Episode 151: Empire of Light – Die Magie des Zuschauens
Nach der Diskussion über das eher schwache Filmjahr 2022 in der letzten Episode, hat Johannes diese Woche einen weiteren aktuellen Film mitgebracht: Empire of Light von Sam Mendes. Hat das Drama über psychische Krankheiten, Rassismus und die Schönheit des Kinos das Zeug, ein Ausrufezeichen hinter das letzte Kinojahr zu setzen, während das heurige zu Ende geht? Wir werden es herausfinden…
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 151: Empire of Light – Die Magie des Zuschauens Publishing Date: 2023-11-22T10:52:26+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2023/11/22/episode-151-empire-of-light-die-magie-des-zuschauens/
Florian Bayer: Also geht es um Empathie? Absolut. Empathie ist ganz wichtig und der Film zeigt, wie Empathie eben entstehen kann, dadurch, dass du deine Perspektive, und wenn es nur durch so einen kleinen Spalt vom Vorführraum ist, ein bisschen aufbrichst und siehst.
Johannes Franke: Hallo ihr da draußen und hallo Plur, hier zu einer neuen Ausgabe des... Muss man sehen, Podcasts. Das ist die dritte Aufnahme, die wir jetzt machen, um in den Podcast hineinzugehen. Hallo Johannes, hallo liebes Publikum, schön, dass ihr wieder da seid. Es ist wunderschön. Ohne euch wäre es ganz furchtbar. Ohne euch wäre alles recht sinnlos.
Florian Bayer: Obwohl Podcasten hat trotzdem immer sowas Einsames. Man sitzt in seinem kleinen Studio bzw. wir in dieser kleinen Küche und redet ins Nichts hinein und hofft, dass irgendjemand das aufschnappt und damit was macht.
Johannes Franke: Ja, das Schöne bei uns ist ja, dass wir damit angefangen haben, als Corona war und wir gar nicht damit gerechnet haben, dass irgendjemand zuhört. Und inzwischen hören noch ein paar Leute zu und ich finde es ganz geil.
Florian Bayer: Was total schön ist und wir freuen uns auch über jedes Feedback, sei es noch so klein. Wir freuen uns immer über Vorschläge, was wir als nächstes besprechen können, auch über Kritik und über Gäste. Und es ist schön, dass dieser Podcast mittlerweile über 150 Episoden so gewachsen ist.
Johannes Franke: Oh Gott, 150 Episoden, ich hätte das nie gedacht. Ja, krass, ne? Vor allem, weil wir am Anfang zwei Filme pro Episode gemacht haben. Gott sei Dank haben wir damit aufgehört. Wir hatten es letzte Woche, ich wollte es jetzt ankündigen, aber es stimmt ja gar nicht. Wir haben ja schon die 151. Episode jetzt. Wir haben gar nicht richtig gefeiert, letztes Mal.
Florian Bayer: Tröd, Jubiläum, 150 Episoden. Ich finde, die Hunderte haben wir schon so ordentlich zelebriert. Das stimmt, das ist das okay.
Johannes Franke: Die 200. feiern wir dann wieder ordentlich, ja? Und um in die nächsten 150 hineinzugehen, habe ich einen Film ausgesucht, weil ich bin dran, Plur einen Film aufzudrücken und er muss ihn gucken, egal ob er will oder nicht. Und ich habe einen Film ausgesucht, der da gut reingehen soll, der die Liebe zum Kino feiern soll. Und zwar den Film Empire of Light von Sam Mendes. Ein neuer Film und deswegen möchten wir euch einmal nochmal sagen, wir spoilern. Volle Kanne. Das ist eine große Spoilerwarnung, die jetzt auch im Jingle gespielt wird. Ey, pst. Du. Ja, du. Der nun folgende Programmteil enthält sensible Informationen über den Handlungsverlauf. Es ist schön, dass du den Jingle inzwischen auch forderst.
Florian Bayer: Du machst dir aber so ein bisschen gegen diese Jingle-Sachen. Mittlerweile nicht mehr. Ich finde die toll. Ich bin voll mit. Ich reite die Welle. Empire of Light aus dem Jahr 2022. Grund unter anderem auch, dass wir letzte Episode auch über einen 2022er Film geredet haben. Und dann habe ich, während wir so im Ausklang waren, nochmal geguckt und gesagt, oh ja, das war wahrscheinlich sogar der beste Film des Jahres. Und habe dabei festgestellt, oh, das war gar nicht so ein tolles Kinojahr. Das war dann eher off-record, dass ich zu Johannes nochmal gesagt habe, naja, das Kinojahr war irgendwie insgesamt nicht so doll. Und Johannes meinte, doch, doch, ich habe noch einen für dich.
Johannes Franke: Und ich habe ihn, um meine Geschichte damit mal ein kleines bisschen zu erzählen, beim Festival in Hof gesehen. Also das große Hofer Filmfestival, das in Deutschland großes Ansehen genießt, das diesen Film zeigen durfte, bevor er in die Kinos gekommen ist. Und das auch große, begeisterte Reaktionen gebracht hat. Und ich saß da im Kino mit tausenden anderen, weil das wirklich ein großes, großes Kino war. Und das größte im Festival. Und wir alle waren aufgelöst danach. Also dem Trennen nah und total begeistert. Und ich habe mich gefragt, inwiefern das Erlebnis mit allen zusammen in diesem großen Kino dazu beigetragen hat, dass ich vielleicht auch eine verklärte Version in meinem Kopf habe von diesem Film. Und habe mich sehr darauf gefreut, diesen Film mal alleine in meinem Wohnzimmer auf meiner kleinen Leinwand zu sehen.
Florian Bayer: Um das gleich zu sagen, der Film ist bei der Kritik nicht sonderlich gut angekommen, ne?
Johannes Franke: Und ich frage mich bis heute, was das soll. Ich habe ihn noch ein zweites Mal gesehen und ich finde ihn immer noch großartig. Und ich bin sehr gespannt, auf welcher Welle du reitest und ob du den Kritikern irgendwie recht gibst oder ob ich dich verprügeln muss.
Florian Bayer: Was ihr nicht sehen könnt, das ist toll, weil Podcast ist ja kein visuelles Medium. Wie Johannes vorsichtig, ängstlich zu mir rüberschiebt, während er das sagt und ich knallhart Pokerface bewahre, um bloß nicht zu viel zu verraten.
Johannes Franke: Flo, du musst den Leuten sagen, dass ich mir so eine Tür stehe, hier stehe, groß, muskulös und dich einmal bedrohend anschaue und sage, wehe, du findest den Film nicht gut.
Florian Bayer: Wir sind ja wie so viele andere Menschen, wir möchten, dass unser Geschmack gemocht wird, weil der ja auch ein Stück unserer Identität ist. Und natürlich freue ich mich, auch wenn wir viele Witze drüber machen, ich freue mich, wenn Johannes Filme gefallen, die ich ihm gebe. Und ich bin immer ein bisschen traurig auch, wenn sie ihm nicht gefallen und umgekehrt ist es wahrscheinlich genauso.
Johannes Franke: Umgekehrt wird es bei diesem Film besonders crushing sein. Aber ich bin den nicht hergerissen, weil manchmal ich das Gefühl habe, dass unsere Gespräche besser werden, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Das stimmt, aber darauf sollte es ja eigentlich nicht ankommen. Genau, deswegen, du magst den Film, ja?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wow, yes! Ich mochte den Film.
Florian Bayer: Okay, gut. Ich mochte ihn auch, weil es ein Film ist, Achtung, es kommt so ein Klischee. Ja. Ein Film, wie er heutzutage leider nicht mehr so oft gedreht wird. Und zwar dieses, was ich so gerne mit hier Cinema nennen würde, was vor allem in den 90ern und frühen 2000ern geboomt hat. So Filme, die nicht big budget sind. Ja. Filme, die meistens auch irgendwie zum Genre des Dramas gehören.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die aber eine gewisse Größe haben. Und Sam Mendes war auch irgendwie Ende der 90er so ein bisschen der Regisseur, der das auch nach vorne getragen hat mit American Beauty. Genau in diese Kategorie fällt auch oft Filme, die dann plötzlich erfolgreicher waren, als man gedacht hätte. American Beauty war ja so ein krasser Hit, womit eigentlich niemand gerechnet hätte.
Johannes Franke: Na, das stimmt nicht ganz. Es kommt ein bisschen darauf an, wer mit was gerechnet hat, weil das Drehbuch von American Beauty ist schon lange vorher durch alle möglichen Hände gegeben worden. Und alle, die dieses Buch gelesen haben, haben gesagt, das ist geil, das wird was.
Florian Bayer: Ja, aber wenn man das auf dem Papier liest und so als Produzent oder Produzentin da sitzt und guckt dann, ja, es ist ein Drama oder eine Tragikomödie, ich weiß nicht so recht, das werden wir bei diesem Film auch wieder sehen, über den amerikanischen Mittelstand und dann geht es um Schönheit. Aber es geht auch um Homosexualität und um Mord und what? Wirklich? Das soll unser großer Sommer-Blockbuster werden?
Johannes Franke: Ja, ja, es ist natürlich, ja, wir werden sehen, inwiefern der reinfällt in den typischen Sam Mendes-Film und so kurz zur Erinnerung. Also American Beauty 1999, Road to Perdition 2002, Jarhead habe ich nicht gesehen, Revolutionary Road, sagt mir noch was, Away We Go, keine Ahnung, Skyfall, Spectre und ganz neulich erst 1917 der Film, der in einem One-Shot war, oder? Kein nicht, der One-Shot, ein Fake-One-Shot. Ein Fake-One-Shot-Film von Sam Mendes. Ein erster Weltkriegs-Film, der mit dem gleichen Kameramann, der auch hier mit dabei ist.
Florian Bayer: Roger Deakins, der ein langer Weggefährte ist von Sam Mendes, der aber auch ganz viel mit den Cones zusammengearbeitet hat, unter anderem auch Beautiful Mind die Kamera gemacht hat und bei der Blade Runner Fortsetzung ein unglaublich guter Kameramann und wie ich finde auch unglaublich wichtig für die Qualität dieses Films.
Johannes Franke: Ich finde es wahnsinnig bezeichnend, dass wir uns sofort mit auf den Kameramann stürzen, was wir sonst in unseren Episoden kaum tun. Also da wird mal ein kleines Segment freigemacht für den Kameramann, aber eigentlich wird das nicht sofort reingeworfen und wir kommen sofort auf den Kameramann Roger Deakins und das hat wirklich gute Gründe.
Florian Bayer: Ja, aber komm, du bist ja schon auch so ein bisschen bildgeil. Also du sagst sehr gerne nochmal und dieses eine Bild und diese eine Einstellung und versuch dann nochmal zu erklären, was technisch dahinter steckt und keine Sau interessiert. Nein, niemand kommt mehr mit, wenn du anfängst davon zu erzählen, wie Sachen im Raum arrangiert sind und dann anfängst Linsen und Brennweite und so weiter und dann irgendwann ist der Moment, wo man merkt, es ist total begeisternd, was du erzählst, aber wo waren wir gerade?
Johannes Franke: Und ich werde es trotzdem einfach immer wieder so machen. Macht das auf jeden Fall. Es ist natürlich eine Arbeit zwischen zwei Leuten, die einfach sich schon so lange kennen und schon so lange miteinander zu tun gehabt haben. Es betrifft leider nicht den Musiker. Thomas Newman, glaube ich, ist sonst immer derjenige, mit dem Thomas Hammandis arbeitet. Zumindest bei American Beauty hat er mit Thomas Newman gearbeitet. Diesmal hat er mit Trent Rezner. Und ich habe das Gefühl, dass der ein bisschen eine Imitation von Thomas Newman bringt. Weißt du, wer Trent Rezner ist?
Florian Bayer: Trent Rezner ist die, du redest nicht weiter, er macht ja so viele Filmmusiken. Trent Rezner ist eigentlich die Alternative-Rock-Ikone, also eine der großen Alternative-Rock-Ikonen der 90er Jahre. Mit dem Projekt Nine Inch Nails hat er Musikgeschichte geschrieben, das ist ein bisschen viel gesagt, aber er hat Industrial Rock und Pop auf eine Art miteinander verbunden, dass Experimentelles plötzlich so sehr Mainstream-affin war und hat dann auch immer so ein bisschen den Metal dabei touchiert. Und es ist, glaube ich, nicht deine Musik, aber es ist wirklich spannende Musik. Also die Sachen, die er mit Nine Inch Nails oder als Nine Inch Nails gemacht hat, er ist eigentlich so eine Diva und eigentlich ein Solo-Künstler, der sich halt immer Leute für seine Projekte holt. Die sind großartig. Also Nine Inch Nails lohnt sich auf jeden Fall zu hören. Das ist halt sehr 90er Jahre vom Stil her, so diese Elektro-Rock-Mischung, aber trotzdem wirklich faszinierend irgendwie so zwischen Mainstream-Potenzial und Alternative-Metal und gleichzeitig trotzdem so ein bisschen dieses Experimentelle drin.
Johannes Franke: Er hat es nicht alleine gemacht, sondern mit Atticus Ross zusammen.
Florian Bayer: Den wir unter anderem kennen als Musiker aus Soul, über den wir auch gesprochen haben.
Johannes Franke: Oh, wie schön. Okay, verstehe.
Florian Bayer: Wo er auch mit Trent Reznor und John Batiste zusammengearbeitet hat und auch mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
Johannes Franke: Ja, er hat auch bei den Nine Inch Nails mitgemacht, ne?
Florian Bayer: Ja, und er hat auch für David Fincher gearbeitet und eigentlich sind die beiden so Typen, denen man nicht unbedingt so ein großes Drama und diese emotionale Musik zu...
Johannes Franke: Naja, nachdem du jetzt Soul in den Ring geworfen hast, natürlich traut man ihm das zu. Genau, aber Soul würde man ihm schon nicht zutrauen. Ja, genau, das ist halt das Ding. Haben wir darüber auch geredet bei Soul? Ich weiß nicht, wir haben uns, glaube ich, viel auf Jean Patiste gestürzt. Haben wir. Aber trotzdem, also ich finde die Musik großartig.
Florian Bayer: Die Musik ist großartig und ich war wirklich überrascht, also als ich geguckt habe dann danach nochmal, wer war für die Musik verantwortet. Huch, Trent Reznor, Atticus Ross. Was bitte? Echt jetzt? Okay.
Johannes Franke: Okay, das Ding ist, trotzdem glaube ich, dass sie eine Imitation von Thomas Newman so ein bisschen machen. Haben sie gemacht in diesem Fall. Muss man schon sagen, oder?
Florian Bayer: Ja, sie haben, ich glaube, das war auch sehr viel Sam Mandis, der gesagt hat, ich will einen sehr spezifischen Ton in diesem Film haben. Ja, ja. Und ich will eine sehr spezifische Mischung aus großem Drama, Aufregung und melancholischen Klängen. Und was man ja auch bei Sam Mandis Filmen immer so ein bisschen hat, also vor allem Revolutionary Road und American Beauty, wo das auch sehr stark der Fall ist und die haben dann einfach geliefert.
Johannes Franke: Ja, haben sie großartig gemacht. Finde ich ganz toll, weil er wirklich genau im richtigen Moment immer den richtigen Ton trifft.
Florian Bayer: Spannend ist vielleicht noch zu erwähnen, dass Sam Mandis zum ersten Mal ganz allein das Drehbuch geschrieben hat und dass er auch für die Produktion verantwortlich war. Auch quasi zum ersten Mal in der Form und zwar hat er mit Pippa Harris, mit der er auch schon öfter zusammengearbeitet hat, unter anderem bei 1917, hat er sich bei Neil Street Productions um die Produktion gekümmert und Searchlight Pictures war irgendwie noch so der große Geldgeber im Hintergrund.
Johannes Franke: Also quasi eine Art Auteurfilm, wenn man das so will. Und ich glaube, dass es bei Sam Mandis, der ja nun vorher sehr viele Filme gemacht hat, Drehbücher, die er nicht selbst geschrieben hat, dass es hier sich um einen Film handelt, wie man finde ich auch sieht, der einfach wichtig für ihn war. Ein Herzensprojekt. Wo man wirklich sagt, okay, jetzt habe ich so viel gemacht für andere und ich habe aber dieses Thema die ganze Zeit in mir. Ich will das endlich mal rauswerfen. Ich will das mal niederschreiben und damit endlich mal was machen. Und das Verarbeiten vielleicht auch. Und das hat viel mit seiner Mutter zu tun.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und du erzählst jetzt die Muttergeschichte und ich gebe dir inzwischen Tee.
Florian Bayer: Gib mir Tee, bitte. Aber ich würde ganz gerne kurz, bevor wir zu der Muttergeschichte kommen, würde ich gerne noch was anderes sagen. Weil Sam Mandis, ich finde den total faszinierend. Du hast gesagt, das ist ein Auteurfilm. Kann man, glaube ich, so sehen. Auf jeden Fall. Sam Mandis ist ein Regisseur, bei dem ich immer das Gefühl habe, zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Und zwar hat er einen sehr starken Bezug zu dem, was wir im Allgemeinen so Autorenfilme oder auch Arthouse-Kino nennen würden. Dieses gegen den Strich gebürstete, die dieses Spiel mit Langsamkeit, mit Zuschauererwartungen brechen. Auch einfach Dinge erzählen, die sich große Hollywood-Filme nicht trauen. Und gleichzeitig hat er aber auch eben immer diese Hollywood-Komponente mit drin. Sam Mandis ist halt dann doch auch der Mann, der große Dramen erzählt, die sehr optimistisch sind, die sehr, sehr viel Schönheit und Lebensfreude in sich tragen. Und deswegen immer so einen Anknüpfungspunkt haben zum Popcorn-Kino. Und ich verspreche, ich erwähne ihn jetzt zum letzten Mal. American Beauty ist eigentlich so die Quintessenz dessen. Aber auch bei anderen Filmen, auch zum Beispiel Revolutionary Road, der deutlich härter war, deutlich komplexer, deutlich düstere Themen hatte. Hat er auch immer wieder diese Momente, die so Hollywood versprüht haben. Und dieser Film ist ja jetzt eine englische Produktion, aber auch diese Produktion hat dieses Hollywood-Flair immer wieder drin. Es ist nicht einfach nur Auteur und Arthouse, sondern es hat diesen Anknüpfungspunkt zum Popcorn-Kino, auch wenn harte Themen angesprochen werden.
Johannes Franke: Ist Sam Mandis dann die perfekte Brücke zwischen dem Feuilleton und dem 0815-Zuschauer?
Florian Bayer: Offensichtlich nicht, weil das Feuilleton ihn ja nicht bedingungslos macht. Nein. Er wurde auch bei 1917 schon hart kritisiert teilweise, dass er so Krieg als Spektakel inszeniert. Und auch, weil er jetzt nicht der große erfolgreiche Regisseur beim Mainstream-Publikum ist. Also American Beauty war ein sehr erfolgreicher Film. 1917 war sehr erfolgreich, wegen des Gimmicks vor allem. Aber ansonsten ist Sam Mandis dann doch immer eher so in der zweiten Reihe. Aber er hat Skyfall die Regie geführt.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Er hat die beiden James-Bond-Filme gemacht. Und das spricht ja sehr dafür, dass er dann irgendwie zumindest so in den 2010ern im Mainstream-Kino angekommen ist. Toll. Aber das waren ja gute Filme. Also ich meine, für das, was sie sein sollten. Aber halt, ja, vielleicht auch so ein bisschen Auftragsarbeiten. Ich habe so das Gefühl, dann gibt es vielleicht auch doch einen Unterschied zwischen den Filmen, die er machen will. Und denen, die er macht, um Geld zu verdienen. Und sowas wie 1917, würde ich sagen, das ist ein Film, den er machen will. Oder Zeiten des Aufruhrs. Oder Road to Perdition. Während diese James-Bond-Filme vielleicht so ein bisschen auch rausfallen aus seiner sonstigen Film-Vita.
Johannes Franke: Aber so viel anderes hat er ja auch nicht. Also ich meine, wie viele Filme hat er jetzt gemacht? Auf seiner Biografie stehen jetzt, in der Filmografie stehen jetzt nicht so wahnsinnig viele Filme. Neun Stück, glaube ich.
Florian Bayer: Das ist, glaube ich, sein neunter Film.
Johannes Franke: Ja, sein neunter Kinofilm. Und wenn von neun Filmen zwei so rausfallen. Also ich muss nur an Chaplin denken. Der hat 30 Filme gemacht. Sein Mann, das lässt sich immer sehr viel Zeit für seine Filme, ne? Ich finde es auch vollkommen in Ordnung. Ich finde es auch total gut, wenn man sagt, ich habe jetzt gerade nichts zu erzählen. Oder das, was ich zu erzählen habe, braucht länger. Ich produziere zwischendurch einfach mal was anderes, statt einfach Regie zu führen. Also er hat ja auch produziert andere Sachen noch. Aber du wolltest zum Persönlichen ja eigentlich kommen, zu der Geschichte von seiner Mutter. Richtig. Jetzt hast du das lang genug hinausgezögert, dass ich wieder Zeit habe, statt Tee einzugießen, die Geschichte seiner Mutter zu erzählen. Seine Mutter hatte psychische Probleme. So ganz genau, was nun wirklich alles passiert ist, weiß ich nicht. Habe ich nicht recherchiert bekommen, welchen Diagnosen da im Raum standen. Aber man muss auch sagen, dass seine Mutter, also Sam Mendes ist jetzt, wie alt ist Sam Mendes und wie alt ist seine Mutter, ne? Also er ist 1965 geboren, 1965. Dann ist seine Mutter vielleicht 45, 40 geboren, weiß ich nicht. Aber das ist eine andere Generation. Da wirfst du nicht einfach so mit irgendwelchen Diagnosen in der Gegend herum. Und ich glaube, das kommt auch ein bisschen im Film zu tragen, was auch eine große Kritik beim Publikum und bei den Kritikern ist. Weil nämlich anscheinend für die meisten Kritiker es schwierig ist, dass ihre Krankheit von Olivia, die wir im Film sehen, nicht besonders detailliert aufgearbeitet ist. Und ich glaube aber, dass das viel damit zu tun hat, dass es einfach eine Zeit ist, die das nicht tut, die sehr vage mit den Dingen umgeht, die immer noch, also es spielt ja in den 80ern, Anfang der 80er. Und da ist das noch nicht so, da wird noch nicht so dezidiert genau gesagt, das ist das, da wird klassifiziert hier und so. Es hat ein bisschen damit angefangen, ja, aber nicht so krass wie heute, oder? Ja, also ich glaube, das spielt eine ganz wichtige Rolle dabei.
Florian Bayer: Das zweite ist, dass der Film ein sehr interessantes Spiel mit den Perspektiven abliefert.
Johannes Franke: Wollen wir einfach die Geschichte einmal zusammenfassen, damit wir wissen, wo wir überhaupt sind. Es geht ja im Grunde um ein Kino, ein altes, altehrwürdiges Kino namens Empire. Irgendwo an der südenglischen Küste Anfang der 80er Jahre. Genau, und dort arbeitet Olivia, Hillary, Hillary Small, wie sie heißt, Small, vielleicht ein bisschen on the nose der Name, aber sie arbeitet dort als Managerin des Staff, also Staff Management, hat noch einen Chef über sich und mit dem sie auch ein bisschen was so on the side hat, was nicht sehr nach Glück aussieht, aber was irgendwie, naja, Sex bringt, den sie schon am Anfang des Films nicht so wirklich will, habe ich das Gefühl. Das hat sowas sehr Toxisches zwischen den beiden.
Florian Bayer: Ja. Er ist auch verheiratet, was wir relativ früh erfahren und sie versucht sich dem aber die ganze Zeit zu entziehen. Also wir haben diese eine Szene, wo sie abends allein essen geht und dann kommt Alice mit seiner Frau ins Restaurant und sie verschwindet ganz schnell, weil sie diese Konfrontation nicht will. Und die Szenen in seinem Büro haben auch was sehr Intensives und sehr Beklemmendes.
Johannes Franke: Ja, sehr. Da können wir gleich noch drüber reden, was der Film nun macht, um uns das, die Geschichte näher zu bringen, ist, er bringt eine neue Figur hinein. In dieses Kino kommt Steven. Steven ist Person of Color, kommt da rein. Person of Color, sage ich deswegen, weil es spielt, da nochmal eine Rolle spielt, Richtung Rassismus und so weiter. Und der entdeckt das Kino halt neu und dadurch können wir als Zuschauer das Kino neu entdecken. Und es gibt viele sentimentale Shots auf gutes altes Kino und dann eben die Geschichte zwischen Hillary und Steven, die sich ineinander verlieben, die irgendwie was miteinander haben, aber irgendwie immer mitschwingt, dass das nichts längeres sein kann, weil er ja sowieso auch dann aufs College gehen will und so. Weil er ist recht jung. Sie ist recht weit entfernt vom Alter her, von ihm. Ja, ist sie eigentlich so alt wie wir? Ist sie Anfang 40 und einfach nur sehr verlebt? Ich glaube, sie soll Ende 40, 50 sein. Ja. Ich glaube, es stimmt einigermaßen überein mit Olivia Colmans Alter und die ist, weiß ich nicht, 50.
Florian Bayer: Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, die Rolle, die sie spielen soll, ist so ein bisschen jünger, als die Schauspielerin eigentlich ist. Okay. Und das auch gezeigt werden soll, dass sie einfach, dass die Krankheit einfach an ihr zehrt. Und das kennt man ja auch gerade bei bestimmten Krankheiten, dass Menschen, die sehr starke Depressionen haben oder sehr starke Schizophrenie, einfach zehn Jahre älter aussehen können.
Johannes Franke: Ja, das stimmt wohl. Ja, das kann sein. Darüber habe ich nicht nachgedacht groß. Es gibt jedenfalls diese romantische Geschichte zwischen den beiden, dem jungen Neuen im Kino und ihr und ein Hin und Her und irgendwie reicht ein Satz von ihm, der Zweifel bedeutet und sie hat einen größeren Anfall, in Anführungsstrichen, wie man so sagt. Einen Schub ihrer Krankheit, ihrer psychischen Krankheit, die sie mit sich rumträgt, die so genau nicht definiert, die aber irgendwie immer zu spüren ist.
Florian Bayer: Das ist irgendeine Form von bipolarer Störung. Also ich bin kein großer Psychologe. Ich kenne mich nicht wirklich so gut aus, aber ich habe so das Gefühl, Borderline spielt da irgendwie mit rein, was sie hat. Ja, kann sein. Wie hat sie so dieses Nähe-Distance-Ding? Alice wirft ihr einmal vor, dass sie schizophrenic wäre, das scheint es eher nicht zu sein, weil sie hat nicht so konkrete Wahnvorstellungen, aber zumindest ein bisschen hat es auch diesen Anklang und dann offensichtlich aber irgendwie eine bipolare Störung im Sinne von manisch-depressiv, weil wir sehen sie sowohl in manischen als auch in depressiven Episoden.
Johannes Franke: Ja, also ich würde nach dem, was ich so erlebt habe, eher auf Borderline tippen.
Florian Bayer: Aber es wird nicht genau ausdekliniert und es ist auch nicht das einzige Thema, was sich dann durch den Film trägt. Wir haben dann nämlich eigentlich diese zwei großen Dinge, die dieser Beziehung im Wege stehen und das ist zum einen die Hillary, die einfach mit ihren psychischen Problemen zu kämpfen hat und auch damit, wie die Umwelt damit umgeht. Später erfahren wir, dass es offensichtlich schon frühere so Episoden von ihr gab, wo sie auch einmal aus dem Kino rausgeflogen ist, im Krankenhaus war und ähnliches. Und dann zum zweiten der gesellschaftliche Rahmen. Wir erfahren eben, wir sind in England der 80er Jahre, Margaret Thatcher ist gerade im Aufstieg und wird zu der politischen Frau in England und der Rassismus kocht hoch und es gibt eben zum einen der Rassismus der Gesellschaften, der Polizei und dann ganz konkret die sich formierenden neonazistischen, rassistischen Skinheads. Und das ist das, was ich mit der Perspektive meinte. Wir haben nämlich Wechsel von Perspektiven. Wir folgen am Anfang sehr viel Hillary und haben einen sehr intimen Blick auf Hillarys Perspektive von allem. Und dann gibt es aber so einen Knick im Film, nämlich auch wenn Hillary so ihren Anfall hat und wir nehmen plötzlich die Perspektive von Steven ein und dadurch wird auch sehr viel, teilweise im wahrsten Sinne des Wortes, nur so durch einen Spalt sichtbar. Ja, es ist tatsächlich eine sehr starke Szene, wenn er in einem Kleiderschrank sitzt und sieht, wie sie mit ihrer Sozialarbeiterin redet und dann schließlich mit der mitgeht in die Klinik. Also es wird eben auch einfach dadurch viel weggelassen, weil wir an bestimmten Punkten Perspektiven wechseln, von Hillary zu Steven und von Steven zu Hillary und dadurch sehr viele Dinge ausgelassen werden. Wir sehen, dass Hillary kriegt mit, dass Steven unter dem Rassismus leidet, aber wir sind in dem Moment in ihrer Perspektive und auch in ihrer Ahnungslosigkeit, was für eine Tragweite der Rassismus des Englands der damaligen Zeit hat. Und genauso sind wir in Stevens Perspektive, wenn wir von Hillarys Krankheit erfahren und kriegen dadurch halt wirklich nur von einem optimistischen Anfang 20-Jährigen diese Perspektive auf eine psychische Krankheit, die er gar nicht versteht und versucht zu begreifen, aber nicht so wirklich dahinter kommt.
Johannes Franke: Du hast gerade 20 Themen angesprochen, die wir alle besprechen müssen. Lass uns ganz kurz zum Ende kommen von der Geschichte. Es ist natürlich, wie es zu erwarten war, irgendwann geht Steven aufs College und damit ist der Film zu Ende. Es ist einfach wirklich eine Phase aus beider Personen Leben. Wir lieben das Kino einmal, wir lieben die beiden Figuren einmal und dann geht das Leben weiter.
Florian Bayer: Ja, wir verlassen sie dazwischen und das ist jetzt so, das klingt so, als ob es so wenig wäre. Es passiert dazwischen so viel auf einer emotionalen Ebene. Wie ich schon gesagt habe, Sam Mandis ist wirklich ein Meister darin, mit Gefühlen zu spielen und Emotionen zu evozieren. Und er ist vor allem gut darin, das in ganz bestimmten Spots zu machen. Einfach uns Szenen hinzulegen, die für sich stehen, die kleine Kurzfilme sein könnten. Wir müssten nichts über den Kontext wissen. Wir sehen eine Frau alleine im Kino sitzen, die die ganze Zeit nie einen Film geguckt hat. Sie arbeitet im Kino und sie guckt keinen Film und dann sagt sie zu dem Filmvorführer, jetzt mach mir mal bitte einen Film an, egal welcher, du entscheidest. Und dann sitzt sie alleine in diesem Kino und wir sehen aber da auch wieder nicht ihre Perspektive auf den Film, sondern wir sehen die Perspektive von dem Filmvorführer, der die Rolle bedient und sie auch wieder durch diesen kleinen Spalt betrachtet, wie sie da sitzt, ganz allein das Kino für sich hat und auf die Leinwand schaut.
Johannes Franke: Nur mal ganz kurz, weil du jetzt gerade bei der Szene bist, wo ich auch total aufgelöst war. Wie viele Emotionen hattest du tatsächlich bei dem Film und wie viel ist bei mir einfach nur aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen aus dem Universum? Ich habe ihn jetzt das zweite Mal gesehen und ich war aufgelöst, in so vielen Momenten dieses Films in Tränen aufgelöst. Ich weiß nicht, wie geht dir das?
Florian Bayer: Sam Mendes hat es einfach drauf. Es gibt mehrere Bilder. Ich habe dazwischen immer mal wieder so Markierungen gemacht, wo ich gesagt habe, wow, kurz Pause gedrückt. Diese Szene war jetzt wirklich krass. Die war wirklich wundervoll emotional und zwar meistens auch wirklich so dieses Feiern der Schönheit. Wir haben Momente, die einfach Schönheit transportieren. Und er macht das natürlich sehr viel mit dem Kino. Der Film ist auch eine Liebeserklärung ans Kino, aber Gott sei Dank nicht an das Arthauskino, sondern an diese Zwischendinger, an diese Kinos, die mittelgroß sind und die halt auch so, die halt wirklich die klassischen Blockbuster der damaligen Zeit haben. Es ist jetzt nicht so, dass da Truffaut inszeniert wird oder so, sondern da werden halt Filme gezeigt, diese Comedien mit Richard Pryor. Keine Ahnung. Auf jeden Fall irgendwelche amerikanischen Filme.
Johannes Franke: Und das sagt ja auch Steven zwischendurch, wenn er sagt, du hast keinen Film gesehen, du hast noch keinen einzigen Film gesehen. Hallo? Er beschreibt das als Eskapismus, auch wenn er das Wort nicht benutzt. Eskapismus, um aus dem eigenen schwierigen Leben rauszukommen. Und natürlich sagen wir das auch vom Fernsehen heute und allem möglichen, es ist auch eine abgedroschene Sache, aber es ist es einfach und ich finde es ganz toll, dass Sam Mendes sich eben nicht auf Truffaut und so weiter setzt, sondern wirklich sagt, das ist halt das große Kino. Das ist der große Kinosaal mit den großen Filmen, die für die Masse da sind und die einfach einmal es schaffen, in eine Welt einzutauchen, die nichts mit ihrer eigenen zu tun hat.
Florian Bayer: Der Film feiert den Eskapismus und das ist ganz toll, weil Fluchtbewegungen werden im Film generell eher negativ dargestellt. Fluchtbewegungen werden bewertet, als dass es jemand versteckt sich vor sich selbst, vor der Wirklichkeit und so weiter. Dieser Film, was um die Ecke gedacht wirklich mutig ist, traut sich den Eskapismus, der eigentlich so ein negatives Trope ist, wirklich zu feiern. Absolut. Die Leute haben jedes Recht dazu, jetzt mal die Augen zuzumachen vor der Wirklichkeit, die scheißhart ist und zu fliehen. Die Menschen dürfen an ihre Orte fliehen, zum Beispiel dieses Dachgeschoss vom Kino, wo früher noch ein paar Säle waren, das mittlerweile komplett leer steht und einfach an diesem komplett verlassenen Ort zu sein, wo die Wirklichkeit für ein paar Minuten ausgeklammert ist.
Johannes Franke: Ja, wo alles andere weg ist. Und die hatten so ein Glück, dieses Ding existiert wirklich. Um das ganz kurz zu erzählen, in Margate, das ist so eine Küstenstadt, haben die ein altes Kino gefunden, Dreamland hieß das. Und das konnten sie umbauen in ihr Empire-Ding. Das hatte leider nicht die große Lobby, die sie eigentlich wollten gerne, die ja auch im Film zu sehen ist, aber sie hatten großes Glück, dass drei Türen weiter in einem anderen Gebäude, beziehungsweise kein anderes Gebäude, sondern eben so ein riesiger Parkinglot frei war. Und da konnten sie dann ihre Lobby hinbauen und hatten gleichzeitig durch diese Fenster vorne genau den gleichen Ausblick wie drei Türen weiter im richtigen Empire, wo sie gedreht haben, den Rest. Das heißt, es kam alles so gut zusammen und eigentlich war Sam Mendes gar nicht so begeistert als erstes von dem Drehort und hat dann aber festgestellt, es ist alles da. Und Roger Deakins hat die ganze Zeit gesagt, du musst das machen, du musst das hier machen, das ist großartig. Es gibt sogar diesen Ballroom ganz oben, den du da im Drehbuch hast. Wir gucken auf die See, es ist der Hammer. Wirklich ein krasses Ding. Auch so was für Zufälle, weißt du, dass so ein altes Art-Decor-Cinema da irgendwie steht. Und natürlich haben sie viel mit der Ausstattung nachgeholfen und so weiter, aber es war schon wirklich ein toller Zufall.
Florian Bayer: Und total nachvollziehbar, dass der Kameramann sich dann darin verliebt, weil es ist ein Ort, der einfach diese traumhaften Bilder noch und nöcher produzieren kann. Wir haben diese ganz banalen Bilder, wie sie da stehen und die Gäste kommen und sie reißen die Karten ab, sie verkaufen Snacks. Und das die ganze Zeit vor diesem Hintergrund von dem offensichtlich auch Anfang der 80er schon alten Gebäude, dass das einfach eine Geschichte hinter sich hat, dass diese Geschichte noch atmet, weil alles eben noch nach diesem Art-Decor aussieht. Und es sind einfach wirklich wunderschöne Bilder von dem, was wir als Traumpalast bezeichnen. Voll. Das ist das, was wir meinen, wenn wir Traumpalast sagen, dann ist es halt nicht das Cineplex, UCI, whatever, sondern es sind solche Orte.
Johannes Franke: Ja, und es ist toll, den Kontrast zu sehen, den der Film in den ersten paar Minuten schon zeigt. Du kommst da rein und siehst, wie Hillary aufschließt, wie sie ein paar Sachen macht. Wir sehen das wunderschöne Theater und vor allem den großen Vorführraum, der wirklich pompöser nicht sein könnte. Eindrucksvolle Ränge und dieser Vorhang, der da aufgeht, ganz, ganz klassisch, wunderschön. Etwas, wo ich einfach sitzen und sitzen und sitzen könnte, mein ganzes Leben lang und einfach nur da sitzen und mich freuen. Und dann kommt sie in ihre Räume und die sind runtergerockt. Da ist nicht viel Geld reingeflossen. Die sehen furchtbar aus. Wirklich, wirklich krasses Ding. Ich weiß nicht, wie viele, die dir nachgeholfen haben, aber so stelle ich mir das halt auch vor. Und das ist der Kontrast, den... Diese Mitarbeiterräume. Ja, die Mitarbeiterräume.
Florian Bayer: Und großartig ist es, wenn es gibt diesen einen Raum, um den man anfängt, so ein sehr großes Mysterium gemacht wird. Hillary sagt auch zu Steven, als sie ihn rumführt, sie soll ihn rumführen, um ihm das Kino zu zeigen. An diesen Ort darfst du nicht gehen, weil... Jetzt muss ich kurz einmal den Namen suchen, weil der Name wird noch öfter fallen. Weil Norman ist da wirklich sehr eigen. Der will nicht, dass du in den Vorführraum gehst. Dem ist das wirklich wichtig. Und dann nachher sehen wir diesen Vorführraum, dem sehr langen Mysterium gemacht wird. Und dann sehen wir auch so einen abgerockten Raum, der vollgeklebt ist mit den Bildern von den Filmstars und den Filmzenen, wo wir sehen, Norman hat hier sein eigenes Reich. Und das ist so toll, weil Norman sich darüber aufregt, dass die Leute im Kino nicht rauchen sollen. Und dann sitzt er da und raucht seine Zigarette neben den großen Maschinen.
Johannes Franke: Vielleicht ist es ein bisschen gemein, aber der Vergleich, wenn du dir jetzt eine Autowerkstatt vorstellst, wo die ganzen Kalender mit den halbnackten Frauen sind, ein kleines bisschen ist das das, oder?
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Es ist ein totaler Nerdraum. Und Norman passt da so total gut rein, um kurz zum Staffzug gehen, zu den Leuten, die sonst noch in dem Kino arbeiten. Gespielt von Toby Jones, den wir unter anderem im letzten Indiana Jones Film gesehen haben. Der ist großartig. Der so was ganz warmherziges, ruhiges hat immer und auch so ein bisschen schräges, verrücktes. Und das ist eine tolle Mischung. Norman ist dieser Filmvorführer, der dann auch irgendwann, Stephen schafft es, sein Vertrauen zu gewinnen und darf die heiligen Filmrollen tragen und darf dann sogar später die Filmrollen wechseln. Vielleicht hat Norman da so ein paar klischeehafte Monologe, wenn es darum geht zu sagen, was der Zauber des Films ist mit 24 Bildern pro Sekunde oder bla bla. Es steht alles, aber der Zauber. Das ist effizient. Er macht das gut. Ja, es ist toll inszeniert. Es ist halt auch dieser Kabuff und du hast aus diesem Kabuff so diesen kleinen Spalt, von dem du in den Kinosaal blickst und erhaschst so einen Blick von der Leinwand und siehst die Leute, die da sitzen. Das ist natürlich ein toller Ort.
Johannes Franke: Ja, total. Wahnsinn. Das macht die Liebe zum Kino natürlich. Und ich finde es ganz toll, dass der Film sich aber nicht nur darauf stürzt. Weil davon gibt es, also ich meine, es gibt schon auch genug Filme, glaube ich, die einfach sagen, ja, Kino ist toll und so reflektiv sind und so.
Florian Bayer: Wir hatten schon mal Liebeserklärungen ans Kino, sonst wäre der Film natürlich so, der müsste eigentlich, der müsste noch mal so eine Bestenliste machen, aber wir haben eine andere, weil in irgendeiner anderen Episode reden wir schon darüber.
Johannes Franke: Ja, und da gab es den Film noch nicht. Stimmt, wow. Unser Podcast ist älter als dieser Film. Ja, natürlich, aber der Film hat natürlich viel mehr Themen, was ich auch wirklich toll finde. Was aber in der Kritik wieder schwierig ist, aber wir machen einen eigenen Kritiksektor, würde ich sagen.
Florian Bayer: Wir können auf jeden Fall einen eigenen Kritiksektor machen, weil es gibt da auch ein paar Sachen, die ich an dem Film kritisieren würde. Ja. Oh mein Gott, was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen. Aber wohin? Oh mein Gott, Johannes. Ja? Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo. Oh nein. Shit. Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: iTunes, Beam, whatever, was ihr auch benutzt.
Johannes Franke: Genau, also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de. Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das, oh, wir sind schnell durchgekommen. Ja, jetzt schnell raus, schnell wieder zurück ins Gespräch. Das Kino ist halt der Ort, auf den immer wieder referiert wird als Fluchtort, als Ort der Schönheit irgendwie, wo man es schafft, diese Realität hinter sich zu lassen. Aber dann haben wir die Realität unserer Protagonisten. Das erste ist die psychische Erkrankung von Hilary.
Johannes Franke: Ja, die wie gesagt nicht 100% definiert wird, die ich aber finde so gut gespielt ist von Olivia Colman, die also wirklich, muss man sagen, den Film trägt. Von Olivia Colman spielt das so. Es ist wirklich der Hammer.
Florian Bayer: Diese Wechsel von dem depressiven, lethargischen, den wir ja am Anfang, am Anfang sehen wir sie eigentlich nur so als depressive, lethargische Frau, die Nump ist, weil sie nimmt auch das Lithium dann und sie ist die ganze Zeit in diesem, ja, ausdruckslos. Und das Krasse ist, dass wir, der Film führt uns fast so ein bisschen auf eine falsche Fährte, weil wir haben das Gefühl, wir haben hier einen Menschen, der sich nichts traut, nicht aus sich raus geht und dann gibt es die Momente später, wo wir sehen, wie sie aus sich raus geht und wir sehen, ah, vielleicht hat sie sich deswegen auch so betäubt, weil wenn sie aus sich raus geht, dann wird es halt wirklich krass und intensiv. Und dann verkleidet sie sich und geht zu dieser Filmpremiere, um die zu sprengen oder dann ist sie am Strand und kriegt einen Wutanfall und steigert sich da rein und schreit Steven dann nur noch an, obwohl er nur einen falschen Satz gesagt hat. Nicht mal das? Nicht mal wirklich das, ja. Und dann sehen wir, ah, okay, es wird hier nicht nur eindimensional eine depressive Frau gezeigt, sondern es wird eben auch gezeigt, was mit ihr passiert, wenn sie in so eine manische Phase kommt.
Johannes Franke: Ja, voll. Ja, und dann wird es ein bisschen erklärt, man wird ja auch gesagt, sie war dann für ein halbes Jahr weg vom Fenster, sie musste da irgendwie in eine Klinik, sagt man so, eine Klinik als ominöser Begriff für eine Nervenheilanstalt oder was auch immer damals aktuell war. Und ja, wir bekommen ein gutes Gefühl dafür, wie diese Frau drauf ist, was da los ist. Wir sehen auch, wie sie ihre Medikamente nimmt und davon einiges auch im Schrank liegen hat und dann sehen wir auch, wie sie sie eben nicht nimmt. Wie sie die Tür zum Spiegelschrank wieder zumacht, ohne sie Medikamente zu nehmen.
Florian Bayer: Dieser Mittelteil, wenn sie ausbricht, also eigentlich ab dieser Szene, wo sie gemeinsam mit Steven zum Strand gefahren ist, dann den ersten Ausraster hatte und dann eben ganz lange zu Hause ist und nur Musik hört, Bob Dylan, it's alright, I'm only pleading, und sich komplett verschließt und gleichzeitig so paranoid ist und dann eben zu dieser Premiere geht und dann diesen Ausraster hat, to fuck or not to fuck. Was für eine großartige Rede ist das denn? Es hat mich umgehauen. Dieser Mittelteil ist so stark. Olivia Colman fiel das unglaublich gut. Und dann haben wir dieses intensive Zentrum des Films, in dem sie einfach komplett ausrastet und wirklich einfach komplett drüber ist. Und wir sind damit konfrontiert und Steven ist damit auch konfrontiert. Steven, der sie liebt und irgendwie versucht an sie ranzukommen, der mehrere Versuche wagt. Und das ist wirklich eine krasse, bestimmt ein Drittel des Films, dieses krasse emotionale Ding, wo wir mit ihr mitgehen, wie sie in dieser Episode drin ist und da nicht rauskommt.
Johannes Franke: Ja, sie wird zu einer Urkraft, habe ich das Gefühl, weil sie wirklich schauspielerisch da einfach voll reingeht und alles rausholt aus ihr, was sie irgendwie zur Verfügung hat an Emotionen, an Wut, an Verachtung und so, was halt hochkommt in dieser Phase.
Florian Bayer: Und das Krasse ist bei allem, wo man merkt, dass sie drüber ist, dass sie wirklich Hilfe braucht in diesem Moment, hat sie ja auch immer so ein gewisses Recht dahin, weil sie lehnt sich in diesem Moment krass gegen Alice auf, der sie irgendwie auch missbraucht hat, der auf jeden Fall mindestens seine Stellung missbraucht hat, um ihr Sex zu haben und der sie echt scheiße behandelt hat. Und sie wird diese Urkraft und sie hat teilweise auch das Recht dazu und irgendwie feiern wir sie auch ein bisschen dafür, auch wenn wir ihr eben wirklich in so einer hochproblematischen Episode zugucken, die sie ja auch später bereut. Sie fragt dann ja auch Steven, oh Gott, war ich peinlich, war das erniedrigend, was ich da gemacht habe?
Johannes Franke: Und er sagt, dass sie irgendwie auch eine Heldin war an der Stelle, was ich total nachvollziehen kann, was genau das ist, was du meinst, oder? Dass wir als Zuschauer wirklich zugucken und denken, ja irgendwie hat sie recht und ich finde es auch gut, dass sie sich davon löst, von diesem Chef, der die ganze Zeit Sex einfordert.
Florian Bayer: Es hat halt so was kathartisches, sie ist die ganze Zeit so betäubt und lässt alles mit sich machen und hat kaum eine Möglichkeit, ihre Persönlichkeit zu entfalten und dann sehen wir, boah, dahinter steckt so viel Persönlichkeit. Auch wenn wir sie dann in ihrem Zimmer sehen und wie sie so eingebunkert ist und das Zimmer ist a mess und es sieht auch aus, da könnte jederzeit ein Brand kommen, weil sie irgendwelche Kerzen angezündet hat und so. Aber wir sehen plötzlich in ihr, die die ganze Zeit so verschlossen war, steckt so viel Energie drin.
Johannes Franke: Ich finde, man sieht vorher schon, dass da viel mehr dahinter steckt, allerdings nicht die Energie. Ich finde, dass Olivia Colman immer wieder es schafft, so leichte Sachen einzustreuen. Ich denke nur daran, wie Steven das erste Mal mit ihr eben da oben in diesem Ballroom ist, der da runtergekommen ist und nach dieser Taube greift. Und ein bisschen das Hemd nach oben rutscht und sie ihn das erste Mal auf eine Art und Weise anschaut, wo man denkt, oh, okay, da hat jemand wahnsinnige Sehnsüchte, die ihr da auch rein projiziert. Also so, sie ahnt zwar noch nicht, dass da wirklich irgendwas möglich ist, aber diese Sehnsucht in ihrem Blick, auch wenn der ganz klein gespielt ist, finde ich, es ist wirklich sehr subtil gemacht. Aber sie spielt das so stark, dass man es nicht verpassen kann. Es ist eine erotische Szene. Es ist eine verfluchte erotische Szene. Es ist so krass. Haut.
Florian Bayer: Es ist unglaublich. Und das nur mit so einem kleines bisschen hochgerutschtem Hemd. Genau, wir sehen nicht mal einen Bauchnarbe. Wir sehen wirklich nur so den Ansatz seines Bauches. Und sie guckt drauf und das war es schon. Und das war es. Und das ist wirklich, es ist eine extreme sexuelle Spannung in dieser Szene. Ja. Und sonst ist tatsächlich, wird ihre Romanze gar nicht mit so viel sexueller Spannung erzählt, sondern vor allem mit romantischer Spannung.
Johannes Franke: Weißt du, was das Problem ist? Olivia Colman hatte wahnsinnig Angst vor dieser Sexsache, vor den Sexszenen, die sie machen musste. Ja. Und hatte so gehofft, dass Sam Mendes die rausgeschnitten hat. Er hat sie nicht rausgeschnitten. Und Olivia Colman hat tatsächlich irgendwann öffentlich darüber geredet und hat gesagt, dass sie sich so schämt. Dass sie sich so geschämt hat dafür. Und es ist irgendwie als Schauspieler dann wieder beruhigend zu sehen, dass man auch als Frau mit so einem Standing und mit so einer Kraft, mit so einer Urkraft, trotzdem noch dann am Ende in der Situation ist, zu sagen, ah ja und stimmt das alles? Ist das alles in Ordnung? Darf ich das zeigen? Darf ich das nicht zeigen? Ich schäme mich auch so ein bisschen für das oder so. Obwohl sie es überhaupt nicht müsste. Wir wissen alle, dass das volle Kanne dazugehört und dass das eine richtig gute, wichtige Szene für den Film ist. Aber sie als Schauspielerin natürlich da verletzlich ist.
Florian Bayer: Ja. Wir haben mehrere Sexszenen in dem Film. Ich finde, der Film hat immer eine ganz gute Distanz. Also wir sehen die Sexszenen, die sie mit Steven hat, von sehr, sehr großer Distanz. Wir sehen auch, glaube ich, gar keine nackte Haut dabei. Also wir haben ja zum Beispiel, ich weiß nicht, ob das ihr erster Sex ist, da sind sie oben und nachdem die Taube weggeflogen ist, dann küssen sie sich. Ja. Und dann haben wir diese Szene, wie sie Sex haben, da irgendwie in diesem alten, verlassenen Lichtspielhaus und auf diesen Bänken und wir sind wirklich weit weg von ihnen. Das stimmt. Und auch die Szenen mit Alice, diese Sexszenen, die ja eher beklemmend sind, im Halbdunkel und wir sehen eigentlich nur ihren Rücken und wir sehen von ihm fast gar nichts, weil der Sex besteht auch darin, dass sie ihn masturbiert und er gerne hätte, dass sie ihm einen pläst und sie sagt, nee, will sie nicht und er drückt so nah, so komm, mach schon, mach schon. Oder der Sex besteht darin, dass er sie von hinten nimmt im Büro auf dem Schreibtisch und das ist halt auch so sehr, sehr rough.
Johannes Franke: Alles im Dunkeln auch.
Florian Bayer: Sehr dunkel und hat keine Nähe. Ich glaube aber, mich zu erinnern, dass da noch mehr war, aber ich weiß es nicht genau. Wir haben zumindest so diese, wir haben ja von Hilary diese Duschzehen, wo wir ein bisschen nackte Haut sehen, aber wir sehen auch nicht ihre Brüste oder so, sondern wir sehen sie auch. Und das sind ja auch keine erotischen Zähne, sondern das sind ja wirklich auch eher so diese depressiven Zähne, wenn sie unter der Dusche steht und sich anguckt und irgendwie drüber nachdenkt, was sie überhaupt macht und was sie überhaupt will.
Johannes Franke: Und siehst du, wir von außen beurteilen das so, dass wir sagen, naja, man sieht ja auch gar nicht wirklich was oder man ist es ja, aber für sie als Schauspielerin ist es einfach, sie hat da so viel reingesteckt. Ja. Und so viel private, sehr, sehr intime Sache, egal was man am Ende sieht oder nicht sieht, du bist am Set und hast vor der Kamera eine Sexszene.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Egal wie dunkel es ist, es ist einfach, du bist da einfach verletzlich.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und das ist krass.
Florian Bayer: Ich finde es toll, dass wir haben, wir haben ja dieses Ensemble in dem Kino, diese Leute, die mit ihr zusammenarbeiten und da haben wir diesen Neil, der offensichtlich die Person ist, die sich am meisten Sorgen um sie macht. Neil gespielt von Tom Broke. Den wir unter anderem aus dem Rockboat kennen, The Boat That Rocked. Ja, der immer so wahnsinnig süße Nebencharaktere spielt irgendwie. Der auch so ein bisschen wie so das Liché eines exzentrischen Britten aussieht. Stimmt. Aber er spielt das in dem Film gar nicht so sehr, sondern er ist wirklich der, der sich ja wirklich fürsorglich auch um Hilary kümmert. Der redet dann mit ihr, nachdem sie, als so die Romanze anfängt mit Steven, sagt er so, ey, ich mach mir Sorgen um dich, ich hab so das Gefühl, du weißt, was das letzte Mal passiert ist, pass auf, dass nicht wieder sowas passiert. Und wo wir kurz noch denken, es könnte auch Eifersucht auf Steven sein, was er dann aber sehr schnell weggewichtigt wird, wenn er später mit Steven redet und auch zu Steven sagt, ey, pass auf, das und das ist passiert. Und ich will dir das nur nochmal sagen und wahrscheinlich hast du jedes Recht, dir Sorgen zu machen, um sie. Kleine Nebenfigur, aber toller Charakter, toller Figur.
Johannes Franke: Ja, total schön. Sie sind alle toll. Ich finde die alle gut erzählt. Ich finde auch die, mit der lustigen Frisur, Janine, genau, auch toll, auch wenn sie nicht so viel Screentime bekommt und nicht so wahnsinnig viele, aber die hat ja am Anfang auch so ein Auge auf den Neuen geworfen. Ich glaube, sie ist auch so ein bisschen Tool, um zu zeigen, wie Hilary mit Eifersucht umgeht, ne? Ja, vielleicht. Aber sie hat Spaß. Ich finde sie als Spaßcharakter in diesem Ding, ne, da ist die Premiere und sie sieht immer noch genauso unrepräsentabel aus wie vorher.
Florian Bayer: Ey, es ist Großbritannien der 80er Jahre, der frühen 80er Jahre. Da muss man so aussehen, wenn man unter 30 ist. Das ist eine offizielle, riesige, krasse Premiere, weißt du, und sie kommt da so. Und dann natürlich Norman, der irgendwie auch so präsent ist als der Filmvorführer, als der, der den Zauber Wirklichkeit werden lässt. Und das mit sehr viel technischem Geschick macht und dem sehr wichtig ist, dass das richtig gemacht wird, damit die Magie nicht gebrochen wird. Dass es eben nicht diese, dieses zu lange Dunkelheit zwischen den Bildern gibt. Das Filmrollenwechseln wird in diesem Film sehr stark thematisiert. Ja. Halte die Illusion aufrecht. 24 Bilder pro Sekunde. Das Publikum darf nicht bemerken, dass das eigentlich nur Standbilder sind.
Johannes Franke: Als ich im Kino war für, als ich bei Oppenheimer im Kino saß und das war eine Vorführung mit echter Filmrolle. Ja. Habe ich erstmal gemerkt, wie schlecht man das wechseln kann. Wirklich, es war so schlecht. Ja. Es war wirklich übel, wo ich gedacht habe, what the fuck, die halbe Szene ist weg, was ist hier los? Oh nein. Ja, wirklich. Man hat ja immer, und nun weiß ich das und der Rest des Publikums vielleicht nicht unbedingt, aber du hast immer oben rechts im Bild zweimal in einem gewissen Abstand so und so viele Frames, damit man genau weiß, wann man wechseln muss, so einen kleinen weißen oder schwarzen eingestanzten Punkt. Seit Fight Club wissen das alle. Stimmt, genau. Und den muss man, der kommt zweimal. Einmal als Warnung, es ist bald soweit und dann kommt der nochmal, um zu sagen, in so und so viele Frames musst du wechseln. Und als Filmvorführer musst du das drauf haben und in dem Film, wir haben da gesessen wirklich und dann kam der Punkt einmal und dann wechselte die Szene. Nein, nein. Er hat es verkackt. Oder er hat es richtig verkackt.
Florian Bayer: Shit. Das ist hart. Aber na klar, FilmvorführerInnen arbeiten digital heutzutage, was kümmern die sich um Filmrollen. Ja, genau. Und das war schon bitter. Da habe ich gedacht, ach du Scheiße, meine Güte. Hat sich irgendjemand beschwert, ist irgendjemand aufgesprungen und hat gesagt, ey, gib uns diese 30 Sekunden wieder.
Johannes Franke: Nee, das Ding war, es war ja kein Dialog glücklicherweise, der unterbrochen wurde. Aber es war etwas, wo ich gedacht habe, okay, ich habe mich jetzt hier um 30 Sekunden filmbeschissen gefühlt. Weil ich nicht weiß, was will der Filmemacher mir an dieser Stelle noch erzählen. Dann kommt der Szenenwechsel. Natürlich haben die das vielleicht auch so getimt, dass mit der neuen Rolle eine neue Szene anfängt, sodass das eine Allowance bringt. Aber das ist trotzdem, also da fehlt einfach Zeug. Ja, das ist hart. Das ist einfach schlecht. Ja, naja. Genau. Und das scheint also eine Kunst zu sein, die unser Filmvorführer besonders leidenschaftlich vorführt.
Florian Bayer: Neben der psychischen Erkrankung von Hillary ist das zweite große Ding, das im Weg steht von ihrer Beziehung mit Stephen, der Rassismus, den wir in England der frühen 80er haben. Und es gibt eine ganz frühe Szene, wo das eine Rolle spielt. Ihre Romanze hat gerade erst angefangen. Und es kommt ein rassistisches Arschloch ins Kino. Und er wird von Stephen, der die Karten, die Tickets reißt, darauf hingewiesen, dass er nicht mit seinen Chips, die er da gerade isst, reingehen kann. Also Pommes quasi. Chips im Sinne von eigentlich Fisch und Chips. Also er hat die auch wirklich ganz klassisch in so einer Zeitung eingewickelt. Und dieser Besucher regt sich zuerst drüber auf, allgemein, und ist dann aber kurz davor, einen rassistischen Slur zu sagen. Und Hillary löst die Situation so auf, dass sie Stephen nicht zur Seite steht, sondern einfach versucht so mit guter Miene zu sagen, hey, ach kommen Sie jetzt, jetzt sind Sie doch fast fertig und so weiter, essen Sie es noch schnell zu Ende. Und das irgendwie aufzulösen. Und sie ignoriert den Rassismus darin, woraufhin Stephen wirklich wütend weggeht. Und Hillary versteht das nicht. Und das zeigt uns auch so ein bisschen, was hier problematisiert wird. Nämlich, dass wie Hillary als Weiße überhaupt nicht versteht, wie krass Rassismus für Stephen alltäglich ist. Und wie oft er auch einfach Angst hat. Und wie oft er auch einfach ständig vor Rassismus fliehen muss. Wir haben darauf irgendwann eine Szene, wo sie ihn beobachtet aus der Entfernung, wie er von Neonazis angemacht wird. Vorher sogar. Und genau, wir haben dieses Thema der Rassismus im England der frühen 80er Jahre und genauso wenig wie Stephen mit ihrer psychischen Erkrankung klarkommt, kommt sie mit der Tatsache klar, dass es Menschen gibt, die halt ständig dem ausgesetzt sind.
Johannes Franke: Ja, ich finde die Szene total gut gemacht, weil er dann, er rennt raus. Und ich glaube auch, dass wir heute noch im Kino sitzen, uns den Film anschauen und in dieser Szene vielleicht nicht immer sofort genau verstehen, warum er so extrem reagiert. Wir wissen um den Rassismus, aber warum er so extrem reagiert, ist uns als nicht schwarze, weiße Personen vielleicht nicht immer 100% klar. Deswegen klärt der Film das einmal auch kurz, indem man das Gespräch anführt. Sie rennt ihm nämlich hinterher und fragt dann, was, was, was denn los und kann irgendwie, wir können sich nicht wegrennen, wir kommen noch mit zurück oder so. Ich weiß nicht genau, was sie sagt. Und, und er sagt, you're just making it worse by pretending it's not there. Und da wird mir als Zuschauer spätestens dann klar, okay, das, das natürlich, das ist das große Problem, wenn wir alle so tun, als wäre es nicht da und ist Totschweigen, dann wird sich nichts ändern. Keine Chance.
Florian Bayer: Und ihr diesen Konflikt mit Weglächeln lösen ist halt insofern auch die falsche Reaktion, weil sie einfach in dem Moment dem Rassisten beisteht. Wenn auch nur sekundär, wenn auch nur indirekt. Ja. Aber sie sagt, ich habe deinen, ich ignoriere deinen Rassismus und damit sagt sie, so Steven, ich ignoriere, dass du gerade wieder rassistisch verletzt wirst.
Johannes Franke: Genau. Und er sagt dann natürlich völlig berechtigterweise, he should leave, not me. Ja. Und ja, auf jeden Fall, volle Kanne. Aber da sitzen wir natürlich dann zwischen zwei Stühlen als Kinobetreiber zum Beispiel. Du hast auf der einen Seite den Kunden, der angeblich immer König sein soll und auf der anderen Seite diese krasse Situation, den Rassismus, der in den 80ern einfach auch nicht so behandelt wurde. Der einfach totgeschwiegen, also deswegen passt das ja auch in den Filmen so sehr. Das ist halt die 80er, das sind die Zeiten, wo einfach das möglichst totgeschwiegen wurde und nicht weiter darüber geredet wurde.
Florian Bayer: Es wird ja kein konkretes Datum genannt, wo wir uns befinden, aber offensichtlich Anfang der 80er zum einen, weil er sagt jetzt mit 80er. Ah, wird es konkret gesagt? Es gibt ja auch ein Silvester. Natürlich, es gibt ein Silvester. Wir sind 1981, Fetcher kommt an die Regierung und dann gibt es dieses, im Jahr 1980 hat, darauf referiert er auch ganz kurz, wenn er sagt, was in Brixton war, hat die Polizei diese Swamp 81 gemacht. Das war so eine Massendurchsuchung von jungen Schwarzen, woraufhin es zu Straßenschlachten kam. Wir hatten eigentlich Anfang der 80er Jahre, hatten wir die ganze Zeit in Großbritannien, vor allem in Südengland, hatten wir diesen Konflikt zwischen jungen Schwarzen und der Polizei. Es gab Straßenschlachten, es gab Verhaftungen, es gab absolut unverhältnismäßige Gewalt von Polizisten gegen Schwarze, gegen Jugendliche. Und gleichzeitig hatten wir eben dieses, dass die rechten Narrative im Bürgertum stärker wurden. Die Konservativen hatten irgendwie so eine Hochzeit. Margaret Thatcher war dann ja auch ewig lange, ewig lange Regierungspremierministerin. Und wir hatten daneben noch das Aufkommen, was wir dann später auch im Film sehen, des Rechtsradikalismus. Dadurch, dass es Teile der Skinhead-Bewegung zum White Power-Nationalism und Rechtsradikalismus hingezogen fühlen, bis hin zum Neonazismus. Und das ist der zeitliche Kontext, in dem wir uns befinden. Und Stephen wird permanent damit konfrontiert. Er wird damit konfrontiert, dass er rassistisch beleidigt wird von Bürgern. Er wird damit konfrontiert, dass er Angst hat vor Polizisten. Er wird damit konfrontiert, dass er gejagt wird von Neonazis, bis hin zu dieser Szene relativ am Ende dann, wo sie das Kino stürmen bei einer Neonazi-Demonstration.
Johannes Franke: Ja, das ist auch krass gemacht, oder? Also im Kino war ich so erschlagen davon, weil du einen riesigen Bildschirm, diese riesige Front vor dir hast, wo diese Leute vorbeifahren erstmal und dann kommen diese Nazis. Und das ist eine wahnsinnige Macht, die dir da entgegen bricht. Es ist so düster, weil sie lächeln ja, sie gucken ja, was ist das? Da kommt ja ein Radfahrer, sie wissen nicht genau, was das ist.
Florian Bayer: Und dann stellen sie plötzlich fast Shit, da werden irgendwelche nationalistischen Parolen rufen. Und irgendjemand sagt dann, okay, wir machen jetzt erstmal das Kino zu, damit hier keiner reinkommt. Weil sie sehen natürlich auch, scheiße, wir haben hier Stephen stehen und der ist Zielperson von denen. Und wie sie sich dann diese Horden an der Tür sammeln und anschreien und gegen die Tür klopfen und denkst nur, fuck, jetzt passiert was Schlimmes.
Johannes Franke: Ja, und wenn du dann noch einen richtig guten Sound hast, der dir das alles richtig reinhämmert, das war im Kino wirklich hart.
Florian Bayer: Ja, es ist auch, in dem Moment hört man am ehesten Trent Reznor raus, es ist nämlich ein Trönen. Und nicht das Hans-Zimmer-Trönen, nicht das pompöse Hans-Zimmer-Trönen, was wir von Christopher Nolan kennen, sondern wirklich dieses kakophone, unangenehme und dann werden die Türen eingeschlagen und die kommen rein. Und diese krasse Ohnmacht, diese Hilflosigkeit in dieser Situation, dass er umzingelt ist von den Neonazis, sie fangen an, ihn anzupöbeln. Und Steven ist sehr aufrecht, wir werden gleich nochmal über Steven als Charakter reden und wehrt sich gegen sie und wird dann halt böse verprügelt und kommt ins Krankenhaus. Und wir wissen auch tatsächlich zuerst nicht, wie gefährlich es ist, es könnte alles sein. Also es sieht ja in dem Moment, wo er im Krankenwagen ist und sie ihn versuchen zu stabilisieren und Hilary fährt mit ihm im Krankenwagen, dann haben wir im Moment das Gefühl, okay, er kämpft ums Überleben jetzt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und kommt dann ins Krankenhaus und dann lernt Hilary zum ersten Mal seine Mutter kennen.
Johannes Franke: Hm, darauf warte ich die ganze Zeit schon. Diese Mutter ist noch eine Figur, die ich unbedingt nach vorne heben will als Schauspielerin. Einfach die, die macht das so wahnsinnig gut. Delia Moria soll sie heißen als Figur, gespielt von Tanja Moody, die das so gut macht. Ja. Die hat so viel Kraft und so viel Ruhe in dieser, also so viel Kraft in der Ruhe einfach. Und es gibt so kleine Momente zwischen ihr und Olivia Colman, die so viel mehr sagen, als das Drehbuch sagt.
Florian Bayer: Ja. Das Fantastische ist, dass sie es wirklich geschafft haben, hier eine sehr ambivalente Figur zu erzählen. In wenigen Momenten, dass wir das Gefühl haben, sehr viel zu erfahren, was in ihr vorgeht, ohne dass das auserzählt wird. Ja. Offensichtlich tut sie sich schwer damit zu akzeptieren, was für eine Beziehung das Steven hat. Er hat ihr von dieser Beziehung erzählt. Ja. Und er hat ihr auch offensichtlich von dem Strandvorfall erzählt. Sie fragt nämlich Hillary, konkret sind sie die vom Strand? Mhm. Und sie, es ist jetzt nicht so, dass sie sagen würde, hey geil Steven, ich freue mich so für dich. Mhm. Aber gleichzeitig merkt sie auch, dass diese Beziehung Steven unglaublich viel gibt und das sagt sie dann auch sehr, sehr konkret. Das gehört zu den weniger subtilen Momenten, wo sie dann wirklich sagt, keine Ahnung, was mit dir und meinem Sohn ist, aber ich sehe, dass du ihn glücklich machst. Ja.
Johannes Franke: Und wir haben wie... Ich finde ja sonst, dass man solche Sachen nicht unbedingt aussprechen muss. Ich finde aber in diesem Fall ist vollkommen gerechtfertigt und richtig, weil es für Olivia Colmans Charakter wahnsinnig wichtig ist. Ja. Das löst ja bei ihr was aus. Ja, total. Das hilft ihr ja auch und es bringt ihr ja auch gen Ende. Und dadurch verdient der Film, dass sie am Ende lächeln darf, wenn sie in die Zukunft schaut. Da als letztes Punkt. Ja.
Florian Bayer: Na, es ist halt auch spannend, weil wir sehen, dass sie sehr lange damit kämpft, ob sie überhaupt zu Steven ins Krankenhaus gehen soll. Ja, wir hatten ja auch den Moment, dass er, er hat ja diese zweite, nicht Romanze, sondern eher offensichtlich das, was die Frau, die seine Mutter mit ihm verkuppeln will, nämlich Ruby. Und die, von der wir nicht so genau wissen, wie sie in Stevens Leben steht, aber irgendwie scheint seine Mutter sehr, sehr wichtig zu sein, dass er sich mit ihr beschäftigt. Ja. Und es ist eine alte Liebe von ihm. Die hat im Krankenhaus von der Mutter gearbeitet und er begegnet ihr durch Zufall wieder, nachdem Hillary im Krankenhaus ist und sie knüpfen wieder Kontakt. Und ja, es ist eben auch dieses spannende Moment dann mit drin, dass auch Steven irgendwie so sieht, ah, ist diese Beziehung, die ich zu Hillary habe, jetzt überhaupt die richtige Beziehung? Oder ist nicht eigentlich das meine Welt? Diese junge, schwarze, die für meine Mutter gearbeitet hat, in die ich verliebt war.
Johannes Franke: Das ist auch die Frage, die wir uns als Zuschauer stellen in dem Moment, ne? Sobald sie im Kino steht und ihn anlächelt und er so, oh, wie cool, da bieten sie sich gerade was an und wir als Zuschauer denken, das tut mir wahnsinnig leid um Hillary, aber ist das vielleicht das, was es sein sollte oder nicht sein sollte? Oder darf man das entscheiden? Oder als Zuschauer geht der ganze Ding durch meinen Kopf durch. Und ich denke dann viel mehr, als ich den Rest des Films darüber nachgedacht habe, darüber nach, was das eigentlich für eine Beziehung ist. Die sind ja altersmäßig doch recht weit auseinander. Das ist mir den ganzen Film überhaupt nicht in den Kopf gekommen, aber in dem Moment kommt es mir in den Kopf.
Florian Bayer: Ne, weil der Film es tatsächlich schafft, das wirklich gut zu erzählen, ohne es zu erzählen, ohne es groß zu problematisieren. Wahnsinnig gut. Und dann gibt es ja auch diese, also diese Ruby wird ja auch nicht als Antagonistin von Hillary inszeniert, sondern es gibt wirklich diese schönen Momente, wo er mit ihr unterwegs ist. Sie hat ihm damals das Herz gebrochen, er ist froh, mit ihr wieder zusammen zu sein. Dann kommen sie an Hillary vorbei, es gibt dieses wirklich, was wir Steven öfter sehen, dann später öfter sehen, machen, machen sehen, dieses Ausatmen. Und dann beschließt er sich aber doch nochmal zu Hillary zurückzugehen und sie anzusprechen, was ich auch eine starke Entscheidung finde. Total. Und es wird nicht unangenehm inszeniert, wie das da eine große Dreieckskonstellation wäre oder so, sondern Ruby ist dann einfach auch präsent und ist auch einfach so der Gegenentwurf zu Hillary in seinem Leben. Sie kommt daher, wo er herkommt, sie weiß, womit er sich auseinandersetzt, welche Probleme er hat. Sie ist in seinem Alter, sie hat seine Hautfarbe, seine Mutter liebt sie offensichtlich.
Johannes Franke: Ja, also gleicher kultureller Hintergrund, wenn es jetzt um Hautfarbe geht. Ja. Ja, aber das ist so ein Moment, der so gleichzeitig so traurig ist, weil man denkt, ja, irgendwie ist das so das To-Go-Ding, aber warum sollte es das eigentlich sein? Ja.
Florian Bayer: Ja. Und dann kommen wir aber zu dem Punkt, wo ich anfange, den Film ein bisschen zu kritisieren. Ja. Ich frage, ist Steven zu perfekt? Ist Steven zu nett? Zu cool? Kümmert er sich zu sehr um Hillary? Ist er zu fürsorglich? Ist er einfach ein zu flacher Charakter, weil er zu gut ist?
Johannes Franke: Ja, das kann sein. Er ist überhaupt relativ zweidimensional, also nicht einmal eindimensional, aber zweidimensional. Er ist vor allem dazu da, für Hillary die Bühne zu bieten, habe ich das Gefühl.
Florian Bayer: Er darf nicht einmal feige sein. Er darf nicht einmal sagen zu Hillary, ich habe jetzt überhaupt keinen Bock mehr auf dich, du bist ja total verrückt. Ja. Er darf, selbst nachdem sie ihre Episode hatte, geht ihr nochmal zu ihr und versucht ihr wirklich zu helfen, klingelt mehrmals. Wenn er mit seiner neuen Freundin bei ihr an der Bank vorbeigeht, geht er nochmal zu ihr, redet gut mit ihr. Ja. Er ist einfach, er ist wirklich ein Musterknabe. Und ich glaube, es hätte dem Film gut getan, ihm ein bisschen mehr Wut zu geben, weil er hat jedes Recht auf diese Wut, genau wie Hillary. Voll, natürlich, absolut. Und auch ein bisschen, vielleicht auch ein bisschen mehr Angst und Feigheit zu geben, auch wenn er sich diesen Neonazi stellt, selbst das ist so ein würdevoller Moment, wenn er umzingelt ist von 20, 30 Neonazis und er steht da und sagt, ey, ihr seid voll die feigen Leute und er steht immer noch aufrecht. Das stimmt, das hat mich gewundert. Er rennt nicht weg. Ja. Und vielleicht hat es dem Film gut getan, ihm ein bisschen Würde zu nehmen, um ihm dadurch ein bisschen mehr Echtheit zu geben.
Johannes Franke: Ja, das stimmt, vielleicht. Aber dann wollen wir denn jetzt schon in die Kritikecke gehen? Also was heißt schon, wir sind über eine Stunde.
Florian Bayer: Ja, naja, ich bin jetzt, das ist halt, das ist so, weil jetzt sind wir so in diesem Steven-Part und wenn ich mir Steven betrachte, dann denke ich, ja natürlich, er ist da für ganz viele tolle Momente und ich finde es schön, dass er nochmal zu Hillary geht, dass er wirklich um sie kämpft und dass er nicht einfach so aufgibt. Aber dann irgendwann kommt so diese Frage, ja, das ist toll, dass er macht, das ist toll, dass er es macht, das ist toll, das ist toll, das ist toll, das ist toll. Könnt ihr mir ein bisschen was Negatives geben?
Johannes Franke: Ja. Ja, ist richtig. Die Sache ist die, es gibt viele Kritikpunkte, die immer wieder aufkommen, wenn man darüber liest, was andere an diesem Film finden oder eben nicht finden. Alle finden ganz großartig, was Roger Deacon da gemacht hat, da gibt es gar keinen Zweifel dran. Musik wird meistens auch gelobt, aber das Problem ist oft in der Erzählung, dass die Figuren zu flach seien. Also gerade Steven, aber auch die Erzählung der psychischen Krankheit und dass verschiedene andere Figuren nur sehr flach daherkommen, wie zum Beispiel eben Norman, der Filmvorführer und so weiter, die sehr flat erzählt werden.
Florian Bayer: Und ich finde, bei keiner Figur finde ich das zutreffend, außer halt bei Steven, wo ich das zumindest mich frage. Also ich finde, die psychische Krankheit ist überhaupt nicht flach erzählt. Ich finde, sie kriegt wirklich eine große Ambivalenz, sie kriegt viel Persönlichkeit. Sehe ich überhaupt nicht. Und klar, natürlich spielt sich sehr viel um Hillary ab, aber die anderen Figuren erfüllen trotzdem ihren Part so, wie sie es sollen. Ich muss nicht noch mehr über Normen erfahren, als das, was ich erfahre in den wenigen Sätzen, wo er was sagt über sein Leben. Er erzählt ja von seinem Sohn irgendwann mal. Ja, genau. Aber Steven ist, ja, ich finde, Steven hätte mal ein bisschen mehr Kanten geben können.
Johannes Franke: Weißt du, bei Steven kann ich es jetzt auch noch ein bisschen mehr nachvollziehen, weil mir das tatsächlich auch dann so ein bisschen aufgefallen ist. Aber es ist tatsächlich so, dass die meisten Kritikpunkte aus der Kritik mir während des Films so wurscht sind. Ich habe die Kritikpunkte vorher gelesen, bevor ich den Film nochmal gesehen habe, weil das jetzt zeitlich so funktionierte. Das habe ich sonst nie. Ich gucke mir den Film sonst völlig ohne irgendwelche Kritiken vorher zu lesen oder völlig ohne irgendwelche weiteren Informationen an, um einen ungefilterten Eindruck zu haben. Aber da ich den Film schon mal gesehen habe vorher und schon kannte, habe ich gedacht, diesmal geht es andersrum. Das heißt, ich habe den beim zweiten Mal gesehen mit all den Kritikenpunkten im Kopf, die mir vorher aufgefallen sind, die mir vorher im Internet, in der Recherche aufgekommen sind. Und nichts davon hat irgendeine Rolle gespielt, sobald ich so zehn Minuten im Film drin war. Der Film schafft es so, so, so sehr, auf der Gefühlsebene so viel zu bieten, dass die intellektualisierte Ebene im Sinn von, ich will aber hier, da muss man doch mehr Ausarbeitung dahin oder dahin. Ich kann sie alle verstehen und zwar nicht, weil sie was sagen, sondern weil sie was spielen. Ich kann jede Figur hundertprozentig fühlen und das ist das Wichtige an dem Film, finde ich. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu sehr schon ins Fazit reinrutschen. Da brauchen wir ja gleich noch einen Einspieler. Der andere große Kritikpunkt ist, dass in diesem Film drei große Themen verhandelt werden, die eigentlich jeweils einen eigenen Film bräuchten. Hast du das Gefühl, dass das immer zu kurz kommt, weil dann schon das nächste Thema drin ist?
Florian Bayer: Nee.
Johannes Franke: Ich nämlich auch nicht.
Florian Bayer: Ich finde, jedem dieser Themen wird genug Platz gegeben und ich finde zum Beispiel der psychischen Erkrankung wird mehr Platz gegeben und vor allem mehr Raum zum Atmen, als in so manchem Film, der auf 90 Minuten nur dieses eine Thema erzählt.
Johannes Franke: Ja, krass, oder? Es ist so seltsam. Aber wie schaffst du das? Du musst dir ein Wunder geschehen lassen, dass du in 90 Minuten drei Filme erzählst, was andere nicht mal in 90 Minuten schaffen.
Florian Bayer: Also vielleicht könnte man anbringen, dass das Thema Rassismus ein bisschen kurz kommt, dass es so in einzelnen Szenen, Schlüsselszenen abgehandelt wird.
Johannes Franke: Das ist das Einzige, wo ich wirklich auch sagen könnte, okay, jetzt intellektualisiert hinterher, vielleicht könnte man da mehr mitmachen. Aber dadurch, dass der Film wirklich auf dieser Erlebnis-Ebene und auch, was du sagst, dieser Perspektivwechsel.
Florian Bayer: Es ist nicht schlimm, weil wir diese Perspektiven haben und wir kriegen den Glimpse von Rassismus, den wir mitkriegen, kriegen wir durch Hilarys Augen mit. Und das finde ich spannend. Natürlich ist das, man könnte jetzt sagen, ja, gib doch mehr die Perspektive von Steven, der das wirklich erlebt. Aber andererseits erleben wir halt auch ihre psychische Erkrankung in der radikalsten Form auch eben nur durch die Perspektive von Steven. Ich finde das total gut, weil es in beiden Fällen den Blick von außen gibt und uns vielleicht so am stärksten sogar die Perspektive der Beobachter gibt. Und wenn wir natürlich sagen, das Überthema ist Kino, dann haben wir hier die Perspektive von Menschen, die beobachten, was im Leben von anderen Menschen passiert und irgendwie versuchen, damit umzugehen und darauf zu reagieren. Und das ist nicht perfekt. Bei Steven ist es vielleicht ein bisschen zu perfekt, aber es ist nicht perfekt, wie die Menschen damit umgehen. Es ist überhaupt nicht perfekt, wie Hillary mit dem Rassismus umgeht, den Steven erleiden muss. Aber sie bemüht sich. Genau, aber sie bemüht sich. Und das ist halt das, was du auch erstmal leisten kannst, wenn deine Perspektive eingeschränkt ist.
Johannes Franke: Ja, voll. Ich finde es total gut, dass wir da hinkommen. Gerade der Perspektivwechsel, den ich noch nicht so präsent hatte, der mir noch nicht so in der Reflexion klar war. Das ist gut.
Florian Bayer: Ich finde, bezeichnend dafür, was dieser Film in Perspektiven macht, ist eben diese Szene, wenn wir Hillary im Kino sehen, wenn sie sich von Norman einen Film vorführen lässt. Und wir sehen auch Hillary von vorne, wie sie ergriffen ist von dem Film. Aber wir sehen auch ganz viel, die meiste Zeit über in der Szene würde ich sogar behaupten, wie Norman sie betrachtet, wie sie einen Film betrachtet. Wir haben die Perspektive von dem Betrachtenden auf die Betrachtende, auf die Betrachtung. Und das gibt dem Film in diesem Moment eine gewisse Distanz zum Betrachtenden, aber gleichzeitig eine unglaubliche Stärke, weil es eben diese Nähe zum Betrachtenden... Also geht es um Empathie? Ja, absolut. Empathie ist ganz wichtig und Empathie, und der Film zeigt, wie Empathie eben entstehen kann, dadurch, dass du deine Perspektive, und wenn es nur durch so einen kleinen Spalt vom Vorführraum ist, ein bisschen aufbrichst und siehst, was erleben andere. Oder wenn du es dir sagen lässt. Hillary lässt sich von Stephen sagen, und das, was in Brixton passiert, und das, was in Bristol passiert, das ist alles zum Kotzen und Fetscher und so weiter. Ja, liest du mal Zeitungen. Genau. Genau. Und Stephen lässt sich von Hillary in ihrem Redeschwall sagen, was sie alles beschäftigt, obwohl es dann nur noch, wirklich nur noch Worte von einer Manischen sind. Und hört auch einfach nur zu. Das ist die Stärke eigentlich dieses Films, dass die Perspektive in der Wahrnehmung aufgebrochen wird. Ein Stück. Nur ein Stück, aber es reicht. Es gibt schon was.
Johannes Franke: Es ist schön, vielleicht ist es genau das, was die emotionalen Szenen des Films auch so effektiv macht, weil es wirklich die ganze Zeit um Empathie geht und ich einfach empathisch mitgehen kann die ganze Zeit. Wir fühlen mit Hillary und wir fühlen mit Stephen.
Florian Bayer: Und das ist schon stark, wenn du zwei Protagonisten hast, die beide ihr komplett eigenes Paket zu tragen haben und trotzdem kriegen beide Raum.
Johannes Franke: Ja. Ich finde es interessant, jetzt kommt mir so ein bisschen der Gedanke, dass wir in einer Zeit leben, in der wir uns mit Mental Illness und mit dem Rassismus und so weiter ja auch ein bisschen besser auskennen als in den 80ern. Und dass es vielleicht heute viel besser ist, den Film so zu machen, als es damals gewesen wäre. Weil damals hättest du viel mehr ausholen müssen mit dem Rassismus. Viel mehr erzählen müssen. Das kommt daher, das kommt daher, das sind die Leute übrigens, die Skinheads gibt es jetzt auch. Das hättest du viel mehr ausbreiten müssen, viel mehr erzählen müssen. Und heute, wo du ein bisschen vielleicht voraussetzen kannst, dass der Zuschauer zumindest ein Grundwissen mitbringt, ist es vielleicht auch nicht nötig immer die ganze Zeit. Also viele Filme machen das hervorragend und können das auch und müssen das vielleicht dann auch, weil die Art und Weise es zu erzählen so ist. Aber in diesem Film braucht es das einfach nicht, weil wir das mitbringen, das Wissen.
Florian Bayer: Ja, der Segen des Retrospektiven.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau das. Deswegen funktioniert es ja auch, weil es in den 80ern einfach ist. Und wir wissen, was da passiert ist. Auch nicht im Einzelnen. Du hast vielleicht auch ein bisschen recherchieren müssen, was jetzt einfach, was eigentlich mit Thatcher und so weiter in den 80ern war.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Aber, ne?
Florian Bayer: Ich kannte die Schlagworte Bristol und Pricks, wo diese Riots waren und das Polizeivorgehen. Das kannte ich vorher nicht. Ich kenne mich auch nicht gut aus mit britischer Geschichte. Ja. Wollen wir kurz zu dem Schluss ihrer Beziehung springen, zu dieser Abschlusszene, nachdem sie ihn im Krankenhaus besucht hat. Sie hat ihm noch diese Root Boys-CD-Schallplatte geschenkt. Jetzt habe ich wirklich CD gesagt. Du hast gerade CD gesagt.
Johannes Franke: Zu einem Kind der 90er.
Florian Bayer: Ja, ja, ja. Und sie geht dann ins Kino und lässt sich den Film zeigen und dann kommt es eben zum Abschied, weil Steven dann doch beschließt, Architektur zu studieren und das in Bristol. Das heißt, er wird wegziehen.
Johannes Franke: Und sie hat die ganze Zeit gesagt, du musst das machen. Ja. Lass dir nicht von anderen Leuten sagen, was geht und was nicht.
Florian Bayer: Und auch hier wird ja diese Ambivalenz, wenn sie sagt, oh, das ist toll, das ist toll und ja, ich gönne es dir und es ist schön. Und wir sehen aber auch diese Traurigkeit dahinter. Sie spielt das einfach zu gut.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Ich bin so bei ihr, weil sie die ganze Zeit sagt, well, that's nice. Und dabei so lächelt auf eine Art und Weise, wo ich denke, boah, es bricht dir gerade das Herz.
Florian Bayer: Aber es ist gut, dass sie es nicht brechen, sondern dass sie das so stehen lassen. Und dann kommt es ja zu dieser Verabschiedung auf der Bank, die letzte große Szene. Und sie ist einfach nicht in der Lage, ihm in die Augen zu gucken. Ganz kurz, auch ein ganz schreckliches Fünft-Lichet. Warum haben wir immer in Filmen diese Momente, wo sie sagen, und ich habe beschlossen, ich werde umziehen. Wann denn? Morgen. Warum? Warum muss es immer tomorrow sein? What the fuck? Du hast nur noch fünf Minuten Film übrig. Natürlich musst du das schnell machen. In sieben Tagen. Dann überspringt diese sieben Tage. Aber niemand, niemand macht das so.
Johannes Franke: Wieder eine Momente, wo das hier übersteuert alles. Aber mal gucken. Okay, sie sitzt jetzt auf der Bank und sie kann ihn nicht angucken. Sie kann ihn einfach überhaupt nicht angucken und sie spielt das so gut. Und ich denke ja die ganze Zeit, ich habe gelernt als Schauspieler, ich muss mindestens meinen Blick so weit heben, und dass die Kamera wenigstens meine Augen sieht, damit ich verstehe, was dieser Charakter denkt. Und ich sehe ihre Augen nicht ein einziges Mal und ich verstehe volle Kanne, was mit ihr los ist. Es ist so gut. Sie sendet das einfach so gut. Sie spielt das so wahnsinnig gut.
Florian Bayer: Und scheiß drauf auch in diesem Fall, dass es so ein Klischee ist, aber es ist so ein toller Katatischer Moment, wenn sie ihm dann hinterher rennt und schreit nochmal Steven und ihn dann umarmt.
Johannes Franke: Wir warten die ganze Zeit darauf und denken, ja okay, okay, das kommt jetzt.
Florian Bayer: Voll eine Klischee-Kanne. Und Sam Mendes ist nämlich auch ganz gut darin, so Klischee-Sachen zu erzählen, aber so zu machen, dass du sagst, scheiß drauf, dass es ein Klischee ist. Es ist einfach so gut in diesem Moment.
Johannes Franke: Es funktioniert einfach so krass. Also ich bin auch ein bisschen erstaunt, weil das wirklich so tief in diese Kiste greift, diese Klischee-Kiste. Aber irgendwie schafft er es auch so kameratechnisch, das so aufzulösen, dass wir sie jetzt nicht ewig lange angerannt kommen sehen im Hintergrund oder ihre Entscheidung da irgendwie, sondern es ist einfach auch sehr gut geschnitten auch dann.
Florian Bayer: Und das ist, was du mich ja immer so gerne fragst, diese typische Wie geht's weiter-Frage. Ist es ein optimistisches Ende? Ist es ein pessimistisches Ende? Was ist es für ein Ende?
Johannes Franke: Es ist natürlich ein optimistisches Ende, weil sie natürlich über die Kamera hinweg in die Zukunft schaut und zwar mit einem beginnenden Lächeln auf den Lippen. Und bei ihm wissen wir ja, bei Steven wissen wir ja sowieso, dass bei ihm alles glatt laufen wird, weil er ist der perfekte Mensch. Also insofern, keine Sorge bei ihm. Und es ist natürlich bittersweet, weil wir wissen, dass sie da gerade jemanden gehen lässt, der wahrscheinlich nie wieder in, so einen Menschen wird es einfach in ihrem Leben so nicht mehr geben. Die Wahrscheinlichkeit spricht dagegen. Aber sie wird davon sehr lange zehren. Und ich hoffe, dass sie es irgendwie schafft, naja, nicht wieder in den Moment zu kommen, wo sie sagt, ich nehme die Medikamente mal nicht mehr, weil mir geht's ja gerade gut. Warum sollte ich denn jetzt die Medikamente nehmen? Weil das ist nämlich der Grund, warum sie überhaupt in die ganze Scheiße reingeraten ist.
Florian Bayer: Das Schöne ist ja, dass wir so einen Film beenden können mit dem Gedanken, dass es eigentlich egal, wie es weitergeht, weil die bittere Wahrheit, und das ist der Eskapismus wiederum, weil die bittere Wahrheit ist, natürlich wird sie irgendwie in ein paar Jahren nochmal sowas haben. Sie hat eine chronische psychische Erkrankung. Und das wird wieder kommen. Sie wird wieder manische Phasen haben, sie wird depressive Phasen haben. Ja. Aber wie gesagt, der Film ist eigentlich, das Schöne am Kino ist, dass es uns eben diesen Rahmen gibt und sagt, jetzt wird der Vorhang geschlossen und jetzt hören wir noch einmal ein tolles Gedicht. Und es ist vorbei.
Johannes Franke: Jetzt sind wir fast schon, wie als wenn es Ende der Episode erreicht wäre. Aber wir haben noch eine Top 3 zu lösen, Plur. Dann lass uns doch da mal reinspringen. Okay. Unsere Top 3. Und wieder einmal ein wundervoller Jingle. Okay. Was für eine Top 3 haben wir?
Florian Bayer: Moment, Moment. Top 3 Strandszene. Ach, Strandszene. Wir haben in diesem Film so eine tolle zentrale Strandszene.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir haben noch nicht über Strände geredet in unserem Podcast. Wir müssen über Strände reden. Das ist doch das Klischee eines Kinofilms, der Strand. Ich habe keine Szene dabei, wo Menschen im Sand liegen, sich küssen und die Wellen über sie gehen. Was? Das gibt es ja wohl nicht. Das ist die berühmteste Strandszene der Filmgeschichte.
Johannes Franke: Auf meinem Platz 1 ist Baywatch.
Florian Bayer: Das glaube ich dir nicht. Schade. Also es gibt diese eine berühmte Filmszene am Strand, wo sie liegen und sich küssen und das Wasser From Here to Eternity 1953 wurde parodiert in 200.000 Filmen, in Shrek, aber auch vor allem in einer unglaublichen Reise in einem verrückten Flugzeug. Okay. Habe ich nicht drin. Und ich habe keine Szene, wo irgendjemand am Strand liegt und sich küsst. Okay. Ich glaube, ich habe auch keine. Ich hätte zwei Honorable Mentions. Soll ich dich schon mal raushauen? Hast du Honorable Mentions? Ja, komm, hau raus. Inception. Ganz banal. Tolle Szene, wenn er ganz am Ende am Strand liegt, in diesem Traum, im Traum, im Traum, im Traum, im Traum. Übrigens, kleine Sehempfehlung. Ich habe vor kurzem auf YouTube entdeckt, Inception in Realtime. Inception hat ja diese Schnitte zwischen den Szenen in Zeitlupe, um zu zeigen, wie die Zeiten in den verschiedenen Traumebenen ablaufen. Irgendjemand hat das zu so einem Mosaik geschnitten, wo dann die vier Bilder nebeneinander sind und die laufen dann natürlich ganz schnell ab alle.
Johannes Franke: Und es ist nur nach halb so lang der Film. Nicht mal. Fünf Minuten. Fünf Minuten. Krass.
Florian Bayer: Genau, Inception. Tolle Szene. Er landet an dem Strand und es ist halt so alles. Verlassen und komisch. Platz vier. Platz vier, genau. Andere honorable Menschen. Planet der Affen.
Johannes Franke: Gott sei Dank habe ich ihn gerade nicht in die Liste genommen. Ich habe gerade nochmal sortiert und Planet der Affen ist rausgefallen. Ey, du hast so über Planet der Affen gelästert und hergezogen. Die Szene ist ikonisch.
Florian Bayer: Die Szene ist einfach ikonisch. Das ist schon gut. Ja, ich spoiler jetzt nicht, aber Planet der Affen hat eine tolle Strandszene. Mein Platz drei. The Road. Der Film über einen Vater, der mit seinem Sohn durch eine Endzeit reist zu Fuß und alles ist verlassen und verwest und die Bäume sterben und sie wollen ans Meer, weil sie hoffen, dass es da besser aussieht. Und Comic McAfee hat die Vorlage geschrieben. Der Film ist von John Hillcoast aus dem Jahr 2009. Und dann kommen sie am Meer an und dann sieht es da genauso öde und verlassen und deprimierend postapokalyptisch aus wie überall sonst auch. Und dann gehen sie da am Strand entlang und das ist unfassbar deprimierend. Der Film ist unfassbar deprimierende Strandszene und am Schluss gibt es da auch ein Fünkchen Hoffnung.
Johannes Franke: Ich hätte auf meinem Platz drei eine Szene, die mir nur sehr vage im Hinterstübchen irgendwo liegt. Und ich gar nicht mehr sagen kann, wie gut ich den Film fand, aber er soll ganz gut sein. Das Piano. Oh ja. Und es gibt da diese eine Szene, wo sie da am Strand mit Sack und Pack sind und es sieht fast so aus, als wenn sie da jetzt ihr Wohnzimmer aufbauen. Oh, wie fantastisch, ja. Es ist super krass und es ist sehr eindrucksvoll gewesen für mich als ganz junger Mensch, wie ich den Film gesehen habe.
Florian Bayer: Fantastische Strandszene, übrigens auch ein großartiger Film. Ich habe den auch schon ewig nicht mehr gesehen, aber ich habe den in Erinnerung, dass er mich total emotional berührt hat. Ja, für mich auch. Ich glaube, wir müssen den mal auf die Liste packen. Das gerne. Irgendwann mal gucken. Sehr, sehr gerne. Der hat mich damals so bewegt. Ja. Mein Platz 2, auch ein Film, der mich sehr emotional bewegt hat, mit seinen Strandszenen, gleich mehrere. Moonlight aus dem Jahr 2016. Ja, Gott sei Dank ist er auch rausgefallen. Ich habe den auch aufgeschrieben, aber nicht in der Liste gepackt, weil wir den auch besprochen haben. Ja, wir haben den auch besprochen vor einiger Zeit. Dem, was du etwas wolle wollen, da entgegen war.
Johannes Franke: Ja, ja, absolut.
Florian Bayer: Und es gibt mehrere tolle Strandszene. Der Strand spielt eine ganz wesentliche Rolle bei der Entwicklung unseres Protagonisten. Unter anderem lernt er schwimmen von seinem quasi Ziehvater. Ein Drogendealer, der ihm dann Schwimmen beibringt und ihm erzählt, dass schwarz im Mondlicht violett aussehen. Und dann gibt es diese tolle Liebesszene am Strand mit seiner ersten großen Liebe, wo sie sich küssen und das ist so fantastisch. Fantastischer Film, toller Film, schönes Strandszene.
Johannes Franke: Mein Platz 2 ist Sweeney Todd. Der spielt nicht am Strand oder sowas, aber es gibt so eine wundervolle Szene in einem Song, den sie da singen. Wo er in einer Bonham Carter neben ihm sitzt und er ist so in so einer Apathie gefangen, den ganzen Song über. Und dann sind sie in dieser quietschbunten Strand, oder? Ja. Geil, ja. Und er sitzt da so völlig regungslos, emotionslos und sie singen von dem schönen Strand, an dem sie da sitzen.
Florian Bayer: Und es ist auch alles so bunt und so Barbie-Style und alle sind glücklich und er, ja, fantastisch. Cool, sehr cool. Ganz toll. Mein Platz 1, ein ganzer Film, der quasi nur am Strand spielt. Ganz tolles von Eric Rommet, alter Meister aus Frankreich. 1983, Paulina am Strand, Pauline à la Blague. Ein junges Mädchen, keine Ahnung, 12 oder 13 oder so, ist am Strand mit ihrer, ich glaube, mit ihrer Schwester oder so, oder ihrer Cousine. Und sie fängt so langsam ihr Liebesleben an, während ihre Cousine ihr eigenes Liebesleben hat. Es gibt Verwicklungen und Verstrickungen und es ist einfach ein wunderschöner Coming-of-Age-Film, der die ganze Zeit am Strand spielt. Ja, krass. Wo ist das siebte Segel geblieben, Flor? Ich habe wetten können, dass er bei dir in der Liste ist. Hatte ich auch überlegt, aber das siebte Segel hat so viele andere tolle Momente als diese Strandszene, wo sie Schachspielen.
Johannes Franke: Ich bin enttäuscht. Na gut. Okay, ich habe auf meinem Platz 1, dreimal darfst du raten, Some Like It Hot. Natürlich. Manchmal mögen es heißer einfach die tolle große Strandszene, wie er versucht, das erste Mal sich als reicher Typ auszugeben, diese blöde Brille aufsetzt und dann diese Zeitung in der Hand hält. Und Marilyn Monroe kommt, um ihren Ball zu holen und verliebt sich sofort in das Geld dieses reichen Typen. Das ist eine tolle Szene, wo er versucht, einfach diesen reichen Typen darzustellen. Und diese doofe Brille, die er dann trägt, oder? Mit so ganz dicken Gläsern. Ja, und er trägt sie, damit er die kleinen Börschen-Notationen in der Zeitung lesen kann.
Florian Bayer: Das stellt sie sich zumindest vor. Some Like It Hot, wir haben auch drüber geredet, vor einiger Zeit schon. Und auf jeden Fall hörenswerte Episode, sehenswerter Film sowieso. Ja. Ja, schön.
Johannes Franke: Danke für die Liste. Ja, vielen Dank für deine Liste. Schön. Dann gehen wir wieder zurück in unseren Film. Das war unsere Top 3.
Florian Bayer: Und wir kommen auch schon zum? Zum Urteil. Ja, ich bin schon in den blöden Jingle.
Johannes Franke: Das Urteil. So, ich bin sehr stolz auf diesen Jingle. Oder haben wir noch irgendwas, was wir sagen wollen vorher? Haben wir noch irgendwelche Sachen, die wichtig waren? Ich habe schon ein paar Sachen aufgeschrieben, aber ich glaube, im Wesentlichen haben wir es. Es wurde übrigens für Olivia Colman geschrieben, diese Rolle. Ja. Also, der Autor, also hier, Sam Mendes hat wohl The Crown gesehen und hat gedacht, oh Gott, ich brauche diese Frau.
Florian Bayer: Das tut auch echt gut. Also, ich würde ja sagen, allein wegen Olivia Colman lohnte es sich, den Film zu gucken. Was, glaube ich, auch andere Kritiker sagen, die dem Film kritisch gegenüberstehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber ansonsten würde ich sagen, wie man manchmal denkt, was stimmt nicht mit euch, ihr Kritiker? Es ist ein toller Film. Es ist ein wirklich, wirklich, wirklich schöner Film. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen und sagen, es ist der authentischste Film, den Sam Mendes bisher gedreht hat. Weil ich habe am Anfang gesagt, er ist immer so ein bisschen so ein Hauch Richtung Hollywood. Man hat immer so das Gefühl, so ein bisschen drüber auch mit den Emotionen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wenn er sie so sehr groß macht und dann geht so manchmal vielleicht die Glaubwürdigkeit flöten. Ich würde behaupten, American Beauty ist nicht so gut gealtert wahrscheinlich.
Johannes Franke: Ja, das würde ich auch behaupten.
Florian Bayer: Aber ich habe ihn geliebt damals. Ich auch. Und hier wirkt er einfach ein Stück authentischer, glaubwürdiger, echter in der Art, wie er Emotionen inszeniert. Vielleicht auch, vielleicht tut es ihm auch gut, nicht in Amerika zu sein, sondern an einer kleinen südenglischen Küstenstadt.
Johannes Franke: Vielleicht tut es ihm auch einfach gut, tatsächlich aus eigener Erfahrung zu schreiben und zu inszenieren. Ja, auch gut möglich. Diese Szene, wie sie da ausrastet dann in ihrem Zuhause und von der Sozialarbeiterin abgeholt wird. Er hat die am Anfang einmal so gedreht, dass sie nur aus der Perspektive von dem Typen, der im Schrank sitzt und das Ganze beobachtet ist. Das ist nämlich er. Sam Mendes als Kind, als seine Mutter genau diese psychischen Probleme hatte. Und das ist voll seine Perspektive und das ist genau das, was er inszeniert. Er hat gesagt, das ist echt eine Zeitreise und man muss da irgendwie echt aufpassen, da nicht zu tief reinzurutschen. Und dann hat er allerdings das gedreht aus dieser Perspektive. Er hat gesagt, ja gut, alles super, machen wir, gehen wir weiter. Nächsten Tage hat er sich dann den Schnitt dazu angeschaut und hat gedacht, fuck, wir haben die Szene verpasst. Wir haben voll verpasst, was da eigentlich passiert, weil ich nur von dort hinten bin. Auf dem Papier eine tolle Idee, aber wie du siehst im Film, passiert viel mehr. Siehst du sie viel näher noch dran. Du siehst noch viel mehr, wie sie da sitzt und rüberschaut zum Schrank und wie sie auf die Tür schaut, die da eingetreten wird und so weiter. May I come in? Nee, das ist so süß. Es ist so süß. Die Tür fliegt gewaltvoll auf, kurze Pause und die Sozialarbeiterin, may I come in? Das ist so englisch. None|Voll. Und das ist einfach so stark von ihr gespielt und es ist natürlich aber auch einfach stark, weil es aus der Perspektive von Sam Mendes kommt.
Florian Bayer: Dieser Film hat einfach sehr viele starke emotionale Momente und so viel, dass der Film ohne Probleme getragen wird. Ja, Steven ist vielleicht ein bisschen flach. Der hätte vielleicht ein bisschen mehr Charakter verdient, gab ein paar mehr Ecken und Kanten. Aber scheiß drauf. Die Momente, die emotionalen Momente, die der Film hat, sind so stark, dass es sehr viel Wett macht. Und dann finde ich, er geht noch toll mit seinen Themen um, ganz nebenbei. Ich finde auch nicht, dass er seine Themen flach erzählt, sondern er macht es sehr gut und on point.
Johannes Franke: Und ich möchte einmal noch sagen, dass ich wahnsinnig gut finde, dass der Film ohne Worte viel erzählt. Wirklich, du hast so viele Sachen. Am Anfang hast du kaum Worte für irgendwelche Erklärungen. Du weißt sofort, dass der Chef eigentlich eine Frau hat. Das ist natürlich auch ein Klischee, dass der auch irgendwie eingeimpft ist, aber allein durch die Art und Weise, wie sie guckt und wie er schaut und wie die Dinge hin und her gebracht werden, bevor sie in diesem Restaurant ist und diese Frau dazukommt, wissen wir das schon. Es ist vollkommen klar.
Florian Bayer: Er hat viele Momente, die er erzählt, einfach nur mit Musik. Also Hillarys Einsamkeit. Wir haben sehr viele Momente, wo sie einfach nur in ihrem Alltag gezeigt wird, der einsam ist. Und auch Steven in seinem Alltag, der so ein bisschen leer ist, dann ohne Hillary, wenn sie weg ist. Und das sind dann natürlich auch sehr viele so kleine Montagen, die zwischendrin sind. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass die all sind, sondern die haben immer ihren Platz und die schaffen es immer, genug rüberzubringen, was wichtig ist für eine Entwicklung über eine Zeit hinaus.
Johannes Franke: Und wo wir die Top 3 Strandszenen hatten, großartig. Komm, ich zeig dir mal, wie das geht mit dem Flitschen hier, mit den Steinen. Mach mal hier, nee, du musst mehr von der Seite. Ja, drei Stück. Oh, das ist schon nicht schlecht, aber ich zeig dir mal, wie ich das mache. Plomp. I'm shit at it. Ich kann's nicht. Ich find das so geil. Voll. Es ist auch so gut getimt.
Florian Bayer: Ja, absolut. Das ist super geil. Darüber haben wir noch gar nicht geredet. Sam Mendes schafft es immer ganz gut, in seinen großen Dramen auch so ein bisschen, so ein paar Punkte von knorrigem Humor reinzubringen. Und das hat auch dieser Film. Es sind wenige Punkte, aber wenn, dann sind sie da und sitzen. Ja, absolut. Johannes, vielen, vielen, vielen Dank, dass du mir diesen Film gegeben hast. Du hast noch nie so ernsthaft und echt gemeint, dich bedankt. Flor, was ist los? Nein, er hat mich wirklich bewegt. Es war wirklich ein schönes Filmerlebnis und ich bin sehr froh, dass ich den gesehen habe. Oh, das freut mich.
Johannes Franke: Ja, sehr schön. Ich freue mich sehr, dass ich den in den Ring geworfen habe und dass es tatsächlich bei dir auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Ich hatte so eine Angst, das kannst du nicht vorstellen. Weil der Film mir wirklich sehr viel bedeutet.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, mit was ich mich bei Johannes nächste Woche revanchiere, bleibt noch kurz dran. Das erfahrt ihr nämlich dann nach dem letzten Jingle dieser Episode versprochen. Das ist wirklich der letzte.
Johannes Franke: Ansonsten euch vielen Dank fürs Zuhören und bleibt gesund. Nächste Woche geht's weiter. Viel Spaß bis dahin. Guckt euch den Film an, den wir gleich noch raushauen.
Florian Bayer: Johannes ist total irritiert, weil ich bleibt gesund gesagt habe, bevor er sagen konnte.
Johannes Franke: Das ist nämlich normalerweise sein Spruch. Das ist mein Satz. Das ist mein Satz. Tschüss.
Florian Bayer: Läuft schon. Na, Flor, was hast du? Jingle Bells, Jingle Bells, Jingle on the way. What? Was? Wir haben schon off record gesagt, dass wir Weihnachtsepisoden wieder machen wollen. Wir haben eine schöne Tradition in diesem Podcast, der nur zwei Jahre existiert. Aber die zwei Jahre gab es Weihnachtsepisoden. Und zwar haben wir vor zwei Jahren über Scrooge geredet, über die Weihnachtsgeschichte. Und zwar über alles. Über alle Verfilmungen davon.
Johannes Franke: Wir haben wirklich alle geschaut und nur fünf oder so davon besprochen. Aber die Episode ist ewig lang. Aber es lohnt sich. Es lohnt sich. Hört es euch an.
Florian Bayer: Das Jahr darauf hatten wir es etwas leichter. Da haben wir nämlich über den Cringe geredet, wo es nur ein paar Filme gibt. Da habe ich ein Gedicht geschrieben, auf das ich sehr stolz bin. Das hört ihr euch bitte auch alle an. Oh ja, müsst ihr auf jeden Fall hören. Tolles Gedicht. Und dieses Jahr machen wir es uns nochmal ein Stück leichter. Wir nehmen nämlich nur einen Film pro Weihnachtsepisode. Und ihr hört es schon raus. Es gibt mehrere Weihnachtsepisoden. Genau. Wir wollen den ganzen Dezember mit Weihnachtsfreuden füllen, weil Johannes so ein großer Weihnachtsfan ist. Ich hätte so kotzen. Und ich darf den Anfang machen. Die erste Dezember-Episode. Die erste Weihnachtsepisode. Jingle Bells, Jingle Bells, bla bla bla. Ich würde dir gerne Gremlins geben. Die Gremlins. Ja. Ein Film, den ich sehr mochte als Kind.
Johannes Franke: Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Film gesehen habe. Oha. Ich weiß es nicht. Ich bin sehr gespannt. Ich muss einfach nochmal reingucken und dann kenne ich vielleicht auch nur ausschnittweise oder sowas.
Florian Bayer: Aber ich weiß nicht, worum es geht genau. Die Bilder von den süßen kleinen Monstern kennt wahrscheinlich. Ja. Kennst du, kennt wahrscheinlich jeder. Das schon. Aber genau, das wird unser erster Weihnachtsfilm. Und dann gibt es den Rest des Dezember als Weihnachtsfilm. Johannes hat gesagt, er will versuchen Weihnachtsfilme zu finden, die so ein bisschen, die nicht so direkt als Weihnachtsfilme kennt.
Johannes Franke: Ja, die nicht so, weiß ich nicht, sowas wie Die Hard, aber Die Hard würde ich niemals vorschlagen in meinem ganzen Leben.
Florian Bayer: Also auf jeden Fall gibt es sehr viel Weihnachtsfreude in den nächsten Episoden. Ich bin gespannt. Nächste Woche mit den Gremlins, die Woche darauf mit, keine Ahnung, was Johannes mir geben wird. Mal schauen. Ich muss mir das überlegen.
Johannes Franke: Sehr schön. Gut, dann kommt gut in die Weihnachtszeit. Tschüssi. Juhu. Bis dann. Und kotzt nicht allzu viel. Es tut mir sehr leid. Alle da draußen, die mein Problem haben. I feel you. Bis dann.
