Episode 20: Melancholia, Happy New Year / Bollywood
Wie macht man einen Podcast, in dem sich zwei Leute über Filme streiten, noch besser? Ganz einfach, indem man daraus (wenn auch nur temporär) einen Podcast macht, in dem sich drei Leute über Filme streiten. Für unsere zwanzigste Jubiläumsfolge haben wir uns einen Gast eingeladen; Maja, mit der wir in der Vergangenheit so manchen Filmabend durchgerockt haben. Und wenn ihr glaubt, dass die Filmgeschmäcker von Johannes und Florian schon weit auseinander liegen, dann könnt ihr euch diese Woche auf einen wirklich epischen Schlagabtausch einstellen. Maja liebt eskapistische Filme, Filme die Spaß machen, Ablenkung und Freude bieten. Und was bietet schon mehr Eskapismus als ein gewaltiges, monumentales Bollywood-Musical? Richtig, für uns hat unser Gast einen Film mit Sharukh Khan im Gepäck, Happy New Year, die Bollywood-Version von Ocean’s 11 aus dem Jahr 2014. Und wie kann man die Sehgewohnheiten einer Freundin der cineastischen Leichtigkeit und des Eskapismus so richtig gut herausfordern? Richtig, mit einem schweren, symbolträchtigen und depressiven Werk: Melancholia von Lars von Trier aus dem Jahr 2011.
Es läuft auf eine große Schlacht hinaus: Gut gegen Böse, sprödes europäisch geprägtes Arthaus-Kino gegen vergnügter, publikumswirksamer indischer Blockbuster. Existenzialistischer Pathos gegen eskapistischen Kitsch. Sharukh Khans Bauchmuskeln gegen Lars von Triers Gehirnspeck.
Entsprechend episch sind auch unsere Toplisten: Wir schauen auf die Filme, mit denen wir unseren Gast wohl am meisten ärgern könnten. Wir sprechen über unsere liebsten Guilty Pleasures und Maja bringt als Gastgeschenk noch einen ganzen Blumenstrauß an Sharukh Khan Filmen und Bollywood-Musicals mit.
Melancholia [Lars von Trier]
(USA 2011)
Melancholia aus dem Jahr 2011 ist der zweite Film von Lars von Triers Depressionstrilogie, die er mit Antichrist 2009 begann und mit Nymphomaniac 2013 beendete. Mehr als sein Vorgängerfilm und mehr als sein Nachfolgerfilm widmet sich Melancholia voll und ganz der Traurigkeit des Menschen an und für sich. Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern Justine und Claire, gespielt von Kirsten Dunst und Charlotte Gainsbourg.
Justine, eine erfolgreiche Werbetexterin, heiratet in der ersten Filmhälfte bei einer prunkvollen Zeremonie den besten Freund ihres Chefs. Aber sie kann bei dieser ausgelassenen Feier nicht die Freude entwickeln, die alle von ihr erwarten. Sei es der soziale Druck, die Ignoranz der Außenwelt, die Verlogenheit ihrer Kollegen und Freunde… am Ende des Abends kommt es jedenfalls zum Eklat und Justine gibt alles auf, was sich ihr an diesem Abend dargeboten hat. In der Folge wohnt sie lebensmüde und verbittert auf dem üppigen Anwesen von Claire und ihrer Familie. Der vagabundierende Planet Melancholia nähert sich der Erde, Claire befürchtet, dass er alles, was sie liebt zerstören könnte, ihr Mann beruhigt sie: “Die Wissenschaftler haben berechnet, dass er vorbeifliegen wird”. Und Justine? Diese sehnt nicht nur den Weltuntergang herbei, sie weiß auch, dass er geschehen wird.
Melancholia ist ein pathetisches, schweres Mentalgemälde: Die Geschichte einer individuellen Traurigkeit, die alles in den Abgrund reißen kann, darf und muss. Lars von Trier kreuzt hier seinen holprigen Dogma 95 Naturalismus mit einer fast schon opernhaften, düsterromantischen Atmosphäre, haut daneben ein paar Spitzen gegen die Gesellschaft raus und lässt die Erde in elegischen Bildern zu Grunde gehen. Maja, wie war der Weltuntergang für dich?
Happy New Year, präsentiert von unserem Gast Maja [Farah Khan]
(Indien 2014)
Happy New Year im Deutschen mit dem Zusatz Herzensdiebe ist ein Red chillies entertainment Film aus dem Jahr 2014, produziert von Gauri Khan. Regie führte Farah Khan (die nicht mit dem Hauptdarsteller Sharukh Khan verwandt ist, der Name kommt in Indien einfach häufig vor). Der Film setzte mit einem Box Office von 7 Mio USD am Eröffnungstag einen neuen Rekord und ist bis heute einer der erfolgreichsten Bollywoodfilme. Also ist er richtig gut, richtig? Naja, die Kritiken waren eher gemischt und ich bin absolut darauf vorbereitet, dass ihr ihn gleich in der Luft zerfetzt. Mit einer 5,0 von 10 Sternen auf IMDB und 50% (Kritiker- wie Publikumswertung) auf Rotten Tomatoes ist Happy New Year in der Bewertung der Inbegriff von Mittelmäßigkeit. Aber worum geht’s überhaupt? Die Handlung scheint zu großen Teilen von Ocean’s 11 abgeschrieben zu sein, auch wenn der Austragungsort das Atlantis Hotel auf der Palm Jumeirah in Dubai ist und kein Casino in Las Vegas. Mit eingesprenkelt sind Slapstick und natürlich in guter Bollywood Manier ein Haufen Tanz- und Gesangsnummern. Und fertig ist das 3 stündige Heist-Musical. Einer meiner vielen Lieblingsfilme.
Charly, ein Schaukämpfer, ist der in Ungnade gefallene Sohn des Safebauers Manohar, der von einem Kunden vor acht Jahren übers Ohr gehauen wurde und darauf hin im Knast landete. Um sich an diesem Betrüger zu rächen sucht Charly ein Team aus „Spezialisten“ zusammen und plant einen Heist auf sechs unbezahlbare Diamanten. Aber die Sache hat einen Haken: um an die Steine heranzukommen muss das Team an der sogenannten Videocon Tanzweltmeisterschaft teilnehmen – und kein einziger von ihnen kann tanzen.
Auch wenn es für mich schwer vorstellbar ist, das irgendjemand noch nie von ihm gehört haben könnte: Sharukh Khan ist einer der größten Filmstars der Welt. Ihm wurden von einer Amerikanischen Zeitung (Time Magazin or News week) 3 1/2 Milliarden Fans unterstellt – also fast die Hälfte der Menschheit. In seiner fast 30 jährigen Karriere als Bollywoodschauspieler hat er über 80 Hindi Filme gedreht, und mehr Preise und Auszeichnungen angehäuft, als ich aufzählen kann. Vergleichbar vielleicht mit Tom Cruise oder Brat Pitt. Er wird auch als der „King of Bollywood“ bezeichnet, ist neben der Schauspielerei auch Produzent und zusammen mit seiner Frau Gauri Eigentümer der Produktionsfirma Red Chillies Entertainment, sowie Moderator im Fernsehen und auf der Bühne. Aber damit immer noch nicht genug: SRK setzt sich neben seiner Karriere auch als Philantrop ein, unter anderem für Gesundheitsversorgunung und Katastrophenhilfe, Schulbildung, Frauenrechte und Rechte für Kinder. Er wurde 2008 in Newsweek als eine der 50 einflussreichsten Personen der Welt benannt.
Transkript
Um den Zugang für Menschen mit Behinderungen zu erleichtern und um eine Volltextsuche nach Themen zu ermöglichen, haben wir beschlossen unsere Gespräche auch als Transkription zur Verfügung zu stellen.
Allerdings muss man dazu sagen, dass die heutigen Techniken automatisiert Transkriptionen herzustellen, doch immer wieder an ihre Grenzen stoßen und streckenweise unlesbare Texte hervorbringen. Eine händische Korrektur der Texte, ist ein Aufwand, der die Möglichkeiten dieses Podcasts bei weitem übersteigt. Trotz dieser Nachteile, überwiegen für uns die Vorteile einer (wenn auch fehlerhaften) Verschriftlichung.

Sie können das Transkript aktivieren und mitlesen, indem sie oben im Player auf dieses Symbol klicken.
: Podcast: Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Episode: Episode 20: Melancholia, Happy New Year / Bollywood Publishing Date: 2021-05-19T09:26:00+02:00 Podcast URL: https://podcast.mussmansehen.de Episode URL: https://podcast.mussmansehen.de/2021/05/19/episode-20-melancholia-happy-new-year-bollywood/
Florian Bayer: Johannes, du glaubst wirklich, die Welt braucht einen weiteren Podcast?
Johannes Franke: Nein, eigentlich nicht, aber ich...
Florian Bayer: Aber wenn wir einen Podcast machen zusammen, dann brauchen wir irgendwas Cooles, worüber wir reden können.
Johannes Franke: Wie wäre es mit Filmen? Du liebst Filme, ich liebe Filme, ist doch eine gute Idee.
Florian Bayer: Ja, aber wir lieben überhaupt nicht die gleichen Filme.
Johannes Franke: Ja, das könnte das Geile sein. Ich zeige dir Filme, die ich geil finde und du zeigst mir Filme, die du geil findest.
Florian Bayer: Das heißt so Musicals aus den 50ern?
Johannes Franke: Von mir, für dich, genau. Und koreanische Filme?
Florian Bayer: Mit russischen Untertiteln. Von mir, für dich.
Johannes Franke: Oh Gott, okay.
Florian Bayer: Aber du weißt, dass das für eine Menge Streit sorgen kann.
Johannes Franke: Definitiv. Das wird lustig. Hallo Plor.
Florian Bayer: Hallo Johannes.
Johannes Franke: Wieder eine Woche vorbei und wieder ein Muss-man-sehen-Podcast.
Florian Bayer: Wir reden über Filme.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Wir diskutieren über Filme und wir streiten über Filme.
Johannes Franke: Ja, und damit der Streit diesmal richtig abgeht. haben wir uns zur 20. Folge. Wir haben die 20. Folge. Jubiläum. Oh mein Gott. Haben wir einen Gast eingeladen und zwar eine sehr alte Freundin, mit der wir am Anfang, Anfang 20, wir waren Anfang 20, oder?
Florian Bayer: Ja, Mitte 20. Ich war Mitte 20, Maja war Anfang 20.
Johannes Franke: So weit auseinander seid ihr nicht. Haben wir dieses Konzept gefahren, was wir jetzt in dem Podcast fahren?
Florian Bayer: Wir haben uns gegenseitig Filme gezeigt in alten WG-Zeiten und haben danach drüber gestritten, nur ohne Mikros vor der Nase.
Johannes Franke: Und damit die Kombo wieder komplett ist, nicht ganz komplett, Katrin würde jetzt noch fehlen.
Florian Bayer: Ja, und Conny vielleicht auch noch.
Johannes Franke: Conny vielleicht auch noch, stimmt, genau. Aber um nicht zu viele Leute in meine Küche quetschen zu müssen, haben wir uns mal Maya eingeladen. Herzlich willkommen, Maya.
Maja: Was soll denn hier Alt heißen?
Johannes Franke: Du bist natürlich zehn Jahre jünger als Plur.
Maja: Aber mindestens.
Florian Bayer: Wenn die gemeinsamen Erinnerungen an Filmabende 15 Jahre her sind, dann kann man von alt sprechen.
Johannes Franke: Ja, leider.
Maja: Muss ja nicht gleich jeder wissen.
Johannes Franke: Ach, das Glückliche ist für dich, das ist ein Podcast, man sieht sich ja nicht.
Florian Bayer: Johannes, da kommst du nicht mehr raus.
Johannes Franke: Okay, man muss dazu sagen, Maya und ich haben dieses Bickering professionalisiert.
Maja: Könnte man so sagen, ja.
Florian Bayer: Herzlich willkommen, Maya. Magst du dich vorstellen für unser Publikum?
Johannes Franke: Nö. Wer machst du, was machst du mit deinem Leben und was ist der Sinn des Lebens?
Maja: Wie lange haben wir ihn?
Florian Bayer: Danke, Maja.
Johannes Franke: Wir kommen zum ersten Film... Maja ist Schauspielerin. Möchtest du es wenigstens mal ganz kurz erklären, warum du in einen Filmpodcast gehörst?
Maja: Ich spiele in Filmen, ich spreche für Filme und ich mag Filme.
Johannes Franke: Du magst Filme. Ist ja beeindruckend.
Maja: Ja, jetzt nicht alle, aber...
Johannes Franke: Offensichtlich nicht.
Florian Bayer: Wir hatten eigentlich davor so ein bisschen ausgehandelt, dass wir, eigentlich war der Plan, dass wir dem Gast den Vorrang geben. Genau. Das heißt, dass Maya zuerst ihren Film vorstellen darf und wir darüber diskutieren. Allerdings ist Maja mit einer solchen Wut angekommen über unseren Filmvorschlag.
Maja: Ja, Überraschung, oder? Melancholia, ihr habt sie ja wohl nicht mehr alle.
Johannes Franke: Wir haben das letzte Mal, letzte Woche haben wir nicht offengelegt, dass wir uns diesen Film ja im Grunde ausgesucht haben, um Maya zu ärgern.
Maja: Eindeutig. Die Lebenszeit kriege ich nie wieder.
Florian Bayer: Man muss dazu sagen, Maya hat einen sehr spezifischen Filmgeschmack. Ach, Quatsch. Der schließt so einiges aus, was total in meine Range an Filmen fällt.
Johannes Franke: Ja, definitiv. Wie würdest du deinen Filmgeschmack formulieren, Maja?
Maja: Äh, eskapistisch.
Johannes Franke: Im Sinne von, alles was dich an die Realität erinnert, ist scheiße.
Maja: Ziemlich. Also alles, was in Richtung Fantasy, Science Fiction oder anderweitig in Richtung geht, die völlig... Unrealistisch sind ist gut. Realismus muss jetzt nicht unbedingt sein. Historisch ist manchmal in Ordnung.
Johannes Franke: Historisch ist manchmal in Ordnung.
Maja: Es kommt drauf an, welche Epoche. Also ich hasse alles im 20. Jahrhundert. Sorry. Autsch.
Florian Bayer: Passend dazu hat uns Maya auch tatsächlich einen wirklich eskapistischen Film vorgeschlagen. Ein Bollywood-Musical.
Johannes Franke: Wir werden Bollywood schauen. Ich glaube, zu Bollywood musst du nicht ein Musical dazu sagen.
Maja: Das sind alles Musicals. Nein, es gibt auch welche, die keine Musiker haben.
Florian Bayer: Was? Ich bin so froh, dass wir eine Expertin da haben, weil das war tatsächlich der Film für diese Woche. Happy New Year aus dem Jahr 2014 war der erste Bollywood-Film, den ich komplett gesehen habe, habe ich vorher noch nie geschafft. Und ich bin tatsächlich, ganz ehrlich, ohne Sarkasmus, ich freue mich total drauf, von dir so ein bisschen in diese Genre eingeführt zu werden. Ja, genau.
Johannes Franke: Aber lass uns, wenn du es schon so willst, Maya, dass wir lieber deine Wut erst einmal loswerden. Auf Melancholia. Dann lass uns doch mit Melancholia einsteigen. Und Plor, du hast uns einen schönen Text geschrieben. Ja, einen Einführungstext.
Florian Bayer: Dieser Film hat eigentlich alles, was Maya mag. Fantasy, Science Fiction.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Es ist nicht besonders realistisch.
Johannes Franke: Ich hatte gehofft, dass es Maya gefallen würde.
Florian Bayer: Ich hatte tatsächlich so ein bisschen die Hoffnung, dass sie Teile mögen würde, aber wir werden sehen. Ich leg mal los. Melancholia aus dem Jahr 2011 ist der zweite Film von Lars von Triers Depressions-Trilogie. die er mit Antichrist 2009 begann und mit Nymphomaniak 2013 beendete. Mehr als sein Vorgängerfilm und mehr als sein Nachfolgerfilm widmet sich Melancholia voll und ganz der Traurigkeit des Menschen an und für sich. Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern Justine und Claire, gespielt von Kirsten Dunst und Charlotte Gensburg. Justine ist eine erfolgreiche Werbetexterin, heiratet in der ersten Filmhälfte bei einer prunkvollen Zeremonie den besten Freund ihres Chefs. Aber sie kann bei dieser ausgelassenen Feier nicht die Freude entwickeln, die alle von ihr erwarten. Sei es der soziale Druck, die Ignoranz der Außenwelt, die Verlogenheit ihrer Kollegen und Freunde, Am Ende des Abends kommt es jedenfalls zum Eklat und Justine gibt alles auf, was sich ihr an diesem Abend dargeboten hat. In der Folge wohnt sie lebensmüde und verbittert auf dem üppigen Anwesen von Claire und ihrer Familie. Der vagabundierende Planet Melancholia nähert sich der Erde. Claire befürchtet, dass er alles, was sie liebt, zerstören könnte. Ihr Mann beruhigt sie. Die Wissenschaftler haben berechnet, dass er vorbeifliegen wird. Und Justine? Diese sehnt sich nur den Weltuntergang herbei. Sie weiß auch, dass er geschehen wird. Melancholia ist ein pathetisches, schweres Mentalgemälde. Die Geschichte einer individuellen Traurigkeit, die alles in den Abgrund reißen kann, darf und muss. Lars von Trier kreuzt hier seinen holprigen Dogma 95 Naturalismus mit einer fast schon opernhaften düsterromantischen Atmosphäre. haut daneben ein paar Spitzen gegen die Gesellschaft raus und lässt die Erde in elegischen Bildern zugrunde gehen. Maya, wie war denn der Weltuntergang für dich?
Maja: Pathetisch, langweilig und zu lang.
Johannes Franke: Ja, so ein Planet braucht halt eine Weile.
Maja: Ja schon, aber dazwischen könnte man sich ja vielleicht mal unterhalten. Aber nein! Warum? Man kann sich ja auch blöd angucken, die ganze Zeit. In der Gegend rumstarren und rumleiden.
Florian Bayer: Das war kein Weltuntergang im Roland Emmerichs Sinne. Keine großen Explosionen.
Maja: Na doch, ganz am Ende.
Johannes Franke: Ja, eine, aber die sehen wir nicht mal richtig.
Florian Bayer: Ein kurzes Fegefeuer.
Maja: Ja gut, ich meine, wenn wir mal vom Realismus absehen, also ich mag keine realistischen Filme im Sinne von, ich mag es nicht, wenn sie sich mit Realität befassen, aber... Ich finde schon, dass man mit Physik durchaus ein paar Punkte machen kann. Und so würde das nicht passieren.
Johannes Franke: Wie würde es, hast du mal versucht herauszufinden, wie es wirklich passieren würde? Weil eigentlich, ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie viel Realismus steckt denn da drin? Was hat Lars von Trier da wirklich recherchiert? Und ich bin zu keinem richtigen Schluss gekommen.
Maja: Also ich habe die ganze Zeit auf die Tsunamis gewartet.
Johannes Franke: Ja, genau.
Maja: Der ja relativ klein ist und wahrscheinlich selber keine Atmosphäre hat, aber wo der in unsere Atmosphäre eintritt, sollte der zumindest einen ziemlich großen Teil der Atmosphäre absaugen und nicht nur im Vorbeigehen. fliegen mal kurz, sondern in dem Moment sollte denen definitiv die Luft ausgehen.
Florian Bayer: Definitiv. Also physikalischen Realismus darf man nicht erwarten.
Maja: Und alleine die scheiß Druckwelle. Die hat komplett gefehlt. Sorry, Physik, Mann! Lars!
Florian Bayer: Es geht definitiv nicht um einen physikalisch-realistischen Zusammenprall von zwei Planeten.
Maja: Nee, es geht um einen Haufen der Jammer.
Johannes Franke: Aber man muss dazu sagen, dass vielleicht am Ende, es wird ja nicht wirklich gezeigt, welcher Moment das ist. Vielleicht ist das ja die erste Druckwelle. Vielleicht ist das ja noch nicht der wirkliche Zusammenstoß.
Maja: Die Explosion ist keine Druckwelle. Eine Druckwelle ist eine Druckwelle.
Johannes Franke: Naja, aber er zeigt es ja nicht. Man kann es als Explosion interpretieren, was er da zeigt, aber das, was er da macht, ist eigentlich nur ein großes Licht, das war's.
Maja: Ja eben, wo soll das Licht herkommen? Licht kommt immer, wenn irgendwas verbrennt. Sprich Zusammenstoß. Eine Druckwelle brennt nicht.
Florian Bayer: Herzlich willkommen zur ersten Folge unseres Astronomie-Podcasts.
Maja: Ja, sorry, ich interessiere mich nun mal für Physik.
Florian Bayer: Okay, also ich gebe mal ja total den Punkt, Realismus darf man absolut nicht erwarten von diesem Film und Ich glaube auch nicht, dass es darum geht, hier tatsächlich ein realistisches Szenario von einem vagabundierenden Planeten, der in unser Sonnensystem eintritt, darzustellen. Dafür ist das einfach wichtig. viel zu abstrakt und viel zu sehr symbolisch natürlich auch gemeint. Das Ding heißt Melancholia und sie ist die ganze Zeit depressiv, schlecht melancholisch.
Johannes Franke: Ich finde deinen Begriff vagabundierend übrigens sehr süß. Stell mir so einen Planeten mit so einem... Säcklein auf dem Rücken vor. Der nächste Zug springt, so schnell aufspringt auf dem Güterwaggon.
Maja: Ich glaube aber, dass es die korrekte Bezeichnung ist.
Johannes Franke: Es ist tatsächlich die korrekte Bezeichnung. Okay, okay, okay. Aber ich habe halt Fantasie, ja.
Maja: Ja, aber in der Astronomie wird das, glaube ich, so genannt. Das stimmt.
Johannes Franke: Oh, wow. Okay, ja. Okay, granted. Physik. Ich verstehe, was du meinst.
Maja: Ja, das nächste ist menschliche Natur. Also, sorry, die Darstellung der Depression, da gehe ich ja noch mit. Aber der Rest... Sämtliche Leute drumrum benehmen sich auch nicht wie Menschen.
Johannes Franke: So viel Rest gibt es gar nicht.
Maja: Es gibt dieses Kind, was sich nicht verhält wie ein Kind. Es gibt diese Schwester, die definitiv auch ein Rad ab hat. Sämtliche Männer in dem Ding kannst du eigentlich komplett in die Tonne kloppen. Also... Sorry, aber... Also, Kirsten Danz, in Ordnung.
Johannes Franke: Gute Schauspielerin.
Maja: Definitiv. Also meine erste Bemerkung zu dem Film war Kirsten Danz. Okay, like her.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Aber damit hat sich's dann auch mit den Positiven.
Johannes Franke: Und Charlotte Gainsbourg spielt auch ganz viel hart.
Maja: Das ist eine furchtbare Frau.
Johannes Franke: Wirklich?
Maja: Boah.
Johannes Franke: Also sie hat halt ein Abo auf diese Lars von Trier Filme und du magst halt Lars von Trier offenbar, nicht?
Maja: Ich hasse Lars von Trier.
Johannes Franke: Da haben wir ja genau in die richtige Kiste gegriffen. Ich dachte, das war Absicht. Was hast du denn von Lars von Trier noch gesehen?
Maja: Nichts.
Johannes Franke: Ach so, deswegen hast du Lars von Trier.
Maja: Mir reichen schon die Ankündigungen von diesem Film. Also die Trailer sind schon ausreichend, um mir den Ärger hochsteigen zu lassen, um mich mit Brass zu erfüllen. Es ist alles so furchtbar.
Florian Bayer: Kommen wir mal zur Eröffnungssequenz. Du hast gesagt, du magst Eskapismus. Die ersten Bilder, diese Traumszene, die nicht so ganz aufgeschlüsselt wird, wo Justine… in diesem Weltuntergangsszenario steht mit krasser Super-Hyper-Slow-Motion. Ich sehe deine Kritik auf der inhaltlichen Ebene. Auf der rein visuellen Ebene.
Maja: Auf der rein visuellen Ebene habe ich auch ein paar Mal drinstehen, die Gemälde, die er malt, sind schön. Ich stehe nur zu lange.
Florian Bayer: Ja.
Johannes Franke: Was jetzt Hörschauts Absicht ist in dieser Slowmotion. Aber du stehst doch im Museum auch eine Weile von einem Bild, oder?
Maja: Ja, im Museum.
Johannes Franke: Aber ich habe es auf den Beamer geguckt und ich hatte echt Spaß daran. Ich fand es wirklich toll.
Maja: Deswegen sage ich, die Bilder sind an sich schön, aber da passiert nichts. Und dann immer wieder dieses ewig gleiche Musikstück da drunter.
Johannes Franke: Das ist Wagner, das gehört dahin. Das ist ganz wichtig. Wo wir zum pretentious Lars von Trier kommen, was ich auch sagen muss, Plur. Also ich finde Lars von Trier immer ziemlich pretentious.
Florian Bayer: Definitiv, auf jeden Fall. Und es ist schlimmer geworden mit der Zeit. Er war es in den 90ern noch nicht so krass, als er diese Dogma-95-Filme gemacht hat, die wirklich einfach nur realistisch sein wollten?
Johannes Franke: Nein, nein, nein. Das ist eine andere Art von Pretentious. Das ist einfach nur anders.
Florian Bayer: Aber irgendwann hat er die Oper für sich entdeckt und gerade mit dieser Depressionstrilogie definitiv so klassische Musik. Symbolträchtige Bilder, dann haut er zwischendurch immer noch so ganz knapp so ein bisschen seine politische Haltung mit rein, philosophiert so ein bisschen drumherum. Auf jeden Fall, Lars von Trier ist eine pretentiöse Sau.
Maja: Das wäre ja kein Problem, wenn er sich dann auch dran halten würde, wirklich Oper zu machen und die Leute sich mal entäußern würden in irgendeiner Form. Aber da kommt ja nix. Die schweigen sich die ganze Zeit nur an und gucken doof.
Florian Bayer: Du fandest es tatsächlich unrealistisch, wie die Leute miteinander interagieren oder wie die Leute sich verhalten oder wie sie emotional drauf sind.
Maja: Ich glaube, dass es Leute gibt, die so drauf sind, aber mit denen will man nichts zu tun haben. Ja.
Johannes Franke: Also du willst sozusagen nicht noch einen Film darüber sehen, über Leute, mit denen du sowieso nichts zu tun hast?
Maja: Nee, das Leben ist scheiße genug.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Es ist ja tatsächlich so diese Hochzeitsgesellschaft, das ist ja so ein krasses Gesellschaftsbild, was er da aufmacht. Ich meine, er hat echt ... teilweise schräge Typen, er hat vor allem viele selbstverliebte Typen, also vor allem ihren Chef, der ja die ganze Zeit den Slogan entlocken will und der wirklich sich die ganze Zeit so schmierig an sie ran macht.
Maja: Entlocken, erpressen.
Florian Bayer: Erpressen, ja, genau. Aber ich finde, das ist eine tolle, natürlich etwas karikierte Charakterzeichnung von so einem schmierigen, öligen, reichen Werbefuzzi. Fand ich total krass pointiert.
Johannes Franke: Das ist gut gemacht, ja. Der hat es auch gut gespielt. Also ich finde die Schauspieler sowieso alle wirklich gut. Wirklich toll. Ich bin sowieso immer wieder erstaunt, was Lars von Trier für Leute rankriegt. Ja, das ist unglaublich.
Florian Bayer: Das ist, glaube ich, einfach sein Ruf, so im Lars von Trier Film mitzuspielen, heißt... sich schauspielerisch richtig verausgaben zu dürfen. Und das machen die auch. Na klar, sie schweigen sich an, aber sie haben auch viel innere Spannung. Auch Kiefer Sutherland als der Ehemann von Claire, Der so als eiskaltes Arschloch rüberkommt. Man liebt es, ihn zu hassen, oder? Das ist krass.
Maja: Moment, der Ehemann von Claire. Ich muss nochmal zurück zu Arbeitgeber, weil ich wohne mit einem Werber zusammen.
Florian Bayer: Ja.
Maja: unsere einhellige Meinung zu der Art und Weise, wie dieser Typ redet und wie der sich mit seinem Untergebenen da unterhält. Gespräch mit dem Arbeitgeber und neuem Kollegen. Was soll der Scheiß? Keiner redet so. Nein, auch nicht in der Werbung. Klischee-Scheiße.
Johannes Franke: Ja, da muss ich auch leider recht geben. Es ist mir auch aufgefallen, dass die Terminologie und die Art und Weise, wie sie miteinander reden, nicht wirklich zu dem passt, was Werber und so diese...
Florian Bayer: Ja, es ist tatsächlich ein bisschen holzschnittartig. Ich glaube auch, ich weiß gar nicht, ob das das Erwerber ist, ob das so zentral ist, so wichtig ist. Ich sehe tatsächlich die erste Hälfte, wenn diese Hochzeitsgesellschaft vorgestellt wird, wenn diese einzelnen Leute kommen, sich miteinander halten. Auch als riesige Farce. Das ist satirisch überspitzt. Das sind total schräge Typen. Das sind merkwürdige Leute. Da ist ihr Vater zum Beispiel, der sich total albern verhält. Da ist ihre Schwester, da ist der Mann, der die ganze Zeit sagt, jetzt mach uns keine Szene, jetzt mach uns kein Theater, obwohl sie einfach nur traurig ist.
Johannes Franke: Ja, genau. Ein bisschen traurig ist auch eine gemeine Formulierung, aber ja.
Maja: Satirisch überspitzt? Satire ist ein Element, was was mit Humor zu tun hat. Die fehlt dem Film, aber völlig. Da ist überhaupt kein Humor drin. Das ist nicht lustig.
Florian Bayer: Ich musste tatsächlich ein paar Mal schmunzeln in dieser Öffnungssequenz. Gerade diese Darstellung der Hochzeit mit diesen auch so diesen satten und reichen Leuten.
Johannes Franke: Ich würde gerne noch eine weitere Ebene in den Ring werfen. Eigentlich geht es ja um Ihre Perspektive auch. Also natürlich, vielleicht ist die Gesellschaft nicht so schweigend, wie du es wahrgenommen hast und nicht so ... So wie sie das wahrnimmt, durch ihren Filter, finde ich das sehr gut dargestellt.
Maja: Die schweigen ja nicht. Nein, aber das ist alles gedämpft. Das Problem mit diesen Leuten ist, dass die zwar reden, aber nur Blödsinn.
Johannes Franke: Ja, aber durch ihre Augen natürlich.
Maja: Aber sie wird doch am Anfang als totaler Airhead dargestellt. Also die Nummer alleine mit dem Auto, ganz am Anfang. Wo sie ja nicht um diese... Reißkurve kommen und sie dann dagegen irgend so ein Poller fährt und die ganze Zeit kichert und hehehehe. Was soll der Mist?
Florian Bayer: Sie spielt die Rolle, die erwartet wird. Das ist die einzige Zeit, wo sie es noch schafft, diese Rolle aufrechtzuerhalten.
Maja: Ja, und das Erste, was sie macht, nachdem sie zwei Stunden zu spät zu ihrer eigenen Hochzeit angekommen ist, ist in den Kackstall gehen, um das Pferd zu begrüßen. Was?
Florian Bayer: Ja, weil das ist, was ihr wichtig ist tatsächlich. Das ist ihr viel wichtiger als das Fest. Das ist ihr viel wichtiger als das, was arrangiert wurde. Natürlich, sie liebt das Pferd.
Maja: Ja, und?
Florian Bayer: Es gibt wenige Bezugspunkte, die sie hat zur Welt. Und der eine ist das Pferd und der andere ist ihr Enkel. Deswegen will sie bei der Hochzeit auch ihren Enkel zu Bett bringen.
Maja: Enkel.
Florian Bayer: Ihren Neffen. Deswegen will sie den auch zu Bett bringen. Deswegen nimmt sie sich ... für ihn auch nochmal Zeit, weil sie hat ein paar Bezugspunkte zur Realität, aber die werden ja ständig abgekappt, eben durch diese Gesellschaft, vor allem durch ihren Schwager.
Maja: Also es tut mir leid. Depression ist eine schwere Krankheit oder je nachdem, wie der schwere Grad ist. Depression ist furchtbar, aber deswegen verlierst du nicht den Bezug zur Realität.
Johannes Franke: Das stimmt auch nicht gar nicht.
Maja: Nicht in dem Maße.
Johannes Franke: Aber du hast... Also ich finde... auch aus eigener Erfahrung muss ich mal sagen, dass ich das Gefühl habe, dass dieser Film Und Lars von Trier ist ja nun wirklich first hand experience, der ist auf die Idee des Films gekommen, weil er in einer Sitzung mit seinem Psychiater saß, wegen seiner eigenen Depressionen. Und ich finde das Bild, was er da aufmacht und die Erzählweise, die er macht, sehr treffend.
Maja: Von dem, was sie so tut im späteren Verlauf, ja.
Johannes Franke: Nicht von dem, was sie tut, sondern von dem, was der Film an Gefühl vermittelt. Ja, durch die Inszenierung und durch das, was passiert und wie es passiert.
Maja: Auch Dinge, die sie tut oder über die später geredet wird. Im späteren Verlauf, okay. Aber warum sollte die sich diese Hochzeit aufdrücken lassen? Warum sollte sie überhaupt heiraten wollen? Warum sollte sie... auf der Hochzeit dann plötzlich feststellen, oh, das ist ja jetzt doch nicht so meins. Das ergibt keinen Sinn. Da ist ja vorher was passiert, theoretisch. Mhm. Sie ist ja da nicht reingeworfen worden, sondern da gab es ja eine Entwicklung hin. Das heißt, diese Hochzeit so wäre niemals passiert. Und dieses Verhalten auf der Hochzeit, es tut mir leid, aber auch ein depressiver Mensch ist in der Lage, sich gesellschaftskonform zu verhalten... Oder sich aus solchen Situationen fernzuhalten. Aber die herzustellen und dann diesen Quatsch da abzuziehen, die nur mal mit dem Golfkart, wo sie dann... irgendwie auf den Golfplatz rausfährt und da rumsitzt. Das sieht so aus, als würde sie kacken. Also, was soll das?
Johannes Franke: Sie pullert, glaube ich, tatsächlich. Ja, genau.
Florian Bayer: Das habe ich auch so gesehen.
Johannes Franke: Uriniert auf den Rasen.
Florian Bayer: Wozu? Also ich denke, es ist natürlich schwer, von der Depression zu sprechen, weil Depressionen haben einfach für verschiedene Menschen total verschiedene Auswirkungen. Ich habe ihre Situation so gedeutet, dass sie einfach viel zu schwach war, um sich gegen das alles zu wehren. Und dass sie es einfach nicht geschafft hat, da ... die Hand zu heben und zu sagen, ey, das ist mir zu viel, sondern sie hat sich irgendwie diesem Druck gebeugt. Und es wird ja in dem Film auch die ganze Zeit gezeigt, dass von außen immer wieder dieser Druck kommt, dass ihre Schwester sagt, wir haben dieses große Fest vorbereitet, dass ihr Schwager sagt, ich hab die Taschen aufgemacht, das war total teuer. Und sie ist einfach ... ja, fast ohnmächtig. Und es gibt dann ja auch diese Befreiungsschläge und das ist tatsächlich, das sind die Momente, wo sie es schafft, irgendwie da auszubrechen und auch sie selbst zu sein. Das ist, wenn sie zum einen Sex mit ihrem neuen Kollegen hat, dieser krasse One-Night-Stand einmal auf dem Golfplatz.
Maja: Ja, der total nach Sex aussieht.
Johannes Franke: Der war so, das war das Unerotischste, was ich hier gesehen habe. Ja, definitiv.
Maja: Dann hast du aber noch nicht viel aus von Trier gesehen, was?
Florian Bayer: Den erotischen Sex hat sie nachher mit dem Planeten, ne? Ja, genau. Wenn sie im Licht des Planeten liegt und sich von dem quasi verführen lässt, das ist die erotische Sex-Szene eigentlich, wenn sie sich wirklich dieser... Melancholie oder Depression hingibt. Und dann natürlich das zweite ist der große Eklat, wenn sie dann ihren Chef vor den Leuten, die da sind, komplett zur Sau macht und einfach das ausspricht, was sie offensichtlich die ganze Zeit gedacht hat.
Maja: Da ist die nächste Frage. Warum hockt ihr ... gerade so und gerade noch Ehemann, in der Zeit in dem Zimmer rum. Warum ist der nicht mit rausgegangen?
Johannes Franke: Das habe ich mich auch gefragt, ja, das stimmt.
Maja: Also warum verlassen die ihre eigene Hochzeit? Was ist denn das für ein Quatsch?
Johannes Franke: Naja.
Maja: Während die Gäste draußen sitzen und Suppe essen? Was?
Johannes Franke: Also was ich glaube, was du nicht geschafft hast und was ich verstehen kann, dass man das vielleicht nicht schafft, wenn man nicht vom Rest des Films überwältigt wird... dass man dann anfängt, zu sehr in der Narrative zu versuchen, Logik zu finden. zu sehr drin gefangen ist, das auseinanderzunehmen und zu gucken, komme ich da logisch durch den Film? Eigentlich muss man gefühlt durch den Film kommen.
Maja: Das Ding ist, natürlich habe ich angefangen zu nitpicken, weil innerhalb der ersten Stunde wird mir ja nicht gesagt, was der Scheiß soll.
Florian Bayer: Das stimmt. Aber was erwartest du, dass Lars von Trier mit einem Textbuch kommt und sagt, so, liebe Maja, hier ist... Hier ist die Anleitung für diesen Film.
Maja: Ich erwarte, dass mir gezeigt oder zu Bewusstsein gebracht wird, worum es eigentlich geht und was der Scheiß soll.
Florian Bayer: Da stimmt Justine am Anfang, es geht um sie.
Johannes Franke: Nein, Moment, Moment. Noch ein Stückchen vorher. Er sagt uns, worum es geht. Er sagt uns, guck mal, hier sind zwei Planeten, die kollidieren jetzt.
Maja: Jaja, wir wissen von Anfang an, dass das das Ende sein wird, okay, aber ... Was hat das mit einer Hochzeit zu tun? Wer sind diese Leute? Warum sollte mich interessieren, was diese Leute machen? Es ist mir scheißegal. Alle Figuren in der ersten Stunde gehen mir sowas von am Arsch vorbei. Und auf den Sack. Die Mutter ist auch nicht zu ertragen. Der Einzige, der noch einigermaßen okay ist, ist der Vater.
Johannes Franke: Das stimmt. Mit den Löffeln.
Maja: Der sich dann später als Arschloch rausstellt, weil er einfach abhaut.
Johannes Franke: Ja, das fand ich auch nicht so geil.
Maja: Also es ergibt alles keinen Sinn und du kriegst keine Erklärung für das Ganze.
Johannes Franke: Naja, ich verstehe, also es würde dir sozusagen auch helfen, auch um zu verstehen, warum die Hauptfigur überhaupt diese ganze Hochzeit mitmacht, wo sie doch eigentlich gar keine Lust darauf hat. Du bräuchtest eigentlich mehr Vorgeschichte und Background-Story für alles, um zu verstehen, wer warum was macht.
Maja: Oder irgendetwas, was mich emotional an irgendeinen Charakter andocken lässt, sodass ich... ein Interesse dafür entwickle, was derjenige da eigentlich tut und was ihm passiert.
Florian Bayer: Aber die Kamera ist doch die ganze Zeit so nah an Justine dran. Wir sehen doch quasi, wir sehen die ganze Zeit diesen Kampf, den sie in sich trägt und den sie mit sich ausmacht, ihre Müdigkeit, ihre Schwäche. Aber wir wissen, Wieso? Aber reicht das nicht in dem Moment einfach, dass dieses Gefühl, das sie hat, dass das durch die Bilder vermittelt wird und durch ihre Art, sich zu verhalten und zu überlegen?
Maja: Die Art und Weise, wie sie vorgestellt wurde. War ja als totaler Airhead. Sie kommt also, mal abgesehen von dem ersten Bild, wo sie gleich Fresse zieht und so. Also wir wissen schon, dass sie später Fresse ziehen wird. Aber sie wird als totaler Bimbo dargestellt. Als... So ein happy-go-lucky rumspringendes Spring ins Feld-Dingens. So, und ja, sie guckt dann hin und wieder mal komisch und alle erzählen ihr, sie soll keine Szene machen. Aber wir wissen nicht, was für eine Szene und wieso und wie sie darauf kommen. Wir sehen nur Dinge auf sie einstürmen, aber wir wissen halt nicht, was in ihr vorgeht, überhaupt nicht.
Florian Bayer: Krass, ich hab sie gar nicht so gelesen. Ich fand das, was sie am Anfang ist, was du als Ahead bezeichnest, dieses fröhliche, gackante und alberne. Das war einfach diese Rolle, die sie für ihren Mann spielt oder die sie versucht zu spielen. Und ich finde, schon in den Anfangsszenen, wenn sie in dieser Limousine sitzen ... merkt man, dass da irgendwie so ein Schatten drüber ist, dass da irgendwie ein innerer Kampf stattfindet. Kirsten Dunst spielt das fantastisch, wirklich dieses ... ständig merkt man durch so kleine Gesten und durch so kleine Entkleidungen des Gesichtes, dass sie einfach nicht nicht so ist, wie sie sich gerade gibt und dass sie eigentlich unglücklich ist, dass sie da nicht sein will.
Maja: Kirsten Dunst spielt das sehr gut. Das sage ich ja gar nicht. Ich mecke nicht an ihrem Schauspiel rum. Ich mecke daran rum, dass uns die Informationen fehlen. Wir wissen nicht, wer sie ist. Wir wissen nicht, was sie mag. Wir wissen nicht, was sie nicht mag. Wir haben für sie einfach überhaupt kein Gefühl, was sie für ein Mensch ist. Und die Informationen, die wir kriegen, kommen... viel zu spät und sind viel zu spärlich.
Florian Bayer: Aber wir wissen, wie sie sich fühlt und das, finde ich, ist das Entscheidende.
Maja: Aber wir wissen nicht, warum sie sich so fühlt.
Florian Bayer: Ist das so wichtig in dem Moment?
Johannes Franke: Also natürlich, in jeder Filmschule, Hochschule würdest du gesagt bekommen, erklär uns bitte, warum die Figur sich so fühlt, wie sie fühlt, damit ich andocken kann.
Florian Bayer: Zuschauer.
Johannes Franke: Aber Filmhochschulen vermitteln auch so, dass... Die Formel, die dann alle verwenden, weswegen alle Filme gleich sind. Weswegen ich das eben erfrischend und schön finde, dass Lars von Trier das eben mal anders macht. Was heißt Mal anders macht? Er macht es immer anders. Aber ja. Aber... Natürlich, klar, diese Formel gilt für die meisten Filme. Man braucht das. Man braucht irgendwie einen Anknüpfungspunkt für eine Figur, damit man rausfindet. Warum soll ich ihr überhaupt folgen?
Maja: Ich habe nach 15 Minuten eine Marke gesetzt. I'm already bored.
Johannes Franke: 15 Minuten. Davon sind 9 Minuten ja auch ohne Sprache.
Florian Bayer: Genau, und dann 5 Minuten Limousine. Ja, genau.
Maja: Und wenn ich nach 15 Minuten schon gelangweilt bin von einem Film, dann... hätte man den vielleicht einkürzen können.
Johannes Franke: Übrigens ganz kurz zu Kirsten Dunst, die ist in das Projekt reingekommen, war nicht erste Wahl, Penelope Cruz sollte das eigentlich spielen. Ist dann aber rausgefallen, weil sie Pirates of the Caribbean gedreht hat. Und Kirsten Danst hatte kurz vorher selber ganz große Probleme mit Depressionen. Und dann hat sie einen Skype-Termin mit Lars von Trier gehabt und dann haben die sich unterhalten. Und Kirsten Danst hatte zwar Angst, hat sie gesagt... Vorlass von Trier, weil sie immer gehört hat, was für ein krasses Tier er ist, was er seinen Schauspielern so antut. Hat sich aber für sie anscheinend nicht bewahrheitet, sondern ich fand ihn ganz toll dann am Ende. Aber Diese Erfahrung der eigenen Depression, finde ich, hat sie ganz großartig einfach mit in den Film gebracht.
Maja: Ja, und wenn der Film nur aus dem zweiten Teil bestanden hätte, wäre das vielleicht auch okay gewesen.
Johannes Franke: Ich muss auch sagen, ich finde den zweiten Teil tatsächlich irgendwie... viel runder und man kommt viel mehr in dieses, auch auf das Ziel hin. Weil man vergisst während der ganzen Hochzeitsgeschichte, worum es eigentlich gehen soll. Nämlich, dass dieser Planet auf den anderen treffen wird und dass... Und man hat tatsächlich, wie du sagst, Maya, am Anfang nicht so das, warum jetzt das...
Maja: Warum sollte mich das interessieren?
Johannes Franke: Irgendjemanden muss ich zeigen, wenn ich zeigen will, dass die Erde untergeht. Aber warum jetzt die ausgerechnet?
Florian Bayer: Ich fand den ersten Teil tatsächlich stärker als den zweiten Teil, was aber auch vor allem daran liegt, dass ich diese Dogma 95 Gesellschaftsbilder total liebe. ganz oft, dass ich mich an das Fest erinnert gefühlt habe von Winterberg, der so ein guter Freund war von Lars von Trier und der das radikal gemacht hat, einen Zwei-Stunden-Film einfach realistisch eine Hochzeitsgesellschaft zu zeigen, teilweise mit improvisierten Dialogen, teilweise auch mit satirischen Spitzen. Und ich fand, das war total gut gemacht durch diese Brille von ihr, die depressiv ist, die sich nicht so richtig wehren kann, die dann aber doch versucht aufzubegehren. Und vor allem immer wieder diese Kämpfe, diese kleinen Kämpfe, die sie auszutragen hat, insbesondere gegen den Schwager, der die ganze Zeit so latent Druck ausübt. und auch so was krass Gewalttätiges hat. Ich fand das ... Also, ich fand's teilweise amüsant. Gerade wenn die Gesellschaft zusammensitzt und man sieht diese reichen, satten Leute, die sich an ihrem eigenen Reichtum ergötzen. Ich fand es teilweise echt harten Stoff, wenn sie sich einfach nur zurückziehen will und eigentlich auf der Stelle einschlafen will und die Leute immer noch sagen, jetzt müssen wir nochmal die Torte anschneiden. Ich bin da voll mitgegangen. Also mich hat das auch wirklich emotional bewegt.
Maja: Ja sorry, dann heirate nicht, Mädel.
Johannes Franke: Also mich hat es auch emotional total bewegt, aber das hat auch was damit zu tun, dass ich einen eigenen Erfahrungshorizont, was das betrifft, habe. Also da, ich glaube, wenn man von der anderen Seite kommt und dann nicht so ein Zugang zu hat, ist es vielleicht auch tatsächlich, granted, schwieriger.
Maja: Aber das ist der Punkt. Ich hab den Zugang, ja. Zu der Depression. Ich verstehe bloß nicht, warum sich diese Situation dann überhaupt aussetzt.
Florian Bayer: Vielleicht konnte sie nicht anders. Vielleicht war das wirklich auch so eine Form von Lethargie und dass um sie herum viele Sachen geschehen sind und sie war einfach Handlungsohnmächtig. Ich glaube, das kann ein Punkt sein von Depressionen, dass du es nicht mehr schaffst, einzuwirken auf die Außenwelt und zu sagen, stopp, es geht einfach nicht mehr, sondern dass du das halt so lange mitmachst, bis du dann brichst, was total schlimm ist, vor allem, wenn die Außenwelt so ignorant ist, wie halt hier dargestellt.
Johannes Franke: Ja. Nein, ich finde es schon sehr gut dargestellt auch. Auch für mich leitet es sich natürlich her, aber... Ja, also für mich leitet es sich wirklich her, das was du sagst, dass man einfach, wenn man eine Depression hat, dass man nicht unbedingt in der Lage ist, immer in der richtigen Stelle zu sagen, halt stopp, das will ich nicht.
Florian Bayer: Halt, Stopp!
Maja: RTL 2 Referenz.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Aber dass man dann wegwieselt und ein Bad nimmt, während seine eigene Hochzeit läuft.
Johannes Franke: Ja, Depression hat viele Gesichter. das nicht so in eine schublade stecken und sagen das ist alles so oder so und ich glaube das ist schon sehr folgerichtig wie sie das macht
Florian Bayer: Ich habe das auch schon erlebt. Also aus zweiter Hand nur, nicht als Selbstbetroffener, aber im Kontakt mit Betroffenen. dass sie Verhalten einfach an den Tag legen. Rückzugsverhalten, das auf den ersten Blick ziemlich absurd und ziemlich ungewöhnlich wirkt.
Johannes Franke: Ja.
Florian Bayer: Na gut, der zweite Teil heißt Claire. Nachdem im ersten Teil Justine so im Mittelpunkt stand, heißt der zweite Teil Claire. Und wir sehen eigentlich auch unsere Protagonistin aus dem ersten Teil durch die Augen ihrer Schwester so ein bisschen ... Aber ansonsten ist es doch nach wie vor die Depression von Justine, die sehr stark im Mittelpunkt steht.
Johannes Franke: Ja, aber ich finde den Blickwechsel, Blickrichtungswechsel?
Florian Bayer: Perspektivwechsel.
Johannes Franke: Den Perspektivwechsel. Flor, danke für dieses wundervolle Wort. Du kennst immer so Worte, Flo, ich bin ganz begeistert. Danke für den Perspektivwechsel. Ich finde den Perspektivwechsel gut an der Stelle. Der bedeutet auch für mich, dass ich nochmal neu drauf schauen kann und nochmal nach... dem die Hochzeit vielleicht, wenn ein nicht so geneigter Zuschauer war, dass ich das hinter mir lassen kann und nochmal neu ansetzen kann. Pok, pok, na Maja, hinter sich lassen, pok.
Maja: Naja, zumindest kam am Anfang des zweiten Teils dann endlich mal eine Erklärung. Weil bis zu dem Zeitpunkt wussten wir ja nicht, was angeblich mit Justine los ist. Und ich meine, Depression wurde nie gesagt, aber immerhin ill. Das war schon mal so ein Hinweis, worum es hier eigentlich geht. Im ersten, es wurde immer mal wieder angeteasert, dass gleich irgendjemand mit irgendwem redet. Und dann redete keiner. Und im zweiten Teil ... wird darauf endlich mal Bezug genommen.
Johannes Franke: Hm.
Maja: Nicht besonders gut. Also menschlich scheiße.
Johannes Franke: Ja gut, okay, aber das zeigt der Film, ja.
Maja: Aber offensichtlich will Lars von Trier halt nur über Scheißmenschen reden.
Johannes Franke: Ja, mir fehlen auch die positiven Figuren bei Lars von Trier immer. Das muss ich schon sagen.
Florian Bayer: Der Neffe.
Maja: Der Neffe ist keine Figur.
Johannes Franke: Die kindliche Unschuld.
Maja: Von wegen kindliche Unschuld. Wie weit darf ich springen?
Johannes Franke: Ich spring ruhig, spring ruhig.
Maja: Dieser Neffe am Ende. wenn sie da in den Hagel kommen und so. Der sagt nichts, der beschwert sich nicht, der reagiert nicht, er ist völlig lethargisch. Kein Kind verhält sich so. Warum trägt die Mutter den durch den Hagel? Das Kind kann laufen.
Florian Bayer: Das ist ein unglaublich schönes Bild. Und das ist dein pretentious Lars von Trier, einfach weil es ein schönes Bild ist.
Maja: Aber es ergibt überhaupt keinen Sinn. diese unbewegliche Stoffpuppe durch die Gegend zu tragen. Das ist ein Kind. Das Kind hätte Fragen. Das Kind würde rausfinden wollen, was der Scheiß soll. Aber nein, es ist völlig lethargisch und lässt sich von Mama durch die Gegend buckeln. Was soll der Mist?
Florian Bayer: Ich glaube, ein motzendes und maulendes Kind hätte dem Film nicht gut getan.
Maja: Ich glaube schon, dann wäre endlich mal was passiert. Dieses Kind ist die ganze Zeit völlig lethargisch. Es verhält sich überhaupt nicht wie ein Kind. Was ist mit dem Kind nicht in Ordnung?
Florian Bayer: zu viel Ritalin.
Maja: Ja, wahrscheinlich. Also zugedruckt, das würde ich nur glauben, ja. Weil alles andere ergibt überhaupt keinen Sinn.
Florian Bayer: Kommen wir zu Claire. Claire findet ihr auch unsympathisch. Du musst ablegen. Nein, ich bin bei dir. Das Kind ist tatsächlich merkwürdig. Ich glaube, das Kind funktioniert tatsächlich als Symbolbild. zu dem Claire noch irgendwie einen Bezug hat und der einzige Mensch, für den sie irgendwie noch so was wie wirklich Gefühle und Sorge aufbringen kann. Und der einzige Mensch, der ... der verhindern könnte, dass sie will, dass die Welt untergeht.
Maja: Ob sie will, dass die Welt untergeht oder nicht, ist an der Stelle scheißegal. Die geht unter, Punkt.
Johannes Franke: Das ist total wichtig. Es ist ihr Weltuntergang schon wichtig.
Florian Bayer: Melancholia ist der Planet, den sie hervorgerufen hat.
Johannes Franke: Kommen Sie zum philosophischen Unterbau dieses Films.
Florian Bayer: Ich glaube, ich habe es im Eröffnungstext schon gesagt. Natürlich. ist der Film auch ganz stark ein Symbolbild dafür, wie eine Depression sich auf die Außenwelt auswirkt und ihre Depression. Weil irgendwie nicht richtig darauf eingegangen wurde, weil nicht vernünftig damit umgegangen wurde, reißt alles mit in den Abgrund. Der Weltuntergang ist eine persönliche Apokalypse. Das ist die Apokalypse von Christine. Okay.
Maja: Symbolisch meinetwegen, aber An der Stelle frage ich, wo ist der Realismus? Also wenn man schon sich über Depressionen äußern will ... Durch Depressionen geht die Welt nicht unter. Derjenige, der depressiv ist und mit dem nicht richtig umgegangen ist, wird, ist derjenige, der untergeht. Alle anderen leben normal weiter, besonders wenn sie solche Arschlöcher sind wie in diesem Film.
Johannes Franke: Ja, aber wenn wir den ganzen Film so lesen, dass wir das durch ihre Augen sehen, dass es ihre Welt ist, dann ist es natürlich, dann ist auch die Hochzeit wieder folgerichtig. wie sie erzählt ist, weil sie nicht realistisch, sondern einfach einmal drauf ist, jedes Mal, wenn... Und woran stirbt ihre Familie?
Florian Bayer: Aber natürlich hat auch Depression eine starke Auswirkung auf die Außenwelt. Also ich meine, dazu gibt es doch auch Studien, dass Kinder von Depressiven tendenziell auch eher zu Depressionen neigen. Oder dass Partner von Depressiven auch eher zu Depressionen neigen oder Depressionen kriegen können. Also Depressionen hat eine Auswirkung auf die Außenwelt.
Maja: weil sich die Außenwelt um den Depressiven schert. In diesem Fall ist das aber nicht der Fall.
Florian Bayer: Ich glaube selbst, also auf jeden Fall ist es ein guter Punkt, aber ich glaube auch, selbst wenn sich die Außenwelt so arschig und ich nur noch anverhält, wie in diesem Fall, kann eine Depression nicht komplett an ihr vorbeigehen.
Johannes Franke: Ich würde völlig davon weggehen, die Außenwelt als realistische Darstellung zu sehen. Das ist ihre Perspektive.
Maja: Dann frage ich dich, warum hat Claire Angst vor dem Planeten?
Florian Bayer: Ja, ich will zu Claire kommen, unbedingt. Wir müssen über Claire reden.
Maja: Ich meine, dass Claire Angst vor einem Planeten hat, der zumindest nah an der Erde vorbeifliegt, da hat sie vollkommen recht. Gravity is a bitch.
Florian Bayer: Jaja.
Maja: Ich meine, das Ding ist so groß wie der Mond oder größer wahrscheinlich sogar. Und wir wissen, was der Mond für Gravitationsauswirkungen auf die Erde hat. Also insofern, ja, dieser Planet, wenn es realistisch dargestellt wäre ...
Johannes Franke: Ja, ja.
Maja: Hätte definitiv Auswirkungen und da dürfte man definitiv Angst vorhaben, weil ... Also in dem Film passiert nichts, aber was passieren würde, ist Erdbeben, Flutwellen und ein Haufen anderer Scheiß.
Florian Bayer: Roland Emmerich. Ja. Das ist das Schlimmste am Weltuntergang. Roland Emmerich kommt und hält die Kamera drauf und sagt, 2012.
Maja: Aber Roland Emmerich macht es wenigstens so wie wäre. Oder zumindest näher dran. Näher dran als Lars von Trier.
Florian Bayer: Vielleicht.
Maja: Also, tut mir leid, aber an der Stelle, ich musste immer wieder... mein Bedürfnis nach Physik unterdrücken, weil dieser Planet einfach nicht das macht, was er soll. Was ich allerdings schön fand, war dieser komische Stock mit dem Draht dran. Das war eine hübsche Idee.
Johannes Franke: Das war eine hübsche Idee. Also ich würde es wirklich nur als Depressionssymbolbild lesen, den ganzen Film. Ich würde dem gar keinen Realismus was, was, was... außerhalb eines depressiven Kopfes passiert.
Florian Bayer: Ich will jetzt endlich über Claire reden. Los. Ich glaube, was oft übergangen wird in dem Film, ist, wenn drüber gesprochen wird, weil Christine so im Mittelpunkt steht, dass Claire offensichtlich auch irgendeine Form von depressiver Störung hat.
Johannes Franke: Mhm.
Maja: Oder eine Angststörung.
Florian Bayer: Eine Angststörung, habe ich auch geschrieben. Eine Angststörung, gerade was der Planet betrifft, der kommt, was sie dann panisch recherchiert ... Und sie hat eine Form von depressiver Störung, beziehungsweise einen Umgang damit, für den Claire ja mehr oder weniger eigentlich nur Verachtung übrig hat. Immer wenn sie irgendwie sich so ... Ja, Claire flüchtet sich offensichtlich in so Sentimentalitäten. Und wenn sie dann zu Christine sagt, komm, lass uns auf der Terrasse sitzen ... Und Justin sagt, warum sollte ich? Fuck you. Und das finde ich total spannend am zweiten Teil, dass diese beiden ... Arten mit der eigenen Traurigkeit umzugehen oder der eigenen Angst oder der eigenen Depression oder wie auch immer man das nennen will in dem Fall. Dass die so unterschiedlich sind und gegeneinander gehalten werden. Ich glaube, mit Claire wollte Lars von Trier eine Art Kontrastfigur schaffen. die wahrscheinlich den schlechteren Umgang hat mit irgendeiner Form von depressiver Erkrankung oder mit Angststörung als Schistin.
Johannes Franke: Ja, weil sie sich damit nicht auseinandersetzt, ja. mir leid.
Maja: Also Claire ist diejenige, die realistischer ist. Ich meine, Charlotte Ginsburg, aber egal. Ähm... Claire reagiert so, wie man reagieren würde. Oh Scheiße, Planet auf Kollisionskurs. Das ist ... Versetzt euch mal in die Lage. Würdet ihr da nicht gucken? Oh, Kacke, trifft uns das Ding?
Florian Bayer: Ich fasse es nicht, dass du Charlotte Gensburg nicht magst. Ich fasse es einfach nicht. großartige Schauspielerin.
Maja: Die spielt immer dasselbe.
Florian Bayer: Bei Lars von Trier wahrscheinlich, ja.
Maja: Die hat immer diesen vergnatsen Ausdruck. Also...
Johannes Franke: Also ein kleines bisschen muss ich Maya diesen Punkt geben. Ich finde sie toll, aber sie ist eine, die tatsächlich immer sehr nah am gleichen im gleichen Charakter arbeitet.
Maja: Und es ist kein Charakter, den man mag.
Florian Bayer: Aber wenn du zum Beispiel ihre aggressive Rolle, fast schon animalische, atavistische Rolle aus Antichriste dagegen hältst, da hat sie
Johannes Franke: Nur eine Variante.
Florian Bayer: Aber hier ist es eher so eine sentimentale Lethargie.
Maja: Auf der einen Seite geht es nach innen und auf der anderen Seite geht es nach außen. Aber es ist im Prinzip das gleiche Gefühl.
Johannes Franke: Ja, finde ich auch. Irgendwie sehe ich bei ihr auch nicht so die Diversität, aber die brauche ich bei ihr nicht unbedingt.
Maja: Vor allem, was alle Figuren in dem Ding nicht haben, ist Reflexion.
Johannes Franke: Ja, aber das ist ein ganz großes Thema für wahnsinnig viele Filme. Sehr viele Filme funktionieren nur, weil die Idioten sich nicht...
Maja: keinerlei Selbstreflexion vorhanden ist.
Johannes Franke: Ja, und das ist immer lazy, das stimmt. Also tatsächlich, manchmal nervt es mich bei Filmen, wenn man denkt, nee, jetzt ein bisschen Reflexion würde jetzt einfach alles auflösen, dann ist der Film nicht gut geworden.
Florian Bayer: Das nervt mich tatsächlich total oft bei Mystery-Filmen auch, wenn die Charaktere nicht drüber reden, was Mysteriöses passiert ist. Oder sowas Dummes wie, komm mit, und dann zeige ich's dir. Wo man weiß, das ist nur... Damit das Publikum noch einen Spannungsmoment hat, anstatt zu sagen, ey, da drüben ist ein Monster. Genau.
Maja: Die Ausrede ist immer, na ja, sonst funktioniert die Story nicht. Ja, da musst du Story umschreiben. Also, sorry.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, ein bisschen mehr Hirnschmalz.
Florian Bayer: Ich glaube, das ist eher ein Problem des Genrekinos. Ich glaube, das ist eher so ein Problem von Science-Fiction-Filmen, von Mystery-Filmen, von Horror-Filmen. Dass die Leute nicht sagen, mir ist das und das passiert, unglaublich. Was ist dir gerade passiert? Ja, aber da, oh, mir ist dasselbe passiert. Fügen wir das Puzzle zusammen.
Maja: Das wäre logisch. So müsste es eigentlich sein. Und es gibt auch solche Filme, auch im Genre-Film.
Florian Bayer: Ja, gibt es, aber viel zu selten. Aber bei diesem Film brauche ich das nicht. Ich finde, dieser Film ist zu sehr, dass es dann halt auch zu sehr Symbolismus, auch zu sehr Surrealismus gibt. als ich das erwarten würde, dass die Figuren sich auseinandersetzen mit dem, was passiert, wie man es realistisch erwarten dürfte.
Maja: Darf ich noch einen anderen Kritikpunkt anbringen?
Florian Bayer: Ich hab dir am Anfang gesagt, du musst sagen, und wo wir schon dabei sind, wenn du dich richtig aufregst. Das war viel zu höflich.
Maja: Den hier kann ich auch sehr ruhig anbringen. Das Problem ist, ich habe die Hälfte von dem Ding auf Englisch geschrieben, weil wir haben den Film natürlich auf Englisch geguckt. Ja, ja, gleich. Also erstens mal, Shaky Cam.
Johannes Franke: Oh ja. Ja, lass uns über die Shaky Cam reden.
Florian Bayer: Ah, großartig. Ich liebe sie. Dogma 95 Style. Total toll.
Johannes Franke: Nein, schlechte Mischung. Ganz schlechte Mischung.
Maja: Du hast einerseits diese gestylten Shots mit diesen Gemälden und dann dazwischen diese scheiß Shave. Jetzt entscheide dich doch mal.
Florian Bayer: Wisst ihr, wie das gedreht wurde? Der Kameramann Manuel Alberto Claro hat im Interview gesagt,
Maja: Er stand auf einer Schüttelplatte.
Florian Bayer: Nein, Lars von Trier hat eine sehr spezifische Herangehensweise, wie er sich Bilder vorstellt. Und Lars von Trier hat immer am Anfang von 10 gesagt, lass mich mal machen. Hat die Kamera genommen und ist dann rumgelaufen zwischen den Darstellern und hat dann zu seinem Kameramann Klaro gesagt, so bitte, jetzt bist du dran. Und der hat versucht, genau dasselbe zu machen. Dann haben sie die Szene nochmal gedreht und der Kameramann ist dann so wahrscheinlich halb trunken rumgestäubert, wie der vor Lars von Trier sich durch das Szenario bewegt hat.
Maja: Ja, und das finden wir gut, ja?
Florian Bayer: Ich finde die Mischung total geil. Ich stehe aber auch auf diese wackeligen Dogma 95 Bilder. Ich finde, die haben was. Die haben irgendwie was, was definitiv ... dir kann übel werden dabei. Du hast das Gefühl, es ist total nervig, weil du gerade nicht weißt, warum der Kameramann über ein Tischbein gestolpert ist. Zumindest wirkt es manchmal so. Aber gleichzeitig sind die so krass immersiv, die ziehen mich so rein in das Geschehen.
Johannes Franke: Nee, nee, nee, nee, nee. Also...
Maja: Mich holen die raus.
Johannes Franke: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das anzuschauen. Wenn du das auf einen kleinen Bildschirm schaust, ist das nicht so schlimm. Aber sobald du im Kino sitzt,
Maja: Das wird dir schlecht.
Johannes Franke: Das wird dir einfach schlecht. Nee, ich will diese Wackelkamera nicht mehr sehen.
Florian Bayer: Ich will die nicht immer sehen. Ich finde die in Actionfilmen meistens auch total nervig. Ich fand sie in dem Film super passend, weil sie den... den Figuren so krass auf die Pelle gerückt ist. Wir sehen halt wirklich das Gesicht von Kirsten Dunst viel zu nah, dann wird es ein bisschen unscharf, dann wackelt die Kamera vorbei und wir fangen was an.
Johannes Franke: Es sieht aus wie eine technische Unsauberkeit. Ich finde es großartig. Vor allem aber, so richtig absurd wird es halt dann, wenn alle Akteure stehen. Die Kamera hinter jemandem eine Overshoulder machen könnte, die einfach nur, da muss man sich nicht mal Mühe geben. geben, das nicht zu verwackeln, sondern es wird einfach absichtlich hin und her gerissen, die Kamera, obwohl du stationär bist. Alle stationär sind. Es gibt überhaupt gar keinen Grund für
Florian Bayer: Du wirst reingerissen und du wirst desorientiert. Fantastisch. Genau das Gefühl, was der Film erreichen will und was der Film damit auch erreicht.
Johannes Franke: Und dann hat er eine Drohnenfahrt, eine ganz ruhige, übers Land drüber.
Florian Bayer: Er schüttelt dich emotional hin und her.
Maja: Nee, tut er nicht. Er nervt, er stört.
Florian Bayer: Und das Geile ist dann im Kontrast dazu, diese Eröffnungssequenz und die Endsequenz, diese super Slow Motion, die sie auch mit einer anderen Kamera aufgenommen haben. Ich finde es fantastisch, diese Mischung aus hier habt ihr Gemälde, hier habt ihr Kunst, die wirklich lange steht und jetzt rein ins Geschehen. Fantastisch.
Maja: Ja, bloß da ist kein Geschehen. Es geschieht ja nichts.
Florian Bayer: Es geschieht so viel im Inneren der Charaktere. Und die Kamera kann natürlich nicht Kerstin Dunst in den Mund reinfahren und in ihr Gehirn filmen.
Maja: Das wäre mal Kunst gewesen.
Florian Bayer: Dann rückt sie auf die Pelle.
Johannes Franke: Also, jetzt mal von der anderen Seite nochmal... Die Planeten, die mit einer Ruhe unbarmherzig aufeinander zurasen, und dann abwechselnd mit dem Leben auf der Erde, das eben so shaky ist. Ich würde dem ein Konzept unterstellen, Das ist okay.
Maja: Wenn die Landschaftsschots nicht wären.
Johannes Franke: Nein, aber das funktioniert auch, weil das dann wieder für dieses unaufhaltsam kommende repariert.
Maja: Die kann nicht schnell genug kommen.
Johannes Franke: Aber ich finde es einfach, nee, ich will nicht. Ich will dem dann nicht zugucken.
Maja: Das nächste Ding, der nächste Kritikpunkt. Justine Monschein. Das hattest du ja vorhin schon erwähnt. Natürlich ist sie nackt, weil Lars von Trier, selbstverständlich müssen wir die arme Frau ausziehen. Das Einzige, was ich dazu geschrieben habe, ist, Arch, notice me, someone interpret me.
Florian Bayer: Okay, aber das ist nicht besonders schwer. Sie liebt diesen Planet. Sie liebt das nahende Ende der Welt. Ja, eben.
Maja: Es ist so offensichtlich, das hätte man sich sowas von schenken können, die Scheiße. Und das nächste Ding.
Florian Bayer: Ja.
Maja: Diese Leute tun den ganzen Tag nichts.
Florian Bayer: Total reich und satt.
Maja: Keiner von denen tut irgendwas. Und das ist so eine Masturbationsfantasie von Menschen. die Tage einfach mit nix tun und im Luxus verbringen. Und sie Sie haben diesen Luxus auch nicht irgendwie verdient. Der ist einfach da. Und sie machen irgendwas ... Künsteln in der Gegend rum, ohne sich in irgendeiner Weise am Fortkommen der Gesellschaft zu beteiligen. Es ist zum Kotzen.
Florian Bayer: Aber das zeigt der Film doch auch. Genau das will der Film ja auch sagen. Das ist fucking realistisch. Natürlich sind sie total vollgefressen. Sie haben einfach den Reichtum, den sie wahrscheinlich geerbt haben, mit ihrem großen Landsitz. Und sie haben einfach nichts zu tun. Das sind auch Menschen, die, glaube ich, total gelangweilt sind vom Leben. Und natürlich... Das ist die 1%. Das sind die Leute, die wirklich auch nichts machen für die Gesellschaft und auch nichts Viele haben noch was für die Gesellschaft machen zu müssen, sondern sich einfach nur an ihrem eigenen Reichtum ergötzen.
Maja: Und wozu bilden wir die ab? Das interessiert die 1% überhaupt nicht, dass du dich über sie aufregst. Und der Rest denkt sich einfach nur so, hm, wozu? Wem nützt das? Wer hat da was von?
Johannes Franke: Also zum einen sehen die 1% das schon. Auch die 1% gucken sich Filme an.
Maja: Ja schon, aber das interessiert die doch nicht, dass sie da kritisiert werden.
Johannes Franke: Vor allem bemerken sie es wahrscheinlich nicht.
Maja: Sie sind über diese Kritik erhaben, sie haben Geld.
Johannes Franke: Aber, also jetzt nicht bei Lars von Trier, in anderen Filmen, wenn man sowas abbildet, will man natürlich ein Ventil bieten. Man will sich darüber aufregen können. Man will einfach zeigen und alle sagen, ja genau, das kann super kathartisch sein.
Florian Bayer: Es ist vielleicht auch so ein Stück Karma is a Bitch. Also ich meine, die entkommen halt auch nicht der Depression.
Maja: Ja, aber alle anderen Menschen auch nicht.
Johannes Franke: Ja.
Maja: Also Melancholia entkommt ja keiner.
Johannes Franke: Das ist richtig, ja. Insofern, vor diesem Planeten sind alle gleich.
Florian Bayer: Ja, tatsächlich. Ihr Reichtum rettet sie nicht.
Maja: Aber die Einzigen, die du siehst, sind diese... Wichser, die da rumhocken und nisch machen. Nächste Sache. Wer zum Teufel druckt Webseiten aus?
Florian Bayer: vollkommen berechtigte Frage. Nächster Punkt.
Maja: Also weiter nicht miteinander reden.
Florian Bayer: Lars von Trier sagt ja, das sind Wichser. Natürlich sagt er, das sind Wichser. Und ich meine, er nimmt sich auch wirklich viel Zeit zu zeigen, warum der Schwager von Kiefer Sutherland gespielt so ein Arschloch ist.
Maja: Die nächste Frage ist, mal abgesehen vom Webseiten ausdrucken, warum sagt sie denn ihrem Ehemann nicht, was sie da rausgefunden hat? Also warum befasst der Film sich eigentlich überhaupt nicht mit diesem Planeten? Mit dieser Gefahr, die ja offensichtlich von Anfang an... Also vom Anfang des Filmes klar war, warum reden wir da nicht drüber?
Johannes Franke: Ich kann dir ganz genau sagen, warum wir nicht darüber reden. Weil dann sofort die Gefahr besteht... dass man das in Frage stellt. Lars von Trier weiß ganz genau, wenn er jetzt anfängt, physikalische Sachen in den Raum zu werfen und irgendwelche tatsächlich realistischen... Annahmen, dann wird der Film zurupft.
Maja: Der wird sowieso zerruft und zu Recht.
Florian Bayer: Das Ding ist glaube ich auch einfach, also Lars von Trier ist, und das kommt in dem Film noch krasser raus als in anderen Filmen, eigentlich so voll der Spiritualist. Ja, und das ist auch so ein bisschen sein Schießen gegen die Wissenschaft.
Maja: Ein Chauvinist ist er.
Florian Bayer: Ja, das ist er auch. Aber der Mann von Claire verkörpert ein Bild von der Wissenschaft, die sagt, ey, alles gut. Das ist fein. So der Hund, der in der brennenden Wohnung sitzt und sagt, alles ist okay, ihr müsst euch keine Gedanken machen. Und Claire sagt, nee, aber guck mal hier, guck mal hier, guck mal hier. Und Justine sagt, ich hatte Visionen, ich weiß, dass die Welt untergeht, aber die Wissenschaft sagt, alles in Ordnung.
Maja: Darf ich das kommentieren?
Florian Bayer: Lars von Trier schießt einfach gegen die Wissenschaft.
Maja: Also Lars von Trier schießt nicht nur gegen die Wissenschaft, gegen die er nicht zu schießen hat, der Volltrottel, er schießt auch gegen Frauen. Also wir haben auf der einen Seite John, den Ehemann. der Sachen studiert und Sachen weiß und die Frau ja zu beruhigen versucht, so nach dem Motto, da passiert nichts, das wurde berechnet, da ist nichts. Während er Dinge weiß und studiert hat, was er dazu studiert hat, wird ja auch nie genauer gesagt. ist die Unterhaltung der Frauen, dass sie Sachen fühlen. Sie haben irgendwelche Premonitions, irgendwelche Eingebungen, Weil Frauen beschäftigen sich nicht mit Wissenschaft. Warum sollten sie auch... Fuck this shit!
Florian Bayer: Also Punkt eins, definitiv Lars von Trier ist ein Chauvinisten-Sexist, bin ich ganz bei dir. Aber John... John wird nicht als Sympathieträger inszeniert, oder? John wird die ganze Zeit als das Zerrbild von diesen ... alten weißen Männern gezeigt, die sagen, hey, ich hab das studiert, ich weiß, was passiert, der Planet zieht vorbei, keine Sorge. Und er hat Unrecht, der Planet trifft am Schluss die Erde. Also wenn Lars von Trier was sagt in diesen Szenen mit ihm, so die Frauen haben Recht.
Maja: Ich habe das Gefühl, er lügt. Also der weiß ganz genau, dass der Planet drauf kracht.
Florian Bayer: Okay, er bringt sich am Schluss um.
Johannes Franke: Ja, aber er bringt sich ja erst um, nachdem er ... Also, es gibt ja diese Szene, wo er dann plötzlich da sitzt und sehr wesensverändert da sitzt und ... denkt, ach du Scheiße. Und man merkt, okay, er weiß, das Ende naht. Aber das wusste er vorher nicht. Und das sind die ganzen Gespräche vorher. Also er lügt nicht. Ich
Florian Bayer: Ich glaube nicht.
Maja: Seine Selbstsicherheit und Arroganz wird dir die ganze Zeit... Dann ist es komisch gespielt, weil es wirkt, als würde er lügen.
Johannes Franke: Echt, ja? Also mir überhaupt nicht.
Maja: Also ich hatte das Gefühl so, ja, was machst du da, Alter?
Florian Bayer: Ich glaube, der spielt tatsächlich die Gefahren runter, weil er auch immer so diesen beruhigenden Habitus hat. So, ach ja, der zieht schon vorbei, der Planet. Aber ich glaube auch, dass er fest daran glaubt oder zumindest daran glauben will. Aber wie gesagt, ich finde, er ist halt einfach die Verkörperung von so einem alten männlichen Wissenschaftler, der glaubt. Wo ist denn der ein Wissenschaftler? Er ist kein Wissenschaftler, natürlich nicht.
Maja: Er hat doch Unrecht. Wissenschaftler haben auch Unrecht häufiger mal. So funktioniert Wissenschaft. Unrecht haben, bis man dann irgendwann rausfindet, wie es wirklich ist. Das ist auch normal. Aber nächstes Ding. Life on Earth is evil. Warum legen Sie ihr die Worte in den Mund, dass das Leben böse ist? Warum so... Warum so draufgedrückt? Also ja, okay, ihr geht es schlecht und so weiter, aber muss sie deswegen sich in Kalenderweisheiten ausdrücken?
Florian Bayer: Den fand ich auch platt. Ich bin ganz bei dir.
Johannes Franke: Je nachdem, wie man drauf ist, macht man das. Aber es ist natürlich auch nicht... Geil.
Florian Bayer: Lars von Trier hat manchmal die Tendenz, wirklich flach zu werden mit seinem Symbolismus. Das stimmt. Und einige Dialoge und vor allem Monologe von ihr sind auch so, wo ich dachte ... ich weiß nicht, versuchst du gerade wirklich intelligent zu klingen, weil es klingt einfach nur total abgedroschen.
Maja: Ich habe ein weiteres Lob. Der Moment, wo der Planet am Horizont aufgeht, sehr schönes Bild.
Johannes Franke: Aber wirklich, oder? Also visuell, hatten wir ja vorhin schon, visuell einwandfrei. Ich fand auch, der... Das ist sehr gut zusammengebaut, also das Compositing von den Bildern ist wundervoll.
Maja: Also wenn man mindestens eine halbe Stunde von diesem Film rausschneiden würde und ein paar Gespräche einbauen, dann könnte das ein guter Film werden.
Florian Bayer: Oh, aber das ist jetzt ein hohes Lobmeier.
Maja: Das heißt, das Material an sich ist da.
Johannes Franke: Die Umsetzung ist scheiße.
Florian Bayer: Du würdest die Hochzeit rausschneiden und den Film anderthalb Stunden ...
Maja: nicht mal was gegen die Hochzeit, aber ich würde wahrscheinlich ein bisschen Vorgeschichte reinbauen, so dass man die Hochzeit in einer... aus einer Perspektive sieht, aus der man versteht, worum es hier geht und auf wen wir achten sollen. Ich würde einen Teil der Gespräche rausschneiden, nämlich die, die absolut sinnlos sind. Also den Vater kann man sich zum Beispiel komplett schenken, weil der am Ende völlig inconsequential ist. Ja. Ich würde die Leute miteinander reden lassen und nicht immer nur aneinander vorbei und nicht immer nur in Kalenderweisheiten. Und wie gesagt, mindestens eine halbe Stunde kürzen. Aber dann könnten diese Bilder zusammen mit dem Weltuntergang und dieser Unausweichlichkeit und so... Das könnte was haben. Das könnte ein berührender, bewegender Film sein, der sich sowohl mit Depression vernünftig befasst, als auch mit dieser fiktiven Idee des Weltuntergangs. Könnte funktionieren, aber nicht so.
Florian Bayer: Oh, das finde ich total gut. Wir kommen zu unserer Sektion. Maya fixed Melancholia für euch. Nein, wirklich. Szene 1. Was sehen wir am Anfang? Du musst jetzt nicht ins Detail gehen. Aber wir sehen, wie sie bei den Hochzeitsvorbereitungen ist oder wie sie... ihren fast Ehemann kennenlernt? Oder was passiert am Anfang? Was erklärt uns diese Figur?
Maja: von mir aus könnten wir tatsächlich auch so einsetzen, wie wir einsetzen. Also mit dem Weg zur Hochzeit oder so. Ähm ... Aber der Ehemann weiß, was sie für ein Problem hat. Oder doch, er ist zu dem Zeitpunkt ja schon der Ehemann. Also der weiß Bescheid, die beiden haben miteinander gesprochen und er ist informiert. Und ihre Anxiety... ist so stark, dass sie eben nicht die ganze Zeit in dem Auto rumkichert oder so, sondern dass sie sich halt wirklich an den Nägeln kaut oder rumspielt oder an einem Gummiband rumzupft oder irgendwas... Wir wissen, okay, ihr geht es gerade wirklich nicht gut. Deswegen geht sie zu dem Pferd, um sich zu beruhigen und nicht mit... Also wir sehen, sie versucht aktiv gegen ihre Depression und gegen ihre Anxiety in dem Moment vorzugehen.
Florian Bayer: Und sie redet mit ihrem Ehemann auch drüber? Ja. Wie erfahren wir das? Okay, sie unterhalten sich auch drüber, dass es ihr schlecht geht oder dass sie sich unwohl fühlt. Hey, lass uns noch zufrieden gehen.
Maja: Beziehungsweise sie sagt vielleicht nichts, aber er sagt, du, ich sehe, beruhige dich erst mal, nimm dir die Zeit. ähm, er äußert Verständnis, er zeigt dem Zuschauer, was ihr Problem ist, also sie zeigt und er redet darüber, was ihr Problem ist und sagt, du nimm dir alle Zeit, die du brauchst und so. Und er möglicherweise beim Ankommen ... bringt die Schwester zum Schweigen. So von wegen, ihr seid zwei Stunden zu spät. Er schiebt Justine in Richtung Stall ab und erklärt der Schwester, pass mal auf. Also erstens mal Du hast darauf bestanden, dass die Scheiße hier so groß aufgezogen wird. Wir wollten das nie. Zweitens, jetzt halt dich mal zurück, ihr geht's gerade richtig kacke und wenn du willst, dass das funktioniert, dann hältst du jetzt gefällig die Presse.
Florian Bayer: Orton ist aber schon eine krasse White Knight-Figur, oder? Ja, genau. Wie kommst du dann dazu, dass sie ihn am Schluss verlässt oder gehen lässt, wenn er plötzlich so aktiv tatsächlich so ein verständnisvoller Typ ist?
Maja: Ich sehe auch nicht ein, warum sie den unbedingt loswerden muss. Das ist doch viel stärker, wenn er da ist. Wenn trotz des emotionalen Haltes... diese Depression am Ende gewinnt. Das ist wesentlich tragischer.
Florian Bayer: Okay, Hochzeit. Wir schneiden den Vater raus, hast du gesagt?
Maja: Ja, den brauchen wir nicht.
Florian Bayer: Wir schneiden die Mutter raus, die fandst du doof?
Maja: Ich finde die Mutter furchtbar, aber die kann man als Figur benutzen, weil sie viel erklärt.
Johannes Franke: Das stimmt.
Florian Bayer: Wir verzichten auf den Pippi und den Sex auf dem Golfplatz.
Maja: Aber definitiv.
Florian Bayer: Was machen wir mit dem Chef von ihr?
Maja: Der kann weiterhin scheiße sein, aber er ist wahrscheinlich nicht mit dem Ehemann befreundet.
Florian Bayer: Okay, er ist nicht mit dem Ehemann befreundet, es kommt zum Eklat und sie verliert dann ihren Job.
Maja: Naja, sie kündigt, ja.
Florian Bayer: Okay, und das heißt, sie bleibt am Ende mit dem Typen verheiratet?
Maja: Mhm. Aber er kann nichts machen.
Florian Bayer: Aber er kann nichts machen.
Maja: Also alles Verständnis hilft halt in letzter Konsequenz... auch nichts, weil ihre Depression zu schwer ist. Er ist zwar, er versucht, den Anker zu spielen, aber er kann es halt auch nicht ändern. möglicherweise im späteren Verlauf kann er nicht mehr oder so. Also die könnten sich ja später trennen, aber ich verstehe nicht, warum das am Tag der Hochzeit passieren muss. Also das ist schlechte Planung, sorry.
Florian Bayer: Zweite Hälfte. Moment, nein, noch nicht. Zweite Hälfte. Sie lebt mit ihm zusammen dann auf diesem Gutshof von dem Schwager.
Maja: Na, entweder sie trennen sich am Anfang der zweiten Hälfte, weil es komplett schief geht. Oder aber er weiß nicht mehr weiter und ruft die Schwester an oder die Schwester ruft ihn an und sie vereinbaren, okay, wir kommen jetzt zu euch zu Besuch. Also entweder er kommt mit oder er ist weg, aber wir haben einfach eine Person mehr auf dem Hof.
Florian Bayer: Das Kind nölt mehr und ist mehr lebendig?
Maja: Das Kind verhält sich wie ein Kind. Natürlich, das Kind stellt Fragen, das Kind nüllt. Darüber würden wir auch unheimlich viel über die Situation selber erfahren, weil das Kind einfach mal Kind ist und fragt.
Florian Bayer: Also über das Kind wird uns quasi erklärt, was mit Melancholia los ist und weil die Eltern das Kind beruhigen und sagen, hey, ja, guck mal, es kommt ein Planet.
Maja: Genau, also wir müssten diese von oben herab Nummer mit der Ehefrau nicht haben, weil das Kind fragt.
Florian Bayer: Okay. Und dann setzen die Erdbeben und Stürme und whatever ein, damit es physikalisch realistisch ist. Okay, das ist jetzt zum Actionfilm, oder? Also was machen sie dann? Fliehen sie dann? Haben sie einen Bunker?
Maja: Du kannst nicht fliehen vor einem Planet. Da, ein Planet!
Florian Bayer: Ich kenne Abkürzung, schnell!
Maja: Deswegen, also das Ende könnte sogar so bleiben, wie es ist. Ähm, von mir aus bringt sich auch der doove Ehemann von der Schwester um. Alles in Ordnung, können wir so lassen. Auch wenn ich nicht verstehe, warum er die Medikamente komplett alle machen muss und, äh, niemandem den Ausweg lässt.
Johannes Franke: Weil ein Ego ist das wahrscheinlich.
Maja: Das ist kein Egoismus mehr.
Johannes Franke: Ich möchte gerne eine Frage anschließen. Würdet ihr, wenn das Ende naht, euch vorher umbringen? Oder wollt ihr das Ende miterleben?
Florian Bayer: Ich will das miterleben.
Johannes Franke: Das ging sehr schnell, Flor, die Antwort.
Florian Bayer: Definitiv. Also ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, dass es besonders schmerzhaft ist, wenn ein Planet mit der Erde kollidiert, weil das ist sowieso. Dürfte sowieso zu schnell. Wenn du innerhalb von Sekunden verklüßt, ist das glaube ich jetzt nicht so schlimm.
Johannes Franke: Aber ich glaube eben nicht, dass es so ist, wenn wir die Erdbeben haben vorher.
Maja: Eben. Ich würde mich vorher umbringen.
Johannes Franke: Also du musst halt wirklich damit rechnen, dann durch die Sintflut zu ertrinken, statt von einem Planeten zu meinem zu werden.
Maja: Also den Planeten kriegst du gar nicht mehr mit. Du bist bis dahin schon mehrfach draufgegangen. Ja. Entweder bist du erschlagen worden von dem Haus, was über dir einstürzt. Oder du wurdest von einer Flutwelle hinweggerafft. Oder du erstickst qualvoll. Also der Moment, wo das Ding aufschlägt und tatsächlich irgendwas brennt und der Blitz kommt, den erlebst du nicht mehr.
Florian Bayer: Du bist vorher tot. Vielleicht mit so einer Selbstmordkapsel, die ich irgendwie in den Zähnen hätte, wie die Spione das früher in den Filmen hatten. Auch in der Realität tatsächlich, dass ich jederzeit zubeißen kann, aber jetzt echt so das Beste verpassen?
Maja: Was heißt das Beste? Du verpasst einen Haufen Scheiße, bevor das Ding aufschlägt. Wie gesagt, den Aufschlag kriegst du gar nicht mehr mit.
Johannes Franke: Aber ich glaube, das Naturschauspiel ist schon geil anzusehen.
Maja: Davon siehst du ja nichts. Also stell dir mal vor, Planet kracht hier drauf. In Berlin, du siehst überhaupt nichts von dem Naturschauspiel. Was du mitkriegst, ist, dass dir auf einmal der Fußboden aufreißt.
Johannes Franke: Nein, du siehst schon noch die, also ich glaube schon, dass du den Planeten siehst in der Größe am Himmel.
Maja: Das kommt ein bisschen drauf an, wenn du auf der anderen Seite der Erde bist, siehst du gar nichts.
Johannes Franke: Stimmt.
Florian Bayer: Und du meinst, hier in Berlin wegen der ganzen Lichtverschmutzung würde man das nicht so richtig sehen. Also da müsste man raus aufs Land fahren. Man kann ja nach Brandenburg fahren, um das Ganze zu sehen. Stimmt.
Maja: Ja, wie gesagt, wenn du Glück hast, dass der auf deiner Seite der Erde einschlägt.
Johannes Franke: Ja, und ich würde auch nicht, obwohl, dann hast du aber auch mit den Tsunamis und so weiter erst einen Moment später ein Problem. Ist ja auch geil.
Florian Bayer: Ich würde auf jeden Fall, also ein bisschen was würde ich schon sehen wollen davon.
Johannes Franke: Ich würde schon auch was davon sehen wollen. Also das ist schon das Once in a Lifetime, oder?
Florian Bayer: Und es ist doch egal. Ich meine, ob du jetzt fünf Minuten länger lebst und vielleicht ein bisschen Schmerzen hast, am Schluss bist du doch eh tot.
Maja: Ja, schon. Aber hast du echt Bock unter Grill? Elendig zu ersticken oder an zerquetschten Organen draufzugehen, macht keinen Spaß und kann ein paar Stunden dauern. Das dauert ein bisschen, bis das Ding aufknallt.
Florian Bayer: Also ich weiß halt nicht, wie das ist mit den zerquetschten Organen. Habe ich jetzt noch nicht am eigenen Leib erlebt.
Maja: Tut wahrscheinlich weh.
Florian Bayer: Wahrscheinlich, ja.
Johannes Franke: Aber wollt ihr dann alleine sein oder wollt ihr mit einem Haufen Leuten, die den Arm ablaufen? Oh Gott. Die Antwort liegt in der Frage.
Maja: Gehst du jetzt auf The Purge oder? Es ist so ein bisschen scheißegal.
Johannes Franke: Ich glaube, ich würde mir lieber ein oder zwei Leute schnappen, von denen ich weiß, die fangen nicht an durchzudrehen und bringen sich gegenseitig um, sondern wir setzen uns dann zusammen auf einen Hügel in Branden.
Florian Bayer: Oh Gott, ist das sentimental. Du bist wie Claire.
Johannes Franke: Verdammt.
Florian Bayer: Ich würde sagen, Johannes, geh auf deinen Hügel in Brandenburg. Ich mache was Besseres.
Maja: Also ganz ehrlich, ich glaube, ich würde mich bis zur Besinnungslosigkeit saufen und das letzte, was ich trinke, enthält Gift.
Florian Bayer: Besoffen ist eigentlich auch ganz gut.
Johannes Franke: Besoffen ist nicht schlecht, ja. Oder LSD oder so.
Maja: Ja, irgendwas in der Richtung. Deswegen habe ich auch den Hinweis, so saufen, gute Idee würde ich auch machen. Was willst du sonst machen?
Johannes Franke: Stimmt schon.
Maja: Ich würde auch dem Kinn was zu trinken geben. Scheiß drauf. Nummer ist durch.
Florian Bayer: Ich glaube, wir sind so abgedriftet, dass es Sinn macht, an dieser Stelle unsere Top-3-Liste zu machen.
Maja: Oh mein Gott!
Florian Bayer: Johannes, Jingle! Jingle!
Maja: Top 3!
Johannes Franke: Top 3. Top 3. Was haben wir denn an Top 3 uns ausgedacht, Plur?
Florian Bayer: Wir hatten tatsächlich Probleme, einen Top 3 zu finden. Also wir hatten so ein bisschen länger drüber geredet und ich habe Top 3 traurige Filme vorgeschlagen, du hast Top 3 Filme, die Maya ärgern, vorgeschlagen. Ja.
Johannes Franke: Und ich wollte mich unbedingt durchsetzen mit Top 3 Filmen, die Maya ärgern, weil ich einfach zu viel Spaß daran habe. Ich finde es so geil, dass wir Melancholia wirklich genau deswegen gewählt haben.
Florian Bayer: Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass der Film ... zumindest so ins Mittelmaß rutscht bei ihr, weil es genug gibt, was das irgendwie rausreißt. Also ich habe vieles erwartet. Ich habe viel erwartet, so das Prätentiöse und so, dass sie das kritisierten, auch das nicht sonderlich realistische, aber ich habe gedacht, so die Schauspielleistung und die Bilder... Und vielleicht auch ein bisschen der Pathos, der immer mal wieder durchkommt, dass der reicht, dass Maya sagt, ja, okay. Ich hasse Pathos.
Johannes Franke: Maya ist übrigens anwesend, wenn wir die ganze Zeit über Maya reden, ist auch ein bisschen komisch.
Florian Bayer: Du hast Pathos?
Maja: Ja.
Johannes Franke: Das wird ein interessantes Gespräch über den zweiten Film für heute. Ja.
Maja: Den kann ich verteidigen.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt. Okay, lass uns unsere Top 3 machen. Und zwar habe ich mich durchgesetzt mit den Top 3 Filmen, die Maya ärgern. Und Maya hat aber auch noch andere Listen gemacht. Du hast noch was dabei?
Maja: Naja, wir hatten ja zwischendurch auch darüber gesprochen. Dass wir traurige Filme, also Filme, die wir als traurig empfinden. Und die Top 3 habe ich auch bei.
Johannes Franke: Du Overachiever, du. Was ist denn los?
Maja: Die Liste war schon fertig, als wir uns dann doch für die andere entschieden haben.
Florian Bayer: Ach so. Finde ich total gut. Ich glaube, ich habe keine Top 3 traurige Filme, aber ich könnte überlegen, ob es... Ich glaube, 10 würde ich eher schaffen, so rauszuwerfen. Ich kann versuchen, Top 3 traurige 10 zusammenzustellen, schnell improvisiert.
Johannes Franke: Wow, das kriege ich nicht hin. Wow, okay. Ich improvisiere. Ich erfinde Filmnamen, okay? Also, Top 3 Maya-Ärger-Filme. Wer will denn anfangen? Leg los. Du offensichtlich. Ich hab noch keine Ziffern an festgelegt. Moment, ich habe ganz viele Filme, von denen ich denke, dass sie Maya vielleicht ärgern könnten und ich habe ein paar so Wildcards, von denen ich genau weiß, ob das wirklich stimmt. Oder ob ich mir da dir dann zu wenig zutraue oder zu viel zutraue, je nachdem. Aber ich fange mal mit dem Obvious an. Und zwar hätten wir da Magnolia. Ja, Magnolia ist einfach so langsam erzählt. Kennst du Magnolia?
Maja: Ja, Magnolia ist einfach nur langweilig. Steht auf meiner Liste nicht drauf.
Johannes Franke: Okay. Und du findest ihn einfach nur langweilig, aber er ärgert dich nicht?
Maja: Nö.
Johannes Franke: Hm. Hm. Meine Filme basieren größtenteils darauf, dass sie langsam erzählt sind. Aber ich dachte, das wäre so dein...
Maja: Ich mag es nicht, wenn man mich langweilt, aber wenn man mir mit dummem Scheiß kommt, dann bin ich da sehr viel eher. Ah, sehr gut.
Florian Bayer: Meine Nummer drei ist, die kennst du wahrscheinlich gar nicht, die Filme, Bigotten. Aus dem Jahr 1989.
Johannes Franke: Ein Horrorfilm, der... Schwarz-Weiß und langsam...
Florian Bayer: War 2, der eigentlich nur 80 Minuten geht. Relativ kurz eigentlich. Nee, nur 70 Minuten sogar. was wahrscheinlich schon ein Pluspunkt ist.
Maja: Ja.
Florian Bayer: Aber der ohne Dialoge die ganze Zeit in schwarz verrauschten Bildern, die wirken wie zur Anfangszeit des Films, einfach nur Horror darstellt und wenn man einen coolen Horrorfilm erwartet und den anschaltet, Und er wird als Horrorfilm vermarktet, so ein bisschen. Dann ist man spätestens nach 10 Minuten sehr irritiert, dass es einfach nicht auffällt. Das ist so ein bisschen wie, wenn man das Video, was sie in The Ring gucken ... auf 70 Minuten ziehen würde und die Bilder ein bisschen hässlicher machen.
Maja: Das klingt eher langweilig. Also ich glaube, das trifft es auch nicht ganz, aber ich habe ihn nicht gesehen, keine Ahnung. Das ist das Problem bei meiner Top 3.
Florian Bayer: Ja.
Maja: Die meisten Filme, die mich aufregen würden, habe ich natürlich nicht gesehen.
Johannes Franke: Aber woher weißt du?
Maja: Oder zumindest nicht zu Ende. Das werde ich bei den Dishonorable Mentions erwähnen.
Johannes Franke: Dann kommen wir raus.
Maja: Also meine Nummer drei ist die Haut, in der ich wohne von Almodovar. Den musste ich leider gucken.
Florian Bayer: Nein, wirklich? Und der hat dir nicht gefallen?
Maja: Der ist furchtbar.
Florian Bayer: Ich wollte gerade sagen, wenn du den Film nicht gesehen hast. Aber das ist doch...
Maja: Der hält sich für tiefgründig. Es wird wieder mal nicht erklärt oder miteinander gesprochen. Es ist furchtbar. Nein. Dieser Scheißfilm. Der ist gar nicht pretentious. So ein Schrott. Ja.
Florian Bayer: Mein Plan geht auf. Mein Plan geht auf. Das ist doch ein Thriller-Drama. Thriller-Drama. Es passiert doch was. Die Geschichte erklärt sich doch auch. Seine Tochter wird irgendwie, ich weiß gar nicht mehr, vergewaltigt. Er führt den Vergewaltiger und operiert ihn um und quält ihn und dann verliebt er sich in ihn. Es ist total geil.
Maja: Und alleine das ... Also, tut mir leid, aber allein, was das der Trans-Community antut, solche Filme. Nein, dieser Film gehört auf den Index.
Florian Bayer: Punkt für dich. Index, nein. Punkt für dich, was der Umgang mit Intersexualität und Transsexualität betrifft, ist der Film wahrscheinlich nicht sonderlich sensibel.
Johannes Franke: Ding, ding, ding, ding, ding. Kommen wir zur zweiten Runde. Floor gegen Meier.
Florian Bayer: Deine Nummer zwei, Johannes. Du bist als erster dran, bevor wir wieder kämpfen.
Johannes Franke: Meine Nummer zwei ... Ich glaube, du hast dich über Fabelöfte, Welter Amelie, aufgeregt.
Maja: Nicht in dem Maße. Okay. Ich bin der Meinung, dieser Film gehört in die tragischen Filme. Der steht bei mir, glaube ich, bei Honorable Mentions bei den sehr traurigen Filmen drauf. Aha.
Johannes Franke: Weil ...
Maja: Diese Frau, so wie die ist mit ihrer Besonderheit, wäre zu einem Leben in Einsamkeit verdammt. Die hat Glück gehabt, dass sie jemanden gefunden hat, der genauso einen Flitz hat wie sie. Aber ja, den finde ich tragisch. Den finde ich nicht... Ärgerlich in dem Sinne.
Johannes Franke: Okay, weil ich hatte gedacht, für dich geht es in die Richtung pretentious.
Maja: äh, ein Haufen französische Filme geht in diese Richtung. Aber, ähm, nee, ist, ist, äh, nett genug gemacht, um mich wieder zurückzugewinnen.
Florian Bayer: Okay, okay, gut. Wow. Ich glaub, der ärgert dich auch. Den findest du nicht nur langweilig, der ärgert dich auch. Gary von Gus van Sand aus dem Jahr 2002.
Maja: Nie gesehen.
Florian Bayer: Matt Damon und Casey Affleck spielen zwei Freunde, die sich eigentlich praktisch gar nicht unterhalten und in der Wüste verirren. Und dann den Rest des Films, nicht den Rest des Films, den gesamten Film über einfach in der Wüste rumlaufen.
Maja: Klingt wie Stalker oder Solaris.
Florian Bayer: Takoski. Und in einer Szene sind sie in so einer Totalen zu sehen sehr weit weg und sie bewegen sich so langsam, dass man nicht genau weiß, ob sie sich bewegen. Diese Szene wird, glaube ich, so fünf bis zehn Minuten gehalten.
Maja: Zeitverschwendung, verstehe ich nicht.
Florian Bayer: Wozu?
Maja: Das ist doch einfach nur Publikum quälen, oder?
Florian Bayer: Ja, tatsächlich.
Maja: Okay, meine Nummer zwei, wa?
Florian Bayer: Endgame. Avengers?
Johannes Franke: Okay, ich bin total interessiert, warum, aber es irritiert mich, dass die jetzt in der Liste auftaucht.
Florian Bayer: Du hast den gesehen, oder?
Maja: Ja.
Johannes Franke: Okay, er ärgert, lass mich raten, er ärgert dich vor allem, weil du dem Genre eigentlich immer positiv gegenüberstehst und dir dich dadurch...
Maja: Und er mich tierisch aufgeriecht hat am Ende, ja.
Florian Bayer: Okay, okay. Ganz kurz, Endgame war der zweite Teil, also der letzte Teil komplett. Und was hat dich aufgeregt?
Maja: Dieser Unsinn mit dem Time Travel.
Florian Bayer: Erzähl weiter, ich bin voll bei dir.
Maja: Der hat den Film total kaputt gemacht, weil, tut mir leid, damit war alles, was vorher passiert ist, komplett inconsequential. Du, Du hättest den Film dir eigentlich schenken können und den Film davor, weil ... spielt ja sowieso alles keine Rolle, kann man ja eh alles ändern, aber dann ändern sie den Tod von Iron Man nicht, dann, äh, geht hier Captain America in die Vergangenheit zurück und interessiert sich einfach nicht mehr dafür. Ähm ... Gamora bleibt tot. Was soll der Scheiß?
Johannes Franke: Ja, ich verstehe. Ich bin voll bei dir, was das betrifft. Absolut.
Maja: Das war einfach nur Ball fallen lassen. Und deswegen halte ich mich unwirklich.
Florian Bayer: Der Film hat mich nicht geärgert, aber ich fand den auch... Ja, nicht so geil. Ich fand auch die Schlacht tatsächlich total lahm am Ende. Wo du denkst, jetzt kommt das große Finale und alle kämpfen gegen ... gegen den Oberfiesling und es gibt eine riesige Schlacht und alles sind wieder dabei und dann war das so eine lahme Schlacht, also vor allem, wenn man sie vergleicht mit anderen Fantasy- und Science-Fiction-Filmen der letzten Jahrzehnte, also so mit Herr der
Johannes Franke: Ringe der Schlacht.
Florian Bayer: Oder selbst mit Harry Potter der Schlacht. Das kann ich im geringsten mithalten, weil es einfach lame war. Und genau das Zeitreisending ist doof. Aber ich mochte den fetten Tor. Den fand ich sehr witzig. Und den Hulk, den Hulk mochte ich auch, der irgendwie zu sich selbst gefunden hat, fand ich auch super.
Maja: Der war ganz schön pretentious, der war ein bisschen problematisch, aber der fette Tor, gebe ich dir recht, der war super. Da war ein Haufen Zeug bei, was eigentlich hätte funktionieren können. Und dann machen sie es am Ende zu so einer Farce. Das hat mich einfach aufgeriecht.
Florian Bayer: Tatsächlich fand ich das Captain America Ende vor allem saudoof. Und das hat sowieso alles keinen Sinn gemacht. Also die Zeitreise bei Avengers ist komplett ... durch und drüber und ergibt überhaupt keinen Sinn. Ja.
Johannes Franke: Okay, bevor ich zu meinem Platz 1 komme, würde ich dir gerne ein paar Titel einfach entgegenschleudern und du sagst kurz ja, nein. Okay. Wahrscheinlich. Und kennst nicht. Das musst du auch dazu sagen. Persona? Kenn ich nicht, glaube ich. Der Spiegel? Kenne ich nicht. Ja, ja. Würde Meier ärgern. Himmel über Berlin. Von Wim Wenders? Kennst du nicht? Oh, okay. Antichrist.
Maja: weiß ich genug drüber, würde mich wahrscheinlich aufregen, würde ich eklig finden, finde ich unnötig, habe ich aber nicht gesehen.
Johannes Franke: Playtime von Jacques Tati. Ja, definitiv. Aber Maya kennt es nicht. Zurecht nicht gesehen, weil dich würdest definitiv... Fargo?
Maja: Auch nicht gesehen.
Johannes Franke: Auch nicht gesehen.
Florian Bayer: Fargo würdest du, glaube ich, mögen.
Johannes Franke: Weil ich gedacht habe, vielleicht ist es zu... Fargo hat genug Humor und...
Florian Bayer: Nette Charaktere, andere Charaktere sind sympathisch. Aber er setzt sich schon ganz schön auf.
Johannes Franke: oft dieses weite Schneelandschaft. Nichts passiert oft irgendwie so. Also es passiert viel in den Filmen, aber du gibst... Der Film gibt immer das Gefühl von, wir sind hier in einer trostlosen Welt, in der eigentlich nichts ist.
Florian Bayer: Ich weiß nicht. Auf Hago würde ich wetten, dass er Maier gefällt. Weil es einfach dann doch ein relativ... gut und witziger zetter action thriller schwarzem humor ist ja ghost story
Johannes Franke: Sagt mir nichts.
Florian Bayer: Würde sie nicht mögen. Definitiv nicht.
Johannes Franke: Inside Levin Davis. Ich dachte, wir hätten den zusammen gesehen. Typ mit seiner Katze, der in der Gegend rumläuft. Das war die beste Filmzusammenfassung, die ich je gehört habe.
Maja: Aber Dys mit Katze ist schon mal positiv.
Johannes Franke: Donnie Darko?
Maja: Nee, fand ich okay.
Johannes Franke: Witzig genug wahrscheinlich. Ja, okay. Witzig. Dancer in the Dark.
Maja: Ich zum Glück nicht gesehen, würde mich wahrscheinlich tierisch aufholen.
Florian Bayer: Den wollte ich bei den traurigen Filmen, danke.
Johannes Franke: Okay. Inception.
Maja: fand ich eigentlich in Ordnung. Nur das Ende hätte man klarer machen können. Aber ...
Johannes Franke: Ja, weil ich hätte, wenn ich mit dir geguckt habe, ich glaube, wir hätten ewig über dieses Ende diskutiert und du hättest dich sehr aufgeregt.
Florian Bayer: Tenant?
Maja: Kann ich nicht sehen. Okay.
Johannes Franke: Batman Returns. Nee. Okay, cool. Also genug Slapstick-Talks und das macht dich nicht zu sehr... Ich hab nichts gegen Tragik.
Maja: Also von mir aus darf es gerne bittersweet sein, das ist in Ordnung.
Florian Bayer: Du meinst den Burton auch grundsätzlich, oder?
Maja: Naja, die älteren Sachen, also ich meine, er haut auch auf genug daneben, ne? Also zum Beispiel... Wie war da irgendwas? Dark Shadows oder so? Den hab ich nicht gesehen. Der war ziemlich langweilig.
Florian Bayer: Aber du machtest so etwas mit den Scherenhänden und ...
Maja: Ich finde, das ist eine interessante Stimmung. Okay.
Johannes Franke: Dann komme ich zu meinem Platz Nummer 1 und bin froh, dass ich alle bisherigen Genannten nicht genommen habe, weil kein richtiger Treffer dabei war. Aber ich weiß nicht, ob der jetzt Treffer ist, weil ich nicht weiß, ob du ihn kennst. Dead Man.
Maja: Den habe ich gesehen. Mit dir.
Johannes Franke: Mit mir. Sehr gut, sehr gut. Und?
Maja: Ist langweilig.
Johannes Franke: Ja, okay.
Maja: Aber reg dich jetzt nicht auf.
Johannes Franke: Weil diese ganze Geschichte mit dem Ureinwohner und diesen ganzen, ich dachte, das wäre für dich dann doch zu viel Mujibubu.
Maja: Es passiert halt nicht viel.
Johannes Franke: Ja, okay.
Maja: Aber ja, ist in Ordnung. Das ärgert mich nicht.
Johannes Franke: Ich habe Deadman vor allem genommen, weil es einer meiner absoluten Favorites ist. Das wundert mich gar nicht. Ich finde ihn großartig.
Maja: Also, ist langweilig, aber passt.
Johannes Franke: Passt zu mir, ja, danke. Danke, Maja, danke. Okay, Flor.
Florian Bayer: Jetzt befürchte ich, dass du meinen Platz 1 auch einfach nur langweilig finden würdest. Das Turiner Pferd ist so ein ungarischer Film aus dem Jahr 2011, der...
Maja: Mit russischen Untertiteln.
Florian Bayer: Zwei Stunden. Ich glaube, es gibt ihn tatsächlich nicht synchronisiert, also mit englischen Untertiteln wahrscheinlich. Ähm... 146 Minuten, in denen nichts passiert und zwei Menschen langsam dem Tod entgegen gehen. Das Ganze so ein bisschen mit Bezug auf Nietzsche und ...
Maja: Ja, also wenn er pretentious ist, dann würde ich ihn scheiße finden. Ansonsten fände ich ihn wahrscheinlich nur langweilig.
Florian Bayer: Ja, ich glaube, der ist schon ein bisschen pretentious. Den müssen wir uns mal angucken für eine der kommenden Podcast-Folgen.
Johannes Franke: Okay, okay. Dann spiele ich Majas Rolle oder wollen wir Maja wieder einladen?
Florian Bayer: Nee, ich glaube, der könnte ja gefallen.
Johannes Franke: Okay. Ich bin gespannt.
Florian Bayer: Maya, Platz 1.
Maja: Okay, Dishonorable Mentions.
Florian Bayer: Oh, ja.
Maja: Logan's Run.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Westworld. Was? Moment, Moment. Zardos. Moment.
Johannes Franke: Oh, wir sind bei den 70er Sense Fiction. Es geht um die Filme.
Maja: Es geht um die Filme.
Johannes Franke: Genau.
Maja: So ziemlich jeder 70er-Jahre-Film. Das ist für mich das dunkle Zeitalter des Films. Diese Filme waren so scheiße.
Florian Bayer: Star Wars.
Maja: Das war 79, das war quasi 80er.
Florian Bayer: Alien war 79. Der weiße Hai.
Maja: Der weiße Hai ist scheiße.
Florian Bayer: Nein, Maya. Alter, echt jetzt? Tu mir das nicht an.
Maja: Aber, ja, okay. Star Wars und Alien nehme ich raus, aber die habe ich in die 80er gezählt.
Florian Bayer: Okay, Moment, Moment. Gib mir eine Sekunde.
Maja: Also, ich dachte, dass Star Wars 1, 79 rausgekommen ist. 77. 77 gedreht, aber ich glaube, die haben... Nee, nee, nee.
Johannes Franke: Ich glaube, es ist 77 rausgekommen.
Florian Bayer: Der Pate.
Maja: Hab ich nie gesehen.
Florian Bayer: Ah, interessant. Okay. Dirty Harry hast du wahrscheinlich auch nicht gesehen. Okay, das ist ein Film für dich. Die Legende von Paul und Paula. Moment, ich finde noch Besseres.
Johannes Franke: Warum bin ich auf diesen Film?
Florian Bayer: Genre-Kino aus den 70ern. Der Exorzist. Rosmaris Baby. Ich glaube, das war 60er.
Johannes Franke: Der Schulmädchen-Report.
Florian Bayer: Die Zombie-Filme, Dawn of the Dead. True Mansion Report ist doch 70er oder 69er oder so Anfang 70er. Texas Chainsaw Massacre?
Maja: Lame.
Florian Bayer: Suspiria.
Maja: Kenn ich nicht.
Florian Bayer: Was? Die Cialo, doch, den haben wir zusammen geguckt. Italienischer Horrorfilm, Schule mit Hexen und Mord.
Maja: Kann mich nicht dran erinnern.
Johannes Franke: Mir hat er schon auch erzählen wollen, dass wir zusammen geguckt haben. Ich weiß nicht mehr.
Florian Bayer: Echt die 70er?
Maja: 70er Jahre ist bei mir ziemlich raus.
Johannes Franke: Okay, wir haben einmal Blur zerstört. Okay.
Maja: Das ist nicht alles. Ich habe da noch Neighbors drin zu stehen, den habe ich aber nicht zu Ende geguckt.
Florian Bayer: Neighbors?
Maja: Das war so eine Komödie.
Florian Bayer: Diese nette Komödie mit, wie heißt der? Seth Rogen?
Maja: Das ist mit Zac Efron.
Florian Bayer: Genau, Zac Efron und Zac Rogan.
Maja: Und ich habe, glaube ich, die erste halbe Stunde gesehen. Danach muss ich den ausmachen. Der ist so scheiße gewesen. Also ich kann diese Art von Humor nicht.
Johannes Franke: Echt, unsere Filme geht so krass auseinander, die fand ich witzig.
Maja: Das nächste war eigentlich...
Florian Bayer: Flohfilm, völlig nicht.
Maja: I Feel Pretty, kürzlich versucht mit Amy Schumer, ging nicht, hab ich nicht ausgehalten. Der Humor war so scheiße. Also generell wette ich, dass ich mit Filmen wie Hangover ein Problem hätte. Also alles, was so in Bro-Filme, Buddy-Humor, oder Chick-Flicks reingeht mit besonders bescheuertem und sinnlosem Klamauk oder wo Dinge aus Trottlichkeit oder Dummheit passieren ohne Konsequenzen.
Johannes Franke: Sowas riecht mich auf. Okay.
Maja: Dann sämtliche historische Kriegsfilme. Kannst mich mit jagen.
Johannes Franke: 1900.
Florian Bayer: Das wäre ein Maya-Ärger-Film.
Maja: Den Film würde ich wahrscheinlich zerreißen. Der ist langweilig und auch noch, nein, furchtbar. Schrecklich. Dann nächstes Ding. Alles, wo es um Autos geht.
Florian Bayer: Bei dir Fast and Furious und so?
Maja: Ja, definitiv. Braucht man nicht. So ziemlich jeder ... Jeder Film, der keine Frauen drin hat. Also jede Sausage-Party. Ich finde es furchtbar. So eine Männer-Filme. Da könnte ich im Strahl kotzen. Dann gibt es ganz viele Sportfilme, die ich nicht abkann. Also alles außer Tanzsport vielleicht. Rock. geht noch aber wahrscheinlich auch noch weil ich Sylvester Stallone witzig finde Und dann natürlich Kunstfilme. Besonders die, die sich für philosophisch halten. Mit Arthouse kannst du mich jagen. Das sind die dishonorable Menschen.
Johannes Franke: Weißt du, dass ich, als ich recherchiert habe, einfach nur Arthouse-Filme eingegeben habe? Filme zu finden, die du scheiße findest. Das war so easy.
Maja: Auf Platz 1. Also da Melancholia ja rausfällt.
Johannes Franke: Ja.
Maja: Dances with Smurfs.
Johannes Franke: Was? Was? Was ist das denn?
Florian Bayer: Ist das die Schlümpfe?
Maja: Nein, das ist Avatar.
Florian Bayer: Ja, cool. Über Avatar habe ich auch schon sehr viel gerantet. Warum Avatar?
Maja: weil der Film von vorne bis hinten vorhersehbar ist. Und Dances with Smurfs, der mit dem Schlumpf tanzt. Im Grunde genommen ist das doch abgeschrieben. Also die Geschichte ist von einem bereits vorhandenen Film abgeschrieben und Vorhersehbar schlecht. Das einzig Positive daran waren die Effekte. Und tut mir leid, dann soll sie ein Musikvideo drehen.
Johannes Franke: Haben wir denn nicht zusammen abgebrochen?
Maja: Wir haben den zusammen abgebrochen. Ich habe den mit jemand anderem dann zu Ende geguckt tatsächlich. Und wir haben ihn währenddessen vorhergesagt. Und zwar Beat für Beat.
Johannes Franke: Geil, Mann.
Maja: Also, Scheißfilm.
Johannes Franke: Der ist völlig zu Recht auf deiner Liste, ja.
Florian Bayer: Ich bin voll bei dir. Der wurde so gelobt und gefeiert wegen diesem 3D-Gedöns und den Computereffekten.
Maja: Ja, aber dann kannst du auch solche Sachen wie Valerian oder so da reinpacken. Das ist... Ja, toll, dann haben sie sich da wirklich Mühe mit den Effekten gegeben. Das ist ja schön, aber wo ist die Story?
Florian Bayer: Valerian fand ich ganz nett.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Traurige Filme. Das waren... Ich will wissen, was Maja traurig findet. Ach ja, okay. Wir müssen unsere Top 3 kurz ein bisschen erweitern. Maja, sag mal, was für Filme sie tatsächlich traurig, oder Szenen oder Filme, wie auch immer.
Maja: Okay, ich fang mal mit den Honorable Mentions an. Ziemlich beste Freunde.
Johannes Franke: Ja, verstehe.
Maja: Big Fish.
Johannes Franke: Ja, okay.
Maja: Finde ich sehr tragisch. Die farbelhafte Welt der Amelie.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Steht bei mir bei tragisch Little Miss Sunshine.
Florian Bayer: Ah, ja. Ach.
Maja: Und es gibt auch tragische Bollywood-Filme im Übrigen. Und zwar zum einen We Are Family, Kal Ho Na Ho, Moa Batain und Doom 3.
Florian Bayer: Doom 3? Moment, Doom? Also D-O-O-M?
Maja: Da ist ein H mit drin, aber ja, es soll Doom heißen.
Florian Bayer: Aber es hat nichts mit dem Videospiel zu tun.
Maja: Nein, es hat nichts mit dem. Aber der dritte ist wirklich relativ traurig.
Florian Bayer: Ich kenne die ersten beiden auch.
Maja: Ich kann dir die Liste geben, du darfst dir die alle angucken, wenn du möchtest. Aber meine Top 3. Eternal Sunshine of the Spotless Mind. Das ist Nummer drei.
Florian Bayer: Und den findest du nicht prätentiös?
Maja: Nee, weil der hat genug Humor drin und genug Dinge, die mich dran halten. Um mich nicht zu nerven.
Florian Bayer: Krass. Okay.
Maja: Life of Pi... Nummer 2.
Florian Bayer: War das der Tiger? Ja, das mit dem Schiffbruch mit Tiger. Super.
Maja: Und wie im Himmel.
Florian Bayer: Wie im Himmel? Ah, was ist das?
Maja: Das ist ein skandinavischer, ich glaube schwedisch, ein Film über einen Musiker, der in seinen... Geburtsdorf zurückkehrt nach einem, ich glaube, Nervenzusammenbruch oder so, ähm, Also der ist irgendwie Geiger und sonst was und total berühmt und fängt dann dort an, einen kleinen Dorfchor aufzubauen. Und der ist tragisch.
Florian Bayer: Oh, krass. Okay, den kenne ich nicht. Den markiere ich mal. Ein schwedischer Film. 133 Minuten. Wow, okay. Ja, der ist gut. Cool.
Maja: Das sind die Traurigen gewesen.
Florian Bayer: Cool.
Maja: Wollte dem was dagegen setzen.
Florian Bayer: Tatsächlich, ich müsste jetzt so ad hoc und mir sind nur traurige Szenen eingefallen, bei denen ich Tränen in den Augen habe. Mhm. Jetzt kommt wirklich eine schräge Liste. Ich glaube, Platz 1 ist tatsächlich im Moment Inside Out. Alles steht Kopf. Wenn sie am Schluss dann... Oh Gott, der ist so traurig. Pixar ist echt drauf.
Johannes Franke: Das stimmt, ja.
Maja: Da ist auch die Anfangsszene von Up ganz fies.
Florian Bayer: Die hätte ich wahrscheinlich auch genannt, wenn ich jetzt noch etwas länger drüber nachgedacht hätte. Und wo die wilden Kerle wohnen von Spike Jonze. Hast du den gesehen?
Maja: Nee, also ich hab Gutes drüber gehört, aber hab den noch nicht gesehen.
Florian Bayer: Der ist auch super traurig. Und Dance in the Dark hab ich jetzt noch schnell aufgeschrieben.
Johannes Franke: Okay. So spontan bin ich nicht. Ich bin, was Filme betrifft, oft nah am Wasser gebaut, wenn er mich nicht nervt, der Film. dann kriegt er mich oft, wenn er es drauf anlegt. Also insofern, ich weiß nicht, die Top 3 traurigsten Momente kriege ich jetzt nicht aus dem
Maja: Aus dem Stehgreif?
Johannes Franke: Aus dem Stehgreif kriege ich das nicht hin, ne. Übrigens, wer sich meine Stimme anhört und sich denkt, der klingt aber heute komisch. Ja, irgendwie ist meine Nase zu. Ich klinge heute sehr nasal. Aber was soll's? Das waren unsere Top 3. Ja, vielen Dank, Maja. Vielen Dank. Haben wir denn zu dem Film noch was zu sagen, zu Melancholia? Möchten wir noch was loswerden? Maya, jetzt deine Gelegenheit, deinen Satz noch loszuwerden.
Maja: Yes, Claire, outrun the planet. You can do it. Ich hab da aber noch ein paar mehr. Es gibt so eine Szene, wo sie auf das Pferd einschlägt. Oh ja, das ist hart. Ich dachte mir so, what, beating the dead horse? So was hab ich da leider. Also, ähm, ah ja, Glas Wein und Ode an die Freude. Haha, funny. Sorry, Laras, jetzt ist es zu spät für Humor. Oder Magic Cave with Auntie Steelbreaker ist ... Not a cave at all, but a teepee. And meets walls so the child doesn't see the inevitable approach of the planet. Get some sheets!
Johannes Franke: Das stimmt, das ist kein Cave.
Maja: Sterben kommt viel zu spät. Wieder keinerlei Aufmerksamkeit für Physik. Aber Planet knallt auf Erde ist ein hübsches Bild. Völliger Blödsinn, aber hübsch. Was für ein Rotz. Zusammenfassung. Die depressive Person kommt besser mit dem Ende der Welt klar. Überraschung.
Johannes Franke: Ja, okay.
Maja: Kid does nothing while mom panics. Of course!
Florian Bayer: Wir gehen in eine kurze Pause und danach machen wir mit einem fröhlicheren Film weiter.
Johannes Franke: Wir lachen uns jetzt noch eine halbe Stunde kaputt. Das ersparen wir euch und wir sehen uns gleich wieder, hören uns gleich wieder. Beim muss man sehen Podcast. Ich muss mal kurz die Werbung noch heute unterbringen. Ist okay, oder? Ja, gut. Sehr schön. Bis gleich. So, Pause vorbei. Alle waren auf Toilette. Außer Plor. Plor, warum musst du nie auf Toilette? Was ist denn los?
Florian Bayer: Ich habe eine starke Blase. Das rächt sich wahrscheinlich. Flor hat einen Katheter.
Johannes Franke: Ich sag doch, alt.
Florian Bayer: Wenn du mehr Leute mit Katheter als ohne Katheter kennst, ist es ein Zeichen dafür, dass du alt bist. Explore. Willst du bitte ausführen? Willst du das genauer erklären? Hey, es funktioniert fantastisch, oder?
Johannes Franke: Es riecht ein bisschen komisch, aber egal.
Maja: Man muss aufpassen, dass man ihm nicht ins Bein piekt.
Johannes Franke: Wir haben einen zweiten Teil mit einem ganz wundervollen Filmvorschlag von Maya. Und zwar der Film Happy New Year.
Florian Bayer: Moment.
Maja: Weil das tote Pferd noch nicht tot genug war.
Johannes Franke: Ja, genau. Wir haben einen Film von Maya. Happy New Year aus Bollywood. Aus Indien. möchtest du diesen Film einmal kurz vorstellen, bevor wir ihn zerreißen?
Maja: Ich weiß nicht, ob ihr euch das trauen solltet, den zuzerreißen.
Johannes Franke: so wie du dich in Rage gerät hast. Im ersten Teil bin ich mir auch nicht ganz sicher, ob ich das will. Okay.
Maja: Happy New Year aus dem Jahr 2014. Oder wie ich ihn nenne, Bollywoods Oceans Eleven. Happy New Year, im Deutschen mit dem Zusatz Herzensdiebe, ist ein Red Chilis Entertainment Film aus dem Jahr 2014, produziert von Gauri Khan. Regie führte Farrah Khan, die nicht mit dem Hauptdarsteller Shahrukh Khan verwandt ist. Der Name kommt in Indien einfach häufig vor. Der Film setzte mit einem Box-Office von 7 Millionen US-Dollar am Eröffnungstag einen neuen Rekord und ist bis heute einer der erfolgreichsten Bollywood-Filme. Also ist er richtig gut, richtig? Naja, die Kritiken waren eher gemischt und ich bin absolut darauf vorbereitet, dass ihr den gleich in der Luft zerfetzt. Mit einer 5,0 von 10 Sternen auf IMDb und 50% sowohl Kritiker- als auch Publikumsbewertung auf Rotten Tomatoes ist Happy New Year in der Bewertung der Inbegriff von Mitgliedern. Aber worum geht's überhaupt? Die Handlung scheint zu großen Teilen von Ocean's Eleven abgeschrieben zu sein, auch wenn der Austragungsort das Atlantis Hotel auf der Palm Jumeirah in Dubai ist und kein Casino. Mit eingespränkelt sind Slapstick-Humor und natürlich in guter Bollywood-Manier ein Haufen Tanz- und Gesangsnummern und fertig ist das dreistündige Heist-Musical. Einer von meinen Lieblingsfilmen. Die Synopsis ist ganz kurz. Charlie, ein Schaukämpfer, ist der in Ungnade gefallene Sohn des Safebauers Manohar. der von einem Kunden vor acht Jahren übers Ohr gehauen wurde und daraufhin im Knast landete. Oder waren es neun? Ja. Aber die Sache hat einen Haken. Um an die Steine heranzukommen, muss das Team an der sogenannten Videocon-Tanz-Weltmeisterschaft teilnehmen. Und kein einziger von ihnen kann tanzen.
Johannes Franke: Schön, dass du Spezialisten in Quotes gesetzt hast.
Maja: Ich finde, es war rauszuhören, dass das ein Quotes war. Spezialisten.
Johannes Franke: Okay, bevor ich mich dazu äußere, Plur, wie fandest du diesen wundervollen Heist-Movie?
Florian Bayer: Also.
Maja: Wie liebst du dein Leben?
Florian Bayer: Ich habe diesen Film in zwei Teilen geguckt. weil es nach einer Stunde ungefähr so ein bisschen Ermüdung eingesetzt hat. Ich habe diesen Film partiell mit meinem fünfjährigen Sohn auf dem Schoß geguckt.
Maja: Und der hat alles verstanden.
Florian Bayer: Mein fünfjähriger Sohn fand diesen Film großartig. Aber wie ich, hat er mich vor allem ständig gefragt, und wann machen Sie jetzt endlich Ihren großen Coup? Ich glaube, er hat das Wort Coup nicht benutzt, sondern er hat gesagt, wann machen Sie endlich Ihren Einbruch? Und ich hab gesagt, ich glaub nur noch diese eine Tanzszene.
Maja: Ein gut Ding will Weile haben.
Florian Bayer: Ich werde diesen Film nicht in der Luft zerreißen, weil ich finde... Es war kein schlechter Film. Er war ... Ich bin mir da komplett falsch in Erwartungshaltung rangegangen, weil ich offensichtlich, was Bollywood betrifft, 90er sozialisiert bin. Und ich hab gedacht, Bollywood-Filme haben immer diese Struktur, dass es diesen ... einsamen Typen gibt, der sich in eine Frau verliebt und dann wird ganz viel gesungen getauscht. Wie gesagt, ich hab noch nie einen Bollywood-Film ganz gesehen, aber wenn ich was gesehen habe, war es halt irgendwie so ein Typ tanzt um eine Frau herum und sie ist reich und er ist arm und offensichtlich ist das das 90er-Bollywood-Ding und ... Anscheinend wurde in den letzten 20 Jahren auch viel anderes Zeug gemacht. Ja, ich meine, über die Story und so müssen wir nicht viel reden. Das ist alles total trashig und auch cheap, was Schauspielleistung und Bilder betrifft. Aber dieser Film hat teilweise echt einen Nerv bei mir getroffen. Also einige Sachen fand ich super witzig und Gerade weil sie so total infantil waren und weil sie so total albern waren. Aber zum Beispiel diese Kampfszene am Anfang, wenn sie ...
Maja: Die ist großartig.
Florian Bayer: Wenn sie in diesen Nightclubs sind und dann gegen die Bodyguards kämpfen und dann dieser eine Typ immer auf das erste Feld... Ach, die meinst du?
Maja: Ich dachte, du meinst die erste...
Florian Bayer: Ja, die auch. Die Kampfszenen grundsätzlich. Das war so albern und so over the top und so infantil. Und ich habe halt einfach die Augen meines Sohnes dabei auch gesehen. Und der saß da und der war überglücklich. Ich glaube, der hat noch nie so was Gutes in seinem Leben gesehen. Und das scheint ja auch irgendwie das Konzept des Films zu sein, dass der irgendwie versucht, allen zu gefallen. er wirklich alles drin hat. Wir haben Kampf und Action, wir haben Musical und wir haben Kitsch und Bombast und für alle gibt's was und wir haben halt auch diesen infantilen Humor, der Kindern total gut gefällt.
Maja: Naja, oder einer nicht so sehr gebildeten Bevölkerung. Landbevölkerung zum Beispiel.
Florian Bayer: Ja, okay.
Maja: Weil dafür sind die Dinger ja da.
Florian Bayer: Ja, ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass es so als Familienfilm gedacht ist. Ich fand's vor allem ab einem gewissen Punkt einfach ermüdend, weil es war mir dann einfach so ... zwei, drei Musical-Nummern zu viel, weil ich damit einfach nichts anfangen kann. Und es waren mir dann auch zwei, drei Verzögerungen zu viel und ich fand den... Protagonisten teilweise ziemlich unsympathisch. Also ich versteh nicht, warum der so viele Vorurteile draufgedrückt kriegt, die überhaupt nicht erklärt werden. Aber ich fand den Film auch irgendwie ... Ich meine, allein Charo Khans Bauchmuskeln. Six-Pack, Seven-Pack, Eight-Pack, keine Ahnung.
Maja: Das ist ein Ten-Pack.
Florian Bayer: Und der Typ ist 55 Jahre alt.
Maja: Jetzt, ja. Der war damals 49. Trotzdem, was ist eure Ausrede?
Florian Bayer: Das ist ... Ich meine, ja, es gab wirklich genug. Es gab eine Menge Sexappeal dadurch. Es gab eine Menge alberner Humor.
Maja: Obwohl die Schlamm-Catchen-Szene am Anfang ist schon wirklich ein Ausmaß von drüber. Das ist schwer. zu rechtfertigen.
Florian Bayer: Aber ganz ehrlich, ich meine, ich hab mich nicht gelangweilt bei dem Film. Es war okay, ich hab nicht das Gefühl, meine Zeit verschwendet zu haben. Es war manchmal ein bisschen ermüdend,
Johannes Franke: Maja, du hast diesen Film ausgewählt, weil du etwas unserem Ärgern entgegensetzen wolltest, richtig? Du wolltest uns wiederum ärgern.
Maja: Ich wollte dem... unbegründeten Schwermut von Melancholia, den ich schon im Vorfeld vermutet hatte, etwas entgegensetzen, nämlich abzusetzen. absolut unerklärbaren Frohsinn.
Johannes Franke: Okay, das ist der Film. Das ist der Film.
Florian Bayer: Ey, das Ding ist so bunt. Du kriegst teilweise Kopfschmerzen. Und wie viele Farben kann man in ein Bild packen? Antwort, alle. Genau. Scharrokan, wie bunt soll dein Film sein? Ja.
Johannes Franke: Du bist in der Erwartung reingegangen, dass ich derjenige auf jeden Fall sein werde, diesen Film in der Luft zerreißen wird.
Maja: Ich weiß, dass du absolut kein Fan von Bollywood-Filmen bist.
Johannes Franke: Ich muss dich kurz enttäuschen. Ich möchte keine einzige Minute aus diesem Film rausgeschnitten wissen. Keine Sekunde. Wie wild ist dieser Film... im Nachprogramm in Dauerschleife durchläuft. Ich finde diese Filme so unglaublich geil unterhaltsam. Das ist unglaublich. Ich hätte nicht damit gerechnet. Und ich habe die erste Sequenz gesehen und habe mich daran erinnert, du hast schon einmal versucht, mir diesen Film aufzudrücken. damals hat es anscheinend nicht geklappt, sonst wäre mir der Rest des Films auch bekannt vorgekommen. Aber ganz am Anfang, die Szene, wie sie, bevor der Rückgriff kommt, also ganz am Anfang einfach diese Show einmal klargestellt wird und die Off-Stimme sehr dramatisch sagt, aber wie kam es dazu? Und dann der Rückblick kommt. Bis dahin wusste ich, ah, okay, ich kenne das irgendwoher und dann wurde es mir unbekannt. Du hast es also schon mal versucht. Und ich muss damals irgendwie gesagt haben, nee, bitte nicht. Warum habe ich das damals gesagt? Ich muss blind gewesen sein. Ich bin verliebt in diesen Filmen. Oh.
Maja: Ja, das Genie ist schwer zu leugnen.
Florian Bayer: Das heißt, wir streiten uns jetzt überhaupt nicht, sondern sagen, warum dieser Film so großartig ist. Genau darauf läuft es hinaus. Ich befürchte es schon. Also ich sage nur ein Wort, Charukan. Dieser Typ ist so heiß.
Johannes Franke: Es ist unglaublich. Ich hätte ernsthafte Filme von ihm erwartet mit dem Körper, mit der Ausstrahlung, mit dem Charisma, das er hat. Und dann macht er so einen Scheiß. Wie geil ist das denn? Okay.
Maja: Ich habe über Shah Rukhan natürlich auch was geschrieben, weil um diesen Film wirklich genießen zu können, muss man wissen, wer Shah Rukhan ist.
Johannes Franke: Dann erzähl mal, was über Schaukern.
Maja: Also, zur Erklärung. Auch wenn es für mich schwer vorstellbar ist, dass irgendjemand noch nie von ihm gehört haben könnte... Shah Rukh Khan ist einer der größten Filmstars der Welt. Ihm wurde von einer amerikanischen Zeitung – er wusste nicht mehr, ob es Time Magazine oder Newsweek war – dreieinhalb Milliarden Fans unterstellt. Also fast die Hälfte der Menschheit.
Florian Bayer: Es gibt viele Inder. Und viele Indonesier und viele Chinesen. Krass, Mann.
Maja: In seiner fast 30-jährigen Karriere als Bollywood-Schauspieler, nur als Bollywood-Schauspieler, davor hat er auch schon gespielt, aber im Fernsehen, hat er über 80 Handy-Filme gedreht.
Florian Bayer: Zwei pro Jahr ungefähr, so zwei bis drei pro Jahr.
Maja: Und mehr Preise und Auszeichnungen angehäuft, als ich aufzählen kann. Vergleichbar vielleicht mit Tom Cruise oder Brad Pitt. Tom Cruise in seiner besten Zeit. Unter anderem wegen der Actionszenen und so weiter.
Johannes Franke: Ja, ja, ja, okay.
Maja: Er wird auch als der King of Bollywood bezeichnet oder einfach nur mit seinen initialen SRK, weiß jeder sofort, was gemeint ist. Vielen Dank. Ist neben der Schauspielerei auch Produzent und zusammen mit seiner Frau Gauri, Eigentümer der Produktionsfirma Red Chili's Entertainment. Sprich, er hat das Ding mitproduziert.
Johannes Franke: Mhm.
Maja: So wie Moderator im Fernsehen und auf der Bühne. Aber damit immer noch nicht genug. SRK setzt sich neben seiner Karriere auch als Philanthrop ein, unter anderem für Gesundheitsversorgung und Katastrophenhilfe, Schulbildung, Frauenrechte und Rechte für Kinder. Und wurde 2008 in Newsweek als einer der einflussreichsten Personen der Welt benannt. Der Typ ist quasi Bill Gates, aber... Naja, in solchen Filmen, die er halt zu einem großen Teil, gerade jetzt im letzten Jahrzehnt oder so, selber produziert. seine Frau ist Produzentin, die Ehe der beiden ist ein Politikum für sich. Naja, weil er ist Moslem und sie ist Hindu. Und das war ein tierisch problematisches Ding am Anfang. Mittlerweile haben sie mehrere erwachsene Kinder. Am Ende des Films die letzte, also im Prinzip der Abspann ist ja auch nochmal eine... Nummer, wo das gesamte Team vorgestellt wird und unter anderem sein jüngster Sohn, der der Öffentlichkeit Entgegengebracht wurde.
Johannes Franke: Introducing, wie als wenn das irgendwie ein toller neuer Schauspieler für eine Rolle wäre.
Maja: Er ist der Sohn von Shah Rukh Khan. Der Junge ist hier Macht, bevor er überhaupt lesen kann. Das Ding ist ... Er scheint eigentlich ein sehr zurückhaltender, fast schon schüchterner Mensch zu sein.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Und das Branding Shahrukh Khan ist sozusagen etwas, was er wie einen Job betreibt. Er gibt sich Mühe, diese sympathische Figur zu sein für seine Fans. Er ist ein unheimlich sympathischer Kerl. Aber ganz viel von diesem Medienrummel scheint gar nicht sein Ding zu sein. Der und seine Frau sind eigentlich ziemlich zurückgezogen. Aber er bedient halt diese Figur und tut das unter anderem deswegen, weil er damit Gutes tun kann.
Florian Bayer: Also ich kannte den irgendwie vor dem Film, aber nur so vage und wusste, dass das ein großer Schauspieler ist. Und dann habe ich auch nochmal, was du jetzt vorgelesen hast, auch irgendwie nochmal drüber recherchiert. Was für ein geiler Typ. Also gerade so diese Vorstellung... Wir in unserer westlichen Arroganz vergessen oft und zu gerne, dass Indien verflucht groß ist, dass das mit 1,3 Milliarden Einwohnern. einfach mal so ein Sechstel, mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung ausmacht. Und wir lehnen uns hier so zurück und denken, naja, wir haben unsere Stars und Sternchen, aber das ist ja nichts im Vergleich... Zu diesen Typen. Und das ist total geil. Und genau, er ist politisch engagiert. Er macht HIV-Aufklärung, Polio-Impfung und so gedönst. Und total geil. Also echt...
Johannes Franke: krasser Typ, ne?
Florian Bayer: Der macht Millionen mit seinen Filmen, die halt auch wirklich publikumswirksam sind und das sehe ich selbst als westlicher Zuschauer, der mit diesen ganzen Ticks, die halt so diese indischen Filme haben, die ich nicht verstehe, das kann ich trotzdem nachvollziehen, dass die irgendwie publikumswirksam sind, dass die auch breit ankommen, weil sie einfach Filme sind, die so gestaltet sind, dass sie viele zufriedenstellen. Und er nutzt das offensichtlich, um geile Sachen zu machen. Also top, total krasser Typ. Und er sieht echt scheiß gut aus.
Johannes Franke: Er ist so ein Batman.
Florian Bayer: Ja, mehr noch. Keine Ahnung.
Johannes Franke: Mit seinem Geld irgendwie einen Haufen gute Sachen dann irgendwie das reinwirft. Bruce Wayne. So ein Bruce Wayne, ja, genau.
Maja: Fun Fact, mein erster Kontakt mit Bollywood war durch Plore verschuldet.
Johannes Franke: Jetzt guckt bloß komisch. Okay.
Maja: Damals zu diesen WG-Zeiten, die wir am Anfang erwähnt haben, hast du... im Internet, irgendwie auf YouTube oder so, ein Musikvideo aus einem Bollywood-Film gefunden und dich kaputt gelacht.
Florian Bayer: Ich kann mich nicht erinnern. Echt? Warum? Was war mein Gedanke dahinter?
Maja: Ich habe keine Ahnung. Aber auf jeden Fall hast du uns rangerufen. Das müsst ihr euch unbedingt angucken. Das ist so drüber. Das müsst ihr euch unbedingt. Und das war mein Erstkontakt mit Bollywood-Filmen. Danach habe ich angefangen, die Dinger zu gucken.
Florian Bayer: Hab ich gut gemacht.
Johannes Franke: Haut sich selbst auf die Schulter.
Florian Bayer: eigentlich mein erster Bollywood-Film, den ich wirklich von vorne bis hin gesehen habe, ist das ein typischer Scharrukan-Film oder sind die anderen Filme anders? Sind die irgendwie mehr Pathos oder mehr Humor oder mehr Action oder sind die alle so ... eklektisch bunt gemischt.
Maja: Also eklektisch sind ganz viele, auf jeden Fall. Aber die Gewichtungen sind natürlich unterschiedlich. Es gibt einen Haufen Filme, die in diese Richtung gehen. Allerdings ist halt teilweise der Action-Anteil kleiner oder ... Der Pathosanteil kleiner, obwohl der Pathosanteil ist eigentlich immer ziemlich groß, auch der Musikanteil ist nicht immer gleich groß. Also, ich habe...
Johannes Franke: Er scheint mir in diesem Film fast wenig zu sein.
Maja: Ähm...
Johannes Franke: Also es dauert Ewigkeiten, bis die erste Tanznummer kommt doch erst nach so 20 Minuten. Das stimmt.
Florian Bayer: Das fand ich auch tatsächlich am Anfang, dachte ich auch, das ist wenig. Aber dann zwischendrin dachte ich, boah, auf die eine Nummer hätten sie jetzt ruhig verzichten können. Nein, auf gar keinen Fall. läuft dann so komplett amok plötzlich, weil du hast so ein Gefühl, okay, es gibt so ein Pacing, es gibt die Action-Szenen, den Humor und ein bisschen Musik dabei und wie sie tanzen. Und dann so in dieser zweiten Hälfte, wenn sie so in Dubai ankommen eigentlich, dann fängt es plötzlich an, komplett aus dem Ruder zu laufen. Du hast das Gefühl, alles, was passiert, kriegt erst mal noch so eine Tanznummer spendiert.
Maja: Aber auch das ist nicht ungewöhnlich, dass sie dir erstmal mit relativ viel Vorgeschichte kommen und dann kommen die Tanznummern. Also das passiert häufiger, aber es gibt auch welche ganz ohne. Also ich habe zum Beispiel, ich habe zwei Scharrukanlisten gemacht. Eine mit den tatsächlich besten Filmen im Sinne von wichtige... Teilweise politische Filme, die man eigentlich als Bollywood-Filme nicht mehr bezeichnen kann. Und dann meine Lieblingsfilme. Und das sind natürlich alles Musicals.
Florian Bayer: Ich fand den Film auch voll unterhaltsam. Ich hab das mit dem Protagonisten, diesen Running Gag, nicht verstanden. Ich habe verstanden, was sie damit machen wollen. Es ist witzig, dass er schlecht über eine Person redet und so, oh nein, die Person steht jetzt hinter mir. Aber warum haben sie da so draufgehauen, dass er so klassistisch ist, dass er so sagt, sie kommt aus der Gosse, sie ist nur so ein, sie ist nur eine Prostituierte, sie ist ein Straßengrohrer.
Maja: Ja, sie ist keine Prostituierte.
Florian Bayer: Ja, aber so wie er über sie redet, kommt es halt so rüber. Und warum machen sie das? Weil er kommt dabei einfach nur unsympathisch rüber. Hätten sie das nicht irgendwie ein bisschen weniger?
Maja: machen können. Ich glaube, das machen sie, dass der nicht zu perfekt wird. Weil sie sagen von Anfang an, der ist ein Loser. Nur, dass er einen hohen Abschluss von der Uni Boston hat. Also wirklich. Diesen Körperbau?
Johannes Franke: Die ganze Zeit reden sie davon, dass sie alle Loser sind und dann kommen solche Figuren daher. Was soll denn das? Der Einzige, der so ein bisschen in Richtung Loser geht, ist dieser... Tummy? Ja, Tami, der ein bisschen Bauch hat und dann nennen sie auch noch Fett, weißt du? Den fand ich total geil. Der ist total super.
Florian Bayer: Der ist so großartig, dieser Wurm. Und dann ist er, der bei seiner Mutter lebt. Und dann, wenn er nervös ist, diese Anfälle kriegt, das ist so drüber.
Johannes Franke: Es ist so drüber alles, völlig drüber.
Maja: Ja, aber ich glaube deswegen ... Was sie damit sozusagen zeigen wollen, ist, dass er sich ständig um Kopf und Kragen redet. Und Das wahrscheinlich auch nur deswegen mit eingebaut ist, dass der irgendeinen Fehler hat. Weil ansonsten ist der Typ einfach perfekt. Ja.
Florian Bayer: Ich fand es halt deswegen so störend, weil ich hatte wirklich so das Gefühl, krass, er kommt gerade so unsympathisch rüber, weil es...
Johannes Franke: Und es passt nicht in den Rest der Figur. Nee, überhaupt nicht. Plötzlich kommt das so, plötzlich hast du diese... diesen Moment und der passt nicht in den Rest des Charakters, nicht in den Rest der Erzählung, gar nicht. Sie brauchen das nur als Element, aber das ist nicht gut eingebaut.
Maja: Aber so ein Zeug kommt auch häufiger mal bei Bollywood, dass du dir denkst, was soll der Scheiß jetzt sein?
Florian Bayer: Und das Geile ist, der Film ist ja ansonsten komplett politikfrei und auch religionsfrei. Du hast gerade gesagt, es gibt irgendwie diesen ... halben Skandal, weil er als Moslem mit einer Hinduistin verheiratet ist. Also der Film hat wirklich, man sieht diesen Film an, er versucht wirklich alle reinzupacken, alle zu nehmen, deswegen ist offensichtlich Politik und Gesellschaftskritik und Religion und so ist alles ausgeklammert.
Maja: Politik und Gesellschaftskritik sind in dieser Abschlussnummer mit drin, in seiner Rede. Und das war zu einer Zeit, wo das gerade mit den Massenvergewaltigungen und mit der Korruption und so ganz, ganz fies war. Das heißt, also der Film ist politisch, aber in Bollywood wird das immer so eingestreut. Das ist ähnlich wie mit dem westlichen Kino. Wir merken das ja auch, dass Hollywood-Filme zum Teil Missstände in der Gesellschaft sind. sehr viel früher anprangern, als das in der Politik beachtet wird und so. Das ist mit Bollywood genauso. Aber die müssen halt sehr vorsichtig sein. Also du darfst es nicht zu klar und zu... offensiv angehen, sondern das ist mehr so ein unterschwelliges den Leuten so nach und nach die Infos geben.
Florian Bayer: Aber Indien ist kein Land, das große Filme zensiert, oder? Das ist relativ demokratisch da und die haben eine relativ freie Hand, was sie produzieren wollen. Also ich habe gelesen, dass es eine Zensur gibt, die recht stark ist.
Maja: Also auf jeden Fall merkt man, dass das alles immer... nur so angeteasert wird, also wirklich, wirklich offene... Klare Kritik einer Regierung oder so kommt nicht. Ich nehme mal an, dass da schon Leute da sitzen und sagen, ja. Aber das weiß ich nicht hundertprozentig.
Florian Bayer: Ich weiß viel zu wenig über Indien. Das ist eigentlich total traurig. Ja, genau. Indien ist das zweitgrößte Land der Welt, was Bevölkerung betrifft und wir wissen fast nichts über dieses Land, noch weniger als über China. Und Indien ist wahrscheinlich sogar noch leichter so beiseite zu kehren, weil sie im Gegensatz zu China halt einfach nicht so eine krasse Wirtschaftsmacht sind. Ja, aber das ist ja wirklich so eine Art Nabel der Welt. Ich meine, da leben viele Menschen, da passieren total viele Dinge, da entsteht offensichtlich eine ganz eigene Kunst, die wir nicht im geringsten... oder die nur hartgesottene Fans im Westen konsumieren. Das ist echt krass. Ich finde es übrigens sauwitzig, dass ihr Hauptgegner am Anfang Nordkorea ist. fucking Nordkorea bei so einem Tanzwettbewerb mitmachen würde.
Maja: Das ist so völlig so. Warum habt ihr nicht Südkorea genommen? Warum Nordkorea? Wie kommt ihr denn da raus?
Florian Bayer: Das ist schon ein bisschen crazy. Und dann dieser geile Kampf auf dem Dach, wo es plötzlich wirklich um Leben und Tod geht. Es wird gegen diesen Nordkoreaner kämpft und dann tolle Szene. Er ist natürlich der Held, der den Bösewicht am Schluss das Leben rettet.
Maja: Fun Fact, er hat den fünften Dahn. Im Taekwondo.
Florian Bayer: Ja, er bewegt sich aber auch so.
Maja: Den hat er allerdings ehrenhalber verliehen bekommen. Allerdings von Südkorea. Er hat ehrenhalber den fünften schwarzen Gürtel im Taekwondo und wurde von der südkoreanischen Regierung zum Honorary Ambassador for Culture and Tourism ernannt.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Maja: Und er kann tatsächlich ein paar Techniken, weil sonst würde das so nicht aussehen.
Johannes Franke: Ja, genau.
Maja: Das ist was, worüber ich mich ganz oft aufrege, auch bei westlichen Filmen, dass die Techniken alle immer so falsch sind und so unsauber und so gelenkschädigend und so weiter. Seine Techniken sind ziemlich gut.
Johannes Franke: Das sagst du, um das mal kurz zu erklären, als Schwarzgurt.
Maja: Als Taekwondo-Schwarzgurt, ja.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Ich habe keine Ahnung von Kampfsport, aber es sah gut aus, wie er sich bewegt hat. Also, dass da jemand sich bewegt, der sich irgendwie bewegen kann, das war auch beim Tanzen und beim Kämpfen.
Maja: Eben Tänzer, ne?
Johannes Franke: Umso bescheuert er, dass er am Anfang des Films sich steifelt und fest behauptet, dass sie alle nicht tanzen können. Ja. Weißt du, man sieht den mit jeder Bewegung an. Alter, du hast jahrelanges Training hinter dir. Du weißt ganz genau, was du tust.
Maja: Natürlich, aber es ist ja wichtig für die Handlung des Films, dass keiner von denen tanzen kann. Und ich sag mal so, die Nummer in den Tütus.
Johannes Franke: Ja, süß.
Maja: Alleine dafür.
Johannes Franke: Ja. Ich muss die ganze Zeit daran denken, unsere Episode überleg dich nicht mit Swan an. Ja, Zoran hat für mich überhaupt nicht funktioniert, hat aber eigentlich den gleichen Anspruch an drüber und an eklektischem Zeug, Wie dieser Film. Und dieser Film schafft es zu 100%. Während Sohan es für mich überhaupt nicht geschafft hat.
Florian Bayer: Weil er nicht ganz so gehässig und nicht so zynisch ist. Dieser Film hat keinen Funken Zynismus. Dieser Film ist so absolut ehrlich und sagt, hey, guckt mich an, nehmt mich in den Arm, ich bin bunt, ich bin laut. Also der ist ja kein billiger Film, der ist ein teurer Film, aber man sieht, wenn man den Film sieht, wo das Geld reingeflossen ist. Und zwar nicht in die Story, nicht in das Schauspiel, nicht in die Special Effects, sondern einfach in die Tanzeinlagen. Du hast dann wirklich diese Cheap-Story, die auch ... teilweise, die Bilder sind echt nicht so geil und wenn dann der Hacker am Computer sitzt und da irgendwas eingibt, denkst du so, oh mein Gott.
Maja: Die Hacker-Szenen sind so schlimmste 90er Jahre. Wir haben nicht verstanden, wie hängen geht.
Florian Bayer: Und dann denkst du, hey ... Ihr habt so viel Geld für diesen Film ausgegeben für indische Verhältnisse, wo ist das hingeflossen? Und dann siehst du eine Tanzszene und plötzlich kommen da Elefanten reingelaufen. Die Bühne öffnet sich und da tanzen Millionen Leute und du denkst so, wow, shit, Jesus Christ. Okay, alles klar, das war teuer.
Maja: Aber das ist der Punkt, die Tanzszenen und die Musikvideos, die... innerhalb der Filme vorkommen tatsächlich. Das ist auch ein Verkaufsgrund. Also damit verdienen die Geld. Mit den Rechten an der Musik und mit diesen Musikvideos. Das ist... Das ist ein Verkaufsmerkmal. Dafür wird es gemacht.
Johannes Franke: Also der zweite Verwaltungsmarkt, der eigentlich zum Erstverwertungsmarkt wird.
Florian Bayer: Oder was machen die damit? Verkaufen die dann ans Fernsehen?
Maja: Ich habe irgendwie bei IMDb so in den Trivia-Sachen gelesen, dass die damit tatsächlich im Vorfeld schon Kohle gemacht haben, bevor der Film raus war.
Florian Bayer: Aber der Film selbst hat auch übel Kohle gemacht. Der ist einer, der erfolgreich ist.
Maja: Und wie gesagt, der kam jetzt nicht so geil an. Der wird wirklich nur als Mittelmaß gehandelt, aber ist eben trotzdem einer der erfolgreichsten Bollywood-Filme.
Johannes Franke: Am ersten Tag hat er, glaube ich, 7 Millionen.
Maja: 7 Millionen.
Johannes Franke: Am Eröffnungstag. Das ist echt krass.
Maja: Das Ding ist, darf man auch nicht vergessen, die Dinger werden ja auch antizipiert und beworben und eben gerade auch mit diesen Musikvideos im Vorfeld beworben. Also insofern, ja, die Leute warten drauf, dass der endlich rauskommt und deswegen sind die ja auch so bunt und so positiv. optimistisch. Die sind Eskapismus für ein ziemlich gebeuteltes Volk. Und das ist so das, womit man sich Erleichterung verschafft. Und ganz oft sind es solche Underdog-Stories. Das ist eben nicht wie Melancholia und das von Triel, wir schimpfen auf die Reichen, sondern es ist... Wir möchten so gerne sein. Oder guck mal, der Underdog wird dann noch reich. Oder heiratet einen. Oder sonst irgendwas. Also das ist sozusagen eine Märchenwelt.
Florian Bayer: Ja.
Maja: der indischen Bevölkerung sozusagen die Option auftut, es könnte ja vielleicht doch... noch werden.
Florian Bayer: Das Kastensystem ist auch noch sehr real in Indien. Selbst wenn es Gesetze gab, die versuchen, das irgendwie aufzubrechen, ist es trotzdem noch so, dass so dieser
Johannes Franke: Das ist im Kopf drin.
Florian Bayer: Dass die Herkunft auch noch total eine Rolle spielt. Genau, das ist im Kopf drin, das ist in der Gesellschaft so tief verankert.
Maja: Also es kommt auch ein bisschen darauf an, wo du lebst. Ich denke, in Mumbai ist das wesentlich weniger problematisch oder in Delhi als irgendwo...
Florian Bayer: Das ist auch was, was mir einen totalen Schock versetzt hat. Dieser Film wurde offensichtlich gedubbt für Indien für drei, vier, fünf verschiedene Sprachzonen, die in diesem Land existieren.
Maja: Drei glaube ich, aber ja.
Florian Bayer: So total schräg und schwer vorstellbar.
Maja: Habe ich auch einen, Chennai Express. Da... wird tatsächlich in diesem Film regelmäßig Tamil gesprochen. Also sprich ... du hast das normale Hindi und dann eben diese andere Sprache, die da im Süden gesprochen wird, ähm, In der deutschen Synchro klingt das halt nach völligem Kauderwelsch. Weil ... Man versteht es halt nicht. Wenn man die eine Sprache spricht, spricht man die andere nicht und versteht kein Wort. Und das ist auch Thema.
Florian Bayer: unter anderem. Ich musste einmal bei Bollywood, Wikipedia steht über Bollywood, Dass eine erfolgreiche Produktion diese Rasas erfüllen soll, was offensichtlich in der indischen Kultur oder Religion so was wie Essenz oder Freude oder Erfüllung ist. Und dann gibt es diesen neuen Rasas und das ist Liebe, Heldentum, Ekel, Komik, Schrecken, wundersames Wut, Pathos und Friedvolles. Und wenn man sich diese Liste einmal durchschließt, dann versteht man auch, was da gemacht wurde bei diesem Film. Stimmt. Ich nehme das jetzt alles und stopfe das da rein und drücke noch einmal drauf. Und kein Wunder, dass das Ding drei Stunden geht. Weil es ist so viel, was da reingepackt werden muss. Auch dieser Pathos, ich meine, es gibt ja auch die Wut. Es gibt diese große, tragische Hintergrundgeschichte, die eigentlich auch total albern ist. Ja, und die auch nicht gut aufgelöst wird.
Maja: Die auch keinen Sinn ergibt.
Johannes Franke: Ja, nein.
Florian Bayer: überhaupt nicht. Aber es ist so geil, wenn immer dieser Pathos kommt und wenn er dann nochmal am Schluss dem Bösewicht sagen kann, ich bin der so ein des Mannes, der wegen ihnen verhaftet wurde. Und jetzt habe ich mich gerecht. Dramatische Musik und der ganze Humor ist plötzlich kurz beiseitegekehrt. Wir haben einfach nur diese... Szene, in der Shah Rukh Khan wirklich mit großen Augen pathetisch in die Kamera gucken darf. Und wir wissen, er hat seine Rache erfolgreich vollendet. Großes Kino.
Johannes Franke: Was aber wirklich, an der einen Stelle hat es mich wirklich geärgert, als dann eben... Und alle nochmal zusammensitzen und sich rausstellt und sie findet raus, was die eigentlich vorhaben und so weiter und sich dann rausstellt, dass der sich umgebracht hat im Gefängnis, der Vater. Das soll dramatisch sein. Das soll tatsächlich ernsthaft sein. Leider kann Tami nicht spielen. Das macht es wohl echtes. Ich kann dem nichts glauben. Also der Szene kann ich das einfach nicht nehmen und deswegen bin ich auch einfach überhaupt nicht betroffen und das ärgert mich an der Stelle.
Maja: Weil ich mir an der Stelle nicht sicher bin, ob es der Schauspieler war oder der Synchronsprecher, der es vergeigt hat.
Johannes Franke: Ja, das kann auch sein.
Florian Bayer: Dieser Lisp-Bild ist wie ein Grundsprecher, wo du schon denkst, oh, haben sie dem dann Gefallen getan? Haben sie da versucht, irgendeinen sprachlichen Tick aus dem Original?
Maja: Nee, der Lisp-Bild auch im Original.
Florian Bayer: Ah, okay, okay.
Maja: Aber ich habe das Gefühl, das könnte an beidem gelegen haben. Aber ich finde es so niedlich, dass ich darüber hinwegsehe, dass die Dramatik dadurch kaputt geht.
Florian Bayer: Das ist total kaputt. Ich finde auch nicht, also der Film hat mich auch nicht emotional involviert. Ich dachte nie, oh bitte schafft ihr es, oh Gott ist das traurig oder so.
Maja: Obwohl, in dieser Abschlusstanznummer hab ich schon geheult am Anfang. Ach wirklich?
Johannes Franke: Ja, die Dramatik, die sie da reinpacken, die kann einen schon auch erwischen, das stimmt. Also ganz am Ende, wo er da in Michael Jackson, also den ganzen... Die ganzen Filme kommen so Michael-Jackson-Referenzen vor. Hä, warum?
Florian Bayer: Aber gut, okay, mach.
Maja: Ich glaub, es ist einfach cool.
Florian Bayer: cool fand. Die haben Oceans Eleven noch mal ein bisschen reingepackt. Der Clou, irgendwie alles, was sie an Hollywoodfilmen, an Geschichten und Musik gefunden haben. So zu einem einzigen riesigen Cocktail vermixt.
Johannes Franke: Wahnsinn. Machen sie diese riesige Silhouette von Shahrukh Khan als Michael Jackson da auf diesem...
Maja: Aber vor der Indische
Johannes Franke: Aber vor der indischen Flagge. Und dann fällt dieser weiße Vorhang und dann hat er auch noch dieses Kostüm an. Von Michael Jackson mit diesen Nieten und so.
Maja: Ja, aber die Haltung, die er da einnimmt, ist original Charukan. Es gibt eine Letterman Show auf Netflix. Mein Next Guest.
Johannes Franke: Needs no introduction oder sowas.
Maja: Da hatte er auch Shah Rukan. Da erzählte er... dass diese typische Scharoukan-Haltung, diese leicht schräge mit gespreizten Beinen und leicht schräg mit den Armen, dass die entstanden ist, weil er nicht tanzen kann.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Also, weil er Probleme mit der Choreografie hatte, hat er dann immer mal zwischendurch diese Haltung drin gehabt, um sich das zu erleichtern.
Johannes Franke: Oh mein Gott.
Maja: Ich meine, mittlerweile kann er tanzen, definitiv. Ja, definitiv. Aber er behauptet, er könne weder tanzen noch spielen. Das Einzige, was... ihm sozusagen zugute gereicht ist, dass er sympathisch ist.
Johannes Franke: Würde ich nicht unterschreiben, aber ich verstehe, wie er drauf kommt.
Florian Bayer: Ich finde, er spielt tatsächlich noch am besten von den ganzen Schauspielern im Film. Also, die Schauspielleistungen waren jetzt so eher durchwachsen. Das war natürlich auch was, was bei mir die emotionale Involvierung total verhindert hat. absurde Szenen, wie wenn er sich im Tresorraum auszieht, um sich auf die Kleider stellen zu können, um an diese Schraube ranzukommen, so what the fuck.
Maja: Dieser Schauspieler, der Nandu spielt, der ist normalerweise der Filmheld, ne?
Florian Bayer: Hat er sich was angefressen für die Rolle oder sieht der tatsächlich so aus als Filmheld?
Maja: Der sieht so aus, wie er aussieht. Der ist mit einer der berühmtesten Schauspielerinnen dort verheiratet. Und zwar als Schwajerei. Und ist der Sohn von Amita Bakchan. Auch ein ganz berühmter.
Johannes Franke: Okay. Alles Namen, die wir nicht sagen. Jaja, wir nicken jetzt hier einfach verständnisvoll. Aber eigentlich...
Maja: Also der Typ, der Nandu spielt, dass der ausgerechnet so ein Volltrottel spielt, ist total gegen den Typesetzung eigentlich.
Florian Bayer: Ah, okay, schön, cool. Und dieser junge Hacker, ist das so ein Boy-Band-Star? Weil ich dachte die ganze Zeit, der ist doch so gecastet als Eye-Candy.
Maja: Der war irgendjemand das Cousin.
Florian Bayer: Nein, was? Der kann aber auch überhaupt nicht spielen. Der grinst immer nur so total debil. Und du siehst in jeder Szene, dass da jemand versucht. Als ob jemand aufs Set gestolpert ist und sie gesagt hat, okay, nehmen wir den.
Johannes Franke: Ist das gemein.
Florian Bayer: Aber er ist so als High Candy, weil er sieht ja wirklich gut aus. Mit diesen Haaren, die so Emo ins Gesicht hängen. Ich dachte die ganze Zeit, das ist so ein Boyband-Mitglied, den sie
Johannes Franke: Und was mich auch jedes Mal wieder rausgebracht hat, weil sie jedes Mal immer wieder sagen, wir sind eine Truppe von Losern und dann kommen da halt diese... kommt dieser Boy-Band-Mitglied und dann kommt Charrocan und dann, weiß ich nicht, was soll das?
Florian Bayer: Und dann dieser Kämpf von einem Bodyguard, der immer ausrastet, wenn seine Mutter erwähnt wird. Können wir noch mal ganz kurz zu dieser Kampf-Zene zurück? Die habe ich mit Bela geguckt, wenn er die Leute verprügelt und dann hat er diesen einen Typen, der immer wieder aufs Essen von Tami fällt.
Maja: Peter. Großartig. Winzige Rolle, aber so geil.
Florian Bayer: Das macht überhaupt keinen Sinn. Aber ... Wenn du diese Szene oder auch andere Szene guckst und hast einen Fünfjährigen auf dem Schoß und du siehst einfach nur ein breites Grinsen und strahlende Augen. die Bela wirklich bei wenigen Filmen hat. Weil er kennt halt auch viele Filme. Und das ist wirklich selten, dass du so ein Strahlen siehst, dann weißt du, der Film macht verdammt viel richtig. geil.
Maja: Und natürlich ist der Gag Blödsinn.
Florian Bayer: Das ist total bescheuert.
Maja: An der Stelle... Der macht etwas, was auch Johannes gerne auf der Bühne macht. Nämlich den Gag so lange wiederholen, bis er witzig wird.
Florian Bayer: Und ich fand ihn tatsächlich schon beim ersten Mal witzig. Ich dachte nur so, was soll das? Okay, ich bin voll dabei. Mach weiter. Auch weil er fast so ein freundschaftliches Verhältnis dann aufbaut zu seinem Gegner eigentlich.
Johannes Franke: Ich hatte echt gehofft, dass sie den immer wieder einbauen, dass er im Laufe des Films immer wieder irgendwo auftaucht.
Maja: Ich habe auch ehrlich gesagt keine Ahnung, woher die wissen, wie der Typ heißt. Weil die kennen den überhaupt nicht. Aber sie sprechen ihn mit Vordamen an. Völlig unklar. Aber das ist sowieso so ein Ding mit Animes und Bollywood-Filmen. Man muss es erst mal akzeptieren, bevor man es genießen kann.
Johannes Franke: Ja, auf jeden Fall. Und es ist bei dem Film halt wirklich sofort gelungen. Irgendwie, weiß ich nicht. Aber ich bin auch, muss ich sagen, da reingegangen mit der Erwartung, dass ich den jetzt irgendwie gucke, um ihn zu zerreißen. Und dann hat man keine Erwartungen. Dann kommt er daher und sagt erst mal, wirf erst mal alles über Bord, was du sonst so... was dir sonst so wichtig wäre an ernsthaften Konsum im Film. Und dann, wenn du das einmal weggeworfen hast alles, kein Problem. Kommst du voll mit?
Florian Bayer: Definitiv. Ich war auch tatsächlich, ich war einfach auch überrascht, weil ich habe keinen schlechten Film erwartet, aber ich habe einfach so einen Film erwartet, in dem die Liebesgeschichte total im Zentrum steht. Und ich war so dankbar dafür, dass es nicht so eine Schnulze ist, die sich über drei Stunden zieht, Sondern dass die Liebesgeschichte ja natürlich auch irgendwie einen Platz eingenommen, aber nicht so einen zentralen Platz. Und die war auch einfach nicht so relevant. Und das hat es mir sehr leicht gemacht, auch einfach Spaß zu haben.
Johannes Franke: Aber der walzt das wirklich alles aus. Er walzt das wirklich sehr. Jeden, was wir gesagt haben, er reitet die Witze tot, er reitet Die Credits kommen nach 10 Minuten. Das 10-Minuten-Film, wo du schon ein Haufen Zeug um die Ohren gehauen bekommst und dann kommen die... Credits. Das ist ein bisschen crazy. Und dann wirklich die ganzen Filme über... Du hast eigentlich... Ich weiß nicht, ob Sie sich eine Formel ausgedacht haben, wie lange muss eine Tanznummer zum Beispiel sein. Ich nehme also die westlichen Gewohnheiten und haue da nochmal 70% an Zeit ran.
Maja: Und an Farbe.
Johannes Franke: Und an Farbe, vor allem Farbe. Und Lautstärke und Masse an Leuten und Zeug. Und dann ist es vielleicht gerade so, kratzt es an der Möglichkeit, dass es für sie genug sein könnte.
Florian Bayer: Für viele Statisten und Nebendarsteller hat die gebraucht.
Maja: Fassbar, ja. Das ist so krass. Und man sieht, ich habe keine Ahnung, wie das zustande kommt, aber man sieht, dass ganz viele davon Europäer sein müssen oder Amerikaner. Also gerade dieses Publikum da in Dubai, das sind keine Inder.
Johannes Franke: Ja, ja, ja. Das ist mir ganz oft der Gedanke gekommen.
Maja: Und das hast du ganz, ganz oft in Bollywood-Filmen, dass da unheimlich viele Statisten drin sind, die weiß sind. Ganz eindeutig, weil blond...
Florian Bayer: Sie drehen in Indien, oder?
Maja: Die fliegen massig rum. Es ist unfassbar, wie viel die rumfliegen. Also ... Dieser Film jetzt spielt halt so einen großen Teil in Dubai. Die meisten Bollywood-Filme spielen zum Teil in Indien und zum Teil irgendwo auf der Welt. Und die Musikvideos ist nochmal eine ganz andere Nummer. Da fliegen sie teilweise sonst wohin, weil die Musikvideos zwischendrin in dem Fall sind Teil der Geschichte. Also sie gehören tatsächlich in diesen Moment rein. Und an der Stelle, wo sie sich befinden, das ist tatsächlich das, was da auch wirklich passiert. Meistens sind die Musikvideos in Bollywoodfilmen eher eine Untermalung der Emotionen, die in dem Moment kommen soll. Das heißt, das spielt an allen möglichen Orten, aber nicht an dem Ort, wo es spielt. Und ... soll eigentlich nur mit Hintergrund und der Tanznummer und den Kostüm und so weiter untermalen, worum es geht. Und entsprechend ...
Florian Bayer: Was ich tatsächlich total geil finde, ist, mit welchem Selbstbewusstsein der Film indische Außenwirkungen inszeniert. Dass er sagt so, hey, wir sind ein verdammt großes Land. Und wir präsentieren uns auch so. Und diese große, weltweite Tanznummer wird natürlich von zwei Indern die dann auch nochmal sagen, hier aus unserem Heimatland und so weiter. Und es wird viel über die geredet.
Maja: Ich glaube, nur er ist in der...
Florian Bayer: Ja, okay. Aber auf jeden Fall ist so dieses Selbstbewusstsein und so wird Indien ja eigentlich außerhalb, also zumindest in der westlichen Welt nicht wahrgenommen, aber dass diese mit diesen... in diesem Film, in diesem Selbstbewusstsein auftreten, dass sie so wahrgenommen werden, das finde ich großartig, weil sie einfach sich durch diesen Film einen Platz in der Welt verschaffen, der ihnen zusteht, den sie aber leider nicht haben. Das finde ich super. Das fand ich total sympathisch.
Maja: Und es ist halt universal. Also indische Filme, also Bollywood-Filme, die kann sich eigentlich jeder angucken und verstehen. Nicht nur Inder. Du kommst mit, das ist total einfach nachvollziehbar. Und es gibt für jeden Geschmack etwas. In jedem Film. In jedem Film?
Johannes Franke: Ich hab's Gefühl, in jeder Szene gibt es einen Film. Aber
Maja: Aber es gibt halt auch einen Haufen verschiedene Sachen. Also viel wird sich auch an westlichen Sachen orientiert. Wie gesagt, die haben einen großen Teil von Ocean's Eleven abgestellt.
Johannes Franke: Orientiert ist so geil, das ist total plagiiert.
Maja: Ja, aber es gibt einen Haufen Filme, also sie haben mehrere indische Superheldenfilme zum Beispiel.
Johannes Franke: Spiel. Die sind aber auch absurd.
Maja: Natürlich sind die absurd.
Johannes Franke: Indische Superheldenfilme, meine Güte.
Florian Bayer: Ich will jetzt meine Top 3 haben, sofort. Ich will jetzt indische Filme. Ich hab Maya darum gebeten, mir eine Top-3-Bollywood zu geben. Johannes-Jingle.
Johannes Franke: Unsere Liste. Ja, Top 3. Dann haben wir jetzt also eine Top 3. Was haben wir für eine Top 3?
Florian Bayer: Eigentlich haben wir eine andere Top 3.
Maja: Also ich muss die Top 3 erstmal benennen für diese Filme, weil ich habe zwei Top 3s draus gemacht, es war unmöglich.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Eigentlich muss man 10 Top 30 und 10 Top 30 wahrscheinlich machen.
Johannes Franke: Okay, Maya läuft jetzt Amok mit Top 3 und Listen.
Florian Bayer: Wir haben eigentlich ganz kurz fürs Publikum, wir haben eigentlich Guilty Blechers als Liste, weil Johannes und ich unsere besten, unsere liebsten Bollywood-Filme wahrscheinlich einen Platz haben und das ist Aber ich hab mir von Maya die besten Bollywood-Filme gewünscht und wir haben zusätzlich noch eine Guilty Pleasures-Liste, die wir einfach hinten dran klatschen. Okay.
Maja: Okay. Also erstmal, es ist keine Bollywood-Filmliste, es ist eine Scharrukan-Filmliste. Wenn das eine Bollywood-Filmliste wäre, wären da noch andere Filme mit drin. Aber ich hab einfach mal die Top-3-Scharukan-Filme zusammengestellt. Das Ding ist ... Ich habe zwei Listen gemacht. Einmal die vermutlich besten Filme von ihm, also wo er wirklich auch schauspielerisch mal was hat, womit er was tun kann. Das sind aber alles keine Musicals. Also habe ich noch meine drei Lieblings-Scharukan-Filme.
Florian Bayer: Hervorragend. Und heißt das, das sind keine Musicals? Sind das dann ... Dramen sind es aber auch nicht oder Kunstfilme oder sowas.
Maja: Das sind alles drei Dramen.
Florian Bayer: Und wirklich ernsthafte dran?
Maja: Ernsthafte dran.
Florian Bayer: Aber sind die dann drei Stunden, sechs Stunden, acht Stunden?
Maja: Drei Stunden dran.
Florian Bayer: Und sind die bunt?
Maja: Natürlich, zum Teil sind die bunt.
Florian Bayer: Sieht man seine Bauchmuskeln?
Maja: Ich glaube nicht.
Johannes Franke: Ja, dann lohnt es sich nicht.
Florian Bayer: Trotzdem, mach mal.
Maja: Okay, also, meine Nummer drei der ernsthaften, guten Filme von Charukan ist Fan. In Fan spielt er Charukan. Der heißt allerdings nicht Charukan, aber im Grunde genommen ist das eindeutig Self-Insert-Charukan. Und er spielt einen fanatischen Fan von Charukan.
Johannes Franke: Das hattest du mir auch schon mal versucht angedeihen zu lassen. Ich fand das Konzept gar nicht so schlecht. Das klingt gut.
Maja: Aktuell? Relativ aktuell, also irgendwie aus den letzten Jahren. Der ist vor allem deswegen so krass, weil der Fan natürlich viel, viel jünger ist als Und sie diese De-Aging-Nummer wirklich gut hingekriegt haben. Man glaubt's. Und das ist halt ein totales Drama. Das Ding, natürlich ist es drüber, es ist Bollywood, aber es ist ein ernsthaftes. fast schon Thriller-artiges Drama. Also von einem berühmten Schauspieler und seinem Ziemlich fanatischen Fan. Nummer zwei der wirklich guten Filme ist Swadis. Heimat. Politisch. Es geht um jemanden, der in sein Heimatdorf zurückkehrt und dort versucht ... die Infrastruktur wieder aufzubauen. Oder überhaupt erst mal aufzubauen. Also sprich, ja, es geht um ...
Johannes Franke: Entwicklung. Aber weil du vorhin sagtest, man versucht das immer so versteckt mit runterzubringen, ist das in dem Film dann offensiver, ja?
Maja: etwas, aber es ist halt auch nicht, es wird nicht wirklich stark kritisiert. Es wird immer mal wieder am Rande kritisiert, das kommt immer mal wieder vor. Aber im Grunde genommen geht es darum ... ein Gefühl herzustellen. Wir bauen auf, wir schaffen das, wir kommen aus dieser Kacke irgendwie wieder raus.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Also die Kritik ist nicht so vordergründig, aber sie ist da. Und es geht halt wirklich um Infrastrukturaufbau. Und ich glaube auch Bildung und so weiter. Und Nummer eins, my name is Khan. Oder eigentlich müsste ich es korrekt sagen, my name is Khan. Weil der Name Khan, seiner, ist nicht Khan, sondern Khan.
Florian Bayer: Oh, wir sprechen den die ganze Zeit falsch aus. Wir sprechen ihn falsch aus. Sorry.
Maja: Nee, das ist ...
Florian Bayer: Das tut die ganze Welt. Charukran.
Maja: Charukran eigentlich. Aber kein Mensch spricht das so aus. Auf der Welt. Also zumindest kein Westler. Ich weiß nicht, ob sie ihn im indischen Fernsehen tatsächlich Khan nennen. Aber dieser Film, da spielt er einen ... Einen Menschen mit Asperger-Syndrom.
Florian Bayer: Okay. Als Karikatur oder glaubwürdig? Es ist ...
Maja: natürlich wieder mal ein bisschen drüber, aber das ist ein Versuch, subtil zu sein.
Johannes Franke: Betonung auf Versuch oder wie ist das?
Maja: Für das, was es ist, wie gesagt, wenn man sich darauf einlässt, ist es eigentlich ziemlich subtil. Es ist tragisch. Es geht im Grunde genommen um eine Ehe von diesem Menschen und einer Frau. Die haben zusammen ein Kind, was stirbt. Und der Weg dahin und die Entwicklung danach, das wurde zu einer Zeit gemacht, wo Amerika... den Krieg gegen den Terrorismus durchgezogen hat. Und Khan ist halt ein Name, den eher Muslime haben, ein muslimischer Name. Und er sagt häufiger, mein Name ist Ran und ich bin kein Terrorist. Der ist hart.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Oh, cool.
Maja: Für einen Bollywood-Film.
Florian Bayer: Darf ich mal ganz kurz einmal, ich habe hier auf meinem Laptop, ich will einmal kurz Charo Han ausgesprochen hören. Ah. Okay.
Maja: Also KH scheint zu sein. So. Also das sind drei Filme, die gut sind. Die anderen drei sind auch gut.
Johannes Franke: Aber du stehst mehr auf die Komödien als auf die Dramen?
Maja: Ähm, ich mag die Dramen auch. Ähm... Unheimlich schönes Ding, was irgendwo dazwischen liegt, wäre z.B. Dave Dust. Da spielt jemanden, der von einer unerwiderten ... oder zumindest unerfüllt bleibenden Liebe in den Alkoholismus und später in den Tod getrieben wird, der endet damit, dass er auf der Schwelle seiner Angebeteten verreckt.
Florian Bayer: Okay.
Maja: Aber der ist großartig. Der ist bunt und Bollywood und trotzdem ...
Florian Bayer: Oh mein Gott. Ja, ich werde so viel zu gucken haben die nächsten Wochen.
Maja: Aber ja, also wenn ich Bollywood benutze, um meinen Depressionen entgegenzuwirken... dann benutze ich tatsächlich eher die positiven Filme. Also die, die gutes Ende haben und die eher so eine Lebensfreude ausstrahlen. Und das tun auch die Dramen. Aber da steht halt die Tragik mehr im Vordergrund. Und bei den anderen steht eigentlich eher das Positive mehr im Vordergrund. Auch wenn so ziemlich jeder Film mindestens einen Todesfall enthält. Also das ist normal.
Florian Bayer: Hat dieser Film ja auch. Der hat einen Todesfall? Aber wenn du von Musicals redest, meintest du Filme wie dieser jetzt? Das heißt, die Musical-Nummern sind nicht so komplett omnipräsent, sondern irgendwie, es gibt genug Handlung und Action. Genau. Whatever dazwischen.
Maja: Also ... Meine Top 3 meiner liebsten Filme. Und das ist die Top 3 heute. Das kann sich morgen wieder ändern. Weil es gibt einfach zu viele. Aber mein Top-3-Film ist ... Rapnebana di Jodi. Auf Deutsch ein göttliches Paar.
Florian Bayer: Das ist ein typischer Titel.
Maja: In dem Film geht es darum, dass eine junge Frau an ihrem Hochzeitstag ihren Ehemann an einen Verkehrsunfall verliert. Daraufhin hat ihr Vater einen Herzinfarkt und stirbt. Und sein allerletzter Wunsch ist, dass er, der Vater Valera, dass er seinen besten Schüler heiratet. Einen totalen Langweiler, der bei den Stadtwerken arbeitet und total schüchtern ist und noch nie eine Freundin hatte.
Florian Bayer: Ist das Scharukran?
Maja: Das ist Scharukran.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Ich sag mal so, der Schnurrbart tut einiges dazu. Verstehe. Unheimlich süßer Film, unheimlich niedliche Liebesgeschichte.
Florian Bayer: Okay.
Maja: Da passiert nicht viel in dem Film und der ist auch drei Stunden lang.
Florian Bayer: Das klingt wie so, was ich als Vorstellung von einem Bollywood-Film habe. Wenn du sagen würdest, was ist die Handlung vom typischen Bollywood-Film, das wär's wahrscheinlich.
Maja: Das Ding ist, der hat... Wunderschöne Musik. Der hat eine damals noch sehr, sehr neue Schauspielerin drin, also als Partnerin von ihm. Und Da geht es halt wirklich um den totalen Underdog, der versucht, das Trauma seiner Ehefrau... wieder gerade zu biegen. Also ihr die Lebensfreude zurückzugeben.
Florian Bayer: Okay. Ist das 90er oder ist das auch ein neuerer Film?
Maja: Ich glaube, der ist noch nach 2000.
Florian Bayer: Okay.
Maja: Also generell, ich mag halt die neueren lieber.
Florian Bayer: Naja, 2008.
Maja: dann einer der Älteren, die in meiner Liste drin sind, ist aber auch nicht so alt. Ich glaube, Auch Anfang 2000er oder so. Kabikushi Kabigam. In guten wie in schweren Tagen. Ein Familiendrama.
Johannes Franke: Aber...
Maja: Das ist der Film... aus dem das Musikvideo stammt, was du mir damals gezeigt hast.
Florian Bayer: Oh Gott, okay. Ich kann mich wirklich nicht mehr erinnern, dass ich mir ein Bollywood-Musikvideo angeguckt hätte und das euch gezeigt habe. Ich meine, es ist einfach komplett weg. Ich meine, ich zeige jeden Tag zehn YouTube-Videos an irgendwelchen Leuten. Das Ding ist hängen geblieben.
Maja: Im Grunde genommen ist das die Geschichte eines Adoptivsohnes einer reichen Familie. der sich in die falsche Frau verliebt und deswegen von seiner Familie geächtet wird und dessen Stiefbruder versucht, die Familie wieder zusammenzuführen.
Johannes Franke: Hm, okay.
Maja: Simpel. Aber ... So bunt. Die Hälfte davon spielt in London. Okay. Natürlich, ein Haufen geht so gar nicht. So funktioniert überhaupt nicht. Aber ich mag diesen Film so. Nostalgie. Der ist einfach schön und eben auch Amita Bakshan drin. Als der Vater und so. Es ist einfach ein wahnsinnig... So, und mein zur Zeit jedenfalls Lieblingsfilm ist Dilwale. Zusatz, ich liebe dich.
Johannes Franke: Ja, langweiliger Titel, okay.
Maja: Handelt von zwei verfeindeten, ich glaube, Mafia-Familien.
Johannes Franke: Okay. Komi und Julia. Ach du Scheiße.
Maja: Und einer verbotenen Liebe.
Johannes Franke: Die...
Maja: unerfüllt bleibt, weil die eine Familie es so einfädelt, dass es so aussieht, als hätte die andere was gemacht. Also ... Natürlich Mord und Totschlag und so weiter. Und Charukan und Kajol, die sich gegenseitig beschießen und so einen Scheiß. Also, wundervoll. Aber eigentlich geht es darum gar nicht. Das ist nur die Backstory. Weil eigentlich geht es um Charokans kleinen Bruder. der sich blöderweise in die kleine Schwester aus der anderen Familie verknallt. Also sprich, die ganze Vorgeschichte passiert... In der Gegenwart normal. Aber ohne das ganze Drama drumherum. Das Drama holt sie allerdings ein, als sie feststellen, wer die sind. Und das heißt, die große Schwester und der große Bruder ...
Johannes Franke: Okay, also für mich ist es noch ein bisschen konfus, aber ich glaube, das ist so.
Maja: Es ist auch immer schwierig, sowas zu erklären, aber es ist im Prinzip zweimal Romeo und Julia. aber nicht so tragisch, weil Musical und so. Eins der Argumente für diesen Film. Das verdammt nochmal geilste Musikvideo aller Zeiten. Okay.
Johannes Franke: Gerua.
Maja: Wunderschön.
Johannes Franke: Vielleicht können wir das in die Show Notes irgendwo einen Link zu YouTube setzen, wenn es das gibt auf YouTube.
Maja: Das sind meine Favorites. Aber es gibt noch so viel mehr.
Johannes Franke: Okay, also wir haben einen riesen Bollywood-Fan hier sitzen und ich finde es wahnsinnig toll, was für Infos du dabei hast und wie das so sich alles eine Welt sich eröffnet.
Florian Bayer: Ich habe jetzt sechs Filme, die ich gucke. Und dann gehe ich davon aus, dass ich komplett genug von Bollywood und keinen Bock mehr drauf habe. Was sehr im Bereich des Möglichen liegt. Weil ich bin echt nicht der größte Musical- und Tanzeinlagen-Fan. Aber vielleicht bin ich dann auch angefixt. Der Film hat auf jeden Fall so viel Spaß gemacht, dass ich mir noch ein, zwei Charrucans geben werde. Aber nur die mit den Bauchmuskeln.
Johannes Franke: Also wirklich, als dieses, jetzt um mal zurückzukommen. Ist das echt?
Florian Bayer: Sind das wirklich oder was machen die da? Also das ist doch, dass sie so trainiert, also das ist doch nicht trainiert. Ich habe noch nie gesehen, dass ein Bauch so trainiert. Ich weiß, dass ich keine Bauchmusik habe.
Johannes Franke: Wenn du morgens in den Spiegel schaust, ist das sowas anderes.
Florian Bayer: Aber ich kenne Bodybuilder, nicht persönlich, aber ich kenne Bilder von Menschen mit Bauchmuskeln, aber das sind doch keine ... What the hell?
Maja: Okay, zwei Sachen dazu. Zum einen, ja, die trainieren wie die Bekloppten. Wirklich. Und Shah Rukh Khan ist noch nicht mal das krasseste, ich weiß nicht, ob ich ihn richtig, wahrscheinlich butschere ich den Namen, Hissig Roshan. Der Typ ist fast zwei Meter groß und kreuz.
Florian Bayer: Das heißt, der hat so ein 12-13-Pack.
Maja: Ich glaube, mehr als 10 kann man nicht haben. Aber die haben unheimliche Fitnessregimes, definitiv. Krass. Zum anderen machen die wahrscheinlich genau das gleiche Zeug, was auch im Westen gemacht wird, mit dem vorher jede Menge trinken und dann aufhören zu trinken. um die Haut möglichst dazu zu überreden, sich an den Körper zu schmieden. Und ich würde sagen, zumindest in dem einen Schuss, wo er da durch den Flur läuft, wo der Ten-Pack so ganz besonders, ich glaube, der ist nachgeschminkt.
Johannes Franke: Okay. Beruhig mich vielleicht ein bisschen.
Maja: Aber er ist da.
Florian Bayer: Ich war fasziniert davon, weil ich habe wirklich drauf geguckt und es war wirklich so, es ist echt... Krass. Fassungslosigkeit.
Maja: Aber es ist echt, also Shah Rukh Khan und wie gesagt, ziemlich viele Bollywood-Schauspieler, gerade die berühmten, das... Das ist eine unheimliche Disziplin.
Johannes Franke: Wahnsinn. Aber wir haben unsere eigentliche Top 3 noch gar nicht gemacht.
Florian Bayer: Ja, jetzt kommen wir zum Top 3 Guilty Pleasures.
Johannes Franke: Okay, also.
Florian Bayer: Johannes, leg du mal los. Meier hat jetzt so viel gemacht.
Johannes Franke: Ich habe das letzte Mal angefangen.
Maja: Ich habe die übrigens auch.
Johannes Franke: Gilt die Pleasures. Na klar.
Florian Bayer: Ja, sehr gut. Ich kann auch anfangen. Ja, fang du mal. Ich habe einen Thai auf Platz 3. Zwei Filme, die ich als Kind gesehen habe.
Johannes Franke: Oh.
Florian Bayer: Und die sich auch irgendwie ähnlich sind und auch beides Körperkult, beides 80er übrigens, meine Guilty Plecherliste ist komplett aus den 80ern. Körperkult 80er Action. Einmal mit Luferinho. Und zwar Sintbad, Herr der sieben Meere. Ein Sintbad-Film mit dem Darsteller von Hulk. Also, der den Hulk in der klassischen Serie gespielt hat, der war, glaube ich, war der Westler? Ich weiß es nicht. Bodybuilder auf jeden Fall. Irgendwie so ein Schwarzenegger-Typ. Und Johannes, geh nicht, das ist ein toller Film. Eine ganz merkwürdige Mischung aus Fantasy. Die Kindergeschichte und dann aber diese klassische Knochenbrecher-Action, die man halt von den Actionhelden aus der damaligen Zeit kennt. Total albern, total naiv. Aber irgendwie super spaßig. Und das zweite ist tatsächlich ein Film, fast zu gut für einen Guilty Pleasure, aber ich finde, der ist eigentlich besser als seinen Ruf. Masters of the Universe mit Wolf Lundgren. Der wirklich geile Sets hat, coole Kostüme und coole Maske.
Maja: Und ein wunderschönes pinkfarbenes Cabrio.
Florian Bayer: Ja, und ein Wunder... Cadillac ist ein Cadillac, ne? Groß.
Maja: Es ist ein Auto ohne Dach.
Florian Bayer: Und ja, die habe ich als Kind gesehen und ich mag die bis heute, weil das einfach sauwitzige, naive Action-Fantasy-Streifen aus den 80ern sind.
Johannes Franke: Okay, okay. Also ich hoffe, dass jeder mal mit dem Begriff Guilty Pleasure anfangen kann. Also nur für den Zuhörer. Es geht um Filme, von denen man weiß, dass sie eigentlich vielleicht doch eher... scheiße sind oder in den Trash-Bereich gehören, den man aber liebt. Dein Platz 3. Strange Magic.
Maja: Ein Film über Feen von George Lucas.
Johannes Franke: Moment, es gibt einen Film über Feen von George Lucas?
Florian Bayer: Was habe ich verpasst in meinem Filmgeschichte?
Maja: Ein Jukebox-Musical. Animationsfilm von George Lucas. 2015.
Florian Bayer: Völliger Trash. Hä? Ich habe von dem Film noch nie gehört.
Johannes Franke: Total an mir vorbeigegangen. Krass, Mann. Und den magst du, warum?
Maja: Weil er trashig ist. Ich mag den Antagonisten. Okay.
Johannes Franke: Ist das so ein Howard the Duck Ding?
Maja: Nein, nein, oh Gott, nein, so schlimm ist es nicht. Die Story ist denkbar, simpel. Es ist halt ein Märchen. Es ergibt keinen Sinn, aber es hat so niedliche Elemente drin. Ja.
Florian Bayer: 18% bei Rotten Tomatoes.
Maja: Deswegen ist der ein Guilty Pleasure. Der ist wirklich nicht gut, aber der ist niedlich.
Johannes Franke: Okay. Na gut. Johannes, ich möchte meinen Platz 3 unsere Regel wieder brechen und eine Serie reinhauen.
Maja: Hey, ich hab das auch nicht gemacht.
Johannes Franke: Buffy.
Florian Bayer: Das ist kein Guilty Pleasure. Doch, eigentlich ist es. Das ist nicht schlecht.
Johannes Franke: Doch, aus heutiger Sicht würde ich es als Guilty Pleasure bezeichnen.
Florian Bayer: Ich finde, das ist geteatet. Zwar nicht, weil es eine Serie ist, sondern einfach, weil Buffy hat so einen Kultstatus. Ich bin kein Buffy-Fan, aber Buffy hat Qualitäten.
Johannes Franke: Ja, Buffy hat absolute Qualitäten.
Maja: Also ich bin Buffy-Fan und ich finde auch Guilty Nein.
Johannes Franke: Okay, dann muss ich den... Okay, ich bin überstimmt. Ich werde den Platz... Tauschung.
Florian Bayer: Das ist das mieseste, was man machen kann. Proud Pleasures zu nennen als Guilty Pleasures.
Johannes Franke: Stimmt. Dann ist meine ganze Liste dahin.
Maja: Mach was, wofür du dich schämst.
Johannes Franke: Michael Jackson. Darum geht's. Dieses lange Video von Michael Jackson, dieser Film... Moonwalker.
Florian Bayer: Okay, das geht durch. Okay, gut.
Johannes Franke: Ja, ich möchte darauf nicht näher eingehen.
Maja: Verstehe ich nicht.
Florian Bayer: Space Jesus am Schluss. Irgendwie so ein Roboter am Fliegen in den Weltraum. Ja.
Maja: Er ist ein Transformer.
Florian Bayer: Ja, ein Transformer, genau. Aber immerhin gibt es dieses geile Video von Smooth Criminal. Ja, Smooth Criminal.
Johannes Franke: Das ist wirklich krass. Das beste Musikvideo aller Zeiten.
Florian Bayer: Mein Platz zwei, Herzschmerz. Das ist wirklich ein Guilty Pleasure.
Maja: Ich hab keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich trau mich kaum was zu sagen. Fackeln im Sturm, 1985. Ach du Scheiße. Es ist total plump, es ist total eindimensional, es ist ganz klar, wer gut und wer böse ist. Es sind hübsche Kostüme und es geht eigentlich nur darum, dass Patrick Swayze... von diversen Frauen angehimmelt wird und mit ihnen Medlin. Genau, Medlin. Super, Maya kennt das sehr
Maja: Natürlich, es ist Schrott, ich kenne es.
Florian Bayer: Es ist totaler Schrott und es ist so ... Billig, aber irgendwas hat es, was mir ... Das ist einfach so Berieselung, die wunderbar funktioniert. Die Emotionen sind nicht besonders authentisch oder mitreißend, aber es funktioniert einfach. Ich kann das gucken. Und lass mich berieseln, das ist meine Form von Eskapismus wahrscheinlich, weil es einfach so schön reinfließt wie Honig.
Maja: Dann ist kein Wunder, dass bei dir Bollywood funktioniert hat. Das ist genau die gleiche Kerbe. Okay, meine Nummer zwei. Die Schlange im Schatten des Adlers.
Johannes Franke: Bruce Lee oder Jackie Chan?
Maja: Jackie Chan.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Und ich bin der Meinung, ich hab euch beide davor gesetzt schon.
Johannes Franke: Ja, wirklich. Auf jeden Fall. Also ich musste ihn sehen. Glaube ich auch. Ich bin mir gar nicht sicher, ob der dann, gilt der als Guilty Pleasure? Funktioniert das? Das ist ein Scheißfilm. Ist der zu scheiß? Also ist der so scheiße genug?
Florian Bayer: Ich komm mit den Jackie Chan-Filmen komplett durcheinander. Das hat nichts mit der Drunken Master-Reihe zu tun, oder?
Maja: Nee, ich glaube nicht. Das ist Xinfu, ein armes Waisenkind, was in irgendwelche politischen Wirren geht. hineingeboren ist, wovon es aber nichts weiß und dann von irgendwelchen Volltrotteln in einer Kampfschule misshandelt wird und dann von einem alten Mann unterrichtet wird in Kung Fu und sich eine neue Kampftechnik aus... Es ergibt überhaupt
Florian Bayer: Aber es klingt wie jeder Ticke-Chan-Film aus der Zeit.
Maja: Es ist von vorne bis hinten Unsinn und es ist eine Komödie.
Florian Bayer: Okay.
Maja: Also ich meine, viele Jackie Chan Filme sind Komödien, aber der Film ist einfach schlecht, aber ich bin damit aufgewachsen und mein Gott, ich bin Kampfsportler, ich darf doofen Kampfsportler. Sportfilme mögen.
Johannes Franke: Meine Liste ist, jetzt stelle ich alles in Frage, was ich eigentlich eben habe.
Florian Bayer: Jetzt kommt als nächstes Charlie Chaplin. The Kid, ich schäme mich dafür.
Maja: Nein.
Johannes Franke: Da kommt was raus. Da kann auch Alf nicht rein.
Florian Bayer: Nein.
Johannes Franke: Alf ist ein Sitkom-Klassiker. Da darf auch nicht rein. Quatsch.
Maja: Rocky Horror Picture Show?
Florian Bayer: Allgemein anerkannt, der hat wahrscheinlich sogar Oscars gewonnen.
Johannes Franke: Was? Nein.
Florian Bayer: Du kannst doch nicht Rocky Horror Picture Show? Nein. Pass auf, 1975. Aber das ist Trash.
Maja: Ja, aber das ist Kult-Trash. Der darf scheiße sein.
Johannes Franke: Und Labyrinth darf dann auch nicht rein, ne?
Maja: Labyrinth? Vielleicht, aber es ist Bowie und... Bowie ist wieder so... Rabi, das ist auch so ein Kultfilm.
Johannes Franke: Ja, totaler Kultfilm und ich liebe ihn...
Maja: Ja, aber du sollst da Sachen reinpacken, die Tacke sind.
Florian Bayer: Also Rocky Horror Picture Show hat 79% bei Rotten Tomatoes.
Johannes Franke: Ja, na gut, okay. Da kann man sich nicht schämen. Ja, das ist richtig. Verdammt, ich weiß es nicht. Klein Nein from Outer Space.
Florian Bayer: Ja, okay.
Maja: Ja, definitiv.
Johannes Franke: Aber der ist halt einfach, der war in unserer Liste die Filme, die so schlecht sind, dass sie wieder gut sind.
Florian Bayer: Ja, und das ist zu viel Kult vielleicht, weißt du? Also ich dachte, so ein Guilty Plecher muss wirklich ein Film sein. Wo du zumindest kurz so das Gefühl hast, will ich das jetzt sagen? Ich war echt befackelt im Sturm. Habt ihr gemerkt, wie ich gezögert war? Wie ich Angst hatte vor eurer Verurteilung?
Johannes Franke: Zu Recht, zu Recht. Aber sowas fällt mir nicht richtig ein.
Maja: Dir fällt kein Film ein, der scheiße ist, den du trotzdem magst? Nee. Was ist mit Moulin Rouge?
Johannes Franke: Nee, dafür mag ich ihn nicht genug.
Maja: Irgendwelche Dick und Doof Filme.
Florian Bayer: Zwickmühle.
Johannes Franke: Dick und Doof Filme sind kein Guilty Pleasure. Dick und Doof Filme sind einfach ein kulturhistorisches...
Maja: Bud Spencer und Terence Hill.
Florian Bayer: Ja, zum Beispiel. Bud Spencer und Terence Hill. Magst du doch total.
Johannes Franke: Du hast mir vor kurzem gesagt. Habe ich als Kind gerne geguckt, das stimmt.
Maja: Was ist mit Louis Define?
Johannes Franke: Aber das ist kein guilty pleasure. Der ist zu sehr tatsächlich.
Maja: Der ist auch schon wieder zu sehr kult.
Johannes Franke: Zu gut. Also ich habe jetzt Plan 9 from Outer Space reingehauen und als Platz 2 jetzt bist du Trenntor.
Florian Bayer: Okay, mein Platz eins. Du bist Trekkie, oder? Du kennst dich aus dem Star Trek Universum. Du auch, Johannes, so ein bisschen?
Johannes Franke: Ein bisschen.
Florian Bayer: Also. Und ich glaube, als Trekkie versteht man das, was ich jetzt sage. Mein liebster Star-Trek-Film. Und zwar wirklich der Star-Trek-Film, den ich am meisten mag. Die Vier. Ist ein ungerader Film.
Maja: Oh nein.
Florian Bayer: Schlimmer. Mein liebster Star Trek Film wurde von William Shatner inszeniert.
Maja: Oh nein.
Florian Bayer: Liebster Star Trek Film ist Star Trek 5 am Rande des Universums.
Maja: Warum?
Florian Bayer: Allgemein von der Kritik komplett verhasst, von Trekkies nicht akzeptiert. Nein. William Shatners großer Ego-Trip, inklusive einem Tanz von Uhura, um irgendwelche Bösewichte abzulenken und Slapstick einlagen.
Maja: Und dann auch noch die Suche nach Gott, oh Gott.
Florian Bayer: Und die Suche nach Gott und die Frage ...
Maja: Warum braucht Gott ein Spaceship?
Florian Bayer: Aber dieser Film ist so unterhaltsam. Der ist so wunderbar. Der macht so viel Spaß, weil er kann sich nicht darauf einigen, ob er jetzt albern sein will, ob er philosophisch sein will. Er versucht es wirklich. Oder, was er meistens ist, einfach nur William Shatner hoch. Mit eingezogenem Bauch. Aber der Film macht so viel Spaß. Ich ... Ich finde, es ist der kurzweiligste Star-Trek-Film. Es ist sehr spannend. Der drastigste Star-Trek-Film, der sich am meisten traut, weil er so komplett over the top ist und so klar ist. dass irgendwie William Shatner sich durchgesetzt hat mit total bescheuerten Ideen von der dreibrüstigen Katzenfrau am Anfang, Bisschen zu dem Finale, dass irgendwie so ein Versuch 2001 ist, Space Odyssey zu sein. Aber völlig verreicht. Ja. Toller Film. Tut mir leid.
Maja: Ich habe ein paar Honorable Mentions, bevor ich... Ja, machen wir. Ein Haufen Animes, aber die sind wirklich gut. Also weiß ich nicht, ob sie als Guilty Pleasure gelten.
Florian Bayer: Also gibt dies auf jeden Fall nicht, falls du das meinst.
Maja: Also zum Beispiel hacken immer viele auf dem Wandel ein Schloss rum. Das verstehe ich nicht. Ach nein. Vor allem, weil der 2020 wirklich gut war. Der hat mir echt geholfen. Dann ein Haufen Musicals. Aber die sind auch wirklich gut. Also solche Sachen wie Hairspray zum Beispiel.
Florian Bayer: Ja.
Maja: Super viel.
Florian Bayer: Ja, es ist kein Geldgeblecher, glaube ich.
Maja: Dann... einen Haufen Bollywood-Filme, aber die sind verkannt. Ein Haufen Animationsfilme. Man sagt ja immer, Erwachsene sollten keine Animationsfilme mehr gucken. Ich stehe auf sowas. Einer von den Filmen, die ich auch immer so mitpitche. Edge of Tomorrow. wunderschöner Tom Cruise-Film.
Florian Bayer: Der ist geil. Nein, kein guilty pleasure. Dafür musst du dich nicht schämen.
Maja: Und natürlich irgendwelche alten Science-Fiction-Filme, sowas wie Flash Gordon. Oder Enemy Mine oder so.
Florian Bayer: Oh, Enemy Mine ist toll. Total pathetisch. Ganz wirklich pathetisch.
Maja: Und jetzt... Also... Meine Nummer eins, Guilty Pleasure. Ist ein bisschen gecheatet, weil es ist nicht nur einer. Es sind mehrere.
Florian Bayer: Mhm.
Maja: Und sie sind alle furchtbar scheiße.
Florian Bayer: Ich bin so gespannt. Ich habe eine Vermutung.
Maja: Man kann es eigentlich von niemandem rechtfertigen, außer vielleicht, dass man sie anderen Leuten zeigt und die anderen Leute dabei beobachtet, wie sie sie scheiße finden. Das macht unheimlichen Spaß. Aber ja, es ist... Twilight.
Johannes Franke: Nein. Nein.
Florian Bayer: Okay, ich habe nur den ersten Twilight-Film gesehen und den fand ich echt schlecht.
Maja: Ich habe allen Glauben an dich verloren, Maya. Die waren alle schlecht, die waren alle furchtbar. Ich weiß, dass sie total furchtbar sind. Aber ...
Florian Bayer: Inklusive dieser verkorksten Sexualmoral.
Maja: Es ist alles schrecklich. Diese Filme kann man eigentlich niemandem zumuten. Und ... Eigentlich wünschte ich mir, dass ich sie ähnlich wie Fifty Shades of Grey total ablehnen würde, aber ich tue es.
Florian Bayer: Hast du Fifty Shades of Grey gesehen?
Maja: Nein.
Florian Bayer: Okay, hab ich auch nicht gesehen.
Maja: Ich hab genug Ausschnitte davon gesehen, um zu sehen, dass ich das absolut furchtbar finde und es mir nicht angucken kann. Aber ... Twilight? Ich weiß nicht, wieso.
Florian Bayer: Hast du auch die Bücher gelesen?
Maja: Ja.
Florian Bayer: Und haben die Bücher auch Spaß gemacht? Ja. Siehst du, Johannes, so funktioniert ein Guilty Pleasure. Okay, okay.
Maja: Das muss weh tun.
Florian Bayer: Ich fand Twilight wirklich schlecht, den ersten Film. Aber zumindest einmal kurz eine Lanze brechen, wenn wir gerade dabei sind. Für Kristen Stewart, die wirklich eine verdammt gute Schauspielerin ist. Und einen scheiß Ruf hat wegen dieser Twilight-Filme.
Maja: Also ehrlich gesagt, in den Filmen kann ich das... Ich kann es nicht bestätigen.
Florian Bayer: In den Filmen nicht, aber danach hat die wirklich ein paar echt gute Filme gespielt, wo sie auch echt starke Rollen hatte.
Johannes Franke: Es kommt aber auch gar keiner in den Filmen, in den Twilight-Filmen gut weg als Schauspieler.
Maja: Doch, Charlie.
Johannes Franke: Wer ist Charlie?
Maja: Der Vater. Der ist großartig. Ich liebe jede Szene, in der er drin ist.
Florian Bayer: Okay, das ist aber so offensichtlich irgendwas Ironisches gerade, oder?
Johannes Franke: Weiterhin guilty pleasure, oder?
Maja: Nee, nee, nee, der ist einfach, der hat ein gutes Timing und der... Der ist so over it in dem Ding. Nach dem Motto, ach scheiße, ich hab's unterschrieben. Ich mach das jetzt.
Florian Bayer: Und jetzt die wichtigste Frage überhaupt. Team Jacob oder Team Edward?
Maja: Team get the head out of there.
Florian Bayer: Okay. Team single. Ja.
Maja: Also wie gesagt, ich möchte nichts davon in irgendeiner Weise unterstützen. Ich finde das alles furchtbar.
Johannes Franke: Und ich liebe diese Filme.
Maja: Ich habe keine Ahnung, wieso. Weil natürlich ist das alles schrecklich. Keine dieser Beziehungen will man. Nicht geschenkt. Das ist alles fürchterlich, alles missbräuchlich und schrecklich und gestorke und Misshandlung und Gaslighting und was weiß ich. Furchtbar. Definitiv stimme ich zu. Ich mag sie trotzdem.
Florian Bayer: Ganz kurz, weil ich das nie so richtig mitgekriegt habe. Haben die ein computeranimiertes Baby oder Kind?
Maja: am Schluss in einem der letzten Filme. Die Abomination, das Ding ist so furchtbar.
Florian Bayer: Und der Werwolf verliebt sich in sie, weil er weiß, dass sie für ihn bestimmt ist? Also er verliebt sich in das Baby oder so?
Maja: Nein, nein, das ist ... Twilight hat eigene Regeln.
Florian Bayer: Gegen den gesunden Menschenverstand.
Maja: Und die Wehrwölfe ... die keine Wehrwürfe sind, sondern eigentlich Wehrhunde oder eigentlich Gestaltwandler. Also es ist sowieso völlig ... Ich kann das nicht verteidigen, aber ich kann sagen, was es ist. Die haben einen Vorgang, der nennt sich Imprinting. Das heißt, du wirst einer Person ansichtig und in dem Moment... Ist diese Person deine ganze Welt? Die ist sozusagen der einzige Partner, den du jemals haben willst? Mormonen.
Johannes Franke: Okay.
Maja: Die Frau ist Mormone, die das geschrieben hat. Aber das ist natürlich alles... Monogamie und so einen Blödsinn. Aber gut, also dieses... Dieses Imprinting ist halt in dem Moment, wo du deinen Seelenverwandten oder was siehst ... ist nur noch dieser eine Mensch wichtig. Alles andere fällt hinten runter. Und das kann aber leider in jedem Alter passieren. Und in dem Fall ist es ein Baby.
Florian Bayer: Aber waren die Mormonen nicht teilweise auch die Viel-Eden-Fans?
Johannes Franke: Keine Ahnung.
Florian Bayer: Ich dachte, bei den Mormonen gibt es zumindest so Subgruppen, die irgendwie Polygamie zelebrieren.
Maja: Weiß ich nicht, aber wenn, dann sowieso nur für Männer.
Florian Bayer: Ja, definitiv. Natürlich. Das ist christlichen Ursprungs. Fuck.
Maja: Ich weiß nicht, ob das die Mormonen waren oder noch jemand anders.
Florian Bayer: Die Mormonen sind die, die keinen Kaffee trinken und glauben, Und sie wurden dann aus einem Hut vorgelesen. Ja, ich habe die South Park-Folge auch gesehen. Und die Dianer haben rote Haut, weil Gott sie bestraft hat. Das kommt noch dazu. Gott hat sie verbrannt, deswegen haben sie rote Haut. Ist das hart. Scheiße.
Maja: Ja, also es ist völlig bescheuert, aber ja, es kommt drin vor, wie gesagt, ich kann, ich kann nichts von diesen Filmen verteidigen. Das ist alles furchtbar. Die Moralvorstellungen, die dahinter sind, sind, sind alle furchtbar. völlig verdreht und schlecht und scheiße und schädlich. Definitiv.
Johannes Franke: Jo, gut, wir haben jetzt schon viel zu lange über Twilight geredet. Okay, mein Platz 1. Ich habe gerade mein Handy nochmal in die Hand genommen und gegoogelt.
Florian Bayer: Schlechte Filme. Bitte gib mir irgendwas.
Johannes Franke: Gib mir irgendwas Schlechtes. Und ich erinnere mich, dass ich als Kind voll drauf abgefahren bin. Ich weiß nicht mehr, wie ich ihn heute gucken würde, aber ich mochte Ace Ventura. Okay. Ja. Ice Ventura, the pet detective. Ist der schlecht genug?
Florian Bayer: Ich glaube, es gab schlechtere Jim Carrey Filme, aber ich glaube, es gab auch viel bessere.
Maja: Ja, aber da musst du echt nochmal drüber nachdenken. Ich finde, es ist eine Hausaufgabe fürs nächste Mal. Du findest eine wirkliche Guilty Pleasure-Liste mit Sachen, die wirklich peinlich sind. Und ich weiß, dein Problem ist, dass dir einfach nichts peinlich ist. Du das deswegen nicht unterscheiden kannst. Aber versuch dich einfach in andere Menschen reinzuversetzen. Ich weiß, das kannst du gut.
Johannes Franke: Ich habe keine Ahnung. Ich hätte euch vorher die letzte schicken müssen. Sowas wie nackte Kanone oder sowas? Auf keinen Fall.
Maja: Ist auch viel zu beliebt.
Johannes Franke: Aber es gibt Guilty Pleasure Listen im Internet und da sind diese Sachen drauf. Dann sind das aber schlechter.
Maja: Die Listen sind einfach... Ja, du musst schon was finden, was wirklich scheiße ist. Sowas wie Twilight.
Florian Bayer: Star Trek 5?
Johannes Franke: Keine Ahnung. Nee, ich weiß es nicht. Es tut mir leid, ich habe voll versagt.
Florian Bayer: Ist nicht schlimm.
Johannes Franke: Okay, wollen wir in unseren eigentlichen Film zurückkehren, nachdem wir jetzt eine Stunde oder sowas über irgendwelche Guilty Pleasure und Top 3 Filme gesprochen haben?
Florian Bayer: Eine Frage habe ich noch, um zurück zum Film zu kommen. Die indische Gesellschaft ist doch relativ patriarchalisch organisiert, oder? Mhm. Farrah Khan ist die Regisseurin von dem Film. Ist das was Ungewöhnliches, dass eine Frau Regie führt? Und offensichtlich ist es ja auch erst ihr vierter Film und sie war vor allem Choreografin. Ist das ungewöhnlich, dass sie... die das eine Frau richtig führen darf.
Maja: Also die meisten Regisseure, soweit ich weiß, sind tatsächlich Männer. Insofern, es entwickelt sich langsam, aber es entwickelt sich. Also es kommt, aber ja, es ist nicht normal. Also, dass Gauri Khan Produzentin ist, ist es auch nicht normal.
Florian Bayer: Das war die Frau von Shahrukan.
Maja: Das ist die E-Frau, genau. Also es wird langsam und ich denke, das hängt auch dann zusammen. Wie gesagt, Shahrukan setzt sich ja unter anderem auch für Frauenrechte ein und so. Es kommt, aber es ist noch ein weiter Weg.
Florian Bayer: Ich fand's tatsächlich ganz interessant, weil so das Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit des Films hat natürlich teilweise so diese ... konservativen Momente. Aber es wird nie zu krass und nie zu unangenehm, sondern es gibt auch immer so genug kleinere Spitzenbrüche drin, wirklich so. Ganz vorsichtiger, so ein Gekräusel an Rissen.
Johannes Franke: Ich find's schon unangenehm, wenn sie eingeführt wird als, er benutzt Fremdwörter. Oh ja, oh fuck, ja. Also das ist schon hart.
Florian Bayer: Das ist hart, das stimmt.
Johannes Franke: Und vor allem, weil dann auch noch gesagt wird, sie versteht kein einziges. Sie mag fremdlich.
Florian Bayer: Wörter, aber sie versteht es nicht so.
Johannes Franke: Ja, toll. Super.
Maja: Diese Figur ist jetzt nicht unbedingt die Emanzipation. Ja, muss man schon sagen. Es gab auch
Johannes Franke: Kein Grund, sie dumm zu schreiben. Überhaupt nicht. Es gibt überhaupt keinen Grund dafür.
Maja: Naja, außer vielleicht naiv, aber das muss man ja nicht gleich dumm machen.
Johannes Franke: Ja, also es war nicht so geil. Das fand ich irgendwie echt problematisch.
Maja: Aus dem Grund, also... Wer wirklich manchmal ganz gute Frauenrollen kriegt, das ist auch wirklich teilweise echt eine Typesetzungssache. Kajol. ist jemand, der sehr, sehr, sehr oft sehr starke Frauenfiguren kriegt. Okay. Zum Teil Carina Capur. Ähm ... Dann gibt es eine, die ist wohl eigentlich eine britische Schauspielerin, Katrina Kaif oder wie die heißt. Die spielt allerdings ziemlich häufig ziemliche Ziegen, aber sehr selbstbestimmte Ziegen. Und dann ... Anushka irgendwas, Hauptrolle in meinem Top 3, also in meinem Drittplatzierten, die hat auch hin und wieder so junge Frauen. Also das ist auch eine relativ neue Entwicklung, aber es gibt auch stärkere Frauenrollen. Die sind immer noch sehr, sehr feminin in vielen Punkten. Aber durchaus durchsetzungsfähige Frauen. Es wird auch mehr geschrieben inzwischen.
Johannes Franke: Also für mich sind ja, es gibt ja in Bollywood den großen Unterschied zwischen du hast eine Love Interest. die Jung sehr schlank und sehr sexy und so inszeniert wird. Und dann aber der krasse Gegensatz, Die Mamas. Die sehr fülligen Mütter, die ihre Söhne anschreien. Wie kommt man von Punkt A zu Punkt B? Was passiert dazwischen?
Maja: Naja, ich glaube, in dem Moment, wo sie verheiratet sind, dürfen sie die Maske fallen lassen. Ja.
Johannes Franke: Sobald du Ja, ich will, bist du sofort in dieser Mama-Rolle
Maja: Oder spätestens nachdem du den ersten Sohn abgeliefert hast.
Johannes Franke: Pantoffeln werfend, weiß ich nicht. Das ist die Mama, die am Anfang Tami seine Sachen rauswirkt. Aber diese Frauenfiguren gibt es doch in jedem Bollywood-Film, oder?
Maja: Diese Mütter. Nicht unbedingt in jedem, aber ja, es gibt die relativ häufig, das stimmt schon.
Johannes Franke: Also schon krass.
Maja: Aber es gibt auch die große Dame Mutter und so. Gibt es auch, ja?
Johannes Franke: Gibt es auch, nein.
Maja: Das ist nicht so einschienig, wie man befürchten würde. Es gibt schon sehr verschiedene Frauenrollen. Ich habe auch irgendwann mal irgendwas, ich glaube, historisch oder an irgendeiner Legende angelehntes gesehen, mit einer Kriegerin tatsächlich.
Johannes Franke: Aha.
Maja: Okay. Also so eine Art Amazone quasi. Also es gibt alles in Bollywood. Das ist quasi Hollywood, nur eben aus Bombay.
Johannes Franke: Ja, und auf Steroiden.
Maja: Da kommt der Name her.
Florian Bayer: Das auch, ja. Ich glaube, was es für mich, dass Frauen, die den Blick auf Frauen so ein bisschen aufgerissen hat, war, dass so Männer sehr viel als Icon hier halten in dem Film. Das fand ich irgendwie total angenehm. Stimmt, das stimmt. Wenn es darum geht, bei Hollywood ist es halt so ganz klar, da werden einfach die Frauen als... Anschauungsmaterial benutzt und teilweise auch wirklich krass so objektifiziert.
Maja: Mhm.
Florian Bayer: Der Film macht es relativ gleichberechtigt. Also, Charrokan wird ordentlich gezeigt.
Maja: Generell Bollywood tut das. Also, du hast ... Ich kenne die immer auf beiden Seiten. Also ich kann mich an keinen Film erinnern, wo es nur eine Seite ist. Und die Männer sind genauso farbenfroh und teilweise knapp bekleidet wie die Frauen. Zumindest da ist eine gewisse Gleichberechtigung, das stimmt.
Florian Bayer: In dem Film fand ich es wirklich krass, weil es war so offensichtlich, dass es einfach mal diese freien Oberkörper-Szenen gibt, wo so ... ganz eindeutig ist, die werden jetzt nur gemacht, damit man einmal hier den Körper bestaunen darf.
Maja: Und ich meine, wer weiß, wie viel Vorbereitung da reingegangen ist in diese eine Szene, dass der Körper in dem Moment so aussah. Aber was ich auch ganz besonders toll finde, sind diese Szenen. Das ist auch wieder mal so eine Musikvideosequenz, wo sich... Die Hauptfigur in den weiblichen Lied verknallt und andersrum. Wo jedes Mal, wenn die miteinander zu tun kriegen, irgendwas im Hintergrund anfängt zu brennen. Wunderbar.
Florian Bayer: Supergag. Ja, auf jeden Fall. Sehr albern. Mein fünfjähriger Sohn hat es verstanden. Ich muss es ihm einmal erklären. Warum brennt da jetzt der Whisky? Das Feuer der Liebe. Und dann in der nächsten Szene, in der es kam, es hat nicht lange gedauert, hat er gesagt, das Feuer der Liebe.
Maja: Also wunderschön, wie offensichtlich das immer ist.
Johannes Franke: Die hauen da wirklich drauf. Und ich möchte gerne einmal als Challenge an alle rausgeben, wie bei manchen anderen Filmen auch schon, aber bei denen besonders. diese ganzen Referenzen, Popkultur, westlicher wie indischer, je nachdem wie weit man sich auskennt, Versucht es mal aufzuschlüsseln, was es alles da drin gibt. Das ist unglaublich.
Maja: Das ist sowieso viel zu viel, weil... Bollywood-Filme neigen auch dazu, gerade die neueren, sich ständig gegenseitig selbst zu zitieren.
Johannes Franke: Ja, ja.
Maja: Und das ist alles so selbstreferenziell. Also ich meine, zum Beispiel in diesem Film kommt am Anfang, wo ... Jack eingeführt wird, machst du einen auf Charukan. Ja.
Johannes Franke: Das ist so, hoppla.
Maja: Solche Dinge, aber das kommt ständig.
Johannes Franke: Ein einziges buntes Patchwork an Zeug aus allen möglichen Kulturen und allem möglichen Zeug.
Maja: Und eben auch ganz viel eben auch sich selbst.
Johannes Franke: Immer wieder.
Florian Bayer: Was ich noch hatte, was das Setting betrifft, du hast ja gesagt, das ist irgendwie schon Eskapismus und es wird eine Märchenwelt gezeigt. es waren nicht die Bilder, die ich von dem Indien erwarte, weil es wurde irgendwie nicht so der große, volle, urbane Raum gezeigt, wo die Leute dicht aufeinander nehmen, weil wenn man mal gesehen hat, wo die Leute wohnen, Dann waren das so Vororte, die fast so was Amerikanisches hatten. Also gerade wenn sie den ... Den Tami abholen, der in seinem Vorort lebt, das hat ja nicht so ausgesehen, wie ich mir Indien vorstelle. Weil Indien ist so der urbane Raum für mich halt, das sind Städte, wo die Leute wirklich eng aufeinander leben oder halt die Slums. Und das fand ich auch total schräg, weil das so eine amerikanische Vorstadt war, die da gezeigt wurde. Ja.
Maja: Das ist tatsächlich auch etwas, was ganz, ganz, ganz häufig vorkommt. Also, dass du wirklich eine indische Großstadt siehst. so wie die eben ist, kommt relativ selten vor. Gems ist aber nicht so oft. Also jedenfalls nicht so oft in den Filmen, die ich gesehen habe.
Florian Bayer: Und das einfach auch aus dem Grund, weil sie die Realität ausblenden wollen?
Maja: Ich glaube, ja.
Florian Bayer: Entführen, verzaubern wollen?
Maja: Ich denke schon.
Johannes Franke: Also das schafft der Film für mich, um mal so einen kleinen Anflug von Fazit andeuten zu wollen. Für mich, der Film ist völlig drüber. Jeder Gag, der ihn einfällt, wird eingebaut. Egal. Egal wie gut er ist oder wie schlecht er ist, er wird einfach reingeworfen und dadurch ist einfach jeder gleichwertig gut. Es ist einfach... Ein einziges Chaos und es macht Spaß. Es macht einfach riesigen Spaß. Es gibt so ein paar Kritikpunkte wie mit dem Frauenbild und so, aber ich würde alles... alles über Bord werfen, diesen Film einfach zu sehen und einfach Spaß zu haben.
Maja: Also mein Fazit ist, Disney ist ein Scheiß dagegen.
Florian Bayer: Stimmt. Ich fand ihn zwischendurch ein bisschen ermüdend, so nach einer Stunde.
Maja: Aber dafür gibt es ja tatsächlich die Unterbrechung. Die meisten Hollywood-Filme haben eine Intermission.
Florian Bayer: Ja, natürlich. Ich habe mich so gefreut über dieses, steht da einfach Intermission drin.
Johannes Franke: Wie geil ist das denn?
Florian Bayer: Und tatsächlich war er dann auch einfach voll genug, dass das okay war. Und wie gesagt, ich hatte echt Spaß. Ich habe mich total drüber gefreut. Mein Kind hat sich drüber gefreut. Mit all den naiven, dummen, albernen Zähnen, die drin sind. Einfach bunt.
Johannes Franke: Der bessere Zorn.
Florian Bayer: Ja, so könnte man es stehen lassen.
Johannes Franke: Ja. Schön. Voll gut. Vielen Dank, Maja, dass du diesen Film vorgeschlagen hast.
Florian Bayer: Maja, danke. Also diese Folge hat definitiv meinen Horizont erweitert, wenn wir zum Slogan unseres Podcasts kommen, dass wir uns gegenseitig wirklich neue Welten eröffnen wollen.
Johannes Franke: Ja, das hat eine riesige Welt eröffnet.
Florian Bayer: Und ich glaube, ich werde mal so ein paar Bollywood-Filme gucken in nächster Zeit und dann schauen, ob ich noch Bock auf das Genre habe.
Johannes Franke: Du musst mir einfach ein paar da lassen, so in der Richtung, vielleicht nicht unbedingt die Dramen, obwohl die mich auch interessieren würden, aber vor allem erstmal die ganzen Slapstick-Scheiß, her damit.
Maja: Kein Thema.
Johannes Franke: Okay. Ja, sehr schön. Vielen Dank, dass du auch da warst, dass du unsere 20. Episode, wir haben nicht genug gefeiert. Nee. Wahnsinn. 20. Folge, dass du sie bereichert hast und uns dann so ein Horz und erweitert hast.
Florian Bayer: Danke von meiner Seite.
Maja: Gerne. Können wir gerne auch irgendwann mal wieder machen.
Johannes Franke: Sehr schön.
Florian Bayer: Wenn ihr wissen wollt, was das nächste Mal drankommt, bleibt noch kurz dran.
Johannes Franke: Und ansonsten vielen Dank dir, Plur.
Florian Bayer: Vielen Dank, Johannes. Nächste Woche gibt es wieder eine klassische Episode mit russischem Kunstkino.
Johannes Franke: Oh Gott, nein.
Florian Bayer: Türkischen Untertiteln. Und einem Slapstick-Musical aus den 40er Jahren.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt, was wir wieder haben. Bis dahin. Schöne Woche euch. Tschüss.
Florian Bayer: Obstblor. Das war eine aufregende Episode.
Johannes Franke: Jetzt wo Maya weg ist. Ich muss noch ein bisschen meine Wunden lecken. Kleine Feedbackrunde. War das eine gute Idee, mal hier einzuladen?
Florian Bayer: Es war eine fantastische Idee.
Johannes Franke: Es war großartig, oder?
Florian Bayer: Ja, es hat voll Spaß gemacht. Ich fand die Mischung auch sehr gut. So dieser unbändige Hass, der Melancholia entgegengeworfen wurde. Und dann kurz darauf diese unbändige Begeisterung, die Happy New Year gekriegt hat. Das war eine sehr schöne Kombi.
Johannes Franke: Mit der Maja so gar nicht gerechnet hat. Sie hat gesagt, willst du rupfen alles?
Florian Bayer: Ich glaube, wir haben sie voll damit gekriegt, dass wir gesagt haben, geil, gib uns mehr Bollywood, rein damit.
Johannes Franke: Ich glaube, wir werden jetzt uns nicht mehr retten können vor Angeboten, was das betrifft.
Florian Bayer: Ja, ich bin dankbar für jeden, der Interesse hat.
Johannes Franke: Schön. Wenn ihr irgendwelche Hinweise habt, was Bollywood betrifft, dann schreibt uns auch gerne. Ja, auf jeden Fall. Die guten Sachen bitte an Franke, Johannes.
Florian Bayer: Johannes muss man sehen.de.
Johannes Franke: Hast du denn schon für nächste Woche was für mich?
Florian Bayer: Natürlich habe ich schon was für nächste Woche. Und zwar, weil... Das Bollywood-Ding jetzt gerade so over the top war und so übertrieben und so viel zu viel von allem, dachte ich gleich nochmal rein, ja? Das Ganze aus Großbritannien. Was? Ich gucke ja gerade Agentenfilme der 70er Jahre. für das Blog, weil ich da gerade über 70er Jahre Filme schreibe und Wissenslücken nachholen muss.
Johannes Franke: Das heißt, es gibt ein Agenten-Musical aus Großbritannien?
Florian Bayer: Kein Musical, aber wenn man quasi die Musik weglässt und Sex dazu nimmt, dann hat man's. James Bond, Moonraker.
Johannes Franke: Was? Ich habe bei dieser Beschreibung nicht mit James Bond gerechnet. Hallo?
Florian Bayer: Also an James-Bond-Filmen kommen wir natürlich nicht vorbei, wenn man auf Agentenfilme der Dekade schaut.
Johannes Franke: Ja, okay.
Florian Bayer: Und es gibt viele. Wie in der Dekade davor auch und in der Dekade danach auch. Und ich habe mich für den entschieden, den ich tatsächlich am meisten mag. Und den aber... Bond-Fans vor allem eher nicht mögen. Ja, Moonraker aus dem Jahr 1979. Der teuerste Bond-Film bis dato sollte er auch lange bleiben.
Johannes Franke: Okay.
Florian Bayer: Mit allem, was zu Bond dazugehört und alles so ein bisschen nochmal eine Schippe draufgelegt. Ich bin sehr gespannt, was du davon hältst.
Johannes Franke: Ich bin nicht der größte James-Bond-Fan. Aber, also der sagt mir jetzt auch überhaupt nichts, aber das ist nicht verwunderlich. Mir sagt so ziemlich jeder James Bond nichts, außer Goldfinger, glaube ich, habe ich gesehen oder was das war und Ein, zwei andere.
Florian Bayer: Ich werfe die auch immer durcheinander. Die sind halt auch so schematisch. Ja. Also ich meine, es ist immer dasselbe. Es gibt immer den Superschurken, es gibt immer den Handlanger und es gibt die Bond-Girls. Ja, genau. Aber gerade deswegen ist Moonraker spannend, weil der halt einfach nochmal so eine Spur ... mehr und drüber ist, was das betrifft.
Johannes Franke: Okay, ich bin sehr gespannt.
Florian Bayer: Hast du denn was für mich schon?
Johannes Franke: Ja, ich hab was für dich. Und zwar jetzt... spontan, weil Maya das in ihrer Liste hatte, wie im Himmel. Ich wusste gar nicht mehr, dass dieser Film existiert und dann habe ich mich erinnert und dachte, wow, stimmt, der ist wirklich unglaublich traurig. Und es tut mir leid, aber du musst den Film kurz bevor wir das nächste Mal aufzeichnen gucken, damit du nicht die ganze Woche lang davon... runtergezogen bist.
Florian Bayer: Okay, werde ich versuchen. Ich habe ihn tatsächlich auf meine Liste gesetzt, weil ich habe von dem Film vorher auch noch nie gehört.
Johannes Franke: Ja. Schwedischer Film, richtig gut.
Florian Bayer: Nachdem ihr beide jetzt so ein Loblied drauf angestimmt habt, war das klar, dass der Film auf meiner Liste landen muss. Ich bin sehr gespannt. Sehr schön.
Johannes Franke: Ich bin sehr gespannt, was du dazu sagst.
Florian Bayer: Vielen Dank für diese Episode.
Johannes Franke: Okay. Ja, na dann. Euch eine schöne Woche. Kommt wieder nächste Woche. Und komm du auch wieder, Plur. Ich komme wieder.
Florian Bayer: Ist Maya nächste Woche da?
Johannes Franke: Nein, ich glaube nicht. Ich komme wieder.
Florian Bayer: Bis zum nächsten Mal. Ciao. Bis zum nächsten Mal. Ciao.
