Episode 30: Das Sommerloch
Es gibt eine fünfte Dimension jenseits der menschlichen Erfahrung – eine Dimension, so gewaltig wie der Weltraum und so zeitlos wie die Ewigkeit. Es ist das Zwischenreich, wo Licht in Schatten übergeht, Wissenschaft auf Aberglaube trifft. Sie liegt zwischen den Fallgruben unserer Furcht und den lichten Gipfeln unseres Wissens. Dies ist die Dimension der Fantasie, das Reich der Dämmerung – das Sommerloch.
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Transkript
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: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 30: Das Sommerloch Publishing Date: 2021-07-28T14:43:40+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/07/28/episode-30-das-sommerloch/
Florian Bayer: Es gibt eine fünfte Dimension jenseits der menschlichen Erfahrung. Eine Dimension so gewaltig wie der Weltraum und so zeitlos wie die Ewigkeit. Es ist das Zwischenreich, wo Licht in Schatten übergeht, Wissenschaft auf Aberglaube trifft. Sie liegt zwischen den Fallgruben unserer Furcht und den lichten Gipfeln unseres Wissens. Dies ist die Dimension der Fantasie, das Reich der Dämmerung. Das Sommerloch. Johannes, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zu unserer Sommerloch-Episode. Ich habe ja mit allem gerechnet, Flo, aber nicht mit dieser Pointe.
Johannes Franke: Das Sommerloch.
Florian Bayer: Okay. Die, die es erkannt haben, ich habe hier Twilight Zone zitiert. Ach so. Ja. Eine tolle Mystery-Serie aus den 50er Jahren, 60er Jahren, 80er Jahren. 80er Jahren, offensichtlich auch in den 2000ern und 2010er Jahren nochmal aufgetaucht.
Johannes Franke: Jetzt verstehe ich ja auch, warum du mich zu diesem Ukulelenspiel gezogen hast, was Johannes gespielt hat, ohne es zu wissen.
Florian Bayer: Das war die Twilight Zone Melodie.
Johannes Franke: Mit Melodie kann man ja nicht wirklich dabei kommen. Im Original ist es ja so ein Synthi-irgendwas. Naja. Okay, herzlich willkommen in der Episode, die das berühmte Sommerloch stopfen soll. Wir hatten ja letzte Woche schon eine. Und diese Woche wollen wir nicht über Vergangenheit im Sinne von filmischer Vergangenheit vor 100 Jahren reden, sondern wir wollen über... uns reden.
Florian Bayer: Ja, ihr dürft jetzt skippen. Absolut okay. Dies ist eine Füller-Episode. Ihr könnt die überspringen. Wir haben uns keine Filme gegeben, weil Urlaub, Arbeit, ganz viel dazwischen liegt. wie das ein Sommerloch so an sich hat. Und wir werden einfach eine Laber-Episode machen. Wir machen quasi jetzt unser Fest und Flauschig. Unser gemischtes Hack oder was auch immer.
Johannes Franke: Wenn ich mal gesagt, dass das völlig dämlich ist, sich dann auch noch zwei Enddreißiger hinsetzen und über ihre Probleme reden.
Florian Bayer: Das ist total toll, wenn es coole Typen machen.
Johannes Franke: Ja, wie Jan und Olli zum Beispiel.
Florian Bayer: Wenn es einfach Profis machen, die das können. Wir können das nicht so gut, aber wir werden trotzdem versuchen uns jetzt irgendwie durch die nächste Stunde, nächsten anderthalb Stunden, nächsten sieben Stunden zu hangeln.
Johannes Franke: Durch die nächsten zwei Minuten.
Florian Bayer: Und alle, die jetzt genervt mit den Augen rollen, nächste Woche gibt es wieder eine ganz normale, vernünftige Episode.
Johannes Franke: Aber heute wird nur gelabert. Wo Plor mir wieder Jodorowsky mit französischen Untertiteln gibt und ich plor irgendwelche 50er-Jahre-Tanzfilme.
Florian Bayer: Spoiler, nächste Woche gibt es tatsächlich einen französischen Film. Hast du schon einen Film für mich für nächste Woche?
Johannes Franke: Ich habe noch keinen für dich. Ich weiß noch nicht genau. Ich muss noch überlegen.
Florian Bayer: Oh, ich bin schon sehr gespannt.
Johannes Franke: Vielleicht stellt sich in diesem Gespräch was raus.
Florian Bayer: Ja, das könnte tatsächlich sein. Hast du irgendwas gesehen in letzter Zeit?
Johannes Franke: Ich habe leider... Ich bin dadurch, dass ich viel am Theater jetzt war und viel selber gedreht habe, bin ich nicht so richtig dazu gekommen. Mal so ein paar Sachen zu sehen. Ich muss unbedingt diese Loki-Serie sehen und ich habe es immer noch nicht geschafft. Und es gibt einfach ein paar Sachen auf der Liste, aber leider ist es bei mir jetzt in letzter Zeit Ich bin in einem Beruf, der saisonbedingt im Sommer besonders voll ist. Durch Sommertheater in diesem Fall.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Und so.
Florian Bayer: Was spielst du denn im Sommertheater?
Johannes Franke: Ich spiele jetzt gerade Shakespeare, was ich... was ich schon immer wollte. Ich spiele Shakespeare. Das ist nicht der Wahnsinn. Ja, ich habe... Ich bin eingesprungen. Das heißt, ich habe jetzt nicht die großen Rollen. Ich spiele nicht den Romeo und ich spiele auch nicht King Lear. Wäre auch nicht mein Rollenprofil, aber damit wurde schon viel gemacht, wer weiß. Hätte man auch machen können.
Florian Bayer: Du magst den Schecksbetrag über den ja auch nicht.
Johannes Franke: Doch, ich mag die schon auch, aber nicht so sehr wie die Komödien.
Florian Bayer: Man muss ja dazu sagen, also wenn ihr den Podcast regelmäßig erfolgt, wisst ihr, dass Johannes ein Shakespeare-Fan ist, weil er hat mir zumindest zweimal, fällt mir jetzt spontan ein, schon Shakespeare vorgesetzt. Ja. Und zwar einmal diese wirklich wundervolle Aufführung von Much Ado About Nothing.
Johannes Franke: Und dann die Verfilmung der widerspenstigen Zähmung, die dann Gott sei Dank mit dem Original nicht mehr so viel zu tun hat. Ja, genau. Ja, und ich überlege auch ständig, ob ich dir noch mehr aufs Auge drücken sollte in die Richtung, aber ich zügel mich ein wenig.
Florian Bayer: Shakes? Bier nur her damit. Also ich fände es total spannend, weil ich habe auch tatsächlich noch eine, ich habe gewisse Wissenslücken, was die Verfilmungen von Shakespeare betrifft, die Kenneth Branagh-Verfilmung.
Johannes Franke: Die habe ich auch immer noch nicht gesehen. Ich habe es nicht geschafft. Verdammt, ich wollte.
Florian Bayer: Also der hat so viele davon gemacht. Man kann die ja gar nicht alle gesehen haben. Zu jedem Shakespeare-Stück gibt es einen Film von ihm.
Johannes Franke: Ich dachte, du meinst jetzt die Machado About Nothing-Verfilmung.
Florian Bayer: Nee, die hab ich auch nicht gesehen. Aber der hat ja auch Hamlet gemacht. Der hat alles gemacht. Keine Ahnung.
Johannes Franke: Total krass.
Florian Bayer: Ich glaube, jedes Shakespeare-Stück wurde irgendwann mal von Kenneth für Film umgesetzt. Und er setzt sich immer in eine komische Hauptrolle. Und bei Much To Do About Nothing hat er tatsächlich auch erkannt, was die eigentliche Hauptrolle ist. in die Rolle von dem einen aus der Side Story, aus der B-Story, so hast du sie damals genannt.
Johannes Franke: Benedikt. Benedikt und Beatrice. Genau. Beatrice.
Florian Bayer: Welches Stück spielst du von Shakespeare?
Johannes Franke: Ich spiele jetzt gerade die Komödie der Irrungen, Comedy of Errors, aber in einer eigenen Übersetzung des Intendanten des Hauses. Die heißt dann Komödie der Irrtümer, wo mich dann immer versuchen alle zu berichtigen. Das ist doch die Komödie der Irrungen. habe die kleinen, so kleine Rollen wie den Polizisten, der bei Shakespeare ja... traditionell der Doofe ist, was ich ganz großartig finde. Ich finde es auch super, dass ich das machen darf. Was ich fast noch besser finde, dass ich das machen darf, ist Methusa. Das ist eine Prostituierte. Und des Weiteren noch einen... der dort sozusagen den Druck auf die Hauptfiguren erhöht, einfach nur. Also es ist so eine Funktionsfigur. Die eigentliche Geschichte, wenn ich das kurz umreißen soll, es handelt sich um zwei Zwillinge. Also vier Menschen, zwei Zwillingspärchen. Die sind jeweils Herr und Diener. Und wurden als Kinder getrennt und wissen deswegen voneinander nicht so richtig. Sie wissen, dass es den anderen gibt, aber sie... Der eine macht sich auf die Suche, um den anderen zu finden, ohne dass der eine das weiß natürlich. Dann kommt er in diese Stadt. Und wird dort von allen immer begrüßt. Und ach, guck mal hier, sie wollten doch hier diese Kleider. Er versteht das als, man schenkt ihm Gold und man schenkt ihm Kleider und man begrüßt ihn und dankt ihm für seine Höflichkeit, wird gesagt an einer Stelle. Und er weiß überhaupt nicht, was los ist. Warum? Und dann schickt er seinen Diener auch noch los. Und dann kommt der Diener des Anderen... der so aussieht wie sein Diener und mit ihm verwechselt er ihn halt auch. Das heißt, es gibt eine Rundum-Verwechslungskomödie. Zwischen zwei Herren, die gleich aussehen und zwei Dienern, die gleich aussehen. Und da sind ja alle Konstellationen mathematisch gesehen, der mit dem, der mit dem, der mit dem und der mit dem. Und dann auch noch die Frau des einen, den anderen verdächtigt, untreu zu sein, aber den Falschen erwischt mit ihrer Tirade. der überhaupt gar keine Ahnung hat, wer sie ist und solche Sachen.
Florian Bayer: Okay, das klingt nach klassischer Shakespeare-Komödie.
Johannes Franke: Absolut klassisch Shakespeare, eines seiner früheren Stücke und ich finde auch nicht unbedingt eines seiner besten. bestdurchdachten Komödien, aber tatsächlich, wenn man das gut inszeniert und ich finde, der Regisseur hat das ganz gut hingekriegt, funktioniert das ganz wunderbar. Also wir haben ein bisschen gebraucht, um auch selber das Stück zu verstehen. Und man hat auch gemerkt, in den ersten... Vorstellungen, die wir gespielt haben, haben wir auch noch ein bisschen gesucht nach den Momenten, sodass das Publikum noch nicht immer alles verstanden hat und Genauso wenig wie wir. Und dann in der zweiten Woche, in der wir gespielt haben, haben wir das Stück dann auch verstanden. Und damit das Publikum auch. Und es ist immer erstaunlich zu sehen, wie wichtig es ist, dass der Schauspieler versteht, was er da sagt.
Florian Bayer: Ja, total.
Johannes Franke: Und also man möchte ja meinen, wenn man Text liest, naja, der Zuschauer, der eine versteht es, der andere versteht es nicht. Aber sobald der Erste, der es vermittelt, nämlich der Schauspieler, nicht ganz versteht, was er da sagt, kommt es einfach nicht an beim Publikum. Ja, spannend. Es ist wirklich eine schöne Sache gerade.
Florian Bayer: Konstituierte spielst du so richtig klassisch Shakespeare mit Cross-Dressing?
Johannes Franke: Jaja, das ist mit Cross-Dressing. Ich habe eine Perücke auf und dann habe ich aber es geschafft, davon zu überzeugen, dass ich die Perücke... an einem bestimmten Punkt abnehme. Und dann sozusagen mit diesem Geschlechterding einmal... Dadurch nochmal spiele.
Florian Bayer: Ach, schön.
Johannes Franke: Dann gehe ich einfach nochmal Shakespeare typisch ins Publikum und flirte mit den Leuten. Ach, nicht. hab ein bisschen Spaß und so.
Florian Bayer: Oh, richtig improvisieren dann auch?
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Also textlich improvisieren ist schwierig bei Shakespeare. Ja. Aber zumindest Interaktion zu improvisieren ist ja sehr gewünscht für Shakespeare immer.
Florian Bayer: Und du spielst das in Berlin, ne?
Johannes Franke: Und ich spiele das in Berlin, genau. Im Globe Berlin, nach dem Vorbild des Globe in London. Es steht noch nicht, deswegen nicht wundern, wenn ihr die Episode hört und denkt, ich muss da unbedingt hin. Vielleicht spielen wir schon gar nicht mehr, weil wir am 1. August die letzte Sommer-Aufführung davon haben, aber im September nochmal zweimal spielen am gleichen Tag. Wir schließen sozusagen die Sommersaison im September einmal mit diesem Stück. Und wer weiß, vielleicht wird es im nächsten Jahr wieder aufgenommen oder auch nicht. Das wissen wir noch nicht.
Florian Bayer: Aber tatsächlich, wenn ihr im September noch mal spielt, dann dürfte diese Episode, die wir jetzt gerade aufnehmen, vorher veröffentlicht werden. Das heißt ... Leute, wenn ihr Interesse habt, schaut es euch an. Globe in Berlin. Shakespeare, wenn ihr das eingebt, dann findet ihr es wahrscheinlich, oder?
Johannes Franke: Ja, ja, genau. Die Adresse ist auch recht einfach. globe.berlin
Florian Bayer: Perfekt. Und wie viel Publikum passt rein?
Johannes Franke: dürfen wir bis zu 150, 160 oder 170 oder sowas Leute reinlassen. Es könnten tatsächlich auch 200 bis 250 Leute reinpassen, aber das ist jetzt gerade mit Corona.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Noch ein bisschen ein Problem.
Florian Bayer: Das wird im Herbst wahrscheinlich eher ein größeres Problem wieder sein. Genau. Nehme ich auch an.
Johannes Franke: Und das Globe an sich steht leider noch nicht, also die baubehördlichen Sachen sind noch nicht erledigt, aber es gibt eine improvisierte Sommerbühne, die... auch ganz spannend, um das Publikum drumherum gebaut ist. Eine O-förmige Bühne um Publikum drumherum. Das heißt, man dreht sich immer... Du musst sich viel bewegen? Man muss sich als Zuschauer viel bewegen. Hinten, vorne, an der Seite passiert überall was.
Florian Bayer: Und gibt es so richtig miese Plätze dann, wo man... irgendwie wirklich sich dehnen muss und strecken, weil man die Hälfte nicht sieht, weil irgendein Requisit den Blick auf die wichtige Szene verbirgt?
Johannes Franke: Nein, es ist sehr demokratisch. Jeder Platz ist genauso beschissen und genauso gut, je nachdem, an welcher Szene man gerade teilnimmt.
Florian Bayer: Und dann liegt ja bestimmt viele Laufmeter zurück während des Spiels.
Johannes Franke: Ja, es ist viel Weg. Das ist aber sehr spannend.
Florian Bayer: Und so eine Rampengröße dann, also sehr zweidimensional, die Bahnen, auf denen ihr euch bewegt. Oder habt ihr schon ein bisschen Tiefe im Raum?
Johannes Franke: Wir haben ein kleines bisschen Tiefe im Raum, aber das ... Es fällt nicht ins Gewicht, das ist nicht wesentlich. Wesentlich ist wirklich dieses Rund, was wir dann bespielen nach und nach.
Florian Bayer: Ich habe mal eine Aufführung von Shakespeare gesehen beim Berliner Ensemble. Ich glaube, es war Macbeth. Ich bin mir aber nicht ganz sicher. Es könnte auch King Lear gewesen sein. Auf jeden Fall war es eine Tragödie. Und da hatten sie den Vorhang zu und sie hatten wirklich nur vorne so eine ganz eine rampe auf der bühne und das war wirklich also es gab überhaupt keine tiefe im raum wirklich auf dem zweidimensionalen Steg bewegt. Wow. Und es war halt auch Berliner Ensemble typisch sehr minimalistisch. Ich glaube, es waren so die Das, was so die Verachter des minimalistischen Theaters hassen, halt so ganz einfache Schwarz-Weiß-Kostüme. Und baf. Fuß, ich weiß es nicht mehr genau.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und so sehr, keine Requisiten quasi.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Aber es war ganz spannend, weil es halt dieser, weil durch die fehlende Tiefe war das ganz interessant, wie die Schauspielerinnen dann den Raum nutzen und wie sie wie sie das machen mit dem wenigen Raum, den sie zur Verfügung haben. Und auf so einer Rampe, auf der man so viel sich bewegt, auf so einer O-Form. Das stelle ich mir auch ganz interessant vor. Da ist das wahrscheinlich auch so, weil du bewegst dich halt anders als auf einer Bühne, wo es Tiefe gibt, wo es einen vorne und einen hinten gibt.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Weil es klar ist, du bewegst dich immer dicht am Publikum.
Johannes Franke: Ja, naja, das O ist relativ groß. Also wie gesagt, wenn dann in einem Raum, wo 250 Leute reinpassen, nur 150 oder 100 Leute drin sind. dann hat man schon auch noch Entfernung zum Publikum. Aber ich wünsche es mir eigentlich anders. Aber das ist halt jetzt gerade mit Corona und ansonsten ist es ganz gut besucht. Also wir freuen uns da sehr. dass die Leute das dankbar, sehr dankbar annehmen.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, jeder sehnt sich danach, wieder sowas zu haben. Also ich habe das jetzt auch gemerkt im Urlaub, dass es... Einfach toll ist mal wieder so diese Kleinigkeiten. Freibad, himmlisch.
Johannes Franke: Ja, ja, ja.
Florian Bayer: Soziale Beziehungen. Schrecklich. Ich habe es auch komplett verlernt. Ich kann mich überhaupt nicht mehr in sozialen Gefügen bewegen, wenn ich mehr als zwei Menschen treffe. Bin ich total überfordert.
Johannes Franke: Wie äußert sich das Quantcomputer? So ungefähr. Okay. Hast du denn in letzter Zeit irgendwas, wenn du die Frage schon stellst, irgendwas gesehen, wo du sagen würdest, oh, das war spannend? Wenn du mehr Zeit hattest zum Gucken als ich.
Florian Bayer: Ich habe tatsächlich ganz schrecklich Filme angefangen und nicht zu Ende geguckt.
Johannes Franke: Okay. Das macht man aber nicht. Filme anfangen? Also ich meine Serien anfangen und nicht zu Ende gucken. Okay, aber Filme?
Florian Bayer: Ich habe... jeweils, also das ist so ein typisches Sommerding bei mir, glaube ich, dass ich dann so abends nochmal denke, ach, ich kann ja nochmal reingucken und dann mache ich den Film halt doch nach einer Zeit aus. Bei einem mit dem festen Vorsatz, ihn fertig zu gucken, weil er wirklich gut war, spannend war. Bei dem anderen mit dem Vorsatz so, wahrscheinlich will ich den nicht unbedingt fertig gucken.
Johannes Franke: Welche Filme denn?
Florian Bayer: Das eine ist, und das ist schon wieder ein Spoiler für das, was ich dir nächste Woche geben werde. Das ist nicht der Film, den ich dir nächste Woche Aber es ist ein Biopic über Gene Sieberg. Against All Enemies heißt der Film.
Johannes Franke: Aha.
Florian Bayer: und zwar, beziehungsweise im Deutschen heißt er Against All Enemies, im Original heißt er einfach nur Sea-Bag. Und zwar war Jean Seeberg eine amerikanische Schauspielerin, die ... sich dann in den 60ern, nachdem sie so ein bisschen zum Liebling der Nouvelle Vague wurde, sehr stark politisch engagiert hat, und zwar für die Black Power und Black Panther- Und dann vom FBI überwacht wurde und quasi so als einer der Feinde ausgemacht wurde, weil sie halt mit vermeintlichen Terroristen zusammengearbeitet hat. Und sie hat ihre Popularität benutzt. um eine Öffentlichkeit zu machen, eben für die Bürgerrechtsbewegung, eine Öffentlichkeit für die herzustellen. Und Deren Leben wurde, also diese Episode aus ihrem Leben, wurde vor kurzem erst verfilmt, im Jahr 2019. Und mit Kristen Stewart als Gene Seaberg.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und ich bin immer gerne ... Ich verteidige sie immer gerne, Kristen Stewart, falls euch der Name was sagt. Das ist die vor allem bekannt aus den Twilight-Filmen. Leider Gottes.
Johannes Franke: Die völlig mimikfreie, aber ist sie da besser, ja?
Florian Bayer: Sie ist in sehr vielen Filmen besser. Tatsächlich gehört das eher zu den Filmen Ich hab sie schon besser gesehen als in diesem Film. Sie spielt das gut, sie spielt das überzeugend, man merkt, sie versucht irgendwie die ... Sie versucht so gut, sie es kann, Gene Sieberg zu imitieren. Und ihr gelingt das auch ganz gut, aber ich habe sie auch schon spannender gesehen und variantenreicher. Man muss dazu sagen, sie hatte in Twilight echt nicht viel Stoff. Diese Protagonistin in Twilight ist halt auch irgendwie ziemlich blass und ziemlich ... ziemlich geistlos, seelenlos. Wenn man sie in anderen Filmen sieht, wo sie spannendere Charaktere hat, Es gab vor allem einen Mystery... So einen Mystery-Drama... Das hieß Personal Shopper. Und französischer Finders hat sie vor ein paar Jahren gespielt. Da war sie richtig gut. Da hatte sie einfach eine Figur, die ein bisschen mehr Fleisch hatte, die ein bisschen mehr ... mehr Spannung hatte.
Johannes Franke: Aber man sagt auch, viele Schauspieler oder viele Leute, die an Twilight beteiligt waren, haben gesagt, dass es auch einfach schwer war, in diesem Projekt auch irgendwie zu glänzen. Also es war einfach für alle irgendwie schwierig und wahrscheinlich ist es auch wirklich unfair, an diesem Projekt auch nur irgendjemanden zu messen.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Und Kristen Stewart hat auch sehr viel Hass abgekriegt. Und sie ist ja zum Meme geworden, dieses Spiel mit dem offenen Mund, halb offenen Mund. Ja. diesem Blick, der irgendwie gar nichts sagt. Sie ist wirklich eine gute Schauspielerin. Sie hat ein gewisses Arsenal. Aber wenn sie sich in dem bewegt, dann spielt sie wirklich gut. Und als Gene Seaberg fand ich sie überzeugend. Das heißt, diesen Film will ich auf jeden Fall noch fertig gucken. Der zweite Film, den ich angefangen habe, ganz, ganz frischer Film. Und ich bin noch so ein bisschen hin- und hergerissen, weil die Idee eigentlich ganz cool ist, ist auf Amazon gerade rausgekommen, The Tomorrow War. Ein Film aus dem Jahr 2021. Und zwar ein großes Blockbuster-Science-Fiction-Action-Spektakel mit Chris Pratt in der Hauptrolle.
Johannes Franke: Das Ding, ja, ich habe es mitbekommen. Er hat es ja rauf und runter beworben bei irgendwelchen Late-Night-Talkern in den USA.
Florian Bayer: Das wäre schlecht.
Johannes Franke: Der sieht schon so schlecht aus. Also das Plakat sagt ja schon eigentlich einige.
Florian Bayer: Also der Plot ist erstmal interessant grundsätzlich. In der Gegenwart in unserer Zeit landen Soldaten aus der Zukunft und sagen, Leute, die Menschheit ist total im Arsch. In 30 Jahren landen hier Aliens und die machen den Planet fertig. Wir haben so viele Leute verloren. Wir brauchen unbedingt neue Soldaten und Soldatinnen. Wir wollen euch rekrutieren. Kommt mit uns in die Zukunft und helft uns gegen die Insekten-Aliens zu kämpfen. Und dann werden einfach so Leute halt rekrutiert und zwar wirklich auch so zwangsrekrutiert, Und in die Zukunft geschickt. Und nicht nur Leute mit soldatischer Ausbildung, sondern ganz normale Zivilisten. Trifft allerdings nicht auf unseren Protagonisten zu, der von Chris Pratt gespielt wird. Der ist so ein bisschen eine Mischung aus Arnold Schwarzenegger und Stephen Hawking. Rollstuhl. Er ist ein genialer Wissenschaftler, der Soldat war. Im Irak gekämpft hat. Okay. Ein aufopferungsvoller Vater. Er ist so... Alles. Und dadurch ist es so eine klasse Figur. Und der reißt dann halt in die Zukunft und kämpft gegen die Aliens. Und dann habe ich es irgendwann ausgemacht. Oh mein Gott. Also der Film hakt an allen Ecken und Enden. Das ist so ein bisschen, sie haben versucht so Starship Troopers zu imitieren mit so Insekten-Aliens. Okay. Allerdings haben nicht... Es ist offensichtlich, wollten sie eine gewisse Altersfreigabe hinkriegen, deswegen fließt gar kein Blut praktisch. Das ist auch kein richtiger Kriegsfilm, sondern eher ein Actionfilm. Mit Science-Fiction-Komponente, die bis jetzt aber auch eher so nur dafür da ist, um 1000 Plotholes zu sehen. Du guckst in die ganze Zeit und denkst, nee, das geht doch so nicht. Nein, das macht keinen Sinn. Oh nee, Leute, echt jetzt? Ah, das soll eure Erklärung für das Zeitreisen sein, hört auf.
Johannes Franke: Aber ist das nicht irgendwie auch so ein vergangenes Genre inzwischen? Eigentlich dachte ich, dass die Zeit langsam vorbei ist, dass man so... so sinnlos Action, einfach nur Krieg, Zukunftskrieg, Science-Fiction-Krieg.
Florian Bayer: Ich glaube, das wurde ganz gut überdeckt durch die Marvel-Filme. Blockbuster-Kino war in den letzten zehn Jahren immer Marvel-Kino oder Star Wars. aber auf jeden Fall Disney. Und das sollte offensichtlich der Sommer-Blockbuster werden. Es ist aber echt kein guter Film. Das Einzige, was ich ganz witzig finde, man kann diesen Film, wenn man mag, als Allegorie auf den Klimawandel lesen. Die Leute aus der Zukunft, unsere Enkel kommen und sagen, ihr müsst uns helfen, die Zukunft zu retten. Und es wird zumindest ab und zu mal so die Frage getroppt, ähm ... Warum machen wir das überhaupt? Wir sollten doch an uns denken. Und dann sagen die Jüngeren, aber hey, nein, die Welt geht zugrunde. Ihr müsst das jetzt für eure Enkel tun. Also mit viel Goodwill kann man sagen, hey, es ist eigentlich eine ganz nette Parabe und es ist eigentlich ganz süß, dass ... die Menschen heute sich dafür einsetzen müssen, dass die Welt auch in 50 Jahren noch steht. Aber das reicht nicht, um daraus einen guten Film zu machen. Und ich gehe davon aus, dass ich den auch nochmal irgendwann fertig gucken werde, wenn ich mich langweile. Das ist kein guter Film. Wirklich nicht. Naja gut.
Johannes Franke: Plur.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Es ist die große Wir lernen Plur kennen Episode.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Ich habe ein Questionnaire nach dem Vorbild von Stephen Colbert. Colbert-Questionnaire.
Florian Bayer: Oh nein, nicht sowas. Okay, klar. Ich habe tausendmal geschrieben, wir wollen kein autobiografisches Nackig machen, sondern wir wollen über Filme und Musik reden. Wir wollen die Zuschauer nicht mit unserer Autobiografie langheilen.
Johannes Franke: Aber die Zuschauer haben bis jetzt noch keine Chance gehabt zu wissen, Wer ist dieser Mensch? Was will er vom Leben? Was ist seine Lieblingsfarbe? Also, Blödsinsfragen.
Florian Bayer: Dann leg mal los. Ich bin für alles bereit.
Johannes Franke: Also die von ganz klassischen zu etwas elaboriert.
Florian Bayer: Aber du musst dann auch antworten, ja?
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Nachdem ich geantwortet habe.
Johannes Franke: Nein, die sind nur für dich. Erstmal so die ganz klassischen Sachen. Katze oder Hund? Katze.
Florian Bayer: Ganz klar.
Johannes Franke: Okay. Gibt es eine Begründung?
Florian Bayer: Ja, ein Hund ist ... Hunde haben zu wenig eigenen Willen, sind zu anhänglich. Aber ich mag auch Hunde tatsächlich, aber wenn ich die Wahl hätte, auf jeden Fall eine Katze.
Johannes Franke: Rolling Stones oder The Beatles? Beatles. Wer uns zugehört hat, wusstet die Antwort schon. Star Trek oder Star Wars?
Florian Bayer: Star Wars. Star Trek ist mir immer ein bisschen zu glatt und zu utopisch. Die Utopie von Star Trek ist natürlich schön, aber ... Eine etwas dreckigere Welt eignet sich besser für fantastische Science-Fiction-Geschichten.
Johannes Franke: Okay, Marvel oder DC? Uff.
Florian Bayer: Das ist ein schwerer. Dark Horse. Reden wir über Filme oder über Comics?
Johannes Franke: Wir reden über Filme.
Florian Bayer: Über Filme. Ah, über Filme. DC. Was? Jetzt habe ich dich überrascht. Marvel hat in der Masse mehr gute Filme.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber DC hat die besseren Filme. Nein. Wenn du eine Top-Liste der Superheldenfilme machst, stehen oben DC-Filme.
Johannes Franke: Welche?
Florian Bayer: Dark Knight.
Johannes Franke: Batmans Rückkehr? Aber sie hat lange nicht den Humor, den Marvel hat und den ich wichtig finde für Superhero.
Florian Bayer: Ich weiß nicht.
Johannes Franke: Weil du brauchst eine ironische Überhörung, wenn du Superhelden einführst.
Florian Bayer: Marvel hat uns alle übersättigt. Und deswegen sind sie jetzt selbst schuld daran, dass sie auf Platz 2 rutschen.
Johannes Franke: Okay. Na gut, okay, deine dämlichste selbstverschuldete Verletzung in deinem Leben.
Florian Bayer: Als ich sieben, acht, neun Jahre alt war, so um den Dreh, habe ich mit meiner Schwester im Wohnzimmer gespielt. Der Boden besteht aus Lava. Und dann sind wir auf den Sessen rumgehüpft. Okay.
Johannes Franke: Ich ahne es.
Florian Bayer: Und wir hatten einen sehr schönen Couch-Tisch. Die schönsten. Couchtische haben die eckigsten Kanten.
Johannes Franke: Oh nein.
Florian Bayer: Und dann bin ich im Sprung runtergefallen und bin mit der Lippe aufgeschlagen. Meine Eltern waren nicht zu Hause, das kommt noch dazu.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Und das hat richtig ordentlich geblutet.
Johannes Franke: Scheiße.
Florian Bayer: Und dann habe ich mir eine Packung Taschentücher genommen und drauf gedrückt. Dann habe ich die, also noch dämlicher als die Verletzung war das, was ich dann nachgemacht habe. Und die abgezogen und dann was mit Taschenbüchern natürlich passiert. Dann hing das geflattert an der Lippe. Und dann habe ich noch irgendwas anderes draufgedrückt. Das musste genäht werden. Ich hatte dann immer eine Spinne auf der Lippe sitzen. Das sah wirklich witzig aus. Krass. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stiche es waren. Es waren vier oder fünf Stiche. Und die Naht Es sah aus wie eine Spinne, von der so die Beine abgeht. Das waren die Fäden, die halt irgendwie so, keine Ahnung, wie der Arzt das gemacht hat.
Johannes Franke: Okay, cool, cool. Nicht schlecht. Na gut, wenn wir bei Kindern sind, was wolltest du, bevor du ein Kind bekommen hast, schon immer deinem Kind beibringen oder mit ihm machen und dann hast du jetzt als Pferde festgestellt... Oh, das lasse ich lieber.
Florian Bayer: Das ist auch eine gute Frage. Mit brennenden Fackeln jongliert. Ich wollte ja immer, dass mein Kind ein bisschen weniger grobmotorisch ist als ich.
Johannes Franke: Da hast du keinen Einfluss drauf.
Florian Bayer: Und dann habe ich irgendwann festgestellt, ich glaube, ich bin genauso grobmotorisch, weil meine Eltern das auch wollten und mich total damit genervt haben. Und jedes Mal, wenn ich jetzt versuche, mein Kind so zu etwas feinmotorischen Arbeiten zu überreden und dann merke, wie das Kind genervt ist und dann sage, ach komm, lass mich mal machen und dann bin ich auch genervt. Dann sitzen wir beide da und stellen fest, dass wir einfach keine Finger haben, um solche Arbeiten zu machen.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und dann denke ich, nee. Vielleicht sollte ich das einfach lassen.
Johannes Franke: Ja, okay. Okay, gut.
Florian Bayer: Feinmotorik wird überbewertet. Was ist das sinnloseste Produkt, was du besitzt? das sinnloseste Produkt, das ich besitze? Ja, das ist eine gute Frage.
Johannes Franke: Lass dir Zeit, wir können schneiden.
Florian Bayer: Ja, okay. Lass mich kurz überlegen, das sinnlose Produkt, das ich besitze. Hollywoodstars sind so viel besser in der Beantwortung für solche Fragen. Meine Nudelmaschine.
Johannes Franke: Deine Nudelmaschine?
Florian Bayer: Ich habe mir zu meinem Geburtstag vor zwei, drei Jahren... Eine Nudelmaschine gewünscht, weil ich so gerne Nudeln selbst machen wollte und weil ich das so geil fand. Und ich wollte natürlich eine richtig klassische mit Handkurbeln.
Johannes Franke: Geil. Und wie oft hast du das gemacht?
Florian Bayer: Zweimal.
Johannes Franke: Oh, wow.
Florian Bayer: Ich habe zweimal damit Spaghetti gemacht. Vielleicht dreimal? Ich weiß es nicht. Und es hat keinen Spaß gemacht.
Johannes Franke: Wenn du in der Phase deines Midlife-Crisis Nummer zwei oder sowas, weiß ich nicht genau, wie weit die erste schon fortgeschritten ist, Dann kommt das nochmal. Das ist ein Revival.
Florian Bayer: Das könnte sein, aber ich glaube, wenn ich das nächste Mal eine Nudelmaschine anfasse, sollte es eine sein, die elektronisch funktioniert.
Johannes Franke: Okay. Ist ein Faultier dein Spirit Animal und warum ist es das definitiv?
Florian Bayer: Definitiv, ja. Nein, ich bin ... Ich prokrastiniere tatsächlich gerne. Ich bin auch jemand, der ... Was ganz fatal ist, beim Prokrastinieren kein schlechtes Gewissen hat.
Johannes Franke: Oh nein, auch das noch.
Florian Bayer: Eher so danach. Wenn ich es eine Woche durchgezogen habe, dann kriege ich langsam ein schlechtes Gewissen. Und ich lasse es tatsächlich gerne gemütlich angehen. Liege gerne auf der Couch und mache irgendwelche sinnlosen Sachen wie Schachübertragungen auf YouTube zu gucken, die Stunden dauern.
Johannes Franke: Die ich auch schon mitgucken durfte. Okay, ich kürze mal zusammen. Beschreibe den Rest deines Lebens in fünf Worten. Mäste. Eine Zigarette weniger wäre besser. Sehr schön. Die besten fünf Worte, die einen Rest des Lebens zusammenfassen, die ich mir hätte vorstellen können. Sehr schön. Vielen Dank, Plor. Dass du dich diesem Fragebogen, diesem zertifizierten Franke-Fragebogen... Und jetzt wissen wir nicht, worüber wir reden sollen.
Florian Bayer: Ich lese mal vor. Eine Otto-Retrospektive halte ich für eine gute Idee. Mein Otto-Filmwissen reicht allerdings nur über seine ersten vier Kinofilme. Wie weit reicht denn dein Otto-Wissen?
Johannes Franke: Mein Otto-Wissen... Ja, ich hatte neulich die Idee, weil jetzt kommt ja der Otto-Film Catweasel raus und ich fand den Trailer erstmal ein bisschen peinlich und dann habe ich aber gedacht... Ja, es könnte schon auch irgendwie cool werden und Otto ist irgendwie in den letzten Jahren wieder besser geworden und zwischendurch hat er ja so eine ganz tiefe, ganz schlimme Phase gehabt, die ich ganz komisch fand. Und mein Film-Fanwissen geht auch nicht über die ersten Filme hinaus, die ersten vier oder so. Und Ich glaube, die anderen habe ich trotzdem alle irgendwie gesehen. War aber zum Beispiel von den sieben Zwergen oder sowas gar nicht begeistert. Außer von vom weisen Helge.
Florian Bayer: Stimmt, den gab es da auch in dem Film.
Johannes Franke: Warum hat er das getan? Ja.
Florian Bayer: Und magst du Ottos Humor noch?
Johannes Franke: Ich glaube, es ist schwer zu sagen, ob ich ihn noch mag, weil ich einfach jetzt in die Phase komme, in der einfach die Nostalgie zuschlägt. Wenn man einfach drauf guckt und sich freut.
Florian Bayer: Ach ja.
Johannes Franke: Zwischendurch war die Nostalgie noch nicht da und da war es peinlich. Ich fand Otto zwischendurch echt peinlich, weil er es nicht geschafft hat, sich zu entwickeln, sondern es war immer noch das Gleiche. Und jetzt ist es immer noch irgendwie das Gleiche auf eine Art? Aber irgendwie ist er cooler geworden wieder.
Florian Bayer: Bei Otto ist es v.a. cool, dass er immer noch was macht. Keine Ahnung, wie viele hundert Jahre alt ist. Aber ja, die Witze, ich kann über die Witze nicht mehr lachen. Auch über die alten Witze nicht mehr. Ach so. Also zum einen kenne ich die Pointen von 90% der Witze.
Johannes Franke: Ja gut, ja.
Florian Bayer: Und von den anderen zehn Prozent sind sie halt auch relativ leicht zu erahnen. Das Problem ist bei Otto, Otto ist so eine sehr spezifische Form von Humor. Und wenn man ein paar von seinen Witzen gehört hat ... Kann man bei den anderen die Pointen schon so ein bisschen voraussehen?
Johannes Franke: Ja, das würde ich nicht sagen. Das würde ich nicht sagen. Ich fand ihn immer doch durchaus auch überraschend. Aber natürlich ist er irgendwie in einer bestimmten Line. Man kommt da aus einer bestimmten Schiene nicht raus. Ja, das ist sehr flach. Aber ich mag ja flachen Humor durchaus. Also die ganz alten Filme, die haben so ein paar Probleme.
Florian Bayer: Auch rassistischer Natur. Ja. Wäre aber ein spannendes Thema, die Frage, wie unter der Film, wie rassistisch das ist und wie antirassistisch das ist, was diese Szene gibt. reden von der gleichen Szene. Ihr kennt die Szene wahrscheinlich auch alle. Jeder, der mit Otto groß geworden ist, kennt das. Diese Szene, wo er mit dem GI den als Sklaven verkauft und dann, wo sie dann gemeinsam Geld damit machen.
Johannes Franke: Also die ist total antirassistisch eigentlich, aber es ist natürlich trotzdem schwierig.
Florian Bayer: Naja, es werden halt rassistische Stereotype schon reproduziert. Durch den Humor, der sich eigentlich über den Rassismus lustig macht. So gut gemeint, aber ...
Johannes Franke: Genau. Ja, wie bei Mel Brooks, der das ja auch viel macht. Also es ist schon... schwierig und kritisch, aber ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, saß ich als Kind davor und habe... moralisch gewonnen durch diesen Film, durch auch diese Szenen.
Florian Bayer: Ich glaube, so weit würde ich nicht gehen. Ich glaube nicht, dass Otto viel zu meinem moralischen Kompass beigetragen hat.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, wann du ihn gesehen hast. Ich als Kind halt in einer Zeit, wo ich noch nicht, wo ich meinen moralischen Kompass erst mal entwickeln musste.
Florian Bayer: Ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr. Ich weiß nicht mehr, wie ich das damals als Zuschauer rezipiert habe. Dafür ist das zu lange her und ich habe das auch zu oft gesehen. Otto der Film und Otto der neue Film, lustigerweise, der ja eher so zu den Mittelmäßigeren gezählt wird, die kenne ich wirklich auswendig und vor allem. Otto, der neue Film ist wahrscheinlich der, den ich am meisten gesehen habe, weil das irgendwie gerade so in die Phase gefallen ist, wo ich sowas geguckt habe.
Johannes Franke: Ja, ja.
Florian Bayer: Jetzt muss ich einmal kurz googeln, wann Otto der neue Film rauskam. Das ist der, wo er 1987 war ja im Kino.
Johannes Franke: Nach Amerika geht oder was ist das?
Florian Bayer: Nee, Otto, der neue Film ist der, wo er mit diesem ... Da wohnt er in einem Mietshaus. Der Vermieter hasst ihn und ... zwingt ihn dann zu kleinen Arbeiten, weil er seine Miete nicht zahlen kann. Und dann kommt dieser Filmstar, der ... Amboss. So ein Schwarzenegger-Verschnitt. Und die Frau, die Love Interest von Otto... die ganz schrecklich ist. Gabi Trösel. Was für ein Name. Gabi Trösel. Die steht halt total auf diesen Action-Helden und deswegen versucht Otto sie irgendwie zu beeindrucken, indem er ... diese Schiene fährt und dann auch, glaube ich, irgendwie ... Ah, er ist dann später, durch so eine Verwechslung, ist er als Therapeut von dem Actionhelden zuständig und macht ihn zum Otto.
Johannes Franke: Ja, stimmt.
Florian Bayer: Und dann kommt der in diesem klassischen Otto-Habitus auf die Bühne. Ja.
Johannes Franke: Schön. Ja, ich kann gar nicht mehr sagen, welche Otto-Filme jetzt besser oder schlechter waren. Ich habe einfach ein riesiges Mischmasch im Kopf. Ich freue mich einfach drüber. Deswegen, die sind auch alle so ähnlich.
Florian Bayer: Das ist halt immer der gleiche Humor. Und die wird sie dann ja auch von seinem Bühnenprogramm wieder fallen. Auf der Bühne fand ich Otto toll. Als junger Erwachsener habe ich Otto mehrmals auf der Bühne gesehen, fand ihn immer witzig.
Johannes Franke: ich meinen Plattenspieler gekauft habe jetzt vor einer Weile, vor einem Jahr oder so was oder anderthalb Jahren, weil ich einfach gedacht habe, ich bin Hipster, ich bin cool, ich brauche einen Plattenspieler.
Florian Bayer: Wie viele Platten hast du dann?
Johannes Franke: Ich weiß nicht genau, irgendwie 20 oder 25. Eine der ersten Platten, die ich mir gekauft habe, war eine Otto-Platte.
Florian Bayer: Yay!
Johannes Franke: Das musste sein und das ist aus seinen Programmen und die fand ich wirklich einfach, also ganz frühe Programme. Die sind einfach großartig. Ich finde, er hat so eine geile Hyperaktivität auf der Bühne und mit seinem Zeug. Und das war, als er noch in einem Alter war, wo das auch ganz super funktioniert hat, mit seinem Charme zusammenging. Was später ein bisschen seltsam wurde. Aber das ist eine goldene Zeit von ihm. Und er hat so eine ganz... geile Fernsehserie gemacht, wo auch viel Schund dabei war, aber auch ganz viele tolle Sachen. Harry Hirsch und diese ganzen Einspieler, super.
Florian Bayer: Es gab doch von Otto in den 90ern nochmal so eine Serie, wo er sich in alte Edgar-Wallis-Filme reingeschnitten hat. Das war ganz toll. Also das war auch kreativ wirklich super. Das weiß ich gar nicht mehr. Edgar, das war natürlich alles inspiriert, auch so von diesem Film, Trot tragen keine Karos. Über den hatten wir schon mal geredet, wo alte Filme reingeschnitten wurden. Mhm. Und er hat das auch gemacht mit den Edgar-Wallace-Filmen. Das heißt, er läuft im Schwarz-Weiß-Setting rum und dann werden halt Filme reingeschnitten, wo er sich mit Klaus Kinski als gruseliger Butler unterhält. Ja, der hatte schon immer gute Ideen. Ja. Otto, ja.
Johannes Franke: Also ich habe voll Lust, einfach diese ganzen Otto-Filme nochmal zu gucken, da nochmal Retrospekt drauf zu gucken und die Entwicklung so ein bisschen zu sehen. Oder ob es gar keine Entwicklung gibt, sondern nur irgendwie die Filmtechnik ist besser geworden. Aber Otto ist genau gleich geblieben.
Florian Bayer: Was die Hyperaktivität angeht, erinnere ich mich an eine Sache, die war wirklich super. Stefan Raab, 90er, Stefan Raab... War vielleicht schon zu TV-Totalzeiten, will Otto interviewen. Und Otto macht den klein. Das ist so toll, weil Stefan Raph, der war ja wirklich, der hatte das ja drauf, den Leuten zu gehen und sie wirklich so zu ärgern und zu necken, dass er das komplett dominiert hat. Und bei Otto hatte er keine Chance, weil Otto hat einfach so sein Hyperaktivprogramm abgezogen.
Johannes Franke: Geil.
Florian Bayer: Und du siehst wirklich einen ratlosen Stefan Raab, der merkt, dass er an die Wand gespielt wird.
Johannes Franke: Oh, ist das cool. Oh, das ist super. Sternstunde der Fernsehgeschichte. War das so ein Rabigramm, so ein Versuch einer Okulelen?
Florian Bayer: Möglicherweise? Vielleicht war es ein Versuch, ich weiß es nicht mehr so genau. Auf jeden Fall, das, was er machen will, dazu kommt er nicht so richtig, weil Otto sein Mikrofon frisst.
Johannes Franke: Schön.
Florian Bayer: Und ich habe sehr viel Respekt für Stefan Raab, um das dazu zu sagen.
Johannes Franke: Ja, ja, ich auch, absolut.
Florian Bayer: Der hat viel gemacht fürs deutsche Fernsehen, als alle dachten, so, jetzt ist der Gottschalk weg, jetzt ... oder beziehungsweise jetzt Marc Gottschalk ist langweilig geworden, jetzt kommt nix mehr, da hat Stefan Raab noch einmal Wahrscheinlich der letzte große Entertainer des deutschen Fernsehens, weil jetzt ist es einfach, jetzt existiert das nicht mehr so diese Samstagsabends Unterhaltung, wo alle mitgucken wollen.
Johannes Franke: Aber ich weiß nicht, ob Stefan Raab, naja, der hat das mit Schlag den Raab und so weiter gemacht.
Florian Bayer: Wir waren dann zu alt, um das so als Kinder mitzuerleben, aber die Familien, die haben das halt auch... dann so geguckt, wie wir damals Wetten, dass? geguckt haben. Wenn du das so geguckt hast.
Johannes Franke: Ja, ja, ich hab Wetten, dass? Ja, klar, aber ... Nee, ich schlag den Rack ab, hab ich vielleicht eine oder zwei Episoden gesehen, das war's.
Florian Bayer: Okay.
Johannes Franke: Ich hab halt seine Late Night Show ab und zu mal ein bisschen gesehen. TV Total. TV Total, aber die war auch am Ende, es sah sehr gelangweilt aus, muss ich sagen. Ja.
Florian Bayer: Es war auch am Schluss nur noch ein Vehikel, um seine Sondersendungen zu verkaufen.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber dafür hatte er wirklich witzige Ideen für ... coole Formate. Also so mit dem Wok-Rennen hat das ja angefangen.
Johannes Franke: Stimmt, oh mein Gott.
Florian Bayer: Und dann, also alleine auf die Idee zu kommen, mit Woks ... die Bobbahn runterzufahren. Und dann hat er ja wirklich krasse Leute dafür gekriegt. Da hat er ja so eine Mischung aus Promis und auch teilweise Spitzensportler. Er hatte irgendeinen... einen deutschen Bob-Fahrer dabei.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Einen großen. Ich weiß nicht mehr, wer es war.
Johannes Franke: Ich weiß nicht, keine Ahnung.
Florian Bayer: Und dann dieses Schlag den Raab. Das hat er ja überall hin verkauft dann nachher. Das Ding ist auch in anderen Ländern gelaufen. So, WOK, Weltmeisterschaft 2003. Hm. Schade, jetzt finde ich es gerade nicht, wen er da dabei hatte. Und er hat auch Turmspringen gemacht und sowas. Also er hatte... Ja, dann wirklich seine Crew, die normalen Leute, die halt eigentlich gar keine Ahnung von dem Sport haben, die haben dann wirklich trainiert, um krass beim Turmspring-Event. Georg Hackel, so hieß der Sportler, den er dabei hatte.
Johannes Franke: Ja, ich habe halt nie so richtig das, was da so rauskam, wie Elton und Pocher. Das waren so zwei Gestalten, die ich einfach nicht verstanden habe.
Florian Bayer: Aber Pocher war nicht in der Rab-Bubble, der hatte sein eigenes Ding. Ich glaube, der hat nie mit Raab zusammengearbeitet.
Johannes Franke: Der war ja bei Harald Schmidt zwischendurch, was ich nie verstanden habe. Aber so richtig. Ah, krass, Mann. Ja, deutsches Fernsehen. Sind wir jetzt in einem deutschen Fernsehen? In Elton?
Florian Bayer: Ich war ja bei meinen Eltern im Urlaub jetzt und Elton ist jetzt Dauergast bei diesen ganzen Regionalsender-Quizshows.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Es gibt ja ein ganz eigenes Genre im deutschen Fernsehen. Quizshows, witzige Quizshows auf Regionalsendern mit B-Promis. Und da ist Elton einer davon. Den sieht man da ständig. Also ich hab den zwei, dreimal, ich hab den... nie so oft gesehen. Also seit Jahren nicht mehr im Fernsehen gesehen. Und jetzt meine Eltern gucken halt regelmäßig diese... Albernen Quizshows, wo irgendwie irgendwas witzig geraten werden muss oder so.
Johannes Franke: Ach, du meinst aber schon größere Produktionen, nicht so wie bei Bibel TV oder so.
Florian Bayer: Nein, nein, nein, Regionalsender, also MDR, WDR, Südwestrundfunk, keine Ahnung, halt diese Sender. Und die haben dann so Quizshows. Und da ist dann ein Promi und ein Zuschauer oder eine Zuschauerin. Und die arbeiten zusammen. Und auf der anderen Seite gibt es natürlich auch wieder einen Promi. Dann gibt's lustige Quizfragen oder irgendwelche Aufgaben. alles so nicht, keine große Budget-Sachen, aber halt so ÖR-Quiz-Show-Budget.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und moderiert von Kai Pflaume. Glaube ich. Kai Pflaume moderiert 50% dieser Shows und Elton ist 50% Gast.
Johannes Franke: Und Jörg Pilawa. Jörg Pilawa, genau.
Florian Bayer: Und wenn meine Eltern das nicht gucken, dann gucken sie Bares für Rares.
Johannes Franke: Ach du Scheiße.
Florian Bayer: Und zwar ohne Ende.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Florian Bayer: Und das war das letzte Mal schon, als ich bei denen war. Oh, ist das anstrengend. Kennst du das?
Johannes Franke: Ich habe noch nie was davon gesehen. Ich weiß nur, dass das Konzept so ein bisschen, aber irgendwie...
Florian Bayer: Das Ding läuft auf allen Regionalsendern und die können sich quasi die Uhr danach umstellen. Die gucken das auf dem WDR, Und dann ist es vorbei und dann wissen sie, in einer halben Stunde fängt es dann auf dem BR an oder so. Und dann zappen sie sich von Bares für Rares zu Bares für Rares.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Das ist total absurd. Dieses Ding läuft so gut. Das ist so erfolgreich.
Johannes Franke: Aber wieso?
Florian Bayer: Ach, ich kann's dir nicht sagen. Es ist halt so ein bisschen so eine Mischung aus Reality-Show, Reality-Soap, weil die Leute, die da hinkommen, werden... werden halt so quatschen halt und versuchen dann was zu verkaufen, das heißt so ein bisschen Löwen-Style, aber ganz harmlos und ganz nett alles. Und dann, ich glaube, es befriedigt so einen Wunschtraum. Ich könnte ja auf meinem Speicher auch was haben, was 20.000 Euro wert ist.
Johannes Franke: Ja, klar.
Florian Bayer: Und die Freude darüber, wenn halt jemand so mit was kommt und sagt, ja, dieses Gemälde hängt schon seit Jahren bei meiner Tante und jetzt wollte ich es endlich mal weghauen und dann sagen die, ach ja, das ist ein Rembrandt. Aber so krass ist es natürlich nicht. Aber es werden schon teilweise, um das kurz zusammenzufassen für Leute, die das nicht kennen, das Konzept der Sendung ist ... Es ist eine Börse für Ramsch. Und die Leute bringen ihren Ramsch dahin, der wird dann von dem Moderator zusammen mit einem Experten begutachtet. Der Experte gibt eine Expertise und sagt, naja, das ist so und so viel wert, das kommt aus der Epoche. Und dann gehen sie in den Verkaufsraum, wo verschiedene Leute sitzen, so vier oder fünf, aus dem Bereich Unternehmen und Kultur, aber auch die die mit sowas was anfangen können. Da ist einer dabei, der offensichtlich ein Unternehmen hat, das an Filmsets Requisiten verkauft. Und dann ist nur eine Schmuckhändlerin dabei. So Zeug halt. Und dann kommen die da hin und dann wird eine Auktion gemacht. Dann versuchen sie das loszuwerden und die überbieten sich im besten Fall gegenseitig die...
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und verkaufen sie es.
Johannes Franke: Ich hatte nur mal gelesen, dass mal wieder, wie das im deutschen Fernsehen halt so ist und wahrscheinlich auch überall auf der Welt. Wenn so ein Konzept gefahren wird, dann wird das gefahren, weil man eben, was du sagst, dass man das Gefühl gibt, oh, jeden Moment könnte mal wieder... ein Gemälde, von dem man dachte, es ist nichts wert, richtig viel wert sein. Deswegen gucken es alle. Und dann wird das ab und zu einfach forciert. Obwohl das Ding nichts wert ist, wird dann einfach gesagt, komm, bei dem bieten wir jetzt richtig viel Geld, damit wir das Gefühl haben, dass das ab und zu passiert.
Florian Bayer: Ja, das kann ich mir vorstellen. Das ist relativ ehrlich, die Sendung. Und es besteht natürlich auch ... Es hat natürlich auch den Unterhaltungsfaktor, dass Leute dann mit so krassen Broschen kommen und sagen, ey, der war Wahnsinn. Und dann guckt die drauf und sagt, naja, das ist Glas, das ist kein Edelstein, das ist Glas, das ist angemalt. Und dann ist es halt so, die Brosche, wo sie dachten, sie kriegen Tausender dafür, ist halt auch nur so 100 wert. Aber ja, natürlich ist es das, dass so die Träume und die picken sich ja natürlich auch Leute raus, die suchen wahrscheinlich auch aktiv danach. Man merkt das auch, das ist so sehr cringe-worthy. Du hast dieses Haus, wo die reinkommen und Dann hast du halt immer einen Gast, der das bringt. Und dann zeigen sie aber andere Leute. Und das sind so offensichtlich Statisten. Da stellen sie halt Schauspieler hin und geben denen eine alte Lampe in die Hand. Damit die aussehen, als ob die eine Schlange bilden würden. Damit man das Gefühl hat, da werden ganz viele Sachen hingebracht.
Johannes Franke: Oh Gott.
Florian Bayer: Und dann stehen die da so mit diesen Sachen in der Hand und du siehst direkt, dass es gestellt ist, dass Statisten sind, dass da niemand wartet, sondern dass die einfach noch ein Bild brauchen von... Leben. Ja, es ist tatsächlich... Also ich würde mir das nicht angucken, wenn es nicht meine Eltern gucken würden, aber es gibt Schlimmeres im Fernsehen. Es war wirklich okay. Eine merkwürdige Sendung und irgendwie, ich verstehe auch nicht so 100 Prozent, warum es so abgeht, aber Offensichtlich gucken das sehr viele Menschen sehr oft.
Johannes Franke: Gut, na ja. Ja, man will gar nicht so sehr ... Über das Herzchen, was da passiert im Fernsehen. Wir hatten das ja schon bei der Rosamunde Pilcher Folge so ein bisschen angeschnitten. Es gibt ja für alles und jedes Format irgendwie eine Rechtfertigung. Und auch irgendwie ein Publikum und auch irgendwie wirklich... Leute, die das erreicht und die das für sich, für die das wichtig ist und dann ist das auch in Ordnung und dann soll das auch existieren. Es ist halt nur für mich so ein bisschen, naja.
Florian Bayer: Es ist halt purer Eskapismus. Es geht einfach nur um Berieselung.
Johannes Franke: Ja. Das ist aber auch das Spannungsfeld, in dem ich mich manchmal bewege, wenn ich am Set sitze. Dass ich manchmal denke, also wenn ich zum Beispiel irgendwo bei einer Soko oder sowas am Set sitze... Und dann überlege, es gibt wirklich Publikum dafür und es ist auch gut und wichtig, Und es gibt auch den besten Grund aller Zeiten, dass es existiert, nämlich, dass ich Spaß habe. Und Geld verdiene? Ja, noch nicht mal das. Ich hasse ja Geld.
Florian Bayer: Die kleinste Geige der Welt.
Johannes Franke: Aber ich bin wahnsinnig gerne am Set von Soko und Co. und mache das wahnsinnig gerne. Aber manchmal sitzt man schon da und fragt sich, Ist das das Rädchen im Getriebe, das die Welt voranbringt oder ist es das eher nicht? Was will ich als Mensch? also nicht mal als Schauspieler, sondern das will ich als Mensch voranbringen. Und wo will ich hin? Und was will ich unterstützen? Und dann sitzt man eben bei der Soko am Set und denkt sich, das ist ein schönes Feld, aber es ist vielleicht nicht genug. Vielleicht will ich mehr mit meinem Leben machen und mehr schaffen. Und dann bin ich ganz froh, dass ich zum Beispiel eben mit Steffi, mit Stefanie Tritzinski, die hat eine Firma gegründet, eine gemeinnützige Firma. Kopf, Hand und Fuß und macht jetzt ganz viele Projekte mit neuen Medien, Bildungsprojekte für Menschen mit Behinderungen. Und ohne Behinderungen, weil im besten Sinne ist es inklusiv und für alle. Aber sie hat sich halt dieses Feld ausgesucht, um eben Inklusion in der Gesellschaft nach vorne zu bringen. Und die hat uns ja vor, wie lange ist das her?
Florian Bayer: Zehn Jahre.
Johannes Franke: Über zehn Jahre. Hat sie uns mal angesprochen, beziehungsweise du hattest mich noch mit dazu geholt.
Florian Bayer: Das ging über Andreas Kostrau. Mit dem hatte ich damals einen Film gemacht. Und zwar war ich bei einem ... Hatte ich damals so ein Praktikum slash Workshop, neue Fernsehen, neue Denken. Vom Ausbildungsfernsehen, vom RBB, die Medienakademie Berlin-Brandenburg... Und da habe ich Kurzfilme gemacht zum Thema Stille. Und da habe ich dann Andreas Kostrau gefragt, ob der mitmachen will, weil er ist ... Er unterrichtet Gebärdensprache oder hat es damals gelehrt an der Humboldt-Universität. Dann hat er mich mit ... Er hat mich mit Steffi bekannt gemacht und die hat Leute gesucht und dann habe ich Johannes mit reingeholt. Das war der Reiseführer Berlin in Gebärdensprache.
Johannes Franke: Na, erstmal hatten wir den Gebärdensong-Workshop.
Florian Bayer: War das unser erstes Projekt?
Johannes Franke: Ja, ich glaube, das war unser erstes Projekt.
Florian Bayer: Ich dachte, wir hätten zuerst diesen Reiseführer gemacht.
Johannes Franke: Echt, ja?
Florian Bayer: Ich bin mir auch nicht sicher. Ja, erzähl mal von dem Gebärdensaugen-Workshop. Das war nämlich wirklich schön. Das war eine wirklich tolle Geschichte und eine tolle Sache.
Johannes Franke: Und das haben wir noch ein paar Jahre gemacht. Gebärdensong-Workshop ist genau das, wonach es klingt. Gebärdensprache, die ja nun von Gehörlosen gesprochen wird, in Verbindung mit Songs, was erstmal eine Mischung ist, die man sich nicht vorstellen kann. wenn man nicht weiß, wie das Konzept funktioniert. Das Konzept funktioniert so, es gibt einen Kinderliedermacher, in unserem Fall war es Rolf Zukowski. Der hat ein Lied mitgebracht. Und auf der anderen Seite gibt es einen Haufen Kinder. die im besten Fall gehörlos oder eben schwerhörig sind und deren erste Sprache oder zweite Sprache, je nachdem, die Gebärdensprache ist. Und dann haben die das Lied von Rolf Zukowski in Gebärdensprache einstudiert. Dann kam Rolf Zukowski und dann haben alle zusammen in Gebärdensprache und in Lautsprache dieses Lied performt. Und das ist so ein emotionaler Moment gewesen, als das zusammenkam. Oh mein Gott.
Florian Bayer: Das war so schön.
Johannes Franke: Und leuchtende Kinderaugen, die in Gebärdensprache einen Song von Rolf Zukowski irgendwie performen. Und das war... Der Wahnsinn. Und das war so der Anstoß, dass ich, du bist ja dann zu Schnee gegangen. Und ich bin bei Steffi hängen geblieben und sie hat mich dann für alle möglichen Projekte eingespannt, die irgendwie.
Florian Bayer: Vor allem für diesen Coworking Space jetzt auch zuletzt, ne?
Johannes Franke: Ja, also Stiffi hat vor ein paar Jahren diesen Coworking Space aufgemacht, der einfach... Sie vermietet wie jeder normale Club-Wirking-Space Schreibtische an Leute, die arbeiten wollen, die einen Arbeitsplatz brauchen, so zeitweise. Aber eben mit dem Hintergedanken, es ist ein Coworking Space für alle Menschen mit allen Ausgangslagen. Also du hast Menschen da, die sind kleinwüchsig und die haben genau die gleichen Möglichkeiten dort zu arbeiten wie ein Mensch im Rollstuhl oder ein Geflüchteter Mensch oder... Also alle Ausgangslagen, die es so gibt. Auch Menschen, die... wie ich mich immer als weißer, privilegierter Mann sehe, ich könnte da auch genauso arbeiten und hätte genauso... einen Mehrwert, den ich in anderen Bereichen da nicht hätte. weil dort eben alle möglichen verschiedenen Bereiche zusammenkommen. Du hast ja sowieso wenn du ein Coworking Space hast, lernst du im besten Falle noch ein paar Leute kennen, die da arbeiten und hast irgendwie Ein Mehrwert dadurch, dass du mit einem Grafiker da drin sitzt und einem Videomenschen und dann kannst du schnelle... kurze Wege. Ach, ich habe hier ein Webseitenprojekt, brauch dafür ein Video, kannst du mir helfen. Und in dem Fall ist es besonders spannend, Weil eben du auch über Inklusion so wahnsinnig viel lernst und über die anderen Menschen, die da arbeiten. Das ist ganz toll. Und Steffi macht ganz viele solche Projekte.
Florian Bayer: Ja, die macht super Projekte. Wir haben ja diesen Reiseführer in Gebärdensprach gemacht mit Andrea. Das war auch eine tolle Idee, diese Alphabetisierungs-App, die sie gemacht hat.
Johannes Franke: Genau, Irmgard heißt die. Und das Projekt würde jetzt noch viel größer. Das heißt jetzt Wortschatz und Irmgard ist ein kleines Teilprojekt.
Florian Bayer: Ach cool. Zum Thema Gebärdensprache, um nochmal kurz zurückzugehen. Eine, die das damals mitgemacht hat, die bei diesem bei diesen Workshops, bei diesen Gebärdensong-Workshops immer dabei war, ist wirklich auch groß durch die Decke gegangen. Das ist Laura M. Schwengbar.
Johannes Franke: Genau.
Florian Bayer: Die hat da quasi angefangen damit. Da war sie noch echt jung. Ich meine, das war vor zehn Jahren. Ja. Und die ist dann auf Tour gegangen mit diversen Musikern und Musikerinnen mit den Wise Guys, mit Annenmay Kantereit, Peter Maffei, Max Mutzke, Revolverheld. und hat live auf der Bühne in Gebärdensprache übersetzt, während die Musik gemacht haben. Das heißt, wenn ihr sie googelt, Findet ihr ganz viele Videos, in denen wirklich toll gezeigt wird, wie mit Gebärdensprache, Musik ... gezeigt werden kann, Musik dargestellt werden kann.
Johannes Franke: Wobei das in der Gehörlosen-Szene nicht kritiklos funktioniert. losgegangen ist, weil sie aus der hörenden Szene kommt und auch Wege gewählt hat, die nicht jedem Gehörlosen so gefallen, weil die Gehörlosen-Szene auch eine sehr stolze Kultur ist. Und dann hätten sie es lieber gehabt, aus der gehörlosen Welt jemanden zu haben, der dort andockt. Also sozusagen nicht... nicht den Weg des Hörenden in die Gehörlosenwelt, sondern sie hätten es gern andersrum gehabt, um den Dialog noch ein bisschen stärker zu haben. zumindest ein Teil von denen. Ich kenne so diese Szene, die so ein bisschen kritisch damit umgeht. Es gibt aber auch genug die sehr dankbar dafür sind, dass das so passiert, wie es passiert ist. Es gibt da mehrere Lager.
Florian Bayer: Das ist auch wirklich ein spannendes Thema. Also ich kann das total erst nachvollziehen. Ich glaube, das ist ein ganz, ganz großes Feld und es ist wirklich schwer, das so zu beackern. Ich finde, es ist zum Beispiel auch so eine... Diskussion, die aufkommt, wenn gesagt wird, was ist kulturelle Aneignung, wenn zum Beispiel gesagt wird, sollten weißer Rasterlocken tragen. Weil das für ihn ... Oder Dreadlocks. Weil das für ihn was ganz anderes ist, als wenn das ein Schwarzer tut. Weil er ...
Johannes Franke: Das ist ein besonders schwieriges Beispiel, ehrlich gesagt.
Florian Bayer: Ich finde, ja, es gibt... so viele schwierige Beispiele dabei, finde ich. Und ich finde es auch unglaublich schwer, mich da zu positionieren, weil ich kann nachvollziehen, die Position zu sagen, hey, da wird wirklich einfach was Vielen Dank. Übernommen von Leuten, die eigentlich nicht zu der Kultur gehören. Aber andererseits denke ich natürlich auch, Segregation sollte ja nicht das Ziel sein, weil es ist ja wichtig, dass... Kulturen zusammenwachsen. Und das ist eigentlich was sehr erstrebenswertes.
Johannes Franke: Ja, Kultur entsteht ja auch vor allem dadurch, dass voneinander entlehnt wird.
Florian Bayer: Dass voneinander gelernt wird, genau. Ich kann verstehen, wenn gesagt wird, na ja, es wirkt so, als müsste die Hörende kommen und uns ... um unserer Kultur mehr Öffentlichkeit zu geben. Und sie macht das aus der Perspektive einer Hörenden. Das ist problematisch.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Aber man kann natürlich auch dem den Twist geben, dass die Hörende viel von der Kultur lernt dadurch, dass sie es macht, dass sie natürlich gewinnt. Wenn man das gar nicht klein machen muss, sie nutzt die Kultur ja nicht aus, sondern sie gewinnt von der Kultur.
Johannes Franke: Ja, ich glaube aber so eine Diskussion, wenn man die wirklich führen möchte, dann müsste man wirklich mit entsprechend betroffenen Menschen reden. Und nicht nur so über, weißt du? Und deswegen, ich glaube, wenn wir da jetzt einen großen Bogen schlagen würden, dann das wäre zu weit.
Florian Bayer: Definitiv.
Johannes Franke: Aber auf jeden Fall, was der eigentliche Bogen war, wenn man als Schauspieler am Set sitzt ... wünscht man sich manchmal etwas mehr Bedeutung für den Fortschritt dieser Gesellschaft. Auch wenn natürlich die Soko tatsächlich, und das will ich überhaupt nicht kleinreden, wichtig ist für ganz viele Menschen, die es gucken. Und für die das ein wichtiger Lebensinhalt ist und für die es auch ein wichtiges Teilhaber an der Gesellschaft ist. Ich habe aber immer den Eindruck, dass es für mich, wenn ich nur am Set sitzen würde, das wäre mir zu wenig. Und deswegen bin ich sehr dankbar, dass Steffi mich immer wieder einbindet in solche Projekte, wo ich das Gefühl habe, wirklich etwas für die Gesellschaft und für das Weiterkommen dieser Gesellschaft zu tun. Das ist mal so eine Frage.
Florian Bayer: Wie bewegt man Kulturen? Ich glaube, es sind auch viele so diese kleinen Sachen. Also sowas wie bei Soko-Arbeiten ... gehört halt auch irgendwie dazu. Natürlich ist das nicht gleichzusetzen mit so eine Arbeit wie einen Gebärdensong-Workshop zu leiten oder zu organisieren oder sowas. Aber es sind ... Vielleicht bin ich da auch ein bisschen altersmilde geworden. Das sind auch so kleine Dinge, die die Kultur voranbringen. Und ich meine, ich frage mich bei meiner Arbeit auch oft. Wie ist der tiefere Wert davon? Wie bringt das die Kultur weiter?
Johannes Franke: Ich finde, du hast ja zum Beispiel auch wirklich einen Job, wo man sagt, okay, da wird was... konserviert und weitergetragen, was sonst irgendwie verloren würde. Du machst ja dieses Alexander Kluge Archiv.
Florian Bayer: Ja, das auf jeden Fall. das ist auch was, was unglaublich viel Spaß macht, wo ich auch das Gefühl habe, also wo ich wirklich auch emotional so ein bisschen dran hänge, wir arbeiten ja schon lange mit der DCTP zusammen. Die Fernseharbeiten von Alexander Kluge ... beziehungsweise Alexander Kluge hat die DCTP gegründet, um seine Fernseharbeiten zu machen.
Johannes Franke: Mhm.
Florian Bayer: Und das sind einfach mal 30 Jahre Fernsehgeschichte mittlerweile. 1988 hat er angefangen damit. Wurde das gegründet.
Johannes Franke: Wow.
Florian Bayer: Und das sind dann teilweise zwei Sendungen pro Woche produziert worden von ihm, Kultur Magazine.
Johannes Franke: Ja krass.
Florian Bayer: Mit einem riesigen Themenspektrum, also zwischen Wissenschaft und Kultur und teilweise auch so Gaga-Sachen mit Helge Schnurr. und Olli Schulz und Christoph Schlingensief. Und das ist ein riesiger Fund und wir haben es jetzt endlich geschafft, das alles zu digitalisieren und daraus ein Archiv zu bündeln und Wir haben das gerade und wir arbeiten damit. Und auf dctp.tv kann man sich ganz viele Sachen aus dem Archiv angucken. Wir haben noch nicht alle veröffentlicht. Tausend Sendungen.
Johannes Franke: Toll.
Florian Bayer: Und wir versuchen da auch noch mehr mitzumachen. Jetzt arbeiten wir auch gerade daran, dass wir da vielleicht noch ein Audioarchiv draus kriegen. Und das sind... ein total spannendes Projekt. Es ist wirklich Kulturgeschichte aus den 80ern bis heute. Weil Alexander Kluger hat ja wirklich alle interviewt. Wissenschaftlerinnen, Künstler, Dichter, ganz viele.
Johannes Franke: Ja, toll. Ja, das ist eben auch so ein Ding. Wenn du da sitzt und dich fragst, was mache ich da gerade, was bringe ich das voran, dann aber doch nicht bei dem Projekt, oder?
Florian Bayer: Nee, bei dem Projekt. Das ist ein tolles Projekt. Wir machen natürlich auch andere Sachen. Es gibt natürlich auch, wie bei jeder Arbeit, fallen auch mal so Kleinkramarbeiten an, wo du denkst, okay, das ist jetzt ... Ich bringe die Kultur nicht weiter, aber das ist das, was ich meine. Das ist trotzdem was, was dazugehört zu dem großen Ganzen. Wir könnten das nur machen, wenn wir nebenbei noch andere Projekte hätten, mit denen wir einfach Geld verdienen, die so ein bisschen technischer sind.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Ein bisschen weniger diesen kulturellen Schatz bergen. Aber das gehört dann natürlich dazu, weil du hast halt ... verschiedene Sachen gebündelt und dazu gehören die, die sehr viel wert sind aus einer kulturellen Perspektive, die aus einer kulturellen Perspektive vielleicht etwas weniger wert sind. Aber die allein wegen dem ökonomischen halt auch notwendig dafür sind, dass überhaupt das andere vorangehen kann. Und ohne Soko gäbe es halt auch keine Tagesschau.
Johannes Franke: Ja, das stimmt.
Florian Bayer: Es ist halt auch ein Teil von was Großem.
Johannes Franke: Ja, das stimmt. Absolut. Ja, und ich will auch gar nicht so sehr das Gefühl vermitteln, dass man irgendwie mit seinem Leben... den Superman machen muss. Weißt du, was ich meine? Also darum geht es gar nicht. Aber man versucht ja dann doch am Ende das zu machen, was man irgendwie kann und was irgendwie geht. Und ich muss zugeben, wenn Steffi nicht wäre, Ich glaube nicht, dass ich... Ich würde zum Beispiel nicht Carola folgen. Wie heißt sie? Carola, glaube ich, heißt sie, die auf die Seenotrettung macht und dort irgendwie... mit einem Schiff in der Gegend rumschippert und dann illegal irgendwo anlegt und sagt, ich gehe jetzt trotzdem hier ans Land. und sich dann durch die Instanzen klagt und am Ende zum Glück Recht bekommt. Das würde ich nicht schaffen. Und dann bin ich dankbar, dass es Steffi gibt, die mir diese Möglichkeit gibt, in meinem Rahmen das Beste zu tun, was mir möglich ist. Um die Gesellschaft voranzutreiben.
Florian Bayer: Carola muss ich vor allem an das Kinderbuch denken, was ich, die Hooligans gegen Satzbau waren das, glaube ich.
Johannes Franke: Was?
Florian Bayer: Die haben ein Kinderbuch gemacht, Captain Rakete. Ach, wo die tapfere Captain-Rakete die Kuscheltiere aus dem Meer rettet, die Gefahr laufen zu ertrinken. Und dann gibt es natürlich welche, die dagegen sind, aber sie will den Kuscheltieren trotzdem helfen und schafft es dann, die Kuscheltiere in die Wohnung zu bringen, habe ich meinem Kind gekauft. Das gehört zu den Gutmännchen-Literaturanschaffungen neben der Geschichte von Marlon Bando.
Johannes Franke: Ja, das habe ich auch, das Buch. Super. Sag mal, was ist Marlon Bando noch?
Florian Bayer: Ach, schön. Ich muss es kurz zusammenfassen. Ich muss es kurz für mich sortieren. Mike Pence ist dafür bekannt, dass er ein homophober Arsch ist.
Johannes Franke: Das hast du schön zusammengefasst.
Florian Bayer: Und Mike Pence' Frau... hat ein Kinderbuch geschrieben über deren Hasen. Die hatten im Weißen Haus einen Hasen. Und dann hat sich John Oliver ... Der Last Week Tonight macht einen der großen Late Night Hosts unserer Zeit.
Johannes Franke: Obwohl man Late Night gar nicht sagen kann, weil er kein Host ist in der Form, der irgendwelche Gäste oder sowas hat, Sondern inzwischen ist er ja wirklich nur noch auf Informationen vermitteln und Manchmal ist es auch gar nicht mehr so listig, weil es einfach so bitter ist, aber er ist wirklich wahnsinnig gut, also jedem nur ans Herz gelegt.
Florian Bayer: Dieser John Oliver hat dann auf jeden Fall ein Kinderbuch geschrieben, auch mit dem Hasen, mit Marlon Bando. Wo es darum geht, dass er sich in einen anderen Hasen verliebt und die böse Stinkewanze, die natürlich Mike Pence ist, sagt, ihr dürft nicht heiraten. Weil Jungs dürfen keine Jungs heiraten. Jungs dürfen nur Menschen heiraten. Und dann bewähren sich die Tiere alle dagegen, damit es zur Hochzeit von Marlon Bando und seinem Love Interest kommt. Ganz tolles Buch. Ganz toll, ja. Also, das ist schon zwei Jahre her, dass ich das Bela vorgelesen habe, aber er hat das auch geliebt. Er fand das richtig schön. Er hat sich immer gefreut, wenn die Stinkewanze ... abgewählt wird und sie einmal die Stinkewanze wegfeuern.
Johannes Franke: Toll. Das heißt, du hast eine deutsche Übersetzung?
Florian Bayer: Ich habe es meinem Kind vorgelesen. Ich habe die deutsche Übersetzung gelesen.
Johannes Franke: Ich habe gar nicht gewusst, dass es eine gibt. Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Und sie wählen nicht die Stinkewanze. Den Text kann ich wahrscheinlich sogar noch ziemlich gut. Den habe ich nämlich echt oft gelesen.
Johannes Franke: Schön. Toll. Ja, genau. So tun wir alle, was wir können, um ein bisschen voranzukommen.
Florian Bayer: Ich finde das irgendwie... Und wenn es es unserem Kind... Gute Nachtgeschichten vorzulesen.
Johannes Franke: Ja, genau. Wie sagte mein Vater, sagte mal zwischendurch, als es so sehr darum ging, als ich vor allem auch in einer Phase war, wo es darum ging. Großes zu erreichen im Leben und ich muss mit meinem Leben die crazysten Dinge machen, sagte er immer mal wieder. Du kannst doch einfach nur ein richtig guter Vater sein. Das ist auch gut. Ja, jetzt sind wir so ein bisschen abgeschweift.
Florian Bayer: Aber diese ganze Episode ist nur eine einzige Abschweifung. Abgeschwurfen, abgeschwurft?
Johannes Franke: Abgeschwoffen.
Florian Bayer: Abgeschwoffen.
Johannes Franke: Ja, abgeschwoffen ist das richtige Wort.
Florian Bayer: Mal schauen, was Google dazu sagt. Abgeschwoffen. Meinen Sie abgeschwiffen?
Johannes Franke: Google hat keine Ahnung.
Florian Bayer: Abgeschwiffen wäre der Richtige. Ich finde nichts zu abgeschwoffen. Doch, search instead for abgeschwoffen. Schon wieder abgeschwoffen, wo waren wir? Frankfurter Rundschau.
Johannes Franke: Siehste, in der Frankfurter Rundschau wird mein Begriff benutzt.
Florian Bayer: Und im Mechweltforum und bei Naruto-Fandom. Kennst du Naruto?
Johannes Franke: Nein.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist irgendeine Anime-Serie.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Ein Manga. Naruto.
Johannes Franke: Wollen wir so langsam ausfaden und uns einfach noch unterhalten und der wird immer leiser und wir verschwinden.
Florian Bayer: Das finde ich voll gut so als Ende für diese Episode.
Johannes Franke: Und dann haben wir noch so ein kleines Gespräch über Hasen und Naruto und über Abgeschwurfen.
Florian Bayer: Und dann müssen wir den Zuschauern auch nicht sagen, dass sie dranbleiben müssen, um zu erfahren, was es nächste Woche gibt. Wir machen einfach so wieder einen ... Dann gibt es so einen schönen Cut. Genau. leiser werden und dann sitzt einfach die Musik ein und die Leute wissen, jetzt ist es vorbei. Endlich ist diese Episode vorbei.
Johannes Franke: Und ich habe Plur und Johannes noch einmal besser kennengelernt. Beziehungsweise eigentlich die ganze Zeit nur weggehört und die Stimmen genossen. Das lief so im Hintergrund.
Florian Bayer: Das wäre ganz schön, beim Bügeln.
Johannes Franke: Beim Bügeln und beim Wäsche waschen.
Florian Bayer: Es muss auch diesen Content geben, den man beim Bügeln und Wäsche waschen hört.
Johannes Franke: Wir sind die Soko Stuttgart des Podcasts. Jetzt geht es so ein bisschen in die ASMR-Richtung.
Florian Bayer: Ihr werdet müde. Ihr seid ganz entspannt. Ihr wollt, dass diese Episode endlich aufhört.
Johannes Franke: Hören Sie. Plower, wir haben noch etwas zu klären.
Florian Bayer: Ja, endlich wieder Filme.
Johannes Franke: Wenn wir wieder Filme gucken in 20 Jahren. nachdem wir geklärt haben, wer wir sind und wenn ja, wie viele, dann können wir uns wieder über Filme unterhalten. Hast du denn schon was?
Florian Bayer: Ja. Den will ich dir schon ewig vorsetzen. Ich will endlich mal einen Nouvelle Vague-Film nehmen.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und ich liebe die französische Nouvelle Vague.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Und ... Ich dachte tatsächlich, ich nehme mal nicht den krassesten Film den Film, den ich am meisten mag, sondern einfach den, der so als einer der größten Klassiker dieser filmischen Bewegung gilt und zwar ist das Außeratem von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1960.
Johannes Franke: Aber warum ist das jetzt der Film, den du nicht, also was... Warum ist der jetzt nicht ganz oben auf der Liste?
Florian Bayer: Ich mag es ein bisschen experimenteller.
Johannes Franke: Ah, okay. Du willst mich nicht ganz so tief in die Scheiße retten.
Florian Bayer: Er ist ein Frühwerk von Godard und er ist nicht... Ich will tatsächlich mal wieder einen Film, den du magst. Eigentlich will ich ja nur gemocht werden. Ich will einen Film, wo du sagst, hey, danke, Bloor, danke, dass du mir gezeigt hast. Das waren keine verschwendeten 90 Minuten.
Johannes Franke: Also du willst nicht wie schon zu oft in Vergangenheit immer wieder böse Blicke ernten.
Florian Bayer: Genau. Ich will, dass du den Film siehst und das Gefühl hast, ja, ist vielleicht nicht mein Lieblingsfilm, aber war gut.
Johannes Franke: Okay, okay. Ja, dann schließe ich mich dem ein bisschen an. Dann machen wir eine Musche-Bubu-Folge. Was ist dein Mujububu-Film für mich? Von dem ich glaube, dass er dir wirklich gefallen wird. Und zwar Sunset Boulevard.
Florian Bayer: Danke, danke.
Johannes Franke: Aus dem Jahr 1950, ein Klassiker, der einfach sein muss, den jeder gesehen haben muss. Der von Billy Wilder eigentlich so eine Krimi-Geschichte ist. Wer was wie wo hat jemanden umgebracht? Aber das Wesentliche, woran man sich immer erinnert, wenn man zu diesem Film geht, geht es um einen... alternden, gealterten Silent Movie Star, eine Frau, die Immer noch der Illusion erlegen ist, noch ein berühmter, gefeierter Star zu sein, während aber diese Silent-Movie-Zeit längst vorbei ist. Und dann gibt es diese berühmte Szene, wie sie die Treppe runterkommt und sagt, ich bin jetzt bereit für meine Nahaufnahme.
Florian Bayer: Eine ganz, ganz ärgerliche Filmwissenslücke von mir, die ich unbedingt schließen muss. Ich bin dir so dankbar. Ich habe mir den Film tatsächlich schon... vor Wochen gekauft und wir hatten ein paar Mal drüber geredet und ich warte die ganze Zeit drauf, dass du ihn mir endlich vorschlägst. Habe ihn noch fest unter Verschluss, weil ich dachte, nee, ich gucke ihn erst, wenn Johannes ihn vorschlägt, damit ich gleich danach mit ihm drüber reden kann.
Johannes Franke: Vielen Dank, dass du ihn jetzt vorgeschlagen hast. Mir ist gleich, als ich nochmal gucken musste, von wann der ist, das Zitat, noch ein ganz wunderbares Zitat aus dem Film. sie sagen zu ihr, diesem alternden Star, you used to be big. Und Noma sagt... I am big. It's the pictures that got small.
Florian Bayer: Sehr schön. Ich freue mich drauf. 1950 Filmklassiker, toll. Wir haben ein richtiges Klassikerprogramm. Klassiker aus Frankreich, Klassiker aus Amerika.
Johannes Franke: Super, cool. Ja, dann haben wir einen Ausflug in den Klassiker und dann danach wieder Marvel oder so.
Florian Bayer: Ja, danach müssen wir mal so richtig aktuelle so Clickbait-Filme finden. wo die Leute den Titel lesen und denken, boah, da muss ich reinhören, was haben sie zu dem Film zu sagen.
Johannes Franke: Das könnten wir eigentlich bei jeder Episode machen und dann völlig was anderes reviewen.
Florian Bayer: mir mal Gedanken, was so der klickbaitigste Film sein könnte. So Fight Club wahrscheinlich, oder?
Johannes Franke: Matrix. Schickt uns gerne Vorschläge. Mal gucken, was es so im Klick geht.
Florian Bayer: Spams bitte an die E-Mail-Adresse johannes-at-mussmann-sehen.de oder florian-at-mussmann-sehen.de.
Johannes Franke: Und dann musst du aber auch an den Titel hinten dranhängen, was dann geschah, glaubt ihr nicht.
Florian Bayer: Bei Nummer 7 musste ich weinen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Florian Bayer: Bis zum nächsten Mal. Ciao.
