Episode 178: Die Truman Show – Von wahren und falschen Menschen
Und falls wir uns heute nicht mehr sehen, guten Tag, guten Abend und gute Nacht! – Wir reden über den ersten großen Wurf Jim Carreys, als ernster Schauspieler wahrgenommen zu werden, The Truman Show aus dem Jahr 1998.
Wir reden über den ersten Dramenausflug des Schauspielers, das Visionäre in diesem Film und über die Frage, was einen wahren Menschen ausmacht.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 178: Die Truman Show – Von wahren und falschen Menschen Publishing Date: 2024-05-29T18:49:43+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2024/05/29/episode-178-die-truman-show-von-wahren-und-falschen-menschen/
Johannes Franke: Und ich würde sagen, es gibt keine Chance, dass Truman in einer irrealen Welt eine reale Person wird. Ja. Keine Chance. Wenn alles um dich herum fake ist, wie willst du eine reale Person in dieser Welt werden?
Florian Bayer: How do you want to be a true man?
Johannes Franke: Ja, ein true man, genau. Guten Morgen, Plor! Und in case I don't see you, good afternoon, good evening and good night!
Florian Bayer: Natürlich musst du damit einsteigen. Das größte und wichtigste Erbe dieses Films, die mimetisch gewordene Begrüßung Kim Carys.
Johannes Franke: Sehr schön. Ein Catchphrase, den ein Mensch erfunden hat, der nicht einmal wusste, dass er einen Catchphrase braucht, um Leute wieder in die Show reinzuholen.
Florian Bayer: Wer hat das denn erfunden?
Johannes Franke: Das ist eine gute Frage. Lass uns diese Frage zurückstellen. Wir reden heute über... Die Truman Show aus dem Jahre 1998 mit Jim Carrey in seiner ersten dramatischen Rolle.
Florian Bayer: In seiner ersten wirklich ernsten Rolle. Ja. Wo er zum ersten Mal als Schauspieler wahrgenommen wurde, der nicht nur so Gaga-Slapstick-Humor à la Ace Ventura macht, sondern der auch was Ernstes spielen kann und auch der Beginn von mehreren ernsten Rollen, die er dann um die späten 90er und frühen 2000er Jahre herum hatte, unter anderem den, den wir schon besprochen haben, nämlich...
Johannes Franke: Man on the Moon.
Florian Bayer: Man on the Moon. Ja.
Johannes Franke: Und auf jeden Fall zu erwähnen Eternal Sunshine of a Spotless Mind.
Florian Bayer: Genau, Eternal Sunshine of a Spotless Mind. The Majestic wird, glaube ich, gerne noch so genannt in diesem Zusammenhang. Und dann hat er sich ja sogar ein Thriller-Genre gewagt. 2007 hat er Nummer 23 gespielt.
Johannes Franke: Ein Ripper vom Deutschen, oder?
Florian Bayer: Nee, nee, hat nichts mit dem Deutschen zu tun. Es geht um jemanden, der potenziell paranoid schizophren ist, aber es ist nicht ganz klar. Er fühlt sich verfolgt von der Zahl 23 und es gibt einen klassischen Plot Twist, so ein bisschen Gimmickfilm, düsterer Thriller.
Johannes Franke: Wo ist der Unterschied zur deutschen Version noch?
Florian Bayer: Es beruht nicht auf wahren Begebenheiten und es wird nicht die ganze Zeit das hervorragende Buch Illuminatus zitiert. Zu dem ich schon gesagt habe, unser Podcast heißt ja leider nur Muss man sehen, nicht Muss man lesen. Aber wenn ich einen Muss man lesen Podcast machen würde, Johannes, würde ich dir wahrscheinlich das Buch Illuminatus als erstes auf den... Tisch legen.
Johannes Franke: Ja, aber dann haben wir erstmal ein Dreivierteljahr, bevor wir den Podcast machen können.
Florian Bayer: Und ich meine nicht Illuminati von Dan Brown, bloß nicht verwechseln, sondern Illuminatus Illuminati. sondern Illuminatus, eine Trilogie von Robert Anton Wilson und Robert Shear aus den 70ern mit sehr viel Drogen, sehr viel Sex und sehr viel wilden Verschwörungstheorien.
Johannes Franke: Ich habe dein Google zusammengekürzt im Schnitt, damit das so klingt, als wenn du das gewusst hättest.
Florian Bayer: Gott sei Dank. Aber darum soll es ja heute nicht gehen. Heute soll es um die Truman Show gehen, wo wir das Thema Überwachung auch mit drin haben. Ja. Und auch viele weitere. Johannes, führ uns doch mal ein in den Film.
Johannes Franke: Ich führ uns ein bisschen ein in den Film. Es geht um Truman Bergbank. Der ist, ohne es zu wissen, der Hauptdarsteller einer Fernsehserie. 24-7 wird fast jedes Detail seines Lebens in die Welt hinausgestrahlt und erreicht Millionen von Zuschauern. Regisseur Christoph ist seit 30 Jahren bemüht, sein Leben so spannend wie möglich zu inszenieren, ohne dass Truman was mitbekommt. Da dieses Filmset, auf dem er da lebt, zwar riesig ist. Aber dennoch seine Grenzen hat, soll Truman ein möglichst perfektes Leben dargereicht bekommen, damit er nicht auf den Gedanken kommt, aus seiner Stadt und damit vom Set auszubrechen. Als es eine Reihe von Unfällen gibt, die Truman Hinweise liefern, dass er in einer Reality-TV-Serie lebt, passiert genau das. Er testet die Grenzen seines Lebens aus und sein Verdacht erhärtet sich, dass alles um ihn herum nur gestellt ist. Jim Carrey darf hier den Prototyp des Everyman spielen, der die Kraft aufbringt, aus seinem unsichtbaren Käfig auszubrechen. Seine bis dato dramatischste und ernsthafteste Rolle? Plor, als wir über Man on the Moon geredet haben, mussten wir feststellen, dass Jim Carrey doch den Hang dazu hat, seine Filme zu einer Jim Carrey Show zu machen und die Authentizität der Figur hinter seiner Ego-Show ein bisschen zurücktreten muss. Ist das in diesem Fall auch so? Was meinst du?
Florian Bayer: Wenn über diesen Film geredet wird, wird ja sehr viel über die Leistung von Jim Carrey geredet. Und ich glaube, das hängt vor allem damit zusammen, dass es halt damals in Novum war, dass dieser Clown in einer ernsten Rolle zu sehen ist. Damit sei nicht gesagt, dass das, was er macht, schlecht ist. Aber ich finde, es steht dann doch zurück. im Vergleich zu seinen Co-Stars, vor allem Laura Linney, die Meryl spielt, beziehungsweise Hannah, also seine Frau und die eigentlich Schauspielerin ist, und Ed Harris, der den Christoph spielt. Und so viel über die große Leistung von Jim Carrey geredet wurde, habe ich jetzt beim erneuten Gucken gedacht, ja, es ist okay, er macht das, was er machen soll, aber es ist halt trotzdem immer noch Jim Carrey und der scheint auch immer noch durch in dieser Rolle.
Johannes Franke: Ich finde Jim Carrey Du machst das hervorragend und ich erkläre dir auch innerhalb dieses Podcasts warum.
Florian Bayer: Sehr gut.
Johannes Franke: Du wirst am Ende wissen, dass das die beste Performance war, die man von Jim Carrey je gesehen hat, davor und danach vielleicht auch.
Florian Bayer: Davor, also keine Frage.
Johannes Franke: Und das auch mit den Schauspielern auf einer Ebene.
Florian Bayer: Auf einer Ebene. Okay, ich bin sehr gespannt drauf, aber springen wir doch einfach mal rein in den Film und in das ganze Setup, was wir haben. Was ja von Anfang an auffällt ist, dass Peter Weir versucht in der Inszenierung dieses... Dieses Reality-TV-Flair sehr konsequent mit kleinen Inkonsequenzen durchzuziehen und das zum einen durch die Kamera. Wir werden eingeführt, vor allem in der ersten Hälfte des Films oder in den ersten zwei Dritteln des Filmzuges. Sehr viel diese Kameras, die versteckt sind, diese Spy-Cams und dazu sei gesagt, wir befinden uns im Jahr 1998. Das hatte durchaus einen visionären Touch damals, nämlich so kleine Kameras.
Johannes Franke: Die gab es damals noch nicht.
Florian Bayer: Die gab es damals noch nicht. Damals war das noch nicht so, wie das heute ist. Heute ist, denkt man so, ja, kein Ding. Aber das war damals tatsächlich was Ungewöhnliches.
Johannes Franke: Und visionär.
Florian Bayer: Und visionär, absolut. Und zum zweiten halt auch dadurch, dass er das sehr konsequent am Anfang inszeniert aus der Perspektive des TV-Zuschauers, der das guckt. Also wir haben die Credits, die Eröffnungs-Credits sind nämlich nicht Credits zu dem Film Truman Show, sondern zu der fiktionalen TV-Show Truman Show. Und die... Und wir sehen die Charaktere auch erstmal konsequent entweder in der Welt Rumans rumlaufen oder mit O-Tönen, mit Interviews, wo sie kurz was zu der Show sagen. Also wir blicken nicht hinter den Vorhang, sondern wir sind tatsächlich gefangen als Publikum dieser Fernsehshow. Und wie wir später dann auch erfahren, sogar die Musik, die wir hören, ist die Musik, die von Philipp Glas, der hier auch einen Auftritt hat für die Hope, gespielt wird live. Ja, auch immer auf die Idee kommt sowas. Es ist bescheuert, aber egal. Ich meine,
Johannes Franke: wenn die 24 Stunden am Tag live rausgeblasen wird, die Show, dann musst du jemanden haben, der das dramatisch begleitet, musikalisch. Ich finde das einen genialen Kniff.
Florian Bayer: Ja, aber es ist doch... Ich weiß nicht. Also es gibt so einige Momente in diesem Film, wo die Suspension of disbelief sehr herausgefordert wird. Nein.
Johannes Franke: Und den riesigen Dome vielleicht.
Florian Bayer: Den riesigen Dome, der im Gegensatz zur chinesischen Mauer tatsächlich aus dem Weltraum zu sehen ist. Und den irgendein Wahnsinniger wahrscheinlich kriegt. Christoph direkt mitten in Kalifornien geflanscht hat und gesagt hat, bam, so. Ja, auch so Sachen wie zum Beispiel, ey, wir haben hier verdammt viele Statisten und wir haben verdammt viele Situationen, in denen die Statisten kostümiert sind und Zeug spielen, obwohl Truman selbst ...möglich... wahrscheinlich gar nicht in diesen Situationen drin ist und nur durch Zufall ein-, zweimal rein stolpert. Genau. Wo man sich fragt, okay, wäre das wirklich notwendig oder hätte man das nicht noch ein bisschen einengen können?
Johannes Franke: Der Film zeigt dir, es ist notwendig.
Florian Bayer: Es ist in diesen zwei Momenten notwendig. Ja,
Johannes Franke: aber wann kommen diese zwei Momente mal? Du weißt nicht, als Christoph, wann kriegt er einen Rappel und rennt mal in die verkehrte Richtung.
Florian Bayer: Mann, das ist eine verdammt teure... TV-Show, aber sagt ja Christoph auch relativ früh, wir haben hier das Bruttoinlandsprodukt einer kleinen Stadt und wir müssen eine ganze kleine Stadt organisieren und uns um die Leute kümmern und so weiter. Ist auf jeden Fall spannend, also ich finde es auf jeden Fall spannend, da noch ein bisschen näher reinzugehen, wie das Ganze organisiert ist und was für Fragen das aufwirft und was für mögliche Antworten natürlich auch, weil ich glaube, man kann zu diesen, zu sehr vielen vermeintlichen Plotholes kann man Antworten finden, die der Film einem nicht direkt hinlegt, die aber trotzdem irgendwie schlüssig und stimmig sind.
Johannes Franke: Ich glaube, wir müssen uns nicht unbedingt am Filmgeschehen entlanghangeln, oder? Die meisten da draußen werden diesen Film gesehen haben. Ja,
Florian Bayer: na hoffentlich.
Johannes Franke: Wir gehen einfach mal davon aus.
Florian Bayer: Wir sagen ja auch immer, Leute, es wird gespoilert hier.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Guckt euch den Film an, bevor wir drüber reden. Jetzt haben wir einen Film hier, der bei unserem Zielpublikum, das eher so tendenziell über 30 ist, ja auch genau in die richtige Zeit fällt und... Über diesen Film wurde damals einfach viel geredet, den hat jeder gesehen. Hast du ihn als Jugendlicher gesehen, als er ins Kino kam?
Johannes Franke: Ich glaube, ich habe ihn relativ zeitnah gesehen und ich fand ihn mindblowing natürlich. Und ich merke, dass ich doch andere Themen damals hatte, als ich heute hatte. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Wie hast du den wahrgenommen damals?
Florian Bayer: Geht mir auf jeden Fall auch so. Ich bin in den Film gegangen und ins Kino und fand ihn richtig gut. Und der hat mich auch echt mitgerissen, obwohl es eigentlich um einen Mann in der Midlife-Crisis geht. Und das war ich damals noch nicht, das bin ich erst heute. Und was ich ein bisschen schade finde, so retrospektiv, der gehört zu den Filmen, wo ich so voll durchgespoilert war, als ich reingegangen bin. Und wusste, worum es geht und so weiter. Ich glaube, das ist ein Film, der wirklich noch mal mehr Spaß macht, wenn man unvorbereitet reingeht und überhaupt nicht weiß, wenn man so langsam in diese Welt reingezogen wird. Es gibt ja keinen großen Plottwist, aber trotzdem wird man so nach und nach reingezogen in dieses Setup. Was ist hier besonders? Wie funktioniert das überhaupt? Bis zu dem Punkt im Mittelteil, wo dann wirklich ganz konkret gesagt wird, wie diese Show funktioniert. Genau. Es dauert ja zum Beispiel, bis wir das Publikum sehen zum ersten Mal. Ja, ja, ja. Und es dauert, bis wir zum ersten Mal Christoph bei seiner Arbeit sehen und sein ganzes Team.
Johannes Franke: Ganz am Anfang einmal. Aber der verschwindet ja dann für eine Stunde. Ja, genau.
Florian Bayer: Und kommt dann erst wieder. Und genau, wir sehen... am Anfang ja wirklich auch so erst den Produzenten und was für Schwächen er hat und wie manipulativ er ist und so, das erfahren wir dann halt erst deutlich später. Was ich aber auch tatsächlich einen schönen Aufbau finde. Der Film hat ein sehr gutes Gespür dafür, dich so reinzuziehen in diese Welt und dann so diese entscheidenden emotionalen Kipppunkte zu setzen.
Johannes Franke: Ich möchte gleich am Anfang die Gretchenfrage stellen. Ob das die Gretchenfrage ist, ich nenne es jetzt einfach mal so. Aber weil die große Frage, die sich mir aufdrängt beim Gucken ist, wäre dieser Film besser oder schlechter oder wäre das überhaupt eine Option, den Film zu einem Plottwistfilm zu machen? zu sagen, nein, ich zeige nicht von Anfang an, dass das eine TV-Show ist. Ich nehme die ersten paar Minuten weg, wo Christoph auftaucht und ich mache auch den Vorspann nicht, wo ja eigentlich der Vorspann der TV-Show gezeigt wird und nicht des Films. Und entdecke, lasse den Zuschauer des Films zusammen mit Truman entdecken, dass er in einer TV-Show ist. Warum ist das wichtig, dass es das nicht ist und wäre es ein anderer Film oder wie anders wäre der Film? Weil man muss auch dazu sagen, dass das Original Drehbuch... erst nach 40 Minuten klar macht, dass da wirklich eine TV-Show ist.
Florian Bayer: Andrew Nicol ist ja für das Original-Drehbuch verantwortlich. Und Andrew Nicol hatte am Anfang, als er das Drehbuch Anfang der 90er geschrieben hatte, 1991, ein komplett anderes Szenario im Kopf. Die Malcolm-Show.
Johannes Franke: So düster. So düster.
Florian Bayer: Richtig. abgefuckt düster. Sollte in New York spielen, sollte tatsächlich mehr Science-Fiction-Thriller sein und deutlich mehr an den Vorbildern aus Twilight Zone und so angelehnt sein. Unter anderem mit einer Szene, wo Truman an einer Vergewaltigung vorbeigeht und nicht einschreit, um zu zeigen, wie komplett delusional er ist, wie komplett fertig er ist.
Johannes Franke: Er ist Alkoholiker in der Originalversion.
Florian Bayer: Er ist gewalttätig gegenüber seiner Frau.
Johannes Franke: Genau. Also es sind schon wirklich ein paar üble Sachen dabei.
Florian Bayer: Und er hat Sex mit einer Prostituiert, die er wie Sylvia anzieht.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Also das, was im eigentlichen Film landet, ist ja auch schon ein bisschen creepy, wie er diese Modezeitschriften nach und nach auseinanderreißt, um ihr Gesicht zusammenzusetzen. Aber das ist nochmal deutlich düsterer im Ton. Und offensichtlich gibt es auch eine Szene, in der er damit droht, ein Kind umzubringen, ein Baby umzubringen.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und er neigt doch öfter zur Gewalt und er greift auch mehr zur Gewalt, um sich eben aus diesem Gefängnis zu ziehen.
Johannes Franke: Ja, und am Ende trifft er tatsächlich auch Christoph und versucht ihn zu erwürgen.
Florian Bayer: Ich finde es gut, dass es so geworden ist. Ich glaube, ein Plot ist es von der Art, wie es aufgebaut ist. Als emotionaler Film und als fragikomischer Film. würde es mit Plot Twist, würde uns vieles weggenommen werden. Was am Anfang wirklich schön ist. Zum einen die satirischen Momente, also dieses Product Placement ist ja so ein Running Gag da drin. Und es ist jedes Mal toll und man freut sich drüber, wenn man einfach versteht, was da passiert.
Johannes Franke: Man merkt so, dass diese Schauspielerin so Freude daran hat.
Florian Bayer: Diese Schauspielerin,
Johannes Franke: also Laura, ne?
Florian Bayer: Laura Linney spielt Meryl Burbank, beziehungsweise Hannah Jill heißt sie tatsächlich im Film. Wir haben die... Peter Weir und Andrew Nicol haben den Leuten gesagt, macht mal Lebensläufe. Macht euch mal Gedanken darüber. Und das merkt man gerade in diesen kleinen Rollen, finde ich. Und gerade bei der Hannah, beziehungsweise Meryl, merkt man das extrem, weil sie hat dieses... Du kannst dir vorstellen, sie hat einen guten Deal mit diversen Unternehmen für Product Placement. Ja. Und sie schöpft das richtig aus und sie muss aber immer die Spots finden. Und irgendjemand hat gesagt, es gibt so eine totale Verzweiflung in ihr.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und die spielt sie aber auch wirklich gut.
Johannes Franke: Die ist wirklich toll, ja.
Florian Bayer: Dieses 50er Jahre Lächeln, wenn sie irgendwas vorstellt und du siehst aber immer so ein Stück. Angst in ihren Augen. Nicht nur Angst vor Truman, dass er ausrasten könnte, sondern auch vorher schon so ein Stück Verzweiflung. This is my life.
Johannes Franke: Die Schauspielerin hat mal gesagt, dass sie beschlossen hat, dass die Figur irgendwann mal gesagt hat, okay, ich mach das jetzt und ich quetsche das letzte bisschen raus, was ich kriegen kann. Die macht jeden Werbedeal. Die macht alle Frontcover auf irgendwelchen Zeitschriften, Interviews und so weiter. Ihr ganzes Leben ist nur mit diesem Set verbunden. Ja. Und die versucht alles rauszuziehen, was irgendwie geht.
Florian Bayer: Und sie spielt das Spiel von Christoph konsequent mit. Absolut. Es gibt keine Sex-Szenen. Wir sehen ja nichts, wie sich... Die Wachmänner beschweren, die das Ganze gucken, die sagen, man sieht dann, wie der Wind ins Fenster, in den Vorhang bläst und Musik spielt.
Johannes Franke: Das ist eine super Szene, wie die beiden da sitzen und gucken. Und die werden ja immer wieder reingeschnitten. Und ich finde es so großartig. Gerade diesen Satz, boah scheiße, dann wollen die da immer wegcutten und dann sieht man nur diesen blöden Vorhang. Ich will den Sex sehen. Und ich finde das so gut, dass sie das wenigstens einmal adressieren. Ja,
Florian Bayer: total. Und das macht ja auch Sinn. Truman Show soll eine Show für die ganze Familie sein. Natürlich wird da keine nackte Haut. und auch kein Sex gezeigt. Aber die Konsequenz ist natürlich krass. Wir wissen, dass Meryl mit diesem Mann, den sie nur geheiratet hat wegen dem TV-Deal, sie wurde da ganz klar reingeschleust. Es ist eine arrangierte Ehe, es ist eine Fake-Ehe. Aber sie macht das Ding mit und sie wäre auch bereit, sich von ihm schwängern zu lassen, wenn es nicht anders gelaufen wäre im Laufe der Handlung. Hätte sie sich auch von ihm schwängern lassen, ein Kind mit ihm auf die Welt gebracht und wohlgemerkt ihr eigenes Kind, mit dem Wissen, dass sie dieses Kind sein Leben lang belügen wird.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: das ist schon ziemlich hart.
Johannes Franke: Es ist absolut düster. Das Krasse und ich glaube, deswegen ist es auch...
Florian Bayer: Möchtest du Tee, Johannes? Oh,
Johannes Franke: oh, Flo, guck mal.
Florian Bayer: Das Problem ist, ich komm nicht ran. Ich würde dir so gerne Tee geben.
Johannes Franke: Gib mir mal deine Tasse. So, ich gieße dir jetzt Tee ein und du erzählst uns, wie düster das mit Laura ist.
Florian Bayer: Das ist auf so vielen kleinen, subtilen Ebenen düster. Man denkt vielleicht gar nicht drüber nach, wenn man sie sieht, weil es einfach witzig ist, wie sie sich verhält und wie sie dieses Product Placement macht und wie sie Truman sagt. Wir brauchen unbedingt einen neuen Rasenmäher und dann einmal in die Kamera lächelt und sagt, nämlich von diesem Modell. Oder wenn sie ihm sagt, ich mach dir deinen Lieblingskakao. Ich wette mit dir, Truman, hast Kakao.
Johannes Franke: Oh man ja.
Florian Bayer: Aber wenn man sich dann so ein bisschen Gedanken drüber macht, was macht diese Frau da eigentlich? Und wie verzweifelt muss sie in so vielen Momenten sein? Truman sagt ja auch irgendwann zu ihr, du kannst mich überhaupt nicht ausstehen. Warum willst du überhaupt ein Kind mit mir haben? Wo es offensichtlich schon so subtile Botschaften, einfach so subtiles Verhalten von ihr gibt, dass ihnen das auch erahnen lässt, dass... sie halt nicht glücklich mit dieser Ehe ist, sondern dass sie diese Ehe aus anderen Gründen macht. Auch wenn er nicht weiß, aus welchen.
Johannes Franke: Es ist auch zu merken die ganze Zeit, dass er das irgendwie spürt. Aber da müssten wir jetzt zu Jim Carrey rüber gehen. Wir lassen es mal Laura zu Ende bringen. Diese Frau macht einen Höllenjob, finde ich. Großartig. In jeder Situation. Und ich finde, eine der besten Situationen ist, wie sie von Jim Carrey angegangen wird, von Truman. Weil er inzwischen so tief drin ist, dass er denkt, was zur Hölle ist hier los? Und sie fühlt sich bedroht. Und sie ist so verzweifelt in der Situation, dass sie zum Product Placement greift. Sie greift zu dieser Cocoa-Dose. und versucht ihm, ja, ich könnte dir einen Kakao machen und macht ihren Werbetext da, spult sie da runter. Und es ist so krass, auf welche Art und Weise sie das macht, weil sie so viel Angst hat, da reinflüchtet. Es ist so gut gespielt, finde ich.
Florian Bayer: Das Krasse ist ja auch, wenn wir uns vorstellen, sie, ey, ich meine, okay, es ist eine arrangierte Ewo oder so weiter, aber sie lebt mit ihm seit vielen Jahren. Und wie gesagt, sie wird ein Kind mit ihm kriegen. Das heißt, da ist schon irgendwie so eine Art... Band, das sich dann entwickelt hat wahrscheinlich. Aber sie sieht dann halt, sie sieht alles, was er da macht. Sie sieht, dass er die Fotos von der anderen hat. Sie weiß, dass er nach Fiji abhauen will. Sie weiß, dass er eigentlich in eine andere verliebt ist. Und das musst du ja auch erstmal schaffen. Das musst du ja mental schaffen, selbst wenn sie nicht in ihn verliebt ist, dieses Gefühl zu haben, er ist mit mir verheiratet, aber er... Er sehnt sich nach einer anderen und versucht alles, um die zu finden. Das muss richtig hart sein, emotional.
Johannes Franke: Sie muss so detached sein von allem. Also von sich, ihrer Rolle, von ihm, von der Ehe mit ihm. Das ist so psychopathisch eigentlich.
Florian Bayer: Ja, und gleichzeitig, aber sie tut uns leid, oder? Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Ich habe so viele Momente, wo ich denke, ach, diese arme Frau. Aber schrecklich, skrupellos, aber diese arme Frau.
Johannes Franke: Das ist eben genau das, diese beiden Seiten. Man denkt die ganze Zeit, was für ein Arschloch, was für eine Scheißfrau, was macht die da? Und auf der anderen Seite, oh mein Gott, es tut mir so leid. Es ist wirklich hart und der Film wirft einen da echt durch Emotionen durch. Das ist genau das gleiche mit Marlon.
Florian Bayer: Oh ja, Marlon finde ich total spannend. Es gibt ja die Liedezin, ich habe sie leider nicht gefunden.
Johannes Franke: Ich auch nicht, ja.
Florian Bayer: Relativ gegen Ende, wo alle nach Truman suchen und dann Marlon stolpert zufällig über ihn und verrät ihn aber nicht. Und geht weiter und macht so, als hätte er ihn nicht gesehen.
Johannes Franke: Ja. Es gibt von dem Schauspieler ein Zitat, der mal erklärt hatte, was er so darin sieht und dass er eigentlich sehr, sehr schlechtes Gewissen hat. Und dass er den Schauspieler, den er spielt, so spielt, als ob der Schauspieler wochenlang, zwischendurch und monatelang in Drogen abgesunken wäre. Und irgendwie einfach aus schlechtem Gewissen heraus. Truman gegenüber. Und es wird ja auch im Film immer mal wieder gesagt, ja, da warst du gerade weg auf vacation oder da warst du gerade irgendwie bist du durchs Land gereist als Vending Machine Supplier. Was warst du? Was ist das für ein Job? Aber er ist offensichtlich immer mal länger weg gewesen.
Florian Bayer: Noah Emmerich spielt den Malon, beziehungsweise Louis, wie der Name des fiktiven Schauspielers ist, der den Malon spielt. Und er hat offensichtlich ein Alkoholproblem, beziehungsweise er hat einen Vertrag mit dieser einen Biermarke, die extra für diesen Film gemacht wurde. und die seitdem in zahllosen Filmen aufgetaucht ist. Oh,
Johannes Franke: okay.
Florian Bayer: Es ist eine typische Filmbiermarke. Also wir wissen ja, in Amerika ist es tatsächlich, Product Placement machst du nicht einfach, sondern wenn, dann machst du es gezielt, wenn du den Vertrag kriegst. Und wenn nicht, dann nimmst du Fake-Produkte. Und die Studios greifen auf Fake-Produkte zurück und haben natürlich Produktentwickler, die diese Fake-Produkte entwickeln. Und für Truman Show wurde dieses Bier entwickelt. Und offensichtlich... Offensichtlich... hat dieses Bier, das Marlen ständig mit sich rumträgt, diese Dosen, die er ständig bei sich hat, hat irgendwie geklickt beim Studio vom Design her. Was dazu geführt hat, dass dieses Bier in den 2000er Jahren in zahllosen Serien und Filmen auftaucht. Das ist Pence Pebbles.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Das ist einfach das Bier, wenn man, ich bin nicht aufmerksam genug für sowas, aber wenn man viel 2000er TV geguckt hat, dann hat man das in allen möglichen Sendungen gesehen.
Johannes Franke: Wir hatten das mal bei Werner, glaube ich, hatten wir Bier schon mal. Und da gab es auch eine andere Biersorte, Bier...
Florian Bayer: Bölkstoff.
Johannes Franke: Naja, nicht Bölkstoff. Ich hatte da noch eine andere Biermarke gefunden, die für Filme existiert. Das ist super interessant, auch überhaupt, was allgemein so an Marken. Und die Requisiteure müssen ja irgendwie ein Set ausstatten, wie du schon sagst. Und da will man nicht immer Product Placement betreiben. Man muss da halt auch mal einen Laptop hinstellen, der nicht von Apple ist.
Florian Bayer: Was ich krass finde bei Malen... Es wird ja thematisiert, dass sie seit ihrer Schulzeit Freunde sind. War er in einer Grundschule, wo sie sich anscheinend kennengelernt haben, ein eingeweihter Schauspieler? Ja. Wurde er engagiert, um das durchzuziehen und hat das seit der Grundschule durchgezogen, ohne aus der Rolle zu fallen?
Johannes Franke: Es ist der absolute Hammer. Das ist mein Suspension of disbelief Moment, wo ich denke... Ah, komme ich nicht ganz mit. Deine Sachen, die du vorhin gesagt hast, schenke ich dir. Aber da komme ich absolut mit. Aber bei dieser Sache, dass du ein fünfjähriges Kind hast, das einmal gesagt bekommt, du darfst ihm aber nicht sagen, dass er in einer TV-Show ist, dass der das nicht irgendwann macht. Das kannst du nicht, also vergiss es.
Florian Bayer: Naja, es könnte halt sein, also wenn man versucht, es zu erklären, könnte man sagen, Marlen war nicht die ganze Zeit in On The Joke.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Hat es erst so irgendwie später erfahren. Hm. Wobei ja dann müssten sie ihn halt mit einer Familie nach Seahaven pflanzen, die auch für ihn spielt, dass das alles ein normaler Ort ist. Es ist so ein bisschen zweifelhaft. Ich glaube, es gibt auch noch mehr Momente da drin. Aber was ich bei Marlon ganz interessant finde, also ich finde Marlon ist für mich... deutlich kaltblütiger rüber als Meryl. Und zwar einfach aus dem Grund, weil er in dieser ganz zentralen Szene so dich lügt.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und in dieser emotionalen Szene. Und dann auch so dreckig dieses, er lässt sich von Christoph ins Ohr flüstern, was er zu Truman sagt. Und dann sagt er das zu Truman und Teil dieser Aussage ist, ich würde dich niemals anlügen.
Johannes Franke: Wahnsinn, Alter.
Florian Bayer: Das ist schon ziemlich dark. Und deswegen würde ich sogar sagen, Marlon ist ohne Wissen über diese Deleted Scene. ist Marlon für mich eigentlich sogar der kaltblütigste von den Leuten, die eng an Truman dran sind. Es gibt ja auch diese, auch eine gelöschte Szene, die Bevorbesprechung, wo Christoph mit dem Gras darüber redet, wie es weitergehen soll. Eine tolle Szene. Ich finde es schade, dass die rausgefallen ist. Das wäre so von den Elite-Scenes, die man findet, man findet sie auf YouTube fast alle, ist die eigentlich die, wo ich am ehesten gesagt hätte, die wäre spannend gewesen, drin zu halten, weil da die Dynamik zwischen den Charakteren gezeigt wird. Unter anderem, dass Marlon... beziehungsweise Hannah nicht mehr mitspielen will, nachdem sie von Truman bedroht wurde mit einem Shell-Gerät, mit dem man alles Mögliche machen kann.
Johannes Franke: Und sie hat eine Halskrause. Ja. Also es scheint ihr nicht gut zu gehen. Ja.
Florian Bayer: Und da wird dann die Neue eingeführt. Und sie ist genau wie Meryl, man merkt schon, die hat auch schon das Geld leuchtend in den Augen. Aber es wird zum Beispiel auch gezeigt, wie die Schauspielerin, die seine Mutter spielt, agiert, die dann zu der Neuen sagt, ich fand dich großartig, also viel ja. Und dann sehen wir halt Marlon, der sich total drüber freut, als Christoph sagt, und übrigens, die erste Live-Empfängnis wird auch stattfinden.
Johannes Franke: Und er klatscht dann. Oh Gott, oh Gott,
Florian Bayer: oh Gott. Und ich habe das Gefühl, Marlon, wie gesagt, ohne diese Deleted Scene, wo er Truman passieren lässt, ist Marlon für mich der größte Speichellecker und kaltblütigste Speichellecker vom ganzen Cast.
Johannes Franke: Ich hab das Gefühl, dass man es ein kleines bisschen durchsieht. Aber es kann auch sein, dass ich im Nachhinein, nachdem ich das jetzt weiß, dass diese Deleted-Scenes existieren, das umdeute im Kopf. Es kann sein. Aber ich hab ein bisschen den Eindruck, dass man bei ihm so ein bisschen die Traurigkeit über das, was da die ganze Zeit passiert, schon irgendwie mitspürt.
Florian Bayer: Das ist auf jeden Fall da. Man sieht ja auch die Freundschaft mit Truman. Es ist eine ehrliche Freundschaft, es freut er sich, Truman zu sehen, weil ich meine, wenn sie zusammen sind, hat er nichts anderes zu tun, als Bier zu trinken und zu sagen, das ist ein Bier.
Johannes Franke: Das ist auch einer der großartigen Product Placement Momente, wirklich, wenn er sagt in der Werbestimme, der größten Werbestimme, die ihm zur Verfügung steht, das ist ein Bier. Das ist toll.
Florian Bayer: Und er ist halt auch wirklich sehr viel damit beschäftigt, Truman auszureden, dass er abhaut. Er wird ständig benutzt, um Truman das auszureden, um zu sagen, er bleibt hier, Seahaven ist doch der schönste Ort der Welt und so weiter. Weißt du,
Johannes Franke: was ich glaube? Dieser Typ ist einfach gebrochen worden. Der macht das so viele Jahre. Und es wird ja gesagt, dass es immer wieder Momente gab, wo irgendjemand versucht, in die Show reinzukommen und irgendwie zu sagen, hey Truman, du bist eigentlich nur in einer TV-Show und die transportieren die Leute alle ab und schaffen es irgendwie zu verhindern, dass Truman das wirklich mitbekommt. Und ich kann mir vorstellen, dass er solche Momente auch hatte und dass er einfach von der ganzen Firma, von seinem Job einfach gebrochen wurde. Vielleicht, ja. Und dass er irgendwann den Widerstand nicht mehr leistet.
Florian Bayer: Ja, er hat auf jeden Fall eher im Gegensatz zu Meryl, die das ganze Spiel so sehr enthüllte. so enthusiastisch mitspielt, hat ja sowas Resigniertes auch ein bisschen.
Johannes Franke: Naja, also die Szene, die du ansprichst, ist halt wirklich heartbreaking.
Florian Bayer: Wollen wir uns kurz dieser Szene widmen? Ich finde, es ist eine ganz zentrale und ganz wichtige Szene. Absolut,
Johannes Franke: gerne. Die ist so wichtig für diese ganze Situation, für Jim Carrey auch, auf den wir dann auch gleich nochmal genauer eingehen müssen. Wie er da sitzt und völlig verzweifelt ist, weil er das Gefühl hat, okay, es ist einfach zu... Die Hinweise verdichten sich. Es ist... irgendwas nicht richtig und alles passiert irgendwie für mich, aber ich weiß nicht warum. Und dann sitzt er da mit seinem besten Freund und der sagt, wenn die alle in on the joke sind, dann müsste ich ja auch in on the joke sein. Das macht mich fertig. Ich würde dich niemals belügen. Und das Gesicht von Jim Carrey ist der Hammer in dem Moment. Weil in dem Moment geht es ihm auf. Scheiße. Mein bester Freund ist In On The Joke.
Florian Bayer: Meinst du? Ja. Oh, interessant.
Johannes Franke: Das ist das, was Jim Carrey da spielt.
Florian Bayer: Ich hätte nämlich gesagt, Jim Carrey spielt eher ein Schuldbewusstsein. Dass ein Freund sagt, oh mein Gott, du verletzt mich gerade, indem du sagst, dass ich ein Betrüger und Lügner bin.
Johannes Franke: Parallele zu Der Vater kommt wieder. Das ist ja kurz danach. Ja. Wenn er seinen Vater umarmt und weint. Ja. Na, Aufnahme. Da müssen wir auch noch drüber reden. dann weint er nicht, weil der Vater wieder da ist.
Florian Bayer: Du meinst, er weint, weil er verstanden hat, dass er von seinem Freund und von seinem Vater verraten wurde? Ja. Okay, kommen wir gleich nochmal da zurück, weil diese Szene hat so viele Fallstricke.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: So viele emotionale Fallstricke. Kommen wir doch zu seinen Eltern. Kommen wir zu seiner Mutter, die ja ein bisschen präsenter ist in dem Film, und zu seinem Vater, der erst sehr spät dann wieder zurückkommt. Ja. Und seine Mutter... Also auch wieder krass. Natürlich ist er nicht ein leibliches Kind, aber sie war sein ganzes Leben lang seine Mutter und sie belügt ihn permanent. Und das ist schon krass. Und sie redet ihm die Sachen aus, sie macht ihm Schuldgefühle die ganze Zeit für den Tod seines Vaters. Er wird mehrmals in dem Film für den Tod seines Vaters verantwortlich gemacht. Und sie... Dich stellt aber auch mit dem Kinderwunsch. Ich möchte unbedingt mal noch so ein kleines Enkelchen im Arm halten.
Johannes Franke: Also sie hat das auch so, so gut drauf, diese Psychologie. Ich wette mit dir, die haben im Hintergrund irgendwann mal ein Meeting gehabt, ein Produktionsmeeting mit den Schauspielern. Das sind die Sachen, da wollen wir hin und das sind die Triggerpoints bei ihm, da müsst ihr drauf drücken. Ja,
Florian Bayer: damit kriegte ich.
Johannes Franke: Es ist ja, zwar haben die einen Knopf im Ohr, aber es ist schon auch eine Impro-Show. Die müssen alle reagieren auf ihn. Die können nicht einfach irgendein Drehbuch abspulen, egal was er sagt. Das heißt, sie bekommt da wirklich mehr als nur, ich mache meinen Job. Sondern sie ist wirklich einfach zu gut in diesem Job, als dass sie unschuldig wäre.
Florian Bayer: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Das ist schon echt krass.
Florian Bayer: Das ist ziemlich hart. Das ist schon schlimm genug, wenn Eltern in der Realität so sind. Und so nerven mit Kindern, damit dass sie sich Enkelkinder wünschen. Aber dann noch dieser zusätzliche Twist, dass das Ganze... Fake ist und gespielt ist. Und sie möchte, sie will ihn dazu bringen, ein Kind in diese Welt zu setzen. Ein Kind, das Gefangener sein soll. Shit, es ist eiskalt.
Johannes Franke: Es ist düster. Es ist unglaublich düster.
Florian Bayer: Und dann haben wir Trumans Vater, der von Brian DeLade gespielt wird, der ja relativ spät reinkommt. Und von dem wir jetzt nicht so viel sehen.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, leider nicht.
Florian Bayer: Also daher von meiner Seite keinen großen Take auf Trumans Vater. Ich finde es ganz spannend, dass am Anfang kurz erzählt wird, wie das war mit seinem... Tod, den sie gepflegt haben. Und dass er damit unzufrieden war. Das ist eine schöne Szene, wie er dann im Wasser ist und sich drüber aufregt. Jetzt habe ich diesen Tod gespielt. Man merkt, er ist halt auch wirklich devastated, weil er gerade sein Kind verloren hat. Und sein Kind hat seinen Vater verloren. Ja, es ist ziemlich hart auch.
Johannes Franke: Wie düster ist es bitte, so eine Storyline zu entwerfen?
Florian Bayer: Total krass.
Johannes Franke: Also Christoph hat echt den Arsch offen. Es ist wirklich unglaublich. Natürlich machen die das, damit er Angst vor Wasser hat, damit er da nicht raus will. Damit er nicht über die große Brücke hinüber will, die halt in die Freiheit gehen könnte. Klar, aber... Meine Güte, was für perfide Sachen dahinter stecken. Das ist unglaublich.
Florian Bayer: Und dann noch einmal, ich glaube, damit haben wir die Großen vom Cast abgehandelt. Dann noch einmal ganz kurz ganz, ganz viel Liebe für die ganzen kleinen Statisten, die in diesem Film vorkommen, in dieser Show und in diesem Film vorkommen und die keine große Rolle spielen, aber in unserer Filmhandlung selbst dafür verantwortlich sind, Truman zu bestimmten Sachen zu bringen oder ein bestimmtes Product Placement zu machen und so weiter. Ja. Und... gleichzeitig von DarstellerInnen gespielt werden, die das einfach auch so herzallerliebst witzig machen. Um nur ein paar zu nennen. Die Zwillinge.
Johannes Franke: Die Zwillinge sind super. Ganz toll.
Florian Bayer: Die ihn so aggressiv gegen dieses Werbeplakat Ressen, damit es auch wirklich jeder sehen kann.
Johannes Franke: Es gibt diese eine, ich glaube, das ist dort, wo er dann so ein bisschen die Schriftzug verdeckt. Und dann schalten die auf die andere Kameraeinstellung, damit sie die Werbung ordentlich sehen können.
Florian Bayer: Und diese Zwillinge waren keine richtigen Schauspieler, die waren Sicherheitsleute am Set. Und irgendjemand fand die so geil von ihrem Verhalten. Die haben wohl mit Jim Carrey halt ein bisschen gequatscht oder so. Und irgendjemand fand das voll witzig und hat gesagt, okay, komm, denen geben wir auch noch eine kleine Rolle. Das ist süß. ...unser Busfahrer slash Fährenfahrer.
Johannes Franke: Ich find den großartig. Der große Held dieser Hintergrundcast-Geschichte. Ich find den so toll. Weil er wirklich ganz honestly devastated ist, dass Truman jetzt nicht wegfahren kann. Es tut ihm so leid. Es ist so traurig.
Florian Bayer: Ich verstehe nicht, warum sie jemanden für diese Rolle casten, der keinen Bus fahren kann.
Johannes Franke: Er ist ja wirklich dämlich. Aber man muss dazu sagen, natürlich wollen sie... das einmal stark machen, ne? Das sind alles Schauspieler. Ja. Derjenige, der diese OP machen soll, ist natürlich auch kein Schauspieler.
Florian Bayer: Kein OP, kein Operateur. Ich mache jetzt mal einen kleinen Schnitt vielleicht hier. Und unsere Patientin...
Johannes Franke: Das ist super. Hat er ihm wirklich gerade ins Bein geschnitten?
Florian Bayer: Also er sagt danach so, okay, das sollte vielleicht jemand anderes machen. hat offensichtlich mit dem Skalpell einen kleinen Schnitt gemacht. Ich gehe mal davon aus, dass das nicht so groß war, weil sie hat ja auch nicht vor Schmerzen geschrien. Aber ich gehe mal davon aus, dass der zumindest kurz, also der ist auf jeden Fall aufs Ganze gegangen. Es ist auch diese Anspannung im OP, als er sagt, Skalpell bitte, mit zitternder Stimme. Und noch ist die Schauspielerin, die auf der Liege liegt, ruhig, wohlgemerkt, da soll eine Amputation getreten werden. Und dann nimmt er das Skalpell in die Hand und merkt, dass Truman immer noch da steht, geht runter. Und dann ist der Moment, wo sie auch Panik kriegt, zu Recht.
Johannes Franke: Das ist eine der Szenen, wo ich denke, okay, es ist tatsächlich gut, dass sie das Ganze leichter gemacht haben als ein Rainy New York, wo alles nur den Bach runter geht. Ja. Wo du wirklich so einen Kontrast herstellst, der das Ganze fast noch schlimmer macht. Weil du machst das Ganze light und komisch und lustig und alle spielen irgendwie die Komödie. Aber das Thema, was drunter liegt, wird umso stärker düster. Ja. Es ist wirklich krass.
Florian Bayer: Ja, es ist ein Film, der sehr light-hearted ist. Ja. Und der es auch einem erlaubt, das so light-hearted zu gucken. Aber der natürlich diesen Subtext die ganze Zeit mitträgt. Und wenn man anfängt, sich darüber Gedanken zu machen, dann... sind alle diese Figuren, die eigentlich witzig sind, entweder weil es halt so satirisch dargestellt ist oder die auch irgendwie süß sind, werden plötzlich ziemlich abgefuckt. Zum Beispiel auch Trumans Nachbar mit dem Hund. Und dieser Hund, der immer so bei Truman hochspringt und der Nachbar sagt, ach, Truman, der will doch nur spielen. Der Nachbar bringt echt oft den Müll raus. Natürlich für die Kamera. Er hat die Mülltonnen-Kamera. Und dann aber haben wir diese Szene, wo sie Truman suchen und dieser Hund ist außer sich. Und dieser Hund will Blut sehen.
Johannes Franke: Es ist unglaublich, oder? Meine Güte. Und das sind so kleine Sachen. Ich glaube, dafür liebe ich den Film sehr. dass so viele kleine Sachen wirklich auch eine Rolle spielen. Also es ist nicht der Hund einfach nur so eingeführt, sondern der macht später wirklich die Szene wesentlich und gefährlich und so. Das heißt, jedes kleine Ding, was im Hintergrund passiert, spielt wirklich eine Rolle und ist nicht einfach nur so, ja, da brauche ich noch jemanden, der von links nach rechts geht.
Florian Bayer: Und dann kommen wir zu dem Hauptdarsteller, zu Truman selbst, der keine Ahnung davon hat, dass er Hauptdarsteller ist. Du findest es Jim Carreys beste Rolle? Ja.
Johannes Franke: Ich glaube ja. Vielleicht müsste ich noch mal Eternal Sunshine of a Spotless Mind sehen. Aber hier finde ich, passt er da voll rein. Ich sag dir auch warum. Jim Carrey hat trotzdem noch ein bisschen Jim Carrey drin, da gibt's recht. Aber das hat jeder Schauspieler. Cary Grant ist immer Cary Grant.
Florian Bayer: Geschenkt, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Ich glaube, dass die Mannerismen, die er hat, dieses übertriebene Lächeln und dieses leicht comic-hafte Spiel, was er ja immer zwischendurch wieder rausholt. Was aber nicht durchgängig ist. Das ist etwas, was Truman sein Leben lang anerzogen bekommen hat. Jedes Mal, wenn er entertaining war, haben die Leute gesagt, ja, das ist gut, mach weiter so. Die Leute leben das. Und ich glaube, dass dieser Mensch keine Chance hatte, ein normaler Mensch zu werden. Und es wird im Film gesagt, auf perfide Art und Weise wird gesagt, um Werbung für das Ding zu machen, wir haben eine Welt, die ist fake. Und der Einzige, der real ist, ist Truman. Und ich würde sagen, es gibt keine Chance, dass Truman in einer irrealen Welt eine reale Person wird. Ja. Keine Chance. Wenn alles um dich herum fake ist, wie willst du, wenn du damit aufwächst, eine reale Person in dieser Welt werden?
Florian Bayer: How do you want to be a true man?
Johannes Franke: Ja, ein true man,
Florian Bayer: genau. Auf jeden Fall sehe ich, kann ich auch mitgehen zu großen Teilen. Das ist... Es ist auf jeden Fall stark. Ich finde, Jim Carrey spielt diesen Truman auf jeden Fall sehr stark. Und das ist natürlich auch die beste Rolle, die er bis dahin gespielt hat. Ich finde, es gibt so ein paar Clown-Momente, die mich wirklich nicht irritieren, sondern die mich einfach zu sehr an den alten Jim Carrey erinnern. Ganz schlimm finde ich es zum Beispiel in seinen Rückblicken auf die College-Zeit, wo er mit dieser komischen Frisur fast so aussieht wie Urs Dummendümmer.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: und... Auch oft, es gibt viele Improv-Momente. Also viel was, was Jim Carrey in diesem Film als Truman macht, ist Ad-Lib. Zum Beispiel diese Szene vorm Spiegel, das improvisiert, wenn er die beiden Leute spielt, die den Berg hochgehen.
Johannes Franke: Den Astronautenhelm.
Florian Bayer: Den Astronautenhelm. Ja. Dann auch die Sache zum Beispiel, wenn er seine Catchphrases, wenn er bei diesem Zeitungsstand ist und ich weiß nicht mehr, was er sagt, aber was kein Mensch sagen würde. Was nicht mal ein Mensch in einer fiktiven Welt, der nur mit fiktiven Menschen zu tun hatte, sagen würde. Was einfach totaler Quatsch ist. The whole doodly doodly da oder so, keine Ahnung.
Johannes Franke: Ich glaube, das sind Sachen, die ihm Also ich meine, man nimmt solche Catchphrases, wenn man sie hat, im realen Leben. Es gibt Leute, die sagen Sachen immer wieder. Die holen die irgendwo her und zwar aus ihrem Upbringing. Wenn du irgendwie irgendwo aufwächst und dein Onkel sagt das immer, dann hast du das vielleicht irgendwo aufgeschnappt bei dem und sagst das dann jetzt immer. Also es muss ja irgendwo herkommen. Und alles, was Truman sagt, muss irgendwo in dieser Welt geskriptet sein. Irgendjemand muss das mal gesagt haben, weil... ein Regisseur gedacht hat, das ist eine gute Idee, wenn das jemand sagt. Und genauso sehe ich das mit der Catchphrase. Mit diesem, gerade mit diesem und falls ich euch nämlich mal sehe, guten Nachmittag, guten Abend und gute Nacht. Das ist etwas, was ihm an ihn herangetragen wurde und wo die Leute gehofft haben, okay, vielleicht nimmt er das auf, dann haben wir hier einen guten Catchphrase und dann lässt sich das besser vermarkten und so.
Florian Bayer: Ja, ich sehe halt trotzdem Tim Curry durch. Ich sehe halt nicht diese... Ich verstehe total, was du da sagst und was das auch irgendwie rechtfertigt. Aber wenn ich in diesen Momenten sehe, wenn er eine Catchphrase raushaut oder wenn er irgendwie improvisiert vom Spiegel, nur für sich selbst, um witzig zu sein und damit das Publikum unterhält, dann sehe ich halt vor allem Jim Carrey, der Quatsch macht. Und mir fehlt ein bisschen dieser Link zu dem, was du gerade gesagt hast. Dieses Gefühl von, ah, das ist jemand, der wurde irgendwie so konditioniert, dass er so zu funktionieren hat. Und wie gesagt, ich sage nicht, dass Jim Carrey das schlecht spielt, Jim Carrey spielt das wirklich gut. Aber wenn ich mir angucke, wie der Cast sonst zusammengesetzt ist, zu Christoph werden wir gleich kommen, dann finde ich, es war vielleicht ein bisschen overhyped, wie mit Jim Carreys Schauspielleistung in diesem Film umgegangen wurde.
Johannes Franke: Weiß ich nicht. Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Die anderen Figuren sind alle reale Figuren. Er ist die einzige nicht reale Figur. Die anderen sind alle Schauspieler, die ein echtes Leben hatten vorher. Die spielen anders, weil sie anders sind. Es ist einfach so.
Florian Bayer: Ja, natürlich, aber sie spielen es besser.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, deswegen glaube ich...
Florian Bayer: Es geht um die Schauspieler auf der zweiten Ebene. Das glaube ich nicht. Die Schauspieler, die die Schauspieler spielen...
Johannes Franke: Machen wir das nicht kaputt.
Florian Bayer: Die tun uns Leben beeinflussen. Okay. Die haben natürlich, wenn man es genau nimmt, haben die auch eine viel größere Herausforderung. Die müssen jetzt zwei Ebenen spielen. Wenn ich mir anschaue, wie Laura Linney das macht...
Johannes Franke: Ja, sie macht das großartig.
Florian Bayer: Ja, Jim Carrey macht das absolut solide. Jim Carrey macht, was er machen soll. Das ist total gut. Und vielleicht manchmal ein bisschen weniger Clownerie wäre ganz gut gewesen.
Johannes Franke: Findest du nicht, dass Jim Carrey es schafft, der Figur die ganze Zeit eine unterliegende Traurigkeit...
Florian Bayer: Auf jeden Fall, natürlich schafft er das.
Johannes Franke: Auf eine Art und Weise, die ich vorher nicht von Jim Carrey gesehen habe. Vielleicht hast du recht, vielleicht ist es auch einfach der Kontrast zu dem, was er vorher gemacht hat.
Florian Bayer: Das auch, die ich auch vorher nicht von Jim Carrey gesehen habe und die ist auf jeden Fall voll gut.
Johannes Franke: Ja, und auch dieses, mir fehlt irgendwas, ich suche die ganze Zeit irgendwas, irgendwas stimmt hier nicht. Sogar in den ersten Szenen, wo noch gar nicht klar ist, dass... irgendwas nicht stimmt. Man hat das Gefühl, dass dieser Typ die ganze Zeit mit einem Loch im Bauch rumläuft, weil er nicht weiß, was irgendwas fehlt. Irgendwas stimmt nicht, irgendwas ist nicht richtig.
Florian Bayer: Es gibt diesen leichten Zweifel, der von Anfang an da ist und immer wieder durch so kleine Szenen getriggert wird. Und dann gibt es ja die großen Szenen, die großen Zweifelmomente triggern.
Johannes Franke: Ich möchte einmal eine Szene mit ins Feld führen, wo er gefragt wird, was willst du machen? Und zwar von seiner wahren Liebe. die als wahre Liebe etabliert wird. Ja. Ob das jetzt die wahre Liebe ist oder so.
Florian Bayer: Lauren, beziehungsweise Sylvia.
Johannes Franke: Sylvia. Ich glaube, sie fragt, was willst du machen? Weil sie spontan sind.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und was Jim Carrey da spielte, finde ich großartig. Nämlich sein Gesicht wird plötzlich so hyper aware. Moment, hat mich das gerade jemand wirklich gefragt, was ich machen will? Ich habe gerade alle Möglichkeiten. Ich glaube, das ist in seinem Leben nicht so oft passiert.
Florian Bayer: Ja, das wird ja sehr oft. sehr oft uns gezeigt, wie dieser Figur Truman Grenzen gesetzt werden, sowohl wirklich im physikalischen Sinne, einfach weil er muss so laufen, dass die Kamera ihn richtig einfängt, als auch natürlich ganz vielen kleinen Dingen. Er soll das Studio nicht verlassen, er soll genau auf den Weg gebracht werden, den Christoph für ihn vorgesehen hat, nämlich es ist diese eine Frau, die er haben soll und die ist sehr aufdringlich, wenn sie sich an ihm ranmacht. Es ist dieses eine Leben, das er führen soll, er soll dieses Kind kriegen und so weiter und dann ist es schon krass, so plötzlich diesen Moment, oh! jetzt gibt es hier Optionen, jetzt gibt es Möglichkeiten, jetzt kann ich ich selbst sein.
Johannes Franke: Und natürlich auch in der Verbindung damit, dass er einer Frau begegnet, die nicht ihm an die Brust geworfen wurde. Also, dass er das erste Mal selber auf die Pirsch geht, würde ich fast sagen, um zu versuchen, was gibt es denn da für Möglichkeiten und wer ist denn diese Frau, die dann nur als Statistin hingesetzt wurde. Das ist schon, ich finde diese Storyline auch toll. einfach mit der Frau, die er eigentlich lieben würde, was so einen ganz tragischen Moment des Films für mich ausmacht.
Florian Bayer: Einen tragischen und auch einen düsteren Subtext, den es auch noch gibt. Du wolltest noch was zu Jim Carrey sagen, glaube ich.
Johannes Franke: Außer, dass ich total interessant finde, wie krass Jim Carrey drauf war in der Zeit. Ich weiß nicht, ob du eine Liste irgendwo findest. Was für Filme der hintereinander rausgehauen hat. Ja. Weil dieser Film ist entstanden, als er gerade noch zwei andere Filme gemacht hat. Die haben die Produktion ein Jahr weiter verschoben, damit er diese beiden anderen Filme, Leia Leia, glaube ich, war dabei.
Florian Bayer: Genau, Leia Leia, der im deutschen Titel der Rumpfschwätzer gelaufen ist und Cable Guy.
Johannes Franke: Ah ja, Cable Guy, genau. Und das sind so typische Jim Carrey Filme. Nein,
Florian Bayer: sind es nicht. Nicht? Nein, nein, nein.
Johannes Franke: Oh, jetzt wird es interessant.
Florian Bayer: Also Cable Guy ist meiner Meinung nach... kein Meisterwerk, aber er gehört zu den großen unterschätzten Filmen der 90er Jahre. Der hat den Ruf, unglaublich schlecht zu sein. Das war auch eine totale, soweit ich weiß, so eine totale Office-Bomb. Da spielt Jim Carrey den Bösewicht, den Antagonisten. Und zwar geht es darum, dass Matthew Brodericks, ein junger Architekt, sich... Kabelfernsehen legen lässt und erfährt von irgendeinem Kumpel oder so, dass wenn man dem Kabelmensch ein bisschen Geld zusteckt oder so weiter, dass man dann besonders irgendwie einen Bonus kriegt, irgendwelche Sender kostenlos kriegt und so weiter. Und er macht das dann. Und dieser Kabelmensch, dieser Cable-Guy, gespielt von Jim Carrey, nimmt das offensichtlich als Einladung für eine Freundschaft wahr und entpuppt dann den schrecklichsten, anstrengendsten, nervigsten und diabolischsten Freund, den man sich vorstellen kann. Und der ganze Film ist eigentlich so, wie Matthew Broderick versucht, vor Jim Carrey zu fliehen, der in diese Freundschaft reinzieht und komplett drüber ist. Und es ist ein... ganz merkwürdiger Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er abgefuckt düster oder albern sein will. Und der deswegen auf jeden Fall sich deutlich abhebt von anderen Jim Carrey Rollen davor. Also ich finde, ich würde sogar behaupten, Cable Guy ist der Moment, als Jim Carrey gesagt hat, ich hab keinen Bock mehr, S. Ventura und die Maske und dumm und dümmer zu drehen. Und Liar Liar finde ich, hat eine gewisse... Ähnlichkeit mit Truman Show in dem Sinne, dass zum ersten Mal versucht wurde, der Figur dieses Clowns so eine gewisse emotionale Tiefe zu geben. Auf einem anderen Niveau als die Truman Show. Das ist auch nicht so ein großer Film, nicht so ein epischer Film wie die Truman Show.
Johannes Franke: Aber auch ein unterschätzter Film, glaube ich.
Florian Bayer: Auch ein unterschätzter Film. Ein Film, der natürlich auch eine alberne Jim Carrey Show ist, weil er da sehr viele Fratzen machen als Anwalt, der nicht lügen kann. Aber der eine... so einen gewissen emotionalen Boden hat, der ihn trägt. Deswegen würde ich sagen, eigentlich sind das die ersten beiden Filme. Natürlich, Truman Show ist nochmal eine ganz andere Liga. Und deswegen würde ich auch sagen, wäre ich ganz deiner Meinung, dass Truman Show der Beginn davon ist, dass Jim Carrey ernsthaft als Schauspieler wahrgenommen wurde. Aber das sind die ersten zarten Versuche davon.
Johannes Franke: Okay, ja gut. Gut. Mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh mein Gott, Johannes. Ich befürchte, wir befinden uns in einer Self-Promo.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind. Also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, was ihr auch nutzt.
Johannes Franke: Also abonnieren und anderen sagen, dass sie uns abonnieren.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an eure Feinde oder eure... eure Nachbarn oder sowas.
Florian Bayer: Und wenn ihr uns Feedback geben wollt, wir freuen uns total über jeden Kommentar an johannes.mussmannsehen.de oder florian.mussmannsehen.de.
Johannes Franke: Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah, das...
Florian Bayer: Oh, das soll schnell durchkommen. Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch. Du wolltest auf den Mond hinaus.
Florian Bayer: Ich wollte zum Mond, zum Mondmann und zu unserer Crew im Hintergrund. Natürlich haben wir da Christoph, den Macher, der auch wirklich ein großes Ego hat, nämlich das ist... Er ist der Creator von der Welt, von der Show. Am Anfang sehen wir das, wenn wir sehen, die Truman Show created by Christoph. Christoph ist Gott. Christoph hat einen Gottkomplex.
Johannes Franke: Ja, eindeutig.
Florian Bayer: Aber ich finde Christoph ist, also ich habe schon gesagt, Ed Harris spielt herausragend. Ja,
Johannes Franke: sehr gut.
Florian Bayer: Und Christoph ist doch eine ziemlich ambivalente und modernisierte Figur. Und es gibt Momente, in denen wir sehen, Christoph liebt Truman. Und Truman ist für Christoph auch wie ein Kind, nicht nur wie eine Schöpfung.
Johannes Franke: Ja, aber wo ist die Grenze?
Florian Bayer: Auf jeden Fall, ich will nicht Christoph verteidigen. Um Gottes Willen, Christoph macht wirklich schreckliche Sachen in diesem Film. Ich will ihn nicht verteidigen. Aber er kriegt dann doch diese Nuancen, ne?
Johannes Franke: Jaja, ich kann, ich hab bloß das Gefühl, dass das Hintertürchen offengelassen ist, dass diese Liebe, die er uns versucht zu vermitteln, vielleicht auch nur ein Wunschgedanke von ihm ist. Dass eigentlich seine eigentliche Motivation doch ein bisschen profaner ist.
Florian Bayer: Ich glaube, Christoph ist niemand, der hinterm Geld hier ist.
Johannes Franke: Nein, nein, nein, das nicht. Aber hinter dem Ruhm, eine solche Sache erschaffen zu haben, schon.
Florian Bayer: Hinter dem Ruhm, gar nicht so sehr für die Presse. Christoph will gar nicht mit der Presse reden. Hinter dem Ruhm für sich selbst, hinter dem Gefühl, ich hab was gemacht. Christoph ist der fanatische Künstler.
Johannes Franke: Der Gottkomplex.
Florian Bayer: Mit Gottkomplex, genau. Aber halt auch ein Künstler, der seine Schöpfung liebt. Und wir haben zum Beispiel diese eine Szene, wo wir die Nahaufnahmen haben von Truman, wie er schläft. Und Truman wird immer schlafen gezeigt, weil das das Publikum beruhigt. Wir haben auch nachher später noch mehrere Schnitte zu Leuten, die ihn einfach nur beim Schlafen beobachten. Und dann haben wir diese Szene, wie Christoph zur Leinwand geht und wirklich zärtlich, wie so ein Vater, der sein Kind streichelt.
Johannes Franke: Das fand ich zu drüber.
Florian Bayer: Das fand ich wirklich gut, weil wenn du Christoph nur als den kaltblütigen Bösewichten inszenierst, der nichts anderes macht, als Truman zu... als Truman gefangen zu halten, um Geld zu verdienen, um Kohle zu machen und der ihn sogar am Schluss umbringt, weil er ihn gefangen halten will, dann verlierst du mich. Ich will so einen Antagonisten, will ich mit Nuancen sehen.
Johannes Franke: Ja, du hast vollkommen recht, absolut. Ich glaube bloß, dass das Bild mit dem Bildschirmstreicheln mir ein bisschen platt ist. Ich glaube ja, es ist wichtig, sowas zu zeigen und ich finde auch eben extrem wichtig, dass das eben diese Nuancen hat, dass er auch Gefühle... zeigt oder dass er dass dieses Spannungsfeld, in dem er sich da bewegt, einfach ein bisschen mehr gezeigt wird, als nur einfach zu sagen, ja, das ist halt das Arschloch. Da hast du vollkommen recht. Aber ich finde dieses Bild einfach ein bisschen naja.
Florian Bayer: Aber ich hab auch, ich hab wirklich einen Softspot für diese große Aufnahme, große Leinwand. Bei Persona von Ingmar Bergmann haben wir das.
Johannes Franke: Das ist,
Florian Bayer: wo der Film Ingmar Bergmann wird. Wenn wir Hände auf einem großen Bildschirm sehen, hast du mich direkt.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Wir haben neben Christoph eine kleine Rolle gespielt von einem großen Mann. Paul Ciamatti spielt den Regisseur? Den Director vom Control Room, der relativ selten vorkommt. Aber der,
Johannes Franke: der da sitzt und am Ende sagt, nee, ich kann doch jetzt das Wetter nicht.
Florian Bayer: Genau, der diesen einen Moment hat, wo er sagt, nein, das mach ich nicht. Und der davor aber... Am ehesten finde ich von der ganzen Crew, die wir im Hintergrund sehen, diese Traurigkeit in sich trägt, die auch die Schauspielenden in der Truman Show haben. Und der vielleicht ein bisschen mehr Raum gebraucht hätte, um sich wirklich als Figur zu entfalten, aber Paul Ciamatti ist einfach ein sicherer Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, der ist toll. Das stimmt.
Florian Bayer: Und der spielt diese kleine Rolle mit sehr viel Würde und mit sehr viel Tiefe auch. Ja, auch wenn er wenig kriegt.
Johannes Franke: Ja, ja, voll. Hast du mitbekommen, was er da für eine Zeitung in der Hand hat am Ende des Films, bevor Truman verschwindet?
Florian Bayer: Was für eine Zeitung hat er in der Hand?
Johannes Franke: Das sind Stellenserzeugen. Ah, ja,
Florian Bayer: macht Sinn.
Johannes Franke: Der weiß schon, dass er seinen Job verlieren wird.
Florian Bayer: Macht total Sinn. Und er hat ja diesen Moment des sehr passiven, viel zu passiven Widerstands. Aber zumindest diesen Moment, wo er einmal sieht, ah ja, okay, wir sind gerade Mörder. Vielleicht will ich daran nicht teilnehmen. Dann nehme ich daran so wenig mich teil, wie es geht, was ziemlich wenig ist.
Johannes Franke: Wie viel Doppeltverneinung hatten wir jetzt gerade drin?
Florian Bayer: Viel zu viele. Und dann haben wir tatsächlich, warum haben wir diesen Raum von den Leuten, die das ganze Ding, das Projekt führen, warum haben wir da so viele große Schauspieler? Wir haben nämlich auch Flip. Baker Hall drin, als der CEO des Fernsehnetzwerks, der zwei, dreimal reinstolperte, einmal um Christoph zu danken, dass es so eine tolle Sendung war.
Johannes Franke: Kenne ich den? Woher kenne ich den denn?
Florian Bayer: Unter anderem aus Magnolia, würde ich behaupten. Der spielt in Magnolia den pädophilen Talkshow-Host, der seine Tochter missbraucht hat. Okay. Der hat hier nur zwei kleine Auftritte, aber ich freue mich immer, Philip Baker Hall zu sehen, weil es so ein guter Schauspieler ist. Genau. Und das wäre so unsere Crew im Hintergrund. Vielleicht noch zu erwähnen, Juna Damon als Chloe, die, glaube ich, die persönliche Assistentin von Christoph ist, die immer mal wieder kurz als Stimme der Vernunft auftaucht. Zum Beispiel, wenn sie zu ihm sagt, na ja, vielleicht ist Sonnenaufgang jetzt keine gute Idee.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, genau.
Florian Bayer: Aber halt ja auch eine sehr hinterkundige.
Johannes Franke: Eigentlich die Frau mit dem Klemmbrett.
Florian Bayer: Die Frau mit dem Klemmbrett, die Christoph die ganze Zeit hinterher rennt, aber die offensichtlich schon so lange mit ihm zusammenarbeitet, dass man auch mal widersprechen darf. Zumindest so weit man halt diesem Christoph widersprechen kann.
Johannes Franke: Übrigens nur mal so als Hintergrund, rechnet mal nach. Ungefähr zwölf Jahre Unterschied zwischen Jim Carrey und Ed Harris. Er müsste mit zwölf diese Show gestartet haben.
Florian Bayer: Jim Carrey wird deutlich jünger gemacht. Und Ed Harris wird... deutlich, deutlich älter gemacht.
Johannes Franke: Wie er läuft, ich finde, nachdem ich das gelesen habe, dass er so viel jünger ist, als er sein soll, habe ich die Szenen nochmal ein bisschen anders geschaut und habe gedacht, okay, er schlurft jetzt aber auch sehr absichtlich ein bisschen alt da in der Gegend rum.
Florian Bayer: Es gab die Überlegung, ihn mit Buckel zu spielen.
Johannes Franke: Genau, und dann hat er den Buckel anprobiert und hat gesagt, nee, vielleicht lassen wir das.
Florian Bayer: Sie haben diese... fucking Prothese, wirklich zumindest hatten sie irgendwas, was er anziehen konnte und dann war es so ah ne, ich weiß, ich hab das gesagt. Ed Harris war ein großer Schauspieler, galt als großer Nebendarsteller in der Zeit. Bei Apollo 13 hatte der unter anderem gepunktet. Der war immer, eigentlich immer so als Nebendarsteller zu sehen und ist halt auch jemand, der auch so einer kleinen Rolle, in dem Fall einer ein bisschen größeren Rolle, sehr viel Gravitas verleihen kann, einfach indem er präsent ist. Und ich finde, der macht das als Christoph auch ausgezeichnet.
Johannes Franke: Ich finde die Figur Christoph natürlich auch insofern interessant, als dass der Schlüsselsatz irgendwann fällt. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen für dieses Interview. Wir wissen ja, wie sehr Sie Ihre Privatsphäre schätzen.
Florian Bayer: Du heuchlerischer Bastard!
Johannes Franke: Das ist ein geiler Satz.
Florian Bayer: Das ist voll gut. Super gut. Das haut total ein. Tolles Writing.
Johannes Franke: Oh, wie geil. Krass, Mann. Also es ist auch eine tolle Szene, wie er dann später diese Wiedersehen zwischen Vater und Sohn orchestriert.
Florian Bayer: Über die will ich reden. Lass uns über diese Szene reden. Und lass uns vielleicht anfangen, davor noch über eine andere Szene reden, weil es gibt so zwei große, emotionale, zentrale Szenen für mich in dem Film. Vielleicht dreimal, wenn wir das eine mitnehmen, drei. Und die sind spannend, weil die ein Feld aufmachen, über das ich gerne nochmal reden würde. Emotionalität in einem Film, der eine Meta-Emotionalität erzeugt hat. Ja. Und wir kommen gleich drauf, was ich meine. Und zwar haben wir nach 30 Minuten, haben wir diese erste große Erkenntnisszene. Und zwar, wenn Truman vom Autoradio verfolgt wird.
Johannes Franke: Flo, du musst ein bisschen aufpassen, dass ich nicht irgendwann einen Jingle herstelle, der da heißt, Flo hat wieder Zeiten aufgeschrieben.
Florian Bayer: Bloß nicht, sind nicht noch mehr Jingles. Truman hört... Sie haben irgendwie ein Frequenzproblem, durchs Auto, Radio läuft plötzlich, laufen die Anweisungen durch die Schauspieler, an die Schauspieler, Truman hört das, wird total irritiert, kriegt mit, dass er verfolgt wird, es wird umgestellt, sehr witzig, alle greifen sich einmal ans Ohr, weil bei allen gibt es ein lautes Piepgeräusch und Truman steigt aus dem Auto aus und merkt stärker noch als davor, irgendwas ist hier komisch.
Johannes Franke: Möchtest du nur mal kurz sagen, an welcher Stelle ist das? 30 Minuten war es, ne?
Florian Bayer: Jetzt sind wir schon 31 Minuten. Und dann haben wir diese wirklich großartig inszenierte Szene. Also einmal ganz kurz, Philipp Glas, die Musik ist fantastisch.
Johannes Franke: Ja, fantastische Musik.
Florian Bayer: Diese Musik läuft und er stolpert da so ein bisschen rum, weiß nicht, was er machen soll, entscheidet sich dann gegen die Drehtür zu seinem Büro im Park und sitzt da rum und weiß nicht, was er machen soll. Und... Dann sieht er diesen einen Mann mit Uhr, der ein bisschen seinen Einsatz verpatzt und auf die Uhr guckt, auf Truman guckt und schnell losgeht. Und Leute, die als Statisten mal gearbeitet haben, wissen, dass sowas passieren kann, dass sowas schrecklich peinlich ist. Und dann läuft er los und läuft, weil er so irritiert ist vor dem Bus und der Bus hält an und plötzlich merkt er, oh mein Gott, ich habe diese Welt unter Kontrolle, ich kann Autos und Busse anhalten und so weiter.
Johannes Franke: Der Bruce Almighty im Moment.
Florian Bayer: Genau. Ich finde, diese Szene ist unglaublich stark inszeniert. Und ich habe mich gefragt, was sehen wir gerade? Sehen wir das, was Christoph aus dieser Szene macht? Beziehungsweise Christoph zusammen mit Paul Giamatti? Ja. Oder ist das so ein Moment, wo wir rausgerissen werden aus dieser Meta-Inszenierung? Weil dieses TV-Studio, die müssen ja was damit machen. Das passiert ja und das sehen alle. Das heißt, setzen wir uns da drauf und inszenieren das jetzt?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Zeigen das und machen das zum Teil der Truman Show? Oder verstecken wir es?
Johannes Franke: Ich glaube... Die sind nicht schnell genug. Das passiert so schnell, dass sie nicht genau wissen, was sie damit machen sollen. Es ist im Film zu früh, als dass sie in die Regie schneiden würden. Ich finde es ganz, ganz toll, dass sie nach einer Stunde erst oder so in die Regie reinschneiden und wir das genauer kennenlernen, diesen Kosmos. Aber hier sind wir ja bei 30 Minuten, glaube ich, war es?
Florian Bayer: 31.
Johannes Franke: 31, ja. Und da ist es natürlich wichtig, dass wir bei ihm sind, bei Truman. Und ich finde es ganz toll, wie das spielt, wie dieses Entdecken seines Umfeldes spielt. Und wie auch das inszeniert ist und wie diese ganzen kleinen Uhrwerksachen zusammengehen und er dann irgendwie es schafft, da einmal Pause reinzubringen und tatsächlich dieses Auto und den Bus aufhält. Und diesen Moment hat, okay, ich entdecke jetzt meine Superpowers irgendwie. Und das ist krass und ich glaube, dass das, um deine Frage zu beantworten, dass die Regie ratlos davor sitzt und nicht weiß, was sie machen soll.
Florian Bayer: Es gehört ja zu diesen Momenten auch, wo wir die... fiktive Kamera verlassen, wo wir bei Truman sind. Und ich finde, der Film macht einen Mordsjob damit, das echt konsequent durchzuziehen. Also zum einen, dass du am Anfang denkst, wow, krass, sie ziehen es durch. Du hast die ganze Zeit diese Fisheyes, du hast diese Kameras. Und dann findet er die richtigen Punkte, um darauf zu verzichten. Man hat sich so dran gewöhnt, dass es nicht groß auffällt, nicht spürt. Er hat nicht einmal das Gefühl, oh, jetzt haben sie aber eine Kamera, die nicht sein kann. Warum dreht sich das plötzlich um ihn? Was soll dieser Dolly da? Das kann doch nicht sein. Hatte ich nicht einmal das Gefühl und gleichzeitig bleibst du trotzdem noch tief genug drin und dann gibt es halt diese pointierten Momente, wo die Kamera bei Truman ist, bei dem Truman, der nicht der Truman für das TV-Publikum ist, sondern der Truman für uns, für das Filmpublikum. Und es ist total stark gemacht und das ist so einer dieser Momente, wo wir, wenn du kurz plinzelst, merkst du, ah, okay, jetzt haben wir eine Kamera, die nicht das sein kann, was wir davor hatten. Das ist keine Überwachungskamera mehr. Genau. Und trotzdem funktioniert es und trotzdem reißt es nicht raus. Es ist ziemlich cool gemacht.
Johannes Franke: Es ist auch wichtig, dass sie das machen. Wenn sie das nur so durchgezogen hätten, ich glaube, das wäre ein Gimmickfilm geworden. Ich glaube, es hätte vieles verlieren können.
Florian Bayer: Ja, aber dafür ziehen sie es ziemlich konsequent durch. Es gibt wenige Momente, wo sie mal eine Kamera machen, die nicht nur nicht sein kann, sondern die auch zeigt, dass sie nicht sein kann. Manchmal haben sie auch so Kameras, wo du sagst, okay. Ja, ich sehe an dem Rand, dass das eine versteckte Kamera sein soll. Aber bitte, wo hängt diese Kamera? Ich habe keine Ahnung, warum sie nicht.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Aber dann kommen wir jetzt zu dieser Szene. Ja. Also genau, ich wollte eigentlich nur sagen, das ist einer der wichtigen Schlüsselzonen.
Johannes Franke: Bestimme ich voll mit dir überein.
Florian Bayer: Und dann kommen wir zu dieser Szene. Entschuldigung, Johannes, 55 Minuten. Wo er mit Marlon sitzt am Strand und Marlon sagt, ich habe deinen Vater gefunden.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und auch das ist eine fantastische, auch emotionale Szene, auch wo wir bei Truman sind. Und zwar, es ist wirklich krass gemacht, weil wir haben diese Meta-Ebene. Wie du sagst, wir schalten zum ersten Mal in die Regie. Wir sehen wie Christoph... Marlon die Sachen einflüstert. Und dann sehen wir, wie Christoph emotional diesen Moment inszeniert, wie Truman seinen Vater wieder sieht. Und wir sollen natürlich sehen, wie Christoph als großer TV-Gigant das schafft, Trumans Leben zu einer Farce zu machen. Und der Film läuft, wie viele Filme, die das machen, die sowas kritisieren, in die Falle, dass er natürlich diese Farce, die Emotionen dieser Farce voll mitnimmt und uns einen absoluten Gänsehaut-Moment beschert.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Also im Prinzip, Starship Troopers hat das auch so gemacht. Auch ein vollkommen komischer Vergleich. Will sich lustig machen über Militarismus, über Geballer und so weiter und hat dann trotzdem voll Spaß an dem Militarismus und Geballer. Dieser Film will das kritisch hinterfragen, was Christoph hier an Emotionalität inszeniert und inszeniert aber gleichzeitig diese Emotionalität mit in dieser Szene.
Johannes Franke: Aber hier, finde ich, macht diese Doppelbödigkeit das nochmal stärker, weil wir in dem Moment spüren, was er da tut. Ja. Weil wir eben tatsächlich mitbekommen, also weil wir diesen Gänsehaut-Moment wirklich haben, sehen wir, was für ein Genie in Anführungsstrichen er da ist, der das orchestriert und das alles. Und jetzt die Musik und jetzt die Nahaufnahme.
Florian Bayer: Das ist Teil des Gänsehaut-Moments. Wie Christoph da steht und sagt, move back and fade up music and now going close. Dann haben wir diesen Schnitt noch zu Philipp Glas, wie er auf dem Piano... Das gehört mit zur Gänsehaut,
Johannes Franke: das ist das Schlimme. Auf mehreren Ebenen. Und deswegen glaube ich, funktioniert das nicht so wie bei Antikriegsfilmen oder sowas, die zu sehr auf ihre Kriegsszenen dann doch wieder cool stolz sind, sondern... Das macht mit so vielen Layern alles irgendwie ein Kommentar, dass das funktioniert.
Florian Bayer: Es ist total krass. Es ist eine fantastische Szene, weil sie dich emotional total packt, weil du gleichzeitig in diesem emotionalen Moment feststellst, oh shit, ich bin gerade voll auf dem emotionalen Trip, den sie machen wollen. Und es ist nicht nur so ein easy exit für die Szene, sondern ein wirklich starker Moment, wenn wir voll drin waren, uns mit Truman gefreut haben, mit Truman geweint haben, in diesem absolut emotionalen Wiedersehen war ein Schnitt auf Sylvia. vom Fernseher sitzt. Devastated. Und das ist wirklich hart. Es ist toll gemacht, weil du warst voll drin in dieser Gänsehaut. Du bist noch in diesem emotionalen Moment und dann siehst du, okay, und das ist der emotionale Moment für die einzige Frau, der wirklich wichtig ist, wie es Truman geht.
Johannes Franke: Genau. Das ist der Hammer. Ja, wirklich schnitttechnisch absolute Meisterleitstelle.
Florian Bayer: Du hast ja auch das Publikum, deine Emotionen werden ja auch nochmal wiedergespiegelt durch das Publikum, das feiert das TV-Publikum, die emotional ergriffen sind von dem Shit, den Christoph inszeniert. Du bist emotional ergriffen von beidem und dann wirst du aber zurückgeworfen, indem du halt einmal mit Sylvia konfrontiert wirst, die als einzige nicht feiert. Es ist schon hart geil.
Johannes Franke: Da muss ich nochmal auf die tolle Entscheidung der Dramaturgie zurückgehen. Warum es eben kein Plottwist-Film sein darf. Es muss so sein. dass du von Anfang an weißt, in was für einer Situation er ist, damit du zum einen als Zuschauer Mittäter bist, damit du den ganzen Schmerz spürst, der da drin liegt, weil du als Zuschauer Mittäter bist irgendwie, weil du die TV-Show am Anfang anschaust.
Florian Bayer: Ja, tust du. Wir haben hier sehr viele 4 zu 3 Bilder.
Johannes Franke: Du guckst dir das also an als Zuschauer, diese Reality-TV-Serie. Und zum anderen das, was Hitchcock immer gesagt hat. dieses Suspenseding. Der Zuschauer braucht einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber der handelnden Figur, um diese Spannung aufrechtzuerhalten. Schafft er es? Schafft er es nicht? Wann findet er es raus? Wie findet er es raus? Das macht viel aus für diesen Film. Und das kann man dem Regisseur echt zugute halten, weil der ja erst den Drehbuchautoren gedreht hat, dass... Ganze so weit umzuschreiben, dass das so funktioniert. Ja,
Florian Bayer: Peter Weir war alles andere als glücklich mit dem Drehbuch, was sie dem Andrew Nicol vorgelegt hatten, hat gesagt, arbeite mal ein bisschen dran rum.
Johannes Franke: 16 Versionen.
Florian Bayer: Es wurde daran rumgearbeitet und wie. Und es war dann auch so, viele arbeiten mit, das ging dann ja auch wirklich durch ein großes Studio. Es war ja auch tatsächlich, Nicol wollte eigentlich selbst Regie führen und es ging dann zu Paramount. Und die haben dann gesagt, das wird alles zu groß, wir wollen eigentlich jemanden haben, der so ein bisschen Erfahrung hat. Und dann waren die auch tatsächlich, also es waren die Namen, die im Gespräch waren. Das Who des 90er Jahre Kinos, wir haben Brian De Palma, Tim Burton, Sam Raimi. Steven Spielberg sogar. Ah ja,
Johannes Franke: stimmt. Das wären völlig unterschiedliche Filme geworden.
Florian Bayer: Komplett. Und jeder von denen hätte ein interessanter Film werden können. Trotzdem bin ich froh, dass Peter Weir geworden ist, der dann 1995 dazu gestoßen ist. Tatsächlich auch auf Empfehlung von Nickel hin. Und der dann aber gesagt hat, nee, das machen wir alles viel lustiger. Und wir nehmen Jim Carrey.
Johannes Franke: Der Drehbuchautor war am Ende auch glücklich damit. Das ist nicht so, dass er jetzt irgendwie einfach... gekauft wurde und er dann sagt, naja gut, okay, gib mir Geld und ich bin halt unglücklich damit. Der fand das gut und der hat auch den Regisseur vorgeschlagen. Also insofern, es war schon okay.
Florian Bayer: Ja. Und Peter Weir hat ja unter anderem auch den Club der Toten Dichter inszeniert. Stimmt. Es ist jemand, der auch ein Händchen hat für diese starken Emotionen und ich finde, das sieht man diesem Film halt auch an. Es ist halt in diesem Film sogar im wahrsten Sinne des Wortes ganz oft eben dank Philip Glass auf der Gefühlsklaviatur spielen. Das kann Peter Weir ziemlich gut und das ist in diesen beiden Zähnen. Es ist halt unglaublich stark. Auch mit diesem Wissen, auch mit diesem Subtext bleiben es halt auch vor allem starke emotionale Momente. So schuldig du in diesem Moment bist, du kannst dich nämlich nicht entziehen.
Johannes Franke: Ja, genau. Würdest du diese TV-Show gucken?
Florian Bayer: Gute Frage. Das Ding, als das produziert wurde, war Big Brother ja noch nicht... Das ist es.
Johannes Franke: Das ist wirklich krass. Die Leute damals, die im Kino saßen, haben noch nicht gedacht, ach du Scheiße, wir haben so viel Mist mit irgendwelchen Leuten im Fernsehen gemacht. Sondern die haben gedacht, sowas passiert doch niemals. Aber mit unserer Abstand, meine Güte, was haben wir für Scheiße gebaut im Fernsehen.
Florian Bayer: Also ich glaube, das Problem ist bei dieser Show, weil der Frage, würdest du diese Show gucken, dass du einmal das moralische Setup wegdenken musst. Weil jeder von uns würde glaube ich sagen, wenn es so eine Show gäbe, wo jemand gefangen gehalten wird, nicht darüber informiert wird, dass er sich in einer Show befindet. Das ist moralisch verwerflich. Unabhängig davon, wie man zu dem ganzen sonstigen Reality-TV steht, ist das moralisch so verwerflich, dass du wahrscheinlich einfach dagegen wärst und würdest sagen, ich mach den Scheiß nicht mit, ich guck das nicht. Das heißt, das muss man irgendwie ausklammern. Ist die Frage, würde ich das gucken? Ich hab in meinem Leben einiges an Reality-TV-Formaten geguckt und ich hatte durchaus Freude auch an Reality-TV-Formaten. Ich erinnere mich zurück, dass ich die erste Big Brother-Staffel, als es noch nicht groß war und noch nicht jeder versucht hat, damit berühmt zu werden, wirklich Spaß gemacht hat, dass da wirklich Typen... drin waren, die interessant waren. Einfach weil sie so aus dem Leben gegriffen waren. Auch weil sie gut ausgesucht wurden. Davor habe ich tierischen Respekt, wie diese, egal wie moralisch verwerflich sie sind, wie diese Leute von den Reality-TV-Formaten, wie die es schaffen, Menschen zusammenzufinden, wo sie wissen, damit erzeugen sie Konflikte oder Liebschaften oder sonst was.
Johannes Franke: Ja, also ich weiß nicht. Ich glaube, da gibt man dem fast ein bisschen zu viel Credit. Bei den ersten vielleicht noch, aber dann... Es entwickelt sich ja doch dann irgendwie so ein Format, wo man denkt, ja, okay, wir machen das jetzt nach dem Konzept. Ja. Und wir wissen doch, eine ganz bestimmte Sorte Mensch mit einer anderen Sorte Mensch, das gibt immer Clash.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, es ist halt auch so in den späteren Formaten, es ist stärker geworden einfach, weil die... Das war das große Problem, dass Big Brother so erfolgreich war und alle, die dann später in diesen Formaten mitgemacht haben, wussten, wenn du dich streitest, wenn du exzentrisch bist, wenn du Sex vor der Kamera hast, das zieht alles. Sprich, die sind auch schon mit dem Plan reingegangen und das hat eigentlich Reality-TV kaputt gemacht, macht aber Reality-TV immer, also das ist quasi so bedingt sich, das muss ja passieren. Wenn was groß wird, dann gehen Leute mit Plan rein und dann ist dieses Unschuldige, Naive, ist weg. Das ist genauso wie mit... Achtung, Dschungelcamp. Ich bin ein Star, holt mich hier raus. Ist vom Konzept eigentlich genial. Und es gibt auch tatsächlich, ich hab auch vom Dschungelcamp ein, zwei Staffeln geguckt und hatte da auch wirklich Spaß dran.
Johannes Franke: Ganze Staffeln, wow.
Florian Bayer: Ich kann mich an eine Staffel erinnern, die ich wirklich ziemlich komplett geguckt habe. Aber auch da ist das Problem, da gehen dann halt zu viele mit Plan rein. Es wird dadurch so ein bisschen entzaubert und es... verliert dadurch an Reiz. Aber ich würde sagen, ich bin grundsätzlich für alle TTV-Formaten nicht so komplett abgeneigt.
Johannes Franke: Ja, kommt ein bisschen darauf an, was daraus gemacht wird. Ich glaube, das bezieht sich auf alle möglichen Formen von Kunst und Unterhaltung. Wenn du nur sensationalistisch rangehst, hast du halt verloren.
Florian Bayer: Hast du sowas geguckt oder hattest du Spaß an sowas?
Johannes Franke: Ich habe da vielleicht einmal in eine Folge reingeschaut, noch nicht einmal zu Ende. Ja. Weil das alles für mich so, auch so Scripted Reality. Na,
Florian Bayer: Scripted Reality ist ja kacke. Das ist das, was Deutsche schlecht sind. Deutsche Schauspieler.
Johannes Franke: Ja, aber irgendwie hat mich alles nicht so abgeholt.
Florian Bayer: Hattest du Spaß an, wir haben darüber gesprochen, Häppchenweise. Kannst du dich erinnern? Ja,
Johannes Franke: ja, ja, wir haben auch darüber geredet. Dann hör dir nochmal die Episode an, wenn du das möchtest.
Florian Bayer: Vielleicht hat sich deine Meinung ja geändert. Wie ist deine Meinung jetzt? Häppchenweise hat dir gut gefallen, ne?
Johannes Franke: Naja, ich fand das Experiment interessant und es war ja auch in einem Feld, das irgendwie interessanter war. Ich glaube, Häppchenweise hatte vor allem den Spaßfaktor und den Faktor... Ich möchte wissen, was passiert, weil es eben um Sex ging.
Florian Bayer: Und keine Plusstellung, ne?
Johannes Franke: Ja, weil es vor allem, es ging ja vor allem darum, nicht einfach für ein normales, alltägliches Publikum Sex zu explorieren, sondern es ging darum, ein Porno zu drehen, der mit offenem Ende, ob das jetzt ein Porno wird oder nicht. Und es wurde halt nur so halb einer.
Florian Bayer: Ich glaube, ich würde nicht die Truman Show gucken, weil mir das zu langatmig wäre. Vor allem, weil da auch nichts passiert, darüber müssen wir auch noch reden. Das ist ja eigentlich eine ziemlich langweilige Sendung. Und ich verstehe nicht, warum sie das Setup so machen. Sie haben alle Möglichkeiten. Aber ich würde wahrscheinlich mal so ein bisschen True Talk gucken, um die Zusammenfassung zu kriegen. Ja,
Johannes Franke: genau. True Talk!
Florian Bayer: Die große Show, in der über die Truman Show geredet wird, in der dann tatsächlich zum Mitte des Films nochmal klar gemacht wird, was hier überhaupt passiert. Was so dieser letzte Punkt für das Publikum ist. Wir werden ja... Wir gehen damit glaube ich auch so selbstverständlich um, dass wir wissen, was in diesem Film los ist, aber ich finde, der führt einen so sachte nach und nach. ein, sodass es keinen großen Glottis gibt, aber so nach und nach Erkenntnis, ah, wie funktioniert das? Ah, es ist eine TV-Show, ah, wie funktioniert das? Ah, so ist das.
Johannes Franke: Du hast viele kleine Ah-Momente oder viele kleine Ach du Scheiße-Momente, weil du die Tragweite der ganzen Geschichte natürlich erst präsentiert bekommst nach und nach.
Florian Bayer: Und dann haben wir halt True Talk, wo wirklich zum ersten Mal klar wird, wer Christoph ist, welche Rolle er spielt, wo auch die Schauspieler nochmal interviewt werden. Und ich frage mich bei dieser Szene aber immer, warum spoilert Christoph sein Publikum? Hat er den Arsch offen? Das geht ja wohl gar nicht. Wir werden das erste Mal einen Live-Empfänger sehen. Warum zur Hölle verrätst du das?
Johannes Franke: Ja, es ist doch wie mit jeder Werbung. Du musst irgendwas ganz Großes haben, was der große Aufhänger dann... Ja,
Florian Bayer: aber das musst du so machen, genau. Doch nicht so! Du kannst doch nicht spoilern. Du kannst doch nicht sagen, achso, und übrigens, Meryl wird Truman verlassen. Warum erzählst du das dem Publikum?
Johannes Franke: Meryl wird ihn verlassen, ist ein blöder Spoiler. Das stimmt.
Florian Bayer: Zahl bescheuert.
Johannes Franke: Naja.
Florian Bayer: Und dann kommen wir aber genau, das ist ja so die Einleitung der zweiten Hälfte des Films. Truman hatte seinen Moment der Erkenntnis und jetzt flieht er. Und jetzt versucht er zu fliehen. Und das ist tatsächlich, der Film lässt sich dafür auch nochmal so ein bisschen Zeit nach der Erkenntnis. Und ich sehe gerade, wir haben vollkommen vergessen, einmal zumindest kurz zu erwähnen, neben der großen emotionalen Szene. Gibt es ja diesen ersten großen Fluchtversuch, wo er mit Meryl rumfährt.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Das ist großartig. Und sie Panik kriegt im Auto.
Johannes Franke: Das ist großartig.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Wie sie ihre Fälle wegschwimmen sieht. Ja. Und dem verzweifelt versucht, hinterherzugreifen und das noch festzuhalten und zu sagen, komm, wir fahren wieder nach Hause, da wird alles wieder gut. Das ist wirklich super gut gespielt.
Florian Bayer: Und dann natürlich auch dieses... Was sie alles auffahren, ne? Sie machen einen Waldbrand, der einfach nur so eine Feuerwand auf der Straße ist. Atomkraftwerk. Und Supergau.
Johannes Franke: Dieser Beamte, der dann noch sagt, dafür doch nicht Truman. Oh fuck, ich hab den Namen gesagt, ich darf den nicht wissen. Scheiße.
Florian Bayer: In einigen Szenen frage ich mich, die sind echt schlecht geprieft, die Darsteller. Vor allem die Statisten natürlich. Warum macht der das? Das ist seine einzige Szene. Dieser Typ, das ist, wie kann man das so verkacken? Wie kann man so verkacken? Der wird nie wieder im Fernsehen auftreten. Niemand wird diesem Typen noch eine Rolle geben.
Johannes Franke: Das sind ja alles Statisten.
Florian Bayer: Aber das ist doch ein, du hast einen Satz. You had one job.
Johannes Franke: Das rutscht einem so raus. Vielleicht war auch der eine Satz, den er tatsächlich vorher gesagt hat, nämlich, hier können Sie leider nicht weiter, weil es gab einen Unfall. Oder was auch immer er da sagt. Das war der Satz, den er gelernt hat. Und dann sagt Schumann dummerweise irgendeinen Satz, wo er sich dann bedanken muss. Und dann improvisiert er halt den nächsten Satz. Dann ist halt, ach scheiße, dann ist es doch rausgerutscht.
Florian Bayer: Warum dieses kleine Mädchen im Bus? Warum dieses kleine Mädchen im Bus? Ey, Moment mal, den kenn ich doch. Du bist eine Darstellerin, du wurdest nachher genau deswegen hingegessen.
Johannes Franke: Aber das ist ein Mädchen.
Florian Bayer: Ja, aber sagen sie nicht dem Mädchen. Pass auf, die mussten diesen Bus ja arrangieren in diesem Moment. Deswegen haben sie auch den Darsteller, der nicht Bus fahren kann, genommen, der Busfahrer. Das heißt, sie mussten schnell Passagiere zusammenstellen. Und sie mussten die reinsetzen. Ja, aber trotzdem hast du die drei Minuten Zeit. Truman braucht einfach auf dem Weg. Okay, jetzt, jetzt, jetzt. Entschuldigung, jetzt komme ich kurz in meinen Suspension of Disbelief-Rant. Warum? Und dafür habe ich sogar eine Erklärung, die echt düster ist. Warum haben Sie Sylvia, nachdem Sie festgestellt haben, dass die im Weg steht, wenn Truman und Meryl zusammengekommen sollen, warum haben Sie sie drin gelassen? In der Show.
Johannes Franke: Achso, als Statistin dann. Ja,
Florian Bayer: als Statistin. Warum sagen Sie, okay, tanzen wir mal in der Nähe von Truman. Wollen Sie eine tragische Liebesgeschichte?
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Will Christoph eine tragische Liebesgeschichte für Truman?
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, ist das gemein. Ja, nein, ich meine, der hat den Tod von einem Vater vorgetäuscht. Also insofern, der macht auch sowas.
Florian Bayer: Also ich glaube, das wäre die einzige Erklärung dafür, weil sonst hätte man ja gesehen, okay, wir wollen Truman Meryl verkopen. Oh, er hat Augen für die andere. Die braucht... nicht mehr zu spielen. Sie ist nur eine Statistin, man kann sie einfach rausnehmen. Aber dass sie drin bleibt, das ja doch deutet darauf hin, dass das so gewollt war. Und was ja auch darauf hindeutet, ist, sie kehren das nicht unter den Teppich. Sie spielen ja offensichtlich Flashbacks ein. Stimmt. Und sie spielen diese ganze Geschichte als Flashback ein und sie haben diese Geschichte emotional inszeniert. Sie haben da Musik drüber gelegt, sie zeigen, dass Truman verliebt ist. wenn ihnen das wichtig wäre, das unter den Teppich zu kehren, dann hätten sie ja, man muss ja die Kamera nicht auf Truman zeigen, wenn er verliebt zu ihr guckt. Man kann das ja komplett anders inszenieren. Und genau, das lässt mich eigentlich so ein bisschen vermuten, wenn ich halt mein Suspension of Disbelief halten will, dass Christoph gesagt hat, oh, er hat Interesse an dieser Sylvia, lass uns das mal noch eine Zeit lang weiterlaufen. Mach du mal im Hintergrund ein bisschen Recherche, wer diese Sylvia ist, wer diese Darstellerin ist. Ah, die ist eine Aktivistin. Das wäre noch eine Frage, die ich hätte. War Sylvia schon Aktivistin?
Johannes Franke: Nein, ich glaube nicht. Glaubst du nicht? Also ich glaube, dass sie tatsächlich da gesessen hat als ganz normale Statistin. Dann haben die sich angeschaut und sie hat gemerkt, ach du Scheiße. Jetzt fange ich hier an, Gefühle zu haben und zwar für einen Typen, der gefangen ist. Ich glaube, das ist moralisch ganz schön schwierig.
Florian Bayer: Ja, also würde auf jeden Fall Sinn machen, weil es wäre merkwürdig, wenn sie... Weil dann haben sie ja, also sie müssen ja hinterher recherchiert haben, aber sie können sie, eigentlich wäre es logisch, sie als Statistin rauszunehmen und zu sagen,
Johannes Franke: okay,
Florian Bayer: wir nehmen jetzt jemand anderen.
Johannes Franke: Aber dass sie es eben als Flashback nehmen, ist ein gutes Indiz, da hast du recht.
Florian Bayer: Man kann, wenn man nitpicky sein will, kann man immer fragen, okay, warum, sie haben Truman von seiner Geburt an unter Kontrolle. Warum erzählen sie ihm von der Welt aus?
Johannes Franke: Ich sage dir warum, ich habe darüber lange nachgedacht. Oh,
Florian Bayer: sehr gut, ja.
Johannes Franke: Die Show wird ja als Reality-Show vermarktet. Das heißt, die Zuschauer erwarten, dass ihre Welt da drin vorkommt. Und wenn dann ihre Welt nicht drin vorkommt und wenn sie dann auch noch so offensichtlich seine Welt begrenzen, dann bringen sie das Publikum gegen sich auf. Ich glaube, dass das marktforschungstechnisch hinterlegt ist.
Florian Bayer: Das kann gut sein. Aber sie zeigen ja trotzdem, es gibt ja sehr viele fiktive Inhalte, die so wirken, als wären sie nur für die Truman Show, also für die Show gemacht worden. Zum Beispiel dieses, die Fernsehsachen, die er guckt. Der Fernseher spricht nämlich sehr eindeutig mit ihm.
Johannes Franke: Ich finde das so großartig. Sie müssen nicht weit weg, um glücklich zu sein. Dann bleiben sie ja doch hier.
Florian Bayer: Also der Film erzählt uns ja offensichtlich, dass wir uns in einer Art Science-Fiction bewegen, die allerdings nicht so weit ist von der Zeit, als der Film gedreht wurde. Also irgendwie in den 2000ern. Oder Ende 90er, Anfang 2000er. Aber nicht in der weiten Zukunft. Aber Sea Haven wird inszeniert als so eine 50er-Jahre-Idylle.
Johannes Franke: Weil das die Welt ist, in der die Welt noch in Ordnung ist.
Florian Bayer: In der die Welt noch in Ordnung ist. In der auch alles sehr weiß ist. Obdachlose werden, der Müll wird von der Straße geräumt.
Johannes Franke: Oder Luft.
Florian Bayer: Oder aus der Luft.
Johannes Franke: zu Leute, die als Müllmänner da rumlaufen. Aber es gibt nicht genug aufzuheben. Also heben sie Luft auf. Es ist so großartig, wie man das so sieht. Der eine schert da an diesem einen Baum rum. Aber er darf das nicht wirklich scheren. Also macht er das auch so knapp davor. Es ist großartig.
Florian Bayer: Ich liebe diese Szene, wenn Truman unerwartet in das Gebäude reinrennt und zum Fahrstuhl rennt. Der Lift. Und dann wird die Wand gerade in dem Moment weggefahren und die Frau stellt sich rein in den Fahrstuhl und dreht sich in dieser typischen Fahrstuhlpose um, in der Hoffnung, dass es nicht auffällt, dass hinter ihr dieser Backstage-Bereich ist. Es ist fantastisch. Ihr Blick, wenn sie da steht und so angespannt, so gleichzeitig, ich spiele, ich bin im Fahrstuhl. Ich weiß, was ich zu tun habe.
Johannes Franke: Das ist super. wie auch alle möglichen Statisten, nicht wissen, wie sie reagieren sollen, wenn er da langläuft. Also tun sie einfach so, als wäre er nicht da. Sie reagieren gar nicht, weil sie einfach nicht wissen, wie. Es ist so toll. Und deswegen ist es auch total nachvollziehbar, dass er denkt, irgendwas stimmt hier nicht. Irgendwas ist hier richtig, richtig awkward anders, als sein müsste.
Florian Bayer: Und gleichzeitig denkt man, naja, er hat diese Awkwardness von Anfang an miterlebt. Also vielleicht... Er kennt ja nichts anderes. Es ist die reale Welt. Menschen ist egal, wie er sich verhält.
Johannes Franke: Wie der Film auch sagt, du nimmst die Welt so an, wie sie dir präsentiert wird. Das sagt ja Christoph. Und ich finde, er hat absolut recht. Und deswegen kann ich auch diesen viel zu kitschigen Sonnenuntergang akzeptieren und diesen Mond, der überhaupt nicht realistisch aussieht.
Florian Bayer: Dieser Mond.
Johannes Franke: Der auch, wenn da Blitz passiert, wenn irgendwie Blitz und Donner simuliert wird, dann reflektiert der Mond das... das Licht. Und du denkst dir, das ist physikalisch völlig unmöglich.
Florian Bayer: Absoluter Bullshit.
Johannes Franke: Das geht nicht.
Florian Bayer: Das funktioniert für mich alles, dass sie das als die Realität erkaufen, die er einfach akzeptiert. Truman akzeptiert, dass der Mond viel zu groß ist. Truman ist zwar ein bisschen irritiert, aber jetzt auch nicht allzu irritiert, dass der Regen mal nur über ihm ist. Aber dann gibt es natürlich den Punkt, wo es zu weit getrieben wird. Für mich gibt es immer nach wie vor so einen kleinen, nicht nur einen kleinen, großen Knick eigentlich in den Realismus, weil ich das Gefühl habe, okay, du brauchst eigentlich nicht so viele DarstellerInnen. Du musst nicht die ganze Stadt so, wie du es machst, bevölkern. Zumal sich das auch teilweise widerspricht. Also in dem Krankenhaus sind ja offensichtlich die Leute schon, die sind kostümiert und so weiter. Truman ist so schnell hinter, Meryl hinterher, wenn er sie verfolgt ins Krankenhaus. Das können sie nicht spontan aufbauen. Das heißt, die Leute sind da. Es ist in Ordnung, könnte man ja sogar meinen. Vielleicht haben sie parallel noch manchmal, vielleicht schalten sie manchmal sogar zum Krankenhaus, wie Meryl ankommt und so weiter oder so wie auch immer. Aber dann gleichzeitig haben sie sowas wie die First Position des Tages, wo sich alle einmal hinstellen und gar nicht bewegen. Ich finde, die fassen nicht so ganz zusammen, das Ganze. Also entweder sie haben hier ein Leben in einer Stadt, das simuliert wird, wo die Leute die ganze Zeit irgendwie so ein bisschen was machen, wenn sie nicht Pause machen. Oder sie haben halt ein perfekt durchgesp... taktetes Theaterstück, wo jeder genau seine Position hat, die er jetzt einhalten muss. Und da ist der Film vielleicht manchmal ein bisschen inkonsequent, wie er seine Welt erzählt.
Johannes Franke: Ja, aber er braucht die Loops, weil Jim Carrey natürlich rausfinden muss anhand Beobachtungen. Okay, dieses Auto, dann kommt dieser Fahrradfahrer, dann kommt das, ne?
Florian Bayer: Ja, die Loop ist toll.
Johannes Franke: Die Loop ist großartig. Also es ist auch eine gute Erklärung für das, wie sie das machen. Es ist vielleicht nicht die schlauste Methode, das zu machen, aber es ist eine.
Florian Bayer: Es ist ja auch ein Loop-Hall, dass da so schön steht, weil ich meine, ey, er sitzt im Auto, offensichtlich schon seit ein paar Stunden, er wird von Kameras beobachtet, ist niemand im Auge, um mal zu sagen, könnt ihr mal einen anderen Statisten da vorbeischicken? Ja, genau. Ein anderes Auto, wir haben doch genug. Ja. Und wer will sich den Scheiß angucken? Ein Mann, der in der Midlife-Crisis zwei Stunden im Auto sitzt. Ja, genau. Und eine Frau auf dem Fahrrad beobachtet, die vorbeifährt. Wer will das sehen?
Johannes Franke: Aber du glaubst doch nicht, dass nur das gezeigt wird. In solchen Momenten wird Werbung eingeschaltet noch.
Florian Bayer: Ja, natürlich.
Johannes Franke: Dann kriegt der da irgendwie sein kleines Fenster, wie wir das bei dem anderen Teil...
Florian Bayer: Das ist auch visionär, ne? Also das war damals schon ein bisschen, aber heute ist das ja richtig groß. Ja, ja. Wie heißt das? Es gibt sogar einen extra Namen dafür. Companion Ads.
Johannes Franke: Oh, ja.
Florian Bayer: Wenn so... Genau. Alles schön eingerahmt, noch mit Bildern und so. Genau. Wer will das sehen? Das Publikum will das sehen?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wir kriegen ein paar zu sehen, aber die, die wir zu sehen kriegen,
Johannes Franke: sind toll. Die Asiaten sind toll.
Florian Bayer: Die sind toll. Ich mag total die Bar, wo die Truman Experten sind.
Johannes Franke: Natürlich, ja.
Florian Bayer: Und dann diese eine alte Lady, die ja sagt, ey, sein Vater kommt von daher, seine Mutter kommt von daher, ihr habt doch keine Ahnung.
Johannes Franke: Wie findest du, dass die am Ende tatsächlich alle mitfiebern, dass er da wirklich rauskommt? Weil es würde ja bedeuten, dass das... Ende der Show eingeleitet wird. Also, die sind ja auch in einem Konflikt da. Vielleicht wollen sie ihre Show ja nicht verlieren, aber sie wollen trotzdem, dass er da rausfindet.
Florian Bayer: Ist auch wieder so eine schräge Meta-Ebene, weil die spiegeln natürlich unsere Emotionen und triggern unsere Emotionen. Und gleichzeitig kann man natürlich überlegen, sie sind sich gar nicht bewusst, was das für Konsequenzen hat. Mögen Truman, aber sie mögen Truman ja vor allem wegen der Inszenierung von Christoph, was wieder so eine ganz komische Ebene aufwirft. Diese ganzen Truman-Fans sind ja eigentlich voll die Das sind fiese Menschen.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Die haben sich von Christoph um den Finger wickeln lassen und genießen hier ein gefangenes Tier zu gucken.
Johannes Franke: Ich kann mir vorstellen, dass man über die Jahre ein bisschen detached davon ist. Und vielleicht wirklich, wie du sagst, gar nicht so die Tragweite dann feststellt mehr. Weil man so weit davon weg ist, weil das Hirn sagt, ich kann mich jetzt nicht als Komplize begreifen selber, sondern ich mache da einen Abstand dazwischen. Ich mache da eine Mauer dazwischen und ich bin emotional nicht... so drin, dass ich verstehe, was da passiert. Aber ich glaube, am Ende wollen wir eigentlich alle Leuten dabei zuschauen, wie sie erfolgreich sind in dem, was sie gerne wollen. Und Truman hat wahrscheinlich den größten Wunsch seines bisherigen 30-jährigen Lebens. Die Leute bekommen mit, was er wirklich will, wo er hin will. Und dann will man das, glaube ich, als Zuschauer einfach aus Impuls heraus schon.
Florian Bayer: Ich glaube, die tatsächliche Erklärung ist viel einfacher einfach, weil der Film das emotional erzählen will und weil es diesen emotionalen Kontrapunkt zu uns braucht. Und weil das wichtig ist, dass die Leute das machen, weil sonst wäre es ein anderer Film und sonst würde der Film das irgendwie anders erzählen. Und wir sind natürlich der Typ in der Badewanne, der sich am Vorhang festhält.
Johannes Franke: Toller Typ. Ja,
Florian Bayer: total. Und wir kommen da halt einfach nicht raus. Das ist einfach diese... doppelte Ebene gibt, auch wenn Truman dann auf dem Boot ist und Christoph sagt, okay, wir machen hier Heldeninszenierung und wir nehmen die Kamera, weil die ist besonders nah dran, damit der wie ein Held inszeniert ist und wir sehen ihn als Helden inszeniert, aber natürlich auch durch die Linse von Christoph als Held inszeniert. Und gleichzeitig will der Film uns ihn aber auch als Helden präsentieren, weil wir natürlich auch wollen, dass er weg... dass er es schafft zu fliehen. Und das ist dieser Konflikt, der so ein bisschen bestehen bleibt innerhalb des Films, der einfach nicht gelöst wird, der auch nicht zwingend gelöst werden muss, den der Film aber mit sich rumträgt und nicht unbedingt nur reflektiert, sondern eben auch irgendwie als Teil des Konflikts, der in einem so emotionalen Setup, Gott, hast du das geschwurbelt. Aber du weißt, was ich meine. Das ist ein Konflikt, der in diesem emotionalen Setup einfach besteht und da muss man einmal tief durchatmen.
Johannes Franke: Also was passiert mit ihm? nachdem er in der realen Welt angekommen ist.
Florian Bayer: Die arme Sau.
Johannes Franke: Die Hölle, oder?
Florian Bayer: Die arme Sau. Der wird ja von Kameras, von Reportern, der wird total verfolgt werden. Der wird deutlich weniger gefühlte Anonymität haben als davor, als in der Schicht.
Johannes Franke: Es wird schrecklich. Es tut mir so leid um diesen Menschen. Es gibt vielleicht eine 30-prozentige Chance, dass er sagt, ich stecke mich wieder in den Dome zurück, ich lebe da mein Leben und ihr sollt alle zuschauen, Hauptsache ihr lasst mich in Ruhe.
Florian Bayer: Oder nach Fiji abhauen, wo noch kein Mensch ist. Das wäre eigentlich noch so eine Post-Credit-Szene, wo man ihn und Sylvia am Strand von Fiji sieht,
Johannes Franke: wie sie sich gut gehen lassen.
Florian Bayer: Und, keine Ahnung, noch irgendwie so ein Witz, dass er seine Entschädigung gekriegt hat und sein Descheng von CBS ist angekommen.
Johannes Franke: Das Ding ist, ich glaube, dass er keine Chance hat, in der normalen Welt überhaupt zu leben die ersten Jahre. Er ist viel mehr naiv. Er weiß überhaupt nicht, wie das geht. Es wurde ja immer um ihn herum inszeniert. Und wenn das nicht mehr passiert, ich glaube nicht, dass er lebensfähig ist. Also das zumindest erst lernen muss.
Florian Bayer: Und dazu hat er noch in dieser 50er Jahre Traumwelt gelebt, in der es keine Verbrechen gibt, keine größeren Konflikte, keine Kram, sondern alles irgendwie so an der Oberfläche stattfindet. Das wird richtig hart. Ich finde ja tatsächlich, es ist ein Film, den man durchaus hätte eine Fortsetzung geben können. Ja,
Johannes Franke: das stimmt.
Florian Bayer: Und zwar, jetzt ist zu spät dafür. Am Ende hätte man erzählen können, wie Truman draußen ist und mit Sylvia zusammen. Und da natürlich, wie Christoph einen Ersatz für Truman holt. Dann hätte man sogar den Film nochmal ein bisschen anders erzählen können. Nämlich, dass das Parallel als Het wird, wie Truman und Sylvia zum Beispiel versuchen, das Ding zu sprengen.
Johannes Franke: Zu sprengen, im wahrsten Sinne?
Florian Bayer: Nein, nicht im wahrsten Sinne. Die können ja keine Terroristen werden. Aber irgendwie versuchen, diesen Menschen zu retten, der da genommen wird als nächstes. Ja, keine Ahnung. Vielleicht auch nicht. Aber ich liebe die Szene, wie er mit seinem Boot in den Himmel reinfährt. Echt,
Johannes Franke: das ist großartig. Natürlich, das ist ganz toll.
Florian Bayer: Wahrscheinlich die ikonischste Szene des Films.
Johannes Franke: Ja, ja. Wie er da den Horizont entlangläuft. Und er sieht Treppe, stairway to heaven.
Florian Bayer: Und ich kann mich noch erinnern, wenn ich es jetzt sehe, verstehe ich es nicht mehr, aber beim ersten Mal bin ich wirklich erschrocken, als ich es gesehen habe, weil ich nicht damit gerechnet habe. Der Himmel hat mich wirklich verarscht.
Johannes Franke: Ja, ja, aber jetzt auch beim Gucken, mich auch wieder. Ah, okay. Ich wusste, dass der Moment kommt, aber in dem Moment habe ich gedacht, ah, oh, da ist er.
Florian Bayer: Und es gibt auch sogar noch kurz den Schatten zu sehen vorher, also es gibt eigentlich so eine kleine Vorwarnung. Die haben ja diese Bootsszenen tatsächlich in so einem Tank in Kalifornien gedreht. Aha. Jim Carrey hat erzählt, er wäre wirklich fast ertrunken. Was? Weil er war auf diesem Boot, die haben halt Wellen um ihn rum gemacht. Ja. Und er sollte halt kämpfen und so, irgendwie eine Wellenmaschine oder sowas. Und er war aber angezogen, wie er angezogen ist, nämlich mit dickem Pulli und dicker Hose und so weiter. Und das war alles verflucht schwer. Und dann ist er halt wie auch gewünscht runtergefallen. Ja. Und es war wohl ein Zeichen verabredet. Ja. Daumen hoch oder so, womit er zeigt, dass er jetzt Hilfe braucht, dass die Rettungstaucher doch bitte kommen sollen. Und er hat irgendwie gekämpft und hat wohl auch das Zeichen gezeigt und die haben es nicht verstanden, weil sie gedacht haben, er spielt einfach, wie er kämpft. Und er hat erzählt, er hatte damals wirklich Angst zu ertrinken und war dann wirklich mit seinen Kräften am Ende, bis die Taucher, die da mit ihm im Becken waren, dann doch zugegriffen haben und ihn rausgezogen haben. Krass. Das muss wohl eine ziemlich krasse Szene gewesen sein für ihn. Stark,
Johannes Franke: okay. Um mal zu der ersten Frage zurückzukommen. Hast du das Gefühl, dass es eine Jim Carrey Show ist? Oder nicht?
Florian Bayer: Nee, weil alles drumherum an dem Film zu gut ist. Ich finde, damals wurde... Ich bin in den Film gegangen wegen Jim Carrey. Ja. Und damals wurde sehr viel Wirbel darum gemacht, dass Jim Carrey ein ernster Darsteller wird, dass er jetzt was anderes spielt und das zeigt, wie oscarwürdig Jim Carrey ist und so weiter. Und wenn ich es heute sehe, denke ich, Jim Carrey ist für mich nicht das Hauptargument für den Film. Jim Carrey ist sogar in meiner Top-Liste an Argumenten für diesen Film relativ weit unten.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Ohne ihn schlecht machen zu wollen. Wie gesagt, er spielt das gut, aber es gibt einfach viele andere Sachen, die ich an diesem Film schätze.
Johannes Franke: Ich finde halt, ähnlich wie du, aber ich komme von einer anderen Ecke, ich finde, dass Jim Carrey es nicht schafft. diesen Film zu seiner Jim Carrey Show zu machen, wie er das vielleicht später gemacht hat oder vielleicht auch vorher schon. Aber vorher war es ja auch noch mehr gewünscht, weil er diese ganzen Slapstick-Sachen gemacht hat und das da irgendwie dazugehörte, während bei Man on the Moon ja eigentlich die Figur mehr hätte übernehmen müssen, als jetzt Jim Carrey den Film hätte übernehmen müssen. Und ich finde, hier hat er es wirklich geschafft. Da ist er in einer Phase seines Lebens, so vom Gefühl her, wo er noch... Wo das Ego noch nicht zu groß ist.
Florian Bayer: Vielleicht.
Johannes Franke: Wo er wirklich noch in der Lage ist zu sagen, okay, ich habe hier eine Rolle und ich nehme diese Rolle ernst und mein Ego spielt da nicht dazwischen.
Florian Bayer: Aber er hat ein großes Ego. Er hat auch viel Geld für den Film gekriegt.
Johannes Franke: 12 Millionen. Er hätte aber 20 haben können.
Florian Bayer: Er hätte 20 haben können, was dann irgendwie ein Drittel gewesen wäre vom Budget.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und er war aber schon ein großer Slapstickstar. Also als er den Film gespielt hat, galt er als die Slapstick-Hoffnung der 90er Jahre.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: 60 Millionen hat der Film gekostet, 264 Millionen hat er im Box-Office eingespielt. Ein Riesen-Hit, ein Film, der eigentlich als so das, was damals so dieses nicht C-Movies, auch nicht B-Movies, aber halt nicht die großen A-Movies, nicht die großen Blockbuster, nicht als das geplant war, der wirklich auch, also der natürlich gefeiert wurde, der aber auch überraschend war, dass er so ein Hit war, dass er so viele Leute ins Kino gezogen hat. Peter Weir hat geplant, Nicht geplant, da ist zu viel gesagt, aber er hat die Überlegung, das Ganze mit diesen Meta-Ebenen noch ein bisschen größer zu machen und während der Vorführung des Films das abzubrechen und einmal das Publikum zu zeigen, uns. wie wir den Film im Kino sehen, um dann wieder zurück zum Film zu kommen.
Johannes Franke: Also einfach um irgendwo in einer Sequenz, wo sowieso Überwachungskamera-Bilder sind, dann auch noch Überwachungskamera-Bilder vom Publikum, vom Kino irgendwie damit einzubreuen. Was ich eine geile Idee finde.
Florian Bayer: Aber es ist halt auch so vollgemäht Kino. Vielleicht ist es auch ganz gut, dass es dazu nicht gekommen ist. Er hätte fast Christoph selbst gespielt.
Johannes Franke: Ja stimmt, er wollte Christoph vielleicht selbst spielen, weil diese Meta-Ebene, er als Regisseur.
Florian Bayer: Gott sei Dank ist es Ateris geworden. Dennis Hopper war der, Erster. Stimmt. Er war nicht lange dabei.
Johannes Franke: Ja, es gibt mehrere Ideen, warum er wieder gegangen ist. Es gab künstlerische Differenzen, aber das heißt immer alles. Und irgendwo habe ich gehört, dass er seinen Text nicht konnte.
Florian Bayer: It's fucking Dennis Hopper, es kann so viel sein. Vielleicht war er auch einfach voll auf Droge, als er am Set abgetreten ist.
Johannes Franke: Vielleicht auch das. Naja.
Florian Bayer: Aber wie gesagt, ein Riesenhit und ein großer Publikumsliebling, der öfter mal in Listen auftaucht, wenn es um die besten Filme der 90er Jahre geht. Große Erfolgsstory.
Johannes Franke: Die besten Filme? Was ist das für ein Hinweis? Vielleicht auf eine Top 3?
Florian Bayer: Nein, haben wir etwa eine Top 3?
Johannes Franke: Wir haben eine Top 3. unsere Top 3.
Florian Bayer: Genießen Sie diese Top 3 mit Mococo, dem Lieblingsgetränk von Johannes Franke.
Johannes Franke: Von den besten Kakaoplantagen von Nicaragua.
Florian Bayer: Johannes, was hast du als Top 3 für uns?
Johannes Franke: Also, wir haben die Top 3 Big Brother. Natürlich was sonst. Ja. Und zwar Filme, die in irgendeiner Form mit Überwachung oder mit Big Brother... Ich weiß nicht, inwiefern du das interpretierst, aber...
Florian Bayer: Man kann es auf verschiedene Arten interpretieren. Es gibt natürlich die Big Brothers und es gibt auch die Little Brothers. Ich habe beides so ein bisschen drin.
Johannes Franke: Ja, aber der... Also, eigentlich habe ich Big Brother gesagt, Floor.
Florian Bayer: Ich möchte einen Honorable Mention reinwerfen.
Johannes Franke: Ja, unseren Kurzfilm?
Florian Bayer: Nein. Das wäre zu selbstverliebt. Nein, eine ganz tragische Geschichte, nämlich ein Film aus dem Jahr 1999, Ad TV. Ja. Der ungefähr zur selben Zeit wie die Truman Show ins Kino kam und ein sehr ähnliches Thema hat. Oh. Nämlich es geht darum, dass... ein Typ, gespielt von Matthew McConaughey, Star in einer Reality-Show wird, wo er die ganze Zeit über mit Kameras überwacht wird. Aber er weiß es natürlich. Er bewirbt sich für diese Show, er wird genommen und ab sofort ist immer ein Kamerateam bei ihm und dann wird gezeigt, wie er... Und dann ist es eigentlich eine typische Rom-Com. Er verliebt sich nämlich in die Frau von seinem Bruder, der arschig zu ihr ist und er will dann natürlich gewisse Sachen nicht auf der Kamera haben. Das Publikum wird immer größer und es ist ein wirklich niedlicher, schöner Film von Ron Howard immerhin auch, von dem großen Ron Howard, der unter anderem verantwortlich ist für Apollo 13, bei dem Ed Harris mitgespielt hat oder Beautiful Mind. Und es ist wirklich ein schöner Rom-Com-Film, der an den Kinokassen einfach komplett untergegangen ist, weil die Truman Show da war. Und weil die Truman Show der Film war, wenn es um dieses Thema geht. Und kann man sich aber angucken, ist ein netter Film, ist kein Meisterwerk und kann auch nicht mit der Truman Show mithalten, ist aber wirklich ein schöner Film zu diesem Thema auch.
Johannes Franke: Er wurde also Home Alone.
Florian Bayer: Er wurde Home Alone, genau.
Johannes Franke: Wie wir gelernt haben in der Episode über Home Alone, Kevin Lallain zu Haus.
Florian Bayer: Mein wirklicher Platz 3. Und... Ich habe jetzt tatsächlich eine Liste, wo ich das bunt durchschmicht habe und ich weiß nicht, was ich jetzt nehme. Nehmen wir einfach Homeland. Homeland ist eine Serie, die relativ jung ist, die das wirklich gut gemacht hat, dieses FBI-Überwachungsprogramm darzustellen. Mit Claire Danes als Agentin, die einen Soldaten überwacht, der aus dem Krieg zurückkommt, der Gefangener war, der verdächtig wird, umgedreht worden zu sein und jetzt Terroranschläge in den USA zu planen. Und ein wirklich guter Blick auf Überwachungstechnik und Überwachungsmethodik.
Johannes Franke: Ich hab kaum richtig echte, so düstere... Überwachungsthematiken. Das stimmt gar nicht. Verdammt, das muss ich wieder zurücknehmen. Denn auf meinem Platz 3 ist das Leben der anderen. Und ich fand damals das Leben der anderen ziemlich gut, aber ich wäre mal interessiert, wie ich den heute finden würde. Es gibt nämlich durchaus immer mal wieder Stimmen, die so sagen, ja, so gut ist der Film eigentlich gar nicht. Und ich kann mich nicht so richtig erinnern, dass ich sagen könnte, okay, verstehe, warum. Weil die Referenzen einfach nicht mehr da sind, deswegen kann ich es nicht mehr nachvollziehen. Und deswegen würde ich den Film gerne nochmal sehen, um rauszufinden, ob der jetzt wirklich der große, tolle Film ist.
Florian Bayer: Ich habe den auch ganz... Gute Erinnerung. Ich glaube aber, er trägt so ein grundsätzliches Problem mit sich und das ist, dass die Deutschen nicht so gut drin sind, wenn es darum geht, politische, historische Filme zu machen. Ja. DDR oder Nationalsozialismus oder auch eine frühere Zeit, irgendwie 30. Jahrhundert.
Johannes Franke: Hast du im Westen nichts Neues gesehen?
Florian Bayer: Nee, den Neuen meinst du, ne?
Johannes Franke: Ja, genau, den Neuen.
Florian Bayer: Den hab ich nicht gesehen.
Johannes Franke: Vielleicht ist das mal eine Ausnahme oder so. Oh,
Florian Bayer: okay, dann sollte ich...
Johannes Franke: Also ich hab ihn noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Du hast ihn noch nicht gesehen?
Johannes Franke: Nein, nein, aber er hat ja so wahnsinnig viel...
Florian Bayer: Ich bin skeptisch. Also ich fand die Brücke zum Beispiel sehr gut. Und das habe ich schon so weit zurück in die Vergangenheit gegriffen für einen deutschen Beitrag zu solchen Themen, der wirklich gut ist. Aber ich fand das Leben der anderen auch gut, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Keine Ahnung.
Johannes Franke: Vielleicht muss man ihn nochmal gucken. Vielleicht.
Florian Bayer: hatten wir da nicht einen Publikumswunsch vor kurzem? Wir haben so eine Liste von Publikumswünschen. Ich glaube, das Leben der anderen stand mit drauf.
Johannes Franke: Oh, dann können wir gleich einen Wunsch erfüllen.
Florian Bayer: Gucken wir uns gleich nochmal an. Ja, okay,
Johannes Franke: gut.
Florian Bayer: Mein Platz 2, ich bin ganz klassisch unterwegs, 1984. Das ist eine wirklich gute Literaturverfilmung aus dem Jahr 1984 von Michael Redford mit John Hurt und Richard Burton. Ein wirklich guter, starker Film, der dem Roman sehr gerecht wird.
Johannes Franke: Ich glaube, ich habe ihn gar nicht gesehen.
Florian Bayer: Ach, krass, okay.
Johannes Franke: Vielleicht gucken wir den mal. Platz 2 bei mir, Rear Window. Von der anderen Seite.
Florian Bayer: Hier, von wegen, ich hab gesagt Big Brother.
Johannes Franke: Es ist der kleine Bruder. Es ist derjenige, der, your friendly neighbor, der gerne seine Nachbarn ausspioniert, weil er einfach nichts anderes zu tun hat, weil sein Bein gebrochen ist.
Florian Bayer: Jetzt hab ich meine kleinen Brüder extra rausgenommen und dann kommst du mit so einem an. Okay, ja. Okay, ja. Schlapp. Mein Platz 1 ist die 3 Tage des Condor. Habe ich glaube ich schon ein, zweimal erwähnt. Agenten-Thriller aus den 70ern, wo es um einen Agenten geht, der aus dem Innendienst kommt und der Zeitung sucht nach geheimen Botschaften und sowas, die da vergeben werden können und dann wird sein Büro abgeschlachtet und er, der eigentlich nur so ein Bürotyp ist, also wirklich kein richtiger, nicht so der typisch klassische Agent, wie man ihn aus Filmen kennt, nicht dieses Klischee von dem Typen, der sich durchschlagen kann, sondern einfach ein normaler Typ, dessen Job es halt ist, fürs FBI-Zeitung zu lesen. Der ist plötzlich auf der Flucht vor Killern, wird von allen gejagt, muss herausfinden, was passiert ist. Robert Redford in einer seiner stärksten Rollen.
Johannes Franke: Ah, ja, Robert Redford ist immer ganz gut. finde ich. Der bringt so Klaas mit rein immer.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Auch in diesen Filmen.
Johannes Franke: Okay, mein Platz 1, Brasil. Der passt hier. Ich weiß, Brasil, so viel in meinen Listen auftauchen, aber es ist halt einfach so.
Florian Bayer: Hier muss er sein.
Johannes Franke: Er ist einfach großartig.
Florian Bayer: Ja, er ist fantastisch. Ich habe ihn nur weggelassen, weil ich wusste, dass du ihn bringst.
Johannes Franke: Okay, gut. Zu dich schau mal, wenn ich es erst noch... Na gut.
Florian Bayer: Und damit zurück zu unserem Film, zur Truman Show.
Johannes Franke: Ja. Das war unsere Top 3. Haben wir noch irgendwelche Baustellen, die wir aufmachen wollen? Oder haben wir einfach ein Urteil,
Florian Bayer: das wir fällen wollen? Ich glaube, wir
Johannes Franke: Das Urteil. Ja, du hast ein Urteil. Erzähl.
Florian Bayer: Es ist wirklich ein guter Film. Ja, der taucht vollkommen zurecht in diesen Best-of-Listen der 90er auf. Ich habe schon gesagt, Jim Carrey ist für mich nicht das Argument für den Film. Es gibt genug andere. Fantastisch inszeniert, großartige Kamera, Musik, Schnitt. hervorragendes Spiel mit den Emotionen und einen underlying Dark Tone, der irgendwie, der Gott sei Dank so wirklich tatsächlich so ein bisschen tiefer ist, aber mit sehr vielen Meta-Ebenen-Spielereien, über die man noch lange nachdenken kann und es ist einfach perfekte Unterhaltung. Es ist einfach ein großer Hollywood-Film, der wirklich, wirklich bewegt, berührt und funktioniert. Okay.
Johannes Franke: Ich hatte ein bisschen Angst, Floor. Weil du jetzt zwischendurch im Gespräch immer mal wieder, ja, das vielleicht nicht so, das nicht so und Jim Carrey, ach, who gives a fuck. Hey, hey! Und jetzt bin ich froh, dass du ein bisschen persönlich im Fazit bist. Weil ich finde den Film großartig. Ich finde ihn wirklich toll. Er bringt diese Themen, die so düster sein könnten, so gut zusammen, dass man einen absolut watchable Film hat, auch mehrmals anguckbar. Man kann immer wieder neue Sachen entdecken, irgendwie in der Inszenierung. Aber der regt so viele düstere Themen an, über die man nachdenken muss und die auch über die Zeit, muss man sagen, noch interessanter geworden sind. Also ein Film, der sehr gut gealtert ist. Ja,
Florian Bayer: absolut. Der auch wirklich visionär war. Du hast das vorhin gesagt. In vielen Punkten. Nicht nur, was die Kameratechnik betrifft, sondern auch, was die Unterhaltungsindustrie betrifft.
Johannes Franke: Ja, total. Und deswegen finde ich den Film total ein Muss-man-sehen-Film. Also anschauen und immer wieder gerne anschauen.
Florian Bayer: Ist ein Muss-man-sehen-Film auf jeden Fall. Ja. Wenn ihr wissen wollt, worüber wir nächste Woche sprechen, bleibt noch kurz dran.
Johannes Franke: Dann genießt noch den Jingle und danach werden wir euch erzählen, was wir nächste Woche machen.
Florian Bayer: Danke fürs Zuhören.
Johannes Franke: Danke, Florian, dass du den Film angeschaut hast.
Florian Bayer: Danke, Johannes, dass du mir den Film gegeben hast.
Johannes Franke: Das muss einfach immer sein.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Okay,
Johannes Franke: gut. Und danke an euch. Bis dann. Ciao.
Florian Bayer: Er stand auf meiner Little Brother Liste, die ich dann weggeworfen habe, weil du gesagt hast, ich hab Big Brother gemacht.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Und ich erwarte von dir, dass du für mich ganz viel klug scheißt dann nächste Woche über analoge Fotografie.
Johannes Franke: Oh, okay.
Florian Bayer: Blow Up aus dem Jahr 1966 von Michelangelo Antonioni, der, wie der Name sagt, ein italienischer Regisseur ist, der allerdings dann international geworden ist und das ist ein britischer Film. Okay. Ein Mystery-Film mit Thriller-Elementen, mit ein bisschen Surrealismus, ein bisschen psychedelisch. Ich bin sehr gespannt, was du davon hältst.
Johannes Franke: Gehört er in die Liste, Plur empfiehlt Filme, die keine Sau kennt?
Florian Bayer: Es gilt, glaube ich, als richtig großer Klassiker. Echt, wirklich? Ich glaube, es ist so ein Film, der auf den Top-Listen, was sind die besten Filme aller Zeiten, regelmäßig auftaucht.
Johannes Franke: Also gehört er in die Liste Filme, die Johannes nicht kennt, für die alle anderen umbringen wollen, dass er sie nicht kennt?
Florian Bayer: Genau, so ungefähr. Ich weiß nicht genau, wahrscheinlich irgendwas dazwischen. Na gut. Also eher schon ein Nischenfilm, aber ein ziemlich bekannter Nischenfilm, der auch relativ erfolgreich war, soweit ich weiß.
Johannes Franke: Okay, ja, dann werden wir den anschauen. Und ihr werdet ihn auch anschauen, damit ihr bei der nächsten Party, wenn dieser Film abgefragt wird, nicht dumm dasteht.
Florian Bayer: Okay, schaut euch den Film an. Wir werden eine Menge spoilern. Wir werden tief eintauchen und wir werden vielleicht auch ein bisschen streiten. Bis dann. Okay, bis dann.
Johannes Franke: Ciao.
