Episode 302: Backrooms – Halloween & Liminal Spaces
Im Sommer 1990 entdeckt der erfolglose Möbleverkäufer Clark im Keller seines Möbelhauses einen merkwürdigen Glitch in der Wand. Man kann hindurch gleiten und landet in den titelgebenden Backrooms: Eine endlos scheinende Kaskade von leeren Gängen und Räumen. Irgendwie wie ein verlassenes Bürogebäude, irgendwie aber auch eine verzerrte Widerspiegelung der Realität.
Da ihm seine Therapeutin Mary keinen Glauben schenkt, beschließt Clark, Beweise zu sammeln. Zusammen mit seinen Angestellten Kat und Bobby und ausgerüstet mit einer Kamera begibt er sich erneut nach unten. Doch bald müssen er und seine kleine Reisegruppen feststellen, dass sie nicht allein sind.
Wochen später erhält Mary eine ominöse Anrufbeantworterbotschaft ihres Patienten. Sie beschließt Clark zu suchen und landet ebenfalls in den Backrooms. Dort hat sich Clark mittlerweile ein neues Leben eingerichtet, dessen bizarre Details Mary – und dem Publikum – das Blut in den Adern gefrieren lassen.
Backrooms aus dem Jahr 2026, Youtube goes Cinema, Creepypasta als Mainstreamhorror, ein riesiger Publikumserfolg, der das Konzept der Liminal Spaces einer breiten Öffentlichkeit präsentierte.
Johannes, machen dir Liminal Spaces und Uncanny Valleys Angst?
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 302: Backrooms – Halloween & Liminal Spaces Publishing Date: 2026-10-14T08:04:30+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2026/10/14/episode-302-backrooms-halloween-liminal-spaces/
Johannes Franke: Also, dass er es tatsächlich schafft, mit fucking 17, 18, 19, diese Welt... Zu entwickeln und zwar nicht auf eine bemühte Art und Weise, wie ich das mit 17, 18 gemacht habe, sondern ganz entspannt über ganz kleine Hinweise hier und da. ohne zu viel zu erklären, ohne zu viel zu sagen. Du brauchst keinen eigenen Einstieg. Wir machen einfach ganz klassisch Hallo ihr da draußen.
Florian Bayer: Aber wir haben doch unseren Halloween-Monat. Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Johannes Franke: Ich hoffe, du legst in der Post ordentlich Echo drunter. Ja, ich habe mir dann auch das Drängen, dass das ordentlich wird und dass wir das schön machen und schön gruselig. Für euch da draußen. Hallo, liebes Publikum.
Florian Bayer: Herzlich willkommen. Zur zweiten Episode Halloween in diesem Jahr. Letzte Woche haben wir über The Lighthouse gesprochen, ein Vorschlag von Johannes.
Johannes Franke: Ja, und ab da geht es nur noch bergab.
Florian Bayer: Und diese Woche bin ich endlich dran und ich habe es letzte Woche schon angekündigt, ich werde dieses Jahr meinen Fokus draufsetzen. Was kann 2026 in Horror? Und was kann YouTube in Horror? Und alle, die ein bisschen aufgepasst haben im Kino, ja wissen, was für Filme drankommen. Heute ist Backrooms dran aus dem Jahr 2026 von Kane Parsons aka Kane Pixels. Und Johannes, du hattest den Film schon gesehen, bevor ich ihn vorgeschlagen habe.
Johannes Franke: Ja, ich hatte eine Freundin, die gesagt hat, komm, lass uns doch mal ein. einen Gruselfilm schauen. Es war ein handfester Horrorfilm. Ich habe ihn im Kino gesehen mit ganz vielen Leuten und ganz wenig Spaß. Und ich war nicht glücklich, Floor.
Florian Bayer: Liebes Publikum für euch, Johannes ist kein Horrorfilm-Fan. Johannes mag das nicht. Johannes mag es nicht, sich bei Filmen zu gruseln. Johannes Marx nicht erschrocken zu werden?
Johannes Franke: Sagen wir so, gruseln ist okay, aber Horror, handfester Horror ist schon echt hart für mich. Ich habe große Schwierigkeiten damit und ich trage das dann lange mit mir rum und diese Woche war die Hölle.
Florian Bayer: ich mir vorstellen. Ich bin großer Horrorfan im Gegensatz dazu und ich liebe es, Johannes an Halloween mit Horrorfilmen zu bombardieren. Wobei mein härtestes Pulver habe ich eigentlich schon verschossen, weil Stimmt. Letztes oder vorletztes Jahr habe ich ihm Matthäus gegeben.
Johannes Franke: Ja, oh Gott, oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Und dann waren so die Grenzen erreicht und Johannes hat gesagt, Wow, okay.
Johannes Franke: Das Problem bei Martyrs war, also das Gute bei Martyrs war, dass es so drauf gehauen hat, dass ich, mein Körper komplett Shutdown gemacht hat und gesagt hat… Interessiert mich alles überhaupt nicht, beschäftigt mich alles gar nicht. Ich bin okay, ich bin fein. Ich glaube, ich habe einfach irgendein Trauma davon getragen, was ich irgendwann mal mit einem Psychologen betrachten muss.
Florian Bayer: Es klang so krass. Voll nach Dissoziation, was du beschrieben hast. Ich habe mich abgekapselt.
Johannes Franke: Ist alles nicht mehr passiert, nein. Ja, aber Matthäus war tatsächlich einfach rein von den Themen her ein interessanter Film.
Florian Bayer: Ja, und letztes Jahr hattest du auch richtig Spaß mit Reanimator.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Aber hört ihr mal die Episode nochmal an. Ich habe auch Kritik gehabt.
Florian Bayer: Hast du auch Kritik gehabt, aber ich hab in Erinnerung, dass der Film überraschend positiv bei dir weggekommen ist.
Johannes Franke: Bevor wir so tief ins Rabbit Hole Johannes' Psyche gehen, warum kann Johannes mit Horrorfilmen nichts anfangen? Gehen wir lieber einmal in den Film hinein. Möchtest du uns kurz erzählen, was Backrooms überhaupt ist?
Florian Bayer: Das mache ich. Im Sommer 1990 entdeckt der erfolglose Möbelverkäufer Clark im Keller seines Möbelhauses einen merkwürdigen Klitsch in der Wand. Man kann ihn durchgleiten. und landet in den titelgebenden Backrooms. Eine endlos scheinende Kaskade von leeren Gängen und Räumen. Irgendwie wie ein verlassenes Bürogebäude, irgendwie aber auch eine verzerrte Widerspiegelung der Realität. Da ihm seine Therapeutin Mary keinen Glauben schenkt, beschließt Clark, Beweise zu sammeln. Zusammen mit seinen Angestellten Kate und Bobby und ausgerüstet mit einer Kamera begibt er sich erneut nach unten. Doch bald müssen er und seine kleine Reisegruppe feststellen, dass sie nicht alleine sind. Wochen später erhält Mary eine ominöse Anrufbeantworterbotschaft ihres Patienten. Sie beschließt, Clark zu suchen. und landet ebenfalls in den Backrooms. Dort hat sich Clark mittlerweile ein neues Leben eingerichtet, dessen bizarre Details Mary und dem Publikum das Blut in den Adern gefrieren lassen. Backrooms aus dem Jahr 2026 YouTube Goes Cinema Creepypasta als Mainstream-Horror Ein riesiger Publikumserfolg, der das Konzept der Liminal Spaces einer breiten Öffentlichkeit präsentierte. Johannes Machen dir persönlich Liminal Spaces und Uncanny Wellies Angst?
Johannes Franke: Das Problem, dass ich mit Angst so habe, mit dem Angstbegriff, dass er so schwer zu greifen ist. Und in diesem Fall eben auch, weil Liminal Spaces keine ganz konkrete Angst machen, sondern so ein ganz, ganz schlimmes Unwohlsein. Und man nicht greifen kann, was ist denn jetzt das Problem eigentlich? Hier ist ja nichts. Und genau das ist das Problem. Und es ist echt schlimm, es tut mir wahnsinnig leid, aber du bist ein bisschen schuld daran, dass es mir die Woche nicht gut ging. mir leid. Ich habe so viel in Liminal Spaces zugebracht, jetzt weil ich mir natürlich in der Recherche dann gedacht habe, ja was gibt es denn da überhaupt und was ist dieses YouTube-Teil und hab mir das angeschaut und ich hab mir ganz viel Zeug dazu durchgelesen und warum uns das alle betrifft Und wir werden euch ganz viel erzählen darüber, warum ihr alle Schwierigkeiten in Liminal Spaces habt, inklusive mir. Aber sich damit zu beschäftigen ist wirklich hart, Plur.
Florian Bayer: Definitiv finde ich auch. Also mir machen Liminal Spaces Angst. Es gibt aber Menschen, die da nicht so krass drauf reagieren. Auch auf das Uncanny Valley. was ja hier auch irgendwie mit rein spielt. Es gibt Menschen, denen das nicht so viel Angst macht. Ich finde es bei mir ist es so ein Wechsel zwischen Angst und Faszination. Und vielleicht, um aus dem persönlichen Nähkästchen zu plaudern.
Johannes Franke: Ja, erzähl mal.
Florian Bayer: Mein Onkel, der Erzähl, danke dir. Und der hatte einen sehr großen Auftrag, als ich, keine Ahnung, wahrscheinlich so acht, neun oder zehn war. Im Krankenhaus. Die haben das große Krankenhaus bei uns renoviert. Und der hat da gearbeitet und hat die Maurerarbeit da gemacht. Und ich habe ihn mit meiner Tante besucht. Und zu diesen Besuchen hat gehört, dass wir dann unten durch die Korridore gegangen sind, die für Patienten verschlossen waren, quasi die Lebensader unter dem eigentlichen Gebäude. Die Gänge im Keller. Und das sind endlos lange Gänge mit unzähligen Türen. Und aber auch in dieses weiße Neonlicht getaucht, wie man sich ein Krankenhaus vorstellt. Und da waren wirklich wenig Menschen unterwegs. Da hat man dann mal vor sich jemanden vom Pflegepersonal laufen gehabt. Oder da war auch mal ein Arzt oder eine Ärztin, die aus einer Tür rauskam. Aber eigentlich ist man durch die diese Gänge gegangen und es war nichts los und ich fand das richtig geil. Ich fand das richtig cool und weil das irgendwie so die Fantasie angeregt hat, Wow, so viele Gänge, so viele Türen, komplett verschlossen von der Öffentlichkeit und ich darf hier rumlaufen. Und sich dann auszumalen, was hinter diesen Türen sein könnte und so. Ich bin da richtig gern hingegangen. Ich habe das richtig genossen. Gleichzeitig kann ich mich an eine... ganze Reihe an Albträumen erinnern, die alle irgendwie so in Liminal Spaces gespielt haben. Oh, okay. Träume, die bis zum heutigen Tag reichen. Also ich habe relativ wenig Albträume als Erwachsener. Als Kind hatte ich eine Phase, da hatte ich sehr viele Albträume.
Johannes Franke: Und du kannst dich erinnern an die Dinge?
Florian Bayer: Es gibt mehrere Träume. Ich würde behaupten, es gibt so einen Satz von 20 Träumen, der sich über mein Leben erstreckt. die sich so eingebrannt haben, dass ich sie bis zum heutigen Tag erinnere. Einfach weil sie so einen Eindruck hinterlassen haben. Ist das nicht normal?
Johannes Franke: Ich überlege gerade, ob ich dir eine Nummer von einem guten Psychologen geben sollte.
Florian Bayer: Liebes Publikum, erinnert ihr euch an eure Träume? Ich habe Träume, als ich 10 war oder 9, an die ich mich noch erinnere.
Johannes Franke: Krass, ja. Ganz stark.
Florian Bayer: Okay. Und das war tatsächlich gar nicht so sehr in der Kindheit. Ich hatte viele so Liminal Spaces Träume als junger Erwachsener.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann auch meiner Meinung nach, das ist immer so schwer, weil Träume sind ja sehr vernebelt, auch gerade wenn man wach wird, Meiner Meinung nach aber auch Orte, die ich ein-, zweimal aufgesucht habe und zum Beispiel ein großes, leeres Haus, viel Treppenhaus und im Hintergrund ist dann ein Einkaufszentrum. Wir müssen jetzt nicht so weit in meine Psyche reinspringen. Ich weiß sogar teilweise, wo die Gebäudearchitektur herkam, wo ich die aus der Realität entnommen hatte und wie ich da reingekommen habe. gekommen bin und wie das, also warum das in meinen Träumen so und so aussah und so weiter. Aber ja, ich hab und ich hatte auch so Liminal Spaces Träume, die keine Albträume waren, sondern einfach Erkundungsträume, würde ich sie im weitesten Sinne des Wortes nennen. Aber natürlich gibt es auch diese Albträume, diese leeren Straßen, leere Gassen. Ich kann mich an einen Traum erinnern, als ich sechs oder sieben war von einem leeren Schwimmbad, den ich super groß war. Okay, ja.
Johannes Franke: Ach, ich lege mich jetzt auf die Couch. Ja, genau.
Florian Bayer: Aber ich will sagen, es hat bei mir immer so ein bisschen dieses Doppeltes. Ja, Liminal Spaces sind gruselig. Ja. Liminal Spaces sind aber auch faszinierend.
Johannes Franke: Ja, also ich war als junger Mensch schon viel als Zauberer unterwegs und dann bin ich viel in Malls aufgetreten. Hab Geld verdient durch, naja, so Feierlichkeiten in so Einkaufszentren. Und dann wurde ein Zauberer gesucht und dann bin ich da in der Gegend rumgelaufen, hab irgendwelche Leute mit Kartentricks unterhalten. Und die ganzen Räume hinter den Verkaufsräumen sind auch so liminal spaces. Und das ist auch ziemlich crazy gewesen. Weil man da irgendwie zwischen Catering und irgendwelchen abgestellten, auch Cardboards wie in diesem Film und so Cutouts... gestanden hat, sich da schnell irgendwie umgezogen hat. Es war immer irgendwie kalt und ein bisschen ungemütlich und so. Und nichts war eingerichtet. Malls sind ja Frontend dominiert. Es ist ja nur nach vorne hin schön gemacht, alles was hinten ist. Da kümmert sich einfach niemand drum, dass das gut aussieht. Das ist nur funktional. Das ist furchtbar.
Florian Bayer: Oh geil, zwei Gedanken dazu. Zum einen, wenn ihr Liminal Spaces in der Realität sehen wollt, ich weiß nicht, wie es in eurer Stadt aussieht, aber in Berlin gibt es so manche Einkaufszentren, Da kann man das gerade live erleben. Also dieses Mollsterben.
Johannes Franke: Stimmt, total, ja.
Florian Bayer: Geht mal in das Einkaufszentrum am Treptower Park. Das ist tot. Das war mal voll mit Geschäften, mit diversen Shops und Gastronomie. Das ist ein großer, leerer Raum, wo kaum noch Menschen sind. Das hat auch was Gruseliges. Und dann das zweite, dein Frontend-Backend-Vergleich ist total geil, weil wenn du als jemand, der sich nicht viel mit Technik hinter Webseiten oder so beschäftigt, dann plötzlich mal sowas, also WordPress geht ja noch, WordPress ist schick, aber wenn du sowas aufmachst wie Typo3, dann ist das glaube ich auch gut. gruselig, weil du auch so diese skelettartige Architektur plötzlich vor dir hast, die komplett anders ist als das, was du nach vorne raus siehst.
Johannes Franke: Ja. Deswegen gibt es ja auch spezielle Leute, die nur dafür da sind, für Endkunden... Backspaces, also so ein Backend zu gestalten, sodass das irgendwie auch ansprechend aussieht und nicht einfach nur aus Lines von Code besteht oder irgendwelchen irgendwelchem Scheiß, wo man überhaupt nicht benutzerfreundlich ist. Und ein zweites kleines Erlebnis. Ich war jetzt im Krankenhaus vor einer Woche wegen einer Entzündung in meinem Magen. Und die haben einen Ultraschall gemacht extra für mich. Und dann haben die mich zwei Etagen höher geschickt in den Krankenhaus. Und das war komplett leer. Ja, ja. Und dann habe ich mich da irgendwo, sollte ich mich da hinsetzen, in eine Sitzecke. Die auch leer war, wo aber so ganz gruselig so eine Trinkpackung stand und da standen noch Sachen von Leuten. die auch mal dort gewartet haben. Aber wer weiß, ob die fünf Jahre her sind oder ob das gerade eben war. Es war nicht zu sehen. Und dann kamen irgendwann... Aus einem langen Gang mir die Ärztin entgegen, die das mit mir machen sollte. Auch so ganz gruselig den ganzen langen Gang entlang.
Florian Bayer: Und die Schuhe hatte. durch den Gang, während sie läuft.
Johannes Franke: Und es war alles so weird und leblos, obwohl das total alles nach Leben aussah. Und die hat extra für mich diesen Raum aufgeschlossen, wo sie dann einen Ultraschall mit mir gemacht hat, in irgendwelchen Backrooms. Und ich fand's so krass, weil ich's kurz vorher erst diesen Film gesehen hatte, weißt du? Und dann dachte ich so, oh fuck und ich muss diese Ärztin darauf ansprechen. Haben sie Backrooms zufälligerweise gesehen? Und sie so, nee, keine Ahnung, was ist das? Und dann habe ich versucht ihr das zu erklären, war aber auch kläglich gescheit. Das war so krass.
Florian Bayer: Springen wir mal ein Stück zurück und stellen uns die Frage, was sind überhaupt Liminal Spaces? Ganz genau. Liminalität ist im Prinzip nichts anderes als eine Schwelle. Ein liminaler Raum ist ein Schwellenraum, sprich ein Ü. Übergangsraum, Gänge, Flure, Korridore, irgendwas, wo man von einem Ort zum anderen gerät. Aber auch Räume, die noch nicht fertig voll funktionstüchtig oder nicht mehr voll funktionstüchtig sind.
Johannes Franke: Ja. Also Liminal auch im Sinne von nicht nur zwischen zwei Räumen, sondern auch zwischen zwei Nutzungen. Ja. Also du hast zum Beispiel, wenn du die Malls nimmst, ne, also ein Shop geht da raus, da sind doch die ganzen Sachen, weil die sich nicht gekümmert haben, ihre Sachen alle mitzunehmen. Da stehen noch ein Haufen Boxen von irgendwas oder da sind noch leere... Regalbretter an der Wand, die alle nach Leben aussehen, aber das Leben, was da drin war, ist längst raus. Und der nächste, der das nutzen wird, ist noch nicht drin. Und das ist auch so ein Zwischenraum sozusagen, so ein Schwellenraum.
Florian Bayer: Das Wort Liminalität kommt eigentlich aus der Soziologie oder Ethnologie. Victor Turner hat in den 60ern diesen Begriff geprägt und hat dann... Es ging eigentlich um so verschiedene Phasen, die Gruppen machen können, aber auch Individuen und die Schwellenphase ist quasi so die Phase zwischen der Trennung und zwischen der Neuangliederung, zwischen dem, wenn das alte verloren geht und das, bevor das neue kommt.
Johannes Franke: Also wenn du in Scheidung lebst, lebst du im Grunde auch Limine.
Florian Bayer: Eine Liminalitätsphase, genau. Und wie gesagt, das kann auch im Räumlichen zwei Sachen bedeuten. Zum einen, dass es wirklich einfach ein Übergangsort ist. Der permanent besteht, einfach weil du musst durch den Gang gehen, um von einem Raum zum anderen zu kommen. Aber es kann auch bedeuten, dass ein Raum seinen ursprünglichen Zweck verloren hat, aber noch nicht seinen neuen Raum. Und diese Räume lösen Unbehagen aus oder können Unbehagen auslösen, was einfach daran liegt. dass unser Gehirn voll drauf geeicht ist, dass es ein Raum, in dem das und das passiert. Wenn du einen Klassenraum siehst, Dazu gehört eigentlich, dass da Kinder sitzen, Bücher aufgeschlagen haben und es steht ein Lehrer oder eine Lehrerin vorne an der Tafel. Es ist irgendwie lebendig. Oder wenn du in einer Shopping-Mall bist, du weißt einfach, in einer Shopping-Mall gehören Menschen, die da rumlaufen. Das ist voll, da ist Leben, das sind Jugendliche, die irgendwelchen Scheiß machen. Da rennt gerade ein Ladendieb weg, da ist das und das und das und das. Du willst eigentlich ein Wimmelbild, du willst Menschen haben. Und wenn plötzlich keine Menschen in diesen Zwischenräumen sind, wenn das leer ist, dann denkt dein Gehirn, shit, da ist irgendwas falsch.
Johannes Franke: Vor allem glaube ich, hängt das auch noch viel früher mit so einem Urinstinkt zusammen, dass wir Wenn irgendwo eine Gegend von Seuchen niedergerafft wurde und dann so leere Dörfer sind, weiß ich nicht, Mittelalter oder sowas, ne? Und du gehst da durch und stellst fest, okay, hier muss irgendwas passiert sein, sonst wäre hier Leben.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Also sollte ich hier auch nicht sein.
Florian Bayer: Ja, hier könnte was gestorben sein.
Johannes Franke: Genau. Und deswegen glaube ich, es sind solche Räume auch nochmal... grundsätzlich drunterliegend, so urinstinktmäßig total schlimm und total beunruhigend, weil du nicht weißt, ist das nicht einfach... Schlau, jetzt nicht hier zu sein, weil das wiederkommen könnte, was verursacht hat, dass hier keiner ist. Also das finde ich ist einer der grundsätzlichen Grundlegenden.
Florian Bayer: Absolut. Und das ist halt auch so, Liminal Spaces als Trope im Horror sind natürlich älter als das Phänomen der Backrooms, das wir uns gleich genauer angucken.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es sind auch älter als Kubrick und Co., die wir bestimmt noch mal erwähnen werden im Laufe dieser Folge. Und gehen sehr weit zurück, weil so Horrorgeschichten von ausgestorbenen Orten, wo man nicht weiß, warum sie ausgestorben sind, von verlassenen Orten, Die gibt es einfach überall in der Geschichte. Es ist einfach ein gutes, funktionierendes Motiv.
Johannes Franke: Ich denke, wir werden in unsere Top 3 drauf eingehen.
Florian Bayer: Werden wir mit Sicherheit. Aber jetzt müssen wir uns natürlich angucken, wie Daraus, aus diesen Liminal Spaces, dieses Internetphänomen Backrooms entstanden ist und das hängt natürlich eng zusammen mit dem grundsätzlichen Horror-Internetphänomen. Creepypasta.
Johannes Franke: Ah, was ist eine Creepypasta, Flor?
Florian Bayer: Eine Creepypasta ist erstmal ein schrecklicher Begriff. Also ich finde 4chan-Sprache aus den 2000ern klingt mittlerweile voll cringed. Sagt man Cringe noch oder ist Cringe selbst zum Cringe-Wort geworden?
Johannes Franke: Ich weiß nicht. Also Creepypasta, für mich ist es, ich kriege Hunger, wenn ich das Wort höre. Ja, ja. Und es ist eigentlich ein Derivat von Copy-Pasta, also Copy und Paste eigentlich. Also du nimmst etwas, kopierst es und veränderst es und es wird weiterentwickelt durch Internetkultur im Grunde.
Florian Bayer: 4chan. 4chan war mal wirklich ein großes Ding, ist es mittlerweile nicht mehr so. Reddit ist es immer noch, aber in Reddit findet das auch noch statt. Bei 4chan war es halt so, wenn du bei 4chan Mitglied bist, ich habe das nie wirklich benutzt, ich fand 4chan immer irgendwie komisch. Bei 4chan kann jeder posten und meistens posten die Leute auch unter dem Namen Anonymous. Mhm. Fun Fact am Rande, die Bewegung Anonymous ist genau daraus entstanden, weil die hat sich in 4chan gebildet und es hieß einfach jeder Anonymous. Heißt aber auch, bei 4chan gab es kein Copyright auf Sachen. Wenn irgendjemand was entdeckt hat auf 4chan, was er geil fand, Dann hat er das komplett kopiert und einfach als Anonymous nochmal irgendwo anders rausgehauen. Das heißt, die Sachen wurden immer wieder kopiert und kopiert und deswegen Copypasta, weil es wurden Sachen kopiert und wieder eingefügt. Das war einfach die Art, wie in dieser Börse Memes. funktioniert haben, wie in dieser Börse Kunst funktioniert hat. Es war einfach ein großes Board. Board ist der richtige Name. Und da wurden Sachen immer und immer wieder geteilt. Und dann halt auch irgendwann...
Johannes Franke: Horrorgeschichten. Siehe zum Beispiel Slenderman.
Florian Bayer: Slenderman ist wahrscheinlich das berühmteste. Das war so Um die 2009 ist der Slenderman-Mythos entstanden bei 4chan und der hat 2018 einen eigenen Film gekriegt, den ich nicht gesehen habe, verrissen wurde von der Kritik. Andere berühmte Creepypastas sind sowas wie Abandoned by Disney aus dem Jahr 2012 und Das sind meistens tatsächlich Geschichten. Also viel Creepypasta waren entweder so einzelne Bilder oder wirklich ganz klassisch einfach nur Text. Abandoned by Disney ist der Text von einem... Lass mich raten, anonymen. Von einem anonymen Mann, der beschließt, ein verlassenes Disneyland, das nicht mehr in Betrieb ist, zu besuchen. Und der dann Texte an der Wand findet in so einer Dschungelbuchattraktion. Ganz bekannt ist aus dem Jahr 2008, Ever Dream This Man? Und zwar geht es darum, dass eine Frau, Andrea Natella, hat eine ganze Website dafür gebaut. Und hat da ein Bild gepostet, so eine hässliche Phantomzeichnung und hat gesagt, ey, von diesem Mann träumen ganz viele Menschen. Und das ist wirklich ein gruseliges Bild, weil es so ein Phantombild ist. Und es hat so ein bisschen eine Uncanny Valley dadurch. Und ich habe dir auch mal von diesem Mann geträumt. Übrigens auch... Also zumindest das Motiv wurde ja auch zu einem Film mit Nicolas Cage gemacht, Dream-Scenario. Wobei dieses Ever-Dream-This-Man halt so... Ganz wichtig bei Creepypasta in diesem Mysteriösen immer bleibt. Also es ist so ein Raum, der die Fantasie anregt, aber es wird nicht weiter erklärt. Das heißt, es war nicht viel mehr als das Bild und dann so ein paar Geschichten von Leuten und dabei ist es einfach stehen geblieben. Was wahrscheinlich auch viele kennen, weil es wirklich auch Menschen Angst gemacht hat außerhalb des Internets, war die Blue Whale Challenge. die in Russland 2013 entstanden ist und sehr nah verwandt, damit die Momo-Challenge aus dem Jahr 2019. Das war die Geschichte davon, dass es... dass es so Mails gibt, die verschickt werden an Leute, wo sie Aufgaben kriegen. Und sie kriegen immer mehr Aufgaben und mehr Aufgaben und mehr Aufgaben. Und dann am Schluss sind die Aufgaben aber so, du musst dich selbst verletzen und endet damit, dass du dich umbringen musst. Und die Geschichte, dass sehr viele Menschen das tatsächlich gemacht haben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und wir müssen ja mittlerweile, es gab ja diese wirklich schrecklichen Geschichten, dieses White Tiger Ding, was White Tiger hieß? Ich weiß nicht. In Hamburg dieser schräge Typ, der wirklich zumindest ein Kind Selbstmord getrieben hat.
Johannes Franke: Das weiß ich gar nicht.
Florian Bayer: Ja, müssen wir nicht näher drauf eingehen. Das ist älter und das war zumindest aber so eine Geschichte, wo ... Das hat so sehr groß gemacht. Wurde wie diese Kettenbriefe. Es gibt angeblich diese Kettenbriefe, wenn du den jetzt nicht weiterschickst, dann stirbst du eines grauenvollen Todes und so weiter. Das war sehr ähnlich. Und das war relativ bekannt, das ging nämlich auch durch die Mainstream-Presse, dass Teenager davor wirklich Angst haben. Die Blue Veil Challenge und die Momo Challenge.
Johannes Franke: Okay, krass.
Florian Bayer: Eine witzige Creepypasta, um die noch zum Schluss zu nennen, finde ich den Polypius-Automaten. Und zwar ist der sehr alt, so Ende der 90er schon entstanden ist. Die Geschichte von einem angeblichen Automaten, also Arcade-Automaten, Spielautomaten. Und wenn man diesen Automaten spielt, dann hat man Halluzinationen und wird von Albträumen und so weiter verfolgt.
Johannes Franke: Lohi, okay.
Florian Bayer: Und es ist eine ganz süße Geschichte, die angeblich irgendwo in der Spielhalle stehen soll. Dann gibt es ganz viele Texte dazu und Menschen, die Erfahrungen damit gemacht haben.
Johannes Franke: Scheint alles so ein bisschen den Ursprung in so Bildern, die man teilt oder eben in so kurzen, wirklich sehr kurzen so Texten zu haben, dass Leute wirklich nur so drei, vier Zeilen irgendwas Creepiges anteasern und dann entwickelt sich das. Dann hat jeder so seine Fantasie dazu, jeder macht irgendwie was dazu, jeder hat so seinen Beitrag. Und spinnt das Ganze irgendwie weiter. Aber eben anscheinend kollektiv vereinbart immer sehr mysteriös bleibend. Und nicht konkret werdend. Und was ich total geil finde, dass sich so viele Leute, ohne dass sie sich verabreden, daran halten. Ja. Zumindest größtenteils so.
Florian Bayer: Das Krasse ist, ich finde es total faszinierend auch, ich habe relativ wenig Bezug dazu. Ja, ich auch nicht. Ich bin kein Konsument von Creepypasta und ich bin auch kein großer Konsument von Copypasta und Meme-Kultur. Da geht auch vieles an mir vorbei. Also das Zeug hier, Slenderman kannte ich vom Namen und den Polypius kannte ich, einfach weil ich mich sehr viel so in der Videospielszene bewege. Aber ansonsten so was wie Abandoned by Disney oder Ever Dreamed This Man ist quasi an mir vorbeigegangen. Blue Whale Challenge kannte ich halt auch, weil es durch die größere Presse ging. Wir reden aber über Backrooms. Eine Creepypasta, die 2019 entstanden ist und... ihren Ursprung, wie so viele, im 4chan Board hat. 12. Mai 2019.
Johannes Franke: Da postet jemand einfach nur ein Bild, wo auch noch keiner so richtig wusste, wo kommt das Bild eigentlich her. Das wurde später geklärt, aber es war einfach... Im Büroraum, wie wir ihn im Grunde im Film Backrooms auch sehen. Einfach nur einen Blick in den Raum hinein, durch eine Tür... Und man kann nicht mehr sehen, wofür genau dieser Raum da war. Er hat nur diese furchtbare gelbe Tapete, also vergilbte Tapete. Und man kann da alles Mögliche an Fantasie reinwerfen, was man so hat.
Florian Bayer: Ja. Was ich wirklich faszinierend finde an diesem Originalbild, es befindet sich in so diffusen Zwischenzustand zwischen Raum und Korridor.
Johannes Franke: Stimmt ja.
Florian Bayer: Und man weiß nicht, ist es dafür gedacht durchzugehen und ist groß genug, dass viele Menschen durchgehen können oder erwartet man da Büroschreibtische? Weil es ist, was natürlich dazu beiträgt und das macht viel vom Horror der Backrooms aus, wir haben keine Fenster. Wir haben keine Türen, wir haben kein Entkommen und wir haben die, Versprechen ist der falsche Begriff, wir haben die Befürchtung der Endlosigkeit. Weil da werden Abbiegungen angeteasert, wo es offensichtlich weitergeht, wo der Raum größer ist. Du weißt nicht, wie groß dieser Raum ist und das könnte endlos sein.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Nur hat man so ein bisschen rausgefunden, wo das herkommt. Also es wurde zurückgeverfolgt. Lustigerweise auch in einen Ausstellungsraum für Möbel. Und wenn man das Gebäude, wo das angeblich war, von außen sieht, dann sieht es auch genau so aus, Wie im Film Backrooms von außen der Ottomans Empire. Ich find's total geil, dass das genau dort... Was für ein Zufall, ne? Ja.
Florian Bayer: Also nicht so viel Zufall, weil man hat es schon rausgefunden, bevor der Film gedreht wurde.
Johannes Franke: Richtig, richtig. Aber trotzdem, ich finde es so toll, dass sich der Kreis so ein bisschen schließt. Und dass da wirklich Betten gestanden haben anscheinend als Ausstellungsdinger und so. Und es gab eine Webseite von... von jemandem, der diese Räume gerade umbaut und deswegen so zwei Bilder gehabt hat, Das eine davon wurde eben bei 4chan gepostet und das andere eben nicht. Aber diese beiden Bilder wurden gepostet als... Quasi, das ist unser Raum und den verwandeln wir jetzt in was anderes.
Florian Bayer: Hoffentlich in was Schöneres.
Johannes Franke: Und wenn man da hingeht, in diesen Raum, was Leute gemacht haben, um herauszufinden, wo genau wäre das jetzt gewesen, was wir da auf dem Bild sehen, kann man es nicht mehr ganz genau sagen.
Florian Bayer: Gott sei Dank.
Johannes Franke: Weil der Raum so völlig anders ist, dass man nicht mehr genau weiß und auch ganz schwer Anhaltspunkte findet, wo welche Ecke gewesen wäre. sein könnte. Und das finde ich aber auch ein bisschen crazy, auch ein bisschen beunruhigend, dass dieser Raum so gar nicht mehr zu erkennen ist. Also dass er völlig transformiert ist.
Florian Bayer: Ja, aber was, was tatsächlich viel mit, also wenn, wenn was einfach passiert mit Träumen. Natürlich. renoviert werden und gerade wenn es dann auch an die Raumstruktur geht und wenn dann abgerissen werden und hochgezogen werden. Und das ist glaube ich auch... Das ist vielleicht auch so ein bisschen ein Liminal Spaces Phänomen, wenn du einen Ort kennst und kommst zu diesem Ort und dieser Ort hat sich sehr verändert. Und zwar wirklich nicht nur ästhetisch, sondern auch strukturell. Das sorgt auch für so ein Unwohlsein. Ich habe das auch schon öfter mal erlebt, wenn ich wirklich an Orten meiner Kindheit war, die umgebaut wurden. Und ich habe mich nicht mehr orientieren können und da habe ich mich zehn Jahre lang orientiert und jetzt habe ich die Orientierung verloren. Ist auch etwas, was Angst macht.
Johannes Franke: Total, ja. Vor allem auch Räume, bei denen man nicht weiß, was ist hier vorher passiert. Ja. Was ist das für ein Raum gewesen? Also du kommst dann vielleicht in so einen Raum, vielleicht in so eine Wohnung rein. Ich hatte irgendwann mal eine Besichtigung von einer Wohnung. Mit Katrin zusammen. Oh Gott. Und da roch es seltsam.
Florian Bayer: Oh nein, nein, nein, nein.
Johannes Franke: Und dann ging Katrin irgendwas raus, schreiend, und wir stellten fest, dass der Geruch, den sie identifiziert hat, tote Oma ist. Und dass da wohl jemand gestorben sein muss irgendwie. Und die Wohnung sah aber total gut aus. Du weißt halt nicht, was da vorher passiert ist. Und der Raum sieht genau deswegen so gut aus. Weil da vorher offensichtlich etwas war, was ganz... viel Übertünchen brauchte.
Florian Bayer: Ja, streichen wir die Wand nochmal. Dieser Fleck muss weg.
Johannes Franke: Oh, fuck. Und das macht so ein seltsames Unwohlsein.
Florian Bayer: Es wurde nicht nur das Bild gepostet, sondern auch ein Text dazu. If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the backrooms. Where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono yellow, the endless background noise of fluorescent light. At maximum. And approximately 600 million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in. God save you. if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has hurt you.
Johannes Franke: Das ist ein fieser Text. Und dieser Text hat es irgendwie geschafft, genug... zu triggern bei Leuten, dass sie das weitergeführt haben, dass die auch... die Bilder irgendwie modifiziert haben, irgendwelche Sachen reinretuschiert haben, was könnte da drin gewesen sein und so. Und das irgendwie weitergegangen ist, die Fantasie losgegangen ist. Und eben auch bei unserem Autor von unserem Film, der dann dieses Foto genommen hat und das Ganze... in Blender nachgebaut und riesige Welten entwickelt hat.
Florian Bayer: Aber was ganz schön ist an diesem Text, dass da noch so ein zweites Moment reinkommt, was Angst macht. neben den Liminal Spaces, ein Begriff aus der Videospielkultur, nämlich das sogenannte No-Clipping oder Clipping. Du bist kein Videospieler, ne?
Johannes Franke: Nein, aber ich weiß es inzwischen natürlich, weil ich regiert habe.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich diese Phänomene erlebt. Ich habe in meiner Kindheit sehr viele Videospiele gespielt. Und um so ein Persönliches zu machen, es gibt so ein Mario Land 2 für den Game Boy. Aus dem Jahre 1992 kann man mit Start und danach Select ein Level verlassen. Ja. wie man es damals bei sehr vielen spielen konnte. Und dieses Mario Land 2 hat so Röhren, in die man gehen kann. Klassisch wie bei Mario. Wenn man in einer Röhre ist und dann Start und Select drückt und dann in einen anderen Level geht, dann hat sich das Spiel gemerkt, man ist in einer Röhre und rutscht durch den Boden durch. Das heißt, man startet diesen Level und rutscht dann durch den Boden und landet tatsächlich in... in einer klitschigen Area und quasi so ein, ich weiß gar nicht, wie man es genau nennt, Es ist ein Raum, der aus Strukturen besteht, die so Sprites sind aus dem Spiel, die tatsächlich im Spiel existieren, aber die sind alle komplett chaotisch und man kann sich auch ganz schlecht bewegen. Man kann das Spiel auch zum Softlock kriegen, habe ich damals auch geschafft. Das heißt, es geht gar nichts mehr, es stürzt komplett ab.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Und da kann man sich drin bewegen, man kann sogar ein Level so zu Ende spielen, aber man bewegt sich halt komplett in dieser klitschigen Abteilung. Normenrealität. Total geil.
Johannes Franke: Also normalerweise ist ja No-Clipping für Developer gedacht. Also für Leute, die dieses Spiel entwickeln. Und die dann zwischen den Räumen mühelos hin und her wechseln können müssen, damit sie nicht das ganze Spiel durchspielen müssen, um an die Stelle zu kommen, wo vielleicht irgendwas gepatcht werden muss. Das heißt, die gehen dann da durch die Wände durch mit so einem Special Code, den sie da eingeben und können sich da bewegen und gucken, wo sind denn hier noch die Problemfelder. Clipping nennt man das, dass man gegen zum Beispiel Wände oder Gegenstände gegenstößt und nicht einfach durchgeht. Du willst ja als Spielfigur ein dreidimensionales Raumerlebnis haben und das hast du nur, wenn die Räume tatsächlich durch Wände getrennt sind. Und wenn die Wände keinen Effekt haben, weil du durchgehst, dann hast du ein Problem. Also brauchst du Clipping, das heißt du kommst nicht weiter bei einer Wand und wenn du das No-Clipping einstellst, kommst du halt durch.
Florian Bayer: Ganz wichtig und dadurch passieren tatsächlich dann auch in Spielen diese No-Clipping-Effekte. 3D-Spiele sind einfach saukompliziert, die sind anfällig dafür. Du malst nicht einfach eine Wand und sagst, das ist jetzt meine Wand, sondern du hast eigentlich zwei Elemente. Du hast zum einen die Grafik und das ist wirklich das... 3D-Modell mit Texturen drauf. Und dann hast du zum anderen aber die Kollisionsabfrage quasi. Du hast nochmal so ein unsichtbares Objekt, das sagt, an dieser Stelle kommst du nicht weiter. Und diese Objekte, die matchen nicht 100 Prozent. Das ist, wenn ein Videospieler sagt, der Spieler hat eine schlechte Kollisionsabfrage, dann heißt das im Prinzip... Der Kasten von deinem Sprite um deinen Sprite rum oder um dein 3D-Modell rum ist ein bisschen zu groß oder zu klein. Das sieht man zum Beispiel in 3D-Spielen, vor allem in den 90ern, sehr schön, wenn man mit seiner Spielfigur zu der Wand geht. Und dann die Kamera so ein bisschen dreht nah an der Tür und dann sieht man durch die Wand durch und sieht, dass ein Bein durch die Wand durch steht, während der restliche Körper noch da ist.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Und dann kann es halt auch tatsächlich passieren, dass Fehler entstehen, dass man zum Beispiel, wenn eine Kollisionsabfrage irgendwie nicht so 100% funktioniert, dass man durch den Boden fällt. Und dann kann man auch in so einer... real vom Spiel landen, die nicht richtig gerendert ist, wo es keine Texturen mehr gibt, die halt irgendwie weird aussieht.
Johannes Franke: Ja. Aber ist geil. Und genau das zu übertragen dann auf die echte Welt, auf Backrooms, dieses Konzept... Was im Grunde ja nur in einem Wort jetzt in diesem Kommentar auf 4chan mit angedeutet wird, ne? Es ist ja ein kompletter Satz, wo nur einmal das Wort No-Clipping erwähnt wird. Und die Leute wissen sofort Bescheid. Die wissen sofort, was gemeint ist und sie wissen genau, wie man das überträgt auf die echte Welt und was für ein Horror das sein kann. Ja. Und es ist geil.
Florian Bayer: Ja, absolut. Diese Angst, dass man den Boden unter den Füßen verliert, im wahrsten Sinne des Wortes, vor allem wenn man es aus Spielen kennt und wenn man es aus 3D-Spielen kennt und vor allem aus First Person. da kann man sich ja wirklich gut vorstellen, wie sich das anfühlt, dass man plötzlich durchrutscht und irgendwo landet. Kane Parsons.
Johannes Franke: Jetzt kommen wir zu Kane Parsons.
Florian Bayer: Geboren 2005. Hat dieses Phänomen gesehen und dachte, geil, ich mach mit.
Johannes Franke: 2015.
Florian Bayer: 2022 hat er seinen ersten Backrooms-Kurzfilm namens Found Footage gemacht. der sich zu einer 25-Episode-Reihe aufblasen sollte.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Und wohlgemerkt, Kane Parsons war damals nur ein Teil von diesem Backrooms-Phänomen. Er hat einfach ein Backrooms-Video gemacht, das haben noch andere gemacht.
Johannes Franke: Und man muss dazu sagen, er hat sich nicht an das gehalten, was andere für Backrooms gehalten haben.
Florian Bayer: Er wurde kritisiert. Die Leute haben gesagt, das, was du da machst, hat nichts mit Backrooms zu tun.
Johannes Franke: Du machst das falsch.
Florian Bayer: Du hast die Lore nicht verstanden.
Johannes Franke: Und er hat gesagt, er hat gar keine Ahnung, was die Law ist. Es war ja gar nicht seine Absicht. Er hat gar nicht so viel davon gelesen. Es war ihm klar, dass da irgendwas existiert, aber er hat es halt gesagt. Ja, aber er ist mittlerweile so zum...
Florian Bayer: Kanon geworden, was Backrooms betrifft. Das hat sich komplett gedreht. Und wohlgemerkt, 2022 hat er das gemacht. Das heißt, vor vier Jahren. Das heißt, er war 17 da. Damals.
Johannes Franke: Fuck, Alter.
Florian Bayer: Und er hat das komplett mit Blender gemacht. Also Kudos an seine Eltern erstmal. Sein Vater ist offensichtlich auch... auch Entwickler und hat ihn früh mit dieser Software in Kontakt gebracht. Blender ist so ein 3D-Engine. Hast du mal mit Blender gearbeitet? Ja.
Johannes Franke: Ich habe noch nicht mit Blender gearbeitet, weil ich immer noch Angst davor habe.
Florian Bayer: Ich auch. Ich habe sowohl Blender als auch... Unity, Godot und so, alles schon mal aufgehabt und so ein bisschen rumgespielt und festgestellt, da muss ich Zeit rein investieren.
Johannes Franke: Ja genau, da muss man Zeit investieren.
Florian Bayer: Mit Blender kann man wunderbar 3D-Räume machen. Und der hatte auch, der hatte schon früher, der hatte, bevor er das Ding veröffentlicht hat, das war ein älteres Zeug, was er gemacht hat. Er hat so ein paar Animationen gemacht im Found-Footage-Style, also so ein bisschen analog. Wir können gleich noch das Wort Analog-Horror kurz erwähnen. und hat dann irgendwie so ein bisschen diese Backrooms, dieses Meme, diese Creepypasta im Kopf gehabt und und wusste aber nicht, dass das so was Großes ist und hat dann gesagt, okay, ich hab da was, ich hab hier ein paar Animationen, ich kann das ein bisschen ausbauen, ich kann daraus wirklich einen kleinen Horrorfilm machen. Und hat dann Found Footage gemacht, diesen kleinen Backrooms-Horrorfilm.
Johannes Franke: Seine Mutter ist Psychologin übrigens. Ja. Was ich vielleicht für diesen Film, den Kinofilm, den wir eigentlich besprechen wollen, machen wir noch, keine Sorge. das auch ein kleines bisschen mit erklärt. Obwohl viel von der Lore uns von der Geschichte dieses Kinofilms ausgelagert wurde an andere Autoren und so. Aber es ist nicht ganz verwunderlich, in welche Richtung das Ganze gegangen ist. Weil auch die Kurzfilme schon einiges davon blicken lassen.
Florian Bayer: Absolut. Und ich würde auch behaupten, es gibt eine riesige Lore, es gibt eine riesige Storyline um diese Backrooms. Und wenn wir uns die anschauen... Da ist natürlich viel mehr, als in diesem Film stattfindet. Der Film ist ja eigentlich, also klar, der Film setzt zum Beispiel ein bisschen mehr auf die psychologische Komponente. Der Film arbeitet mit anderen Stilmitteln als die Webserie. Aber der Film hat natürlich viel weniger dieses Expanded Universe drin und ganz viele Sachen, die Menschen, die diese 25 Videos gesehen haben, kennen und verstehen. sind für das Filmpublikum komplett unbekannt.
Johannes Franke: Ja. Versuchen wir das ein kleines bisschen zusammenzubringen, was bisher geschah, vielleicht sowas in der Richtung... Aber vielleicht nicht ganz ins Detail gehen.
Florian Bayer: Nicht zu viel ins Detail gehen, sonst sind wir Stunden hier. Also die Geschichte der Backrooms geht bis zum Jahr 1972 zurück, zumindest in der Webserie. Aber es gibt Hinweise darauf, dass die Geschichte viel weiter zurückgeht. Das heißt, die Backrooms sind nichts, was von Menschen erschaffen. wurde, sondern was, was schon immer existiert hat, neben der Realität nennt es eine andere Dimension. Nennt es einen anderen Raum, der sich irgendwo befindet, wir wissen es nicht genau und der aber um diese Zeit 1972 von einem Mann namens Ewan Beck untersucht wurde. Und dann springen wir in die 80er und 90er, nämlich das ist die Phase, in der sowohl die Webserie als auch der Film hauptsächlich passieren. Ja. Es gibt in den 80ern ein Institut namens Async und die machen Untersuchungen mit Magnetresonanztechnik. Und die, wir wissen nicht genau wie, aber offensichtlich entdecken die irgendwie bei ihren Versuchen, die mit was anderem zu tun haben. Entdecken die, dass sie was öffnen können. Dass sie diese Räume öffnen können und dass sie da einen Zugang aufmachen können. Und sie intensivieren daraufhin die Arbeit daran, weil der Async-Vizedirektor, dessen Namen wir gerade vorhin schon gehört haben, Ivan Beck, sagt ... Wenn wir es schaffen, einen fremden Raum zu öffnen, der über die Realität hinausgeht, dann können wir so viele Probleme der Menschheit lösen. Mhm. Mhm. Mhm. Mhm. Und Anfang der 90er, ich weiß noch, das war noch nicht der Peak, aber das war eine Zeit, wo diese Angst vor der Überbevölkerung der Erde sehr stark war.
Johannes Franke: Das stimmt. Wobei das lange vor Parsons Zeit war. Ich finde es so krass. Der ist 2005 geboren. Vier Jahre nach 9-11. Gott. Als er geboren wurde, war ich so alt, wie er jetzt ist. Leute da draußen, wenn ihr auch gerade 19 oder 20 seid oder sowas, macht euch nichts draus. Wir ärgern uns einfach nur, weil wir mit 1920 rumgepimmelt sind und keinen großen 824-Film gemacht haben. Und nicht so talentiert sind wie dieser krasse Typ.
Florian Bayer: 1989 kommt es zum sogenannten First Contact. Einer von den Backrooms-Filmen heißt tatsächlich so. Ja, bei einem Test gelingt es Async zum ersten Mal, diesen Durchgang zwischen den Welten dauerhaft zu öffnen und Sie sehen diese labyrinthischen Räume. die sie The Complex nennen. Und es gibt einen ganz kurzen Film von Parsons, der zeigt, zur gleichen Zeit hat irgendwo ein Erdbeben in San Francisco stattgefunden und das kannte man dann miteinander verbunden sein, ist aber nicht so wichtig. Wichtig ist, dass es gleichzeitig mit dieser Öffnung der Räume zu mehreren vermissten Fällen kommt. Menschen verschwinden. Und es gibt einen Kurzfilm, und zwar den ersten, die darauf hinweisen, dass diese Menschen tatsächlich, ohne es zu wollen, einfach aus der Realität noch klippen. Wir sehen später auch, dass Menschen Durchgänge entdecken, so auch wie unser Protagonist im Film. Aber es kann auch offensichtlich passieren, du machst einen falschen Tritt, du bist ganz normal in der Stadt unterwegs und tatsächlich fällst du raus. bist in diesen Räumen und diese Menschen sterben meistens eines schrecklichen Todes. 1989, 1990 beginnt dann Async das ganze Ding zu untersuchen. Und zwar machen die es halt wirklich wissenschaftlich. Die haben... Die haben einen Untersuchungsraum, die bauen da Kameras auf, die gehen mit Teams rein, sie haben die Regel, man muss immer zu dritt reingehen. Die fangen auch an, da Sachen reinzustellen. Kameras aufzustellen, Bewegungsdetektoren und so weiter. Und die machen Karten von den Räumen. Und ich glaube, das ist ganz wichtig, um diese Räume zu verstehen, Es ist sehr viel Nibulös und auch nach dem Film bleibt, auch wenn man alle 25 gesehen hat, es bleibt sehr viel mysteriös. Aber offensichtlich sind die Backrooms zumindest so stabil, dass man Karten sammelt. Zeichnen kann. Es ist nicht ein Hogwarts Castle, wo die Treppen sich die ganze Zeit hin und her schieben, sondern man kann Karten zeichnen und ja, es passieren Sachen, die neu sind. Scheint auch sowas wie Erweiterung zu passieren, dass sich die Räume ausdehnen, aber die Areale, die man gesehen hat.
Johannes Franke: Sind relativ stabil von der Struktur.
Florian Bayer: Ändert aber nichts dran, dass diese Experimente, die die machen, extrem gefährlich sind. 1990 verschwindet ein Mensch namens... Peter Tench, der einfach plötzlich weg ist. Ein wichtiges Phänomen der Backrooms, das wir dann auch in diesen Filmen über ihn, Informational Video und Reunion feststellen. ist, dass die Zeit in diesen Räumen irgendwie anders funktioniert. Peter Tench verschwindet nämlich nicht einfach, sondern er wird in die Zukunft katapultiert. Und deswegen ist er plötzlich weit entfernt von seinem Team.
Johannes Franke: Während sie drin sind, ne?
Florian Bayer: Während sie drin sind.
Johannes Franke: Genau, also er guckt sich seine Kollegen da an und die sind dann plötzlich, glitschen die weg aus seiner Perspektive und er ist irgendwie zwei Monate in der Zukunft.
Florian Bayer: Zwei Monate. Es ist nicht so lange. Der, der im ersten Kurzfilm verschwindet, der verschwindet für mehrere Jahre. Das sehen wir am Schluss. Plus vom Kurzfilm die Kamera, die er bei sich hatte, durch den Himmel fallen und auf den Boden landen. Peter Tench taucht tatsächlich dann nach ein paar Monaten wieder auf, aber um sein Verschwinden zu vertuschen, haben sie mittlerweile seinen Tod vorgetäuscht. Er ist quasi wie ein Gefangener bei ihnen, er flieht wieder in die Backrooms, weil er sagt, er hat kein Leben mehr und es kommt dann auch nochmal zu einer großen Tragödie, wenn er einen seiner Kollegen erschießt, der ihn rausholen will.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Also es passieren wirklich düstere Dinge darin, Menschen verschwinden, Menschen werden von irgendwelchen Kreaturen gefressen, werden Menschen werden von irgendwelchen merkwürdigen Pilzen oder so befallen und sterben ganz jämmerlich. Menschen verlieren den Verstand. Und Async macht aber weiter mit dieser Forschung, einfach weil sie verstehen wollen, was mit diesen Räumen passiert. Und das ist die grobe Zusammenfassung. Es gibt wirklich tolle Videos im Internet. Wenn ihr euch dafür interessiert, guckt euch natürlich erstmal alle 25 Filme davon an. Dann habt ihr einen Kinofilm gesehen. von der Länge ungefähr? Nein, es ist länger.
Johannes Franke: Es sind dreieinhalb Stunden mindestens.
Florian Bayer: Es ist ein Kinofilm, ein langer Kinofilm.
Johannes Franke: Es ist ein Chris-Nolan-Film.
Florian Bayer: Ihr habt einen Christopher-Nolan-Film gesehen. Und es gibt ganz tolle Erklärvideos und Erklärpodcasts. Ich verlinke euch ein paar in den...
Johannes Franke: In den Shownotes?
Florian Bayer: In den Shownotes, weil es gibt mehrere. Tatsächlich, also ich weiß, das ist eigentlich eher was für... Irrigeres Publikum, aber von Filmtheories gibt es einen wirklich guten Überblick zu 20 Minuten, wo das gut zusammengefasst wird. Aber es gibt auch viele andere, die sich sehr viel Gedanken darüber machen. Auf dem Weg hier habe ich nochmal einen Podcast gehört, wo jemand... sehr lange drüber redet, deswegen kann ich das schnell raussuchen und Johannes verzeiht es mir, wenn ich jetzt kurz klicke. Ist auch, glaube ich, ein Videopodcast. Wendy Goon hat ein Video gemacht oder eine Podcast-Episode Maze of Terrors. Über die Backrooms. Auf Englisch aber auch sehr sehenswert. Es gibt auch ein paar Deutsche, die sich ganz gut damit auseinandersetzen. Ich hau's euch in die Shownotes.
Johannes Franke: Was ich krass finde daran, also Lore und so weiter, ich find's geil, dass er dieses Worldbuilding betreibt. Also, dass er es tatsächlich schafft, mit fucking 17, 18, 19, diese Welt... zu entwickeln und zwar nicht auf eine bemühte Art und Weise, wie ich das mit 17, 18 gemacht habe, sondern ganz entspannt über ganz kleine Hinweise hier und da. ohne zu viel zu erklären, ohne zu viel zu sagen. Übrigens, wir machen hier einen Erklärbär, der das alles erzählt, sondern wirklich... Ein ganz organisches Worldbuilding. Ganz beeindruckend, finde ich das. Ganz toll. Und dass er das alles in Blender gebaut hat. Diese Filme sehen nicht aus wie in Länder gebaut.
Florian Bayer: Die sind ästhetisch unglaublich stark. Oh, krass. Ich glaube, was seine Stärke ist, Er kann extrem gut mit Videofiltern arbeiten. Wenn du 3D-animierte Räume machst, es geht mittlerweile sehr viel, aber wir sind immer noch auf so einem Uncanny Valley Level, wenn du perfekt ausgeleuchteten, wirklich guten Raum siehst mit Blender, mit der Unreal Engine, whatever. Du erkennst, dass das animiert ist.
Johannes Franke: Ja, vor allem mit dem PC. Ich weiß nicht, vielleicht hat er auch einen ganz guten PC, aber er wird keinen für 30.000 haben. Sondern er wird einen für 2500 Euro haben.
Florian Bayer: Vielleicht hat er das auch Papi mit auf die Arbeit gegeben. Ich wette mit dir, er hat diesen 10 Minuten Papi zum Rausrendern mitgegeben.
Johannes Franke: Das kann vielleicht auch sein.
Florian Bayer: Das hat er nicht zu Hause auf seiner Maschine gerendert. Der hat nicht gesagt, so und jetzt 48 Stunden gar nichts mehr machen am Computer.
Johannes Franke: Vor allem, weil ich sagen muss dazu, nur mal Vorgriff auf den Kinofilm. Er hat auch für den Kinofilm Sachen entwickelt in Blender, bevor die dann wirklich diese Sets gebaut haben und hat es denen mitgegeben und hat deren PC gecrashed. Krass. Weil das, was er da an Projekten in Ländern gebaut hat, bei denen auf dem PC... Weil die nicht damit gerechnet haben, haben die wahrscheinlich nicht den richtig guten PC genommen und dann war erstmal Schluss.
Florian Bayer: Ich glaube, es ist viel mit diesem Filter, er zeigt halt, es ist, wie gesagt, es spielt Anfang der 90er, das heißt, er hat so dieses Camcorder-Feeling, es ist total... Die Ego-Perspektive entsteht daraus ganz klassisch von Footage. Jemand hat einen Camcorder und man muss ein bisschen Suspension of Disbelief aufbringen dafür. dass jemand jetzt da rumläuft und die ganze Zeit die Kamera so hält, dass man als Publikum sieht, was er sieht.
Johannes Franke: Aber die Kamera ist oft genug irgendwo in irgendeine Ecke gerichtet, weil er gerade nicht darauf achtet, woher die Kamera hinhängt. Das macht er sehr, sehr gut.
Florian Bayer: Ich habe das gesehen und habe es nicht als Blender. Ich wusste nicht, dass es Blender ist. Ich bin fest davon ausgegangen, dass es gefilmt hat. Er hat übrigens irgendwo gedreht. Unser Film, Ewe. Das ist auch sehr viel Liminal Spaces. Den haben wir in so alten, also vor 120 Jahren haben wir einen Film gedreht. Ewe, E-W-E. Findet ihr noch online.
Johannes Franke: Ewe, der Film.
Florian Bayer: Ja, findet ihr auf unserem YouTube-Kanal, ne? Gunner Stray Films.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Es ist ein Fotofilm und da haben wir wirklich coole Sets gefunden, coole Drehorte und zwar, kann man laut sagen, die Belminenhöhe. Höfe in Berlin, die sehen mittlerweile wahrscheinlich ganz anders aus, sind Schöneweide. Und da sind sehr viele leere, alte Büroräume und da haben wir ganz viel gedreht. Großartige Bilder. Genau, und das waren auch sehr viele Spaces, die wir da drin hatten.
Johannes Franke: Ja, und wir sind wirklich rausgegangen und haben den Aufwand betrieben, während er wahrscheinlich viel größeren Aufwand das alles am Computer zu entwerfen, dann die geniale Entscheidung zu treffen, Ja, das sieht alles, wenn es aus Blender direkt rauskommt, irgendwie computergeneriert aus. Also muss ich... 90er Jahre VHS-Filter drüberlegen, was total geil ist, was total gut gemacht ist.
Florian Bayer: Was es wirklich realistisch aussehen lässt.
Johannes Franke: Absolut. Aber... Auch der große Vorteil, er hat nicht viele Menschen.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Er hat so ein, zwei Sachen. In dem ersten Film, da sieht man kurz tatsächliche Menschen. Ja. Und das ist auch wirklich gefilmt wahrscheinlich.
Florian Bayer: Ja, naja, das ist mit Handy oder wie auch immer.
Johannes Franke: Genau. Und dann geht er aber, sobald er runterfällt in diese Liminal Spaces... Auch ganz viele Gegenstände, die da drin sind, die sind alle in Blender gebaut und ich finde es total geil, weil er sich bewusst ist, was möglich ist mit dem Computer. Und was nicht. Und sich genau daran hält. Und nicht zu viel will davon, sondern wirklich weiß, Das sieht gut aus und das sieht nicht gut aus, das muss ich vermeiden und das mache ich. Und manchmal hat er Menschen drin, die ein bisschen weiter weg sind, die auch ein bisschen computergeneriert aussehen.
Florian Bayer: Das Gute ist, man kann sich sehr viel erlauben, wenn man in Räumen was inszeniert, die irgendwie schräg sind. Dann dürfen sich... menschliche Figuren auch falsch bewegen. Darf es Verzerrungen geben? Ich glaube, er spielt auch sehr damit... Ich glaube, viel von dem, was er in seinem ersten Material hat, wenn man sich so vorstellt, dass er mit so 15, 16 in Blender experimentiert hat, ist auch so Zeug, was durch Zufall und durch Unglück entstanden ist. Weil wir haben ja ganz viel, also die ganze Backrooms-Ästhetik spielt ja damit, dass Dinge falsch sind. Da ist ein Stuhl zu groß oder zu verzerrt. Das sind Möbelstücke, die nicht auf dem Boden stehen, sondern in der Wand oder in der Decke hängen, die nicht da sind, wo man sie erwartet. Und wenn man sich mit 3D-Programmen auseinandersetzt und keine Ahnung davon hat, so wie ich... Und sich dann so ein 3D-Programm schnappt und sich so eine einfache Aufgabe stellt, wie ich generiere jetzt einen Raum und stelle da was rein, dann passiert genau sowas.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Es ist wirklich schwierig, Räume gestalten in 3D-Software. Dazu braucht man sich sehr viele Tutorial-Videos angucken, um da irgendwas hinzukriegen.
Johannes Franke: Ja. Inzwischen kann man eine KI beauftragen, das zu machen. Aber was dabei rauskommt, ist auch immer noch so. Genau.
Florian Bayer: Wir haben ja noch sehr viel über KI reden.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Backrooms war ein riesiger Erfolg. Wahnsinn, ne? Das Ding ist komplett durch die Decke gegangen.
Johannes Franke: Willst du einmal sagen, wie viel Geld sie ausgegeben haben dafür?
Florian Bayer: beim Film, ich bin noch bei der Webserie.
Johannes Franke: Ach, bei der Webserie.
Florian Bayer: 77 Millionen haben allein die erste Episode gesehen. 197 Millionen Views hat das ganze Ding und das ist, also ich weiß, wir sind in YouTube und YouTube ist pervers und klar, man kann da nicht MrBeast dagegen halten, aber für eine kleine Found-Footage-Horror-Serie, ohne Person, die irgendwie dafür steht, ohne irgendwie, ohne dieses ganze Influencer-Zeug,
Johannes Franke: ist das ein riesiger Erfolg. Ich meine, ist es natürlich auch wichtig, dass er keine Influencer hat, die dahinterstehen? Weil das seltsam wäre, weil das die Lore verletzen würde. Es geht ja darum, dass Found-Footage hochgeladen wird. Das kannst du nicht mit einem Influencer machen, der sagt... Hallo Leute, übrigens, ich war da neulich in diesen Backrooms, möchte ich euch mal zeigen, dieses Bild hier, das hängt schief, das funktioniert ja nicht. Also es muss so sein, wie es ist und ich glaube, dass natürlich diese Millionen Klicks genau deswegen zustande kommen, weil alle sagen... Wow, es ist total mysteriös und es werden kaum Fragen beantwortet. Und das ist wichtig.
Florian Bayer: Absolut. Und dann kamen die Studios und die standen da bei ihm. Wirf den Ball, wirf den Ball. Und am besten hat offensichtlich A24 gehäschelt und gebellt. Die haben von ihm den Zuschlag gekriegt.
Johannes Franke: Ja, vor allem aber, weil die anderen Angebote alle danach klangen wie, komm, gib mal deine IP rüber. Ja. Dass er wirklich gesagt hat, ich habe da was am Laufen im Internet und mein Standing ist gut genug mit seinen 100 Millionen Views, die er auf die Videos hat. Das Standing ist gut genug zu sagen, nee, ich lasse mir das aber nicht kaputt machen von euch, sondern ich mache das nur, wenn bestimmte Parameter gegeben sind und das hat Einstein hier vor zugesichert.
Florian Bayer: Und ich glaube, die haben sich gut geeinigt, weil ich glaube 824 hat in dem Fall auch den richtigen Richter gehabt und gesagt, pass auf, lass mal das Drehbuch jemand anderen schreiben. Ja. Du hast überhaupt keine Langfilm-Erfahrung. Wir finden dir jemanden, der dir helfen kann. Und dann haben sie Will Sudik genommen. der unter anderem Ash vs. Evil Dead und Westworld-Drehbuch geschrieben hat. Und der hat für ihn... Der hat für ihn das Drehbuch geschrieben und das war, glaube ich, die richtige Entscheidung.
Johannes Franke: Und das Krasse ist, dass Parsons genau an der richtigen Stelle auch gesagt hat, ja, das sind meine Schwächen. Das kann ich noch nicht so gut und das kann ich. Ich kann euch in Blender einen Haufen Zeug bauen, ich kann die Ästhetik weitergeben und ich kann euch meine ganze Backstory geben. Und dann gucke ich halt auf das, was ihr mir liefert. Und der hat auf das Drehbuch geschaut, was ihm einfach geliefert wurde, ohne dass er groß involviert war. Und hat da drauf geschaut und gesagt... Geil, ist genau das, was ich haben wollen würde in diesem Teil. Und das finde ich bemerkenswert. Dass jemand sich so sehr in seine Welt hineindenken kann und genau das rausgreifen kann. was fürs Publikum das Richtige ist und was für Parsons das Richtige ist. Das muss man erst mal schaffen.
Florian Bayer: Absolut. A24. Dieser Film ist der erfolgreichste Film to date, also ich meine es kam nicht viel nach, von A24. Er hat 10 Millionen Dollar gekostet, fast 400 Millionen Dollar eingespielt. Und wohlgemerkt, wir reden ja von A24, die haben sowas gemacht wie Ex Machina, Moonlight, Everything Everywhere All at Once und The Whale, die haben große Filme gemacht. Ja, die haben große Filme gemacht. Und das ist ihr erfolgreichster Film. Wahnsinn. Kleiner Horrorfilm. Und ich kann es voll verstehen, dass da ganz viele Filmnerds, auch wie beim zweiten Film, über den wir in zwei Wochen zu reden kommen, begeistert drauf gucken und sagen, krass, Alter, du hast einen YouTuber, der ist gerade mal 20 Jahre alt, du findest ein geiles Studio dafür?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist quasi Traumhochzeit. Die arbeiten zusammen und die machen aus diesen YouTube-Creepypasta-Videos machen die einen abendfüllenden Spielfilm. Und die Leute fressen das. Und die Leute fressen das mehr, als sie den neuesten Marvel fressen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Die fressen das mehr, als sie, der neuste Marvel ist ein schlechtes Beispiel, weil ich glaube, Spider-Man lief ziemlich gut. Als sie jemanden fressen, als sie supergeil fressen, die Leute dürsten nach sowas. Kreative Ideen, frischer Wind. Junge Leute.
Johannes Franke: Und ich finde tatsächlich, dass diese Liminal Spaces, nun ist das halt auch eben ein Problem der Neuzeit und deswegen ist es halt auch tatsächlich eine neue Idee. Die habe ich so vorher noch nie gesehen irgendwo. Natürlich gibt es, was du gesagt hast, limited spaces in anderen Horrorfilmen und so weiter, gibt es, aber nicht in der Form als Horrorfilm. Hauptattraktion.
Florian Bayer: Nicht so kondensiert, ne?
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Dass Liminal Spaces das Ding sind. Es ist ein Film über Liminal Spaces. Genau.
Johannes Franke: Und über das, was man eben als Gesellschaft darin sieht und welche... Da hängt ja auch ganz viel Kapitalismuskritik mit drin und da hängt ja auch ganz viel versprochene Zukunft, die nicht eingehalten wurde, drin und so.
Florian Bayer: Wow, Johannes hat den Moment, als ich Tee eingeschenkt habe, genutzt, um plötzlich zur Kapitalismuskritik zu kommen.
Johannes Franke: Es gibt ja dieses Konzept der Hauntology, dass der Spätkapitalismus keine... richtige neue Zukunft mehr generieren kann. Und deswegen das Versprechen der Zukunft... In so zum Beispiel Malls oder sowas oder eben diesen krassen, riesigen Produktivitätsstätten wie Büros. dass diese Zukunft versprochen wurde, aber nicht eingehalten wurde. Und du stehst in diesen leeren Räumen in einer gescheiterten Zukunft, was ich total krass finde.
Florian Bayer: Ein ganz spannendes Phänomen, was damit auch zusammenhängt, diese Ghost Cities of China. China baut wie blöd Wohnungen und zieht quasi komplette neue Städte hoch. und Stadtviertel, weil die einfach China hat sehr viele Einwohner, China ist ein großes Land, China will vor allem Diese will nur Urbanisierung erreichen, weil in China wohnen halt immer noch sehr viele Menschen auf dem Land, auch wenn sehr viele Menschen in großen Städten leben. Das heißt, es gibt diese riesigen urbanen Projekte, die hochgezogen werden und manchmal funktioniert es, manchmal funktioniert es nicht und manchmal funktioniert es so halb und es gibt halt wirklich diese Geisterstätte. die wunderschön aussehen, richtig geile Hochhäuser, mit Parks davor, mit Platz für Kindergärten, für Läden und so weiter. Und da wohnt kein Mensch. Krass. Oder nur ganz wenige Menschen.
Johannes Franke: Wahnsinn.
Florian Bayer: Ich finde es beeindruckend, dass sie das gebaut haben. Sie haben gesagt, ja, wir können mit Blender auch arbeiten, aber wir wollen natürlich auch, wenn wir so einen Film machen, dann müssen Menschen da drin rumstolpern. Genau. Und das heißt, die haben 2800 Quadratmeter an Backrooms aufgebaut. Sie haben ein richtiges Set aufgebaut.
Johannes Franke: Es gab vier Studios, die Sie belegt haben dafür.
Florian Bayer: Ja, 3400 Quadratmeter an Tapete.
Johannes Franke: 2700 Quadratmeter Teppich. Ach Gott.
Florian Bayer: Angeblich, ich halte es für kompletten Marketing Bullshit, haben sich Leute, die da gearbeitet haben, auf dem Set verirrt.
Johannes Franke: Aber sie haben tatsächlich offenbar eine Karte gezeichnet, wie man sich wohl zurechtfindet und so. Ist natürlich auch für Mitarbeiter wichtig, um schneller zu finden, wo was steht, wo was rumsteht. Das war sicherlich auch einfach Lagerstätte dann natürlich. Dort, wo sie gerade nicht gedreht haben, haben halt Sachen rumgestanden.
Florian Bayer: Das ist voll praktisch, weil wenn du im Studio bist, hast du ganz viele Liminal Spaces.
Johannes Franke: Genau, großartig. Und sie haben wahnsinnig lange für diese Tapete gesucht. Sie haben 50 Varianten durchprobiert, die sie haben drucken lassen. Dann haben sie es wieder ausgetestet, haben festgestellt, nee, es stimmt noch nicht ganz. Vor allem, weil die mit Licht irgendwie anders, ne, wenn du da Licht drauf wirfst, typisches Filmlicht, dann verhält sich eine Farbe ab. anders als im normalen Büroalltag oder sowas oder mit Sonnenlicht und so. Und deswegen mussten sie da ganz, ganz viel rum experimentieren.
Florian Bayer: Das ist ganz schwierig. Also gleichzeitig dezent und geschmacklos. hinzukriegen, ist wirklich schwierig. Geschmacklos ist natürlich, du ballerst da riesige Blumen drauf oder so.
Johannes Franke: Ja, genau, aber das geht ja nicht.
Florian Bayer: Es muss ja unheimlich bleiben. Das haben sie geschafft. Es hat wirklich diese 90er Büromuffigkeit, Geschmacklosigkeit.
Johannes Franke: Oh mein Gott, was ist das für eine Musik?
Florian Bayer: Was war das? Wo sind wir?
Johannes Franke: Oh mein Gott, ich glaube... Oh nein, wir sind in einer Self-Promo. Nein, shit, ganz schnell, damit wir zurückfinden. Ihr da draußen, es gibt wahnsinnig viele Wege, wie ihr uns unterstützen könnt. Und wir brauchen Unterstützung, glaubt uns.
Florian Bayer: Wenn ihr uns ein bisschen Trinkgeld da lassen wollt, macht das doch bitte über buymiacoffee.com slash muss man sehen. Den Link findet ihr auch in der Episodenbeschreibung.
Johannes Franke: Dann könnt ihr uns gerne ein paar Euro geben, gerne auch gleich monatlich einstellen, nicht wahr? Denn Kosten haben wir genug.
Florian Bayer: Wenn ihr uns mit Geld zwingen wollt, einen bestimmten Film zu besprechen, Ist das eure Chance? Das könnt ihr nämlich über dieses Formular auch machen.
Johannes Franke: Oder ihr schickt uns einfach so einen Film vor Und Feedback gerne an johannes.musmansehn.de und florian.musmansehn.de
Florian Bayer: Außerdem freuen wir uns natürlich über jedes Abonnement, egal ob bei Spotify, Apple Podcasts, Deezer, Amazon Music, whatever.
Johannes Franke: Was uns total helfen würde, ist, wenn ihr uns so fünf Sterne oder Herzchen oder sonst was auch immer euer Podcatcher anbietet, gebt und am besten auch noch gleich eine Review dazu schreiben.
Florian Bayer: Ah, super. Fehlt noch irgendwas?
Johannes Franke: Nee, ich glaube, wir haben alles, wa?
Florian Bayer: Okay, dann ganz schnell zurück in die Episode.
Johannes Franke: Yes!
Florian Bayer: Okay, und jetzt nachdem wir 60 Minuten wirklich geplänkelt haben, springen wir endlich in den Film. Ich hoffe, ihr habt nicht vergessen, was ich vorher vorgelesen habe, worum es ungefähr geht. Es ist tatsächlich, also wir haben natürlich eine inszenatorische Erweiterung von dem YouTube-Ding, weil wir einfach klassisch Film haben.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mensch, einfach wirklich, wie man es erwartet. Trotzdem haben wir, wenn wir uns die Momente anschauen, die wesentlichen Momente im Film, haben wir natürlich ganz viel, was wir auch an der YouTube-Serie Kennen und lieben, nämlich dieses sich bewegen durch diese liminal spaces, dieses im Raum verloren gehen, diese Dinge, die auffallen, die irgendwie merkwürdig sind. die nicht verstanden werden. Auch so diese Unsicherheiten in unserer eigenen Wahrnehmung. Haben wir da gerade was gesehen, was um die Ecke huscht? Hat sich da was bewegt? Ist da was passiert? Hat sich da was verändert? Und der Horror, der damit umsteht. Also das ist schon, es ist einerseits sehr nah an der Webserie.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber zum anderen ist es natürlich ein Horrorfilm im klassischen Sinne.
Johannes Franke: Ja, der hat ja eine richtige Story. Also die will nicht sagen, dass die YouTube-Filme keine Story haben oder sowas, aber da ist vieles... Viel impliziter und viel situativer. Du bist dann einfach mit den Leuten in diesen Liminal Spaces, die das untersuchen und dann stellen die fest, ach du Scheiße, da ist noch irgendwie eine... die da halb in der Wand hängt und so. Und dann kommt dann meistens noch das Monster in diesem YouTube-Video. Ja.
Florian Bayer: Kommt Gott sei Dank relativ spät und relativ selten. Das ist wichtig.
Johannes Franke: Und relativ kurz. Und relativ kurz, ja. Was aber irgendwie, es ist auch ein bisschen vorhersehbar mit der Zeit und man hat dann irgendwann das Gefühl, okay, ich kenne die Welt gut genug, Aber hier geht es ja tatsächlich dann auch um die Psyche eines Menschen, der in diesen Backrooms landet und der Psychologin und so. Also da gibt es eine viel größere Welt, die da aufgemacht wird.
Florian Bayer: Ich finde es großartig, dass der Film startet wie die YouTube-Videos. Wir haben am Anfang einfach diesen 6-Minüter, der wirklich klasse ist. Der könnte auch so ein YouTube-Video sein aus... Von der Backrooms Reihe. Und dass er dann diesen Übergang schafft, indem er zeigt, wie Menschen auf dem alten analogen TV sich das angucken. Die Wissenschaftler, die das untersuchen, die sehen halt, wie einer ihrer Kollegen gejagt wird und dann getötet wird. Und das finde ich, das ist ein guter Sprung, um zu zeigen, das kennt ihr. Erstmal herzlich willkommen, liebe YouTube-Community.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Keine Angst, ich bin noch der alte Ken Pixels. Ja, genau. Und dann zu zeigen, okay, und jetzt erweitern wir das Universum und jetzt machen wir einen richtigen Film auf.
Johannes Franke: Ja, ja. Wobei ich sagen muss, weil ich mich damit überhaupt nicht auskennte. Ich bin ja eben nicht das Zielpublikum. Ich bin nicht derjenige, der diese Videos vorher kannte. Ja, ich habe im Kino gesessen und für mich war es komplett neu. Hat trotzdem funktioniert, natürlich so. Aber um mal schon mal was vorwegzunehmen, ich hatte so ein bisschen beim ersten Gucken... Schwierigkeiten damit, diese Wissenschaftler irgendwie da reinzubauen. Weil ich so das Gefühl hatte, hä? Hat der Film doch gar nicht nötig? Warum kommt das jetzt? Und dass das alles dazu gehört irgendwie durch die YouTube-Lore und so weiter, verstehe ich. Verstehe ich total. Aber ich als unbedarfter Zuschauer habe gedacht ... Jetzt fängst du an Sachen mehr zu erklären als es müsste. Warum? Wozu die Wissenschaftler dort?
Florian Bayer: Ich glaube, das ist ein riesiges Problem ganz generell, was solche Mystery-Reihen betrifft, die irgendwie seriell funktionieren. Und ich habe auch ein bisschen Angst, dass das der Backrooms-Reihe auch irgendwann auf die Füße fallen wird. Das Lost-Phänomen. Ich finde, Lost ist immer noch so quasi das Leuchtturmprojekt, was das betrifft. Du hast ein Mysterium, Du hast ein wiederkehrendes Publikum, das total drauf abgeht und anfängt. Lost war 2005, diese Mystery-Serie. Das war so die Zeit, als Foren auch groß waren. Leute, die in Foren jedes Detail diskutieren und versuchen, so versteckte Botschaften zu finden und so. Und das hast du hier natürlich auch. Und dann musst du dir neues Futter liefern. Du musst neue Mysterien liefern. Du musst aber auch zeigen, dass du Willen bist, Sachen zu erklären und aufzulösen. Das heißt, du musst auch den Leuten Happen an Informationen geben. Und dann läufst du aber in so einen Teufelskreis rein, neue Mysterien für das Publikum, neue Erklärungen. Es wird immer fetter und fetter immer größer aufgebaut. aufgeblasen und irgendwann macht es keinen Sinn mehr. Und irgendwann verstehen das die Leute. Und wenn dann der 10. Wissenschaftler auftaucht, der irgendwas erzählt von irgendeinem Gerät, das an Ort X das und das vor 20 Jahren gemacht hat. und deswegen ist Y jetzt passiert und so, dann ist es zu viel und dann verlierst du deine Lore. Also musst du früh genug aufhören? Ja. Du musst früh genug aufhören. Die Lost-Macher haben es damals nicht geschafft. Sie haben in der ersten Staffel gesagt, auf keinen Fall Zeitreisen und als dann in der fünften Staffel Zeitreisen kam, dachte das gesamte Publikum,
Johannes Franke: Wollt ihr uns verarschen? Das ist gemein. Ich habe Lost nicht gesehen, aber... Vor allem auch deswegen, weil du irgendwann angefangen hast, mit so einem leichten Seufzen über das Ding zu sprechen. Ich habe den Einstieg verpasst, habe gedacht, na gut, ich warte, bis das Ding zu Ende ist und du hast ab und zu davon erzählt, und dann wurdest du immer frustrierter und dann hab ich gedacht, ja gut, dann muss ich mir das gar nicht antun.
Florian Bayer: Für mich ist Lost immer noch mehr als die Sopranos der Schritt Richtung Mainstream. Serien können so erfolgreich sein wie Kino. Die Sopranos haben gezeigt, Serien können qualitativ so stark sein wie Kinos. Lost hat gezeigt, die können auch so ein großes Publikum binden. Und Lost hat die ersten zwei Staffeln. Lost sind Peak TV 2000er. Wirklich sehenswert.
Johannes Franke: Okay, na gut.
Florian Bayer: Ja, ich hab ein bisschen Angst, dass das hier auch passiert. Natürlich werden die einen zweiten Teil drehen, es ist so klar. Jetzt haben wir ein Jahr, haben wir noch ein bisschen YouTube, das angefüttert wird von Ken Parsons und dann kommt irgendwann der zweite. Vielleicht noch nicht im zweiten Teil. Aber ich glaube, im dritten Teil werden wir alle ganz schrecklich enttäuscht sein.
Johannes Franke: Weiß ich nicht. Mal gucken. Wer weiß, was er so zu bieten hat. Also das Geheimnis ist ja auch so vielleicht ein bisschen, was er eben mit den Videos gut macht und mit dem Kinofilm jetzt eben einfach viel mehr Futter reingegeben hat. ist viel zurückhalten. Die Videos möglichst diffus zu halten, sodass man lang genug darauf wartet, dass die nächste Info kommt. So, dass es dann nicht zu viel wird.
Florian Bayer: Ja, das ist gut. Also er hat ja tatsächlich einen komischen Release- Er hat so 2022, als er damit angefangen hat, hat er sehr viel released, dann eine ganz lange Pause gemacht. Dann hat er so ein bisschen ein paar Schnipsel reingeworfen, weil er das Gefühl hatte, oh, das läuft gut, da muss noch ein bisschen mehr. Und dann kam halt der Film einfach und war im Fokus. Und jetzt im Jahr des Films hat er wieder eine Episode, die größer war und ein bisschen mehr war als nur so ein Schnipsel reingeworfen.
Johannes Franke: Die war auch ganz gut, fand ich. Die war gut.
Florian Bayer: Auf jeden Fall, weil sie halt auch so diese Verbindung zum Film schafft, zu diesem... Zu Clark und zu seinem Möbelhaus. Und der Film bringt, wie du schon richtig gesagt hast, natürlich die Psychologie rein. Wir haben hier zwei Figuren. die beide ihre psychischen Probleme mit sich tragen und die beide in den Backrooms verloren gehen und die beide... auch davon beeinflusst, was sie erlebt haben, dementsprechend mit den Backrooms umgehen. Und dann haben wir Clark.
Johannes Franke: Ich fand interessant, dass mich der Film doch recht lange an Clark so gewöhnt hat, dass ich gedacht habe, das kann doch jetzt nicht einfach... Ein böser Alkoholiker sein oder sowas. Das ist ja jetzt nicht einfach nur ein böser Charakter, sondern das ist ja eigentlich unsere Figur, an der wir uns festhalten wollen und so weiter. sodass er mich lang genug so an die Hand genommen hat und gesagt hat, vertraut diesem Typen mal so, vertraut dem mal erstmal. Ja. Und ich erst später mitbekommen habe, wie schlimm dieser Mensch eigentlich ist.
Florian Bayer: Ich fand Clark von Anfang an so unsympathisch. Richtig krass, diese Heulsuse, dieser Agro-Typ.
Johannes Franke: Genau, dieser Agro-Typ, das ist es, was eigentlich die ganze Zeit mitschränkt, wo ich die ganze Zeit gedacht habe, ah.
Florian Bayer: Hast du gerade mitschränkt gesagt? Das klang kurz danach. Entschuldigung.
Johannes Franke: Ich freu mich zum Versprechen. Nee, auf jeden Fall finde ich, dass dieses Aggressionspotenzial, was er die ganze Zeit hat, das ist so krass. Ja.
Florian Bayer: Total. Aber ich finde das Heulen fast noch schlimmer. Und das ist ja auch das, was...
Johannes Franke: Was sie irgendwann sagt.
Florian Bayer: Was Mary ihm irgendwann vorwirft, dass sie sagt, Alter... Immer sind die anderen schuld. Deine Frau, die Gesellschaft, die Kunden, die ausbleiben, die Konkurrenz. Komm mit deinem eigenen Leben klar, übernimm mal ein bisschen Verantwortung, weil wir sehen ihn die ganze Zeit am rumheulen und am rumjaulen, dass alles so scheiße läuft und vor allem dieses… Das ist ja nicht schlimm, traurig zu sein, wenn man in einer schwierigen Situation ist, frustriert zu sein und so weiter. Aber dieses Externalisieren, indem man anderen die Schuld gibt. Also nicht mal, indem man guckt, man kann ja auch sagen, strukturell ist da irgendwas scheiße und das ist irgendwie... Es ist schwierig für jemanden, wenn man ein Möbelgeschäft aufmacht Anfang der 90er, so das System ist irgendwie kacke. Aber er externalisiert das immer so auf andere Personen mit so viel Verantwortung. Und dieser jämmerlichen Verachtung, ich fand ihn wirklich... Von Anfang an, ich hab mit Clark, fand ich von Anfang an richtig unsympathisch.
Johannes Franke: Aber ich fand tatsächlich... Ich weiß nicht, vielleicht geht es euch da draußen auch so wie Plur, aber ich hatte wirklich am Anfang noch so viel Interesse an ihm und noch so viel... Wow, was ist da los? Wo geht er lang? Ich wollte schon, dass er siegt. Ja. dafür ist ja auch eine Hauptfigur oft für mich da, dass ich das Gefühl habe, okay, ich kann da rein und mit ihr, mit der Hauptfigur hoffen, Und das verlässt ja der Film irgendwann komplett, aber eben erst gegen Ende, sodass ich dann komplett von ihm loslasse und sage, okay, Arme hochreißen und so weiter. und sagen, gut, ich habe damit nichts zu tun, ich kann nichts dafür, mach dein Ding alleine. Ich kann dir nicht mehr helfen, wie sie ja auch sagt. Ich kann dir einfach nicht helfen. Das muss ich mir jetzt eingestehen. Und es ist vielleicht mein Problem, dass ich jetzt immer gedacht habe, ich kann allen Leuten irgendwie helfen. Aber ich muss mir jetzt einfach eingestehen, du bist ein hoffnungsloser Feier. Das funktioniert so nicht.
Florian Bayer: Na, das Krasse ist ja, dass man das... Wir sehen ja den wahnsinnigen Clark sehen wir dann durch Marys Augen. Und es wäre natürlich so naheliegend, dass man sagen würde, okay, es hat gesnappt, als er in den Backrooms verloren gegangen ist. Aber das, was er da macht, was er da lebt, hat ja offensichtlich schon immer in ihm gesteckt. Diese Suche nach Gesellschaft und damit schafft er sich dann und dann hat er diese... Von den Backrooms erschaffenen, aber wahrscheinlich für ihn erschaffenen Menschen, die irgendwie deformiert aussehen, die hat er da sitzen und er ernährt sich von ihnen. Was für ein großartiges Bild, dieser Clark. Man kann sich so vorstellen, der sich von allen Menschen, mit denen er enger zusammen war, wirklich ernährt hat. Also er wirkt wie so jemand, der so demanding ist, ohne es zu bemerken. Der so einen wirklich zermürben kann damit.
Johannes Franke: Und diese Frau, die da steht, ist ja seine...
Florian Bayer: Seine Frau, seine Ex-Frau, die er wirklich so als Hausfrau da stehen hat, so wie er sich's wünscht.
Johannes Franke: Genau. Und er sagt das ja selber, ne?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Die sollen möglichst Möbel sein. Ja. Die sollen als Möbelstücke da sein, nicht weiter stören und wenn er seine Aggressionsausbrüche hat, dann soll er das möglichst aushalten und nicht widersprechen. Also er sagt ja nicht 100% so, aber es ist genau das, was er da will. Und er gibt dann auch eben tatsächlich, was ich am Tisch ne, ne tolle Szene finde, Wie sie sagt, wenn du nicht willst, dann musst du dich nicht ändern. Und seine Emotionen, die da hochkommt, so dieses... Wow, okay, ich kann auch einfach, sie hat gesagt, ich muss mich nicht ändern. Das ist das, was ich hören wollte die ganze Zeit. Das ist das, was ich brauche. Ich muss einfach nur, ich kann hier bleiben, mit diesen beiden Witzfiguren da irgendwie mein Leben führen hier und hier der... The Ottomans Empire sein im Grunde. Das ist krass.
Florian Bayer: Ja, diese Allmachtsfantasie, die er da irgendwie erfüllt bekommt. Das ist sein Königreich.
Johannes Franke: Ja, genau. Sein Haus, aus dem er rausgeworfen wurde, kann er jetzt wieder besetzen und alles kreist um ihn.
Florian Bayer: Ich brauche Gott sei Dank keine sympathische Figur, haben wir öfter diese Diskussion. Und ich habe tatsächlich auch mit ihm mitgefiebert, wenn er zum ersten Mal in diese Räume reingeht. wird auch unabhängig davon, dass ich ihn unsympathisch finde, wird so ein Angstgefühl erzeugt und ich will, dass er da irgendwie rauskommt. Und man rechnet ja auch so ein bisschen, das ist vielleicht so der Clou bei dieser ersten Reise von ihm in die Backrooms, Dass man eigentlich erwartet, dass er drin verloren geht und nie wieder rauskommt und jemand ihn sucht und dann auch drin verloren geht, aber nein, er kommt raus und es gibt tatsächlich einen Ausgang und das ist auch überraschend, es wird auch super inszeniert, wie er dann... an die Wand schlägt und denkt so, oh mein Gott, der Ausgang ist weg. Und wir stellen fest, er hat einfach nur an der falschen Stelle geschlagen. Also ich habe auch mit ihm mitgefiebert, aber trotzdem, er blieb für mich irgendwie unsympathisch, einfach mit seinen Aggressionsproblemen. Ich meine, wenn er vorgestellt wird am Anfang mit dieser Therapiesitzung. Ja, ja, natürlich. diese Konfrontationstherapie, die Mary mit ihm macht, dass sie seine Frau spielt. Ich weiß nicht, wie realistisch das ist.
Johannes Franke: Auch Rollenspiel an sich ist schon realistisch.
Florian Bayer: Und ich finde es krass, dass er da so tief reingeht, dass er komplett diese Wut von damals hat und sie anschreit.
Johannes Franke: Das zeigt eine ganze Menge Aggressionspotenzial. Das erstmal zu schaffen, da auch so drin zu verschwinden, dass man die Szene wirklich für bare Münze für den Moment nimmt. Aber sie müssen es auch schon eine ganze Weile gemacht haben, damit das passiert.
Florian Bayer: Ich finde ihn halt auch da schon beeindruckt. Also ich finde, er hat so eine in sich brodelnde Wut, dass man denkt, ja man kann sich gut vorstellen, wie er in der Beziehung gewalttätig wird. Und sei es nur so, dass er mal gegen die Wand schlägt, wenn seine Frau daneben steht.
Johannes Franke: Ich finde aber, dass der Film durchaus einem die Möglichkeit gibt, ihn als armen Tropf zu sehen.
Florian Bayer: Oh.
Johannes Franke: Da irgendwie in seinem Ottomans Empire, wenn der nachts in einem Bett liegt und man erst nicht weiß, dass er in diesem riesigen Lagerraum in diesem Bett liegt. Ich finde den Reveal, den der Film macht, total geil.
Florian Bayer: Absolut. Der einsamste Mensch der Welt.
Johannes Franke: Unsamste Mensch der Welt. Er sitzt da in diesem Bett und plötzlich sieht man die ganze Lagerhalle. Es ist einfach nur eines dieser Ausstellungsstücke. Und er wohnt da. Och, es tut einem so leid. Aber ich finde vor allem das Aggressionspotenzial interessant bei der Szene, wo sie die Werbesache drehen. Wo er als einbeiniger Pirat da in der Gegend rumstolziert... Und da kommt die Panik in ihm fast durch, weil er die Leute anschreit, sie sollen doch vorbeigucken. Ja, es ist nicht so, Leute, kommt vorbei, wir haben was für euch, sondern ihr kommt vorbei und kauft fucking Zeug bei mir.
Florian Bayer: Es ist ja so dieses Klischee, dass der Erfolg ausbleibt, wenn man diesen Geruch der Verzweiflung an sich trägt.
Johannes Franke: Ja, der Geruch zur Verzweiflung, genau das ist es. Und er hat ihn total. Wahnsinn, oder? Also das fand ich krass. Und dann bricht er auf diesem Stuhl zusammen, der später in den Backrooms wieder auftaucht. Und im Grunde in der Figur, die ja später als Monster auftaucht. Also irgendwie legt der Film ein bisschen nahe, dass dieses Monster in den Backrooms quasi in dem Moment geboren wird. wenn er diesen Werbefilm dreht.
Florian Bayer: Ja, so ein bisschen, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und das ist schon eine sehr wichtige, zentrale Szene, finde ich. Ja, total.
Florian Bayer: Ja, Mary.
Johannes Franke: Mary.
Florian Bayer: Die dann in der Mitte des Films zur Protagonistin wird, weil Clark verloren gegangen ist und wir folgen dann ihr. wie sie Clark sucht und auch in diesen Backrooms verloren geht. Und die Backrooms machen wir gleich. Als dritte Person am besten, oder? Ja, genau. Mary bringt ihre eigene Geschichte mit sich, die offensichtlich sehr traumatisch ist.
Johannes Franke: Ja. Ja, mit ihrer Mutter, die sie immer eingesperrt hat, wo sie als Kind quasi in real existierenden Backrooms gewohnt hat.
Florian Bayer: Mary offensichtlich von der Realität abgeschottet. Wir haben diese eine Szene, wo sie sich erinnert, Ihre Mutter sagt zu ihr, du darfst nicht rausgehen, nie. Die hat offensichtlich irgendeine Psychose gehabt. hat sich und ihre Tochter komplett eingebaut. Und es ist nicht ganz klar, wann sie das gemacht hat und für wie lange, aber es gab offensichtlich einen größeren Zeitraum, wo das passiert ist und hat gesagt, du darfst nicht rausgehen. Die Gefahr ist überall, die Bösen sind überall. Und Mary hat halt das gemacht, was man als kleines Kind tut. Sie hat ihrer Mutter geglaubt.
Johannes Franke: Na klar, natürlich. Sie hat natürlich immer mal neugierig rausgeschaut und so, was auch interessant ist. Und dann sehen wir die Szene, wie das Kind die Mutter in einem Krankenhaus abschließt. Abgibt, naja, abgibt ist vielleicht zu viel gesagt, das wäre zu aktiv für ein Kind, aber sie sind im Krankenhaus, was auch so ein scheiß liminal space ist. Der ist auch so inszeniert, das ist so hart, weil da sonst nichts passiert, das ist alles klinisch und da ist halt... Der ist nur ein Durchgangsraum für psychisch kranke Menschen, wo sie dann durchgeschoben werden und irgendwo ins Nichts kommen, wo man auch nicht mehr weiß, wo ist die Mutter jetzt. Also ich finde, dass der Film da eine ganz, ganz tolle, interessante Parallele eben aufmacht mit den Backrooms und ihrem Leben.
Florian Bayer: Absolut. Sie war irgendwie gefangen. Mir tut so das Herz, wenn ich sowas sehe. Das ist wirklich schlimm, auch wenn man eigentlich Kinder hat, als Kind sowas zu erleben und dann kriegt sie mit, dass ihre Vertrauensperson zuerst mal sich komplett weird verhält, sie einschließt, dann komplett durchdreht. Und dann halt in eine Klinik muss und dann ist man plötzlich allein. Wir haben kurz darauf ja auch die Szene, wie das Kind Mary alleine zu Hause sitzt in diesen Räumen, die nach wie vor so aussehen. Wir sehen später, wie sie abgerissen werden auch. Das ist auch so ein wesentlicher Moment, dass es trotzdem ihr Zuhause ist und das ist ein großer Verlust, ihr Zuhause zu verlieren. Deswegen hat sie auch immer diesen Stein dabei mit dem Handabdruck, den sie mit ihrer Mutter gemacht hat bei uns. frisch gegossener Zement.
Johannes Franke: Und ich überlege immer noch, was es bedeutet, dass sie mit diesem Handabguss den Typen niederschlägt, ihre Vergangenheit das Trauma irgendwie, ich weiß es nicht ganz genau. Man hat so Eine Ahnung von Bedeutung, aber irgendwie.
Florian Bayer: Es ist irgendwie so naheliegend. Wir haben diesen Moment, dass es nachdem Clark Mary gewirkt hat und sie ohnmächtig wurde. haben wir diese Szene, wie Mary ihre Mutter in der Klinik sieht und dann allein in ihrer Wohnung ist und dann fährt die Kamera runter. gleich zu den Backrooms. Und die Kamera fährt runter und wir sehen Varianten von dieser Wohnung und es wird immer abstrakter. In der ersten Variante sind noch Möbel da, aber zum Beispiel der Sessel hängt schon so halb im Boden drin.
Johannes Franke: Genau, ja.
Florian Bayer: In der zweiten Variante sind kaum noch Möbel da und einige Stühle hängen an der Wand. In der dritten Variante... Ist der Raum dann komplett leer und dann geht er aber weiter und weiter durch leere Räume und irgendwann kommen wir an einen Raum, wo eine kleine Öffnung ist. Und dann in einen Raum, wo eine größere Öffnung ist, ein Durchgang, ein Dunkler. Und dann ist die Szene vorbei und wir hören Clark, wie er redet und sie ist gefesselt am Tisch. Also da müssen wir noch nicht hinkommen. Aber ich glaube, das ist zum einen ein sehr schöner Schlüssel zur Psyche von Mary, wie sie diese Räume wahrgenommen hat, wie sie diese Räume erinnert. Und natürlich eine schöne Art der Erklärung, wie diese Räume, die wir sehen, nämlich unser dritter Protagonist. wie diese Backrooms funktionieren.
Johannes Franke: Also im Grunde, man sagt ja auch immer, Die Erinnerung, die man an Dinge hat, ist im Grunde nur die Story, die man sich immer wieder erzählt. Und jedes Mal, wenn du die Story erzählst, Wenn du die Erinnerung hochholst, schreibst du die Erinnerung neu.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und damit ein bisschen anders. Ein bisschen anders, als sie tatsächlich passiert ist. Und irgendwann stimmen die Erinnerungen halt überhaupt nicht mehr mit der Realität überein. Also je nachdem, wie weit sich das davon entfernt. Das ist ja auch ein großes Problem bei polizeilicher Ermittlungsarbeit und so weiter, dass Menschen felsenfest von ihrer Erinnerung überzeugt sind, die sich aber einfach über die Zeit verändern. Erinnerungen verändern sich. Und das ist vielleicht einfach das, was Backrooms macht.
Florian Bayer: Es gibt ja dieses eine Gespräch zwischen Clark und Mary, wo das Bild aufgemacht wird. Die Backrooms sind so ein bisschen, als würdest du jemandem, der noch nie einen Hund gesehen hat, sagen, er soll einen Hund zeichnen.
Johannes Franke: Ja, aber nachdem du es ihm erklärt hast.
Florian Bayer: Und würdest ihm erklären, wie ein Hund aussieht und er würde den irgendwie versuchen zu zeichnen.
Johannes Franke: Ich finde das Zitat wahnsinnig gut. Das ist eine der besten Zitate dieses Films und vielleicht über das Jahr hinaus oder sowas. Wirklich, ich liebe dieses Zitat, weil das ein ganz eigenes Bild aufmacht. Gefühl aufmacht.
Florian Bayer: Ja, von Falschheit.
Johannes Franke: Ja, von Unsicherheit und von so, es passt auch in dieses KI-Zeitalter so rein.
Florian Bayer: Die Backrooms erinnern. Ich glaube nicht, dass die Backrooms einfach nur die Ausgeburt der Psyche sind von den Leuten, sondern die Backrooms… Die Backrooms sind irgendwie eine Erinnerung an die Realität. Und deswegen haben wir die Backrooms auch in den 90ern so ganz stark diese Büroräume und so. Weil das sind die Strukturen, die draußen sind. Die Backrooms spiegeln irgendwie Strukturen, die draußen sind, wieder. Und offensichtlich gehen die Backrooms ganz stark ins Vertikale, also wir haben ja sehr viel das Horizontale, also sehr viel auf einer Ebene, aber wir sehen irgendwann, es gibt diese Schächte, die weiter nach unten führen und noch weiter nach unten. nach unten, noch weiter nach unten. Das heißt, man kann sich das wirklich endlos vorstellen. Und ich glaube, irgendwo gibt es auch diese, wie das gezeigt wird mit der Kamerafahrt, es gibt diese Das heißt, und jetzt sind wir wieder beim KI-Thema, die Backrooms erinnern nicht nur, sondern die Backrooms trainieren sich irgendwie selbst. und schaffen die Räume nochmal und nochmal und nochmal, um, warum auch immer, Die Realität irgendwie abbilden zu können und näher an die Realität ranzukommen.
Johannes Franke: Also ich glaube, wenn du es jetzt so sagst, es ist für mich jetzt philosophisch gesehen ein gesamtgesellschaftliches, kollektives begreifen der Realität oder begreifen wollen der Realität und die Verzweiflung mit dem Fortschreiten der Zeit. Man kann bestimmte Sachen nicht festhalten und man kann bestimmte Sachen nicht erklären und dieses Diese Verzweiflung der Existenz an sich, dieses was ist das Leben, was soll das und so. Und deswegen sind es halt auch so öffentliche Spaces, weil es eben die Gesellschaft, gesamtgesellschaftliches Ding ist. die Gesellschaft, die als Organismus verzweifelt versucht, ihre eigene Existenz zu verstehen.
Florian Bayer: Du machst es jetzt so an den Menschen fest, an der menschlichen Erinnerung. Ich weiß nicht, ob diese Räume auch ein bisschen mehr sind. Also diese Räume könnten... Ganz banal könnte man sagen, diese Räume sind eine eigene, denkende, fühlende Entität, die versucht sich immer und immer wieder zu bilden, um Realität nachzubilden. Man könnte auch sagen, es ist irgendwie sowas wie was Göttliches oder Teufliches, es könnte was Außerirdisches sein. Es könnte wirklich irgendwas sein, was von außen diese Räume steuert. Das ist so ein bisschen meine Befürchtung, dass Ken Parsons irgendwann anfängt, soll in der Lore sowas klare Hinweise zum Beispiel auf außerirdische Kräfte einzubringen. zu bauen, die die Backup bauen. Was alles so ein bisschen lame ist, weil es mir erklärt. Aber ich weiß nicht, ob es einfach nur... die menschliche Gesellschaft ist? Ob es so diese große Gruppe Menschheit ist, die verantwortlich ist mit ihrer Erinnerung für die Backrooms? Oder ob die Backrooms etwas sind, was von sich selbst aus denkt. Ich finde dieses durch sich selbst Denken, da finde ich halt diesen KI-Gedanken so spannend, dass es etwas ist, was für sich selbst arbeitet, was sich trainiert und was die Realität versucht zu treffen, indem es immer und immer und immer wieder Ausgaben vom Selben rauswirft. Es gibt dieses wirklich großartige Ding aus der Frühzeit der KI, und wenn ich sage Frühzeit der KI, dann ist das wirklich krass, weil dann sind wir bei so zehn Jahre ist es her. Da gab es dieses... Deep Dreams Projekt von Google. Die haben damals ihrer AI und wirklich, wie gesagt, das ist wirklich ein Damals, haben die Bilder zugeworfen und Und haben gesagt, guck mal, was du erkennen kannst in diesen Bildern. Ob du Strukturen erkennen kannst. Und dann haben sie gesagt, mach das nochmal und mach nochmal und nochmal und haben immer die Bilder, die neu erzeugt wurden mit diesen erkannten Strukturen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: generieren lassen. Und daraus entstanden sind so Bilder, wo man zum Beispiel sehr viele Augen sieht, was so voll verstörend ist. Also so ein Bild von einem Hund. Und in diesem Bild sind dann aber ganz viele Augen zu sehen. Oder ein Bild von Wolken und in diesen Wolken sind ganz viele Hunde zu sehen, weil immer und immer und immer wieder... Neu geformt wurde und irgendwann wurde da was gesehen. Irgendwann wurde da ein Objekt gesehen. Das Wichtige dabei ist, dass diese Karriere ist... überhaupt so Bilder denken zu können, hat immer wieder ganz repetitiv Bilder entworfen und Bilder analysiert, Bildelemente verstärkt und so weiter. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch so an die... Damals war es noch so ein Nerd-Thema. Mittlerweile guckt man auf ein KI-Bild und sagt, das ist ein typisches KI-Bild. Und wie lange ist es hier, dass sie die Hände nicht hingekriegt haben? Zwei Jahre?
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Aber vor fünf oder vor zehn Jahren war die Bildgenerierung so, dass sie vieles nicht hingekriegt haben. Ich weiß noch, ich habe meinen Bruder zur Hochzeit und das ist mittlerweile glaube ich auch schon fünf Jahre her, habe ich ihm KI generierte Bilder geschenkt. Damals war das noch was Besonderes, Leute, wirklich, ich schwöre es. Damals war das noch nicht so leicht. Das ist länger her als fünf Jahre, glaube ich. Es war damals wirklich was Besonderes und niemand hat drauf geguckt und gesagt, oh, lame, KI-generiertes Bild. Und die sahen alle so ein bisschen verstörend aus, weil die KI mit den Informationen, die sie hatte ... versucht hat zu abstrahieren, was du von ihr willst und dabei einzelne Elemente zusammengefügt hat und es hat nie so 100% gepasst. Überhaupt nicht vergleichbar mit dem, was wir heute sehen. Heute sind KI-Bilder einfach nur langweilig. Damals waren sie interessant, weil sie so ein bisschen kaputt waren. Und ich finde die Backrooms und nicht als Metapher, sondern wirklich die Backrooms funktionieren auch so. Die Backrooms wollen Realität nachbilden. trainieren, sich selbst bauen und bauen und bauen und werden dabei auch besser.
Johannes Franke: Meinst du mit wollen, das, was eine KI will, weil eine KI eigentlich nichts wollen kann, sondern ein Programm ist, Oder meinst du mit Wollen eine Entität?
Florian Bayer: Wenn eine KI ein Ziel kriegt, wenn ein Entwickler einer KI sagt, du musst da jetzt hinkommen, Das haben wir auch gesehen bei diesem Open-Air-Eye-Crash, wo die KIs angefangen haben, wirklich weirden Shit zu machen. Dann hat die KI ein Ziel. Und dann sagt die KI auch, ich will das auf jeden Fall erreichen.
Johannes Franke: Ja, aber du bist Philosoph. Was ist Wollen? Was kann was wollen?
Florian Bayer: Ein Bewusstsein.
Johannes Franke: Und willst du eine KI in Bewusstsein geben jetzt?
Florian Bayer: Wie definierst du Bewusstsein?
Johannes Franke: Ja, jetzt fangen wir an damit. Das ist wahnsinnig schwierig. Also ich bin noch bei der Position, dass ich einer KI noch kein Bewusstsein geben würde und auch keinen Willen, keinen eigenen. Tatsächlich nicht.
Florian Bayer: Meine Haltung ist ja, wenn ich sage, das was die KI hat, ist ein Bewusstsein, dann sage ich nicht damit, die KI ist so besonders. Sondern wir Menschen sind vielleicht nicht so besonders, wie wir glauben. Weil unser Bewusstsein ist auch nicht so weit weg von dem Schimpansen, der unser nächster Verwandter ist. Aber auch nicht so weit weg von der Ameise, die sich irgendwo Futter holt. Wir nennen das Bewusstsein und wir sind da sehr stolz drauf und so weiter. Und klar, wir machen krassen Shit damit. Wir bauen Häuser. Und machen Kunst und Musik. Und das ist ganz toll. Ich liebe die Menschen. Spannendstes Tier ever. Aber Tier. Und unser Bewusstsein ist jetzt nicht so weit weg von dem Bewusstsein von einem Einzeller. Um es mal ganz brutal zu sagen. Und gleichzeitig ist... Und damit... ist das, was wir... Wir wollen eine Seele haben, wir wollen den göttlichen Funken, wir wollen was Besonderes sein.
Johannes Franke: Ja, aber über Seele oder göttliche Funke oder sowas reden wir ja gar nicht. Ja, aber... Es geht trotzdem noch um den Unterschied zwischen einem inhärenten Wollen, das sich entwickelt hat und einem KI-System. Algorithmus oder so. Ich glaube, der Unterschied ist schon noch da.
Florian Bayer: Ich glaube, wenn man unseren Willen ganz grundsätzlich abstrahieren kann, ist es vorn. allem ganz banal Trieb und ich will jetzt gar nicht so einen krassen Biologismus aufmachen, aber es ist tatsächlich ganz krass evolutionärer Trieb zum einen und Und zum anderen gesellschaftlicher Druck, der aber wiederum auch durch evolutionäre Dinge entsteht. Und ich würde sagen, was wir Bewusstsein nennen, was wir als besonders sehen, was uns von Tieren unterscheidet, ist vor allem weiter zurückblicken. weiter nach vorne blicken, also größerer zeitlicher Raum, in dem wir denken. Und aus dem Weiter-zurück sehr viel nach vorne zu nehmen, um Sachen zu erreichen. Die sehr weit in der Zukunft liegen und die im Blick zu haben, auch durch Ablenkungen und trotzdem Ziele vor Augen zu haben, mehrere Ziele vor Augen zu haben. Und ich finde, wenn wir uns anschauen, wie eine KI funktioniert, wie du einer KI Cronjobs geben kannst, Wie du einer KI sehr komplexe Aufgaben geben kannst und die meldet sich eine halbe Stunde später mit dem Ergebnis.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ist das schon sehr nah dran an dem, was... Du musst mir eine alternative Definition geben, wenn du dem widersprichst.
Johannes Franke: Oh Gott, wo setze ich denn da an? Naja, es gibt trotzdem noch, also das ist ja sehr diffizil und ich glaube, das Problem liegt in der Komplexität. Ich glaube, dass das, was wir als Menschen an Komplexität mitbringen, mit jedem Gedanken, den wir haben, wie viel wir abbrechen, greifen an Erfahrungsschatz und an Abstraktionsvermögen und an Dingen, die wir einbeziehen. Ganz selbstverständlich Nur dadurch, dass ich einen Satz gerade aussage. Das macht KI noch nicht in der Komplexität. Das ist einfach noch nicht da. Auch wenn wir noch so komplexe Computer bauen, aber in der Komplexität existiert es einfach noch nicht. Und ich glaube, daran hängt es ein bisschen.
Florian Bayer: Ich weiß nicht, ob wir so komplex denken.
Johannes Franke: Doch, was alles nötig ist, damit ich diesen Satz überhaupt sagen kann.
Florian Bayer: Aber eine KI könnte auch den Satz sagen.
Johannes Franke: Nee.
Florian Bayer: Doch.
Johannes Franke: Nein. Okay. Let's agree to disagree.
Florian Bayer: Wenn so ein Podcast an dem Nein-Doch-Status angekommen ist.
Johannes Franke: Ihr schreibt uns gerne.
Florian Bayer: Wir haben ja in unserer letzten Episode, wo wir eine halbe Stunde, nein doch sagen, haben wir sehr viel Publikum verloren. Ich habe mitgekriegt. dass nach der 45. Minute, als dieses Nein doch, Nein doch, Nein doch anfängt, sehr viele abschalten. Ich erstaune, dass 5% bis nach 10 Minuten immer noch dran geblieben sind.
Johannes Franke: Flor, ich habe das seit einer Woche rausgeschnitten und du siehst das immer noch, diesen Effekt da drin. Was ist los?
Florian Bayer: Das ist ein Caching-Problem. Okay, kommen wir zurück zu den Backrooms. Ich glaube, so wie die Backrooms konzipiert sind in dem Film, dass die Räume selbst irgendeine Art von Bewusstsein haben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ich finde, vor allem, weil ich diese Art von Erklärung am spannendsten finde.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Haben die irgendeine Absicht?
Florian Bayer: Ja, und das ist, glaube ich, dieses Selbsttraining. Die wollen eigentlich die Realität gut abbilden. Und ich glaube, sie hassen es, wenn sie dabei gestört werden, Und das wäre für mich eine logische Erklärung für diese Monstrositäten, die da rumlaufen. Dass die Menschen, die sich da den Zugang verschafft haben und dass es tatsächlich Async die Schuld daran sind oder die Wissenschaft im Allgemeinen, dass die die Räume bei ihrem Training stören.
Johannes Franke: Nun ist natürlich die rein psychologische Interpretation irgendwie auch... in sich schlüssig und geschlossen. Du brauchst dafür kein externes, kein Bewusstsein, das die Backrooms macht. Du hast den psychologischen wo du sagst, okay, das Monster sieht genauso aus wie Clark. Und in dem Moment, wo ihm gesagt wird, du musst hier nicht raus, du kannst auch einfach so bleiben, wie du bist, wird er von diesem Monster aufgefressen. Natürlich legt das nahe, dass im Grunde nur sein Ego in dem Moment sagt, okay, ich habe jetzt die Absolution bekommen. Den Teil kann ich auffressen, der eigentlich menschlich versucht hat, nochmal woanders hinzugehen und danach rauszukommen und psychologisch sich weiterzuentwickeln. ich darf jetzt einfach das Monster sein, das ich von Anfang an sein wollte.
Florian Bayer: Aber es endet ja eigentlich damit, dass Clark sagt, ich mag es hier. Und dann sagt sie zu ihm, dann bleib doch hier und lass mich gehen. Und er macht sie dann frei. Also eigentlich ist es quasi für ihn das Happy End, wie es davor war. verschont, als er da gelebt hat und er könnte jetzt einfach weiter da leben. Was ist Neues passiert, dass das Monster ihn plötzlich auffrisst oder umbringt?
Johannes Franke: Neu ist passiert, dass sie ihm gesagt hat, du darfst hierbleiben. Und vorher ist er eben nicht aufgefressen worden, weil er eben noch... daran gehangen hat, vielleicht doch nicht so bleiben zu dürfen, sondern weiter arbeiten zu müssen, weiter überlegen zu müssen, was er falsch gemacht hat. Und jetzt hat sie ihm gesagt, dann mach dir darüber keine Gedanken mehr, bleib einfach hier, lass dich von deinem Ego auffressen, alles gut.
Florian Bayer: Es ist ganz interessant, was davor passiert. Also er macht sie los und sagt zu ihr, I'm sorry. Und in dem Moment sagt diese skarpierte Version von seiner Frau, die da steht, forward und rennt los dahin, wo das Monster gleich kommt.
Johannes Franke: Nee, in eine andere Richtung. Sie rennt ja weg von dem Monster.
Florian Bayer: Rennt sie nicht in die Arme des Monsters?
Johannes Franke: Nee, die Frau rennt in diese Ecke. Um möglichst weit wegzukommen, aber die Ecke ist ja irgendwann zu. Das heißt, sie kommt nicht weiter. Und das Monster kommt von der anderen Seite durch die Tür durch.
Florian Bayer: Okay, das ist alles so weird.
Johannes Franke: Das ist architektonisch alles wirklich sehr seltsam.
Florian Bayer: Es passieren Dinge da drin, die wirklich architektonisch merkwürdig sind. Genau, architektonisch und auch sozial. Das ist irgendwie komisch. Ich weiß noch nicht, ob ich so 100% davon überzeugt bin, dass das Monster ihn deswegen umbringt. Also ich glaube, das Monster bringt ihn um, weil sie rauskommt.
Johannes Franke: Nein, sie kommt nicht vorher raus. Er bringt sie um, bevor sie rausgehen kann.
Florian Bayer: bringt ihn um, das Monster bringt ihn um, weil er sie hat und sie freigelassen hat, weil sie nicht mehr seine Gefangene ist, sondern weil er sie gehen lässt.
Johannes Franke: Ah, okay, das sehe ich nicht so, aber okay, ja.
Florian Bayer: Also das Monster belauert sie ja vorher, also bevor sie auf Clark trifft und Clark sagt zu ihr, du musst aufpassen und so weiter und geht zu ihr und sagt so, diese Räume sind...
Johannes Franke: Bist du dir sicher, dass das Monster sie belauert?
Florian Bayer: Nicht 100%. Aber er sagt zu ihr, und ruhig und Vorsicht, und man hat das Gefühl, das Monster ist da.
Johannes Franke: Und weißt du, was er noch sagt? Er sagt ... It's only me. You know me. It's just me. Ja, was sagt der da die Wahrheit? Doch. Ich glaube schon. Er sagt implizit über die Backrooms, bin alles ich, mach dir keine Sorgen. Hahaha. Weil er sie ja auch dann wirkt und so weiter. Er versucht sie ja da irgendwie. Er beruhigt sie mit den Worten It's just me.
Florian Bayer: Nur als Gedanke hat er nicht, ist das nicht dieses Würgen, das ist natürlich schlimm und so erhält sie dann ja auch als Gefangener. Aber ist das im ersten Moment nicht auch irgendwie eine Rettung vor dem Monster? Dass das Monster sie als Eindringling fressen will? Clark ist mittlerweile akzeptiert in den Backrooms.
Johannes Franke: Das nimmt er als Ausrede, aber das stimmt nicht, finde ich.
Florian Bayer: Aber er kennt das Monster, ne? Das Monster gab es schon vorher. Das Monster kommt und er sagt, ah, hallo alter Freund, ah, übrigens sie, nein, nein, nein, sie ist alles in Ordnung, sie ist eine Freundin von mir, lass sie mal in Ruhe, bitte.
Johannes Franke: Das hat er nicht gesagt.
Florian Bayer: Nee, aber was sagt der genau, weißt du es noch? Er versucht zu erklären, warum sie da ist.
Johannes Franke: Aber er sagt, du kannst dich beruhigen, sie hat gesagt, dass wir so bleiben können, wie wir sind.
Florian Bayer: Ah, genau, genau, das sagt er zu ihm.
Johannes Franke: Und er nimmt das wir, ne? Wir können so bleiben, wie wir sind.
Florian Bayer: Total, diese Identifikation, also er ist schon eins mit dem Monster irgendwie, auf jeden Fall.
Johannes Franke: Und deswegen denke ich halt, das ist halt sein Ego, was dann irgendwie, oder sein Ego ist vielleicht zu plump gesagt, aber es ist die psychologisch... Die Seite von ihm, die sich nicht ändern will und die einfach seinen Ego-Trip durchziehen möchte.
Florian Bayer: Vielleicht, ja. Wie sind wir überhaupt darauf gekommen?
Johannes Franke: Das ist eine andere Theorie darüber, warum er sie auffrisst, warum er ihn auffrisst.
Florian Bayer: Ja, weil ich nicht so überzeugt bin, weil ja eigentlich die Situation ist, er bleibt, er darf bleiben, es ist eigentlich so wie vorher, nur sie kommt raus.
Johannes Franke: Ja, aber am Ende ist er ja im Grunde da. Er ist zwar aufgefressen, aber er ist ja da im Grunde mit diesem Monster. Dass sie dann am Ende ihn nochmal gegen das Schienbein tritt und da rausrennt und so, weil das Monster sie weiter verfolgt, ist eine andere Nummer. Aber er ist ja das Monster im Grunde.
Florian Bayer: Jetzt werden wir wirklich so geeky detailliert. Wenn Mary reinkommt in die Backroom, sie läuft, er stolpert irgendwann an dieser Wand vorbei, wo ganz viele Zeichnungen von mutmaßlich Clarks sind, ne?
Johannes Franke: Mhm, genau. Wo auch ganz viel Zeug drauf ist. Offenbar hat er diese Wissenschaftler irgendwo gesehen mit den gelben Anzügen. Genau, er hat die Wissenschaftler gesehen. Und er hat den Piraten gesehen, das Monster gesehen und so weiter. Er hat das Monster
Florian Bayer: da vor allem gesehen, wie es irgendeine Gestalt hochhebt und entweder frisst oder in den Arm nimmt. Es ist nicht ganz deutlich und er hat ganz viele Sachen. Sachen da hingeschrieben auch. Er hat sowas hingeschrieben wie, was ich ganz spannend finde, der The Floorplane Changed Again
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Roof is wrong, roof is wrong.
Johannes Franke: Irgendwas mit dem Blut auf dem Tisch oder sowas.
Florian Bayer: Genau, Tables don't bleed. Ich glaube, das ist auch so ein Verweis darauf, dass die Menschen, die er da hat, Möbel sind. Übrigens, ich habe vorhin Deep Dream erwähnt mit diesen Augen. Diese Menschen... die so komisch sind. Diese menschlichen Nachbauten, die man essen kann, die sehen aus wie so Versuche von früher KI, die irgendwie die Menschen nicht richtig hinkriegen, deswegen sechs Finger malt und vier Augen und so. Finde ich total großartig. Deswegen ist auch so diese KI-Nähe dadurch zu stark. Und ja, er schreibt ganz viel Zeug. Also er hat diesen ganzen Ort, er hat ihn ja offensichtlich extrem viel untersucht. Und versucht zu verstehen und man merkt schon, dass er so durchdreht dabei, aber auch, dass er dieses Durchdrehen in sich drin hatte.
Johannes Franke: Ich find's interessant, weil er ja auch tatsächlich nicht das macht, was man normalerweise erwarten würde von jemandem in einem Horrorfilm, der gut geschrieben ist, dass er einen Horror sieht und abhaut. Sondern, und das macht der Film, finde ich, sehr gut, er verkauft uns, dass er so fasziniert davon ist, dass er rein muss. Und er ist einfach, jetzt kommt das Ego wieder ins Spiel, so fasziniert von sich selbst. Dass er immer tiefer in seine eigene Psyche hineinrutscht. Und da einfach... Nee, ich will das wissen. Ich will genau, wo bin ich hier? Und sich selbst im Grunde versucht... sein eigenes Ego zu verstehen und seine eigene Psyche zu verstehen und deswegen sich immer tiefer in dieses Labyrinth hineinbegibt.
Florian Bayer: Ich finde es halt, also es ist ja nicht nur seine Psyche. Seine Psyche ist ein Teil von diesem gesamten Labyrinth.
Johannes Franke: Vielleicht, weiß ich nicht genau. Also in meiner ersten Lesart ist es schon so, dass es eigentlich komplett... diese Psyche von diesem Typen ist. Aber vorhin haben wir schon festgestellt, dass es vielleicht auch ein gesamtgesellschaftliches Ding ist.
Florian Bayer: Weil sie, also generell die Leute, die sich in diesen Backrooms bewegen, nur in dem Film, wir bleiben nur bei dem Film. Klar, wir haben sehr viel von seinen Räumen. Wir haben quasi einen perfekten Nachbau von seinen Räumen. Möbelgeschäft, der erstaunlich gut geworden ist, dafür, dass wir davor sehen, was die Backrooms alles verbocken. ist der wirklich gut geworden. Ich glaube, seine lange Anwesenheit da trägt sehr stark dazu bei, dass sein Möbelgeschäft so gut nachgebaut werden konnte. Aber wir haben dann ja auch zum Beispiel diesen endlos scheinenden Schacht mit diesen offenen Büroräumen.
Johannes Franke: Oh Gott, oh Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Und das ist ja nicht Klag. Das ist ja irgendwas, was älter ist oder jünger.
Johannes Franke: Wir wissen es nicht. Wir kennen ja Clarks Vergangenheit nicht. Er ist Architekt. Wo er überall war, was er sich alles angeschaut hat. welche Räume er alles kennt, das kann alles aus seinem Kopf kommen, theoretisch.
Florian Bayer: Er ist Architekt, das macht es natürlich so, auch sozusagen leicht zu sagen, okay, und dann... Aber wir haben noch so viele andere Sachen.
Johannes Franke: Vor allem ist er gescheiterter Architekt.
Florian Bayer: Er ist gescheiterter Architekt, ja.
Johannes Franke: Was nochmal geiler macht, dass die ganzen architektonischen Mittel da alle irgendwie schlecht gescheitert sind.
Florian Bayer: Ich finde es lecker. das so als reine Clarkspüche zu sehen. Also ich meine, es ist ja klar wird naheliegend, wenn man die anderen Filme kennt, dass es älter ist als Clark und so weiter. Aber auch der Vorort und so, also ich sehe da ganz viele Räume und Räumlichkeiten in diesen Backrooms, auch wo sie sich bewegen, die halt nicht Clark sind, so dieser Raum mit der Wäsche. Und so also Sachen, die irgendwie darüber hinaus gehen.
Johannes Franke: Das war sein Jugendzimmer. Nein, ich verstehe schon, du hast vollkommen recht, es gibt ja diese Backstory auf YouTube und da gibt es wahnsinnig viel, was überhaupt nichts mit Clark zu tun hat. Und was man auch nicht nur auf Clark sublimieren sollte, weil das dann tatsächlich lame wird. Da hast du vollkommen recht. Ich habe bloß das Gefühl, dass dieser Film sich eben darauf konzentriert und deswegen sich das auch so sehr auf seine Psyche stürzt. Und dann, ja okay, gibt es vielleicht ein größeres Ding dahinter, aber ich finde schon, dass es irgendwie mehr oder weniger seine Backrooms sind.
Florian Bayer: Es ist natürlich so attraktiv, vor allem weil wir im Schluss, nachdem sie rausgekommen ist, sehen, dass die Backrooms jetzt das gleiche mit ihr gemacht haben. Sie ist nicht gefangen in den Backrooms, sie ist Gott sei Dank rausgekommen und jetzt bei den verrückten Wissenschaftlern.
Johannes Franke: Obwohl wir auch denken könnten, vielleicht ist sie gar nicht rausgekommen, sondern in einem sehr gut nachgebildeten Teil der Backrooms.
Florian Bayer: Sie hat kein draußen mehr, ne? Ja, es gibt kein draußen mehr. Aber sie sieht ihn draußen. Sie hat ein kleines Fenster oben. Echt? Wo sie einmal hinguckt, ja. Weil das ist, ich finde das ist immer noch der größte, was ich richtig gruselig finde bei den Backrooms ist dieses, und das widerspricht jetzt dem, was ich sage, dieses was draußen sein könnte und dann doch nicht draußen ist. Zum einen, wenn sie vor dem Monster flieht und dann in seinem Möbelhaus ist und dann feststellt, da ist hinter der Tür eine Wand. Aber auch sowas wie, ich habe eine Tür und ein Fenster, die ins Freie führen, gehe da durch und stehe in einem anderen Raum, der freie Welt simuliert. Dann stehst du im ganzen Ort, aber trotzdem sind rundherum Wände und es gibt einfach kein Außen mehr, es gibt nicht das befreiende Fenster, es gibt nicht den Himmel. Das ist sehr gruselig. Die Backrooms bauen ihre Geschichte nach. Am Schluss haben wir diese wirklich viele Bilder, die durch die Backrooms gehen. wo wir dann zum einen ihre Kindheitswohnung sehen, ihr zerfallenes Kindheitshaus, eine Bibliothek, wo ihre Bücher stehen und Und dann ganz am Schluss sie als so deformierte Entität, als so eine Lebensform, wie Clark sie bei sich hatte. die da sitzt und einfach nur ins leere starrt.
Johannes Franke: Insofern hast du ein Argument gegeben dafür, dass es natürlich nicht nur seine sind, weil er war nie bei ihr zu Hause. er kennt ja ihr Kindheitshaus nicht. Und dass das dort dann abgebildet ist, Das muss natürlich von ihr kommen. Also sie bringt ihre Erinnerungen mit rein in diese Backrooms, also nutzt das das, was von ihr mit dazu kommt.
Florian Bayer: Ich glaube, meine grundsätzliche Theorie ist halt, aber das habe ich glaube ich auch schon ganz gut erklärt, die Backrooms bauen nach, die Backrooms brauchen Hilfe dabei. Und die Backrooms bedienen sich von außen und seitdem Async das Ding aufgemacht hat, landen Menschen manchmal in den Backrooms. Und das sorgt dafür, dass es neue Trainingsdaten gibt, neuen Input, aber auch Störungen im Bauen und damit setzen sich diese Backrooms irgendwie auseinander. Und vielleicht gibt es gar nicht mal so einen Willen oder ein Ziel dahinter, aber die Backrooms nehmen das auf, was da passiert. Wenn so ein Clark da rein stolpert oder so eine Mary. Dann gibt es einmal eine Untersuchung von denen, eine Analyse von dem neuen Material und dann wird das alles, was sie... was gefunden wird, genommen und es entstehen neue Räume danach. Und deswegen wachsen die auch so krass, diese Räume. Deswegen sehen wir ja diese Kamerafahrt durch mindestens vier, fünf, sechs neue Räume. Einfach nur, weil Mary einmal von Clark da reingeschleift wurde. Ja, krass. Ist das gruselig? Ich glaube, ja, ne? Also du hast dich gefürchtet bei dem Film.
Johannes Franke: Die ganze Zeit. Ich war total fertig danach. Also es ist schon krass. Ich habe im Kino gesessen und die Spannung auch durch... weil so viele Leute da waren und jeder diese gleiche Spannung hatte, hat sich das natürlich potenziert. Als ich hier alleine geschaut habe, ging es Aber vor allem auch, weil ich dann schon wusste, was passiert und so, dann ist man ja auch ein bisschen entspannter, wenn man sowas schaut. Aber ich fand es wahnsinnig beunruhigend. Diese Räume sind einfach wahnsinnig beunruhigend.
Florian Bayer: Dieser Film ist scheißgruselig.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und tatsächlich, ja, es ist so, wenn das Bizarre, das Groteske kommt, dann wird der Grusel ein bisschen aufgehoben. Also das Piratenmonster ist nicht unheimlich, das Piratenmonster ist eher albern. Aber es gelingt dem Film, das halt so spät einzuführen und in dieser Flucht vor dem Piratenmonster noch genug Abstraktes zu haben, wie diesen, oh schrecklich, dieser Raum. wo es in die Tiefe geht und dann muss Mary über diese Treppe ohne Geländer, die so nach oben zu dieser Klappe führt.
Johannes Franke: Das ist richtig krass. Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Visuell wirklich hart, gruselig.
Florian Bayer: Also da ist noch genug drin, dass es auch Angst macht, wenn sie sich vor diesem Monster wegrennen. Vor allem, weil wir sehen, wie groß das ist. dieser Raum wirklich ist. Wie, dass diese Backrooms plötzlich, dass ich da in diesem Vorort, what the fuck?
Johannes Franke: Ja, total krass.
Florian Bayer: Die Wissenschaftler fandst du doof, hatte ich das Gefühl.
Johannes Franke: Okay, also beim ersten Gucken. Beim zweiten ging es dann, weil ich mich dann auch mehr mit beschäftigt hatte und so. Aber beim ersten Gucken hatte ich schon den Eindruck... dass die jetzt mit den Wissenschaftlern versuchen, irgendwie eine Deutungsebene aufzumachen, die den Film schwächer macht. Warum brauchst du eine Erklärungsdeutungsebene? Warum muss sie da noch interviewt werden? Warum muss das alles noch? Also sie haben ja nicht... den Schritt zu weit gemacht und das dann angefangen wirklich zu erklären. Der Typ sitzt immer noch da und sagt, wir haben immer noch keine Ahnung, was das wirklich ist.
Florian Bayer: Es fadet damit aus, dass er anfängt, sie zu verstehen. Es fängt damit, dass er sie interviewt und sie redet, oder? Nee, Quatsch. Er redet weiter und die Kamera geht auf sie und sie ist erleichtert. Und dann haben wir nochmal diese Backrooms-Bilder. Aber die eigentliche Erklärszene endet total schnell damit, dass er...
Johannes Franke: Genau, also wir kriegen keine wirkliche Erklärung dafür. Und das ist natürlich total wichtig und das ist gut, aber sie haben damit eine Ebene eingezogen. die mir beim ersten Gucken die störend, als störend empfand. Also wozu?
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Ich fand es aber sehr gut entwickelt, dass man viele, viele verschiedene... Deutungsebenen im Kopf haben kann während des Guckens. Und dass diese psychologische Ebene nur eine Möglichkeit ist, den Film zu sehen. Und dass man offensichtlich, wie wir jetzt darüber reden, auch sehr unterschiedliche Ideen davon haben kann, was die Backrooms sind und so.
Florian Bayer: Was ich wirklich süß finde in diesem Erklärding ist diese Figur, dieser Phil. Der wird ja am Anfang gezeigt, wie er mit seiner Familie die unendliche Geschichte guckt. Das ist jetzt sehr süß, ja. Familienprogramm. Er ist wirklich so ein... Wirklich so ein typischer, bürgerlicher, langweiliger Angestellter. Und wenn er mit Mary redet, sagt er ja auch... Naja, eigentlich arbeite ich für so eine Machine Company und das ist jetzt mein Job. Jetzt mache ich halt Karten, weil offensichtlich hat sich das Geschäftsfeld meiner Firma geändert und es ist jetzt halt einfach so. Er geht einfach da mit. Es ist auch so wunderschön bürgerlich. Das ist einfach sein Job und jetzt ist das sein Job. Gleichzeitig ist er ja total fasziniert von diesen Backrooms.
Johannes Franke: Was ich interessant finde ist, dass sie ja MRIs gemacht haben. Also sie haben Gehirnscans gemacht. Und wenn wir jetzt auf die psychologische Ebene wieder gehen und den Kopf von Clark einmal in diesen Backrooms wieder gespiegelt sehen. dann ist es kein Wunder, dass diese Firma diese Backrooms entdeckt hat. Ja. Nämlich die ganzen Windungen, die ein Gehirn nimmt, wenn es versucht... Zum einen Sinn zu entnehmen aus einer schwierigen Situation, wie Clark jetzt Schwierigkeiten hat. die Trennung zu verarbeiten und zu verstehen, warum sein Leben nicht so gelaufen ist, wie es laufen sollte. Welche Windungen das nimmt und das dann zusammen zu verbinden, ich finde es großartig und das Tolle ist, dass das nicht von einem Drehbuchautor kommt, sondern dass es wirklich von Parsons kommt, der diese YouTube-Videos gemacht hat. Und der da irgendwie schon, ich finde, in diesem Alter, man geht da immer wieder drauf ein. Ich finde es immer wieder krass. in diesem Alter diese Kohärenz in der Empfindung zeigt, was ich krass finde.
Florian Bayer: Absolut, total irre.
Johannes Franke: Sie ist ja noch Psychologin. Ja. Und ich finde es interessant, weil sie ja natürlich auch ihr eigenes Ding mit reinbringt, Verkauft diese Kassetten, die Leuten helfen sollen, irgendwie in ihrem Leben weiterzukommen.
Florian Bayer: 90er, diese Selbsthilfebücher und Selbsthilfekassetten.
Johannes Franke: Aber sie hat ein paar gute Zitate, die ich nicht aufgeschrieben habe, wie es... Wie man versucht in seinem Leben durch das, was man als Kind gelernt hat in traumatischen Situationen, wie man damit umgeht. Wie man das als Erwachsener immer weiter versucht und aber versucht mit derselben Methode einen anderen Ausgang zu provozieren. Was die Definition von Wahnsinn ist, weil du kommst nicht in einen anderen Ausgang, wenn du den gleichen Weg gehst. Es funktioniert nicht. Ich weiß nicht, es passt auch so wahnsinnig gut zu den Backrooms und zu seiner Psyche und zu ihrer Psyche und zu dem, was das Thema des Films ist.
Florian Bayer: Was ich an Mary spannend finde, sie scheint überhaupt nicht das zu leben, was sie propagiert. Weil sie hat einfach so viel Unverarbeitetes. Aber sie versucht es. Sie versucht es. Und gleichzeitig wandelt sie aber fast so traumwandlerisch durch ihr Leben. Einige Szenen mit ihr, wo wir das Gefühl haben, sie ist fast so ein bisschen entkoppelt von der Realität und bewegt sich unter Menschen. Aber ist nie so richtig da und wird nicht so wahrgenommen und nimmt sich auch nicht so wahr. Alles wirkt so ein bisschen traumhaft an ihrer Art, wie sie durch die Welt geht. Ihre Therapiesessions sind ja auch so, dass sie unglaublich ruhig redet und so sehr, sehr gefasst ist.
Johannes Franke: So abgekapselt wirkt dadurch. Das ist eine super gute inszenatorische Entscheidung.
Florian Bayer: Das passt halt auch so gut zu dem Weil die Backrooms natürlich so traumhafte Räume sind. Und insofern hat dieser Horror, mit dem sie dann konfrontiert wird, Hat ja was Befreiendes.
Johannes Franke: Total. Und das finde ich auch super geil. Super interessant.
Florian Bayer: Anklag an und sie schreit ihn so richtig geil an. Zum ersten Mal sagt sie ihm die Meinung. Logisch, im Professionellen sagst du das nicht als Therapeutin, dann bist du eine schlechte Therapeutin.
Johannes Franke: Aber es scheint auch ihr erstes Mal überhaupt im Leben zu sein.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Dass sie da auch hinkommt, an diesem Punkt zu sagen, ich muss mir eingestehen, ich kann dir nicht helfen. Und es ist auch nicht meine Aufgabe, über den professionellen Rahmen hinweg dich aus diesem Sumpf rauszuholen. Und sie macht das ja erst. Sie geht unprofessionell in diese Backrooms rein. Das macht man mit einem Patienten nicht. Das geht nicht.
Florian Bayer: Das ist voll grenzüberschreitend.
Johannes Franke: Du sagst der Polizei Bescheid, kümmert euch darum, ich habe meinen Teil getan, ihr macht euren Teil. Zum Beispiel. Oder eben einer psychiatrischen Abteilung oder sowas. Sie überschreitet diese Grenze, die man als Psychologe nicht überschreiten sollte, aus Schuldgefühlen und aus psychologischer Disposition, die sie selber hat. Und im Backroom versteht sie endlich, was ihr Ding ist.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Das finde ich geil.
Florian Bayer: Ja, total. Wir haben sie als Kind gesehen, wie sie sich nicht befreien kann und wie sie sogar in dieses Gefängnis zurückkehrt. wenn ihre Mutter, wenn ihr Wächter nicht mehr da ist, ihre Mutter ist in der Psychiatrie, aber die kleine Mary, sitzt als Kind in diesem Raum so mit angewinkelten Knien und die Arme drum und Das Einzige, was offensichtlich ihr Gefängnis dann kaputt macht, ist das Zerstören von außen. Durch die Planierraupen, die irgendwann kommen und das Ding einreißen. Und jetzt hat sie diese Möglichkeit, wie in einem Rollenspiel, sich zu befreien.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: diesen Befreiungsakt zu vollziehen und sie flieht ja dann zuerst vor dem Monster, wirklich ganz klassisch Horrorfilme. Und dann konfrontiert sie aber auch irgendwann das Monster. Dann kämpft sie ja auch irgendwann gegen das Monster und schlägt dann mit diesem Stein. Ja, so symbolisch. dass sie an dieser Vergangenheit hängt. Damit schlägt sie ihn kaputt. Und der Stein geht kaputt.
Johannes Franke: Und sie schafft es eben, wirklich in Aktion zu kommen, aus ihrer statischen Position heraus. Sie schafft es, ihre Lethargie zu überwinden, während er es eben nicht macht. Selbst wenn er gebissen wird von diesem Monster. Er wehrt sich ja nicht.
Florian Bayer: Ja, das ist krass, wie er sich töten lässt.
Johannes Franke: Ja. Also er ist einfach ergeben, Gott ergeben, so mach ruhig, mach was mit dir. was ich immer schlimm finde an Figuren, wenn die nicht aktiv werden. Und das ist geil geschrieben, dass ich ihnen dann auch wirklich... Dass ich mich verabschieden kann von dieser Figur und sagen kann, Alter, du hast es auch nicht besser verdient. Du hast es nicht geschafft. Du hättest so viele Möglichkeiten gehabt, dich aktiv darum zu bemühen, dein Leben in den Griff zu kriegen. Du hast es nicht geschafft, also wirst du jetzt einfach aufgefressen. So ist das jetzt.
Florian Bayer: Es gibt ja kurz davor diesen Moment, also nachdem er Mary gefangen genommen hat, wo er was sagt, wo wir eigentlich das Gefühl haben, er sagt sehr viel über die Welt im Allgemeinen, wo er sagt, während wir durchs Leben gehen, fängt der untrainierte Geist an, sich so Gewohnheiten anzutrainieren. das sich irgendwie immer wieder in Kreisen bewegen lässt. Und es entstehen immer wieder dieselben Probleme und wir versuchen immer dieselben Lösungen. immer und immer und immer wieder und das ist einfach der Weg des geringsten Widerstandes. Und natürlich denken wir, er redet allgemein über die Gesellschaft und er redet in gewissem Sinne auch allgemein über die Gesellschaft, weil das sehr viel stattfindet. Aber natürlich ist es auch so on the point, wie er funktioniert. Und dass er diese Passivität verbunden mit dieser Lamoyanz und dieser unterdrückten Wut, dass er die komplett inhaliert hat, Und so unterscheidet er sich letzten Endes von Mary, die halt kämpft, die sich befreit und die ihre Vergangenheit in Stücke schlägt. Es ist wirklich ein simples Bild.
Johannes Franke: Aber es ist schon effektiv in dem Moment. Es ist effektiv in dem Moment. Ja, ja. Okay, wollen wir noch zur Top 3 hineingehen? Ab. Unsere Top 3.
Florian Bayer: Top 3, welches Thema?
Johannes Franke: Was habt ihr wohl gedacht, welches Thema? Ja. Liminal Spaces. Was sonst? Irgendwann, ich muss ja kurz bei mir aufmachen hier.
Florian Bayer: Honorable Mention. Ich glaub, dir hast du nicht Serie. Severance.
Johannes Franke: Severance ist erklärtermaßen, hat Backrooms als Vorbild, ne? Ja, visuell. Die Leute, die Severance gemacht haben, und ich liebe diese Serie, haben Backrooms gesehen und haben deswegen auch diese Büroräume so designt.
Florian Bayer: Und Severin schafft es tatsächlich ganz geschickt, das nicht als Horror zu erzählen, sondern als so Alltagshorror. Aber nicht gruselig, sondern wirklich deprimierend.
Johannes Franke: Wie lange ist es her, dass du The Terrence gesehen hast? Ich dachte, du hättest es gar nicht gesehen.
Florian Bayer: Die erste Staffel, ich habe die zweite noch nicht gesehen.
Johannes Franke: Oh, musst du gucken.
Florian Bayer: Ja, ich weiß. Ich habe tatsächlich ohne Scheiß gestern Abend angefangen. Aber ich habe wieder die erste geguckt, weil ich gedacht habe, es ist so lange her, ich kann nicht mit der zweiten anfangen. Ich muss nochmal... nochmal so die einzelnen Stücke aus der ersten zusammensetzen. Severance ist meiner Meinung nach der besten Serie der letzten Jahre. Wie alt ist das mittlerweile?
Johannes Franke: Ich weiß es nicht, keine Ahnung. Muss ich anfangen?
Florian Bayer: Du musst anfangen.
Johannes Franke: Ach Gott, ich hätte auf Platz 3 Starcar.
Florian Bayer: Den habe ich auf Platz 1.
Johannes Franke: Der gehört auf Platz 3. Sorry.
Florian Bayer: Da musst du aber auch erklären, warum Stalka.
Johannes Franke: Stalka hat diese... Eine seltsame Nicht-Welt, in der man sagt, dass man da nicht mehr leben kann. Aber dass da immer mal Leute kommen, um sich das anzuschauen und da gibt es einen, der sie quasi da durchführt. Durch diese Landschaft, diese von Gott verlassene Landschaft im Grunde.
Florian Bayer: In Stalka wird es irgendwie mit Außerirdischen erklärt, aber man weiß, man sieht die Außerirdischen nicht. Irgendwas Fremdes ist gekommen und hat diesen Ort hinterlassen. Ganz großartiger Film von André Tarkowski aus dem Jahr 1979.
Johannes Franke: Ja, also wenn ihr Kunstscheiße sehen wollt, dann gerne den Film.
Florian Bayer: Aber so gute Kunstscheiße.
Johannes Franke: Ja, gute Kunstscheiße.
Florian Bayer: Der ist wirklich gut und der hat wirklich so ganz eigene Vibes und vor allem interessant, weil es Liminal Spaces sind, die draußen sind. Bei Liminal Spaces Spaces denkt man meistens halt doch eher an Gänge und Flure und so weiter. Das ist draußen und das macht es interessant. Mein Platz drei ist I'm thinking of ending things. Das habe ich als honorable Menschen. Wie geil. Sehr cool. Eine Frau will sich von ihrem Freund trennen, besucht mit ihm aber seine Eltern. Und irgendwas ist komisch da und die verhalten sich komisch und plötzlich sind sie in einem anderen Alter als davor. Und dann fährt sie mit ihrem Freund, nachdem sie diesen Besuch gemacht haben, durch die Nacht und sie halten an seiner alten Highschool und wir sehen nach und nach und erkennen nach und nach mehr, dass wir eigentlich... Der aber nicht er ist, sondern so ein Achtung, Spoiler.
Johannes Franke: Ja, genau, nicht zu viele Spoiler.
Florian Bayer: nachher wegschneiden.
Johannes Franke: Also den Film, wenn ihr den Film ohne Spoiler guckt, ist es geil, ist ein weirdes Erlebnis, weil der Film... Du hast das Gefühl, der Film sagt dir nicht, was er eigentlich sagen will.
Florian Bayer: Bitte piep nachher meine Spoiler im Schnitt weg.
Johannes Franke: Und wenn ihr den Film gesehen habt, dann kommt danach in die Episode, wo wir darüber reden. Versucht euch erklären zu lassen, was dieser Film noch, was der überhaupt bedeutet, was er überhaupt sagen will. Und dann guckt ihn nochmal. Und dieses Erlebnis habe ich gehabt. Ich habe den Podcast gesehen, ohne Vorwarnung, habe ihn so geguckt und gedacht, um Gottes Willen. Der schlechteste Film aller Zeiten. Wenn du mir was sagen willst, dann sag es mir einfach. Dann hat Plum mir den Film erklärt und ich bin der größte Fan dieses Films geworden.
Florian Bayer: Von Komponenten. Andy Kaufmann, nicht Andy Kaufmann, Charlie Kaufmann. Großartig. Der toller Drehbuchautor, auch ein toller Regisseur, der hier so richtig durchdrehen durfte. Und sehr viele Zwischenräume im wahrsten Sinne des Wortes, zwischen Beziehung und Trennung, zwischen Leben und Tod, zwischen Jugend und Alter.
Johannes Franke: Zwischen Bedeutung und Nichtbedeutung.
Florian Bayer: Zwischen Bedeutung und Nichtbedeutung. Fantastischer Film.
Johannes Franke: Krass. Ich habe auf Platz zwei Brasil. Es gibt da so viele surreale Korridore in diesem Bürokratieapparat. Ja! Es ist so krass. Und auch in seinen Träumen ist er in so liminal spaces. wo dann dieser Riese gegen ihn kämpft und er da irgendwie mit den Engelsflügeln in der Gegend, das sind alles so Nichträume. Ja. Und es ist so absurd und so bürokratisch.
Florian Bayer: Alles so artifiziell auch. Ja, genau.
Johannes Franke: Also Brasil lohnt sich volle Kanne. Wir haben, glaube ich, über Brasil auch geredet. Wir haben über Brasil geredet.
Florian Bayer: Terry Gilliam, wahrscheinlich sein bester Film.
Johannes Franke: Ganz toller Film, ja.
Florian Bayer: Mein Platz zwei. Wir sind wieder bei Analog Horror. Skin and Maring. Ach. Das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, die eigene Wohnung wird zum Liminal Space. Ja. Und das erleben zwei Kinder in unscharfen, analogen Bildern, wo man kaum erkennen kann, was passiert. Und ich finde immer noch, das ist einer der unheimlichsten Filme der letzten Jahre. Gruseliger als Backrooms meiner Meinung nach. Also ich habe mich bei Skin in my Ring deutlich mehr gefürchtet, weil es deutlich abstrakter bleibt.
Johannes Franke: Ich nicht, gar nicht so, aber ich fand ihn schon auch gruselig, aber irgendwie fand ich ihn auch beruhigend. Irgendwas hat er in mir getriggert, was ich irgendwie ganz nett fand.
Florian Bayer: Dein Platz 1.
Johannes Franke: Mein Platz 1 ist... The Shining.
Florian Bayer: Natürlich.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Ich habe ihn dir überlassen. Im Gegensatz zu dir nehme ich dir nämlich nicht deine Filme weg.
Johannes Franke: Ja, also The Shining ist natürlich großartig, wie Danny da durch dieses leere Hotel mit seinem Dreirad durchfährt und... ... man alles Mögliche darauf projizieren kann... ... an Ängsten, dass man es so hat... ... und dieser Nichtraum zwischen... zwei Saisons, der irgendwie gefüllt werden muss, der irgendwie bewacht werden muss und der dann einfach dazu führt, dass diese Hauptfigur dem Wahnsinn verfällt.
Florian Bayer: Fantastisch.
Johannes Franke: Das war absolut fantastisch genutzter Limit Space.
Florian Bayer: Übrigens, Hotelflure ist ja so ein klassischer Liminal Space, den jeder schon mal erlebt hat. Weil Hotelflure einfach oft leer sind. Bei großen Hotels sind es dann auch sehr lange Flure, die leer sind. Und ja, Hotelflure kriegen mich. Gerade bei alten Hotels. Ich bin immer ganz froh, wenn ich... Ich bin tatsächlich... Das ist für mich ein Grund, dass ich nicht so gerne in so wirklich schöne alte... Antiko Hotelski, die noch so einen alten Teppich und so haben, weil da finde ich diesen Liminal Space Effekt Deutlich schlimmer als bei so kalten Neubauten, die in diesem sterilen Ferienlook sind.
Johannes Franke: Aber die haben doch wenigstens noch Leben, die alten Dinge.
Florian Bayer: Ja, aber das Leben ist halt so ein Poltergeist-Leben.
Johannes Franke: Ach, mit Poltergeistern kann man auch Poker spielen. Alles gut. Ich habe noch eine honorable mention, Eraserhead. Ich finde, Eraserhead hat voll das Gefühl, selbst in seiner Wohnung, die eigentlich lebendige Wohnung sein sollte, Seine Wohnung ist ein Liminal Space. Ich finde es total seltsam.
Florian Bayer: Absolut. Und dann werfe ich auch gleich noch Twin Peaks rein. diesen Red Room, durch den unser Detektiv, der ermittelt, in seinen Träumen irrt und mit einem... mit einem merkwürdigen Menschen redet, der rückwärts spricht, um herauszufinden, wer Laura Palmer umgebracht hat. David Lynch ganz generell. David Lynch spielt immer mit diesen Motiven der Liminal Spaces in seinem Film. Lost Highway, dieser ewig lange Highway, der nicht aufhört. David Lynch hat ja auch ganz oft Orte, als sein Thema. Egal, ob es jetzt der Lost Highway ist, Malholland Drive oder Twin Peaks, der Ort. Und diese Orte sind für sich irgendwie bei ihm so ausgebohrt in einer... Einer Psyche, die leidet. Krass.
Johannes Franke: Okay, danke für die Top 3.
Florian Bayer: Ja, danke dir.
Johannes Franke: Dann gehen wir zurück in unseren Film. Das war unsere Top 3. Haben wir noch was? Wollen wir noch große Fässer aufmachen? Wir könnten noch so ein paar Produktionsdetails aufmachen. Was ich noch interessant fand, war, dass Ken Parsons für sein Sounddesign, für seine YouTube-Videos ja selber auch Zeug gemacht hat.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und dass er es geschafft hat, nicht nur in Blender einen Haufen Zeug zu machen, nicht nur auch für YouTube-Videos sich eine geile Geschichte und ein geiles Worldbuilding zu betreiben und zu überlegen, sondern auch noch Musik und Sounds gemacht hat.
Florian Bayer: Er hat gesagt, er ist so glücklich, dass er diese Sounds, diese Musik, die er entwirft, dass er die endlich mal Leuten zeigen kann, dass sie gezwungen sind, das zu hören. Weil er macht halt einfach düsteren Ambience-Sound. Das ist nicht für den Film, sondern er macht es einfach, weil er das gerne macht.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist aber was, wofür man sehr schwer ein Publikum findet.
Johannes Franke: Und er hat es mit dem Musiker für diesen Film, für den Kinofilm, mit Musiker Edo von Bremen gemacht. Und er sagt, die haben viele Sachen zusammen gemacht, aber dann sind Tracks dabei, die nur von Kane sind und dann sind welche dabei, die nur von Bremen sind. die aber irgendwie alle in das Gleiche einzahlen und die, finde ich, nicht auseinanderhaltbar sind. Es ist ein guter Soundteppich und das ist... Diese Leuchtdorffröhren sind furchtbar enervierend, die die ganze Zeit brummen. Das ganze Dröhnen und diese tiefen Drones, die sie ja auch mitverwenden, genau an der richtigen Stelle, im richtigen Ding ist eingebaut. Sie haben Schreie von Kamelen genommen, um die dann zu verändern, um da das Geräusch von dem Monster zu machen. Was ich super krass finde. Also es sind wirklich krasse Sachen. Und wenn ihr das einmal googelt, es gibt einen Schauspieler. der dieses Monster gespielt hat. Der sieht auch so krass aus, weil der sehr groß ist und sehr schlagsig. Und der war, glaube ich, Basketballspieler vorher in seinem Leben. Und der hat, ich finde den wahnsinnig spannend. Ich kriege den Namen nicht ausgesprochen. Kriegst du den ausgesprochen?
Florian Bayer: Robert Bobrotsky, glaube ich.
Johannes Franke: Auf jeden Fall spannender Typ. Der hat auch schon andere Sachen gespielt. Gehe ich jetzt nicht auch noch mit drauf ein. Wir sind schon sehr weit in der Zeit.
Florian Bayer: Er hat unter anderem in einem Alien-Film mitgespielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und um das vielleicht noch einmal kurz reinzuwerfen, Jewettel Echofor, der den Clark spielt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Renate Reinswe. Die kommt aus Skandinavien, die Mary spielt. Absolut großartige Schauspieler.
Johannes Franke: Fantastische Schauspieler. Also beide großartig, muss man sagen. Ja, ja, ja, auf jeden Fall.
Florian Bayer: Also wir haben hier ja auch einen Oscar-Gewinner. Jewettel Age of Four hat für 12 Years a Slave 2013 zumindest eine Oscar-Nominierung gekriegt. Ich mag es immer, wenn ich so Charakterdarsteller und so habe ich ihn eingeordnet, grundsätzlich, in eher so Genrefilmen sehe. Finde ich immer toll. Ja. Weil, gibt einfach so eine gefühlte Tiefe mit und das macht er hervorragend.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Und Renate Reinswe. die ich tatsächlich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte.
Johannes Franke: Aber sie hat eine fantastische Präsenz in dem Film, finde ich.
Florian Bayer: Sie spielt diese Ruhe unglaublich gut und dieses leicht nebulöse.
Johannes Franke: Möchtest du ins Fazit übergehen?
Florian Bayer: Ich bring mal ins Fazit, ich kann es kurz halten. Ich finde, das ist ein wirklich toller Genrefilm. Ich habe ein bisschen die Angst und die trage ich auch in diesen Filmen, dass zu viel Lore irgendwann Atmosphäre kaputt macht. Ich finde, dieser Film ist ein Beispiel dafür, dass man erstaunlich gut diesen Bogen spannen kann von so YouTube 10 Minütern und so kleinen Infoschnipseln zu einem abendfüllenden Spielfilm. Ohne, dass es an einer von den beiden Stellen verliert.
Johannes Franke: Ich glaube, was das Geheimnis ist, ist A24. Wirklich, die haben gesagt, okay, ich lasse mich auch genau das ein, was wir da haben. Ich versuche es nicht zu verändern groß, ich versuche nicht das irgendwo in eine Richtung zu biegen, die mir passt. Sondern ich habe einen Drehbuchautor, der sich wirklich in diese Welt reinarbeitet und das hinzufügt. Was da vielleicht noch psychologischen Futter gibt, aber eigentlich sind wir 100% auf der Seite von Parsons.
Florian Bayer: Ja, oh. Und das vielleicht noch so als Abschluss. Kane Parsons, wie gesagt, 2005 geboren. Er ist der jüngste Regisseur, der jemals ein Number One Box Office hatte, sowohl Domestik als auch Global.
Johannes Franke: Ja, Wahnsinn.
Florian Bayer: Und er hat mit 17 dieses YouTube-Zeug gemacht, was schon so steil gegangen ist.
Johannes Franke: Krass.
Florian Bayer: Es ist so, ich finde es großartig, dass Leute von diesem Medium oder von diesem technischen Setup von YouTube jetzt halt auch den Weg ins große Kino finden und die Möglichkeit kriegen, diese Filme zu machen, weil auf YouTube schlummert eine Menge Talent.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Und wenn man so guckt, was für drittklassige Sachen produziert werden, wo man so denkt, okay, da ... Da wichst sich eine Branche selbst quasi... Statt mal irgendwie zu öffnen für andere Leute, die richtig viel Kreativität mitbringen.
Florian Bayer: Also bitte, bitte, bitte mehr davon. Und ich finde es auch vollkommen gerechtfertigt, dass die großen Überraschungshits dieses Jahres halt von zwei YouTubern kamen. Nämlich Backrooms und Obsessions.
Johannes Franke: Obsessions willst du mir geben, oder?
Florian Bayer: Übernächste Woche. Nächste Woche gibt es was von dir. Ich hoffe, du hast schon was in der Pipeline. Leute, vielen Dank fürs Zuhören.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass ihr dabei seid. Auch über zwei Stunden hinweg.
Florian Bayer: Ja, heute musst du dir lange durchhalten. Ich hoffe, nächste Woche wird es ein bisschen überschaubarer.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Mal schauen, was Johannes für mich drin hat. Wenn ihr wissen wollt, was Johannes für mich dabei hat, welcher Horrorfilm von ihm kommt. Mitte Oktober. Bleibt noch kurz dran. Ansonsten lasst es euch gut gehen. Habt die beste Zeit eures Lebens. Und wir hören uns nächste Woche.
Johannes Franke: Guckt nicht zu viele Horrorfilme. Ciao. So, Floor, ich hab da noch was für dich.
Florian Bayer: Was gibt's denn?
Johannes Franke: Ich find's wahnsinnig schwierig, dir einen Horrorfilm zu geben. Dieser Horrorfilm-Monat verlangt einiges von mir ab. Ich weiß, tut mir leid. immer in die Ecke greifen, wo es die Klassiker gibt, in denen ich ... noch nicht den schlimmen Backrooms-Horror habe, sondern einfach mal die 60er oder sowas. Und diesmal gebe ich dir die 60er auch wieder Hitchcock. Psycho.
Florian Bayer: Nice! Unser zweiter Hitchcock-Film für den Halloween-Monat. Also wir haben sowieso schon mehrmals über Hitchcock geredet, aber wir hatten letztes oder vorletztes Jahr die Vögel.
Johannes Franke: Die Vögel, ja. Das war großartig.
Florian Bayer: Und das ist ja auch ungefähr dieselbe Zeit, ne? Hiftvögel war, glaube ich, ein bisschen nach Psycho.
Johannes Franke: Die Vögel ist ein bisschen später, genau.
Florian Bayer: Geil, wir reden wieder über Alfred Hitchcock. Wir nehmen diesmal Psycho, einer seiner berühmtesten Filme.
Johannes Franke: Ist der berühmteste Film.
Florian Bayer: Wahrscheinlich der berühmteste Film von ihm.
Johannes Franke: Und hat ja auch mit Bates Motel und so weiter. einiges an Anknüpfungspunkten mit modernerer Interpretation. Da können wir reingehen.
Florian Bayer: Ich bin sehr gespannt. Cool. Nächste Woche, Leute, Psycho, guckt euch den Film nochmal an, schaltet ein. Bis dahin. Ciao. Ciao.
