Episode 226: Casablanca – Liebe, Hoffnung, Bergman, Bogart und Arschtritte gegen Nazis
Dezember 1941. Casablanca in Nordafrika ist eine Stadt der Hoffnung für Flüchtlinge des Naziremimes und des Zweiten Weltkriegs geworden. Allerdings ist Casablanca in dieser Zeit französische Kolonie, und der lange Arm des Dritten Reiches streckt sich bis hierher, um ungeliebte Kritiker loszuwerden. Victor Lazlo ist einer dieser flüchtigen Kritiker, der versucht, über Casablanca ein Visum für Amerika zu bekommen. Blöderweise hängt das vom Liebeskummer des Barbesitzers Rick ab, der mit Victors Frau eine Affäre in Paris hatte, als diese dachte, Victor sei tot. Erst als Ilsa und Rick wieder alte Gefühle aufwärmen, kann Rick über seinen enttäuschten Schatten springen und hilft Victor und Ilsa.
Ist es also die Heldengeschichte von Victor Laszlo? Strangely enough: no. Der steht oft nur steif und moralisch integer in der Gegend rum. Es geht um die heiße Liebe zwischen dem Proto-Emo Rick und der schicksalsergebenen Ilsa. Ums verlassen werden, um Exil und Heimatlosigkeit und um den Konflikt zwischen individuellem Glück und moralischer Verantwortung.
Und natürlich darum, fassungslos auf Ingrid Bergmanns Schauspielkunst zu starren und ihrer Ausstrahlung zu verfallen.
Plor, worum gehts für dich beim Schauen des Films?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 226: Casablanca – Liebe, Hoffnung, Bergman, Bogart und Arschtritte gegen Nazis Publishing Date: 2025-04-30T08:35:16+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2025/04/30/episode-226-casablanca-liebe-hoffnung-bergman-bogart-und-arschtritte-gegen-nazis/
Florian Bayer: Renault und Drix sind das Traumpaar. Und deswegen ist es ja gut, dass Victor und Ilsa abhauen. Nach dem Satz Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship.
Johannes Franke: Was der Satz dafür ist, ne?
Florian Bayer: Die Ergänzung dazu von Louis, Wanna fuck? Ende.
Johannes Franke: Super. Perfekt. Floor, Wie ist unser Standardeinstieg? Du hast gesagt, wir machen den Standardeinstieg.
Florian Bayer: Weil wir beide nichts vorbereitet haben.
Johannes Franke: Die Armen Leute, die da draußen sitzen und jetzt denken, ja, toll, ich krieg nur den Standardeinstieg.
Florian Bayer: Also, erstens, Wir begrüßen das Publikum, bitte.
Johannes Franke: Hallo und herzlich willkommen zum Muss-man-sehen-Podcast, wo wir uns gegenseitig Filme um die Ohren werfen und sagen, du musst jetzt diesen Film gucken, egal ob du willst oder nicht.
Florian Bayer: Zweitens, Wir erklären den Podcast, Du bist zu schnell. Oh,
Johannes Franke: verdammt. Drittens,
Florian Bayer: Wir danken dem Publikum, dass es da ist, wie immer. Ach,
Johannes Franke: schön, dass Ihr wieder da seid. Herzlich willkommen in meiner Küche. Nehmt euch einen Keks, setzt euch hin und genießt die Sache.
Florian Bayer: Wir begrüßen uns gegenseitig für Hallo Plor. Hallo Johannes, Schön wieder hier zu sein. Und fünftens, Wir sagen, über welchen Film wir heute reden.
Johannes Franke: Wir reden heute über Lilo und Stitch. Nein, darauf hast du dich nicht vorbereitet. Schade eigentlich.
Florian Bayer: Aber was für ein toller Film.
Johannes Franke: Wir reden heute über Casablanca.
Florian Bayer: Aus dem Jahre 1942. Einer der großen Hollywood-Studio-Filme. Ja.
Johannes Franke: Meine Güte, was für ein krasser Film. Ich habe 20.000 Seiten voller Informationen über diesen Film. Und ich glaube, wir werden einfach gnadenlos abkürzen müssen. irgendwann, weil es einfach zu viel zu wissen, gibt über diesen Film. Die Zeit ist wahnsinnig spannend, Der Film in dieser Zeit ist wahnsinnig spannend. Und die Art und Weise, wie es aufbereitet ist und mit was für Akteuren, ist, wahnsinnig spannend. Eigentlich kann man zu jedem, der im Film zu sehen ist. Und jedem, der hinter der Kamera war, irgendwas Geiles, sagen.
Florian Bayer: Ja, absolut. Ein Klassiker. Und das gleich vorweg, Es gibt Episoden, in denen wir uns streiten. Ich glaube, heute werden wir uns relativ wenig streiten. Ja,
Johannes Franke: ich glaube auch.
Florian Bayer: Meiner Meinung nach einer der besten amerikanischen Filme überhaupt.
Johannes Franke: Oh, soweit.
Florian Bayer: Auf jeden Fall einer der besten Filme aus dieser Ära, Zusammen mit Citizen Kane und irgendeinem Hitchcock, den ich wahrscheinlich jetzt gerade nicht weiß.
Johannes Franke: Also Die Amis sind ja auch deiner Meinung. Die haben den Platz 3 vergeben, glaube ich. Also die besten amerikanischen Filme aller Zeiten auf Platz 3.
Florian Bayer: Und auf jeden Fall auch... Meiner Meinung nach einer der besten Filme, wenn nicht sogar der beste Film, der in diesem Studiokontext entstanden ist. Sprich, Es gibt keinen Auteurfilm, sondern es gibt einen Produzenten, der das Ding machen will, der seine Produktionsgesellschaft überzeugt und der dann diverse Menschen mit an Bord holt, die auch mal wieder abhauen können, die daran rumschreiben, daran rumdoktern, verändern, darüber diskutieren.
Johannes Franke: Und während des Drehs noch ändern.
Florian Bayer: Und während des Drehs noch ändern. Und neben anderen Filmen, die auch so entstanden sind, Der Beweis dafür, dass es auch was anderes als das Auteur-Cinema gibt.
Johannes Franke: Ja. Also auch ganz beeindruckend, Weil tatsächlich dieses Drehbuch, das es ja in der Form, wie wir es im Kino sehen, gar nicht gab. Also, es gab dieses Skript so in der Form einfach nicht. Und es wird immer wieder gesagt, das ist eine der besten Drehbücher oder sogar das beste Drehbuch, das jemals geschrieben wurde. Und das funktioniert so nicht, wenn das Drehbuch vorher nicht existiert. Ja. Sie haben ja wirklich während der Dreharbeiten noch gerätselt, wie lassen wir das Ding enden? Wie ist die Szene? Wie machen wir die Szene? Ja. Und auch am Set sind Sachen entstanden.
Florian Bayer: Und es haben so viele Leute dran. Mit Rum gedoktert. Es haben mehrere Leute das Drehbuch geschrieben, Die Apps-Dienste am Anfang. Und dann ist Howard Koch dazugekommen, und dann sind sie wieder eingestiegen, dann wird drüber geredet, Wer was reingebracht hat, Wer die Romantik reingebracht hat, Wer die Politik reingebracht hat. Dann hat Halby Wallace, der Produzent, eine riesige Rolle gespielt. dabei, auch im kreativen Prozess, Weil. Das gehört auch zum Studiosystem, dass die Geldgeber auch die Kreativen sind. Hat sich ja auch geändert, so irgendwann.
Johannes Franke: Als sie nicht mehr kreativ waren oder was?
Florian Bayer: Es ist eine ganze ordentliche Portion. Warner-Brüder-Antifaschismus mit drin.
Johannes Franke: Die waren wirklich ganz, Ganz große Gegner für den Nazis zu der Zeit. Ja,
Florian Bayer: die einzigen eigentlich in Good Old Hollywood, die von Anfang an gesagt haben, nee, Mit dem Hitler wollen wir nichts zu tun haben. Wir machen alles, um zu zeigen, Warum das ein schrecklicher Mensch ist.
Johannes Franke: Ja, Total gut. Nur um den Regisseur wenigstens einmal noch zu sagen, Michael Curtis. Wir werden viel über diese Leute reden müssen. Absolut. Ich würde aber kurz einmal wenigstens in den Film einführen, damit Ihr wisst, worum es geht, weil ihr den Film nicht gerade gestern gesehen habt. Oder vielleicht habt ihr ihn gerade gestern gesehen, dann könnt ihr eine halbe Minute vorspulen. Ich habe nicht viel zu sagen. Dezember 1941. Casablanca In Nordafrika ist eine Stadt der Hoffnung für Flüchtlinge, des Naziregimes und des Zweiten Weltkriegs geworden. Allerdings ist Casablanca zu der Zeit französische Kolonie. Und der lange Arm des dritten Reiches streckt sich bis hier, um ungeliebte Kritiker loszuwerden. Victor Laszlo ist einer dieser flüchtigen Kritiker, der versucht, über Casablanca, ein Visum nach Amerika zu bekommen. Blöderweise hängt das vom Liebeskummer des Barbesitzers Rick ab, der mit Victors Frau eine Affäre in Paris hatte, als diese dachte, Victor sei tot. Erst als Ilsa und Rick wieder alte Gefühle aufwärmen, kann Rick über seinen enttäuschten Schatten springen und verhilft Victor und Ilsa zu Visa. Wie sagt man das?
Florian Bayer: Wiese.
Johannes Franke: ICH HAB den... Visa. Nein,
Florian Bayer: Visa. Visa ist Plural.
Johannes Franke: Visa. Ist es also die Heldengeschichte von Victor Laszlo? Strangely enough, no. Der steht oft nur steif und moralisch integer in der Gegend rum. Es geht um die heiße Liebe zwischen dem Proto-Emo Rick und der schicksalsergebenen Ilsa. Ums Verlassenwerden, um Exil und Heimatlosigkeit und um den Konflikt zwischen individuellem Glück und moralischer Verantwortung. Und natürlich darum, fassungslos auf Ingrid Bergmanns Schauspielkunst zu starren und ihrer Ausstrahlung zu verfallen. Chlor, Worum geht's denn für Dich beim Gucken des Films?
Florian Bayer: Ach, vielleicht würden wir doch ein bisschen streiten. heute. Ich finde, Der Heldenmut von Victor Laszlo spielt eine ganz große Rolle in diesem Film. Und ich finde, Victor Laszlo steht auch nicht nur dumm in der Gegend. Rum oder moralisch. Wie moralisierend hast Du gesagt, in der Gegend rum?
Johannes Franke: Nein, einfach moralisch integer.
Florian Bayer: Moralisch integer. Ich finde, Victor Laszlo, Und das ist mir jetzt nochmal aufgefallen, ist eine ganz wichtige Rolle in dem Film. Und es ist ganz wichtig, dass wir Victor Laszlo von Anfang an auch als diese strahlende Heldenfigur wahrnehmen, die mit nur ganz wenigen Gesten und wenigen Worten unglaublich viel erreichen kann. Deswegen... Ja, weiß nicht. Also, ich würde Viktor Laszlos Rolle in diesem Film und auch für das Gelingen dieses Films nicht unterschätzen.
Johannes Franke: Nein, um Gottes Willen. Es ist ja eher so, dass ich der Meinung bin, dass man ihm vielleicht noch ein kleines bisschen mehr Fette Vorschub geben können, Aber es ist ja trotzdem da. Sonst hätte ich es nicht aufschreiben können. Also, ich finde es schon wichtig und die Entscheidung ist gut. Ich glaube, mein Text klang ein bisschen zynischer, als er gemeint war.
Florian Bayer: Aber was du auf jeden Fall getroffen hast, wie dieser Film zwischen den verschiedenen... Stimmung und auch zwischen den verschiedenen Genres schwankt und Hin und her balanciert. Wir haben natürlich die große Liebesgeschichte, die das Zentrum des Films ist, dann auch irgendwie ja wirklich. Das zentrale Moment des Films ist. Aber genauso haben wir die politische Geschichte. Von zum einen vom besetzten Frankreich. Und von denen, die Korrupt erscheinen und sich dann doch gegen diese Besetzung auflehnen. Wir haben die politische Heldengeschichte von einem Viktor Laszlo, der sich gegen die Nazis wehrt und der gegen die Nazis kämpft. Und wir haben ganz viel auch diese... Also diese Geschichte der persönlichen Schicksale von Menschen, die gestrandet sind in diesem französischen Marokko, in diesem Casablanca. Und irgendwie versuchen, da zu entkommen, die diesen Hoffnungshorizont Amerika haben. Und es teilweise schaffen, teilweise nicht schaffen. Und es ist extrem gut gelungen in diesem Film, Obwohl so viele dran mitgearbeitet, haben, diese verschiedenen Aspekte miteinander zu kombinieren.
Johannes Franke: Ja, Und das irgendwie in einen Guss zu bringen. Du hast nicht das Gefühl, dass 20 verschiedene Autoren gezogen haben. Und die haben gezerrt an verschiedenen Seiten. Wirklich, Die haben sich nicht immer gefreut, miteinander arbeiten zu müssen.
Florian Bayer: Die haben nicht miteinander gearbeitet. Die Epstins und Howard Koch, die eine Zeit lang parallel an diesem Skript rumgeschrieben haben, haben nicht zusammengearbeitet. Die saßen in verschiedenen Räumen und haben sich nicht angeguckt.
Johannes Franke: Also Epstins kamen zuerst, ne? Sind das Brüder? Ich hab gar nicht genauer geschafft.
Florian Bayer: Ja, das sind Zwillingsbrüder, sogar. Und die auch wirklich große Autoren, die viel gemacht haben in diesem Studiosystem. Und die deswegen von Frank Capra 1942 angeheuert wurden, weil der hat gesagt, wir drehen da, was ziemlich wichtiges, Nämlich diese Why We Fight Series, die die Amerikaner davon überzeugen soll, dass die Nazis ziemlich schlimm sind.
Johannes Franke: Ja, Und um den Schritt nochmal einen Schritt zurück zu machen, Es gab ja ein Theaterstück, Das hieß Everybody comes to Rick. Und dieses Ding wurde nicht wirklich produziert. Es gab jemanden, der DAS zum... Ein paar Sachen, davon erlebt hat und der die Stimmung aufgreifen wollte und daraus ein Theaterstück gemacht hat, Aber nie. Produziert wurde. Und dann kam das eben in die Hände von
Florian Bayer: Irene Diamond, die bei Warner Brothers gearbeitet hat, die dieses Skript gelesen hat. Lustigerweise einen Tag nach Pearl Harbor offensichtlich.
Johannes Franke: Ja, lustigerweise. Also richtig lustig ist das nicht.
Florian Bayer: Es ist auf jeden Fall spannend, weil es gibt ein Vor- und Nach-Pearl Harbor, Was die... Was die Haltung der Amerikaner und der amerikanischen Öffentlichkeit zum Nationalsozialismus betrifft, Bei Vorpearl Harbor gab es so Leute wie Charles Chaplin, die versucht haben, Einen Film, wie der große Diktator in den Kinos zu bringen, wo die Leute gesagt haben, nee, das kannst du nicht machen, Das ist ein Anti-Nazi-Film, Das sind unsere Freunde. Genau. Gemeinsam gegen den Kommunismus, yay!
Johannes Franke: Und sobald es auf Own Soil war, ging es dann los. Und dann hieß es, da müssen wir irgendwas machen, da müssen wir dagegen gehen.
Florian Bayer: Und Irene Diamond hat das Skript gelesen und hat... Dann Holby Wallace, unseren Produzenten, ganz wichtige Person für den Film, Sowohl finanziell als auch kreativ, hat ihm das in die Hand gedrückt und hat gesagt, Alter, das müssen wir machen. Und die Warners, die finden, das bestimmt auch geil, die Hassen, nämlich die Nazis.
Johannes Franke: Genau, ja. Ja, es ist gut. Und die Epstein-Brüder waren ja diejenigen, die total bekannt waren. Für diese sehr witzigen, schnellen, sehr hintersinnigen Dialoge. Ja. Also, nicht unbedingt... Screwball? Ja, eher für Screwball, weniger für die... Die auch in diesem Film wahnsinnig stark zu spüren, ist. Und auch weniger für die politische Note, die in dem Film auch ganz stark zu spüren, ist. Du merkst schon, ich gehe auf die anderen Figuren noch mit hin, die dazugekommen sind.
Florian Bayer: Sie waren die für die One-Liner. Sie waren für die witzigen, schnellen, schlagfertigen Texte. Nicht mal unbedingt so, was zum lauten Lachen, sondern auch einfach was, wo du mit der Zunge schnallst, weil es so ein gelungener Dialog ist. Und es wird auch oft gemutmaßt, dass sie die sind, die den Humor reingebracht haben. Und die Schlagfertigkeit? Und dass dann Howard Koch, der nämlich dann angeheuert wurde als die Epsteins für Frank Capra, Übrigens auch ein Regisseur, über den wir schon gesprochen haben. Großer amerikanischer Regisseur. Wir haben in einer unserer Weihnachtsepisoden über ist das Leben nicht schön gesprochen.
Johannes Franke: Toller Film. Du warst am Ende gar nicht, so, überzeugt.
Florian Bayer: Ganz großer amerikanischer. Für den haben die dann in Washington diese Why We Fight Sachen geschrieben und waren raus. Und dann wurde Howard Koch angeheuert. Und der war offensichtlich vor allem für das Drama, für das große Drama verantwortlich. Nicht mal so die Romantik, sondern vor allem für melodramatisches. Menschen wollen überleben, sind in Casablanca gestrandet, versuchen, ein Visum zu kriegen.
Johannes Franke: Also auch die politische Note Halt stark mit drin. Und er hat irgendwie 30, 40 Seiten geschrieben, also nicht wenig.
Florian Bayer: Der hat richtig viel geschrieben.
Johannes Franke: Und davon ist aber nicht mehr... So viel übrig geblieben, wenn man den Epsteins glaubt, die nämlich der Meinung sind, dass der größte Teil von ihnen übrig geblieben ist, während Howard Koch wiederum sagt, nein, nein, Von mir ist ja der große Block sowieso und du so, und das und toll, und so.
Florian Bayer: So viele Egos in Hollywood unter dem. Die Epsteins haben das fast das Zehnfache von dem verdient, das Howard Koch gekriegt hat.
Johannes Franke: Schade, so traurig. Aber Howard Koch hat wenigstens einen Credit bekommen. Ja.
Florian Bayer: Ja, immerhin.
Johannes Franke: Während andere keinen Credit bekommen, haben, die da mit beteiligt waren.
Florian Bayer: Wir haben Casey Robinson als Uncredited Supervisor. Ja,
Johannes Franke: eher als Schmonzettenschreiberling. Es ist der,
Florian Bayer: der die Romantik ins Spiel gebracht hat. Ganz eindeutig. Der hat die Szenen geschrieben, in denen sich Elsa und Rick im Café unterhalten. Also, wo wirklich nochmal aufgewärmt wird, Was früher passiert, ist. Und dann vor allem auch die Rückblende nach Paris. Die gehen ganz weit auf ihn zurück. Die im Zentrum des Films stehen.
Johannes Franke: Und die ich ganz großartig finde, muss ich sagen. Ich weiß, da bist du vielleicht nicht unbedingt der große Fan von, Aber ich hab mir die angeschaut und hab gedacht, ich hab die ganz anders, erinnert. Ich find die viel besser, als ich erwartet habe. Die haben so eine Erinnerungsdurchlässigkeit, die die Filme sonst nicht so treffen. Bei Erinnerungssequenzen. Die find ich sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Es ist ganz wichtig, dass die drin sind. Wir brauchen den Paris-Rückblick, definitiv.
Johannes Franke: Der ist im Theaterstück nicht drin. Also das haben Sie wirklich hinzugefügt.
Florian Bayer: Wir müssen sehen, dass Frick ein anderer Mensch war. Und das sehen wir in diesem Rückblick. Also auch Kudos zu Humphrey Booker, der keine dramatischen Rollen gespielt hat. davor. Der vor allem Nebenrollendarsteller war. Und erst so Anfang der 40er auch mal ein paar Hauptrollen gespielt hat.
Johannes Franke: Wobei man sagen muss, 30 Filme ungefähr vorher.
Florian Bayer: Aber wir befinden uns auch im guten alten Studio Hollywood, wo 50 Filme von einem Studio im Jahr gemacht werden. Auf jeden Fall der und die Hardboils-Sachen. 1941 hat er den Malteser Falken gemacht. Ja. Über den wir auch geredet haben, war ja Hardball Detective, Das war eine seiner ersten Hauptrollen.
Johannes Franke: Große Hauptrolle.
Florian Bayer: Und davor war er eher nebenrollen und eher Gangster, Killer, Düsterer Mann im Hintergrund. Und jetzt zeigt er sein Talent fürs melodramatische. Und ganz wesentlich ist unter anderem, dass wir sehen, wie unterschiedlich dieser Rick in der Vergangenheit in Paris ist. Zu dem Rick, den wir im Café sehen. Der doch ganz viele Reminiscenzen an seine Detektivrollen hat, Nämlich der Zyniker,
Johannes Franke: der Typ,
Florian Bayer: der sich für nichts einsetzt, der die ganze Zeit stolz drauf ist, wie unabhängig. Er ist, der mit Frauen umgeht, als ob sie der letzte Dreck wären, etc.
Johannes Franke: Genau. Und da habe ich ihn fast nicht erkannt. Ich war so geplättet davon, wie anders dieser Mensch plötzlich war. Allein, wenn er lacht. Der nur einmal lacht und die Sonne geht auf. Mann, Humphrey Bogart, Warum hast du nie so viel Gelacht in deinen Rollen? Das sieht großartig aus.
Florian Bayer: Es ist die Maske, die ihn viel jünger erscheinen lässt. Ist es ein Schauspieler? Ist es eine Mischung aus beiden?
Johannes Franke: Es ist eine Mischung aus beiden, natürlich. Und natürlich auch der Ausleuchtung, Kamera, kommt viel zusammen. Aber ich finde, dass er als Schauspieler einfach auch viel davon trägt. Das habe ich ihm fast nicht zugemutet, muss ich sagen.
Florian Bayer: Wir haben halt in diesen Paris-Rückblenden ganz oft diese Weichzeichner-Atmosphäre. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Und wir haben so volle Kanne diese typischen romantischen Film-Clichés. Wir haben diese Autofahrt mit dem Screen im Hintergrund, wo die Straße guckt. Und du denkst nur, Ihr Fahrt gerade in Euren Tod. Ihr habt Angst vor den Nazis, ihr solltet Angst vor Humphreys Art Auto zu fahren haben. Und dann, also, die sind schon sehr cheesy.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Diese Rückblenden, ne? Die sind im Café sitzen und sich die Liebe schwören.
Johannes Franke: Aber komm, das sind doch, Dafür sind doch... Die 40er da oder nicht?
Florian Bayer: Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Das Liebesmelodram aus den 40ern ist ein völlig unterschätztes Genre. Ich find's großartig.
Florian Bayer: Und dann dieses Im Regen stehen, wenn man sitzen gelassen wurde und der Regen wischt die Tinte von dem Blatt weg, das du liest von dem Abschiedsbrief. Und davor hat die Frau gesagt, küss mich, als wäre es das letzte Mal. Und du hast nichts mitbekommen.
Johannes Franke: WIE krass, Mann. Sie gibt so viele Signale vorher.
Florian Bayer: Sowas von Rotes Signal, Wenn eine Frau zu dir sagt, küss mich, als wäre es das letzte Mal. Moment.
Johannes Franke: Ich möchte Kurz darüber reden. Aber ich habe jetzt gerade nochmal geguckt, Kurz bevor du gekommen bist, diese Szene. Sie sagt kurz vorher etwas über den Krieg. Und wie schlimm das alles ist und so. Und leitet das ein kleines bisschen für ihn her. So dieses, Wer weiß, ob du morgen festgenommen wirst oder was und wenn Sie uns trennen. Dann küss mich jetzt, als Wär's das letzte Mal, so ungefähr in diese Richtung. Aber trotzdem. Es ist sehr eindeutig, was Sie da spielt.
Florian Bayer: Es ist halt auch dieser Abend, an dem sie offensichtlich irgendwann im Laufe des Tages erfahren hat, dass ihr Mann noch lebt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Sie verhält sich ja die ganze Zeit so ein bisschen komisch. Sie ist die ganze Zeit so, ah und hm und hm,
Johannes Franke: mal schauen.
Florian Bayer: Also ich meine, Wir wissen es, weil wir einfach das Wissen haben, Aber es ist schon ein bisschen verräterisch, wie sie sich verhält, die ganze Zeit.
Johannes Franke: Und er ist aber auch im Gegensatz so geschrieben, dass er wirklich sehr auf die Nuss irgendwie so, Und vielleicht kann uns der Schaffner noch trauen. Wie war es? Kannst du nicht wenigstens ein paar Stunden warten, bis Ihr in Amerika seid? Das gibt es ja wohl nicht.
Florian Bayer: Wie lange kennen Sie sich? Wird das erwähnt, Wie lange Sie in Paris zusammen sind?
Johannes Franke: Nee, aber das Gefühl ist ja, dass es vielleicht so zwei Wochen sind.
Florian Bayer: Es ist kurz, ne?
Johannes Franke: So vom Gefühl her schon, ja.
Florian Bayer: Und diese Kürze ist, glaube ich, Ganz spannend, wenn wir nachher auch über die Romanze von Ilsa mit ihm und mit Rick. Und über die Ehe von ihr mit Viktor reden. Und darüber auch die Frage, die natürlich über diesem Film schwebt, wie sehr liebt sie Rick noch? Der Film legt uns ja sehr nahe, dass sie Rick deutlich mehr liebt als Viktor.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Was ich nicht glaube.
Johannes Franke: Genau, darüber müssen wir mal reden. Aber das machen wir später.
Florian Bayer: Aber der Film will uns, glaube ich, auch wenn dein Film nichts will, Diese Pferde locken. Dass wir sehen, sie ist total, verliebt in ihn, Aber Viktor zur Liebe gibt Sie diese Liebe auf. Und sie opfert etwas, Er opfert etwas und die Guten haben gewonnen.
Johannes Franke: Ja. Aber das machen wir, da müssen wir nochmal genauer reingehen.
Florian Bayer: Wollen wir mal anfangen, weil tatsächlich, Es dauert ja, bis wir unsere Protagonisten erzählt, bekommen. Es dauert richtig lange, bis wir Rick zum ersten Mal sehen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Der wird halt wie so ikonisiert, aufgebaut. Alle reden über ihn, jeder weiß schon, wer er ist. Und selbst der Nazi sagt schon, ja, ich habe in Deutschland schon von Rick gehört.
Florian Bayer: Alle haben von Rick gehört. Ganz früh sehen wir ja diesen Shot von dem Flugzeug. Diese Szene, wo wir ein paar sehen, das darauf wartet, nach Amerika zu können. Aber vielleicht sind wir morgen auch in dem Flugzeug. Und dann fliegt das Flugzeug über Riggs Café. Das ist so dieser Establishing-Shot, wo wir wissen, okay, das ist eine ikonische Figur in diesem Casablanca. Ein mächtiger Mensch. Und dann werden wir aber zuerst mit den Bösewichten konfrontiert. Die wichtigen Rollen, die wir zuerst kennenlernen, sind unsere Bösewichte, nämlich Major Strasser und Kapitän Louis Renault. Die Major Strasser von Konrad Veith gespielt, der
Johannes Franke: der auch Flüchtling war, Darüber müssen wir auch reden. Der ist ja auch geflüchtet vor den Nazis.
Florian Bayer: Und zwar relativ früh. Das war einer der Ersten, und zwar 1934, als der Krieg noch weit weg war. Was auch daran liegt, dass er zum einen eine Jüdin geheiratet hat und zum anderen, dass er einfach die Nazis gehasst hat, schon, als sie an die Macht kamen. Und die Nazis mochten ihn, vor allem Josef Goebbels.
Johannes Franke: Echt,
Florian Bayer: ja? Der hat nämlich gesagt, ey, Pass auf, Pass auf, Das kriegen wir alles hin. Ja. Unser, Wer Jude ist, bestimmt mich, ich göbbels. Wenn du hier bleibst, kriegt deine Frau einen Nachherjahr-Nachweis, alles wird gut.
Johannes Franke: Meine Güte.
Florian Bayer: Und Konrad hat gesagt, Arschlecken ist nach England und hat da den Film Jude Süß gedreht. Und zwar nicht den Jude Süß, nicht den Propaganda-Film von dem Film.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Sondern den Jude Süß, der eine Verfilmung war von Leon Feuchtwanger, der sich eher kritisch mit Antisemitismus beschäftigt. Ja. Und dann haben die Nazis gesagt, ach, so, wenn du Hardball spielst, können wir auch. Und du bleibst jetzt hier, du bist jetzt festgenommen und haben ihn unter Hausarrest gestellt. Und das war sein Moment, wo er gesagt hat, okay, jetzt aber wirklich arsch lecken. Und dann ist Deutschland raus. Es gab die Angst, die reelle Angst, dass die Nazis ihn umbringen könnten, weil er ein wirklich wichtiger Mensch war. Konrad Veith hatte... In den großen Stumpffilmen gespielt. Der war in Caligari. Und das war eine wichtige Person. Und wenn die sich zu Beginn der Machtergreifung gegen die Nazis stellt, dann bedeutet das was. Dann hat das eine Öffentlichkeitswirksamkeit. Und deswegen gab es die Angst, dass sie ihn umbringen wollen. Und dann ist er abgehauen nach Amerika, wo er sehr oft Nazis gespielt hat. Und dann hat er gemeint, Mit Nazis kenne ich mich aus.
Johannes Franke: Scheiße. Ja, aber das dürfen ja nun eigentlich... Jeder Deutsche darf irgendwann mal einen Nazi spielen, habe ich so das Gefühl. Na toll. Aber er ist ja nicht der einzige Schauspieler, der Deutscher war oder der Österreicher oder aus einem deutschsprachigen Raum, oder eben aus einem Raum, der besetzt wurde, von den Nazis, geflüchtet ist und in diesem Film auftaucht. Im Grunde haben wir nur drei Amerikaner in diesem Film.
Florian Bayer: Wir haben 35 Nationen vertreten. Wahnsinn.
Johannes Franke: Wir haben alles,
Florian Bayer: Das ganze Potpourri an Emigranten aus Deutschland und aus Europa, das dann ja zu dem Zeitpunkt deutlich weiter von den Nazis besetzt war als noch davor.
Johannes Franke: Das muss man einmal sagen. 1942. Versucht, das mal zu sortieren im Kopf, Wer war 1942? Das war nicht gerade das leichteste, dann so einen Film zu machen, wie auch Chaplin 1939 den großen Diktator gemacht hat und 1942 dann in einer ernsten Lage. Diesen Film zu machen, ist schon auch krass.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall. Und sie haben es als reine Studioproduktion gemacht. Es wurde Fast alles... Studio gedreht. Es gibt wohl diese Aufnahmen vom Flugzeug, die außerhalb gemacht wurden. Und so ein bisschen Paris-Gedöns, glaube ich, haben Sie außerhalb gedreht.
Johannes Franke: Na, um den Hintergrund machen zu können. Genau,
Florian Bayer: genau. Nicht Bogi und Ingri. Ingri? Egal, nicht unser Liebespaar, sondern genau die Außenszenen, einfach die Atmosphäre. Und ansonsten wurde das alles komplett im Studio gedreht. Ja. Und dann hatten Sie diese wirklich... Bunte Mischung von Menschen aus Ungarn, Tschechien, Deutschland. Ingrid Bergmann kam aus Schweden. Die war schon ein bisschen länger in den USA. Ja,
Johannes Franke: die hat gerade ihren Durchbruch in Hollywood versucht oder gerade geschafft. Ich bin mir nicht ganz sicher.
Florian Bayer: Gerade geschafft. Die war von einem ziemlich berühmten Produzenten nach Hollywood geschnappt worden. Und zwar David O. Selznick. Das war der Typ, der die Europäer in die USA einführt hat und gesagt hat, du arbeitest jetzt für uns. Der berühmteste Name neben Ingrid Bergmann, mit dem er es gemacht hat, ist Alfred Hitchcock.
Johannes Franke: Mit dem er auch Probleme hatte
Florian Bayer: und viele hatten mit ihm Probleme und Ingrid Bergmann dann nämlich auch ein bisschen. Der hat die Leute nach Hollywood geholt und hat sie unter seine Fittiche genommen. Und hat die quasi an die Studios verkauft, mit dem Ergebnis, dass er viel Geld gekriegt hat. Also, wenn wir uns anschauen, was Ingrid Bergmann für diesen Film gekriegt hat und was David Oselstnick davon gekriegt hat. Oh, man,
Johannes Franke: ich hab die Zahlen nicht, da hast du die Zahlen da?
Florian Bayer: Ich such's gerade Oh, man,
Johannes Franke: weil das war wirklich so ein. What the Fuck Moment bei mir. 120 Millionen Dollar
Florian Bayer: haben Sie zusammen dafür gekriegt, dass Sie in dem Film mitspielt. Ein Viertel davon bekam sie. Er hat 80 Millionen dafür gekriegt, dass sie... Nee, warte.
Johannes Franke: Millionen ist ein bisschen viel, oder?
Florian Bayer: 120 Millionen. 120 Millionen haben Sie gekriegt. Sie hat ein Viertel davon gekriegt, was 30 Millionen sind. Er hat 90 Millionen gekriegt, dafür.
Johannes Franke: Millionen? Also dann inflationsbereinigt oder was? Weil Millionen damals wäre ein bisschen... Nee,
Florian Bayer: 120.000. Genau, 90.000, hat er gekriegt, Sie hat ein Viertel gekriegt. Er war der Typ, der Unter anderem auch Gone with the Wind gemacht hat. War einfach ein großer Typ, das war der, der Hitchcock nach Hollywood gebracht, hat. Und sein Ding war halt einfach, Der hat gesagt, du kommst nach Hollywood, ich bring dich groß raus in Hollywood, aber deine Seele gehört mir.
Johannes Franke: Und es gab ja auch noch mehr Teil dieses Agreements. Sie haben ja auch noch einen anderen Schauspieler ausgetauscht. Also, sie ist zu ihrem gekommen und Sie haben jemanden ausgeliehen dahin. Und trotzdem ist noch so viel Geld geflossen. Das ist schon was für ein krasser Typ.
Florian Bayer: Und genau, Ingrid Bergmann kam aus Schweden. Und dann haben wir Claude Rhin, der den Renaud spielt, der aus Frankreich kam. Der auch seit den 30ern schon für die Warner-Brüder gearbeitet hat. Und der ein richtig großer Star war als Bösewicht. Der hat in den ganzen alten Mantel- und Degenfilmen die Bösewichte gespielt. Weil der SO eine... Man sieht's. Er hat so eine absolut schmierige Art, man liebt es, ihn zu hassen. Es ist ein toller Schurke. In diesem Film sogar eigentlich zu sympathisch dafür. Er hat öfter, die wirklich Fiesen Schurken gespielt. Hier hat er eher eine sympathische Schurkenrolle.
Johannes Franke: Ja, ja, genau.
Florian Bayer: Aber er ist der Schurkentyp, durch und durch.
Johannes Franke: Und wer es nicht verpasst hat, Peter Lorre, Der Am Anfang... Help me, Rick! Help me, Rick! Help me! Wir haben über M, eine Schatzsucht, einen Mörder gesprochen, wo er die Hauptrolle spielt, so. Eindrucksvoll Die Rolle spielt. Und hier auch wieder, also, er hat ja immer so ein kleines bisschen Gesichtsfasching am laufen. Ein sehr ausdrucksstarkes Gesicht, sagen wir so. Aber er spielt wirklich sehr, sehr gut, muss man sagen.
Florian Bayer: Was für ein wahnsinnig guter Schauspieler. Auch jemand, der geflohen ist.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Der auch Anfang der
Johannes Franke: 30er. Ich glaube aus Österreich,
Florian Bayer: oder? Genau, Er kam aus Österreich, war in Deutschland, hat in Deutschland Filme gedreht. Und als die Nazis in Deutschland in die Macht kamen, ist er erstmal nach Österreich abgehauen. Und dann später weiter geflohen, weil die Nazis mochten ihn nicht.
Johannes Franke: Ja, auf Gegenseitigkeit, Er mochte die Nazis halt auch nicht.
Florian Bayer: Unter anderem wurde der Film M, eine Stadtsucht, ein Mörder bei den Nazis verboten. Und es wurde ein Ausschnitt aus M. genommen. Und in dem Film der Ewige Jude gezeigt, in diesem schrecklichen Propagandafilm von den Nazis. Und sie wollten zeigen, wie die Juden die Moral verdrehen, indem Sie in diesem Film M den Mörder, den Täter als ein Opfer darstellen. Und Peter Lorre quasi als Sinnbild dafür, Wie ein Täter zum Opfer gemacht wird von den bösen Juden. Ach,
Johannes Franke: Alter. Film nicht verstanden.
Florian Bayer: Er ist ja echt nicht viel zu sehen. Er hat nur eine kleine Rolle.
Johannes Franke: Und ich bin so schade. Und ich bin so traurig, wie Rick Daneben steht und sagt, tut mir leid, ich kann dir nicht helfen. Und dann wird er abgeführt. Und ich denke, nein, Peter, Bleib hier. Ich will noch weiter deine Rolle genießen.
Florian Bayer: Er spielt diesen Visa-Händler, der sich halt irgendwie durchschlägt mit illegalen Geschäften, der Leuten hilft, nach Amerika zu kommen, für einen entsprechenden Salär.
Johannes Franke: Ja, aber auch einen sehr hohen anscheinend. Vor allem, weil er jetzt auch ein bisschen Arg seltsam angibt bei Rick. Hier, ich habe diese Papers hier und die werden mich so reich machen wie nie zuvor. Und man denkt, ach, komm.
Florian Bayer: Eine Stärke von dem Film ist, dass er ganz viele von diesen Rollen hat, bei denen man denkt, von dieser Person will ich mehr sehen. Ja,
Johannes Franke: total.
Florian Bayer: Karl, der bei Rick angestellt, ist, der nicht Barmann, sondern der Kellner.
Johannes Franke: Der Kellner.
Florian Bayer: Was für eine gute Seele von einem Mensch.
Johannes Franke: Ja, Auch deutscher Flüchtling im Grunde. Ja,
Florian Bayer: ich glaube, ursprünglich kommt er auch aus, Moment, ich muss kurz gucken, aus Österreich-Ungarn. Okay. Da hat er gearbeitet und er ist, genau, Auch wie viele sind in die USA geflohen, Als die Nazis an die Macht kommen. Ungarn tatsächlich ursprünglich. Ah, okay.
Johannes Franke: Großartiger Schatz.
Florian Bayer: Er ist hier, ist der Karl.
Johannes Franke: Man will alles über diesen Menschen wissen, oder? So toll.
Florian Bayer: Und diese Rolle ist so süß.
Johannes Franke: Ja, aber so klein. Ja,
Florian Bayer: aber dieser Moment, Wenn Rick den Ungarn das Geld gewinnen lässt. Beim Roulette, Dann haben wir ihn, da haben wir Karl. Kommt kurz von der Seite und lächelt. Und sich darüber freut, dass Rick sein Herz zeigt und zum Drink einladen will.
Johannes Franke: Voll schön.
Florian Bayer: Was für eine tolle Rolle.
Johannes Franke: Der Moment, wo der Taschendieb an ihn ran, stößt. Oh,
Florian Bayer: oh,
Johannes Franke: oh. Und er einmal schnell, Oh, mein Gott, hab ich noch alles? Hab ich noch alles?
Florian Bayer: Und wir merken ja auch, Er hat's faustig hinter den Ohren. Er wird irgendwann gefragt, ist das Rick, das Blaze? Oder geht hier alles mit rechten Dingen zu? Also ja, natürlich, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Auch eine Seele dieses Cafés, habe ich so das Gefühl, und eine sehr loyale Seele dieses Cafés. Und ich glaube, dass die Sympathie, die wir Rick wann gegenüber haben, vor allem auch getragen wird. Von der Umgebung, die alle Loyal ihm gegenüber sind. Weil er offensichtlich eine gute Seele ist, Aber wir sehen es nicht. Aber alle anderen Drumherum glauben das, Also glauben wir das auch.
Florian Bayer: Und spätestens dann gegen Ende, wenn er sein Café an seinen Konkurrenten... Slash Freund Ferrari verkauft, Erfahren wir auch wirklich, dass die Loyalität auf Beidseitigkeit beruht, weil er sagt, ich will das auf jeden Fall, dass es meinen Mitarbeiterinnen gut geht, dass die weiter ihr Geld kriegen, dass die weiter angestellt sind. Ich will, dass das hier festgehalten wird, sonst passiert hier gar nichts.
Johannes Franke: Naja, Es ist ja aber auch nicht nur die Loyalität der Leute. drumherum, die mir Rick verkaufen, Sondern es wird ja auch wirklich oft gesagt oder impliziert, dass er mal ideale hatte. Ja. Und vielleicht einmal zu viel. Es ist möglich, ich bin um die Ohren gehauen absolut, und es wird uns auch als kleines
Florian Bayer: Mysterium, erzählt, Wir erfahren, Rick hat offensichtlich für die Spanier gekämpft, im spanischen Bürgerkrieg, für die Republik, Er hat immer für die Außenseiter gekämpft, der Strasser, sagt es Ich sehe da irgendwie so eine Konstante in deiner Arbeit. Und Rick sagt, nee, nee, Ich hab das immer für Geld gemacht, aber Moment, Du warst immer auf der Seite von den Außenseitern. Wie kann das sein? Und natürlich fragen wir uns, okay, was ist mit diesem Rick passiert? Weil dieser Rick, den wir hier erleben, Der hat zumindest politisch gesehen, gar keine Ideale. Ja,
Johannes Franke: also zumindest, was wir sehen, was wir gesagt, bekommen von ihm.
Florian Bayer: Genau, wie er etabliert wird. Dann gibt es ja diese Szene mit Peter Lorre, der festgenommen wird. Rick sagt,
Johannes Franke: I stick my neck out for nobody.
Florian Bayer: Ja, genau. Und es wird mehrmals gesagt, du bist ein Zyniker. Wir sehen ja auch, dass er mit dem Kollaborateur... Kollaborör, Polizist, Louis Renaud Irgendwie so eine Art Hassliebe, Freundschaft hat, wie auch immer. Auf jeden Fall mit dem Zusammenarbeitet eine Hand, wäscht die andere. Sie wetten um das Schicksal von Menschen. Sie wetten ganz schön viel Geld um das Schicksal von Menschen. Ja,
Johannes Franke: das ganze Ding da hinten. Das ist eine süße Szene, wie er sagt, ich helfe dir mit deinen Geschäften da. Und er sagt, ja, deswegen lasse ich dich überhaupt gewähren mit deinem Glücksspiel hier. Und Rick sagt dann, naja, und weil wir dich immer gewinnen lassen. Und der so, ja, das ist auch ein Teil der ganzen Sache.
Florian Bayer: Ich bin schockiert zu sehen, dass hier Glücksspiel stattfindet. Ihr gewinnt, Sir.
Johannes Franke: Es ist so eine tolle Szene. Es ist ein bisschen komisch.
Florian Bayer: Es gibt nicht wenige lustige Momente in diesem Film. Gerade diese Dynamik zwischen Rick und zwischen Renault. Und deswegen ist Renault auch ein Schurke, den wir total lieben.
Johannes Franke: Ja, ja, total.
Florian Bayer: Das sind echt viele witzige Momente, die auch echt gutes Timing haben. Ja,
Johannes Franke: und wenn wir über ihn reden, müssen wir noch über die kleinen Gay-Untertöne reden, die da kommen. Aber das hat viel mit dem Ende zu tun. Da würde ich gerne mit ihm was sagen.
Florian Bayer: Oh! Oh shit, Du willst eine Gay-Romance zwischen Rick und Renoir? Oh, ich bin voll dabei. Also, ich halte es für kompletten Bullshit, aber ich bin voll dabei.
Johannes Franke: Ich freue mich da sehr drüber.
Florian Bayer: Was ist denn mit Sam? Weil Sam sollte ursprünglich von einer Frau gespielt werden. Ey, echt? Von einer Launchsängerin, von einer schwarzen Launchsängerin.
Johannes Franke: Wusste ich gar nicht.
Florian Bayer: Das haben Sie nicht gemacht, weil Sie gesagt haben, Das könnte eine Interracial Relationship andeuten. Das können wir nicht machen. Nicht im Hollywood der frühen 40er Jahre.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Wir sind voll im Haze-Code-Hollywood. Ja,
Johannes Franke: ja,
Florian Bayer: ja. Deswegen gibt es ja auch... Einige Entscheidungen, die ich total für richtig halte. In dem Film, storytechnisch, Aber diese Vorstellung, dass Ilsa mit Rick zusammen enden könnte. Am Schluss, ist auch undenkbar. Wir sind im Haze Code, Ilsa ist verheiratet, Die wird ihren Mann nicht verlassen.
Johannes Franke: Und deswegen hat man auch überlegt, ob Lando sterben muss, damit sie zusammenkommen können.
Florian Bayer: Wir befinden uns in einer anderen Zeit, deswegen denken wir nicht mehr, so, Aber ich glaube, wenn du diesen Film Anfang der 40er gesehen hast, warst du voll gespoilert, weil du einfach. wusstest, Wie Hollywood funktioniert. Der Hund überlebt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und die verheiratete Frau wird niemals außerähnlichen Sex haben. Zumindest nur,
Johannes Franke: wenn sie glaubt, dass sie nicht mehr verheiratet ist, weil der Mann tot ist.
Florian Bayer: Ja, und selbst da ist der Sex ja maximal gedeutet. Auch schon so an der Grenze. Aber vor allem wird sie nicht ihren Mann verlassen. Für so einen Typen. Nein, das darf sie nicht. Genau, Sam sollte ursprünglich von einer Frau gespült werden. Das war der Grund, dass es dann doch ein Mann wurde. Und zwar wurde es...
Johannes Franke: Also um das Kurz zu sagen, Sam ist derjenige, der am Klavier sitzt, im Ricks Café und die Leute unterhält. Und ein bisschen Hintergrundmusik liefert, Aber eben auch eine größere Figur ist als nur das. Gott sei Dank.
Florian Bayer: Ricks Bester Freund, gespielt von Dooley Wilson, der kein Klavier spielen konnte.
Johannes Franke: Er hat es sich beibringen lassen, so zu tun als ob, Aber er wird oft gehandelt als derjenige, dem man es am meisten in einem Film ansieht, dass er nicht wirklich Klavier spielen kann. Aber ich muss sagen... Es interessiert mich gar nicht.
Florian Bayer: Ich habe keine Ahnung.
Johannes Franke: Ich sehe überhaupt nicht, ob der Klavier spielen kann oder nicht. Übrigens, Es gibt Tee, Plor. Möchtest du Tee?
Florian Bayer: Oh ja, sehr gerne. Das ist total cool. Danke dir. Hat sich von einem Freund zeigen lassen, mit dem er zusammen in einer Jazzband war.
Johannes Franke: Da war nämlich eher Drummer.
Florian Bayer: Genau, da war er Drummer. The Red Devils hieß die Band. Und sein Mitmusiker, der ihm das gezeigt hat, Elliot Carpenter oder Gene Plummer, Ich weiß jetzt gar nicht genau. Einer von beiden. Ich glaube, mit beiden Handen. Beide haben da mitgearbeitet, auf jeden Fall, Der hat dann auch das Klavier gespielt. Und wir hatten dann, Wie nennt man das? Finger-Dubbing?
Johannes Franke: Finger-Doubles.
Florian Bayer: Finger-Double. Er war noch Finger-Double. Und witzigerweise wollten sie dann auch seine Stimme nicht.
Johannes Franke: Das war so krass. Weil dieser eine Typ, Wer war denn das? Einer der Produzenten, oder?
Florian Bayer: Der Regisseur war das Kl... Nee, Helbi Wallace war's. Nee, nee, nee, Moment. Das war nicht einer der Richtsierer oder Produzenten.
Johannes Franke: Der Musiker war auch dabei.
Florian Bayer: Es war unser Filmmusiker, der das gesagt hat.
Johannes Franke: War nur er das? Der hat gesagt,
Florian Bayer: dass die Stimme ihm nicht gefällt, dass er das nicht will.
Johannes Franke: Und er wollte auch den Song nicht.
Florian Bayer: Genau, der war auch gegen Max Steiner. Der war auch gegen den Song, als Time Goes By.
Johannes Franke: Wollen wir jetzt über die Musik reden? Wir sind ganz schön hin und her.
Florian Bayer: Ja, ich weiß, ich will noch über Sam reden. kurz. Der wollte auch seine Stimme nicht, weil er gesagt hat, die ist zu kratzig, die klingt zu brüchig, die passt nicht. Lass uns das auch dammen. Und das hat dann aber nicht funktioniert, weil der, der das machen sollte, irgendwie ausgefallen ist. Und dann haben...
Johannes Franke: Nee, es ging auch darum, dass Ilsa, also Ingrid Bergmann, schon für den nächsten Film Ihre Haare hat. Schneiden lassen. Und deswegen konnten sie die Szene nicht wiederholen.
Florian Bayer: Ihr Haare waren kurz, stimmt, das war's. Und dann haben aber auch wohl Holby Wallace, der wie gesagt, sehr großen Einfluss kreativ hatte, und... Und Michael Curtis, der Regisseur, gesagt, nee, nee, lass das mal drin. Eine sehr gute Entscheidung.
Johannes Franke: Sowohl der Song ist großartig, als auch die Stimme von dem Typen ist großartig. Und er hat sich ein bisschen beschwert, weil er danach ständig gefragt wurde, diesen Song am Klavier zu spielen. Irgendwo in irgendeiner Bar war, wo ein Klavier stand, Alle auf ihn eingestürmt. Spiel es noch einmal, Sam. Völlig falsches Zitat. Aber naja.
Florian Bayer: Play it against them. Okay, jetzt müssen wir es kurz erwähnen. Ist das ein Mandela-Effekt?
Johannes Franke: Ja, natürlich. Hat vor allem auch, was damit zu tun, dass Woody Allen das einfach so sehr eingebracht hat. Play it against them, der Film. Ich glaube auch ein Theaterstück, das er geschrieben hat. Ich glaube, Darauf basiert der Film. Ich bin mir nicht ganz sicher. Auf jeden Fall war ich großer Fan von diesem Film, Play It Against them. Bis ich herausgefunden habe, was Woody allen so ein bisschen, das ist vielleicht nicht ganz so. der... Naja, Das große Vorbild, was er sein sollte, ist er dann doch nicht gewesen.
Florian Bayer: Was ich nochmal online gelesen habe, es war, Casablanca war ein riesiger Hit, Es war ein berühmter Film. Und was so berühmte Filme an sich haben, vor allem in der amerikanischen Popkultur, Die werden unglaublich viel gemockt. Es gibt unglaublich viele Satire, Parodien.
Johannes Franke: Von den Marx Brothers allein.
Florian Bayer: In diesen Parodien werden die Zitate natürlich aufgegriffen, aber nie 100 Prozent. Und dass das auch eine ganz große Rolle gespielt hat. Und auch bei so Sachen wie Be Me Up, Scotty oder Luke, I Am Your Father. Diese Verwirrungen sind, Also zumindest war das die Theorie von dem Text, den ich gelesen habe, größtenteils darauf zurückzuführen, dass das Zeug einfach so irrsinnig oft in Comedy zitiert wurde. Und dass du die Parodie öfter gehört, hast als das Original. In dem Film wird nie Play It Again Sam gesagt.
Johannes Franke: SPIEL es, Sam. Spiel as time goes by.
Florian Bayer: Play It once, Sam. For All Time's sake.
Johannes Franke: Ja, es gibt so viele Sachen, Zitate aus diesem Film, die auch in den Sprachgebrauch im Englischen vor allem gekommen sind, wie im Deutschen Nicht so wahnsinnig, viel, außer eine krasse Übersetzung. Darüber müssen wir auch reden.
Florian Bayer: Ich schaue dir in die Augen, Kleines.
Johannes Franke: Was ist das für eine Übersetzung von Here's Looking At you, Kid?
Florian Bayer: Ich finde es okay.
Johannes Franke: Also, ich finde es auch total in Ordnung. Und es ist ja auch in den Sprachgebrauch so ein bisschen eingezogen und funktioniert total für den Moment, Aber es ist inhaltlich... Doch ein sehr großer Sprung.
Florian Bayer: Komplett weg. Was ist dieses? Here's Looking At you, Kid?
Johannes Franke: Es gibt so viele Theorien darüber. Und es gibt einen Haufen Amis, die selbst nichts damit anfangen können, die einfach heute, Vielleicht war das damals was anderes, aber heute fragen sich auch Amis oder Briten, was soll das? Was ist das für ein Satz? Der Satz ist einfach eigentlich ein Toast. Ja. Here's To you. Here is looking at you, Kid, Kann man noch dazu sagen, oder auch nicht. Und anscheinend hat Bogart das am Set gesagt. Ja. Zu ihr.
Florian Bayer: Zu Ingrid Bergmann. Sie haben gepokert?
Johannes Franke: Denn Poker spielt ihr, genau. Er hat ihr Poker beigebracht.
Florian Bayer: Und Michael Curtis hat gesagt, das ist geil.
Johannes Franke: Das nehmen wir. Und er sagt das jetzt echt viermal im Film.
Florian Bayer: Ja, ist krass. Krass. So ein wesentliches Zitat. Und es gibt teilweise in Amerika diese falsche Intonation. He's looking at you, kid. Mit einer christlichen Komponente. So Gott schaut auf Dich herab. Da wird das Ganze einmal so durch den Glauben durchgedreht.
Johannes Franke: Das habe ich voll lange gedacht. Ich hab echt lange geglaubt, dass es das ist.
Florian Bayer: Ja, würde auch passen. Das Schlimmste ist, Es passt alles. Es würde auch passen, I'm Looking At you, Kid. Oder I'm Seeing you, Kid. Es würde alles passen. Es ist tatsächlich inhaltlich vollkommen. egal, was er sagt. Wichtig ist, dass er einen Moment mit ihr zusammen hat.
Johannes Franke: Ja, genau. Eigentlich ist es ein austauschbarer Stand-in für Ich bin da, du bist da, wir haben Spaß. Guckt uns zu.
Florian Bayer: Wir haben einen Moment zusammen, wo wir uns nur aufeinander konzentrieren.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Die Usual Suspects, also vielleicht wenn wir bei den Zitatien,
Johannes Franke: das berühmte Zitat. Round up the Usual
Florian Bayer: Suspects. Genau, von Renault. Dann haben wir natürlich nicht Play It Again Sam, sondern Play It Once Sam oder Play It Sam. Dann haben wir auf jeden Fall von allen Städten, von allen Cafés in dieser Welt. Ausgerechnet bei mir reinschneien. Dann haben wir, Oh Gott, Ich habe sie mal rot markiert, weil es waren wirklich auch Sachen, wo ich gar nicht mehr wusste, Ach stimmt ja, DAS ist... Dieses starke Zitat ist aus diesem Film. If we stop breathing, we die. If we stop fighting our enemies, the world will die. Victor Laszlo.
Johannes Franke: Das habe ich gar nicht so präsent gehabt. Ich habe noch am Ende das Zitat im Kopf. If you don't go to that plane, you will regret it. Maybe not today, Not tomorrow, but someday you will.
Florian Bayer: Und we will always have Paris. Ja.
Johannes Franke: Und das habe ich tatsächlich selber übernommen. Das ist tatsächlich etwas, was ich ab und zu mal gesagt habe. Seit ich diesen Film kenne und ich muss sagen, ich habe ihn sehr, sehr früh gesehen. Also, ich war wirklich sehr jung. Ich kann es dir nicht mehr genau sagen, aber ich war sehr jung. Und ich habe dieses Zitat und ich schaue dir in die Augen, Kleines, und eben dieses andere. Das waren die Sachen, die ich übernommen habe.
Florian Bayer: So geil, In den letzten fünf Minuten ist es einfach nur noch das Zitatfeuerwerk. Da sagt er, nämlich, You will regret it. Er sagt, We will always have Paris. Dann kommt nochmal, Here's Looking At you, kid. Dann kommt nochmal Renaud, der sagt, Round Up The Usual suspects. Und dann endet der ganze Shit mit Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship.
Johannes Franke: Und der letzte Satz, der war gar nicht im Skript. Nein. Haben Sie wirklich einen Monat später noch, Als der Film so nackt, endete, wo sie gedacht haben, Irgendwie stimmt der letzte Satz nicht. Irgendwas gehört da anderes hin. Dann haben die den letzten Satz weggenommen, der da eigentlich war und haben dann das da eingebaut. Gott sei dank, hat man seine Lippen nicht gesehen, sonst wäre es schwierig.
Florian Bayer: Ja, stimmt. Was für eine schöne Endszene, ne?
Johannes Franke: Was für ein toller Satz.
Florian Bayer: Verschwinden dieser Satz.
Johannes Franke: Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Florian Bayer: Gott sei, dank haben Sie es getan. Aber wir waren bei Sam und wir waren bei der Musik und bei den Songs. Und ich hatte natürlich auch dieses As Time goes by im Kopf. Ja. Wusste, Das ist ein tolles Stück. Das ist ein Stück, das ganz wesentlich ist, das ja auch immer wieder reinkommt in die... Die Musik von Steiner. Aber dann haben wir ja auch unglaublich viele andere tolle Songs drin.
Johannes Franke: Jetzt gehen wir auf die Songs. Ich muss mal hier auf Seite 5, glaube ich, ist das bei mir.
Florian Bayer: Dooley Wilson darf noch mehr singen. Er darf nämlich It had to be You singen. Das ist das Erste, was er spielt.
Johannes Franke: Das ist schön, ja.
Florian Bayer: Und das ist vor allem geil, weil das ist das erste Mal, wenn wir das Café erleben. Sam spielt eher so eine beschwingte Nummer. Und sie passt perfekt zu dieser Atmosphäre zwischen Schwarzmarkt, Flüchtlinge, Internet, alles. Komplett international, multikulturell.
Johannes Franke: Und ein bisschen Exotismus.
Florian Bayer: Aber dann diese Party- und Hedonismus- Atmosphäre. Dieses verruchte Café. Und wir sehen da hinten diesen Hinterraum, wo illegal Glücksspiel betrieben wird.
Johannes Franke: Es ist toll aufgebaut. Ich finde die Physik dieses Raumes total gut. Absolut. Und die haben ja nur zweitverwertet. Die Studios existierten ja, und die haben irgendwelche anderen Sets umgebaut, die schon existierten. Und das ist einfach, es ist toll gemacht. Ich finde sie wirklich, wirklich einen guten. Du hast einen guten Raum, Du verstehst den Raum sofort und weißt, wo was stattfindet und was geht und was nicht, geht. Es ist super.
Florian Bayer: Ich stehe total drauf, wenn Hayscote Hollywood verruchte Räume darstellt. Es hat eine gewisse Naivität und unschuld und gleichzeitig trotzdem. Diese verruchte Eleganz. Es ist eine Geile Mischung.
Johannes Franke: Vor allem ist es aber leider etwas, was ich so ja nie erleben kann. Es gibt das nicht. Es ist nur das Bild, was Hollywood einmal aufbaut von dieser verruchten Atmosphäre. Und seitdem versuchen wir mit 20er Jahre Partys und so weiter, das irgendwie wieder herzustellen. Aber es ist nicht realistisch. Nein. Es stimmt ja nicht.
Florian Bayer: Du darfst keine Zunge benutzen, wenn du küsst, ne? Das ist schwierig, auch. Ja. Du überlegst, du bist abends unterwegs, du feierst und so weiter. Und dann weißt du, du musst dich komplett wegdrehen von allen anderen, wenn du küsst. Du musst die Frau auch in einem, Ich glaube, es waren FüNf und... 73 Grad Winkel?
Johannes Franke: Ja, und sie muss sehr gepresst aussehen.
Florian Bayer: Das ist wichtig. Und keine Zunge. Ganz wichtig, keine Zunge.
Johannes Franke: Und wenn du dich wieder löst von ihr, dann musst du Sie so ein bisschen wegziehen, sodass Sie so ein bisschen nachfedert.
Florian Bayer: Und sie muss auch ein bisschen Benebelt aussehen. Dann hat doch dein Guss irgendeine Substanz enthalten.
Johannes Franke: Wie oft ich das in meinem Leben erlebt habe, das willst du gar nicht wissen.
Florian Bayer: Ich glaube, das lag eher an den Zwiebeln.
Johannes Franke: Oh, fuck.
Florian Bayer: Wir haben Who's Got Nothing. Ja. Was für ein tolles Stück.
Johannes Franke: Ja, ganz, ganz tolles Stück. Und vor allem, weil sie es auch durchziehen. Sie singen ja nicht nur zwei Zeilen davon, sondern es ist ja richtig schön da. Toller Song.
Florian Bayer: Und du hörst es, und du hast einfach einen Ohrwurm davon. Wir haben dieses geile, dieses Geile spanische Stück. Hilf mir!
Johannes Franke: Das weiß ich gerade nicht genau.
Florian Bayer: Die Frau mit der Gitarre.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ja. Aber ich weiß nicht, welches Stück das ist.
Florian Bayer: Ihr seht live zu, wie wir durch unsere Aufzeichnungen scrollen. Ihr könnt es nicht, sehen, Aber wir sind verzweifelt auf der Suche nach der einen Information, die wir gerade nicht finden.
Johannes Franke: Shine Avalon perfida Knock on Wood.
Florian Bayer: Tango de la Rose.
Johannes Franke: Ach so.
Florian Bayer: Poor as time goes by. Mit Gitarre. Wunderschön, Wenn Lisa und Victor zum ersten Mal ins Café kommen.
Johannes Franke: Wobei mit Gitarre doch ein bisschen übertrieben ist. Man streift sie mal zufälligerweise und es kommen vielleicht mal so ein, Zwei Töne aus der Gitarre. Ansonsten ist sie ja ziemlich auf den Gesang konzentriert.
Florian Bayer: Und dann haben wir natürlich den besten Song von allen. Die beste Szene des Films. Die wacht am Rhein. Natürlich die Masse, Ihr Häse.
Johannes Franke: Also, es ist so ein emotionales Ding. Es ist unglaublich. Alter. Weil auch der ganze Raum voll Leute ist, Schauspieler ist, die genau das gerade fühlen. Wo alle Gefühle echt sind in diesem Film. Wo man einfach spürt, dass diese Atmosphäre wirklich im Raum ist.
Florian Bayer: Wir sehen Tränen. Wir sehen Freude.
Johannes Franke: Wir sehen echte Tränen.
Florian Bayer: Und wir sehen den Sieg der Demokratie gegen den Faschismus. Wir haben die Nazis, die die Wacht am Rhein einstimmen. Und dann ist dieser wirklich tolle Moment, wo Victor Laszlo, Deswegen ist. Victor Fucking Laszlo unser Held in diesem Film, kommt und sagt Zum Orchester, Spiel die Masseyes. Und das Orchester guckt zu Rick. Und deswegen ist Rick unser zweiter Fucking Held, der nickt. Und dann spielen sie die Massayais. Und wir haben die Nazis mit ihrer Wacht am Rhein und dann kommen alle mit rein. Und es wird immer mehr, und es wird zum Orchester, das niemals in diesem Café steht. Aber was für ein heroischer Moment. Wahnsinn. Und was für ein Aufbegehren.
Johannes Franke: Und es ist in dem Moment auch vollkommen, egal, welcher Nationalismus irgendwo noch drin steckt oder nicht. Und wie unangenehm mir das teilweise ist, wenn irgendwelche Nationalhymnen angestimmt werden. Aber in dem Moment, Es ist so wahnsinnig wichtig und so toll und so viel Kraft und so viel Trotz, der da drin steckt.
Florian Bayer: Es ist auch mehr als nur der Nationalstolz. Ja, ja,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Es ist auch die Freude, die gegen das Böse siegt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und wir haben vor einigen Wochen, haben wir über Cabaret geredet.
Johannes Franke: Oh, ja, ja.
Florian Bayer: Und wir waren beide voll deprimiert, danach. Dieser Film hat mich geheilt.
Johannes Franke: Hat er sich geheilt?
Florian Bayer: Nein, das ist zu viel gesagt. Aber das ist... Genau das aufbauen, was man nach Kabarett braucht, weil es ist ein komplett anderes Narrativ. Hier gewinnt die richtige Seite. Hier gibt es diesen Optimismus, und dieser Optimismus ist in dieser Szene so geil, kondensiert. Vive la France und alle jubeln. Ich will französischer Staatsbürger werden, wenn ich diese Szene sehe. Und ich will Nazis erschießen. Glücklich, wirklich glücklich. Und ich habe Tränen in den Augen. Es ist so eine schöne Szene.
Johannes Franke: Und es ist toll, weil die Schauspieler, die Nazis spielen, das auch gut. Diesen Rückzug und dieses Kleinerwerden und erst dieser Versuch, nee, da gehen wir jetzt dagegen und dann festzustellen, Das hat keinen Sinn. Wir geben hier auf, aber nicht, ohne nochmal jemanden auf, die Füße zu treten. Also richtig wütend Aus dem Laden stürmen. Ich fand es so zufriedenstellend. Absolut. Kaum eine Szene in der Filmgeschichte ist so wahnsinnig zufriedenstellend.
Florian Bayer: Es ist eine unglaublich gute Szene. Und die Zähne... Das ist das, was mich emotional am stärksten packt, in diesem ganzen Film. Deutlich mehr als die Liebesgeschichte zwischen Rick und Ilsa oder diese Dreiecksbeziehung zwischen Ilsa, Rick und Victor. Es ist das emotionale Zentrum des Films für mich.
Johannes Franke: Aber dann gehen wir doch mal auf die Liebesgeschichte. Weil das ist ja interessant, wenn dich, die nicht so sehr packt.
Florian Bayer: Nein, nein, die packt mich auch, aber nicht so sehr. Ja,
Johannes Franke: aber nicht so sehr. Und mich auch nicht so sehr. Und vielleicht sogar, wenn du jetzt schon widersprichst, noch weniger als dich. Weil mich der Film vor allem damit packt, dass er mir erzählt, dass diese Liebesgeschichte oder dieses Dreieck, was vielleicht auch als Dreieck hätte funktionieren können, was gar nicht so abwegig wäre, zu der Zeit vielleicht nicht erzählbar. Oh man,
Florian Bayer: du bist halt echt gut dabei mit deinen Gays-Dub-Dubs. Ich bin voll auf deiner Seite, erzähl weiter.
Johannes Franke: Aber die Möglichkeit ist da. Die hätten voll zu dritt oder sogar zu viert mit Louis noch, hätten die Ding ziehen können, durchziehen können. Wenn der Scheiß Krieg nicht wäre. Ja. Weißt du? Und das Interessante, aber das, was mich dann eben am Film so wahnsinnig packt, ist nicht die Liebesgeschichte an sich, sondern das Scheitern der Liebesgeschichte am Krieg. Die politische Komponente, die das Ganze mitbringt.
Florian Bayer: Also dann konkret die Liebesgeschichte zwischen Rick und Ilsa, weil die Liebesgeschichte zwischen Victor und Ilsa, Die ist ja erfolgreich. Sie fliehen zusammen nach Amerika. Genau.
Johannes Franke: Aber es hätte so viel mehr sein können als nur das.
Florian Bayer: Ja, vielleicht. Versuchen wir das mal, kurz aufzudröseln. Also, wir haben Ilsa, Die war mit Rick zusammen in Paris, weil sie dachte, ihr Mann Victor ist tot. Dann erfährt sie plötzlich, Victor lebt noch. Und sie weiß, sie muss zurück zu ihrem Mann.
Johannes Franke: Genau. Und sie schafft es nicht, bringt es nichts übers Herz, Rick zu sagen, du, mein Mann ist doch nicht tot, ich muss dann mal wieder rüber.
Florian Bayer: Und dann, Nach all den Jahren, kommt Ilsa in das Café, wo wir einen komplett niedergeschmetterten, veränderten. Rick haben.
Johannes Franke: Absoluter Emo. Ich denke die ganze Zeit, meine Güte, Du bist einmal von einer Frau enttäuscht worden. Und jetzt muss die Welt bluten. Was ist los mit dir?
Florian Bayer: Ja, aber dann kommt sie rein und geht zu Sam und sagt, Sam, Spiel, das Lied, das mich emotional mit dir verbindet. Bitch.
Johannes Franke: Das ist ein bisschen arg egoistisch, weil sie verbindet damit ja was Gutes. Sie hat ja ihren Mann gehabt, es ging ja dann für sie. Aber sie hat auch... Noch nicht gesehen, Wie schlimm Rick dran ist. Ja,
Florian Bayer: das stimmt. Und sie hat vielleicht auch gedacht, dass er besser damit klarkommt. Und vielleicht hat sie auch Recht, weil sie waren zwei Wochen zusammen. Sie hatten eine Affäre in Paris. Und er will sie heiraten. Das ist vielleicht auch nicht ein bisschen pushy.
Johannes Franke: Ja, ich find's auch ein bisschen crazy, muss ich sagen. Aber gut. Das ist aber auch die Zeit, muss man sagen. Es wird in allen Filmen, erzählt. Wir kennen uns zwar... Drei Tagen. Und jetzt mache ich einen Heiratsantrag.
Florian Bayer: Ich hasse dieses Liebe auf den ersten Blick Motiv. Ich bin da echt kein großer Fan davon und wir finden es ständig im alten Hollywood. Und eine Beziehung ist einen Tag alt und so viel wert wie zehn Jahre. Und guck mal, was wir alles zusammen erlebt haben, als wir neben einem Auto saßen und von der Leinwand geflohen sind. Es IST HALT einfach... Okay, aber der Film, natürlich, Verkaufen ist der Film, Das war die große Liebe für Rick und für sie offensichtlich. Ja, auch.
Johannes Franke: Für Sie auch, absolut. Und da kommt ins zum Tragen, dass ich denke, Und das vielleicht der Film auch ein bisschen unterstützt, obwohl ich leider das Gefühl habe, dass der Film in eine andere Richtung ein bisschen mehr geht, Nämlich, dass es ihr Pflichtbewusstsein ist. Aber ich glaube, du kannst ja in mehrere Menschen gleichwertig verliebt sein. Absolut. Und das ist ja vollkommen in Ordnung. Und dann vielleicht auch noch in verschiedenen Qualitäten, auf verschiedenen Ebenen, die keine Wertigkeit mitbringen, sondern wo man einfach sagt, okay, das ist der Mensch, den liebe ich dafür. Und für... Und da ist der andere, Da funktioniert der Sex besser. Keine Ahnung, weiß ich nicht.
Florian Bayer: Meinst du, Humphrey Bogart ist besser im BetT als... Oder das wolltest du eigentlich sagen. Was du sagen willst ist, Humphrey Bogart ist im Bett besser als...
Johannes Franke: Victor Laszlo.
Florian Bayer: Ich will den Namen. Als Paul Henreit. Oder? Das ist deine Aussage.
Johannes Franke: Ich glaube, dass Paul HENreIT und... Bogart Den besseren Sex hätten. Miteinander. Nein, ich will ja eigentlich auf eine andere homoerotische Szene hinaus, aber das machen wir später.
Florian Bayer: Das kommt gleich. Ich finde, was Ihnen wirklich, wirklich gut gelingt. Und das Kudos für den Film, weil ich meine, Natürlich steht Die Liebesgeschichte oder die gescheiterte Liebesgeschichte von Rick und Ilsa im Mittelpunkt. Es gelingt ihnen uns zu überzeugen, in den Szenen, in denen Ilsa nur mit Victor interagiert, dass sie ihn absolut von Herzen liebt. Also, ich kaufe Ilsa und auch den Film. Zu jedem Zeitpunkt ab, dass Victor nicht nur die sichere Bank ist. Und nicht nur die Vernunftswahl, sondern dass sie wirklich ihn liebt und wirklich um ihn besorgt ist. Und dass er sogar noch mehr, dass er die Liebe ihres Lebens ist. Rick war mehr als nur eine Affäre.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Rick übt eine sehr starke Anziehung auf sie aus. Und sie sagt es dann ja auch, sie ist immer noch in ihn, verliebt. Ja. Aber Victor ist die Liebe ihres Lebens. Und ja, also, das finde ich, schafft es, der Film so zu verkaufen, dass ich sage, ja, ich finde es gut. Er ist nicht das dritte Rad am Wagen, sondern er ist da. Und die Liebe, zu ihr ist auch ein sehr wesentlicher Aspekt in dem Film.
Johannes Franke: Ja, ich finde, dass der Film da sehr, sehr einfach ambivalent ist. Und man vielleicht auch, wenn du 20 Zuschauer fragst, was Sie da sehen, da kriegst du 20 verschiedene Antworten. Ich glaube, dass der Film so viel schattiert, ist, dass er es schafft, jedem, was anderes zu erzählen in dem Bereich.
Florian Bayer: Wahrscheinlich.
Johannes Franke: Und das finde ich total spannend und total gut. auch. Und deswegen sehe ich auch die ganzen homoerotischen Sachen drin. Weil ich die sehen will und der Film mir das nicht verbietet.
Florian Bayer: Man hört ja so oft, dass das eigentlich das wesentliche Merkmal ist, dass sie halt Rick mehr liebt. eigentlich, aber, dass sie dieses Opfer bringt und dass Rick auch dieses Opfer bringt. Ja, ich weiß es nicht.
Johannes Franke: Also, dass Rick ein Opfer bringt. Das ist sowieso noch eine andere Nummer. Wir müssen auf das Ende her. Lass uns später auf das Ende ein.
Florian Bayer: Er bringt einen Opfer, Ich weiß. Er wird mit Rono sehr glücklich werden. Ja, genau. Dass sie einen Opfer bringt, dass Sie diese inbrünstige Liebe aufgibt. Für die sichere Flucht nach Amerika, mit ihrem sicheren Typen und die langweilige Ehe. Das stimmt. Das ist Bullshit. Dieser Victor ist doch so... Also, Victor ist echt ein cooler Typ. Also ich meine, wenn ich die Wahl hätte zwischen Victor und Rick... Okay, das ist schwierig.
Johannes Franke: Ja, jetzt bin ich gespannt.
Florian Bayer: Ja, jetzt muss ich selbst überlegen, weil Victor, Ich finde tatsächlich politischen Idealismus, extrem sexy und extrem anziehend und auch politische Intelligenz. Und so weiter. Und das hat halt Victor, alles, das hat Rick nicht so in der Form.
Johannes Franke: Und ich glaube, dass man als Zuschauer durchaus in diese Richtung geschoben wird, dadurch, alleine dadurch. Und da kann der Film fast nichts für, weil er muss ja einen dramaturgischen Punkt setzen. irgendwo, dass wir eben Bogart folgen und nicht Victor. Ja. Und deswegen sind wir auch eher interessiert daran, die ganzen Schlingen und Probleme und Hin- und Hergeworfensein von Humphrey Bogart zu folgen und sich darin zu sehen. Ja. Während Victor keinerlei Zweifel bekommt. Oder sowas. Er hat keinerlei Entwicklung in dem Film.
Florian Bayer: Nee, Victor wird auch nur von außen wahrgenommen. Wir haben sowohl Ilsa als auch Rick. Da haben wir Inneneinsichten. Wir wissen, wie sie sich fühlen, weil sie einen Moment haben, in dem Sie allein sind. Und Victor hat diesen Moment überhaupt nicht. Victor wird entweder von Ilse wahrgenommen oder von Rick. Genau. Und Victor kriegt nicht diese Zeit alleine, was total schade ist, Weil Victor scheint mir eine super spannende Figur zu sein. Und ich finde seinen Idealismus cool. Ich finde das Kämpferische von ihm cool.
Johannes Franke: Aber genau deswegen habe ich in meinem Eintagstext auch das geschrieben. Der darf vor allem moralisch integer dastehen, Was schade ist. Warum darf der nicht mehr machen? Warum darf der nicht einen eigenen... Einen eigenen Kampf aus, inneren Kampf ausfechten, außer nur den um die Welt.
Florian Bayer: Aber wir erfahren ja, dass er erfährt. Also, es gibt diesen Moment, wo wir wissen, er weiß, dass zwischen Ilsa und Rick was war. Ja. Und er weiß das ganz eindeutig. Und er versucht sie auch zu konfrontieren, und sie ist ja so, Mann, da hinten ein Eichhörnchen.
Johannes Franke: Aber er ist so schnell und sofort so, du, ich weiß, was da ist, wir leben die gleiche Frau, alles in Ordnung, Ich hab kein Problem damit.
Florian Bayer: Findest du ihn zu gut? Also ist er zu perfekt? Ja. Ich weiß es nicht. Lass ich mal überlegen. Er hat wenig Ecken und Kanten. Also Seine einzige Kante ist die Narbe, die er hat. Ja. Wir erfahren halt auch, ich meine, Das ist natürlich auch, so Krass. sympathieweckend, dass er im Fucking Konzentrationslager eingeschlossen war und echt Scheiße durchgemacht hat. Sie haben ihn anscheinend gefoltert, weil er sagt irgendwann zu dem Strasser, naja, Wenn Ihr es im Konzentrationslager mit diesen Krassen Mitteln nicht geschafft, habt, mich dazu zu kriegen, Namen rauszugeben, glaubt Ihr jetzt Hier In unserem Planker gebe ich Namen raus?
Johannes Franke: Genau. Aber ja.
Florian Bayer: Es gibt ja diesen emotionalen Trouble, den er hat. Also wir sehen ja, wie er Ilsa anguckt, wie er Rick anguckt, wie er versucht zu sortieren, Was da passiert, ist. Und dann macht er was. Ist seine Reaktion ja unglaublich progressiv, dass wir keinen verletzten, männlichen Stolz haben und kein männliches Ego. Diese ganzen toxischen Männlichkeitsdinger, oh, jetzt müssen wir uns duellieren, jetzt müssen wir gucken, wem? Die Frau gehört, weil sie ist ja ein Besitztum und kein Mensch. Das ganze Zeug ist bei ihm nicht da.
Johannes Franke: Was ich total gut finde an sich, SO als... Menschlicher Zug. Aber dadurch, dass du nicht seine Geschichte erzählst, wie kommt er da hin, was sind seine Gedanken dazu? Oder sowas, du erzählst das alles nicht. Du siehst nur das Resultat und deswegen hast du da keinen Andockungspunkt. Deswegen ist die Figur bei Bogart, was für den Film vollkommen in Ordnung ist. Aber, Und ich glaube auch, wenn wir das größer machen würden, was da passiert bei Victor. Wäre der Film anders und vielleicht gar nicht mehr so gut, weil er seinen Konzentrationspunkt verliert, weil wir dann anfangen, auszufransen oder sowas. Könnte ich mir vorstellen. Aber da ist Potenzial, da wäre potenzial als stärkere Sympathiefigur. Ja,
Florian Bayer: wo wir ihn halt glänzend sehen, wo wir ihn emotional erleben, ist weniger in Bezug zu Ilsa. Und mehr in Bezug zu seinen politischen Idealen. Natürlich. Immer, wenn er mit einem Nazi redet, immer, wenn er eine kleine Handlung macht, die irgendwie so dieses Freiheitsmotiv hat, Dann merken wir, was für eine Leidenschaft in diesen Menschen drin, steckt.
Johannes Franke: Ja, ja, auch eine klare Haltung. Und auch immer genau zu wissen, was sage ich hier? Was ist meine Haltung dazu? Was will ich? Das ist schon gut und das ist sexy, natürlich, klar.
Florian Bayer: Und es ist nicht nur sexy, sondern es ist halt auch, Er ist nicht der spießige Langweiler, der neben dem coolen... Bogart steht. Aber so könnte er gelesen sein. Genau, so könnte er gelesen sein. Ich hatte das auch ein bisschen in Erinnerung. So ist es aber nicht. Ich finde, er ist nicht... Das ist so naheliegend, dass man sagt, Wir haben hier den wilden Rock'n'Roller und wir haben hier den vernünftigen Spießer. Bogart, Viktor. Aber so ist es nicht. Weil er ist ein Kämpfer. Er ist ein Freiheitskämpfer.
Johannes Franke: Aber ich nehme an, dass wir auch aus unserer Perspektive jetzt nochmal andere Sachen da sehen.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Wobei den Kämpfer hätte man auch damals schon so in der Form gesehen und wäre auch als Kämpfer, als Mann, als echter guter Mann, auch damals schon anerkannt und vielleicht sexy. Aber ich sehe dann halt dann noch mehr dieses Queere, was da vielleicht noch sein könnte. Jetzt haben wir uns ein bisschen in diese Richtung verzettelt. Wo wollen wir denn weiter wieder einsteigen?
Florian Bayer: Also, wir waren bei Sam.
Johannes Franke: Und zwei Stunden waren wir mal bei Spin and
Florian Bayer: X. Kommen wir nochmal kurz zurück zu sprechen, weil wir haben jetzt, also? Victor ist ein Held. Ja, okay. Wir haben die heldenhaften Momente von Rick. Also diesen richtig schönen Moment, wenn diese junge Ungarin zu ihm kommt und sagt. Und durch die Blumen erzählt, dass offensichtlich Renaud mit ihr Vögeln will, um ihr die Papiere zu geben.
Johannes Franke: Und Fucking zur Hölle, Der sagt später, Renaud sagt später, warum mischst du dich in meine Romanzen ein? Ja. Und ich denke, wie kannst du das fucking, wie kannst du? Fucking? Vergewaltigung auf Romanze reduzieren? Wie Krass ist das denn, Alter?
Florian Bayer: Und dann lässt Rick ihren Ehemann gewinnen beim Roulette. Was für ein Cockplock. Was für ein toller Cockplock. Setz auf die 22.
Johannes Franke: Zweimal die 22, um allen im Raum Platz zu machen,
Florian Bayer: dass das Ding überhaupt nicht auffällig ist. Der Besitzer der Bar steht hinter einem. Sagt einem, auf welche Nummer man setzen soll. Die Nummer fällt zweimal. Maybe. Just maybe.
Johannes Franke: Vielleicht kann ich hier gar nicht gewinnen. Es sei denn, ich hab was mit dem Chef des Ladens.
Florian Bayer: Wir haben einen Rick, der ohne jeden, ohne große Widerstreben. Diese Papiere annimmt, die geklaut sind.
Johannes Franke: Ja. Wobei man noch nicht weiß, warum.
Florian Bayer: Nee, genau.
Johannes Franke: Also, Die Motivation ist noch nicht so klar.
Florian Bayer: Ja. Dann haben wir natürlich auch Rick, der seinen Naja, Freund ist. Das falsche Wort, der seinen Geschäftspartner, Senior Ugarte, ans Messer liefert und sagt, Ich mach mal, du hast mein Neck out for nobody. Ja,
Johannes Franke: I stick my neck out for nobody.
Florian Bayer: Und wir erfahren später, dass Ugarte gestorben ist. Also schon mit einer krassen Konsequenz auch. Natürlich. Ansonsten haben wir Rick halt, der immer wieder betont, wie zynisch und unpolitisch er ist. Und immer doch wieder so kleine politische Sachen macht.
Johannes Franke: Natürlich, ja, ja.
Florian Bayer: Wo wir merken, okay, Er ist ein Fan von der französischen Nationalhymne. Ja, krass. Ein Fan von den Nazis. Und der hat offensichtlich für die spanische Republik gekämpft. etc.
Johannes Franke: Ja, aber wieder, Wir sehen einen Wandel bei ihm.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Bei Victor nicht so. Aber sein Wandel ist ja der Wandel, den wir im Film sehen wollen. Wir wollen ja sehen, wie der arme, Gemartate Mensch, der verlassen wurde nach zwei Wochen Affäre, Es schafft aus seinem Trunken Bolztum, was auch immer, da wieder rauszukommen. Und diese diese betrunkene Szene da, Die verkauft uns natürlich die Beziehung zwischen Sam und ihm. Weil sam ja wirklich zu ihm kommt und sagt, willst du nicht langsam? Nach Hause gehen? Willst du nicht lieber dich hinlegen, statt hier zu saufen? Und dann sich weigert, nach Hause zu gehen, solange Rick da sitzt und sauft. Finde ich total schön für die beiden. Aber ich denke die ganze Zeit, Alter, komm drüber, reiß dich zusammen. Also, Meine Güte.
Florian Bayer: Wir haben immerhin einen heulenden Rick, ne? Ja,
Johannes Franke: ja, immerhin.
Florian Bayer: Das ist wirklich im Zentrum des Films. Stimmt, stimmt, stimmt. Er weint.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Wir haben ihn nicht nur da betrunken. An der Bar sitzen, Das ist ja dieses typische Männlichkeits-Klischee. Genau. Nein, er weint. Er bricht weinend zusammen.
Johannes Franke: Okay, das ist eine andere Nummer, auch noch, das muss ich sagen. Also dieses Klischee der leeren Flaschen um ihn herum. Ja. Das ist halt das, wo ich sage, Alter, komm, klar.
Florian Bayer: Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Wenn er weint und... Und Emotionen rauslässt, Ist das eine andere Nummer. Dann denke ich ja, okay, da kümmert sich jemand um seine Emotionen. Aber sich zu saufen, ist keine
Florian Bayer: Emotion. Das ist einfach nur ein toxisches Männlichkeits-Klischee. Mein Gott,
Johannes Franke: was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir? Ich glaube, wir wurden rausgerissen.
Johannes Franke: Aber wohin?
Florian Bayer: Oh Mein Gott, Johannes. Ich befürchte, wir befinden uns in einer Selbstprobung.
Johannes Franke: Oh nein!
Florian Bayer: Ganz schnell, ganz schnell, damit wir zurück zum Gespräch können. Was müssen wir machen? Was müssen wir sagen?
Johannes Franke: Wir müssen den Leuten unbedingt sagen, dass sie uns abonnieren sollen, wo auch immer sie sind, also auf Spotify oder Apple oder sowas.
Florian Bayer: Beam, whatever, Was Ihr auch nutzt.
Johannes Franke: Also Abonnieren und anderen sagen, dass Sie uns abonnieren sollen.
Florian Bayer: Auf jeden Fall. Wenn euch die Folge gefällt, gebt uns gerne Sterne, Herzchen, Daumen hoch, Was auch immer euer Podcatcher anbietet.
Johannes Franke: Genau, Und wenn sie euch nicht gefällt, dann schickt diese Episode weiter an. Eure Feinde oder eure Nachbarn oder so.
Florian Bayer: Und wenn Ihr uns Feedback geben, wollt, Wir freuen uns total. Über jeden Kommentar an JOHANnes.MUSSMANNSEHEN.DE oder florian.mussmannsehen.de.
Johannes Franke: Genau, schickt uns Filmvorschläge und so weiter. Boah,
Florian Bayer: Das soll schnell durchkommen. Ja, jetzt schnell raus,
Johannes Franke: schnell wieder zurück ins Gespräch.
Florian Bayer: Absolut random, Aber ist das nicht eine tolle Szene, wenn er dann nach diesem... Trunkenheitsabend nochmal mit Ilsa redet, bei dem Bazaar und der Verkäufer die ganze Zeit, oh, Freund von Rick, Dann kriegst du hier den Rabatt von,
Johannes Franke: Was ist das Ernteangebot?
Florian Bayer: 700? Auf 100 runter?
Johannes Franke: Das ist super geil, weil es ist so schön, weil dieses, man muss dazu sagen, dieses Gespräch, was er da führt, dieses. Ich entschuldige mich. Und sie nimmt die Entschuldigung nicht so richtig an, weil sie zu verletzt ist. Und so, Das könnte auch eine sehr Boring Szene sein. Ja. Und dass sie eben dann diesen Typen da hinstellen, damit er die Szene auflockert. Ja,
Florian Bayer: absolut.
Johannes Franke: Das wäre eine geniale Idee gewesen.
Florian Bayer: Und ich sag's immer so schön, Die anderen spielen den König. Ja, ganz genau. Und das ist eine von den vielen Szenen, in denen jemand anderes für ihn den König spielt. Ja.
Johannes Franke: Es ist toll. Ach, schön. Vor allem, weil er sich selber in dem Moment ja Klein macht. Ja. Und gleichzeitig von dem Verkäufer wieder hochgehoben wird.
Florian Bayer: Ja. Und sie ist aber auch echt fies. Er war betrunken, sein Herz war gebrochen und sie sagt, ja, ich hab gesehen, der Rick. Ist ein anderer. Der frühere Rick hätte das verstanden. Und du denkst so, ja.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: spielt das eine Rolle, was du ihm angetan hast?
Johannes Franke: Er könnte, ja, also wieder, ne? Ihr habt euch drei Wochen in Paris gesehen. Aber trotzdem könnte sie damit ein bisschen besser umgehen, das stimmt schon. Aber das ist ja auch das Vergnügen, was wir haben beim Gucken, ne? Ihre Entwicklung dann durchzumachen. Was ist mit Ilsa?
Florian Bayer: Wie schätzen wir Ilsa überhaupt ein? Wen liebt Ilsa? Und wie selbst und herzsüchtig ist es, dass sie sam. Dazu bringt, das Lied wieder zu spielen und Rick wieder anzubändeln.
Johannes Franke: Also, sie hat ihn noch nicht wieder getroffen. Das heißt, sie weiß nicht, wie er damit umgegangen ist und kann dieses Lied einmal requesten. Ja. Das geht schon.
Florian Bayer: Das geht auf jeden Fall. Und es ist ja auch, Es ist wirklich eine schöne Erinnerung.
Johannes Franke: Und es ist, also. Sie besteht zwar sehr stark darauf, Man hätte auch gleich sagen können, wenn du nicht willst, dann mach's halt nicht. Was soll's. Aber dann hätten wir diese tolle Szene nicht. Und diese Szene ist so großartig, wie wir auf ihrem Gesicht bleiben.
Florian Bayer: Oh, Wahnsinn.
Johannes Franke: Ich liebe diese Frau für ihre Schauspielkunst. Ich finde es so geil. Vor allem, weil wir nur durch Ihre Stimme, Es ist nur Ihr Spiel, Ihre Stimme, die uns verkauft, dass die eine wahnsinnig intensive Zeit in der Vergangenheit irgendwann mal hatten. Wir wissen ja noch nicht, was es ist. Wir wissen noch gar nichts darüber. Aber nur ihre Stimme sagt uns... Dass es wahnsinnig bedeutend war, was da mal passiert, ist. Ja. Es ist so krass. Sie macht das so gut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall voll. Es ist sowieso in diesen Badszenen, wenn die Menschen sich begegnen und wenn die Menschen etabliert sind, Wir haben sehr viele Shots so auf die Gesichter, und sie erzählen unglaublich viel. Wenn Sie reinkommt und wir sehen Sam, der am Klavier guckt, Oh shit.
Johannes Franke: Oh shit. Der weiß sofort, ach. Ach, du Scheiße, das wird nichts Gutes.
Florian Bayer: Es ist einfach stark. Und dann auch Humphrey Bogart, wenn er ankommt und sie zum ersten Mal sieht, wenn er kommt. Und sagt, Sam, ich hab dir gesagt, du sollst das Lied nicht mehr spielen. Und dann haben wir natürlich auch den Jumpscare-Soundeffekt. Aber dann ist wirklich dieser Blick zwischen den beiden. Und auch wie unterschiedlich. Bei ihm ist es tatsächlich ein pures Erschrecken. Und bei ihr ist es schon so, Sie ist einfach anders damit umgegangen.
Johannes Franke: Ja, genau. Man hat das Gefühl, sie ist sehr gesund, hat das Ganze verarbeitet. Aber das Ding ist natürlich auch, Sie hat danach ein anderes Leben gehabt. Sie konnte sich auch an anderen Gegebenheiten wie ihrem Ehemann festhalten. Und so.
Florian Bayer: Die traumatisierte Ilse haben wir halt auch eher in Paris erlebt. Da ist sie durch den Wind. Rick fragt sie, was ist los und bist du verheiratet oder warst du verheiratet? Und sie sagt, ja, ich war verheiratet, er ist tot und ich will nicht weiter darüber reden. Und wir merken, sie ist irgendwie durch den Wind. Sie hat was durchgemacht.
Johannes Franke: Ja, total.
Florian Bayer: Und auch die Art, wie sie damit umgeht, dass die Nazis jetzt kommen. Es ist anders als bei Rick. Crick. Hat so ganz klar seine, Na, klar, Ich bin im Arsch, weil ich da auf der Seite gekämpft habe und da auf der Seite gekämpft habe. Bei ihr merkt man, dass es tiefer geht, Diese Angst vor den Nationalsozialisten.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und jetzt ist sie nicht mehr traumatisiert, weil sie ihren Mann wieder hatte. Und weil der sich wahrscheinlich verdammt, gut, um sie gekümmert hat. Viktor!
Johannes Franke: Yay! Ich sehe schon, du bist Team Viktor.
Florian Bayer: Ich bin voll Team Viktor. Ich finde es absolut richtig, dass sie am Schluss mit ihm abhaut, aber ich glaube, du auch, oder?
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Nein!
Johannes Franke: Nein! Ich finde, die hätten zu viert, zu viert hätten, die eher Spaß haben sollen. Mit Louis zusammen. In
Florian Bayer: Vichy-Frankreich-Casablanca, wo Sie dann von den Nazis in Konzentrationslager gesteckt werden.
Johannes Franke: Nein, die hätten ja abhauen können, zu viert.
Florian Bayer: Ach, sie hätten zu Viert nach Amerika fliegen sollen. Okay, lass uns gleich nochmal drüber nachdenken. Also, ich stehe auf jeden Fall voll auf deinen Polyamoren-Ansatz. Ich finde es super.
Johannes Franke: Ich hätte auch noch eine Nummer kleiner. Komm, Wir machen das jetzt. Wenigstens einmal darüber geredet.
Florian Bayer: Was ist das perfekte Ende für Casablanca?
Johannes Franke: Ich glaube, dass Louis Renault, oder wie er heißt, ne? Ja. Von Anfang an... Also er sagt ja einmal in dieser Szene so deutlich, wie ich mir das nie hätte vorstellen können, wenn ich eine Frau wäre. Und wenn ich nicht da wäre als Mann, als Konkurrent, dann wäre ich verliebt in diesen Typen. Und ich glaube, er meint das. Und ich glaube, Er meint das nicht nur für sich als potenzielle Frau, Sondern der hat einfach wirklich einen Narren an Bogart gefressen und ist einfach knallhart, verliebt in diesen Typen. Der ist wahnsinnig beeindruckt. Der guckt ihn so oft so beeindruckt an. Das kannst du dir nicht vorstellen. Wir müssten mal einen Supercut davon machen, Welche Blicke er ihm zuwirft. Es ist superschön. Und ich glaube, dass Rick auf der anderen Seite nicht ganz abgeneigt ist.
Florian Bayer: Ja, mit Sicherheit nicht. Die haben ja auch sehr viele Gemeinsamkeiten. Sie sind beide so Halunken.
Johannes Franke: Ich glaube, dass am Ende Rick versucht, Renault zu beeindrucken mit seinem... Plan mit seinem Ding. Die Knarre, die er zieht, ist eigentlich eine Spielaufforderung.
Florian Bayer: Das ist ein Phallus-Symbol. Er richtet seinen Phallus auf ihn. Ich bin voll dabei. Ich finde es total ein Quatsch, aber ich bin voll dabei.
Johannes Franke: Und ich bin ein bisschen stolz, weil ich habe diese Theorie nirgends gefunden.
Florian Bayer: Ich höre das auch gerade zum ersten Mal.
Johannes Franke: Ich finde es so toll.
Florian Bayer: Aber natürlich, weil ja, Wir haben einen Reno, der immer sagt, dass er sich in Rick verlieben würde als Frau.
Johannes Franke: Und er ist... Mehr oder weniger die Femme Fatale in der ganzen Sache.
Florian Bayer: Wir haben auf jeden Fall die Neckereien zwischen den beiden ständig. Das ist absolut das Crewball-Ding. Absolut. So gegenseitig necken mit irgendwelchen Schlagfertigkeiten und auch zeigen, dass hier niemand dem anderen überlegen, ist.
Johannes Franke: Ich muss mal hier in meine Notizen überhaupt reingucken, wo ich das hier stehen, habe.
Florian Bayer: Sowohl Renault als auch Rick werden voll als Hedonisten etabliert, weil wir merken bei beiden, die haben gerne Sex.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Auch wenn das sehr creepy ist, Was Renaud... Ja, Wie Renaud gerne Sex hat. Ja.
Johannes Franke: Ich kann mir auch vorstellen, dass das so ein, wie man es in der Zeit gemacht hat, Man hat, so Alibi-Affären oder Alibi-Sachen, die man dann sagt.
Florian Bayer: Und Rick sagt zu, nee, Renaud, nee doch, Er sagt zu Renaud, als Sie über Sex reden, When it comes to women, you are a true Democrat. Was auch ein Döner-Sprache. Nein, ich bin überzeugt.
Johannes Franke: Ja, also.
Florian Bayer: Ich bin vollkommen, überzeugt. Renault und Trix sind das Traumpaar. Und deswegen ist es ja gut, dass Viktor und Ilse abhauen. Ja, genau,
Johannes Franke: damit ist es so ein bisschen, so, Sie machen den Weg frei für eine offenere Gesellschaft, Auch auf den Krieg bezogen dann. Wir gehen weg vom konservativen Arschloch Hitler, sondern wir gehen ins progressive, offene, Sexuell freie. Ja, ich find's total toll.
Florian Bayer: Okay, Pass auf, also Vorschlag, Und das wäre alles, was getan werden müssten? Nach dem Satz Louis, I think this is the beginning of a beautiful friendship.
Johannes Franke: Was der Satz dafür ist, ne?
Florian Bayer: Die Ergänzung dazu von Louis, Wanna fuck? Ich ende.
Johannes Franke: Super. Perfekt.
Florian Bayer: Wir können es ja auch offen lassen.
Johannes Franke: Wir haben das Ende von Casablanca geändert und es ist nur besser geworden.
Florian Bayer: Und das Beste ist, Mit einer Eichtimme kriegen wir das wunderbar umgesetzt. Wir können ohne... Wir schaffen das ohne jedes Problem. Ich bin voll close da. Einmal von einer Ai Klonen zu lassen und diesen Satz anzunehmen. Und wir brauchen ja nicht mal, Lippenbewegungen oder sowas zu kümmern, weil das haben Sie sich damals auch nicht. Wie schön. Oh
Johannes Franke: Gott. Wenn ihr auf unsere Webseite geht, auf die Folge drückt, dann findet ihr ein Video, das Flo erstellt hat. Ich reite dich gerade rein. Mit diesem Satz, mit der Abschlussszene von Casablanca.
Florian Bayer: Das ist so einfach, ja. Das kriegen wir hin. Das kriegen wir auf jeden Fall irgendwie hin. Und dann Victor und Ilsa entkommen nach Amerika. Ist das gut so? Ich finde, sie sind beide ziemlich glücklich.
Johannes Franke: Natürlich bin ich glücklich, dass irgendjemand es geschafft hat, da rauszugehen. Die beiden, die jetzt da bleiben, die werden es schwer haben. Die werden irgendwo in die Resistance gehen. Die haben viel Kämpferei vor sich. Und ob die das überleben werden, ist so ein bisschen fraglich.
Florian Bayer: Offensichtlich kommt Reno ja mit sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel durch in Casablanca. Und guck mal hier, Der Strasser wurde erschossen, nimmt die üblichen Verdächtigen fest. Und das war es offensichtlich?
Johannes Franke: Ich weiß nicht,
Florian Bayer: ich glaube nicht.
Johannes Franke: Ich glaube nicht, dass das hält. Weil Die Nazis sind zu sehr dahinter, wenn große Leute umgebracht werden.
Florian Bayer: Er sagt ja auch zu Rick, Du solltest besser abhauen. Das hat mich richtig getriggert, diesmal, dass ich die ganze Zeit denke, Aber Rick hat seinen Kaffee verkauft, wie geht es da jetzt weiter?
Johannes Franke: Das mache ich echt fertig. Ja, total.
Florian Bayer: Also, weißt du, Sie hätten in dem Film noch irgendeine Rückzugsklausel oder so einbauen müssen. In die Vertragsverhandlung. Weil ich finde das wirklich schlimm, dass er seinen Kaffee verliert.
Johannes Franke: Nein, aber was wichtig ist, ist, dass ja Rick jetzt der Sugar Daddy sein kann. Für die beiden. Weil Rick ist ja jetzt reich. Der hat ja das Ding verkauft. Er hat jetzt richtig viel Geld.
Florian Bayer: Achso, Aber die war so viel wert. Was hat er, sagen Sie es? Irgendwo was?
Johannes Franke: Nein, aber das muss doch richtig teuer gewesen sein. Und Rick war ein guter Geschäftsmann. Der hat es geschafft, da gut Geld rauszuholen.
Florian Bayer: Okay, ja, ja, okay. Trotzdem, Aber es geht ja nicht ums Geld. Es geht ja um seine Bar. Es geht ja um seine Heimat. Ja. Das ist so ein schöner Ort.
Johannes Franke: Aber was ist Heimat? Heimat ist ja, das ist ja auch die Frage des Films Ein bisschen. Heimat.
Florian Bayer: Ja, stimmt.
Johannes Franke: Ohne,
Florian Bayer: ja, ja.
Johannes Franke: Im Exil, Heimat, wo, was, wie, wer? Wo findest du Heimat dort, wo du Deine ideale findest? Dann ist das Café nicht die Heimat von Bogart. Nee,
Florian Bayer: aber es ist so, Aber da waren alle Menschen, die er geliebt hat. Heimat ist da, wo Menschen sind, die du liebst. Und das war in dem Café, waren alle da. Vor allem Renaud, aber auch Sam.
Johannes Franke: Ja, aber auch Sam, das ist so ein bisschen, Das ist das, was mich viel mehr fuckt, weil sam nicht da ist. Sam ist wichtig.
Florian Bayer: Ja, sam ist voll wichtig.
Johannes Franke: Oh, darüber habe ich nicht so genug nachgedacht und jetzt bin ich heartbroken. Was ist mit Sam?
Florian Bayer: Also Sam kommt auf jeden Fall klar. Sam braucht nur ein Klavier. Und Sam ist so eine sympathische Figur. Und wir merken offensichtlich, jeder, der sich mit Sam zwei Minuten unterhalten hat, liebt diesen Mann. Finden wir Ferrari cool? Ist es okay, dass Ferrari jetzt das Ding besitzt und vertrauen wir Ferrari?
Johannes Franke: Fifty-fifty Würde ich sagen. Also auf der einen Seite hat eben Bogart, also Rick, ihm das anvertraut. Also muss es irgendeine Verbindung geben, die es rechtfertigt. Auf der anderen Seite hat der Sätze gesagt, wo man denkt, okay, das Ding, Also. Der geht ja auch nur auf seine eigenen Vorteile.
Florian Bayer: Ja, wir haben das Gefühl, also? Rick macht ja sehr stark, dass er Ferrari wirklich vertraut. Und vielleicht, Keine Ahnung.
Johannes Franke: Wie sieht dieser Film, nur ganz, Ganz hypothetisch, Wie sieht dieser Film aus, wenn man ihn um 25 Minuten kürzt? Und die ganze politische Zweiter Weltkrieg-Nazi-Geschichte rausnimmt?
Florian Bayer: Viel schwächer.
Johannes Franke: Haben die Deutschen gemacht. Ich weiß.
Florian Bayer: Und wir haben es lange durchgezogen.
Johannes Franke: Fuck, Alter,
Florian Bayer: warum? Don't mention the war.
Johannes Franke: Ist erst in den 70ern rausgekommen, oder?
Florian Bayer: 72,
Johannes Franke: 75? 75, 75. Mann, 25 Minuten rausgenommen. Viktor Laszlo ist im Dialog umgeschrieben worden als Atomphysiker, der auf der Flucht vor Interpol ist. Und ich glaube, ich habe diese Version tatsächlich mal gesehen.
Florian Bayer: Ich habe die nicht gesehen.
Johannes Franke: Ich habe nämlich Erinnerungen daran, glaube ich. Aber als Kind irgendwie so. Ja. Und das ist super seltsam.
Florian Bayer: Komplett rausgestrichen, Strasser?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht.
Florian Bayer: Die Nazis sind einfach nicht mehr präsent. offensichtlich.
Johannes Franke: Also zumindest dialogisch, also kann ja sein, dass er eine andere Figur geworden ist, Aber die Uniform ist ja auch recht deutlich. Ja, also deswegen 25 Minuten weggekürzt und irgendwas, eine Abomination daraus gemacht, die wirklich, Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktioniert.
Florian Bayer: Und warum haben Sie es gemacht? Weil sie nicht an die Nazis erinnert werden.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: Gestern war Deutsch Vergangenheitsbewältigung.
Johannes Franke: MEINE Güte, JA toll, Super Umgang damit.
Florian Bayer: Gott sei Dank, dann 1975, nee, nee. Wir machen jetzt mal.
Johannes Franke: Die ARD hat sich eingesetzt. Die hat eine Ausstrahlung gemacht. Die hat eine eigene neue Synchro davon gemacht. Super. Und in der DDR gab es den Erst 1983.
Florian Bayer: Krass, ne? Unglaublich. Fuck, Alter. Was ganz wichtig ist, Casablanca war einer von vielen Filmen, als der gedreht wurde. Wir haben schon gesagt, das gute alte Studio Hollywood hat Filme am Fließband produziert. Und alle Beteiligten, Auch der Regisseur, waren Jobarbeiter. Die sind von Film zu Film gerusht. Ja,
Johannes Franke: ja. Und dieser Film war auch wirklich nicht so gedacht als das große, Besondere Ereignis oder sowas. Es war wirklich einer von diesen vielen Filmen, die man so macht.
Florian Bayer: Mit einem Budget von über einer Million waren sie dann am Schluss, weil sie das Budget einfach überzogen haben.
Johannes Franke: 75.000 haben Sie überzogen, ja.
Florian Bayer: Und dann war das ein solcher Erfolg. Und zwar von Anfang an. 1944 für acht Oscar-Nominierte.
Johannes Franke: Ja, drei bekommen, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, also nominiert war er bester Hauptdarsteller, BESTER Nebendarsteller, BESTE Schwarz-Weiß-Kamera, Bester Schnitt, Beste Filmmusik. Und er wurde ausgezeichnet für bester Film, Beste Regie und bestes adaptiertes Drehbuch. Und zwar alle drei, also sowohl die Epstein-Brüder als auch Howard Koch.
Johannes Franke: Ja, aber nicht der andere, der die Schmonzetten reingeschrieben hat. Der ist uncredited.
Florian Bayer: Der Film ist dafür verantwortlich, dass unser Hal B. Welles, der den Film gemacht hat, bei Warner Abgehauen ist. Ach. Es gab die Oscar-Verleihung.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ach so. Der Film wurde aufgerufen. Stimmt. Er will nach vorne gehen und dann kommt Jack Warner angerannt und sagt, nee, ich bin hier der große Anti-Nazi, Ich bin verantwortlich für den Film. Zur Seite. Rempelt ihn zur Seite, schubst ihn auf den Boden, spuckt noch einmal auf ihn drauf und nimmt dann den Oscar entgegen und jubelt. Ganz so war es nicht, aber er ist auf die Bühne und Wallace war richtig, richtig doll eingeschnappt.
Johannes Franke: Er hat sich sein Leben lang nicht davon erholt. Wallace hat immer... Immer wieder noch davon gesprochen, wie schlimm und schrecklich. Das war.
Florian Bayer: Und ich kann es verstehen, weil also allem, was man liest, wenn, wie gesagt, Das war ein Großprojekt mit vielen Leuten, die daran beteiligt waren, Wenn es eine kreative, treibende Kraft gab, dann war es am ehesten Wallace. Und das war üblich bei den Studiofilmen. Die Produzenten, Es gab so, Es waren keine Autorenfilme, Aber es gab meistens so einen Produzenten, der so sehr das Schicksal dieses Films gelenkt hat. Und in diesem Fall war es Wallace. Auch wenn auch zehn andere Produzenten und dann noch verschiedene Drehbuchautoren daran beteiligt waren. Und dann wurde das so ein riesiger Erfolg und vor allem auch wirklich ein Klassiker. Also der Auftaucht in Filmen, wenn es darum geht, die besten amerikanischen Filme zu finden.
Johannes Franke: Und wie oft irgendwelche Figuren in anderen Filmen im Kino Casablanca gucken, kann man auch nicht mehr mit den Fingern abzählen. Weil das einfach der Klassiker ist.
Florian Bayer: Wann hast du denn den Film zum ersten Mal gesehen? Auch als Kind?
Johannes Franke: Ich muss ihn irgendwann als Kind gesehen haben. Und zwar in dieser verstimmelten Version, wenn ich mich irgendwie erinnere daran. Und... So richtig bewusst, auf jeden Fall mit 14, 15 schon wieder und dann mit 20 nochmal. Und also Das ist eine Konstante in meinem Leben. Jetzt habe ich ihn vielleicht zehn Jahre nicht mehr gesehen, aber vorher echt öfter.
Florian Bayer: Ja. Ich habe ihn auch als Kind das erste Mal gesehen. Ja. Und dann auch, Es ist so ein bisschen eine Konstante, Das ist halt auch ein Film, der immer mal wieder im Fernsehen gelaufen ist. Definitiv ein Film, den ich öfter auf Deutsch gesehen habe als im Originalton.
Johannes Franke: Ja. Ja, ja, ich auch.
Florian Bayer: Fun Fact übrigens zum Thema Deutschen Originaltour. Sie wollten das Horst-Wessel-Lied eigentlich nehmen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Für diese Klavier-Szene, wo dann die Massejese reinbricht. Und sie haben es nicht gemacht, weil Sie keine...
Johannes Franke: Die rechte Freigabe war nicht, ja.
Florian Bayer: Sie wollten nicht Tantiemen zahlen müssen an die Nazis, wenn Sie schon einen Anti-Nazi-Film machen. Ja, und ich habe diesen Film schon immer geliebt. Also ich glaube, wenn ich meine Top-Listen, also wenn ich jetzt auf meine Top-Liste Die besten Filme aller Zeiten gucke aus dem Jahr, keine Ahnung, Das letzte Mal habe ich die Liste wahrscheinlich vor 10 Jahren oder 15 oder 20 Jahren gemacht, dürfte er in den Pop... 20 stehen. Ja,
Johannes Franke: ja, ja.
Florian Bayer: Vielleicht sogar Top Ten. Vielleicht nicht, weiß ich nicht.
Johannes Franke: Wusstest du, dass Ronald Reagan als Rick vorgesehen war, zwischendurch? Is it true? Nein!
Florian Bayer: Ich habe es nämlich auch gehört, Das Gerücht, Das wabert schon seit Jahren durch die Filmgeschichte. Und woran lag es? Es war einfach ein Promo-Gag von Agenten von Reagan.
Johannes Franke: Es war damals relativ üblich, weil man dieses Studiosystem hatte und Schauspieler quasi besaß, dass man dann so... Besetzungslisten rausgegeben hat, auf denen Schauspieler standen, die überhaupt nicht vorgesehen waren, die man aber versuchen wollte, so ein bisschen mit Publicity zu füttern, Damit man vielleicht für den nächsten oder übernächsten Film diesen Schauspieler nehmen kann. Damit er schon ein bisschen berühmter ist. Damit man schon mal im, also, so die Yellow Press, schon mal darüber geredet hat, dass dieser Schauspieler existiert und dass er vielleicht hätte Rick spielen können. Völliger Quatsch. Stand nie ernsthaft auf irgendeiner Liste.
Florian Bayer: Gut zu wissen. Wie historisch Akkurat ist das ganze Ding? Uh,
Johannes Franke: jetzt wird's spannend. Weil ich mich nämlich auch beim Gucken gefragt habe, ja, Die Nazis hätten doch einfach sofort zugegriffen und das war's.
Florian Bayer: Würde ich auch sagen und ist auch so. Also ganz banal, Dieses ganze Visa-Ding ist komplett Bullshit, MacGuffin, whatever. Natürlich gab's Flüchtlinge, die nach Amerika wollten, weil sie gar nichts mit den Nazis zu tun haben wollten.
Johannes Franke: Ja, na klar.
Florian Bayer: Wie die Ungarn, die wir hier haben und so weiter. Aber das waren keine... Politischen Flüchtlinge in dem Sinne, Dass sie Angst hatten, dass sie auf Fahndungslisten standen und das waren einfach Leute, die raus wollten, weil sie Angst hatten. Und der Arm der Nazis hat sehr weit ins Vichy-Frankreich reingereicht. Ich finde es gut, dass das hier auch thematisiert wird, Weil das ist ein ganz dunkles Kapitel der französischen Geschichte, Diese Kollaboration des Vichy-Frankreichs und von dem General Paderne, den wir am Anfang auch auf diesem großen Plakat sehen, wenn jemand erschossen wird. Das war einfach so. Die Franzosen haben, nachdem sie, nachdem die Franzosen den Krieg verloren hatten, in dieser Anfangsphase, wo die Deutschen einfach über alles drübergerollt sind, was Sie gegriffen gekriegt haben, gab es dieses Vichy-Frankreich. Es gab das besetzte Frankreich und das Vichy-Frankreich war quasi das unbesetzte Frankreich, Aber in Wirklichkeit war es einfach. Frankreich unter einer Herrschaft von einem Kollaborateur, der gesagt hat, ja, Nazis, Wir arbeiten jetzt, mit denen zusammen. Und dann gab es die Widerstandsgruppen, Die Renaissance, die Ressistance im Untergrund.
Johannes Franke: Und deswegen darf man aber auch nicht unterschätzen, was dieser Film macht. 1942. Aktuell. Aktuell Leute, also einfach eingegriffen Mehr oder weniger, so als Kommentar. Leute, wisst ihr, Was hier passiert? Wisst ihr, was Ihr hier macht? Und es war, also. Die Leute konnten sich live noch dabei zusehen, wie ihnen vor die Füße gekackt wird. Also man weiß das nicht mehr, wie aktuell. Das ist, wenn man sowas genau in dem Moment macht.
Florian Bayer: Es ist total krass, Es ist ein Stück Zeitgeschichte. Es ist auch einer der wenigen Filme aus der Ära. In denen Nazis eine Rolle spielen und Konzentrationslage erwähnt werden. Das war kein großes Thema damals, aber man wusste, dass es die Dinger gibt. Man wusste auch, dass da schlimme Sachen passieren von Leuten, die geflohen sind. Aber natürlich war dieses Völkermordsding, das war damals nicht so präsent.
Johannes Franke: Aber ein kleiner Vergleich, wenn man heute über Donald Trump so einen Film machen würde, der dann 70 Jahre, 80 Jahre, 90 Jahre später. Als absoluter Klassiker gilt. Also... Nur mal so als kleine Anregung in meinem Kopf. Bei mir ist der Kopf explodiert, weil ich gedacht habe, wer würde sich heute so einen Film trauen?
Florian Bayer: Naja, Es gibt ja den, Ich habe ihn nicht gesehen. Hast du ihn gesehen, den Apprentice-Film?
Johannes Franke: Nee, habe ich nicht gesehen.
Florian Bayer: Aber der offensichtlich wenig mit Trumps Politik zu tun, hat. Ja, genau. Seine ersten Schritte als Immobilien-Mogul, whatever. Als reiches Kind. Ja, als reiches Kind. Reichen Elterntag, Sagen wir, wie es ist.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich, den Faschismus zu greifen. Während er passiert, ist manchmal gar nicht so einfach. Ja. Und vor allem richtig, in seiner ganzen Bösartigkeit darzustellen. Jetzt sind wir schon wieder, Das war schon bei Cabaret, so deprimierend. Und ich finde es, heute will ich eigentlich nicht das deprimierende Gespräch führen, darüber, dass wir die Gefahr haben, dass der Faschismus wiederkommt. Einfach, weil dieser Film eine Begrüßung gibt. Das Gespräch zwischen Rick und Victor am Ende. Und Victor sagt, Willkommen zurück im Widerstand. Und jetzt weiß ich, wir werden gewinnen. Weil, das Weil wird nicht gesagt, aber wir wissen das, weil, weil so jemand wie Rick.
Johannes Franke: Auch die auch die seinen seinen Idealismus wieder entdecken kann und auch seine Verantwortung auch den großen Unterschied unter Umständen darstellt. Und Trick ist ja in dem Moment unter Umständen einfach eine Symbolfigur für Amerika und die, dass der Appell an Amerika macht. Sie Rick kommen in den in den Krieg und und kümmert sich Ja weil. Kriegseintritt ist noch nicht gewesen, Amerika war noch doch aber gerade erst.
Florian Bayer: Genau, gerade erst.
Johannes Franke: Aber als sie den Film geschrieben haben, war es noch nicht so. Nee,
Florian Bayer: als die Ricks Café, ES war... Also Das Theaterstück wurde geschrieben, Da war noch nicht Kriegseintritt. Aber als Warner Brothers sich dazu entschieden, hat, das Ding zu drehen, war Kriegseintritt. 1941 war der Angriff auf Pearl Harbor, und dann war schon ziemlich klar, Dezember 1941 und 1942. Haben Sie das Teil gedreht. Das heißt, Die Amerikaner waren ganz frisch im Krieg. Aber als das... Als das Theaterstück geschrieben wurde, war Krieg noch nicht drin. Und es gab trotzdem, und das vielleicht auch noch dazu gesagt, Die USA waren im Krieg, Aber dieser Streit zwischen Isolationisten und, wie nennt man es, Kriegseinmischern, Ich weiß den Begriff gerade nicht, der war natürlich damals auch noch präsent. In Amerika der 30er und 40er Jahre gab es sehr, sehr, sehr, sehr viele Nazi-Fans. Das darf man nicht unterschätzen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und der Grad zwischen... Zivilisation und Barbarei ist ein sehr schmaler Grad, das darf man auch nicht vergessen. Und dieser Film zeigt uns aber, dass alle die, die zur Barbarei auch tendieren könnten, wie Renault, wie Rick, wie Ferrari, Dass die sich trotzdem für das Richtige entscheiden können und dass es vielleicht gar nicht so viel braucht. Es braucht vielleicht nur einen Sam und man entscheidet sich für das Richtige. As time goes by.
Johannes Franke: Eine liebevolle Umarmung und ein gebrochenes Herz. Was ich schön finde, auch am Ende für Rick, wenn man jetzt mal wieder in die klassischere Interpretation geht, dass Rick es schafft, seine Selbstbestimmtheit wieder zu erlangen. Weil aus Paris ist er abgereist, ohne dass er beeinflussen konnte, ob er alleine reist oder nicht. Und hier kann er selbst entscheiden. Hier kann er endlich sagen, okay, ICH Ich habe meine Autonomie wieder. Ich entscheide mich dafür, die Frau gehen zu lassen. Was ich ein bisschen problematisch finde, ist natürlich dieses Rick, Ich kann nicht mehr richtig denken. Du musst das jetzt für uns alle übernehmen. Aber das Mal dahinter.
Florian Bayer: Mann, Mann, Mann, Mann, Mann. Frau, Frau, Frau, Frau, Frau. Mann, Mann, Mann. Frau, Frau, Frau. Mann.
Johannes Franke: Genau. Oh, fuck, Alter. Ja, das fand ich ein bisschen... DAS ist... Ah, aua. Aber das ist auch die Zeit. Was soll's. Ja, und dass Rick dann eben seine Autonomie wieder kriegt, das finde ich schön.
Florian Bayer: Und ich finde es gut, dass Renaud am Schluss nochmal zu ihm sagt, wanna fuck? Das gibt dem Ganzen nochmal diese... Genau,
Johannes Franke: genau.
Florian Bayer: Schaffen wir es jetzt so Gaslighting-mäßig, unseren eigenen Mandela-Effekt aufzubauen, Dass das Publikum irgendwann glaubt, dass genau dieser Dialog stattfindet?
Johannes Franke: Ich bin mir sicher, das schaffen wir. Gar kein Problem, Flo.
Florian Bayer: Lass uns dran, arbeiten, während wir auf unsere Top-Listen schauen.
Johannes Franke: Okay. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Ja, was haben wir für eine Liste? Du hast einen Vorschlag gemacht für ein Thema für eine Top 3 Liste.
Johannes Franke: Wir haben eine Top 3 Musikstücke, Die Erinnerungen triggern. Ich weiß nicht, wie ich dir das geschrieben habe oder ob das nicht mehr mit dem übereinstimmt, was ich geschrieben habe.
Florian Bayer: Ich glaube, du hast einfach geschrieben. Top 3 Songs, Lieder, Die dich an eine bestimmte Zeit in deinem Leben erinnern. Und wie war diese Zeit für dich?
Johannes Franke: Genau. Also eine sehr persönliche Top-Dreh. Also gar nicht so sehr, Wir machen jetzt eine Liste von Filmen, sondern tatsächlich so, Ich weiß nicht, ob es euch auch so geht, aber mir geht es, so, Ich habe Filme abgespeichert, mit einer bestimmten Zeit in meinem Leben.
Florian Bayer: Songs.
Johannes Franke: Songs.
Florian Bayer: Du willst Songs, nicht Filme, oder?
Johannes Franke: Ja, genau, Songs.
Florian Bayer: Gut, gut, gut.
Johannes Franke: Ich habe Musik abgespeichert, mit bestimmten Zeiten in meinem Leben und dann hört man die Musik sehr intensiv, sehr viel, sehr oft. Und dann plötzlich ist die Musik weg, weil man irgendwo auf was anderes gestoßen ist. Und dann geht die Zeit vorbei. Und plötzlich erinnert man sich, wenn man diesen Song wieder hört, an eine ganz bestimmte Zeit.
Florian Bayer: Ja. Ja.
Johannes Franke: Und du hast auch eine Top 3 zusammengestellt.
Florian Bayer: Ich habe eine Top 3 zusammengestellt.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Mein Platz, ich muss kurz einmal sortieren. Nee, ich glaube, ich mache, es so. Ja, das passt besser, glaube ich. Das ist doch, das ist näher dran an dem. Mein Platz 3, Ted Red, l'an de Mer, eine französische Rock-Punk-Pop-Rock-Chanson-Band. Ja. Und das habe ich ganz viel gehört. Ich war jetzt relativ frisch mit meiner Freundin zusammen.
Johannes Franke: Ja. Die jetzige.
Florian Bayer: Mit meiner jetzigen Freundin. Und sie war in Frankreich, und dann bin ich sie besuchen. gefahren. Und dann haben wir da irgendwie ganz viel Ted. red. gehört, Weil irgendein Kollege von ihr, der aus Frankreich kam, die Band empfohlen hat. Ich hatte vorher noch nie von der Band gehört. Und dann lief das die ganze Zeit. Und das ist... Das war so eine lebensfrohe Musik. Und dann waren wir halt in Frankreich unterwegs und haben diesen Song gehört. Also nicht nur diesen Song, sondern das ganze Album. Also eigentlich müsste ich sagen, das ganze Album Laudemare. Und immer, wenn ich die höre, habe ich diesen Geruch in der Nase von den französischen Alpen. Dieses Gefühl von, weiß nicht, Es hat sich sehr unbeschwert angefühlt. Es war vielleicht auch, weil ich war... Also, es war zum einen die... Relativ junge Beziehung und zum Zweiten, dass ich so in einer sehr krassen Übergangsphase in meinem Leben war. Von Studium Dies und das und Beruf Dies und das hin zu einem etwas festeren Beruf. Und es war so, Es hat sich so sehr sorgenfrei angefühlt. Das war eine ziemlich coole Phase in meinem Leben.
Johannes Franke: Ich finde es toll, wenn Musik so sorgenfreies Gefühl mitbringt, dass man plötzlich mal für einen Moment, für den Moment des Songs oder sowas sich wieder sehr sorgenfrei fühlt.
Florian Bayer: Und das löst die Musik immer noch in mir aus, wenn ich die höre, erinnere ich mich daran. Und es fühlt sich so sehr an wie, Es gibt gerade nichts, worüber man sich Gedanken machen muss, es ist einfach schön.
Johannes Franke: Oh schön. Ich habe auf Platz 3, ich bin ja ein großer Fan von 20er Jahre, so Goldenen. 20er Mode, Dieses Gefühl von Tanz auf dem Vulkan, Auch wenn mit Cabaret neulich so ein kleines bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, durch seine Konnotation mit den Nazis. Möchtest Du noch T-Blo? Du hast so reingeschaut.
Florian Bayer: Sehr gerne, ja.
Johannes Franke: Geben wir dir eine Tasse her. Und wir haben hier in Berlin 20er-Jahre-Partys von Inga Jakob bzw. Else Edelstahl, die die Bohème Sauvage eingeführt hat, in Berlin. Das ist schon sehr, sehr viele Jahre her, dass die damit angefangen hat. Die hat damit angefangen in ihrem Wohnzimmer. Da haben wir einfach nur 20 Leute eingeladen. Zieht euch alle nach 20er-Jahre an? Und dann machen wir hier Party mit der entsprechenden Musik. Und es ist sehr schnell Tradition geworden. Einen ganz bestimmten Rausschmeißer zu spielen. Der DJ hat einen ganz bestimmten Song, um die Leute. dann, ja, jetzt ist es langsam vorbei, 4 Uhr nachts. Und ich weiß nicht, wie du 4 Uhr nachts drauf bist, wenn du Party gemacht hast. Aber dieses Gefühl ist sehr besonders. Das ist ein sehr besonderes Gefühl, wenn du die ganze Zeit getanzt hast, wenn du Spaß hattest, wenn die ganze Zeit laute Musik lief, wenn du ein bisschen Alkohol getrunken, hast. Und ich weiß nicht, ob das auf einem Rave genauso sein würde wie auf einer 20er-Jahre-Party. Aber Sie haben immer... Roxanne aus Moulin Rouge gespielt. Dieses Roxanne. Und dazu haben wir dann immer getanzt. Und einen letzten Song zu tanzen, und immer diesen. Und auf eine ganz bestimmte Art und Weise, weil der sehr dramatisch ist und sehr tango und so. Und ich bin nicht mehr oft auf dieser Party, was schade ist, Was traurig ist, weil ich die Zeit nicht mehr so richtig habe. Und weil irgendwie andere Sachen auch wichtig geworden sind, die das Ganze ein bisschen verdrängen. Und es macht ein total schönes Gefühl auf, wenn ich diesen Song wieder höre.
Florian Bayer: Wenn Du ihn in diesem Kontext hörst oder auch außerhalb von diesem Kontext?
Johannes Franke: Natürlich außerhalb des Kontextes. Weil in dem Kontext höre ich ihn leider nicht mehr so. Okay.
Florian Bayer: Ja, cool. Mein Platz zwei. Chinggis Khan, Moskau.
Johannes Franke: Nein!
Florian Bayer: Wenn es einen Song gibt, der mir dieses Gefühl gibt, von. Ich bin ein Kind und ich bin auf irgendwelchen Volksfesten unterwegs. Oder in Gemeindefesten oder so. Also, ich bin ja in einem sehr katholischen Gebiet aufgewachsen. Ja. Und bei uns war die Gemeinde sehr... Hat eine große Rolle gespielt bei Festen. Also vor allem bei Festen und so was. Und Freizeitbeschäftigung auch. Ich hab das ganze Zeug mitgemacht. Ich hab das einmal durchgespielt. Ich war Messdiener, Pfadfinder. Und dann in Jugendclubs, die von der Kirche quasi gesponsert waren und so weiter. Und es gab unglaublich viele Feste. Es gab irgendwie, alle paar Wochen gab es irgendein Fest. Und dieses Gefühl, von, als Kind auf diesen Festen rumzulaufen. Die Erwachsenen sind alle so halb betrunken. Und man ist auch so ein bisschen, weniger beaufsichtigt dadurch, dass die Erwachsenen ihr Ding machen. Und dann laufen halt einfach die Schlager. Und so im Rathauskeller, im Volksheim, wie auch immer man das nennen will. Da, wo halt das Fest ist und einige singen mit und einige tanzen. Man als Kind tanzt dann halt auch so ein bisschen Ungelenk und so. Und Moskau von Genghis Khan ist irgendwie das Lied, was ich am ehesten mit dieser Stimmung verbinde. Und das ist tatsächlich auch so ein Gefühl von... Als Kind so ein bisschen mehr von der Welt zu verstehen, dadurch, dass man sieht, dass um einen Herum alle am durchdrehen sind.
Johannes Franke: Okay, cool. Wow. Ja, so richtig weit. In meine Kindheit geht es bei mir nicht zurück. Ich habe noch eins, wo ich 16, 17 war. Platz 2. Jan Thiersen, Der hat ganz, ganz tolle Alben aufgenommen. Man kennt ihn vor allem aus fabelhafte Welt der Amelie als Musiker, der, die für Musik gebracht hat, wo ihn viele, viele Lieben gelernt haben, Aber er hat auch einfach sehr, sehr andere Musik gemacht. Und es gibt auf dem Album, das ich nie aussprechen kann, La Parade. Oder wie das ausgesprochen wird, La Parade. Wie spricht man das Französisch aus? Wie spricht man Parade? La Parade?
Florian Bayer: Keine Ahnung. Einfach gestern.
Johannes Franke: Das ist der zweite Track von dem Album L'Absent. Und ich fand den Song so, so toll, dass ich ihn ständig gehört habe. Und er zieht vor allem in eine Zeit hinein, in der ich mit meiner Mutter damals noch, Wir sind zusammen nach Schweden gefahren, jedes Jahr. Und das war eine großartige Zeit. Und da war ich gerade so auf dem Trip. Als Jongleur und Zauberer auf der Straße zu stehen und Leute zu unterhalten und Spaß zu haben. Und so. Und das habe ich in Schweden viele Jahre Sommer gemacht. Und meine Mutter hat dann mich da hingestellt, in Schweden auf die Straße. Und hat gesagt, hier mach mal, Ich komme dann mal wieder, wenn du das Geld für den Urlaub zusammen hast. So ungefähr. Und ich habe dann halt Geld verdient. Und wenn ich nicht genug Geld verdient habe, dann hat meine Mutter Halt dann das restliche Geld reingeworfen. Cool. Und es war eine ganz tolle Zeit. Und dann habe ich da im Schweden, in Göteborg in diesem Park gesessen. Auch einer dieser Parks, die dann zumachen, nachts, damit die Leute den nicht verschandeln. Das heißt, es war ein sehr, sehr schöner Park. So ein Gated Ding. Und dann erinnere ich mich ganz, ganz lebendig genau an diese Situation, wo ich dieses Lied bestimmt. 40, 50 Mal hintereinander nur gehört habe. Und weil es einfach so toll war für mich. Und Jan Thiesen ist mir natürlich bis heute geblieben. Der hat bis heute die großartigsten Alben rausgebracht, die man so haben kann.
Florian Bayer: Ja, Großartiger Musiker. Jetzt ist mir tatsächlich, während du das erzählt. hast, ist mir noch ein Song eingefallen, den ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, an den ich mich plötzlich wieder erinnert habe. Den höre ich halt nicht mehr. Aber die Erinnerung habe ich ganz stark mit dem Song verknüpft. Deswegen ist es nur so ein honorable mention, glaube ich. Es gab so 90er Jahre. Pop-A- UND B-Pop-Destory. Der Song heißt Live. Das war auch, glaube ich, so ein Radiosong. Der war so sehr eingängig. Live, OH live. Oh, life.
Johannes Franke: Ah, ich erkenne einen Song, der...
Florian Bayer: Unglaublicher Ohrwurm. Und ich habe gerade gesagt, ich war bei den Pfadfindern und es war irgendwie so, Wahrscheinlich war ich auch jugendlich, Junger Erwachsener, 18, 17, 18, So um den Dreh. Und Zeltlager, das war immer ganz geil. Und dann war es halt auch mit Feiern und Saufen und so weiter. Und ich erinnere mich nach irgendeinem Zeltlager, und ich weiß nicht mehr. 100 Prozent, ob es Pfadfinder war oder irgendwas anderes. Na, irgendwas... Wo ich nachts weg war, wo ich gefeiert habe, wo irgendwie einfach Coole sachen waren und so. Und dann im Auto sitzen und dann halb einschlafen, weil ich die Nacht nicht geschlafen hatte. Und dann läuft dieses Ding im Autoradio, weil wer auch immer gerade gefahren ist, hatte das Autoradio an. Und ich höre das so halb und Dämmere so ein bisschen weg. Und ich kann kein Englisch, weil in dem Song geht, es glaube ich um was komplett anderes. Aber ich höre einfach immer nur dieses live, Oh live. Das ist alles schön. Das ist meine honorable Mention. Mein Platz 1 wäre tatsächlich, was noch gar nicht so lange her ist, Aber den Song verbinde ich damit am stärksten. Als mein Kind auf die Welt gekommen ist, habe ich ihm auf dem Arm Lieder gesungen. Und einen Song, den ich irgendwann, Ich weiß nicht, warum, angefangen habe, zu singen, war Losing My Religion von R.E.M. Und ich konnte aber den Text nicht so ganz, Deswegen habe ich dann angefangen, den Song mehrmals zu hören, damit ich den Text abspeichere. Und dann habe ich diesen Song einfach wirklich viel gehört. Und dann habe ich ihm den Song vorgesungen, und dann habe ich den Song nochmal gehört, nachdem er geschlafen hat und dann Manchmal konnte er nicht gut einschlafen, Dann habe ich den Song auch zwei, dreimal hintereinander vorgesungen und irgendwann konnte ich diesen Song wirklich auswendig. komplett. Und die Herausforderung bei dem Song Losing My Religion besteht darin, Es gibt so ein paar Textblöcke und die richtig anzuordnen, zu wissen, wie oft muss dieser eine Block wiederholt werden, Bevor der nächste Block wiederkommt. Weil es ist gar nicht so viel Text, den man sich merken muss, Aber man muss es halt richtig arrangieren. So, nein, Da wird der Refrain nochmal gespielt. Und jetzt erst kommt die Bridge, was gar nicht so einfach ist. Und den Song habe ich dadurch, das habe ich sehr abgespeichert von diesem Song. Und wenn ich den Song höre, dann denke ich tatsächlich an diese Momente, wo ich mein Kind im Arm halte, Ein ganz kleines Baby und diesen Song vorsinge.
Johannes Franke: Und bis heute singt Dein Sohn diesen Song und weiß nicht, warum er ihn auswendig kann.
Florian Bayer: Ich habe ihn schon lange nicht mehr vorgespielt. Ich glaube, das letzte Mal, als ich ihm das vorgespielt habe, hat er mit den Augen gerollt. Boomer Musik. Nee, mein Sohn hört gerade gerne... Ganz schräge Mischung. Kinder haben einen merkwürdigen Geschmack. Ihr hört gerne den Anime-Rap, Das habe ich, glaube ich, schon mal im Podcast, erzählt. Also Deutsch-Rap, der aber über Anime- und Manga-Themen singt.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Abu Monastir heißt der, Glaube ich. Den haben wir auch schon mal live gesehen. Dann hört er ganz schrecklich, so. 90er-Jahre-Euro-Trash-Dancefloor, der zu Fußballersongs gemacht wird. Also, es ist auch ein guter Fußballer.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann ist so auf die, So zum Beispiel Blue von Eiffel 65, die Melodie. Und darauf wird dann irgendwas gesungen. Zu irgendeinem Fußballstar. Oder Umbrella von Ella,
Johannes Franke: Ella, Ella.
Florian Bayer: Genau, Ella, Ella. Und zwar irgendein Fußballer ist schneller, Ella,
Johannes Franke: Ella.
Florian Bayer: Das hat mich so geärgert, dass er das so oft gehört hat. Dann habe ich ihm mal das Original vorgespielt und gesagt, das ist ein verdammt guter Song, Aber bitte hör das Original. Hör nicht diese schreckliche deutsche Autotune-Stimme, die singt, Er ist schneller, eller, eller.
Johannes Franke: Ja, du bist der Dad. Richtig, richtig Dad-Move gerade.
Florian Bayer: Genau. Und dann hört er teilweise Eminem. Und so ein bisschen Rap.
Johannes Franke: Na gut. Ja, ja.
Florian Bayer: Dein Platz 1.
Johannes Franke: Mein Platz 1. Und ich bin enttäuscht, dass du nicht auf Platz 1 den gleichen hast. Das ist etwas, woran ich mich erinnere, weil wir das zusammen gehört haben und weil wir das mit deiner Schwester zusammen gehört haben. Reinhard Grebe.
Florian Bayer: Oh, stimmt.
Johannes Franke: Wir haben am Anfang, als wir uns kennengelernt haben, hatten wir zufälligerweise alle zur gleichen Zeit eine Art. Reinhard-Grebe-Grace. Das war unglaublich, was der alles für krasse... Ich habe aufgeschrieben, speziell 30-jährige Pärchen. Aber es hätte auch jeder andere Song sein können. Wir haben so viel Reinhard-Grebe gehört.
Florian Bayer: Das Abschiedskonzert.
Johannes Franke: Das ist natürlich kein Abschiedskonzert.
Florian Bayer: Sein erstes großes, also? Er hätte davor ein Album gemacht, Aber das war das erste, was wirklich Erfolg hatte.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Das war ganz lange nicht auf Spotify, und ich war so traurig, weil das die besten Versionen dieser Songs sind.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und jetzt ist es endlich auf Spotify. Und dann habe ich es auch wieder gehört. Es ist tatsächlich das Abschiedskonzert von Reinhard Grebe, Irgendwann Anfang 2000. Da gehört mein absoluter Lieblingsalbum, deutschsprachigen Lieblingsalbum. Das ist großartig, höre ich immer noch gerne.
Johannes Franke: Super, Super krass. Also Reinhard Grebe, Ich habe es so gesuchtet, weil er wirklich... Tolle Bilder findet, Tolle Worte, tolle Zusammenhänge herstellt.
Florian Bayer: Es ist toll. Und auch so diese krasse Mischung. Also, er hat manchmal so was fast schon surreal-paitoistisches, weil seine Texte ergeben überhaupt keinen Sinn.
Johannes Franke: Teilweise überhaupt nicht, ja, ja.
Florian Bayer: Und dann hat er natürlich so diesen Scharfsinn, dass er so sehr gut Menschen beobachten kann und so Menschentypen heraussobt. Was macht Reinhard Grebe eigentlich? Der war ganz doll krank, ne?
Johannes Franke: Der war ganz doll krank und ich weiß nicht genau, ob er sich, wie weit er sich erholt hat. Ich hatte ihn irgendwann mal gesehen. wieder, auch live tatsächlich in Potsdam. Aber ist jetzt auch schon wieder? 6, 7 Jahre.
Florian Bayer: Ich weiß noch, irgendwann, ich hab ihn auch, genau, Vor einigen Jahren hab ich ihn live gesehen und fand, Er sah sehr mitgenommen aus.
Johannes Franke: Ja, genau. Aber trotzdem erstaunlich tolles Konzert, muss man sagen.
Florian Bayer: Ja, der hat ja, Ich mochte tatsächlich am meisten von ihm diese ganz einfachen Chansonsachen, nur er mit Klavier. Und als er dann angefangen hat, mit Kapelle und Orchester zu machen, Dann dachte ich so, nein, ich will nur dich. Nur dich, Reinhard.
Johannes Franke: Es hat ein bisschen was verloren. Durch das Meer. Ich weiß nicht genau, ob er sich einen Gefallen damit getan hat. Aber wahrscheinlich hat er genau sich einen Gefallen damit getan. Und dann ist auch egal, ob das für den Zuschauer so funktioniert oder nicht. Weil er war ja erfolgreich genug, damit.
Florian Bayer: Aber auf jeden Fall Reinhard Grebe, ja. Jetzt, wenn du es sagst, das habe ich auch Lust zu hören und diese Zeit nochmal zu erinnern.
Johannes Franke: Das ist die Anfang-WG-Zeit, wo ihr... Wir haben direkt gegenüber gewohnt. Wir waren in Berlin. In Friedrichshain.
Florian Bayer: In heruntergekommenen Häusern.
Johannes Franke: Genau, genau. Und ich habe auf der einen Seite der Straße gewohnt. Und direkt gegenüber hast du mit deiner WG mit. Ja,
Florian Bayer: Katrin und dann irgendwann Conny.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und Luna. Ja,
Johannes Franke: super. Tolle Zeit. Ja. Aber lange her. Wir verraten nicht, wie lange.
Florian Bayer: Aber wir haben es ja quasi verraten, dass wir von sehr spezifischen Reinhard-Kreber-Alben geredet haben. Das stimmt. Die waren damals aktuell. Die waren damals ganz neu rausgekommen. Scheiße. Ihr könnt es quasi googeln, wie alt, wir sind.
Johannes Franke: Okay. Danke für diese schöne Top 3.
Florian Bayer: VIELEN Dank, Johannes, Das tolle Top 3.
Johannes Franke: Wir haben selten so ganz persönliche Sachen.
Florian Bayer: Und tatsächlich für... Schöne Erinnerungen.
Johannes Franke: Man will wieder reingehen. Ich habe auch durch die Recherche, beziehungsweise, Was heißt Recherche? Man geht dann so seine Spotify-Playlist durch. Was sind denn die Songs, die man sich irgendwann mal draufgeworfen hat und dann nie wieder angehört hat? Weil so, also, ich habe das... Und wirklich, nachdem ich Spotify bekommen habe, bin ich ganz Spotify durchgegangen. Nach Songs, die irgendwann mal was bedeutet haben für mich. Und dann habe ich es abgespeichert in irgendwelchen Listen. Und dann musste ich das nur durchgehen. jetzt.
Florian Bayer: Scheiße, Das habe ich nämlich damals verpasst, weil ich konnte nicht, Ich habe nicht auf Spotify geguckt, sondern ich habe versucht, in meinen Kopf zu kramen. Deswegen ist sowas wie dieses Death Relive jetzt erst reingekommen. Ah ja, ja. Okay, Aufgabe für mich, ich mache eine Flo... Plur Nostalgie-List. Songs, die mich an bestimmte Zeiten aus meinem Leben erinnern. Das ist wirklich toll.
Johannes Franke: Das ist schön. Ja, dann gehen wir jetzt wieder zurück in unseren Film Casablanca.
Florian Bayer: Ja. Das war unsere
Johannes Franke: Top 3.
Florian Bayer: We will always have Paris.
Johannes Franke: Ja. Ja. Das ist so ein süßes, Ich finde das ein ganz süßes Zitat, muss ich sagen.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: weil das auch acknowledged, dass man sagt. Das hat nicht funktioniert, vielleicht mit uns. Das ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt oder nicht der richtige Ort oder so. Aber man kann es als Erinnerung lebendig halten und es für das mögen, was es war.
Florian Bayer: Es gibt im Moment das Gewicht, das er verdient. Ja. Das wird gerade in diesen Hollywood-Liebesgeschichten Und dann lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende, Wird das vielleicht manchmal vergessen, dass der Moment auch was sehr entscheidendes ist.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Und doch ist die Beziehung zwischen Victor und... Elsa ist die Beziehung dieses Films. Und ich bin froh, dass sie am Schluss in dem Flugzeug sitzt und davonfliegen. Ich wünsche Ihnen alles gute und ich glaube, sie werden eine tolle Ehe führen.
Johannes Franke: Ja, Sie werden bis nicht weit kommen, weil das Flugzeug, in das sie steigen, ist aus Pappe und halb so groß, wie es sein müsste.
Florian Bayer: Damit fliegst du nicht über den Atlantik.
Johannes Franke: Sie haben tatsächlich ein Flugzeug nachgebaut, aus Pappe. Und es war nur halb so groß, wie es eigentlich hätte sein müssen. Also, es ist unscale und dann haben Sie halt... Kleinwüchsige Menschen daneben gestellt, damit es so aussieht, als ob es groß genug wäre. Oh Mann. Hollywood.
Florian Bayer: Ja, gibt es noch etwas, was du sagen möchtest?
Johannes Franke: Ja, lass mich durch meine Liste durchgehen und die nächsten 10 Minuten schweigen. Ich muss einfach hier, ich weiß nicht, ich habe wirklich ganz, ganz, Ganz viele Sachen aufgeschrieben. Ein, Zwei kleine Funfacts. Hätte ich vielleicht noch. Zum Beispiel, dass Bergmann größer ist als Bogart. Ja. Und dass sie natürlich beim Dreh ein bisschen kreativ werden mussten, damit das nicht so rumlausfällt. Was heißt natürlich, Sie hätten sich auch einfach da reinbegeben können, Aber die Zeit hat das nicht zugelassen. Das heißt, Humphrey Bogart hat oft genug auf Kisten gestanden, um Cruise zu sein. Wie Tom Cruise. Und wie auch er selber in seiner Karriere nicht zum ersten Mal und nicht zum letzten Mal. Also, er ist einfach mit 1,73 für... Hollywood, relativ klein.
Florian Bayer: Meine Größe. Irgendwo habe ich online gelesen, jemand hat gemeint, Schauspieler oder große Filmstars kommen in zwei Größen daher. Entweder viel größer, als du denkst oder viel kleiner als du denkst.
Johannes Franke: Aber nie genauso groß, wie du nachvollstellst. Über das Flugzeug haben wir schon gesprochen. Ich fand es noch lustig, dass Ingrid immer wieder nachgefragt hat, Wen. Von den beiden soll ich denn jetzt mehr anschmachten? Ja. Mit wem steige ich denn jetzt ins Flugzeug? Und immer wieder der Regisseur gesagt hat, sorry, Wir haben noch keine Antwort für dich. Verteil es einfach gleich auf beide.
Florian Bayer: Ich guck mal. Leonard Kinski, Ein eher unbekannter Name aus dem Film, der den Sascha gespielt hat, den Barkeeper. Der meinte, er hat die Rolle nur gekriegt, weil er mit Bogart ordentlich gesaufen war. Echt, wirklich? Ja, der war Bogarts Trinkkumpane. Ja. Und die wollten den überhaupt nicht haben. Und Bogart hat wohl relativ in die Richtung gepusht. Und gesagt, Pack, den auch nochmal in den Film. Nur dadurch hat er die Rolle gekriegt.
Johannes Franke: Aber war der nicht auch aus der Gegend dort? Ich weiß es gar nicht genau. Was mir nämlich noch auffällt, ist, dass in diesem Film die Leute vor Ort, Die Marokkaner, Keine große Rolle spielen.
Florian Bayer: Nee, Marokko ist hier komplett, Also, wir haben diese eine Szene, diese eine. Jetzt seht ihr einmal exotisch, so sieht Marokko aus,
Johannes Franke: achtet auf die Kuppel und achtet auf die ganzen Menschen auf dem Markt treiben. So ist nämlich Marokko, dass ganz viel Markt treiben, Orient, Oktzident, Was auch immer.
Florian Bayer: Es spielt keine Rolle, und das Café könnte auch in Portugal sein. Es könnte an irgendeinem Punkt der Fluchtroute sein. Und ich finde es in dem Fall tatsächlich... Also... Lassen wir das mal beiseite, das ist natürlich total, Dieser Exotismus von Hollywood ist total unangenehm.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Aber, dass sonst Marokko keine Rolle spielt, finde ich okay, weil es geht. Ja, vor allem um das, Den Leuten ist scheißegal, wo Sie sind. Keiner macht da Urlaub in Marokko und will die Kultur aufsaugen, Sondern die Leute wollen einfach nur überleben und so schnell wie möglich weiterkommen.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Deswegen hat auch kein, also, es passt auch einfach, weil kein Mensch... Blick für seine Umgebung hat, sondern alle raus wollen. Und deswegen hängen sie ja auch alle in diesem amerikanischen Café rum.
Johannes Franke: Es hätten ja trotzdem Figuren da sein können, die eine Rolle spielen, die aus der Gegend sind.
Florian Bayer: Die existieren nicht. Außerdem haben sie nicht in Marokko gedreht.
Johannes Franke: Okay. Naja, ja, ja, ja. Es gab übrigens Gerüchte, dass Bogart und Bergmann eine Affäre hatten, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das ist überhaupt nicht belegt, ne? Aber es gab diese Gerüchte.
Florian Bayer: Ja, es ist, glaube ich, Kompletter Quatsch.
Johannes Franke: Und das ist vor allem deswegen kompletter Quatsch, weil Bogart darauf bestand, sofort wieder in seinen Trailer zu gehen, in seinen Aufenthaltsraum, also seinen Wohnwagen, wie man heute hätte. Und echt, sich hat selten sehen lassen.
Florian Bayer: Ingrid Bergmann ist wohl auch nicht so gut mit Bogart klargekommen. Die hat wohl so gesagt,
Johannes Franke: oh, nee. Und umso erstaunlicher, Ich finde nämlich, dass die beiden eine wahnsinnig gute Chemie auf der Kamera haben. Auf jeden Fall,
Florian Bayer: voll. Also, man sieht nicht, dass da so eine Distanz zwischen den beiden war. Ja. Unser Viktor Laszlo, Paul Henreit, Der war übrigens, der wäre, Es gab eine Zeit, wo der ganz gerne in Nazideutschland geblieben wäre. Was? Der wollte eigentlich in die NS-Reichsfilmkammer aufgenommen wurden. Und dann haben die aber das gemacht, was die Nazis halt so machen und einmal geguckt, so Erbfolge. Und dann so gestellt, oh, Jüdischer Mischling. Ersten Grades. Und dann hat er gesagt, darf ich vielleicht trotzdem? Und hat einen Antrag gestellt. Und dann hat Josef Goebbels gesagt, nein. Und das war 1937.
Johannes Franke: Die waren sich auch nicht grün, Bogart und er. Die waren nicht so, als Schauspieler, Die haben nicht viel voneinander gehalten. Viktor Laszlo, Wie heißt er? Henreit. Henreit hat sich tatsächlich sogar dazu zu Äußerungen versteifen lassen, die so in dem Sinne, Bogart, ist nicht der beste Schauspieler. Also auch wirklich so. Darauf zu scheißen und zu sagen, der kann ja nicht wirklich was.
Florian Bayer: Das war der eigentliche Konkurrenzkampf. Darum ging es. Es ging gar nicht um Ingrid. Aber Ingrid Bergmann ist wirklich eine unglaublich schöne Frau.
Johannes Franke: Unglaublich schöne Frau. Dann ist sie wahnsinnig, natürlich in ihrem Spiel. Ja, was ich so bewundere. Ich finde es unglaublich.
Florian Bayer: Sie hat eine große Rolle gespielt für ihre Popularität. Das natürlicher gewirkt hat als die Starlets und Stars der damaligen Zeit. Dass sie nicht so glamourös war, aber halt echter. Natürlich, ja. Richtig,
Johannes Franke: richtig, richtig natürlichen Charme. Und ich weiß nicht, wie man das als Schauspieler beschreiben soll, dass man das irgendwie hinkriegt. Und ich weiß auch nicht, ob das, Das wurde ja mit der Zeit wichtiger. Man konnte Theaterspiel noch mehr verzeihen, damals, weil man auch noch in der Verwendungsphase war. Wenn jemand heute diese Theaterhafte übernimmt in Filmen, dann wird er gleich ausgebucht. Aber, also für Filme.
Florian Bayer: Ja, ich überlege gerade ein Gegenbeispiel. NICOLAS Cage, egal.
Johannes Franke: Stimmt, Nicolas Cage ist großartig. Ja, aber weißt du, Das ist halt immer mehr in die Richtung gegangen, dass man so natürlich wie möglich spielen soll. Und ich glaube trotzdem, dass Ingrid Bergmann immer noch, selbst im Vergleich zu heute, Eine unglaubliche Natürlichkeit hat, die man erstmal hinkriegen muss. Das ist so toll. Es hätte auch Fortsetzungen geben sollen, übrigens, aber die haben sie dann nicht gemacht. Sie haben angesetzt, damit. Es gab irgendwie eine kurzlebige Fernsehserie, Casablanca. Mit einem jungen Rick, wie er früher war. Furchtbar. Nach ein paar Episoden wurde es eingestellt. Es gab ein Broadway-Musical in Planung, das nicht umgesetzt wurde.
Florian Bayer: Oh, Ein Broadway-Musical, Das könnte ich mir sogar noch vorstellen.
Johannes Franke: Ich komme darauf an, wie sie die Musik umsetzen.
Florian Bayer: Ja, Sie haben ja dieses Ricks-Café-Ding, also die Vorlage haben Sie ja mittlerweile auch auf die Bühne gebracht. Die ist anders, aber hat natürlich so ein bisschen diese Bezugspunkte. Und das wurde mittlerweile schon für Broadway und Off-Broadway umgesetzt. Seitdem mehrmals. Also ist Halt auch entsprechend alt, ist ja bald fast 100 Jahre alt. Casablanca 2 ist so ein bisschen wie so ein Gag aus dem Film, über den wir geredet haben. Wo sie sich diese Komischen Skripte, entgegenwerfen und dass da jemand sitzt beim Pitchen und sagt, Casablanca 2. Rick kommt nach Amerika. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Und Victor Laszlo wird von dem Wird von der McCarthy's gejagt.
Johannes Franke: Und Rick soll vom...
Florian Bayer: Kongress gegen ihn aussagen. Ilsa kommt zu ihm und fleht ihn an, zugunsten von Victor auszusagen. Das schreibt sich von selbst.
Johannes Franke: Ich find's gerade gar nicht so schlecht.
Florian Bayer: Nein, das ist kompletter Quatsch.
Johannes Franke: Ich will diesen Film sehen.
Florian Bayer: Keiner will das sehen.
Johannes Franke: Ich find, dass er von McCarthy gejagt wird, find ich einen total plausiblen, großartigen
Florian Bayer: Plot. Ja, ja.
Johannes Franke: Geil. Ach,
Florian Bayer: Scheiße. Wenn wir ehrlich sind, ist das das Schicksal, was ihn in Amerika erwartet.
Johannes Franke: Wahrscheinlich, ja. Krass. Okay. Ja. Ich habe hier noch viel zu viele Sachen. Die lassen wir alle weg. Kümmert Euch selber.
Florian Bayer: Schaut euch, also, wenn ihr es noch nicht getan habt, schaut euch diesen Film an. Ja,
Johannes Franke: das ist es eigentlich.
Florian Bayer: Tatsächlich, Johannes, Vielen Dank, dass Du ihn mir wieder gegeben hast. Dass du ihn mir gegeben hast, weil es war einfach wieder toll, ihn zu sehen, nochmal.
Johannes Franke: Es war der Hammer. Ein absolutes Meisterwerk und ein absoluter Klassiker, zu Recht. Ich muss vielleicht wieder meine Top 10 umwerfen, die ich ja auf der Webseite habe. Da ist ja auch schon neulich wieder Cabaret dazugekommen.
Florian Bayer: Du fliegst hier regelmäßig.
Johannes Franke: Ja, wenn ich jetzt nur noch Nazis in den Top 10 habe, ist irgendwie auch seltsam.
Florian Bayer: Aber hier kriegen die Nazis auf die Fresse und Spasser wird am Schluss erschossen.
Johannes Franke: Stimmt, ja.
Florian Bayer: Und ich finde es gut, wir sollten wieder mehr Filme gucken, wo die Nazis auf die Fresse gehen.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Warum haben wir eigentlich nicht einfach einen Nazimonat gemacht?
Florian Bayer: Nazis auf die Fresse Monat. Ja, genau. Da wäre ich voll dafür. Können wir nochmal in Glorious Bastards gucken? Den haben wir noch gar nicht besprochen im Podcast, ne? In glorious Bastards.
Johannes Franke: Stimmt, haben wir noch gar nicht besprochen. Ja, Tarantino, Wir hatten jetzt ein bisschen Tarantino.
Florian Bayer: Wir waren auch die letzten Male sehr, Wir sind sehr hart mit Tarantino teilweise ins Gericht gegangen.
Johannes Franke: Das stimmt, Eigentlich müssten wir mal einen Film machen, wo wir wirklich nur Lobhudelei machen. Weil Tarantino hat ja auch durchaus ein bisschen Lobhudelei verdient.
Florian Bayer: Ja, ganz viel verdient. Wir sind einfach so. Überkritische Idioten.
Johannes Franke: Na gut. Okay, so plempert es sich jetzt langsam hier aus.
Florian Bayer: Euch vielen Dank fürs Zuhören, wie immer. Vielen Dank für eure Reaktionen. Egal, ob Ihr uns liked, ob Ihr uns Kommentare schickt oder ob Ihr einfach diese Episode hört. Allein das ist schon total toll. Ja.
Johannes Franke: Und die Kamera in diesem Film. Es ist ja unglaublich.
Florian Bayer: Das ist jetzt sehr nachgeschwommen. Das musst du nachher im Schnitt irgendwie noch unterbringen.
Johannes Franke: Scheiße.
Florian Bayer: Die Kamera. Kamera, Pass auf. Arthur Edison war aber eher jemand, der gesagt hat, naja, Was zählt, ist die Story und ich will meine Kamera in den Dienst der Story. Aber er hat, ich finde, er hat sich sehr viel beim Filmnoir bedient. Ja,
Johannes Franke: filmnoir, natürlich.
Florian Bayer: Wenn ich bogart habe, dann muss ich Filmnoir machen.
Johannes Franke: Ich wollte gerade sagen, wenn Bogart aus Filmnoir extra rausgekrochen kommt, um Rüber ins Melodramen zu kommen.
Florian Bayer: Er hat einen mitgezogen.
Johannes Franke: Ja, genau. Das ist wirklich schön. Also, er hat tolle... Wie er das Geld aus dem Safe holt. Und so, sind schon wirklich ganz tolle Bilder dabei.
Florian Bayer: Es gibt ein paar ganz großartige Establishment-Shots, wo man die Personen, die beteiligt sind, sehr spät. Erst sieht. Also, wie Rick eingeführt wird, Es dauert sehr lange, bis wir ihn sehen. Wir sehen nur seine Hände, wie er Geld zählt.
Johannes Franke: Total schön gemacht. Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und auch die anderen Figuren. Wir sehen sehr viel Körper, ohne Gesichter zu sehen. Und dann so Diese dramatische Entwicklung. Das ist voll nachgeschoben. Wir haben schon gesagt, dieser Film ist ein Meisterwerk, egal was mit Kameramusik. Und so weiter ist. Wir wissen, dass der Film ein Meisterwerk ist. Wir müssen jetzt nicht noch eine Stunde über die Kamera reden. Vielen Dank euch allen. Wenn Ihr Wissen wollt, was ich, Johannes, für nächste Woche aufgebe und damit auch euch. Nochmal dran. Und dann ansonsten hören wir uns nächste Woche.
Johannes Franke: Und weißt du eigentlich, dass damals...
Florian Bayer: Ja, das war alles viel zu harmonisch.
Johannes Franke: Viel zu harmonisch?
Florian Bayer: Sowieso die letzten Wochen war das immer alles viel zu harmonisch. Deswegen, ich muss uns, glaube ich, was geben, worüber wir wieder streiten.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Deswegen gebe ich dir einfach mal einen der kontroversesten Filme der 90er Jahre wahrscheinlich. Okay. Und ich bin sehr gespannt. Kids aus dem Jahr 1995 von Larry Clark. Ich weiß nicht, ob du den schon gesehen hast.
Johannes Franke: Sagt mir gar nichts.
Florian Bayer: Sehr umstrittener Film. Damals wie heute. Warum? Inklusive Exploitation und... Child Pornography vorwärten.
Johannes Franke: Oh, wow.
Florian Bayer: Und ich werde dich nächste Woche davon überzeugen, versuchen zu überzeugen, dass das trotzdem ein guter Film ist. Und zwar ein Film, der besser ist als sein Ruf, aber es ist ein kontroverser Film. Wir werden auch sehr viel über seine dunkle Seiten reden können, Aber es iST EIN total... Total interessanter Film. Guck ihn Dir an.
Johannes Franke: Ist es ein Horrorfilm?
Florian Bayer: Nein, nein, ist kein Horrorfilm. Es ist ein Drama, das das Alltagsleben von Jugendlichen in New York in den 90er Jahren darstellt.
Johannes Franke: Also ein Horrorfilm.
Florian Bayer: Und wenn du wirklich tief ins Rabbit hole rein willst, musst du aber nicht, Dann guck dir noch zusätzlich die Doku an Once We Were the Kids, Wo vor einem Jahr oder zwei Jahren mit den Leuten, die an dem Film mitgedreht, haben, Ganz viele Laien, die damals die Jugendlichen Schauspieler gespielt haben, wo die erzählen, wie das war, wie Sie zu dem Film gekommen sind und wie die Dreherfahrung war und so weiter. Aber vor allem Kids aus dem Jahr 1995. Und ich kann mir vorstellen, es wird eine Streitepisode. Ich bin sehr gespannt.
Johannes Franke: Okay, ich habe gerade gegoogelt. Once we were kids, heißt das. Ja. Ich bin sehr gespannt. Das werde ich mir hoffentlich auch angucken können. noch. Aber das eigentliche heißt Kids.
Florian Bayer: Das eigentliche heißt Kids ist aus dem Jahr 1995 von Larry Clark. Sehr berühmter Fotograf mit seinem Langfilmdebüt. Oh.
Johannes Franke: Okay. Gut. Dann guckt euch diesen Film an. Viel Spaß damit oder was auch immer man damit haben kann. Ich weiß es noch nicht.
Florian Bayer: Kein Spaßfilm.
Johannes Franke: Kein Spaßfilm. Und wir hören uns nächste Woche wieder. Vielen Dank, dass ihr dabei wart. Bis dann. Ciao. Ciao.
