Episode 265: Cinema Paradiso – Nostalgie und Kino
Durch einen Anruf seiner Mutter erfährt der Regisseur Salvatore, dass sein Freund der alte Filmvorführer Alfredo gestorben ist. In Rückblenden erzählt der Film aus der Kindheit und Jugend Salvatores, Toto genannt.
Toto wächst in einem einfachen sizilianischen Fischerdorf auf. Dessen großer Anziehungspunkt ist das Kino Cinema Paradiso, in dem sich Toto als Kind mit dem Filmvorführer Alfredo anfreundet und sehr zum Leidwesen seiner Mutter jede freie Minute verbringt. Er sammelt die Filmrollenteile mit Küssen und Nacktszenen, die Alfredo auf Zuruf des Dorfpfarrers aus den öffentlich gezeigten Filmen herausschneiden muss. Er lernt bei Alfredo das Handwerk der Filmvorführung und übernimmt schließlich dessen Job, nachdem dieser bei einem Kinobrand sein Augenlicht verloren hat.
Wir sehen, wie das Kino die Menschen in dem kleinen Dorf bewegt, wie es sie zusammenbringt und ihnen ein Stück Welt vermittelt. Toto wird vom Kind zum Jugendlichen, er verliebt sich, sein Herz wird gebrochen, er wird erwachsen. Und schließlich muss er sich die Frage stellen, ob er mehr will, als Filmvorführer in seiner Heimat zu bleiben.
Cinema Paradiso aus dem Jahr 1988: Eine Liebeserklärung an das Medium Film und den magischen Ort Kino. Aber auch eine Auseinandersetzung mit dem, worum es im Leben geht, und welchen Platz Nostalgie darin einnimmt. Ein Film, der mich auch heute noch zum, Lachen, Schwelgen und auch Weinen bringt.
Johannes, hast du geweint?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 265: Cinema Paradiso – Nostalgie und Kino Publishing Date: 2026-01-28T09:09:40+01:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/01/28/episode-265-cinema-paradiso-nostalgie-und-kino/
Florian Bayer: Das Kino hier halt auch inszeniert wird als das Zentrum des Dorfes, wo du die Möglichkeit, wo Leute, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, weil sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen,
Johannes Franke: weil sie vielleicht sogar verfeindet sind, einen Abend zusammen verbringen, die sich wahrscheinlich an die Gurgel gehen würden, wenn sie nicht gerade zusammen den schönsten Film der Welt gucken würden. Und wieder einmal herzlich willkommen, Flo, hier in meiner Küche, hier da draußen auch herzlich willkommen in meiner Küche. Ihr drängelt euch ganz schön, es sind mehr geworden im letzten Jahr. Warum versuchst du manchmal wie so ein Radiomoderator zu klingen? Das irritiert mich komplett. Unser Medium ist Podcast, nicht Radio. Ich bin mit Radio aufgewachsen. Ich war das Kind, das damals bei Bulli Herbig mit seiner ersten Sendung angerufen hat. Nein, hab ich nicht, aber ich hätte gerne. Hallo, liebes Publikum. Immer total schön, dass ihr da seid,
Florian Bayer: in dieser gemütlichen kleinen Küche, in der wir sitzen.
Johannes Franke: Wir nehmen Anrufe an. Ruft jetzt an.
Florian Bayer: Musterhaus Küchenfachgeschäft. Wie immer vielen Dank, dass ihr da seid. Toll, dass ihr eingeschaltet habt. Wir reden heute über Cinema Paradiso aus dem Jahr 1988, den ich Johannes aufgegeben habe.
Johannes Franke: Den sentimentalsten Film, den ihr je gesehen habt. Viel Spaß. Flor wird uns einmal erzählen, worum es geht. Und dann geht es richtig, richtig hart rein in die Diskussion.
Florian Bayer: Durch einen Anruf seiner Mutter erfährt der Regisseur Salvatore, dass sein alter Freund, der Filmvorführer Alfredo, gestorben ist. In Rückblenden erzählt der Film aus der Kindheit und Jugend Salvatores, Toto genannt. Toto wächst in einem einfachen sizilianischen Fischerdorf auf. Dessen großer Anziehungspunkt ist das Kino Cinema Paradiso. in dem sich Toto als Kind mit dem Filmvorführer Alfredo anfreundet und sehr zum Leidwesen seiner Mutter jede freie Minute dort verbringt. Er sammelt die Filmrollenteile mit Küssen und Nacktszenen, die Alfredo auf Zuruf des Dorffahrers aus den öffentlich gezeigten Filmen herausschneiden muss. Er lernt bei Alfredo das Handwerk der Filmvorführung und übernimmt schließlich dessen Job, nachdem dieser bei einem Kinobrand sein Augenlicht verloren hat. Wir sehen, wie das Kino die Menschen in dem kleinen Dorf bewegt, wie es sie zusammenbringt, und ihnen ein Stück Welt vermittelt. Toto wird vom Kind zum Jugendlichen. Er verliebt sich, sein Herz wird gebrochen, er wird erwachsen. Und schließlich muss er sich die Frage stellen, ob er mehr will, als Filmvorführer in seiner Heimat zu bleiben. Cinema Paradiso aus dem Jahre 1988. Eine Liebeserklärung an das Medium Film und den magischen Ort Kino. Aber auch eine Auseinandersetzung mit dem, worum es im Leben geht und welchen Platz Nostalgie darin einnehmen soll. Ein Film, der mich auch heute noch zum Lachen, Schwelgen, Und auch weinen bringt. Johannes, musstest du auch vielleicht die ein oder andere Träne vergießen?
Johannes Franke: Du weißt, wie nah ich am Wasser gebaut bin. Ich muss weinen, sobald auch nur irgendwas am Horizont traurig sein wird. Es ist wirklich... Mit diesem Film nicht leicht da durchzukommen, ohne nicht auch verschwommen die ganze Zeit auf diesen Bildschirm zu blicken und eigentlich gar nichts mehr erkennen zu können, weil man die ganze Zeit Tränen in den Augen hat. Flo, was hast du mir da gegeben?
Florian Bayer: Ich liebe diesen Film. Und ich weiß nicht, wann ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe. Das ist halt krass, weil es ist natürlich, in diesem Film wird Nostalgie erzählt. Ja. Aber es wird keine Nostalgie erzählt, die ich habe. Der Film spielt in den 50ern in Italien.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: und berichtet von einem Ort Kino, den ich so leider nie kennengelernt habe. Und in jeder einzelnen Sekunde denke ich, oh, ich hätte so gerne als Kind diesen Ort Kino kennengelernt und nicht diese großen Paläste, diese Multiplexe, in denen ich meine ersten Kinofilme gesehen habe.
Johannes Franke: Ja, ich meine, es gibt heute so kleine Kinos, Programmkinos, die es noch schaffen, aber die wirklich sehr selten geworden sind. Und vor allem die auch nicht in dörflichen Gegenden groß, sondern eben, wo Berlin, wo man sich das leisten kann, weil genug Leute in der Stadt sind, die zusammenkommen, um das kleine Kino zu feiern. Aber was willst du auf dem Dorf? Da hast du ja keine Chance mit sowas.
Florian Bayer: Das ist ja das Krasse, was hier erzählt wird. Das Kino? In diesem Fall ist es halt das Kino. Und jeder Dorf hat vielleicht so einen anderen Anziehungspunkt. Das ist eine... Bar oder ein Restaurant oder so. In diesem Fall ist es halt einfach ein Kino, das in diesem kleinen Dorf steht.
Johannes Franke: Oder die Kirche.
Florian Bayer: Oder die Kirche. Es ist ganz oft die Kirche.
Johannes Franke: Es ist vor allem auch in diesem Fall, eigentlich sind wir ehrlich, die Kirche.
Florian Bayer: Ja, die Kirche. Kino ist die Kirche. Es ist einfach der Entertainment-Ort. Und dann ist es halt das, wo die ganzen Leute zusammenkommen. Und das Krasse ist halt, wir erleben wirklich, wie die Leute wie unterschiedlich die Leute sind, wie unterschiedlich sie das Medium Film wahrnehmen, was sie machen wollen, was für sie Film bedeutet. Und für viele ist es halt auch einfach nur Hintergrundgeräusch, während sie eigentlich Sex haben wollen, während sie ihr großes Date haben. Und für die Jungs ist es dann halt eine Masturbationsvorlage, weil ausnahmsweise mal eine leicht begleitete Frau zu sehen ist.
Johannes Franke: Aber erst spät. Ja, erst spät. Sehr spät im Film.
Florian Bayer: Und das ist so schön, weil das Kino hier halt auch wirklich inszeniert wird. Na, es ist das Zentrum des Dorfes, wo du die Möglichkeit, wo Leute, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, weil sie aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kommen, weil sie vielleicht sogar verfeindet sind, einen Abend zusammen verbringen und auch so ein bisschen ihre Konflikte ausleben und ihre Bedürfnisse und ihre Träume. Und ich finde, der Film schafft es wirklich gut, das in Bilder zu fassen, was da alles passiert. Also in diesem Detailreichtum,
Johannes Franke: was es da an Dingen gibt. Die geschehen an der Peripherie. Vor allem eben auch, dass diese ganzen Leute, die du aufgezählt hast, so intellektuelle Leute, direkt neben dem Arbeiter, neben dem Faschisten, der direkt neben dem Kommunisten sitzt, die Sexworkerin und der Priester, die zusammen in einem Raum, die sich wahrscheinlich an die Google gehen würden, wenn sie nicht gerade zusammen den schönsten Film der Welt gucken würden und gemeinsam die gleichen Emotionen durchmachen, was sie sonst im Gespräch in einem gleichen Raum. sonst nie machen würden. Etwas Verbindendes für Leute, die sich sonst vielleicht an die Gurgel gehen würden. Ja, finde ich total schön. Das ist aber auch der große und wichtigste Punkt dieses Films. Was er drumherum macht, macht mir streckenweise es schwer. dem zu folgen. Und wir müssen auch auf die Director's Cut Version eingehen, die ich nicht gesehen habe.
Florian Bayer: Ich auch nicht. Und ich weigere mich, ihn zu gucken. Bitte, bitte,
Johannes Franke: weigere dich weiterhin. Aber ich weiß jetzt darum und das macht so viel kaputt. Aber was ich möchte, ist, dass wir erstmal in der ersten Hälfte dieses Podcasts wie die erste Hälfte dieses Films einfach nur schwelgen und uns freuen. Und danach dürfen wir gerne in die schwierigen Phasen übergehen.
Florian Bayer: Mach mir nicht den Film kaputt, brech nicht mein kleines sensibles Herz, bitte nicht heute.
Johannes Franke: Also der Ort des Kinos, der Ort dieses Geschehens, der Ort der Sehnsüchte, des Fensters in die Welt hinein, was ja Filme nun mal sind, der ist so liebevoll und so schön dargestellt, wie ich es kaum in einem anderen Film habe. Und es gibt genug Filmemacher, die sich gedacht haben, ich mache mal einen selbstreferenzierten Film und erzähle, wie toll das Kino ist. Es gibt auch viele tolle Filme darüber.
Florian Bayer: Ja, wir haben ja auch schon einige Filme besprochen, die irgendwie in diesen Metafilmen oder vor allem in dieses Schwelgen fallen, dass Kino ein magischer Ort ist. Was mir als erstes einfällt, ist der, den wir vor zwei Jahren besprochen haben von Sam Mendes, dem Regisseur von American Beauty.
Johannes Franke: Light Cinema of Lights.
Florian Bayer: Empire of Light aus dem Jahr 2022. Den haben wir, als er relativ frisch war, vor zwei Jahren besprochen. Und ich weiß noch, dass du sehr viel Sorge hattest, dass ich ihn nicht mag. Ja. Weil das war ein Film, der wirklich hart abgestraft wurde von der Kritik.
Johannes Franke: Und ich fand den so toll.
Florian Bayer: Was für ein schöner Film das auch war. Und ich hab einen Softspot dafür. Wenn Film, Kino, entweder das Medium Film oder auch der Ort Kino erzählt wird als so ein Sehnsuchtsort, das kriegt Das regt mich sehr leicht. Und da bin ich, glaube ich, auch sehr schnell weniger kritisch als bei anderen Themen.
Johannes Franke: Ja, ja, das dachte ich mir schon. Während ich den Film geguckt habe, habe ich gedacht, ah, da muss ich Flor vielleicht hier und da mal auf den Zahn fühlen. Aber eigentlich lasse ich mich natürlich volle Kanne einlullen. Genau davon, von diesem Sehnsuchtsort, den ich ja habe. Ich meine, wir beide lieben Filme. Darum sitzen wir hier. natürlich kriegt uns der Film. Völlig klar. Das Schöne ist halt, dass es diese Details gibt.
Florian Bayer: Und die sind nicht nur im Kino, sondern die sind in diesem ganzen Ort. Zum Beispiel so was ganz Banales, wie wir haben diesen einen Verrückten im Ort.
Johannes Franke: Ja, der die ganze Zeit sagt, das ist mein Platz. Das ist mein Platz.
Florian Bayer: Der die Leute vom Marktplatz vertreiben will. Das ist großartig, weil es ist einfach so eine kleine Nebensächlichkeit, die gar keine große Relevanz hat. Wir haben auch so eine Geschichte, wie dass es zwei Kinos gibt und die haben beide den gleichen Film, den sie zeigen wollen. Und dann muss die Filmrolle natürlich von Kino A nach Kino B gefahren werden. Und es ist halt jemand im Fahrrad, der das als einziger machen kann. Und es gibt einfach einen gewissen Zeitdruck dabei. Wir haben einen Einschlafenden, der im Kino eigentlich nur sitzt, um sich auszuruhen und innerhalb von Sekunden einschläft.
Johannes Franke: Der aber auch genau weiß, dass wenn er einschläft, er irgendwelchen Scheiß in den Mund gesteckt bekommt oder irgendwelche Streiche gespielt werden, die ihn einfach aufregen. Der kommt aber jetzt mal wieder. um dort zu schlafen. Was ist los? Er hat nicht gelernt oder er will es selber doch auch.
Florian Bayer: Es ist einfach ein Ort der Öffentlichkeit. Wir haben eine Frau, die im Kino stillt. Wir haben Leute, die Sex im Kino haben. Es wird gezeigt. Und man kann sich das richtig gut vorstellen. Wir sind im katholischen Italien der frühen 50er Jahre. Ein konservatives Land, ein konservativer Ort im ländlichen Raum. Noch konservativer als in der Stadt natürlich. Und dann hast du nicht so die Möglichkeiten. Das Kino ist eine Art Rückzugsort auch.
Johannes Franke: Aber wir müssen unterscheiden zwischen dem ursprünglichen Cinema Paradiso und dem Nuevo Cinema Paradiso. Das ist durchaus ein Unterschied. Bleiben wir erstmal beim ursprünglichen. Ich finde den Ort toll und was ich ganz, ganz liebevoll retrospektiv, und ich möchte nicht in der Situation sein, aber retrospektiv betrachtet finde ich den Pastor da so wahnsinnig witzig, wie der mit seiner Glocke da sitzt und jedes Mal Wut entbrannt damit... klingelt und bimmelt und sagt, raus mit dieser Szene. Ich will niemanden sehen, der sich küsst. Ich will niemals keine nackte Haut sehen. Es ist alles Teufelswerk. Raus damit. Und dann muss er das rausschneiden, der Filmvorführer. Und das Geilste, dann haben wir diesen kleinen Toto, diesen Zehnjährigen, der da sitzt und der die Rollen auffängt und da sitzt und sich die wie ein Playboy-Heft anguckt. Das ist toll.
Florian Bayer: Und wir sehen ganz am Schluss, um das kurz vorwegzunehmen, sehen wir, was für Szenen da rausgeschnitten wurden. Das sind auch tatsächlich ein paar nackte Nacktszenen dabei, so ein, zwei Nacktszenen. Aber vor allem sind es die Kussszenen, die dem Pfarrer überhaupt nicht schmecken. Aber der kleine Toto findet das natürlich total cool und nimmt dann diese Filmrollen und diese Filmausschnitte und sammelt sie. Und natürlich geht es hier auch um so ein bisschen, das Kind, das was Verbotenes macht. Aber was für eine süße auch Reminiscenz an die Liebe zum Film ist, dass da jemand sich eine Filmrolle nimmt, ein Stück Filmrolle und da nicht mal ein Daumenkino hat, keine Animation hat, sondern wirklich nur diese einzelnen Frames sich angucken kann, um irgendwie zu erahnen, was da für eine Handlung passiert und das auch macht, um dieses Gefühl für Film zu kriegen.
Johannes Franke: Ja, und auch die Fantasie loszutreten, die ja eben dem Film inherent ist. Was kann ich für eine Geschichte erzählen? Was stößt an? ein Frame an in meinem Kopf, an Kopfkino.
Florian Bayer: Da kickt auch meine Nostalgie voll rein. Natürlich. Als Kind habe ich total gerne, wir waren oft in der Bücherei, ich habe mir total gerne Bücher ausgeliehen über Filmjahre. Und zwar gab es von der Cinema, glaube ich, große Filmzeitschriften, immer so Jahrbücher, was für Filme im Kino gelaufen sind. Und das waren dann so DIN A4 Bücher. Da waren dann große Bilder zu filmen. Und diese Bilder anzuschauen und zu denken, den Film würde ich gerne sehen. Und dieses eine Bild, anhand dieses einen Bildes auch zu versuchen zu schmecken, wie die Atmosphäre in dem Film ist, habe ich total gerne gemacht und ich glaube, dieser Film hier, der ist mir auch so untergekommen. Ich habe diesen Film geschaut, weil ich das Bild gesehen habe von dem Jungen, der vorne auf dem Fahrrad sitzt von dem Alten. Dieses Bild Toto, der bei Alfredo auf dem Fahrrad vorne sitzt und mit ihm in die Stadt fährt.
Johannes Franke: Wann hast du den Film das erste Mal gesehen?
Florian Bayer: Jung. Also jung... älter als Toto. Wahrscheinlich so 13, 14. Das Ding lief im Fernsehen. Das heißt, ich habe es auch nur synchronisiert gesehen und bin ziemlich sicher, dass es auch nur die 2-Stunden-Version war. Diese Directors-Cut-Geschichte habe ich jetzt auch zum ersten Mal erfahren und habe mir auch gedacht, nein, gut, Gott sei Dank nicht. Ich bin so froh. Ich hatte mir noch überlegt, als ich es gelesen habe, soll ich Johannes jetzt nochmal schreiben, dass er nicht den Directors-Cut gucken soll?
Johannes Franke: Ich bin auch froh, dass ich ihn nicht erwischt habe, weil ich hatte die Wahl. Ich konnte auswählen. Und ich hätte mich beinahe für die andere entschieden.
Florian Bayer: Das Schlimme ist ja, wir wissen beide nicht, wie der Direktors Cut ist und beurteilen nur anhand des Textes. Aber ich glaube, es ist eine Fokusverschiebung, bei der man zu Recht sagen kann, vielleicht nicht die richtige. Deswegen kickt diese Nostalgie total hart bei mir rein, weil dieses einfach Film anhand von Bildern erleben oder sich Film vorstellen anhand von Bildern und von Geschehen kann ich total mitgehen.
Johannes Franke: Kann ich auch. tatsächlich auch als Kind wirklich Filmrollen, weil ich auch mich mit Fotografie beschäftigt habe und dann eben, da ist der Weg nicht weit von Fotografie, Film zu Film, Film, also dieses physische, diese physische Filmrolle und auch wenn man ja auf dem Fotoapparat lang genug drauf drückt und immer wieder klick, klick. ein Foto nach dem anderen bekommt, fängt es ja auch an schon so wie so ein Film zu wirken und so. Das habe ich als Kind auch gerne gemacht und probiert und so und habe mir die Filme, die ich in die Entwicklung gegeben habe, einfach auch gerne als diese Abfolge von Fotos angeschaut und fand es total faszinierend und fand auch dieses einfach dieses, wie ist Film entstanden, wie entsteht Film und ich habe tatsächlich das große Glück gehabt, dass ich als Schauspieler angefangen habe in einer Zeit, in der manchmal doch durchaus noch auf Film gedreht wurde. Gerade meine ersten Filme, also 1999 habe ich das erste Mal vor der Kamera gestanden, da wurde garantiert noch auf Film gedreht und dann später wurde es immer seltener, aber ich habe tatsächlich auch eine Filmrolle, also zumindest die Verpackung davon von einem der Dreharbeiten noch hier. Was wirklich eine alte, da war der Film drin, vor Licht geschützt. Total geil. Wir durften die einfach mitnehmen, weil das halt ein Abfall war, mehr oder weniger für den Kameramann. Es ist super geil. Und ich fand's... einfach sehr faszinierend und deswegen kann ich da natürlich auch genauso andocken. Großartig.
Florian Bayer: Ich gehe mal davon aus, dass die Filmrollen, die du aufbewahrt hast, dass das kein alter Nitratfilm war. Das heißt, das kann nicht einfach anfangen zu brennen plötzlich. Nein,
Johannes Franke: nein, nein, natürlich nicht.
Florian Bayer: Weil das spielt ja eine große Rolle in diesem Film, dass das ein Sicherheitsrisiko ist, wenn du das Zeug lagerst. Und hast du dich ein bisschen mit der Chemie dahinter auseinandergesetzt?
Johannes Franke: Nein, scheint gut zu schmecken, wie man an dem Kind gemerkt,
Florian Bayer: aber nie. Nitrocellulose.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Das ist das Material, aus dem Nitratfilm besteht. Und das ist so instabil, dass es sich ab einer relativ geringen Temperatur, 38 Grad, selbst entzünden kann. Oh. Und explosiv ist. Und dann auch Sauerstoff selbst freisetzt, wodurch das tatsächlich eine Kettenreaktion und ziemlich krasse Brände auslösen kann.
Johannes Franke: Und es gibt ja in der Geschichte durchaus große Brände von solchen... In der Frühzeit des Films sind wahnsinnig viele Filme einfach für uns nicht mehr erreichbar, weil zu viele Brände passiert sind, die wirkliche Meisterwerke einfach ausgelöscht haben, weil es auch nicht so wahnsinnig viele Kopien davon gab oder so. Das ist einfach wirklich krass.
Florian Bayer: Ja, es wurde wirklich viel vernichtet. Es hat sich selbst vernichtet, weil es nicht vernünftig gelagert wurde, weil nicht drüber nachgedacht wurde. Und es wird in dem Film am Anfang... thematisiert und da wissen wir vielleicht noch nicht, dass es schon so eine Antizipation ist von dem Schrecklichen, was danach passieren wird. Aber der Toto lagert dann seine ganzen Filme da irgendwo. Und Alfredo sagt zu ihm immer, du musst aufpassen, das Zeug ist gefährlich. Und er glaubt es ihm nicht. Er denkt, das wäre nur eine Ausrede, damit er das nicht macht. Und dann fängt das aber tatsächlich Feuer und seine kleine Schwester kriegt es ordentlich ab. Ja. Und anschließend kriegt es er von seiner Mutter ordentlich ab.
Johannes Franke: Oh Gott. Man sitzt schon da und denkt sich, um Gottes Willen, was für eine Scheißzeit. Ja. Das Kind kriegt echt auf den Deckel. Echt viel geprügelt in diesem Film. Ja.
Florian Bayer: die Lehrer und alle irgendwie, jeder hat so offensichtlich, fühlt sich ermächtigt, wenn ein Kind vorbeiläuft, ihm einmal eine Backpfeife zu geben.
Johannes Franke: Das ist krass, ne? Das ist echt so eine seltsame Zeit. Irgendwie finde ich auch, dass der Film insgesamt so eine Zeit mitatmet und zwar eine Perspektive auf die Zeit und eine Gewalttätigkeit auf die Zeit und so, die irgendwie drunter liegt. Also nicht nur durch die Gewalt an ihm, so immer mal wieder, ohne dass das problematisiert wird. Überhaupt nicht.
Florian Bayer: Und das haben wir... Das ist... echt wirklich ein Phänomen, wenn wir so 80er, 90er Filme sehen, in denen die 50er Jahre als nostalgischer Raum dargestellt werden, wird diese Gewalt als Teil gezeigt. Also sie wird nicht weggelassen, aber sie wird auch nicht problematisiert. Und das ist krass. Das finde ich auch komisch. Ich hatte damit nie große Probleme. Es fällt mir heutzutage deutlich schwerer, das zu sehen, weil ich dann immer denke, ja, wenn du anfängst, alte Zeiten zu romantisieren, dann besteht natürlich das Risiko, dass du auch das romantisierst oder nicht mal romantisierst, aber zumindest die Problematik davon wegläuft. Ja, ja,
Johannes Franke: marginalisieren. Bagatellisieren. Bagatellisieren.
Florian Bayer: Bagatellisieren. Ordne die Vokale irgendwie an, das wird schon passen.
Johannes Franke: Und das ist schon krass.
Florian Bayer: Und das habe ich auch jetzt gedacht, wieder beim Gucken, es ist mir noch nie so aufgefallen. Aber Autsch, das sind echt ein paar harte, brutale Szenen.
Johannes Franke: Und vor allem von der Mutter. Und die Mutter, die auch diejenige ist, die dich von der Leidenschaft weckt. wegbringen will. Aus vielleicht ihrer Perspektive gutem Grund, dass der das nicht da lagert die ganze Zeit oder dass das Geld, was er hat, nicht die ganze Zeit ins Kino hineinfließt. Aber die Mutter ist in diesem Fall diejenige, die dargestellt wird als diejenige, die ihn von seiner Leidenschaft wegbringen will. Ja,
Florian Bayer: absolut.
Johannes Franke: Also die Aussage ist irgendwie, es wird immer jemanden geben, der sagt, nein mach das nicht, geh nicht deiner Leidenschaft nach, was ja ein großes Thema ist. Für Alfredo vor allem.
Florian Bayer: Na, aber Alfredo sagt ja auch zu Toto,
Johannes Franke: geh nicht deiner Leidenschaft nach. Alfredo sagt zu ihm,
Florian Bayer: du willst kein Filmvorführer werden und du willst nicht so enden wie ich und das ist kein ehrbarer Beruf und versuch was Richtiges zu lernen. Ich glaube, das ist auch ein ganz wichtiges Thema, was in diesem Film steckt, weil da sehe ich nämlich diese zweite Ebene und das macht diesen Film für mich so genial, dass es nicht nur Nostalgie ist, nicht pure Nostalgie. die sentimental erzählt wird, sondern dass es zusätzlich halt auch diese Reflexion dieser Nostalgie ist, die wir vor allem am Anfang in Alfredo sehen, dann aber später auch im Gesamturteil der Erzählung, die ein bisschen anders ausfällt als das Gesamturteil Totos, weil Toto scheint ja so ein bisschen zerrissen zu sein und Toto hängt ja voll in dieser Vergangenheit dann nochmal und guckt sich nochmal den alten Film an, aber es schwingt auch immer ein bisschen mit, okay und dann gibt es diesen Punkt, wo die Nostalgie aufhört und wo du... eigentlich weiterleben musst und wo du raus musst aus deinem Dorf und wo du anfangen musst, was Neues zu machen. Das finde ich ganz spannend, dass das auch mit drin steckt.
Johannes Franke: Ja, das Interessante ist, dass dieser Film mir für die erste Hälfte oder so, das so stark aufbaut, dass es als richtig harter Schock daherkommt, wenn es nicht mehr stattfindet. Wenn diese Nostalgie plötzlich aufhört und du plötzlich denkst, what? Was haben wir hier für eine Realität? Und dann auch noch zwei Ebenen von Realität, nämlich der ältere Toto, der irgendwie die Rahmenhandlung darstellt und als auch dieser Jugendliche schon, der auch schon in der Art und Weise der Erzählung gar nicht so nostalgisch ist. Es ist so die erste Liebe und so, das könnte man auch sehr nostalgisch sehen, aber die Art und Weise der Inszenierung geht immer gegen die Nostalgie ab dem Moment.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Das tut mir richtig weh.
Florian Bayer: Das ist krass.
Johannes Franke: Ich habe richtig was gegen den Regisseur in dem Moment. Weil ich denke, nein, nein, du hast mir so ein schönes aufgebaut. Ich will diese heile Welt wieder haben, die du da aufgebaut hast. Was soll das?
Florian Bayer: Er haut dir ja die Nostalgie am Anfang wirklich voll um die Ohren. Ja. Sag jetzt, schwelge einmal.
Johannes Franke: Und ich liebe das.
Florian Bayer: Er zeigt dir Chaplin.
Johannes Franke: Er zeigt mir Chaplin, er zeigt mir Buster Keaton, er zeigt mir alles mögliche. Er zeigt mir ganz viele tolle, schöne Filmausschnitte. Und er zeigt mir diesen Jungen, der der beste Kinderdarsteller ist, den ich seit 200.000 Jahren gesehen habe. Salvatore Castillo. In diesem Alter, das so hinzubekommen, der absolute Wahnsinn. Also ich meine, okay, man muss vielleicht auch sagen, nicht das Kind nur hat das hingekriegt, sondern das aus dem Kind rauszuholen ist vielleicht das Meisterwerk darin. Weil das Kind mit solchen Augen, mit so einer Emotion, mit so einer Leidenschaft auf diese Leinwand schaut, mit so einer Faszination auf diese Leinwand schaut, dass jeder, der auch nur ein Fünkchen Leidenschaft für Film hat. sich voll in ihm sehen kann.
Florian Bayer: Er ist der Wunderer, er ist der Bewunderer.
Johannes Franke: Das ist ja krass. Und ich wünsche ihm von der ersten Sekunde an alles Gute. Er soll alles kriegen können und ich würde ihn wahrscheinlich als Elternteil so verhätscheln. Das ist ja unglaublich. Das ist total krass. Man will, dass dieses Kind glücklich ist. Vor allem, was natürlich auch so ein sehr gut funktionierendes Stilmittel ist,
Florian Bayer: dass wir halt diesen Kontrast haben. Er hat diesen Traumort Kino, wo er wirklich einfach schwelgen kann und wo er wirklich einfach wahrnehmen kann und neue Dinge erfährt. Und dann hat er diesen sehr engen Raum des Dorfes, in dem er lebt. Also die Schule mit den strengen Lehrern, die Mutter, die ihn verprügelt und sehr unter ihre Fittiche nimmt. Der Pfarrer, der halt auch so sein eigenes Programm absolut abzieht. Auch wenn es sehr süß ist, wie er über Toto jammert, wenn der am Anfang im Gottesdienst einschläft. Pfarrer ist auch eine sehr sympathische Figur. Auf seltsame Art und Weise. Auf sehr schräge Art und Weise. Und vor allem lieben wir Toto, weil er wird inszeniert als sehr cleveres Kind, aber nicht zu clever. Es gibt ja schnell diese Tendenz von Filmen, wenn sie schlaue Kinder zeigen, dass sie dann altklugige Kinder zeigen und die werden dann furchtbar unsympathisch und man hat keinen Bock mehr, ihnen zu folgen. Nein, er ist so clever, wie ein neunjähriger clever sein kann. Und er ist dabei auch manchmal ein bisschen naiv und er will sich... unglaublich gerne mit Alfredo anfreunden und hat so seine cleveren Tricks dafür und Alfredo sagt zu ihm, nein, nein, mit dir freue ich mich lieber nicht an, du bist mir zu clever.
Johannes Franke: Der weiß auch ganz genau, was er da vor sich hat. Alfredo weiß genau, wenn ich das jetzt mache, dann endet der Film genau so, wie er endet. Also Alfredo antizipiert das irgendwie in einer vielleicht wabernden Form, also nicht so konkret, dass er dann ihn da wegschicken muss und so, aber er weiß schon, wenn ich das jetzt anfange, das macht ein Fass auf. Und dann macht er das fast auch.
Florian Bayer: Na, das Schöne ist ja durchaus, dass Alfredo gar nicht unbedingt erst der gezeigt wird, der sich mit dem Kind anfreunden will oder der das nur macht, um ihm Gutes zu tun. Sondern Alfredo hat am Anfang eigentlich gar keinen Bock auf das Kind. Der ist genervt davon, von diesem scheiß Neunjährigen, der die ganze Zeit im Kino rumhängt und nichts anderes macht, als Filmrollen zu klauen und sonst Quatsch macht. Er schimpft ja auch ordentlich mit ihm, er schreit ihn auch ordentlich an. Und es ist eher ein Zufall, dass er ihm dann... das doch erlaubt und dann freuen sie sich ja erst an, nämlich weil er muss diese verdammte Prüfung bestehen.
Johannes Franke: Er gehört zu den Erwachsenen. Das fängt früher an, das ist zu spät. Meinst du, das ist zu spät? Das ist zu spät. Ich habe das Gefühl, am Anfang ist die Beziehung sehr einseitig und Toto ist Alfredo-Fan, aber Alfredo ist alles andere als Toto-Fan. Das ist richtig, aber sobald die Mutter das erste Mal die Hand erhebt gegen ihn und der Filmvorführer das sehen kann und er ihm 50 Lira gibt und sagt, Ach, die haben wir doch gefunden hier. Ja, das ist sehr süß, das stimmt. Das ist der Moment, wo er sagt, okay, was soll's. Ich muss mit der Heldenreise natürlich anfangen.
Florian Bayer: Nein, bitte.
Johannes Franke: Das ist doch typisch für einen Film. Ja,
Florian Bayer: spar mir wenigstens in diesem Film deine Heldenreise.
Johannes Franke: Der Held denkt sich, nein, ich will nicht. Ich will diesen, ich widerstehe dem Ruf der Abenteuer. Und ich will das eigentlich alles nicht. Das ist doch so typisch.
Florian Bayer: Und es stört mich auch ein kleines bisschen, dass das so typisch ist.
Johannes Franke: Oh,
Florian Bayer: aber es wird doch nicht Alfredos Heldenreise erzählt. Er ist ein typischer Held. Nein, um sich um den Jungen zu kümmern, ist keine Abenteuer. Alfredo ist, wenn wir bei der Heldenreise wären, dann wäre Alfredo der Mentor.
Johannes Franke: Ja, natürlich, aber jede Figur hat seine eigene Heldenreise. Herr mit deiner Tasse, du kriegst jetzt Tee. Ja, bitte Tee,
Florian Bayer: keine Heldenreise, Tee,
Johannes Franke: nur Tee. Aber ich finde einfach, das ist ein kleines bisschen klischeehaft und der Film ist voller Klischees, dass er eben am Anfang sagen muss, nein, ich will damit nichts zu tun haben und dann überrumpelt ihn das Kind.
Florian Bayer: Ich habe das Gefühl, dass es ambivalent genug gestaltet, dass es am Anfang halt nicht nur dieses Hadern ist, dieses Zaudern, dieses, ach, ich will damit nichts zu tun haben, sondern dass es ehrlich ist. Er hat keinen Bock auf dieses Kind, weil ein Kind im Vorführraum ist nervig. Alfredo hat einen schweren Job. Alfredo muss die Filmrollen wechseln. Das ist nicht leicht. Er ist ein Filmvorführer im Italien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist nicht so einfach. Da drückst du nicht einfach nur eine Tasse, da musst du dich konzentrieren. Und wenn dann ein Kind da rumläuft, Sachen klaut, sich Sachen anguckt, die es nicht angucken darf und so weiter, dann ist das maximal ablenken. Nee, ich würde sagen, er ist zwar nett zu dem Kind, weil er ein gutes Herz hat, aber er hat trotzdem überhaupt keinen Bock, dass dieser Toto bei ihm rumhängt.
Johannes Franke: Ja, also es ist irgendwie folgerichtig aus diesem Film heraus. Also die Figuren sind so angelegt, dass man sich jetzt nicht wundert und sagt, das ist jetzt aber nur ein dramaturgisches Mittel, sondern es ist schon auch mehr. Das stimmt schon.
Florian Bayer: Und er lässt Toto dann einfach. bei sich sein, weil sie dann einen Deal haben, weil Toto ihn abschreiben lässt. Ich glaube, da ist es erstmal, steckt da nicht viel mehr dahinter. Auch wenn Alfredo ist ein absolut lieber Kerl. Ich mag es von Anfang an, wenn man ihn sieht. Auch so kleine Sachen, die er macht und die Art, wie er mit dem Publikum interagiert. Er macht die Nachrichten, die die Wochen schauen und alle sind so voll genervt, die wollen den Film sehen. Und alle rasten total aus, wenn die Kussszene rausgeschehen ist. Die haben 20 Jahre lang keine Kussszene gesehen. Das ist so geil. Sie wollen wirklich nicht viel.
Johannes Franke: Ihre Ansprüche sind sehr gering. Eine einfache Kussszene aus einem 30er, 40er Jahre Film, das was nicht wild ist. Und ich finde, dass der Film das so gut aufbaut. Weil wir von Anfang an ihn sehen, wie er da bimmelt und sagt, rausschneiden, rausschneiden. Und dann sehen wir diesen einen Film mal konkreter. Und wir sehen die Annäherung der beiden Figuren auf der Leinwand. Und wir wissen schon, was kommt. Und wir warten nur darauf, dass der Film einmal springt und dieser Schnitt so offensichtlich einfach hinter den Kuss geht. Und alle stöhnen auf. Wir stöhnen auf. Es ist wunderbar gemacht. Und es ist so geil, weil wirklich die Leute hier auch schreiben, wir haben es gewusst, was soll das hier.
Florian Bayer: Und es ist echt Mayhem im Publikum. Also sowieso die ganze Zeit. In diesem alten Cinema-Paradies, so diese Massenszenen. Das ist... pures Chaos. Dann läuft noch ein Zigarettenverkäufer dazwischen, dann haben wir Kinder, die Krach machen, es wird da geraucht, es wird da gesoffen, Leute schreien dazwischen. Es ist so krass. Wirklich Sodom und Gomorra vor der Kinoleinwand.
Johannes Franke: Aber man muss dazu sagen, es gibt durchaus einen Unterschied und das finde ich ein kleines bisschen schwer einzusortieren. Er hat ja, am Anfang ist das ja quasi die Kirche. Also es ist ja wie eine Kirche. Also wenn du die Architektur anschaust, es ist wie eine Kirche.
Florian Bayer: Es sieht fast aus, als ob es der gleiche Raum wäre.
Johannes Franke: Genau. Und wir sehen auch sofort den Priester da mit der Bimmel und so weiter. Das scheint wie als wäre es sein. Ort. Seine Kirche. Hier bestimmt er. Und er schneidet die ganzen Sachen raus und so. Das Ding brennt ab im Laufe des Films und die Leute wollen es neu aufbauen. Das Neue gehört nicht mehr dem Priester. Das hat ja jemand anders bezahlt. Der Lottogewinner. Und was sehen wir? Sodom und Gomorra. Du hast Leute, die tatsächlich einfach mittendrin Sex haben. Es gibt Jungs, die da masturbieren. Es geschieht ein Mord. Es passieren... comically so viele Sachen, wo du denkst, okay, jetzt ist das Ding in der Vorhölle gelandet, dass ich nicht genau weiß, was soll denn das bedeuten jetzt? Was heißt dann das? Will uns der Filmemacher damit sagen, dass wenn die Kirche ihre Kontrolle verliert, geht alles dem Bach runter? Nein, das kann es doch auch nicht sein. Aber ich finde,
Florian Bayer: dafür ist das alte Cinema Paradiso auch schon wild genug und laut. genug und verdorben genug.
Johannes Franke: Aber für einen Mord?
Florian Bayer: Ja, für einen Mord nicht. Was ist da los?
Johannes Franke: Und die masturbierenden Jungs. Das ist schon mitten in den ganzen anderen Leuten, weißt du? Und wie die da Sex haben.
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Bei diesen ganzen Sachen, die wir sehen, frage ich mich immer, wie viel sehen wir Totos Perspektive? Weil der Film ist natürlich eine Rückblende. Es ist eine sehr persönliche Erzählweise, eine personelle Erzählweise. Und vielleicht ist es auch einfach so, dass wir am Anfang den Kino als Ort sehen, wie aus der Perspektive des Kindes wahrgenommen wird. Das Kindestoto. Und da sind halt die wilden Sachen, die passieren, sind halt die Raucher, sind die Knutscher und sind die Kinder, die Krach machen und die Leute, die reinschreien. Und nachher sehen wir die Perspektive von Toto, dem Jugendlichen. Und da sind die wilden Sachen Sex und Crime. Das sind die Leute, die sich einen runterholen, die Leute, die vor der Leinwand vögeln und die Leute,
Johannes Franke: die die Sexworkerin ins Kino abschleppen und so weiter. Vielleicht ist es das. Ja, vielleicht, vielleicht ist es das. Aber irgendwie, ich weiß, es ist seltsam. Es ist wirklich so comic-haft. Und ja, dann ist es vielleicht seine Perspektive, aber hat man als Jugendlicher dann so eine naive, also dass mal ein Mord passiert.
Florian Bayer: Wenn man im kleinen Dorf groß wird. Wir sehen am Anfang Toto, also wir kriegen quasi vor den Latz geknallt. das Fantasie ist, dass das Vorstellung ist, weil Toto sieht diesen Löwenkopf, aus dem der Film rauskommt, aus dem der Film projiziert wird und dieser Löwenkopf pullt und wird plötzlich zum MGM-Logo fasst. Ja, stimmt. Da schreit der Film uns ja geradezu an, ey, Vorsicht mit allem, was ich hier erzähle, das ist eine persönliche Wahrnehmung, das ist nicht 100% Realität.
Johannes Franke: Ich hab so ein bisschen Magical Realism aufgeschrieben. Ja, also es ist ja nicht so, dass irgendjemand in der Gegend rumfliegt oder sowas, es passiert nichts. offensichtlich magisches. Also im Sinne von, da ist wirklich, wir verlassen die Naturgesetze oder sowas. Aber es ist trotzdem Magical Realism, weil es aus der Perspektive eines wahnsinnig nostalgischen Menschen ist, der die Magie des Kinos einfach auf elf dreht. Es ist halt auch,
Florian Bayer: gerade weil so viele Sachen so peripher wahrgenommen werden. Wir haben diesen Stalinisten, der immer mal wieder Ärger kriegt und angeschrien wird. Aber das wird ja nicht tiefer ge... haben, sondern es wird einfach so kurz gezeigt und das spricht halt so sehr für die Augen eines Kindes, dass einfach nur diese Fetzen der Realität wahrnimmt und irgendwie versucht einzuordnen und die gar nicht 100% eingeordnet kriegt. Auch dieses absurde Bild von dem, was auch immer er ist, ob er Adliger ist oder hoher Wirtschaftsmagnat, von diesem reichen Menschen, der oben in der Loge sitzt und immer mal runterspuckt.
Johannes Franke: Das ist auch tatsächlich sehr komik. Das ist komplett drüber. Das stimmt, ja.
Florian Bayer: Das ist vielleicht auch einfach die Wahrnehmung von jemandem, der sich erinnert und der sich daran erinnert, wie er es als Kind wahrgenommen hat. Und dazu würde halt auch passen, dass er sich dann daran erinnert, wie er es als Jugendlicher wahrgenommen hat. Und das ist eine andere Form von Mayhem.
Johannes Franke: Dazu passt auch, dass dieses Dorf im ersten Teil des Films in den 50ern so comically Dorfidyll von Italien ist, wie es wahrscheinlich nie richtig so stattgefunden hat. Ja, absolut. Wir sehen diesen Platz, die haben sich ja einen richtig krassen Ort ausgesucht dafür. Der Brunnen, der da in der Mitte ist, der ist ja von 1600 irgendwas. Das ist ja ein richtig alter Brunnen und dann eben diese Dorfgemeinschaft, dieser Platz, dieser Dorfplatz drumherum, der so idealisiert dargestellt ist. Du kriegst ja richtig Zahnschmerzen davon, weil das so zuckersüß ist.
Florian Bayer: Ich musste teilweise an Momo denken.
Johannes Franke: Ja?
Florian Bayer: Also in der Verfilmung von Momo, da wird ja auch dieses Dorf gezeigt, wo jeder jeden kennt und auch die Leute so sehr klare, prototypische oder stereotype Rollen einnehmen.
Johannes Franke: Voll, ja.
Florian Bayer: Und dann alle so ein... bisschen sich gegenseitig anschreien. Das ist ja auch sehr italienisch. Das ist ja auch ein italienischer Film. Oder hat zumindest sehr viele italienische Vibes.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Und sich dann aber trotzdem am Ende des Tages lieb haben. Und dann passt es halt dazu, dass dieser eine Typ über den Marktplatz läuft und die ganze Zeit schreit runter, runter, das ist mein Marktplatz. Und die anderen finden das halt einfach auch irgendwie witzig,
Johannes Franke: weil es Teil dieses Ortes ist. Und er gehört einfach dazu. Es ist kein Außenseiter im klassischen Sinne, sondern es ist halt die Dorfgemeinschaft. Und es ist halt aber auch, muss man sagen, der Dorftrottel. Eine Version des Dorftrottels.
Florian Bayer: Wobei, er wird nie so inszeniert, dass man das so wahrnimmt. Sondern er ist wirklich ein Teil der Gemeinschaft.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und solche Menschen gibt es. Es gibt diese
Johannes Franke: Filmemacherischen Klischees, die da drinstecken.
Florian Bayer: Natürlich, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und die stecken natürlich auch deswegen drin, weil es ja darum geht, dass Kino so magisch und so. Du kriegst ja eine Magie vor allem durch, naja, Klischees ist ein schlechtes Wort dafür, es ist ein fieses Wort dafür. Aber am Ende sind es vielleicht Klischees, die dazu führen, weil eine Stilisierung ja irgendwie stattfindet und dann sind das halt am Ende Klischees.
Florian Bayer: Wir haben das ja ganz viel, dass dann auch in dieser Filmsprache geredet wird und dass Toto, wenn er älter wird, halt auch die Welt als Film wahrnimmt. Wir haben dieses Gespräch von Alfredo mit ihm, wo Alfredo ihm Ratschläge gibt und dann kommt raus, dass das offensichtlich von John Wayne ist, was er da hat. Und dass es einfach nur ein Filmzitat ist.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Was sich ja dann spiegelt später, wenn er ihn fragt, von wem ist das denn jetzt, als Alfredo eher was Negatives sagt und sehr was sehr Pessimistisches sagt.
Florian Bayer: Als Gegennostalgie sagt.
Johannes Franke: Ja, und dann sagt halt Alfredo... Nee, das ist einfach vielleicht nur von mir.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und da kommt der Realismus reingecreept. Und nicht nur reingecreept. Gecreept? Ja.
Florian Bayer: Oh, wow.
Johannes Franke: Oh, wow, das ist brutal. Und das ist für mich so ein Moment, wo ich sage, nee, ich wehre mich wirklich sehr, sehr stark, muss ich sagen. Ja. Wirklich so stark dagegen, dass dieser Film anfängt, realistisch zu werden und diese Nostalgie versucht abzuschütteln. Das ist für mich wahnsinnig schwer als Zuschauer. Also es geht so weit, dass ich wirklich... am Ende des Films da sitze und sage, nee, ich will den ersten Teil nochmal. Ich will nur den ersten Teil nochmal gucken. Der zweite Teil war mir zu, weiß ich nicht, revisionistisch fast.
Florian Bayer: Definitiv. Also ich finde es gut, dass du das auch reingelesen hast, weil das sehe ich auch so, das ist einfach da und ich finde, dazu kommen wir nachher nochmal, dass es der Film dann am Schluss schafft, diese Position zu versöhnen. Dass er wirklich diesen Moment hat, wo er knallhart reinhaut mit dem Realismus und sagt, hör auf mit dieser Nostalgie. Das hat hier nichts verloren. Versuch irgendwie was anderes zu machen. Komm hier raus. Du hast die Chance hier rauszukommen. Und dass wir am Schluss trotzdem irgendwie damit versöhnt sind, dass die Nostalgie auch irgendwie eine Art Teil des Lebens ist. Und auch ein wichtiger Teil des Lebens.
Johannes Franke: Also wir haben das Kind jetzt eine halbe Stunde oder dreiviertel Stunde lang gesehen. Ich habe uns verliebt in das Kind. Und jetzt mit einem Wischen übers Gesicht mit der Hand wird er plötzlich jugendlich.
Florian Bayer: I like this transition.
Johannes Franke: Die Transition ist toll. Es gibt auch mehr Transitions. Das mit der Glocke ist eine Transition, die ich sehr nett finde und so. Es gibt ein paar gute Sachen.
Florian Bayer: Um jetzt ganz kurz zu sagen, davor verliert Alfredo sein Augenlicht. Eine krasse Szene. Ja, okay,
Johannes Franke: lass uns erstmal darüber reden.
Florian Bayer: Weil das ist wirklich, bevor Toto zum Jugendlichen werden kann, gibt es diesen großen Unfall. Und wie gesagt, es war Foreshadowing, dass seine Filmrollen gebrannt haben. Jetzt fängt nämlich eine Filmrolle an zu brennen. Und zwar in einem der eigentlich davor schönsten Momente des Films. Wenn die Leute aus dem Kino rausgeschmissen werden, weil die Kinofilfere sagen, okay, jetzt ist genug, wir müssen zumachen. Und dann Alfredo sagt, nee, ich mache den Leuten jetzt noch ihr Kinoereignis. Die wollen den Film so gerne sehen, die wollen ja wirklich nicht nach Hause.
Johannes Franke: Und es kamen ja auch genug Leute nicht rein in den Film. Also es standen ja vorne draußen Leute und haben nicht mehr reingepasst und die wollten unbedingt alle und so. Und deswegen war der Kirchenplatz natürlich der geeignetste Ort, dann das umzudrehen. was technisch
Florian Bayer: Völliger Quatsch.
Johannes Franke: Es ist sowas von unmöglich, von einer festgelegten Position, wo du genau weißt, du hast den Projektor genau darauf eingerichtet, dass in der Entfernung auf der Leinwand, in die Richtung, das Bild scharf ist. Dann drehst du das Ding um, die Lichtstärke allein reicht schon nicht aus und hat auch beim Dreh tatsächlich nicht ausgereicht, weswegen sie tricksen mussten. Sie haben ganz viel rumgetrickst, damit das irgendwie auf dieser Hauswand ab... abbildbar ist. Und es ist einfach so fucking unrealistisch, dass er das einfach spontan umdreht.
Florian Bayer: Und wofür? Für eine wunderschöne Szene.
Johannes Franke: Natürlich. So halber Preis, halber Preis. Geh, fick dich selbst. Was soll das denn? Wir sind nicht hier in der Öffentlichkeit. Wir gucken. Wir geben dir überhaupt kein Geld.
Florian Bayer: Und dann haben wir aber in diesem schönen Moment wirklich, da kriegt auch die Realität brutal rein. Diesen Moment, wo das Ding Feuer fängt und Alfredo erwischt wirklich so doll. dass er erblindet.
Johannes Franke: Und das ist der erste Moment, wo ich merke, okay, der Film will hier in eine völlig andere Richtung. Der hat mich jetzt hier eingelullt, nur um mir so richtig in die Fresse zu schlagen. Weil er die Verbindung herstellt zwischen dem schönsten Moment des Films und dem schlimmsten Moment des Films. Und wirklich sagt, wenn du gegen den Kapitalismus was machen willst, Hier ist das Resultat. Du hast keine Chance. Wirklich, das ist deine Interpretation. Was ist das sonst? Der Film ist doch kein... Der Pastor will da noch Geld aus den Leuten rausholen. Der will noch Geld einsammeln von allen, die auf dem Marktplatz stehen, um diesen Film zu gucken. Aber der Film verteidigt doch nicht den Kapitalismus in diesem Moment. Er verteidigt den Kapitalismus, aber er ist fatalistisch und sagt, du hast keine Chance. Es ist einfach ein narratives Stilmittel, dass du sagst, du trinkst den schönsten Moment mit dem schlimmsten Moment zusammen. Wie kannst du sagen, dieser böse kapitalistische Film, weil der arme Alfredo erblindet. Nein, ich habe nicht gesagt, dass der kapitalistisch ist, der Film. Ich habe gesagt, dass der Film irgendwie damit schon anfängt zu sagen, und später macht er das noch viel mehr, dass wir diese Nostalgie, die wir da feiern, dass wir die nicht durchhalten können und dass wir eigentlich keine Chance gegen die Realität haben.
Florian Bayer: Ja, ich hoffe, das sollte sich jeder vergegenwärtigen in seinem Leben.
Johannes Franke: Nostalgie ist was Wunderschönes, aber es ist doch klar, dass es einen Moment gibt, wo man mit der Nostalgie brechen muss. Und da ist der Unterschied zwischen uns beiden, Flo. Also ich bin ein sehr Nostalgie liebender Mensch und ich will nicht, dass mir die kaputt gemacht wird. Ich bin auch ein Nostalgie liebender Mensch. Nein.
Florian Bayer: Aber du akzeptierst doch trotzdem die Gegenwart. Du machst doch weiter, du arbeitest weiter.
Johannes Franke: Hast du mal meine Wohnung gesehen?
Florian Bayer: Ja, genau, die hast du selbst gestaltet. Es besteht die Gefahr in der Nostalgie, dass man stehen bleibt und auch hängen bleibt. Ja, natürlich.
Johannes Franke: Und die Gefahr besteht ja auch für Toto. Aber muss man jemandem gleich einen Unfall andichten, dass er blind wird und dann Theresias wird? Das größte Klischee überhaupt, nämlich der Blinde, der sagt, jetzt sehe ich viel besser als vorher. Aber es ist doch keine kapitalistische Parabe. Also bitte, das sehe ich jetzt einfach darin, weil ich dem Kapitalismus auf die Füße treten will.
Florian Bayer: Geh zurück zum magischen Realismus, da hast du an der richtigen Stelle gestanden. Und der Realismus kickt halt manchmal hart rein in sowas. Nach dem Verbrennen haben wir den nächsten harten Reinkicken des Realismus, nämlich dass der Vater gestorben ist. dass sie erfahren, dass Totos Vater tot ist.
Johannes Franke: Aber eigentlich sagt der Film das von Anfang an, dass der Vater tot ist.
Florian Bayer: Aber es ist nochmal was anderes, wenn es halt auch zur Realität des Kindes geht. Natürlich, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und dann gehen die da nach der Nachricht des Todes an diesem Plakat vorbei und er sieht da den Vater und das wird in diesem Plakat quasi.
Florian Bayer: Also es ist ja Clark Gable, glaube ich.
Johannes Franke: Ja. Und es wird ihm vorher gesagt, dass sein Vater ihm sehr ähnlich ausgesehen hat. Toto hat kein... Keine Ahnung, wie sein Vater aussieht.
Florian Bayer: Sein Vater war im Krieg. Es ist 1950,
Johannes Franke: whatever. Er hat keine Ahnung. Er hat ihn wahrscheinlich nie richtig kennengelernt.
Florian Bayer: Und dann ist halt Clark Gable, das ist ganz krass, dass der Film auch wirklich so dieser Bezug ist, um das zu verarbeiten. Krass.
Johannes Franke: Also schöne Szene. Aber ich finde, muss ich sagen, diese Klischee-Sache von dem Blinden. der dann auch in vielen, vielen Szenen immer wieder draufhaut, dass er jetzt viel schlauer und viel weiser und viel mehr sehen kann als vorher. Das finde ich wirklich hart, muss ich sagen.
Florian Bayer: Wie fandst du denn den Alfredo Darsteller? Philippe Norey, ein Franzose.
Johannes Franke: Ein Franzose, der am Set Französisch getrinkt hat. Er hat Französisch gesprochen. Warum besetzt man nicht Italiener?
Florian Bayer: Was ist denn da los? Es gibt doch wohl andere Italiener, die gute Schauspieler sind. Nach dem Kapitalismus kommst du jetzt mit Nationalismus? Johannes, wenn das überhaupt dein richtiger Name ist, wie fandst du ihn denn? Ich fand ihn sehr, sehr gut. Er ist toll, oder?
Johannes Franke: Wirklich toll. Er ist ein ganz, ganz, ganz toller Schauspieler, der so viel Aura hat, die einem einfach nur lieben lässt. Er ist wirklich, wirklich, wirklich toll. Und ich sehe gar nicht den Franzosen, sondern den Italiener, aber vielleicht auch nur, weil ich es nicht wusste.
Florian Bayer: Du kennst ihn?
Johannes Franke: Ich kenne ihn, ja,
Florian Bayer: Er hat den Onkel Gabriel in Sassi gespielt, in dem wunderschönen Nouvelle Vague. Film aus dem Jahr 1960. Ich finde ihn auch ganz großartig und ich gebe dir das total. Es sind sehr viele Klischees, die da zusammenkommen, gerade wenn er dann erblindet ist und wenn er der Weise erblindet ist. Und er ist ja sowieso grundsätzlich die Mentorenfigur und ich hasse Heldengeschichten, so Interpretationen. Aber er ist so eindeutig die Mentorenfigur, die immer zu unserem Protagonisten was Wichtiges sagt, damit er weiterkommt. Es ist egal, weil es einfach funktioniert in diesem nostalgischen Rahmen und weil es natürlich auch in diesem Metafilm-Rahmen funktioniert. Dann ist halt hier ein bisschen Heldengeschichte drin, dann sind hier halt ein bisschen Klischees drin. Es ist ein Film über ein Kind und einen Jugendlichen, die das Leben als Kino wahrnehmen, für die Film nicht nur ein Medium außerhalb des Lebens ist, sondern für die Film auch ein Medium ist, das das Leben reflektiert. Und dann ist das halt so, dann existieren da halt ein paar Klischees und ein paar Stereotype, natürlich.
Johannes Franke: Ja, mir hat es wehgetan. Also mir hat es auch wehgetan, weil natürlich das auch bedeutet und das ist vielleicht in den 80ern noch nicht so gewesen, obwohl, ja, auch da war es schon so, dass diese magische Behinderung. Menschen mit Behinderung, die dann als magische Figur quasi inszeniert werden. Was soll das?
Florian Bayer: Schreckliches Klischee.
Johannes Franke: Ganz schlimm.
Florian Bayer: Und ich weiß, dass so viele blinde Menschen oder taube Menschen davon genervt sind, wenn sie gefragt werden, aber deine anderen sind es doch bestimmt ganz doll geschärft.
Johannes Franke: Nein, Alter. Witze, lass das. Ich habe nicht plötzlich Fledermaus-Sonografie. Das ist wirklich... hart. Man will das nicht. Und das Problem ist, dass der Film das nicht nur einmal etabliert, sondern in ganz vielen Szenen immer wieder drauf eingeht.
Florian Bayer: Ich hab's gar nicht so schlimm wahrgenommen. Es ist definitiv vorhanden in dem Film. Ich finde, es ist halt, es kommt halt nach Fredo zweimal sehr stark zum Tragen. Aber ansonsten, ja, es ist halt einfach nur das Klischee, was man immer, was man zu viel in den 80ern findet. Wir haben den Jugendlichen Toto.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Wenn du schon für Lob für den Kindertoto warst, wie findest du den Jugendlichen Toto?
Johannes Franke: Ich habe nicht so viel Lob für ihn übrig, leider. Gar keins? Nee, nicht gar keins. Ich finde ihn okay. Aber okay ist halt kein Lob.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Er stört nicht weiter oder sowas. Aber ich finde ihn tatsächlich nicht... Vielleicht ist es auch fies. Weil er spielt halt die Rolle weiter und der Junge war so gut.
Florian Bayer: Marco Leonardi und ich bin ganz auf deiner Seite. Eigentlich ist... Und das denke ich jedes Mal, wenn wir zur zweiten Hälfte des Films kommen, eigentlich will ich 120 Minuten das Kind sehen.
Johannes Franke: Das ist halt das Ding. Aber da bleiben wir im Magical Realism. Und dann kann der Film nicht weiter in seine revisionistische Ader.
Florian Bayer: Und ich finde, es ist auch richtig, dass der Jugendliche gezeigt wird, auch auf dem Zwischenschritt zum Erwachsenen. Ich finde, das macht auch alles Sinn. Das ist auch schlüssig, was dann erzählt wird. Aber ich finde, er kann nicht mit dem Kind mithalten.
Johannes Franke: Und die Geschichte an sich kann auch nicht mit dem Kind mithalten.
Florian Bayer: Seine Geschichte kann auch nicht mit dem Kind mithalten. bis auf den Punkt, wo sie dann auf sich selbst referiert. Wo sie auf sich selbst zurückfällt und wo eben das große Thema Nostalgie thematisiert wird. Weil das schlägt zu den Bogen vom Jugendlichen zum Erwachsenen und ich finde, da entfaltet der Film nochmal eine erzählerische und inhaltlich ziemlich große Stärke. Erzähl. Naja, es ist im Grunde genommen eigentlich das, was ich schon gesagt habe. Der Film erzählt einen Menschen, der die ganze Zeit in dieser filmischen Wahrnehmung ist, für den Kino dieser magische Ort ist und der für dieses Kino lebt. Und mitunter das Gefühl, Salvatore würde in diesem Kino sterben. Der könnte für den Rest seines Lebens dort verbringen.
Johannes Franke: Ja,
Florian Bayer: okay. Und das hängt natürlich zum einen mit der Nostalgie zusammen und zum anderen aber auch, dass er immer so eine Form von Eskapismus sucht und das Film für ihn halt einfach ein Weg in die weite Welt hinaus ist. Und dann gibt es diese sehr weisen Worte von Alfredo, die weite Welt ist da draußen. Die ist nicht da auf der Leinwand, sondern die ist da. Und du hast, warum auch immer, du hast die Möglichkeit, du bist so kreativ, Du hast so viele Ideen, dass du die Möglichkeit hast, hier rauszukommen. Und das Leben ist nicht wie ein Film. Das sagt er tatsächlich wortwörtlich. Das Leben ist viel härter. Und nimm die Welt an und verhaare nicht in diesem Eskapismus.
Johannes Franke: Ja, ich finde auch tatsächlich, also jetzt mal rein als Filmemacher gesprochen, dass Nostalgie und Emotionalität und sowas eine ganz böse Falle ist. Weil wenn du zum Beispiel eine Szene hast, in der etwas sehr Trauriges passiert. möchtest du nicht, dass alle Figuren in der Szene weinen? Weil du willst ja, dass der Zuschauer weint. Also müssen die Figuren in der Szene dagegen ankämpfen. So geil, weil dieser Film eine Szene hat, in der alle weinen. Eine traurige Szene. Weißt du, es gibt diese eine traurige Filmszene, wo alle weinen. Egal, erzähl weiter. Du willst nicht, dass alle weinen, weil du willst, dass der Zuschauer weint. Genau. Und dafür müssen eben alle anderen in der Szene dagegen ankämpfen. Wenn sie weinen, dann ist ja die Katharsis passiert. Dann muss der Zuschauer das nicht mehr machen. Aber so siehst du auch die Not viel stärker, in der die Figur ist, wenn sie kämpft. Und das ist auch das, was der Film so ein bisschen sagt, fall nicht rein in diese Nostalgie, weil es eine Falle ist. Ich finde das total gut an sich, aber mit einer Vehemenz, die mir wirklich wehtut am Ende. Weil eigentlich stimmt es nicht in der Vehemenz. Ja, okay, du musst vielleicht mal raus aus der Sache und du musst vielleicht dein Heimatort verlassen, um mal auch die Welt zu sehen. Aber das heißt nicht, dass du nicht zurückkommen darfst und dass du in dieser Vehemenz das Ganze durchziehen musst. Und wenn wir in den Directors Cut gucken, wird es ja noch viel schlimmer, noch viel stärker betont, dass Alfredo dann wirklich dafür sorgt, dass dieser Junge nie wieder in dieses Dorf zurückkehrt. Und das stimmt einfach nicht. Das ist völliger Quatsch. Du kannst kreativ sein, du kannst große Dinge tun innerhalb deines Rahmens. Du kannst ihn auch aufbrechen und es ist total toll und es ist legit, aber du musst das nicht. Das ist auch vollkommen in Ordnung, wenn du in einem anderen Rahmen das machst, in deiner heimatlichen Umgebung. Das würde ja bedeuten, jeder muss seine Leute im Stich lassen und nie wieder zurückkehren. Was soll denn das? Das ist doch Blödsinn.
Florian Bayer: Das ist ein sehr radikales Bild, was der Film da zeichnet und ich glaube, es ist auch nicht einfach so, dass man sagen kann, der Film verkauft uns das als die Wahrheit, sondern das ist einfach die Haltung, die Alfredo hat. Alfredo ist natürlich jemand, der sieht, dass Salvatore irgendwie mehr kann und er hat ja auch recht, Salvatore wird ein großer Regisseur, also wir erfahren es nicht zu 100 Prozent, wie sein Leben funktioniert. verlaufen ist. Aber wir wissen, Salvatore, den Salvatore, den wir als Erwachsenen Salvatore kennenlernen, das ist ein großer Regisseur, der hat Filme gedreht. Und Alfredo hat halt Angst, dass er das verliert. Und wir sehen ja auch, dass dieser Salvatore, was er macht, kann er ja nur machen, weil er das Stück, was er da mitgenommen hat, im Herzen trägt. Weil er diese Liebe zum Film, zu dem Medium und zu der Zauber des Kinos, weil er die irgendwie noch in sich bewahrt hat. Das heißt, Salvatore selbst macht gar nicht diesen radikalen Brunnen. Salvatore gibt sich ja auch der Nostalgie. Und selbst Alfredo hat ja offensichtlich ein Stück Nostalgie für ihn aufbewahrt. Das heißt, es gibt diese... Diese Verbindung und dieses Radikale von Alfredo war vielleicht auch das Falsche. Wir sehen ja auch die Traurigkeit der Mutter. Das tut ja auch wirklich weh, wenn wir sehen, wie Salvatores altgewordene Mutter sagt, endlich bist du mal wieder da und dann mit sich mit der Schwester unterhält. Und sie sagt, er wird aber nicht lange bleiben. Wir kennen ihn doch, er wird wieder weg sein. Da sehen wir, dass da ja auch Schmerz drin steckt.
Johannes Franke: Und ich habe das Gefühl, dass er auch dem altgewordenen Toto einen Schmerz gibt.
Florian Bayer: Ja. Auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und auch eine Lücke in seinem Leben.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Und die bezieht sich natürlich erstmal stark auf die verlorene Liebe. Was voll nervt. Was voll nervt. Aber das ist ja universeller gedacht. Da ist eine Lücke in seinem Leben, die, wenn wir jetzt ganz metaphorisch denken, die vom Priester rausgeschnitten wurde.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also diese Leidenschaft, die durch die Küsse, die rausgeschnitten werden. Diese Lücke kann er anscheinend nicht füllen, weil er auch immer wechselnde Beziehungen hat und jedes Mal, wenn die Mutter anruft, offenbar eine andere Frau am Telefon ist und so. Und überhaupt die Bildsprache sehr viel kühler ist als in der Erinnerung, weil die Erinnerung einfach golden und lichtdurchflutet und schön und warm ist und die Gegenwart einfach für ihn so inszeniert viel kälter ist. Das kann natürlich auch was einfach damit zu tun haben, dass er erwachsen geworden ist und das ist halt einfach so und dass die Erwachsenenwelt einfach ein bisschen... schwerer ist als eine Kindheit. Aber es kann auch bedeuten, dass er dadurch, dass er die Sachen hinter zurückgelassen hat, einen Teil von sich abgeschnitten hat, der jetzt fehlt.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, diese Ambivalenz hat der Film. Und ich glaube, diese Ambivalenz trägt er auch bis zum Ende. Das heißt, es ist nicht die Wahrheit, dass man Nostalgie komplett wegwerfen sollte. Aber es ist halt auch nicht die Wahrheit, dass Nostalgie einfach nur wunderschön ist und keine negativen Seiten hat.
Johannes Franke: Oh mein Gott Was ist das für eine Musik? Was war das? Wo sind wir? Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit. Ganz schnell, damit wir zurückfinden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld dalassen wollt, macht das doch bitte über buymeacoffee.com slash muss man sehen... Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, ist das eure Chance. Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Filmvorschlag, ohne Geld. Und Feedback gerne an johannes.mussmansehen.de und florian.mussmansehen.de.
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcast, Deezer,
Johannes Franke: whatever. Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf... Sterne oder Herzchen oder sonst irgendwas, was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt. Und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben. Ah, super. Fehlt noch irgendwas? Nee, ich glaube, wir haben alles, wa? Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Florian Bayer: Yes Können wir einmal kurz sagen, wie genial die Musik von Ennio Morricone ist?
Johannes Franke: Oh ja, ja, der macht das hervorragend. Ist ja unglaublich. Wahrscheinlich 50% der Nostalgie kommt nur von der Musik. Vielleicht mein Lieblings-Soundtrack von Morricone?
Florian Bayer: Und ich habe das Gefühl, ich habe das schon zweimal gesagt,
Johannes Franke: weil Morricone wirklich grandios ist. Das hast du auch bei My Name is Nobody gesagt.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: aber My Name is Nobody ist auch unglaublich gut.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: natürlich. Dein Lieblings-Soundtrack, ne?
Florian Bayer: Mein Lieblings-Soundtrack von Morricone. Ich glaube, ich mag auf jeden Fall My Name is Nobody und Cinema Paradiso deutlich mehr als Once Upon a Time in Amerika.
Johannes Franke: Okay, okay. Dann gucken wir den wahrscheinlich und dann sagst du wieder, ach, das ist bestimmt der beste Zumelder, den Morio Kone hier gemacht hat.
Florian Bayer: Ja, auf jeden Fall trägt er sehr viel dazu bei. Aber es bleibt halt diese Ambivalenz. Nostalgie ist was Schönes und wir dürfen uns auch in dieser Nostalgie baden. Aber es ist nicht alles. Ich finde es wichtig, dass diese Ambivalenz bestehen bleibt. Ich finde, liegt vielleicht auch daran, dass ich mit diesem zweiten großen Handlungsstrang aus der Jugend Salvatores relativ wenig anfangen kann. Dann kommen wir auch gleich zum Directors Cut. Nämlich seine Romanze mit Elena. Er verliebt sich in Elena, die die offensichtlich aus gutem Hause kommt. Und deswegen ist ihr Vater natürlich nicht so angetan davon, dass sie mit so einem Landstreich, hätte ich das fast gesagt, was ist das richtige Wort, mit so einem Taugenichts wie Toto was zu tun hat. Und sie scheint da erstmal so weit mitzugehen, dass sie zu ihm sagt, dass sie ihn zwar sympathisch findet, aber dass sie ihn nicht liebt. Und dann haben wir ja diese Große auch komplett aus dem Kino entliehen, dass er sagt, okay, jetzt warte ich jede Nacht hier. Das ist ja auch komplett übertrieben. Wir sind immer noch im Bereich magischer Realismus. Das ist ja nicht realistisch, dass er da jede Nacht vor ihrem Fenster steht bis nach Neujahr rein.
Johannes Franke: Es ist ja vor allem so, dass er vorher diese Geschichte erzählt bekommt von Alfredo. Ja. Was bedeutet die Geschichte? Das Geile ist ja, dass die Geschichte so erzählt wird, dass Alfredo am Ende sagt, ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Sag mir Bescheid, wenn du es weißt. Es ist sehr lustig, aber da steckt ja auch was drin.
Florian Bayer: Die Geschichte ist von einem Soldaten, der sich in eine Königsdochter verliert. Und sie sagt zu ihm, er soll 100 Tage... 100 Tage unter ihrem Balkon warten und nach 99 Tagen geht er. Und Alfredo weiß nicht, was das bedeutet. Er hat es halt einfach erzählt. Das ist die Geschichte, die ihm eingefallen ist. Ich finde es zum einen ein sehr schönes Kennzeichen, dass das halt nicht ganz klar ist, was sie bedeutet. Dass sie vielleicht auch wirklich gar nichts bedeutet. Dass es einfach nur ein Stück Geschichte ist, um das Leben in Geschichten zu packen. Weil Toto sieht das Leben in Geschichten.
Johannes Franke: Aber hast du was gesehen noch sonst da drin? Oder ist es tatsächlich für dich so? Naja, es ist halt...
Florian Bayer: Weiß ich nicht. Ich gucke gerade nochmal drauf und ich frage mich, vielleicht ist es richtig, dass er nach 99 Tagen gegangen ist, um einmal zu beweisen, dass er es wirklich ernst meint.
Johannes Franke: Genau. Und dann zu beweisen, dass es nicht alles nur an ihm hängen kann.
Florian Bayer: Genau, genau. Und das ist dann einfach eine sehr schöne Geschichte. Ja, vielleicht ist es einfach das. Vielleicht hat er auch in diesen 99 Tagen einfach gelernt, dass es das doch nicht wert ist und dass sie... ihn scheiße behandelt, wenn sie ihn zwingt 100 Tage da unter dem Balkon zu stehen. Genau.
Johannes Franke: Aber das Interessante kommt ja dann auch dadurch, dass Toto das nochmal versucht. Also der geht quasi der Geschichte nach und sagt, okay, ich bleib jetzt jeden Tag vor deiner Tür stehen, bis du mich liebst. Und stellt dann irgendwann fest, was ist das für Quatsch? Also er sagt das nicht, aber man merkt schon, dass er dann feststellt, völlig sinnlos zu warten. Also es ist zum einen, was sagt das über mich aus und zum anderen, was sagt das über Sie aus. Was soll das? In was für einer Situation befinden wir uns hier? Und dann kommt sie ja auch. Und das ist die Auflösung der Geschichte, dass es völlig uninteressant und völlig absurd ist, jemanden warten zu lassen und der das dann auch brav macht und man dann denkt, ja, aber was will ich denn mit einem Typen, der einfach nur macht, was ich sage. Und dann völlig devot einfach nur, also was ist das? Was soll das? Das ist ja auch keine Beziehungsgrundlage. Insofern geht und dann kommt sie halt und sagt, ja, lass uns mal gucken, ob das was Interessantes ist.
Florian Bayer: Was übrigens wirklich eine süße Szene ist. Auch wenn ich kein Fan von dieser Romanze bin, auch kein großer Fan von der Geschichte, dass sie aus gutem Haus, er aus niederem Haus und Vater ist dagegen. Es ist halt auch einfach, also ich kann es akzeptieren, weil es einfach als Teil der Jugend erzählt wird. Und der Film... geht dann ja auch wirklich durch die Jugend. Er erzählt ja das Militär zum Beispiel ganz kurz. Wir haben wirklich so diesen eine-Minute-Blog, wo er bei Militär ist und sich eigentlich nur nach seiner großen Liebe sehnt. Es ist dann halt doch irgendwie, die Liebe ist so das Zentrale in der Jugend. Aber vor allem sehe ich das Wichtigste dann an diesem Strang, wie er mit der Frage umgeht, bleibe ich hier? Bleibe ich hier? Ja. Oder geht es weiter und wohin geht es? Was will ich überhaupt in meinem Leben? Und da bringt der Film das richtige Paket an Weisheit und Trivialität, die mir zeigt, es ist alles mit einer Prise Salz zu genießen. Alles, was Alfredo sagt, muss man nicht 100% ernst nehmen. Vor allem, weil Alfredo halt auch verbittert ist. Alfredo ist dann nicht mehr nur der weise Mann, sondern Alfredo ist einfach alt. Er hat abgebaut, er ist wirklich bettlägerig quasi.
Johannes Franke: Er ist schlägtum, ne?
Florian Bayer: Er ist nicht einfach nur der Weise, der hier eine Lebensmoral gibt, sondern er sagt seine Haltung dazu. Und ob Salvatore die ernst nimmt, ist ihm überlassen. Und dass dann gesagt wird, er sei nicht die ganze Zeit nostalgisch, finde ich ganz wichtig als Kontrast zu dieser schönen Kindheit, die gezeigt wurde. Aber wie du sagst, dass es diese Sehnsucht gibt, die in Salvatore trotzdem noch drin ist. Und dass es auch für ihn hart war, mit allem zu brechen und wirklich jahrelang, jahrzehntelang nicht mit seiner Mutter zu reden. Oder zu seiner Mutter nicht zu sehen.
Johannes Franke: Hat er überhaupt nicht mit ihr geredet? Nee, sie haben telefoniert.
Florian Bayer: Er war einfach nicht da. Aber was auch schon krass ist, dass er so lange nicht an seinem Heimatort war.
Johannes Franke: Und dass sie auch nicht nach Rom geflogen ist. Weil sie sagt ja irgendwann, was, nur eine Stunde mit dem Flugzeug? Das hättest du mir aber früher sagen können.
Florian Bayer: Das ist total krass. Da gibt es eine gewisse Ambivalenz in dem Film. Aber jetzt, damit kommen wir zum Directors Cut. Da wird nämlich noch ein bisschen mehr erzählt. Also wir haben, im Film wird erzählt, wie er jetzt zurück in diesen Ort kommt, nach all dieser Zeit, weil Alfredo gestorben ist. und es gibt Es gibt die Beerdigung und es gibt das alte Paradiso-Gebäude und die ganzen alten Leute sind immer noch da. Und manche erkennen ihn direkt wieder, andere erkennen ihn nicht sofort. Und das Kino soll abgerissen werden. Und Alfredo hat Salvatore eine Filmrolle hinterlassen und wir haben wirklich dieses unfassbar schöne Ende. Also das Kino wird gesprengt, was traurig ist.
Johannes Franke: Ja, es ist sehr, sehr traurig. Also das, was er dann erlebt, wenn er zurückkommt und alle nochmal auftauchen, wie bei Toto. I think we're not in Kansas anymore. Und du warst da. Und du warst da. Du hast auch eine Rolle gespielt. So kommen alle Figuren wieder und sind alt und sogar das Pärchen, was wir nur so dreimal sehen, das am Anfang kein Pärchen ist, sondern sich nur im Kino so beäugt. Ja, und dann die Kinder kriegt. Genau, das finde ich total süß. Ja, das ist voll lustig. Und dann tauchen alle wieder auf. Und dann kickt natürlich die Nostalgie rein, aber er schafft es ja dann eben, diese Nostalgie die ganze Zeit zu konterkarieren mit eben dem runtergekommenen Kino und dieser Traurigkeit. Ja,
Florian Bayer: und seine Mutter sagt ja auch zu ihm, es war richtig, dass du gegangen bist, hier sind nur Geister.
Johannes Franke: Da habe ich ja meine Probleme mit, muss ich sagen. Wirklich?
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: ich finde es... Krass, weil sie hängt wirklich an ihm. Die Mutter darf in dem Moment... Dürfen wir über die Frauenfiguren kurz reden?
Florian Bayer: Oh Gott, das ist ein 80er-Jahres-Film. Ja, es sind schreckliche Frauenfiguren. Es sind keine Frauenfiguren da. Elena ist blass, die Mutter ist blass, seine Schwester ist blass.
Johannes Franke: Die Mutter darf gar nichts sein am Ende. Sie darf nicht mal diejenige sein, die sagt, Alter, das wäre schön gewesen, wenn du mal gekommen wärst. Was soll denn das? Das einzige Trademark, was wir als Klischee von italienischen Müttern haben, darf sie nicht erfüllen. Nämlich die Familie ist doch das Wichtigste. Warum kommst du nicht nach Hause, Kind?
Florian Bayer: Es ist wirklich ein Ding von 80er Jahre Filmen. Und um da einen Kontrast dagegen zu werfen, Boyhood, über den wir gesprochen haben, von Linklater. Da gibt es am Schluss von der Mutter einen krassen Monolog, wo sie sagt, ey, ich bin echt erschöpft. Ich habe mein Leben für euch, für dich und deine Schwester aufgegeben. Und wo ist mal was für mich? Wo bleibe ich die ganze Zeit? Und jetzt will ich mal gucken, dass was für mich bleibt. Das ist ein großartiger Monolog, der wie auch aus dem Nichts kommt, hart reinkickt, nachdem er die ganze Zeit dem Jungen gefolgt ist und quasi zu dieser egomanischen Perspektive gezwungen war. Das fehlt hier.
Johannes Franke: Und hier muss die Mutter tatsächlich ihm noch Absolution geben dafür, dass er nie wieder nach Hause gekommen ist. Das finde ich scheiße. Das finde ich nicht gut. Das verrät die Mutter total.
Florian Bayer: Ich finde es einen guten Moment. Ich finde, das ist irgendwie ein passender Moment, weil es ist richtig, dass er gegangen ist. Es ist falsch, dass er nie nach Hause gekommen ist. Ja, genau. Aber es ist richtig, es ist zumindest richtig, dass er gesagt hat, nee, ich gehe voran und ich gehe weiter.
Johannes Franke: Das ist ja okay, das kann sie ja auch sagen. Aber sie muss das nie mit so einer Absolution und so einem fast heiligen Schein sagen. Ja, vielleicht nicht. Ich stelle alles zurück, was meine Bedürfnisse sind und sage dir, du hast alles richtig gemacht im Leben. Was ist das denn?
Florian Bayer: Vielleicht ein bisschen zu viel Märtyrertum. Ich mag die Szene trotzdem.
Johannes Franke: Es ist wichtig,
Florian Bayer: dass diese Frau auch einmal zu ihm sagt, es war richtig von dir zu gehen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Weil es war richtig von ihm zu gehen. Es war richtig, dieses Dorf zu verlassen. Bei allem, was er verloren hat und bei allem, was er an Sehnsüchten noch übrig hat, dass er gegangen ist, war die richtige Entscheidung.
Johannes Franke: Vielleicht stört mich einfach nur, dass diese Film mit seinen Frauenfiguren einfach wirklich so ist. Das ist eine Idealisierung der Frau. Ja, ja, ja. Und das ist eine Marginalisierung der Frau auf das, also Reduzierung der Frau auf diese Funktion. Ich stelle dir doch zu. Und bei Elena genauso. Ja,
Florian Bayer: Elena ist einfach nur Platz. Elena ist einfach nur Platz. Ich stimme dir absolut zu. 80er Jahre sind nicht gut zu ihren Frauenfiguren. Das ist nichts, was bei diesem Film besonders wäre, sondern das finden wir bei ganz vielen anderen Filmen. Und es ist leider auch nichts, was dieser Film besser macht als seine Zeitgenossen. Wir haben diese wunderschöne Szene im Original, wo er dann am Schluss den Film sieht, den Alfredo ihm zurückgelassen hat. Und das sind die ganzen Sachen, die rausgeschnitten sind. wurde und wir sehen sehr viele Küsse und sehr viele Brüste in diesem Moment und sehr viele nackte Beine.
Johannes Franke: Es ist der beste Pay-Off, den ich mir vorstellen kann für diesen Film. Es ist ja wirklich toll vorbereitet und dieser Rückgriff auf ganz den Anfang des Films, wo wir den kleinen Toto sehen, wie er sich diese Dinge anschaut und dieser Full-Circle-Moment für ihn, für diese Figur, ist einfach so wahnsinnig gut inszeniert und gemacht, ohne Ja. zu dolle Tränen drüßig draufzudrücken, dass ich denke, ich bin manipuliert, sondern es ist einfach nur ja, das ist es. Er hat ihm das Ding hinterlassen, hat ihm das zusammengeschnitten und sagt damit bestimmt auch nochmal irgendwie was, vielleicht auch eine Form von Entschuldigung fast schon, weil er ihm das vorenthalten hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und es ist wirklich ein toller Moment und es ist natürlich für alle, die Filme lieben, der schönsten Moment der ganzen Welt in dem Moment.
Florian Bayer: Das ist einfach ein Sieg der Sentimentalität am Schluss. Ja, ja, ja.
Johannes Franke: Ja, sehr, sehr gut gemacht.
Florian Bayer: Wenn wir in den Directors Cut schauen, dann ist das nicht das Einzige, was Alfredo im Vorhinein enthalten hat.
Johannes Franke: Okay,
Florian Bayer: dieser Film. Es gibt von diesem Film mehrere Fassungen. Als dieser Film zum ersten Mal gezeigt wurde, einem Publikum in Italien, dauerte er 155 Minuten und das Publikum fand ihn scheiße.
Johannes Franke: Ja. Und ich kann es verstehen.
Florian Bayer: Woraufhin das Ding gekürzt wurde für den internationalen Release auf 124 Minuten. Und in dieser Form hat der Film den Oscar gewonnen als bester fremdsprachiger Film.
Johannes Franke: Er hat 50 Minuten weggeschnitten und zwar vorrangig aus dem dritten Akt, den wir so in der Form halt einfach nicht kennen. Wir wissen nicht, was da alles passiert. Beziehungsweise ja, wir wissen es natürlich, weil der Directors Card entstanden ist. Genau,
Florian Bayer: 173 Minuten lang.
Johannes Franke: Wo er dann nochmal viel wieder zurück reingeschnitten hat. Es ist nicht ganz die Urfassung, aber er hat sozusagen wieder was zurückgepackt, weil ihm das irgendwie anscheinend wichtig war.
Florian Bayer: 2002 wurde dieser Director's Cut veröffentlicht und folgendes passiert. Also Salvatore kommt zurück in seine Heimat und dort trifft er eine junge Frau, die ihn verdammt an Elena erinnert.
Johannes Franke: Er folgt ihr.
Florian Bayer: Natürlich, was alte Typen halt so machen, wenn sie eine hübsche Frau sehen, die sie an ihre Jugendliebe erinnert.
Johannes Franke: Toll, ne? Großartig.
Florian Bayer: Und tada Elena ist die Mutter von diesem Mädchen.
Johannes Franke: Ja, dann hat er kurz einen Moment mit Elena und fragt sie, warum zur Hölle warst du nicht da? Ich war doch nur ganz kurz weg und dann wollte ich wieder, warum hast du mir keine Nachricht hinterlassen? Nichts und überhaupt. Und dann erzählt sie, dass Alfredo ihr gesagt hat, geh, halte ihn nicht hier, du musst dafür sorgen. dass er in die Welt hinausgeht. Und erfolgreich ist als Regisseur. Genau. Und dann hat sie darauf verzichtet. Und hat gesagt, okay, wenn der sagt, dass das so sein muss, dann mache ich das halt so. Weil ich eine Frauenfigur in einem 80er-Jahre-Film bin. Aber ich bin nicht nur eine Frauenfigur, die dem alten
Florian Bayer: Mentoren folgt, sondern ich bin auch eine Frauenfigur, die sehr an der Liebe ihres Lebens hängt. Deswegen habe ich einen Zettel geschrieben mit meiner Adresse. und Da steht drin, dass ich dich für immer lieben werde. Und diesen Zettel habe ich versteckt. Damit der Held den nicht finden kann. Weil sonst wäre ja... Ja, blöd. Und Salvatore, wo hat sie ihn versteckt? Natürlich im Cinema Paradiso, im Nuovo Cinema Paradiso. Und Salvatore fährt da hin und sucht diesen Zettel. Durch das ganze Chaos, was halt im zerstörten Kino ist. Und dann findet er diese notierte Handschrift. Und ich glaube, das ist dann der Moment, wo er auch... die Rolle findet und wo wir wieder zurückkommen zu der ursprünglichen Fassung, dass er sich diese Rolle anschaut, aber dass er diesen Moment der Liebe irgendwie hat.
Johannes Franke: Nicht zu vergessen, dass die beiden noch heftig im Auto zusammen atmen.
Florian Bayer: Ah ja, genau, ja, das tun sie auch noch.
Johannes Franke: Sie also auch noch ihren Mann betrügt, den sie inzwischen hat, der Politiker in diesem Dorf geworden ist, ein ehemaliger Schulkamerad von allen. Ja, also
Florian Bayer: Roger Ebert hat dieser Version vier Sterne gegeben.
Johannes Franke: Superseltsam. Hat aber gleichzeitig gesagt, Der Film, den er eigentlich nur 3,5 Sterne gegeben hat, nämlich der ursprünglichen Fassung, ist besser. Obwohl er dem anderen 4 Sterne gegeben hat. Und ich glaube, was er dazu sagte, war, dass er einfach wahnsinnig gerne in den Kopf des Regisseurs reingeschaut hat. Also in dieses Cutscenes-Ding. Das fand er einfach so spannend und so toll interessant zu sehen. Aber es ist nicht der bessere Film.
Florian Bayer: Also ich lese das und denke mir, ich will das nie sehen, weil ich Angst habe, dass mir das den Film kaputt macht. Weil ich finde, der Fokus sollte nicht auf der Liebesgeschichte sein. Und wenn du 40 Minuten Erzählung, nur Liebesgeschichte noch zusätzlich mit reinpackst, dann verschiebst du den Fokus des Films so radikal, dass das nicht der Film ist, den ich mag.
Johannes Franke: Ich finde, es ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass jeder Filmemacher, während er den Film macht, und das war sein zweiter oder dritter, Ähm... Aber jeder Filmemacher, Zeit seines Lebens, auch nur rät. Ja. Weil der schreibt ein Drehbuch und denkt sich, ja, das könnte vielleicht funktionieren. Oder auch nicht. Und das werde ich dann merken, während ich im Schnitt sitze. Und dann hast du einen Haufen Zeug gedreht und das sind Monate an Dreharbeiten, die da dem Schnitt zum Opfer gefallen sind. Das passiert jedem Regisseur. Jeder merkt im Schnitt dann. Fuck, das funktioniert so nicht. Ich muss es andersrum machen oder ich muss das rausnehmen zugunsten dessen oder ich muss was Kleines nachdehnen sogar, um den Film irgendwie zum Funktionieren zu bringen. Und jeder Regisseur und jeder Drehbuchautor sitzt nur da und rät und wenn er Glück hat, hat er richtig geraten.
Florian Bayer: Wir haben jetzt schon mehrmals Filme besprochen, wo wir festgestellt haben, dass die Cuts, die danach gemacht wurden, gegen den Willen des Regisseurs, dass das die richtigen Cuts waren. Dass Filme, die gekürzt wurden, die quasi nicht... nicht mehr Directors Cut, sondern Studios Cut oder wie auch immer ihr es nennen wollt, sind, dass das die besseren Werke sind, weil sie einfach kompakter sind, weil es wirklich schwierig ist, sich von seinen Darlings zu trennen. Kill Your Darlings ist ja der berühmte Spruch, wenn man anfängt, nochmal zu überarbeiten. Und das fällt halt vielen Leuten, gerade so Auteur-Leuten, fällt das ziemlich schwer. Thor Nathore ist ein Auteur. Er hat das Drehbuch geschrieben, er hat Regie geführt, er hat sich orientiert an seiner Kindheit und Jugend, an seiner Nostalgie. Und dann hat es einfach nicht dafür gereicht, diesen Schritt zu machen. Und es musste erst das italienische Publikum sagen,
Johannes Franke: es stinkt,
Florian Bayer: damit Tornatore sagen konnte, okay, dann kürzt es doch mal. Lass uns mal gucken, ob das international so besser funktioniert.
Johannes Franke: Aber es ist doch toll, dass er es geschafft hat, dass er wirklich da gesessen hat und gesagt hat, okay, ich weiß, was ich rausschneiden muss und wirklich das Richtige genommen hat.
Florian Bayer: Der Film war ein richtiger Erfolg. 5 Millionen Dollar hat das Ding gekostet, 36 Millionen Dollar hat er Amerika, Frankreich, Italien, Box Office eingespielt.
Johannes Franke: Sehr, sehr, sehr schön.
Florian Bayer: Unzählige Auszeichnungen gewonnen, unter anderem im Cannes hat er den Grand Prix de Jury gewonnen. Er wurde sowohl bei den Golden Globes als auch bei den Academy Awards 1989 als bester fremdsprachiger Film. ausgezeichnet und diverse Buffdown Caesar Awards.
Johannes Franke: Der Unterschied zwischen der Kinofassung und dem Director's Cut ist irgendwie, dass die Kinofassung das ist, was wir gerne sehen wollen, nämlich das Märchen über die Liebe zum Kino und der Director's Cut durch die Verschiebung ist dann ein hartes Drama über verpasste Lebenschancen.
Florian Bayer: Das heißt,
Johannes Franke: du hast dann eben nicht mehr das, was wir heute eben in Sanemapparadiso so feiern, nämlich diese tolle Nostalgie das Kino betreffend. Sondern du hast viel mehr den Fokus darauf, dass dieser Mensch sein Leben bereut oder verpasste Sachen hinterher rennt. Und das will man ja auch nicht.
Florian Bayer: Vor allem hast du viel mehr auf dieser Liebesfilm-Thematik. Plötzlich diese Beziehung zu Elena, die in dem Film, den wir uns anschauen, die einfach nur ein Teil seines Lebens ist. Kein großer Teil, sondern es ist einfach eine Jugendliebe.
Johannes Franke: Und das ist halt so, ich weiß nicht, wie es mit deiner Jugendliebe war, aber das ist doch eine Momentaufnahme und du hast in Erinnerung das Gefühl, dass ihr fünf Sommer erlebt habt, aber eigentlich waren es nur zwei Monate.
Florian Bayer: Genau und wir sind ja jetzt in dem Alter von Salvatore und wenn ich zurückdenke an diese Beziehungen oder an dieses Verliebtsein und so, dann ja natürlich ist das ein Teil meines Lebens, aber ich glaube nicht, dass ich einer 16-Jährigen hinterher rennen würde, die aussieht wie... Frau, in die ich damals verliebt war. Um Gottes Willen. That's creepy.
Johannes Franke: Also insofern glaube ich dem halt auch nicht, was da entworfen wird.
Florian Bayer: Nee, und genau, dann ist vielleicht auch, vielleicht ist das sogar der Moment, wo der Film halt so einen Kapitalfieler macht und wirklich zu Filmklischee wird. Nicht nur sich mit Klischee und Wahrnehmung auseinandersetzt, sondern sagt, das ist die Realität und dann wirklich zum schlechteren Film wird. Gott sei Dank nicht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dir ist es offensichtlich zu hart, wie der Realismus in der zweiten Hälfte reinhaut.
Johannes Franke: Ich will den Regisseur würgen die ganze Zeit. Wirklich, weil ich denke, ich habe so einen schönen Film vor mir mit dem Jungen und so. Ich finde es ganz, ganz toll. Und dann kommt die Realität so hart rein. Ich will nicht sagen, dass es ein schlechter Film ist oder eine schlechte Entscheidung oder ein schlechter dramaturgischer Kniff oder sowas ist. Aber er ist für mich so hart, dass es mir echt wehtut. Und dass mir der Film dadurch so schwer fällt zu gucken. Es ist natürlich dadurch ein komplexer Film. Wenn es nicht wäre, dann wäre das Ganze vielleicht einfach nur ein Eskapismus, der irgendwie auch nichts, kein Fleisch hat oder sowas. Weiß ich nicht genau. Aber ich verstehe schon, dass das da irgendwie sein muss. Aber es tut weh. Verwahr dir deine Mordfantasien und lass uns in die Top 3 springen. Du kannst sie gleich nochmal ausleben. Okay.
Florian Bayer: Top 3. Wir haben Nostalgie. Warum habe ich das gerade so gesprochen, wie dein Jingle gesprochen war? Und warum haben wir das zusammen dann nochmal so gesprochen?
Johannes Franke: Das ist seltsam. Okay, also wir haben Top 3 Nostalgie. Und es gibt für mich zwei Methoden, Nostalgie draufzustülpen. Das eine ist, entweder der Film ist nostalgisch für mich irgendwie oder der Film behandelt die Nostalgie wirklich. Sehr cool, ich habe beides. Ah, schön. Und wer dazwischen ist, ist für mich Stand By Me.
Florian Bayer: Oh, großartig, ja.
Johannes Franke: Also zum einen behandelt er die Nostalgie, weil es diesen Rahmen von dem Schriftsteller gibt, der seine eigene Kindheit betrachtet. Und zum anderen eben wirklich der nostalgische, dieses Kindheitsding, Kindheitsfreundschaften. Leute, die einfach losziehen und man wirklich an seiner eigenen Kindheit so dranhängt. Und dieser Rahmen ist so gering, dass man ihn auch wieder vergessen könnte. Also der macht ja eigentlich mit dem Film fast gar nichts, sondern es ist nur so ein Rahmen, okay, Und der ist irgendwie in der Rezeption, wenn wir darüber reden, ist der irgendwie interessant, aber in Erinnerung habe ich den schon fast wieder vergessen.
Florian Bayer: Ich würde gerne stand by mir etwas entgegenhalten, den hätte ich auch fast genommen. Und ich glaube, es ist auch der bessere Film, als den, den ich genommen habe. Aber es gibt sowas auch in weiblicher Form. Einen ganz schönen Film aus den 90ern, Now and Then aus dem Jahr 1995 von Leslie Linka Kledder. Eigentlich sehr ähnlich wie Stand By Me. Es wird jetzt Geschichte von vier Mädchenfreundinnen erzählt, die so als Zwölfjährige zusammen rumhängen und halt so alles durchmachen, was man halt so in einer guten Freundschaft durchmacht miteinander. Und die sich dann als Erwachsenen nochmal treffen und nochmal zurückblicken auf die Zeit und was aus ihnen geworden ist, wie sich ihr Leben entwickelt hat. Ein wirklich süßer Film. Star besetzt unter anderem Tora Birch,
Johannes Franke: Christina Ricci.
Florian Bayer: Und dann als Erwachsene Demi Moore. Melanie Griffith, Rosie O'Donnell. Also wirklich groß besetzt. Ein sehr schöner, süßer Film, den ich schon zu lange nicht mehr gesehen habe.
Johannes Franke: Schön. Ich habe auf Platz 2 Once Upon a Time in Hollywood. Könnte auch fast auf Platz 1, aber ich bin auf Platz 2.
Florian Bayer: Die Nostalgie an Hollywood, das so nie existiert hat.
Johannes Franke: Genau das. Ich finde das so krass. Tarantino ist ja nicht unbedingt derjenige, den man sofort mit Nostalgie in Verbindung bringen würde, wenn man die Filme sieht. Aber nein, ich glaube, dass Tarantino eine ganz, ganz gehörige Portion Nostalgie hat. Und das haben wir auch ein bisschen festgestellt, als wir über Dingens geredet haben.
Florian Bayer: Egal bei welchem Film, Pulp Fiction auf jeden Fall.
Johannes Franke: Wir haben über Pulp Fiction geredet und da stellt man das ganz stark fest, weil er eben diese Stilisierung und dieses... Zitierfest von anderen Filmen, die er in seiner Vergangenheit geguckt hat, die er so wahnsinnig nostalgisch in seinem Gefühl hat. Das fließt alles da ein. Seine Inszenierung geht halt völlig dagegen. Aber das, was es eigentlich ist, ist wahnsinnig viel Nostalgie. Und ich finde in Once Upon a Time in Hollywood kehrt er das mal richtig raus und ist mal richtig ehrlich mit sich selbst und sagt, ja, das ist das Hollywood, was ich gerne gehabt hätte, von dem ich gerne hätte, dass es so existiert hat. Und ich mag den Film total, aber ich finde ihn auch ein bisschen problematisch dadurch.
Florian Bayer: Tarantino ist in seiner Nostalgie ganz oft sehr konservativ. Ja. Haben wir über den gesprochen, auch im Podcast?
Johannes Franke: Nein. Sicher? Über Once Upon a Time in Hollywood haben wir noch nicht geredet. Ich glaube nicht, nein.
Florian Bayer: Oh Gott, das muss ich nochmal nachschauen, weil ich hätte schwören können, wir haben über den Podcast geredet, so ganz früh, in der Uhrzeit des Podcasts. Moment. Wieso suchst du so lange? Ich verstehe es gar nicht. Wir haben das nicht so funktioniert auf der Webseite. Die nutze ich gerade. Wir haben die nicht besprochen. Ich hätte schwören können, wir haben über den Film einfach so länger geredet. Merkwürdig, voll schräg. Na gut.
Johannes Franke: Wir reden doch nicht mehr einfach so über Filme. Wir haben doch alles im Podcast.
Florian Bayer: Alles wird mitgezeichnet. Okay, ja, coole Wahl. Mein Platz 2 ist ein Film, der einfach nur durch und durch nostalgisch ist und dabei auch sehr eskapistisch, aber trotzdem ein süßer Film. Ein Gegenentwurf so ein bisschen zu Club der Toten Dichter. Und zwar Heaven Help Us lief in Deutschland unter dem Titel Die Himmelsstürmer aus dem Jahr 1985. Auch ein Film, der erzählt vom Freiheitstrang von Jugendlichen in einer sehr strengen katholischen Schule. Und es ist wirklich ein wirklich schöner, einfacher Film und es ist pure Nostalgie, 60er Jahre Nostalgie. Geil.
Johannes Franke: Ich hab auf Platz 1 meine Nostalgie. Und natürlich ein Film, also ich kann jetzt nicht einfach Chaplin nehmen, weil der Film ist ja nicht nur talgisch, sondern es ist einfach meine Perspektive darauf. Aber deswegen nehme ich The Artist.
Florian Bayer: Oh ja.
Johannes Franke: 2011. Moderner Stummfilm. Also modern im Sinne von, wir haben ihn heute gedreht und spielt in der alten, guten alten Stummfilmzeit. Ja. Und er ist so toll. Hat sich da sehr gut reinbegeben. Und dieser süße Hund, den er dabei hat. Und der Hauptdarsteller ist so, so gut mit seiner, man muss dazu sagen, mit seiner Mimik und mit allem möglichen. Weil es ist halt ein Stummfilm. Ja. Er macht das wirklich sehr gut.
Florian Bayer: Kein Gequatscher.
Johannes Franke: Richtig. richtig toll. Haben wir darüber geredet, ne? Ja,
Florian Bayer: den haben wir besprochen.
Johannes Franke: Hört euch gerne die Episode dazu an. Wir haben sehr viel Spaß mit dem Film. Ich weiß gar nicht mehr, wie dein Take auf den Film war. Weißt du das noch?
Florian Bayer: Ich glaube, ich fand ihn gut. Ich glaube, du warst empört, weil ich gesagt habe, ich finde den Film gut.
Johannes Franke: Wie kein Meisterwerk. So ungefähr war es, glaube ich. Das klingt sehr nach mir.
Florian Bayer: Mein Platz 1 ist Nostalgie in Richtung Kindheit und es gibt einen Film, der einem so unglaublich gut das Gefühl gibt. zeigt, was die Gefühle sind, die widerstrebenden Gefühle, die man als Kind hat. Und das ist, wo die wilden Kerle wohnen. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Großartiges Werk. Kinderbuchverfilmung. Auch so ein bisschen kindliche Therapiesession aus dem Jahre 2009 von Spike Jonze. Wunderschöner Film, der vor allem diese diverse Gefühlswelt von Kindern zeigt und dabei Kinder sehr ernst nimmt.
Johannes Franke: Wir haben darüber geredet. Das ist, glaube ich, ein sehr, sehr gutes Gespräch auch. Weil wir über Themen reden, die wir sonst nicht reden. Dieses Kindheitsding. Und du bist ja nur Vater und ich nicht. Und da haben wir natürlich auch andere Themen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Sehr spannend. Okay, cool. Und damit zurück. Das war unsere Top 3. Zurück zum Filmen,
Florian Bayer: zu unserem Fazit.
Johannes Franke: Direkt ins Fazit rein? Ja, ins Fazit und du darfst jetzt deine Gewaltfantasien an den Regisseur noch einmal auslassen. Nein, also ich liebe den ersten Teil wahnsinnig. Ich finde auch diesen Vergleich zwischen Kino und Kirche total geil, weil natürlich Kirche früher der Entertainment-Faktor schlechthin war. Du bist da hingegangen und hast die ganzen Fensterbilder gesehen und hast gedacht, das ist Netflix.
Florian Bayer: War schon eine traurige Zeit.
Johannes Franke: Und der Pastor muss halt derjenige sein, der das... Die haben das ja nachgespielt damals. Es war ja tatsächlich eine Zeit, in der, damit die Leute die Geschichten verstehen und auch eindrücklich verstehen, haben Pastoren ihre Geschichten aus der Bibel nachgespielt. Natürlich ist das Netflix. Ich finde es gut an dich. Und jetzt das sozusagen auch wirklich so manifestiert zu sehen mit diesem Pastor oder Pfarrer oder was auch immer das ist, der da mit der Glocke ist. diese... Und daher zu leiten, was das Kino bedeutet für die Leute, finde ich ganz fantastisch. Und diese Nostalgie mit dem Kind natürlich. Das Kind ist fantastisch, der Schauspieler, der den Alfredo spielt, ist ganz fantastisch. Die haben sich am Set ja gar nicht verstanden. Der war ja Franzose und das Kind war Italiener. Sogar aus dem Dorf, wo sie gedreht haben. Die haben hunderte von Kindern angeschaut und dieses Kind ist es geworden, ausgerechnet aus dem Dorf, wo sie tatsächlich gedreht haben. Super. Und das ist so der erste Teil, der für mich einfach ein absolutes Meisterwerk und Nostalgie pur ist, was ich auch jedem empfehlen will. Der zweite Teil ist schwer zu ertragen nach diesem ersten Teil. Und ich will ihm eigentlich keinen Punktabzug geben dafür, weil er eine Komplexität reinbringt, die wichtig ist für einen Film. Aber es hat mir so weh getan, dass ich eigentlich nicht nochmal über die erste Hälfte hinaus gucken will.
Florian Bayer: verstehe. Also ich finde, es ist ein wunderschöner Film. Ich finde... Er schafft es von Anfang bis zum Ende, diesen Nostalgiebogen zu schlagen. Einfach auch dadurch, dass am Schluss nochmal diese wunderschöne Szene haben, in der der altgewordene Salvatore diese herausgeschnittenen Filmschnipsel in einem Supercut sieht.
Johannes Franke: Ganz toll. Also wirklich ganz, ganz, ganz tolles Ende.
Florian Bayer: Und er schafft es, diesen Bogen zu schlagen und mir deswegen die ganze Zeit dieses Nostalgiegefühl zu geben. Und bricht das in der Mitte genau am richtigen Punkt auf, wo ich wahrscheinlich als alter Zyniker sagen würde, jetzt ist es mir aber ein bisschen zu sentimental. Und dadurch, dass er das schafft, Ist ja für mich halt mehr als nur Eskapismus und mehr als nur Nostalgie, sondern wirklich ein großartiges Werk, ein großartiges Drama, das mich auch heute noch zu Tränen rühren kann. Absoluter muss man sehen Film.
Johannes Franke: Der Film hat ja angeblich die italienische Filmindustrie wieder hochgeholt.
Florian Bayer: Ja,
Johannes Franke: hat er? Es wird gesagt, dass dieser Film überhaupt dafür verantwortlich ist, dass sowas wie Das Leben ist schön. möglich war. Also international wahrscheinlich eher als jetzt national. National haben die Italiener sicherlich einfach Filme gemacht, aber international Anerkennung zu bekommen und überhaupt, dass Leute da hingucken, was machen die Italiener da eigentlich, das hat dieser Film anscheinend geschafft. Und das finde ich hervorragend, finde ich ganz toll, dass das möglich ist. Dass auch ein Film mit dieser schwierigen Geschichte, mit dem zweiten Cut und so. dass der das schafft.
Florian Bayer: Ja, ist ganz witzig, wenn du dir die Vita vom Kameramann anschaust, da stehen unglaublich viele trashige Filme, weil das war das italienische Kino in der damaligen Zeit und zwar wirklich sowas wie so ein ganz trashigen Sintbad-Film mit Luferinio und dann so zwei irgendwie Erotik- Thriller und einen Action-Film. Ja, das italienische Kino hatte vielleicht nicht unbedingt den besten Rufen vor Cinema Paradiso.
Johannes Franke: Wir haben gar nicht über den Regisseur groß geredet, ne? Das war ja gar nicht sein, das war ja wirklich Sehr, sehr frühes Werk. Der hatte irgendwie Erfolg mit einem Film. Dann hat ihn der Produzent gefragt, und was hast du so im Kopf? Und dann hat er gesagt, ja, ich habe da was im Kopf, aber das will ich viel später in meiner Karriere machen, damit ich das dann auch hinbekomme. Und dann hat er ihn erzählt und dann hat der Produzent gesagt, nein, um Gottes Willen, du musst das sofort machen. Und dann hat er sich halt in die Recherche begeben. Hat auch mit ganz vielen Leuten aus der Zeit geredet, mit Filmvorführern und so weiter. Hat viel Recherche dafür betrieben. und hat das gemacht.
Florian Bayer: Recht hatte der Produzent, weil also dafür, dass es so ein frühes Werk ist, ist das erstaunlich altersweise, ne?
Johannes Franke: Ja. Also für mich, ich hatte zwischendurch sogar das Gefühl, dass er ein kleines bisschen alter, weißer Mann ist, der nicht will, dass die Welt weiter sich dreht. Also so ein kleines bisschen ist das für mich schon auch angeklungen, aber dadurch, dass er kein alter, weißer Mann war, vielleicht hat ihn das ein bisschen gerettet.
Florian Bayer: Alter italienischer Mann. Ne, junger italienischer Mann.
Johannes Franke: Ja, genau. Ja, danke Johannes, dass du den Film geschaut hast und danke, dass du ihn nicht komplett zerrissen hast. Danke, dass du ihn mir gegeben hast. Nein, ich habe wirklich, ich habe sehr viel Liebe in diesem Film. Aber der zweite Teil hat mir halt das Herz gebrochen und deswegen ist es schwer, da so unvoreingenommen einfach nur dramaturgisch wertvoll darüber zu reden, sondern weil dieses Herz, weil die Liebe einfach so groß ist fürs Kino und für diesen Jungen und ist es einfach schwer da einfach.
Florian Bayer: Ich glaube, der wollte dir das Herz brechen.
Johannes Franke: Natürlich, ja. Und es ist ihm gelungen. Und dafür ist er wahrscheinlich einfach ein guter Film. Okay, schaut euch diesen Film an, wenn ihr noch nicht getan habt. Aber schaut euch auch den Film an, den wir jetzt nach dem Jingle anteasern. Denn darüber reden wir nächste Woche. Ansonsten, wie euch immer,
Florian Bayer: vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Kommt gut durch die Woche. Ja. Lasst es euch gut gehen. Das,
Johannes Franke: was Flo sagt. Bis dann.
Florian Bayer: Ciao. Ciao.
Johannes Franke: So, Plor, es gibt nächste Woche was von mir für dich. Ja,
Florian Bayer: was gibt es denn?
Johannes Franke: Ich warte jetzt nicht bis Oktober. Okay.
Florian Bayer: Oktober, Halloween?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Du willst mir einen Horrorfilm geben?
Johannes Franke: Ich geb dir was. Und zwar den einzigen Horrorfilm, wo ich wirklich sage, wow, okay, der hat mich wirklich beeindruckt. Und den fand ich tatsächlich sehr gut. Und zwar The Shining.
Florian Bayer: Stephen King beziehungsweise Danny Kubrick. Oh, spannend.
Johannes Franke: Wir haben ja die Fortsetzung, wir hatten schon mal das Shining-Universum im Podcast.
Florian Bayer: Stimmt. In unserer Frühzeit.
Johannes Franke: Wir haben über Dr. Sleep ja geredet. 2019 ist er rausgekommen. Und ich weiß nicht, ich glaube, du warst nicht ganz so begeistert wie ich. Ich fand ihn schon ziemlich cool. Ich Amen. Vielleicht auch nicht komplett, aber du warst ein bisschen skeptischer als ich.
Florian Bayer: Ja, habe ich auch so in Erinnerung.
Johannes Franke: Deswegen gucken wir jetzt einfach mal das Original und gucken, also was heißt das Original? Das Original müssten wir lesen. Aber den Film, der berühmtermaßen Stephen King gesagt hat, naja, das hätte ich anders gemacht.
Florian Bayer: Sehr schön. Wir reden wieder über Stephen King und wir reden wieder über Stephen King Verfilmungen und ich werde wieder reinbringen, warum die Stephen King Verfilmungen am besten sind, die Stephen King nicht mochte.
Johannes Franke: Aber das ist ja Kanon irgendwie, dass das so ist. Ich bin sehr gespannt. Ich freue mich auf den Film, so viel man sich über einen Horrorfilm freuen kann und bin gespannt, was du dazu zu sagen hast und vor allem, was wir daraus recherchieren, weil da gibt es auch einiges zu wissen, glaube ich.
Florian Bayer: Ja, großartig.
Johannes Franke: Insofern schaut euch nochmal The Shining an.
Florian Bayer: Von Stanley Kubrick, um den eigentlichen, das eigentliche Mastermind zu nennen.
Johannes Franke: Ja. Und dann hören wir uns nächste Woche wieder.
Florian Bayer: Bis dahin. Bis dann. Ciao.
