Terry wahrscheinlich. Bilder von Street Artists, wie sie irgendwelche Sachen anmalen, wie sie irgendwelche Sachen aufkleben, wie sie von der Polizei wegrennen oder verhaftet werden.
Johannes Franke: Ich finde, das fängt an wie so eine... Wie wunderbare Jahre.
Florian Bayer: Ja, es ist voll romantisch. Du guckst das und willst direkt Mitglied dieser Welt sein. Das ist ja krass. Du willst Teil dieser Welt sein.
Johannes Franke: Absolut. Ich find's großartig. Das ist so eine romantisierte Sache, wo ich denke, okay, Banksy als Street Artist ist eine Sache, aber dass Banksy jetzt auch noch es schafft, so dramaturgisch Ein gutes Gespür dafür zu haben, so einen Film zu bauen, das fand ich den ganzen Film über sehr beeindruckend. Nicht nur in der Eingangssequenz, wo er wirklich ein Händchen für die Bilder und die Emotionalität hat.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja im Laufe des Films, wenn so diese Metaebene mehr und mehr reinkommt, wie dieser Film entstanden ist, sagt Banksy, naja, und ich habe überhaupt keine Ahnung, wie man einen Film macht, aber ich habe es dann trotzdem versucht, weil Terry hat es ja auch versucht. Und ich finde, es ist ein beachtlicher Moment, wenn man die 70 Minuten davor gesehen hat, bevor dieses Zitat kommt, denkt man, ey, du hast echt filmmacherisches Talent dafür, dass du keine Ahnung hast davon, wie man Filme macht.
Johannes Franke: Absolut. Das ist unglaublich. Also ich finde, dass der Film dramaturgisch wirklich sehr, sehr gut alles einzeln setzt und einem sehr, sehr gut erzählt. wie eins zum anderen gekommen ist. Und man Terry verstehen lernt. und die Welt drumrum verstehen lernt, dass man Shepard Fairey versteht, warum er mit ihm unterwegs ist, Dass man Banksy dann versteht, warum er mit ihm unterwegs ist und man wirklich... tolle Kanne reingezogen wird in eine Welt. Und wie du sagst, man will irgendwie Teil dessen sein.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja, dass der Film, also gerade in seinen Anfangsaufnahmen extrem abhängig ist von den Terry-Aufnahmen. Es wird nachher ein bisschen aufgebrochen, spätestens dann, wenn die Banksy-Ausstellung ist und dann sehen wir halt auch Tatsächlich Footage von irgendwelchen richtigen Kamerateams. Und bei den Interviews, die dazwischen geschnitten werden, sehen wir das halt auch. Aber der Film ist zum großen Teil angewiesen auf die Bilder von Terry. Oh, die sind nicht sonderlich gut, ne? Die sind von jemandem, von einem passionierten Hobbyfilmer, der einfach alles filmen will, der sich aber keinerlei Gedanken macht... um Beleuchtung, um Perspektive und so weiter.
Johannes Franke: Es gibt passionierte Hobbyfilmer, die besseres Material machen. Als Terry. Es ist wirklich, er ist kein guter Kameramann.
Florian Bayer: Das Besondere ist ja, er hat einfach so viel, dass man immer was findet, was... Ganz okay funktioniert. Aber es ist schon krass, der Film ist auf dessen Bilder angewiesen und er erzählt seine Lebensgeschichte, seinen Wertegang und wie er in diese Street-Artist-Szene reingerutscht ist. Mhm. Nur anhand von seinen Bildern und eben von dieser Aufwärtszählerstimme von Rice Ifans. Ich hoffe, ich habe ihn richtig ausgesprochen. Rice Evans, der Schauspieler. Und... Aber außer der Offerzählerstimme haben wir nichts, woran wir uns festhalten können, sondern wir sind auf die Bilder von ihm angewiesen, die halt verwackelt sind. Und dann ist es aber wirklich gut geschnitten und gut mit Musik unterlegt, dass man nie das Gefühl hat, oh, ich krieg Kopfschirmherz und ich will nicht mehr.
Johannes Franke: Ja, voll. Es gibt ja viele Filme, wo du viel mehr Toleranz für Wackelkameras hast und so, wo ich dann schon sage, um Gottes willen, kannst du nicht einmal ruhig dastehen und einfach... geradeaus filmen. Willst du Tee plomen?
Florian Bayer: Ich möchte Tee sehr gerne.
Johannes Franke: Du sahst so verzweifelt aus.
Florian Bayer: Ich habe mich ganz verzweifelt Richtung Teekanne gestrickt, während Johannes erzählt hat.
Johannes Franke: Zucker kannst du dir selber nehmen? Das kriege ich. Vielen Dank. Ja, also ... Oh Gott, wo war ich hingelieben?
Florian Bayer: Wackelkamera, du hast Wackelkamera.
Johannes Franke: Und dadurch, dass es einfach so ein ... Es ist natürlich ein Dokumentarfilm. In einem Dokumentarfilm nimmt man auch sofort eher ab, dass eine Wackelkamera okay ist. Aber auch da... Irgendwie schafft es Terry Bilder zu erzeugen, die sehr immersiv sind. Aus irgendeinem komischen Grund.
Florian Bayer: Der Schnitt macht sehr viel. Schnitt und Musik sind wirklich gut eingesetzt.
Johannes Franke: Die Offerzählerstimme ist auch... Sehr schön ironisch streckenweise, dass man wirklich geil auf so eine gemeinsame Ebene kommt. Der ist so konspirativ quasi. dass er es schafft, den Zuschauer sofort auf seine Seite zu holen und das Ganze mit einem Vergnügen, einer Ironie und einem... Aber auch die Harmlosigkeit von Terry irgendwie mitzunehmen, dass man das Gefühl hat, wir sind alle irgendwie auf einem Disney-Ride. Auf einem harmlosen.
Florian Bayer: Die Ironie selbst wird ja am Anfang schon klar gemacht. Nach diesem romantischen Intro startet der Film ja mit der Militatszene und Banksy sagt erst mal... Erzählt uns erstmal, warum dieser Film überhaupt existiert. Also wir wissen von Anfang an, wissen wir, dass wir in so einer... Auf jeden Fall mindestens auf einer Meta-Ebene sind, wenn nicht auf der dritten oder vierten, wenn Banksy halt sagt, okay, der Typ wollte einen Film über mich machen. Also, wie ist der Film entstanden? Oh, lass mich mal überlegen. Naja, der Typ wollte einen Film über mich machen und ich habe festgestellt, der ist viel interessanter als ich. Also haben wir den Film halt irgendwie über ihn gemacht. Und wir sind schon voll drin und wissen voll, okay, alles, was hier gerade passiert, passiert mit einem dicken Augenzwinkern.
Johannes Franke: Ja, volle Kanne. Und natürlich muss man sagen... Es ist auch wahnsinnig interessant. Wirklich, also nicht nur einfach erzählerisch, man hat Spaß mit den Leuten. Sondern ich finde es wahnsinnig interessant zu sehen, wie die Leute nachts auf Arbeit sind quasi. Und da auf Dächer rumkraxeln und Terry da einfach furchtlos alles mitmacht und mitfilmt und sogar noch zwei Dächer weiter hochsteigt, um eine gute Perspektive auf eine... auf den Street Artist zu haben, wie er gerade seine Kunst an die Wand bringt. Es ist wirklich... Interessant und beeindruckend.
Florian Bayer: Terry sagt ja irgendwann so, ja und ich bin mitgegangen, weil das irgendwie riskant war und gefährlich war und das fand ich geil. Man muss eine Affinität zum Risiko haben, um als Nicht-Street-Artist bei den Street-Artists mitzugehen. Und spannend ist dann halt auch, wie er mehr und mehr zum Verbündeten wird. Also am Anfang filmt er nur. Und irgendwann zeigt er ihnen die Orte, dann hilft er ihnen mit dem Aufstellen der Leiter. Dann, wie gesagt, klettert er noch hoch. Und was er natürlich macht, was damals noch gar nicht so gefragt war, er dokumentiert. Und das ist bei Street Art so wichtig, dieses Dokumentieren.
Johannes Franke: Ich finde es auch einen tollen Insight, weil darüber habe ich auch nie nachgedacht. Natürlich ist Street Art etwas, was sehr... Naja, deine Zeit ist abgelaufen fünf Minuten, nachdem du es aufgestellt hast. Also natürlich brauchst du irgendwie eine Möglichkeit, etwas zu konservieren, damit deine Kunst irgendeine Form von Konservierung hat. Brauchst du jemanden, der das aufnimmt? Und da war Terry natürlich der Richtige für und das erzählt der Film natürlich auch sehr gut.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und gibt einem noch einen Grund mehr. Warum Banksy gesagt hat, ja gut, komm, machen wir zusammen. Und das kulminiert natürlich in dieser Disneyland Szene, die ich so großartig finde.
Florian Bayer: Na, Disneyland ist natürlich so ein Ding, wo Derry dann endgültig Banksys Vertrauen gewinnt, weil er… nicht nur ihm hilft, diese aberwitzige Performance-Aktion zu machen, wo er diesen Guantanamo-Häftling Wie gesagt, wir sind in den frühen 2000ern. Guantanamo Bay ist ein großes Thema. Und er platziert diesen Häftling im Disneyland. Und Banksy kommt davon, aber... Terry wird festgenommen und Disney versteht keinen Spaß, wenn es um sowas geht.
Johannes Franke: Aber darf ich mal kurz eine Zwischenfrage stellen, welche Handhabe hat Disneyland jemanden vier Stunden lang festzuhalten, weil er... mit einer Videokamera daneben stand, als dieses Ding da hingetan wurde. Haben die eine eigene Polizei?
Florian Bayer: Dürfen die das? Keine Hand haben?
Johannes Franke: Das ist Entführung.
Florian Bayer: Nein, nein, du darfst, also pass auf, es gibt für sowas ja Gesetze. Und du darfst, du darfst einen Verbrecher bei der, ähm... Wenn du ein Verbrechen beobachtest, darfst du einen Verbrecher festhalten. Ich glaube, das gilt sowohl in Deutschland als auch in den USA. Also Civil Arrest, klar. Genau, bis die Autorität, bis die Behörden, bis die Cops kommen, um ihn dann tatsächlich zu verhören oder festzunehmen oder was auch immer. Das darfst du als Bürger.
Johannes Franke: Aber was ist das Verbrechen?
Florian Bayer: Was ist das Verbrechen? Das ist eine gute Frage. Naja, ich meine, man kann da vieles finden. Vandalismus.
Johannes Franke: Da ist nichts vandaliert. Also Vandalismus ist, dazu musst du etwas nachhaltig zerstört haben.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, ich kann mir vorstellen... Ich kenne mich nicht genug aus in Jura, aber ich könnte mir vorstellen, dass es als Vandalismus auch gilt, wenn du selbst auch nur temporär und... Selbst wenn es reversibel ist, irgendwas, was ausgestellt wird von jemandem, sodass es quasi anders aussieht. Ich kann mir vorstellen, dass das als Vandalismus durchgehen könnte.
Johannes Franke: Ah, Alter. A big stretch.
Florian Bayer: Naja, wenn du überlegst, pass auf, wenn jemand ein Plakat aufhängt mit einem Politiker, Und du hängst daneben ein Plakat, auf dem steht ... Nee, das ist nicht gut, weil dann ist es Beleidigung. Ja, das ist was anderes. Wenn Disney ein Plakat aufhängt... Von Mickey Mouse. Und du klebst da drauf einen Sticker, der sich einfach lösen lässt, indem Mickey Mouse eine Pistole in der Hand hält.
Johannes Franke: Ja? Was ist das?
Florian Bayer: Naja, es macht auf jeden Fall irgendwas mit dem Symbol und es macht die Werbung kaputt. Also ich kann mir schon vorstellen, dass man da irgendein Gesetz drumherum, man kann da irgendein Gesetz aus dem Hut zaubern, das sagt, das darfst du nicht, oder?
Johannes Franke: Weiß ich nicht, kann ich mir nicht vorstellen, ehrlich gesagt. Also na gut, in Amerika kann ich mir viel vorstellen, aber eigentlich... Oh, was immer gut ist, ist Störung der öffentlichen Ordnung.
Florian Bayer: Das ist so, wie wenn jemand seine Hose runterzieht in der Öffentlichkeit.
Johannes Franke: Ja, okay, aber kannst du dafür jemanden vier Stunden lang festhalten?
Florian Bayer: Natürlich nicht. Natürlich nicht. Die hatten auch keine Handhabe. Der hätte wahrscheinlich gehen können oder hätte sagen können, nee, ich will jetzt die Polizei. Aber der wollte natürlich nicht die Polizei. Und deswegen hat er das drei Stunden über sich ergehen lassen oder vier Stunden.
Johannes Franke: Aber es ist krass, er hat also nichts verraten. Er war wirklich... Vier Stunden lang, und ich kann mir vorstellen, dass so vier Security-Leute aus dem Disneyland, mit denen nicht zu spaßen ist, dass die wirklich... sehr hart an einem dranhängen. Wenn die wollen, dann kriegen die dich.
Florian Bayer: Und ich glaube, die sind auch echt ganz gut da drin zu drohen und zu sagen, ey, pass auf, du bezahlst für den Rest deines Lebens, für die Scheiße. Wenn du uns jetzt nicht sagst, wer der Typ war, der das gemacht hat, dann wirst du. es gewesen sein und du wirst dafür bezahlen und das wäre teuer.
Johannes Franke: Ja, und ich glaube, ich hätte nicht das Nervenkostüm dafür. Und Terry hatte es. Und das ist schon krass.
Florian Bayer: Ich glaube, und da zeigt sich auch nochmal so eine Eigenschaft von Terry. es scheint mir ein unfassbar loyaler Mensch zu sein. Einfach wirklich jemand, auf den man sich verlassen kann. Und das hat dann ja auch Banksy wahrgenommen. Und Banksy hat es offensichtlich auch schon vorher wahrgenommen, weil es wird auch in dem Film thematisiert, wenn gefragt wird, Banksy und Kameras, no way. Der wollte nie Kameras dabei haben. Ja. Und dann kommt plötzlich dieser Terry und der darf dabei sein und alle in Banksy's Atelier sagen, hä, was hat denn dieser Typ, der darf jetzt filmen? Weißt du, du hast CNN und NBC und BBC, hast du alle ablehnt und jetzt darf dieser Typ hier rumlaufen mit seiner Kamera und alles filmen?
Johannes Franke: Ich find's auch krass. Also ich käme mir auch verarscht vor.
Florian Bayer: Banksy erzählt natürlich schon so ein bisschen die Geschichte, dass er da schon irgendwie das Gefühl hatte, das ist jemand, auf den man sich verlassen kann. Der ist royal, der... Der hält sein Wort und das ist okay und der macht okay. Und Disneyland war dann natürlich die absolute Bewährungsprobe. Er war drei Stunden festgenommen, er hat keinen Namen genannt, er hat nichts verraten und er wurde freigelassen und alles war gut. Und Banksy konnte sein Ding durchziehen.
Johannes Franke: Banksy ist dabei ja auch on the right gegangen. Sitzt da irgendwo. It's my word after all.
Florian Bayer: Das ist auch wirklich schön erzählt, wie Terry dann erzählt. Und dann bin ich halt so gegangen und dann habe ich gemerkt, dass Schritte hinter mir sind. Und dann waren da noch mehr Schritte und ich bin schneller gegangen.
Johannes Franke: Und man muss dazu sagen, dass Terry auch in der Lage ist, eine Story gut zu erzählen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, ja.
Johannes Franke: ein Interview, was er da... Ich meine, natürlich macht der Schnitt nochmal viel aus und so, bügelt viele Probleme und so glatt und man hat das Gefühl, das ist alles im Fluss, aber... Terry schafft es tatsächlich, sowas wirklich interessant zu erzählen im Interview. Finde ich super. Finde ich ganz toll.
Florian Bayer: Und dann ist ja diese große Banksy-Ausstellung auch, wo er auch rumläuft die ganze Zeit. in der Kamera. Also er ist jetzt einfach Teil vom Banksy-Team. Also er hat es geschafft.
Johannes Franke: Was ich ganz toll finde, ist der Moment, wo sie, sie haben ja diese Telefonzelle da einmal auf die Seite gelegt und umgebaut. Und dann diese kleine Schnipsel von der Frau, die da langläuft und sagen soll, wie sie es findet, was da passiert. Und es ist so geil. Sie sagt einfach nur, someone is annoyed with BT Telephones. Das ist echt süß. Das ist so süß.
Florian Bayer: Bei all dieser Loyalität und diesem Sympathischen von Terry, seine Familie tut mir schon ganz schön leid.
Johannes Franke: Jetzt kommen wir in die Dark Side. Wollen wir da wirklich hin, Plur? Wollen wir jetzt schon in die Dark Side von Terry gehen?
Florian Bayer: Der Abschutz ist relativ tief. Was da schon immer offensichtlicher wird, ist, dass er halt wirklich, das ist ja wenig zu Hause, ist und seine Familie ist, hat offensichtlich auch nicht viel Geld. Ich meine, er hat ja auch, naja, er gehört nicht zu den Besserverdienenden.
Johannes Franke: Doch.
Florian Bayer: Oh, jetzt musst du... Jetzt wird's spannend.
Johannes Franke: Ich habe über Terry recherchiert.
Florian Bayer: Dann erzähl mal.
Johannes Franke: Beziehungsweise die LA Times hat über Terry recherchiert. Und das hängt ein bisschen zusammen mit dem Themenfeld, was wir auch noch machen müssen, ob das Ganze ein ganz großer Prank ist. Aber das versuche ich mal auszusparen noch.
Florian Bayer: Ja. Sag mal, wie hat Terry... Terry ist nicht arm.
Johannes Franke: Terry hat angefangen... als er nach Amerika, nach L.A. gekommen ist, als eine Art Security, so ein Typ, der geguckt hat, ob irgendwelche Ladendiebe irgendwelchen Scheiß mitgehen lassen wollen. Und zwar in einem Laden für Secondhand Clothing. Dann ist er immer viel früher, als er müsste gekommen und viel später gegangen, als er müsste. Also ein Arbeitstier. Vielen Dank. wurde relativ schnell für seine Verhältnisse zum Manager befördert dieses Ladens. Und hat dann als Manager irgendwann dem Chef den Laden abgekauft. Und war dann plötzlich Besitzer eines Second-Hand-Ladens.
Florian Bayer: The American Dream.
Johannes Franke: Ja. Und hat dann ... Das hat immer weiter hochgeschaukelt und hat sehr viele alte Klamotten für wirklich, wirklich wenig Geld aus Europa eingekauft. hat das neu verpackt und hat es geschafft, die richtigen Sachen rauszusammeln, die dann als Designerklamotten zu verkaufen. Also er meint wirklich für 2 Dollar gekauft, für 200 verkauft.
Florian Bayer: Krass.
Johannes Franke: Das ist sein Konzept gewesen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Rip-off von Hipsern, muss man mal sagen.
Florian Bayer: Darf man machen. Wenn du 200 Dollar bezahlst für ... Secondhand-Klamotten, die für 2 Euro aus Europa gekauft wurden, dann hast du es nicht besser verdient.
Johannes Franke: Er hat es sogar geschafft... bestimmte Klamotten aus Europa zu nehmen und als Template an Ralph Lauren und so zu verkaufen. dass die Templates für ihre neuen Kreationen haben.
Florian Bayer: Wow.
Johannes Franke: Also ist wirklich krass. Der konnte Leute beschwatzen.
Florian Bayer: Okay, ja, das passt auch zu ihm irgendwie.
Johannes Franke: Ja, und dann hat er irgendwann angefangen, aus alten Jeanshosen, die schon nicht mehr zu verkaufen waren, neue Jeansjacken zu nähen. mit einem Kumpel zusammen. Dann haben die da aus irgendwelchen alten Looney Tunes Dingern die Looney Tunes ausgeschnitten und draufgenäht und als Als Designer-Dingzeug verkauft. Warner Brothers allerdings hatte denen ja keine Lizenz gegeben. Mhm. Aber Warner Brothers war so beeindruckt davon, dass sie die Leute eingestellt haben. Die haben eingestellt, dass sie Looney Tunes Klamotten designen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und irgendwann haben sie auch eine Lizenz dafür bekommen und waren dann diejenigen, die lizenziert Klamotten verkaufen konnten in diesem Bereich. Und der hat sehr viel Geld damit verdient.
Florian Bayer: Da haben wir unsere zweite Realität, in der sein Cousin Skateboarder war. Er ist irgendwie ... Offensichtlich ist er einfach jemand, der für alles zu begeistern ist. Komplett ungefiltert. Da hat er sich halt fürs Schneidern und für Klamotten begeistert, weil er da einfach durch Zufall gearbeitet hat als Security-Mann. Und stell dir vor, es wäre eine Fleischerei gewesen, dann hätte er irgendwelchen... Neue Wurst.
Johannes Franke: Ja, ganz genau.
Florian Bayer: Und das ist total geil.
Johannes Franke: Und Ende der 90er hatte halt keine Lust mehr darauf gehabt, auf Klamotten. Er hat wirklich gesagt, ich hatte keine Lust mehr, habe ich es fallen lassen, ich hatte ja mein Geld.
Florian Bayer: Krass, ja, okay, das macht Sinn. Deswegen konnte er auch die ganze Zeit mit seiner Kamera losziehen, ohne sich Gedanken machen zu können.
Johannes Franke: Im ganzen Film über habe ich gefragt, was zur Hölle, wie kann der das? Wo kommt das Geld dafür her?
Florian Bayer: Ich dachte, seine Familie lebt am Existenzminimum, während er unterwegs ist und einfach seiner Passion nachgeht.
Johannes Franke: Ich habe auch echt so Mitleid mit dieser Frau, mit den Kindern gehabt. Ist auch.
Florian Bayer: Die sieht aber auch immer noch. Die sieht auch echt oft gestresst und genervt aus.
Johannes Franke: Und dass sie immer noch mit ihm zusammen ist, ist der Hammer. Um Gottes Willen, wie krass. Aber das Geld schien sozusagen nicht das große Problem zu sein. Sie haben es streckenweise vielleicht ein bisschen weniger gehabt, aber nicht so, dass sie wirklich am Existenzminimum gewesen sind.
Florian Bayer: Das Haus, in dem sie leben, sieht jetzt auch nicht sonderlich luxuriös aus. Was wir sehen aus seinem Haus, aus seinem Alltag, das sieht schon alles eher so nach unterer Mittelschicht aus in Amerika.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Es kann auch sein, dass er einfach einer war, der gut haushalten konnte und deswegen mit dem Geld auch einigermaßen rumgekommen ist.
Florian Bayer: Naja, aber er reißt dann ja auch total viel, das bezahlt ihm ja auch. keiner. Und irgendwie muss das ja klappen. Mir tut es nicht nur wegen dem Finanziellen um die Familie leid, sondern auch, weil ich meine, die Kinder sagen halt, tschüss Papa, wir sehen dich in einem Monat wieder. Ja. Weil du jetzt in Frankreich bist, das ist voll traurig. Also ich fände es traurig. Ich meine, jeder soll sich sein Leben so gestalten, wie er will, aber es ist voll traurig, wenn du Kinder hast und dann... Bist du erstmal auf Achse und mit deinen Künstlerfreunden unterwegs und deine Kinder sehen dich überhaupt nicht?
Johannes Franke: Ja, ich fände es mal interessant, irgendwann in, weiß ich nicht, wie lange das noch dauert, bis die Kinder so weit sind, dass sie wirklich... reflektiert, mit Mitte 30 sagen können, wie war meine Kindheit mit diesem Menschen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich sehr interessant.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Einfach so psychologisch auch.
Florian Bayer: Ich will mir kein Urteil erlauben. Nein, nein. Tatsächlich mein Gedanke während des Films war halt auch schade und die armen Familien, die armen Kinder. Ja. Aber ich, ja. Es ist immer schwer von außen sowas zu betrachten und man will ja auch nicht in Gehässigkeit abrutschen.
Johannes Franke: Jedenfalls hat er die Zeit sich genommen und hat das Geld da reingesteckt, auch diese Videokamera immer wieder zu füttern. ohne sich das Material jeweils anzuschauen und das irgendwo in irgendwelche Kisten verschwunden ist. Man sieht auch einmal eine Einstellung davon, wie er durch diese Kisten durchgeht. Das ist der Hammer, absoluter Wahnsinn.
Florian Bayer: Und diese ganzen Kassetten, wie man sie kennt aus den klassischen Home-Video-Apparaten. Was ist das? Super 8? Was kam danach? Mini-DV wahrscheinlich. Ja, genau. Ja, das ist Ende der 90er, stimmt. Ach, das ist damit nicht mehr. Ich hatte solche Kassetten auch. Ich hab auch noch auf solche Kassetten gedreht. Und das ist der Moment, also wenn er durch diese Kisten geht, das ist nämlich der Moment, wo Banksy zu ihm gesagt hat, so, wie sieht es denn jetzt eigentlich aus mit deiner Doku? Weil er wurde irgendwann gefragt, was machst du da eigentlich und wer drehst du? Und dann hat er halt gesagt, naja, für eine Doku. Ich will eine Doku über Street Art machen. Die Geschichte hat er allen erzählt. Und dann hat Bexy gesagt, jetzt ist eigentlich mal Zeit, dass du deine Doku schneidest. Und dann hat er gesagt, okay, dann guck ich mal. Und dann hat er diese Kassetten vor sich und fängt an zu schneiden. Ich hab hier so einen echten Softspot für Vintage-Computer. Software und so. Und dann sehen wir halt ganz kurz so ein bisschen, wie er mit Final Cut ist es, glaube ich. ein paar Sachen, so Ordner zusammenstellt und die Filme da reinzieht und man merkt schon dabei, er ist überfordert. Voll. Er nennt die Ordner dann halt so irgendwie, wie er sich vermeintlich merken kann und fängt an... Filmschnipsel zu ordnen.
Johannes Franke: Er hat erzählt, wie er es gemacht hat. Er erzählt, er greift links in eine Box, zieht was raus, haut das rein und geht dann mit der Hand rechts in die Box rein, nimmt irgendwo blind was raus, haut das rein und so entsteht der Film. Ohne, dass er wirklich durch das Material durchgucken würde und sagen würde, oh, das könnte gut passen, das könnte gut passen. Aber ich finde dafür... sieht das, was dann zu sehen ist, ganz interessant aus.
Florian Bayer: Live Remote Control.
Johannes Franke: Für zwei Minuten wäre das interessant, das Material.
Florian Bayer: Die meiner Meinung nach lustigste Szene. in den gesamten Films. Wie in dieses Live-Remote-Control gezeigt wird. Und dann Banksy. Die Pause könnte länger sein. Aber dieses M, einfach nur dieses M, ist die lustigste Szene des Films.
Johannes Franke: Absolut. Ich lag so flach. Und es ist so großartig und ich möchte einmal zitieren, was er sagt an der Stelle. Weil er ist wirklich auf den Punkt und da zeigt sich auch Banksys Haltung zu allem. Aber da können wir später noch drauf eingehen. Ich finde Banksys Haltung zu allem sehr, sehr interessant. Da müssen wir uns noch sehr genau... Er sagt, you know, it was at that point, dass vielleicht Terry vielleicht nicht ein Film-Maker war. Und er war vielleicht jemand mit mentalen Problemen, der hat eine Kamera. Und das ist so on point gesagt. Kommt da gar nicht drüber weg, weil er so gutes Timing beweist und weil es im Schnitt so gut funktioniert und so. Das ist wirklich die lustigste Szene überhaupt.
Florian Bayer: Meine Theorie ist ja, dieses Live Remote Control, was wir sehen, ist ein Witz. Also zumindest das, was sie uns da präsentieren, weil du sagst richtig, es ist eigentlich dafür zu gut zusammengeschnitten. Es hat auch dieser Titel, der da drauf geballert wird. Und dann haben wir so Szenen, die ja auch offensichtlich irgendwie... Stockmaterial von anderen Anzeigen. Zum Beispiel gibt es dieses Bild von Andrew the Giant, was gezeigt wird. die als Vorlage für dieses Obey-Stempel ist von Shepard Fairey. Ich weiß nicht, ob sie da was zusammengeschnitten haben für den Film jetzt, um zu sagen, ja, das ist ungefähr das, was Terry gemacht hat. Und damit haben wir es nochmal so ein bisschen komprimierter, diesen Warnwitz von Terrys Inszenierung.
Johannes Franke: Es gibt zwei Sachen, die dagegen sprechen. Das eine ist, Terry hat Geld bekommen als Lizenzierung für sein Material. Und ich glaube, dass das durchaus authentisch ist. Es gibt einen zweiten Punkt, der dagegen spricht. Es gab nämlich einen Filmemacher, einen Schweizer Filmemacher, der in diesem Film nicht auftaucht, mit dem Terry zusammengearbeitet hat daran.
Florian Bayer: Ah ja. Terry sagt übrigens zu. Und Banksy hat sich's angeguckt und gesagt... Es ist gut. Also, es ist gut.
Johannes Franke: Man hört so durch, dass Banks hier eigentlich gesagt hat ...
Florian Bayer: Man hört aber auch durch, dass Terry doch ein bisschen reflektierter ist, als man vielleicht ihm zugetraut hätte.
Johannes Franke: Er hat das verstanden. Natürlich.
Florian Bayer: Es gibt ja wirklich diese sich selbst überschätzenden, egomanischen Künstler, die keine Fähigkeiten, kein Talent haben. Und die dann auch komplett... wenn sie kritisiert werden und sagen, hey, eigentlich hat er mich gelobt. Und Terry hört man an, dass er genug Reflexion hat, um zu verstehen, verstehen, dass das, was er da gemacht hat, nicht das war, was Bang sich vorgestellt hat.
Johannes Franke: Ich finde auch, dass das die ganze Geschichte, dass Terry das überhaupt alles mitmacht, dass diese Dokumentation überhaupt existiert, zeigt eine Form von Reflexion von Terry und auch die Art und Weise, wie er erzählt ... die essentiell dafür ist, dass dieser Film überhaupt so existieren kann.
Florian Bayer: Na, weil's dadurch kein Witz auf seine Kosten ist. Ja, genau. Auch wenn der Film sich öfter mal lustig macht über Terry, hat man nie das Gefühl, dass sein Deal... Sein Ziel ist es, Terry zu veralbern.
Johannes Franke: Überhaupt nicht. Was ich sehr, sehr spannend finde und was dann uns zur Haltung von Banksy führt. Ich finde Banksys Haltung total großartig. Und unterstützt voll mein Bild, das ich durch die Kunst von Banksy habe. Ich weiß nicht, wie es dir damit geht. Was für ein Bild von Banksy du hast durch die Kunst? Man hat ja ein bestimmtes Bild vor Augen, was für ein Typ ist das? Und dieser Film... Unterstützt es an manchen Stellen nicht so, weil ich finde, dass er sehr breitbeinig da sitzt und sehr prollig. fast schon Haltung annimmt, aber alles, was er sagt, verrät eine intellektuelle Tiefe, die auch für seine Kunst wahnsinnig wichtig ist. Und eine Form von Reflexion auch seiner eigenen Situation und der Rolle von Terry in seinem Leben... die nicht davon geprägt ist, dass er sagt, ich wurde von Terry verarscht, sondern er hat irgendwie es geschafft, bestimmte Dinge durchzuziehen und dann ist das Endresultat vielleicht nicht ganz das, was ich wollte, aber Terry schafft das irgendwie. Also er hat eine Form von Respekt für Terry.
Florian Bayer: Ja. Ich glaube, was sich damit total schneidet und was Banksy komplett entgegenkommt, Banksy hat immer so eine gewisse Doppelbödigkeit. Banksy kommt eigentlich aus einem komplett nicht kommerziellen, sogar antikommerziellen Kunstmilieu. Ja. Street Artists wollen nicht in die Galerien. Und wenn dann durch so eine Performance-Kunst, wo sie sich reinschleichen und ihre Sachen aufhängen. Street Artists wollen ihre Kunst nicht verkaufen. Street Artists wollen einfach ein Stück Bild im öffentlichen Raum hinterlassen. Und Banksy hat dieses Ideal ganz lange vertreten, vertritt das sogar bis heute. Aber er bricht das natürlich komplett. Zum einen bricht er es, indem er es ironisiert, indem er Witze damit macht, wie zum Beispiel das Gemälde, das sich selbst zerschreddert. Das ist natürlich ein direkter Kommentar da drauf. Aber er bricht es auch ganz konkret, indem er kommerziell ist. Sie macht Ausstellungen. Banksy macht Ausstellungen, bei denen er Eintritt verlangt. Banksy verkauft seine Kunstwerke. Banksy macht eine Menge Geld mit seiner Kunst und Banksy hat aus seiner Kunst auch so eine Art Branding gemacht. Und das ist nicht nur Banksy, das ist Shepard Fairey. Es ist cool, dass der der zweite große prominente Street Artist ist, der damit auftritt. Weil der ist ja genauso. Der macht das ja auch krass. Das sind beides Typen, die es geschafft haben, Street Art zu kommerzialisieren. Und gleichzeitig nach wie vor gegen die Kommerzialisierung von Street Art zu reden und das Ganze nochmal zu nehmen und im ironischen Kontext nochmal rumzudrehen. Und dadurch ist bei Banksy halt immer alles Ironie und immer alles mit doppeltem Boden. Und es ist total schwer, sowohl bei seiner Kunst als auch bei seinen Statements zu sehen, wo Ernst ist. Ja. Und wo Ironie ist. Und das ist halt auch in der Auseinandersetzung mit Harry die ganze Zeit da. Du hast das Gefühl, Banksy bewundert ihn.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: aber Banksy ist auch abgeschreckt von ihm, Banksy macht sich über ihn lustig und es ist halt alles, es sind diese Widersprüche, es sind die ganze Zeit Und das passt natürlich total zu Banksy, weil es einfach ein Künstler der Widersprüche ist. Banksy ist totaler Mainstream und totaler Mainstream-Feind. Und es geht irgendwie zusammen. Und Banksy ist kompletter ... Kapitalismuskritiker und Kunstbetriebkritiker und gleichzeitig ist er kompletter Kommerzialist und Kapitalist, was seine Kunst betrifft. Diese Widersprüche sind einfach da bei ihm. Und die wird er nicht los und deswegen arbeitet er damit, indem er mit Ironie damit spielt.
Johannes Franke: Ja, und Indem er offen bleibt. Er bleibt ja viel, also seine Kommentare sind sehr geprägt davon, dass er den Leuten ihren Raum lässt. Und sagt, okay, du machst das so, ich mache das anders oder jeder soll seinen Weg finden, sein Ding machen, habe ich so das Gefühl. Das liegt da irgendwie drunter. Vor allem was Terry betrifft, obwohl er von ihm genervt ist am Ende und obwohl es scheiße finde. Bei Shepard Ferry habe ich das Gefühl, dass er noch scheiße ist. größere Schwierigkeiten damit hat, was Terry da gemacht hat.
Florian Bayer: Shepard Ferry ist definitiv eher der Elitarist von den beiden. Absolut. Ich finde das richtig zum Kotzen, was Terry da macht. Und Banksy sagt ja, es gibt ja dieses eine Zitat im Film, irgendwann sagt er ... dass er eine Zeit lang dachte, jeder könnte Kunst machen und dann I don't do that anymore.
Johannes Franke: Ich habe immer alle, die ich wusste, um Kunst zu machen. Ich mache das nicht mehr.
Florian Bayer: Das ist natürlich ein höchst ironischer Kommentar, weil er encouraged dann ja Guetta. Also... Die Story des Films ist, es braucht Zeit, um den Film zu schneiden. Und deswegen sagt er zu Greta, hey, geh nochmal zurück nach L.A., mach doch selbst eine Ausstellung, mach doch selbst Kunst. damit er in Ruhe den Film schneiden kann, ohne dass Guetta über die Schulter guckt und nervt. Huerta fühlt sich dazu, berufen Kunst zu machen. Er hat einen Auftrag von Banksy höchstpersönlich gekriegt. Er geht nach L.A. Und er fängt dann halt an, seine Ausstellung zu planen. Life is beautiful. Und ... Dann haben wir diese Interviewfetzen von Shepard Ferry, der die ganze Zeit sich fragt, was passiert da? Und dann haben wir auch Bilder von der Ausstellungsplanung. Dann haben wir ganz viele Leute, die sagen, oh Gott, ich will das nie wieder machen und so.
Johannes Franke: Echt, Mitarbeiter, so genervte Mitarbeiter, weil Terry wirklich, wirklich Er hat nie sowas gemacht, er hat keine Ahnung, wie sowas getimt werden muss, wie die Logistik der ganzen Sachen aussieht. Er ist einfach völlig überfordert mit all dem.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und ich kann es so verstehen, dass man dann da steht und denkt, ja, aber dann fang doch erstmal klein an, miete dir irgendwie zwei kleine Räume und häng da zwei, drei Sachen hin. Aber nein, der hat ein altes TV-Studio gemietet, riesiges Teil und hängt da hoch. hunderte von Dinger rein, die ja gar nicht von ihm sind.
Florian Bayer: Sein Ziel war es, eine Ausstellung zu machen, die mindestens so groß ist wie die von Banksy in L.A.
Johannes Franke: Das hat er auf jeden Fall geschafft.
Florian Bayer: Banksy hat immerhin einen bunten Elefanten, also muss er einen riesigen Roboter da hinstellen, der aus Fernsehern besteht. Aber der Film macht sich über das Ergebnis die ganze Zeit lustig. Oder der Film sagt so ... Findet es witzig, dass dann die Hipster kommen und sagen, oh, das ist große Kunst und das ist cool. Ich würde einen Punkt machen, der Film hat in dem Punkt seinen Sybil selbst nicht verstanden, weil das, was Terry macht, unterscheidet sich nicht sonderlich von dem, was Banksy macht.
Johannes Franke: Das ist jetzt eine große Frage. Das war für mich ein großer Punkt, über den wir unbedingt reden müssen. Wie unterscheidet sich die Kunst von Terry von der von Banksy, von Shepard Fairey oder von Andy Warhol und so weiter?
Florian Bayer: Also gerade von Andy Warhol und Banksy in keinem Punkt. Bei Kunst ist alles Geschmacksfrage. Und dann kann man nochmal über Methodik diskutieren und da macht... Da macht er dann als Mr. Brainwash, wie er sich dann nennt, alles das, was die auch machen. Er macht... Kunst nicht selbst, sondern hat ein Team, das für ihn arbeitet. Das hat auch Wall gemacht. Auch Andy Wall hatte seine Factory. Und auch Banksy hat sein Banksy-Team, die Kunst machen. Auch Banksy macht Drucke von Sachen und verkauft dann Kunst, die nicht unikat ist, sondern wo es von 50 Kopien gibt. Einmal in rosa, einmal in gelb. Das machen die auch alles. Meine These ist, Terry Grettas Kunst ist ... Genau die Kunst, die man erwartet, die in so einem Kontext entsteht. Und es ist nicht schlechter als die Kunst von Banksy. Und der Film muss sich darüber lustig machen, der Film muss das die ganze Zeit ironisieren und die genervenden Mitarbeiter zeigen. Und nochmal die Hipster zeigen und sagen, guck mal, die finden, das ist eine Revolution und so weiter, die Idioten. Weil, das ist die einzige Möglichkeit, wie er der Wahrheit entgehen kann, dass hier genau dasselbe passiert, wie das bei Banksy passiert.
Johannes Franke: Ich glaube... Dass du auf einer anderen Ebene bist als Banksy an der Stelle, wo er sich darüber lustig macht. Bei dir geht es jetzt gerade vor allem darum, dass Terry alles kommerzialisiert. Ja. Er schafft irgendwelche Kunstwerke und das ist schon ein Stretch. Das sind Kunstwerke. Ja gut, okay. Hängt ihr irgendwo hin, darüber reden wir noch. Ja. hängt ihr irgendwo hin und verkauft sie. Genau. Das macht Banksy auch. Worum es Banksy geht, ist die Ebene des Prozesses des Schaffens der Kunst in the first place. Es geht ihm darum, dass andere, und das sagt er ja explizit, andere jahrelang Nach ihrem Stil suchen, nach ihren Möglichkeiten sich auszudrücken, nach Inhalten, nach der Botschaft, die sie vermitteln wollen und Terry hat all das einfach übersprochen.
Florian Bayer: Ja, natürlich ist es ein Kondensat von dem, was da passiert, aber letzten Endes... Hat er es gemacht, halt nur in sehr kurzer Zeit. Er hat sich inspirieren lassen von anderen Künstlern. Macht Banksy auch. Banksy ist so krass von der Popart von einem Andy Warhol inspiriert. So stark von der Streetart eines Keith Haring. Das ist... auch so. Künstler werden inspiriert. Und ja, ich weiß, es ist eine harte Wahrheit, das zu sagen, aber die Kunst von Terry Guetta ist genauso viel wert wie die Kunst von Banksy. Nicht auf dem Papier, aber das ist, weil der Kunstbetrieb ein Snob ist. Ja. Ja.
Johannes Franke: Also auf eine bestimmte Art und Weise gebe ich dir vollkommen recht. Deswegen habe ich es ja auch aufgeschrieben, weil ich gedacht habe, okay, wir müssen unbedingt darüber reden, ob das jetzt wirklich schlechter ist als uns.
Florian Bayer: Natürlich kommen wir dann zu der Geschmacksfrage, aber Banksy als Kitsch zu bezeichnen ist nicht sonderlich schwierig. Banksy toll, ich liebe Banksy-Kunstwerke, aber ich kann jeden verstehen, der sagt, Banksy ist voll kitschig. Es gibt so viele Oder wenn niemand sagt, Banksy ist oberflächlich in seiner Gesellschaftskritik. Banksy macht sehr plumpen Symbolismus. Es ist nicht schwierig, Kunstwerke von Banksy zu sehen und zu sagen, das ist eigentlich billiger Schrott, der Kunst sein will und der einfach Glück hatte, dass er gehypt wurde. Kann man nachvollziehbar argumentieren, dass man das kacke findet?
Johannes Franke: Dafür ist mir zu viel... Dafür sind mir dann doch ein bisschen zu viele Ebenen drin in dem, was Banksy macht. Also es ist nicht in jedem Kunstwerk, manche sind recht eindimensional, aber es gibt dann doch zu viele mehrdimensionale Werke dazwischen. Und ich finde, im Gegensatz zu Terry, dem, was ich von Terry gesehen habe, steckt bei Terry das bisschen Gedanken, den wir auf jeden Fall bei Bank sie sehen. Egal, ob man sagt, dass es auf der Oberfläche bleibt oder nicht, aber er hat dann zumindest einen Eingangsgedanken, den er vielleicht nicht mit vielen Layern versehen hat. Aber den sehe ich bei Terry nicht. Ich sehe bei Terry nur rein grafisch die Lust am Mashup. Aber ich sehe nicht... Die Botschaft.
Florian Bayer: Wie ist die Botschaft? Die Botschaft ist, ich bin Mr. Brainwashed, wir sind alle brainwashed. Die Gesellschaft ist durch.
Johannes Franke: Was ist das für eine...
Florian Bayer: Natürlich, das ist vollkommen plump.
Johannes Franke: Aber das ist das, was er sagt. Aber das ist nicht mal das, was in den Kunstwerken steckt. Das stimmt ja gar nicht. Es gibt diesen Fernseherroboter, dem gebe ich das. Das finde ich tatsächlich das Beste von der ganzen Ausstellung, muss ich sagen. Und das ist plump. Aber es gibt so viele Mash-Ups zwischen Leonard Nimoy und Marilyn Monroe und Anleihen von, oder Ripoffs von Andy Warhol. die für mich überhaupt nichts mit Brainwash zu tun haben, was er mir auch nicht verargumentiert, weil er wird ja gefragt. Es ist ja nicht so, dass ich vielleicht davor stehe und das nicht selbst sehe, aber dann der Künstler kommt und sagt... Das ist mein Gedankengang und ich dann verstehe. Er wird ja gefragt und er gibt mir keinen Gedankengang.
Florian Bayer: Okay, aber das hast du auch bei tausenden abstrakten Künstlern und Popartists, dass sie gefragt werden, was bedeutet ihre Kunst und entweder sagen sie... Ich antworte nicht. Das kann ich auch. Dass Sie reden um den heißen Prei, gibt es ja auch oft genug, um sich zu verwirren. Aber das ist bei...
Johannes Franke: Weil Terry versucht ja ernsthaft was zu finden. Er versucht ja ernsthaft zu verkaufen, was das ist. Aber es ist nur Scheiße, was dabei rauskommt.
Florian Bayer: Nein. Wenn ich andere Künstler über ihre Kunstwerke höre, was sagen höre, dann höre ich ganz oft genau dasselbe Kauderwelsch und genau denselben Müll. Ich glaube, du gehst ein bisschen dem Film... auf den Leim. Ich glaube, du gehst der Narration des Films auf den Leim.
Johannes Franke: Das ist billig, Flor. Das ist jetzt sehr billig von dir.
Florian Bayer: Ich glaube, du fällst da rein. Der Film... Natürlich inszeniert der Film das so, dass du genau darauf sollst dir gestoßen werden. Lass dich nicht von dem Film verarschen.
Johannes Franke: Nein, nein, nein.
Florian Bayer: Pass auf. Man guckt sich diese Merlin-Monroe-Meshups an. Das kann man doch wunderbar als ... als Kommentar zur Pop-Art, zur Pop-Kultur und zur Vermischung von Kunst und Kultur. und E- und U-Kunst im 21. Jahrhundert lesen. Du kommst, also ... Weißt du, das ist inhaltlich mit Sicherheit nicht flacher als das Ballonmännchen von Banksy. Was ist das Ballonmännchen von Banksy?
Johannes Franke: Über den Ballonmädchen von Banksy bin ich ein bisschen überfragt. Was ist der... Ich finde die Mehrdimensionalität... bei Banksy zum Beispiel in dem Bild, was auch relativ platt einfach gemacht ist, auf dem Grenzstreifen wo diese Mauer ist, diese Mauer ist im Gazastreifen glaube ich das, ne? Und dann der Ausblick ins Paradies. Und die Kinder davor, die da spielen oder was das ist. Ist an sich... Hat keine 20.000 Layer, aber es ist thought-provoking.
Florian Bayer: Es ist ein Layer. Aber es ist genauso wenig thought-provoking wie jemand, der sagt, make love, not war. Mehr ist das auch nicht. Und zum Beispiel... Nein, okay, okay. Die Zähne aus Pipe Fee. Du gibst ihnen statt Pistolen Bananen in die Zähne. Sag mir die tiefere gesellschaftspolitische Ebene, die Bank sie damit entwirft. Die tiefer ist als das, was Mr. Brainwash mit seinen Melon-Monroe-Bildern macht.
Johannes Franke: Okay, ich ziehe das zurück. Also sowieso mit den Layern und so. Aber es stimmt, es ist nicht thought-provoking, sondern es ist ... Es bringt Emotionen hoch.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Ich mag das Bild ja auch total.
Johannes Franke: Und bei Terry hat nichts davon Emotionen geweckt.
Florian Bayer: Okay, dann bist du aber rein subjektiv, ne?
Johannes Franke: Da bin ich dann an der Stelle wie bei meinen anderen ganzen Filmkritiken, wo du immer sagst... Aber das ist ja nicht die einzige Ebene. Film ist ein visuelles Medium. Ja, ja, schon richtig. Aber ich will ja emotional gepackt werden. Und das schafft Banksy und das schafft Terry nicht.
Florian Bayer: Ich glaube, das liegt am Kontext. glaube, du könntest, wenn du das umdrehen würdest und Banksys Bilder würden in diesem Film als das ironische, lustige gezeigt werden und Mr. Brainwash wäre der, der den Film funktioniert hätten. Wenn du vorher diese Kunst gemacht würdest, würdest du das genauso sehen.
Johannes Franke: Was findest du an Banksy gut? Du hast gesagt, du findest Banksy gut.
Florian Bayer: Ich find Banksy gut. Ähm, nein, ich find Banksy spätestens Er spielt sehr gekonnt mit dem Medium, indem er einfach ironisiert, wie Kunst kommerziell kitschig und gleichzeitig doch immer ein bisschen tiefergehend ist. Das gelingt ihm äußerst gut und er hat damit einfach so ein paar wirklich krass ikonische Bilder gemacht, die vor allem die richtige Mischung mitbringen aus Naivität und absurdem Humor und Gesellschaftskritik. Das sind meine Lieblingsbilder von ihm. Und nebenbei finde ich es halt auch toll, wie er manchmal rumspielt. Aber ich finde, Banksy ist oft einfach nur Eskapist. Und ich habe nichts gegen Eskapismus. Aber Banksy ist oft jemand, bei dem Kunst vor allem einem Selbstzweck dient.
Johannes Franke: Okay, und Terry, jetzt der Gegensatz?
Florian Bayer: Terry spielt auch ganz doll damit. Terry macht genau das ... Terry macht das, was Banksy macht, auch. Terry hat eine komplette Ironisierung von dem Kunstgedanken. sowohl was Einzigartigkeit von Kunstwerken betrifft, was den Popcharakter von Kunstwerken betrifft, was das Spiel betrifft von Kunst mit Albernheiten. Und das ist, finde ich, eine der großen Errungenschaften der Post, Postmoderne meinetwegen oder wie auch immer, wie die Zeit, die künstlerische Periode heißt, in der wir uns gerade befinden. dass sie dieses Spiel erlaubt und dass Kunst auch wieder verspielt und wieder albern sein darf. Nachdem wir die ganze Zeit diese bedeutungsschwangerheit, das Bedeutungsschwangere der Moderne mit uns mitgetragen haben und jedes Kunstwerk war komplett aufgeladen und Konnte interpretiert werden, musste was bedeuten. Und so finde ich es schön, wieder so ein bisschen zurückzufinden zum Art Deco. Zum Ästhetizismus. Zu einer Kunst, die auch ein bisschen um sich selbst kreisen kann. Und dabei aber nicht mal so sich... nicht mal so sich akademisch reflektiert, sondern auch einfach Kunst aus Kunst entstehen lässt und dabei Spaß macht, um es ganz banal zu sagen. Banksy macht Spaß. Kunst darf wieder Spaß machen. Und Mr. Brainwash macht auch verdammt viel Spaß.
Johannes Franke: Okay. Also. Ich habe ja diese Fragen nicht umsonst aufgeschrieben. Noch viel mehr Fragen, die ich dir auch alle vorlesen werde. Weil genau das passiert ist, was du die ganze Zeit hier versuchst, aus mir rauszuholen noch. dass ich gedacht habe, scheiße, was ist denn mein Bild von Kunst? Muss... der Künstler jahrelang gelitten haben, damit das Werk, das am Ende rauskommt, gut ist. Ist das das, was wir als Gesellschaft denken, was Künstler ist oder was Kunst ist? Oder muss jemand jahrelang geschuftet haben dafür? Muss er selbst... Hand angelegt haben oder dafür auch andere Leute beauftragt haben? Ist es dann weniger Kunst oder mehr Kunst? Wie viel Handwerk gehört also da rein? darf er für eine Ausstellung, seine erste Ausstellung, innerhalb von wenigen Wochen hunderte von Werken erschaffen. Und kann dann jedes einzelne Werk tatsächlich Kunst sein? Das sind so Sachen, wo ich denke ... Fuck, das macht bei mir einen Knoten im Kopf, weil ich von einem ganz anderen Kunstverständnis oder einem ganz anderen Entstehungsverständnis für Kunst aufgewachsen bin. Aber natürlich... Man ja Kunst keinen Entstehungsprozess aufstülpen darf oder sagen darf, so darf Kunst nur entstehen. Das ist ja völliger Quatsch. Ja.
Florian Bayer: Zumal, wenn du dann, dann kommst du ja wirklich in die Verlegenheit, wenn du den Kontext nicht weißt, dann hast du zwei Kunstwerke. Du hast zwei Bilder, guckst die beiden an und dann wirst du gefragt, Regis, gefällt dir besser? Und du sagst, das Rechte. Das hat toll, großartig, Farben, die sind bullig und so weiter. Und dann sagt jemand, das ist von meinem dreijährigen Kind. Hat es in einer Minute gemalt. Und Links, das du total scheiße fandst, ist 100 Jahre alt und hat vor kurzem 10 Millionen bei einer Versteigerung geendet.
Johannes Franke: Ein sehr realistisches Szenario, muss man sagen.
Florian Bayer: Absolut. Und dann änderst du dann dein Urteil? Trotzdem ist es immer noch dasselbe Bild, was du schön fandst. Und damit musst du leben. Und das ist das Wesentliche, dass die Kunstbewertung halt in der Rezeption einsetzt und die ist natürlich subjektiv. Man kann versuchen, man kann objektifizieren, warum man etwas schön findet oder warum man etwas bedeutend findet, warum man etwas großartig findet, aber letzten Endes... geschieht es in der Rezeption. Und dabei spielt es keine Rolle, ob ein Werk in einer Minute entstanden ist oder in zehn Jahren. Das ist natürlich hart für die Kunstschaffenden. Okay. Weil natürlich will die Person, die zehn Jahre an ihrem Werk getüftet hat, will besser dastehen, als der, der mal so ein paar Kleckser aufs Papier gebracht hat. Aber hier ist der Blick des Rezipienten unbestechlich, es sei denn, er wird manipuliert und das wird er ja in der Kunstrezeption permanent durch die Preise auf den Markt. Durch das Feuilleton, durch das Reden über Kunst. Und das ist ja auch okay, der Kontext gehört ja auch irgendwie mit dazu zur Kunstrezeption.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und der Kontext verändert die Kunstrezeption. Das ist so, wie wenn man Wein aus einem Glas trinkt, das aus einer Flasche eingeschenkt wurde. Schmeckt besser, als wenn aus einem Tetra Pak eingeschenkt wurde. wenn es der gleiche Wein ist. Das heißt, es spielt irgendwie eine Rolle, der Kontext. Aber wie arbitrier das ist, wird halt klar, wenn du den Kontext entfernst und dann findest du halt das Bild von... deiner dreijährigen Nichte schöner als das Kunstwerk, das zehn Jahre Entstehung braucht. Hart für die Kunstschaffenden natürlich, aber das ist die Realität von Kunstwahrnehmung. Das ist die Realität von subjektiver Wahrnehmung.
Johannes Franke: Und deswegen... Darf ich Terry verachten?
Florian Bayer: Du verachtest ihn? Das ist aber hart.
Johannes Franke: Nein, tue ich nicht. Aber ich dürfte ihn sozusagen verachten, weil ich einen Kontext habe, der mir sagt, das geht nicht.
Florian Bayer: Und aus dem Kontext kommst du auch nicht raus. Das ist natürlich das Problem bei Kunstrezeption. Du Kunst wirklich unbedarft anzugucken, gelingt nur selten. Gelingt fast nie. Man müsste mal so was machen, so eine Website, die einem random Bilder zuwirft und dann darf man die bewerten. ohne irgendwas dazu zu wissen. Aber ansonsten hast du ja, sobald ein Bild in der Galerie hängt, hast du ja schon einen krassen Kontext. Ja, na klar. Und wenn ein Bild im Wohnzimmer deines Erzfeindes hängt, dem du nachsagst, dass er keinen Geschmack hat, dann kann das noch so cool sein, das Bild. Du verachtest es erst mal. Der Kontext ist sehr stark, aber ja, und der Kontext kann einen auch manipulieren. Und ich glaube, der Film ist natürlich enorm viel Kontext. Auch wie der Film Street Art bewertet und auch wie der Film seine Street Artists bewertet, der... Der Shepard Fairey wird ja so ein bisschen hochgehalten als der Original Gangster, Street Artist, der das total kacke findet mit der Kommerzialisierung. Gerade der wird ganz stark kritisiert in der Street-Art-Szene wegen einiger Sachen, die er gemacht hat. Sein berühmtestes war ja nach dem Film das Obama-Bild. Das ist ja so sein großes Kunstwerk. Und der hatte rechtliche Streitigkeiten. Weil er dieses Android-the-Giant-Bild genommen hat. Und dann hat er aber gleichzeitig angefangen, Leute zu verklagen, die angeblich Copyright-Infringement gemacht haben. Und der ist hoch umstritten in der Szene. Und viele sehen in ihm das, was er wiederum in Terry sieht.
Johannes Franke: Ja. Jaja, was ich spannend finde ist, dass Banksy in seiner Ironisierung mit allem und mit seiner... einer relativen Lässigkeit mit den Dingen umgeht, tatsächlich in der Lage ist, zwar zu sagen, er findet das nicht gut, dass Terry diese Abkürzung genommen hat. Aber man spürt die ganze Zeit durch, dass er einen gewissen Respekt dafür hat, dass das passiert. Und dass er ihn dafür feiert, dass er den Hipstern in L.A. dann noch eine Million aus den Taschen gezogen hat. Also ich finde die Haltung lässig, weißt du?
Florian Bayer: Ganz ehrlich, mich würde es nicht überraschen, wenn in zehn Jahren oder meinetwegen auch jetzt irgendwann mal rauskommt, dass einige der Kunstwerke, die bei der Terry-Ausstellung waren, von Banksy stammen. Dass er ihm die geschickt hat und gesagt hat, mach die auch noch mit rein. Und dann ist nämlich ... Dann ist nämlich der Joke on us. Die Hipster, die das Bild gekauft haben, über die wir uns lustig gemacht haben, haben plötzlich ein Kunstwerk in der Hand, das 10 Millionen Dollar wert ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Das kann ich mir total gut vorstellen. Ich bin sogar ziemlich davon überzeugt, dass einige von den Ausstellungsstücken von Banksy kommen.
Johannes Franke: Der Diskurs ist ja so weit, dass man noch einen Schritt weiter geht und überlegt, ob das ganze Ding von Banks hier ist.
Florian Bayer: Das ist Bullshit, das glaube ich nicht. Ich glaube, Terry Guetta existiert wirklich. Du hast ja schon zitiert, es gibt die Recherchen.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und es gibt einiges, was darauf hinweist, dass vieles, was er erzählt hat, so stimmt. Und die Bilder geben das ja auch irgendwie her. Sowas fakest du nicht einfach so. Also diese Home-Videos mit seiner Lebensgeschichte drin quasi.
Johannes Franke: Es gibt allerdings einen Punkt im Film, an dem es tatsächlich abbiegen könnte. In so eine Prankumentary, wie das LA Times einmal genannt hat. in der zwar die Vorgeschichte von Terry stimmt, aber man sich vorstellen kann, dass... Banksy irgendwann zu Terry gesagt hat, komm, lass uns mal Folgendes machen. Ich mach dir einen Haufen Kunstwerke. Und wir ziehen das so auf, wie es im Film dann zu sehen ist, dass wir dich innerhalb von Sekunden hochziehen, innerhalb kürzester Zeit, Die Leute kaufen einen Haufen Zeug und dann bringen wir diesen Film raus und zeigen ihnen, dass sie eigentlich keine Ahnung von Kunst haben und dass es alles nur eine Frage des Marktes ist.
Florian Bayer: Ja, aber es ist ja tatsächlich, war das ja eigentlich nicht das Ergebnis, weil Terry hat ja danach noch einiges an Kunst gemacht und der hat ja auch
Johannes Franke: Er kann natürlich die Kunst der Stunde genutzt haben und gesagt haben, okay, dann ziehe ich das jetzt weiter durch, weil es bringt ja Geld rein.
Florian Bayer: Ja. Er hat doch sogar, hat er nicht für Madonna zum Beispiel einen Plattenkamer gemacht? Ja, genau. sagt, ich finde seine Kunst ist auch zu gut dafür. Der Witz funktioniert nicht, weil seine Kunst eigentlich zu gut ist. Und ich glaube auch nicht, ich weiß nicht, ob der Film unbedingt diesen Witz machen wollte. Ob das unbedingt das ist, was da letzten Endes drin liegt, weil seine Kunst ist eigentlich zu... Gut dafür.
Johannes Franke: Also ich glaube es auch nicht. Also überhaupt nicht. Ich finde bloß spannend, dass diese... Diese Idee rumgeistert. Dass man damit spielt und überlegt, ob das wirklich ein großes Gedankenmonster von Banksy ist.
Florian Bayer: Banksy hat ja selbst zu dem Film gesagt, auf die Frage, was es bedeutet, dann so, maybe it means art is a bit of a joke. Weil er darüber nachdenkt, dass er den Witz über Kunst gemacht hat und es wird dann ja ganz viel drüber reflektiert, wer ist jetzt eigentlich der Verarschte? Und dann sagt irgendjemand auch, ich weiß gar nicht, ob es da überhaupt einen Witz gibt. I don't know if there is a joke. Und Banksys Kommentar, dass vielleicht Kunst an und für sich ein bisschen Witz ist. Zumindest was dieser Kunstbetrieb. Genau. Das ist ja naheliegend darüber auch so, das ein bisschen mitzukommentieren und gerade Banksy, der seit ein paar Jahren dann da halt drin ist und feststellt, dass es absurd ist, wie der Preis Preise entstehen und wie bei Auktionen Preise entstehen und wie die Galerien die Preise machen und wie man das befeuern kann. Und da ein bisschen mitzuspielen und ein bisschen auch Spaß dran zu haben, finde ich naheliegend. Und es gelingt ihm dann ja auch. Wenn alles stimmt, was du sagst, beziehungsweise wenn Terrys Kunst einfach Rotz ist, dann ... Stimmt alles, was gesagt wird über den Kunstbetrieb, weil dann wird für Rotz einfach Geld bezahlt.
Johannes Franke: Ich glaube, dass es gehypt genug ist. Das ist eine Frage der, und jetzt Achtung unser Lieblingswort, Ambiguitäts-Dollaranz.
Florian Bayer: Ja, wahrscheinlich.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist gleichzeitig, also für mich gleichzeitig Rotz, aber auch Kunst, für die bezahlt wird. Und die aber auch einfach im Auge des Betrachters liegt. Wenn jemand dahin geht und es wirklich gut findet und es kauft... Vollkommen okay, vollkommen in Ordnung und der Kunstbetrieb ist trotzdem gleichzeitig da und ruft idiotische Preise für idiotisches Zeug auf.
Florian Bayer: Ja, was halten wir denn vom Kunstbetrieb? Ich meine, Künstler müssen leben. Künstlerinnen und Künstler müssen für ihre Arbeit Geld verdienen.
Johannes Franke: Und deswegen finde ich... Banksy vollkommen in Ordnung mit seiner Art und Weise, damit Geld zu verdienen. Künstler müssen nicht darben dafür, dass sie Kunst betreiben.
Florian Bayer: Ja, das ist albern. Das ist das Klischee vom armen Künstler. Da sollten wir längst drüber hinweg sein.
Johannes Franke: Genau. Und deswegen finde ich auch, dass es vollkommen in Ordnung ist. Wenn er mit seinen Sachen, die er gemacht hat, mit denen er bekannt geworden ist, auch Ausstellungen veranstaltet und einen Eintritt nimmt. Warum nicht? Vollkommen okay. Solange er, selbst das vollkommen wurscht, wenn er irgendwann anführen würde, auf der Straße Kunst zu machen, dann ist er halt kein Street Artist mehr, sondern anderer Artist.
Florian Bayer: Und dann ist die Frage, es ist eine Art von Horchelei, wenn er gleichzeitig die ganze Zeit sich über den Betrieb lustig macht?
Johannes Franke: Nein, jeder darf sich über alles lustig machen.
Florian Bayer: Nicht, ob er es darf, sondern es ist Heuchelei.
Johannes Franke: Nee, überhaupt nicht. Weil er nutzt nur die Mechanismen, die schon da sind. Und wenn er sich gleichzeitig noch darüber lustig machen kann und es trotzdem weitergeht für ihn, dann Glückwunsch. Ja, also es ist ja nicht so, dass er derjenige ist, der dafür sorgt, dass der Kunstbetrieb überhaupt existiert. Wenn er ihn erst institutionalisieren würde, um sich dann darüber lustig zu machen, dann wäre es Heuchelei.
Florian Bayer: Es gibt halt diesen Moment, wenn jemand die ganze Zeit drüber schreibt, wie ätzend... Ratgeberliteratur ist und das dann als Ratgeberliteratur herausbringt, dann gibt es halt diesen Moment, wo man sich einmal fragen muss, echt? Und so ein bisschen macht Banksy das ja auch. Er lebt auch davon, dass er sich über den Kunstbetrieb lustig macht. Und gleichzeitig lebt er sehr gut von diesem Kunstbetrieb und auch an diesen absurden Preisen. Und sowas wie zum Beispiel dieses sich selbst schreddernde Ballonmädchen. Das hat ja allein durch diese Schredder-Aktion hat das Kunstwerk ja im Preis sich verfünffacht.
Johannes Franke: Es wurde geschätzt, 50 Prozent des Wertes sind nochmal draufgekommen.
Florian Bayer: Genau. Und dann ist natürlich dieses Narrativ, ey, und Hiermit wollte ich zeigen, wie albern das ist, weil ich mach's kaputt und dann hast du viel was ausgegeben, was nur Müll ist. Weißt du, das zieht dann auch nicht mehr. Das zieht natürlich nicht mehr. Kunstwerk, ist es jetzt kaputt dadurch, dass es an Wert gewonnen hat?
Johannes Franke: Aber das Problem ist, du kommst da aus der Nummer nicht raus.
Florian Bayer: Natürlich kommst du da nicht raus. Scheiß Banksy.
Johannes Franke: Also er kann machen, was er will. Das funktioniert nicht. Er kann den Kommentar machen. Aber ihm muss auch klar sein, dass das keine wirkliche kritische Relevanz mehr hat, weil es einfach sich Selbstadaptionen umführt.
Florian Bayer: Das Kunstwerk ist dadurch auch zu kitsch geworden, finde ich. Dadurch, dass der Galeriebetreiber dann gesagt hat, oh, wir wurden wohl alle gebankst sieht. Das, finde ich, ist der Moment, wo dieses Werk, das Ballonmädchen, das geschreddert wurde, zu kitsch wird.
Johannes Franke: Ja, das ist wie... Durch den Kontext übrigens. Ja, genau. Es ist wie wenn Jugendwörter in eine mit Mitte 30-Jährige dann benutzen und du dann denkst als Jugendliche... Gut, dieses Wort ist tot. Das benutze ich nicht mehr. Also... Ich glaube, Banksy Kanda hat da nur einen relativ geringen Spielraum. Und für diesen Spielraum, den er noch hat... Verhält er sich ziemlich geil damit, finde ich.
Florian Bayer: Er spielt auf jeden Fall damit und das ist wichtig. Ich gebe dir vollkommen recht. Es ist so ein bisschen ausweglos für ihn. Er macht das Beste draus. Und das ist natürlich auch das, was dazu geführt hat, dass er so populär wurde, dass er halt irgendwie ein echt gutes Gespür dafür hat, was coole, witzige Aktionen sind, die trotzdem auch so ein bisschen provozieren und auch ein bisschen zum Nachdenken über den Kunstbetrieb... bringen und über den Sinn von Kunst im Allgemeinen und so weiter. Er hat ja schon geile Sachen gemacht. Und dann kann man ihm natürlich nicht böse sein deswegen, weil er hat wirklich mit diesem Spiel witzige Sachen gemacht und die sind dann manchmal vielleicht ein bisschen oberflächlich. Aber es ist halt tolle Kunst trotzdem.
Johannes Franke: Würdest du dir den Terry in die Wohnung hängen? Also einen Mr. Brainwash.
Florian Bayer: Ja, ich kann mir überlegen, bestimmt. Es gibt bestimmt Mr. Brainwash, den ich... Ich google einmal kurz Mr. Brainwash und guck mal nochmal so drüber. Also, es ist jetzt nichts, was ich so... Total, absolut geil finde. Aber doch, ich mag Streetart und ich mag es auch irgendwie, Streetart in der Wohnung hängen zu haben. Ich habe auch ein Maxi in der Wohnung hängen.
Johannes Franke: Hast du?
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Ach, das Mädchen hast du da mit den Ballons, oder?
Florian Bayer: Nee, nee, ich hab so ein ... So eine Collage? Ich glaube, man könnte es als Kitsch bezeichnen. Und ich habe auch tatsächlich noch so ein Bild von einer südamerikanischen Street Artist. die so ein Mädchen zeigt, das Farbe an die Wand wirft mit einem Eimer. Ja, ich glaub, ich würd mir Und müsste der Brainwash in die Wohnung hängen? Ich weiß nur nicht, was genau. Ich finde tatsächlich diese Malin-Monroe-Meshups, die ich so verteidigt habe, gefallen mir am wenigsten. Die sind sehr zentral in seinem Werk. Aber ich würde was von ihm finden, was mir gefällt. Also daran zweifle ich nicht. Ich fand auch so bei der Ausstellung, als du manchmal so drüber gegangen bist, waren so echt so ein paar Sachen, wo ich dachte, ja, das ist gut, das gefällt mir. Streetart, die in eine Galerie gewandert ist.
Johannes Franke: Ja. Aber ist er Streetart? Das weiß ich auch nicht so genau einzuschätzen. Das kann ich mir nicht... So wie er es gemacht hat, so wie er es aufgezogen hat, es ist ja nicht auf der Straße passiert.
Florian Bayer: Er hat ja auch im öffentlichen Raum sein Life is Beautiful und sein Mr. Brainwash-Dinger verteilt.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, aber... Dann fällt ja dann mehr unter Werbung.
Florian Bayer: Ja, die Arbeitsweise ist halt auch sehr ähnlich, dass er diese Werkstatt hat, wo er die Schablonen herstellt und dass er so sich... So eine spezifische Art von Vervielfältigung. Das ist vielleicht Urban Art, keine Ahnung. Das ist eigentlich nur ein anderes Wort für Street Art. Ich glaube schon, dass es so zumindest diesen Streetart-Gedanken irgendwie in sich trägt. Und allein schon wegen seiner Referenzen. Es sieht halt auch alles aus wie Banksy, was er macht.
Johannes Franke: Ich finde, Banksy's Stil hebt sich schon sehr ab davon und ist auch... Ja, ich finde Banksy tatsächlich einfach viel, viel besser als Terry. Aber das ist vielleicht wirklich eine persönliche Sache. Und...
Florian Bayer: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein.
Johannes Franke: Nein!
Florian Bayer: Shit! Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Besprech können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder
Florian Bayer: Oder iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer. euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter.
Johannes Franke: Boah, wir sind schnell durchgekommen.
Florian Bayer: Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch.
Johannes Franke: Ich würde gerne noch kurz auflösen, was diesen Gedanken betrifft, ob das von Banksy ein Elaborate Joke ist. Es gibt nämlich diesen Joachim Levy. Diesen Swiss Filmmaker, mit dem Terry an seiner Version dieses Films geschnitten hat, bevor dann Banksy übernommen hat. Der hat nämlich gedroht, Banksy zu verklagen und seine Identität preiszugeben. Wenn er nicht Geld dafür bekommt, dass er eigentlich Contributor ist für diesen Film. Weil er ja damit gearbeitet hat mit Harry. An der ganzen Geschichte. Und der wurde auch interviewt und der meinte, was ihr im Film seht, ist mostly correct. Und dem würde ich einfach mal Glauben schenken.
Florian Bayer: Genau, wenn der Feind es schon sagt. Ja, genau. Das wäre die Gelegenheit gewesen, ihm eins auszuwischen.
Johannes Franke: Genau. Und Terry und Banksy, also zumindest Terry sagt es, sind weiterhin Freunde.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und Terry fühlt sich nicht jetzt irgendwie schlecht dargestellt oder sowas, sondern sagt, so ist halt passiert. Ist schon okay und hat keinen Grudge jetzt Banksy gegenüber oder so. Und er creditet Banksy dafür, dass er ihm geholfen hat, von seiner Obsession mit der Kamera ein bisschen umzulassen. Ja.
Florian Bayer: Dafür hat er eine neue Obsession entdeckt. Okay, wollen wir Wollen wir mal in unsere Top-Liste springen, wo wir gerade so anschließend an das große Kunstthema...
Johannes Franke: In das andere große Kunstthema. Erstmal Jingle. Unsere Top 3. Ich habe eine Top 3 bildende Künstler der letzten 70 Jahre. Um mal so ein bisschen aus unserer typischen Top 3 des Filmischen herauszukommen, weil ich dachte, mich interessiert einfach sehr... Was du so für Künstler spannend findest, die so diese gleiche Schiene wie Banksy quasi... Bedienen in den letzten 70 Jahren ist ja sehr viel Modernes, was ich eher so schwierig finde. Was ist denn Gutes so in der Welt?
Florian Bayer: Ich hab überhaupt keinen Street Artist dabei. Also ich hab einen Street Artist bei den Honorable Mention. Und du bringst mich damit tatsächlich auch so ein bisschen in Verlegenheit, weil Bildende Kunst gar nicht so mein Steckenpferd ist. Also ich kann sagen, was ich gut finde und was ich schön finde oder interessant finde. Aber ich bin nicht so auf dem Laufenden, was bildende Kunst betrifft. Also ich kenne Namen, die ich cool finde.
Johannes Franke: Das Spannende ist, ich habe mir dieses Ei auch selbst gelegt. Nicht nur dir, weil ich dann festgestellt habe, ach du Scheiße, Wen finde ich denn so geil in den letzten 70 Jahren? An bildenden Künstlern. Und zur bildenden Kunst gehört ja nicht nur... Ölgemälde oder Zeichnungen, sondern irgendwie einfach auch Performance Art würde auch dazu gehören.
Florian Bayer: Würdest du Performance Art zu den Bildern? Okay, interessant.
Johannes Franke: Installation, Architektur, Design vielleicht.
Florian Bayer: Und du wolltest Geheimtipps, ne?
Johannes Franke: Und ich wollte theoretisch, ich habe aber Geheimtipps in Anführungsstrichen gesetzt.
Florian Bayer: Okay, ich habe nämlich tatsächlich dann nochmal geguckt, was es gibt, weil ich habe tatsächlich meine langweiligen Antworten, deswegen Geheimtipp funktioniert, In dem Fall dann nicht. Meine langweilige Antwort wäre, Gerhard Richter finde ich tatsächlich total großartig. Habe ich jetzt nicht in der Liste, weil das nicht Geheimtipp ist.
Johannes Franke: Das darfst du gerne mit reinnehmen, Gerhard.
Florian Bayer: Nein, ich bin ganz glücklich mit meiner Geheimtipps.
Johannes Franke: Also ich habe Schwierigkeiten gehabt tatsächlich, weil ich gemerkt habe, ne, die sind alle schon viel länger tot. Die ich reifende, weißt du? Und ich mit moderner Kunst, das es ja nun ist, mit Keith Haring kann ich auch nicht so wahnsinnig sein.
Florian Bayer: Keith Haring ist kitschig. Keith Haring mag ich überhaupt nicht.
Johannes Franke: Das sind so die... Der ist noch einigermaßen gefällig, wo man sagt, okay, das kann man irgendwie wahrnehmen. Dann habe ich nach Comic-Leuten gesucht. Crump oder sowas. Da bin ich kein großer Fan von. Weißt du, das finde ich nicht so richtig geil, aber interessant irgendwie. Ja. Aber das hat's dann auch nicht in der Liste geschafft. Und dann wurde es immer enger.
Florian Bayer: Ja, ne, die würde ich auch ... Comic, fände ich, ist irgendwie noch mal was anderes. Ich hab's tatsächlich ... Ich hab Bildende Künste sehr ... Wörtlich genommen und beschränkt auf Gemälde, Installation. Und ich habe auch tatsächlich einen Maler dabei und zwei Installationskünstlerinnen. Beziehungsweise eher Plastik, Skulptur, also Installation wäre schon fast zu viel gesagt.
Johannes Franke: Dann ahne ich, wer da mit dabei ist. Jetzt bin ich mal gespannt.
Florian Bayer: Nee, ich glaube, also... Naja gut, ich habe nämlich wirklich nach Geheimtipps geguckt. Ich habe geschaut, was mich so in den letzten... zehn Jahren an Kunst begeistert hat und was ich irgendwie mal notiert habe und so cool und so. Und das sind tatsächlich, glaube ich, wirklich unbekannte Sachen. Mein Platz drei, den einfach zum Eskapismus, ich bin wirklich am Herzen, den aufzunehmen, ist John Bramlett, ein texanischer Male.
Johannes Franke: Okay, ich google gleich live mit John B. B-R-A-M-B-L-I-T-T.
Florian Bayer: Ein texanischer Maler, der vor sieben Jahren, vor zehn Jahren, vor 15 Jahren erblindet ist. Und der dann irgendwann, um aus seiner Depression rauszukommen, dir... anschließend hatte, angefangen hat wieder zu malen. Und jetzt ganz spannende Bilder malt, die ziemliche Farbexplosionen sind. Er hat wohl so eine sehr spezifische Art, in seinem Atelier zu arbeiten. Er hat Präschrift an den Farben, aber er sagt, er kann auch an den Texturen der Farben teilweise erkennen, was es ist. Okay. Und er malt sehr bunte und unglaublich ausdrucksstarke Bilder, die einfach schön sind. Also es gibt keinen großen politischen Background. Ja. Es gibt keine große Message dahinter, sondern es sind wirklich einfach nur wunderschöne Bilder, die einfach unglaubliches... Tolles Spiel mit Farben und Formen haben.
Johannes Franke: Hm. Ich guck grad die Bilder durch. Not my cup of tea. Den meisten zumindest. Aber es gibt ein paar interessante Sachen. Natürlich ist der Kontext, dass er nun erblindet ist...
Florian Bayer: Ich finde sie auch außerhalb des Kontextes cool. Ich mag diese Farbexplosion. Ich finde, teilweise haben die Bilder Also nicht alle, es gibt auch Bilder von ihm, die ich nicht so stark finde, aber einige von seinen Bildern haben echt eine unglaubliche Kraft.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Mein Platz drei wäre ...
Johannes Franke: Bernhard Heisig.
Florian Bayer: Bernhard Heisig.
Johannes Franke: Und man kann nicht unbedingt sagen, dass es ein geheim-geheim-Tipp ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich habe auch einen Kontext mit ihm, bzw. mein Vater hat einen Kontext mit ihm. Das ist nämlich der Professor meines Vaters gewesen. Großer Künstler der DDR. Und ich finde... Seine Gemälde, ich weiß nicht, ob jemand noch Lucian Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Lucian, Luci der auch so ein bisschen in die Richtung geht, die ich noch interessant finde. Und daran reizt sich dann natürlich auch mein Vater. der auf eine bestimmte Art und Weise malt. Wenn es jemanden interessiert, peterfranke.de, gibt es ein paar Gemälde zu sehen. Ich finde diese Art und Weise sehr interessant. Ein sehr grober Umgang teilweise mit dem Farbauftrag. Sehr ausdrucksstark in der Art und Weise.
Florian Bayer: Wie nennt man das? Ist das Postimpressionismus?
Johannes Franke: Es ist die Leipziger Schule. Also es heißt tatsächlich Leipziger Schule, aber im größeren Rahmen kann ich nicht genau sagen, wie man das nennt. Auf jeden Fall, Bernhard Heisig hat Kriegsszenen, weil er traumatisiert und so weiter, auch gemalt und so. Und Freud, finde ich, hat sehr, sehr interessante Porträts einfach gemalt. Das war ein ganz toller Porträtmaler. Sehr, sehr spannend. Aber als Geheimtipp, das zu verkaufen, ist ein bisschen vermessen. Ja, okay. Stimmt natürlich irgendwie.
Florian Bayer: Ich kenne den Namen nicht, aber ich bin auch, wie gesagt, eine kurze Zeck. Mein Platz zwei. Patricia Piccinini. Piccinini.
Johannes Franke: Also, ruchstabieren. Patrizia mit C. Mit C, ja.
Florian Bayer: P-I.
Johannes Franke: C-C-I-N-I-N-I.
Florian Bayer: Genau. Macht Skulpturen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Die auf den ersten Blick sehr grotesk und sehr hässlich wirken. Ja. Lebensecht, aber deformierte Körper. Aber die auf den zweiten Blick eine unglaubliche Fragilität und Schönheit offenbaren, die gerade hinter dieser Hässlichkeit verborgen liegt. Ich habe sie zum ersten Mal in einer Berliner Ausstellung vor, das waren über zehn Jahre, vor 15 Jahren fast gesehen. Und das, such mal nach The Comforter. Also C-O-M-F-O-R-T-E-R. Und das, finde ich, trifft es ganz gut. Man sieht die Bilder und denkt so, uh. Und dann stellt man fest, dass die alle so eine unglaubliche Schönheit und auch so eine Zärtlichkeit besitzen in diesem Verformten. Und ich finde, sie setzt sich mit ihren Skulpturen dadurch sehr interessant mit dem menschlichen Körper auseinander und mit dem, was wir unter schön und was... was wir hässlich finden.
Johannes Franke: Ich finde, dass alle diese Sachen, die ich jetzt bei Google einfach finde, alle sehr liebevoll sind. Und das finde ich sehr spannend. Obwohl die eben sehr hässlich sind. Aber sehr liebevoll. Und das finde ich cool. Okay, also ihr habt es buchstabiert bekommen, gebt keine Ausrede, googeln und gucken. Spannend. Ich hätte auf Platz 2... Hockney. Es ist auch wieder kein Geheimtipp. David? Ja, David Hockney. Kennt man. Kennt man einfach. Ich finde aber gar nicht die Gemälde, die sehr bekannt sind von ihm, das Beste an ihm. Ich finde ihn manchmal sehr, sehr, sehr naiv gemalt und da bin ich gar nicht so der große Fan von. Aber er hat Polaroid-Collagen gemacht. Das heißt, er hat von einer Szenerie, die als ein Foto auch funktionieren würde, mit der Polaroid-Kamera Detailshots gemacht und die Polaroids dann nebeneinander gelegt. zu dem Bild, was man auch einfach mit einer Kamera hätte weiter entfernt machen können. Und es gibt eine ganz, ganz interessante Collage und spannende Spannungsfelder zwischen den einzelnen Nahaufnahmen, die zusammen das große Bild ergeben haben.
Florian Bayer: Hockney Polaroid, Polaroid Collage. Ah, ja, ja, hab ich aber auch schon gesehen. Ja. Cool. Ja, aber ich bin tatsächlich, ich bin kein David-Hockney-Experte. Ich finde seine, Hockney ist mir immer ein bisschen zu seicht.
Johannes Franke: Ja, ja, ich verstehe, was du meinst. Vor allem eben auch in den Gemälden, finde ich. Ja, was soll man damit anfangen? Was steckt da jetzt? Tiefer drin. Er sieht auch, wenn man sich Bilder von ihm anschaut, das ist so ein Knuddeliger. Weißt du, das ist einer, der tut einem auch nichts. Und so sind die Bilder auch so ein bisschen.
Florian Bayer: Genau, sie tun einem nichts.
Johannes Franke: Aber ich finde die Polaroids sind wirklich sehr, sehr spannend. Grafisch sehr, sehr spannend.
Florian Bayer: Ja, die sehen die. Ich meine auch schon mal sowas gesehen zu haben. Die sind auf jeden Fall cool. ähm, mein Platz 1 ist Valerie Agardi Valerie, also Valerie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und dann H-E-G-A-R-T-Y. Auch eine Skulpturistin oder Installationskünstlerin, die sehr spannende Sachen macht mit Bildern, die sich auflösen. wo die Kunst aus dem Bilderrahmen raussprengt. Aber auch mit Räumen, die deformiert sind. Also es gibt zum einen diese... Ich sehe gerade, das ist das Erste, was man sieht, wenn man sie googelt. Wenn du ein bisschen weiter runter scrollst, findest du auch so ein paar von ihren Rauminstallationen. die auf jeden Fall immer mit dem Konzept des Aufsprengens und Erweiterns arbeitet. Und zwar zum einen als destruktive Kraft, Es werden wirklich Sachen deformiert und von Pilzen überfallen und zerrissen und zerschossen. Aber gleichzeitig auch als kreative Kraft, weil aus dieser Sprengung der Rahmen entsteht dann quasi nochmal neue Kunst und es entstehen Kunstwerke, die sich... befreit haben aus ihrem vorherigen Gefängnis.
Johannes Franke: Ja, sehr spannend. Mir fällt auf, du bist der wesentlich bessere Feminist als ich. Weil ich hab wirklich nur Männer drin, leider. Ist mir auch aufgefallen, während ich die Liste gemacht habe.
Florian Bayer: Und ich hab mir keine Gedanken drüber gemacht, tatsächlich. Ja.
Johannes Franke: Spannend, ne? Ach, Mann.
Florian Bayer: Aber ich hab natürlich auch Jüngere jetzt, die sind alle so eher so in den 80ern, 90ern haben die, glaube ich, angefangen.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ist es natürlich ein Ding, dass es dann leichter ist, was zu finden?
Johannes Franke: Ich würde dann vielleicht einfach auf meinen Platz 1, um das ein bisschen nach vorne zu treiben, nicht Gregory Crewzen setzen, sondern Vivian Meyer.
Florian Bayer: Mhm.
Johannes Franke: Vivien Maier war eine, die gar nicht nach vorne gegangen ist mit ihrer Fotografie. Er hat fotografiert und hat das alles dann weggesperrt. Dass sie überhaupt als Künstlerin aufgefallen ist, liegt daran, dass jemand bei einer Auktion eine alte Kiste ersteigert hat. in der ganz viele Filmrollen drin waren. Und dann hat jemand die entwickelt und festgestellt, oh, das sind gute Fotos. Und dann ist sie sozusagen eigentlich erst posthum wirklich interessant geworden als Künstlerin für die Öffentlichkeit. Und sie hat so tolle Straßenfotografien, die einfach wirklich... ein Auge beweisen für Situationen und ein Zeitzeugnis sind und eine Haltung irgendwie zeigen des Fotografen, der Fotografin. Ich finde es total großartig, spannend. Und es sind größtenteils, muss man sagen, die Schwarz-Weiß-Fotos, weniger die Farbfotos, obwohl auch die Farbfotos... ihren eigenen Reiz haben, aber in der Masse würde ich sagen, sind die Schwarz-Weiß-Fotos die besseren.
Florian Bayer: Ja, cool.
Johannes Franke: Mit Farbe muss man auch umgehen können, wenn man die ganze Zeit sonst schwarz-weiß fotografiert, muss man wissen, wie man das übersetzt in Farbe. Ja. Total gut. Also Vivian Mayer, absolute Empfehlung. Vivian mit A, Mayer mit I.
Florian Bayer: Ich scrolle gerade durch die Fotos. Wir schreiben euch die Namen auch nochmal in die Shownotes. Ich muss dazu sagen, ich bin kein großer Kunstexperten. Ich bin nicht auf dem Laufenden, was bildende Kunst betrifft und meine. Meine Empfehlungen sind einfach nur das, was mir gefallen hat, über das ich in den letzten 10 Jahren, 20 Jahren gestolpert bin, wo ich mir eine Notiz gemacht habe und gesagt habe, das ist cool. Ja.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Es ist ganz gut, dass ich mal sehr viel Kultur geblockt habe und dann habe ich die ganzen Sachen weggeschrieben und die habe ich alle noch. Das heißt... Es war jetzt auch so, welche gab es da? Einmal so durchscrollen.
Johannes Franke: Ja. Ich würde sonst noch einmal ins Feld führen. Ja, Yoi Kusama... wo ich nicht in die Ausstellung gekommen bin, was mich geärgert hat, die, ich glaube, schon 93 ist und eigentlich jetzt erst hier groß rezipiert wird, wenn ich das richtig verstehe.
Florian Bayer: Krass. So viel mit Mustern und Strukturen und so, ne?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ist die gerade in Berlin zu sehen?
Johannes Franke: Die war vor einer Weile in Berlin zu sehen. Es ist wieder weg. Aber ich lese gerade, dass sie das auch... Auch 1965 schon mal hier auf jeden Fall eins war. Die haben das irgendwie rekonstruiert. Ja, also es gibt viele gute KünstlerInnen da draußen, die man entdecken kann. Wir haben uns hier auf den... Bereich konzentriert, aber ich dachte, vielleicht ist es ganz gut, mal rauszugehen und den Blick zu öffnen in eine andere Richtung. Und ich habe auch ganz lange hart überlegt, ob ich jetzt noch Kameramänner mit reinnehme, weil Film ja irgendwie, Entschuldigung, Kamerapersonen reinzunehmen, weil das natürlich auch irgendwie bildende Kunst ist. Ja, auf jeden Fall. Und wenn ich hochstilisierte Filme von Wes Anderson sehe, denke ich natürlich, ja, okay, klar.
Florian Bayer: Aber ich glaube, dann wird es schwierig. Irgendwie müssen wir in diesen Kategorien einen Cut machen, sonst findest du für alles, sonst wird der Begriff leer, wenn du jetzt Filme auch noch mit reinpackst, dann musst du dir und Theaterstücke auch mit reinpacken. Dann wird der Begriff irgendwann leer. Ich glaube, das ist schon ganz gut, wenn wir sagen, okay, bildende Kunst ist Fotografie und Skulptur und Malerei. Alles, was irgendwie formt, was totes Objekt formt. Aber sobald du was Lebendes drin hast, bist du bei Performance und dazu gehört dann sowas wie Performance-Kunst, aber auch Theater. Theater und Film.
Johannes Franke: Performance Kunst gehört eindeutig zur bildenden Kunst.
Florian Bayer: Aber warum? Warum gehört Performance Kunst zur bildenden Kunst?
Johannes Franke: Gute Frage. Das habe ich so gelernt.
Florian Bayer: Ich würde sagen, Bildende Kunst muss am toten Objekt sein. Echt?
Johannes Franke: Also ich glaube, dass der Grenze zum Theaterstück natürlich ist, dass das Theaterstück ein Zusammenspiel von sehr vielen einzelnen Departements ist. Wie auch Film. Also du hast einen Autor, du hast Schauspieler, du hast eine Regie, du hast Licht.
Florian Bayer: Das heißt, so ein Film wie Andy Warhols Empire State Building ist eher bildende Kunst, weil das ja wirklich nur die Kamera auf was gehalten ist. Da würde ich auch mitgehen. Ich glaube genau, man könnte vielleicht sogar sagen, es gibt Filme, die ich als Bildende Kunst bezeichnen würde. Filme sind ja auch oft Teil von Ausstellungen und so. Aber nichts von dem, was wir hier im Podcast besprechen, fällt in diese Ecke.
Johannes Franke: Vielleicht noch ein Blue Movie, aber auch nicht wirklich.
Florian Bayer: Nee, auch nicht. Das ist dann eher Performance-Kunst. auf Leinwand festgehaltene Performance-Kunst.
Johannes Franke: Dann wäre es wieder bildende Kunst. Zurück. Okay. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Zurück zum Film. Noch nie hat der Jingle das für unsere Liste mit seiner Unsicherheit so gut gepasst wie jetzt gerade.
Johannes Franke: Okay. Schön. Plur, haben wir noch irgendwas zu sagen zu Banksy's Exit through the Gift Shop? Das Urteil.
Florian Bayer: Ein ganz toller Film. Wunderbarer Kommentar auf... Auf Streetart und auf den Kunstbetrieb und halt auch einfach ein wunderbar ironisches Spiel mit der Frage, was ist Kunst, was ist der Künstler?
Johannes Franke: Mehr Ebenen hatte Banksy nie.
Florian Bayer: Ja, würde ich mitgehen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, dass das... Nee, eigentlich nicht. Es steht schon so in der Tradition von anderen Banksy-Kunstwerken. Das macht das, was andere Banksy-Kunstwerke auch machen.
Johannes Franke: Aber es ist schon so, dass er durch die Länge und durch die Intensität der Auseinandersetzung mit dem Thema einfach aus der Natur heraus mehr Layer haben muss.
Florian Bayer: Ich fände es tatsächlich spannend, wenn aus dem Material von Terry noch, ich weiß ja nicht, wie viel es hergibt, aber nochmal so ein Street-Art-Film, der nicht nur Banksy im Mittelpunkt hat, wäre vielleicht auch ganz interessant. der mehr die Kunst an und für sich zum Thema hat.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, ob das trägt für anderthalb Stunden, weil das, was der erste Hälfte des Films ist, ist ein Film über Street Art.
Florian Bayer: Ja, du hast recht, wahrscheinlich trägt's nicht. Wahrscheinlich haben sie genau das auch festgestellt. Vielleicht hat Banksy sogar vorgehabt und gesagt, okay, ich mach den Film... mit dem Inhalt, den Thierry vorhatte, das heißt vor allem ein Streetart-Film. Und dann hat er festgestellt, nee, das geht einfach nicht. andere Musik drauflegen.
Johannes Franke: Genau. Naja. Okay, schön. Plur, vielen Dank, dass du den Film geguckt hast.
Florian Bayer: Vielen Dank, dass du ihn vorgeschlagen hast. Es war wirklich eine Freude, den wiederzusehen.
Johannes Franke: Schön, freut mich. Ihr da draußen, vielen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt und nächste Woche gibt es wieder einen Film von Plor und was für ein Film das ist, das wird er uns gleich verraten nach diesem.
Florian Bayer: Jingle. Bis dahin. Ciao.
Johannes Franke: So, was möchtest du mir geben, Plur? Wir haben gerade so ein bisschen drüber geredet und ich bin unsicher, was du eigentlich willst.
Florian Bayer: Ja, ich habe das Gefühl, ich will dich nicht zu sehr quälen. Weil Painted Bird echt hart war und du bist mir, glaube ich, auch ganz dankbar, wenn ich dich nicht so quäle.
Johannes Franke: Ähm...
Florian Bayer: Aber ich habe das Gefühl, ich will trotzdem nochmal in die Vergangenheit springen und es ist Nouvelle Vague, aber es ist Nouvelle Vague, die unterhaltsam ist. Und es ist auch ein bisschen ein schräger Film und der Film hat auch seine surrealen Momente, aber Charlie Chaplin hat diesen Film sehr gemocht. Falls ihr das irgendwie gut tut.
Johannes Franke: Dann natürlich. Schon verkauft.
Florian Bayer: Einfach im Deutschen, beziehungsweise Sazidane Metro, im französischen Original von Louis Malle. Und er ist, ich glaube, er ist so ein bisschen geistiger Urvater von die fabelhafte Welt der Amelie. In seiner Art, wie er kitschig, naives, romantisches und komisches und auch leicht surreal, fantastisch angehauchtes zusammenmixt. Und es geht um ein kleines Mädchen, das einen Tag in Paris verbringt.
Johannes Franke: Wie süß.
Florian Bayer: Und es hat auch tatsächlich ein bisschen schwarzen Humor. Aber ich sehe gerade, er hat FSK ab 6 gekriegt, interessanterweise.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es ist, ja, doch, es ist ein sehr unterhaltsamer, etwas schräger Film.
Johannes Franke: Na gut, dann gucken wir alle Sasi aus dem Jahre...
Florian Bayer: 1960, Nouvelle Vague, Louis Malle, einer meiner Lieblingsregisseure aus der Nouvelle Vague-Zeit. der auch sehr merkwürdige Filme gemacht hat, auch nicht so coole Filme.
Johannes Franke: Dann werden wir wohl Louis Meil auseinandernehmen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: viel Spaß beim Gucken. Ich hoffe, du versprichst nicht zu viel, dass das ein bisschen leichter ist.
Florian Bayer: Ich glaube, du wirst, ja, es ist Ja, ich denke schon.
Johannes Franke: Ich habe es schon ein paar Mal erlebt, dass du gesagt hast, ach ja, wird schon, wird schon. Und dann war es doch eher so ein bisschen so. Also insofern, ich bin gespannt. Ihr dürft auch gespannt sein und wir hören uns nächste Woche.
Florian Bayer: Bis dann.
Johannes Franke: Bis dahin.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
